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Persönliches Profil

Beiträge von Michael Collin
Top-Rezensenten Rang: 773
Hilfreiche Bewertungen: 779

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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Red One
Red One
von X. Dorison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,77

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschung, Red One: In Kalifornien gibt es die Lebensmittelkonserven ohne Bezugsschein!, 31. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Red One (Gebundene Ausgabe)
RED ONE ist ein gut gezeichnetes, unterhaltsames Comic, das leider viel zu schnell ausgelesen ist.
Eine "Superrussin", sexy und kampferfahren, als Agentin ins kapitalistische Kalifornien zu versetzen, wo sie in Kontakt zur Pornofilm-Szene gerät, während sie einen ultrakonservativen mörderischen Klassenfeind ausschalten soll, hätte sicherlich noch für einige witzige Ideen mehr gut sein können, aber auch so gab es ein paar gute Lacher.
Hervorzuheben ist noch, dass die tolle Artwork vom Format des Buches (größer als A4) profitiert, die Panels kommen sehr gut zur Geltung.
3,5 Sterne und die Hoffnung auf einen stärkeren Fortsetzungsband (WELCOME TO AMERICA endet mit einem Cliffhanger).


FF By Jonathan Hickman - Volume 1 (Ff (Future Foundation)(Quality Paperback))
FF By Jonathan Hickman - Volume 1 (Ff (Future Foundation)(Quality Paperback))
von Jonathan Hickman
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,70

3.0 von 5 Sternen Today is grey skies. Tomorrow is tears (Tom Waits), 28. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Johnny Storm ist tot und Marvels First Family in Trauer. Auf Johnnys letzten Wunsch hin stößt Spidey zum Team, dass sich fortan Future Foundation nennt.
Die Idee der Story - zahlreiche Reed Richards aus anderen Welten / Dimensionen planen unsere Welt zu vernichten, damit sie in ihre jeweils eigene zurückkehren können, klingt spannend genug, und auch dass Reeds Tochter zur Bekämpfung der anderen die Erzfeinde der FF zusammenruft. Die Ausführung fand ich allerdings eher lahm und nicht so mitreissend, und trotz der hervorragenden Artwork ist dieser Band nur ein mittelprächtiges Leseerlebnis.


Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Coming of Age-Story mit viel Zeit- und Lokalkolorit, 27. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
EIN FEINER DUNKLER RISS die Geschichte des Sommers 1958, als der Ich-Erzähler Stan mit 13 Jahren im osttexanischen Kaff Dewmont endgültig Abschied von seiner Kindheit nehmen muss. Durch Zufall wird er auf einen knapp 20 Jahre zurückliegenden Doppelmord aufmerksam. Die Sommerferien sind lang und und Stan beginnt, unterstützt vom farbigen ehemaligen Polizisten Buster, sich mit den scheinbar zusammenhängenden Todesfällen zu beschäftigen. Stan hat ein bisschen was von einem Spätzünder, erst vor einem halben Jahr wurde ihm der Glaube an den Weihnachtsmann & Co. genommen und obwohl er eine 16-jährige Schwester hat, wusste er von Sexualität bislang nichts. Es waren Tarzanbücher und Superheldencomics, in deren Welten Stan abtauchte, doch nun beginnt seine Reise in die menschlichen Abgründe. Sexualität, Gewalt, Alkoholismus, verborgen hinter der bestenfalls oberflächlichen kleinstädtischen Idylle, lauern plötzlich überall: „Schrecklich, wie es in Wirklichkeit zuging auf der Welt, in Dewmont.“
Lansdale erzählt die Geschichte im bewährten Tonfall und Muster seines Erfolgsromans „Die Wälder am Fluss“. Warmherzig und humorvoll erinnert sich der inzwischen fast sechzigjährige Stan an das Etappenjahr, als er seine kindliche Unschuld verlor. Unaufdringlich aber intensiv wird vom Rassenhass gegenüber der schwarzen Bevölkerung erzählt, aber auch von Menschlichkeit und Sympathie.
Der Roman könnte vom Tonfall des Erzählers und der damit verbundenen Perspektive ein Jugendbuch sein, ist aber für jugendliche Leser wegen der Gewaltdarstellungen nicht geeignet. Die Elemente des Kriminalromans verlieren sich andererseits zeitweise ein wenig im Zuge der Erzählung und von einem Thriller kann hier gewiss nicht die Rede sein (es sei denn, man würde Tom Sawyer und Huckleberry Finn als Thriller lesen, ein Buch, zu dem es durchaus Anklänge gibt).
EIN FEINER DUNKLER RISS ist ein sympathisches, sehr gut lesbares und als solches empfehlenswertes Buch, von dem ich mir allerdings gewünscht hätte, dass Lansdale ein wenig innovativer gewesen wäre.
Fazit: Aufgerundet vier Sterne, weil es sich flott und spannend liest.


Gotham Academy Vol. 1: Welcome to Gotham Academy (The New 52)
Gotham Academy Vol. 1: Welcome to Gotham Academy (The New 52)
von Becky Cloonan
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,73

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Don't know what I did last summer, 20. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Olive Silverlock besucht die GOTHAM ACADEMY, das angesehenste Internat in Gotham City. Aber etwas ist in den Sommerferien geschehen, an das sie sich nicht mehr erinnern kann, und seitdem leidet Olive unter Gedächtnisverlust und hat sich von ihren Mitschülern und ihrem ehemaligen Freund zurückgezogen.
Ihre Amnesie ist nicht das einzige Geheimnis, denn es geht ein Gespenst auf dem Campus um und die North Hall ist aus unerfindlichen Gründen von der Schulleitung gesperrt worden.

Mysteriöse Geschehnisse, ein Geheimbund, Liebeskummer, Freund- und Feindschaften: GOTHAM ACADEMY hat sicherlich junge Comic-Leserinnen zur Zielgruppe, die sich mit Olive und ihrer umwerfend begeisterungsfähigen neuen Freundin Mia „Maps“ Mizoguchi identifizieren können. Aber auch mir hat das Abenteuer viel Spaß bereitet (HARRY POTTER wird ja auch nicht nur von Kindern und Jugendlichen gelesen). Die Story ist flott und spannend erzählt. Da sich Olive nicht an die zurückliegenden Geschehnisse erinnern kann, tappt der Leser mit ihr im Dunkel, leidet und bangt mit ihr und wird von der so naiv-gewieften wie unternehmungslustigen vorlauten Göre Maps, der Olive als ältere Schülerin an die Seite gestellt worden ist, mitgerissen. Ein tolles Team sind sie, diese beiden so unterschiedlichen Mädels, und es steckt viel Potenzial für zukünftige Abenteuer in ihnen.

Die Zeichnungen stammen von Karl Kerschl (nicht zu verwechseln mit Karl Kesel), dessen Arbeiten für DC mir sehr gut gefallen. Die Figuren in GOTHAM ACADEMY sind im Manga-Stil gezeichnet, was mich eigentlich eher abschrecken würde, aber Kerschl übertreibt nicht und erzielt tolle Effekte. Jugendlich und frisch sind die Panels, und auch sehr stimmungsvoll. Dazu trägt in nicht geringem Maße die gelungene Kolorierung bei, für die ein ganzes Team eingesetzt wurde.

Fazit: Eine lesenswerte neue Serie, die auch ohne Batman Zukunft hat und Spaß macht: 3,5 Sterne.


Glanz und Schatten: Truman Capote und Harper Lee - eine Freundschaft
Glanz und Schatten: Truman Capote und Harper Lee - eine Freundschaft
von Alexandra Lavizzari
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wir müssen uns die Antworten zurechtlegen, 16. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Spannend genug ist sie, die Lebensgeschichte von Harper Lee und Truman Capote. Aber halt: wieso "und" ? Was hat die beiden verbunden, warum werden sie in einem Atemzug genannt? Dass sich beide in Monroeville, einem kleinen Kaff in Alabama, kennen gelernt haben und den Plan entwickelten, Schriftsteller zu werden, ist der eine Punkt. Zum zweiten hat Harper Lee später Capote bei den Recherchearbeiten zu KALTBLÜTIG unterstützt, was im Nachhinein zu einer großen Verletzung führte, da Capote sie nicht als Mitautorin des Buches benannte.
Lavizzari geht mit dem "und" einen Schritt weiter, und der Untertitel ihres Buches gibt das eigentliche Thema ihres Buches vor: Glanz und Schatten. Truman Capote und Harper Lee - eine Freundschaft.

Wohl kaum ein Autor ist von seinem Stoff so abhängig wie der Biograph. Im glücklichsten Fall ist das Leben der Verbiographierten spannend, lehrreich oder tragisch, vielleicht sogar von allgemeinem Interesse und wird schon darum den Leser mitreißen. Und schwer fällt es dem Leser, wenn er die Qualität der Biografie losgelöst von ihrem Gegenstand bewerten möchte, denn allzu leicht stellt sich das Leben der Hauptperson in den Vordergrund, und es ist kein leichtes, die Schnittstellen auszuloten und zu trennen zwischen der Begeisterung, die man für Harper Lee und Truman Capote empfinden mag und der (fehlenden?) Begeisterung für deren Doppelbiographie, der Biographie einer Freundschaft.

Harper Lee verbrachte ihre Kindheit im Südstaatennest Monroeville, wo sie als kleines Mädchen Truman Capote kennen lernte. Capote wurde dort von seiner lebenslustigen Mutter bei Tanten geparkt, so dass er sie bei ihrer Suche nach dem persönlichen Glück nicht behinderte. Zu seinem Vater hatte Capote kaum Kontakt, er war eine schattenhafte ferne Gestalt, die ein um das andere Versprechen abgab, um es dann wie stets doch nicht zu halten.
Zwei Gewißheiten stellten sich dem Knaben in ihrer Deutlichkeit ungewöhnlich früh ein: nämlich dass er zum Schriftsteller berufen sei und homosexuell.

Harper Lee war in gewisser Weise ein passendes Gegenstück, ein rauflustiges Mädchen, an dem ein Junge verloren gegangen schien. Bei ihr war es die Mutter, die sich psychisch erkrankt aus dem Familienleben absentiert hatte, und im MOCKINGBIRD schreibt Harper Lee dann, dass Scouts Mutter starb, als Scout zwei Jahre alt war.

Die Liebe zur Sprache und zu Büchern teilte Harper Lee mit Capote und ließ sich von seinem Streben, auf der Underwood Schreibmaschine, die die Kinder geschenkt bekamen, erste eigene Texte zu schreiben, willig mitreißen. Sehr interessant, auch bewegend, fand ich, dass die Beziehung zwischen den beiden in vielen Details jener ähnelt, die Scout zu Dill im MOCKINGBIRD hat. Es wäre interessant gewesen, die reale Freundschaft der Kinder mit der fiktiven Version aus dem Roman genauer zu vergleichen, eine Idee, auf die die Autorin leider nicht gekommen ist ' oder aber dem Leser zutraut, dass er dieses unschwer selber tun kann.

Nach ca. zwei Jahren trennten sich ihre Wege zunächst, als Capotes Mutter ihren neuen Lebenspartner kennen gelernt hatte und Capote zu sich nach New York holte.

Später wird Harper Lee Capote nach New York folgen, beide werden sich gelegentlich sehen und schließlich wird Harper Lee als bessere Sekretärin Capote bei seinem Erfolgsbuch unterstützen.

Es ist dies die Lebensgeschichte zweier Autoren, wie sie überall nachlesbar ist und die Frage hat sich mir gestellt, inwieweit Lavizzaris Betrachtung neue Aspekte aufzeigt und was die genaue Betrachtung der Freundschaft zwischen diesen so ungleichen Autoren erbringt.

Ich bin der Meinung, dass der Autorin beides nicht gelungen ist. Viel zu vage bleibt das Kernthema der Freundschaft in GLANZ UND SCHATTEN über weite Strecken; Lavizzari beleuchtet es nur in Schwerpunkten und läßt den Leser über vieles im Unklaren, z.B. darüber, wie oft sich Harper Lee und Capote im New Yorker Alltag getroffen haben und welche Bedeutung die ursprüngliche Anziehung, die sie als Kinder füreinander empfanden, später noch spielte (obwohl sie doch Capotes Erstling ANDERE STIMMEN unter diesem Aspekt deutet).

Neben der teilweise eigenwilligen Wortwahl von Alexandra Lavizzari und ihren Tendenzen, Geschehnisse einer zumeist klischeehaften eigenen Bewertung zu unterziehen (um nicht das böse Wort der Küchenpsychologie zu bemühen), ist für mich ein weiteres Ärgernis, dass es schwerfällt, beim Lesen eine Zeitleiste vor Augen zu haben. Zu selten nennt die Autorin konkrete Jahreszahlen oder das Alter der beiden künftigen Erfolgsschriftsteller. Zu schwer fassbar sind mir die Sprünge, die ihr Bericht beinhaltet.

Hinzu kommen zahlreiche kleine Irritationen: Warum übersetzt sie den Familiennamen von Scout Finch ins deutsche "Fink"? Würde sie in einem Buch über Guiseppe Verdi auch von Josef Grün sprechen?
Andererseits lautet eine zitierte Passage dann: "Die alte Negro Frau, die in unserem Haus wohnte (...)" - ich weiß nicht, ob Lavizzari die zitierte Passage selbst übersetzt oder auf die deutsche Ausgabe zurück gegriffen hat, aber diese Formulierung hätte eine neue Übersetzung vertragen.

Der letzte Satz des Buches beschreibt sehr genau die biographische Vorgehensweise von Lavizzari:
"Wir wissen inzwischen aber, dass Harper Lee uns kein Interview gewähren würde, und so müssen wir uns in Kenntnis ihrer und Capotes Vergangenheit die Antworten selbst zurechtlegen".


American Psycho: Roman (KiWi)
American Psycho: Roman (KiWi)
von Bret Easton Ellis
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Autor schreibt sich seinen Abscheu und seine Langeweile von der Seele - so mein Eindruck, 16. August 2015
Rezension bezieht sich auf: American Psycho: Roman (KiWi) (Taschenbuch)
AMERICAN PSYCHO ist eine langweilig-stereotype, schlecht geschriebene misogyne Splatter-Orgie, bei der die Romanfiguren eindimensionale Abziehbilder sind; arm oder reich, Mann oder Frau, mehr Merkmale gesteht Bret Easton Ellis ihnen nicht zu, um seine "Helden" auf eine Reise in die Hölle zu schicken.

AMERICAN PSYCHO ist keine gelungene ironische Abrechnung mit der Yuppie-Wallstreet Szene New Yorks.

Das im Kern meine Meinung zu diesem bescheidenen Buch.

Wo war hier das Lektorat, das seinem Autoren hätte raten sollen, aus diesem Stoff maximal eine Shortstory zu machen?
Warum sollte ich mich als Leser durch über 500 Seiten Prosa quälen, die völlig sinnlos die Namen arschteurer Markenartikel aneinander reiht, empathieunfähige Mistkerle durch ihren sinnlosen Tag begleitet und dann in widerlichen Gewaltexzessen gipfelt, bei denen ein emotional gesunder Mensch das Kotzen kriegen sollte?

Wenn ich etwas über menschliche Abgründe lesen möchte, dann darf das gerne ordentlich geschrieben sein, auch wenn lange nicht jeder Autor dabei die Wucht der Lowry'schen Prosa hinbekommt:
"Und so denke ich manchmal an mich selbst wie an einen großen Forscher, der irgendein unbekanntes Land entdeckt hat und niemals von dort zurückkehren kann, um der Welt Kenntnis davon zu geben; aber der Name dieses Landes ist Hölle. Natürlich liegt es nicht in Mexico, es liegt im Herzen."

Ich mache vom obersten Recht Gebrauch, das jedem Leser zusteht:
ich lese AMERICAN PSYCHO nicht zu Ende, denn Ellis hat mit diesem Buch keinen Anrecht auf meine Lesezeit erwirken können.


Gehe hin, stelle einen Wächter: Roman
Gehe hin, stelle einen Wächter: Roman
von Harper Lee
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Skandal oder nicht? Ein kleiner Vergleich der NACHTIGALL mit dem WÄCHTER, 10. August 2015
Atticus ist der Held, nein, der H E L D , in Haper Lees NACHTIGALL, er verteidigt den Farbigen, er, Ol' One Shot, erschießt den tollwütigen Hund, er kann so viel mehr, als seine Kinder Jem und Scout ahnen, und das müssen die beiden nicht wissen, denn Atticus ist ein GENTLEMAN, ein Vorbild an Rechtschaffenheit, Diskretion und Verantwortungsgefühl. Umso größer, regelrecht kathartisch ist das Aufatmen, als sich der kleinen Scout enthüllt, dass ihr Vater nur scheinbar alt und ohne besondere Fähigkeiten ist.
Aus der Ich-Perspektive des kleinen Mädchens heraus wird hier ein über-lebensgroßes Bildnis des Vaters als aufrechter Mann gezeichnet, und das ist zuweilen schon etwas arg heroisch und zuckrig.
Kompensiert wird das für den Leser, dem das vielleicht alles ein bisschen dick aufgestrichen ist, durch Harper Lees großartiges erzählerisches Talent, dank dessen ich die NACHTIGALL anerkennend direkt neben TOM SAWYER stelle. Die Frische des Tonfalls und die ungemein sympathische, lebhafte Scout ' man muss das lieben und es wundert nicht, dass dieses Buch ein weltweiter Erfolgt ist.
Dass die erste Fassung des Romans, der WÄCHTER, der NACHTIGALL in einigen Punkten deutlich überlegen ist, scheint mir bei Betrachtung einiger Rezensionen nicht bemerkt worden zu sein. Denn während in der NACHTIGALL unser Bedürfnis nach Hollywood befriedigt wird (nicht zufällig ist dieses Buch erfolgreich und großartig verfilmt worden), ist der WÄCHTER das realistischere und in diesem Sinne vielleicht bessere Buch. Hier erzählt kein kleines Mädchen als Ich-Erzähler, sondern im Zentrum steht Scout als Mittzwanzigerin, die mit einiger Distanz ' inzwischen lebt sie in New York - zu Besuch nach Maycomb kommt, das Kindheitsnest tief im Süden der Staaten, in Alabama.
Jean Louise ist eine selbstbewusste junge Frau, die ihren eigenen Kopf hat und kein für ihre Zeit typisches Frauenschicksal erleiden möchte; die 'Drei K', Kinder, Küche, Kirche, könnten sie nicht erfüllen. Stattdessen bekommt sie es mit drei anderen K, zu tun, nämlich dem Klu Klux Klan: Fassungslos muss sie miterleben, wie sich der verehrte Vater im Bürgerrat gemein macht mit rassistisch / faschistischen Wirrköpfen, geistigen Brandstiftern, die der aufkommenden Bürgerrechtsbewegung mit Borniertheit und Gewalt als Ewiggestrige begegnen. Die existenzielle Krise, in die Jean Louise durch dieses Erlebnis stürzt, ist so glaubwürdig und nachvollziehbar geschildert, dass sie für mich schon jetzt in ihrer Eindringlichkeit zu den großen Szenen der Literatur gehört.
Wird hier die Lichtgestalt Atticus, Liebling von millionen Lesern, demontiert? Natürlich nicht, denn erstens ist die Lichtgestalt der NACHTIGALL die Montage, die dem glaubwürdig-wirkungsvolleren Vorbild der ersten Buchfassung vermutlich erst auf Drängen des Verlegers folgte; und wer möchte denn lieber ein Abziehbild zum Helden als eine komplexere, menschlichere Figur, die Stärken und Schwächen hat?
Im Übrigen könnte man, wenn man als Gutmensch überkorrekt erhaben sein wollte, auch am vermeintlichen Humanismus der NACHTIGALL Anstoß nehmen, denn diese steht auch für die Lehre, dass Mensch unterscheidet zwischen nützlich und schädlich, und dass Schädlinge erschossen werden sollen, die Nachtigall jedoch toleriert wird, da sie so schön singt. Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der eingeteilt wird in Nachtigall / lebenswert und Nicht-Nachtigall, tötenswürdig?
Nicht, dass ich diesem Gedanken weiter folgen will, er ist so absurd wie der Vorwurf, beim WÄCHTER handele es sich um ein rassistisches Buch; so absurd wie die immer wieder aufgestellte Behauptung, er sei ein Sequel zur Nachtigall.
Dieser enorme Gefühlsüberschwang, mit dem einige gegen den WÄCHTER wüten, dürfte sich erklären aus einer Umfrage, die in Amerika gestartet wurde mit der Fragestellung: Welches Buch hat sie am meisten beeinflußt? Platz 1: Die Bibel; Platz 2: To Kill a Mockingbird.
Offenbar war nicht nur für die achtjährige Scout, sondern auch für viele Leser Atticus ein strahlendes Vorbild, dessen vermeintliche Demontage nicht verkraftet wird.

Der WÄCHTER ist ambitionierter erzählt als die NACHTIGALL, allerdings ist das Ende nicht ganz nach meinem Geschmack, etwas langatmig und leider ganz zum Schluß auch theatralisch. Aber darin unterscheidet es sich vom Nachfolger ja letztlich nicht. Scout muss zu Jean Louise werden und endlich aus dem Schatten ihres übermächtigen Vaters treten. Sie muss ihr eigenes Gewissen, ihre eigene Urteilskraft über die ihres Vaters stellen. Rassismus findet im Kopf jedes einzelnen statt, und pauschale Urteile führen nicht weiter.
Wie sagt Onkel Finch am Ende: Freunde brauchen dich nicht, wenn sie recht haben, sondern wenn sie sich irren.

GEHE HIN, STELLE EINEN WÄCHTER ist ein durchaus empfehlenswertes Buch, und die feuilleton-forcierte Konkurrenz zu Harper Lees Erfolgsroman vollkommen überflüssig. Meine Tip: beide Bücher lesen, genießen, und selbst verlgeichen!

Nachtrag:
Hier ein interessanter Artikel aus der SZ:

Nicht mehr als ein zu Recht eingemotteter Entwurf - so bezeichnet ein US-Buchhändler den neuen Harper-Lee-Roman. Und ist zum Äußersten bereit.

Ein Buchhändler in den USA kann die Begeisterung über das neue Buch von Harper Lee nicht nachvollziehen. Peter Makin, Inhaber der Buchhandlung Brillant Books in Traverse City, Michigan, erstattet deshalb allen, die bei ihm den Roman "Gehe hin, stelle einen Wächter" gekauft haben, den Kaufpreis, wenn sie das Buch zurückbringen.

Der Volksheld ist plötzlich Rassist

Atticus Finch besucht ein Ku-Klux-Klan-Meeting und hetzt über "Neger": US-Schriftstellerin Harper Lee zeigt in ihrem neuen Roman schockierende Züge ihres einstigen Helden.

Auf seiner Website hat Makin eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er seine Kunden darüber unterrichtet, dass der Roman weder eine Vor- oder Nachgeschichte zu Lees Welterfolg "Wer die Nachtigall stört" noch ein ganz neues Buch sei. Es handle sich vielmehr um einen ersten Entwurf, der damals vom Verlag "abgelehnt" worden sei, und zwar "zu Recht". "Wir betrachten das Buch eher als interessantes Studienobjekt für Philologen denn als leichte Sommerlektüre", heißt es auf der Homepage von Brillant Books.

"Enttäuschend und beschämend"

Auch in anderen Fällen nimmt Makin Bücher zurück, deren Inhalt oder Qualität nicht halten, was das Marketing versprochen habe. "Wenn man sich zum Komplizen einer Industrie macht, die Leser bewusst in die Irre führt, sollte man die Konsequenzen tragen und seine Kundschaft entschädigen", so der Buchhändler. Und weiter: "Es ist enttäuschend und beschämend, dass unsere ehrenwerten Verlage den Roman als 'Harper Lees neues Buch' anpreisen."

Das sei Ausbeutung "sowohl des Literaturliebhabers als auch eines geliebten Klassikers, der hoffentlich dadurch nicht für alle Zeiten befleckt ist."

Aha, für Bücher, die keine "leichte Sommerlektüre" sind, gibt's inzwischen in Amerika das Geld zurück!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 11, 2015 3:56 PM MEST


The Fade Out Volume 1 (Fade Out Tp)
The Fade Out Volume 1 (Fade Out Tp)
von Ed Brubaker
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,69

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Noir Crime vom Wahnsinnsteam Brubaker / Phillips / Breitweiser, 31. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ed Brubaker ist ein Meister des Crime Noir und in THE FADE OUT erzählt er vom Hollywood-Schreiber Charlie Parish, der nicht nur vom Krieg traumatisiert ist, sondern noch andere Geheimnisse hat, die ihn belasten. Das Jahr ist 1948, und gerade ist Val, die die weibliche Hauptrolle des Films spielen soll, für den Charlie das Drehbuch schreibt, tot aufgefunden worden. Charlies Erinnerung an die Todesnacht ist mehr als fragmentarisch, zuviel Alkohol, trotzdem weiß er etwas, das außer ihm nur zwei Menschen wissen: dass Val sich nicht das Leben genommen hat, sondern ermordet wurde. Aber weder er, noch die Filmgesellschaft, noch der Mörder haben ein Interesse daran, dass die Tat verfolgt wird. Angesiedelt in der Blütezeit des Noir und der Zeit der paranoiden Kommunistenverfolgung stellt Brubaker mit THE FADE OUT einmal mehr sein Können unter Beweis, wieder einmal im Team mit Sean Phillips, dessen Artwork den Zeitgeist perfekt einfängt.

Zu diesem Team muss eigentlich nichts weiter gesagt werden, darum komme ich - wie schon in meiner Review zu Kirkmans OUTCAST - viel lieber auf diese Dame zu sprechen: Elizabeth Breitweiser!
Sie zeichnet für die Kolorierung der Artwork verantwortlich und stellt einmal mehr unter Beweis, welche Bedeutung die Kolorierung hat; sehr treffend sagt sie es mit eigenen Worten in einem Interview:

"As a colorist, I think it's important to consider myself an artist and story teller first and worry about everything else later. Ideally, a colorist should be well-versed in design elements/principals and human anatomy. It's my job to integrate color with line art, so the finished product feels whole and complete and not like separate parts fighting for attention. [Today] with all the shiny, crazy, spectacular things you can do with Photoshop, it's easy for a colorist to swallow up the line art. In my opinion, a good colorist should accent the line art and follow the artist and writer's visual clues for story telling. We should use color theory, value and texture harmoniously with the line art to help lead the reader's eye around the page and create form, emphasis, variety, movement/rhythm, atmosphere, and mood. Like it's been said a million times before: fantastic color can save bad art, and terrible color can destroy really great art."

In FADE OUT treffen "fantastic color" und "great art" aufeinander mit dem Ergebnis, dass es keine nebensächlichen Panels gibt. Jedes einzelne Bild ist stimmungsvoll, ausdrucksstark und verdient Bewunderung.

Fazit: Toll erzählter erster Teil eines spannenden Noir Krimis mit wunderbarer Artwork und fantastischer Kolorierung; ich freue mich schon auf Teil zwei.
5 Sterne, weil es 6 nicht gibt!


Outcast by Kirkman & Azaceta Volume 1: A Darkness Surrounds Him (Outcast by Kirkman & Azaceta Tp)
Outcast by Kirkman & Azaceta Volume 1: A Darkness Surrounds Him (Outcast by Kirkman & Azaceta Tp)
von Robert Kirkman
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,50

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die eigentliche Sensation für mich: Elizabeth Breitweiser!, 30. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich bin kein großer Fan von Robert Kirkman, der für seine Reihe WALKING DEAD schwer gefeiert worden ist. Auch die Handlung von OUTCAST ist für mich nicht mehr als einigermaßen solide Unterhaltung (was ja auch schon viel wert ist) und bekommt von mir nicht mehr als maximal drei Sterne. Die Artwork von Paul Azaceta gefällt mir hingegen schon ganz gut, aber die eigentliche Entdeckung für mich heißt:

ELIZABEHT BREITWEISER !!!

Elizabeth Breitweiser hat das Coloring von OUTCAST übernommen, und das ist die eigentliche Sensation dieses Comics. Abgesehen davon, dass sie mit ihrer Farbwahl und Gestaltung meinen Geschmack trifft, sollte man sich vorstellen, was von der Wirkung von Azacetas Zeichnungen übrig bliebe ohne die fantastische Kolorierung; da leider Amazon noch immer nicht das Einbetten von Bildern in Rezensionen erlaubt, muss, wer interessiert ist, selbst im Internet nach Bildern googeln.

Elizabeth Breitweiser unterstützt nicht nur, sondern erschafft oft überhaupt erst die Stimmungen, zaubert mit Kontrasten und Schattierungen. Manche Panels und Seiten wirken etwas romantisch und kontrastieren damit zu den fast schon monochromen Panels, in denen sie die ruppigeren Szenen gestaltet.

Da ich bisher noch nie in solchem Maße über die Leistung des Kolorierers gestolpert war, habe ich den Namen mal gegoogelt und erfahren, dass sie als Superstar in der Szene gilt und schon Preise bekommen hat (ein interessantes Interview mit ihr findet man z.B. auf Youtube).

Fazit: Fünf Sterne für Elizabeth Breitweiser, die OUTCAST insgesamt auf vier Sterne aufwerten (wenn man denn beim Comic das Visuelle in den Vordergrund stellt)


Amerikanisches Solo
Amerikanisches Solo
von Katja Eichinger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vom Gift in den Lenden und anderen Katastrophen, 24. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Amerikanisches Solo (Gebundene Ausgabe)
Wer den Film liebt, den Thriller und die Musik, den Glamour Hollywoods und die Coolness eines David-Lynch-Klassiskers, wer bereit ist, in die Tiefen des Unbewussten vorzudringen und es viele Tage und Nächte in einem Panic Room aushält, dem sei "Amerikanisches Sole" dringend empfohlen. (Klappentext)

Wow, thats me! John Coltrane, Blue Velvet, Panic Room... ich wollte sowieso mehr vom Metrolit Verlag lesen, und so war Eichingers AMERIKANISCHES SOLO also ein Pflichtkauf.

Nach ein paar langweiligen erste Seiten liest sich dieses als blanker Wahnsinn verkaufte Buch dann so:

„Ihr Haar war lang und strömte wie eine Welle aus dunklem Gold über ihre Schultern, als sie durch das Wohnzimmer ging. Bis auf die Champagnerschale in der Hand war sie nackt. Sie hatte jungenhafte schmale Hüften und bewegte sich mit der Geschmeidigkeit einer Katze. Als sie den Kamin erreichte, drehte sie sich um, und Harry konnte ihre Brüste sehen. Sie waren klein und makellos geformt. So köstlich, dass ihr einziger Daseinsgrund darin zu bestehen schien, von einem Mann,, der so hungrig war wie Harry, liebkost und verspeist zu werden. Sie schmückten ihren straffen Körper wie Edelsteine und bildeten mit dem kleinen Büschel blonder Locken über ihrer Vulva ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Schamhaare hatte Harry seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Die Frauen, denen er in den letzten Jahren begegnet war, waren rasiert gewesen und ihm dadurch so kindlich erschienen, dass er sich bei ihrem Anblick schmutzig gefühlt hatte. Dieses herrliche Geschöpf gab nicht vor, noch ein Kind zu sein.
(…)
Plötzlich erstarb ihr Lächeln. Harry war beunruhigt. Was auch immer ihr Lächeln hatte erlöschen lassen, es sollte verschwinden. Erst als sie den Mund leicht öffnete und ihre Schulter rhythmisch bewegte, ahnte er den Grund. Er ließ das Fernglas über ihren Körper hinabgleiten. Sie masturbierte – den Blick noch immer auf die unsichtbare Person gerichtet. Das Gift schoss in seine Lenden und überwältigte ihn. Er kam innerhalb von Sekunden. Im Augenblick des Orgasmus ließ er das Fernglas sinken, um sich auf dem Geländer abzustützen. Sobald er sich unter Kontrolle hatte, setzte er das Fernglas wieder an. Der Erleichterung folgte Enttäuschung. Der Platz vor dem Kaminsims war leer, die Frau verschwunden.“

*********

„Mona begann zu weinen. Harry konnte deutlich erkennen, wie sich ihre strahlend blauen Augen mit Tränen füllten. Doch anstatt sie in den Arm zu nehmen, gab Serge ihr einen Klaps auf den Rücken und stand auf. Mona folgte ihm. Dann wurde es dunkel.
Harry stand noch immer auf dem Balkon. Seine Gedanken waren zur Ruhe gekommen. Alles ergab Sinn. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, die ihm das Leben unvermutet gestellt hatte. Er war zur richtigen Zeit am rechten Ort. Dies war der Moment, in dem Harry Cubs zeigen konnte, wer er wirklich war.“

Solcher Art also sind die Gedankengänge des Protagonisten Harry Cubs, als er Mona die Schöne erstmals sieht und begehren lernt.
Harry - Jazz-Legende und selbsternannter Weltverbesserer, der Banalitäten im salbungsvollen Ton eines Coelho von sich gibt. Schlimmer als seine Einfältigkeit sind allenfalls noch die Menschen, die sich guten Rat von Leuten erhoffen wie ihm, Leute die glauben, Celebritys hatten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Aber was für ein Ratgeber ist Harry, der mit seinem eigenen Leben nicht klar kommt? Wenn er nicht auf der Bühne stehen und die Rolle des Musikers und Gurus spielen kann, überkommen ihn Depressionen. Er unterhält keine nennenswerten Beziehungen zu anderen Menschen, weder zu Mitmusikern nocht zu Freunden oder gar Frauen. Harry sind Schlangen lieber als Menschen, was wohl einiges über ihn sagt.
Er ist verlogen genug, auf die Welt des Musikgeschäfts und den Glamour herabzusehen, haßt den Starrummel und die Medien, und ist doch ein Nichts ohne sie, ein Narzisst, dessen Ego genau die Popularität braucht, die er verhöhnt.

Aber dann sieht er Mona, und nun soll sein Leben plötzlich Sinn bekommen, alles soll gut und anders werden. Und: er will Mona retten, vor sich selbst und vor ihrem Ehemann. Zum Glück hat Harry einen Panic Room und Mona wird schließlich verstehen und es ihm danken ... so Harrys Plan (obwohl, Plan ist das falsche Wort).

Dieses Buch ist so deprimierend!
Die erste Frage war, ob Katja Eichinger so grottenschlecht schreibt, klischeehaft und einfältig, oder ob der Leser glauben soll, dass alles durch die Brille von Harry Cubs gesehen wird (der kein Ich-Erzähler, dafür dann aber ein ganz armer Wicht ist). Falls zweites zutreffend sein sollte, scheitert Frau Eichinger nicht nur an der Hürde der Glaubwürdigkeit; welcher erfolgreiche Jazzmusiker würde sich wohl z.B. nach jahrzehntelanger Karriere nachts auf dem Weg zum Diner ins Gedächtnis rufen, dass der Jazz seine Wurzeln in der Musik der schwarzen Feldarbeiter hat? Das ist nur ein Beispiel für viele verquere Gedankengänge, mit deren Schilderung die Autorin dokumentiert, dass sie vom inneren Monolog noch nichts gehört hat oder ihn einfach nicht beherrscht.
Aber selbst wenn die grenzenlose Einfalt und Dummheit der Perspektive von Harry geschuldet sein sollen, ist es doch die Autorin, die es für eine gute Idee hält, dass Harry bereits am ersten Abend beobachten kann, wie seine neue Nachbarin Mona in ihrem Wohnzimmer masturbiert. Und Frau Eichinger ist es, die schreibt "Das Gift schoß in seine Lenden".
Kurzum: es gibt keine Ausrede; nicht die Figur des Harry Cubs, den Eichinger übelwollend als verlogenen Dummbatz und Chauvinisten gestaltet, ist Schuld an den Peinlichkeiten des Textes, sondern der Roman höchst selbst.

Erzählt aus der Er-Perspektive ist die Story gefangen in der Perspektive ihres Protagonisten, der anfangs nur borniert und verlogen, sich bald aber als zunehmend unstabil und schließlich psychotisch herausstellt.
Leider ist das alles so absehbar und einfallslos geschrieben, dass Harry Cubs fast schon ein durchgeknallter Jedermann sein könnte.
Aber halt, davon stand doch auch etwas auf dem Umschlag:
"Ich habe lange nichts Spannenderes mehr gelesen. Es geht weniger um einen Psychopathen, als vielmehr um einen Mann, vielleicht jeden Mann, in all seiner Abgründigkeit - und um das, was er am meisten fürchtet: die Macht der Frauen."
Argh, tatsächlich, da hatte noch jemand den Eindruck, dass Eichinger hier über "den Mann an sich" schreibt.
Das kann die Autorin doch nicht ernst meinen, oder? Mir kommt es wie neurotischer Männerhaß vor, der hier abgearbeitet wird, zynisch und bösartig, auf Wirkung bedacht, die sich auch dem unsensibelsten Leser nicht entziehen soll.
Welchen Aufschrei würden wir hören, wenn ein Autor so über Frauen schreiben würde?
Und so ganz nebenbei sei bemerkt, dass die Story keinesfalls spannend war. Harrys kranke Gedanken als Cicerone durch einen "Krimi", nein, das funktioniert hier irgendwie nicht.

Selten vergeben ich nur einen Stern, aber die Diskrepanz zwischen gewolltem Anspruch und Ausführung ist zu fatal.


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