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Beiträge von Michael Collin
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Rezensionen verfasst von
Michael Collin
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Warriors of Mars
Warriors of Mars
von Bradbury E P - Moorcock Michael
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Barsoom heißt jetzt Vashu..., 5. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Warriors of Mars (Taschenbuch)
OK, first things first: Edward P. Bradbury ist Michael Moorcock und WARRIORS OF MARS ist, Überraschung, ein Klon von Burroughs Marsprinzessin. Barsoom heißt jetzt Vashu, der Held Michael Kane und die Prinzessin Shizala. Ansonsten bleibt das Meiste beim Alten.

Aber entgegen der Meinung einiger Rezensenten bin ich der Auffassung, dass sich die WARRIORS flüssig und angenehm lesen und, um mal Schelte auszuteilen, besser sind als Klines SWORDSMAN OF MARS, und das, obwohl Kline für viele der einzige Kronprinz war, der an den Meister heranreichte.

Die WARRIORS sind mindestens so sehr Ritterroman wie SF, auch wenn der Glaube auf Vashu nur die Rolle spielt, die auch Arno Schmidt noch hätte akzeptieren können:

"The absence of any places of worship was noticeable and I asked Shizala about this. She replied that there was no official religion of any kind, but for those who wanted to believe in a higher being it was better to look for Him in their own minds and hearts, not so seek Him in the words of others."

Ansonsten aber wird nicht nur mit Schwertern gekämpft, sondern auch die Wertevorstellungen sind ritterlich:

"I realized I was showing him more mercy than he expected, even from the folk of Varnal. And in helping him I was slowing myself up. Yet a man is a man, I thought - he cannot do what is contrary to his own feelings and principles. If he has a code of honour he must adhere to it. The moment he forgets that code, then all is lost, for even though he forgets on one occasion, it is the beginning of the end. Bit by bit the code will be qualified, any break with it justified, until the man is no longer a man, in truth, at all."

Vor allem aber geht es um Minnedienste, die Michael Kane ganz ritterlich seiner Herzdame, der schönen Prinzessin, leistet, mit Ehre und Schwert, also ein märchenhafter Ritter / SciFi-Roman.

Achtung, es folgt ein milder SPOILER:
Viele Hindernisse müssen überwunden, heldenhafte Kämpfe ausgefochten, grausamer Verrat und nicht zuletzt ein drachenartiges Monster bezwungen werden, bis die Hochzeitsnacht bevorstehen könnte, wenn, ja wenn nicht der Materietransmitter genau in diesem Moment Michael Kane auf die Erde zurückbeamen würde.

Ach, man kennt das doch, es klingelt die Pausenglocke und jäh wird man am Ende der Lateinstunde aus dem schönsten Traum geschreckt...


Ant-Man Vol. 1: Second-Chance Man
Ant-Man Vol. 1: Second-Chance Man
von Nick Spencer
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

3.0 von 5 Sternen Sympathisch mit Potential zur Steigerung, 4. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nach dem Riesenerfolg von HAWKEYE hat Marvel nun mit Scott Lang einen weiteren Protagonisten aus dem bürgerlichen (Anti-)Helden-Leben ins Rennen geschickt.
Scott, ein verurteilter Einbrecher und aktueller Ant-Man, steht nicht gerade auf der Erfolgsseite im Superhelden-Biz. Eigentlich würde es ihm schon genügen, wenn er eine kleine Sicherheitsfirma aufmachen und das Sorgerecht für seine Tochter bekommen könnte. Doch neben einigen Ganovengegnern ist es vor allem der Alltag, der ihn ins Schwitzen bringt...
Die Stories sind mittelprächtig und Scott Lang ein nicht unsympathischer Held, der aber leider recht stereotyp daher kommt. Also kein Vergleich mit Hawkeye. Die Zeichnungen und die Colorierung allerdings sind klasse und retten locker den dritten Stern.
Man darf hoffen, dass sich die Serie, die Potential hat, dynamisch weiter entwickelt.
Und falls man sich etwas wünschen dürfte: die WASP ist doch viel zu charmant, um sie einfach von Ant-Mans Seite zu nehmen!


Batman '66 Vol. 2
Batman '66 Vol. 2
von Jeff Parker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,94

5.0 von 5 Sternen WHAM! BIFF! Besser geht's nicht!, 4. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Batman '66 Vol. 2 (Gebundene Ausgabe)
Vermutlich kann man BATMAN 66 Vol. 2 auch zu einer anderen Jahreszeit lesen, aber ich empfehle den Juli! Diese Stories sind so cool, es ist wie Eisessen im Baumschatten. Nur einen Wunsch läßt Jeff Parker offen: warum überfällt Mr. Freeze Gotham im Hochsommer und nicht das Kaff, in dem ich wohne?
Trotz dieses Ärgernisses 5 absolut verdiente Sterne!
(Und wer für den Summer of Cool noch eine andere heiße Leseempfehlung wünscht: schaut mal in BANDETTE rein, die macht genauso viel Spaß wie Batman aus den poppigen Sixties)


Inzest
Inzest
von Christine Angot
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Wenn ich das Wort nicht ergreife, dann werde ich zur Komplizin dessen, was passiert (Angot), 4. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Inzest (Taschenbuch)
"Serienmörder, das ist Teil meines Charms. Ich sage ihr, dass sie feige ist. Sie antwortet mir, dass ich wahnsinnig bin. Unausgeglichenheit macht mir keine Angst, es gibt andere, die das nicht aushalten. Darunter sie. Leute wie sie. Leute, die Grenzen haben. Ich habe keine. Sie, sie hat welche."
Obsessionen und Wahnsinn stoßen mich nicht ab, ganz im Gegenteil - zumindest, wenn sie in pseudosicherer literarischer Distanz stattfinden, und Literatur ist immer auch Teil des Lebens selbst. Wenn Christine Angot schreibt, dass sie keine Grenzen hat, übertreibt sie kaum. INZEST ist vor allem der Bericht über ihre gescheiterte homosexuelle Beziehung zu einer Ärztin, der zwischen Liebeswahn und Wahnsinn oszilliert. Wie Prousts Ich in der Recherche Marcel heißt, so heißt auch hier die Erzählerin wie die Autorin Christine Angot, CA. Dass sie bei dieser Reise in die Abgründe der Besessenheit, in diesen Monolog, der die grenzenlose Verstörung nach dem Ende der Beziehung zu Ärztin Marie-Christine Adrey dokumentiert, den Namen ihrer Tochter Léonore des öfteren einbringt, wirkt skandalös, denn das Kind kann sich ja nicht dagegen verwahren und wird in der Schule gefragt werden: "Ist deine Mutter wirklich verrückt und eine Lesbe?"
Ein Problem, dass die Autorin nicht ausblendet, und so lautet die Widmung des Buches:
"Ich sollte dir dies hier nicht widmen, meine schöne, und wie du mich gebeten hast hinzuzufügen, liebe Léonore."
Es ist eine Mischung aus Wut, Mut und Selbstbesessenheit, die Angot hier vorlegt, vor allem aber rückhalt- und rücksichtslose Offenheit:
"Wenn ich das Wort nicht ergreife, dann werde ich zur Komplizin dessen, was passiert. Das Wort ergreifen heißt die Komplizenschaft zu verweigern, in der wir gesellschaftlich baden. Ich will den Leuten nur das sagen: Ihr gebt euch mit dieser Lüge zufrieden. Mich aber macht das aggressiv. Ich wüsste nicht, wie die Wahrheit sagen, aber die Literatur gesteht diese Ohnmacht der Lüge gegenüber ein." (CA zu einer Journalistin)
"...das gesamte Manuskript rührt an das Problem der Verletzung des Persönlichkeitsrechts der erwähnten und beschriebenen Personen...Absehbare Prozessrisiken liegen auf der Hand...Der Mangel an Zurückhaltung und Besonnenheit in den Äußerungen bildet ein entscheidendes Element des Werks, in dem Maße, in dem es dem Leser erlaubt - soweit das möglich ist - sich dem leidenschaftlichen Wahnsinn der Autorin zu nähern." - so warnt ihre Rechtsanwältin, und dass CA diese Warnung in den Text integriert, muss auch als Lust an der Provokation verstanden werden.
INZEST ist bei aller Offenheit kein pornografischer Roman, auch wenn es kein verschämtes Wegschauen und Verschweigen gibt; und INZEST ist auch keine Abrechnung mit dem Vater.
Schwieriger wäre die Bewertung, ob es sich um mutige Literatur oder um einen Skandalroman handelt, aber das eine schließt das andere nicht aus. Es ist ein Erinnerungsbuch, und damit drängt sich der Terminus "psychologischer Roman" auf, der zuerst auf die Romane von Joyce, Woolf und Proust angewandt wurde. INZEST liest sich wie ein langer innerer Monolog, ein Gedankenstrom, dem nicht immer leicht zu folgen ist.
Bei sommerlicher Hitze gelesen können diese Bekenntnisse den Leser erschöpft zurücksinken lassen in den hoffentlich gemütlichen Lesesessel oder auch auf's Sofa. Die Aggressivität und Subjektivität (um es freundlich zu formulieren) einer Jelinek findet sich hier, aber ohne Romanstruktur; ein Monolog der Molly Bloom ist INZEST nicht, dazu fehlt es an literarischer Qualität, am Gestaltungswillen.
Ich also sinke zurück und schließe das Buch, ein wenig erschöpft.
2,5 Sterne.


Die Spur des Teufels: Roman
Die Spur des Teufels: Roman
von John Burnside
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

5.0 von 5 Sternen Die Spur des Teufels - eine schottische Odyssee, 28. Juni 2015
„Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, so lehren uns die Bremer Stadtmusikanten, aber kaum ist die letzte Silbe des Märchens verklungen und Mutter hat den Buchdeckel geschlossen, da stehen wir schon von Zweifeln umringt: wann war das Leben das letzte Mal so einfach, wann auf einen so griffigen Nenner zu bringen; sind Märchen vielleicht „nur“ die kleinen Geschwister der Lyrik, die eigene Mittel hat, schwer Fassbares begreiflich zu machen, der Komplexität des Lebens gerechter zu werden, wenn auch um den Preis der Einfachheit?
Burnside ist Lyriker auch in seinen Romanen, seine Sprache immens ausdrucksstark und bildmächtig. Und wenn der Roman mit dem Märchen von der Spur des Teufels beginnt, so sind eben diese Fußabdrücke im Schnee am Ende doch auch die des Ich-Erzählers Michael Gardiner selbst, der in seines Lebens Mitte abgeirrt vom rechten Weg eine schottische Odyssee durchwandert. Märchenhaft ist seine Geschichte gewiss nicht und mit dem Schließen des Buches im Kopf des Lesers noch lange, lange nicht beendet.

Ein Zeitungsartikel ist es, der Michael Gardiners Leben aus der Bahn wirft. Moira Birnie, eine Jugendfreundin von ihm, hat sich mit ihren beiden Söhnen das Leben genommen, nur die 14-jährige Tochter Hazel wurde aus dem erweiterten Suizid ausgenommen. Michael, ein eremitischer Außenseiter im schottischen Fischerdorf Coldhaven, erinnert sich, ausgelöst durch das Geschehen, an seine Kindheit und daran, wie er den Tod von Moiras Bruder Malcolm Kennedy verschuldete. Wollte man den Grad der Schuld in strafrechtlicher Hinsicht bewerten, so wäre einiges in Betracht zu ziehen: die Tatsache, dass Malcolm Michael furchtbar drangsaliert hat (obschon Notwehr nicht greifen würde und ohnedies ein Notwehrexzess vorläge) spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Ermutigung einer alten Dorfbewohnerin, Michael müsse mit Malcolm die Rollen tauschen und kein Opfer mehr sein; keine regelrechte Anstiftung zum Mord sind ihre Ratschläge, aber in gewisser Weise könnte Michael es so verstanden haben. Schlussendlich wäre neben Fragen von Täterschaft und Teilnahme, Vorsatz und Fahrlässigkeit auch die Strafmündigkeit zu prüfen, aber genug von juristischen Betrachtungen, denn DIE SPUR DES TEUFELS ist ein existentialistischer Roman, der sich nicht in Wortklaubereien und Haarspaltereien verliert. Schuld und Sühne ziehen sich thematisch als ein roter Faden durch den Roman, in dem es zahlreiche Verbrechen gibt, doch ist der Horizont weit gespannt und stellt die griffige Idee einer angemessenen Strafe in Frage. Sühne findet hier statt durch die Einsamkeit des Lebens, das man führt, ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Manchmal scheint es fast auch darum zu gehen, ob es so etwas wie eine Erbsünde gibt, verstanden allerdings in dem Sinne, dass Kinder mit den Fehlern ihrer Eltern leben müssen. Klare Trennlinien und Definitionen werden einer komplexen Weltsicht oft nicht gerecht, und ob das Kind Michael Sadist oder Wissenschaftler ist, wenn es 50 Bienen in einem Glas fängt, ist nicht so eindeutig zu beantworten. Das Freilassen der Bienen jedoch kann lebensgefährlichen sein, so, wie Malcolm seine sadistischen Verhaltensweisen gegenüber Michael zum Verhängnis werden.
Auf die Hintergründe von Michaels gescheiterter Ehe mit Amanda und den Problemen, die seine Eltern als Zugezogene im Dorf hatten (und offenbar gibt es da ein dunkles Geheimnis, das nicht enthüllt wird), will ich nicht näher eingehen, obschon diese Themen die Grundstimmung im Roman definieren. Für die Romanhandlung hingegen ist es entscheidend, dass Michael sich die Frage stellt, ob Hazel seine Tochter sein könnte. „Alles beginnt, bevor wir den Beginn erkennen“, stellt er fest, und in einer Phase temporären Irrsinns kommt es zu einem gemeinsamen Roadtrip mit der 14-Jährigen, einem Ausbruch aus der Stasis der Depression, der zahlreiche Parallelen zu „Lolita“ aufweist (auch wenn Michael zunächst bezeichnender Weise an Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ denkt, ein Titel, der nichts Gutes verheißt) und der schließlich zum eigenwilligen Höhepunkt des Romans führt, wenn Michael wie eine beckettsche Figur sich die Landstraße entlang schleppt, ganz ohne die „mentale Tapete eines entschieden beigefarbenen Geistes“.

Beziehungen sind in diesem Roman das, was nie gelingt, was allen Romanfiguren das Glück erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Dieser nicht sehr erheiternden Aussicht steht die Natur gegenüber, eine verlässliche Größe, von der keine Bösartigkeiten zu gewärtigen sind und die dem distanzierten Michael wie schon zuvor seinem Vater zur Zuflucht wird. Ohne Frage, wir haben es in DIE SPUR DES TEUFELS mit waschechten Außenseitern zu tun, neurotisch und beziehungsunfähig. Und doch ist es gerade dieses Personal, dass uns einen Blick in menschliche Abgründe erlaubt und darauf, was das Menschsein im existentialistischen Sinne überhaupt ausmacht.

Formell fällt zunächst eine Sprunghaftigkeit im Erzählen auf, der Verzicht auf chronologische oder logische Strukturierung. Doch bald wird beim Lesen deutlich, dass die Übergänge assoziativ sind und den Gedankengängen von Michael entsprechen. So entstehen indirekte Kommentare, die das schwer Fassliche in Form einer poetischen Wahrheit greifbar machen, bis schließlich etwas so Abstraktes wie „das Leben“ ansatzweise sichtbar wird, verborgen hinter Schweigen, Missverständnissen, Irrtümern und Böswilligkeiten. Dabei bewegen sich in Burnsides Sätzen die Menschen gelegentlich wie Fremdkörper, kurze syntaktische Störungen der Natur. Schon ein Mensch ist hier mehr als genug und fraglich ist es, ob überhaupt andere Menschen jenseits des eigenen Ichs existieren.
„Dies ist die Geschichte, die es trotz aller übrigen Geschichten gibt, in ihrem eigenen Raum, in dieser privaten innersten Kammer, in der man nur den Wind als Nachbarn kennt.“
In einigen der schönsten Passagen nähert sich der so sprachmächtige Burnside dann fast einem Zustand des Schweigens an, einer Poetik der Stille, die den Melancholiker ziert.
Wofür nun steht die SPUR DES TEUFELS? Es ist die Abkehr von der Norm(alität), ein Moment des Außenseitertums, das wenn auch nur kurz Einzug ins Alltägliche hält und einen anderen Blick auf die Welt zuläßt:
„Es ist nicht Sinn und Zweck eines Spiels, eine festgefügte Realität durch eine andere zu ersetzen, vielmehr geht es darum, eine Variante anzudenken, eine Möglichkeit.“

In Zeiten der Massenmedien und der Social Networks mutet DIE SPUR DES TEUFELS wie ein Roman aus dem vorletzten Jahrhundert an, der die eine und einzige Todsünde anprangert, nämlich die, nicht man selbst zu sein. Und doch ist die SPUR zeitlos, denn, Michael Gardiner betont es mehrfach: Es gibt nur das Jetzt!


Bandette Volume 2 Stealers Keepers!
Bandette Volume 2 Stealers Keepers!
von Paul Tobin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,21

5.0 von 5 Sternen Diebstahl als schöne Kunst betrachtet, 25. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit Bandette verhält es sich wie mit Zuckerwatte: so köstlich, so süß, man kann gar nicht genug davon bekommen. Und so hat mir der zweite Band mindestens so gut geschmeck / gefallen wie der erste. Ich neige nicht zu übertriebenen Ohs und Ahs, aber die Panels sind so skurril und liebenswert, dass ich schon ein steinernes Herz haben müsste, um mich ihrem Charm entziehen zu können. Bandette macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt, sie ist eine anarchische Mischung aus Pipi Langstrumpf und Audrey Tautous Amelie. Bandette nimmt das Leben leicht, eine hohe Kunst, die spielerisch daher kommt, und kaum ein Panel bringt mich nicht zum Schmunzeln. Vielleicht bekommt man von zu viel Zuckerwatte Bauchschmerzen, aber das lasse ich drauf ankommen...


BUtterfield 8: Roman
BUtterfield 8: Roman
von John O'Hara
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

4.0 von 5 Sternen Urban und realistisch, 24. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: BUtterfield 8: Roman (Taschenbuch)
Gloria, die Hauptfigur des Romans, habe ich mir ein wenig wie die auf die schiefe Bahn geratene ältere Tochter von Leopold und Molly Bloom vorgestellt, die nach New York ausgewandert ist. Eine Assoziation, die ich mir selbst nicht recht erklären kann und die in Ansätzen darauf beruhen mag, dass irische Einwanderer, innerer Monolog und Nierchen zum Frühstück eine Rolle spielen in BUTTERFIELD 8. Gloria säuft wie ein Loch - überhaupt vermittelt der Roman den Eindruck, während der Prohibition sei mehr gesoffen worden als davor oder danach -, konsumiert Drogen und wechselt die Sexualpartner ständig. Dabei stammt sie aus ordentlichem Hause, ist ausgesprochen gutaussehend und witzig. Dass sie so auf die schiefe Bahn gekommen ist, ist nicht einfach erklärbar. Missbrauch im Kindesalter (Nabokov lässt grüssen) und die Wirtschaftskrise mögen mit ursächlich sein.
Hier liegen Wagnis und Erfolg von O'Haras zweitem Roman eng beieinander: eine 1935 im Erscheinungsjahr skandalöse Story, die sich Symbolen und Metaphern erklärtermaßen verweigert, wenn auch Menschentypen darstellt, und das Risiko eingeht, dass ein männlicher Autor eine weibliche Hauptfigur mit glaubwürdiger Psyche darzustellen versucht - und das gar nicht einmal schlecht zuwege bringt.
Zwei Adjektive beschreiben den Roman besonders treffend: urban und realistisch erzählt O'Hara vier Tage aus Glorias Leben und dem einiger Männer und Frauen aus ihrem Umfeld,deren Wege sich in New York immer wieder kreuzen, just wie die der Personen im ULYSSES. Wo Glorias Cousine Holly Golightly naiv und unbedarft scheint, ist Gloria spitzzüngig und es haftet ihr etwas Tragisches an, dass sich in Promiskuität, Drogen und Alkolkonsum nicht erschöpft.
Bis auf das Ende des Romans, das auf mich pathetisch wirkt (auch wenn es auf Tatsachen beruhen mag), bietet BUTTERFIELD 8 viel erzählerisches Licht: O'Hara hat ein großartiges Ohr für Dialoge, die in der deutschen Übersetzung leider gelegentlich etwas kryptisch klingen, und sein Romanpersonal ist quicklebendig und erfreulich klischeefrei. Aber so modern der Roman in seinen erzählerischen Mitteln und seinem Personal auch ist,geht O'Hara den Weg leider nicht konsequent zuende. Sein kommentierender auktorialer Erzähler stört gelegentlich den Fluss und dass realistische Mosaik, das O'Hara ausbreitet, könnte an manchen stellen straffer und mehr auf den Punkt gebracht daher kommen.
Ich denke, dass der Roman 1935 eine kleine Sensation war, modern und skandalös, und dass O'Hara sich nicht ohne Berechnung im Roman vor seinem Saufkumpan Fitzgerald verbeugt. Und auch für mich als heutiger Leser war der Roman trotz seiner Schattenseiten ausgesprochen lesenswert. Nicht verhehlen will ich, dass ich ihn vermutlich innerhalb der ersten 40 Seiten abgebrochen hätte, wenn er nicht Gegenstand eines gemeinsamen Leseprojektes gewesen wäre. Danach häuften sich dann Kapitel, die mich regelrecht begeisterten und die für sich genommen locker ihre fünf Sterne wert gewesen wären; aber leider kamen auch immer wieder andere dazwischen, die den Fluss störten.
Fazit: leicht aufgerundet vier Sterne und eine klare Leseempfehlung!


The Empty Coffins: A Mystery of Horror
The Empty Coffins: A Mystery of Horror
von John Russell Fearn
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

3.0 von 5 Sternen Leere Särge, 24. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
John Russell Fearn gehört zum Urgestein der britischen SF Szene und hat auch in amerikanischen Magazinen veröffentlicht; Insgesamt über 180 Romane unter verschiedenen Pseudonymen und in verschiedenen Genres.
THE EMPTY COFFINS ist eine Kombination von Horror- und Kriminalroman, eine Mischung, die Fearn nicht erfunden hat, auf die er sich aber viel zugute hielt.

EMPTY COFFINS ist routiniert aufgebaut und erzählt, unterhaltsam, aber nicht mitreissend und nicht expliziter als "Die Drei Fragezeichen". Nachdem ich die RED INSECTS von Fearn gelesen hatte (unter dem Pseudonym Vargo Statten geschrieben), hatte ich eine verrücktere, exzessivere Story erwartet. Besonders nervig ist die seitenlange Aufklärung am Ende des Romans, die sich alles andere als mitreissend liest und kaum für einen auf gesperrten Lesermund sorgen dürfte.

Zur Ausgabe im Borgo Verlag ist anzumerken, dass man sich der Mühe des Korrekturlesens nicht unterzogen hat und all die typischen und zahlreichen Fehler auftauchen, die das Einscannen von Texten mit sich bringt. Das ist sehr ärgerlich und kein Zeichen der Wertschätzung für den Autor, dem der Herausgeber Harbottle sich so verbunden fühlt.
Einmal mehr schlägt die Wagschale zwischen Begeisterung und Kommerz deutlich zugunsten des letzteren aus. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass Harbottle eine kurze Einleitung und ein Nachwort spendiert hat.


Der dunkle Schirm
Der dunkle Schirm
von Philip K. Dick
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cruising for Burgers, 19. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der dunkle Schirm (Taschenbuch)
Die beiden ersten Romane PKDs, bevor er sich dem vielleicht kommerziellsten Genre der 50er Jahre zuwandte, waren „Gesellschaftsromane“, und mit dem SCANNER verlässt er gegen Ende seiner Karriere nochmals seinen über die Jahrzehnte bevorzugten Tummelplatz und kommt hier weitestgehend ohne die genretypischen SF-Zutaten aus.
Hier begegnet uns der amerikanische Albtraum in Reinkultur als eine Nation, in der Konsum die oberste Bürgerpflicht ist und die Bürger vom Staat so weit nur irgend möglich überwacht werden; Hätte PKD die technische Entwicklung länger verfolgen können, er wäre über die globalen Machenschaften der NSA als letzter erstaunt gewesen. Big Brother is tapping you, um Orwell einmal zu paraphrasieren. Die Bevölkerung zerfällt in Plastic People, die sich über die Hundescheiße auf dem Gehweg mehr als über das sie umgebende menschliches Elend ereifern, und in die Drogenkonsumenten, die dem amerikanischen Wahnsinn entfliehen wollen und in Irrsinn und Paranoia enden.
Kein mir bekannter Autor hat so brillant über Täuschungen, Rausch und Wahn geschrieben und hat seine Protagonisten so um und um getrieben, sie durchgeschüttelt und bis an den Rand und darüber hinaus gepuscht wie PKD, der selbst ein großer Paranoiker war. Im SCANNER liest sich das beispielsweise so: „An der Peripherie seines Lebens lauerte irgendein feiger, hinterhältiger Freak, der sich nicht traute, ihm offen entgegenzutreten, sondern ihn aus dem Verborgenen heraus fertig zu machen versuchte. Eigentlich gar kein richtiger Mensch, sondern eher ein als Mensch getarntes Symptom ihres ganzen Lebens hier.“
Fred, die Hauptperson im SCANNER, arbeitet undercover als Polizeispitzel und wäre bei anderen Autoren nur ein Handlanger des Überwachungsstaates. Doch so einfach liegen die Dinge bei PKD nicht, denn Fred ist auch Konsument der illegalen Droge Substanz-T und kommt durch den Konsum immer mehr unter die Räder. Die Ironie der Story liegt darin, dass Fred bald von seinem Vorgesetzten den Auftrag erhält, sein Undercover-Ich, dessen Identität dem nicht bekannt ist, zu observieren. Das ist nun also nicht mehr die übliche Paranoia des Users, der sich vom Staat verfolgt fühlt, sondern hier bekommt der Wahnsinn Methode und ich musste an einen Spruch der 70er Jahre denken, den man damals an manche Klotür gekritzelt fand: Hilf der Polizei, stell dich selbst. Aber ein Schmunzeln will ob der Ironie nicht aufkommen, denn allzu drastisch, zu böse ist PKDs Schilderung der Verheerungen, die der Konsum auf Hirn und Handeln der Abhängigen hat, und die Vermutung, dass der Autor eigene Erfahrungen verarbeitet, ist wohl nicht aus der Luft gegriffen. Fred verliert immer mehr den Boden unter den Füßen, die Wirklichkeit wird ein einziger Jahrmarktstrick, nichts ist mehr gewiss.
Es gibt witzige Passagen im SCANNER, aber auch extrem viel Schatten, und der Gesamteindruck ist sehr bedrückend. PKD selbst sagte dazu: „Es brach mir das Herz, diesen Roman zu schreiben, es brach mir das Herz, ihn zu lesen. Die komischen Stellen sind die komischsten, die ich je geschrieben habe, und die traurigen sind die traurigsten - und sie sind beide in ein und demselben Buch.“

Abschließend eine überflüssige Betrachtung zur Funktion des Burgers im SCANNER:

PLASTIC PEOPLE
(Lyrics: Frank Zappa)

FZ: Alright, there's a green Chevy, license number 650 BN in Barry's lot. Gotta move it. I repeat, there is a green Chevy, license number 650 BN in Barry's lot.
Guy #1: There's a '54 out there too, Frank.
FZ: There's a what?
Guy #1: A '54.
FZ: There's a '54 what?
Guy #1: A '54 what?
Guy #2: Did you announce the action burgers?
Guy #3: Action burgers...!
Guy #1: It's a Ford – uhhhh...
FZ: Please, do yourself a favor and move your short before somebody takes it away. They're serving burgers in the back! If you go for burgers, you'll love the burgers here. They have some burgers in this place, when you open 'em up, y'know... you hold 'em like this, and go way in the back where nobody can see you... Some people eat them that way.
Guy #4: Take 'em back to Philadelphia, Frank!
FZ: What?
Guy #4: Philadelphia!
FZ: What about Philadelphia?
Guy #4: It's a cream cheese.
FZ: That's it!

FZ: Now, if you'll analyze what we're playing here, if you use your ear and listen, you can learn something about music, y'see? "Louie Louie" is the same as the other song with one extra note, see? They're, they're very closely related and they mean just about the same thing.

Plastic people
You gotta go
(Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah)
Plastic people
You gotta go-UH!

A fine little girl, she waits for me
She's as plastic as she can be
She paints her face with plastic goo
And wrecks her hair with some shampoo

Plastic people
You gotta go-UH
Plastic people
You gotta go
(Sure gonna miss ya)

Take a day and walk around
Watch the nazis run your town
Then go home and check yourself
You think we're singing 'bout someone else...

But you're plastic people
You gotta go
(Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah, yeah)
Plastic people
You gotta go

Three nights and days I walk the streets
This town is full of plastic creeps
Their shoes are brown to match their suits
They got no balls, they got no roots...

Because they're pPlastic people
You gotta go
(Sure gonna miss ya, bop, bop, bop)
Plastic people
You gotta go

Me see a neon moon above
I searched for years and found no love
I'm sure that love will never be
A product of plasticity

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Soweit FZ im Jahre 1967; 10 Jahre später folgt PKD mit einer Analyse über die Bedeutung des Hamburgers unter dem amerikanischen (Alb)Traum:

"Wenn man den Reklameschildern glauben schenkte, dann hatten sie denselben Hamburger mittlerweile fünfzig Milliarden Mal verkauft. Womöglich an denselben Kunden? Das Leben in Anaheim, Kalifornien, war ein einziger Werbespot, der sich verselbständigt hatte und nun endlos wiederholt wurde. Nichts änderte sich, alles breitete sich nur weiter und weiter in Form von Neonschleim aus." (45)"

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Und noch einmal Meister Zappa über Burger und Freiheit:

I must be free
My fake i.d.
Freeeeeees me
Gotta do a few things
To make my life complete
Gotta live my life
Out on the street
The difference between us
Is not very far
Cruising for burgers
In daddy's new car
My phony freedom card
Brings to me
Instantly
Ecstasy

(Cruising for Burgers)

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Der Hamburger ist mehr als Fast Food, er ist Teil des amerikanischen Traums (Verfügbarkeit und Reichtum) und wie Coca Cola Symbol des American way of life. Kein Wunder, dass das Burger-Wunder von FZ und PKD so massiv angegangen wird.

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1958 verkaufte McDonald's den 100 Millionsten Hamburger, Preis 15 Ct. / Stück.


The X-Men: 1-10 (Marvel Masterworks (Unnumbered))
The X-Men: 1-10 (Marvel Masterworks (Unnumbered))
von Stan Lee
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Der Beginn einer Legende, immer noch lesenswert, und für ältere Leser eine proustsche Madeleine, 16. Juni 2015
Ungezählte Male habe ich diese ersten Hefte der X-Men gelesen, und nie werde ich die ungeheure Faszination vergessen, die dieses Team für mich als 10-Jährigen hatte. Welche Magie ging von einem Mutanten mit Flügeln aus, der der Engel genannt wurde, welche Anziehungskraft von der nicht minder himmlischen Jean Grey, die der Traum eines jeden Teenagers sein musste? Eine so starke Faszination hatten die Hefte damals auf mich als Kind, dass sie beim Wiederlesen wie bei Proust die Madeleine eine ganze Welle längst vergessen geglaubter Kindheitserinnerungen wieder ins Bewußtsein rufen.
Der Band bereitet Staunen und Freude, hat darüber hinaus aber natürlich auch einen "geschichtlichen" Hintergund; denn auch wenn die X-Men nach gut 50 Heften fast eingestellt worden wären wegen mangelnder Verkaufszahlen, sind sie heute das heisseste Eisen, das Marvel im Feuer hat - und das schon seit Jahren. Die gebundende Masterworks-Ausgabe präsentiert die allerersten X-Men Abenteuer würdig in Qualität und Aufmachung, zumal der X-Men Omnibus Band 1 leider vergriffen und ein Nachdruck nicht angekündigt ist.

Zwei Trivia, die beim Wiederlesen ins Auge fielen:
In Heft 3 gesteht sich Charles Xavier ein, dass er in Jean Grey verliebt ist, gesteht ihr seine Zuneigung aus den bei Superhelden üblichen Gründen aber nicht ein.
In Heft 4 treten erstmals Scarlet Witch und ihr Bruder Quicksilver auf, Mitglieder der "Evil Mutants" (wie konnte Magneto seine Truppe nur freiwillig so nennen), beide wechseln später zu den Avengers.
Und das Trivia-Highlight dann in Heft 6: Konkurrenz belebt das Geschäft; vermutlich um mit der schönen Scarlet Witch zu konkurrieren, trägt Jean (leider nur in diesem einen Heft), vom Badekappenzwang freigestellt, ihr Haar einmal offen und hat dafür eine Catwoman-ähnliche Maske. Eine deutliche Verbesserung, die die Frage aufwirft, warum in den Folgeheften die tolle Haarpracht wieder verborgen wird.


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