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Rezensionen verfasst von
T. Wilde

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XI (Eleven)
XI (Eleven)
Preis: EUR 7,74

5.0 von 5 Sternen Wir werden hoffentlich noch viel von Rebel Revive hören!, 15. März 2016
Rezension bezieht sich auf: XI (Eleven) (MP3-Download)
Manchmal hat man das Glück und entdeckt eine Band für sich, die einen immer irgendwie begleiten wird. Rebel Revive gehören für mich seit ein paar Jahren dazu, auch wenn man sie hierzulande wohl eher nicht kennt. Durch einen glücklichen Zufall bin ich vor zwei Jahren auf ihre "XI"-EP gestoßen und war sofort begeistert. Aufgenommen wurde die EP von Sänger und Songwriter Matthew Lindblad alleine, bevor die weiteren Bandmitglieder zu ihm stießen. Mittlerweile sind die Jungs aus Orange County, das ja bekanntermaßen eine Wiege des amerikanischen Punkrock ist, eine vierköpfige Band, die dieses Jahr ihr langersehntes Debütalbum veröffentlichen wird, worauf ich mich persönlich sehr freue.
Musikalisch sind Rebel Revive irgendwo im Alternative Rock zu verorten, wobei Elemente des Punkrock, Pop-Punk und Pop-Rock, aber auch aus Post-Hardcore und Emo zu hören sind.

Der Opener "The Voices" beginnt mit großartigen Gitarrenharmonien, die eine gute Stimmung und ordentlich Druck erzeugen. Die Drums treiben den Song mit den klaren Gitarren voran, der Gesang kommt hymnisch daher und der Refrain beißt sich durch mehrstimmigen Gesang und eine fanatstische Melodie fest. Das ist moderner und verdammt optimistischer Pop-Punk vom Feinsten! Mit "Skeletons" wird es zu Beginn etwas lauter, Gitarren und Drums jagen durch die ersten Sekunden, bis die erste Strophe das Lied etwas entschleunigt und Matthews Stimme starke Höhen erreicht. Der Refrain ist klingt extrem breit und ab der zweiten Strophe mischen sich Streichertöne unter. Die Halbballade bekommt zum Ende hin einen immer dicheren Sound, die Gitarren klingen immer härter, bis die letzten Sekunden von einem Breakdown zerrissen werden, der von starken Screams begleitet wird. Versöhnlichere Töne schlägt da schon "Better Days" an, der der perfekte Soundtrack für einen warmen Sommerabend ist. Der Song pendelt zwischen Pop-Rock und Pop-Punk, wird von eingänigen Gitarrenrhythmen und einem noch eingängigerem Refrain begleitet und setzt sich im Gehörgang nach dem ersten Mal Hören fest.
"Like You Mean It" beginnt mit poppigen Gitarren, dann steigen Drums ein, bevor Mathhew mit "OhOhOh"-Chören einsteigt, die einfach total euphorisch klingen. Zu Beginn erinnert mich der Song etwas an Deaf Havana, bis der Refrain wieder typische Pop-Punk-Töne einschlägt und sofort zum Mitsingen animiert. Gesprochene Parts kommen richtig stark zur Geltung, die Bridge wird musikalisch unruhiger, bevor Gesnag einsteigt, der von relativ harten Screams begleitet wird und dann sofort wieder vom melodischen Refrain verdrängt wird. Ganz große Kunst! Der nächste Titel "Nameless Faceless" ist vielleicht nicht der härteste, auf jeden Fall aber unruhigste, Song der EP, die Gitarren klingen fast schon nach Metal, der Refrain stellt das aber mit seiner Eingängigkeit ein wenig auf den Kopf. Auch hier werden einige Screamparts eingebaut, die perfekt funktionieren. Mit dem unfassbar guten Closer "Stars" endet die EP nach nicht einmal 20 Minuten - und trotzdem klingen die Töne von Rebel Revive schon so vertraut, als würde man die Band schon von unzähligen Alben zuvor kennen. "Stars" ist ein Rocksong erster Klasse, der wieder am Pop krazt und sich optimal bei ihm bedient, ohne zu poppig zu wirken, auch wenn der Refrain sehr groß aufgezogen ist, doch auch das funktioniert ohne wenn und aber.

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass diese EP von einer Band stammt, die bei der Aufnahme von "XI" eigentlich noch gar nicht existierte, so stark wie sie eingespielt und produziert ist. Ein musikalisches Mastermind namens Matthew Lindblad hat das Kunststück trotzdem fertig gebracht und einen Vorgeschmack auf die Band gegeben, die in diesem Jahr ihren ersten Longplayer veröffentlichen wird. Man kann nur hoffen, dass man von dieser Band in Zukunft noch viel hören wird und ich bin davon überzeugt, dass Rebel Revive ihren Weg gehen und dabei enorm an Bekanntheit gewinnen werden. In der alternativen Rockmusik werden sich die Jungs mit ihrem Sound zwischen Punk, Rock, Pop und Post-Hardcore ganz sicher etablieren können.


Taking One for the Team
Taking One for the Team
Preis: EUR 17,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man könnte glatt nostalgisch werden..., 26. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Taking One for the Team (Audio CD)
Simple Plan sind eine der ersten Pop-Punk-Bands, die ich gehört habe. Mit Songs wie "I'd Do Anything", "Addicted" oder "Shut Up!" drückten sie einem ganzen Genre ihren Stempel auf. Die kanadische Antwort auf blink-182 erspielte sich schnell eine große Fanbase und konnten bald schon Erfolge im Mainstream verbuchen, auch wenn ihr hierzulande wohl bekanntester Song "Summer Paradise" sehr den Konventionen langweiliger Top-40-Radiostationen erfüllt. Dennoch schafften sie es, auf jedem Album einige echte Kracher zu platzieren, auch wenn ihr Sound immer poppiger wurde.

Mit "Taking One For The Team" kehren die Jungs ganze fünf Jahre nach ihrem letzten Album zurück und präsentieren dem Hörer teilweise einen Ausflug in die frühen 2000er, in eine Zeit, als "No Pads, No Helmets ... Just Balls" gerade veröffentlicht wurde. Der krachende Opener "Opinion Overload" ist Pop-Punk-Nostalgie pur, mit Lyrics, die besagen, dass man einfach das machen soll, was man selbst für richtig hält, ohne sich beeinflussen zu lassen. Gleichzeitig wirkt es auch wie ein ausgestreckter Mittelfinger gegen Kritiker der Band. Eine ähnliche Richtung schlagen "Boom!", das mit tollen Gitarrenharmonien punktet und zum Mitgröhlen animiert, und das beschwingte "Kiss Me Like Nobody's Watching", das ein wenig an All Time Low erinnert, ein. Die ersten drei Songs sind also gute Laune pur und präsentieren Simple Plan so frisch und wild wie lange nicht mehr.
Das erste Feature auf "TOFTT" knüpft nahtlos an die vorherige Stimmung an und präsentiert Gast-Vocals von New Found Glory-Sänger Jordan Pundik. Allgemein könnte "Farewell" auch von NFG stammen, so druckvoll wie die Gitarren daherkommen. Der erste Durchhänger ist der Reggae-Song "Singing In The Rain", das zusammen mit dem Hip-Hop-Duo R. City aufgenommen wurde. Wäre die Nummer eine Minute länger gewesen, hätte sie durchaus funktionieren können, aber die letzte Minute zieht sich etwas in die Länge und ich wurde nicht wirklich warm damit. Das folgende "Everything Sucks" macht aber da weiter, wo "Farewell" aufgehört hatte, mit eingängigem Pop-Punk, der den Nostalgiker im Hörer weckt. Noch besser wird dann der nächste Song "I Refuse", der zu den härtesten und schnellsten, zugleich aber eingängigsten Simple-Plan-Songs zählt. Dieser Punk-Kracher ist einfach ganz starke Kost, die einen breit grinsend zurücklässt.
Danach kann man sich auch einen Ausfall leisten, denn "I Don't Wanna Go To Bed" mit Rapper Nelly ist der Tiefpunkt des Albums, irgendwo zwischen langweiligem R&B und Möchtegern-Funk lädt der Titel zwar zum Bewegen ein, wenn man aber nur zuhören muss, ist man spätestens nach einer Minute genervt und danach wird es schnell schlimmer, wenn Nelly dann alleine rappen darf. Aber um zu verkaufen, muss man sowas wohl mit hineinnehmen. Gott sei Dank präsentieren sie nach diesem schwachen Song einen weiteren schnellen und eingänigen Pop-Punker, der auf den Namen "Nostalgic" hört und den Hörer erneut genau so fühlen lässt - nostalgisch. Die erste richtige Ballade schließt sich mit "Perfectly Perfect" an, die Nummer tut keinem weh, ist aber gleichzeitig auch kein Höhepunkt, dennoch kann man sie sich sehr gut anhören und sie funktioniert als Entschleuniger ganz wunderbar. Es fogen wieder zwei grandiose Pop-Punk-Songs, das mit Ska-Elementen aufgepeppte "I Don't Wanna Be Sad" und das an Good Charlotte erinnernde "P.S. I Hate You", die die Stimmung wider zum sieden bringen und einfach nur großen Spaß machen. Die beiden letzten Songs erinnern an die großen Zeiten des Emo-Pop, die sich auch Anfang der 2000er abspielten. Die Balladen "Problem Child", das bei jedem Hören besser wird, und "I Dream About You", das zusammen mit Juliet Simms, deren Gesang fantastisch mit Pierre harmoniert, aufgenommen wurde und mit düsteren Synthie-Sounds spielt, lassen das Album ruhig und stimmungsvoll enden, sorgen aber nicht dafür, dass man seine gute Laune verliert, die man durch die Platte gewonnen hat.

Simple Plan liefern dem Hörer mit "Taking One For The Team" ein Pop-Punk-Album, das zu den besten Alben des Genres in den letzten Jahren zählt. Unheimlich kreativ und dabei sehr an den Wurzeln orientiert, sodass man glatt nostalgisch werden könnte, zelebrieren die Kanadier eine dreiviertel Stunde Energie pur und liefern sich nur kleinste Fehler in der B-Note, die aber nicht zu einem Punktabzug führen, denn als Gesamtwerk steht eine Veröffentlichung, die einfach Spaß macht und den Hörer einfach glücklich zurücklässt - und das zu schaffen ist an sich schon eine relativ große Kunst.


Death of a Bachelor
Death of a Bachelor
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erstes musikalisches Highlight in 2016, 2. Februar 2016
Rezension bezieht sich auf: Death of a Bachelor (Audio CD)
Panic! at the Disco ist ohne Zweifel eine der Bands, wenn man das mittlerweile zum Solo-Projekt Brendon Uries gewordene Kunstwerk noch als Band bezeichnen will, die es auf jedem Album schaffen, zu überraschen. Aus der Pop-Punk-Szene hatte sich Panic! schon vor Jahren verabschiedet, mit dem letzten Album schien man sich auch von der Rockmusik distanziert zu haben, doch hier nähert sich Brendon wieder seinen Wurzeln an - und die liegen nun mal auch irgendwo in der Nähe von Fall Out Boy und anderen Pop-Punk-Bands. Das bedeutet nicht, dass wir hier ein zweites "A Fever You Can't Sweat Out" zu hören bekommen, denn zu Einflüssen, die von Rock und Pop-Punk über Pop bis hin zu Hip-Hop reichen, mischen sich auch neue Elemente, Frank Sinatra wird von Brendon immer wieder als große Inspirationsquelle genannt, und das hört man auch auf "Death Of A Bachelor".

Mit "Victorious" beginnt das Album mit einer mitreißenden Mischung aus Pop und eingänigen Rockrhythmen, ein Chor singt den Refrain mit Brendon und elektronische Elemente laden zum Bewegen auf der Tanzfläche ein. Mit treibendem Drumming und fetten Gitarren weiß der Opener zu begeistern, man bekommt das Gefühl, dass die Indie-Disko für Nummern wie diese erfunden wurden.
Auch "Don't Threaten Me With A Good Time" schlägt zu Beginn in eine ähnliche Kerbe, eine geniale Bassline, die wohl direkt aus einem Punksong entnommen wurde schlägt ein hohes Tempo an, das mit Einsetzen des Gesangs etwas entschleunigt wird. Der Refrain hat dann wieder ein höheres Tempo zu bieten. Spannend ist das Lied durch die immer wieder ein wenig andere Instrumentalisierug und die dadurch erzeugte Stimmung. Das folgende "Hallelujah" erinnert auf der einen Seite an Broadway-Musicals, spielt auf der anderen Seite aber mit Hip-Hop-Anleihen und Rock-Elementen, wobei nichts wirklich auf den Titel passen möchte, er lässt sich nicht in ein starres Genre einordnen und genau das macht seine Faszination aus. Das nennt man Kreativität!
"Emperor's New Clothes" nimmt dann noch mehr Hip-Hop-Einflüsse mit, nur um im Refrain als Synth-Rocker richtig nach vorne zu gehen. Ohne die meiner Meinung nach fast schon nervigen Einspielungen am Anfang und vor Refrains und Strophen würde mir auch diese Nummer richtig gut gefallen. Zum Glück wird das Lied aber nicht zu lange ausgekostet. Es folgt der Titeltrack, der jetzt tatsächlich direkt von Sinatra zu stammen scheint, ein Swing-Jazz-Pop-Song, der genauso gut 60 Jahre eher sein Publikum gefunden hätte. Brendon liefert eine grandiose stimmliche Leistung ab und kreiert mit "Death of a Bachelor" einen Pop-Song aller erster Klasse. Mit "Crazy=Genius" wird das Tempo wieder ordetlich angezogen, ruppige Drums und schnelle Gitarren sorgen für einen Titel, der an frühe Zeiten von Panic! erinnert und gleichzeitig doch eindeutig erst für DOAB geschrieben wurde, da Swing-Elemente an alle Stellen zu finden sind. Erstaunlich, wie hervorragend Swing-Pop-Punk funktioniert...
Die rockige Schiene wird auch mit "LA Devotee" weitergefahren, der an Stücke aus der "Vices & Virtues"-Zeit erinnert, Alternative Rock mit poppigen Einflüssen. Aber auch hier schien sich Brendon wohl nicht mit einfacher Nostalgie zufrieden gegeben und so erscheinen Ska-Bläser, die für ein beschwingtes, lockeres Gefühl sorgen. "Golden Days" spielt dann wieder mit Hip-Hop, mixt gleichzeitig aber noch unruhigen Rock dazu, der vor dem Refrain etwas entspannt wird und nur um den kraftvollen Chorus noch mehr zu unterstreichen, der sich sofort einbrennt und der zu den stärksten gehört, die von Panic! je veröffentlicht wurden. Es schließt sich "The Good, The Bad And The Dirty" an, ein Lied, das auch auf aktuellen Fall-Out-Boy-Releases ganz vortrefflich funktioniert hätte. Pop-Rock mit Anspruch, der noch ein wenig an alte Pop-Punk-Einflüsse denken lässt und einfach Spaß macht.
"House Of Memories" schlägt eine ähnliche Richtung ein, ist aber um einiges elektronischer und poppiger, New-Wave-Anleihen und Pop-Punk-typische "OhOhOh"-Chöre zeichnen das vorletzte Lied des Albums neben seinem verdammt eingängigen Refrain aus. Die Bridge hätte man sich vielleicht sparen können, aber das ist Meckern auf extrem hohem Niveau. Mit einer weiteren Jazz-Pop Ballade ("Impossible Year") wird dieses äußerst ansprechende Album zuende geführt, Brendons Stimme und das Piano unterstützt von Bläsern bestimmen diesen runden und majestätischen Abschluss, der wieder eine gesangliche Meisterleistung darstellt, aber gerne etwas beschwingter hätte ausfallen können.

Als erstes Solo-Album unter altem Namen weiß "Death Of A Bachelor", alte Fans an den richtigen Stellen abzuholen und gleichzeitig neue Einflüsse einzubeziehen. Mit bekannten Zutaten von elektronisch aufgepepptem Pop-Punk und Rock und neuen Rezeptideen wie Hip-Hop und Swing-Jazz zaubert Brendon Urie ein Pop-Rock-Swing-Jazz-Punk-Album, das bisher seinesgleichen sucht. Die Platte ist sowohl ein neues Hörerlebnis, kommt aber gleichzeitig den Pop-Punk-Ursprüngen von Panic! so nahe, wie es zuletzt "Vices & Virtues" geschafft hat. So kann es gerne weitergehen!


Sounds Good Feels Good (Limited Deluxe Edition)
Sounds Good Feels Good (Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 18,99

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwischen langweiligen Pop-Anbiederungen und launigem Pop-Punk, 2. November 2015
Mit dem zweiten Album ist es ja immer so eine Sache, besonders bei Senkrechtstartern wie den Australiern von 5 Seconds of Summer. Nachdem man für die Debütplatte gefeiert wurde, muss man wieder produktiv sein, muss man einfach wieder liefern. Nebenbei ist man aber auch noch auf Tour, schreibt Songs und immer tickt die Zeit im Nacken. Dass das zweite Album bei vielen Künstlern gehörig daneben ging, ist jedenfalls kein Mythos, sondern die logische Konsequenz aus dem Druck, der entsteht, sobald sich Musiker hohen Erwartungen ausgesetzt sehen, vielleicht auch zu hohen.
Von 5SOS erwarte ich relativ wenig, weshalb mich ihr selbstbetiteltes erstes Album durchaus positiv überrascht hat und mein vorheriges Bild einer billigen Boygroup über den Haufen geworfen hat, da ihr Sound weniger an den Bubblegum-Pop von "Bands" wie One Direction erinnert, sondern eher Assoziationen mit All Time Low und den frühen (den guten) Good Charlotte geweckt hat.
Mit ihrem zweiten Album "Sounds Good Feels Good" wollen sie nun an ihr Debüt anknüpfen und zumindest den Erfolg werden sie wiederholen können - ob das für ihren Sound das beste ist, bleibt abzuwarten.

Mit "Money" beginnt das Album auf jeden Fall vielversprechend, druckvolle Gitarren und kraftvolle Gangvocals dröhnen aus dem Radio und vermitteln eine reine Feel-Good-Atmosphäre. Der Refrain ist sofort im Ohr und auch wenn der Text nicht unbedingt der einfallsreichste ist, die Nummer ist einfach cool. Nach nicht einmal drei Minuten und somit der perfekten Länge für einen Pop-Punk-Song geht es weiter mit "She's Kinda Hot", einem Lied, das einen ganz witzigen Text hat und mit immer wieder aufkeimenden Gitarren sehr an Green Day erinnert - aber halt nur in den Refrains. Die Strophen sind durch die eigenartigen akustischen Parts unpassend entschleunigt und zu routiniert vorgetragen, auch die immer wieder eingebrachten Synthies sind nicht wirklich passend. Gute Laune um jeden Preis hinterlässt schon bei Song Nummer zwei einen Beigeschmack, der so einem Album nicht wirklich guttut.
"Hey Everybody!" beginnt ähnlich blass und viele "Oh"'s sind nicht immer mitreißend, im Chorus fehlt das Feuer, das die vorherigen Lieder noch in den Refrains zu bieten hatten. Irgendwie ist mir das zu wenig Punk und zu viel Pop, den Spagat haben sie schon deutlich besser hinbekommen. Die Textzeile "we can all get paid" sollten sie nicht so oft heraushängen lassen, wenn sie wirklich weiterhin "Nischenmusik" wie Pop-Punk machen wollen. Das folgende "Permanent Vacation" ist dann wieder ein kleiner Lichtblick, wieder ist etwas Nachdruck dabei und der Refrain klingt frisch und bezieht auch einige Einflüsse aus Alternative Rock der 90er und Post-Punk-Gitarrenläufe mit ein, die der Nummer äußerst gut zu Gesicht stehen. Ein absolutes Highlight auf dem Album! Der jetzt aufgekommene äußerst positive Eindruck wird durch die anschließende Power-Ballade "Jet Black Heart" leider etwas geschmälert, wobei das Problem hier eindeutig beim Refrain liegt, während die Strophen mit leisen blink-182-Erinnerungen richtig stark geworden sind. Der poppige Chorus bleibt aber, und das muss man den Jungs lassen, sofort im Ohr hängen und man erwischt sich möglicherweise sogar beim Mitsingen. Mit "Catch Fire" beginnen ein paar Minuten zum Vergessen - dieser Einstieg schmerzt in den Gehörgängen, der Refrain und die Strophen sind langweilig poppig und können nicht überraschen, auch die Alibi-Gitarren täusche nnicht darüber hinweg, wer hier abgeholt werden soll: kreischende 15-jährige Mädchen, die von gut gemachtem Pop-Punk sonst wenig Ahnung haben. Lied Nummer sieben reißt wieder nach oben aus und erinnert mich stellenweise an All Time Low, natürlich darf man keine musikalische Offenbarung erwarten, aber das Lied ist auf jeden Fall eine mehr als nur solide Nummer.
Mit "Waste The Night" folgt wieder ein Song, der die Bezeichnung "unnötig" verdient: langweilige Melodie und ein Allerwelts-Refrain locken heutzutage niemanden mehr hinterm Ofen vor. Die viereinhalb Minuten sind eindeutig zu lang, auch wenn die Gitarre in der Bridge mit fast schon progressiven Tönen daherkommt. Und mit "Vapor" kann man dann einen Tiefschlag verzeichnen, synthetische Töne zu Beginn, R&B-Gesang und dann wieder ein Refrain ohne jeglichen Anspruch und ohne Wiedererkennungswert und auch die nicht mal drei Minuten kommen dem genigten Hörer vor wie eine halbe Ewigkeit. Im Folgenden soll das Tempo mit "Castaway" wieder etwas angezogen werden. Okay, angezogen wird es auf jeden Fall - besser wird es kaum, wieder nerven elektronische Töne im Hintergrung und Gesang, der eher an One Direction als an Green Day oder vergleichbare Bands erinnert. Das Dreiergespann zum Vergessen sollte irgendwann wieder ausgebügelt werden - aber nein, auch "The Girl Who Cried Wolf" ist nicht wirklich ein Ausreißer nach oben, auch wenn es etwas besser zu gefallen weiß als die drei Vorgänger. Die Geigen und der Gitarren-Breitband-Sound sollen wahrscheinlich etwas an Yellowcard erinnern, doch die hätten aus der Nummer auch etwas gemacht, mit einem wirklich guten und eingängigen Refrain. Am Ende steht Emo-Pop, der das Augenmerk zu sehr auf die Pop-Komponente legt.
Die Schlafwagenabteilung müsste irgendwann wieder geweckt werden, aber auch das die Trennung der Eltern beschreibende "Broken Home" bleibt balladesk und ruhig, ist aber dennoch ein Lied, das aufgrund seines wirklich gut geschriebenen Texts und den damit transportierten Emotionen einen sehr ordentlichen Eindruck hinterlässt und thematisch durchaus interessant ist. Und endlich werden wir alle wieder wach, denn "Fly Away" ist ein krachender Pop-Punker mit starker Instrumentalisierung, ein hervorragenden Stimmung und gutem Gesang. Sie können es also doch noch, diese hymnenartigen, nach vorne gehenden Lieder zu schreiben, die einfach nur großen Spaß machen und nicht frustrieren. Doch bitte nicht zu wild, deswegen hängen sie erneut eine Ballade dran - "Invisible" ist aber auch nicht schlecht und erinnert an ruhigere blink-182-Songs, es geht eine Ruhe von dem Lied aus, die sich sofort auf den Hörer überträgt und tatsächlich zum Träumen einlädt. "Airplanes" spielt dann wieder mit 90s Alternative-Rock und hier gesellen sich sogar noch Space-Rock-Einflüsse hinzu, die daraus eine ansprechendes und interessantes Stück machen, das im Refrain Yellowcard ähnelt, aber hier den Vergleich nicht scheuen muss, da er extrem mitreißend ist.
Die nächste Nummer "San Francisco" beginnt wieder akustisch und mündet dann in einen Pop-Rock-Song, der mit Backgroundsängerinnen aufwarten will, aber irgendwie nicht richtig mitreißen kann, auch wenn der Refrain durchaus eingängig ist, aber genauso schnell wieder aus dem Ohr verschwindet, wie er drinnen ist. Ein Zwischenspiel am Ende von "San Francisco" leitet zum letzten Song "Outer Space / Carry On" über, welcher noch einmal hymnisch beginnt, nur um ein paar Tempo-Wechsel einzubauen, die sehr gut funktionieren und eine gewisse Spannung erzeugen. Das Ende des ersten Teils "Outer Space" könnte fast schon einem Rockmusical entnommen sein und sorgt für auf der Platte selten aufkeimende Begeisterung. Der zweite Teil, logischerweise "Carry On", ist wieder etwas ruhiger gehalten und es werden wieder elektronische Elemente eingearbeitet, die hier erstaunlicherweise gut funktionieren und das groß aufgezogene Ende gut unterstreichen.

Was am Ende bleibt, ist ein Album, das irgendwo im Mittelmaß des Pop-Rock mit leicht punkigen Ansprüchen versinkt. Es gibt einige gute Songs auf der Platte, die Spaß machen und an ihr Debütalbum erinnern, auf der anderen Seite gibt es auch Totalausfälle, die man lieber schnell vergessen sollte. Mit zu vielen Pop-Anbiederungen kann man ein Gesamtbild schnell kaputt machen und die existierenden guten Nummern in den Rückraum drängen.
Das verflixte zweite Album hat hier tatsächlich seinen Namen verdient, ich würde 2,5 Sterne geben, runde deswegen auf. Den Ansprüchen nach "5 Seconds Of Summer" können die Jungs hier nicht gerecht werden und unterm Stich bleibt ein Werk, das schnell in Vergessenheit geraten wird und das die Angst schürt, dass sich 5SOS zu einer reinen Pop-Band entwickeln. Und das wäre einfach nur schade.


Adam Angst
Adam Angst
Preis: EUR 15,99

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Adam Angst. Rocken. Geil., 21. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Adam Angst (Audio CD)
Deutschsprachiger Punkrock ist wieder im Kommen: Feine Sahne Fischfilet, Radio Havanna, Dritte Wahl, die Donots und Adam Angst hauen in den ersten beiden Monaten in 2015 Alben raus, die in den Feuilletons besprochen werden, die Broilers stürmen 2014 die Charts, Kraftklub sind noch immer ein Massenphänomen, viele deutsche Newcomer-Bands spielen Punkrock oder sind zumindest von Punk beeinflusst und Die Toten Hosen melden sich mit Konzerten zurück, von denen eines mit 70.000 Besuchern innerhalb weniger Tage bis auf den letzten Platz ausverkauft war.
Punk ist im Prinzip zurück im Mainstream und trotzdem extrem relevant - "Schüsse in die Luft" von Kraftklub, "Dann ohne mich" von den Donots, "Ich will hier nicht sein" von den Broilers und "Professoren" von Adam Angst dürfen auf keiner *GIDA-Gegendemo fehlen. Doch um wieder zurück zum eigentlichen Thema der Rezension zu kommen - Adam Angst? Wer ist denn das?
Ich könnte jetzt den wirklich genialen Pressetext, mit dem die Band auf Facebook und Co. wirbt, hier einfügen, oder, um mich etwas kürzer zu fassen, eine eigene kurze Erklärung bringen. Ich denke letzteres reicht aus - Adam Angst ist eine Punkband, die sich aus Mitgliedern der Bands Fjørt, Blackmail und Frau Potz zusammensetzt. Sänger Felix Schönfuss, der auch bei Frau Potz und der Screamo-Band Escapado den Gesang beigesteuert hat, steht auch bei Adam Angst hinterm Mikro und trägt durch seine Stimme mit unglaublich hohem Wiedererkennungswert zu dem geilen Sound von Adam Angst bei. Schon nach dem ersten Mal Hören war ich absolut begeistert von den Texten und der Musik dieser Newcomer-Band voller alter Hasen. Adam Angst schaffen was sehr wenige Bands überhaupt schaffen - sie sind relevant und paaren diese Relevanz mit enormer Eingängigkeit, ohne poppig zu wirken.

01. JESUS CHRISTUS
Er ist wieder da - also Jesus natürlich! Und er ist gekommen, um im Auftrag von ganz oben, die Menschheit zu vernichten. Dummerweise kann Jesus den "finalen Overkill" nicht durchführen, sondern möchte auf der Erde bleiben, denn er ist sozusagen "fame" geworden, er ist YouTube-Star und hat eine Show auf Pro7. Der Text ist schön sarkastisch und zielt unter anderem auf das total irrationale Star-Tum in der Welt der modernen Medien ab. Musikalisch umgesetzt wird das mit rotzigem Punkrock, knallenden Gitarren und einem gewissen Metal-Appeal, dazu kommt Felix' tolle Stimme, die hier nicht ganz so hyperaktiv wie bei Frau Potz ist. Ein Einstieg, der Bock auf mehr macht!

02. JA JA, ICH WEISS
Die Nummer hat mich auf Adam Angst aufmerksam gemacht. Der Text ist einfach genial und extrem humorvoll, macht großen Spaß und wirft mit genialen Zitaten en masse um sich, die man in dieser Fülle sonst eher auf einem ganzen Rap-Album findet. Der "Ja ja, ich weiß" ist sehr punkig, ohne den Metal-Einfluss vom Opener und Felix kann mal wieder so richtig schön rumkeifen und -schreien. Auch sehr empfehlenswert ist das Musikvideo zu diesem tollen Titel.

03. PROFESSOREN
Was jetzt folgt, ist einer der besten Anti-Nazi-Songs aller Zeiten. Hie wird nicht der typische Neo-Nazi beschrieben, sonder der Rassist im typischen Stammtisch-Klientel, die sich auf die BILD berufen, mit Vorurteilen um sich werfen, total übertreiben und total unreflektiert Hass und Angst säen und dann wahrscheinlich zu PEGIDA und Co. rennen, um ihre Sorgen zu äußern. Der Text ist auf der einen Seite unglaublich wütend und angepisst, auf der anderen stellenweise total sarkastisch, aber nie flach oder zu plakativ, sondern nennt Probleme beim Namen. Was sich am Anfang in etwas elektronischen Tönen äußert, geht dann in schnellen Punkrock über, der keinen ruhig sitzen lässt, eine Bridge entschleunigt etwas, was außerdem am Text das gut zu erkennen ist. Auch zu diesem Lied wurde ein geniales Musikvideo gedreht, das zeigt, wie eklig (im wahrsten Sinne des Wortes) Rassismus ist.

04. WUNDERBAR
"Wunderbar" beginnt hymnisch, Helene Fischer, Bauer sucht Frau und insgesamt die Medien bekommen ihr Fett weg, die unter anderem eine gewisse Politikverdrossenheit fördern, außerdem wird fehlende Zivilcourage thematisiert. Der ganze Titel könnte ohne den markanten Gesang durchaus von den Hosen stammen, so eingängig ist er - der Refrain beißt sich sofort im Ohr fest. Der Text zeichnet ein ziemlich ernüchterndes Bild unserer Gesellschaft und trifft den Nagel dabei auf den Kopf.

05. LAUFT UM EUER LEBEN
Mit einer geilen Oldschool-Bassline und Sirenen beginnt dieser Kracher, der am Anfang wie amerikanischer California-Hardcore gepaart deutschem Text klingt. Dann fühlt man sich an ZSK erinnert und feiert die unglaublich bissigen Lyrics, die wieder die Medien aufs Korn nimmt - namentlich private Sender wie VOX nennt, die aus den Makeln von Menschen perverse TV-Formate machen, an denen sich andere Menschen aufgeilen können, nur um zu sagen, dass sie besser seien. Dazu wird sehr metaphorisch umschrieben, was solche Formate eigentlich für Folgen haben können - "Mit der Kamera im Anschlag stellen sie euch an die Wand. Und es macht: "Cut! Cut! Cut!" denn neu Versager braucht das Land. Der Makel anderer Menschen war schon immer amüsant." Sprachlich wächst der sowieso schon geniale Felix Schönfuss hier über sich heraus, selten habe ich einen pointierteren Text gehört.

06. WAS DER TEUFEL SAGT
Der Titel ist musikalisch mal etwas anderes, dazu kommt der sehr ironische Text, der mit verschiedenen Rollen spielt und teilweise wie ein Dialog daherkommt. "Was der Teufel sagt" beschreibt mich bei Pflichtterminen, auf die ich einfach keinen Bock habe, ziemlich gut. Man würde gerne mal ausrasten, macht es am Ende aber natürlich nicht. Außerdem hat die Nummer einiges von den ironischen Songs der Ärzte, die ich seit ein paar Jahren etwas vermisst habe - ein bissiger und respektloser Text gepaart mit schmeichelnder Musik und tanzbaren Rhythmen.

07. AM ENDE GEHT ES IMMER NUR UM GELD
Und spätestens mit dem Anfang dieses Liedes wird klar, dass Felix Schönfuss einer der besten Songwriter der deutschsprachigen Musik ist - ein krachender Zweieinhalbminüter, schnell nach vorne gehend und textlich genau auf den Punkt gebracht. Keine Atempause und Stoff zum Nachdenken, denn die Nummer ist eine passende Zustandsbeschreibung des Kapitalismus und der Gesellschaft, in der wir leben.

08. WOCHENENDE. SAUFEN. GEIL.
Ich habe mich ja gefreut wie Bolle, als ich den Songtitel gelesen habe. Das passende YouTube-Video dazu hat sich im Kopf festgesetzt und ich bezweifle, dass es ihn jemals wieder verlassen wird. Mit einer flirrenden Bassline und punkigen Drums beginnt die Beschreibung eines relativ typischen Freitag der etwas proletenhaften Jugend, die glaube ich jeder von uns kennt - Dorfdisko und solche Dinge fallen mir dazu ein. Wochenende. Saufen. Geil. Ich liebe den Text, der trotzdem sehr humorvoll ist - und so den übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen ziemlich scharf kritisiert.

09. SPLITTER VON GRANATEN
Und es wird wieder politisch. Hier werden so viele Dinge auf einmal thematisiert, dass man irgendwann gar keinen richtigen Durchblick hat - und genau das will der Song auch aussagen und dazu vehement politische Geschehnisse kommentieren und kritisieren - nicht eingehaltene Wahlversprechen, die NSA-Affäre, den NPD-Verbot, Putins Politik - und das ist erst die erste Strophe. Der Refrain zeigt dann auf, dass viele Probleme doch an Deutschland vorbeigehen und vielen Deutschen somit mehr oder weniger egal ist. Man bedauert zwar, schaut aber nicht über den Tellerrand (die Metapher stammt aus dem Lied) und solange hier keine Gefahr droht, ändert sich das auch nicht. Eine Abrechnung mit der weit verbreiteten Ignoranz derer, denen es gut geht und die vermeintlich weit weg von den ganzen Geschehnissen leben. Auch musikalisch ist "Splitter von Granaten" ein Brett, das trotz der ernsten Thematik großen Spaß macht.

10. FLIEH VON HIER
Staubtrocken beginnt "Flieh von hier", Felix keift mal wieder los, man hört, dass er ziemlich wütend ist. Ein paar Screamo-Einflüsse finden sich im starken und aggressiven Prechorus, dann folgt ein starker und äußerst eingängiger Refrain. "Ich reiß die Familie dann nachts aus dem Schlaf" zitiert fast schon die Broilers ("Vom Scheitern (The World Is Yours, nicht!)"), bevor wieder "Ich muss hier raus" gescreamt wird. Die Nummer endet nach einem sehr lauten und sehr geilen 45-sekündigen Instrumentalteil, der live zelebriert werden muss.

11. ALTAR
Und jetzt ist man doch sehr verwundert. Hat sich echt noch ein Liebeslied auf das Album gemogelt? Anfangs könnte man das echt denken, sehr hymnisch beginnt die Nummer, die Großstadtromantik mit einer ziemlich schönen Liebeserklärung verbindet. Man fragt sich vielleicht etwas, was der Textauszug "Können diese Augen lügen?" bedeuten kann, das sagt man ja nicht so oft, wenn man jemandem seine Liebe gestehen will, aber der sehr eingängige und mit "Oh Oh"s angereicherte Refrain lässt die Frage fast vergessen, bis Felix von Pop-Punk-Gesang in rauen Punkrock übergeht - denn in Wirklichkeit ist das lyrische Ich etwas nicht der liebende Mann, sondern ein, Zitat, "Sexist". Genial finde ich den plötzlichen Übergang von süßem Pop-Punk in relativ hart gespielten Punkrock, auch die Stimme schlägt von schmeichelnd in arrogant und verdammt fies über. Trotzdem hätte ich auch ganz gerne mal ein Lied gehört, das die Stimmung vom Anfang von "Altar" die ganze Zeit über durchhält, denn auch das kann Felix richtig gut singen.

Fazit:
Adam Angst präsentieren mit ihrer Debütplatte ein phänomenales Punkalbum, das relevant ist, ohne belehrend zu wirken, das rockt, ohne aufgesetzt zu wirken, das poetisch ist, ohne arrogant zu wirken und das Texte aus dem Leben präsentiert, mit Humor würzt und durchaus Überraschungen bieten kann. Schon jetzt zweifellos ein Anwärter für das Album des Jahres 2015, da hier einfach alles passt, von der Aussagekraft der Songs über die musikalische Umsetzung mit relativ schnörkellosem Punkrock bis hin zu einem gewissen Spaßfaktor, der von einigen Titeln ausgeht. Ich möchte mehr von den Jungs hören und setze sie ganz oben auf der Bands, die man sich unbedingt mal live anhören sollte, da diese Songs zum Eskalieren einfach nur perfekt sind. Danke für diese Platte irgendwo zwischen Frau Potz, den Donots und Marathonmann!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 2, 2015 7:49 AM MEST


5 Seconds Of Summer
5 Seconds Of Summer
Wird angeboten von Softbayglobal
Preis: EUR 22,00

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soundtrack für den Sommer, 14. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: 5 Seconds Of Summer (Audio CD)
Heutzutage geht es schnell, international bekannt zu werden. Man muss nur irgendeinem Mitglied der mittlerweile vielleicht nicht mehr ganz so unsäglichen Boygroup One Direction zusagen, dann bekommt man innerhalb weniger Stunden gefühlte Millionen kreischender weiblicher Fans mehr. So verhielt es sich in etwa beim Durchbruch den Australiern, die pünktlich im Sommer 2014 ihr erstes Studioalbum "5 Seconds Of Summer" veröffentlichten. Über das Image der Band aus Down Under muss man da eigentlich nichts mehr sagen - das ist eine Boygroup mit der Zielgruppe Mädchen von 13 bis 18.
Meine Meinung über die Jungs stand damit fest: "Mach einen großen Bogen darum, billigen Bubblegum Pop musst du dir nicht antun!" Ich komme ja schließlich aus der (Pop-)Punk- und Allesmögliche-Core-Ecke, singe in einer Punk- und Melodic-Hardcore-Band und höre auch dementsprechend selten Radio beziehungsweise Popmusik. Irgendwie aus Zufall landete ich dann bei YouTube doch mal auf einem Video von 5 Seconds Of Summer und war angenehm überrascht. Da war kein langweiliger Bubblegum Pop à la One Direction zu hören, sondern angenehmer Pop-Punk, der an Bands wie All Time Low, The Downtown Fiction und Boys Like Girls erinnert. Also kaufte ich mir die Platte im November, die seitdem irgendwo zwischen Rise Against, Billy Talent, Lagwagon und AFI stand und auf den Sommer wartete. Der 14. Februar ist dummerweise auch noch nicht annähernd Sommer, aber das Wetter brachte mich irgendwie dazu, meine ganzen Pop-Punk-Scheiben anhören zu wollen und dann kam mir "5 Seconds of Summer" in die Hände und ich muss sagen, der Name des Quartetts umschreibt ihre Musik anscheinend wirklich sehr gut, denn die Musik, die sie machen, ist ein ordentlicher Soundtrack für den Sommer beziehungsweise kann den Sommer für 40 Minuten in die Wohnung holen. Die folgende Track-by-Track-Review zeigt bei aller Begeisterung aber eine neutrale Meinung zum Album, aus musikalischer Sicht natürlich, wie die Musiker aussehen, wenn sie ihre Musik machen, ist mir total egal:

1. She Looks So Perfect
Ja, viele "Hey"s wie hier am Anfang werden wir auch in Folge zu hören bekommen, soviel dazu. Aber das ist schon keine schlechte Kost, die hier abgeliefert wird. Die Strophen sind noch recht poppig geraten und auch der Refrain ist noch mehr Pop-Rock als Pop-Punk, aber die Instrumentalisierung weiß durch eine angenehme Schnörkellosigkeit zu gefallen und auch der variable Gesang (unter dem Motto "Jeder darf irgendwann mal singen!") überzeugt. Textlich wird hier typischer 2000er Emo-Pop geboten, tut niemandem weh, macht Spaß und ist ein guter Opener.
4/5

2. Don't Stop
Der Beginn ist schon etwas flotter, der Gesang aber sehr poppig, man muss sich reinhören, besonders in die Strophen. Der Refrain ist beim ersten Mal Hören auch noch etwas gewöhnungsbedürftig, setzt sich aber nach ein paar Sekunden im Ohr fest und beißt sich auch fest. Man muss die "Oh, oh, oh, oh"s mitsingen und ertappt sich spätestens beim letzten Refrain dabei, auch den Rest lautstark mitzusingen. Das gelingt nicht vielen Bands, dass man ganze Teile eines Liedes noch beim ersten Hören mitsingen kann. Auch hier wird das Themenfeld "Liebe" groß abgegrast, aber wirkt trotzdem nicht peinlich oder aufgesetzt.
3,5/5

3. Good Girls
Auch hier ist der Anfang nicht sonderlich einfallsreich, aber schon die erste Strophe überzeugt sofort. Im Refrain wird es dann endlich etwas nachdrücklich, das würde ich doch mal wirklich Pop-Punk-Hymne nennen. Die Nummer geht über die gesamten dreieinhalb Minuten Spielzeit richtig gut nach vorne und ich könnte mir "Good Girls" als wahren Live-Kracher vorstellen, die Drums und Gitarren versprechen das jedenfalls - wenn da nicht die ganzen Teenage-Girls rumkreischen würden. Auch textlich finde ich dieses Lied ziemlich cool, natürlich weiterhin leichte Kost, aber durchaus mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Sehr sympathisch und ein Anspieltipp!
5/5

4. Kiss Me Kiss Me
"Halt mal kurz! Das sind doch All Time Low oder?" - Das waren meine ersten Gedanken zu "Kiss Me Kiss Me". Und tatsächlich hatte hier ATL-Sänger Alex Gaskarth beim Songwriting seine Finger im Spiel und das hört man dem Lied immer an. Dennoch wirkt es nicht wie ein Cover oder eine Kopie, sondern wie ein eigenständiger Titel, der einfach super funktioniert, großen Spaß macht und spätestens in einem kurzen Breakdown zeigt, dass 5 Seconds Of Summer wirklich richtig rocken können. Im Text geht es natürlich wieder um die Liebe, aber auch hier gefällt die Herangehensweise, die zugegebenermaßen auch kein Alleinstellungsmerkmal ist und an All Time Low erinnert. Dennoch ist die Nummer für mich das absolute Highlight auf der Platte.
5/5

5. 18
Und weiter geht's mit einem genialen Einstieg, der von den Instrumenten her etwas an Green Day erinnert. Mit Einsetzen des Gesangs muss man sich erstmal wieder reinhören, bevor der Refrain absolut überzeugt. Was mich wirklich etwas stört, ist der Gesang in den Strophen, der für mich nicht ganz zu der richtig guten Instrumentalisierung passt, sondern eher enttäuscht und sehr blass bleibt. Wie schon erwähnt, ist der Refrain wieder sehr stark, auch die wieder etwas härtere Bridge macht Spaß und sogar textlich weiß "18" wieder durch angenehmen Humor zu überzeugen.
3,5/5

6. Everything I Didn't Say
Der wohl entspannteste Song auf dem Album beginnt mit hymnischen "Oh oh oh"s (im Booklet des Albums mit "lots of!" beziffert) und geht dann in einen Sommerrocker zwischen All Time Low (ja, auch ohne Alex' zutun) und Foster The People über, der besonders im Refrain wieder mit dem Mitsingfaktor punktet. Textlich gibt's auch hier nicht wirklich Neues zu berichten, außer vielleicht, dass es diesmal etwas ernster wird. Die Bridge ist dann etwas eigenwillig, möchte ich mal sagen, auf der einen Seite sehr poppig, auf der anderen sollen wieder ein paar härtere Akzente gesetzt werden, die dem Lied nicht wirklich gut zu Gesicht stehen. Insgesamt aber sehr ordentlich mit coolem Ende.
4,5/5

7. Beside You
Und jetzt wird's noch poppiger, den Einstieg und der Gesang sagen mir anfangs nicht wirklich zu, bis der der Refrain zu einer angenehmen Pop-Rock-Ballade übergeht. Die Schwachstelle des Songs sind eindeutig die Strophen, in denen der Gesang irgendwie aufgesetzt und uninspiriert klingt. Zwischendurch wird aber ein richtig guter Instrumentalteil platziert, der richtig gut funktioniert und in eine Bridge übergeht, die das starke Ende des Songs einleitet. Einen deutlichen Abstrich gibt's hier aber wegen der Strophen.
3/5

8. End Up Here
Das ist doch wieder andere Kost, ein richtig cooler Beginn, etwas elektronisch angereichert geht in eine relativ ruhige erste Strophe über, die mich textlich, trotz des typischen Themas, irgendwie positiv überrascht hat. Der Refrain ist dann reinster Pop-Punk und irgendwie kann man hören, dass hier wieder Alex Gaskarth beim Songwriting beteiligt war. Wieder erinnert das an typischen High School Pop-Punk, der für Partys in lauen Sommernächten einfach wie gemacht ist. Trotzdem hätte ich mir in den Strophen noch etwas mehr Feuer gewünscht.
4/5

9. Long Way Home
Der Beginn erinnert sehr an 90s College Rock von Weezer, R.E.M. und Co., bevor plötzlich der Refrain aus den Boxen dröhnt, weil man die erste Strophe für ein zu langes Intro gehalten hat. Der Refrain jedenfalls ist wieder Pop-Punk vom feinsten, ja, All Time Low lassen wieder grüßen, und, ja, Alex Gaskarth hatte seine Finger im Spiel - man hört es wirklich immer, da der Refrain etwas von dem Drive des Lieds "Backseat Serenade" von ATL in sich hat. Auch die zweite Strophe ist wieder etwas ruhiger und entspannt und punktet dennoch mit unüberhörbaren musikalischen Qualitäten, die auch die erste auszeichnen. Und endlich erkennt mal jemand, wie romantisch Green Day im Radio eigentlich sind!
5/5

10. Heartbreak Girl
Der zehnte Titel ist von vorne bis hinten ein Ohrwurm vom Feinsten, der textlich auf der einen Seite sehr hoffnungsvoll ist, auf der anderen Seite wirklich direkt aus dem Leben gegriffen zu sein scheint, jedenfalls klingt das alles ziemlich authentisch. Besonders positiv sticht das Drumming hervor, das im extrem eingängigen Refrain so entfesselt klingt, wie selten auf der Platte. Auch die Gitarren kommen angenehm druckvoll durch die Lautsprecher und machen aus "Heartbreak Gril" einen weiteren Anspieltipp.
5/5

11. English Love Affair
Mit einer starken Bassline beginnt der vorletzte Titel auf diesem äußerst kurzweiligen Werk. Dass keine tiefgründige lyrische Offenbarung mehr zu erwarten ist, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen, aber das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Ich möchte sogar sagen, dass ich das von Pop-Punk sowieso nicht vordergründig erwarte. Musikalisch wird zwar bekannte Kost abgeliefert, aber genau das will ich hören, einen schönen Rocksong für den Sommer, und genau das liefern 5 Seconds Of Summer hier wieder ab - mit starken Gitarren und treibendem Bass, der hier sogar vergleichbar mit Mark Hoppus gespielt wird. Nur die (glücklicherweise sehr kurze) Bridge passt nicht in den Flow dieses Dreiminüters.
4,5/5

12. Amnesia
Und jetzt kommt ein Lied, an das ich sehr hohe Erwartungen hatte - waren doch die Madden Brothers von Good Charlotte an dem letzten Song beteiligt. "Amnesia" ist aber leider nicht der erwartete Pop-Punk-Kracher am Ende, sondern eine Akustikballade, die leider verdammt langweilig ist und nur in den einigermaßen gelungenen Refrains funktioniert, die wenigstens ansatzweise mit akustischen Liedern von Good Charlotte mithalten können. Trotzdem ist der Abschluss der Platte unterm Strich nur ein vor Pathos triefender Popsong, mit dem ich mich wohl nie mehr so wirklich anfreunden kann.
1,5/5

Fazit:
Vielleicht schaffen es die Australier mit ihrem Album Debütalbum noch nicht, ihr Boyband-Image abzulegen, dazu fehlen ihnen einfach die Themen und die Fans, die auf Livekonzerten auch mal ordentlich mitpogen als mitkreischen. Aber 5 Seconds Of Summer sind auf dem richtigen Weg dorthin. Sie zeigen, dass wirklich mehr in ihnen steckt als nur ein paar Mädchenschwärme, die mit guttem Aussehen und schlechten Songs Geld verdienen, denn ihre Songs überzeugen im Großen und Ganzen. Auch wenn sie in ihren Themen gerne noch etwas variabler werden könnten, ihre Lyrics sind auf jeden Fall alles andere als schlecht und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von den Aussies, deren Name wirklich Programm ist, hören werden. Und ich kann nur sagen, dass ich mich schon irgendwie darauf freue.
Wer Pop-Punk mit dem richtigen Händchen für eingängige Melodien und Mitsing-Refrains sucht, sollte sich nicht vom Ruf von 5 Seconds Of Summer verunsichern lassen. Für Fans von All Time Low, Simple Plan und The Downtown Fiction ist diese Platte eine Bereicherung der Sammlung, die Lust auf den Sommer macht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 26, 2015 1:31 PM MEST


No Fixed Address
No Fixed Address
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr zweckmäßiger Burger für zwischendurch als gehobene Küche, 9. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: No Fixed Address (Audio CD)
Nickelback stehen bekanntlich für ordentlichen Radiorock, die Singles sind melodisch und sehr eingängig, einzelne Lieder auf ihren Alben rocken etwas härter - die Lieder haben alle eines gemeinsam, besonders live sind sie richtig stark. Als Nickelback 1996 ihr Debütalbum "Curb" und vorher ihre Debüt-EP "Hesher" veröffentlichten, fand man eher eine Grungeband vor, die einfach zu spät entstand, um mit Größen wie Nirvana, die nach Kurt Cobains Tod schon fest in den Geschichtsbüchern mnifestiert war, und Pearl Jam mithalten zu können. 2001 schafften sie mit ihrem dritten Album "Silver Side Up" und der Leadsingle "How You Remind Me" den endgültigen Durchbruch zum Mainstrem-Act. Von da an begann ein Siegeszug, den so nicht viele Bands geschafft haben. Innerhalb eines Albums waren die Mannen um Chad Kroeger zu großen Rockstars geworden. Und ab da polarisierten sie - entweder man hasst Nickelback oder man liebt sie, dazwischen liegt nicht viel. Ich habe mich über die Jahre zu letzterem entwickelt, nicht, dass die Kanadier meine Lieblingsband wären, aber was sie machen hatte immer Hand und Fuß und auf jedem Album gab es einige Kracher und sehr wenige Totalausfälle.
Letztes Jahr kam dann "No Fixed Address" auf den Markt, ein Album, das offensichtlich die Gemüter spaltet. Der Release ist etwas an mir vorbeigegangen, da ich zur Zeit sehr wenig Post-Grunge und Hard Rock höre (und wenn die Foo Fighters), aber natürlich bin ich nicht drumherum gekommen, das Album durchzuhören. Meine Eindrücke sahen dabei wie folgt aus:

Million Miles an Hour:
Höre ich da einen sehr synthetischen Einstieg? Ja, dann steigen die Gitarren und der Gesang ein. Moment mal, klingt Chad nicht etwas komisch? Auch das ist der Fall, wer immer das gemischt hat und seine Finger bei der Stimme im Spiel hatte, gehört eigentlich bestraft - er müsste sich die Strophen in Dauerschleife anhören. Der Refrain ist dann zum Glück ohne die total lachhafte Stimmnachbearbeitung ziemlich gelungen und macht richtig Spaß. Instrumental kann die Nummer aber durchgängig überzeugen und Ryan Peake zeigt sofort, was er an der Gitarre drauf hat.
3/5

Edge of a Revolution:
Das ist doch schon deutlich besser! Der geniale Einstieg geht in eine Strophe mit starken Basslines über, dazu überzeugt der Refrain mit sehr eingängigen aber trotzdem recht harten Melodien. Textlich wagen sich Nickelback hier auch auf relativ neues Terrain, die sehr politischen und kritischen Lyrics könnten genauso gut von einer Punkband stammen. Und auch musikalisch kann man leichte Punkeinflüsse hören, die den Jungs doch sehr gut stehen. Vielleicht ist es einfach in, jetzt auch solche Lieder zu schreiben, aber egal, in wie fern die Nummer kalkuliert ist - sie ist einfach richtig geil! Anspieltipp!
5/5

What Are You Waiting For?:
Naja, vielleicht auf ein paar mehr Ecken und Kanten. Ich denke, dieser Titel hat sich durch massives Radioairplay in den Gehörgängen der Hörer festgebrannt. Mindestens ein Lied eines Nickelback-Albums schafft es, im Radio auf und ab gespielt zu werden und irgendwie gönne ich es ihnen ja auch. Wären hier nicht die unsäglichen synthetisch-elektronischen Strophen, die der solide, aber harmlos rockende Refrain nur bedingt ausgleichen kann.
2/5

She Keeps Me Up:
Der Beginn ist doch ziemlich cool und mit dem etwas funky-chilligen Rhythmus muss man sich unbedingt mitbewegen. Garage-Pop, das triffts vielleicht am besten. Würde man dann noch die R&B-Stimme der Backgroundsängerin rausnehmen, wäre das hier ein wirklich geiler Rocker, der etwas experimentell daherkommt, aber trotzdem noch eindeutig Nickelback-Ware ist. Auch so ist die Nummer nicht unbedingt schlecht, auch wenn die Bridge auch etwas komisch anmutet. Besonders die Basslines und die Drums kommen aber insgesamt gut rüber.
3/5

Make Me Believe Again:
Groß aufgezogen beginnt diese Nummer. Erstaunlich düster klingt der Rocker, der als Halb-Ballade ziemlich gut funktioniert, auch wenn mir persönlich wieder etwas zu viel elektronische Töne darin vorkommen. Der Refrain brennt sich aber praktisch sofort ein und man kann ihn doch ziemlich schnell mitsingen. Musikalisch erinnert das alles etwas an 30 Seconds To Mars für Anfänger, gut gewollt, eigentlich auch ganz gut gekonnt, aber ohne wirklich zu überraschen und mit einer etwas ungewohnten Stimme. Solide Massenware würde ich sagen.
3/5

Satellite:
Und wir nehmen noch mehr Tempo raus. Synthesizer-Geigen erklingen im Hintergrund zu einer Akustikgitarre, die diese Ballade einleitet. Dann entwickelt sich ein angenehm Nickelback-typischer Titel, ein Song, der ordentlich auf die Tränendrüse drückt, aber natürlich niemandem wehtut und eine sehr ordentliche Single-Auskopplung wäre, da "Satellite" extrem gut ins Ohr geht und die Stärken von "Lullaby" mit denen von "How You Remind Me" richtig zu verbinden weiß. Vielleicht keine Höchstwertung, aber Kost, die leicht über dem Durchschnitt liegt.
4/5

Get 'Em Up:
Wird die Platte doch noch richtig gut? Auch hier wird mit neuen Sounds zwischen Blues Rock, Pop und Garage Rock experimentiert und das gelingt den Kanadiern mal wieder ziemlich gut. Dieser Garage-Blues-Pop ist so typisch Nickelback und dann doch wieder total anders, während die Lyrics und der Refrain extrem vertraut klingen, bringen die Strophen interessanten neuen Schwung in den Sound. Auch die etwas glatte Produktion kann man hier definitiv nicht als Schwachpunkt bezeichnen, volle Punktzahl und Anspieltipp.
5/5

The Hammer's Coming Down:
Der Beginn ist ruhig, dann geht die Nummer in einen ein Sythie-Rocker über, in dem Chads Stimme mal wieder sehr eigenartig bearbeitet wurde, besonders in den Strophen, die einfach nur langweilig und austauschbar klingen. Als krasser Kontrast dazu steht der Refrain, der wirklich mehr als nur solide Kost ist, ordentlicher Elektro-Rock, der musikalisch ein wenig an Linkin Park erinnert. Auch die Bridge weiß zu überzeugen, dennoch ist der Titel besonders aufgrund der zu Tode langweiligen Strophen nicht mehr als unteres Mittelmaß.
2/5

Miss You:
Tja, wer den Songtitel liest, weiß, in welche Richtung sich "Miss You" entwickelt - eine Radiorock-Ballade mit mehrstimmigem Gesang. Würde das Schlagzeug nicht so mies wie aus der Konserve klingen, würden die Gitarren ein paar Akzente setzen und würden der Gesang und die Backingvocals zusammen passen, wäre das hier vielleicht kein schlechter Titel. So fragt man sich aber, wie es so etwas auf das Album schaffen konnte - langweilig hoch zehn, nach zwei Minuten sogar verdammt nervig.
1/5

Got Me Runnin' Round(feat. Flo Rida):
Die Kombination Nickelback und Flo Rida klingt schon ziemlich krass und als ich von dieser Kollaboration erfahren habe, war mir irgendwie klar, dass das nichts werden wird. Trotzdem musste ich unbedingt mal reinhören. Zum Glück war ich auf einen Super-GAU aus, deswegen konnte mich der instrumentale Teil zu Beginn noch positiv überraschen. Dann fängt Chad an zu singen, naja so halb jedenfalls, er kann sich anscheinend nicht entscheiden zwischen Singen und Rappen - die Strophen sind tatsächlich eine Katastrophe. Der Refrain ist dann etwas anderes, nicht unbedingt schlecht, man ist es nur überhaupt nicht von Nickelback gewöhnt. Flo Ridas Part in diesem Song ist a) komplett sinnlos und schlecht getimt und b) einfach nur zum Fremdschämen, da passt praktisch gar nichts zusammen. Ist der Song so schlimm wie erwartet? Ja, nur der Refrain sichert hier wirklich einen Punkt.
1/5

Sister Sin:
Der Beginn mutet etwas orientalisch an, geht dann in Country Rock über und erinnert mich parallel dazu etwas an Bon Jovi auf "Lost Highway" oder an "This Afternoon" von Nickelbacks Album "Dark Horse". Die durch diesen letzten Song erzeugte Stimmung weiß wirklich zu gefallen, irgendwo zwischen Western-Soundtrack und Rock ist "Sister Sin" perfekte Musik zum Autofahren im Sommer oder zur Party am Lagerfeuer. Der Refrain ist angenehm typisch für Nickelback, die Strophen sind fast schon entspannend und wissen zu gefallen. Alles in allem ein sehr versöhnlicher Abschluss für das Album nach den letzten beiden Enttäuschungen und ein kleiner Anspieltipp.
5/5

Fazit:
Nickelback schaffen es, zu polarisieren, keine Frage. Dabei wird "No Fixed Address" von der einen Seite über den grünen Klee gelobt und für seine musikalische Vielfalt angepriesen, auf der anderen Seite wird die Platte verrissen, dass hier doch eigentlich alles schiefgelaufen ist. Meiner Meinung nach hat keine Partei wirklich Recht. Ich stehe irgendwo dazwischen, für mich ist "No Fixed Address" ein Album, das zwischen Kracher und Katastrophe alles zu bieten hat. Dabei sind Peinlichkeiten wie "Got Me Runnin' Round", die zum Fremdschämen sind, aber auch überzeugende Rocker wie "Edge Of A Revolution", die positiv überraschen und zum besten Material gehören, das Nickelback in den letzten Jahren fabriziert haben, zu finden. Dazu kommt viel Füllmaterial, das dieses Album endgültig zu einem Burger macht - man kauft es, konsumiert es, genießt es auf der einen Seite, auf der anderen liegt es verdammt schwer im Magen und bekommt einem nicht gut und man fragt sich, ob es das Geld wirklich wert war. Aber irgendwann bekommt man wieder Appetit und sagt sich, dass es nicht immer die Haute cuisine sein muss und so ein Burger zwischendurch auch seinen Zweck erfüllt und satt macht.
Guten Appetit!

Insgesamt: 34 von 55 Punkten
Durchschnitt: 3,09 Punkte


Ironiclast
Ironiclast
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voll mit reinstem Rock!, 20. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Ironiclast (Audio CD)
Every Time I Die, Fall Out Boy und Anthrax klingt eher nach einem perfekten Line-Up für große Rockfestivals als nach Zutaten für eine Supergroup. Aber warum dieses Line-Up nicht doch mal vereinen und versuchen, zusammen ein bisschen Musik zu machen?
Heraus kommt also eine Bandbesetzung, die schon beim Lesen Neugierde erzeugt:

Keith Buckley (Every Time I Die)
Joe Trohman (Fall Out Boy)
Rob Caggiano (damals Anthrax, jetzt Volbeat)
Scott Ian (Anthrax)
Andy Hurley (Fall Out Boy)
Josh Newton (Every Time I Die)

Die große Frage, die sich aber dennoch stellt, ist: Funktioniert das überhaupt - Metalcore, Pop-Punk und Trash Metal? Den Lesefaulen sei schon jetzt gesagt: Und wie das funktioniert. The Damned Things präsentieren ein phänomenales Metal-Album, das aber viel mehr als nur das ist. Punk-Einflüsse gesellen sich zu Classic Rock, dazu kommen eine Prise Hard Rock und kraftvoller Gesang, vermischt mit etwas Heavy Metal, ein paar Metalcore-Breakdowns und groß aufgezogenen Refrains, das alles drei mal kräftig umgerührt und fertig. Das Modell ist eigentlich so simpel wie genial, das Beste aller Bands auf einen gemeinsamen Nenner gebracht und losgerockt. Dass die Herren im Studio dabei Spaß hatten, hört man jedem einzelnen Ton an, kein Lied ist ein Reinfall, die knapp 40 Minuten vergehen wie im Flug.

1. Handbook For The Recently Deceased
Brutal gute Gitarrenriffs eröffnen die Platte, dann steigt Buckley mit cleanem Gesang ein. Während die Strophen sehr Metal-lastig sind, bemerkt man die Fall Out Boy-Einfluss in dem verdammt eingängigen Refrain. Die drei Gitarren machen einfach riesen Spaß und spielen sowohl brillant zusammen, als sich auch gegenseitig an die Wand. Außerdem ist Hurleys Drumming auf den Punkt perfekt.

2. Bad Blood
Genau wie der Opener geht auch Titel Nummer zwei richtig gut nach vorne, die Riffs harmonieren mit dem Gesang, der zwischen hart und hymnisch schwankt, aber nie in Screams ausufert, was dem Hard-Rock-Sound der Nummer gut tut. Die Bridge ist genial Riff-getrieben mit eingängigem Gesang, der unter die Haut geht. Außerdem sind die Lyrics richtig stark.

3. Friday Night (Going Down In Flames)
Blues-Rock-Riffs eröffnen die nächste Nummer, die als Party-Rocker daherkommt, eingängig, schnell, AC/DC-anmutende Riffs, ein Refrain, den sich wahrscheinlich diverse Post-Grunge-Größen wünschen geschrieben zu haben. Dazu kommen tolle Gitarrensoli, die aber nie zu lang oder nervig werden. "Friday Night" zusammengefasst: Man bekommt einfach sofort gute Laune.

4. We've Got A Situation Here
Auf einen interessanten Einstieg folgt relativ harter, druckvoller Gesang, der im Refrain wieder zu einer Rockhymne sondergleichen mutiert und wohl typische Autofahrmusik ist. Auch "We've Got A Situation Here" ist eine Party-Nummer, die etwa zur Hälfte von richtig geilen Metalcore-Screams zerrissen wird, bevor der Refrain wieder alles zusammenflickt. Am Ende ist wieder Platz für ein großartiges Solo.

5. Black Heart
Es folgt der nächste bluesig angehauchte Rocker, der das Tempo etwas zurück schraubt, nur um dann noch schneller nach vorn zu preschen. Für die Strophen wird immer etwas Tempo rausgenommen, bevor die Refrains wieder auf volle Geschwindigkeit gehen und in einer coolen Bridge münden. Außerdem präsentieren sich alle drei Gitarristen in Hochform.

6. A Great Reckoning
Ein Oldschool-Riff leitet "A Grear Reckoning" ein, der Gesang ist etwas ungewohnt und die Nummer lässt etwas an Fall Out Boy erinnern, insgesamt könnte man zu dem Lied schon Powerballade sagen. Besonders der Refrain hat es mir angetan, der sich irgendwo zwischen Hard Rock, Pop-Punk/Pop-Rock und Emo bewegt. Zu diesem Gesang gesellen sich aber wieder die drei Gitarren, die ihre Hard-Rock-Schiene unbeirrt weiterfahren und so die Nummer interessant gestalten.

7. Little Darling
Und weiter geht's mit einem Rocker, der sowohl nach 70s als auch zeitgemäß klingt. Während der Refrain fast schon etwas an die Foo Fighters erinnert, werden in den Strophen oldschool Hard-Rock-Riffs und ein klassischer Hard-Rock-/Metal-Sound zelebriert. Insgesamt wieder eine eingängige Nummer, die sich schnell im Ohr festsetzt.

8. Ironiclast
Der Titeltrack beginnt mit grandiosem Drumming, das ziemlich typisch für Punkrock ist, die einsetzenden Gitarren tendieren in Richtung Heavy-Metal, der Gesang ist zu Beginn clean, dann wechselt Buckley für Refrains in inbrünstiges Geschrei. "Ironiclast" ist ein zweieinhalbminütiges Brett voller Riffs, präzisem Drumming und wütenden Vocals zwischen Punk und Metal.

9. Grave Robber
Mit einem starken Riff beginnt das brutalste Lied des Albums, das man zu Beginn nicht unbedingt vermuten würde. In der ersten Minute wird Spannung aufgebaut, die sich immer wieder in Screams entlädt, dann treiben die Gitarren und Drums die Nummer in den Refrain, der clean gesungen wird. Nach spätestens zwei Minuten muss man headbangen. Das Ende ist ein einminütiges Instrumental, das ziemlich in die Länge gezogen wird.

10. Blues Having The Blues
Zum Abschluss wird uns noch etwas Punk-Blues-Metal oder so ähnlich aufgetischt. Das präzise Drumming ist sehr punkig, die Gitarren sind irgendwo zwischen Blues, Metal und Punk einzuordnen. Die Riffs machen wieder großen Spaß, zwischendurch singen Frauen die Backing Vocals. Der Refrain ist wieder einmal verdammt catchy und setzt sich schnell fest.

Fazit:
The Damned Things machen alles richtig, das Beste ihrer eigentlichen Bands verein in einer Supergroup, die starken Hard Rock mit Metal-, Punk- und Blues-Einflüssen spielt und mit "Ironiclast" ein starkes Album mit bombigen Riffs, präzisem Drumming und starkem Gesang präsentiert. Man kann sagen, dass sie dem Classic Rock mit dieser Platte einen zeitgemäßen Anstrich verpasst haben.
Ein Album ohne Rüschen und Schleifen, ohne gekünstelten experimentellen Bulls****, dafür mit Ecken und Kanten straight nach vorne. Voll mit reinstem Rock!


Hits
Hits
Preis: EUR 6,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Band und ihre Entwicklung, 6. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Hits (Audio CD)
Billy Talent sind eine der etablierten Größen in der Rockszene, zwischen Punk, Post-Hardcore und Alternative Rock gepaart mit einer unaufdringlichen Eingängigkeit spielten sich die Kanadier spätestens mit ihrem starken Werk "Billy Talent II" in die erste Liga der Szene. Sänger Ben Kowalewicz zählt für mich sowohl zu den besten Sängern als auch zu den besten Screamern der alternativen Rockmusik, was nicht einmal unbedingt an Gesangstechniken liegt, sondern vielmehr an der Eindringlichkeit seiner Stimme, die verschiedene Gemütszustände einfach brillant darstellen kann - von Verzweiflung über Wut, Ratlosigkeit und Trauer bis hin zum Verliebtsein, das gelingt sonst nur wenigen. Außerdem zeichnet Billy Talent ein einzigartig verzerrter Gitarrensound aus, der so vorher nie wirklich da war. Dazu kommen starke Basslines in so gut wie jedem Song und ein präzises Drumming.

Die Auswahl auf dieser Greatest Hits Platte ist genau richtig, um die Entwicklung der Jungs nachzuvollziehen, überwogen zu Beginn noch viele Screams, wurden diese zum Ende hin als Stilmittel seltener verwendet. Die Lyrics reichen immer von persönlich bis politisch und überzeugen durch gutes Songwriting, das entweder sehr subtil und mit viel Interpretationsspielraum oder sehr direkt und ohne Umschweife daherkommt. Dabei geraten die Texte aber nie aufgesetzt oder plakativ, sondern lassen auch genug Platz, um bei der Musik einfach abzufeiern.
Die Tracklist beginnt mit drei Songs von ihrem selbstbetitelten ersten Album, das sie als Billy Talent aufgenommen haben - "Try Honesty", "River Below" und "Nothing to Lose". Der Gesang erscheint teilweise wie gebellt, es wird geschrien, die Gitarren sind staubtrocken, düster und hart oder kreischen hoch mit Ben um die Wette, der Hintergrundgesang ist aber oft schon hymnisch und Bass und Drums treiben jeden Song nach vorne. Besonders "Nothing to Lose", eines meiner absoluten Lieblingslieder, zeigt aber auch, was für eine Starke Stimme Ben hat, wenn es um klaren Gesang geht.
Die folgenden vier Songs stammen von Billy Talent II - "Devil in a Midnight Mass", "Red Flag", "Fallen Leaves", "Surrender". Besonders freut mich, dass es "Devil in a Midnight Mass" auf die Scheibe geschafft hat, der geniale Song über Vergewaltigung kommt in einem für Billy Talent teilweise recht ungewöhnlichen aber doch irgendwie typischem Gewand daher, zwischen Punk und Metal, mit einem richtig brutalen Gitarrenriff, das die ganze Zeit bedrohlich über dem Song flirrt, bis zu Bens Explosion am Ende. "Red Flag" ist der politische Klassiker der Jungs, immer wieder brillant und wohl einer der bekanntesten Songs mit dem folgenden "Fallen Leaves".
Die nächsten beiden Titel stammen von Billy Talent III - "Devil on My Shoulder" und "Rusted from the Rain". Ohne Zweifel zwei tolle Nummern, besonders "Rusted from the Rain" dürfte sogar Radiohörern bekannt sein. Man merkt, dass der Sound zwar immer noch typisch Billy Talent ist, aber doch etwas langsamer wird, in "Devil on My Shoulder" kann man fast schon schleppend sagen, das passt aber auch zu ihrem Sound, auch wenn es zum Release von Billy Talent III oft kritisiert wurde. Schade finde ich zwar, dass "Turn Your Back" nicht mit dabei ist, aber das ist jetzt nicht weiter der Rede wert.
Es folgen drei Songs von Dead Silence - "Viking Death March", "Surprise Surprise" und "Stand Up and Run". Dead Silence heißt nicht umsonst nicht Billy Talent IV, man kann es zwar teilweise als back to the roots ansehen, dennoch gesellten sich hier vermehrte Alternative Rock- und Rock-Elemente hinzu. Besonders die beiden ersten Songs sind noch relativ klassische Billy Talent Punk-Kracher, sehr politisch, sehr schnell und spätestens in den Refrains wirklich auf die Fresse, um es ohne Umschweife zu sagen. Was man aber bemerkt, dass erwartete Scream-Einlagen, wie man sie von den ersten beiden Alben kennt, oft ausbleiben. Dafür sind die Lyrics besonders in "Surprise Surprise" an manchen Stellen fast schon zynisch, auch das fand man auf den Vorgängeralben eher selten. "Stand Up and Run" ist dann ein reiner Alt-Rock-Titel, sehr eingängig, mit sehr ruhigem Beginn ohne Drums, der seine Stärke in seiner hymnischen Art hat, die man wunderbar in ein Stadion bringen könnte.
Zur Krönung haben die Herren noch zwei neue Songs auf die Platte gebracht, auf die man sich wirklich freuen kann. Der erste heißt "Kingdom of Zod" und ist ein toller straight forward Punksong mit tollen Lyrics im typischen Billy Talent Gewand à la "Red Flag" vermischt mit ein wenig Alternative Rock der Dead Silence-Zeit, der Gesang ist aber teilweise wieder, wie zu Beginn erwähnt, fast schon gebellt, sodass es eine wahre Freude ist. Zum Abschluss folgt etwas sehr ungewöhnliches, der akustische Titel "Chasing the Sun", der ein geniales Ende darstellt. Sowohl Text als auch Arrangement sorgen für Gänsehaut, das ist Trauerbewältigung der besonderen Art und bringt den Hörer immer wieder zum Schlucken, der Kloß im Hals will aber einfach nicht verschwinden, die Platzierung am Ende passt daher auch gut, da die Stimmung nach dem Song einfach nicht abreißt und man für die nächsten Minuten nichts hören will, außer Stille oder noch einmal diese Nummer.

Abschließend kann man nur sagen, dass dieses Greatest Hits-Album die Entwicklung von Billy Talent perfekt zeigt. Die Auswahl gefällt mir sehr, die zusätzlichen neuen Songs, einer stärker als der andere, machen Lust auf ein neues Studioalbum und auf eine Tour zu Hits. Am Ende steht eine Compilation, die für alle Billy Talent-Fans natürlich ein Pflichtkauf ist, aber auch für Billy Talent-Neulinge einen guten Einstieg darstellt.


Get Hurt
Get Hurt
Preis: EUR 9,98

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die heimliche Hoffnung des Rock'n'Roll, 28. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Get Hurt (Audio CD)
The Gaslight Anthem spielen für mich spätestens seit "The '59 Sound" in der obersten Liga der Rockmusik, auch wenn es mich immer wieder schockiert, wie viele Leute von der Band bis jetzt wenig bis gar nichts gehört haben. Brian Fallons Stimme hat einen enormen Wiedererkennungswert und die Lyrics sind nie einfach oder trivial - Fallon ist in meinen Augen ein Poet. Über seine spirituellen Ansichten reden wir jetzt einfach mal nicht.
"Get Hurt" hat mittlerweile auch schon den ein oder anderen Monat auf den Buckel, wird aber nicht langweilig, auch wenn man es so häufig hört, wie ich. War der Vorgänger "Handwritten" noch etwas mehr von Folk-Punk beeinflusst gewesen, ist hier jeglicher Punkeinfluss nur noch zu erahnen. Aber TGA sind ja auch bekannt dafür, ihren Stil auf jedem Album etwas zu variieren. "Get Hurt" ist eher eine Verneigung vor 90's Alternative Rock und Grunge gepaart mit den üblichen Springsteen-Huldigungen.

Mit einem brutalen Gitarrenriff beginnt der Opener "Stay Vicious", Brians Gesang kommt zwischen den Gitarren etwas verzerrt und fast schon böse daher, bevor im Refrain fast schon versöhnliche Töne angesprochen werden. Viele "LaLaLa"'s werden eingesetzt, der Titel wirkt durch die verzerrten Gitarren wie aus der Garage einer Grungeband aufgenommen, das letzte Drittel läutet ein kurzes aber brillantes Gitarrensolo ein. Insgesamt ein richtig starker Midtempo-Rocker, der den Songreigen hier eröffnet. Weiter gehts mit "1,000 Years", der wieder mit einem markanten Gitarrenpart beginnt und dann ruhigere Töne anschlägt. Die Gitarren, die hier etwas mehr im Hintergrund stehen, werden von präzisem Drumming unterstützt und der Refrain setzt sich schnell im Ohr fest. Außerdem sind die Lyrics einfach grandios. Der Titeltrack ist eine ruhige Ballade irgendwo zwischen Indie und Pop, die einfach bewegend ist. Mit Keyboard werden hier mit kleinen Einschüben tolle Momente geschaffen. Auch wenn die ganze Nummer textlich weniger poetisch ist als noch "National Anthem" auf dem Vorgängeralbum, ist "Get Hurt" eine gute Ballade, wenn auch kein Highlight. "Stray Paper" beginnt wie die ersten beiden Nummern mit markigen Gitarren, dann setzt Brians Gesang ein, der nachdrücklich und rau daher kommt, also der ganze Gegensatz zu "Get Hurt". Ein paar weibliche "UhUhUh"-Gesänge stehen dem Song, der auch gut auf "Handwritten" gepasst hätte, erstaunlich gut zu Gesicht. "Helter Skeleton" geht dann noch etwas weiter zurück in der Zeit, paart einen punkigen "Sink or Swim"-Einstieg mit ruhigeren Rock-Einschüben, die im Refrain dann zu einem Heartland-Rock-Kracher à la Springsteen werden. Eine Hommage an alte und moderne Zeiten und ein absolutes Highlight auf der Platte. Es folgt ein weiterer ruhiger Song. "Underneath the Ground" ist eine starke Rockballade, die mir persönlich besser gefällt als "Get Hurt", da Brian etwas mehr mit seiner phänomenalen Stimme spielt und die Gitarren wunderschön verträumt herkommen. Die Leadsingle des Albums, "Rollin' and Tumblin'" ist ein typischer TGA-Rocker, der richtig Laune macht und auch noch einige Punkeinflüsse erkennen lässt. Starke Gitarren und tolles Drumming treiben die dreiminütige Achterbahnfahrt voran, ein weiteres Highlight. "Red Violins" beginnt sofort mit Brians Gesang zu zurückhaltender Gitarre, rhythmischem Bass und ruhigen Drums. Auch die Nummer kann einiges, geht trotz angezogenem Tempo nach vorne und überzeugt mit einem starken Text. Am Anfang des nächsten Titels "Selected Poems" denkt man wieder an eine ruhige Ballade, bis sich die Ruhe in rockigen Gitarren entlädt und Brian sehr bestimmt und nachdrücklich singt. Wieder fühlt man sich an ältere Aufnahmen der Jungs erinnert und es stellt sich sofort ein fast schon heimeliges Gefühl ein - mach fühlt sich einfach wohl. "Ain't That A Shame" beginnt wieder mit mehr Distortion in den Gitarren und wieder erkennt man Grunge-Einflüsse, die im Refrain mit Springsteen-Einschlag veredelt werden, was die Nummer zu einem weiteren Höhepunkt macht. Es folgt eine weitere Ballade, die mit gutem Text punkten kann und auch musikalisch wieder einiges hergibt, schön, dass hier fast nur Brian mit seiner Akustikgitarre zu vernehmen ist. Dennoch zieht sich "Break Your Heart" etwas und würde mit ein paar Sekunden weniger Spielzeit noch besser sein. Das letzte Lied auf der normalen Edition der CD heißt "Dark Places", der als schöner nostalgischer Rocksong in Erinnerung an Bruce Springsteen daherkommt und noch einmal alles auffährt, was die Jungs zu bieten haben: toller Gesang, fette Gitarren, treibendes Drumming, ein nicht weniger treibender Bass und tolle Lyrics. Der Abschluss macht richig Spaß und lässt den Hörer lächelnd zurück - alles richtig gemacht.

Abschließend kann man nur sagen, dass die Jungs um Brian Fallon mal wieder gezeigt haben, warum sie als die heimliche Hoffnung des Rock'n'Roll gelten. Mit tollen Arrangements, starken Texten (die diesmal in meinen Augen vielleicht etwas weniger poetisch, aber mitnichten schwächer sind als vorher) und natürlich der wahnsinnig starken Stimme des Frontmannes schaffen sie es erneut, sowohl ihren Wurzeln zu huldigen, als auch ihren eigenen Weg unabhängig weiterzugehen. Die New-Jersey-Rocker machen ihr Ding unbeirrt weiter und werden so sicherlich neue Fans dazu gewinnen. Dazu kann man ruhig "Bravo!" sagen undd sich tief verneigen!


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