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Rezensionen verfasst von
T. Wilde

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Adam Angst
Adam Angst
Preis: EUR 12,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Adam Angst. Rocken. Geil., 21. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Adam Angst (Audio CD)
Deutschsprachiger Punkrock ist wieder im Kommen: Feine Sahne Fischfilet, Radio Havanna, Dritte Wahl, die Donots und Adam Angst hauen in den ersten beiden Monaten in 2015 Alben raus, die in den Feuilletons besprochen werden, die Broilers stürmen 2014 die Charts, Kraftklub sind noch immer ein Massenphänomen, viele deutsche Newcomer-Bands spielen Punkrock oder sind zumindest von Punk beeinflusst und Die Toten Hosen melden sich mit Konzerten zurück, von denen eines mit 70.000 Besuchern innerhalb weniger Tage bis auf den letzten Platz ausverkauft war.
Punk ist im Prinzip zurück im Mainstream und trotzdem extrem relevant - "Schüsse in die Luft" von Kraftklub, "Dann ohne mich" von den Donots, "Ich will hier nicht sein" von den Broilers und "Professoren" von Adam Angst dürfen auf keiner *GIDA-Gegendemo fehlen. Doch um wieder zurück zum eigentlichen Thema der Rezension zu kommen - Adam Angst? Wer ist denn das?
Ich könnte jetzt den wirklich genialen Pressetext, mit dem die Band auf Facebook und Co. wirbt, hier einfügen, oder, um mich etwas kürzer zu fassen, eine eigene kurze Erklärung bringen. Ich denke letzteres reicht aus - Adam Angst ist eine Punkband, die sich aus Mitgliedern der Bands Fjørt, Blackmail und Frau Potz zusammensetzt. Sänger Felix Schönfuss, der auch bei Frau Potz und der Screamo-Band Escapado den Gesang beigesteuert hat, steht auch bei Adam Angst hinterm Mikro und trägt durch seine Stimme mit unglaublich hohem Wiedererkennungswert zu dem geilen Sound von Adam Angst bei. Schon nach dem ersten Mal Hören war ich absolut begeistert von den Texten und der Musik dieser Newcomer-Band voller alter Hasen. Adam Angst schaffen was sehr wenige Bands überhaupt schaffen - sie sind relevant und paaren diese Relevanz mit enormer Eingängigkeit, ohne poppig zu wirken.

01. JESUS CHRISTUS
Er ist wieder da - also Jesus natürlich! Und er ist gekommen, um im Auftrag von ganz oben, die Menschheit zu vernichten. Dummerweise kann Jesus den "finalen Overkill" nicht durchführen, sondern möchte auf der Erde bleiben, denn er ist sozusagen "fame" geworden, er ist YouTube-Star und hat eine Show auf Pro7. Der Text ist schön sarkastisch und zielt unter anderem auf das total irrationale Star-Tum in der Welt der modernen Medien ab. Musikalisch umgesetzt wird das mit rotzigem Punkrock, knallenden Gitarren und einem gewissen Metal-Appeal, dazu kommt Felix' tolle Stimme, die hier nicht ganz so hyperaktiv wie bei Frau Potz ist. Ein Einstieg, der Bock auf mehr macht!

02. JA JA, ICH WEISS
Die Nummer hat mich auf Adam Angst aufmerksam gemacht. Der Text ist einfach genial und extrem humorvoll, macht großen Spaß und wirft mit genialen Zitaten en masse um sich, die man in dieser Fülle sonst eher auf einem ganzen Rap-Album findet. Der "Ja ja, ich weiß" ist sehr punkig, ohne den Metal-Einfluss vom Opener und Felix kann mal wieder so richtig schön rumkeifen und -schreien. Auch sehr empfehlenswert ist das Musikvideo zu diesem tollen Titel.

03. PROFESSOREN
Was jetzt folgt, ist einer der besten Anti-Nazi-Songs aller Zeiten. Hie wird nicht der typische Neo-Nazi beschrieben, sonder der Rassist im typischen Stammtisch-Klientel, die sich auf die BILD berufen, mit Vorurteilen um sich werfen, total übertreiben und total unreflektiert Hass und Angst säen und dann wahrscheinlich zu PEGIDA und Co. rennen, um ihre Sorgen zu äußern. Der Text ist auf der einen Seite unglaublich wütend und angepisst, auf der anderen stellenweise total sarkastisch, aber nie flach oder zu plakativ, sondern nennt Probleme beim Namen. Was sich am Anfang in etwas elektronischen Tönen äußert, geht dann in schnellen Punkrock über, der keinen ruhig sitzen lässt, eine Bridge entschleunigt etwas, was außerdem am Text das gut zu erkennen ist. Auch zu diesem Lied wurde ein geniales Musikvideo gedreht, das zeigt, wie eklig (im wahrsten Sinne des Wortes) Rassismus ist.

04. WUNDERBAR
"Wunderbar" beginnt hymnisch, Helene Fischer, Bauer sucht Frau und insgesamt die Medien bekommen ihr Fett weg, die unter anderem eine gewisse Politikverdrossenheit fördern, außerdem wird fehlende Zivilcourage thematisiert. Der ganze Titel könnte ohne den markanten Gesang durchaus von den Hosen stammen, so eingängig ist er - der Refrain beißt sich sofort im Ohr fest. Der Text zeichnet ein ziemlich ernüchterndes Bild unserer Gesellschaft und trifft den Nagel dabei auf den Kopf.

05. LAUFT UM EUER LEBEN
Mit einer geilen Oldschool-Bassline und Sirenen beginnt dieser Kracher, der am Anfang wie amerikanischer California-Hardcore gepaart deutschem Text klingt. Dann fühlt man sich an ZSK erinnert und feiert die unglaublich bissigen Lyrics, die wieder die Medien aufs Korn nimmt - namentlich private Sender wie VOX nennt, die aus den Makeln von Menschen perverse TV-Formate machen, an denen sich andere Menschen aufgeilen können, nur um zu sagen, dass sie besser seien. Dazu wird sehr metaphorisch umschrieben, was solche Formate eigentlich für Folgen haben können - "Mit der Kamera im Anschlag stellen sie euch an die Wand. Und es macht: "Cut! Cut! Cut!" denn neu Versager braucht das Land. Der Makel anderer Menschen war schon immer amüsant." Sprachlich wächst der sowieso schon geniale Felix Schönfuss hier über sich heraus, selten habe ich einen pointierteren Text gehört.

06. WAS DER TEUFEL SAGT
Der Titel ist musikalisch mal etwas anderes, dazu kommt der sehr ironische Text, der mit verschiedenen Rollen spielt und teilweise wie ein Dialog daherkommt. "Was der Teufel sagt" beschreibt mich bei Pflichtterminen, auf die ich einfach keinen Bock habe, ziemlich gut. Man würde gerne mal ausrasten, macht es am Ende aber natürlich nicht. Außerdem hat die Nummer einiges von den ironischen Songs der Ärzte, die ich seit ein paar Jahren etwas vermisst habe - ein bissiger und respektloser Text gepaart mit schmeichelnder Musik und tanzbaren Rhythmen.

07. AM ENDE GEHT ES IMMER NUR UM GELD
Und spätestens mit dem Anfang dieses Liedes wird klar, dass Felix Schönfuss einer der besten Songwriter der deutschsprachigen Musik ist - ein krachender Zweieinhalbminüter, schnell nach vorne gehend und textlich genau auf den Punkt gebracht. Keine Atempause und Stoff zum Nachdenken, denn die Nummer ist eine passende Zustandsbeschreibung des Kapitalismus und der Gesellschaft, in der wir leben.

08. WOCHENENDE. SAUFEN. GEIL.
Ich habe mich ja gefreut wie Bolle, als ich den Songtitel gelesen habe. Das passende YouTube-Video dazu hat sich im Kopf festgesetzt und ich bezweifle, dass es ihn jemals wieder verlassen wird. Mit einer flirrenden Bassline und punkigen Drums beginnt die Beschreibung eines relativ typischen Freitag der etwas proletenhaften Jugend, die glaube ich jeder von uns kennt - Dorfdisko und solche Dinge fallen mir dazu ein. Wochenende. Saufen. Geil. Ich liebe den Text, der trotzdem sehr humorvoll ist - und so den übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen ziemlich scharf kritisiert.

09. SPLITTER VON GRANATEN
Und es wird wieder politisch. Hier werden so viele Dinge auf einmal thematisiert, dass man irgendwann gar keinen richtigen Durchblick hat - und genau das will der Song auch aussagen und dazu vehement politische Geschehnisse kommentieren und kritisieren - nicht eingehaltene Wahlversprechen, die NSA-Affäre, den NPD-Verbot, Putins Politik - und das ist erst die erste Strophe. Der Refrain zeigt dann auf, dass viele Probleme doch an Deutschland vorbeigehen und vielen Deutschen somit mehr oder weniger egal ist. Man bedauert zwar, schaut aber nicht über den Tellerrand (die Metapher stammt aus dem Lied) und solange hier keine Gefahr droht, ändert sich das auch nicht. Eine Abrechnung mit der weit verbreiteten Ignoranz derer, denen es gut geht und die vermeintlich weit weg von den ganzen Geschehnissen leben. Auch musikalisch ist "Splitter von Granaten" ein Brett, das trotz der ernsten Thematik großen Spaß macht.

10. FLIEH VON HIER
Staubtrocken beginnt "Flieh von hier", Felix keift mal wieder los, man hört, dass er ziemlich wütend ist. Ein paar Screamo-Einflüsse finden sich im starken und aggressiven Prechorus, dann folgt ein starker und äußerst eingängiger Refrain. "Ich reiß die Familie dann nachts aus dem Schlaf" zitiert fast schon die Broilers ("Vom Scheitern (The World Is Yours, nicht!)"), bevor wieder "Ich muss hier raus" gescreamt wird. Die Nummer endet nach einem sehr lauten und sehr geilen 45-sekündigen Instrumentalteil, der live zelebriert werden muss.

11. ALTAR
Und jetzt ist man doch sehr verwundert. Hat sich echt noch ein Liebeslied auf das Album gemogelt? Anfangs könnte man das echt denken, sehr hymnisch beginnt die Nummer, die Großstadtromantik mit einer ziemlich schönen Liebeserklärung verbindet. Man fragt sich vielleicht etwas, was der Textauszug "Können diese Augen lügen?" bedeuten kann, das sagt man ja nicht so oft, wenn man jemandem seine Liebe gestehen will, aber der sehr eingängige und mit "Oh Oh"s angereicherte Refrain lässt die Frage fast vergessen, bis Felix von Pop-Punk-Gesang in rauen Punkrock übergeht - denn in Wirklichkeit ist das lyrische Ich etwas nicht der liebende Mann, sondern ein, Zitat, "Sexist". Genial finde ich den plötzlichen Übergang von süßem Pop-Punk in relativ hart gespielten Punkrock, auch die Stimme schlägt von schmeichelnd in arrogant und verdammt fies über. Trotzdem hätte ich auch ganz gerne mal ein Lied gehört, das die Stimmung vom Anfang von "Altar" die ganze Zeit über durchhält, denn auch das kann Felix richtig gut singen.

Fazit:
Adam Angst präsentieren mit ihrer Debütplatte ein phänomenales Punkalbum, das relevant ist, ohne belehrend zu wirken, das rockt, ohne aufgesetzt zu wirken, das poetisch ist, ohne arrogant zu wirken und das Texte aus dem Leben präsentiert, mit Humor würzt und durchaus Überraschungen bieten kann. Schon jetzt zweifellos ein Anwärter für das Album des Jahres 2015, da hier einfach alles passt, von der Aussagekraft der Songs über die musikalische Umsetzung mit relativ schnörkellosem Punkrock bis hin zu einem gewissen Spaßfaktor, der von einigen Titeln ausgeht. Ich möchte mehr von den Jungs hören und setze sie ganz oben auf der Bands, die man sich unbedingt mal live anhören sollte, da diese Songs zum Eskalieren einfach nur perfekt sind. Danke für diese Platte irgendwo zwischen Frau Potz, den Donots und Marathonmann!


5 Seconds Of Summer
5 Seconds Of Summer

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Soundtrack für den Sommer, 14. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: 5 Seconds Of Summer (Audio CD)
Heutzutage geht es schnell, international bekannt zu werden. Man muss nur irgendeinem Mitglied der mittlerweile vielleicht nicht mehr ganz so unsäglichen Boygroup One Direction zusagen, dann bekommt man innerhalb weniger Stunden gefühlte Millionen kreischender weiblicher Fans mehr. So verhielt es sich in etwa beim Durchbruch den Australiern, die pünktlich im Sommer 2014 ihr erstes Studioalbum "5 Seconds Of Summer" veröffentlichten. Über das Image der Band aus Down Under muss man da eigentlich nichts mehr sagen - das ist eine Boygroup mit der Zielgruppe Mädchen von 13 bis 18.
Meine Meinung über die Jungs stand damit fest: "Mach einen großen Bogen darum, billigen Bubblegum Pop musst du dir nicht antun!" Ich komme ja schließlich aus der (Pop-)Punk- und Allesmögliche-Core-Ecke, singe in einer Punk- und Melodic-Hardcore-Band und höre auch dementsprechend selten Radio beziehungsweise Popmusik. Irgendwie aus Zufall landete ich dann bei YouTube doch mal auf einem Video von 5 Seconds Of Summer und war angenehm überrascht. Da war kein langweiliger Bubblegum Pop à la One Direction zu hören, sondern angenehmer Pop-Punk, der an Bands wie All Time Low, The Downtown Fiction und Boys Like Girls erinnert. Also kaufte ich mir die Platte im November, die seitdem irgendwo zwischen Rise Against, Billy Talent, Lagwagon und AFI stand und auf den Sommer wartete. Der 14. Februar ist dummerweise auch noch nicht annähernd Sommer, aber das Wetter brachte mich irgendwie dazu, meine ganzen Pop-Punk-Scheiben anhören zu wollen und dann kam mir "5 Seconds of Summer" in die Hände und ich muss sagen, der Name des Quartetts umschreibt ihre Musik anscheinend wirklich sehr gut, denn die Musik, die sie machen, ist ein ordentlicher Soundtrack für den Sommer beziehungsweise kann den Sommer für 40 Minuten in die Wohnung holen. Die folgende Track-by-Track-Review zeigt bei aller Begeisterung aber eine neutrale Meinung zum Album, aus musikalischer Sicht natürlich, wie die Musiker aussehen, wenn sie ihre Musik machen, ist mir total egal:

1. She Looks So Perfect
Ja, viele "Hey"s wie hier am Anfang werden wir auch in Folge zu hören bekommen, soviel dazu. Aber das ist schon keine schlechte Kost, die hier abgeliefert wird. Die Strophen sind noch recht poppig geraten und auch der Refrain ist noch mehr Pop-Rock als Pop-Punk, aber die Instrumentalisierung weiß durch eine angenehme Schnörkellosigkeit zu gefallen und auch der variable Gesang (unter dem Motto "Jeder darf irgendwann mal singen!") überzeugt. Textlich wird hier typischer 2000er Emo-Pop geboten, tut niemandem weh, macht Spaß und ist ein guter Opener.
4/5

2. Don't Stop
Der Beginn ist schon etwas flotter, der Gesang aber sehr poppig, man muss sich reinhören, besonders in die Strophen. Der Refrain ist beim ersten Mal Hören auch noch etwas gewöhnungsbedürftig, setzt sich aber nach ein paar Sekunden im Ohr fest und beißt sich auch fest. Man muss die "Oh, oh, oh, oh"s mitsingen und ertappt sich spätestens beim letzten Refrain dabei, auch den Rest lautstark mitzusingen. Das gelingt nicht vielen Bands, dass man ganze Teile eines Liedes noch beim ersten Hören mitsingen kann. Auch hier wird das Themenfeld "Liebe" groß abgegrast, aber wirkt trotzdem nicht peinlich oder aufgesetzt.
3,5/5

3. Good Girls
Auch hier ist der Anfang nicht sonderlich einfallsreich, aber schon die erste Strophe überzeugt sofort. Im Refrain wird es dann endlich etwas nachdrücklich, das würde ich doch mal wirklich Pop-Punk-Hymne nennen. Die Nummer geht über die gesamten dreieinhalb Minuten Spielzeit richtig gut nach vorne und ich könnte mir "Good Girls" als wahren Live-Kracher vorstellen, die Drums und Gitarren versprechen das jedenfalls - wenn da nicht die ganzen Teenage-Girls rumkreischen würden. Auch textlich finde ich dieses Lied ziemlich cool, natürlich weiterhin leichte Kost, aber durchaus mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Sehr sympathisch und ein Anspieltipp!
5/5

4. Kiss Me Kiss Me
"Halt mal kurz! Das sind doch All Time Low oder?" - Das waren meine ersten Gedanken zu "Kiss Me Kiss Me". Und tatsächlich hatte hier ATL-Sänger Alex Gaskarth beim Songwriting seine Finger im Spiel und das hört man dem Lied immer an. Dennoch wirkt es nicht wie ein Cover oder eine Kopie, sondern wie ein eigenständiger Titel, der einfach super funktioniert, großen Spaß macht und spätestens in einem kurzen Breakdown zeigt, dass 5 Seconds Of Summer wirklich richtig rocken können. Im Text geht es natürlich wieder um die Liebe, aber auch hier gefällt die Herangehensweise, die zugegebenermaßen auch kein Alleinstellungsmerkmal ist und an All Time Low erinnert. Dennoch ist die Nummer für mich das absolute Highlight auf der Platte.
5/5

5. 18
Und weiter geht's mit einem genialen Einstieg, der von den Instrumenten her etwas an Green Day erinnert. Mit Einsetzen des Gesangs muss man sich erstmal wieder reinhören, bevor der Refrain absolut überzeugt. Was mich wirklich etwas stört, ist der Gesang in den Strophen, der für mich nicht ganz zu der richtig guten Instrumentalisierung passt, sondern eher enttäuscht und sehr blass bleibt. Wie schon erwähnt, ist der Refrain wieder sehr stark, auch die wieder etwas härtere Bridge macht Spaß und sogar textlich weiß "18" wieder durch angenehmen Humor zu überzeugen.
3,5/5

6. Everything I Didn't Say
Der wohl entspannteste Song auf dem Album beginnt mit hymnischen "Oh oh oh"s (im Booklet des Albums mit "lots of!" beziffert) und geht dann in einen Sommerrocker zwischen All Time Low (ja, auch ohne Alex' zutun) und Foster The People über, der besonders im Refrain wieder mit dem Mitsingfaktor punktet. Textlich gibt's auch hier nicht wirklich Neues zu berichten, außer vielleicht, dass es diesmal etwas ernster wird. Die Bridge ist dann etwas eigenwillig, möchte ich mal sagen, auf der einen Seite sehr poppig, auf der anderen sollen wieder ein paar härtere Akzente gesetzt werden, die dem Lied nicht wirklich gut zu Gesicht stehen. Insgesamt aber sehr ordentlich mit coolem Ende.
4,5/5

7. Beside You
Und jetzt wird's noch poppiger, den Einstieg und der Gesang sagen mir anfangs nicht wirklich zu, bis der der Refrain zu einer angenehmen Pop-Rock-Ballade übergeht. Die Schwachstelle des Songs sind eindeutig die Strophen, in denen der Gesang irgendwie aufgesetzt und uninspiriert klingt. Zwischendurch wird aber ein richtig guter Instrumentalteil platziert, der richtig gut funktioniert und in eine Bridge übergeht, die das starke Ende des Songs einleitet. Einen deutlichen Abstrich gibt's hier aber wegen der Strophen.
3/5

8. End Up Here
Das ist doch wieder andere Kost, ein richtig cooler Beginn, etwas elektronisch angereichert geht in eine relativ ruhige erste Strophe über, die mich textlich, trotz des typischen Themas, irgendwie positiv überrascht hat. Der Refrain ist dann reinster Pop-Punk und irgendwie kann man hören, dass hier wieder Alex Gaskarth beim Songwriting beteiligt war. Wieder erinnert das an typischen High School Pop-Punk, der für Partys in lauen Sommernächten einfach wie gemacht ist. Trotzdem hätte ich mir in den Strophen noch etwas mehr Feuer gewünscht.
4/5

9. Long Way Home
Der Beginn erinnert sehr an 90s College Rock von Weezer, R.E.M. und Co., bevor plötzlich der Refrain aus den Boxen dröhnt, weil man die erste Strophe für ein zu langes Intro gehalten hat. Der Refrain jedenfalls ist wieder Pop-Punk vom feinsten, ja, All Time Low lassen wieder grüßen, und, ja, Alex Gaskarth hatte seine Finger im Spiel - man hört es wirklich immer, da der Refrain etwas von dem Drive des Lieds "Backseat Serenade" von ATL in sich hat. Auch die zweite Strophe ist wieder etwas ruhiger und entspannt und punktet dennoch mit unüberhörbaren musikalischen Qualitäten, die auch die erste auszeichnen. Und endlich erkennt mal jemand, wie romantisch Green Day im Radio eigentlich sind!
5/5

10. Heartbreak Girl
Der zehnte Titel ist von vorne bis hinten ein Ohrwurm vom Feinsten, der textlich auf der einen Seite sehr hoffnungsvoll ist, auf der anderen Seite wirklich direkt aus dem Leben gegriffen zu sein scheint, jedenfalls klingt das alles ziemlich authentisch. Besonders positiv sticht das Drumming hervor, das im extrem eingängigen Refrain so entfesselt klingt, wie selten auf der Platte. Auch die Gitarren kommen angenehm druckvoll durch die Lautsprecher und machen aus "Heartbreak Gril" einen weiteren Anspieltipp.
5/5

11. English Love Affair
Mit einer starken Bassline beginnt der vorletzte Titel auf diesem äußerst kurzweiligen Werk. Dass keine tiefgründige lyrische Offenbarung mehr zu erwarten ist, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen, aber das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Ich möchte sogar sagen, dass ich das von Pop-Punk sowieso nicht vordergründig erwarte. Musikalisch wird zwar bekannte Kost abgeliefert, aber genau das will ich hören, einen schönen Rocksong für den Sommer, und genau das liefern 5 Seconds Of Summer hier wieder ab - mit starken Gitarren und treibendem Bass, der hier sogar vergleichbar mit Mark Hoppus gespielt wird. Nur die (glücklicherweise sehr kurze) Bridge passt nicht in den Flow dieses Dreiminüters.
4,5/5

12. Amnesia
Und jetzt kommt ein Lied, an das ich sehr hohe Erwartungen hatte - waren doch die Madden Brothers von Good Charlotte an dem letzten Song beteiligt. "Amnesia" ist aber leider nicht der erwartete Pop-Punk-Kracher am Ende, sondern eine Akustikballade, die leider verdammt langweilig ist und nur in den einigermaßen gelungenen Refrains funktioniert, die wenigstens ansatzweise mit akustischen Liedern von Good Charlotte mithalten können. Trotzdem ist der Abschluss der Platte unterm Strich nur ein vor Pathos triefender Popsong, mit dem ich mich wohl nie mehr so wirklich anfreunden kann.
1,5/5

Fazit:
Vielleicht schaffen es die Australier mit ihrem Album Debütalbum noch nicht, ihr Boyband-Image abzulegen, dazu fehlen ihnen einfach die Themen und die Fans, die auf Livekonzerten auch mal ordentlich mitpogen als mitkreischen. Aber 5 Seconds Of Summer sind auf dem richtigen Weg dorthin. Sie zeigen, dass wirklich mehr in ihnen steckt als nur ein paar Mädchenschwärme, die mit guttem Aussehen und schlechten Songs Geld verdienen, denn ihre Songs überzeugen im Großen und Ganzen. Auch wenn sie in ihren Themen gerne noch etwas variabler werden könnten, ihre Lyrics sind auf jeden Fall alles andere als schlecht und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von den Aussies, deren Name wirklich Programm ist, hören werden. Und ich kann nur sagen, dass ich mich schon irgendwie darauf freue.
Wer Pop-Punk mit dem richtigen Händchen für eingängige Melodien und Mitsing-Refrains sucht, sollte sich nicht vom Ruf von 5 Seconds Of Summer verunsichern lassen. Für Fans von All Time Low, Simple Plan und The Downtown Fiction ist diese Platte eine Bereicherung der Sammlung, die Lust auf den Sommer macht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 26, 2015 1:31 PM MEST


No Fixed Address
No Fixed Address
Preis: EUR 10,59

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehr zweckmäßiger Burger für zwischendurch als gehobene Küche, 9. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: No Fixed Address (Audio CD)
Nickelback stehen bekanntlich für ordentlichen Radiorock, die Singles sind melodisch und sehr eingängig, einzelne Lieder auf ihren Alben rocken etwas härter - die Lieder haben alle eines gemeinsam, besonders live sind sie richtig stark. Als Nickelback 1996 ihr Debütalbum "Curb" und vorher ihre Debüt-EP "Hesher" veröffentlichten, fand man eher eine Grungeband vor, die einfach zu spät entstand, um mit Größen wie Nirvana, die nach Kurt Cobains Tod schon fest in den Geschichtsbüchern mnifestiert war, und Pearl Jam mithalten zu können. 2001 schafften sie mit ihrem dritten Album "Silver Side Up" und der Leadsingle "How You Remind Me" den endgültigen Durchbruch zum Mainstrem-Act. Von da an begann ein Siegeszug, den so nicht viele Bands geschafft haben. Innerhalb eines Albums waren die Mannen um Chad Kroeger zu großen Rockstars geworden. Und ab da polarisierten sie - entweder man hasst Nickelback oder man liebt sie, dazwischen liegt nicht viel. Ich habe mich über die Jahre zu letzterem entwickelt, nicht, dass die Kanadier meine Lieblingsband wären, aber was sie machen hatte immer Hand und Fuß und auf jedem Album gab es einige Kracher und sehr wenige Totalausfälle.
Letztes Jahr kam dann "No Fixed Address" auf den Markt, ein Album, das offensichtlich die Gemüter spaltet. Der Release ist etwas an mir vorbeigegangen, da ich zur Zeit sehr wenig Post-Grunge und Hard Rock höre (und wenn die Foo Fighters), aber natürlich bin ich nicht drumherum gekommen, das Album durchzuhören. Meine Eindrücke sahen dabei wie folgt aus:

Million Miles an Hour:
Höre ich da einen sehr synthetischen Einstieg? Ja, dann steigen die Gitarren und der Gesang ein. Moment mal, klingt Chad nicht etwas komisch? Auch das ist der Fall, wer immer das gemischt hat und seine Finger bei der Stimme im Spiel hatte, gehört eigentlich bestraft - er müsste sich die Strophen in Dauerschleife anhören. Der Refrain ist dann zum Glück ohne die total lachhafte Stimmnachbearbeitung ziemlich gelungen und macht richtig Spaß. Instrumental kann die Nummer aber durchgängig überzeugen und Ryan Peake zeigt sofort, was er an der Gitarre drauf hat.
3/5

Edge of a Revolution:
Das ist doch schon deutlich besser! Der geniale Einstieg geht in eine Strophe mit starken Basslines über, dazu überzeugt der Refrain mit sehr eingängigen aber trotzdem recht harten Melodien. Textlich wagen sich Nickelback hier auch auf relativ neues Terrain, die sehr politischen und kritischen Lyrics könnten genauso gut von einer Punkband stammen. Und auch musikalisch kann man leichte Punkeinflüsse hören, die den Jungs doch sehr gut stehen. Vielleicht ist es einfach in, jetzt auch solche Lieder zu schreiben, aber egal, in wie fern die Nummer kalkuliert ist - sie ist einfach richtig geil! Anspieltipp!
5/5

What Are You Waiting For?:
Naja, vielleicht auf ein paar mehr Ecken und Kanten. Ich denke, dieser Titel hat sich durch massives Radioairplay in den Gehörgängen der Hörer festgebrannt. Mindestens ein Lied eines Nickelback-Albums schafft es, im Radio auf und ab gespielt zu werden und irgendwie gönne ich es ihnen ja auch. Wären hier nicht die unsäglichen synthetisch-elektronischen Strophen, die der solide, aber harmlos rockende Refrain nur bedingt ausgleichen kann.
2/5

She Keeps Me Up:
Der Beginn ist doch ziemlich cool und mit dem etwas funky-chilligen Rhythmus muss man sich unbedingt mitbewegen. Garage-Pop, das triffts vielleicht am besten. Würde man dann noch die R&B-Stimme der Backgroundsängerin rausnehmen, wäre das hier ein wirklich geiler Rocker, der etwas experimentell daherkommt, aber trotzdem noch eindeutig Nickelback-Ware ist. Auch so ist die Nummer nicht unbedingt schlecht, auch wenn die Bridge auch etwas komisch anmutet. Besonders die Basslines und die Drums kommen aber insgesamt gut rüber.
3/5

Make Me Believe Again:
Groß aufgezogen beginnt diese Nummer. Erstaunlich düster klingt der Rocker, der als Halb-Ballade ziemlich gut funktioniert, auch wenn mir persönlich wieder etwas zu viel elektronische Töne darin vorkommen. Der Refrain brennt sich aber praktisch sofort ein und man kann ihn doch ziemlich schnell mitsingen. Musikalisch erinnert das alles etwas an 30 Seconds To Mars für Anfänger, gut gewollt, eigentlich auch ganz gut gekonnt, aber ohne wirklich zu überraschen und mit einer etwas ungewohnten Stimme. Solide Massenware würde ich sagen.
3/5

Satellite:
Und wir nehmen noch mehr Tempo raus. Synthesizer-Geigen erklingen im Hintergrund zu einer Akustikgitarre, die diese Ballade einleitet. Dann entwickelt sich ein angenehm Nickelback-typischer Titel, ein Song, der ordentlich auf die Tränendrüse drückt, aber natürlich niemandem wehtut und eine sehr ordentliche Single-Auskopplung wäre, da "Satellite" extrem gut ins Ohr geht und die Stärken von "Lullaby" mit denen von "How You Remind Me" richtig zu verbinden weiß. Vielleicht keine Höchstwertung, aber Kost, die leicht über dem Durchschnitt liegt.
4/5

Get 'Em Up:
Wird die Platte doch noch richtig gut? Auch hier wird mit neuen Sounds zwischen Blues Rock, Pop und Garage Rock experimentiert und das gelingt den Kanadiern mal wieder ziemlich gut. Dieser Garage-Blues-Pop ist so typisch Nickelback und dann doch wieder total anders, während die Lyrics und der Refrain extrem vertraut klingen, bringen die Strophen interessanten neuen Schwung in den Sound. Auch die etwas glatte Produktion kann man hier definitiv nicht als Schwachpunkt bezeichnen, volle Punktzahl und Anspieltipp.
5/5

The Hammer's Coming Down:
Der Beginn ist ruhig, dann geht die Nummer in einen ein Sythie-Rocker über, in dem Chads Stimme mal wieder sehr eigenartig bearbeitet wurde, besonders in den Strophen, die einfach nur langweilig und austauschbar klingen. Als krasser Kontrast dazu steht der Refrain, der wirklich mehr als nur solide Kost ist, ordentlicher Elektro-Rock, der musikalisch ein wenig an Linkin Park erinnert. Auch die Bridge weiß zu überzeugen, dennoch ist der Titel besonders aufgrund der zu Tode langweiligen Strophen nicht mehr als unteres Mittelmaß.
2/5

Miss You:
Tja, wer den Songtitel liest, weiß, in welche Richtung sich "Miss You" entwickelt - eine Radiorock-Ballade mit mehrstimmigem Gesang. Würde das Schlagzeug nicht so mies wie aus der Konserve klingen, würden die Gitarren ein paar Akzente setzen und würden der Gesang und die Backingvocals zusammen passen, wäre das hier vielleicht kein schlechter Titel. So fragt man sich aber, wie es so etwas auf das Album schaffen konnte - langweilig hoch zehn, nach zwei Minuten sogar verdammt nervig.
1/5

Got Me Runnin' Round(feat. Flo Rida):
Die Kombination Nickelback und Flo Rida klingt schon ziemlich krass und als ich von dieser Kollaboration erfahren habe, war mir irgendwie klar, dass das nichts werden wird. Trotzdem musste ich unbedingt mal reinhören. Zum Glück war ich auf einen Super-GAU aus, deswegen konnte mich der instrumentale Teil zu Beginn noch positiv überraschen. Dann fängt Chad an zu singen, naja so halb jedenfalls, er kann sich anscheinend nicht entscheiden zwischen Singen und Rappen - die Strophen sind tatsächlich eine Katastrophe. Der Refrain ist dann etwas anderes, nicht unbedingt schlecht, man ist es nur überhaupt nicht von Nickelback gewöhnt. Flo Ridas Part in diesem Song ist a) komplett sinnlos und schlecht getimt und b) einfach nur zum Fremdschämen, da passt praktisch gar nichts zusammen. Ist der Song so schlimm wie erwartet? Ja, nur der Refrain sichert hier wirklich einen Punkt.
1/5

Sister Sin:
Der Beginn mutet etwas orientalisch an, geht dann in Country Rock über und erinnert mich parallel dazu etwas an Bon Jovi auf "Lost Highway" oder an "This Afternoon" von Nickelbacks Album "Dark Horse". Die durch diesen letzten Song erzeugte Stimmung weiß wirklich zu gefallen, irgendwo zwischen Western-Soundtrack und Rock ist "Sister Sin" perfekte Musik zum Autofahren im Sommer oder zur Party am Lagerfeuer. Der Refrain ist angenehm typisch für Nickelback, die Strophen sind fast schon entspannend und wissen zu gefallen. Alles in allem ein sehr versöhnlicher Abschluss für das Album nach den letzten beiden Enttäuschungen und ein kleiner Anspieltipp.
5/5

Fazit:
Nickelback schaffen es, zu polarisieren, keine Frage. Dabei wird "No Fixed Address" von der einen Seite über den grünen Klee gelobt und für seine musikalische Vielfalt angepriesen, auf der anderen Seite wird die Platte verrissen, dass hier doch eigentlich alles schiefgelaufen ist. Meiner Meinung nach hat keine Partei wirklich Recht. Ich stehe irgendwo dazwischen, für mich ist "No Fixed Address" ein Album, das zwischen Kracher und Katastrophe alles zu bieten hat. Dabei sind Peinlichkeiten wie "Got Me Runnin' Round", die zum Fremdschämen sind, aber auch überzeugende Rocker wie "Edge Of A Revolution", die positiv überraschen und zum besten Material gehören, das Nickelback in den letzten Jahren fabriziert haben, zu finden. Dazu kommt viel Füllmaterial, das dieses Album endgültig zu einem Burger macht - man kauft es, konsumiert es, genießt es auf der einen Seite, auf der anderen liegt es verdammt schwer im Magen und bekommt einem nicht gut und man fragt sich, ob es das Geld wirklich wert war. Aber irgendwann bekommt man wieder Appetit und sagt sich, dass es nicht immer die Haute cuisine sein muss und so ein Burger zwischendurch auch seinen Zweck erfüllt und satt macht.
Guten Appetit!

Insgesamt: 34 von 55 Punkten
Durchschnitt: 3,09 Punkte


Ironiclast
Ironiclast
Preis: EUR 6,99

5.0 von 5 Sternen Voll mit reinstem Rock!, 20. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Ironiclast (Audio CD)
Every Time I Die, Fall Out Boy und Anthrax klingt eher nach einem perfekten Line-Up für große Rockfestivals als nach Zutaten für eine Supergroup. Aber warum dieses Line-Up nicht doch mal vereinen und versuchen, zusammen ein bisschen Musik zu machen?
Heraus kommt also eine Bandbesetzung, die schon beim Lesen Neugierde erzeugt:

Keith Buckley (Every Time I Die)
Joe Trohman (Fall Out Boy)
Rob Caggiano (damals Anthrax, jetzt Volbeat)
Scott Ian (Anthrax)
Andy Hurley (Fall Out Boy)
Josh Newton (Every Time I Die)

Die große Frage, die sich aber dennoch stellt, ist: Funktioniert das überhaupt - Metalcore, Pop-Punk und Trash Metal? Den Lesefaulen sei schon jetzt gesagt: Und wie das funktioniert. The Damned Things präsentieren ein phänomenales Metal-Album, das aber viel mehr als nur das ist. Punk-Einflüsse gesellen sich zu Classic Rock, dazu kommen eine Prise Hard Rock und kraftvoller Gesang, vermischt mit etwas Heavy Metal, ein paar Metalcore-Breakdowns und groß aufgezogenen Refrains, das alles drei mal kräftig umgerührt und fertig. Das Modell ist eigentlich so simpel wie genial, das Beste aller Bands auf einen gemeinsamen Nenner gebracht und losgerockt. Dass die Herren im Studio dabei Spaß hatten, hört man jedem einzelnen Ton an, kein Lied ist ein Reinfall, die knapp 40 Minuten vergehen wie im Flug.

1. Handbook For The Recently Deceased
Brutal gute Gitarrenriffs eröffnen die Platte, dann steigt Buckley mit cleanem Gesang ein. Während die Strophen sehr Metal-lastig sind, bemerkt man die Fall Out Boy-Einfluss in dem verdammt eingängigen Refrain. Die drei Gitarren machen einfach riesen Spaß und spielen sowohl brillant zusammen, als sich auch gegenseitig an die Wand. Außerdem ist Hurleys Drumming auf den Punkt perfekt.

2. Bad Blood
Genau wie der Opener geht auch Titel Nummer zwei richtig gut nach vorne, die Riffs harmonieren mit dem Gesang, der zwischen hart und hymnisch schwankt, aber nie in Screams ausufert, was dem Hard-Rock-Sound der Nummer gut tut. Die Bridge ist genial Riff-getrieben mit eingängigem Gesang, der unter die Haut geht. Außerdem sind die Lyrics richtig stark.

3. Friday Night (Going Down In Flames)
Blues-Rock-Riffs eröffnen die nächste Nummer, die als Party-Rocker daherkommt, eingängig, schnell, AC/DC-anmutende Riffs, ein Refrain, den sich wahrscheinlich diverse Post-Grunge-Größen wünschen geschrieben zu haben. Dazu kommen tolle Gitarrensoli, die aber nie zu lang oder nervig werden. "Friday Night" zusammengefasst: Man bekommt einfach sofort gute Laune.

4. We've Got A Situation Here
Auf einen interessanten Einstieg folgt relativ harter, druckvoller Gesang, der im Refrain wieder zu einer Rockhymne sondergleichen mutiert und wohl typische Autofahrmusik ist. Auch "We've Got A Situation Here" ist eine Party-Nummer, die etwa zur Hälfte von richtig geilen Metalcore-Screams zerrissen wird, bevor der Refrain wieder alles zusammenflickt. Am Ende ist wieder Platz für ein großartiges Solo.

5. Black Heart
Es folgt der nächste bluesig angehauchte Rocker, der das Tempo etwas zurück schraubt, nur um dann noch schneller nach vorn zu preschen. Für die Strophen wird immer etwas Tempo rausgenommen, bevor die Refrains wieder auf volle Geschwindigkeit gehen und in einer coolen Bridge münden. Außerdem präsentieren sich alle drei Gitarristen in Hochform.

6. A Great Reckoning
Ein Oldschool-Riff leitet "A Grear Reckoning" ein, der Gesang ist etwas ungewohnt und die Nummer lässt etwas an Fall Out Boy erinnern, insgesamt könnte man zu dem Lied schon Powerballade sagen. Besonders der Refrain hat es mir angetan, der sich irgendwo zwischen Hard Rock, Pop-Punk/Pop-Rock und Emo bewegt. Zu diesem Gesang gesellen sich aber wieder die drei Gitarren, die ihre Hard-Rock-Schiene unbeirrt weiterfahren und so die Nummer interessant gestalten.

7. Little Darling
Und weiter geht's mit einem Rocker, der sowohl nach 70s als auch zeitgemäß klingt. Während der Refrain fast schon etwas an die Foo Fighters erinnert, werden in den Strophen oldschool Hard-Rock-Riffs und ein klassischer Hard-Rock-/Metal-Sound zelebriert. Insgesamt wieder eine eingängige Nummer, die sich schnell im Ohr festsetzt.

8. Ironiclast
Der Titeltrack beginnt mit grandiosem Drumming, das ziemlich typisch für Punkrock ist, die einsetzenden Gitarren tendieren in Richtung Heavy-Metal, der Gesang ist zu Beginn clean, dann wechselt Buckley für Refrains in inbrünstiges Geschrei. "Ironiclast" ist ein zweieinhalbminütiges Brett voller Riffs, präzisem Drumming und wütenden Vocals zwischen Punk und Metal.

9. Grave Robber
Mit einem starken Riff beginnt das brutalste Lied des Albums, das man zu Beginn nicht unbedingt vermuten würde. In der ersten Minute wird Spannung aufgebaut, die sich immer wieder in Screams entlädt, dann treiben die Gitarren und Drums die Nummer in den Refrain, der clean gesungen wird. Nach spätestens zwei Minuten muss man headbangen. Das Ende ist ein einminütiges Instrumental, das ziemlich in die Länge gezogen wird.

10. Blues Having The Blues
Zum Abschluss wird uns noch etwas Punk-Blues-Metal oder so ähnlich aufgetischt. Das präzise Drumming ist sehr punkig, die Gitarren sind irgendwo zwischen Blues, Metal und Punk einzuordnen. Die Riffs machen wieder großen Spaß, zwischendurch singen Frauen die Backing Vocals. Der Refrain ist wieder einmal verdammt catchy und setzt sich schnell fest.

Fazit:
The Damned Things machen alles richtig, das Beste ihrer eigentlichen Bands verein in einer Supergroup, die starken Hard Rock mit Metal-, Punk- und Blues-Einflüssen spielt und mit "Ironiclast" ein starkes Album mit bombigen Riffs, präzisem Drumming und starkem Gesang präsentiert. Man kann sagen, dass sie dem Classic Rock mit dieser Platte einen zeitgemäßen Anstrich verpasst haben.
Ein Album ohne Rüschen und Schleifen, ohne gekünstelten experimentellen Bulls****, dafür mit Ecken und Kanten straight nach vorne. Voll mit reinstem Rock!


Hits
Hits
Preis: EUR 14,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Band und ihre Entwicklung, 6. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Hits (Audio CD)
Billy Talent sind eine der etablierten Größen in der Rockszene, zwischen Punk, Post-Hardcore und Alternative Rock gepaart mit einer unaufdringlichen Eingängigkeit spielten sich die Kanadier spätestens mit ihrem starken Werk "Billy Talent II" in die erste Liga der Szene. Sänger Ben Kowalewicz zählt für mich sowohl zu den besten Sängern als auch zu den besten Screamern der alternativen Rockmusik, was nicht einmal unbedingt an Gesangstechniken liegt, sondern vielmehr an der Eindringlichkeit seiner Stimme, die verschiedene Gemütszustände einfach brillant darstellen kann - von Verzweiflung über Wut, Ratlosigkeit und Trauer bis hin zum Verliebtsein, das gelingt sonst nur wenigen. Außerdem zeichnet Billy Talent ein einzigartig verzerrter Gitarrensound aus, der so vorher nie wirklich da war. Dazu kommen starke Basslines in so gut wie jedem Song und ein präzises Drumming.

Die Auswahl auf dieser Greatest Hits Platte ist genau richtig, um die Entwicklung der Jungs nachzuvollziehen, überwogen zu Beginn noch viele Screams, wurden diese zum Ende hin als Stilmittel seltener verwendet. Die Lyrics reichen immer von persönlich bis politisch und überzeugen durch gutes Songwriting, das entweder sehr subtil und mit viel Interpretationsspielraum oder sehr direkt und ohne Umschweife daherkommt. Dabei geraten die Texte aber nie aufgesetzt oder plakativ, sondern lassen auch genug Platz, um bei der Musik einfach abzufeiern.
Die Tracklist beginnt mit drei Songs von ihrem selbstbetitelten ersten Album, das sie als Billy Talent aufgenommen haben - "Try Honesty", "River Below" und "Nothing to Lose". Der Gesang erscheint teilweise wie gebellt, es wird geschrien, die Gitarren sind staubtrocken, düster und hart oder kreischen hoch mit Ben um die Wette, der Hintergrundgesang ist aber oft schon hymnisch und Bass und Drums treiben jeden Song nach vorne. Besonders "Nothing to Lose", eines meiner absoluten Lieblingslieder, zeigt aber auch, was für eine Starke Stimme Ben hat, wenn es um klaren Gesang geht.
Die folgenden vier Songs stammen von Billy Talent II - "Devil in a Midnight Mass", "Red Flag", "Fallen Leaves", "Surrender". Besonders freut mich, dass es "Devil in a Midnight Mass" auf die Scheibe geschafft hat, der geniale Song über Vergewaltigung kommt in einem für Billy Talent teilweise recht ungewöhnlichen aber doch irgendwie typischem Gewand daher, zwischen Punk und Metal, mit einem richtig brutalen Gitarrenriff, das die ganze Zeit bedrohlich über dem Song flirrt, bis zu Bens Explosion am Ende. "Red Flag" ist der politische Klassiker der Jungs, immer wieder brillant und wohl einer der bekanntesten Songs mit dem folgenden "Fallen Leaves".
Die nächsten beiden Titel stammen von Billy Talent III - "Devil on My Shoulder" und "Rusted from the Rain". Ohne Zweifel zwei tolle Nummern, besonders "Rusted from the Rain" dürfte sogar Radiohörern bekannt sein. Man merkt, dass der Sound zwar immer noch typisch Billy Talent ist, aber doch etwas langsamer wird, in "Devil on My Shoulder" kann man fast schon schleppend sagen, das passt aber auch zu ihrem Sound, auch wenn es zum Release von Billy Talent III oft kritisiert wurde. Schade finde ich zwar, dass "Turn Your Back" nicht mit dabei ist, aber das ist jetzt nicht weiter der Rede wert.
Es folgen drei Songs von Dead Silence - "Viking Death March", "Surprise Surprise" und "Stand Up and Run". Dead Silence heißt nicht umsonst nicht Billy Talent IV, man kann es zwar teilweise als back to the roots ansehen, dennoch gesellten sich hier vermehrte Alternative Rock- und Rock-Elemente hinzu. Besonders die beiden ersten Songs sind noch relativ klassische Billy Talent Punk-Kracher, sehr politisch, sehr schnell und spätestens in den Refrains wirklich auf die Fresse, um es ohne Umschweife zu sagen. Was man aber bemerkt, dass erwartete Scream-Einlagen, wie man sie von den ersten beiden Alben kennt, oft ausbleiben. Dafür sind die Lyrics besonders in "Surprise Surprise" an manchen Stellen fast schon zynisch, auch das fand man auf den Vorgängeralben eher selten. "Stand Up and Run" ist dann ein reiner Alt-Rock-Titel, sehr eingängig, mit sehr ruhigem Beginn ohne Drums, der seine Stärke in seiner hymnischen Art hat, die man wunderbar in ein Stadion bringen könnte.
Zur Krönung haben die Herren noch zwei neue Songs auf die Platte gebracht, auf die man sich wirklich freuen kann. Der erste heißt "Kingdom of Zod" und ist ein toller straight forward Punksong mit tollen Lyrics im typischen Billy Talent Gewand à la "Red Flag" vermischt mit ein wenig Alternative Rock der Dead Silence-Zeit, der Gesang ist aber teilweise wieder, wie zu Beginn erwähnt, fast schon gebellt, sodass es eine wahre Freude ist. Zum Abschluss folgt etwas sehr ungewöhnliches, der akustische Titel "Chasing the Sun", der ein geniales Ende darstellt. Sowohl Text als auch Arrangement sorgen für Gänsehaut, das ist Trauerbewältigung der besonderen Art und bringt den Hörer immer wieder zum Schlucken, der Kloß im Hals will aber einfach nicht verschwinden, die Platzierung am Ende passt daher auch gut, da die Stimmung nach dem Song einfach nicht abreißt und man für die nächsten Minuten nichts hören will, außer Stille oder noch einmal diese Nummer.

Abschließend kann man nur sagen, dass dieses Greatest Hits-Album die Entwicklung von Billy Talent perfekt zeigt. Die Auswahl gefällt mir sehr, die zusätzlichen neuen Songs, einer stärker als der andere, machen Lust auf ein neues Studioalbum und auf eine Tour zu Hits. Am Ende steht eine Compilation, die für alle Billy Talent-Fans natürlich ein Pflichtkauf ist, aber auch für Billy Talent-Neulinge einen guten Einstieg darstellt.


Get Hurt
Get Hurt
Preis: EUR 11,40

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die heimliche Hoffnung des Rock'n'Roll, 28. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Get Hurt (Audio CD)
The Gaslight Anthem spielen für mich spätestens seit "The '59 Sound" in der obersten Liga der Rockmusik, auch wenn es mich immer wieder schockiert, wie viele Leute von der Band bis jetzt wenig bis gar nichts gehört haben. Brian Fallons Stimme hat einen enormen Wiedererkennungswert und die Lyrics sind nie einfach oder trivial - Fallon ist in meinen Augen ein Poet. Über seine spirituellen Ansichten reden wir jetzt einfach mal nicht.
"Get Hurt" hat mittlerweile auch schon den ein oder anderen Monat auf den Buckel, wird aber nicht langweilig, auch wenn man es so häufig hört, wie ich. War der Vorgänger "Handwritten" noch etwas mehr von Folk-Punk beeinflusst gewesen, ist hier jeglicher Punkeinfluss nur noch zu erahnen. Aber TGA sind ja auch bekannt dafür, ihren Stil auf jedem Album etwas zu variieren. "Get Hurt" ist eher eine Verneigung vor 90's Alternative Rock und Grunge gepaart mit den üblichen Springsteen-Huldigungen.

Mit einem brutalen Gitarrenriff beginnt der Opener "Stay Vicious", Brians Gesang kommt zwischen den Gitarren etwas verzerrt und fast schon böse daher, bevor im Refrain fast schon versöhnliche Töne angesprochen werden. Viele "LaLaLa"'s werden eingesetzt, der Titel wirkt durch die verzerrten Gitarren wie aus der Garage einer Grungeband aufgenommen, das letzte Drittel läutet ein kurzes aber brillantes Gitarrensolo ein. Insgesamt ein richtig starker Midtempo-Rocker, der den Songreigen hier eröffnet. Weiter gehts mit "1,000 Years", der wieder mit einem markanten Gitarrenpart beginnt und dann ruhigere Töne anschlägt. Die Gitarren, die hier etwas mehr im Hintergrund stehen, werden von präzisem Drumming unterstützt und der Refrain setzt sich schnell im Ohr fest. Außerdem sind die Lyrics einfach grandios. Der Titeltrack ist eine ruhige Ballade irgendwo zwischen Indie und Pop, die einfach bewegend ist. Mit Keyboard werden hier mit kleinen Einschüben tolle Momente geschaffen. Auch wenn die ganze Nummer textlich weniger poetisch ist als noch "National Anthem" auf dem Vorgängeralbum, ist "Get Hurt" eine gute Ballade, wenn auch kein Highlight. "Stray Paper" beginnt wie die ersten beiden Nummern mit markigen Gitarren, dann setzt Brians Gesang ein, der nachdrücklich und rau daher kommt, also der ganze Gegensatz zu "Get Hurt". Ein paar weibliche "UhUhUh"-Gesänge stehen dem Song, der auch gut auf "Handwritten" gepasst hätte, erstaunlich gut zu Gesicht. "Helter Skeleton" geht dann noch etwas weiter zurück in der Zeit, paart einen punkigen "Sink or Swim"-Einstieg mit ruhigeren Rock-Einschüben, die im Refrain dann zu einem Heartland-Rock-Kracher à la Springsteen werden. Eine Hommage an alte und moderne Zeiten und ein absolutes Highlight auf der Platte. Es folgt ein weiterer ruhiger Song. "Underneath the Ground" ist eine starke Rockballade, die mir persönlich besser gefällt als "Get Hurt", da Brian etwas mehr mit seiner phänomenalen Stimme spielt und die Gitarren wunderschön verträumt herkommen. Die Leadsingle des Albums, "Rollin' and Tumblin'" ist ein typischer TGA-Rocker, der richtig Laune macht und auch noch einige Punkeinflüsse erkennen lässt. Starke Gitarren und tolles Drumming treiben die dreiminütige Achterbahnfahrt voran, ein weiteres Highlight. "Red Violins" beginnt sofort mit Brians Gesang zu zurückhaltender Gitarre, rhythmischem Bass und ruhigen Drums. Auch die Nummer kann einiges, geht trotz angezogenem Tempo nach vorne und überzeugt mit einem starken Text. Am Anfang des nächsten Titels "Selected Poems" denkt man wieder an eine ruhige Ballade, bis sich die Ruhe in rockigen Gitarren entlädt und Brian sehr bestimmt und nachdrücklich singt. Wieder fühlt man sich an ältere Aufnahmen der Jungs erinnert und es stellt sich sofort ein fast schon heimeliges Gefühl ein - mach fühlt sich einfach wohl. "Ain't That A Shame" beginnt wieder mit mehr Distortion in den Gitarren und wieder erkennt man Grunge-Einflüsse, die im Refrain mit Springsteen-Einschlag veredelt werden, was die Nummer zu einem weiteren Höhepunkt macht. Es folgt eine weitere Ballade, die mit gutem Text punkten kann und auch musikalisch wieder einiges hergibt, schön, dass hier fast nur Brian mit seiner Akustikgitarre zu vernehmen ist. Dennoch zieht sich "Break Your Heart" etwas und würde mit ein paar Sekunden weniger Spielzeit noch besser sein. Das letzte Lied auf der normalen Edition der CD heißt "Dark Places", der als schöner nostalgischer Rocksong in Erinnerung an Bruce Springsteen daherkommt und noch einmal alles auffährt, was die Jungs zu bieten haben: toller Gesang, fette Gitarren, treibendes Drumming, ein nicht weniger treibender Bass und tolle Lyrics. Der Abschluss macht richig Spaß und lässt den Hörer lächelnd zurück - alles richtig gemacht.

Abschließend kann man nur sagen, dass die Jungs um Brian Fallon mal wieder gezeigt haben, warum sie als die heimliche Hoffnung des Rock'n'Roll gelten. Mit tollen Arrangements, starken Texten (die diesmal in meinen Augen vielleicht etwas weniger poetisch, aber mitnichten schwächer sind als vorher) und natürlich der wahnsinnig starken Stimme des Frontmannes schaffen sie es erneut, sowohl ihren Wurzeln zu huldigen, als auch ihren eigenen Weg unabhängig weiterzugehen. Die New-Jersey-Rocker machen ihr Ding unbeirrt weiter und werden so sicherlich neue Fans dazu gewinnen. Dazu kann man ruhig "Bravo!" sagen undd sich tief verneigen!


Imaginary Enemy
Imaginary Enemy
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Revolution starts with me", 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Imaginary Enemy (Audio CD)
Wahre Worte, die man von einem The Used-Album bisher nicht so zu hören bekommen hat. Ausgezeichnet hat sich die Band um Sänger Bert McCracken bisher mit sehr persönlichen Texten über Verzweiflung, verlorene Liebe und Hoffnungslosigkeit. Umso erstaunlicher ist, dass "Imaginary Enemy" ein verdammt politisches Album geworden ist.
Schon das Cover verrät, dass hier die Politik eine große Rolle spielen wird. Bilder verschiedenster Personen, die mal mehr, ma weniger mit Politik zu tun haben, mit roten Balken vor den Augen. Man erkennt beispielsweise Putin, Obama, Kim Jong-un, den letzen und den aktuellen Papst, Martin Luther King, Hillary Clinton, Sänger Bert McCracken und viele andere. Im Zentrum steht jedoch ein aufgehängtes Herz - viel Interpretationsspielraum. Auch das Logo des bandeigenen Labels GAS Union, Hammer und Sichel, deutet auf Politik hin.
Das alles klingt schon mal sehr vielversprechend, also Radio an, CD rein und los geht's. Track by track, um die Übersicht zu bewahren:

"Revolution"
Der Opener beginnt mit einer kurzen Spoken Word-Performance, dann wird gefühlt aus allen Rohren gefeuert, eine große Soundwand wird aufgebaut, dann beginnt Bert McCracken die erste Strophe, wobei schon die Lyrics genau das halten, was das Cover verspricht. Sehr direkt geht die Nummer nach vorne, besonders der Refrain hat absolutes Ohrwurmpotential. Auch auf Berts geniale Screams muss man nicht verzichten, wenn er "Revolution starts with me" rausbrüllt und das Lied nach den doch recht punkigen ersten zweieinhalb Minuten fast zu einem Hardcore-Kracher mutiert, wird klar, dass hier etwas ziemlich geiles entstanden ist.

"Cry"
Die Vorabsingle "Cry" beginnt sehr Synthie-lastig, wird dann zu einer bassgetriebenen Alternativ Rock-Nummer, die besonders im Refrain ihr Stärke ausspielen kann. Musikalisch wird hier auch einiges geboten, die Synthesizer stehen im krassen Kontrast zum brutalen Breakdown, der dem Hörer unerwartet ordentlich auf die Fresse gibt und sehr hart daherkommt. Textlich könnte die Nummer auch von einem anderen Album der Jungs stammen, da der Text doch wieder persönlich ist. Jedenfalls macht "Cry" Spaß, auch wenn die Strophen teilweise etwas schwächeln.

"El-Oh-Vee-Ee"
Ja, das heißt LOVE. Aber auch wenn man jetzt denkt, dass dieser anfänglich so sanfte Rocker nichts mit Politik zu tun hat, der irrt. Ein Gesellschaftskommentar, der mit Kapitalismus und organisierter Religion abrechnet und der textlich gut und gerne von Anti-Flag hätte stammen können. Nach zwei Minuten wird dann auch deutlich, dass hier jemand verdammt wütend über die Umstände ist und so kracht mal wieder ein harter Breakdown rein. Dann wieder der großartig melodische Refrain, in dem etwas essentielles gesagt wird "You can keep the money // cause all we need is El-Oh-Vee-Ee, Love"

"A Song to Stifle Imperial Progression (A Work in Progress)"
Es folgt einer der besten Songs, die The Used je aufgenommen haben. Die Abrechnung mit dem Krieg gegen den Terror, das Überbringen der "Demokratie" und allen anderen Kriegen, die die USA noch so führen, nämlich den Krieg gegen Drogen und Armut. Musikalisch verpackt in einen genialen Hardcoresong mit einem überragenden Refrain, der verdammt catchy ist und textlich brillant auf den Punkt gebracht wurde. Auf den drei folgenden Seiten im Booklet folgen Erklärungen zum War on Terror, War on Drugs und War on Poverty, die sehr lesenswert sind und die man sich auf jeden Fall zu Gemüte führen sollte. Man kann teilweise über leise Ironie lächeln, muss aber sehr oft einfach nur den Kopf schütteln und sagt sich fast automatisch "No way, USA!"

"Generation Throwaway"
Nach dem harten "A Song to Stifle Imperial Progression (A Work in Progress)" kommt "Generation Throwaway" sehr poppig daher, aber die Nummer ist sofort im Ohr und geht da auch nicht mehr so schnell raus. Der Text ist wieder verdammt kritisch und bezieht sich auf soziale Ungerechtigkeit, vermittelt aber eine wichtige Botschaft - um die Revolution zu erreichen, darf man nicht aufgeben und muss dafür kämpfen. Musikalisch bleibt es diesmal vergleichsweise ruhig und der großangelegte Chorgesang vermittelt etwas sehr wichtiges: Zusammenhalt.

"Make Believe"
Bassgetragen kommt die Nummer daher, die in den Strophen recht ruhig ist und in den Refrains etwas lauter wird, auch wenn man auch hier nicht übertreibt. Der Text ist wieder große Klasse und zeigt eigentlich etwas sehr einfaches: man sollte genau das machen, was man selbst für richtig hält und sich nicht von außen steuern lassen. Auch wenn es etwas ruhiger dahergeht, wird die Nummer nicht langweilig und man sollte wirklich mal drüber nachdenken, wem man selbst hinterher rennt.

"Evolution"
Wo die Revolution ist, war auch mal eine Evolution, die in den Gedanken der Menschen etwas geändert hat. Darum geht es hier, in einem weiteren recht ruhigen Titel, der etwas an Kirchenmusik erinnert. Es geht in den Lyrics um den Menschen, der fähig ist, selbst zu denken und er selbst zu sein, ohne sich zu verstellen. Also geht es nur um wenige Menschen... Die Bridge wird musikalisch dann hoch dramatisch und bedrohlich, ohne in Geschrei auszuufern, nein, die Instrumente erzeugen nur eine äußerst unruhige Atmosphäre.

"Imaginary Enemy"
Der Einstieg erinnert an alte Punknummern, simple Bassline und Drums, dann Gesang - Nostalgie-Feeling. Der Refrain geht sofort in die Beine, ist tanzbar, ohne seinen rockigen Charakter zu verlieren. Der Text überzeugt wieder mit starker Kritik, die sich diesmal auf genau das bezieht, über das gesungen wird - eingebildete Feinde, die selber keine Ahnung haben, wie sie in diese Situation gekommen sind. eigentlich ist das hier genau das, was einen Punksong ausmacht.

"Kenna Song"
Wieder wird es recht ruhig und sehr eingängig. Und es wird genau über das gesungen, was Musik ausmacht. Musik kann vielleicht nicht die Welt verändern, aber ganz sicher einzelne Menschen. Musikalisch ist das hier sehr einfach gehalten, im Refrain hört man "Ohohoh"'s, aber die kommen einfach verdammt ehrlich daher, sodass es zu keiner Sekunde peinlich wird. Hier wird Musik zelebriert, die Jungs stehen hinter ihren Aussagen und vermitteln uns mit der Gänsehautstimmung im Lied, dass hier noch nichts verloren ist.

"Force Without Violence"
Es folgt ein Lied, das auf der eine Seite aussagt, dass wir uns alle ändern müssen, um Veränderungen zu erreichen, auf der anderen Seite wird eine wichtige Frage gestellt: Gibt es Macht auch ohne Gewalt? Kurz gesagt: die Lyrics sind sehr hintergründig und keine platten Parolen. Die Musik bleibt ruhig, dann platziert sich am Ende des Songs ein geflüsterter Spoken Word-Teil, der a capella halb gerappt wird. Auch dieser Text ist sehr klug, auch wenn man doch eine unbändige Wut heraushören kann.

"Overdose"
Der Abschluss wird mit "Overdose" nochmals etwas persönlicher, es geht nochmals um Liebe, aber auch hier wird etwas wichtiges zur Sprache gebracht "But to get love // you have got to give love". Musikalisch ist dieser letzte Titel nochmals etwas ruhiger gehalten, aber der Refrain brennt sich im Gehirn fest ein.
Übrigens lohnt es sich, etwas zu warten, da ab 7:41 der Hidden Track "Red Heart" startet, der sich über sieben Minuten erstreckt. Zuerst denkt man, dass hier wieder ein Ambient-Track präsentiert wird und die ersten Minuten passiert auch nicht viel mehr als dass man Trommeln lauscht und kurz vorm Abschalten ist, bevor auf einmal eine Stimme anfängt zu sprechen und den Inhalt des Albums auf den Punkt bringt, man muss aber genau den Worten folgen, denn rhythmisch ist da nicht mehr viel, nein, der Monolog wird einfach nur etwas musikalisch hinterlegt, ohne, dass groß auf Harmonien geachtet wird. Aber die Worte hinterlassen Wirkung!

Fazit:
"Imaginary Enemy" ist ein beeindruckendes Album. Sowohl musikalisch auf einem hohen Niveau, als auch textlich anspruchsvoll und relevant - das ist das, was man vom Look der Platte erwartet hat und das wird ohne wenn und aber auf einem hohen Niveau erfüllt. So kommentieren The Used politische Hintergründe mit ihrer einzigartigen Art Musik zu machen. Dazu kommt, dass sie hier ihr wohl aggressivstes und zugleich ruhigstes Album präsentieren und musikalisch sehr abwechslungsreich zu Werke gehen, so gibt es Punk, Hardcore, Emo, Alternative Rock und Electronic Rock auf einem Album vereint, das textlich eher an Anti-Flag als an The Used erinnert. Auch wenn die Texte sicherlich nicht mehr sehr innovativ sind, sie sind dennoch relevant wie eh und je, wenn nicht sogar noch relevanter, betrachtet man das Weltgeschehen zur Zeit. Tolle Scheibe und nie vergessen, sagt euch immer "Revolution starts with me"!


The Good Youth
The Good Youth
Preis: EUR 15,05

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Red Bull verleiht Flügel!, 23. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: The Good Youth (Audio CD)
Blitz Kids - ein Name, der mir in der Musikwelt noch nie untergekommen war, bis ich in einer Filiale einer großen Elektronikfachmarkt-Kette in Leipzig ihr drittes Studioalbum zu Gesicht bekam, das irgendwo hinter Blink-182-Scheiben stand und anscheinend nur auf mich gewartet hatte. Dummerweise wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Platte auf mich gewartet hatte, ich hatte sie zur Kenntnis genommen, das Cover für ganz ansprechend gehalten und dann "Enema of the State" wieder davorgestellt.
Zwei Tage später folgte dann das Aufstiegsspiel von RB Leipzig gegen Saarbrücken, im Stadion liefen unter anderem Green Day, die Broilers und Thees Uhlmann, bevor mich ein Lied immer mehr in Euphorie versetzte - "Sometimes" von den Blitz Kids, wie ich durch das auf der Videowand eingespielte Musikvideo mitbekam (zum Glück stehen die Jungs bei Red Bull Records unter Vertrag). Nach der Aufstiegsfeier also gleich online gegangen und in das Album gehört - sofort beschloss ich, dass ich dieses Album kaufen würde.
Jetzt, nach mehrmaligem Hören, ist es doch Zeit, einmal eine Rezension zu veröffentlichen, da dieses Album mehr Aufmerksamkeit verdient, als es bis jetzt bekommen hat.

1.
Schon der Opener "All I Want Is Everything" beginnt hymnisch und vermittelt sofort eine positive Stimmung, viele "Ohohoh"s und mehrstimmiger Gesang bringen Stadionatmosphäre ins Wohnzimmer und animieren zum Mitsingen. Die Gitarren kommen mit einem wunderbaren Sound daher und Joe James' Stimme weiß sofort zu überzeugen.
5/5

2.
Der zweite Titel "Run For Cover" ist ein Pop-Punk-Song vom Feinsten, geht schnell nach vorne, starke Gitarren treffen auf recht forschen Gesang, der im Refrain wieder sehr melodisch und wieder mehrstimmig wird. Die Band bezeichnet sich selbst ja nicht als Pop-Punk, bringen dann aber einen der besten Pop-Punk-Songs der letzten Jahre hervor.
5/5

3.
Keine Zeit zum Ausruhen, "On My Own" ist ein Rocker, der etwas an "Deaf Havana meets Young Guns" erinnert. Joes Gesang harmoniert perfekt mit den Gitarren und das Drumming von Matt Freer ist nahezu perfekt.
5/5

4.
Es folgt ein weiteres Highlight auf der Platte, "Sometimes" ist eine geniale Pop-Punk-Nummer mit Gute-Laune-Faktor, einem geilen Refrain, den man sofort mitgröhlen möchte und einem Joe James in Topform. Die Gitarrenarbeit ist auch hier wieder eine Erwähnung wert, denn die ist mal wieder richtig stark. Ein fast vierminütiger Ritt mit einem tollen Ende!
5/5

5.
"Keep Swinging" beginnt sehr poppig mit Synthie-Violinen und etwas an Coldplay und Stanfour erinnernden Sounds, die vielleicht am ehesten mit "Viva La Vida" bzw. "When The Lights Go On" zu vergleichen sind, dennoch drängt sich nie der Verdacht des Plagiats auf. Zur Mitte hin wird die Nummer immer rockiger und man singt die "Ohohoh"s mal wieder automatisch mit. Das ist sicherlich Kalkulation, aber das ist so gut kalkuliert, dass es keinem auffallen will.
4,5/5

6.
Mit "Long Road" wird es nochmal etwas ruhiger. Zurückhaltender Gesang zu leisen Gitarren und dezentem Drumming - so beginnt ja jede Rockballade. Aber das hier ist keine typische Rockballade, so richtig traurig will der Titel nämlich nie werden. Nein, er macht Mut, animiert zum weitermachen und enthält, verdammte Axt, wieder "Ohohoh"s, die man wie automatisch mitsingen muss. Auch sonst überzeugt der Titel auf ganzer Linie und auch hier wird es zum Ende fast noch euphorisch. Der Gesang klingt übrigens stellenweise ein wenig so, als hätte sich Patrick Stump mal eben auf die Insel verirrt.
5/5

7.
"Sold My Soul" beginnt mit dreckigem Gitarrengeschrammel im besten Post-Punk-Stil. Auch der Gesang passt sich an die Gitarren an, bevor es wieder groß, man möchte schon fast "episch" sagen, wird. Die dreckigen Gitarren der Strophen stehen in einem krassen Kontrast zum hymnenartigen Stadion-Rock-Feeling des Refrains, ein Geniestreich der Briten. Man möchte glatt schon im Takt klatschen - im Zug, mit Kopfhörern im Ohr.
5/5

8.
Jetzt wird es ziemlich Synthie-lastig (30 Seconds To Mars lassen grüßen), bevor die Blitz Kids wieder losrocken. Der Refrain in "Perfect" kling aber irgendwie nach einem anderen Lied, das mir momentan einfach nicht einfallen will und hat deswegen einen geringeren Wiedererkennungswert. Die großartige Stadionatmosphäre bleibt natürlich erhalten, aber ein paar Synthies weniger hätten hier nicht geschadet.
3,5/5

9.
Irgendwann muss er ja kommen - der Ausfall auf diesem Album. Sein Name lautet "Pinnacle", der klingt als würde Justin Timberlake einen Electro-Rock-Song aufnehmen will. Die Synthies rücken hier in den Vordergrund und die Nummer wird einfach langweilig. Auch Joes Stimme ist hier extrem ungewohnt und die Frauenstimme, die sich irgendwann dazugesellt, nervt einfach nur. Einzig wenn Joe etwas höher singt und die Bridge mit starkem Bassspiel begleitet wird, zeigt der Titel, dass auch diese Nummer von einer eigentlich richtig guten Band stammt.
1,5/5

10.
Erfrischend mit Gitarren beginnt der nächste Titel, "Title Fight", der mit seinen wirklich geilen Gitarrenparts und Singalongs fast schon wie eine Entschuldigung zum Vorgänger, den ich zum Glück schon wieder vergessen habe, wirkt. Wir sind zurück in der großen Arena und singen, wie schon zuvor, "Ohohoh"s mit und versuchen uns in der Öffentlichkeit nicht mit zu lautem Gesang zu blamieren. Das Ende mit seinen harten Gitarren ist dann noch ein kleines Sahnehäubchen auf dieser großen, leckeren Torte.
5/5

11.
Mit "Roll the Dice" folgt der nächste richtig gute Rocksong, der nach gewöhnungsbedürftigem Beginn richtig stark wird. Die ganze Band spielt groß auf und sie präsentieren wieder Pop-Punk in seiner reinsten Form. Die Lyrics sind wiederum richtig stark und man singt mal wieder automatisch mit, aber das ist uns mittlerweile sowieso egal, die alte Dame neben uns hat sich längst ihrem Schicksal hingegeben und der Geschäftsmann gegenüber ist schon lange genervt aufgestanden und hat den Waggon gewechselt. Tolle Nummer!
5/5

12.
Mit dem starken Rausschmeißer "The Sound of a Lost Generation" endet dieses tolle Album. Der Beginn ist mal wieder recht ruhig, dann wird es natürlich noch einmal groß. Der Gesang hymnisch, die "Ohohoh"s versetzen uns sofort wieder in die große Arena und man bekommt wieder ein Hochgefühl mitgeliefert, das alles andere vergessen lässt. Ein besseres Ende könnte man sich für diese Platte nicht wünschen.
5/5

Fazit:
Dieses Album macht Lust auf mehr von dieser leider noch recht unbekannten Band aus Großbritannien, die hier ein starkes Stück Musik präsentieren, das sich zwar einen Ausrutscher erlaubt, der aber natürlich zu verzeihen ist. Red Bull Records sollte alles versuchen, diese Band zu halten, das könnte nach AWOLNATION ihr nächstes sehr viel versprechendes Signing sein. Man sollte die Blitz Kids auf jeden Fall im Auge und, noch viel wichtiger, in den Ohren behalten. Der Wiedererkennungswert ist sehr hoch und man kann die Scheibe auch mehr als einmal durchhören, ohne dass einem langweilig wird.
Für Fans von Alternative Rock und Pop-Punk gepaar mit etwas genial eingesetztem Stadion-Pomp ist das hier die richtige Wahl. Ein echtes Albumhighlight der ersten Hälfte dieses Jahres! Red Bull scheint doch Flügel zu verleihen - jedenfalls in musikalischer Hinsicht!


Vom Stehen und Fallen (Limitierte Deluxe Buch-Edition)
Vom Stehen und Fallen (Limitierte Deluxe Buch-Edition)
Wird angeboten von ImLaden
Preis: EUR 13,97

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein atemberaubendes Debüt, 28. April 2014
Zu Heisskalt bin ich mehr oder weniger durch einen glücklichen Zufall gekommen: eine Freundin fragte mich, ob ich Interesse an zwei Karten für das Konzert in Leipzig hätte und so hörte ich einfach mal rein, um festzustellen, dass diese Band meiner Meinung nach eine große Zukunft vor sich hat. Das erste Lied, das ich von Heisskalt hörte war "Hallo" - ein schön nach vorn gehender Rocksong, der einfach Spaß macht und schon ein gewisses Potential erkennen lässt, aber trotzdem noch recht konventionell gestrickt ist. "Dezemberluft" ist für mich eine der besten deutschsprachigen Balladen aller Zeiten und ich entschied mich, die Karten zu übernehmen. Auf Spotify hörte ich dann zum ersten Mal "Vom Stehen und Fallen" komplett durch und war geflasht, ausgereifter kann man ein Debüt nicht auf den Markt bringen, die Spielfreude ist den Jungs in jedem Lied anzumerken. Auf dem Konzert wurde ich dann endgültig zu einem großen Fan, die Energie, die die vier Schwaben auf die Bühne bringen, ist enorm, und wie sie das Publikum fesseln, ist ganz großes Kino. Nach dem Konzert dann Zeit, das Album zu kaufen und unterschreiben zu lassen, dazu ein paar Gespräche mit der Band zu führen. Zuhause die Platte gleich wieder in den Player geworfen und zurück in den kleinen Club versetzt, der anderthalb Stunden brannte. Wahnsinn!

Mit drängenden Drums und Sprechgesang beginnt das Longplayer-Debüt der Jungs mit dem Lied "Das bleibt hier". Anfngs drängt sich der Vergleich zu Casper etwas auf und man hat schon Angst, dass sich hier jemand auf diesem einzigartigen Kurs versucht, um erfolgreich zu sein. Diese Angst verfliegt aber spätestens zu Hälfte des Liedes, als der hymnische Gesang einsetzt und große Gitarrenwände aufgezogen werden. Dazu sind die Lyrics zu Beginn voller Anspielungen und man muss den Refrain, der im Prinzip die letzte Hälfte komplett ausfüllt, einfach mitsingen.
Mit einem geilen Gitarrenriff fängt dann "Nicht anders gewollt" an. Ziemlich punkig geht der zweite Titel der Platte nach vorne, außerdem sind Einflüsse aus Post-Hardcore und sogar Screamo ("Wir wollen ein Stück vom Kuchen") zu finden. Im Mittelteil folgt ein brillanter Instrumentalteil mit harten Gitarren. Dazu sind die Lyrics wieder ein ganz großer Wurf und das Musikvideo ist auch einen Blick wert.
Und auch bei "Sonne über Wien" ist man sofort im Flow des Titels - der Beginn ist einfach fantastisch. Der Gesang klingt absolut genial und die Lyrics überzeugen erneut mit einer erstaunlichen sprachlichen Ausgereiftheit. Der Refrain ist extrem eingängig, musikalisch bewegen wir uns hier irgendwo zwischen Melodic Hardcore und Pop-Punk. Am Ende wird der Titel mit großen Gitarrenharmonien verdammt melancholisch und erzeugt bei mir immer Gänsehaut. Auch live der absolute Hammer.
Der Anfang von "Identitätsstiftend", dem nächsten Lied, ist extrem ruhig, dann explodieren die Gitarren, Matze und Phil brüllen sich Satzfetzen um die Ohren, dann versteht man, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Der Refrain kann auch sofort mitgesungen werden, immer wieder durchbrechen laute Rufe die lauten Gitarren und Drums, dann wird die Nummer wieder ruhiger und geht in einen melancholischen Instrumentalteil über, der fantastisch klingt und zum Ende hin langsam ausläuft, bis auch die letzte Gitarre verstummt.
Es folgt der anfänglich auch recht ruhige Song "So leicht". Besonders toll sind hier die Drums, die den Gesang immer mal wieder durchbrechen, bis toll gespielte Gitarren einsetzen, die weiterhin ziemlich ruhig, aber auch sehr düster (so wie auch der Text) sind. Es wird mit langen Instrumentals eine unglaubliche Spannung erzeugt, die sich zum zweiten Drittel in einer düsteren Sound-Explosion entlädt, was klingt wie The National auf Speed. Matze schreit fast schon philosophische Textzeilen („Du musst nur fliegen, wenn du fällst“). Zum Ende wird die Nummer wieder ruhiger und lässt den Hörer mit offenem Mund zurück.
"Kaputt" beginnt so ruhig, wie "So leicht" endete. Klatschende Hände geben den Rhythmus vor, dann spielt die Band laut auf. Hier kommen erneut sehr punkige Sounds zutage, fette Gitarren treffen auf mitreißende Drums und aggressiven Gesang. Wieder schaffen es auch die auf der einen Seite jugendlich-rebellischen und auf der anderen Seite sprachlich ausgereiften Lyrics zu überzeugen.
Und jetzt müssen wir auch einfach mal die Sau raus lassen, das machen wir mit Lied Nummer sieben, "Alles gut". Ein Party-Rocksong von einer Band, die trotzdem ihrem recht rauen Sound treu bleibt und auch hier was zu sagen hat. Textlich sicherlich teilweise etwas simpel ("Solange der Club nicht voller ist als wir"), aber Spaß macht die Nummer allemal und dass die Jungs wieder etwas zu sagen haben, kommt gerade wegen des Textes gut rüber, da hier textlich fast bis zur Karikatur übertrieben wird.
Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn der nächste Titel, "Nicht gewinnen", anläuft. Matze singt extrem ruhig, dann wird die Ruhe mit lauten Gitarren zerrissen. Der sehr ernste Text wird in einem grandiosen Rocksong zwischen Ruhe und Lärm, zwischen Ballade und Hardcore toll umgesetzt. Am Ende setzen noch klatschende Hände ein und vermitteln eine gewisse hoffnungsvollere Stimmung als der Rest des Liedes, auch wenn der Text diese Hoffnung nicht so recht unterstützen mag.
"Gipfelkreuz" ist einfach nur große Rockmusik. Auf der einen Seite sehr unruhig, auf der anderen fast schon meditativ eingängig. Mit Gesang zwischen normal und salvenartig ausgespien, einem verdammt klugen Text, mit der Gipfelkreuz-Thematik perfekt umgesetzt, und einer atemberaubenden Instrumentaliesierung ist das hier eines der bewegendsten Stücke deutschsprachiger Rockmusik. Und die Botschaft am Ende ist eindeutig: "Passt bitte aufeinander auf in dieser Scheißwelt!"
Hoch emotional kommt "Bestehen", der vorletzte Titel des Albums, daher. Mit genialen Lyrics, leisem Gesang, der fast zu brechen droht, und chorartigem Hintergrundgesang schafft es "Bestehen", zutiefst zu bewegen. Auch wenn Gesang und Musik wieder etwas Casper erinnern, man hört, dass das ein Werk von "Heisskalt" ist. Wie die Nummer zum Ende geführt wird, ist unaufgeregt und sehr still - Zeit zum Nachdenken.
Auch das letzte Lied "Zweifel" beginnt leise und mit ruhigem Gesang, dann schrammeln die Gitarren los, das klingt wunderschön dreckig und macht großen Spaß. Am Ende steht tatsächlich so etwas wie Hoffnung, Hoffnung voller melancholischer Zwischentöne und hymnischem Gesang, bevor verzweifeltes Geschrei am Ende diese Hoffnung wieder in Frage zu stellen scheint.

Fazit:
"Vom Stehen und Fallen" ist ein atemberaubendes Debüt. Hier stimmt alles von vorne bis hinten, die Songs sind variabel aufgebaut, die Texte anspruchsvoll und die Jungs haben, das hört man, Spaß mit dem, was sie machen. Was dann herauskommt ist eines der besten deutschsprachigen Alben der letzten Jahre. Dass Heisskalt nach ihrer EP, die im Großen und Ganzen noch nicht ganz ausgereift war, den Schritt zu progressiveren, härteren und experimentelleren Tönen greifen, ist genau der richtige Weg gewesen. Sie verbinden amerikanische Einflüsse mit deutscher Sprache und werden damit, das ist sicher, noch viel von sich hören lassen. Ich freu mich drauf!


Let's Be Animals
Let's Be Animals
Preis: EUR 19,59

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pop-Punk wie er sein sollte - originell und unverbruacht, 4. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Let's Be Animals (Audio CD)
The Downtown Fiction ist eine Pop-Punk-Band aus Fairfax, Virginia, die 2008 wie so viele andere Bands auch an einer Highschool von ein paar Freunden gegründet wurde. Nach der Veröffentlichung von drei EP's folgte 2011 mit "Let's Be Animals" ihr erstes Studioalbum. Das, was mich auf das Album neugierig machte, war tatsächlich das Cover, das ich irgendwie als erfrischend anders empfand und der Titel der Platte hat auch was. Also gut, probehören, für gut befunden, gekauft, in den Player gehauen - und dann wurde ich einfach nur geflasht! Beim Vorhören war mir schon klar, dass das ein ziemlich gutes Album sein wird, aber dass es mich so umhaut, war kaum abzusehen.
Diese Band schafft es, woran viele Pop-Punk-Bands einfach nur scheitern - sie sind authentisch und versuchen niemanden zu kopieren. Erstaunlich für eine so junge Band, auf ihrem Debüt wirklich eigenständige Musik abzuliefern, die riesen Spaß macht und tatsächlich nicht bei anderen Band "ausgeborgt" wurde.

Zur Track-by-Track-Review:

Thanks For Nothing
Und schon hier weiß man genau, wo die Stärke der Platte liegt. Der Opener ist verdammt catchy und neben Pop-Punk im Refrain tauchen besonders in den Strophen recht starke Indie-Einflüsse auf. Darüber hinaus macht "Thanks For Nothing" einfach nur gute Laune, die klatschenden Handy und lockeren Gitarren verbreiten eine gewisse Festival-Atmosphäre.

Freak
Mit "Freak" werden die Jungs etwas härter. Man geht sofort mit der Musik mit und ist in einem Flow, dem man sich nicht entziehen kann. Von Pop-Punk gehen wir hier sogar in einen kurzen Screampart über. Die Gitarren und starken Drums treiben den Song über seine 2:48, der somit auch die perfekte Länge hat und nicht langweilig wird.

Stoned
Und schon wieder wird mit anderen Einflüssen gespielt - hier ist es hauptsächlich Garage-Rock. Die Gitarren kommen recht dreckig daher und die Nummer präsentiert sich als Mix aus All Time Low und den Hives, aber die Jungs haben ihren speziellen Sound, sodass ein Vergleich sehr schwierig ist. Jedenfalls ist "Stoned" eine verdammt coole Nummer und eines der Highlights.

I Just Wanna Run
"I Just Wanna Run" ist das bis jetzt bekannteste Lied der Jungs. Auch hier stehen die grandios gespielten Gitarren recht weit im Vordergrund, aber Sänger Cameron Leahy wächst hier auch stimmlich über sich hinaus, er nimmt richtig toll in Szene gesetzte Höhen mit und das Gitarrensolo zu Beginn des zweiten Drittels der Nummer macht richtig Spaß. Selten habe ich einen eingängigeren Refrain gehört.

She Knows
Und wieder machen sie alles richtig - harmonischer Einsatz der Stimme und toll begleitet, ist auch "She Knows" ein Gute-Laune-Rocker vom Feinsten. Außerdem ist die Nummer einfach toll geschrieben und mit musikalischen Verspieltheiten im letzten Drittel (Solo!) fügt auch "She Knows" nochmal eine neue, tolle Komponente hinzu.

Let's Be Animals
Auch der Titeltrack ist einfach absolut überzeugend und hat einfach geniale Lyrics, die man sich zu Herzen nehmen sollte.
“Let's take off our clothes, run through the streets, scream at the moon, and scuff up our feet. Won’t hear a word, ‘cause they probably say we’re terrible, let’s be animals.” - Das ist eines meiner Lieblingszitate aus Liedern, da es einfach nur wahr ist. Auch musikalisch passt wieder alles zusammen und spätestens hier ist klar, dass das hier wirklich ein neuer Stern am Pop-Punk-Himmel aufgehen MUSS.

Wake Up
Auch diese Nummer macht riesen Spaß und kommt fast hymnisch daher. "Wake Up" ist ein typischer Pop-Punk mit treibenden Drums (Jimmy Eat World liegen als Vergleichsobjekt vielleicht am nächsten) und einem richtig guten Gitarrensound, der sich nahtlos in das Album einfügt und mit seiner Stimmung einfach zum Flow passt.

Medicine For You
Das ist der einzige Song der Platte, den man mit einem zu Beginn recht ähnlichen Titel vergleichen kann ("Therapy" von All Time Low). "Medicine For You" beginnt ruhig, steigert sich dann aber in einen richtig starken, nachdrücklichen Rocker, der zum Ende hin an Schwermütigkeit verliert, aber dennoch im Vergleich zu den anderen Tracks etwas schwächer ist.

Alibi
Die Nummer startet sehr leise und steigert sich dann in einen treibenden Song mit tollem Gesang, tollen Gitarren und einer fantastischen Stimmung. "Alibi" ist extrem lebendig, die “Woo-hoo"'s muss man einfach mitsingen und man kann einfach nicht ruhig halten, wenn man diesen Titel hört - klasse Ding!

Tell Me a Lie
Wieder fällt zuerst der Gitarrensound auf, dann brennt sich der Gesang ein und man kann sich auch hier einfach nicht entziehen, mitzusingen und mindestens mitzuwippen. Die Thematik ist wie in den vorherigen Songs eine Lovestory, die etwas ungünstig endete. Aber mit Rock'n'Roll-Klavier und schnell nach vorne gehenden Gitarren fällt das nicht auf und es wird durch die musikalische Variabilität einfach nicht langweilig.

Losing My Mind
Hat zu Beginn etwas von Green Day und ist dann doch wieder ein typischer Downtown-Fiction-Song (Gott sei Dank). Die Nummer ist ehrlich, überzeugend und man bekommt wieder eine positive Stimmung vermittelt, trotz der üblichen Thematik. Der Solo-Part ist richtig stark und der recht poppige Sound ist verdammt eingängig.

Sierra
Wow! Schon der Anfang ist große Klasse, aber noch recht ruhig, bevor sich ein Pop-Punk-Song erster Güte erhebt, der zwar eine gewisse Melancholie in sich hat, aber dennoch einen rockigen Sound beibehält, der den Refrain hymnisch erscheinen lässt.

A Wonderful Surprise
Nachdem ich etwas Zeit brauchte, um mit den Strophen warm zu werden, ist "A Wonderful Surprise" für mich ein richtig starker Titel, der besonders im Refrain absolut zu überzeugen weiß und auch hier erwischt man sich beim Mitsingen. Extra hervorzuheben sind hier sicherlich die grandiose Bridge und das tolle Ende.

Hurt Me So Good
Kennt jemand die Schweden von Sugarplum Fairy? Naja, falls schon, würde ich hier gerne nochmal einen kleinen Vergleich anbringen. Die Mischung aus Garage-Rock und Pop-Rock gelingt The Downtown Fiction so gut, wie es eigentlich nur besagte skandinavische Band schafft. Zum Ende also nochmal ein absoluter Kracher.

Fazit:
Das hier könnte mal eine große Band im Pop-Rock-Punk-bereicht werden. Mit eingängigen Melodien, Texten und einer für dieses Genre nicht unbedingt üblichen musikalischen Variabilität, schaffen es The Downtown Fiction auf ganzer Linie zu überzeugen. Kein Titel ist ein Ausfall, keiner wird langweilig - auch wenn man die Scheibe mehr als einman am Tag hört.
Ihre Musik ist ehrlich, ihre Musik ist einfallsreich und ihre Musik schafft es, die Welt für eine dreiviertel Stunde vergessen zu lassen.
Kurz: Das ist Pop-Punk wie er sein sollte - originell und unverbraucht!


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