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Rezensionen verfasst von
Josefine Gottwald "Ewigewelten" (Dresden, Sachsen)
(REAL NAME)   

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The Night of Elisa - Illustrated Edition (English Edition)
The Night of Elisa - Illustrated Edition (English Edition)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Journey to „the other side“, 2. Oktober 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
This book tells the amazing story of Elisa floating between life and dead. Being haunted and hurt in the world of the living by her husband she finds herself in Duskland where she gets to know strange but friendly persons – and even falls in love. Everytime she gets better she comes back and awakes and so leaves her love Leonhard with whom she desires to „live“. Eventually the ghosts decide to help her and sentice her husband who tried to murder Elisa. But this would mean she lives on only on the wrong side …

Isis Sousa creates great and lovely characters like the siamese twins, the mysterious doctor, the italian barber or the respectable Leonhard with his dark secret. Elisa incarnates innocence and beauty, she could not hurt a fly and seems in this way a little cardboard as character and unrealistic – but realism is something completely not to seek in this peculiar novella!

The gloomy atmosphere and tension of „The night of Elisa“ are outstanding and thrilling. The story is dark and melancholic like Tim Burton's „Corpse Bride“ and the wonderful illustrations support the feeling as well. The author works with „unfinished pencil drawings“ that leave lots of space for own fantasies. All in all an impressing book wonderful to read, look at and enjoy and never to give away!


7 Stunden
7 Stunden
von Martin Weteschnik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf den Spuren der Tschirnhauslegende, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: 7 Stunden (Gebundene Ausgabe)
Ein Indianer, eine Wahrsagerin, ein Einsiedler und skrupellose Wirtschaftsbosse – was klingt wie eine fantastische Zusammenstellung, hat die Geschichte zweier Papierstücke vereint: Die der verschollenen Fragmente aus der Dresdner „Tschirnhauslegende“.

Weteschniks Thriller beginnt im Barock: Im 18. Jahrhundert erleben Porzellanmacher Böttger und Juwelier Dinglinger den Tod des Wissenschaftlers Tschirnhaus, der sein Geheimnis um den „Transmutator“ mit seinen beiden Freunden teilt – ebenso wie einen Zettel, der Zugang zu seinem Versteck, einem Kunstwerk Dinglingers, verschaffen soll. Tschirnhaus prophezeit, dass die beiden Hälften nie zusammengefügt werden sollen, weil die ungeheure Macht in den Händen eines Menschen die Apokalypse heraufbeschwören kann.

Was zu Augusts Zeiten noch magisch wirkte, kennt man heute unter der „Tschirnhauslegende“, einer Erzählung, der plötzlich zwielichtige Söldner ihre Aufmerksamkeit widmen. Während die Uhr „7 Stunden“ rückwärts zählt, sucht der Trupp nach den beiden Fragmenten, die den Code enthalten sollen, um Dinglingers „Silberberg“ zu öffnen, in dem sich der Transmutator verbirgt. Das Ziel ist eine mysteriöse Blockhütte, in der ein Einsiedler lebt, der sich plötzlich auf abenteuerlicher Mission wiederfindet. Mit sich führen die Gauner „Mecusa“, ein infiltrierendes Hackerprogramm, das sich ab und an zu verselbstständigen scheint … Der Countdown und die hohe Brutalität des Teams wirken wie eine Bedrohung, deren Bedeutung zu Beginn noch nicht erfasst werden kann.

Von Amerika über den Atlantik führt die Jagd nach angeblich künstlich hergestelltem Gold Böttgers, das die Bande aus dem Dresdner Porzellanmuseum stehlen will. Im Linearbeschleuniger soll der Transmutator Aufschluss über „die fundamentalen Bausteine des Kosmos“ geben. Es geht um die Bewegung der Himmelskörper, um die Konkurrenz von Wissenschaft und Glaube
und den sagenhaften „Transmutator“, das Bruchstück eines Kometen, das Energie anzieht und Materie in seinem Umkreis verwandeln können soll – hat Tschirnhaus den begehrten „Stein der Weisen“ gefunden?

Während sich ein Wettlauf um die Fragmente entwickelt, bei dem Menschen verschwinden und entführt werden, findet Weteschnik Zeit, nicht nur Tschirnhaus’ erschütterten Glauben in Gott zu thematisieren, sondern auch Dinglingers ausgeklügelte Mechaniken, die Gefühle der Maschine Mecusa und das kollektive Denken. Die Fragmente reisen in parallelen Handlungssträngen durch die Zeit und viele Hände: Kleine Exkurse führen den Leser zu Münchhausen, der in Wolfenbüttel Page des Herzogs ist, zu Casanova, Lessing und Napoleon, die auf unterschiedliche Art in den Besitz der Zettel gelangen. Auch Nebenfiguren werden auf diese Weise in persönlichen Sequenzen eingeführt und vorgestellt, trotzdem bleiben die zahlreichen Figuren individuell charakterisiert. Beinahe liebevolle Episoden widmen sich den Schicksalen der Söldner und dem Ursprung ihrer Spitznamen und zeigen emotionale Seiten und die Motivation der Gegenspieler:

„Lacroix befeuerte den Kamin noch eine Weile mit Holz und Büchern, die immer noch wüst verstreut herumlagen. Krank, diese Menschen, die all das hier lasen, dachte er. Das ist das Leben doch gar nicht. Die kannten es nicht. Der Dicke war der beste Beweis. Die hatten keine Ahnung, wie es war, wenn eine Frau oder ein Kind lächelnd auf einen zukam und in der Tasche eine Bombe mitschleppte.“

Weteschniks zügige Erzählung wechselt mit einem bildgewaltigen, fast schon lyischen Stil. Eine außergewöhnliche Mischung vereint sich in den Themen, die sonst verschiedenen Genres angehören. Dazu passend erscheint der trockene Actionheld-Humor, der rasante Szenen unterstützt und auflockert. „7 Stunden“ ist stilistisch sicher und spielt gekonnt mit der Sprache, was die Unterhaltungsliteratur mittlerweile häufig vermissen lässt – scheinbar gibt es doch ein Klientel für Thriller, die sich hoch ansiedeln. Ein informativer Anhang setzt dem Werk ein Porzellankrönchen auf: Kurzbiografien der historischen Persönlichkeiten und eine grafische Darstellung der Wege, die die beiden Zettel durch die Zeit fanden, geben dem Leser Anreize zur weiteren Nachforschung.

Der renommierte Sachbuchautor Weteschnik widmet sich inzwischen ganz seinen belletristischen Werken. Sein erster Thriller „7 Stunden“ führt den Frankfurter dabei nach Dresden und in die USA, wo er selbst einige Zeit lebte. Ob Hotels, Plätze oder barocke Bauten … vom Essen in der Weißen Gasse bis hin zum Einbruch im Porzellenmuseum und dem Geiselaustausch auf dem Hausmannsturm – die alten Mauern werden hier frisch angestrichen und bieten spannende historische Einblicke in das historische Dresden, ganz jenseits von Augusts Mätressen.

Josefine Gottwald frü Elbmargarita.de


Flashback Ost
Flashback Ost
von Francis Mohr
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Roadtrip durch die Geschichte, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Flashback Ost (Taschenbuch)
Hannes, Igor und Stanislaw verschieben in den 90er Jahren geklaute Autos von Sachsen über Polen in die Ukraine. Was sie alle erlebt haben – in der DDR und nach der Wende, in Dresden, Leipzig und in Osteuropa –, hat sie geprägt und zu einem ungleichen Trio werden lassen, das Onkel Pavels alten Bauernhof besetzt und sich mit Wodka und Wurstbemme durchs Leben schlägt, bis sich die drei Freunde für dieselbe Frau interessieren: Die temperamentvolle Polin Graczyna.

Vom Bauernhof als Ausgangspunkt springen die Kapitel in die 80er, 70er und noch weiter zurück und unterbrechen die aktuellen Pläne der Bande mit Sequenzen aus anderen Lebensabschnitten oder von Orten, die die Figuren geprägt haben. Mohrs „Flashbacks“ sind Rückblenden, die sich in die etwas schleppende Haupthandlung geschickt einpassen. Mit einem Drittel des Buches ist das Setting für den Roman stabil, aber der Spannungsbogen bleibt diffus und verliert sich in atmosphärischer Erzählung. Dichte und Beschreibungen sind dabei Mohrs große Stärke, und sein bildhafter Stil macht den Genuss der Sprache leicht:

„Den Hof hatte man erst nach dem ersten Weltkrieg durch ein Pflaster geadelt. Den Belastungen der Zeit hatte es nicht standgehalten, sodass es nur noch Stückwerk war. Traktoren und Vieh hatten ihm zugesetzt. Die Pflastersteine wurden zum Material beim Ausbessern an Stall und Scheune. An manchen Stellen sah es so aus, als klettere der Hof die Mauern hoch. Löwenzahn und Unkraut schickten sich an, das marode Hofpflaster zu ersticken. In den Ecken türmten sich Schrott und verdreckte Fässer.“

Die zahlreichen Exkurse in verschiedene Lebens- und Zeitabschnitte sind gerade ausreichend lang gewählt, um bedeutende Themen nicht nur zu streifen. Ob Fußball in den 80er Jahren, die Hooliganszene, osteuropäischen Kulturen, Menschenschmuggel, politische Betrachtungen der Jugend zur Wendezeit oder die Probleme, in der DDR an einen Studienplatz zu kommen …

„Hannes passte nicht hinein in die Begrenzungen, den Zerfall, die Lügen, die geistige Zucht, die engen Perspektiven, die Diktatur des Proletariats. Er verachtete die geduckte Intelligenz, die ihre Existenz infrage stellte und ihr Potential verriet. Er hasste diesen Staat, der von nuschelnden Idioten geführt und von Anpassern getragen wurde. Aber er liebte sein Land, seine Stadt, seine Familie, seine Freunde. Seine Heimat. Die würde er nie verlassen.“

Die Reflektionen sind vielseitig und markant und lassen auch die Nachkriegszeit und die Bombardierung Dresdens nicht aus – prägende Episoden aus dem Leben einer anderen Generation. Dabei werden verschiedene Perspektiven der Parteien beleuchtet, bis Mohr schließlich alle Fäden gekonnt wieder zusammenführt.

Der Dresdner Autor gibt seiner Stadt im Buch eine Rolle als Hintergrund für Teile der Handlung: Vorwiegend Autodiebstähle in verschiedenen Stadtteilen, die mit ihren demografischen Variationen skizziert werden. Insgesamt lässt sich der Roman als Chronik betrachten, als buntes, aber auch kontrastreiches Album der neueren Geschichte unserer Region, die durch bewegte und bewegende Bilder ausgefüllt wird.

Josefine Gottwald für Elbmargarita.de


Leichentuch
Leichentuch
von Andreas M. Sturm
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bedrohung und Begehren im Winterkrimi, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Leichentuch (Broschiert)
Weihnachten in Dresden: Der Schnee bedeckt die Stadt wie ein Tuch. Doch als Tauwetter einsetzt, offenbart sich Schreckliches: In seinem Wagen wurde ein Familienvater grausam ermordet. Das Kommissaren-Team um Karin Wolf und Sandra König verfolgt den Fall in ein düsteres Milieu um Erpressung und Kinderpornografie.

Aber plötzlich taucht auch ein alter Feind wieder auf: Der Killer Witkowski ist entflohen und versucht nun, Karin seine Vergehen anzuhängen und seine ganz persönliche Rache an ihr zu nehmen. Bis in ihre Wohnung folgt er ihr unbemerkt, und Karin entdeckt, dass jemand aus ihrem nächsten Umfeld gemeinsame Sache mit dem Verbrecher macht. Ungewollt wird sie schließlich von ihrem Fall abgezogen und ist mit ihren Ängsten allein. Ihr scheint nichts anderes übrig zu bleiben, als die direkte Konfrontation zu suchen …

Andreas M. Sturm schafft eine hohe Spannungsdichte, indem er immer wieder neue Fragen aufwirft und dabei private und berufliche Probleme der Figuren im Wechsel thematisiert. Seine Ermittlungen wirken authentisch und gut recherchiert, dabei schreibt er pragmatisch und ohne überflüssige lyrische Kapriolen. Die Charaktere sind einfühlsam gezeichnet und zeigen sich aus verschiedenen Blickwinkeln. Sturms Polizisten sind in erster Linie Menschen, und die heimliche Liebe der beiden Kommissarinnen bringt den Leser noch dichter an ihre Emotionen.

„Menschen wählen Verstecke aus, die ihren Interessengebieten entsprechen. Sie wusste aus Erfahrung, dass es kein Allgemeinplatz war, dass Hausfrauen ihre Heimlichkeiten sehr gern in Wäschestapeln verbargen. Vor Jahren war sie bei einer Durchsuchung im Haus eines Tischlers dabei gewesen. Die Beamten hatten in den selbst gebauten Möbeln des Handwerkers Bündel von veruntreutem Geld gefunden. Conrad war Techniker. Karin würde diesem Sachverhalt ihr besonderes Augenmerk widmen.“

Andreas M. Sturm ist inzwischen Herausgeber mehrerer Anthologien im Leipziger fhl Verlag zu den Schwerpunkten „Giftmorde“ und „Schauplatz Sachsen“. In seinem dritten Dresden-Krimi nennt er zahllose Orte in der Stadt, für die er aber nicht immer detaillierte Beschreibungen liefert, sodass Leser von außerhalb nicht unbedingt einen Eindruck der Atmosphäre erhalten. Lokalpolitische Probleme verbaut er geschickt mit einigen Hintergründen und lässt seine Figuren dazu Stellung beziehen. Der gebürtige Dresdner fotografiert die Cover seiner Bücher gern selbst und läuft die Routen seiner Protagonisten persönlich ab, um sich alle Details einzuprägen. Dresdner Tankstellen, Kirchen und Brücken halten in seinen Romanen als Mordschauplätze her, die bei Einheimischen ein gemischtes Gefühl von Erkennen und Schaudern erzeugen.

„Leichentuch“ ist ein spannender Lokalkrimi, bei dem höchstens ein einziger Konflikt etwas zu schnell gelöst wird. Doch die liebevollen, realitätsnahen Figuren und die Hintergründe der Fahndung machen den Roman zu einem besonderen Leseerlebnis in der Weihnachtszeit.

Josefine Gottwald für Elbmargarita.de


Liebe auf leisen Sohlen
Liebe auf leisen Sohlen
von Emilia Licht
  Broschiert
Preis: EUR 10,90

5.0 von 5 Sternen Von der Kunst, zu lieben und geliebt zu werden, 2. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Liebe auf leisen Sohlen (Broschiert)
Josina leitet das Hotel Anna Karolina am Blauen Wunder. Ehrgeizig und einfallsreich meistert sie ihre Familie wie ihren Job: Effizient und mit klarer Struktur. Trotzdem ist sie oft überfordert, vor allem mit ihren pubertierenden Kindern, und im ewigen Klinsch mit ihrer eigensinnigen Schwiegermutter, die sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Karrierefrau mit etwas mehr Liebe zu füllen. Genau 20 Jahre lebt Josi inzwischen mit ihrem Mann zusammen und allmählich verliert sie den Glauben an die Romantik in ihrer Ehe.

Ihre Freundin Ulrike – die in ihrem Leben selbst genug Baustellen hat – rät Josi zu einem Liebhaber, aber das entspricht ganz und gar nicht ihrem Stil. Sie packt das Problem lieber selbst an und plant eine besondere Überraschung für ihren Mann, bei der einiges nicht so läuft wie beabsichtigt …

Dieser Roman geht weit über skurrile Zufälle und alltägliche Streitfragen hinaus und beleuchtet die grundsätzlichen Themen der Zwischenmenschlichkeit: Wie kommt unsere Zuneigung abhanden und wie viel Arbeit kostet es, eine Liebe frisch zu halten? Josina erkennt in ihrer ganz persönlichen Geschichte den Wert des inneren Familienzusammenhalts und muss nach und nach begreifen, dass der Kampf um ihre Selbstständigkeit eine Flucht in Dinge war, über die sie sich einst anderen zuliebe definiert hat, um sich selbst zu schützen. Die harte Fassade einer Karrierefrau hat die Dresdnerin alles andere vergessen lassen – die Erkenntnis, dass sie ihr Leben anscheinend komplett umkrempeln muss, trifft Josina wie ein Schlag.

Emilia Licht hat Dresden zu ihrer Heimat gewählt und schrieb 2013 mit „Von Mauern und Flammen“ einen weiteren Roman, der den Charme der Stadt einfängt. Auch bei Josinas Aktivitäten und Ausflügen kann man Dresden kennen und lieben lernen: Herkuleskeule, Dixieland und Filmfestival – das lokale Kulturleben wird in allen Facetten präsentiert. Die Elbschlösser, Pillnitz und Radebeul kommen zur Sprache; Josina spaziert durch den Großen Garten und trainiert mit Ulrike auf der Prager Straße. Wie selbstverständlich bindet Emilia Licht ihre Stadt in den Alltag ihrer Figuren ein, sodass die Leser sich noch heimischer fühlen.

Erstmals veröffentlichte Licht ihren Roman unter dem Titel „Hotel Blaues Wunder“ im Gmeiner Verlag, nachdem sie ihn als Wettbewerbsbeitrag eingereicht hatte. In diesem Jahr erschien das Buch als Neuauflage beim Amrûn Verlag unter dem Titel „Liebe auf leisen Sohlen“, der zunächst ein Selfpublishing-Projekt war. Die Geschichte um Josinas langsam einstürzende Welt steckt voller Liebe und glaubwürdiger Probleme, die direkt aus dem Leben gegriffen sind. Ein kurzweiliger Roman über die Herausforderungen in Beziehungen und Familie – und ganz eigenwillige Lösungen.

Josefine Gottwald für Elbmargarita.de


Damals im Roten Kakadu (Reihe Rhein-Neckar-Brücke)
Damals im Roten Kakadu (Reihe Rhein-Neckar-Brücke)
von Hubert Bär
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Rock 'n' Roll ohne Love und Piece ..., 2. Februar 2015
Dresden, 1961: Hans, der sich Johnny nennt, ist passionierter Schachspieler und Ted Herold-Fan und will am liebsten Journalistik studieren. Ihn interessiert alles, von Sport bis Sonnenfinsternis, aber mit dem Studium ist das nicht so einfach: An der Uni Leipzig will man ihn nicht haben, weil er für den Beruf nicht genug politische Gesinnung beweist, und da ihm seine gebliebte Bruni ohnehin die kalte Schulter zeigt, überlegt er, mit Achim nach Brasilien auszuwandern – dort könnte er dann Karten nach Hause schicken und vielleicht für die hiesige Zeitung schreiben … Aber erstmal muss er doch sein Abitur fertigmachen – und ist das überhaupt so einfach, wegzugehen?

Das Dresden der DDR ist bei „Damals im Roten Kakadu“ allgegenwärtig: Obusse und die lokalen Lichtspielhäuser, der „Pilz“ am Schillerplatz, Loschwitz mit seiner Seilbahn und die Elbwiesen sind Details, die damaligen Dresdnern täglich begegnet sind. Viele „Spuren“ von damals lassen sich noch heute live erleben: So zum Beispiel die „Kakadu“-Bar im Parkhotel, die jedoch nur noch für geschlossene Veranstaltungen gemietet werden kann. Auch wenn die Schaufester heute andere Auslagen zeigen, kann man bei einem Spaziergang am Schillerplatz oder auf dem Blauen Wunder die Zeitreise im Roman nachvollziehen – so lebendig beschreibt Bergmann das Dresden der frühen Sechziger.

Der gebürtige Dresdner flüchtete 1961 aus der DDR und kehrte erst 2006 endgültig zurück. Sein Roman ist autobiografisch geprägt, der Held Johnny ist gleich alt und durchlebt Höhen und Tiefen, während er nach einem Weg für sein persönliches Glück sucht. „Damals im Roten Kakadu“ (2005) schrieb Bergmann aus der Erinnerung mit aufwendigen Recherchen. Sein Erstling „Cuba Libre in Benidorm“ (1977) war eine literarische Tourismus-Kritik, die als Fischer Taschenbuch erschien. Danach weitete Rolf Bergmann seine Themen in alle Richtungen seiner Erfahrungen und Interessengebiete: Der Taxi-Krimi „422“ (2003) reiht sich neben zwei biografische Werke über den Mannheimer Art Brut Künstler Ernst Kolb (2000 und 2013), ebenso wie den Schriftsteller-Roman „Der Mann, der aus den Quadraten fiel“ (2009). Bergmanns neues Werk ist wieder ein Krimi, der auf Mallorca spielt, und kommt im November heraus.

Der zeitliche Abstand zwischen Handlung und Veröffentlichung des Romans schadet der Authentizität kein Stück: Die atmosphärischen Kulissen, wie die Jazzclubs, sind ebenso detailliert wie die Beschreibungen der angesagten Filme und Musiktitel in der damaligen Jugend. Die politische Prägung wirkt unterschwellig-aufdringlich auf eine sehr realistische Art: Während die Jugendlichen jeden Freiraum nutzen, den sie bekommen können, erklärt man ihnen sozialistische Interpretationen von Goethes Faust und beschuldigt ihre Rockmusik der „klassenfeindlichen“ Weltanschauung.

„Zero hatte Johnny insgeheim die Station getauft. Talstation klang zu banal. Die Welt war dazu da, neu benannt zu werden. Zero to One. Aus dem Nichts auf den Gipfel, plötzlich die Nummer Eins sein. Wie es Ted Herold geschafft hatte, der nur fünf Tage älter als Johnny war. Und Schiller war 18 gewesen, als er die ‚Räuber‘ schrieb. Er musste irgendwie auf die Tube drücken, wenn er noch etwas erreichen wollte.“

Stilistisch zeigt sich der Dozent und Lektor: Bergmann schreibt im anschaulichen Nominalstil und hält sich an jedem Fakt gerade lange genug auf, um das Interesse zu wecken. Er charakterisiert seine Figuren raffiniert von innen und außen – nur die Mädchen erscheinen ein wenig blass; in ihre Werte und Ziele bekommt man wenig Einblick.

Doch die Unsicherheit in der Jugend ist spürbar: Eingeschränkte Perspektive und ständige Wachsamkeit, weil man Freund und Feind kaum unterscheiden kann. Ihre Träume sind bescheiden: Ein Kofferradio, Jeans oder die Fahrt nach West-Berlin sind die Highlights in Johnnys DDR-Jugend und zeigen das für heutige Verhältnisse einfache Leben ohne Überfluss und einen Horizont, der für viele an der Ostsee endet, die in Johnnys Vorstellung eigentlich genauso gut nur eine Kulisse sein könnte.

„… vor allem galt es, dem Schaffner ein überlegenes Gesicht zu zeigen, um ihn die ganze Lächerlichkeit seiner kleinkarierten Existenz spüren zu lassen, von der Johnny sich nie und nimmer unterkriegen lassen würde.“

Josefine Gottwald für Elbmargarita.de


Frauen, die schreiben, leben gefährlich (insel taschenbuch)
Frauen, die schreiben, leben gefährlich (insel taschenbuch)
von Stefan Bollmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen »Die Frau muss sich selbst Muse sein«, 2. Februar 2015
Sie leisteten Widerstand, wie Sophie Scholl, oder schufen wertvolle Zeitzeugnisse, wie Anne Frank. Sie schreiben über Unterdrückung und Befreiung – überall auf der Welt und zu allen Zeiten. Heute werden sie als Wegbereiterinnen einer neuen Denkweise angesehen, ob Hildegard von Bingen im Mittelalter, Christine de Pizan in der Renaissance oder Mary Wollstonecraft und Harriet Beecher-Stowe im 18. und 19. Jahrhundert. Eine Reihe von Kurzportraits beleuchtet bedeutende Künstlerinnen, die sich den Worten verschrieben haben. Oft suchten sie vergeblich nach Freiheit in der Kreativität; viele von ihnen brachten sich um. Ihre spannenden Persönlichkeiten und familiären Hintergründe werden nur oberflächlich angerissen, aber laden zur weiteren Recherche ein.

Das Vorwort von Elke Heidenreich schlägt die Brücke über die Sammlung von Namen und Gesichtern, die sich bereits im Titel ankündigt. Über die Epochen hinweg resümiert sie: »Das, was Männer beflügelt, zerstört offenbar Frauen: die Gleichzeitigkeit, eine Liebe zu leben und sich künstlerisch zu etablieren. Dazu kommt etwas ganz Einfaches, etwas ganz und gar Unerträgliches: Frauen regeln den Alltag von Männern, damit diese schreiben (oder was auch immer tun) können. Wer regelt den Alltag von Frauen? Frauen werden gern als die Musen der Männer bezeichnet. Wer und wo sind denn aber die Musen der Frauen? Die Frau muss sich selbst Muse sein.«

Unerschöpflich führt Heidenreich Beispiele von Frauen an, die an ihrer Leidenschaft zerbrochen sind: Virginia Woolf, Else Lasker-Schüler, Anne Sexton, Ingeborg Bachmann, Sylvia Plath … die Liste scheint endlos! Nur unter großen Opfern gelang es einigen von ihnen, sich eine Existenz als Schriftstellerin aufzubauen.

Das Nachwort von Stefan Bollman ist weniger emotional: Eine Abhandlung über die Frauenfrage und »die existentielle Bodenlosigkeit des Schreibens«. Es erklärt, weshalb Frauen lange nicht als Schafferinnen von Kunst gesehen wurden, während sie gleichzeitig ihre stärksten Konsumentinnen waren und sind. Aber unter welchen Umständen durften sie überhaupt lesen lernen und worin bestand im Einzelnen die Gefahr? Eine praktische Neuausgabe eines Werks, dass man zum Nachschlagen, zum Lernen, zur Inspiration verwenden kann – in jedem Fall eine hochinteressante Blickweise für Lesende!

Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin


Weihnachtsgeschichten aus Dresden
Weihnachtsgeschichten aus Dresden
von Stefan Jahnke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 11,00

3.0 von 5 Sternen Von Puderzucker bis Schrottwichteln, 2. Februar 2015
Ein Kleiderschrank mit Geschichte, eine kaputte Trompete und eine wilde Rodelfahrt. Den dresdner Autor Stefan Jahnke zieht es auch Weihnachten in seine Heimatstadt. Mal unterhaltsam, mal nachdenklich, aber immer feierlich führt er die Leser seines kleinen Büchleins durch die verschneiten dresdner Straßen und widmet seine kurzen Episoden dabei nicht nur Frauenkirche und Strietzelmarkt, sondern auch der Pyramide am Wasaplatz und dem berühmten Dresdner Stollenbacken. Typischen Weihnachtsfotos der DDR illustrieren den Erzählband passend mit Schlittenfahrten, Bäckersfrauen oder dem Altmarkt und entführen den Leser in eine idyllische Adventszeit, an der sich im Laufe der Jahrzehnte nur wenig verändert hat: Familie, Zusammenhalt, Besinnlichkeit ist die romantische Botschaft, die aus dem Lichterglanz spricht und sich auch durch das eine oder andere Malheur nicht trüben lässt.

Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin


Shakespeares ruhelose Welt
Shakespeares ruhelose Welt
von Neil MacGregor
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben der Dinge – Geschichte(n) »ausgegraben«, 2. Februar 2015
»Es liegt eine merkwürdige Kraft in den Dingen: Sie können, einmal von uns hergestellt, unser Leben verändern. Das ist eine Wahrheit, von der die großen Religionen der Welt wussten und die sie auch stets genutzt haben. Heilige Reliquien und geweihte Orte haben diese Kraft, uns in der Zeit zu transportieren und damit zugleich auch zu transformieren. Wir glauben dann, neben den Propheten und den Heiligen zu stehen, ihr Menschsein zu teilen, für einen kurzen Augenblick auch ihre Welt zu bewohnen.«
Neil MacGregor hat sein Leben den Dingen verschrieben. Der Direktor des Britischen Museums unternimmt nach »Die Geschichte der Welt in 100 Objekten« einmal mehr eine individuelle Führung durch ein Museum, das beim Leser lebendig wird. Zu William Shakespeares 450. Geburtstag 2014 hat er sich zur Aufgabe gemacht, die Gedanken und das Wirken des großen englischen Dichters zu beleuchten – nach seiner Art über zwanzig elisabethanische Objekte, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen, belegt durch Zitate aus den Stücken, die zeigen, wie Shakespeare zentralen Problemen und kritischen Themen immer wieder eine Bühne gab:

Ein schlicht gehaltener Abendmahlkelch steht für die Ablösung des Prunkvollen im verhassten Katholizismus – wie die Engländer wird auch Hamlet, der dem vergifteten Kelch entkommt, von der protestantischen Zukunft Nordeuropas eingeholt. Seekarten in teilweise bewusst manipulierter Form zeigen den Aufstieg Englands gegenüber der spanischen Armada – und geografische Exkurse der etwas obszönen Art finden sich auch in der »Komödie der Irrungen«. Neumodische Degen der wohlhabenden Heißsporne beweisen die illegalen Unruhen auf nächtlichen Straßen – Duelle waren nicht nur bei Romeo und seinen Rivalen in Mode. Eine im Theater verlorene Konfektgabel diente der höheren Schicht zur Repräsentation der Trends aus dem exotischen Italien – auch Shakespeares Sir Falstaff sprach den Gaumenfreuden zu, die vor der Bühne auf unterschiedlichste Weise genossen wurden. Der »Kaufmann von Venedig« portraitiert eine Stadt, in der man teures Kristallglas findet – bei MacGregor ein Symbol für Gelage und unmoralische Ausschweifungen, eine neue Offenheit und Toleranz, wie sie in England noch größtenteils fremd war. Aber auch die »Wissenschaft« der Magie wird thematisiert, die Pest oder Hinrichtungen, die Angst vor dem Verlust der Königin, ein Bündnis mit Afrika und politische Probleme mit Irland.

Shakespeares Welt war in der Tat ruhelos und lässt sich durch Lebloses unerwartet lebendig machen. Doch entgegen des Titels ist MacGregors Anspruch nicht, viel über Shakespeare selbst aufzudecken. Es geht ihm einzig um die Denkart seines Publikums, der einfachen Leute, die Frage, wie sie lebten und was ihre Werte, Ängste und Wünsche waren, die Shakespeare erstmals auf der Bühne thematisierte. Was seine Gesellschaft bewegt hat, prägte letztlich auch Shakespeare selbst, aber seine »innere Welt bleibt, so bitter das ist, im Dunklen.«.

Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin


Tolkien und der Erste Weltkrieg: Das Tor zu Mittelerde
Tolkien und der Erste Weltkrieg: Das Tor zu Mittelerde
von John Garth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen »Das Tor zu Mittelerde«, 2. Februar 2015
John Ronald Reuel Tolkien glaubte von sich selbst, er wäre »ein Mann mit zu viel Fantasie und zu wenig Mut«. Persönlich fand er es gar nicht gut, Werke von Künstlern mit Hilfe ihrer Biografie zu interpretieren – er meinte, das lenke vom Werk zu sehr ab –, trotzdem wurde er später immer wieder Opfer solcher Auslegungen. Sein Biograf John Garth, der laut Evening Standard »das absolut beste Buch über J.R.R. Tolkien« geschrieben hat, räumt mit dem Interpretationsübereifer auf und erzählt die wirkliche Geschichte: Tolkiens Kindheit, der frühe Verlust beider Eltern, das einfache Studentenleben und seine immer stärker werdende Obsession für die Sprachwissenschaft.

Als die ersten Kommilitonen sich zur Armee melden, erkundet der junge Tolkien Feenmärchen und fremde Sprachen, erfindet eigene Mythologien und Phylogenien, während um ihn herum die Welt im Chaos versinkt. Im Vorwort zum »Herrn der Ringe« schrieb er später: »1918 waren alle meine guten Freunde tot, bis auf einen.«

Tolkien überlebte als Fernmelder an der Somme – was ihn nicht daran hinderte, sich zusätzliche geistige Herausforderungen zu suchen. Seine Mythologie gab den erfundenen Sprachen die Möglichkeit, zu leben. Diese Schöpfung mit Eskapismus abzutun würde ihm nach John Garth nicht gerecht werden, Tolkien liebte das Märchen und seine Mythen waren für ihn so real wie die Toten in den eigenen Reihen. Dass »Der Herr der Ringe« eine Allegorie auf den großen Krieg ist, stritt er Zeit seines Lebens ab, und John Garth beweist, wie es tatsächlich war. Zwar findet man Tolkiens bekannteste Epen erst im Nachwort der Biografie, doch seine Mythologie ist so verästelt wie die Krone eines Baumes, die sich erst im Laufe der Jahrzehnte voll und ganz entwickeln kann.

Nach den ersten traumatischen Erlebnissen schrieb er den Krieg von Morgoth im Silmarillion, der gegen maschinenhafte Gnome geführt wird. Seine Grafiken und Kalligrafien muss man im Text eher vermissen, dafür belegen unendliche Gedichte (größtenteils zweisprachig abgebildet), Briefe und Zitate, wie Tolkien von seinem studentischen Umfeld immer wieder inspiriert wurde, bis es grausam zerfiel. Der Einblick in die Sprachforschung, die Geschichten und die Lyrik zeigen dem Leser einen Wissenschaftler, der von der Idee lebendiger, allumfassender Mythen getrieben wurde – und in seinem Perfektionismus wahrscheinlich nie aus eigenem Antrieb veröffentlicht hätte.

Josefine Gottwald für DRESDNER Kulturmagazin


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