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Rezensionen verfasst von
Dr. Ludger Martorff

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Dösende Möwen: Roman
Dösende Möwen: Roman
von Claudia Brendler
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seegang mit Tiefgang, 18. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Dösende Möwen: Roman (Broschiert)
Gleich vorneweg: Ich wäre von selbst nicht auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, doch eine Bekannte hat mich aufgefordert, sie zur Premierenlesung des Romans zu begleiten. Was dort geboten wurde, war großartig und überaus inspirierend: Frau Brendler, offenbar Musikerin, hat ihre Romanfiguren musikalisch präsentiert: meist genügten nur wenige Akkorde, um ein unfehlbares Bild der Betreffenden zu bekommen - ich habe stets lauthals lachen müssen. Und so habe ich mich spontan entschlossen, das Buch zu kaufen und es nun über's Wochenende mit großem Vergnügen gelesen.

Wäre es nur die Gescichte über eine Kreuzfahrt, die es oberflächlich zu sein scheint, und bei der es tatsächlich und im besten Sinne kreuz und quer geht, dann hätte ich eben ein paar hundert Seiten auf's Herzlichste gelacht. Tatsächlich aber haben mich - der ich selbst das "Vergnügen" einer Kreuzfahrt schon erleben durfte -, die vielen kleinen Pointen, die man unter der Wasseroberfläche findet, noch viel mehr amüsiert. Ein amüsantes Lesevergnügen! Weiter so.


Abendland: Roman
Abendland: Roman
von Michael Köhlmeier
  Gebundene Ausgabe

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, dass er so dick ist!, 2. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Abendland: Roman (Gebundene Ausgabe)
Und er hätte noch dicker sein dürfen; Köhlmeyers Sprache ist so angenehm unprätentiös, ungekünstelt und dabei in so hohem Maße gekonnt, dass ich mich kaum sattlesen konnte. Grandios!

Zu einem zwei Leben umspannenden Epos gehört zwangsläufig eine Menge Personal, Köhlmeyers Setting ist jedoch nie überfüllt, sondern immer so, als hätte sich hier jemand genau dieses Zuviel an Menschen vom Leib gehalten. Dabei zeichnet Köhlmeier selbst seine Randfiguren gekonnt und konturenscharf, aber nie aufdringlich; seine Hauptfiguren sind brillant; fein nuanciert und sehr lebendig. Es gab beim Lesen auch ein oder zwei Phasen, die mich weniger anzogen, aber das lag vermutlich an mir und am Sujet. Die Verstrickungen seiner Personen unter- und miteinander stellt Köhlmeier dar, ohne zu verwirren; mit großer Leichtigkeit, hinter der man die Anstrengungen nicht mehr vermutet, die alles gemacht haben muss. Die Figur des CJC ist derart in die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts verwebt, dass man geneigt ist, Belege für ihre tatsächliche Existenz zu suchen.

Für mich eines der herausragendsten Bücher der letzten Monate, Köhlmeier hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass ich nun nach und nach seine weiteren Bücher lese und - was ich davon bisher sagen kann - das mit großem Genuß!


Frau Paula Trousseau
Frau Paula Trousseau
von Christoph Hein
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Erde, in der wir wurzeln..., 2. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Frau Paula Trousseau (Gebundene Ausgabe)
Ausgezeichnet hat er mir gefallen, dieser Roman über ein Künstlerleben, über das Scheitern und die sehr große Frage, wodurch ein Mensch geformt wird. Inwieweit er geformt wird oder sich selbst formen kann.

Wer trägt Schuld am Tod der Paula Trousseau? Diese Frage hat mich lange über die Lektüre hinaus beschäftigt und ich bin froh, dass Christoph Hein auf diese Frage keine eindeutige Antwort und vor allem keine Schuldzuweisung gibt, sondern mich als Leser statt dessen zum Hinschauen zwingt, meinen Blick in verschiedene Richtungen lenkt, mich gleichsam Einsicht nehmen lässt in die Lebensakte Paula Trousseau. Ein DDR-Künstler-Schicksal? Vielleicht nicht zufällig sind die Lebensspannen sowohl der Protagonistin als auch der Deutschen Demokratischen Republik nahezu kongruent, ihr Niedergang beinahe zeitgleich.
Und so mag Frau Paula Trousseau auch eine Metapher sein für jenen Mutterboden, in dem die DDR ihre Künstler wurzeln ließ und der, trotz der so oft betonten Unfreiheit, nicht nur eine Sicherheit, sondern auch ein kulturelles Fundament bot, das im verbleibenden Restdeutschland mit seiner kommerziellen Orientierung längst nicht mehr als selbstverständlich angesehen werden kann.

Ein Buch, das ich uneingeschränkt all jenen empfehlen möchte, die noch in der Lage sind, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und Antworten auszuhalten.

Fünf Sterne, keine Frage!


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