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Rezensionen verfasst von
silencia

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Und du bist nicht zurückgekommen
Und du bist nicht zurückgekommen
von Marceline Loridan-Ivens
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man kehrt nie aus Auschwitz zurück, 7. September 2015
Marceline ist 16 als sie gemeinsam mit ihrem Vater deportiert wird. Sie sind Juden, die in Frankreich leben. Er kommt nach Auschwitz, sie nach Birkenau, nur wenige Kilometer und doch trennen sie nun Welten. Sie konnten sich nicht einmal voneinander verabschieden.
Marceline Loridan-Ivens berichtet von ihrem Leben im Konzentrationslager, von der Kleidung, die sie den Toten abnehmen und dann selber tragen, von dem Rauch aus den Schornsteinen, von den riesigen Gräbern, die sie ausheben müssen und von Mengele, der sie untersucht, sie immer in 2 Gruppen teilt und man nicht weiß, zu welcher man gehört. Leben oder Sterben? Ist man noch gut genug für die Arbeit oder muss man in die Gaskammer gehen? Loridan beschreibt diese unwirkliche Hölle sehr emotional, sodass man mit dem Herzen ganz nah bei ihr ist und einen Hauch dessen erahnen kann, was ihr wiederfuhr.
Ihr Vater schreibt ihr einen Brief, doch sie kann sich nur noch an den Anfang erinnern: "Mein lieben kleines Mädchen" 70 Jahre später schreibt auch sie einen Brief an ihn, wohlwissend, dass er ihn nie lesen wird. Er kam nicht zurück, nicht so wie sie.

Ich fand die ersten Seiten des Buches unheimlich aufwühlend, mir kamen die Tränen und das, obwohl wir nie wirklich verstehen werden, wie es den Menschen in den Arbeits- und Konzentrationslagern erging, was sie durchmachen mussten, wie sie die Hoffnung verloren und freiwillig in den Tod gingen. Aber beinahe noch schlimmer empfand ich ihre Schilderungen von der Zeit danach. Ihre einsame Ankunft zu Hause, die Familie, die lieber den Vater gesehen hätte und eine Gesellschaft voller Antisemiten und des Totschweigens. Sie sollte einfach nicht mehr daran denken, dann werde es schon wieder werden.

Sie selbst sagt, dass sie in ihrem Kopf immer wieder im KZ war. Sie ist ihr Leben lang schlank geblieben, um nicht ins Gas zu müssen, sollten die Nazis doch wieder an die Macht kommen. Es ist ein einzigartiges Zeugnis dieser Zeit, welches so vieles auf wenigen Seiten vereint. Die Verzweiflung und Hoffnung, die unendliche Liebe zu ihrem Vater, ein lebenslanges Vermissen und Streben nach ihm. Es ist ein sehr bewegendes Buch, welches man unbedingt gelesen haben sollte. Es verdeutlicht einfach mehr als jede Geschichtsstunde, was unsere Nation Menschen angetan hat, die einfach nur einen anderen Glauben hatten und dies sollte immer in unseren Köpfen präsent sein, vor allem, wenn man die aktuellen Geschehnisse (v.a. Bei uns im "Osten") im Bezug auf Flüchtlinge betrachtet.


Der Tag wird kommen
Der Tag wird kommen
von Nina Vogt-Østli
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Wenn man sich darauf einlässt....., 24. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Tag wird kommen (Gebundene Ausgabe)
Hans Petter ist ein typisches Mobbingopfer. Er wird von seinem "Erzfeind" Andreas tagtäglich schikaniert und gedemütigt. Doch dann lernt er via Chat Fera kennen, ein Mädchen, mit dem er sich unglaublich gut versteht und die erste, die wirklich einmal nett zu ihm ist.

So weit so gut. Nach dieser Inhaltsangabe und dem Buchtitel dachte ich, dass Hans Petter irgendwann explodiert; mit Fera schlimmste Rachepläne schmiedet und alles in Tränen und Chaos endet. Doch weit gefehlt, denn Fera kommt aus der Zukunft. Eine große Katastrophe hat die Menschheit beinahe ausgelöscht und Fera möchte ein bisschen mehr aus der Vergangenheit erfahren.
Das hat mich ganz schön überrascht und zu Beginn fand ich das so abwegig und komisch, dass ich das Buch am liebsten weggelegt hätte. Aber nach und nach entwickelt sich Beziehung zwischen den beiden zu etwas ganz Besonderem und man erlangt durch Fera einen objektiven "Blick von oben" auf unsere heutige Welt. Durchaus interessant und ebenso lehrreich.

Angenehm fand ich die Charaktere in diesem Buch. Sie wirken alle sehr authentisch, haben einen ganz normalen Alltag und ich denke jeder Leser kann eine Person seines Lebens hier wieder erkennen. Dazu noch ein ein einfacher, flüssiger Sprachstil und man hat das Buch in einem Rutsch weg gelesen.


Zersplittert
Zersplittert
von Teri Terry
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

5.0 von 5 Sternen Eine geniale Fortsetzung, 24. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Zersplittert (Gebundene Ausgabe)
Dies ist der zweite Band rund um Kyla, das Slaten und die Lorder. Kylas Gedächtnis wurde gelöscht. Sie bekam eine zweite Chance und darf noch einmal von vorn anfangen. Doch irgendetwas stimmt mit Kyla nicht. Sie hat wirre Träume, erinnert sich immer wieder an etwas von ihrem früheren Leben. Als sie schließlich Wayne im Wald begegnet und ihn schwer verletzt, stürzt die Mauer ein und die Erinnerungen brechen über Kyla herein. Doch immer ist ihr nicht klar, wie alles zusammen hängt und was ihre frühere Rolle war. Nur eins ist sicher: Sie ist in Gefahr.

Ich war schon von Band eins ziemlich begeistert, wenn ich mich auch über einige Längen beschwert habe. Diese gibt es in "Zersplittert" nicht mehr. Dieses Jugendbuch ist ein absoluter Pageturner. Alles wird aus Kylas Sicht geschildert, die Autorin wirft (wieder) immer nur mit kleinen Bröckchen Wissen. Nur ganz langsam beginnt Kyla und somit auch der Leser zu verstehen, welches Spiel hier gespielt wird. Doch sobald ein Rätsel gelöst wird, entsteht ein neues und wieder wollte ich möglichst schnell voran kommen, um auch diese neuen Rätsel zu lösen. Kylas Leben lässt einen einfach nicht mehr los. Sie ist eine vielseitige und emotionale Figur. Selten habe ich so sehr mit einem Protagonisten mitgelitten.

Die immer neuen Wendungen machen das Buch durchgehend spannend und wenig vorhersehbar. Durch den einfachen aber gefühlvollen Schreibstil der Autorin fällt es nicht schwer stundenlang am Ball zu bleiben. Ich bin begeistert und hibbele jetzt schon auf den letzten Band der Trilogie. Denn das Ende gibt einen kleinen Blick auf das, was da noch folgen mag. Und ich will mehr!


Umweg nach Hause: Roman
Umweg nach Hause: Roman
von Jonathan Evison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Wundervoll melancholisch, 24. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Umweg nach Hause: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ben macht einen Crashkurs in häusliche Pflege und heuert bei dem an Muskeldystrophie erkrankten Trev an, der zwar jung, aber an den Rollstuhl gefesselt ist und Tag für Tag die selbe Routine erlebt, inklusive ewigen Wetterberichten.
Ben hat eigentlich nichts mehr zu verlieren, denn er hat bereits alles verloren. Was das genau ist, erfährt man aber erst nach und nach durch kurze Rückblenden aus seinem Leben. Schlussendlich begeben Ben und Trev sich auf einen Roadtrip und sammeln so einige komische Gestalten ein....

Ben ist unheimlich melancholisch, nahezu depressiv und die schwere seiner Last drückt dem Leser schmerzhaft aufs Gemüt. Der Autor lässt einen so tief in Bens Seelenleben und seine Gefühlswelt blicken, dass man gar nicht anders kann als mit ihm zu leiden und seinen Schmerz mit ihm zu durchleben. Er macht diesen Job, weil er nichts anderes kann und seine Kreditkarte leer ist. Und genau daher - eben weil er keine Erwartungen mehr an sich stellt - erreicht er, dass Trev ihn mag. Außerdem hat er einen sehr trockenen Humor, der einen immer wieder zum Schmunzeln bringt.
Auch die anderen Charaktere haben es in sich, sind vom Autor unheimlich gefühlvoll gezeichnet und auf ihre Art wunderbar. Die Beziehungen untereinander werden mit viel Fingerspitzengefühl beschrieben und die vielen Metaphern und Bilder runden dieses Erleben sehr gut ab.

Wie Ben mit Trev umgeht, auf seine ganz eigene, unvoreingenommene und authentische Art lässt einen einfach nicht kalt. Für mich war es noch einmal etwas ganz Besonderes, da ich auch mit Menschen mit Behinderung arbeite und dies mich ganz besonders berührt hat.

Die Reise an sich rückt eher in den Hintergrund und es wird viel Wert auf Beziehungen, Schicksalsschläge und der Unbeständigkeit des Lebens gelegt und genau dies gelingt dem Autor hervorragend. Das Ende ist sehr versöhnlich - mit einfach allem und hallt bei mir immer noch nach.

Dies ist ein ganz besonderes Buch und ich kann es jedem einfach nur ans Herz legen.


OVERKILL - Asylum: Zombie-Thriller
OVERKILL - Asylum: Zombie-Thriller
Preis: EUR 4,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rasant, blutig, kurzweilig, 25. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein mutiertes Tollwutvirus stürzt die Menschheit ins Chaos. Rasant schnell verbreitet sich das Virus und bald ist die Welt voller Zombies. Max und einige seiner Patienten verschanzen sich auf der Entzugsstation der Psychiatrie und kämpfen ums Überleben.
Ich stehe auf Zombie-Endzeit-Gemetzel, habe schon viel gesehen und gelesen. Und dennoch reiht sich Sönke Hansens kurzweiliger Roman in die Riege jener, die mir besonders gut gefallen. Mir hat hierbei sehr gut gefallen, dass das Virus von den Tieren ausgeht und wir es zuerst mit einem vermeintlich tollwütigem Hund zu tun bekommen. Später faucht auch noch eine infizierte Katze. Das hat mich sehr an Keenes "Rotes Meer" erinnert, bei dem der Virus auch auf Tiere übergreift und somit die Bedrohlichkeit auf ein neues Level erhebt.
Auch gut gelungen fand ich, dass die Protagonisten sich hauptsächlich in der Psychiatrie befinden, ein sehr spannendes Setting. Natürlich gibt es auch dort Infizierte, was die Spannung zum Kochen bringt.
Hansen legt viel Wert auf die Ausgestaltung seiner Charaktere, wodurch zeitweise die Zombie-Apokalypse in den Hintergrund gerückt wird und man sich als Leser mit den Abgründen der menschlichen Psyche beschäftigen kann, welche nicht weniger erschreckend sind, auch wenn die beiden "Bösen" vielen Klischees erliegen...
Ansonsten spritzen Unmengen von Blut, knacken Knochen und klatscht unheimlich viel Hirn gegen Wände. Zeitweise ist das Buch sehr brutal und splatterlastig. Hansen nimmt kein Blatt vor den Mund und schmückt seine blutigen Szenen besonders aus. Das muss einem schon gefallen, sonst wird das Buch unter den Erwartungen bleiben. Von mir gibt es dafür einen Daumen nach oben.
Ein bisschen Kritik gibt es dennoch. Obwohl mir das Ende sehr gefallen hat (also tatsächlich die letzten Sätze), lief es mir viel zu geradlinig und schnell ab. Vor allem im Anbetracht des Zieles hätte ich mir mehr Auflösung gewünscht. Ich bin etwas enttäuscht darüber, nicht zu erfahren, wie es nun hätte ausgehen können. Auch verwendet Hansen ein paar Worte bzw. Redewendungen, die mir nicht sonderlich gefallen haben bzw. etwas zu oft vorkommen. So verwendet er das Wort "Lebenssaft" geradezu inflationär und mir klacken auch ein paar zu viele Zähne nur wenige Millimeter vor diversen Nasen aufeinander. Ansonsten war sein Schreibstil sehr gut zu lesen, sehr rasant und schnörkellos.
Ich weiß nicht, ob es jetzt nur am Format Ebook liegt, aber die Perspektivwechsel sind so abrupt und gar nicht kenntlich gemacht, dass ich immer mal wieder den letzten Absatz noch einmal lesen musste, um wieder ins Geschehen zu finden. Das stört etwas den Lesefluss.


Schlusstakt
Schlusstakt
von Arno Strobel
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einfach nur enttäuschend, 29. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Schlusstakt (Broschiert)
Vicky hat Phase drei der Castingshow Germanys MegaStar erreicht und fliegt mit 49 anderen Kandidaten auf eine einsame Insel. Dort sollen sie sich beweisen, denn es winkt ein unglaublicher Vertrag für den Sieger. Um sie auf das Showbiz vorzubereiten soll es dort hart zugehen und die Kandidaten müssen so einige Prüfungen bestehen. Doch schon bald wird Vickys Freundin Caroline ermordet aufgefunden, wer der Mörder ist, ist unklar. Die Kandidaten stehen nun noch mehr unter Strom, zum einen wollen sie siegen, zum anderen lauert auf der einsamen Insel die Gefahr.

Arno Strobel kann eins: schreiben. Und zwar so, dass man durch das Buch fliegt und immer weiter blättern will. Und das obwohl in diesem Buch nichts, aber auch rein gar nichts passiert. Ausschließlich ein Mord, den der Leser aber schon vom Prolog her kennt. Ansonsten besteht das Buch aus nervigen Klischees und gähnender Langeweile. DSDS lässt hier grüßen, die Kandidaten werden nieder gemacht, alles ist schrecklich unfair und die armen Mädchen fühlen sich mies behandelt. Vicky will sich zwar ihren großen Traum erfüllen, zeigt sich aber - natürlich - völlig selbstlos und kümmert sich lieber um alle anderen als um sich selbst. Eigentlich latscht sie die ganze Zeit über die Insel und jammert.
Auch die restlichen Charaktere sind einfach nur farblos und platt. Einzig Yvana hat mich fasziniert, von ihr erfährt der Leser aber auch ein wenig Background. Alle anderen sind süß, blond und können toll singen. *gähn*
Spannend waren auch die Rückblenden, die ab und an eingestreut werden, aus denen hätte tatsächlich etwas werden können, wären sie noch etwas ausgebaut worden. Doch auch diese enttäuschen am Ende maßlos.
Ich bin mehr als enttäuscht von Strobel. Seine früheren Werke waren großartig, hatten Stil, waren ungewöhnlich und gut durchdacht. Mittlerweile habe ich das Gefühl, er hat keine Lust mehr. "Abgründig" hat mir noch Spaß gemacht, da wurde das beklemmende Gefühl der Protagonisten noch richtig gut rüber gebracht. Bei "Schlusstakt" fehlt dies gänzlich. Ich habe an keiner Stelle mitfiebern können, die Protagonisten konnten mich nicht fesseln und ich konnte keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Das war einfach Mist und ich werde nun definitiv nichts mehr von Strobel lesen.
Angekündigt wurde der Roman als Jugendthriller mit Elementen aus DSDS und Dschungelcamp. Letzteres fehlt im übrigen ganz.

Fazit:
Definitiv keine Leseempfehlung. Das war langweilig und konnte mich an keiner Stelle fesseln. Die Charaktere sind weniger als dürftig skizziert und ein Klischee jagt das nächste. Einfach nur enttäuschend.


ALBINO DEVIL: Roman
ALBINO DEVIL: Roman
Preis: EUR 2,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erwartungen erfüllt. :), 28. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: ALBINO DEVIL: Roman (Kindle Edition)
Ich muss ja schon fast sagen: typischer Wegmann.
Eine Gruppe Jugendliche, unberührte Natur und dann kann der Horror auch schon beginnen. :)
Wegmann hat hier mal wieder eine sehr spannende und blutige Story geschaffen, die ich mal eben so an einem Tag inhaliert habe. Inhaltlich war es jetzt nicht unbedingt etwas Neues und ich habe mich permanent an bspw. "The Hills have Eyes" und ganz besonders an "Urban Gothic" erinnert gefühlt. Vor allem letzteres hat mich total geflasht. Wer Brian Keene kennt, weiß, was ich meine. Und "Albino-Devil" steht dem in nichts nach. Es ist blutig, düster und rasant.
Einziger kleiner Kritikpunkt: Ich hätte mir ein bisschen mehr Hintergrund zu den Albinos gewünscht. Als Leser erfährt man zwar etwas über die Legende, aber gerade zum Schluss hätten mir ein paar mehr Infos wirklich gefallen.


Das Dorf: Psychothriller
Das Dorf: Psychothriller
Preis: EUR 9,99

1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Pageturner mit einigen Schwächen, 13. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Das Dorf: Psychothriller (Kindle Edition)
Bastian erhält von seiner Exfreundin einen Anruf, in dem sie ihm panisch mitteilt, dass sie in Lebensgefahr schwebt. Jemand wolle sie töten. Sie nennt noch den Namen des Dorfes, dann wird das Telefonat unterbrochen. Nachdem Bastian sich von der Polizei keine große Hilfe verspricht, macht er sich mit seinem besten Freund Safi selbst auf die Suche und landet schließlich in einem kleinem Dorf voller Geheimnisse. Etwas Gruseliges geht dort vor sich...

Nachdem ich während der meisten Zeit des Lesens recht zwiegespalten war, ob ich es nun gut oder schlecht finden soll, muss ich nach Ende der Lektüre sagen, dass meine Meinung doch ins Positive driftet. Dies liegt vor allem am letzten Drittel des Buches, in dem die Geschichte volle Fahrt aufnimmt, sehr spannend wird und ich als Leser gar nicht mehr anders konnte, als immer weiter zu lesen, bis ich endlich die Auflösung des Ganzen erfahren hatte. Und dies muss man dem Autor wirklich lassen: Er schreibt sehr gut. Sicherlich ist sein Stil eher einfach, man wird kaum Schachtelsätze und Fremdwörter finden - aber das muss auch nicht unbedingt sein. Denn dadurch (und durch die kurzen Kapitel) erzeugt Strobel eine hohe Lesegeschwindigkeit.

Der zweite positive Punkt ist, dass es sich tatsächlich um einen Psychothriller handelt. Der Autor treibt hier sein Spiel mit Wahn und Wahnvorstellungen, lässt den Leser eine Theorie nach der anderen aufstellen, nur um diese dann zum Platzen zubringen und einen am Ende noch zu überraschen. Ich habe tatsächlich bis zum Ende mitgerätselt und wäre nie auf diese Auflösung gekommen. Sehr, sehr gut.

Dennoch gibt es zwei Punkte, die mir missfallen haben und die ich von Strobel so nicht gewohnt bin. Zum einen ist dies der Protagonist Bastian. Er ist einfach nicht ausreichend skizziert, sodass er flach, farblos und ab und an auch recht dümmlich wirkt. Er ist kein Sympathieträger, wollte dies aber sicher gerne sein. Seine Gedankengänge sind schwerfällig und wirken konstruiert und die ewigen Fragen und stoischen Wiederholungen von Bekanntem nerven irgendwann unheimlich. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob der Autor meint, es mit einem Vorschulkind als Leser zu tun zu haben. Ich habe es recht schnell verstanden, dass Anna am Telefon wirklich, wirklich, wirklich viel Angst hatte.....

Der Zweite Kritikpunkt ist der Mittelteil des Buches. Irgendwann dreht sich die Handlung im Kreis, kommt nicht voran und verheddert sich in endlosen Wiederholungen. Das wird leider irgendwann recht langweilig. Ein paar weniger Seiten und Ereignisse hätten sicherlich auch verdeutlicht, was da vor sich geht. Das fand ich sehr schade. Denn sonst hätte ich das Bedürfnis gehabt das Buch in einem Rutsch durchzulesen, so habe ich mich etwas quälen müssen.

Alles in allem fand ich aber, dass es ein gutes und spannendes Buch war. Flüssig zu lesen, spannend und mit einigen Wendungen, die ich so nicht erwartet habe. Ein echter Pageturner, der aber für meinen Geschmack zu viele Kritikpunkte hatte, um mehr als 3 Sterne vergeben zu können.


Lebt: Roman
Lebt: Roman
Preis: EUR 18,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen engmaschig, anspruchsvoll, geschichtsträchtig, 31. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Lebt: Roman (Kindle Edition)
Can Evinman ist ein Ghostwriter für die Biografen der "Stars". Und gerade arbeitet er mit der Schauspielerin Anna an ihrer, als er auf einen älteren Mann trifft, der ihm seine brisante Lebensgeschichte erzählt. Und diese scheint eng mit Cans eigener Vergangenheit und Familiengeschichte verknüpft zu sein. Nach anfänglicher Gegenwehr, lässt sich Can aber gemeinsam mit Anna nach Thessaloniki locken, wo er mehr und mehr erschreckende Details seiner Vergangenheit erfährt. Und irgendwie scheint seine und Annas Geschichte miteinander zusammen zu hängen, sodass sich beide immer tiefer hineinziehen lassen und natürlich auch um ihr Leben fürchten müssen.

Orkun Ertener erschafft hier einen unglaublich eng gewebten fiktionalen Thriller, der auf geschichtlichen Begebenheiten aufbaut und so Realität und Fiktion geschickt verbindet. Man erfährt als Leser sehr viel über die Dönme, eine Religionsgemeinschaft, die nach außen hin vom Judentum zum Islam konvertierten, die aber dennoch während der Zeit des Antisemitismus verfolgt und getötet wurden. Außerdem steigt man tief in die Geschichte Thessalonikis, der Besatzung durch die Nazis, den Völkeraustausch zwischen Griechenland und der Türkei und natürlich der Deportation und Massenvernichtung der Juden ein. Man sollte also wirklich geschichtlich interessiert sein, sonst zieht sich der Roman sicherlich für den ein oder anderen extrem in die Länge, da Ertener wirklich sehr detailliert erzählt. Für mich war es unheimlich interessant, da mir dieser Teil der Vergangenheit absolut neu war und ich bis dato nichts von den Dönme gehört habe.

Weiterhin lässt sich Ertener viel Zeit mit dem Ausbau seiner Figuren und er hat sich erfolgreich bemüht, diese so lebendig wie möglich erscheinen zu lassen. Obwohl mir ehrlich gesagt, keiner von ihnen wirklich ans Herz gewachsen ist und ich nicht "mitleiden" konnte, war diese etwas entfernte "Vogelperspektive" in der ich mich befand (trotz ich-Perspektive), irgendwie spannend. So konnte ich besser beobachten und die Entwicklung der Figuren besser erfahren.

Ertener erschafft ein eng gewebtes Spinnennetz, springt in den Zeiten hin und her, gibt dem Leser immer einen neuen Faden, von dem man nicht weiß, wo dieser endet und mit wem er sich noch verwebt. Erst zum Ende hin werden die ganzen Parallelen und Verbindungen sichtbar und es lässt sich das große Ganze erahnen. Zu Beginn hat mich das noch genervt, da ich bei so vielen Personen, Schauplätzen und angedeuteten Details kaum noch den Überblick hatte. Lässt man sich aber darauf ein und lässt sich treiben und von der Geschichte mitreißen und vertraut darauf, dass der Autor einem schon noch des Rätsels Lösung präsentieren wird, geht es dann.

Außerdem ist dies definitiv kein Buch zum nebenbei lesen. Es ist durchaus anspruchsvoll und erfordert die absolute Aufmerksamkeit des Lesers. Mitdenken ist hier angesagt und ich fühlte mich von der Fülle an Infos sehr gefordert, was mir durchaus gut gefallen hat.

Fazit:

Ein sehr anspruchsvolles Buch, das eine eng gewebte Story erzählt, die auf realen geschichtlichen Begebenheiten aufbaut. Super skizzierte Figuren und eine spannende und erschreckende Handlung machen das Ganze für mich sehr rund. Auch wenn ich wirklich sehr lange für das Buch gebraucht habe (und mir auch die Rezi sehr schwer fällt), kann ich es nur jedem empfehlen, der auf dicht gewebte Thriller und Geschichte steht.


Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Eine unglaublich toll erzählte Abenteuergeschichte., 20. März 2014
Texas in den 50ern. Der 13-jährige Stanley hat gerade Sommerferien, als er die Überreste eines Hauses im Wald entdeckt sowie alte Tagebucheinträge und Briefe. Die Aufzeichnungen klingen geheimnisvoll und so beginnt Stanley sich gemeinsam mit seiner Schwester auf Spurensuche zu machen. Buster - ein farbiger Angestellter seiner Eltern - war früher eine Art Polizist und hilft Stanley das Geheimnis aufzudecken. Doch die beiden ahnen noch nicht, worauf sie sich eingelassen haben.

Die Beschreibung liest sich wie ein Krimi um einen Mordfall und prinzipiell geht es auch im gesamten Buch um diesen ungeklärten Fall. Allerdings rückt er für mich eher in den Hintergrund, denn Lansdale erzählt noch viel mehr als nur eine Detektivgeschichte. Es geht mehr um Stanleys Entwicklung, der in diesem Sommer nicht nur aufgeklärt wird sondern auch gänzlich den Wandel von einem Kind zu einem Mann vollzieht. Außerdem wird die Unterdrückung der farbigen Bürger thematisiert und ein kleiner Schimmer der aufkommenden Bürgerrechte und das Ende der Diskriminierung ist zu erfühlen.
Lansdale ist ein unglaublich begnadeter Erzähler. Er erschafft nicht nur umwerfende Charaktere, sondern er haucht ihnen so viel Leben ein, dass sie zu wirklichen Menschen werden mit denen der Leser mitfühlt, mitlacht und sich mit ihnen fürchtet. Besonders berührt hat mich die Geschichte von Rosy Mae, die auch für Stanleys Familie arbeitet. Ihr Mann verprügelt sie ständig und dennoch ist sie ein unglaublich sanftmütiger und guter Mensch. Auch der Umgang der Familie mit Rosy geht einem ans Herz. Hier kann man echte Gleichberechtigung erfahren und auch, dass ein Familienmitglied nicht unbedingt die gleiche Hautfarbe haben muss.
Der Schreibstil ist immer an die Personen angeglichen, um die es geht. Auch dadurch wirken die Figuren noch authentischer. Und auch die Umgebungsbeschreibungen lassen einen in die Welt des damaligen Texas eintauchen. Der Leser kann förmlich die trockene Sommerhitze auf der Haut spüren.

Ich bin immer wieder begeistert von Lansdale. Und dieses Buch lässt sich nur schwerlich in ein bestimmtes Genre pressen. Es ist eine gelungene Mischung aus Krimi, Abenteuer, Geschichte und Beziehungen. Es ist jetzt schon eines der Highlights in diesem Jahr für mich.


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