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Rezensionen verfasst von
Niklas Morgan "History Reader" (Berlin, Germany)

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Der Zweiklassenstaat: Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren
Der Zweiklassenstaat: Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren
von Karl Lauterbach
  Taschenbuch

26 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sozialutopie eines Gutmenschen, 25. August 2008
Ja, die Welt ist ungerecht, und Lauterbach bringt dies in seinem provokativ geschriebenen Essay auf den Punkt. Er kennt sich aus, besser zumindest als viele Talkshower, die man sonst bei diesen Themen hört. Das Buch ist flüssig geschrieben und legt an vielen Stellen den Finger in die Wunde. Nach dem Durchlesen hat man ein schlechtes Gefühl im Bauch, vor allem, wenn man wie vermutlich 99 % der Käufer und Leser zu den Leuten gehört, die nach Lauterbach auf Kosten Anderer in den Genuss von besserer Gesundheit und höherer Rente kommen: Die Privilegierten. Wer genau die sind? Praktisch alle Beamte, Selbständige und Angestellte ab einem gewissen Gehaltsniveau, de facto das obere Einkommensdrittel der Bevölkerung. Also jenes Drittel, das derzeit ca. 80 % der Einkommenssteuer bestreitet und damit den Sozialstaat in seiner jetzigen Form unterhält.

Wenn Sie, lieber Leser, nach Abitur und Studium nun als Angestellter, Selbständiger oder Beamter tätig sind, ist dies in erster Linie nicht ihr persönlicher Verdienst, sondern Sie hatten nur das Glück, in eine bildungsnahe Familie des Bürgertums geboren worden zu sein. Nun leben Sie auf Kosten der weniger Privilegierten, auch wenn Sie es sind, der durch Steuern eben diesen Menschen nicht nur Harz IV sondern auch die Krankenversicherung bezahlt. Das ist nicht etwa lobenswert, nein, Sie müssten eigentlich noch viel, viel mehr Steuern zahlen. Wieso? Damit die Welt wirklich gerecht wird, und es keine Rolle mehr spielt, aus welchem sozialen Umfeld oder aus welchem Land dieser Welt man kommt. Soweit die schöne und sicherlich löbliche Utopie des selbst privilegierten Gutmenschen Lauterbach.

So ein Buch kann eigentlich nur in Deutschland geschrieben werden, und nur hier legt es sich wie Balsam auf die wunde Seele. Im Rest der Welt wird die schändliche Realität fatalistisch hingenommen. Ja, es gibt Arme und Reiche. Ja, als Nachkommen dieser Reichen wird man vermutlich im späteren Leben eher reich als arm, und im Umkehrschluss gilt das auch für die Nachkommen geringerer Einkommen. Ja, Reiche leben länger als Arme. Ja, es liegt vermutlich nicht nur daran, dass Arme ungesünder leben (z.B mehr Rauchen) als Reiche. Ja, es ist logisch, dass jemand der länger lebt absolut gesehen auch mehr von seiner Rente hat.

Doch all das ist kein Deutsches Problem. Es ist ein Problem der menschlichen Natur und liegt nicht zuletzt auch am kapitalistischen System der Marktwirtschaft, und die Globalisierung macht es sicher noch schlimmer. Doch damit dies abgemildert wird, gibt es übrigens die soziale Marktwirtschaft in Deutschland. Nein, damit werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht wirklich aufgehoben, aber in sehr, sehr vielen Ländern der Welt sind diese Unterschiede noch viel, viel schlimmer, was gerne ignoriert wird. Übrigens bezeichnend, das Lauterbach eben jenen bereits vorhandenen Sozialstaat eher als ausbeuterische Ausgeburt des Manchesterkapitalismus denn als soziale Errungenschaft darstellt. Gibt es ein Menschenrecht auf Wohlstand für alle, auf Nivellierung sämtlicher Unterschiede?

Ja, mag sein, dass es in einzelnen Ländern punktuell besser ist als bei uns, doch hier ein Cherry picking zu betreiben, und sich in jedem Land das Beste herauszusuchen, wie Lauterbach es fleißig macht, ist nicht wirklich hilfreich. Die Krankenversicherung der Schweden, die Rentenversicherung der Schweiz, die elitären Spitzenforscher der USA, das Schulsystem von Finnland etc.

Die von Lauterbach beweinte Ungerechtigkeit ist leider die Triebkraft der menschlichen Zivilisation. Man muss das nicht unbedingt gut finden, aber man sollte es zumindest nicht in Abrede stellen. Die meisten moralisch/religiösen Systeme fordern zwar die Unterstützung der Schwachen durch die Starken, doch wenige sind so naiv eine generelle Gleichmacherei auf Kosten der eigenen Privilegien zu fordern. Wie gut vermeintliche Gerechtigkeit durch Gleichmacherei funktioniert konnte man an Ländern wie der DDR sehen. Dort wurden die Söhne der Arbeiter und Bauern auf die Universitäten geschickt, und die Söhne von Ärzten durften nicht, oder nur unter großen Schikanen studieren. So richtig gut ging es in diesem System allerdings nur der politischen Elite. Im kommunistischen China zeigen sich wirtschaftliche Fortschritte erst, seitdem Deng Xiaoping Ende der 80er Jahre die Devise an alle Chinesen herausgegeben hat: "Werdet reich". Inzwischen sind die sozialen Ungerechtigkeiten im "kommunistischen" China vermutlich neben den USA am Größten auf dieser Welt. Aus Gutmenschen Sicht ist das sicherlich bedauerlich, aber welchem Land wird wohl die Zukunft gehören?

Interessant wäre, ob der Champagner Sozialist Lauterbach, seine gepredigten Ideale selbst vorlebt. Sendet er seine Kinder in die Gesamtschule oder ins Gymnasium? Seine Wasser predigende und Wein trinkende hessische Parteigenossin jedenfalls wettert für die Abschaffung der Gymnasien und sendet ihren Sohn in die Privatschule. Ein Schelm, der Arges dabei denkt. Gesamtschule fürs Volk und Privatschulen für die Privilegierten?
Die wirklich Reichen ignorieren diese ewige Diskussion um das Gymnasium achselzuckend. Sie werden schon in Eliteschulen in der Schweiz die notwendige Ausbildung für ihr Kinder bekommen können. Doch gerade für durchschnittliche Einkommen sind die Gymnasien in Deutschland die einzige Möglichkeit zu einer international vergleichbaren, höheren Schulbildung. Gerade jene Familien, die sich keine teure Privatschule angelsächsischer Prägung leisten könnten, profitieren davon. Im gesamtschulgeschädigten Berlin gibt es großen Zulauf auf die wenigen grundständigen Gymnasien. Vier Bewerber auf einen freien Platz sind keine Seltenheit. Und jetzt kann man einmal raten, welche Bevölkerungsgruppe wohl besonders gut im Auswahlgespräch abschneidet. Die Verknappung begehrter Schulen ist sicherlich nicht die Lösung, um möglichst vielen Migrantenkindern eine höher Schulbildung zu ermöglichen. Doch Lauterbach ist sich durchaus bewusst, dass seine Vorschläge der Gleichmacherei auf Widerstand stoßen. Daher fordert er immer wieder ein konsequentes Eingreifen der Politik. Konkret heißt dies nichts anderes als eine Politik gegen die Interessen der erwähnten 30 % der Bevölkerung. Eine Politik gegen die Leistungsträger der Gesellschaft, gegen jene, die in anderen Ländern mit Handkuss genommen werden, und die dieser Staat zum Überleben dringend braucht.

Hier zeigt Lauterbach, dass er zwar ein zorniger Utopist, aber kein Politiker ist. Zudem macht er den Fehler vieler wirklich intelligenter Menschen: Er ist davon überzeugt, das seine Lösung die einzig Richtige ist. Dabei finden sich im Buch viele Widersprüche. Die Realität der Länder um uns herum, passt irgendwie nicht zu den Lauterbachschen Utopien. Wieso wandern die Klugen aus armen Ländern ins kalte Herz des Kapitalismus, in die USA, aus? Wieso findet die Mehrheit der Amerikaner (also eindeutig auch die Armen und Unterprivilegierten) ihr System am Besten? Vielleicht ist es ein menschliches Bedürfnis, etwas mehr haben zu wollen als der Nachbar. Vielleicht wollen Menschen für ihre Kinder nur das Beste, wohl wissend, dass nicht jeder das Beste haben kann. Daher ist im Ausland der neue Mercedes des Nachbarn auch ein Ansporn für mehr eigene Leistung, in Deutschland wird er dem Nachbarn im Wesentlichen geneidet. Lauterbach möchte denjenigen, die sich einen Mercedes leisten können dazu zwingen nur Golf zu fahren, damit alle Menschen in Deutschland zumindest Fiat fahren können. So ein Vorschlag erntet im Ausland nur Kopfschütteln, in unserer oft auf Heuchelei aufgebauten Konsensus Gesellschaft wird er öffentlich viele Anhänger finden, die dann heimlich schon für ihre eigenen Interessen sorgen werden.

Lauterbachs Lösungsvorschläge bedeuten konkret nichts anderes als massive Steuererhöhungen an allen Fronten. Natürlich will er sich diese Steuern von den vermeintlich Privilegierten holen, also jenen Leuten, die bislang bereits über ihre Einkommenssteuer den Löwenanteil an der Finanzierung des Sozialstaats schultern müssen. Diese werden im Lauterbach Model einfach noch mehr zur Kasse gebeten werden. Dies bedeutet dann in der Realität, dass die Hälfte der Bevölkerung weder Sozialabgaben noch Steuern zu entrichten hat, und von der anderen Hälfte komplett versorgt wird. Moralisch wird dies damit begründet, dass die eine Hälfte der Bevölkerung eben durch die Geburt Glück gehabt hat und deswegen der Hälfte der Pechvögel nun gefälligst die Kranken-, Renten-, Pflegeversicherung samt Sozialhilfe zu bezahlen hat. Kann man natürlich so sehen. Unklar ist nur noch, ob dieses Paradies auf Erden jedem Armen von Portugal bis Rumänien zustehen soll. Vermutlich schon, da die EU Verfassung genau dies ermöglicht. Wer wird nun wohl in dieses Deutschland einwandern?

Lauterbach warnt zu Recht davor, dass der Staat nicht auf dem Rücken breiter Massen regieren könnte, weil dies zur Instabilität führt. Auf der anderen Seite übersieht er, dass es auch keine Lösung sein kann, wenn die Politik eines Landes von denen dominiert wird, die selbst weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen, aber entscheiden dürfen, was mit dem Geld der Zahlenden gemacht werden soll.

Fazit: Ein wirklich lesenswertes Buch, das sehr treffend die Ungerechtigkeit der Welt beschreibt. Es suggeriert jedoch unfairer Weise, dass es bei uns ganz besonders ungerecht zugeht, und wenn auch manche der Probleme (insbesondere beim Thema Gesundheit) richtig erkannt und beschrieben werden, so sind die Verbesserungsvorschläge leider fast kommunistische Utopie und folgen dem üblichen sozialdemokratischen Credo von mehr Steuern und mehr Staat.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 23, 2009 10:05 PM MEST


"Aufklärung ist Ärgernis...": Karlheinz Deschner - Leben, Werk, Wirkung
"Aufklärung ist Ärgernis...": Karlheinz Deschner - Leben, Werk, Wirkung
von Hermann Gieselbusch
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,00

52 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Essay Sammlung über Karlheinz Deschner, 10. Oktober 2007
Diese Essay Sammlung widmet sich dem Lebenswerk von Karlheinz Deschner. Deschner ist einer der wichtigsten Kirchenkritiker des letzten Jahrhunderts und seine Mehrbändige "Kriminalgeschichte" des Christentums ist schon beinahe legendär. Natürlich ist er (wie sollte er es auch bei diesem Thema nicht sein) in Kirchenkreisen als Antichrist verhasst.

Im Buch kommen verschiedene Autoren zu Wort. Michael Schmidt-Salomon würdigt in einer Kurzbiographie das vielschichtige Lebenswerk. Deschners langjähriger Lektor plaudert aus dem Nähkästchen. Das Buch ist jedoch keine Sammlung von Lobhudeleien, sondern es lässt auch Platz für kritische Stimmen. So wird auf der einen Seite der Historiker Deschner kritisch hinterfragt, auf der anderen Seite werden die Deschnerschen Aphorismen unter die Lupe genommen.

Es finden sich auch einige Kleinodien wieder, die aus heutiger Zeit ziemlich peinlich für die betroffenen (meist die Kirchen) aussehen. So ein Faksimile eines bischöflichen Briefes, in dem Deschner exkommuniziert wird, weil er es gewagt hatte, eine geschiedene Frau zu heiraten (und sich auch durch priesterliche Drohungen, diese Verbindung wieder zu lösen, nicht beeindrucken ließ). Dieser bischöfliche Brief in seiner schonungslos menschenverachtenden Scheinheiligkeit sagt fast schon mehr über die Perversion der angeblichen Liebesreligion aus, als es so manche Deschner Buch tun könnte.

Oft hat man Deschner Einseitigkeit vorgeworfen, indem er nur die Schattenseiten des Christentums auflistet, und die guten Seiten übergeht. Seine Begründung hierfür ist einfach: Über die guten Seiten mag der geneigte Leser bereits Millionen Schriften in allen Bibliotheken dieser Welt finden. Die Schattenseite wurden bislang eher tot geschwiegen, und genau hier sieht er seine Aufgabe. Die andere Seite der "Religion der Liebe" aufzudecken.

Fazit: Wer schon immer wissen wollte, wer eigentlich Karlheinz Deschner ist, und wie es zu seinem nun mehr als 50 Jahre dauernden aufklärerischen Werk kam, der liegt hier richtig. Die Giordano Bruno Stiftung verleiht dieses Jahr übrigens erstmals den Karlheinz Deschner Preis ... an Richard Dawkins.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 11, 2014 5:44 PM MEST


Misquoting Jesus: The Story Behind Who Changed the Bible and Why (Plus)
Misquoting Jesus: The Story Behind Who Changed the Bible and Why (Plus)
von Bart D. Ehrman
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Art "Götter Gräber und Gelehrte" über Bibeltexte, 9. Oktober 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses ist eins der 10 Bücher, die von Sam Harris (End of Faith) als besonders lesenwert empfohlen werden. Damit sollte jedem schon klar sein, in welche Richtung die Reise geht. Christliche Dogmatiker werden hier nicht glücklich werden, denn der Autor zeigt zahlreiche Probleme bei der Interpretation von Bibelstellen auf...und er kennt sich aus!

Der Autor Bart Ehrman machte innerhalb seiner Studien fast schon eine Konversion vom Paulus zum Saulus durch. Er kommt ursprünglich aus einer der konservativsten und dogmatischsten Ecken des amerikanischen Christentums (Moody Bible Institut, where Bible is our middle name, hard core christianity for the fully committed). Er glaubte bedingungslos an die buchstäbliche Richtigkeit von Gottes Wort in der Bibel. Im laufe seiner Studien an zunehmend weniger extremen Instituten (zunächst Wheaton College, only for evangelical Christians, dann Princeton Theological Seminary) wurde ihm jedoch irgendwann klar, dass. es so etwas wie eine "verbindliche" Version von Gottes Wort schon allein deswegen nicht geben kann, weil es keinerlei "Urtext" aus der damaligen Zeit gibt, und die vielen Abschriften und Kopien "in mehr Stellen voneinander abweichen, als es Worte im Neuen Testament gibt". Dies ist keine Übertreibung, sondern bereits seit einigen hundert Jahren allgemein bekannt. John Mill beschrieb schon im 18. Jahrhundert mehr als 30.000 Abweichungen zwischen unterschiedlichen Kopien der griechischen Texte des NT. Inzwischen kennt man über 100.000.

Ehrman führt den Leser systematisch durch die Geschichte der Exegese, und bespricht ausführlich die Gelehrten (von Erasmus von Rotterdams erster gedruckter griechischer Ausgabe des NT, die unkritisch die meisten Fehler übernommen hat, über besagten John Mill, Richard Bentley, Johann Albrecht Bengel, bis zu Lachmann und von Tischendorf) die in den jeweiligen Jahrhunderten wesentliche neue Erkenntnisse lieferten. Z.B. beschreibt er wie erst im 19. Jahrhundert von Tischendorf den Codex Sinaiticus entdeckte, die älteste vollständige Kopie der Bücher des NT. Nicht etwa aus der Zeit der Evangelisten, sondern aus dem 4. oder 5. Jahrhundert. Dies ist für jemanden, den das Thema interessiert, eine Art "Götter Gräber und Gelehrte" der Bibeltexte, doch für andere Leser sicherlich ermüdend. Da Ehrman allerdings wirklich vom Fach ist und zahlreiche Bücher und Beiträge für Experten geschrieben hat, kann man seinen Bericht eher als bare Münze nehmen, als der eine oder andere oberflächliche Spiegel Artikel.

In den folgenden Kapiteln geht er auf einige der wesentlichen Abänderungen der heute von den Kirchen gepredigten Texten ein, von denen die Experten inzwischen klar wissen, dass sie im Laufe der Jahrhunderte ergänzt bzw. verändert wurden, und so nie bei den Evangelisten oder Paulus gestanden haben können (und demnach sogar nach der Logik der Gläubigen natürlich nicht Gottes Wort sein können, sondern höchstens das Wort eines eifrigen Schreibers aus einem frühchristlichen Scriptorium). Als Beispiel seien genannt das Ende des Markus Evangeliums mit der Auferstehung Christi, sowie einer der berühmtesten Berichte der Bibel, die Steinigung der Sünderin (wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein").

Wie gesagt, das ist alles ziemlich interessant und lesenswert. Dennoch sollte man sich davon in den überwiegenden Kreisen der Bevölkerung keinerlei aufklärerische Effekte erhoffen. Der Glaube vieler Menschen ist derart (per definitionem irrational") implementiert, dass man sie nicht durch kritische Exegese ins Grübeln bringt. Ehrman selbst ist hier eine löbliche Ausnahme, den seine Studien eher säkularisierten. Die Tradition der Kirche ist inzwischen stärker als es jede Textkritik auch nur sein könnte, und viele Gläubige (insbesondere in den USA) denken sowieso, dass die Bibel ursprünglich von Gott in Englisch diktiert worden ist, und kümmern sich wenig um Abweichungen in irgendwelchen griechischen Manuskripten.

Fazit: Wer sich wirklich für dieses Thema interessiert (und auch die Bibelstellen kennt), für den lohnt sich das Buch. Wer aber nur auf den Spuren der 4 Apokalyptischen Reiter des Atheismus (Dawkins, Dennett, Harris, Hitchens) wandelt, der sollte lieber deren Bücher lesen. Dieses Buch hier eignet sich nicht zum Widerlegen des christlichen Glaubens oder gar des Glaubens allgemein. Auf der anderen Seite werden natürlich Leute, die an die buchstäbliche Wahrheit der Bibel glauben, hier auch nicht glücklich werden.


God Is Not Great: How Religion Poisons Everything
God Is Not Great: How Religion Poisons Everything
von Christopher Hitchens
  Gebundene Ausgabe

127 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliante Analyse der Schattenseiten der Religion, 29. September 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Christopher Hitchens folgt mit diesem Buch dem derzeit populären Outing der Agnostiker/Atheisten/Humanisten, und haut in dieselbe Kerbe wie Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett (in USA) sowie Michael Schmidt-Salomon, Franz Buggle und Hans Albert in Deutschland. Im Gegensatz zu manchen anderen vermeidet er jedoch die theologisch/philosophische Debatte um die Existenz Gottes und konzentriert sich stattdessen auf die im Namen der Religionen oder von religiösen Menschen ausgeübten Untaten. Auch hier kann man den Inhalt mit dem alten Spruch zusammenfassen: Es gibt auf der Welt gute Menschen, die Gutes tun, und böse Menschen die Böses tun, aber nur durch Religion bekommt man eigentlich gute Menschen dazu, Böses zu tun.

Im Falle des Christentums wissen wir das eigentlich schon lange (zumindest in Deutschland) durch das Lebenswerk von Karlheinz Deschner. Christopher Hitchens ist jedoch in den USA lebender Engländer, und dort scheint diese Erkenntis erst in den letzten Jahren Anhänger gefunden zu haben.

Er bleibt jedoch nicht bei einer Religion hängen, sondern zeigt auch im Kapitel über den Islam (die Weitergabe von Gottes Wort durch einen Engel an einen analphabetischen Kaufmann in der Wüste), die überall auf der Welt existierenden Schattenseiten dieser Religion auf. Ein weiteres Kapitel ist den östlichen Religionen gewidment, die er ebenso als ungeeignet für ein ethisches Verhalten entlarvt (Konflikt zwischen Hindus, Moslems und Buddhisten in Indien bzw Sri Lanka, Rolle des Buddhismus bei Japans Imperialistischer Politik im letzen Jahrhundert). Spätestens hier bringt er Facetten, die bei den anderen derzeit populären Religionskritikern fehlen.

Das Buch ist flüssig zu lesen, und die Argumentationsweise ist weniger polemisch als bei Dawkins oder Harris. Dennoch wird das Buch dem dogmatisch Gläubigen jeglicher Religion die Zornesröte ins Gesicht treiben, denn der Autor spricht schonungslos aus, was viele weichgespülte Pseudokritiker zu relativieren suchen und euphemistisch umschreiben: Alle Religionen disqualifizieren sich als ethische Grundlage für ein vernünfitiges Zusammenleben in der heutigen Zeit. Auch wenn in der Bibel oder dem Koran auch "Gutes" zu finden sein mag (was immer exemplarisch herausgepickt wird), so steht darin so viel menschenverachtender Unsinn, dass man diese für nomadisierenden Hirtenvölker der Eisenzeit geschriebenen Stammesregeln einfacht nicht als Richtschnur seines heutigen Handelns nehmen kann.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 17, 2012 12:43 AM MEST


Lexikon der biblischen Irrtümer: Von A wie Auferstehung Christi bis Z wie Zeugen Jehovas
Lexikon der biblischen Irrtümer: Von A wie Auferstehung Christi bis Z wie Zeugen Jehovas
von Walter-Jörg Langbein
  Taschenbuch

14 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert - insbesondere für Einsteiger in die Bibelkritik, 29. September 2007
Als Gläubiger heute hat man es schon nicht leicht. Da lebt man in einer modernen und aufgeklärten Welt, in dem es so etwas wie Menschenrechte gibt, und hat aber leider eine archaische Schriftensammlung aus der Eisenzeit, die Ratschläge für nomadisierende Hirtenvölker enthält (auch die Bibel genannt) zur Richtschnur seines "moralischen Handelns" gemacht. Nun die Kirchen verbrachten in den letzten Jahrhunderten viel Energie damit, diese teilweise monströsen Geschichten und Gebote so weit zu verwässern, dass man sie heute überhaupt noch halbwegs ertragen kann. Die Bibel singt nämliche nicht nur das Hohe Lied der Liebe (wer dies glaubt, der glaubt wirklich extrem selektiv), sondern sie ist auch eine Sammlung widersprüchlicher Texte. Dies verdeutlicht Langbein hier in diesem Lexikon.

Das Buch hat seine Stärken und Schwächen. Erst die Stärken: Es ist sehr gut geeignet, um einem Neuling auf diesem Gebiet, einen ersten Einblick in die kritische Bibelauslegung zu geben. Man sollte ja zumindest von "Gläubigen" erwarten, dass sie wirklich wissen, an was sie glauben. Leider ist dies oft nicht der Fall. Nun, hier kann man erfahren, dass sehr viel von dem was als biblische "Wahrheiten" von den Amtskirchen auch heute noch (trotzt in allen Konfessionen ablaufender kritischer Exegese) von der Kanzel gepredigt wird, oft keinerlei Bezug zu den Schriften der Bibel hat. Auch erfährt der eher gutgläubige Leser, der vielleicht die Bibel selbst noch nie oder wenn dann nur die üblichen Bruchstücke der bekannteren Geschichten gelesen hat, wie viel menschenverachtender Unsinn sich aus heutiger Sicht darin befindet. Dies erfordert natürlich bei der Interpretation durch die Kirche immer die Quadratur des Kreises, da man sich gerne auf der einen Seite auf "moralische Grundwerte" der Bibel berufen will, man auf der anderen Seite jedoch immer die absolut unmoralischen Gebote als Balast mit sich herumschleppt (wer will heute noch sein ungehorsames Kind steinigen?) Ergebnis ist das heute nur allzu bekannte "Cherry picking" des Guten und das Ignorieren, oder euphemistische Umschreiben des Bösen in der Bibel. Der Autor zeigt hier die eine oder andere Bibelstelle, die man am Sonntag nicht in der Kirche zu hören bekommt.

Eine Schwäche des Buches ist natürlich, dass dieses unerschöpfliche Thema nicht umfassend in so einem Buch dargestellt werden kann. Hier kommen bei dem Autor zwangsläufig Vereinfachungen und persönliche Tendenzen ins Spiel, die ihn natürlich angreifbar machen. Hier versuchen dann die Hüter des Glaubens sofort das Kind mit dem Bade auszuschütten, und diskreditieren Autor (glaubt an Aliens!) und Werk (einseitig! schlecht recherchiert!)

Fakt ist jedoch. Vieles (natürlich nicht alles!) in diesem Buch findet man in zahlreichen anderen kritischen Werken hochrangiger (teilweise sogar katholischer) Exegeten. Daher eignet es sich trotz aller Unkenrufe durchaus als Einstieg ins Thema.


Der Herr ist kein Hirte
Der Herr ist kein Hirte
von Christopher Hitchens
  Broschiert

604 von 713 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliante Analyse der Schattenseiten der Religionen, 28. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Herr ist kein Hirte (Broschiert)
Christopher Hitchens folgt mit diesem Buch dem derzeit populären Outing der Agnostiker/Atheisten/Humanisten, und haut in dieselbe Kerbe wie Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett (in USA) sowie Michael Schmidt-Salomon, Franz Buggle und Hans Albert in Deutschland. Im Gegensatz zu manchen anderen vermeidet er jedoch die theologisch/philosophische Debatte um die Existenz Gottes und konzentriert sich stattdessen auf die im Namen der Religionen oder von religiösen Menschen ausgeübten Untaten. Auch hier kann man den Inhalt mit dem alten Spruch zusammenfassen: Es gibt auf der Welt gute Menschen, die Gutes tun, und böse Menschen die Böses tun, aber nur durch Religion bekommt man eigentlich gute Menschen dazu, Böses zu tun.

Im Falle des Christentums wissen wir das eigentlich schon lange (zumindest in Deutschland) durch das Lebenswerk von Karlheinz Deschner. Christopher Hitchens ist jedoch in den USA lebender Engländer, und dort scheint diese Erkenntis erst in den letzten Jahren Anhänger gefunden zu haben.

Er bleibt jedoch nicht bei einer Religion hängen, sondern zeigt auch im Kapitel über den Islam (die Weitergabe von Gottes Wort durch einen Engel an einen analphabetischen Kaufmann in der Wüste), die überall auf der Welt existierenden Schattenseiten dieser Religion auf. Ein weiteres Kapitel ist den östlichen Religionen gewidment, die er ebenso als ungeeignet für ein ethisches Verhalten entlarvt (Konflikt zwischen Hindus, Moslems und Buddhisten in Indien bzw Sri Lanka, Rolle des Buddhismus bei Japans Imperialistischer Politik im letzen Jahrhundert). Spätestens hier bringt er Facetten, die bei den anderen derzeit populären Religionskritikern fehlen.

Das Buch ist flüssig zu lesen, und die Argumentationsweise ist weniger polemisch als bei Dawkins oder Harris. Dennoch wird das Buch dem dogmatisch Gläubigen jeglicher Religion die Zornesröte ins Gesicht treiben, denn der Autor spricht schonungslos aus, was viele weichgespülte Pseudokritiker zu relativieren suchen und euphemistisch umschreiben: Alle Religionen disqualifizieren sich als ethische Grundlage für ein vernünfitiges Zusammenleben in der heutigen Zeit. Auch wenn in der Bibel oder dem Koran auch "Gutes" zu finden sein mag (was immer exemplarisch herausgepickt wird), so steht darin so viel menschenverachtender Unsinn, dass man diese für nomadisierenden Hirtenvölker der Eisenzeit geschriebenen Stammesregeln einfacht nicht als Richtschnur seines heutigen Handelns nehmen kann.
Kommentar Kommentare (60) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 25, 2014 11:27 PM CET


Der Gotteswahn
Der Gotteswahn
von Richard Dawkins
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

786 von 941 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für ethisches Verhalten ohne Gott, 25. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Gotteswahn (Gebundene Ausgabe)
Ein meines Erachtens wichtiger und aktueller Teil dieses Buches beschäftigt sich mit der Frage, ob es "ethisches Verhalten" ohne Gott geben kann. Hier wird in den Talkshow Diskussionen von den Vertretern des Christentums gerne Geschichtsfälschung betrieben, und die heutzutage von vielen akzeptierten "humanistischen Werte" mit "christlichen Werten" gleichgesetzt. Dawkins zeigt (wie Deschner, Schmidt-Salomon, Harris, Dennett und viele andere auch), dass dies Unfug ist, und dass im Gegenteil die meisten heute in der westlichen Welt geltenden Werte gegen teilweise massiven Widerstand der Kirchen implementiert werden mussten (Abschaffung der Sklaverei in den USA, Gleichheit von Mann und Frau, Religionsfreiheit, Trennung von Staat und Kirche etc.).

Besonders wichtig erscheint mir sein offenes Bekenntnis zum Atheismus, was eben nicht mit Beliebigkeit und "Ethik freiem Raum" gleich gesetzt werden darf. Er vergleicht die biblischen 10 Gebote hinsichtlich ihrer heutigen Relevanz, und kommt zu dem Schluss, dass die ersten 4 Gebote theologisches Quallenfett sind, und keinerlei Einfluss auf etwa ethisches" Verhalten haben, sondern eher der Eitelkeit des mosaischen Gottes dienen. Ferner entlarvt er zwei Gebote als Binsenwahrheiten (die eigenen Eltern ehren, keine Artgenossen töten), die selbst bei vielen Tieren gültig sind, und weist darauf hin, dass im 10. Gebot Frauen und Sklaven zum materiellen Besitz des Mannes gerechnet werden. So viel zu der Behauptung, nur die 10 Gebote wären eine zeitgemäße Richtschnur für ein ethisches Handeln!

Dann nennt er eine Reihe alternativer Gebote, die im wesentlichen auf humanistischen Idealen aufgebaut sind, und völlig ohne einen Gott auskommen. Jeder, der nur halbwegs über den Tellerrand der eigenen Indoktrination hinausblicken kann, wird sofort zugeben müssen, dass diese Gebote für unser heutiges Zusammenleben weit besser geeignet sind als der Dekalog.

Auch zeigt er auf, wie konditioniert wir alle sind, in dem wir einen amerikanischen Präsidenten nicht sofort für verrückt erklären, wenn er "Gottes Hilfe" für seine Truppen anfleht. Wie würden wir ihm begegnen, wenn er vor dem Auslaufen der 5. Flotte einen Stier opfert, um Poseidon um eine ruhige Überfahrt zu bitten?

Nein, Dawkins widerlegt in diesem Buch nicht die Existenz Gottes. Er macht aber jedem klar, dass es genau so sinnvoll ist, dem großen Donnergott eine schwarze Ziege zu opfern, um Regen herbei zu zaubern, wie es sinnvoll ist, um die Vergebung fiktiver "Sünden" zu beten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Wotan, Aton, den großen Donnergott oder den grünen Ameisengott gibt ist nicht kleiner, und das Anbeten dieser Götter nicht unsinniger wie der Glaube an oder das anbeten der heute gebräuchlichen Götter. Wir haben Zeus und Wotan hinter uns gelassen. Wir sind also Zeus und Wotan "agnostisch". Der nächste Schritt wäre, einfach einen weiteren Gott hinzuzufügen.

Einer hier hat vorgeschlagen die Bibel gegen Dawkins auszutauschen. Der Meinung bin ich nicht. Die Bibel gehört in das Bücherregal. Und zwar neben Homer, Ovid, und Vergil. Ein Grundpfeiler unseres Kulturerbes, aber doch bitte kein "göttliches Gesetz".
Kommentar Kommentare (82) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 6, 2015 1:40 AM CET


Die 36 Kammern der Shaolin
Die 36 Kammern der Shaolin
DVD ~ Liu Chia-hui
Wird angeboten von Flohpreis
Preis: EUR 6,97

26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegweisender Klassiker des Genres, 25. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Die 36 Kammern der Shaolin (DVD)
Dies ist einer der Klassiker des Genres, den man getrost in jede Top 10 Liste der Kung Fu Filme aufnehmen könnte. Er wurde daher auch neulich beim Themenabend Kung Fu auf ARTE stellvertretend gezeigt (neben Fist of Legend mit Jet Li).
Der Film folgt dem üblichen Eastern Schema mit bösen kaiserlichen Beamten und guten Rebellen. Der besondere Reiz des Films liegt hier jedoch in der Art, wie der Aufstieg des jungen Novizen Yu-Te durch die 35 Trainingskammern des Shaolin Klosters gezeigt wird. Diese Form des Trainings vom Nichtskönner zum Meister wurde seitdem in zahlreichen Filmen kopiert (von Karate Kid bis Kill Bill). Der Kung Fu Stil entspricht eher dem klassischen, auch noch heute in China gelehrten "tänzerischen" Kung Fu. Der Film ist daher im Gegensatz zu deutlich härteren Darstellungen (z.B. Fist of Legend) durchaus auch für Jugendliche geeignet.

Im Gegensatz zu manch anderen hier finde ich die neue Synchronisierung der DVD keinen Nachteil. Mir lag wie den meisten bisher nur eine deutlich gekürzte, und an vielen Stellen richtig verstümmelte Version vor, da es leider in den 70er Jahren üblich war, diese Hongkong Produktionen drastisch zu kürzen. Mit dieser fast 25 Minuten längeren Version werden erstmals komplett neue Szenen gezeigt (z.B. die Tatsache, dass Yu Te zunächst nicht ganz unten mit seinem Training anfangen wollte, sondern gleich in der höchsten Kammer, deren buddhistische Philosophie er jedoch noch nicht verstand). Auch ist sein Fortschritt durch die Kammern deutlich schwieriger und langsamer dargestellt, als in der bekannten Fernsehversion. Dem gegenüber empfinde ich es nicht als Nachteil, dass manche Dialoge anders verlaufen, denn Hand aufs Herz, die Dialoge sind sowieso nicht die Stärken eines Kung Fu Films. Mit dieser neuen DVD liegt erstmals eine vernünftig geschnittene Fassung des Films vor.

Fazit: Wer den Film noch aus dem Fernsehen kennt sollte hier zugreifen. Ebenso, wer ihn noch nicht kennt und nur mal einen Kung Fu Film im Leben sehen will.


Harry Potter and the Deathly Hallows (Harry Potter 7)
Harry Potter and the Deathly Hallows (Harry Potter 7)
von J.K. Rowling
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 27,81

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Würdiger und gut gelungener Schluss!, 23. Juli 2007
Nun ist es also vorbei. Angesichts der hohen Erwartungen im Vorfeld, wird es wohl viele geben, die irgendein Haar in der Suppe finden, doch allen Recht machen kann man es nie. Ich denke J. K Rowling hat hier einen sehr guten Schluss geliefert. Vieles mag man erraten haben (wie das finale Duel), oder gehofft haben (wie die Entwicklungen von Neville zum Helden und Snapes komplexen Charakter), doch die Art wie zum Schluss alle Puzzle Steine zusammenfallen, ist schon eine erstaunliche Leistung. Good story telling.

Es ist schwierig, hier irgendetwas zu schreiben, ohne Teile der Handlung zu verraten. Aber inzwischen haben ja die meisten Rezensionen ohnehin breit getreten, dass entgegen der Gerüchte (von wem auch immer geschürt) keine wirklich wichtige Person stirbt. Mit wirklich wichtig meine ich die Schüler, die Harry all die Jahre begleitet haben. Hier kann man eigentlich relativ entspannt das Buch genießen. Das heißt jedoch nicht, dass in diesem letzten Band keiner ums Leben kommt. Im Gegenteil. Viele Kapitel sind voll mit Todesfällen und Cruciatus Cursen, die alle mehr oder weniger Freunde von Harry betreffen.

Auch die Sache mit Dumbledore entpuppt sich als ein gewisser Smoke Screen der Autorin, als sie immer vehement beteuert hat, dass dieser endgültig und unwiderruflich tot sei. Well, technically yes. Sie macht aus ihm keinen zweiten Gandalf, der von den Toten aufersteht, aber auch Obi Wan Kenobi ist bereits im ersten Star Wars Film gestorben und kommt dennoch mehr oder weniger in allen Filmen vor. Es ist mehr Dumbledore in diesem letzten Band als in einigen anderen davor.

Das Buch ist jedoch ziemlich grausam, verglichen mit den ersten Bänden, und natürlich wird man hier auch wieder die Frage stellen, ob dies wirklich ein Kinderbuch ist etc. Auch der Papst wird diesen letzen Band nicht mögen. Dafür ist viel zu viel Wiederauferstehung, Seelensplitting und warten auf den Messias drin. Zudem kann er keine Zaubersprüche außerhalb der Kirche dulden, auch wenn die Transsubstantiation (die Verwandlung einer trockenen Waffel in ein Stück Fleisch durch das Murmeln eines Zauberspruchs) nicht in Hogwarts gelehrt wird, sondern den Kirchendienern vorbehalten bleibt. Auch die Referenzen zu Tolkien (Seelenqualen des Horcrux Trägers etc) werden wieder ein paar Tolkienianer ärgern. Dabei wird vergessen, dass angefangen von der Figur des bebrillten Zauberschülers mit der Eule (Neil Gaiman's Book of Magic) die gesamte Hogwartswelt ein Sammelsurium von Referenzen anderer Bücher darstellt, was die Kunst der Autorin, dies alles zu so einer runden und durchweg unterhaltsamen Geschichte zu verbinden, überhaupt nicht schmälert.


V wie Vendetta (2 DVDs, Limited Edition, Steelbook) [Special Edition]
V wie Vendetta (2 DVDs, Limited Edition, Steelbook) [Special Edition]
DVD ~ Hugo Weaving
Wird angeboten von MK-Entertainment
Preis: EUR 39,97

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der besten Comic Verfilmungen, 11. Juni 2007
Der Autor der Comic Vorlage, Alan Moore, ist vermutlich neben Neil Gaiman der beste Comic Texter der Gegenwart - und V for Vendetta ist vermutlich neben "Watchmen" sein Meisterwerk. Um so enttäuschter war ich, als er seinen Namen aus den Credits des Films streichen lies. Auch wenn Alan Moore inzwischen wohl ziemlich exzentrisch ist, und dies auch bei anderen Umsetzungen seiner Werke schon getan hat, so hat mir das die Vorfreude auf den Film ziemlich verhagelt. Dazu kommt, dass ich zwar den ersten Matrix Film sehr gut fand, die beiden Nachfolger jedoch in meinen Augen nur ein müder Abklatsch für das Action verwöhnte Publikum darstellten, nach dem Motto "schneller, weiter, höher". Daher hielt ich die Wachowski Brüder für eine klare Fehlbesetzung.

Um so überraschter war ich dann vom Ergebnis. Dieser Film ist für mich die beste Comic Umsetzung überhaupt. Er hält sich eng genug an die Vorlage, ohne hier wie so oft durch unnötige Abweichungen zu verschlimmbessern, auf der anderen Seite erlaubt er sich genügend künstlerische Freiheit, um als eigenständiges Kunstwerk zu gelten (und nicht nur als 1:1 Nacherzählung wie bei den Frank Miller Vorlagen "Sin City" und "300"). Die Verweigerung von Alan Moore erscheint mir inzwischen als Überreaktion eines weltfremden Puristen.

Die Schauspieler sind durchweg gut besetzt, und auch wenn man ihn nur durch seine Maske sieht, macht Hugo Weaving hier eine weit bessere Figur als er dies zuletzt als Elrond tat. Am meisten rehabilitiert sich jedoch Natalie Portman. War sie in den Star Wars Filmen eigentlich eine einzige Peinlichkeit (was natürlich auch an ihren schwachsinnigen Dialogen lag), so mausert sie sich hier zu einer Charakterdarstellerin, die auch mutig genug war, für den Film die Haare zu opfern.

Die Handlung ist hier schon genügend breit getreten worden. Man sollte jedoch ergänzen, dass auch ein guter Film eine zweifelhafte Moral haben kann. V ist ein waschechter Psychopath und Terrorist, auch wenn er gegen ein diktatorisches Regime ankämpft. Er eignet sich als Rollenmodel eines Demokraten ungefähr so sehr wie Hannibal Lector Vorstand der pazifistischen Vegetarier sein könnte. Seinen Spruch: "Bürger sollten nicht vor ihren Regierungen Angst haben, sondern Regierungen vor ihren Bürgern" würde ich so nicht stehen lassen. Beide sollten voneinander keine Angst haben.
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