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Rezensionen verfasst von
Alexander 1994

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In seiner frühen Kindheit ein Garten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
In seiner frühen Kindheit ein Garten: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Christoph Hein
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Intelligente Propaganda - aber: Literatur?, 20. Januar 2012
Bin Schüler der 13. Klasse, wir lesen gerade dieses Buch.

Als allererstes ist mir als sehr seltsam aufgefallen, dass dieser von der Presse so hochgelobte Roman NUR als Schülerlektüre existiert, was mich noch vor dem Lesen sehr verwirrt hat. Immerhin - zunächst fand ich es spannend, endlich mal auch in der Schule moderne Literatur zu lesen, und keine 19.Jahrhundert-Klassik. Aber: ist dieses Buch überhaupt als Literatur anzusehen, wenn scheinbar 70 % seiner Leser Schüler sind, denen es verordnet wurde? Goethe, Schiller, Brecht, Hesse, usw. - keiner von ihnen hat geschrieben, damit Schüler ihre Werke lesen. Hein anscheinend schon. Zusammen mit dem Inhalt des Romans kommt es mir vor, als würde das einzige Ziel dieses Buches sein, es Schülern in die Hand zu drücken, und zu belehren, belehren, belehren.

Ein typischer Schüler - hat Hein sich wohl gedacht - wird folgende Schlüsse ziehen: 1) Terroristen sind böse, sie machen Leute tot und ihre Familien kaputt; 2)Der Staat ist gerissen, er greift zu unlauteren Mitteln um seine Macht zu verteidigen, 3)Das Ideal der Demokratie - verkörpert durch Zurek - ist gut, weil es ehrlich ist.

Letztendlich ist der Roman ein Aufruf an uns Schüler, gute, idealistische Demokraten zu sein. Aber das wars dann auch. In allen anderen Aspekten ist der Roman unfassbar schwach. Der Titel ist total ungerechtfertigt, Hein hat anscheinend selber keine Ahnung, wie Oliver Zurek zum Terroristen wurde, und will es uns auch nicht erzählen. Spannung gibt es nicht, dafür hat man aber vieles über den regulären Ablauf von Gerichtsprozessen gelernt. Die Moral des Romans sehr fadenscheinig, absolut nichts weltbewegendes, außer der 1/2 Seite langen erkenntnis, dass es in kommunistischen Texten eigentlich um Liebe geht, und das Leute, die zur Kalaschnikow greifen, Idioten sind. Und als am Ende der fast 80jährige Zurek seinen Amtseid zurücknimmt (Wow, was für eine Heldentat!), nennt er seine alte Frau vergnügt "Mädchen", geht schön essen, und vergisst aus heiterem Himmel die ganze Melancholie, welche ihn die letzen 10 Jahre (und den Leser sehr lange 270 Seiten) begleitet hat.

Alles in Allem ein Roman, der nicht wirklich lesenswert ist, überhaupt keine richtige Literatur, sondern eher ein künstlerisch aufgepeppeltes politisches Manifest über die Demokratie. Trotzdem 2 Punkte von 5, erstens wegen der tollen Idee, den Vater eines Terroristen zur Hauptfigur zu machen (schade, dass sie so schlecht ausgearbeitet ist). Der zweite Punkt für die intelligenteste Staatspropaganda, die ich je gelesen habe (und glaubt mir, davon gibt es an der Schule JEDE MENGE).

in diesem Sinne: an alle "freiwilligen" Leser: nicht kaufen! An alle Schüler, die es lesen müssen: Augen zu und durch. Und macht euch nichts draus, immerhin gibt es in der 13 noch den Faust ;)


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