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Dichtung&Kritik "V.Spillner" (Mannheim)
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Freiheit, die ich meine, und was von der Freiheit übrig blieb: Ein wissenschaftliches Gemälde um den Begriff der Freiheit
Freiheit, die ich meine, und was von der Freiheit übrig blieb: Ein wissenschaftliches Gemälde um den Begriff der Freiheit
von Gunter Berauer
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerte Zusammenfassung, 2. August 2009
Ist der Mensch frei? Ist er für sein Handeln verantwortlich? Oder sind wir determinierte Marionetten, Gefangene unserer Neuronen und der zugrundeliegenden physikalischen Gesetze? Kann möglicherweise die indeterministische Quantenmechanik die menschliche Freiheit retten?

Gunter Berauers Buch "Freiheit, die ich meine, und was von der Freiheit übrig blieb" (2. Auflage) analysiert genau diese Fragen unter Einbeziehung derzeitiger naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus Neurobiologie, Quantenmechanik, Chaostheorie und Soziologie, um zuletzt zu einem operativen Begriff der Freiheit zu gelangen.

Für Gunter Berauer lässt sich die Welt, die uns umgibt, einerseits mit deterministischen und andererseits mit zufälligen Prozessen beschreiben. Erwiese es sich zuletzt, dass alle Naturprozesse fundamental deterministisch abliefen, könne es in einer solch (vollständig deterministischen) Welt, so Berauer, keine Freiheit geben. Denn dort träte alles zwingend ein: es blieben keine Entscheidungsmöglichkeiten offen.
In einer indeterminierten Welt hingegen - einer Welt, in der es neben determinierten Prozessen auch indeterminierte geben dürfte, oder in der es möglicherweise auch ausschließlich irreduzibel stochastische Prozesse gibt - wäre keine Vorhersage zwingend eintretender Ereignisse möglich.
Gunter Berauer nutzt letztere Folgerung in ihrer starken Form: er folgert daraus, dass die Existenz fundamental indeterministischer Prozesse in der Welt eine hinreichende und notwendige Bedingung für Freiheit darstelle (wobei hier "nicht vorhersagbare Ereignisse" per definitionem mit "irreduzibel zufälligen Ereignissen" identifiziert werden). Berauer erklärt dabei, dass bereits Immanuel Kant zu dem Schluss gekommen sei, es gäbe in unserer Welt etwas, das der Autor dann "absolute Spontaneität" nennt: eine indeterministische Entscheidung, die die menschliche Freiheit ermöglicht.
Menschliche Freiheit sei also in einer Welt möglich, in der es fundamental stochastische Ereignisse gibt; und eben darin läge dann auch die "Freiheit": die Möglichkeit, 'ungezwungen' zu reagieren.

Dass in dieser Sichtweise die menschliche Freiheit auf den Zufall reduziert wird, nennt Berauer die 'anthropologische Enttäuschung'. Diese sei aber letztlich nicht wesentlich schwerer zu ertragen als eine ohnehin oft genug durch wissenschaftliche Forschung als entzaubert erlebte Welt. "Freiheit" wird also auf einen operativen Begriff reduziert, dem letztlich eine Beliebigkeit, eine Zufälligkeit zugrunde liegt.

Letztlich, so der Autor, könnten wir uns auch mit der gefühlten Freiheit zufrieden geben, die für den Menschen, (und, wie Berauer sagt, nach Immanuel Kant) aber gleichbedeutend sei mit einer tatsächlich objektiv existierenden Freiheit; es reiche also letztlich, sich frei zu fühlen.
Dies gibt dem Autor Anlass, ein wenig weiter über die Kraft des Glaubens und der Vermutungen nachzudenken.

Im letzten Teil seines Buches, einer Einbettung seines Freiheitsbegriffes in verschiedene Gebiete des sozialen Zusammenlebens, entwickelt Berauer dann noch unter anderem die sympathische Idee des kreativen Künstlers als Lauscher auf die Zufallsprozesse in jenen Bereichen seines Gehirns, die über ein künstlerisches Thema nachdenken, sowie als Auswähler und Zusammenfügen einiger dieser zufälligen Ideen zu einem Kunstwerk. Ob jedoch die daraus von ihm abgeleitete künstlerische Freiheit und Verantwortung - immerhin wählt der Künstler ja "selbst" einzelne Ideen aus den zufälligen Gedanken aus - ein haltbares Konzept darstellen, ist mir persönlich nicht ganz klar geworden. Letztlich setzt dieses Konzept ja eine gewisse Freiheit bei der Auswahl von Gedanken voraus - die meines persönlichen Erachtens nicht gegeben ist.
Welche Gedanken ein Mensch auswählt, könnte ja möglicherweise auch determiniert sein. Und wenn dies zufällig geschähe: welche Verantwortung trüge der Künstler dann dafür?
Dies ist aber meine persönliche Meinung - der Autor aber ist überzeugt von der Existenz objektiver Freiheit. Somit würde er möglicherweise einwenden, dass der Künstler in einer deterministischen Welt noch weniger Verantwortung trüge als immerhin in unserer indeterministischen Welt. Und wie überdies eine Welt aussehen sollte, in der der Mensch für mich als verantwortlich für seine Taten gelten kann, diese Antwort muss ich dem geschätzten Leser schuldig bleiben.

Die von Berauer abgeleiteten Gedankenwege werden im Verlauf des Buches stets auf historische und soziale Kontexte ausgedehnt und dort an Beispielen erläutert. Die wesentlichen notwenigen Kenntnisse über Quantenmechanik und Chaostheorie fasst der Autor anschaulich und gerafft zusammen.
Insgesamt liegt mit diesem Buch ein kompaktes und zugleich übersichtliches Plädoyer für einen operativen Begriff menschlicher Freiheit in einer von quantenmechanisch-statistischen Prozessen beinflussten Welt vor; als solches lesenswert.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 7, 2009 12:10 PM MEST


Türkisch für Anfänger - Staffel 3 (Folgen 37-52) [3 DVDs]
Türkisch für Anfänger - Staffel 3 (Folgen 37-52) [3 DVDs]
DVD ~ Pegah Ferydoni
Wird angeboten von 8mm
Preis: EUR 24,95

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Von Staffel 1 zu 3 steil abgesunken, 2. Februar 2009
Mit Staffel 1 hatte die Serie so herrlich witzig und unkonventionell begonnen - und hat bis Staffel 3 dann meines Erachtens eigentlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.
Erstens haben die Drehbuchautoren ihre eigenen Figuren nicht mehr ernst genommen. Jeder wird zur eigenen Karrikatur, völlig überspitzt, unreal und eindimensional.
Und dann ist der Plot auch noch langweilig, Lena und Cem, da geht es hin und her, und am Ende - zur Krönung - kommen sie letztlich nur wegen Lenas Schwangerschaft zusammen, durch die Cem auch noch Verantwortungsbewusstsein lernt.
Das ist nicht "herrlich politisch unkorrekt", wie ein Kritiker schreibt, das ist einfach nur ein pubertärer Traum von Mädchen aus der (amerikanischen) Kleinstadt. Ich fand das allerunterste Schublade. Und dann auch noch Opa Hermi einfach sterben zu lassen - völlig unnötig,... ach, das war doch von hinten und vorne nichts mehr.
Fazit: Staffel eins war toll, Staffel zwei sank ab und in Staffel drei haben sie sich nur noch über sich selbst lustig gemacht - vielleicht das einzige, was ihnen blieb. Schade.

The Sound of Music - Meine Lieder, Meine Träume (Einzel-DVD)
The Sound of Music - Meine Lieder, Meine Träume (Einzel-DVD)
DVD ~ Dame Julie Andrews

12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Darf man etwas von den meisten Geliebtes noch kritisieren?, 22. Oktober 2008
Ich liebe Julie Andrews. Ihr fröhliches und forsches Auftreten, das wir auch in Mary Poppins bewundern durften, ist positiv und erfüllt die Zuschauer mit Freude. In diesem Film spielt sie eine ähnliche Rolle: als "Kindermädchen" muss die junge Novizin den Kindern eines verwitweten Kapitäns zeigen, was Freude und Heiterkeit ist, was Liebe heißt und Kindheit. Damit gewinnt sie die Herzen der Kinder und der Zuschauer - und natürlich auch das des Kapitäns. Anders als Mary Poppins endet der Film aber nicht im Pavillon mit einem Kuss, wo er eigentlich abgerundet gewesen wäre: sondern es geht weiter. Vorher schon zart angedeutet, spielt der Film in den späten 30er Jahren, und nun kommt es zum Anschluss Österreichs. Die letzte halbe bis dreiviertel Stunde ist der Film auf einmal ganz anders. Politisch. Nazis tauchen auf. Die Familie muss fliehen.
Ich hatte ganz stark das Gefühl, dass hier ein Teil angesetzt wurde. Um mehr Tiefe zu erreichen - was gar nicht nötig gewesen wäre. Es schien mir, als begönne hier nochmal ein ganz neuer Film, der dann aber viel zu wenig fortgeführt wurde. Und dass die Familie dann zuletzt von einem Gesangs-Fest vor den Nazis flieht, und zum Applaus nicht mehr auf der Bühne erscheint, das war viel zu trivial und naheliegend. Nein, ich verstehe das Publikum nicht. Wieso wird diesem Film nur applaudiert?
Liegt es am "Nazi"-Thema, dass niemand sich traut, den Plot zu kritisieren? Liegt es an der unbeschädigbaren Loyalität und Liebe zu Julie Andrews?
Ich persönlich habe die erste Hälfte sehr genossen und empfand die zweite als aufgesetzt, schablonenhaft und trivial. Wäre diese zweite Hälfte der Beginn eines eigenen (!) Films gewesen, in dem die Familie flieht und die bösen "Nazimänner" vielleicht an einer Stelle auch einmal gut gewesen wären - also mehr Komplexität, mehr Tiefe, mehr Entwicklung - dann wäre das eine ganz andere Sache geworden, und vielleicht genauso gut wie der erste Teil. So aber ist der Film für mich nicht rund, sondern irgendwie eckig geworden. Mal eben eine Geschichte vor einem Nazi-Hintergrund abspielen lassen und am Ende noch pauschale Geschehnisse anhängen - das ist doch nicht wertvoll.
Von mir also trotz aller Liebe zur herrlichen Musik und Fröhlichkeit auch etwas Kritik, und dies, obwohl es die mit Abstand schönste nächtliche Gewitterszene aller Zeiten in der ersten Hälfte gab.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 1, 2010 12:30 PM MEST


Wort für Wort - oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben
Wort für Wort - oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben
von Elizabeth George
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,00

80 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für einen bestimmten Menschentypus geschrieben, 5. August 2008
Elizabeth Georges Buch ist einfach genial - wenn man so ist wie sie. Also jemand, der gerne plant, der sich gerne die Zeit einteilt, der systematisches Denken mag, der gerne Schaubilder zeichnet, der seine Kreativität in einem Rahmen entfalten möchte. Ich beispielsweise bin so ein Mensch. Und mich hat dieses Buch absolut begeistert. Es war mit Abstand der beste Ratgeber über 'das Schreiben', den ich je gelesen habe.
Es gibt solche, die denken, dass man das Schreiben nicht lernen kann.
Vielleicht stimmt das auch.
Wenn es aber nihct stimmt, und wenn einem denkenden Menschen doch die Augen geöffnet werden können für die Details, die es zu beachten gibt, wenn man ein Buch schreiben will, wenn es also etwas nützt, von einem erfahrenen Menschen Tipps entgegenzunehmen, dann kann man das sicherlich sehr gut mit vorliegendem Buch.
Es geht darin um den konkreten Anfang eines Buches, um den Gesamtaufbau, um die Figuren - und dies alles sehr detailliert und mit Beispielen. Außerdem lässt sie uns teilhaben am Tagesrhythmus ihres Schriftstellerlebens, schlägt vor, in welchen Schritten man ein Buch auf die Welt bringen kann und weist auf Fehlerquellen hin.
Ich bin wie gesagt begeistert und kann dieses Buch allen, die sich obiger Beschreibung verwandt fühlen, empfehlen.

Dhana. In neuer Rechtschreibung: Dhana: Der Kaiserliche Magier. Dhana 03.: BD 3
Dhana. In neuer Rechtschreibung: Dhana: Der Kaiserliche Magier. Dhana 03.: BD 3
von Tamora Pierce
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Meisterin, mal nicht ganz so superperfekt, 5. Juli 2008
Ich bin ein Fan von Tamora Pierce und habe als Jugendliche ihre Alanna-Bücher verschlungen. Nachdem Band eins der 'sanfteren Heldin' aus Tortall auch wirklich eine tolle neue Ergänzung zu Alanna war, finde ich Band zwei jetzt aber doch nicht besonders gut.
Erstens einmal ist die Übersetzung schlecht - dafür kann die Autorin nichts. Aber der Verlag schon. Manche Wortwahl war wirklich verwirrend, falsch oder einfach schlecht. Das ist mir nie zuvor bei einem Buch aufgefallen, war also hier schon unübersehbar.
Dann die Geschichte - Dhana und der ganze Hof fahren in die Wüstenwelt zum bösen Magier, der mit seinem Palast und dem Hofstaat nur eins will, nämlich einen Krieg anzetteln. Da fand ich schon vieles nicht gut - das Setting: ich persönlich mag reine Wüsten-Bücher nicht so. Mal Wüste mag ja angehen, auch bei Alanna gab es ein Wüstenbuch,... da sind aber dann immerhin neben Buri auch noch andere spannende Charaktere aufgetaucht... was hier eigentlich nicht der Fall ist. Gut, es gibt die Friedhofshexe und auch die niedlichen Vögel,... aber was sollen die Dinosaurierskelette? Das ist doch irgendwie blöd. Irgendwie bleibe ich etwas unzufrieden nach dem Buch zurück.
Mir fehlt die ganz große Dramatik, mir fehlt auch vor allem die Weiterentwicklung unserer Heldin. Dhana ist, was sie immer war, und es kommt keine echte Herausforderung auf sie zu...
Nein, irgendwie ist unsere Tamora Pierce hier nicht ganz so virtuos wie sonst. Vielleicht hatte sie einfach nur Spaß, in dieser Geschichte herumzuwandern, und hat damit aber kein Kunstwerk geschaffen, sondern nur ein unterhaltsames Bild...
Also, mir als Leserin hat das Buch nur mittelmäßig gefallen.

Die Suche nach dem Auge der Welt. Das Rad der Zeit 1. Das Original
Die Suche nach dem Auge der Welt. Das Rad der Zeit 1. Das Original
von Robert Jordan
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Saftiger Fantasy-Schmöker, 22. Juni 2008
Manche Bücher sind wie 3-Sterne Menues: tiefsinnig ausgedacht, kunstvoll angerichtet, wertvoll präsentiert, heimlich und einzigartig im Geschmack.
Dieses Buch hier ist eher wie ein saftiger Hamburger. Und so etwas braucht man manchmal auch.
Ein herrliches Abenteuer, das in Tolkiens Welt spielt - Rand al'Thor und seine Freunde, die Schäfer aus der Gegend der Zwei Flüsse, werden in ein großes Abentuere verstrickt - es scheint, als seien sie auserkoren, die Welt zu retten. Zu ihrer Seite stehen eine Aes Sedai und ihr Behüter. Wunderbare Fabelwesen tauchen auf, dunkle Myrddraals und freundliche Ogier, verbrecherische Wirte und freundliche Kutschenfahrer.
Einige der Gestalten tragen Namen aus der Artus-Sage, mit leichter Abänderung.
Ich fand das Buch für einen Fantasy Schmöker (800 Seiten) sehr spannend und nett, wie ein großes Rollenspiel, es gibt lange Fahrten zwischen Städten, große Könige, Aufträge etc. Dazu viele besondere Ideen, das Sprechen mit Wölfen, die Verschränkung von Aes Sedai und Behüter... trotzdem ist es keines der ganz unsterblichen Bücher, finde ich. Während bei Gedanken an Tolkiens Bücher sofort der Ring als Bild auftaucht, während man in Erinnerung an Krabat sofort die Mühle und die Raben sieht... fehlt hier das eine, ganz große Symbol, das alles zusammenhält. Dies hier ist mehr wie das bunte Muster im Teppich, das hinter der Geschichte gewebt wird,.. ein großes Bild mit tausend Fäden aber ohne ganz eindeutiges Zentrum.
Aber es macht Spaß und ich wünsche allen Lesern viel Zeit und viel Freude dabei.
Lesenswert.

Und ist ein Fest geworden: 33 Gedichte mit Interpretationen (insel taschenbuch)
Und ist ein Fest geworden: 33 Gedichte mit Interpretationen (insel taschenbuch)
von Marcel Reich-Ranicki
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manche gute, manche grottenschlechte Interpretation, 2. Juni 2008
Hier hat Reich-Ranicki einige Gedichte von Rainer Maria Rilke durch bekannte deutsche Schriftsteller interpretieren lassen (auf jeweils ca 2 Seiten pro Gedicht), darunter W. Leppmann (ein Rilke-Biographie-Autor) und J.Kaiser (Musikkritiker). Einige der hier vorliegenden Interpretationen sind sehr gelungen, zum Beispiel die des zuletzt genannten Autors. Bezeichnenderweise aber war beispielsweise die Interpretation Leppmanns, der bereits meines Erachtens eine irgendwie gefühlsmäßig verfehlte Rilke-Biographie geschrieben hat (wer wie Goethe oder Heine empfindet, sollte nicht Bücher über Rilke schreiben, finde ich) - bezeichnenderweise hat gerade er auch eine grässliche Interpretation geschrieben. und dies ausgerechnet über den 'Panther'. Halten Sie es für möglich - er schreibt tatsächlich über artgerechte Tierhaltung in deutschen Zoos!!!!!
Das ist keine alternative Sichtweise, die das Bild hilfreich ergänzt, das ist einfach nur völlig unangebrachter und uneinfühlsamer Pragmatismus.
Hier kann man doch stattdessen über Rilkes Wunsch sprechen, Rodin ähnlicher zu werden, dem er in dieser Zeit nah war. Oder über Rilkes Idee, das 'Ding' hinzustellen, ganz einfach, ganz nackt, ohne Interpretation. Die Form sprechen zu lassen - Das alles kommt bei Leppmann nicht vor.
Ist das provokant? Neu?
Nein, das ist einfach nur oberflächlich und blöd. Da darf man mal aussprechen, dass der Kaiser nackt ist.
Und Sie dürfen mir glauben - die Hälfte der Interpretationen in diesem Buch (auch der Herausgeber trägt im Herzen Goethesche, Heinesche und Börnesche Züge und kann Rilke eigentlich ganz und gar nicht verstehen, daher verwundert es zumindest nicht ganz und gar) - die Hälfte der Interpretationen sind so verfehlt, wie die von Herrn Leppmann. Die andere Hälfte liest sich wie gute Feuilletonartikel - nicht ungewöhnlich tief, aber unterhaltsam. Mit Ausnahme Kaisers, der wunderschöne, fast jahrhundertwende-gleiche Worte findet.
Naja... nicht ganz verdorben das Buch, aber auch nur 3 Sterne wert. Für eine Zugfahrt ist es annehmbar oder fürs abendliche 10-Minuten-Lesen im Bett, wem so etwas zusagt. Dann vielleicht sogar teilweise anregend.

Dhana: Kampf um Tortall. Dhana 01.
Dhana: Kampf um Tortall. Dhana 01.
von Tamora Pierce
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dhana ist zarter als Alanna, aber genauso liebenswert, 30. Mai 2008
Gute Kinderbücher gibt es nur wenige. Und auch, wenn sich über Geschmack angeblich nicht streiten lässt, gibt es meiner Meinung nach doch Maßstäbe, wann ein Kinderbuch gelungen ist. Dann zum Beispiel, wenn es eine tolle Hauptfigur entwickelt, die im Gedächtnis haften bleibt. Oder wenn Werte wie Liebe, Freundschaft, Vertrauen richtig plastisch herausgearbeitet werden.
Sie sehen an meiner 5-Sterne Bewertung, dass ich denke, dass Tomra Pierce das alles mit diesem Buch wieder einmal sehr gut gelungen ist.
Anders als unsere Heldin Alanna ist Dhana zarter, einfühlsamer noch, mädchenhafter. Sie möchte kein Mann sein, ist gerne die schmale junge Frau mit der wilden Tiermagie. Kümmert sich um verletzte Seeadler, spricht Waschbären Trost zu. Findet aber auch eine Verständigung mit Urwesen aus der Tiefe, Drachen und Greifen. Und kann so dem Königreich Tortall dienen, wenn es angegriffen wird.
Auf ihrem Weg begegnet sie Alanna und Jonathan, Numair und Georg und all den uns bereits bekannten Gesalten der Alanna-Sage. Dennoch ist das Buch allein lesbar, man muss die anderen Bücher nicht unbedingt vorher gelesen haben.
Eine liebenswerte, weiche, warmherzige Heldin! Man freut sich auf die weiteren Bände und nimmt Dhana gerne im Herzen mit.
Lesenswert.

Mona Lisas Lächeln
Mona Lisas Lächeln
DVD ~ Julia Roberts
Preis: EUR 4,97

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Frauenfilm! :), 22. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Mona Lisas Lächeln (DVD)
Ein Film, der ganz und gar vorhersagbar ist - darin aber auch das Ersehnte und Erwünschte voll bestätigt und auslebt - also ein gemütlicher Film, für die Couch, ein Film zum Weinen und Freuen, so ein Film ist 'Mona Lisas Lächeln'. Und wünschen wir uns nicht alle manchmal, dass einfach alles Schöne und Komplizierte, alles Ersehnte und Erahnte genau so eintritt und wahr wird und wahr ist, wie wir es uns erträumen? Ich wünsche mir das oft.
Und hier geschieht es alles.
Catherine ist Lehrerin. Aus dem freizügigen Westen fährt sie zum strengen Mädchen-Pensionat, in dem sie als Kunstlehrerin etwas verändern, die Mädchen aus den 50er Jahren aufrütteln und emanzipieren möchte.
Zunächst widersetzen sich ihre Schülerinnen ihr. Sie sind besser vorbereitet und snobistisch, abweisend, besserwisserisch. Langsam aber erobert Catherine die Herzen der Mädchen durch Leidenschaft, echtes Interesse, Wissen, Herzlichkeit, Offenheit und Mut.
Catherines Beziehungen zu den Mädchen, aber auch zu Männern ihres Umfeldes stellen die Frage, was eigentlich Lebensziel einer Frau und eines Menschen überhaupt sein sollte, sein muss, sein darf. Und der Film gibt keine ganz triviale Antwort, aber auch keine ungewöhnliche,... sondern eben eine liebevolle, die zu Herzen gehen darf.
Ich fand den Film wunderbar inszeniert, ich fand Julia Roberts wunderbar eingesetzt in der Rolle der Catherine, ich mochte die Dialoge (wenn man sie ernst nimmt, sind sie sehr tiefgehend) und ich mochte die Gemälde und wie die Mädchen an sie herangeführt werden.
Wie ich schon sagte, kein großer Film, kein freidenkerischer Film, nein, ein Film fürs Herz,... manche würden sagen: ein 'Frauenfilm'. Nun, warum nicht :). Mir hat er sehr gefallen!

Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend: Text und Kommentar. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (Suhrkamp BasisBibliothek)
Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend: Text und Kommentar. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend (Suhrkamp BasisBibliothek)
von Hermann Hesse
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das erste Werk des 'neuen Hesse', 22. Mai 2008
Zuerst einmal leider einen Stern Abzug für diese fürchterliche Ausgabe. Am Rand des Textes finden Sie überall Kommentare, Texterklärungen..., willkürlich ausgewählte Begriffe, die definiert werden - so beispielsweise ein Stern am Wort 'Caesar' und an der Seite: 'römischer Kaiser', und die Jahreszahl. Genauso werden einige Worte definiert, die völlig trivial und klar sind, interessante Begriffe werden hingegen nicht analysiert. Manchmal werden Begriffe auch erst beim zweiten Mal ihres Auftretens kommentiert, so wie der Begriff 'Sekte'...
Nein, also das machte das Buch für mich persönlich ganz unangenehm. Ich musste den Rand des Buches mit dem Ärmel abdecken, um nicht von den lästigen, trivialen Erklärungen abgelenkt zu werden. Ganz schlecht gemacht. Wären wenigstens die relevanten Worte ethymologisch erläutert oder aus dem Zeitkontext hervorgehoben und ins Licht gestellt worden - aber das ist hier absolut nicht der Fall.

Nun aber zum Inhalt:
Es ist wieder ein typisch Hessescher Roman, der erste, den er nach der Scheidung von seiner Frau schrieb, als er sich wieder in ein eigenes, neues Leben hineinzufinden hatte, nach dem 1. Weltkrieg und unter dem Einfluss einer Psychotherapie.
Hesse ist Anfang 40. Er ist erfahren, und dennoch auf der Suche. Und damit
spricht er ein breites Publikum an. Denn genauso ist es mit seinem Helden, Sinclair.
Ein Junge auf der Suche, getrieben von Wünschen und Ängsten, hin und hergerissen zwischen der Welt der Eltern und der des Gesindes, der mitten auf seinem Weg plötzlich Demian begegnet - Demian, das ist der Geheimnisvolle, der Wissende, der Erfahrene, der Denker, der Verlocker, der Verführer, Ziel und Schreckensbild zugleich für den jungen Sinclair, Aufrührer und Querdenker, der so gar nicht in die heile Welt der Kindheit zu passen scheint.
Demian scheint überdies über seltsam magische Fähigkeiten zu verfügen, kann er doch scheinbar Gedanken lesen und deutet er doch die Bibel ganz anders als es die Lehrer tun - da ist Kain auf einmal der Gute und Abel der Feige. Das Kainszeichen wird zum zentralen Begriff, der für das Demiansche steht.
Sinclair wächst heran, erlebt das Gymnasium, verlässt die Stadt und den Freund Demian, studiert, trinkt, lebt wild, besinnt sich, sucht. Demian, Demians Mutter (die das Bild einer großen Göttin oder der Urmutter einnimmt) und mancher Weggefährte helfen Sinclair, den Weg zu sich zu gehen und seinen Weg als Schicksal zu akzeptieren.
Ein junger Mensch, der sich verwirklichen möchte, der danach sucht, wer er sein kann - ein aktuelles Thema, das nach dem 1. Weltkrieg, nach dem 2. und in den 60er Jahren besonders begeistert vom Lesepublikum rezipiert wurde.
Zuletzt vergeht Demian auf dem Schlachtfeld und Sinclair bleibt mit einer Erkenntnis zurück.
Ein seltsames Buch, voller Traumbilder, voller Freudscher und Jungscher Psychologie, voll von Pubertät und Sinnsuche, von Erwachsenwerden und Selbst-Sein-Wollen.
Mir hat das Buch gefallen. Nicht umsonst hat Hesse es zunächst unter dem Synonym 'Sinclair' veröffentlicht - er wollte sich damit von seinem Frühwerk absetzen. Es gelang ihm. Der als zu weichlich kritisierte Hesse wurde nicht in Verbindung gebracht mit diesem reiferen Werk, so dass Thomas Mann, der Hesse stets kritisiert hatte, begeistert an den Verlag schrieb: 'Sagen Sie, wer ist dieser Sinclair?'.
Das Buch ist sicher lesenswert, kein großes Hauptwerk, aber voll von Ahnung und Magie und Leben, ich spüre darin eine große Unfertigkeit, wenn ich das so sagen darf, aber diese zieht mich auch an, sie passt zu dem Buch. Es wirkt ehrlich, nimmt den Leser mit, holt ihn ab, belehrt nicht.
Lesenswert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2008 2:37 PM MEST


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