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Beiträge von Dichtung&Kritik
Top-Rezensenten Rang: 967
Hilfreiche Bewertungen: 8542
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Rezensionen verfasst von Dichtung&Kritik "V.Spillner" (Mannheim)
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Einfach beeindruckend, 21. Januar 2008
Dieses Buch beeindruckt. Ein Germanistikprofessor aus Italien hat es mir empfohlen, als dasjenige Buch aus dem deutschsprachigen Raum, das ihn am meisten beeindruckt haette. Dass es mich 'am meisten' beeindruckt habe - das moechte ich nicht sagen,... aber doch schon sehr beeindruckt. Ernst Juenger hat als junger Mann den Stellungskrieg des 1. Weltkrieges an der deutsch-franzoesischen Grenze miterlebt und schildert uns hier in Prosa die Erlebnisse, die er in seinem Tagebuch festgehalten hat. Chronologisch exakt, mit Daten und Uhrzeiten, mit Namen der Orte und Personen, die er kannte, verfolgen wir seinen Weg durch den Schlamm, die Schuetzengraeben, die zerbombten Felder und Doerfer. Dabei hat Juenger es nicht noetig, weinerlich zu sein oder anklagend. Auch uebertreibt er nicht. Seine Prosa ist ganz einfach, still, ehrlich... sie besticht gerade dadurch, dass ein kluger, poetischer Geist den Wirren des Krieges entgegenblickt und sie uns weitergibt. Erschuettert lesen wir, dass ein Teil seiner Kompanie faellt, er wieder einmal nur knapp dem Tode entgeht, dann aber - am selben Tage noch - im Unterstand, dessen Waende glitzern wie tausend Ballsaal-Kerzen, ein Marmeladenbrot isst und ein Buch liest, bis es 'wieder langweilig' wird und der Rest seiner Mannschaft sich wieder hianuswagt. Sie sehen... eine seltsame Mischung aus Realitaet, Poesie, Lebenswillen und Absurditaet tut sich vor dem Leser auf. Und diese Mischung verherrlicht den Krieg nicht und romantisiert ihn auch nicht. Sie zeigt nur, wie der Mensch einfach ueberleben muss und die Geschehnisse nicht zu nah an sich herankommen laesst, eben weil er ueberleben will. Die langsame Aendernung des vom Sieg ueberzeugten bis zum treu auch in die letzte Schlacht vordingenden Kaempfers spueren wir aus den Worten, ohne dass Juenger es noetig haette uns die Hauptperson des Buches (sich selbst in der ich-Perspektive) mit vielen Worten zu schildern: Sein Blick verraet alles und taucht uns die Umgebung in das Licht seines Inneren. Ein poetisches, ein realistisches, ein beeindruckendes Werk. Wenn man im Geschichtsunterricht in der Schule etwas lesen sollte ueber den 1. Weltkrieg, dann dieses Buch. Statt idiotischer Daten und Namen sollte man lieber zuerst diese Naehe und diese Menschlichkeit erfahren. Dieses Buch hat mir mehr gesagt als alle Schuljahre und sogar mehr als ein Besuch in Verdun vor einigen Jahren. Beeindruckend als historisches und literarisches Zeugnis. Viele stimmen hier rasch negativ ab über meine Rezension. Warum ist das so? Vielleicht muss man den Begriff der Ästhetik genauer fassen. Für mich fällt darunter auch Intensität, Klarheit, Symbolkraft. Das sind keine beschönigenden Begriffe. Darin steckt so etwas wie Ehrfurcht. Und Ehrfurcht habe ich beispielsweise auch vor Dantes Hölle, obwohl sie ja keineswegs beschönigend gemeint ist. Für mich war man durch Jünger wirklich dort, vorort, dabei in Verdun - gedanklich natürlich. Und durch die 'Kameradschaft', die er beschreibt, hat man mitgelebt. Und durch die kaum geschilderten Emotionen gegenüber gefallenen 'Kameraden' spürt man die Sprachlosigkeit. Und durch das Beschreiben der Sternennacht und glitzernden Bunkerwände spürt man etwas Existentielles: Nämlich die Notwendigkeit für einen intelligenten Menschen, auch im Höllengrauen noch etwas Menschlichkeit und Schönheit zu bewahren.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
OK, 16. Januar 2008
Das Buch ist genau das, was es verspricht, und nicht mehr. Es ist eine Sammlung von Texten aus allen Zeiten, die etwas ueber Orpheus berichten. Da sind Gedichte Rilkes neben denen von Gottfried Benn, da schreibt Ingeborg Bachmann und Vergil und dann sind da Liedtexte (wahrscheinlich) von Orpheus selbst und etwas aus alten Sagen, und Theatertexte aus allen Zeiten, Ausschnitte von Mallarmes Prosa oder... na eben ein kunterbuntes Potpourri. Auslaendische Autoren sind dabei in Uebersetzung und in Originalsprache abgedruckt. Das kann man so als pure Zusammenstellung moegen - mir persoenlich ist dann letztlich eine Einordnung durch einen Fachkundigen immer noch wertvoller als die blosse Sammlung, aber auch diese zu besitzen kann ja natuerlich sinnvoll sein. Wer also nachschlagen will, wie alle moeglichen Autoren ueber Orpheus schrieben, der findet in diesem Taschenbuch einen Schatz vor.
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die allerbeste Version, 15. Januar 2008
Das hier ist die - die allerbeste Version. Hier liest Erich-Kaestner selbst (sogar im Bild) die Anfangsworte der Geschichte. Hier finden wir ein entzueckendes altes Ferienlager und Maedchen, wie sie sich Kaestner in seiner Zeit vorstellte. Hier prallt die Lehrerin nicht gegen den Baum, als sie lesend vor sich hingeht, sondern es wird nur leicht ihr Hut von einem Ast gestreift - Sie verstehen: Kleinigkeiten, statt lauten Brachialhumors. Besonders nett ist die Kuechenhilfe des Vaters und die Szene im Sommerlokal, als die Maedchen ihren Plan aushecken. Oder die Musik in der Oper, oder der Großvater. Alles ganz wunderbar und liebenswert. Dass der Film schwarz-weiss ist, stoert dann nicht, sondern ist irgendwie gerade gut. Dies ist meine absolute Lieblingsversion (auch wenn ich die anderen, neuen Versionen ebenfalls kenne und mag). Zum Verlieben.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Besser als gedacht, 15. Januar 2008
Die Zusammenstellung der Schauspieler wirkt bei der Bearbeitung des Orpheus-Themas zunaechst ungewoehnlich - vielleicht auch wie eine Fehlbesetzung. Aber ich moechte die Umsetzung des Filmes dann umso mehr lobend hervorheben: Denn trotz mancher Plattituede und manchem fuer meinen Geschmack zu banalen oder brachialen Humor hat der Film doch auch manche sehr gefuehlvolle Ecke und manche erinnernswerte Szene und gute Charaktere entwickelt. Es ist eine moderne Version der Orpheus-Sage, er stirbt, sie, durch ihn erfolgreiche Saengerin, folgt ihm. In der Hoelle streiten sie wie schon auf Erden, und auch der Ausgang des Ganzen bleibt lange ungewiss. Dennoch: Gar nicht schlecht gemacht, und zum Glueck immerhin nicht mit Hollywood-Kitsch ueberladen. Kleine Gesten und kleine Szenen koennen einen hier schon einmal zu Traenen ruehren. Gut, Hermes haette nicht so albern sein muessen. Und auch der Inhalt des Streites auf dem Weg aus der Hoelle ist ueberfluessig. Aber ich bleibe dabei, alles in allem ist es ein Film, der nicht durchschnittlich ist und in mancher Szene erinnernswert bleibt. Zuletzt sei aber besonders die Musik erwaehnt: die herrliche Arie aus Glucks Orpheus-Oper... die Melodie wird man nie vergessen.
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20 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Orpheus singt, 15. Januar 2008
Die Aufnahme aus Leipzip zu beurteilen fuehle ich mich nicht in der Lage. Sie ist gut, sicherlich, sauber gesungen, ohne zu viel Hall, ein starker Chor. Dennoch: Um wirklich die Qualitaet des Orchesters und der Solisten einzuordnen, muesste man verschiedene Aufnahmen von Glucks Oper vergleichen, welches ich noch nicht getan habe. Fuer einen Laien aber, der Glucks Oper zum ersten Mal anhoeren moechte, oder fuer jemanden, der sich mit der Orpheus-Thematik auseinandersetzen moechte, sei diese wunderbare CD empfohlen. Glucks Oper gliedert sich in drei Akte. Im ersten betrauert Orpheus seine Geliebte, die ihm von einem Schlangenbiss geraubte Euridike. An ihrem Grabe vor Schmerz vergehend will er ihr in den Tod folgen, woraufhin sich die Goetter seiner erbarmen. Im zweiten Akt steigt er in die Hoelle hinab, besaenftigt mit seinem Gesang die Kreaturen der Tiefe und findet seine Geliebte wieder. Er soll sie - dies die beruehmte Szene - aus dem Hades fuehren, ohne sich umzuwenden. Im dritten Akt ist es so weit, er fuehrt sie durch die Hoelle. Sie aber, von seiner Kuehle und Nichtbeachtung verletzt, fleht so lange um nur einen Blick aus den Augen ihres Geliebten, bis Orpheus sich schliesslich umwendet. Euridike stirbt ein zweites Mal. Noch bevor Orpheus sich selbst toeten kann, haben die Goetter ein zweites Mal Mitleid mit ihm und bringen ihn und Euridike zurueck in die Welt der Lebenden. Unsterblich ist Orpheus' Gesang, nachdem er Euridike zum zweiten Mal verloren hat. Die Melodie ist unvergesslich, allein dafuer lohnt es sich schon, die Oper kennenzulernen, die Aufnahme zu kaufen und immer wieder anzuhoeren. Ein Kleinod.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Anregend, 7. Januar 2008
Ich persoenlich halte generell nicht viel von Zeitungen, weil die meisten Feuilletonisten und Berichterstatter zu kurz, zu wenig tief, zu rasch berichten. Sloterdijk aber lese ich immer wieder gerne - er ist fuer mich die Verkoerperung des guten Feuilletonisten. Er macht sich Gedanken, ohne sie ganz tief zu Ende zu entwickeln, er greift Tagesgeschehen auf, ohne es zu banalisieren, er entwickelt im Plauderton eine ganze Welt netter Anekdoten und Gedanken und bettet diese in die Philosophiegeschichte ein. Im hier vorliegenden Buch spricht Sloterdijk ueber die Reaktionen auf seine "Menschenpark"-Rede, die Rezeption seiner "Sphaeren" (wobei er den Inhalt auch noch einmal resummiert) und seine Gedanken zur Gesellschaft und weiteren Buchprojekten. Interviewt wird er dabei von Hans-Jürgen Heinrichs, der in seinen Fragen selbst eigene Gedanken (teilweise ebenso eloquent und elaboriert) formuliert und somit das vorliegende Buch tatsaechlich zu einem Werk zweier Autoren macht. Meines Erachtens haelt Sloterdijk unwahrscheinlich viel von sich - die Saetze quellen teilweise ueber von Selbstlob, beispielsweise spricht er vollmundig von sich selbst als einem "lyrischen Extremisten und ein verdammten Schulmeister, einem Mystiker und Conferencier". So etwas stoesst mich grundsaetzlich ein wenig ab. Zumal Sloterdijk in meinen Augen oft die Kernidee oder den tiefen Gedanken zu einem Thema _letztlich_ vermissen laesst. Was er aber durchaus sehr gut kann - und dafuer lese ich ihn doch immer wieder gerne - ist, Namen und Geschriebenes, Geschehenes und Aktuelles in interessanter Weise zu assoziieren und damit Gedankenfelder zu erschliessen. Und eben dafuer moechte ich auch vorliegendes Buch empfehlen, als Ueberblick ueber einige von Sloterdijks Werken und als Anstoss zu vielen Gedanken zur Gesellschaft und dem Leben: Was macht eine Nation aus? (auch ausgearbeitet in seinem: Der starke Grund, zusammen zu sein), Sind Schriftsteller und Philosophen sich heute naeher als je? Was sind Tabus? Ist Deutschland noch immer gedanklich von 1945 beherrscht? Viele Gedanken, spannende Assoziationen, interessante Literaturhinweise - ein schoenes Potpourri, das zum Weiterlesen anregt.
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26 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Hm, hm, hm...., 2. Januar 2008
Ja, das Buch ist einerseits etwas ganz Besonderes, leider aber hat es eben den Sprung zur großen Literatur doch nicht geschafft. Es ist die Geschichte des Jan Stollberg, der während einer antireligiösen Vorlesung stirbt und sich prompt in der christlichen Vorhölle wiederfindet. Alles, was in der Bibel steht, erweist sich als wahr, und er begegnet all jenen, die Gott und die absolute Bedeutung der Bibel ebenfalls geleugnet haben: Dort sind Camus und Nietzsche versammelt, Sartre und Marx und Lenin und Simone de Beauvoir und Schopenhauer. Jan Stollberg und die anderen Inhaftierten entschließen sich: Das beste Argument gegen den Glauben an Gott - ist Gott selbst - dieser ist grausam, und es muss gegen ihn revoltiert werden. Folglich proben die Eingesperrten den Aufstand. Ein pfiffiger Gedanke, es hätte ein ganz großes Buch werden können. Viele kleine Zitate und Bemerkungen weisen den Autor als Kenner mancher philosophischer Schrift und auf jeden Fall als gewitzten Kritiker der christlichen Religion aus. Dennoch: Das Buch ist keine 'große Literatur'. Warum nicht? Erstens ist der Stil meines Erachtens nicht ausreichend. Worte wie 'kotzen' statt 'sich übergeben' etc. lassen den Leser oft vom Text ein wenig abgestoßen zurück. Zu viel plakative Sexualität führt den Leser gar in die Schundheftchenecke. Nein, genau das, was große Literatur ausmacht, dass sie verschweigt, wo alles gesagt ist, dass sie andeutet, wo die Gedanken farbig werden - all das hat der Autor hier leider nicht beachtet. Wollte er es so? Dann gehört das Buch zur innovativen "Ausprobierliteratur" unserer modernen Tage, wie wir sie in unterirdischen Dichterzirkeln hören und die zurecht oft als zweifelhaft bezeichnet wird. Wollte der Autor provozieren? In der Zeit einer ständigen Provokation auf allen Theaterbühnen und in vielen Büchern wird die Provokation als Mittel an sich langweilig. Das wäre dann nicht nötig gewesen und auch nicht neu. Dennoch. Ein nettes Buch, zeitweise sehr spannend und mitreissend geschrieben und im Rahmen der Religionskritik sicher auch einmal lesenswert. Ich war durch ein Fernseh-Interview mit dem Autor auf das Buch aufmerksam geworden und halte ihn für einen sehr klugen Mann, der durch Lebenserfahrung auf seinen Weg gelangt ist und nun durch kluge Worte andere anleitet. Er hat mich beeindruckt. Das Buch zeigt aber auch, was sich im Interview ebenfalls zeigte: wie jung der Autor noch ist. Und dass die Mäßigung, die auch dem größten Denker oder Agitator nichts von seiner Macht nehmen muss - im Gegenteil! - ihm irgendwie noch fehlt. Da wird noch erklärt, wo alles klar ist. Da wird die Nazizeit und Auschwitz aufgetischt, wo ein einfacher Stacheldraht alles gesagt hätte. Da sagt Nietzsche immer noch mehr Worte gegen Gott, und ist immer noch wahnsinniger als zuvor... Trotzdem - von diesem Autor kann man gespannt auf mehr warten. Ich freue mich auf sein nächstes Buch. Insgesamt lesenswert, mit kleinen stilistischen und inhaltlichen Abstrichen: 3 Sterne.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Bewegend, 23. Dezember 2007
Dies ist Stefan Zweigs 500 Seiten lange Autobiographie. Und sie bewegt zutiefst. Wer Stefan Zweig bereits gut kennt und schätzt, oder auch wer ihn kennen lernen möchte, wird in diesem Buch nicht nur ihn ausführlich kennen und lieben lernen, sondern auch die alte Welt erfahren, so wie sie war. Das alte Wien, geprägt von Kunst, Kultur und Zeitungen, die Welt im Wandel nach dem 1. Weltkrieg und im zweiten... und dies gesehen durch die Augen eines wahren Europäers. Stefan Zweigs Zweifel, seine Erfolge, seine Liebe, sein Glück, seine Ziele, seine Empfindungen,... all dies erfahren wir in diesem Buch hautnah. Mich hat auf jeder Seite des Buches ein Satz, ein Bild, eine Bemerkung zutiefst berührt. Da hat einer gelebt, der alles ernst genommen hat, der für Kunst, Toleranz und Worte gestorben wäre - und letztlich auch sterben wird - denn dies ist Zweigs letzter Roman. Da schreibt einer, der uns auf Augenhöhe bringt mit den unsterblichen Größen seiner Zeit. Ein bewegendes Werk, ein einmaliger Einblick in das Denken Zweigs und seine Zeit, geschrieben von dem, der viele berühmte Schriftsteller und Dichter kannte, der sich für Weltgeschichte und Weltliteratur interessierte, der aber auch manch verborgenes Talent erkannte und sich für Abseitiges begeisterte, der uns dieses Leben noch einmal von innen heraus mitfühlen lässt. Ein Roman, der ergreift. Wer noch empfinden kann, wer fühlen möchte, wie die alte Zeit war, wer Stefan Zweig liebt oder lieben lernen möchte - der sollte diesen Roman lesen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Alle lieben Michel, 23. Dezember 2007
Michel Svensson ist ein kleiner schwedischer Junge aus Loenneberga, dem jeden Tag ein neuer Streich einfaellt und der seine armen Eltern damit zur Weissglut treibt. Dabei meint Michel es gar nicht boese. Eigentlich meint er es immer gut! Nur leider geht alles schief, was er sich vornimmt. Da faellt dem Vater die Fleischbruehe, die er ihm nur aus dem Fenster zeigen wollte, auf den Kopf. Da muss der Vater doch gerade in den Gummistiefel steigen, in den Michel Wasser hineingefuellt hatte, um zu testen, ob er denn wirklich wasserfest sei. Und warum muss der Vater seinen grossen Zeh ausgerechnet dahin bewegen, wo Michel extra die Mausefalle aufgebaut hatte. Die kleine Schwester Ida wird an der Fahnenstange hinaufgezogen und die Groessa Maja erzaehlt allen im Dorf von Michels Streichen. Und natuerlich feiert der Knecht Alfred mit Michel das Jubilaeum der geschnitzten Figuren. Und natuerlich, natuerlich gibt es da noch die fantastische Geschichte mit der Suppenschuessel. Michels Kurzgeschichten, eine nach der anderen in diesem schoenen Film, sind sehenswert fuer jung und alt. Meine Omi hat darueber heute Abend genau so gelacht wie ich auch. Im schoenen Schweden gedreht hat man auch noch Spass an der herrlichen Umgebung. Absolut liebenswert und irgendwie fuer jede Kindheit ein unverzichtbarer Film - sehenswert.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Freiheit nur in Freiheit von Konsequenzen, 17. Dezember 2007
Freiheit bedeutet auch frei sein von der Strenge der Konsequenzen eigener Gedanken und gedachter Lebensmodelle. Wer sich dem Zwang des Selbstentworfenen unterordnet, gelangt in Zwang und Unfreiheit - so Safranski. Nietzsche, Kleist und Rousseau, aber auch Sokrates und Kafka erhalten wir in diesem Aufsatzband als Beispiele fuer Denker, die an Ihrem eigenen Gedankengebaeude litten und auch zugrunde gingen. Ironische Selbstdistanz - das ist fuer Safranski eine notwendige Vorbedingung fuer Freiheit - ironische Distanzierung von den eigenen Gedanken und deren lebensbetreffenden Konsequenzen. Aber ist das so? Sind wir notwendigerweise unfrei, wenn wir unsere Gedanken zu Ende leben und voll ernst nehmen? Bedeutet konsequent sein immer auch unfrei sein? In einer Zeit, in der Fanatismus und Extrempositionen in der Welt Zulauf gewinnen argumentiert Safranski nur fuer die Seite der Selbstdistanz und der fuer ihn daraus resultierenden Freiheit und laesst die konsequenten Freien nicht zu Worte kommen - vielleicht sehr angemessen, wenn man auch gerne mehr spekulieren und diskutieren wuerde und gerne mehr von Safranski zum Thema gehoert haette. Das hier vorliegende Buch ist insgesamt eine Aufsatzsammlung, das spuert man deutlich, es fehlt doch die ganz grosse sanfte Linie, die alles zu einem Guss zusammenbindet. Die Aufsaetze moegen allerdings zwar einzeln entstanden sein, sie sind aber natuerlich eng am Thema gehalten - Wahrheit des Lebens und Freiheit von den Konsequenzen. Ich persoenlich haette mir zu einem solch spannenden Thema noch mehr uebergreifende Gedanken gewuenscht und weniger Essays zu den einzelnen Schriftstellern, habe aber auch diese sehr genossen und empfinde das Buch als Anregung zum Weiterdenken. Safranski Dank dafuer und Ihnen lieber Leser sei das Buch gerne empfohlen.
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