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Rezensionen verfasst von
James Field

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Master and Commander: Bis ans Ende der Welt. Buch zum Film
Master and Commander: Bis ans Ende der Welt. Buch zum Film
von Patrick O'Brian
  Taschenbuch

65 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Historischer Roman: Ein Meisterwerk !, 2. Dezember 2003
Nicht von ungefähr schrieb die New York Times, dass die Werke von Patrick O'Brian, „die besten hitorischen Romane aller Zeiten" wären. Der Titel dieses vorliegenden Werkes könnte im ersten Moment in die Irre führen. Durch den Film „Master and Commander. Bis an Ende der Welt" (mit Oskargewinner Russell Crowe in der Hauptrolle) ins Rampenlicht gesetzt, benutzt der Film den Titel des Erstlingswerkes von O'Brian, nämlich „Master and Commande," erstmalig erschienenen in !970. Hier wurde der Leser in die Abenteuer des späteren Kapitäns zur See (eben des eigentlichen englischen Offizierstitels „Master and Commander") der britischen Royal Navy, Jack Aubrey, eingeführt. Wer daran Geschmack fand konnte Aubrey ihn 19 weiteren Bänden folgen. Insgesamt über 3. Milillionen Bände wurden aus der gesamten Reihe verkauft. Grundlage des Films ist jedoch eigentlich der 10. Band, „Manöver um Feuerland" (im engl. Original „The Far Side of the World"). Dieser Band erscheint nun als Sonderausgabe unter dem Namen des Films.
Wer z.B. die Werke von Bernard Cornwell, insb. die Richard Sharpe Serie, die den Aufstieg und Karriere eines einfachen britischen Scharfschützen zu Zeiten Napoleons, zum geachteten und gefürchteten Offizier kennt und schätzt, wird sich bei O'Brian schnell heimisch fühlen. „Master and Commander", also wie oben beschrieben eigentlich „Manöver um Feuerland", beschreibt die Jagd des Kapitäns Jack Aubrey nach einem französischen Kriegsschiff. Begeleitet wird Aubrey u.a. durch seinen Freund und stetes, soziales und intelektuelles Gewissen, der Schiffsarzt Maturin. Nur wird schnell aus dem Jäger eine Gejagter. Ob vor oder nach dem Film, das Lesen des Buches lohnt sich allemal. Wie immer bei Filmadaptionen, wird der Leser feststellen, dass Filme aus dramaturgischen Gründe stets kürzen, verändern und ergänzen. So erfährt der Leser, dass Aubrey tatsächlich ein amerikanisches Schiff während des Krieges von 1812, zwischen Britannien und den USA, als Gegner hat.
Das Werk zeigt eine der größten Männerfreundschaften in der Literatur auf, eben die zwischen Aubrey und Maturin. Ihren gegensätzlichen Charakteren und Eigenschaften, ihren Meinungsverschiedenheiten und teilweise heftigen Streitigkeiten, die gelegentlich diese Freundschaft auf die härtesten Proben stellen. Aubrey stellt verkörpert den typischen britischen Seemann und Offizier, der führen und befehlen muss; Schiffsarzt Maturin, den intellektuellen Denker, Zweifler und Kritiker. Und doch ergänzen sich beide, letztendlich in voller Harmonie und Eintracht, wenn sie z.B. gemeinsam musizieren, auch wenn der gemeine Matrose dies nicht erkennt. O'Brian versteht es meisterhaft Teile seines Werkes als Abenteuergeschichte, historischer Roman und Thriller, allesamt mit psychologischen Tiefgang hie und da, zu schreiben. Es gelingt ihm den nicht oberflächlichen Leser zu fesseln, man verliert Raum und Zeit beim Lesen, es besteht Gefahr, dass selbst der Tee (für dt. Leser derKaffee) erkaltet. Dies gelingt O'Brian auch dadurch, dass er sein Werk mit feinstem britischen Humor garniert. Mal sehr tiefsinnig, dann eher breit. Wie es gerade passt. Wer hier den oberflächlichen Roman ohne Tiefgang erwartet, keine eigenen Denkprozesse und nichts lernen will (oder kann), ist bei O'Brian schlecht aufgehoben. Der wende sich lieber an seichtere Werke. Natürlich kann man O'Brian schnell „durchlesen" und dabei seine Freude haben. Wirklich wertvoll werden seine Werke, wenn man sich Zeit nimmt den einen oder anderen Fachbegriff nachzuschlagen, eben zu „lernen." Denn O'Brian schreibt in der Sprache der Zeit inkl. aller Begriffe der Royal Navy und Seeschifffahrt. Er schreibt daher auch eher in der Sprache des „alten Englands." Was jedoch in der deutschen Übersetzung (auch nicht im Film!) so zum Tragen kommt. Anders ausgedrückt, Freunde die diese authentische Sprache und Genre kennen und schätzen, wie z.B. von Emily Brontes „Sturmhöhe" (engl „Wuthering Heights), oder Jane Austens „Stolz und Vorurteil", „Verstand und Gefühl" und „Emma" (engl. jeweils „Pride and Prejudice", Verstand und Gefuhl", „Emma") werden O'Brian lieben.
Als ein mustergültiges Beispiel, wie es O'Brian gelingt historische Fakten mit der Geschichte zu verweben, sei nur die Ankerung vor den Galapagos Inseln kurz erwähnt. O'Brian nimmt die spätere Reise von Charles Darwin auf der HMS Beagle zu diesen Inseln vorweg. Die Eindrücke und wissenschaftlichen Erkenntnisse von Darwin vor Ort, im Jahre 1831, waren eine wichtige Grundlage des im Jahre 1859 erschienen, revolutionären „Origin of Species" (dt. „Über die Entstehung der Arten"). Darwin beschrieb in seinem Buch „Beagle (dt. ) seine Reise als begeleitender Wissenschaftler auf der HMS Beagle, seiner Freundschaft, aber auch heftigen Auseinandersetzungen mit dem Kapitän, Robert Fitzroy. Fitzroy war ein fundamentalistischer Christ. So mussten Streitgespräche mit Darwin und dessen erstmalig an Bord formulierten Gedanken zur Evolution, zwangsläufig zu heftigen Kontroversen führen. Das Fragen der Befehlsgewalt, Kritik, möglicher Untergrabung von Autorität mitschwingen, ist nur natürlich. Ein Thema, welches bei O'Brian eben auch auftaucht. Auch Darwin nahm sich eines Schiffsjungen als „Assistenten" an, Syms Covington, wie auch bei O'Brian beschrieben. Covington wurde für Darwin zur unentbehrlichen Hilfe beim Katalogisieren und Beschreiben der wissenschaftlichen Funde.
Wer richtig in das Thema der damaligen Seefahrt und ihren Hintergründen einsteigen will, dabei u.a. auch erfahren kann, wie gründlich O'Brian sein Handwerk des historischen Romans beherrscht hat, dem können diese Werke nur empfohlen werden: „A Sea of Words: A Lexicon and Companion for Patrick O'Brian's Seafaring Tales", von Dean King, und „Patrick O'Brian's Navy: The Illustrated Companion to Jack Aubrey's World" von Richard O'Neill, Hrsg.
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Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus
Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus
von Jon Krakauer
  Gebundene Ausgabe

27 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte eines gewalttätigen Glaubens, 18. November 2003
„Mord im Auftrag Gottes", im Original eigentlich „Under the Banner of Heaven. A Story of Violent Faith (dt. „Unter dem Banner des Himmels. Eine Geschichte gewalttätigen Glaubens") bietet dem deutschsprachigen Leser zum ersten Mal Gelegenheit einen Einblick in historische Hintergründe und Grundlagen der sog. „Mormonen" (eigentlich „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (sic!, hiernach KJCdHLT) zu erfahren. Oberflächlich betrachtet könnte man vermuten, dass Krakauer einen Bericht über ein geistesgestörten, religiösen Fanatiker schreibt, der eiskalt Menschen tötet, indem er ihnen die Kehle aufschlitzt. Getrieben durch „Gottes Willen", genauer „der feinen, leisen Stimme", und der Unterstützung seines Bruders, meint der ehemalige „Mormone", Dan Lafferty, eine Frau und ein Kleinkind im Gottesauftrag „vernichten" zu müssen. Man fragt sich was einen Menschen dazu treibt, auf äußerst brutale Art und Weise Leben zu vernichten. Krakauer beschreibt eindringlich den Weg der Lafferty Brüder, zeigt dem Leser auf welche Motive, aber auch welche Voraussetzungen notwendig waren, damit solche Morde geschehen konnten. Wie der Titel im Original verdeutlicht, ist hierzu u.a. ein „gewalttätiger Glauben" notwendig. Nun könnte man meinen, dieser Glauben begründet sich in der religiösen Überzeugung nach der ursprünglichen Mitgliedschaft in der KJCdHLT. Die Lafferty Brüder waren anschließend sog. „fundamentalistische" Mormonen, ein Begriff den Mitglieder der KJCdHLT scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, da sie meinen, sie selbst wären die einzigen, wahren „Mormonen." Kurios insb. deshalb, weil es sich hierbei um einen Spitznamen handelt, den Außenstehende in früheren Zeiten der KJCdHLT verpassten, weil diese an ein „Buch Mormon" als heilige Schrift glauben. „Fundamentalistische" Mormonen zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie glauben, das die KJCdHLT vom ursprünglichen Glauben „abgefallen" ist. Spätestens seit dem Jahr 1890, wo die Mormonen verkündeten, sie ihre über 50 Jahre in Kirchenkreisen praktizierte Vielehe (Polygamie, Vielweiberei etc.) aufgeben würden. Wobei die Kirchenführer in den ersten Jahren die amerikanischen Bürger, ja sogar 95% ihrer eigenen Mitglieder über diese Praxis belogen und getäuscht hatten. Nichtsdestotrotz seit 1852 meinten der „Welt" die Praxis der Vielehe als Gotteswillen verkünden zu müssen. Bis zu dem Tag, wo die USA die Kirche am Rande des Ruins getrieben hatte. Bis 1890 verkündeten (das sog. „Manifesto")die „Propheten" der Mormonen, dass „Gott größer als die Vereinigten Staaten" sind, Polygamie ein „göttliches Gesetz ... direkt von Gott gegeben" sei." Sie nur „Gott gehorchen" würden. So z.B. der „Prophet" John Taylor noch im Jahre 1880. Die Kirche beugte sich nach außen hin den Realitäten des Drucks der US-Wirklichkeit. In Wirklichkeit wurde für einige Jahre die Außenwelt weiterhin getäuscht und belogen. Erst Anfang des nächsten Jahrhunderts wurde die Polygamie endgültig untersagt. In der heutigen Zeit ist es Mormonen strikt untersagt in Vielehe zu leben. In der Folge rochen viele Mormonen „Verrat" an den göttlichen Prinzipien und verließen die Kirche und gründeten z.B. die „Fundamentalistische KJCdHLT". Bis zum heutigen Tag verkünden immer wieder ehemalige Mormonen die „wahren" Lehren die ihre Kirchengründer verkündet hat. Neben der Vielehe gehören jedoch auch die „Blütsühne" dazu, wonach Verräter am Glauben ihre Sünden nur dadurch sühnen können, indem sie ihr eigenes (!) Blut vergießen. Verräter wurden u. a. durch Aufschlitzen des Halses getötet. Eine Praxis die selbst modernen Mormonen völlig unbekannt ist, oder vehement bestritten wird. Hier schließt sich nun der Kreis, denn jeder Fundamentalist dieser Art erinnert die KJCdHLT auf höchst peinliche Art an ihre eigene Historie, die so gern unter den Teppich gekehrt, oder apologetisch verharmlost wird. Krakauer beschreibt geschickt die Entwicklung und Hintergründe der Ritualmorde wie sie 1985 geschahen, schiebt stets an passender Stelle historische Hintergründe und Grundlagen der frühen KJCdHLT ein. Dem Leser wird auf frappierende Weise mehr und mehr klar, dass die im ersten Moment unfassbare Gewalttätigkeit der Lafferty Morde, sich in den frühen Lehren der KJCdHLT wieder finden, latent sogar noch immer vorliegen, nur im Kontext der KJCdHLT verstanden werden kann. Die Geister die die Mormonen einst riefen, werden sie nie loswerden. Wer verkündet, dass ein Gott zu Propheten und ihren „gehorsamen" Anhängern direkt redet, musst sich damit abfinden, dass so mancher „wahre Gläubige" meint keinen Propheten zu benötigen (ja dieser sogar vom Glauben längst abgefallen ist) und seine Kirchenlehren direkt von Gott erhält. Bis hin zum „gerechtfertigten" Sühnemord. Kenner der Materie können feststellen, dass Krakauer sauber und in der Tiefe recherchiert hat, auf dem aktuellen Stand der Forschung ist. Die Bibliographie und Anmerkungen geben jedem interessierten Leser die Möglichkeit in die Tiefe weiter zu lesen. Nur mit dem Manko, dass die fortführende Literatur sich ausschließlich in englischer Sprache findet. Gerade deshalb ist diese Art der „Einführung" für den deutschsprachigen Raum so wertvoll! Die Lektüre dieses Werkes kann nur dringend empfohlen werden. Zeigt sie doch in erschreckender Weise, dass Gefahr nicht nur aus einer islamisch-fundamentalistischen Ecke droht, sondern letztendlich aus jeder religiösen Ecke, die sich auf Offenbarungen, ewigen Wahrheiten, Führern und Propheten etc., gründet. Zeigt sie aber auch durch die Interviews die Krakauer mit einem der Täter geführt hat, dass ein Einblick in die Psyche eines solchen Menschen, mehr Fragen aufwirft, wie sie Fragen beantwortet. Man fühlt sich an den von Götz George meisterhaft gespielten Massenmörder Hamann, im Film „Der Totmacher" (1995), beklemmend erinnert. Absolut lesenswert!
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 13, 2012 11:17 AM MEST


Endkampf an der Oderfront: Erinnerung an Halbe
Endkampf an der Oderfront: Erinnerung an Halbe
von Günter G Führling
  Gebundene Ausgabe

13 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erhebliche Mängel, 14. August 2003
Dieses Buch ist kein großer Wurf, eher eine vertane Chance, stellenweise sogar ein Ärgernis. Die Stärke liegt in jenen Seiten, wo Führling bei seinen eigenen Erlebnissen bleibt und versucht diese zu beschreiben. Hierbei hätte Führling bleiben sollen. Noch detaillierter und mit noch mehr Fakten aufwarten sollen. Nur hätte dann wohl die Seitenstärke für ein Buch nicht ausgereicht. Hier wurde eine Chance vertan. Schlicht irreführend ist der Titel "Endkampf an der Oderfront." Hier ist man besser bedient mit z.B. "Durchbruch and der Oderfront" von Tony Le Tissier. Die Oderfront findet auf nur wenigen Seiten Erwähnung. Der Untertitel "Erinnerungen an Halbe" treffen eher den Kern des Werks. Ärgerlich wird das Werk durch etliche erhebliche Mängel die das "Handwerkszeug" des Authors betreffen. Es könnte als Muster dafür gelten wie man ein Buch nicht schreiben sollte. Es beginnt schon damit, daß alle paar Seiten der scheinbar etwas stupide, keine eigene Meinung habenden Neffe, "Micha", seinen Auftritt hat. Der immer wieder "nicht versteht" und "abschaltet." Man wird den Eindruck nie los, daß dieser dem Author lediglich als geduldiger (?) Zuhörer dienen sollte. Wozu den Leser damit langweilen? Stellenweise wird es kurios, wenn Führling schreibt er habe 2.WK u.a. überlebt, da er "preußisch" sei. Stellenweise fragt man sich was er nun tatsächlich aussagen will. Berdauerlich wird es, wenn Führling gelegentlich fast in einen simplen Revisionismus abgleitet. Nicht nur deshalb, weil er den Revisionisten James Baque einseitig und unkritisch zitiert (S. 168). Endgültig ärgerlich wird es dann, wenn Führling große Erklärungsansätze versucht die die Hintergründe zu einzelnen Episoden des 2.WK erklären sollen. Diese hätte er besser bleiben lassen, denn hier zeigt sich, daß er sein Handwerkszeug nicht beherrscht. Sich zu Aussagen versteigt, die entweder per Quelle nicht belegt werden, da z.B. nicht belegbar, oder Sekundärliteratur und gekürtze Fassungen zitiert. Dies insb. dann wenn es sich um englischsprachige Quellen handelt. Entweder hat Führling gerade letztere nich selbst, oder nur eine deutsche Kurzfassung gelesen, oder ist der englischen Sprache nicht mächtig. Einge Beispiele nur: Laut Führling hätte Winston Churchill in seinen "Memoiren" erklärt, er habe "... mehrere falsche Erklärungen zum Thema >Bedingungslose Kapitulation< öffentlich abgegeben ..." (S.50). Selbst eine deutschsprachige, gerade an dieser Stelle entscheidende gekürzte Fassung von Churchills Bd. IV, "The Second World War. The Hinge of Fate" (so z.B. Churchill, "Der zweite Weltkrieg") läßt diese schlicht unsinnige Aussage nicht zu. Bereits John Lukacs "Fünf Tage in London. England und Deutschland im Mai 1940" zeigen Churchills klare, deutliche und stets unmißverständliche geäußerte Meinung auf. Eine Prüfung der Originalquelle entlarvt Führlings Aussage klar als Phantasie. Selbige schludrige Arbeit zeigt sich an weiteren Stellen, wenn Führling Churchill entweder völlig irreführend oder ohne Beleg zitiert (S. 178, 265). Stets ergibt eine Prüfung der primären Quellen die ganze Wahrheit. Es erstaunt dann auch nicht mehr, wenn er die alte Mär von Ilja Ehrenburgs Flugblatt zitiert. Richtig wird noch ein Flugblatt aus dem Jahre 1942 zitiert (S.69f.). Allerdings ohne Quelle. Schwach. Unverwantwortlich wird es jedoch, wenn das folgende, angebliche Flugblatt von Ehrenburg zitiert wird (S. 70), wo dieser die "Soldaten der Roten Armee" dazu aufruft sich die "deutsche Frau ... in gerechter Revanche ... zu (nehmen)." Wieder ohne Quelle. Diese läßt sich eh nicht finden, da es keine gibt. U.a. räumt Anthony Beevor in seinem "Berlin 1945. Das Ende" mit dieser Mär auf. Oder das Gutachten (bereits vom 15.5.1996) des Instituts für Zeitgeschichte in München, welches deutlich macht, daß "kein (es) Beleg dafürr finden konnte, dass Ehrenburg tatsächlich der Verfasser jenes oft zitierten Flugblatts sein soll, das die sowjetischen Soldaten dazu aufforderte, die deutschen Frauen sich als wohlverdiente Beute zu nehmen." Schade, der Ansatz war gut. Wegen der erheblichen Mängel daher lediglich nur 2 Sterne.


Der entzauberte Regenbogen: Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie
Der entzauberte Regenbogen: Wissenschaft, Aberglaube und die Kraft der Phantasie
von Richard Dawkins
  Taschenbuch

49 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das neue Sprachrohr der Wissenschaft, 10. August 2002
Es zeigt sich endgültig, dass Richard Dawkins am besten dazu geeignet ist, den zu früh verstorbenen Carl Sagan als Sprachrohr der Wissenschaft zu ersetzen. Dawkins plädiert in diesem Werk dafür, dass "jedem Poeten, der die Bezeichnung <<Romantiker>> verdient, ... das Herz im Leibe hüpfen (muss), wenn er das Universum eines Einstein, Hubble oder Hawking betrachtet." In bekannter Art und Weise provoziert Dawkins bereits zu Beginn den Leser zum Nachdenken: "Überhaupt zu leben, ist Wunder genug" (Mervyn Peake zitierend). Schreibt Dawkins selbst: "Wir alle müssen sterben, das heißt, wir haben Glück gehabt. Die meisten Menschen sterben nie, weil sie nie geboren werden."
Dawkins beschreibt im ersten Teil des Buches die Wissenschaft und ihre Rolle in unserer neuen Kultur. In einer Art, dass einige seiner Kritiker dazu übergingen ihn außergewöhnlich bissig und persönlich anzugreifen, wobei keiner im entferntesten auch nur ein wissenschaftlich fundiertes Argument hervorbrachte. Wer Dawkins kennt, weiß dass dies ihn nur zu noch größeren Leistungen animiert, so muß also den Kritikern letztendlich gedankt werden. Dawkins schreibt weiterhin über den "Strichcode in den Sternen", "Märchen, Geister, Sternendeuter", "Berechnete Schauer (wo er sich mit den "normalen Abergläubischen, die nicht als hehre Poeten den Regenbogen verteidigen, sondern sich im Rätselhaften aalen und sich verraten fühlen, wenn man ihnen eine Erklärung liefert", auseinandersetzt). In den Schlußkapiteln kehrt Dawkins zu seinen bekannten Grundthemen zurück (Evolution, Genetik etc.), was Naturwissenschaftler tun können; über das genetische Totenbuch; wie die Welt neu verwoben wird und über einen Ballon zum Denken.
Waren schon seine "Der blinde Uhrmacher. Ein neues Plädoyer für den Darwinismus"; "Und es entsprang ein Fluß in Eden. Das Uhrwerk der Evolution"; "Gipfel des Unwahrscheinlichen. Wunder der Evolution" und "Das egoistische Gen" hervorragende Werke, so ihm jetzt endgültig das Meisterwerk gelungen.


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