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Rezensionen verfasst von
berni_j (Leipzig)

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The Silent Force (Limited Premium Version)
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Wird angeboten von mario-mariani
Preis: EUR 37,90

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The world is not the same, 8. Januar 2005
Verständlich, dass man Within Temptation nicht mag. Haben furchtbare Videos. Liefern ein schlechtes Kate-Bush-Cover ("Running up that Hill"). Bieten zwiespältige Liveauftritte und bauen dabei seltsame Showelemente ein (welche wohl die 'Geschichten ihrer Musik optisch unterstützen sollen', sagt die Band selbst). Sind nebenbei auch noch richtig erfolgreich, und das genau in der Zeit, wo die Gothic-Rock-Metal-Welle an allen Ecken und Enden überschwappt... Oder man kann einfach nur mit dem musikalischen Verständnis der Band nichts anfangen. "Kirmes-Gothic" schimpfen die einen, "Märchen-Metal" die anderen. Und ein Kumpel von mir meinte, er würde "in so einer Band nie Gitarre spielen wollen".
Irgendwie alles nachvollziehbar. Und doch verkehrt. Wie kann man "The silent Force" musikalisch definieren? Metal? Definitiv nicht. Gothic? Naja, die Stimmung ist etwas düster, aber so richtig 'gothic' eben auch nicht. Rock? Okay, es sind E-Gitarren dabei, zwei Stück sogar - indes, sie fallen kaum auf. Und man vermisst sie kaum. Tatsache ist: man sollte das Album am besten im abgedunkelten Zimmer mit einem Kopfhörer genießen, dann kann "The silent Force" wirklich (Vorsicht, Phrase!) verzaubern.
Was ein Blick auf die Songtitel vermuten lässt, wird mit dem zweiminütigen "Intro" Gewissheit: das erinnert viel eher an einen Fantasy-Film-Soundtrack als an Theatre of Tragedy oder Nightwish. Das anschließende "See who I am" vereint dann auch gleich die besten Momente des Vorgängeralbums "Mother Earth": eine Stimme, die sofort unter die Haut geht, eine Melodie, die sofort packt und ein musikalisches Arrangement, das den Hörer fesselt. Das Moskauer Ego-Works-Orchester und der Chor geben dem Song einen hymnischen, fast unnahbaren und doch bewegenden Charakter, während sich Gitarren und Schlagzeug dezent im Hintergrund halten. Es geht weiter mit "Jillian", das an Dramatik kaum zu überbieten ist. Das folgende "Stand my ground" mag zwar etwas kalkuliert wirken (der Refrain geht doch sehr in die Richtung 0/8/15-Goth-Pop à Evanescence), hat aber ebenfalls starke Passagen (Intro, Strophen, Gesang). Überhaupt, Sharon den Adel: Ihre Stimme klingt eindringlich, jedoch keineswegs penetrant nach zu viel klassischer Ausbildung (wie z.B. bei Nightwish). Das sirenenhafte Töne-nach-unten-Ziehen (oft noch auf "Mother Earth" zu hören) ist ebenfalls passé. Wirklich eine ganz große Gesangsleistung!
Es kommen noch neun weitere Songs, und es findet sich -im Gegensatz zum Vorgänger- kein einziger Durchhänger. Wirklich jedes Stück bietet diese gänsehauterzeugenden Momente. Diese Stellen, wo die Endorphinproduktion gnadenlos überfordert wird, wo man glaubt, zumindest für einige Augenblicke in einer besseren Welt zu leben (obwohl die Texte eher eine pessimistische Grundstimmung aufweisen). Man höre nur das ergreifende "Angels", das romantische "Memories", das rührende, beinahe schwerelose "The Swan Song"("new wings are growing tonight"), das fantastische "Aquarius" (mit gezupften Streichern im Mittelteil) oder das zum Heulen wunderschöne "Somewhere" (mit der großartigen Textzeile "the truth will free my soul").
Bleibt zum Schluss noch ein Zitat aus dem Song "Pale" zu korrigieren: "The world seems not the same"? The world IS not the same. Zumindest für 54:40 Minuten.


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