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Rezensionen verfasst von
Falk Müller
(TOP 50 REZENSENT)   

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Man möchte immer weinen und lachen in einem: Revolutionstagebuch 1919
Man möchte immer weinen und lachen in einem: Revolutionstagebuch 1919
von Victor Klemperer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwabing spielt Weltrevolution, 26. Juli 2015
Bücher über die Münchner Räterepublik 1919 gibt es sicher schon genug. Das Besondere an diesem Buch ist aber, dass die damaligen Ereignisse in zwei Zeitebenen dargestellt sind, die mehr als zwei Jahrzehnte auseinander liegen. Da sind also zum einen die Reportagen, die Klemperer in den Revolutionstagen für eine Zeitung schrieb. Und zum anderen sind es die Erinnerungen an diese Zeit, die er 1942 im Dresdner "Judenhaus" schrieb, also dem Ort, wo er als Jude das Dritte Reich überlebte.

Beginnen wir mit der ersten Zeitebene - die Reportagen, die Klemperer direkt 1919 schrieb. Und hier zeigt er sich als unbestechlicher Chronist einer wirren Umbruchsituation, in der schon erste beunruhigende Zeichen einer kommenden totalitären Realität zeigen. Obwohl er sicher gewisse Sympathie für die linke Räterepublik zeigt, ist ihm schnell klar, wie chancenlos die Protagonisten sind - sei es der Feuilletonist Eisner, der Lyriker Mühsam oder der Anarchist Landauer. Zitat: "Ein politischer Fasching, Schwabing spielt Weltrevolution, starke Lächerlichkeit, alles Komödienspiel"

Nun zur zweiten Zeitebene - die 1942 entstand. Obwohl Klemperer auch im Rückblick sein Urteil über die Revolution von 1919 nicht grundlegend ändert, sind seine Einschätzungen nun illusionsloser und bitterer und mehr autobiografisch geprägt. Man muss dazu wissen, dass Klemperer sich als Jude Zeit seines Lebens bemüht hat, in das deutsche Bürgertum assimiliert zu werden. Er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, war als Sohn eines Rabbiners zum Protestantismus übergetreten. 1942 war aber natürlich offensichtlich, dass es ihm niemand dankte, dass er trotzdem um sein Leben fürchten musste - deshalb ist der bittere Grundton, der diesen Teil des Buches durchzieht, wohl allzu verständlich.

Fazit : Dadurch, dass hier zwei Zeitebenen, sowie gesellschaftliche Reportage und autobiografische Erzählung gekonnt miteinander verwoben wurden, ist es ein lesenswertes Zeitdokument über das damalige Revolutionsjahr 1919 geworden.


Domestik
Domestik
von Charly Wegelius
  Broschiert
Preis: EUR 16,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein Radprofi-Team funktioniert, 23. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Domestik (Broschiert)
Das ist ein Buch über einen Radprofi, der natürlich auch mit diesem Sport angefangen hat, um mal Rennen zu gewinnen, im Rampenlicht zu stehen. Der aber dann irgendwann gemerkt hat, dass er besser dafür geeignet ist, andere zum Star zu machen, als selbst einer zu werden. Das selbstlose Fahren für andere, die dann auf dem Podest stehen, beschreibt er nicht etwa mit Bitternis oder Wehklagen, sondern mit souveräner Gelassenheit.
Und insofern ist er er vielleicht ein größerer Profi als die sogenannten Siegfahrer, weil er eben einen harten und guten Job macht, ohne jedes mal dafür gefeiert zu werden. Man erfährt im Buch auch gut, wie ein Team etwa bei der Tour de France funktioniert, nach welchen Maßstäben die Fahrer für die Team ausgesucht werden, welchen Einfluss der Sponsor darauf hat und natürlich auch, wie in einem Rennen im Team die wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Insgesamt ist es also ein interessantes Buch für jeden Radsportfan.


Schwarze Magnolie: Wie ich aus Nordkorea entkam. Ein Bericht aus der Hölle
Schwarze Magnolie: Wie ich aus Nordkorea entkam. Ein Bericht aus der Hölle
von Hyeonseo Lee
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehrere Leben in einem, 22. Juli 2015
Ich weiß nicht, warum für die deutsche Ausgabe ein so vergleichsweise nichtssagender Titel gewählt wurde. Gut, "Schwarze Magnolie" ist die Nationalblume von Nordkorea. Aber der Originaltitel "Das Mädchen mit den 7 Namen" beschreibt den Inhalt des Buches nach meiner Meinung viel besser. Denn die Autorin musste im Verlauf Ihres Lebens schon mehrmals ihre Identität wechseln, so dass sie sozusagen schon mehrere Leben gelebt hat. Und das beschreibt sie auch recht eindrucksvoll.

Das Buch ist daher in mehrere Abschnitte eingeteilt, entsprechend den Abschnitten in ihrem Leben. Es beginnt mit dem Leben der Autorin in Nordkorea, dann kommt nach ihrer Flucht nach China das dortige Leben, wie sie in ständiger Furcht vor Entdeckung und Abschiebung leben muss. Als ihr dann die Ausreise nach Südkorea gelingt und sie dort Asyl erhält, muss sie ihr Leben nochmals komplett umkrempeln und eine neue Identität annehmen. Der Höhepunkt ist dann, als sie unter lebensgefährlichen Bedingungen Mutter und Bruder aus Nordkorea holt.

Das Buch ist also eine spannende Lebensgeschichte. Darüber hinaus ist es aber auch eine interessante Innenansicht des kommunistischen Nordkoreas, einem Land, dass uns so fremd und merkwürdig erscheint. Es wird dabei deutlich, wie der Staat dort funktioniert, wie die Menschen schon in der frühesten Kindheit indoktriniert werden, und ein Regime von Angst und Unterdrückung herrscht. Insgesamt ist es also ein spannende Lektüre.


Malbuch für Erwachsene: Punkt-zu-Punkt: Zaubern Sie großartige Bilder wie aus dem Nichts
Malbuch für Erwachsene: Punkt-zu-Punkt: Zaubern Sie großartige Bilder wie aus dem Nichts
von David Woodroffe
  Broschiert
Preis: EUR 4,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören, 10. Juli 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In der Ausgangsschablone sieht man ja erst mal nur eine Unmenge an Punkten, ein paar Striche, Kreise. Man kann sich gar nicht vorstellen, was daraus für ein Bild entstehen könnte und ob überhaupt. Aber mit jedem Verbindungsstrich mehr entwickelt sich dann doch eine Vision von dem, was es am Ende werden könnte. Das ist schon sehr spannend, so etwas entstehen zu sehen, hat was Magisches. Und weil man unbedingt wissen will, wie das Bild am Ende aussieht, hat man das Bedürfnis, immer weiter zu machen bis man fertig ist. Ist schon fast eine Art Flow-Erlebnis.


Goodbye Zucker: Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen - Mit 108 Rezepten
Goodbye Zucker: Zuckerfrei glücklich in 8 Wochen - Mit 108 Rezepten
von Sarah Wilson
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zuckerverzicht als Gewinn sehen, 7. Juli 2015
Das Hauptanliegen des Buches ist aus meiner Sicht weniger das Verbot von Zucker. Die Autorin konzentriert sich also nicht so sehr darauf zu zeigen, welche Krankheiten man durch Zucker alles bekommen kann. Das könnte sie vielleicht auch gar nicht hundertprozentig, weil sie ja weder Arzt, noch Ernährungswissenschaftlerin ist - wie sie auch selbst mehrfach betont.

Stattdessen versucht sie es eher aus der Sicht des einfachen Nahrungskonsumenten zu sehen - also aus der Sicht des normalen Lesers. Und hier zeigt sie, wie weit wir uns in den letzten Jahrzehnten wegbewegt haben von einer natürlichen und gesunden, zu einer schädlichen, kalorienreichen Kost. Ein Beispiel ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Haben die Menschen in den westlichen Industrieländern vor 100 Jahren noch ein Kilo Zucker pro Jahr konsumiert, so sind es heute schon 60 Kilo. Dass das nicht gut sein kann, und zu solchen, vor 100 Jahren noch fast unbekannten Volkskrankheiten wie Diabetes führt, kann man auch als Laie nachvollziehen.

Und aus solchen Beispielen leitet die Autorin auch ihre wichtigste Empfehlung ab: Nicht Zuckerverzicht als etwas Negatives, als eine Art Selbstkasteiung betrachten, sondern als etwas Positives. Weil nämlich der Verzicht, oder zumindest die starke Einschränkung des Zuckerkonsums wieder unseren natürlichen Appetit freilegt, den wir als kleine Kinder hatten. So dass man wieder zum autonomen, selbstbewussten Nahrungsmittelkonsumenten wird, der sich nicht mehr von den Verlockungen der großen Konzerne abhängig machen lässt, die ihn mit ihren Zuckerprodukten süchtig machen wollen. Und dass der Verzicht auf Zucker kein Verzicht auf Lebens-, oder Essensqualität sein muss, zeigt die Autorin mit ihren zahlreichen schmackhaften Rezepten im Buch.


Mein Leben ohne mich - Wie ich fünf Jahre im Koma erlebte
Mein Leben ohne mich - Wie ich fünf Jahre im Koma erlebte
von Carola Thimm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es lohnt sich immer zu leben - das Leben hat so viele schöne Dinge zu bieten, 27. Juni 2015
Eigentlich klingt es wie aus einem Science-Fiktion-Roman. Also dass man quasi für fünf Jahre aus dieser Welt fällt und dann plötzlich und unerwartet wieder aufwacht um dann nach und nach festzustellen, dass fast nichts mehr so ist wie vorher - also im vorigen Leben. Aber Carola Thimm hat genau das erlebt und erzählt darüber in diesem spannenden Buch.

Was die medizinischen Details angeht wird man als Laie wohl gar nicht alles hundertprozentig verstehen können. Denn man fragt sich: Wie kann es sein, dass eine Frau Mitte 30 beim Spazierengehen einfach so zusammenbricht, weil eine Arterie im Gehirn platzt? Könnte mir das vielleicht auch passieren? Und für das eigentliche Wunder, dass sie nach 5 Jahren plötzlich wieder aus dem Wachkoma aufwacht, hatten ja nicht mal die Ärzte eine richtige Erklärung.

Was man aber durch das Buch sehr gut nachvollziehen kann ist der Einschnitt, den dieses Erlebnis im Leben von Carola Thimm gebracht hat. Es gibt so viele Dinge, die sie in ihrem "alten Leben" zurücklassen musste: Trompete spielen geht nicht mehr - zu viel Druck auf den Kopf. Reisen um die Welt - Fliegen geht nicht mehr, genauso wenig wie Autofahren oder Motorradfahren. Auch die Ehe hat nicht gehalten. Ihr Man verliebte sich irgendwann neu, konnte oder wollte nicht warten auf sie. Hat es sich also überhaupt gelohnt, ein "zweites Leben" geschenkt zu bekommen?

Ja es hat sich gelohnt - und das möchte Frau Thimm mit diesem Buch auch deutlich machen. Denn selbst wenn sie auch im Vergleich zu ihrem "früheren Leben" manches verloren hat, so hat doch an anderer Stelle sogar Lebensqualität hinzu gewonnen. Sie schreibt sie hat in ihrem Unglück auch ganz viel Glück gehabt: "Ich kann wieder kochen, Fahhradfahren, Blockflöte spielen, schreiben, vorlesen." Alles Dinge, die sie jetzt viel intensiver genießt als vor ihrem 5-jährigem Koma, als all dies für sie so selbstverständlich war.

FAZIT
Ein Buch das Mut macht und zeigt, dass es sich fast immer lohnt zu leben, dass es so viele Dinge gibt, an denen man Freude haben kann - Dinge die man vor so einer Lebenskrise wie bei Frau Thimm oftmals gar nicht genug wertgeschätzt hatte.


Tim lebt!: Wie uns ein Junge, den es nicht geben sollte, die Augen geöffnet hat.
Tim lebt!: Wie uns ein Junge, den es nicht geben sollte, die Augen geöffnet hat.
von Simone Guido
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wann ist ein Leben lebenswert ?, 21. Juni 2015
Das Buch beschreibt unheimlich emotional, unter welchem Entscheidungsdruck alle Beteiligten stehen, wenn während einer Schwangerschaft ein Gendefekt wie das Down-Syndrom festgestellt wird.

Da ist an erster Stelle natürlich die werdende Mutter. Ihr bleiben nach der Diagnose nur wenige Tage zu entscheiden, ob sie das behinderte Kind behalten oder abtreiben will. Laut den Autoren entscheiden sich inzwischen über 90 % für die Abtreibung. Soll man dies als hartherzig oder egoistisch bezeichnen? Die emotionale Ausnahmesituation der Mütter, die oftmals schon die Bewegungen des Kindes in ihrem Bauch spüren, kann man wohl als Unbeteiligter kaum nachvollziehen. Bei der leiblichen Mutter von Tim kam noch hinzu, dass eine herkömmliche Abtreibung, also eine Ausschabung, nicht mehr möglich war, so dass Timm auf dem natürlichen Weg auf diese Welt kam - um sie dann sofort wieder zu verlassen. Normalerweise kommen solche Kinder durch die verabreichten Medikamente tot zur Welt oder sterben kurz nach der Geburt. Aber Tim lebte und überlebte. Dass die Mutter emotional völlig überfordert war, als aus der Abtreibung eine fast normale Geburt wurde, und sie jeglichen Kontakt mit dem Kind hysterisch ablehnte, kann man wohl auch nachvollziehen.

Aber da sind auch die Ärzte. Im Buch wird deutlich, dass die Medizin sich in solchen Grenzfällen in einem moralischen Dilemma befindet, das Leben der werdenden Mutter gegen das Leben des ungeborenen Kindes aufzuwiegen. Gemäß § 218 StGB ist ein Abbruch der Schwangerschaft straffrei, wenn ein medizinisches Gutachten einer schwangeren Frau bescheinigt, dass sie ihr Kind aus persönlichen Gründen nicht austragen kann. Kann man es den Ärzten verdenken, dass sie eher zu einem Schwangerschaftsabbruch drängen, wenn sie mit einer Klage rechnen müssen, falls die von ihnen prognostizierte Krankheit sich schlimmer entwickelt, als vorausgesagt? (was auch die Abtreibungsquote von über 90 Prozent erklärt) Ärzte stehen also unter ähnlichem emotionalen Druck wie die Mutter. Im Falle von Timms leiblicher Mutter war es z.B. so, dass sie die Ärzte verklagte, weil die Abtreibung aus ihrer Sicht misslungen war - und sie auch 13 000 Euro Schmerzensgeld erhielt.

Mit solche drastischen und emotionalen Fragen beschäftigt sich das Buch unter besonderer Bezugnahme auf den Fall von Tim. Im Endeffekt waren die Ärzte mit der Situation genauso überfordert wie die Mutter. Das Buch beschäftigt sich auch mit der generellen Frage, wann ein Leben als lebenswert gelten kann. In Deutschland herrscht die Meinung, dass man mit einem behinderten Kind kein glückliches Leben mehr führen kann. Und auch die Pflegemutter musste sich Sätze anhören wie "Ich könnte das nicht". Aber trotzdem hat sie ihre Entscheidung nie bereut, Tim aufzunehmen. Lassen wir sie deshalb das Schlusswort halten, dem nichts mehr hinzu zu fügen ist: "Tim ist ein lebensfroher Mensch - auch wenn er nicht sprechen kann. Er bejaht das Leben hundert Prozent. Selbst wenn es ihm schlechtgeht, sieht man ihm an, dass es ihm gefällt zu leben. Punkt aus, so ist es."


Die Unruhe der Welt
Die Unruhe der Welt
von Ralf Konersmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unruhe als historische, kulturelle Erscheinung, 18. Juni 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Unruhe der Welt (Gebundene Ausgabe)
Im Gegensatz zu Hunger und Not wie in früheren Jahrhunderten scheinen in unserer heutigen westlichen Welt Stress und Unruhe die neuen Menschheitsgeiseln zu sein. Oft suchen wir die Schuld bei uns, und nehmen dann Zuflucht zu sogenannter "Entschleunigungsratgebern". Aber ist die immerfort zunehmende Unruhe überhaupt therapierbar oder ist es eine unveränderbare historische-kulturelle Erscheinung die sich durch die Jahrhunderte zieht? Genau dieser Frage geht der Autor in seinem Buch nach.

Das Buch ist keinesfalls eine chronologische Kulturgeschichte. Denn Konersmann springt kreuz und quer durch die Jahrhunderte, analysiert dabei Gemälde, Geschichten und Worte darauf, ob und in welcher Form die Unruhe darin auftaucht. So unterschiedlich also die jeweiligen Betrachtungsobjekte sind, so sucht Konersman doch jeweils das für ihn Wesentliche dabei herauszuziehen. Er fragt sich jeweils, warum Menschen Ruhe und Frieden aufgeben, um ihr Glück im tätigen Leben, in der Arbeit, der beständigen Veränderung suchen und die mögliche Welt mehr schätzen als die bestehende.

Und dabei filtriert er ein Grundgefühl der Unruhe heraus, welches sich durch die Jahrhunderte zieht und alle Lebensbereiche umfasst: sei es der Zwang zu Wachstum in der Wirtschaft, der Aktivismus in der Politik oder der Optimierungswahn im Privaten. Die für mich wichtigste Erkenntnis aus dem Buch ist zu zeigen, dass Unruhe eine historische, kulturelle Erscheinung ist, während sie heutzutage meist ins erschöpfte Selbst verlegt wird, als therapierbar, also als überwindbar betrachtet wird. Ein durchaus hilfreiches Buch also.


Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt
Das geheime Leben der Bäume: Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt
von Peter Wohlleben
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch hat meine Sichtweise auf Bäume geändert, 16. Juni 2015
Zunächst fand ich die Idee schon etwas weit hergeholt - also dass Bäume soziale Wesen sind, die so etwas wie Gefühle haben und ähnlich wie Tiere miteinander kommunizieren können. Wie soll das gehen - schließlich haben Bäume ja kein Gehirn, kein Nervensystem - und bewusste Laute können sie auch nicht erzeugen. Aber nach der Lektüre des Buches denke ich anders darüber. Peter Wohlleben zeigt nämlich in diesem eindrucksvollen Buch, dass Bäume genau wie Tiere ausdrücken können, ob es ihnen gut oder schlecht geht, dass sie miteinander kommunizieren und sich sogar gegenseitig helfen können, dass sie auch ein Gedächtnis haben - dass sie also im Prinzip menschliche Züge besitzen.

Hier nur ein paar Beispiele aus dem Buch:

- Bäume können durchaus aufeinander Rücksicht nehmen. Wenn etwa zwei Bäume eng nebeneinander stehen, sieht man oft, dass nur dünne Äste in Richtung des anderen Baumes zeigen. Während nach allen anderen Seiten dicke Äste raumgreifend wachsen, um möglichst viele Blätter zum Einfangen des Sonnenlichts zu haben, tasten sich nur zarte Ästchen vorsichtig in Richtung des benachbarten Baumes vor. Keiner der Bäume will mit dem anderen in Konkurrenz treten, sondern beide achten rücksichtsvoll darauf, dass jeder genug Licht erhält, um gesund zu bleiben.

- bei Unwetter und Sturm bilden Bäume oft eine Art Solidargemeinschaft. Wo ein einzelner Baum umfallen würde, stützen sich die Mitglieder eines intakten Buchenwaldes gegenseitig. Und zwar, indem sie durch ihre unterschiedlichen Kronen und Stämme auch unterschiedlich hin und her pendeln, gegeneinander schwanken, ihre Bewegungen damit abbremsen und somit ein Aufschaukeln und Umfallen verhindern.

- Bäume können sich gegenseitig vor Schädlingen warnen und tun dies oft auch. Wenn z.B. eine Buche von Insekten befallen wird, warnt sie ihre Kollegen über Duftbotschaften. Diese können dann in Abwehrstellung gehen und Abwehrstoffe in der Rinde einlagern. In der afrikanischen Savanne gibt es eine Akazienart, die das Gas Ethylen ausstößt, wenn eine Gazelle ihre Blätter abfrißt. Damit warnt die Akazie ihre Nachbarn, die einen Stoff in ihre Blätter einlagern, der diese ungenießbar macht.

- Bäume leiden oft unter einer für sie ungünstigen Umgebung - genau wie wir Menschen. So ergeht es etwa Straßenbäumen, die neben einer Laterne stehen. So wie wir Menschen brauchen auch Bäume ihren Schlaf, um sich zu regenerieren. Das können sie aber nicht, wenn sie nachts unter Dauerbelichtung stehen. Sie leiden unter dem Schlafentzug - genau wie wir Menschen dies tun würden.

FAZIT
Das Buch hat meine Sichtweise auf Bäume und Pflanzen generell verändert und wird sicher auch viele andere Leser zum Nachdenken anregen. Während bei Tieren inzwischen ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass diese oft leiden und unsere menschliche Rücksichtnahme benötigen, werden Bäume oft noch als reine Rohstoffliferanten angesehen - schließlich können sie ja nicht so fühlen wie Tiere. Aber was gibt uns das Recht, Bäume deshalb als Lebewesen unterer Art einzustufen? Oder wollen wir mit dieser scharfen Trennung zwischen Tier und Pflanze nur unser Gewissen manipulieren? Bäume können schließlich auch kommunizieren, genauso leiden wie Mensch oder Tier. Also verdienen sie auch genauso unsere Beachtung und Rücksichtnahme. Hierfür ein Bewusstsein zu erzeugen, ist das wichtige Verdienst des Buches.


Bargeldverbot: Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen
Bargeldverbot: Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen
Preis: EUR 6,49

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abgeschafft werden soll nicht nur das Bargeld, sondern auch unsere Freiheit und unsere Mentalität, 10. Juni 2015
Die, die das Bargeld abschaffen wollen, behaupten immer wieder, dass mit Buchgeld alles viel besser und schneller gehen würde. Dass die vermeintlichen Vorzüge des Buchgeldes nur vorgeschoben sind, und mit dem Bargeld nicht unsere Freiheit abgeschafft werden, sondern wir auch vom Sparer zu Konsumfetischisten umerzogen werden sollen, zeigen die Autoren in diesem wichtigen Buch.

Hier nur 2 Argumente der selbsternannten Bargeldabschaffer, die die Autoren in ihrem Buch "zerflücken".

So wird etwa behauptet, die Wege von "schmutzigem" Geld lassen sich so besser verfolgen und die Kriminalität sich dadurch besser bekämpfen. Dass sich auch die Geldbewegungen von "normalen" Geld von normalen Bürgern durch Buchgeld lückenlos verfolgen lassen, wird dabei gern verschwiegen. Die Autoren stellen ein paar interessante Überlegungen an, was ein fürsorglicher Staat alles machen kann, wenn alle Zahlungsvorgänge digital und zentral steuerbar werden: Alkoholikern kann der Kauf von Alkohol mit ihren Kartengeld unmöglich gemacht werden, bei Hartz-IV-Empfängern kann auf der Karte eingestellt werden, was sie kaufen dürfen und was nicht. Wollen wir wirklich so eine Uberwachungsgesellschaft werden?

Ein weiteres Argument der Bargeldabschaffer ist, dass mit Buchgeld die Bezahlung und überhaupt der ganze Geldverkehr viel einfacher, schneller und bequemer werden würde. Das treibt den Konsum und damit die Konjunktur an. Hiermit dürften sie vielleicht sogar Recht haben. Aber die Autoren fragen zu Recht: Wollen wir das überhaupt? Wollen wir ein Volk von Konsumfetischisten werden - oder sollen wir? Wenn Negativzinsen vom Kartengeld durch die Banken einfach abgezogen werden können, wird Sparen unattraktiv. Die Autoren nennen es "Konsumverweigerungssteuer". Und darum geht es vor allem: uns soll das Sparen aberzogen werden. Aber wollen wir wirklich eine Nation werden, wo jeder zweite Haushalt überschuldet ist?

Fazit
Die Autoren zeigen im Buch eindrucksvoll, dass viele Argumente derjenigen, die das Bargeld abschaffen wollen, vorgeschoben sind und worum es ihnen wirklich geht: um Beschneidung der persönlichen Freiheit und um Umerziehung.


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