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Rezensionen verfasst von
Falk Müller
(TOP 50 REZENSENT)   

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Traditionssegler: Frischer Wind in alten Segeln
Traditionssegler: Frischer Wind in alten Segeln
von Herbert Böhm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

5.0 von 5 Sternen Schönes Buch, nicht nur für Fachleute, 19. Dezember 2014
Auch wenn der Autor natürlich vor allem Kenner und Liebhaber alter Segler ansprechen möchte, so ist das Buch sicher auf für den normal Interessierten eine anregende Lektüre. Denn Herbert Böhm geht weit darüber hinaus, einfach nur technische Details aufzulisten, sondern man erfährt im Buch viele interessante Geschichten über die einzelnen Boote und über die Geschichte der Segelschifffahrt im Allgemeinen.

Natürlich gibt es zu jedem der insgesamt 170 Boote erst mal eine Tabelle, also eine Art Steckbrief. Dieser enthält dann solche Daten wie etwa:

- Bootstyp
- Herstellungsjahr und Ort der Werft, wo es gebaut wurde
- Die Art des Materials, das verbaut wurde
- Abmessungen, Segelfläche, Masthöhe
- Geschwindigkeit
- Besatzungsanzahl

Aber jeder Segler besteht ja nicht nur aus technischen Parametern, sondern hat seinen speziellen Charakter. Dies kann man meist schon an dem Foto ersehen, dass natürlich Bestandteil jeder Beschreibung ist. So dass das Buch auch ein Genuss für das Auge ist. Aber man bekommt eben auch noch so manche Zusatzinformation, z.B.:

- ob und wie der Segler heute noch verwendet wird (z.B. als Schulschiff, Museumsschiff oder privat)
- wer das Boot heute besitzt (z.B. Eigentümergemeinschaft, Schifffahrtverein oder Privatbesitz)
- Kontakt-Internetadresse, wenn man zu einem Segler noch mehr erfahren möchte

Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Selten sind all die gerade stichpunktartig genannten Informationen bei einem Segler komplett angegeben, meist fehlen immer einige Daten. Aber damit kann man leben. Denn man bekommt dadurch den Eindruck, dass der Autor nur die Daten aufgeführt hat, die er wirklich sicher verifizieren konnte, anstatt noch Mutmaßungen anzustellen, nur damit es kompletter wirkt.

Neben Foto und Steckbrief gibt es zu jedem Segler noch einen Text, in dem über manche Besonderheit und Eigentümlichkeit des Bootes berichtet wird. Oft geht es um die Entstehungsgeschichte eines Seglers. Hier nur ein Beispiel, die "BEEKE SELLMER". Ich hatte mich gewundert, dass der Segler auf dem Foto recht alt aussieht, obwohl das Baujahr erst 2001 war. Die interessante Antwort dazu gibt es im Textteil zum Boot: Die Beeke Sellmer repräsentiert nämlich eine Gattung von Fischerbooten, von denen keines überlebt hat. Es gibt nicht einmal mehr Filmdokumente. Um das Wissen über die Fangmethoden und die Boote zu retten, befragte die Uni Kiel die letzten Zeitzeugen. Ein Ergebnis davon war eben das erwähnte Boot, dass auf einer nur für dieses Projekt errichteten Traditionswerft gebaut wurde. Eine interessante Geschichte also, wie so viele andere in diesem Buch.


1815: Napoleons Sturz und der Wiener Kongress
1815: Napoleons Sturz und der Wiener Kongress
von Adam Zamoyski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Wiener Kongress als wichtige europäische Weichenstellung, 14. Dezember 2014
Das Hauptverdienst von Zamoyski's Werk ist wohl, dass er, wie vielleicht kein Historiker vor ihm, die Bedeutung des Wiener Kongresses für die europäische Geschichte des 19. Und 20. Jahrhunderts herausarbeitet. Denn entgegen verbreiteter Meinung, dass mehr gefeiert als verhandelt wurde, ("Der Kongress tanzt") wurde doch auch in zäher Verhandlungsarbeit ein fein taxiertes Kräfteverhältnis zwischen den Großmächten geschaffen, dass Europa immerhin fast 100 Jahre vor einem kontinentalen Krieg bewahrte.

Dazu trug sicher auch bei dass, anders als etwa später beim Versailler Vertrag 1919, das besiegte Frankreich nicht etwa durch überzogene Forderungen oder Gebietsabtretungen verfeindet oder gedemütigt werden sollte, sondern ein wichtiger Pfeiler in der europäischen Machtbalance blieb. Daran wurde auch festgehalten nach der 100-tägigen Rückkehr Napoleons als Feldherr, obgleich danach gleichwohl die Bedingungen für Frankreich noch verschärft wurden. All das zeigt Zamoyski in seinem Buch.

Natürlich war der Wiener Kongress nicht nur reine Politik, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis. Zamoyski widmet sich ausführlich den ganzen Intrigen, sexuellen Affären und rauschenden Bällen, die es natürlich auch gab. Vielleicht sind seine Schilderungen diesbezüglich für meinen Geschmack sogar etwas zu ausladend. Aber gleichwohl sind solche Beschreibungen sicher auch notwendig, damit der Leser ein Gefühl dafür bekommt, dass Politik eben nicht nur am Verhandlungstisch gemacht wird, sondern auch abseits davon.

Abgerundet wird das Buch mit zahlreichen Landkarten von den Gebieten, um die es bei den Verhandlungen ging, und um die teilweise auch heftig gestritten wurde (etwas Sachsen oder Polen) und mit Fotos von den Hauptakteuren, die jede europäische Macht zum Kongress schickte. Insgesamt ist das Buch also eine lesenswerte Lektüre.


Der wilde Kontinent: Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950
Der wilde Kontinent: Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950
von Keith Lowe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Buch, 13. Dezember 2014
Lowe räumt im Buch mit einem verbreiteten Mythos auf: dass es nach dem 2. Weltkrieg eine Stunde Null gegeben hätte, dass also der Übergang von der Kriegsordnung zur Friedensordnung in Europa relativ schnell und unproblematisch verlaufen wäre.

Stattdessen stand bei Kriegsende Millionen von Menschen das Schlimmste erst noch bevor. Denn überall in Europa waren Menschen auf der Flucht, vertrieben aus ihrer Heimat, Opfer von spontanen Racheakten oder systematischer Umsiedlungspolitik. Lowe bringt hierfür drastische Beispiele im Buch, etwa dass es im Sommer 1945 allein in Berlin 53 000 verlassene Kinder gab, von Massenvergewaltigungen deutscher Frauen oder wie in Frankreich Frauen, die sich mit deutschen Männern eingelassen hatten, gehetzt, geschoren und nackt auf öffentlichen Plätzen gedemütigt wurden, oder wie in Polen Juden gejagt werden, die gerade erst aus den Vernichtungslagern befreit wurden. Das alles führt einem vor Augen, wie dünn auch in Europa die Decke der Zivilisation sein kann.

Doch Lowe berichtet nicht nur solche Exzesse , sondern beschreibt auch, wie es zu diesen kommen konnte, warum also Europa nach dem Krieg für mehrere Jahre in eine Art Anarchie verfiel. Ein Hauptgrund war das entstandene Machtvakuum. In vielen Ländern war die zivile Ordnung zusammen gebrochen, in ganz Europa waren rechtsfreie Räume entstanden, die von den Alliierten, die oft die einzige Ordnungsmacht darstellten, kaum oder nur unzureichend gefüllt werden konnten. Lowe schreibt: "alles, was vor dem Krieg existierte, wurde durch ihn vollständig zerstört. Ich meine dabei nicht nur Eisenbahnlinien, Gebäude oder Fabriken. Ich spreche von einem gesamten Modell des Lebens. '

Doch Lowe sieht die Gründe für die nach dem Krieg herrschende Anarchie nicht nur in den politischen Verhältnissen, sondern auch in der Natur des Menschen. Sein Ausgangspunkt ist, dass das durch den Krieg geschaffene Gewaltklima nicht plötzlich wie durch Zauberhand verschwand. Allein schon deshalb nicht, weil viele Täter weiter lebten. Er schreibt. "Für manche dieser Menschen wurde das Töten zur Sucht ... In Nordostgriechenland spielten bulgarische Soldaten Fußball mit den Köpfen ermordeter Griechen. Im Vernichtungslager Kulmhof nahmen deutsche Wachen Babys, die noch lebten, als sie aus dem Gaswagen geholt wurden, und schleuderten sie gegen Baumstämme, um ihnen den Schädel zu zertrümmern. Und nun ordneten sich überall in Europa solche Menschen wieder in die Gemeinschaften ein."

FAZIT
Ein wichtiges Buch, das einem drastisch vor Augen führt, was Krieg bedeutet, und vor allem, dass er nicht beendet ist, nur weil die Friedensurkunden unterzeichnet sind. Lowes Buch hat auch aktuelle Bezüge. Denn es macht deutlich, dass wir heute nicht über die aktuellen Flüchtlingsbewegungen aus fernen Bürgerkriegsregionen sprechen können, ohne die dramatischen europäischen Vertreibungserfahrungen und die damit verbundenen Traumata zu bedenken.


Autofahren - Viel Spaß!
Autofahren - Viel Spaß!
von Uli Stein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen Kurzweilig, 9. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Autofahren - Viel Spaß! (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch anlässlich der bestandenen Führerscheinprüfung meines Neffen gekauft, finde es aber selbst auch sehr schön. Es enthält so manche wichtige Botschaft an Fahranfänger, aber eigentlich an alle Fahrer, dass man also aufmerksam und rücksichtsvoll im Verkehr sein muss, um etwaigen Malheuren, wie sie im Buch dargestellt sind, aus dem Wege zu gehen. Das Schöne ist eben, dass diese Hinweise hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger erteilt werden, sondern in witziger Cartoon-Form. Und Bilder bleiben ohnehin besser im Gedächtnis als Texte.


Ein Frühling in Jerusalem
Ein Frühling in Jerusalem
von Wolfgang Büscher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einen Ort erleben, statt nur dagewesen zu sein, 6. Dezember 2014
Wohl jeder hat schon erlebt, dass er/sie eine sogenannte Touristenattraktion besichtigt hat, sich aber Jahre später kaum noch an Einzelheiten erinnern kann, weil sie irgendwie keine Spuren, keinen dauerhaften Eindruck hinterlassen hat. Damit ihm dies nicht passiert, hat Wolfgang Büscher seinen Jerusalem-Aufenthalt gleich für zwei Monate geplant. Und so bekommt er einen viel tieferen und nachhaltigeren Eindruck von dieser berühmten Stadt, als dies einem normalen Touristen möglich wäre.

Den Unterschied zwischen einem Pauschalreisenden, und jemanden der sich richtig Zeit nimmt, und deshalb berühmte, aber überlaufende Stätten mehrmals und vor allem zu stilleren Stunden wie morgens oder abends besichtigen kann, beschreibt er etwa eindrucksvoll am Beispiel der Grabeskirche: "Guides mühen sich, Wimpel hochhaltend ihre Schaar aus Seoul, Piacenza, oder Boston zu sammeln, und sie in die schon vormittags völlig überfüllte Grabeskirche zu führen ... Hinein ging ich jetzt nicht, ich hatte es versucht, aber es lag mich nicht, der Ansturm wurde übermächtig, ich sah und hörte und empfand kaum mehr als das Menschengedränge selbst ... In der Frühe zu kommen, war etwas anderes. Ich lief die menschenleere St. Francis Street hinab und trat ins tagundnachtgleiche Dunkel der Kirche. Irgendwo Schritte hinter den mächtigen Säulen. Ferner Gesang. Auf einmal hatte ich Ohren zu hören und Augen zu sehen."

Weil er eben nicht nur Sehenswürdigkeiten abhakt, sondern sich Zeit nimmt, sich mit Menschen trifft, die in der Stadt leben, und die ihm Geschichten erzählen können, die in keinem Reiseführer stehen, bekommt er einen viel intensiveren Eindruck von ihr, von ihrer großen Geschichte, ihren Einwohnern, ihrem Lebensgefühl und den Gründen, warum sie seit Jahrtausenden Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Dazu schreibt er z.B. sehr schön: "Die Jerusalem-Sehnsucht hat zu allen Zeiten die unterschiedlichsten Liebhaber ergriffen. Von den ersten Jahren nach Christi an zog es Pilger zum heiligen Grab. Mönche, Laien, Könige, Kreuzritter gaben ihr Vermögen daran, Jerusalem zu sehen. In manche fuhr der Ruf so stark, dass sie hinmussten, koste es, was es wolle. Wer für diesen Ruf kein Ohr hatte, wer unmusikalisch war, für das Heilige der Stadt, der hätte hier nichts verloren".

Fazit: Ein schönes Buch, das Reisende daran erinnert, dass man sich Zeit nehmen muss für einen Ort, um in ihn einzutauchen und ihn zu erspüren, und damit einen bleibenden und nachhaltigen Eindruck davon zu bekommen. Das gilt für eine so berühmte Stadt wie Jerusalem - aber sicher wohl auch für jeden anderen Ort, den man bereist.


Die Deutschlandsaga: Woher wir kommen - Wovon wir träumen - Wer wir sind
Die Deutschlandsaga: Woher wir kommen - Wovon wir träumen - Wer wir sind
von Peter Arens
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu wenig Neues, 2. Dezember 2014
Zugegeben, das Buch ist durchaus inhaltlich fundiert und optisch ansprechend gestaltet. Aber eben nicht mehr. Es fehlte für mich irgendwie das Besondere, was es von den Dutzenden anderen Dokumentationen über uns Deutsche hätte unterscheiden können. Hätte man das erwarten dürfen? Zumindest haben die interessanten Überschriften wie "Woher wir kommen" oder "Wovon wir schwärmen" gewisse Erwartungen geweckt, die für mich nicht ganz erfüllt wurden.

Das Buch enthält einfach zu viel Altbekanntes. Wenn von geschichtlichen Meilensteinen die Rede ist, dann sind natürlich wieder Bilder zur Schlacht im Teutoburger Wald zu sehen, oder der Auftritt Luthers vor dem Wormser Reichstag , oder von der Reichsgründung 1871 oder von der Wiedervereinigung 1990. Wenn von wichtigen Bauwerken der Deutschen die Rede ist, dann geht es natürlich wieder um den Kölner Dom, die Lorelei oder Neuschwanstein. Und wenn es um die deutsche Mentalität geht, werden auch wieder Beispiele gezeigt, die einem vermutlich selbst als erstes einfallen, also etwa vom Münchner Oktoberfest, vom Rheinischen Karneval oder von den Wagnerfestspielen in Bayreuth.

Ab und an gibt es aber dann doch mal überraschende Bilder, die man nicht so erwartet hat und die dann auch sofort Interesse wecken. Bei mir war das z.B. bei einem Bild mit einem qualmenden Haartrockner und einem Gefahrenhinweis der Fall. Die Autoren wollen damit die sogenannte "German Angst" demonstrieren. Es geht also hier um einen Produkttest, bei dem vor Brandgefahren bei einem bestimmten Haartrockner gewarnt wird. In dem Test stand wohlgemerkt, dass der Trockner eigentlich gar nicht gefährlich ist, und erst bei 70 Stunden Dauerbetrieb überhaupt in Brand geraten könnte. (wer föhnt sich aber so lange die Haare?) Trotzdem löste der Test bei vielen Deutschen panikartige Reaktionen aus. "German Angst" also!

Fazit: Das Buch ist inhaltlich solide und optisch ansprechend. Ich hätte mir aber mehr solche eingängigen Bilder und Geschichten wie mit dem Haartrockner gewünscht, und weniger Bilder, die ohnehin schon jeder kennt (siehe oben). So fehlte mir etwas das Inspirierende, der besondere Erkenntnisgewinn, den man sich ja von einem Buch erhofft. Deshalb ist es nur bedingt zu empfehlen.


Letters of Note - Briefe, die die Welt bedeuten
Letters of Note - Briefe, die die Welt bedeuten
von Shaun Usher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,99

30 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch, 30. November 2014
Ein wirklich wunderbares Buch, das einen besonderen Platz im Bücherregal verdient, wie ich finde. Abgesehen vom interessanten Inhalt der Briefe, zu dem ich gleich komme, sind diese auch eine Freude fürs Auge. Denn wo immer möglich, wurden Originaldokumente aufgespürt und Abdruckgenehmigungen eingeholt. So dass nicht nur die reinen Abschriften bzw. die Übersetzungen der Briefe vorliegen, sondern das originale Material, mal handgeschrieben, mal getippt, mal eingraviert. Nicht zu vergessen all die kleinen Fehler, die Schmutzflecken, die Knitterfalten im Papier, die den Briefen erst ihren ureigenen Charakter geben. Ergänzt werden die Briefe oft mit Illustrationen zum Thema oder auch Fotos der Schreibenden. Und es wird auch erläutert, welchen Hintergrund die Briefe hatten, warum sie also geschrieben wurden.

Deshalb nun mehr zum Inhalt der insgesamt 125 Briefe. Es ist praktisch unmöglich, diese zu kategorisieren. Zeitlich reichen sie von 1400 vor Chr. bis wenige Jahre vor Entstehung des Buches. Die Autoren stammen aus allen möglichen Ländern, Berufen und Gesellschaftsschichten, sind mal mehr, mal weniger bekannt. Die Themen der Briefe sind ebenso vielfältig, regen zum Schmunzeln, Nachdenken an und sind oft auch sehr ergreifend. Oft beziehen sie sich auf ein Ereignis, dass eigentlich jeder kennt, wobei die Briefe aber einen noch nicht so bekannten besonderen Aspekt zum Inhalt haben. So ist etwa der Abschiedsbrief von Maria Stuart abgebildet, den sie 6 Stunden vor ihrer Hinrichtung an ihren Schwager schrieb. ("Morgen um acht soll ich wie eine Verbrecherin hingerichtet werden") Oder auch der Brief des Mörders von John Lennon Chapman aus dem Gefängnis an einen Schätzexperten. Der Hintergrund ist, dass Chapman sich wenige Stunden vor seiner Tat von Lennon ein Exemplar von dessen Album "Double Fantasy" hat handsignieren lassen. Und 5 Jahre später in einem Anflug von Reue schreibt Chapman aus dem Gefängnis einen Brief an den Schätzexperten um den Wert des handsignierten Albums feststellen zu lassen, weil er es für ein Kinderhilfswerk versteigern lassen will.

Besonders ergreifend waren für mich aber Briefe von Menschen, deren Namen man nicht kennt, aber wo der Inhalt der Briefe sehr bewegend ist. Zum Beispiel Brief 22: "Ich flehe sie an, bitte nehmen Sie mein Kind auf". Hier geht es also darum, dass wegen ausgesetzter Säuglinge Ende der 1860iger Jahre in New York ein Findelhaus gegründet wurde, und im Buch sind zwei Briefe mit Erklärungsversuchen verzweifelter Eltern abgedruckt, die ihr Kind dorthin bringen wollen. Noch ergreifender war für mich Brief 41 : "Rächt meinen Tod". Es ist der Abschiedsbrief eines japanischen Kamikazefliegers an seinen fünfjährigen Sohn und seine zweijährige Tochter einen Tag, bevor er sein mit Sprengstoff beladenes Flugzeug in ein Kriegsschiff der Alliierten lenkte. Zitat: "Beneidet andere nicht um ihre Väter. Euer Vater wird zu einem Gott werden und euch aufmerksam beobachten".

Fazit: Bei 125 Briefen kann man nicht erwarten, dass sie einem alle gleichgut gefallen, das ist auch vom Geschmack und den Interessengebieten jedes Lesers abhängig. Aber ich denke, es sind so viele interessante Sachen dabei, dass sich die Lektüre für jeden lohnen sollte. Ich bin jedenfalls durch viele Briefe angeregt worden, mich mit den darin angeschnittenen Themen weiter zu beschäftigen. Das Buch inspiriert also, regt zu weiterer Lektüre an, und genau das ist es, was ich von einem Buch erwarte.


Aufgewachsen in der DDR - Wir vom Jahrgang 1964 - Kindheit und Jugend
Aufgewachsen in der DDR - Wir vom Jahrgang 1964 - Kindheit und Jugend
von Rainer Küster
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes Erinnerungsbuch, 10. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch gekauft als Geschenk für meine Schwägerin zum 50. Geburtstag, die ja auch in der DDR aufgewachsen ist. Und es ist sehr gut angekommen. Klar, der Preis für das kleine Büchlein von 64 Seiten ist ganz schön happig. Aber man zahlt ja auch sozusagen einen Liebhaberpreis. Denn der Autor ist ja auch Jahrgang 1964, in der DDR aufgewachsen und beschreibt sehr liebe-, und humorvoll die Sorgen und Nöte, die seine Generation als Kinder und Jugendliche damals hatte.

Damals in der DDR war ja alles ziemlich einheitlich, so dass fast alle mit den gleichen Niethosen rumgelaufen sind, die gleichen Schallplatten gehört haben oder mit den gleichen Fahrrädern und Mopeds durch die Gegend gefahren sind. Meine Schwägerin hat jedenfalls alles im Buch sofort wiedererkannt, und sich richtig gefreut.


Ostpaket Keks - Süßwaren Spezialitäten Nr. 2
Ostpaket Keks - Süßwaren Spezialitäten Nr. 2

4.0 von 5 Sternen Erinnerung an die Kindheit, 9. November 2014
Ich habe das Ostpaket als Geburtstagsgeschenk bestellt und war mit dem Inhalt recht zufrieden. Gut, einige Süßigkeiten kann man auch normal in vielen Supermärkten kaufen, wie etwa den Cottbuser Keks, aber andere Sachen, wie etwa das Puffreis oder die Brocken-Splitter, habe ich seit meiner Kindheit in der DDR zum ersten Mal wiedergesehen und habe mich echt gefreut, dass es das noch gibt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2014 2:15 PM CET


Fest im Herzen lebt ihr weiter: Wie wir drei Kinder verloren und den Kampf um ihre Würde gewannen. Ein Ratgeber für Eltern von Sternenkindern.
Fest im Herzen lebt ihr weiter: Wie wir drei Kinder verloren und den Kampf um ihre Würde gewannen. Ein Ratgeber für Eltern von Sternenkindern.
von Barbara Martin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als ein "Betroffenen-Buch", 5. November 2014
Auf den ersten Blick könnte man meinen, es ist eine Art "Betroffenenbuch" , also ein Buch nur für Menschen, die das gleiche schlimme Schicksal erfahren haben, wie Barbara und Mario Martin. Und ja, es ist natürlich auch ein Buch für die Betroffenen, denn diese erzählen im ersten Teil ihre Geschiche, die wahrscheinlich ohnehin nur die vollständig nachfühlen können, die selbst so was erlebt haben. Denen macht das Autorenpaar Mut und gibt ihnen im zweiten Teil auch Empfehlungen, wie sie mit der Trauer umgehen können und sollen, welche Anlaufstellen es gibt. Und es gibt auch medizinische Ratschläge für die, die in eine solche Situation der Fehlgeburt kommen könnten aber noch die Chance haben, es zu verhindern - also etwa was eine Mutter bei auftretenden Komplikationen während ihrer Schwangerschaft tun kann.

Aber wie bereits erwähnt, es ist weit mehr als ein Ratgeber-Buch. Denn es sagt viel aus über unsere Gesellschaft, ihre Vorstellungen von dem, was wir als Leben, als Menschen ansehen - und wie sich diese Vorstellung zum Glück in den letzten Jahren gewandelt hat. Wenn man liest, dass bis vor wenigen Jahren Todgeburten unter 500 g noch zusammen mit amputierten Körperteilen als Klinikmüll zu Grundstoffen "recycelt " worden, dann ist man nur noch fassungslos. Wie müssen sich Eltern gefühlt haben, denen durch diese unsägliche 500 - Gramm-Grenze mitgeteilt wurde: ihr habt kein Leben geschaffen, sondern nur Stoff, Materie?

Es war also höchste Zeit, dass die beiden Autoren aufgrund eigener schlimmer Erfahrungen durch ihre Petition dass ändern konnten. Auch davon berichten sie im Buch. Und dass die Zeit reif für diesen notwendigen Bewusstseinswandel war, sah man daran, dass sie die Unterstützung von den Bundestagsabgeordneten aller Parteien, ja sogar der Kanzlerin selbst bekamen. Und dass sie vielen Eltern, die bisher nur still und anonym um ihr todes Kind getrauert haben, einen wertvollen Dienst erwiesen sieht man im Buch an den 1400 Vornahmen, die dort in goldener Schrift stehen. Es sind die Namen von Sternenkindern, die zuvor nicht existieren durften - und die durch dieses wichtige Buch jetzt im wahrsten Sinne jetzt einen Namen bekommen haben.


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