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Rezensionen verfasst von
Falk Müller
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Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens
Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens
von Gabriele Krone-Schmalz
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,95

83 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Tadele Deinen Nachbarn nicht, bevor du nicht eine Meile in seinen Mokassins gelaufen bist", 21. Februar 2015
Frau Krone-Schmalz geht in diesem Buch der wichtigen Frage nach, woher das gegenseitige Misstrauen und Missverstehen zwischen Russland und dem Westen eigentlich wirklich kommt und geht hierbei zeitmäßig zurück zum Zusammenbrechen der Großmacht Sowjetunion. Sie schreibt: "Schon in der ersten Hälfte der 90iger Jahre wurde es versäumt, eine Sicherheitsarchitektur zu schaffen, in der auch Russland als Nachfolger der Weltmacht SU seinen Platz hätte finden können. Stattdessen verhielt sich der Westen wie der Sieger des Kalten Krieges und glaubte, über russische Interessen hinweg gehen zu können."

Ein Knackpunkt ist und bleibt für sie die NATO-Osterweiterung. 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn bei, 2004 folgten das Baltikum, Bulgarien und Rumänien, 2009 schließlich Albanien und Kroatien. Kann man da nicht nachvollziehen, dass sich Russland durch diese Expansionspolitik der NATO bedroht fühlen muss? Der Westen macht es sich zu einfach, so die Autorin, wenn er die Umzingelung Russlands als "freie Entscheidung souveräner Staaten" bezeichnet. Die "freie Entscheidung" beruhte nämlich oft auf Macht-, und Wirtschaftsinteressen. Frau Krone-Schmalz bringt hier das Beispiel der Stationierung von NATO-Waffen in Polen - ein gutes Geschäft für die entsprechenden westlichen Firmen.

FAZIT
Die Autorin bestreitet gar nicht, dass die Kritik an Russland und Putin in vielerlei Hinsicht berechtigt ist. Sie wirbt aber dafür, sich auch in die Lage Russlands hinein zu denken und zitiert dabei einen alten Indianerspruch: "Tadele deinen Nachbarn nicht, bevor du nicht eine Meile in seinen Mokassins gelaufen bist." Russland zu verstehen, ist also sehr wichtig für den Westen. Frau Krone-Schmalz schreibt: "Russland als Partner zu haben, ist im ureigenstem Interesse der EU. Wer diese Chance vertut, riskiert, dass Europa im Machtkampf künftiger Großmächte zerrieben wird.
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 1, 2015 9:14 PM CET


Kind, versprich mir, dass du dich erschießt: Der Untergang der kleinen Leute 1945
Kind, versprich mir, dass du dich erschießt: Der Untergang der kleinen Leute 1945
von Florian Huber
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Niemand wird wissen, was wirklich geschah, 18. Februar 2015
Um vollständig zu verstehen, warum 1945 so viele Menschen freiwillig ihr Leben beendet haben, muss man wohl damals alles selbst erlebt haben, um es wirklich zu begreifen. Sicher, es gab die ganzen äußeren Umstände: der verlorene Krieg, der Hunger, das Elend. Aber Florian Huber sieht die Gründe für das Phänomen Massenselbstmord vor allem auch im in psychologischen Bereich. Er schreibt: "Die Selbstmordwelle mit Zehntausenden von Toten war der extreme Ausdruck eines Schmerzes, in dem sich die Menschen angesichts von Irrtum, Niederlage, Demütigung, Verlust, Scham, persönlichem Leid geworfen sahen."

Die Schuld verteilt der Autor nicht einseitig an das deutsche Volk, sondern bemüht sich wohltuend um Ausgewogenheit. So schreibt er einerseits: "Die Deutschen wussten genau, was sie angerichtet haben." Andererseits sieht Huber den Grund für die Selbstmorde auch in der konkret erlebten Gewalt. Er beschreibt, wie die Rote Armee bei ihrem Einmarsch mit großer Brutalität vorging, dass es also tatsächlich Plünderungen, Vergewaltigungen und willkürliche Erschießungen gab, die die Menschen damals nicht mehr verkraften konnten.

Und es gibt im Buch auch drastische Beispiele hierfür, besonders aus der Kleinstadt Demmin, wo sich von 15000 Einwohnern mehrere Hundert das Leben nahmen. Huber führt im Buch Fälle an, die man als Leser wohl kaum mehr vergessen kann. Hier nur ein beispielhafter Auszug aus dem Buch, in Form eines Berichte einer damaligen Einwohnerin.

"Neben dem Gartenzaun lag eine tote Frau, eine Selbstmörderin mit ihren beiden kleinen Kindern. Irene Böker sah Kinderschuhe, Kinderstrümpfchen. Niemand wird wissen, was wirklich geschah. Noch bis zum Abend lagen die drei Toten auf ihrem Platz, dann muss sie jemand notdürftig begraben haben. Damit fanden die Namenlosen aber keine Ruhe. In den Garten kamen tagsüber russische Soldaten, um das Erdreich zu durchwühlen. Sie wussten längst, dass viele deutsche Bewohner vor ihrer Flucht ihre Wertsachen in den Gärten rund um ihre Häuser vergraben hatten, So wurde die Erde über der toten Frau mit den beiden Kindern immer wieder freigelegt, Abends sah Irene Böker ihre bleichen verdreckten Gesichter und scharrte aufs Neue mühsam Erde darüber.

"Schließlich kam ich (Irene Böker) auf die fürchterliche Idee, die Beine der Kinder aus dem Erdreich herausragen zu lassen. So waren vier Kinderbeine mit den Schuhen und den braunen Strümpfchen immer zu sehen, wie sie nach oben zeigten, und als "Mahnzeichen" für die Wühler galten. Dieses grausige Bild erschütterte uns sehr. Kein Soldat suchte an dieser Erdbodenstelle weiter."

Fazit : Ein aufrüttelndes Buch, das zeigt, was Krieg wirklich bedeutet, und das sich mit der Selbstmordwelle nach dem Krieg einem Aspekt widmet, der bisher noch wenig behandelt wurde.


Krypta: Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte
Krypta: Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte
von Hubert Wolf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tradition und Erneuerung müssen kein Widerspruch sein, 3. Februar 2015
Der Buchtitel ist gut gewählt: Krypta - das ist der Kellerraum über dem Altar, das Fundament jeder Kirche, über dem sie gebaut ist. Oft hat man aber diese Grundmauern während der letzten Jahrhunderte zugemauert oder zugeschüttet - und damit die eigentlichen Fundamente unkenntlich gemacht. Und genau hier setzt Wolf mit seinem Buch an: Er will im übertragenen Sinne die geistigen Fundamente, die verschütteten Traditionen der Kirche wieder freilegen, weil sie der Schlüssel dafür sein könnten, die aktuellen Probleme der Kirche, die derzeitige Glaubenskrise zu lösen.

Der Hauptansatz von Wolf ist aus meiner Sicht folgender: Papst und Kurie müssen für ihr Reformprogramm weder mit der Tradition der Kirche brechen noch etwas neu erfinden, sondern lediglich bewährte Modelle aus dem vergessenen oder verdrängten Schatz der Kirchengeschichte hervor holen. Denn die Religionsgeschichte ist eine Schatzkammer revolutionärer Ideen. Wer sie öffnet, kann mit den Mitteln der kirchlichen Tradition viele Probleme von heute lösen, so der Autor. Derzeit berufen sich die Glaubenshüter auf eine angeblich seit Jahrhunderten unveränderte Lehre, auf Kontinuität und Tradition. Dieses Dogma wiederlegt Wolf in seinem Buch. Er zeigt: Den Wandel zu einer antidemokratischen Organisation vollzog die Kirche erst im 19. Jahrhundert. Während Europa demokratischer wurde, entwickelte sich die Kirche in die entgegengesetzte Richtung. Sie zementierte die bisherige Hierarchie und führte beim Ersten Vatikanischen Konzil 1870 gar das Unfehlbarkeitsdogma ein.

Doch dieses diktatorische Prinzip hat sich überlebt, so der Autor. In modernen Gesellschaften tauschen sich die Ebenen heute miteinander aus. Und weil das bei Kirche eben nicht so ist, fehlt es an der nötigen Diskussion und Transparenz, wirkt die Kirche so rückständig. Beispiel Bischofswahl: in der frühen Kirche wurden diese noch von allen Geistlichen gewählt. Erst in der Neuzeit setzte sich der Machtanspruch des Papstes durch, der Bischöfe heute nach eigenem Ermessen ernennen kann. Beispiel Domkapital: Heute regiert ein Bischof sein Bistum monarchisch. Alle anderen Geistlichen innerhalb seines Machtbereichs können seine Entscheidungen nur durchwinken. Wohin das führt, zeigt Wolf dann etwa am Beispiel von Limburg: ausufernde Kosten und Verschleierungen. Aber niemand in der Diözese war in der Lage, dem Gebaren des Bischoffs Van Elsts Einhalt zu gebieten. Bei der Gründung des Bistums Limburg 1821 hatte es dagegen noch eine Gewaltenteilung gegeben. Kein Wunder, wenn sich wegen solcher Verfehlungen wie die in Limburg die Menschen von der Kirche abwenden, so Wolf.

FAZIT
Hubert Wolf zeigt in diesem wichtigen Buch, dass Tradition und Erneuerung kein Widerspruch sein müssen, und dass sich die Kirche für ihre dringend notwendigen Reformen an der eigenen Geschichte orientieren könnte. Um nochmal das Bild von der Krypta aufzugreifen: dort schlummern derzeit die Potenziale der Kirche wie ein Schatz - ein Schatz, der nur gehoben werden muss.


Der Feind in meinem Topf?: Schluss mit den Legenden vom bösen Essen
Der Feind in meinem Topf?: Schluss mit den Legenden vom bösen Essen
von Susanne Schäfer
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frei von allem - auch von Geschmack?, 31. Januar 2015
Der Buchtitel deutet es ja schon an: viele Menschen sehen Essen heute nicht mehr als etwas Schönes und Genussvolles an, sondern eher als Bedrohung, ja gar als Feind der versucht, giftige Stoffe in unseren Körper zu schleusen und damit unsere Gesundheit zu ruinieren. Dass wir durch solche übertriebenen Ängste unnötig unsere Lebensqualität vermindern, zeigt die Autorin in diesem wichtigen Buch.

Sie bestreitet dabei nicht, dass es wirkliche Unverträglichkeiten gibt. "Frei von ..." - Produkte hat es schon immer gegeben - aber im Reformhaus. Für Leute mit echten Intoleranzen. Heute sind dagegen Menschen bereit, das zwei- bis dreifache für normale Nahrungsmittel zu bezahlen, weil sie diffuse Ängste davor haben gegen irgendwas unverträglich zu sein. Dem Gesundheitswahn wird alles untergeordnet, er ist zu einer Ersatzreligion geworden, schreibt die Autorin. Als Belohnung für Verzicht und permanente Selbstkontrolle erhofft man sich ein langes Leben.

Doch wer ist schuld an diesem Wahn? Für Susanne Schäfer sind es wir Verbraucher und die Lebensmittelindustrie gleichermaßen. Die einen wollen ihre Gesundheit maximieren und die anderen ihren Gewinn. Fangen wir mit uns Verbrauchern an. Die Ernährung ist Teil des allgemeinen Optimierungswahns geworden. Gegessen wird, was vermeindlich gesund ist, und nicht das was schmeckt. Und so verzichten wir auf Gluten, Laktose, Fruktose, auf alles also, was irgendwie gefährlich werden könnte - und meisten verzichten wir auch auf den Geschmack und unsere Lebensqualität.

Auf der anderen Seite hat die Ernährungsindustrie längst erkannt, dass sich mit unserem Gesundheitwahn gutes Geld verdienen lässt. Sie hat den "Frei von..." - Trend kreiert und brandmarkt nun Gluten oder Histamin als Risiko für unsere Gesundheit. Es wird uns suggeriert, dass jeder glutenfrei usw. essen sollte. Den entsprechenden Produkten wird ein reines, wohltuendes Image angeheftet. Dabei zeigt die Autorin, dass "Frei von ..."-Lebensmittel für Gesunde kaum einen medizinisch nachweisbaren Nutzen haben. Der Nutzen haben dann die Konzerne - und zwar finanzieller Art!

Fazit
Ein Buch, dass für gelasseneren Umgang mit dem Thema Ernährung plädiert. Die Autorin ruft dazu auf, dass Genießen mal wieder zu entdecken. Denn "Frei von..." - Produkte sind zwar frei von allen vermeindlich gefährlich Stoffen - oft aber auch frei von Geschmack.


Ein Bild von dir
Ein Bild von dir
von Jojo Moyes
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Großer Roman mit spannender Story, starken Figuren und viel Emotion, 26. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Ein Bild von dir (Broschiert)
Der Roman besteht eigentlich aus zwei sehr unterschiedlichen Geschichten. Beide haben scheinbar fast nichts miteinander zu tun haben, liegen zeitlich fast hundert Jahre auseinander, das gesellschaftliche Umfeld ist jeweils völlig verschieden, und die Personen, die darin vorkommen, sind zwangsläufig natürlich auch ganz andere. Eine weniger gute Autorin würde wahrscheinlich bei den notwendigen Zeitsprüngen den Leser nerven und ermüden. Aber Jojo Moyes gelingt es, die beiden Storys elegant und glaubwürdig miteinander zu verbinden, so dass sie sich gegenseitig antreiben, und dem Roman eine ungeheure Spannung und Dynamik verleihen.

Da ist also zunächst mal die Geschichte der Sophie im von den Deutschen besetzten Frankreich des Jahres 1916, und ihr Kampf ums tägliche Überleben. Die Autorin schildert dies alles so glaubwürdig und authentisch, dass man im Buch das Gefühl hat, in die damalige Kriegszeit einzutauchen. Und da ist da dieses Bild, Sophies Portrait, das sie so mit ihrem geliebten Edourd verbindet und das dann im weiteren Verlauf des Romans eine entscheidende Rolle spielen wird.

Kaum hat man aber Sophie und ihre Familie liebgewonnen und freut sich auf noch mehrere Hundert Seiten mit ihnen, kommt dann plötzlich in Teil 2 der totale Umbruch: anderer Ort (London), andere Zeit (unsere Zeit) und andere Personen (zwangsläufig wegen dem Zeitunterschied ) Es dauerte bei mir ein bis zwei Kapitel, bis ich diesen "Schock" überwunden hatte, aber dann konnte ich auch die neuen Charaktere, insbesondere Liv und Paul lieb gewinnen. Frau Moyes hat wirklich eine Fähigkeit, Menschen glaubwürdig, authentisch zu zeichnen, so dass sie es schafft, während eines Romans mit schon starken Figuren noch weitere hinzu zu fügen, die gegenüber den ersten keinesfalls blass wirken.

Und nach und nach merkt man als Leser dann auch, was die beiden so unterschiedlichen Erzählstränge miteinander zu tun haben, warum sie sogar untrennbar miteinander verbunden sind. Die Geschichte von Sophie wird nämlich nun aus dem Blickwinkel Livs weiter erzählt. Man erfährt also durch Liv und ihre Nachforschungen wegen des Bildes, wie es damals mit Sophie weiterging. So dass Spannung und Dynamik im Roman sozusagen aus zwei Quellen kommen: von Livs aktuellem Kampf um das Bild , und von den ständigen Rückblenden, durch die man Stück für Stück erfährt, wie es Sophie und ihrer Familie damals weiter erging.

Wie beide Geschichten weitergehen, sei natürlich noch nicht verraten. Auf jeden Fall nicht voraussehbar. Oft glaubt man, die Story steht kurz vor der Auflösung, dann kommt wieder eine überraschende Wende, und dann noch eine. Und vor allem die finale Lösung ist verblüffend und stark. Wenn man bei der letzten Seite angekommen ist, fühlt man sich wie am Ende eines richtig guten Kinofilms: man hat alles um sich rum vergessen, nicht gemerkt, wie die letzten Stunden vergangen sind.

Fazit:
Frau Moyes hat wieder einen fesselnden Roman mit interessanten historischem Hintergrund, spannender Story, starken Figuren und viel Emotion geschrieben. Vielleicht ist er sogar ein wenig zu perfekt konstruiert. Für mich waren es (im Rückblick) irgendwie ein paar Zufälligkeiten und Wendungen zu viel, die immer genau an der passenden Stelle passierten. Man weiß ja als Leser, dass es im Leben, im Alltag leider nie so perfekt passt. Aber greift man nicht gerade deshalb zu einem Roman, oder geht in einen Kinofilm: um dem Alltag, der täglichen Mittelmäßigkeit zu entfliehen, um für ein paar Stunden in eine richtig perfekte Story einzutauchen, die einen alles um sich rum vergessen lässt? Und wer sich das von dem Buch erhofft hat, dessen Erwartungen werden nicht nur erfüllt, sondern sogar übererfüllt. (meine Meinung)


Beim Dehnen singe ich Balladen: Geschichten und Glossen
Beim Dehnen singe ich Balladen: Geschichten und Glossen
von Jürgen von der Lippe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

14 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirklich witzig, 20. Januar 2015
Am Anfang war ich etwas skeptisch ob die Pointen, die Jürgen von der Lippe bei seinen Fernsehauftritten immer so zielsicher anbringt, auch in einem Buch funktionieren würden. Aber es klappt, von der Lippe hat einen witzigen und unterhaltsamen Schreibstil. Er versucht auch gar nicht erst, seinen Stil dem man aus dem Fernsehen kennt, im Buch 1:1 umzusetzen, sondern erzählt einfach lustige Anekdoten, die voll aus dem Leben gegriffen sind. Hier man ein beispielhafter Dialog aus dem Buch:

DIE KÜNDIGUNG
Frau Sörensen, es tut mir leid, ich muss Ihnen kündigen.
Warum?
Sie sind einfach eine schlechte Reinigungskraft.
Wieso?
Sie hinterlassen die Wohnung nicht wesentlich sauberer, als Sie sie betreten.
Das stimmt nicht, ich dusche jedes Mal nach der Arbeit.
Aha, wie schön. Noch schöner wäre es, wenn Sie Ihr Reinigungsbedürfnis auch auf den Fußboden, die Teppiche, das Geschirr, das Badezimmer usw. ausdehnen würden!

Fazit: Jürgen von der Lippe hat wirklich einen unerschöpflichen Fundus an witzigen Anekdoten, die er entweder selbst erlebt, oder von ihnen gehört hat. Und so erstrecken sich seine lustigen Geschichten über alle möglichen Orte (etwa Restaurant, Theater, Hotel) oder auch Situationen(etwa Heiratsantrag, Weihnachten, Arztbesuch). Das alles bringt er in dem Buch gut rüber, und so ist es wirklich eine aufheiternde Lektüre, die nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 24, 2015 2:39 PM CET


Das digitale Debakel: Warum das Internet gescheitert ist - und wie wir es retten können
Das digitale Debakel: Warum das Internet gescheitert ist - und wie wir es retten können
von Andrew Keen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Internet ist das, was wir daraus machen, 20. Januar 2015
Keen wendet sich im Buch gegen die gängige These, dass das Internet generell Transparenz, Wohlstand und Demokratie fördern würde. Oft schlagen diese vermeindlichen Vorzüge gerade ins Gegenteil um, fördern also Intransparenz, Armut und diktatorische Züge. Und dies weist er jeweils an aufrüttelnden Fakten nach. Hier nur ein paar Beispiele:

Transparenz
Oft gibt uns das Internet die Illusion, dass man durch das Netz alles wissen kann (Google) - sogar über andere Menschen. (Facebook) Aber die Sache hat jeweils eine Kehrseite. Die großen Internet-Player wissen nämlich vor allem erstmal viel über uns, unsere Kaufgewohnheiten, oder unseren Gesundheitszustand. Und sie geben dieses kostenlos erlangte Wissen gewinnbringend weiter: an die großen Handelsmarken oder an Lebensversicherungen. Wohlgemerkt ohne, dass wir darauf Einfluss hätten, oder überhaupt auch nur davon wissen.

Armut
Durch das Internet werden nur sehr wenige wirklich reich, aber viele ärmer. Denn Computer und Netzwerke können immer mehr von dem leisten, was wir Menschen können. Keen nennt es "Digitale Hypereffizienz" Dadurch werden zukünftig immer größere Teile der Mittelschicht wegbrechen. Es wird eine kleine Elite von "Digital Masters" geben, daneben ein Proletariat, dass die Computer wartet und nicht viel dazwischen. Keen hat z.B. Rochester besucht. Vom ehemaligen Foto-Marktführer Kodak gibt es dort nur noch ein Museum und 50 000 entlassene Arbeitnehmer, die ohne Rente dastehen - Opfer der Digitalisierung und Symbol dafür, dass der digitale Kapitalismus destruktiv sein kann.

Demokratie
Im Internet kann jeder alles schreiben und seine Meinung abgeben. Das klingt erstmal sehr basisdemokratisch - hat aber eine Kehrseite. Denn jeder kann auch andere abwerten oder gar verleumden. Und so begünstigt das Netz genauso gut Hetze und Intoleranz. Das läuft aber unserem Rechtsstaatsprinzip zuwider, nach dem jeder ein Recht auf Verteidigung seiner Privatsphäre hat. Denn Menschenwürde ist in einer Demokratie unantastbar, und darf auch nicht durch das Internet in Frage gestellt werden. Nicht jeder muss alles wissen, weder der Staat, noch Unternehmen, noch der Nachbar.

FAZIT
Ein wichtiges, aufrüttelndes Buch zur rechten Zeit. Keen verurteilt das Internet nicht per se. Er warnt nur vor dessen negativen Auswüchsen, die unsere Lebensqualität vermindern werden, wenn es die Politik nicht bald schafft, ein verbindliches Regelwerk aufzustellen - damit das Internet wirklich dem Menschen nutzt, und ihm nicht schadet.


Unterwerfung: Roman
Unterwerfung: Roman
von Michel Houellebecq
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Kampf der Kulturen - oder freiwillige Unterwerfung?, 17. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Unterwerfung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer von dem Buch eine Art "Schreckensszenario" einer islamischen Herrschaft erwartet hat, wird wahrscheinlich überrascht werden. Ja, es gibt einen muslimischen, französischen Präsidenten. Ja die Frauen ziehen plötzlich keine Kleider und Röcke mehr an. Aber sie tun dies nicht etwa, weil sie jemand mit Gewehr im Anschlag dazu zwingt - sondern ganz freiwillig. Ja, die Universitäten werden islamisch. Aber der Held des Romans Francois lässt sich trotzdem nicht davon abhalten, an der Sorbonne ein Amt zu übernehmen - nicht etwa aus Zwang oder einem religiösen Sinneswandel heraus. Sondern weil ihm dank der Finanzkraft der neuen saudischen Eigner der Uni ein verdreifachtes Gehalt geboten wird. Und weil ihm erlaubt wird, mehrere Frauen zu haben.

Und das scheint für mich die eigentliche Provokation und Vision des Autors zu sein, nämlich: Der Islam reißt in ein paar Jahren die Macht nicht etwa an sich - das braucht er dann gar nicht mehr. Sondern dies geschieht ganz demokratisch durch Wahlen. Im Buch wird es dann (nach einem kurzen Aufruhr) auch eher als ein friedliches Hinübergleiten in einen islamischen Staat geschildert. Hier liegt für mich die Pointe Houellebecqs: Ein moralisch marodes Abendland, ein müdes, kraftloses Europa ohne Visionen, ein Kontinent des Religions-, und Werteverfalls, in dem nur noch materielle Werte und Hedonismus zählen, braucht gar nicht mehr vom Islam besiegt werden, sondern unterwirft sich gleich freiwillig!

Vielleicht ist die Angst vieler vor einem Erstarken des Islam in Europa ja einfach nur das Spiegelbild der eigenen empfundenen Schwäche? Vielleicht sind die vielen wohlmeinenden Aufrufe auf den Montagsdemos ("wir sind bunt, tolerant und weltoffen") eher ein Zeichen dafür, dass wir am liebsten die ganze Welt umarmen würden - weil wir selbst schwanken und davor zurück schrecken, uns mit uns selbst und unserer eigenen, verloren gegangenen Identität zu beschäftigen? Ja, wir sind jetzt alle Charlie - aber wer oder was sind wir ansonsten? Eine saturierte, überalterte westliche Gesellschaft, in der (im Gegensatz zum Islam) kaum noch andere Werte gelebt werden, als materielle, schafft sich selbst ab, oder wird abgeschafft. Das ist für mich das eigentliche Schreckensszenario, das Houellebecq im Buch entwirft, und über das es sich lohnt, nachzudenken.


Schlank mit Darm: Mit der richtigen Darmflora zum Wunschgewicht
Schlank mit Darm: Mit der richtigen Darmflora zum Wunschgewicht
von Michaela Axt-Gadermann
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum unsere Darmbakterien so nützlich sind, 11. Januar 2015
Unter Bakterien stellt man sich ja meist etwas Negatives vor. Aber sie können auch sehr nützlich sein, nämlich vor gefährlichen Keimen schützen, unser Immunsystem stärken und für eine gute Verdauung sorgen. Und das alles zeigt die Autorin in diesem Buch.

Das Entscheidende ist, die Zahl der "guten" Bakterien zu erhöhen, und die der schlechten Bakterien zu vermindern. Und dies können wir zu einem großen Teil selbst steuern - über die Ernährung, durch die wir beeinflussen, wie viele verdauungsfördernde, und damit nützliche Bakterien sich in unserer Darmwand ansiedeln. Im Buch sind dann auch Nahrungsmittel genannt, die die Ausbildung verdauungsfördernder Bakterien steigern. Vieles davon ist wahrscheinlich für die meisten nicht so überraschend (etwa Knoblauch, Sauerkraut, Reis). Manches hatte ich aber dann doch nicht erwartet. Etwa, dass in Bezug auf die Darmflora das Weißbrot dem Schwarzbrot vorzuziehen ist, weil ersteres die für den Darm wichtige resistente Stärke besitzt.

Neben diesen nützlichen Ernährungstipps erfuhr ich durch das Buch auch noch manch anderes Interessante über unseren Körper und die Verdauung, war mich persönlich doch erstaunt hat, etwa:

- dass es der Darum durch seine Faltenform auf eine Oberfläche von stolzen 500 qm bringt - das entspricht der Fläche von zwei Tennisplätzen!
- dass unsere Darmbakterien insgesamt ein Gewicht von 2 Kilo besitzen, und manche Mediziner sie deshalb als eigenen Körperteil betrachten
- dass unserer Verdauungsapparat im Verlaufe unseres Lebens rund 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit verdauen muss

FAZIT: Die genannten Fakten zeigen, wie wichtig der Darum für unsere Verdauung, unser Gewicht und damit unser Wohlbefinden ist. Dass alles wird in dem Buch gut beschrieben - nicht nur mit interessanten Fakten, sondern auch in einer verständlichen Darstellung und in optisch sehr ansprechender Form.


Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens
Smalltalk: Die Kunst des stilvollen Mitredens
von Alexander von Schönburg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sei, wer du bist, 4. Januar 2015
Nie zuvor wurde so viel kommuniziert wie heute. Leider passiert das immer weniger von Angesicht zu Angesicht, sondern nur nur virtuell. Jeder scheint nur noch auf sein elektronisches Gerät zu schauen. Doch dabei verlieren wir die Fähigkeit, miteinander zu sprechen, meint der Autor in seinem Buch. Er möchte die aussterbende Kunst des Smalltalks wiederbeleben, weil sie unser Leben um so vieles reicher macht.

Beim Smalltalk muss man natürlich einige Grundregeln beachten. Schönburg weist vor allem darauf hin, dass es nicht nur darauf ankommt, klug und viel zu reden, sondern dass es fast noch wichtiger ist, gut zuhören zu können. Man muss dem anderen dabei das Gefühl geben, ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, sich wirklich für ihn zu interessieren, und dann kommt auch ein positives Feedback zurück.

Auch mal zu schweigen hat aber noch einen weiteren Vorteil. Denn dabei gilt man keineswegs als dumm oder unwissend, sondern eher als souverän und intelligent. In unserer heutigen Informationsüberflutung ist es sowieso unmöglich geworden, von allem Ahnung zu haben. Wer es dann trotzdem versucht, gilt eher als Besserwisser. Sei wer du bist, dann hast du die Chance der zu werden, der du sein kannst. Das ist wohl die wichtigste Botschaft von Schönburg in seinem Buch


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