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Zwischen Den Runden
Zwischen Den Runden
Preis: EUR 9,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kann Spuren von Muzak enthalten, 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Zwischen Den Runden (Audio CD)
Die auffällig gefällige Single "Im Club" und die ersten Songs, die Kettcar vor dem Erscheinen auf YouTube präsentierten ("Rettung", "Schrilles, buntes Hamburg") hatten mich nicht gerade vom Hocker gerissen - Sorgen machte ich mir dennoch nicht: Die werden ihr ganzes Pulver nicht gleich am Anfang verschießen. Zwei Wochen regelmäßiges Hören (inklusive Konzertbesuch) später muss ich leider feststellen: doch, genau das haben sie getan; jene Songs gehören tatsächlich zu den Highlights des Albums. Insgesamt fällt es mir ziemlich schwer, eine Rezension zu verfassen, in denen nicht die Versatzstücke "früher", "B-Seite" und "nicht mal" auftauchen. Okay, ganz fair ist das nicht, da Kettcar immer ziemlich großartige B-Seiten hatten - aber wenn man sich beim Nachdenken über Kunst schon die Frage stellen muss, ob die eigene Meinung "fair" ist... dann gibt es da irgendwo ein Problem.

Natürlich gilt auch hier "Man gewöhnt sich an alles". Und tatsächlich gefallen mir inzwischen einige Stücke, mit dem ich zunächst absolut nichts anfangen konnte, irgendwie doch ganz gut. Aber dieses Sich-Reinhören-Müssen ist gerade das Problem: Bei "Du und wieviel von deinen Freunden" wusste man sofort, noch bevor sie durchgelaufen waren: Diese Songs sind zeitlose Klassiker. Man wollte sie immer wieder hören, weil sie einfach Spaß machen (ja, auch die traurigen darunter) - und nicht, weil man pflichtschuldig und zunehmend resignierend versucht, einen Zugang zu finden, wie Kafkas Mann vom Lande vor dem Gesetz.

Die großen Hymnen, die einen quasi zwingen, sie zu hören, sind aber auf "Zwischen den Runden" minimalistischen Skizzen gewichen, die zu hören man sich eher selbst zwingen muss. Gerade mal 41 Minuten lang ist die Standard-CD (die Frage, ob man für drei Bonus-Tracks wirklich eine zweite CD gebraucht hätte, lasse ich hier mal außen vor), kaum ein Stück kommt in die Nähe der 4-Minuten-Grenze. Und trotzdem hat man das Gefühl, dass die Songs sich endlos dahinziehen; das ganze Album einigermaßen aufmerksam am Stück durchzuhören, will mir nicht gelingen. "Kurzweilig" kann man das wirklich nicht nennen, aber wie bloß dann...?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich habe nichts gegen ruhige Songs; ich finde nicht, dass jedes Album eine ausgewogene Mischung von laut und leise enthalten muss; ich habe nichts gegen Experimente wie Streicher und Bläser; ich habe auch nichts gegen todernste Themen, die in der Popmusik normalerweise keinen Platz haben, aber bei Kettcar fast schon Markenzeichen sind (egal, ob es um die totale Entfremdung zwischen Freunden, das hoffnungslose Auseinanderleben von Paaren, das klägliche Scheitern von Lebensentwürfen oder das Auflösen des elterlichen Haushalts geht, um ein paar Beispiele vom Vorgänger "Sylt" zu nennen). Aber so etwas kann halt gut oder weniger gut gelingen. Letztlich steht und fällt alles mit dem reinen Songmaterial, und eben daran hapert es diesmal.

Nur zwei Beispiele: Es gibt wohl niemanden, den Songs wie "Nach Süden" oder "Zurück aus Ohlsdorf" kalt lassen: Einmal geht es um das Überleben von Krebs; einmal um das Sterben daran, geschildert aus der Perspektive eines früheren Freundes des Verstorbenen, der mit diesem schon lange nichts mehr zu tun hatte ("Ich hatte ehrlich gesagt ziemlich lange überlegt ob ich wirklich [zur Beerdigung] kommen sollte"). Natürlich geht das emotional an die Substanz, aber das scheint ausschließlich an den Themen selbst zu liegen - und eben nicht an der musikalischen und/oder lyrischen Form, in der sie vermittelt werden.

Im Promotext heißt es, es gäbe "Spuren von Northern Soul, Jazz, Soundtracks." Nur sind es mehr als nur Spuren, und etwas bösartiger hätte man auch von "Muzak" reden können: Über weite Strecken wirkt die Musik wie ein dahin plätschernder Hintergrundsound ohne inneren Zusammenhang mit dem textlichen Inhalt - welcher zudem "authentisch" (!), aber stilistisch oft wenig ambitioniert wirkt, stellenweise gar, bei Kettcar bisher undenkbar, klischeehaft. Die überraschenden Metaphern, die früher allgegenwärtige (selbst-) ironische Distanz sind nicht verschwunden, aber auf dem Rückzug; vieles kommt gnadenlos "eins zu eins" daher, seltsam schulaufsatzhaft, wirkt irgendwie holprig, bemüht emotional und gerade dadurch dennoch verkopft.

Ins Bild passen dabei die teils zwar durchaus sehenswerten, aber ein wenig zu kunsthochschulhaften Videos, die die Band zu jedem (!) Song hat drehen lassen - ganz so, als würden sie den Songs selbst nicht ganz zutrauen, für sich allein ein "Kino im Kopf" erzeugen zu können, als wären sie ein bloßer Soundtrack, der seine Wirkung nicht ohne das Zusammenspiel mit visuellen Impressionen entfalten kann.

Zugegeben: Meine Enttäuschung liegt vielleicht auch etwas am Erscheinungszeitpunkt. Hätte dieses Album nämlich weniger lange auf sich warten lassen, wäre es vielleicht 1-2 Jahre nach "Sylt" erschienen - ich denke, ich hätte es als Kontrapunkt dazu, als kleines Experiment zwischendurch, als eine Art B-Seite in (knapper) Albumlänge, sogar ganz nett gefunden. Dann hätte auch der Titel besser gepasst. Aber nach fast vier Jahren Warten - bei Bands mit jüngeren oder weniger treuen Fans könnte man schon sagen, Zeit für ein Comeback - kann man eben kaum anders, als das nächste große Ding zu erwarten, halt eine "richtige Runde" und kein introspektives Innehalten "dazwischen". Bleibt zu hoffen, dass sich Kettcar bei der nächsten Runde wieder energischer ins Ruder legen, und das möglichst nicht erst in vier Jahren.

Zur leidigen Quantifizierung: Wenn man das unsterbliche "Du und wieviel..." auf die Höchstnote 5 setzt, "Sylt" und "Spatzen und Tauben" um die 4 ansiedelt - dann bleiben für "Zwischen den Runden" leider auch mit zwei fest zugedrückten Augen und großzügig aufgerundet nicht mehr als 3 Sterne übrig. Ob dieses Glas damit für mich halbleer oder doch halbvoll ist, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen.


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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wozu mehr Geld ausgeben...?, 6. Februar 2009
Macht tadellos genau das, was sie soll - das Signal empfangen, fertig. Die meisten Konkurrenzangebote liegen deutlich über 10 €, für die gleiche Leistung (was sollten sie auch mehr können?)
Zu beachten ist allerdings, dass es sich um eine "aktive" Antenne handelt, d.h. sie muss mit Strom versorgt werden. Die Stromversorgung über den Antenneneingang muss normalerweise am Fernseher bzw. Receiver eingeschaltet werden - dann funktioniert die Antenne tadellos. Sonst natürlich nicht. Sich darüber aufzuregen, ist ungefähr so sinnvoll, wie sich darüber aufzuregen, dass man ein Auto tanken muss. ;)


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