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Rezensionen verfasst von
Dasting-Hussner
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Welche Idee wird alles verändern?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über Entdeckungen, die unsere Zukunft bestimmen werden
Welche Idee wird alles verändern?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit über Entdeckungen, die unsere Zukunft bestimmen werden
von John Brockman
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein bisschen gemogelt, 18. August 2014
John Brockman, Herausgeber der Internetzeitschrift »Edge«, stellt den führenden Wissenschaftlern unserer Zeit alljährlich eine wichtige Zukunftsfrage, und veröffentlicht ihre Antworten in einem Buch. 2009 hieß die Frage: Welche Idee wird alles verändern?

Leider hat John Brokman ein bisschen gemogelt. Einige der Autoren sind nämlich gar keine führenden Wissenschaftler, sondern Journalisten, Schriftsteller, Künstler, Musiker, Architekten, Unternehmer und Schauspieler. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn es denn auf dem Cover des Buches vermerkt worden wäre. Man hätte dann auch seine Erwartungen an das Buch runter schrauben können. Schwerer wiegt aber, dass eine Reihe von Beiträgen einfach lächerlich kurz sind und viele schlichtweg das Thema verfehlt haben. So schreibt z.B. der Physikprofessor Gerald Holton: "Die Antwort (auf die »Edge«-Frage) kann man in einem Satz geben: die absichtliche, feindliche Anwendung einer größeren Atomwaffe durch einen Staat, eine Terroristengruppe oder andere Personen." Doch die passende Frage dazu wäre nicht "Welche Idee (Entdeckung) wird alles verändern?" sondern "Welches Ereignis wird alles verändern?" Danach wurde aber nicht gefragt.

Auch die Qualität vieler Beiträge lässt zu wünschen übrig. So offenbart etwa Rupert Sheldrake in »Die Kreditklemme des Materialismus«, dass er überhaupt nicht verstanden hat, was Wissenschaft wirklich bedeutet, was ihre Prinzipien sind und was ihre Methodik ausmacht. Das ist mehr als peinlich, zumal er selbst Wissenschaftler ist. Andere Beiträge sind unausgegoren und nicht zu Ende gedacht, wie z.B. »Der wahre Lügendetektor« von Neurowissenschaftler Sam Harris. Es sind aber auch einige gute Beiträge dabei. Thomas Metzinger's »Seelenwanderung für selbstlose Wesen« etwa beschreibt die Möglichkeit der Übernahme von virtuellen Körpern (Avatare) und das Eins werden mit ihnen. »Babylon rückgängig machen« von Daniel L. Everett beschäftigt sich mit brauchbaren maschinellen Übersetzungen von einer Sprache in eine andere und die weitreichenden Konsequenzen, die sich daraus für die weltweite Verständigung ergeben würden.

Eine Reihe von Beiträgen im Buch hätte man ohne Verlust streichen können. Einige Texte wirken stellenweise etwas altbacken. Hätte man bei den Beiträgen mehr auf Qualität als auf Quantität gesetzt, hätte das Buch zwar einen geringeren Seitenumfang gehabt, wäre aber sicher gehaltvoller geworden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 18, 2014 2:18 AM MEST


Heimspiel: Plädoyer für die emanzipierte Familie
Heimspiel: Plädoyer für die emanzipierte Familie
von Lisa Ortgies
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsches Spiel, 3. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lisa Ortgies, Journalistin und Moderatorin von Frau-TV, präsentiert hier ein buntes Sammelsurium von altbackenen feministischen Thesen, substanzlosen, mehr gefühlten als mit harten Zahlen belegten Behauptungen, willkürlich passend gewählten Einzelfällen und endlosem Männerbashing.

Ein Plädoyer für die emanzipierte Familie soll das Buch sein. Was versteht die Autorin unter einer emanzipierten Familie? Das soll eine Familie sein, wo Männer und Frauen sich zu genau gleichen Teilen Erwerbs-, Haus- und Erziehungsarbeit aufteilen, was auch bedeutet, dass Kinder aushäusig betreut werden müssen und das möglichst schon in oder nach der Stillphase. Gleichberechtigung heißt dann für sie, dass Männer und Frauen genau das Gleiche tun. Um diesen feministischen Lebensentwurf für alle als Notwendigkeit zu verkaufen, ist ihr kein Argument zu dumm, keine Manipulation zu unmoralisch, kein willkürlich gewählter Einzelfall zu extrem und kein Männermobbing zu übertrieben. Der Zweck heiligt bei Feministinnen eben immer die Mittel.

Viele Behauptungen der Autorin sind schlichtweg falsch. Evolutionsbiologische Erklärungen für geschlechtstypisches Verhalten lässt sie nicht gelten, weil sie sie meist nicht verstanden hat, ihr Kenntnisse / Interesse fehlen und die Fakten halt nicht in die feministische Ideologie passen. Mit Zahlen steht sie sowieso auf Kriegsfuß, daher werden auch nur wenig konkrete genannt. Fakten, die ihr nicht in den Kram passen, verschweigt sie einfach oder stellt sie nur unvollständig dar. Ständig werden Männer für alles Mögliche verantwortlich gemacht und Frauen als die »besseren Menschen« dargestellt. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, hier alle Textstellen aufzuführen.

Im Buch offenbart sich jedoch auch der Totalitarismus der feministischen Ideologie in unabsichtlich selbstenthüllenden Formulierungen. Zunächst ist es das uralte von Alice Schwarzer geprägte Leitmotiv "Das Private ist das Politische", dem auch die Autorin anhängt. Das ist nichts anderes als die Aufforderung an den Staatsapparat, sich in das Privatleben der Menschen einzumischen und es zu kontrollieren – ein Nogo für einen auf dem GG aufbauenden Rechtsstaat mit garantiertem Schutz der Privatsphäre, aber ein klassisches Markenzeichen aller totalitären Staaten, ob braun, rot oder islamistisch. Weitere Markenzeichen sind:

-- Propagierung eines universellen Feinds, der für alles Übel dieser Welt verantwortlich ist. Oft wird dieser Feind dann noch als Untermensch, Asozialer, etc. dargestellt. Was bei Nazis die Juden waren, bei Kommunisten die Kapitalisten oder Konterrevolutionäre, bei Islamisten die Ungläubigen, sind bei Feministinnen die Männer. Folglich gibt es im Buch auch bald in jedem zweiten Satz Männerschelte: Sie sind für die Finanzkrise verantwortlich, dafür, dass Frauen angeblich weniger verdienen als Männer, dafür, dass sich an Geschlechterrollen nichts ändert, etc. Auf S.93 lässt sie die Gender-»Forscherin« Karin Flaake zu Wort kommen, nachdem Fr. Ortgies sich fragt, ob Eltern nicht am selben Strang ziehen, wenn sie versuchen, aus dem Nachwuchs eigenständige und liebesfähige Menschen zu machen. Karin Flaake meint, dass sie das tun sollten, wenn sie die Menschwerdung des Sohnes nicht auf eine »Mannwerdung« beschränken wollen. Männer sind danach also keine richtigen Menschen, denn offensichtlich ist die »Mannwerdung« ja nur eine verkümmerte Menschwerdung, oder? Solche sexistischen Aussagen dürfen aber in Deutschland schon seit Jahren offen und auf höchster politischer Ebene geäußert werden, ohne dass man einen #Aufschrei befürchten müsste. Man lasse sich etwa den Satz aus dem Hamburger Programm der SPD von 2007 "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." auf der Zunge zergehen, ersetze in Gedanken »männlich« z.B. durch »jüdisch« und überlege sich, was dann mit einem solchen Satz in kürzester Zeit passieren würde, wenn er veröffentlicht würde.

-- Darstellung der Ideologie-Zielgruppe als die »besseren Menschen«. Beispiele hierfür sind je nach Ideologie die arischen Herrenmenschen, die neuen sozialistischen Menschen, die Gotteskrieger oder eben die Frauen. So zitiert Lisa Ortgies zum Thema Finanzkrise die Chefin der Women's World Bank (S.185): "Hätten wir nicht nur Lehman Brothers, sondern auch Lehman Sisters gehabt, wäre uns die Krise mit dem jetzigen Ausmaß erspart geblieben." Frauen hätten alles besser gemacht - so die implizite Voraussetzung dieser Aussage. Wirklich? Wusste die Autorin, das die Credit Default Swaps, die der amerikanische Groß-Investor Warren Buffet als finanzielle Massenvernichtungswaffen bezeichnet hat und die maßgeblich die Finanzkrise verursacht hatten, das Werk der amerikanisch-britischen Investmentbankerin Blythe Masters waren? Aber von dem Thema hat Lisa Ortgies sowieso keine Ahnung. Da hängt sie sich lieber an die populistischen Zeitgeist-Männerbashing-Parolen.

-- Universeller Geltungsanspruch und daraus resultierende Verpflichtung aller auf die Ideologie und gegebenenfalls Umerziehung. Dazu beruft man sich entweder ausschließlich auf eine natur- bzw. gottgegebene Ordnung (Nazis, Islamisten) oder man leugnet diese komplett und behauptet, der Mensch sei beliebig formbar (Kommunisten, Feministen). Das eine ist so falsch wie das andere. Auch im Buch kann man an den Formulierungen sehr schön sehen, wie Fr. Ortgies die feministische Ideologie mit ihren neuen Rollenzuweisungen am liebsten allen überbraten möchte.
Dazu ein Zitat von S.105: "Die Hausarbeit ist ebenso politisch wie die Kinderfrage, die Sexualität und alles andere angeblich Private. Sie ist die Antwort auf die Frage, warum gelebte Geschlechterrollen nur minimal bröckeln, statt sich so schnell zu wandeln, wie die Familienpolitik es vorgibt."
Die Familienpolitik es vorgibt? Wie jetzt: BMFSFJ befiehl (uns die Geschlechterrollen), wir folgen, oder was?
Ein weiteres schönes Beispiel ist das folgende Zitat (S.106): "Schaut man sich die Zahlen an, dann erscheint einem der Vorstoß der damaligen SPD-Gleichstellungsbeauftragten im Bundestag Ulla Schmidt, die 1995 den Vorschlag machte, Männer per Familienrecht zur Hausarbeit zu zwingen, als eine respektable Idee."
Die Autorin hält es für eine respektable Idee, trotz des verfassungsmäßig garantierten Schutzes der Privatsphäre Zwang bis ins Privatleben hinein auszuüben, damit eine totalitäre Ideologie durchgesetzt wird? Männer, die sich weigern, die von oben aufgezwungenen Rollen anzunehmen, würden dann wohl in Schutzhaft genommen, oder? Frauen bleiben natürlich verschont. Ob Lisa Ortgies und Ulla Schmidt wohl wissen, was ein Rechtsstaat ist, was Grundrechte bedeuten und was es mit Schutz der Privatsphäre auf sich hat?
An anderer Stelle (S.157) schreibt die Autorin: "Bastians Mutter hat ihm in bester Absicht ein Handikap anerzogen, das für die Partnerschaft des erwachsenen Jungen desolate Folgen hätte haben können. Wäre er nicht zufällig auf die Richtige gestoßen ... Die einzige Chance solche Jungs zurechtzubiegen, bevor sie auf die Realität in Form einer "unmütterlichen", weil emanzipierten Partnerin stoßen, wäre ein skandinavischer Lehrplan an deutschen Schulen."
"Jungs" müssen "zurechtgebogen" werden, Männer gezwungen werden und werden erst durch Frauenhand zu Menschen etc. - ja, das ist das Vokabular des Totalitarismus, bei dem Frauen bis in die Privatsphäre hinein über Männer bestimmen möchten! Frauen als die »besseren Menschen« bleiben bei diesem Konzept natürlich von jeglichem Zwang verschont.

Eins hat die Autorin wohl nicht verstanden oder will es nicht verstehen: In einem offenen liberalen Rechtsstaat bestimmen Paare selbst, welche Rollen sie einnehmen. Sie allein sind dafür verantwortlich, wie die vorhandene Erwerbs-, Haus- und Erziehungsarbeit unter den Partnern aufgeteilt wird. Kein Staatsapparat und keine Ideologie hat hier vorzugeben, wer wie und wann welche Arbeiten zu erledigen hätte. Gleichberechtigung heißt lediglich, dass Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Es heißt NICHT, dass sie im Ergebnis das Gleiche tun müssen. Wer das dennoch durch Zwang von oben erreichen will, macht aus einem Rechtsstaat einen Unrechtsstaat. Wir sind auf dem besten Weg dazu und Bücher wie »Heimspiel« leisten durch ihr falsches Spiel einen traurigen Beitrag dazu.
Kommentar Kommentare (66) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 30, 2014 5:20 PM CET


Die gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen als Instrument beruflicher Gleichstellung in der deutschen Wirtschaft
Die gesetzliche Frauenquote in Führungspositionen als Instrument beruflicher Gleichstellung in der deutschen Wirtschaft
von Mariya Chernoruk
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vom Rechtsstaat zum Unrechtsstaat, 29. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das "Buch" hatte ich mir bestellt, um einen Überblick über den Standpunkt pro Frauenquote zu bekommen. Es ist im GRIN-Verlag erschienen, der sich darauf spezialisiert hat, akademische Texte einem breiten Publikum zu präsentieren, und wird als Studienarbeit im Fachbereich "Frauenstudien/Gender-Forschung" bezeichnet. Als ich dann die Lieferung erhielt, stellte sich heraus, dass es sich dabei um eine einfach geheftete Broschüre handelte. Der eigentliche Text umfasste gerade einmal 14 (!) Seiten. Für 14,99 ist das allerdings geradezu ein Wucherpreis, den der Verlag dafür nimmt. Es handelt sich dabei lediglich um eine Hausarbeit "im Rahmen der Veranstaltung "Gender Policy in der EU und im Völkerrecht" im WiSe 2011/2012".

Gut, dachte ich, schaue ich mir dieses Heftchen mal inhaltlich an. Vielleicht ist der Preis ja gerechtfertigt. Aber auch das war wieder ein Flop. Man kann jetzt zwar von einer Hausarbeit nicht allzu viel erwarten, allerdings sollte der Text wenigstens ein paar wissenschaftliche Standards einhalten, da der GRIN-Verlag ja gerade akademische Texte präsentieren will. Was ich hier jedoch lesen musste, war das alte feministische Geleier.

Nach einer Einleitung erfolgt zunächst eine Begriffsklärung, was man unter "Führungsposition" und "Frauenquote" verstehen soll. Anschließend wird der Status Quo von Frauen in Führungspositionen in Deutschland und Europa beleuchtet. Danach erfolgt eine Diskussion der Einwände gegen eine Frauenquote (Eingriff in Auswahlprozesse, Vernachlässigung von Branchenunterschieden, Diskriminierung von Männern). Dann wird die mögliche Ausgestaltung einer gesetzlichen Quotenregelung besprochen. Das Heftchen schließt mit einem Fazit ab, an das sich dann noch das Literaturverzeichnis anschließt.
Wer erwartet, dass es in dem Text eine intensive Auseinandersetzung über die Rechtfertigung von Quoten allgemein und von Frauenquoten im Besonderen gibt, der wird schnell enttäuscht. Hier werden nur die bekannten Allgemeinplätze unkritisch widergegeben. Ein massiver Eingriff in die verfassungsmäßig garantierte Gleichbehandlung aller Menschen vor dem Gesetz würde zumindest eine mehr als sorgfältige Rechtfertigung und vor allem triftige Gründe erfordern. Immerhin ist diese Gleichbehandlung ein hohes Rechtsgut, dessen partielle Aufhebung nur in Abwägung mit gleichwertigen oder gar höheren Rechtsgütern überhaupt möglich wäre. Stattdessen wird auch hier als Rechtfertigung lediglich die bloße statistische Unterrepräsentanz von Frauen in willkürlich ausgewählten Bereichen genommen. Aus statistischen Unterrepräsentanzen lassen sich aber keine Diskriminierungen ableiten. Sie sind nämlich lediglich Ausdruck von Präferenzen (u.a. auch geschlechtsspezifischen) der Menschen. So liegt der Frauenanteil bei Flugzeugpiloten bei 3%. Bei der Müllabfuhr wird er noch geringer liegen. Liegt das daran, dass Frauen hier diskriminiert würden? Wohl kaum! Frauen haben einfach im statistischen Mittel weniger Interesse an solchen Jobs. Was hier klar auf der Hand liegt, wird bei Führungspositionen einfach wieder vergessen. Aber auch hier gibt es Belege dafür, dass Frauen im Mittel weniger Interesse daran haben. Es ist zudem bekannt, dass Frauen im Allgemeinen weniger in ihre berufliche Qualifizierung investieren und im Erwerbsleben weniger Stunden arbeiten als Männer. Das alles führt zu den beobachteten Verteilungen. Dies wird aber von den Quotenbefürwortern weder thematisiert noch überhaupt erforscht.

Selbst wenn man Diskriminierung von Frauen nachweisen könnte, wäre die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote immer noch ein eklatanter Verfassungsbruch, denn der Staat darf eben nicht per Gesetz pauschal Männer diskriminieren, weil einzelne Männer einzelne Frauen diskriminieren. Es gibt im Grundgesetz keine Rechte von Gruppen, sondern nur solche von Individuen. Leider hat der Gesetzgeber selbst angefangen, das Grundgesetz diesbezüglich auszuhöhlen. Die rot-grüne Bundesregierung hat in den 90er Jahren in Artikel 3, Absatz 2 einen weiteren Satz hinzugefügt: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dies kommt einer carte-blanche-Ermächtigung gleich, denn es ist weder definiert, was man unter einem Nachteil zu verstehen hat bzw. was als ein Nachteil gilt, noch wer das festlegt und wie das zu geschehen hat. Zudem wird hier normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen. Das ist jedoch logisch falsch, denn Gesetze dürfen nur normativ sein. Leider macht sich die Grundrechte-Inkompetenz auch im Bundesverfassungsgericht breit. So betont das BVerfG die Verfassungsmäßigkeit von Frauenfördermaßnahmen, da das Gleichberechtigungsgebot grundsätzlich dazu geeignet ist, Differenzierungen zwischen Männern und Frauen zu legitimieren. Anders ausgedrückt heißt das dann: Das Gebot, Männer und Frauen vor dem Gesetz gleich zu behandeln, ist grundsätzlich dazu geeignet, Männer und Frauen gesetzlich nicht gleich zu behandeln. Hier wird vor allem eines klar: Man sollte die Absolvierung eines Logik-Kurses für Verfassungsrichter zur Pflicht machen.

All das wird von der Autorin nicht hinterfragt. Mit einem wissenschaftlichen Text, der auch Thesen kritisch beleuchten bzw. sich über deren innerer Logik Gedanken machen muss, hat das nichts zu tun. Und so ist auch dieser Text wieder ein Beleg dafür, dass es sich bei Gender-Forschung und Frauenstudien um alles andere als Wissenschaft handelt. Die Genderstudies machen sich mittlerweile in vielen Fachrichtungen breit und unterwandern den Wissenschaftsbetrieb. Sie sind längst zu einer Jobgenerierungs-Institution für Frauen geworden, die sich in den Wissenschaften nicht auf gewöhnlichem Weg ihre Lorbeeren verdienen wollen oder können.


Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
von Bernd-Olaf Küppers
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Plädoyer für eine ideologiefreie Wissensgesellschaft, 25. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der auf den ersten Blick provokante Titel des Buches, stellt sich beim Lesen als scharfsinnige Erkenntnis heraus. Der Autor meint keineswegs, dass Moral überflüssig wäre, "denn das moralische Bewusstsein gehört zum biologischen Erbe des Menschen und wird stets eine substantielle Rolle im menschlichen Leben und Zusammenleben spielen. Aber die Moral muss dem menschlichen Wissen nachgeordnet sein. Sie darf nicht das Wissen dominieren, sondern sie muss ihrerseits der Kontrolle durch das Wissen unterliegen." Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Bevor man weiß, was gut / schlecht ist, muss man erst wissen, was wahr / falsch ist.

Bernd-Olaf Küppers, emeritierter Naturphilosoph und Physiker, entwickelt in diesem Buch fünf Thesen zur Wissensgesellschaft.

Unter der ersten These »Unwissenheit, die sich vermehrt, wird unsichtbar« arbeitet der Autor zunächst den Unterschied zwischen Glauben und Wissen heraus und weist sodann auf die Gefahren des Pseudowissens hin. Dabei lässt sich bei allen Spielarten des Pseudowissens (z.B. Esoterik, Anthroposophie, Ganzheitsideologien, etc.) stets ein Anti-Intellektualismus nachweisen. Pseudowissen wird im Laufe der Zeit unsichtbar, weil es im Gewand des Wissens daherkommt und man es nur bei genauen Kenntnissen entlarven kann. Am schwersten können sich die Geisteswissenschaften von den Pseudowissenschaften abgrenzen. Stellenweise gibt es hier auch anmaßende Ansprüche und eine gewisse Borniertheit.

Die zweite These »Unsere Zukunft liegt in unserer Urteilsfähigkeit« beschäftigt sich zunächst mit den verschiedenen Wahrheitsbegriffen. Es wird schnell klar, dass es absurde Konsequenzen hätte, wenn man Wahrheit komplett leugnen oder sie absolut setzen würde, wie das von Religionen immer wieder getan wird. Die Erkenntnis, dass Wahrheit etwas Relatives ist, führt zum erkenntnistheoretischen Relativismus. Der Relativismus wiederum ermöglicht erst unsere Urteilsfähigkeit, die von der Suche nach der Wahrheit getrieben wird. Das wichtigste Instrument unserer Urteilsfähigkeit ist jedoch der systematische Zweifel. Urteilsfähigkeit ist wichtig, um in der mittlerweile gigantischen Informationsflut bedeutende Informationen finden und bewerten zu können. Notwendige Voraussetzung für Urteilsfähigkeit ist Bildung, d.h. die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit, ihrer Begabungen und Kritikfähigkeit. Bildung wird jedoch heute durch die Politik mit Ausbildung verwechselt. Man meint, man könne die Bildungsmisere politisch lösen, indem man sie mit Geld bewirft. Die Medien erweisen sich hier als treue Erfüllungsgehilfen der Politik, denn auch sie haben kein Interesse an kritischen Menschen, die sich eben nicht manipulieren und leicht führen lassen. Der Autor ist der Auffassung, dass Urteilsfähigkeit auf breiter Ebene möglich wäre, wenn die Menschen die Grundlagen von Wissenschaft – nämlich die Methoden und Ziele – besser verstehen könnten, um Pseudowissenschaft und Ideologie von Wissenschaft unterscheiden zu können.

»Das Fundament der Wissensgesellschaft ist der Relativismus« ist die dritte These des Buchs. Hier zeigt der Autor zunächst auf, dass die Wissenschaften in politisch korrekten Zeiten von allen Seiten mit moralischen Statements bombardiert werden: "Zum Handlanger der Politik sind hier vor allem die Massenmedien geworden, die uns seit geraumer Zeit mit moralischen Appellen, Forderungen und Belehrungen nachgerade überschütten. Neben der Angst war die Moral schon immer ein probates Mittel, um Menschen für Machtinteressen gefügig zu machen und sie den bestehenden Machtstrukturen unterzuordnen." Moral ist das wichtigste Instrument, um eine Gesellschaft auf gemeinsame Ziele zu verpflichten. Moral mit Absolutheitsanspruch ist aber stets mit Dogmatismus verbunden. Dies lässt sich nur verhindern, wenn Moral durch Wissen kontrolliert wird. "Werte gewinnen überhaupt erst einen konkreten Gehalt, wenn man sie in der Lebenspraxis zu anderen Werten in Relation setzt. Dies ist kein Mangel, sondern eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Werte ihre regulative Funktion ausüben können." Küppers zeigt, dass die Herrschaft der Moral über das Wissen bis in die griechische Antike zurückgeht und sich durch die gesamte Geschichte der Philosophie zieht. Neuauflagen gab es mit Hegel (Weltgeist) und in der Neuzeit Habermas und Ex-Papst Benedikt. Letzterer sprach von der Einheit von Glauben und Vernunft und stellte dem den »instrumentellen« Verstand in Technik und Naturwissenschaften gegenüber – ein weiterer Versuch, dogmatische Moral über das Wissen zu stellen. Der Autor ist der Auffassung, dass wir den Weg in die Wissensgesellschaft nur finden werden, wenn wir den moralischen Dogmatismus bekämpfen.

In der vierten These »Der Mensch ist das Maß aller Dinge« negiert Bernd-Olaf Küppers den scheinbaren Gegensatz von Natur und Kultur, der eine weitreichende Folge des christlich-abendländischen Denkens ist. Dieses Denken hat letztlich in eine "Ethik der Verantwortung" (Hans Jonas) geführt, die für einen Erhalt der Natur aus moralischer Verantwortung kämpft. Dem zugrunde liegt die Annahme einer Natur-immanenten Norm, der zufolge alles Lebendige das Ziel der Daseinserhaltung verfolgt. Dies entspricht jedoch einem falschen Verständnis von Natur, denn es gibt in ihr weder Ziele noch Zwecke. Zudem sind Ökosysteme keine stabilen Gleichgewichtssysteme, sondern metastabile Systeme mit teilweise immanent chaotischen Tendenzen. Niemand kann daher Ökosysteme so bewahren, wie sie sind. Wir sind also gut beraten, wenn wir stattdessen den Mensch als das Maß aller Dinge nehmen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir auf unsere natürlichen Grundlagen keine Rücksicht nehmen müssten.

Die fünfte These »Nur Wissen kann Wissen beherrschen« führt aus, dass unsere Zukunftsfähigkeit im Wesentlichen davon abhängt, ob wir den Einstieg in die Wissensgesellschaft schaffen. Nach Bernd-Olaf Küppers ist dies nur möglich, wenn wir alle ideologischen, metaphysischen und religiösen Einflüsse in den Wissenschaften zurückdrängen und nur Wissen als Kontrollfunktion von Wissen zulassen. Unser Wissen muss sich frei entfalten können, indem es im Prinzip jede denkbare Entwicklungsrichtung einschlagen darf.

Dies ist ein wichtiges Buch, dem man nur eine weite Verbreitung wünschen kann. Seine Erkenntnisse sollten neben einer Einführung in die Wissenschaftstheorie in jedem Grundstudium vermittelt werden, damit zukünftige Wissenschaftler sich besser gegen Übergriffe von Pseudowissenschaften und Ideologien wehren können.


Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
von Tomas Kubelik
  Gebundene Ausgabe

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komplett, kompetent und kompakt - Kompliment!, 26. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Thomas Kubelik, promovierter Germanist und Gymnasiallehrer für Deutsch und Mathematik, hat in "Genug gegendert!" das Thema "Feministische Sprache" wirklich komplett, kompetent und kompakt von allen Seiten betrachtet. Mehr kann man zu diesem Thema nicht sagen. Es wurde Zeit, dass ein solches Buch geschrieben wurde. Daher: großes Kompliment an den Autor.

In seiner Einführung räumt Tomas Kubelik kurz mit weit verbreiteten und ständig runter gebeteten feministischen Glaubenssätzen auf, von denen die angebliche sprachliche Unterdrückung von Frauen nur einer ist. Sodann setzt seine Kritik bei der Sprache der political correctness an, von der das feministische Neusprech eine Teilmenge darstellt. Er zeigt klar die totalitären Tendenzen dieser von oben verordneten Sprachnorm auf, die sich auf leisen Sohlen in der Gesellschaft breit macht. Im Folgenden beschäftigt sich der Autor dann genauer mit der feministischen Linguistik, ihren Zielen, Methoden und Wurzeln. Dabei wird an Originalzitaten ihrer Protagonisten klar, dass es sich bei der feministischen Linguistik letztlich um ein sexistisches Projekt handelt, das unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung Misandrie offenbart. Im anschließenden Kapitel wird der Grundirrtum der feministischen Linguistik offen gelegt: die Gleichsetzung des grammatikalischen Geschlechts mit dem biologischen. Anhand der Kontexte wird nachgewiesen, dass auch bei historischen Texten das generische Maskulinum geschlechtsübergreifend verstanden worden sein muss. Es folgt eine ausführliche Darstellung aller Formen des Sprachgenderns und seiner absurden Konsequenzen. Eine davon ist die Tatsache, dass etwa beim Binnen-I das Geschriebene vom Gesprochenen abweicht - eins der zahllosen ungelösten Probleme dieser aufgezwungenen Sprachnorm. Im nächsten Kapitel zeigt der Autor nun auf, welche Fehler, Inkonsequenzen und Inkonsistenzen aus der Anwendung des feministischen Neusprechs folgen. Spätestens hier wird klar, dass dieses Projekt sprachlogisch überhaupt nicht durchführbar ist. Die logischen Inkonsistenzen sind nicht auflösbar. Die Ausdrucksweise wird unnötig verkompliziert, ohne dass es einen Verständnisgewinn gäbe, die Lesbarkeit von Texten würde eklatant erschwert und das Geschlecht würde dauernd in Zusammenhängen in den Fokus gerückt, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Damit befördern die Verfechter des feministischen Neusprechs gerade den Sexismus, den sie eigentlich bekämpfen wollten. Im nächsten Kapitel widmet sich Tomas Kubelik der Psycholinguistik, die angeblich die wissenschaftlichen Begründungen für die Einführung der Sprachnorm geliefert hätte. Hier soll herausgefunden worden sein, dass das generische Maskulinum Frauen in der Sprache "unsichtbarer" als Männer macht. Der Autor zeigt jedoch klar an vielen Beispielen, dass die entsprechenden Studien nicht einmal minimale Wissenschaftsstandards erfüllen. Es wird dort mit schwammigen Begriffen operiert, Forscher sind von feministischem Wunschdenken okkupiert, arbeiten nicht unvoreingenommen und ergebnisoffen, wenden falsche oder unzulängliche Methoden an und sind unfähig, die Tragweite von Statistiken richtig einzuschätzen und zu interpretieren. Es werden Daten nicht-repräsentativ erhoben, teils mit zu geringer Stichprobe und mit den vermuteten Abweichungen, die einerseits meist marginal sind und bei denen andrerseits nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass sie auf Zufall beruhen. Die schlimmsten Fehler werden jedoch dort begangen, wo man die Kontextabhängigkeit der Sprache einfach ignoriert. So können Effekte beim generischen Maskulinum überhaupt erst entstehen, wenn man die Aufmerksamkeit in einer Befragung auf das Geschlecht lenkt, ansonsten aber gar nicht vorhanden sein. Dies wird in keiner der Studien berücksichtigt. Hier offenbart sich am meisten die ideologische Blindheit der feministischen Forschung. Im letzten Kapitel geht es dann um die Folgen der verordneten Gender-Sprachnorm: Verkomplizierung der Sprache, Überbetonung des Geschlechts, Zurücktreten von Inhalten zu Gunsten der Form und Verlust von Klarheit.

Das alles schreibt Tomas Kubelik in einer klaren, unmissverständlichen Sprache und in einem hervorragenden Stil. Das Lesen hat mir großes Vergnügen gemacht und ich kann das Buch all denen empfehlen, die sich diesem feministischen Neusprech nach Orwell-Manier nicht beugen wollen. Ich habe jedenfalls diesen Gender-Unsinn konsequent aus meinem Leben verbannt.


Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
von Hadmut Danisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,90

42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesenswert, 19. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch von Hadmut Danisch ist mehr als eine fundierte Kritik an der Frauenquote. Es geht in dem ca. 500 Seiten starken Buch auch darum, "wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert". Der Autor weist nach, dass es sich bei Gender-Mainstreaming (GM) um ein totalitäres Programm handelt, das per EU-Beschluss vorbei an allen demokratischen Legitimierungen und ohne breite öffentliche Diskussion top-down eingeführt wurde.

Aufhänger für das Buch war Hadmut Danischs Rechtsstreit wegen seiner Promotion im Fach Informatik, den er bis ans Bundesverfassungsgericht getragen hatte. In diesem Zusammenhang stieß er auf die Verfassungsrichterin Susanne Baer, deren offensichtliche Inkompetenz ihm auffiel. Dadurch wiederum beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Feminismus und dessen Auswirkungen.

Der Autor hat akribisch Fakten zusammengetragen, die ich in dieser Fülle noch nicht gelesen habe. Er beschäftigt sich ausführlich mit dem Genderbegriff, seinen postmodernen Schöpfern Foucault, Butler, de Beauvoir und seinen Auswirkungen auf politische Debatten bzw. auf politisches Handeln. Er zeigt auf, wie die bekannten haltlosen Thesen des Feminismus verwurstet mit dem verqueren Genderbegriff zu einer alles durchdringenden Ideologie geworden sind, die sich wie eine totalitäre Soße bis in die letzten Lücken der Gesellschaft ergießen soll. Politisch korrekt wird das heute schönfärberisch Gender-Mainstreaming genannt. Er geht auf die Unsinnigkeit der Gendertheorie ein, indem er deren Argumenten moderne wissenschaftlichen Erkenntnisse gegenüberstellt. Er stellt dar, wie sich die pseudowissenschaftlichen "Gender-Studies" an den Hochschulen breit machen und die Wissenschaften zersetzen. Dabei wird klar, dass hierdurch und über Frauen-Quoten bzw. spezielle Frauen-Förderung letztlich Frauen in hochdotierte fachliche Positionen gehievt werden, die kaum Kompetenzen in den jeweiligen Fachrichtungen besitzen. Explizit zeigt der Autor dies für die Fächer Informatik und Jura, etwa an der Vita und den Texten von Susanne Baer, die mittlerweile ins Bundesverfassungsgericht berufen worden ist. Hier wurde tatsächlich jemand in das höchste richterliche Amt berufen, der nicht einen einzigen Tag als Richter gearbeitet und auch sonst fachlich nur marginale Beiträge geliefert hat, sich aber den größten Teil seiner Laufbahn lediglich mit Feminismus und Gender-Studies beschäftigt hat und dem nicht einmal der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und der Staatskompetenz-überschreitenden Gleichstellung klar ist.

Das Erschütternde, das mir erst beim Lesen des Buches klar geworden ist, ist der Fakt, dass nach politischem Plan die Gender-Studies in allen Fachrichtungen implementiert werden sollen. Die Gender-Studies sind aber klar in der Soziologie verortet und stellen letztlich ein sexistisches Programm dar. Dieses Vorhaben ist damit nichts anderes als ein Arbeitsplatzgenerierungs- und Versorgungsmechanismus für in den Fachrichtungen inkompetente Frauen. Auf Dauer erweisen sich Feministinnen damit selbst einen Bärendienst. Schlimmer wiegt jedoch, dass auf diese Weise Wissenschaft von innen zerstört wird, indem dort ein epistemischer Relativismus eingeführt wird, der zu einer Zersetzung der Wissenschaftsideale Wahrheit, Objektivität, Ergebnisoffenheit und Kritisierbarkeit führt.

Hadmut Danisch gebührt Dank, dass er das thematisiert hat. Das Buch ist durchweg interessant geschrieben und schildert eine Fülle von Details. Zwei kleine Kritikpunkte habe ich dennoch, die aber nicht in meine Bewertung einfließen. Zum einen wäre bei der Fülle an Information ein Register nicht schlecht gewesen. Dann könnte man das Buch auch gut zum Nachschlagen benutzen. Zum anderen ist die Diskreditierung des Wissenschaftsphilosophen Popper nicht berechtigt. Der Autor unterstellt ihm quasi, dass dessen Erkenntnis der Nicht-Verifizierbarkeit von Hypothesen dazu geführt hätte, dass jeder behaupten könne, was er wolle. Poppers Theorem ist gerade das Gegenteil davon und besagt eigentlich, dass wissenschaftliche Hypothesen zwar nicht verifiziert werden können, aber immer falsifizierbar sein müssen. Die Nicht-Verifizierbarkeit ist eine erkenntnistheoretische Konsequenz aus der Tatsache, dass man nicht alle Fakten ermitteln kann, die eine Hypothese stützen. An deren Stelle kann aber die Falsifizierung treten, indem man Fakten benennen muss, die eine Hypothese zu Fall bringen können. Insofern sind nur die Hypothesen wissenschaftlich ernst zu nehmen, die in sich logisch konsistent, mit plausiblen Annahmen versehen und mit bereits bekanntem Hintergrundwissen kompatibel sind und vor allem die Möglichkeit der Falsifikation bieten. Gerade die Gendertheorie erfüllt diese Kriterien allesamt nicht und ist damit eben keine wissenschaftliche Theorie.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2013 4:23 AM CET


Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
von Alan F. Chalmers
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene und kompakte Einführung, 11. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist eine gut verständliche Einführung in die Wissenschaftstheorie und liegt bereits in der 6. Auflage vor. Chalmers schafft es tatsächlich, die Fragestellungen und Probleme der Wissenschaftstheorie interessant und mit vielen Beispielen darzustellen.
Am Anfang steht die Frage, was das Besondere an Wissenschaft und ihren Methoden ist, genießt sie doch hohes Ansehen in allen modernen Gesellschaften. Sukzessive stellt der Autor die Hauptansichten dar, die Philosophen dazu entwickelt haben, und ihre jeweiligen Schwächen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich die Frage eigentlich nicht definitiv und zweifelsfrei beantworten lässt, obschon es einige Methoden gibt, die stillschweigend von allen Wissenschaftlern akzeptiert und angewandt werden.
An erster Stelle steht die Idee, dass Wissenschaft von Tatsachen geleitet werden soll. Tatsachen gewinnt man aus systematischen Beobachtungen. Aus diesen sollen dann Generalisierungen abgeleitet werden. Diese Methode bezeichnet man als Induktivismus. Doch Beobachtungen sind bereits ihrerseits theorieabhängig und daher subjektiv. Außerdem kommt man so kaum zu neuen nicht unmittelbar naheliegenden Theorien, weil man immer nur das beobachtet, was naheliegend ist. Theorien gehen also weit über das Beobachtbare hinaus.
Einen Ausweg bietet hier die Methode des Falsifikationismus, die erstmals von Popper beschrieben wurde. Hier steht eigentlich eine Hypothese am Anfang. Sie muss Beobachtungen widerspruchsfrei erklären können und – noch wichtiger – zu überprüfbaren neuen Aussagen führen, wie spektakulär und abenteuerlich sie zunächst auch sei. Sprechen die überprüfbaren Aussagen gegen die Hypothese, so wird sie modifiziert oder gar verworfen – sie wurde dann falsifiziert. Danach schreitet Wissenschaft durch einen ständigen zyklischen Prozess voran: die eintreffenden Voraussagen einer Theorie/Hypothese bilden ihrerseits wieder die Grundlage zu neuen Hypothesen, die wiederum zu neuen überprüfbaren Aussagen führen etc.. Doch auch der Falsifikationismus steht vor einem Problem: Wann gilt eine Hypothese als falsifiziert? Bereits wenn eine der überprüfbaren Aussagen falsifiziert wurde? Wendet man nämlich den Falsifikationismus auf historische Beispiele an, so versagt er in der Regel. Die kopernikanische Revolution z.B. hätte sich nie durchsetzen können, weil sie durch die damalige aristotelische Physik in vielen Punkten falsifiziert wurde. Wie konnte sich die kopernikanische Wende schließlich doch gegen die gesamte damalige Physik durchsetzen? Ein Hauptproblem des Popperschen Falsifikationismus liegt also darin, dass es keine klaren Richtlinien dafür gibt, welcher Teil einer Theorie von einer auftretenden Falsifikation betroffen ist.
Nach Thomas Kuhn vollzieht sich daher Fortschritt in der Wissenschaft durch Paradigmenwechsel. Durch Betreiben von "Normalwissenschaft" tauchen allmählich immer mehr Probleme bei einem gerade gültigen Paradigma auf. Dies führt zu einem Umdenken bei immer mehr Wissenschaftlern, was schließlich zu einem Wechsel des Paradigmas führt. Danach setzt wieder eine Phase von "Normalwissenschaft" ein, während der Forschung im Sinne der Leitidee betrieben wird, bis sich wieder nach Häufung von Problemen und Widersprüchen ein neuer Wechsel abzeichnet. Kuhn vertritt jedoch die Ansicht, dass die Frage, ob ein Paradigma besser ist als eines, das es infrage stellt, nicht definitiv und neutral beantwortet werden kann, sondern von Werten Einzelner, Gruppen oder Kulturen abhängt. Aus Kuhns Sicht ist es Aufgabe für Forscher aus den Reihen der Soziologen und Psychologen, die Faktoren aufzudecken, warum Wissenschaftler einen Paradigmenwechsel vollziehen.
Imre Lakotos löst das erwähnte Hauptproblem des Falsifikationismus, indem er die Forschungsprogramme in der Wissenschaft in "harte Kerne" und "Schutzgürtel" aufteilt. Es gibt offensichtlich Gesetze und Prinzipien, die so fundamental sind, das sie einem konstituierenden Merkmal einer Wissenschaft gleichkommen. Dies bezeichnet Lakatos als "harten Kern". Die "harten Kerne" sind schwer durch Falsifikationen angreifbar. Falsifiziert werden können jedoch die Zusatzannahmen und -Hypothesen eines "harten Kerns", die er als "Schutzgürtel" bezeichnete. Aber auch hier tauchen Schwierigkeiten auf. Zum einen stellt sich die Frage, ob es "harte Kerne" überhaupt gibt und wie sie sich identifizieren lassen. Das gilt im Besonderen für die "weichen" Wissenschaften, nicht zuletzt deswegen, weil Lakatos' Methode in erster Linie auf die Physik ausgerichtet ist. Zum anderen ist die Methode bei aktueller Wissenschaft kaum anwendbar. Seine Kriterien sind so weich zur Charakterisierung von Wissenschaft, dass kaum etwas davon abgeleitet werden konnte.
Paul Feyerabend stellt dem seine anarchistische Wissenschaftstheorie gegenüber. Die besagt als scheinbare Quintessenz der bisherigen Erfahrungen nichts anderes als: Es gibt keine wissenschaftliche Methode. Wissenschaftler folgen ihren subjektiven Bedürfnissen, anything goes. Wissenschaft weise keinerlei Merkmale auf, die sie notwendigerweise anderen Erkenntnisformen überlegen mache. Das wichtigste Beispiel Feyerabends bezieht sich auf die Fortschritte Galileis in der Physik und Astronomie.
Chalmers selbst gibt Feyerabend insofern recht, dass es keine universelle Methode gibt. Das schließt aber nicht aus, dass Wissenschaft sich in fortlaufenden Methodenwechseln vollziehen kann. Beispiele dafür sind die Wechsel von Beobachtungsmethoden, Standards und Theorien. Dieses ist der Ansatz des Autors. Doch auch hier gäbe es so etwas, was man als einen Common Sense bezeichnen könnte, was man aber auch wieder zumindest temporär als universell bezeichnen könnte.
Ein weiterer Ansatz, dem Thema gerecht zu werden, ist der Wahrscheinlichkeitsansatz von Bayes. Im allgemeinen haben Wissenschaftler und Laien so viel Vertrauen in wissenschaftliche Theorien, dass sie sich um so fester auf Voraussagen verlassen und entsprechend planen für je wahrscheinlicher sie Theorien halten. Man kann daher Theorien Wahrscheinlichkeiten ungleich Null zuweisen. In diese Berechnungen fließen auch Belege und subjektive Wahrscheinlichkeiten ein und es lässt sich damit sogar Konvergenz von unterschiedlichen subjektiven Priorwahrscheinlichkeiten berechnen. Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch, dass es schwierig ist, diese subjektiven Wahrscheinlichkeiten zu bekommen, besonders wenn es sich um komplexe Theorien handelt.
Die neuen Experimentalisten, deren Leitidee am klarsten durch die Wissenschaftsphilosophin Mayo formuliert wurde, räumen dem Experiment wieder einen größeren Stellenwert in der Wissenschaft ein. Sie bezweifeln die Theorieabhängigkeit gut durchdachter Schlüsselexperimente. Der neue Experimentalismus hat aufgezeigt, wie experimentelle Ergebnisse untermauert werden können und experimentelle Effekte durch eine Vielzahl von Strategien, wie praktischer Intervention, Gegenproben, Fehlerkontrolle und -elimination, auf eine Art und Weise erzielt werden können, die unabhängig von komplexen Theorien sein können und dies auch typischerweise sind. Damit haben die neuen Experimentalisten die Wissenschaftstheorie wieder auf den Boden der Tatsachen zu-rückgeholt.
Meines Erachtens sind die relativistischen Positionen von Kuhn und Feyerabend ein verhängnisvoller Irrweg. Kuhn sieht die Bewertung der Paradigmenwechsel als eine Aufgabe der Soziologen und Psychologen. Da deren Bewertung aber eben auch nicht neutral sein kann, könnte man letztlich keine Aussagen darüber machen, warum es besser scheint, das eine Paradigma durch ein anderes abzulösen. Es ist jedoch müßig, diese Frage von einer Meta-Ebene (hier Soziologie/Psychologie) aus zu betrachten. Das Ganze läuft nämlich dann darauf hinaus, Argumente zu sehr an Personen zu binden. Argumente in der Wissenschaft sollten sich aber immer an der Sache orientieren und niemals an Personen oder Gruppen. Feyerabends anarchistischer Ansatz ist aber noch katastrophaler. Danach hat wissenschaftliche Erkenntnis keinerlei Vorzüge gegenüber anderen Erkenntnisformen, d.h. Wissenschaft, Religion, Mystizismus, Esoterik, etc. stehen auf gleicher Ebene. Jemand, der das in einer wissenschaftlichen Abhandlung – und ich nehme an, dass Feyerabend seine Betrachtung als eine solche verstanden wissen will – ernsthaft vertritt, hat im selben Augenblick seine Ausführungen ad absurdum geführt, ganz abgesehen davon, dass die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft Feyerabends Vorstellungen zumindest praktisch widerlegt. Es wurde hier wohl der weit verbreitete Fehler begangen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, nach der Devise: wenn es keinen Weg gibt, die Überlegenheit der Wissenschaften ultimativ zu zeigen, dann gibt es eben keine Überlegenheit der Wissenschaften. Das ist jedoch völliger Unsinn. Wenn es auch keine beste Methode gibt, so gibt es aber zu jeder Zeit bessere Methoden und es gibt durchaus auch für alle nachvollziehbare Kriterien, woran man praktisch festmachen kann, ob eine Methode besser ist. Das wird von Leuten wie Kuhn und Feyerabend übersehen.
Chalmers Einführung in die Wissenschaftstheorie ist wirklich gelungen, besonders auch, weil sie die Probleme offen anspricht und zeigt, dass es niemals auf irgendeinem Gebiet sichere Erkenntnis gibt. Auch hieraus kann man nicht schließen, dass es dann überhaupt keine Erkenntnis gibt.
Zum Schluss noch eine pointierte Meinung des Physikers und Nobelpreisträgers Richard P. Feynman, die zwar nicht im Buch vorkommt, aber – nicht so ganz falsch – ein ganz anderes Licht auf das Thema wirft: Wissenschaftstheorie ist für die Wissenschaft so wichtig wie Ornithologie für die Vögel.


Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
von Harald Schulze
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Absage an die Frauenquote, 24. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das vorliegende Buch, erschienen bei "Books on Demand", einem Verlag, der Bücher auf Anforderung druckt und damit unabhängig von Verkaufszahlen und Mainstream-Zensur ist, beschäftigt sich in 18 Aufsätzen auf breiter Basis mit dem Thema "Gleichstellungspolitik". Alle Autoren entstammen dem akademischen Umfeld, sind teils Lehrstuhlinhaber und teils Angestellte des Mittelbaus, oder arbeiten freiberuflich teils als Journalisten bzw. Schriftsteller. In der Hauptsache geht es im Buch um die umstrittene Frauenquote. Da man das Thema nicht isoliert von der übrigen Feminismus-zentrierten Politik trennen kann, wird nebenher auch massive Kritik an sonstigen geschlechterpolitischen Maßnahmen geübt. Die Beiträge verzichten weitgehend auf Polemik und liefern gute Argumente für eine sachliche Diskussion. Dass diese Diskussion dringend eine öffentliche Plattform braucht, sieht man schon daran, wie die Mainstream-Medien mit Feminismuskritik umgehen: sie wird ignoriert, zensiert oder diffamiert. Wir haben es hier tatsächlich mit einer neuen Art von Totalitarismus zu tun, der sich nicht polternd, hemdsärmelig und offenkundig breit macht, sondern auf Samtpfoten daherkommt. Während es vorne eine breite öffentliche Front gegen den braunen Totalitarismus gibt, schleicht sich bereits von hinten eine neue weichgespülte Form an, die sich unter dem Deckmäntelchen der "Gleichstellung" in allen gesellschaftlichen Institutionen ausgebreitet hat. Das eigentlich Totalitäre daran ist, dass es sich um strukturelle Maßnahmen handelt, die vom Staat kompetenzüberschreitend aufgezwungen sind und massiv in die Autonomie von Einzelnen sowie von Gruppen eingreifen, die nicht vom Souverän diskutiert bzw. legitimiert sind und nicht zuletzt an bestimmten Grundrechten Rechtsbeugung begehen. Nebenbei beruhen diese Maßnahmen noch auf völlig falschen Annahmen, die gegen jede ergebnisoffene Debatte und Kritik immunisiert werden. Genau das sind die typischen Zutaten eines jeden Totalitarismus.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung diskutiert. Der zweite Teil behandelt die Facetten der Quotenpolitik. Der dritte Teil schildert die Quoten- und Gleichstellungspraxis besonders an den Hochschulen. In den Beiträgen werden alle wesentlichen Einwände gegen eine Frauenquote (im Grunde aber auch gegen jede Quote) aufgeführt. Rechtlich ließe sich die Frauenquote angeblich mit dem Grundgesetz rechtfertigen. Gemeint ist hier der Zusatz zum Artikel 3, Absatz 2, der von der rotgrünen Bundesregierung in den 90er Jahren dort hineingebracht wurde: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dieser Zusatz hat dort eigentlich nichts zu suchen, denn "hier wird normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen, ohne dass gesagt würde, welche das denn seien. Es ist jedoch logisch falsch, normativ etwas über empirische Gegebenheiten auszusagen. So etwas ist prinzipiell unmöglich und es ist schlicht unsinnig. Außerdem ist m.E. auch nicht zulässig, Ermächtigungen an völlig unklare Sachverhalte zu knüpfen, also eine carte-blanche-Ermächtigung zu erteilen, denn weder ist bekannt, was ein "Nachteil" ist - oder zumindest als ein solcher angesehen wird - noch, wer diese Nachteile feststellt und auf welche Art und Weise dies geschieht." (Zitat aus dem Beitrag von Günter Buchholz). Mit diesem Zusatz wird auch gleich Art. 3, Absatz 1 und Absatz 3 sowie Art. 2, Absatz 1 ausgehebelt. Danach ist nun eine "positive Diskriminierung" möglich. Mit diesem mittlerweile politisch korrekten Terminus wird euphemistisch übertüncht, dass jede "positive Diskriminierung" eine negative nach sich zieht: wenn man jemand bevorzugt, muss man automatisch jemand anderes benachteiligen. Zu dem verqueren Rechtsverständnis unserer Staatsvertreter gesellt sich ein grobes Missverständnis bei den Befugnissen der Staatsmacht. Aus der passiven Gleichberechtigung ist die aktive und übergriffige Gleichstellung geworden. Gleichheit kann ein Staat aber nur vor dem Gesetz garantieren, nicht im gesellschaftlichen Ergebnis, denn dann greift er massiv in die Autonomie seiner Bürger ein.

Und damit wären wir beim nächsten Aspekt der Quotendebatte, der im Buch in mehreren Beiträgen behandelt wird: die Messlatte, an der Gleichstellungspolitiker den Grad der Gleichstellung ablesen wollen. Hier geistert die magische Zahl 50% durch die Köpfe. Aus der bloßen statistischen Unterrepräsentanz von Frauen in bestimmten Bereichen, wird geschlossen, dass Frauen in diesen Bereichen diskriminiert würden. Diese Annahme, die seit Jahrzehnten behauptet wird und für die noch nie (!) jemand einen schlüssigen Beweis vorgelegt hat, ist ein Dogma, das nicht ergebnisoffen diskutiert werden darf. Sie ist genauso unsinnig wie die Annahme, die statistische Unterrepräsentanz von Brillenträgern (oder irgendeiner anderen willkürlich herausgegriffenen Gruppe) in irgendeinem willkürlich gewählten Bereich bezogen auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung würde auf ihre Diskriminierung in diesem Bereich hinweisen. Sie lässt völlig außer Acht, dass es statistische Häufungen geben kann, die auf Neigungen und Präferenzen von Menschen beruhen und nicht das Geringste mit deren Diskriminierung zu tun haben. Dass dies nicht wahrgenommen wird, liegt wiederum an einem weiteren blinden Fleck der feministischen Ideologie: Der falschen Annahme, dass es zwischen Männer und Frauen außer dem rein biologischen keinen sonstigen Unterschied gäbe.

Neben diesen Aspekten der Debatte werden im dritten Teil auch die totalitäre Praxis der Gleichstellungspolitik geschildert (hier besonders im Hochschulbereich), sowie die mittlerweile manifesten Benachteiligungen von Jungen in den Schulsystemen und Männern in der Gesellschaft. Alexander Ulfig plädiert in seinem Beitrag konstruktiv für bessere Standards bei der Bewertung von Qualifikation. Auch das sind gute Argumente dafür, dass Quoten völlig überflüssig sind. Es sei noch erwähnt, dass alle Gleichstellungsmaßnahmen, die ja im Grunde gegen Sexismus wirken sollen, diesen durch die Hintertür wieder einführen. Denn was anderes als Sexismus ist es, wenn ein Mensch einen Job wegen seines Geschlechts bekommt (oder nicht bekommt) und nicht wegen seiner Qualifikation?

Ich kann diesem Buch nur eine weite Verbreitung wünschen und dass seine Argumente von möglichst vielen beherzigt werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 2, 2013 10:39 PM CET


Das hedonistische Manifest
Das hedonistische Manifest
von Bernulf Kanitscheider
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Highlight!, 2. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses brillant geschriebene und gut fundierte, neueste Buch des emeritierten Gießener Philosophieprofessors Bernulf Kanitscheider zählt zu meinen Bücher-Highlights. Es beschäftigt sich auf fast 300 Seiten mit der vor über 2500 Jahren von dem griechischen Philosophen Aristippos von Kyrene ins Leben gerufenen Ethik der Freude (Hedonismus). Kanitscheider weist nach, dass diese Anschauung u.a. auch durch die Erkenntnisse der modernen Evolutionsbiologie aktueller denn je ist. Schon der Kern dieser Philosophie, das Streben des Menschen nach Lust und Freude, bedarf keiner weiteren Rechtfertigung, wo hingegen das Vermeiden derselben auf eine Begründung angewiesen ist. Diese geradezu simple Erkenntnis drückte vor über 2000 Jahren schon Eudoxos von Knidos aus: »Niemand frage, zu welchem Zweck man sich freuen wolle, und darin spreche sich die Tatsache aus, dass die Freude und die Lust an sich begehrenswert ist.« Lust und Freude sind daher Selbstzweck und bedürfen keiner weiteren Begründung.
Kanitscheider beginnt mit den verschiedenen Ausprägungen der hedonistischen Philosophie in der griechischen Antike. So steht der eher Freude- und Lust-zentrierten Anschauung Aristipps, die Seelenruhe (Ataraxie) Epikurs entgegen, für den das Ausleben von Lust und Freude eher Mittel sind, um diese Seelenruhe zu erreichen. Den folgenden Abschnitt des Buches widmet der Autor der Stellung des Hedonismus in der abendländischen Philosophie. Dabei wird klar, dass die hedonistische Philosophie in Bezug auf die übrigen philosophischen Strömungen immer ein Kellerkind war. Schon das Streben der Menschen nach Freude und besonders nach Lust hatte fast zu allen Zeiten den Anruch von Unmoral, Sünde und Egoismus. Den erhabenen Tugenden der Philosophen und Theologen standen immer die als niedrig eingestuften Begierden und kleinen Freuden der Menschen gegenüber. An der Verbreitung der Lustfeindlichkeit waren die großen Religionen maßgeblich beteiligt und sind es bis heute noch. Erst das Zeitalter der Aufklärung brachte durch den aufkommenden Naturalismus einen Wandel, wenn auch keine völlige Rehabilitierung einer hedonistischen Philosophie. Die gibt es bis heute nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Konsequenzen des Hedonismus sich auch heute noch mit den Anliegen der meisten Religionen, Ideologien und Weltanschauungen beißen. Eine hedonistische Lebenspraxis führt nämlich nicht nur dazu, dass Menschen sich mehr an ihrem eigenen Lebensglück orientieren, sondern auch zu mehr Individualismus, Freiheit, Selbstbestimmung, Toleranz, Verantwortung für Andere und Hinwendung zum Hier und Jetzt. Das läuft den meisten Projekten zuwider, die den Menschen Verzicht zugunsten erhabener Tugenden, Glück im Jenseits oder in ferner Zukunft abverlangen. Ein Hedonist ist für solche Projekte nicht zu haben und das macht ihn sperrig für Ideologien aller Art. Alle Philosophien und Religionen, die vom Menschen mehr oder weniger erhabene Tugenden einfordern, müssen sich aber auf metaphysische Letztbegründungen stützen, die jedoch empirisch in der Luft hängen. Selbst bei den tugendhaftesten Menschen fordert die Natur ihr Recht - meist umso stärker je mehr sie unterdrückt wurde. Eine Ethik kann daher von den Menschen auch nur das fordern, was diese erfüllen können, sonst ist sie von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Kanitscheider diskutiert ausführlich die vielen Ausprägungen von Freude und Lust. Er schreibt über die Themen, die unser Leben so lebenswert machen: Kunst, Musik, Essen, Trinken und Unternehmungen mit Freunden, Bildung, Selbstverwirklichung in Arbeit und Freizeit, schöne Dinge, etc. und nicht zuletzt Sexualität. Damit befasst er sich im Buch ausführlicher, besonders auch im Hinblick auf sogenannte sexuelle Deviationen. Die modernen moralphilosophischen Überlegungen verwenden hier als Abgrenzungskriterium von moralischen und unmoralischen Handlungen ausschließlich die Reziprozität, d.h. die konsensuelle gegenseitige Erfüllung und Befriedigung von Wünschen und der Austausch von Emotionen. Danach macht es keinen Sinn mehr von sexueller Abartigkeit zu sprechen, wenn alle Beteiligten freiwillig und ohne Zwang an sexuellen Handlungen teilnehmen.
Dieses gut begründete und mit zahllosen Belegen untermauerte Buch ist ein sachliches, unaufgeregtes, aber engagiertes Plädoyer für den Hedonismus. Das Lesen hat mir große Freude gemacht und viele Erkenntnisse vermittelt. Am Schluss möchte ich den letzten Abschnitt des Buches im Original zitieren, dem ich nichts mehr hinzuzufügen habe:
»Neue Einsichten in die empirische Natur des Menschen, ebenso wie der Wandel in den gesellschaftlichen Randbedingungen, müssen sich in den Forderungen einer rationalen Ethik niederschlagen. Inhaltlich wird dabei eine Minimierung der gesellschaftlichen Zwangskräfte und eine Maximierung des eigenen Handlungsspielraums verteidigt, weil nur diese die individuelle Lebensqualität und die Zufriedenheit bei der Realisierung eines gelungenen Lebens gestatten. Kein Glaubensgehorsam, keine kritikfreien gedanklichen Räume, nicht die Unterwerfung unter Ideologien, nicht die Fremdbestimmung durch historische Wertesystem, sondern die autarke, selbstverantwortete, eigenbestimmte Lebensführung charakterisieren den kyrenaischen Weg der Freiheit. Aristippos' dritter Weg, der weder der Herrschaft noch der Unterjochung geschuldet ist, wird allerdings nicht als Errungenschaft, sondern als Aufgabe anzusehen sein. Denn die gesellschaftlichen Kräfte und die mächtigen Ideologien tun ihr Möglichstes, um den Einzelnen an seinem autonomen Lebensstil zu hindern. Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss!«


XDrum DD-150 E-Drum schwarz (USB-MIDI Anschluss, 215 Percussions, 7 anschlagdynamische Pads, 2 Pedale, Drumsticks)
XDrum DD-150 E-Drum schwarz (USB-MIDI Anschluss, 215 Percussions, 7 anschlagdynamische Pads, 2 Pedale, Drumsticks)
Preis: EUR 115,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen!, 17. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die XDrum DD-150 E-Percussion, erworben über Amazon bei Musikhaus Kirstein, ist die perfekte Lösung, sich an Schlagzeug und Percussion zu versuchen, ohne gleich tief in die Geldbörse greifen zu müssen und sich zusätzlich um einen schalldichten Raum zum Üben zu kümmern. Für den sehr günstigen Preis von 99 Euro bekommt man viel. Die 7 Pads und zwei Pedale sind mit je 215 verschiedenen Drum-, Percussion- und sonstigen Sounds belegbar. Man kann sich neben den 25 voreingestellten Sets, 5 eigene Sets belegen und speichern. Alle Pads besitzen zudem dynamisches Anschlagverhalten und lassen sich auch direkt mit den Händen spielen. Eine Liste von 100 Songs, die musikalische Loops in verschiedenen Stilrichtungen zur Verfügung stellt, bietet die Möglichkeit, selbst die Rhythmusbegleitung zu übernehmen. Zu diesem Zweck lässt sich die vorgegebene Drumbegleitung per Knopfdruck abschalten. Das Drumboard verfügt ebenfalls über eine Record-Funktion, die jedoch Aufzeichnungen nur für die Dauer der Betriebszeit speichert. Den Sound kann über die eingebauten Lautsprecher, über Kopfhörer oder über einen externen Verstärker hören. Über die Midi-Schnittstelle lassen sich Sounds weiterverarbeiten. Auch die schnelle Lieferung und Abwicklung des Geschäfts durch das Musikhaus Kirstein haben einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen.


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