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Dasting-Hussner
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Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
von Alan F. Chalmers
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,99

5.0 von 5 Sternen Gelungene und kompakte Einführung, 11. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist eine gut verständliche Einführung in die Wissenschaftstheorie und liegt bereits in der 6. Auflage vor. Chalmers schafft es tatsächlich, die Fragestellungen und Probleme der Wissenschaftstheorie interessant und mit vielen Beispielen darzustellen.
Am Anfang steht die Frage, was das Besondere an Wissenschaft und ihren Methoden ist, genießt sie doch hohes Ansehen in allen modernen Gesellschaften. Sukzessive stellt der Autor die Hauptansichten dar, die Philosophen dazu entwickelt haben, und ihre jeweiligen Schwächen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich die Frage eigentlich nicht definitiv und zweifelsfrei beantworten lässt, obschon es einige Methoden gibt, die stillschweigend von allen Wissenschaftlern akzeptiert und angewandt werden.
An erster Stelle steht die Idee, dass Wissenschaft von Tatsachen geleitet werden soll. Tatsachen gewinnt man aus systematischen Beobachtungen. Aus diesen sollen dann Generalisierungen abgeleitet werden. Diese Methode bezeichnet man als Induktivismus. Doch Beobachtungen sind bereits ihrerseits theorieabhängig und daher subjektiv. Außerdem kommt man so kaum zu neuen nicht unmittelbar naheliegenden Theorien, weil man immer nur das beobachtet, was naheliegend ist. Theorien gehen also weit über das Beobachtbare hinaus.
Einen Ausweg bietet hier die Methode des Falsifikationismus, die erstmals von Popper beschrieben wurde. Hier steht eigentlich eine Hypothese am Anfang. Sie muss Beobachtungen widerspruchsfrei erklären können und – noch wichtiger – zu überprüfbaren neuen Aussagen führen, wie spektakulär und abenteuerlich sie zunächst auch sei. Sprechen die überprüfbaren Aussagen gegen die Hypothese, so wird sie modifiziert oder gar verworfen – sie wurde dann falsifiziert. Danach schreitet Wissenschaft durch einen ständigen zyklischen Prozess voran: die eintreffenden Voraussagen einer Theorie/Hypothese bilden ihrerseits wieder die Grundlage zu neuen Hypothesen, die wiederum zu neuen überprüfbaren Aussagen führen etc.. Doch auch der Falsifikationismus steht vor einem Problem: Wann gilt eine Hypothese als falsifiziert? Bereits wenn eine der überprüfbaren Aussagen falsifiziert wurde? Wendet man nämlich den Falsifikationismus auf historische Beispiele an, so versagt er in der Regel. Die kopernikanische Revolution z.B. hätte sich nie durchsetzen können, weil sie durch die damalige aristotelische Physik in vielen Punkten falsifiziert wurde. Wie konnte sich die kopernikanische Wende schließlich doch gegen die gesamte damalige Physik durchsetzen? Ein Hauptproblem des Popperschen Falsifikationismus liegt also darin, dass es keine klaren Richtlinien dafür gibt, welcher Teil einer Theorie von einer auftretenden Falsifikation betroffen ist.
Nach Thomas Kuhn vollzieht sich daher Fortschritt in der Wissenschaft durch Paradigmenwechsel. Durch Betreiben von "Normalwissenschaft" tauchen allmählich immer mehr Probleme bei einem gerade gültigen Paradigma auf. Dies führt zu einem Umdenken bei immer mehr Wissenschaftlern, was schließlich zu einem Wechsel des Paradigmas führt. Danach setzt wieder eine Phase von "Normalwissenschaft" ein, während der Forschung im Sinne der Leitidee betrieben wird, bis sich wieder nach Häufung von Problemen und Widersprüchen ein neuer Wechsel abzeichnet. Kuhn vertritt jedoch die Ansicht, dass die Frage, ob ein Paradigma besser ist als eines, das es infrage stellt, nicht definitiv und neutral beantwortet werden kann, sondern von Werten Einzelner, Gruppen oder Kulturen abhängt. Aus Kuhns Sicht ist es Aufgabe für Forscher aus den Reihen der Soziologen und Psychologen, die Faktoren aufzudecken, warum Wissenschaftler einen Paradigmenwechsel vollziehen.
Imre Lakotos löst das erwähnte Hauptproblem des Falsifikationismus, indem er die Forschungsprogramme in der Wissenschaft in "harte Kerne" und "Schutzgürtel" aufteilt. Es gibt offensichtlich Gesetze und Prinzipien, die so fundamental sind, das sie einem konstituierenden Merkmal einer Wissenschaft gleichkommen. Dies bezeichnet Lakatos als "harten Kern". Die "harten Kerne" sind schwer durch Falsifikationen angreifbar. Falsifiziert werden können jedoch die Zusatzannahmen und -Hypothesen eines "harten Kerns", die er als "Schutzgürtel" bezeichnete. Aber auch hier tauchen Schwierigkeiten auf. Zum einen stellt sich die Frage, ob es "harte Kerne" überhaupt gibt und wie sie sich identifizieren lassen. Das gilt im Besonderen für die "weichen" Wissenschaften, nicht zuletzt deswegen, weil Lakatos' Methode in erster Linie auf die Physik ausgerichtet ist. Zum anderen ist die Methode bei aktueller Wissenschaft kaum anwendbar. Seine Kriterien sind so weich zur Charakterisierung von Wissenschaft, dass kaum etwas davon abgeleitet werden konnte.
Paul Feyerabend stellt dem seine anarchistische Wissenschaftstheorie gegenüber. Die besagt als scheinbare Quintessenz der bisherigen Erfahrungen nichts anderes als: Es gibt keine wissenschaftliche Methode. Wissenschaftler folgen ihren subjektiven Bedürfnissen, anything goes. Wissenschaft weise keinerlei Merkmale auf, die sie notwendigerweise anderen Erkenntnisformen überlegen mache. Das wichtigste Beispiel Feyerabends bezieht sich auf die Fortschritte Galileis in der Physik und Astronomie.
Chalmers selbst gibt Feyerabend insofern recht, dass es keine universelle Methode gibt. Das schließt aber nicht aus, dass Wissenschaft sich in fortlaufenden Methodenwechseln vollziehen kann. Beispiele dafür sind die Wechsel von Beobachtungsmethoden, Standards und Theorien. Dieses ist der Ansatz des Autors. Doch auch hier gäbe es so etwas, was man als einen Common Sense bezeichnen könnte, was man aber auch wieder zumindest temporär als universell bezeichnen könnte.
Ein weiterer Ansatz, dem Thema gerecht zu werden, ist der Wahrscheinlichkeitsansatz von Bayes. Im allgemeinen haben Wissenschaftler und Laien so viel Vertrauen in wissenschaftliche Theorien, dass sie sich um so fester auf Voraussagen verlassen und entsprechend planen für je wahrscheinlicher sie Theorien halten. Man kann daher Theorien Wahrscheinlichkeiten ungleich Null zuweisen. In diese Berechnungen fließen auch Belege und subjektive Wahrscheinlichkeiten ein und es lässt sich damit sogar Konvergenz von unterschiedlichen subjektiven Priorwahrscheinlichkeiten berechnen. Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch, dass es schwierig ist, diese subjektiven Wahrscheinlichkeiten zu bekommen, besonders wenn es sich um komplexe Theorien handelt.
Die neuen Experimentalisten, deren Leitidee am klarsten durch die Wissenschaftsphilosophin Mayo formuliert wurde, räumen dem Experiment wieder einen größeren Stellenwert in der Wissenschaft ein. Sie bezweifeln die Theorieabhängigkeit gut durchdachter Schlüsselexperimente. Der neue Experimentalismus hat aufgezeigt, wie experimentelle Ergebnisse untermauert werden können und experimentelle Effekte durch eine Vielzahl von Strategien, wie praktischer Intervention, Gegenproben, Fehlerkontrolle und -elimination, auf eine Art und Weise erzielt werden können, die unabhängig von komplexen Theorien sein können und dies auch typischerweise sind. Damit haben die neuen Experimentalisten die Wissenschaftstheorie wieder auf den Boden der Tatsachen zu-rückgeholt.
Meines Erachtens sind die relativistischen Positionen von Kuhn und Feyerabend ein verhängnisvoller Irrweg. Kuhn sieht die Bewertung der Paradigmenwechsel als eine Aufgabe der Soziologen und Psychologen. Da deren Bewertung aber eben auch nicht neutral sein kann, könnte man letztlich keine Aussagen darüber machen, warum es besser scheint, das eine Paradigma durch ein anderes abzulösen. Es ist jedoch müßig, diese Frage von einer Meta-Ebene (hier Soziologie/Psychologie) aus zu betrachten. Das Ganze läuft nämlich dann darauf hinaus, Argumente zu sehr an Personen zu binden. Argumente in der Wissenschaft sollten sich aber immer an der Sache orientieren und niemals an Personen oder Gruppen. Feyerabends anarchistischer Ansatz ist aber noch katastrophaler. Danach hat wissenschaftliche Erkenntnis keinerlei Vorzüge gegenüber anderen Erkenntnisformen, d.h. Wissenschaft, Religion, Mystizismus, Esoterik, etc. stehen auf gleicher Ebene. Jemand, der das in einer wissenschaftlichen Abhandlung – und ich nehme an, dass Feyerabend seine Betrachtung als eine solche verstanden wissen will – ernsthaft vertritt, hat im selben Augenblick seine Ausführungen ad absurdum geführt, ganz abgesehen davon, dass die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft Feyerabends Vorstellungen zumindest praktisch widerlegt. Es wurde hier wohl der weit verbreitete Fehler begangen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, nach der Devise: wenn es keinen Weg gibt, die Überlegenheit der Wissenschaften ultimativ zu zeigen, dann gibt es eben keine Überlegenheit der Wissenschaften. Das ist jedoch völliger Unsinn. Wenn es auch keine beste Methode gibt, so gibt es aber zu jeder Zeit bessere Methoden und es gibt durchaus auch für alle nachvollziehbare Kriterien, woran man praktisch festmachen kann, ob eine Methode besser ist. Das wird von Leuten wie Kuhn und Feyerabend übersehen.
Chalmers Einführung in die Wissenschaftstheorie ist wirklich gelungen, besonders auch, weil sie die Probleme offen anspricht und zeigt, dass es niemals auf irgendeinem Gebiet sichere Erkenntnis gibt. Auch hieraus kann man nicht schließen, dass es dann überhaupt keine Erkenntnis gibt.
Zum Schluss noch eine pointierte Meinung des Physikers und Nobelpreisträgers Richard P. Feynman, die zwar nicht im Buch vorkommt, aber – nicht so ganz falsch – ein ganz anderes Licht auf das Thema wirft: Wissenschaftstheorie ist für die Wissenschaft so wichtig wie Ornithologie für die Vögel.

Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
von Harald Schulze
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Absage an die Frauenquote, 24. Februar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das vorliegende Buch, erschienen bei "Books on Demand", einem Verlag, der Bücher auf Anforderung druckt und damit unabhängig von Verkaufszahlen und Mainstream-Zensur ist, beschäftigt sich in 18 Aufsätzen auf breiter Basis mit dem Thema "Gleichstellungspolitik". Alle Autoren entstammen dem akademischen Umfeld, sind teils Lehrstuhlinhaber und teils Angestellte des Mittelbaus, oder arbeiten freiberuflich teils als Journalisten bzw. Schriftsteller. In der Hauptsache geht es im Buch um die umstrittene Frauenquote. Da man das Thema nicht isoliert von der übrigen Feminismus-zentrierten Politik trennen kann, wird nebenher auch massive Kritik an sonstigen geschlechterpolitischen Maßnahmen geübt. Die Beiträge verzichten weitgehend auf Polemik und liefern gute Argumente für eine sachliche Diskussion. Dass diese Diskussion dringend eine öffentliche Plattform braucht, sieht man schon daran, wie die Mainstream-Medien mit Feminismuskritik umgehen: sie wird ignoriert, zensiert oder diffamiert. Wir haben es hier tatsächlich mit einer neuen Art von Totalitarismus zu tun, der sich nicht polternd, hemdsärmelig und offenkundig breit macht, sondern auf Samtpfoten daherkommt. Während es vorne eine breite öffentliche Front gegen den braunen Totalitarismus gibt, schleicht sich bereits von hinten eine neue weichgespülte Form an, die sich unter dem Deckmäntelchen der "Gleichstellung" in allen gesellschaftlichen Institutionen ausgebreitet hat. Das eigentlich Totalitäre daran ist, dass es sich um strukturelle Maßnahmen handelt, die vom Staat kompetenzüberschreitend aufgezwungen sind und massiv in die Autonomie von Einzelnen sowie von Gruppen eingreifen, die nicht vom Souverän diskutiert bzw. legitimiert sind und nicht zuletzt an bestimmten Grundrechten Rechtsbeugung begehen. Nebenbei beruhen diese Maßnahmen noch auf völlig falschen Annahmen, die gegen jede ergebnisoffene Debatte und Kritik immunisiert werden. Genau das sind die typischen Zutaten eines jeden Totalitarismus.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung diskutiert. Der zweite Teil behandelt die Facetten der Quotenpolitik. Der dritte Teil schildert die Quoten- und Gleichstellungspraxis besonders an den Hochschulen. In den Beiträgen werden alle wesentlichen Einwände gegen eine Frauenquote (im Grunde aber auch gegen jede Quote) aufgeführt. Rechtlich ließe sich die Frauenquote angeblich mit dem Grundgesetz rechtfertigen. Gemeint ist hier der Zusatz zum Artikel 3, Absatz 2, der von der rotgrünen Bundesregierung in den 90er Jahren dort hineingebracht wurde: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dieser Zusatz hat dort eigentlich nichts zu suchen, denn "hier wird normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen, ohne dass gesagt würde, welche das denn seien. Es ist jedoch logisch falsch, normativ etwas über empirische Gegebenheiten auszusagen. So etwas ist prinzipiell unmöglich und es ist schlicht unsinnig. Außerdem ist m.E. auch nicht zulässig, Ermächtigungen an völlig unklare Sachverhalte zu knüpfen, also eine carte-blanche-Ermächtigung zu erteilen, denn weder ist bekannt, was ein "Nachteil" ist - oder zumindest als ein solcher angesehen wird - noch, wer diese Nachteile feststellt und auf welche Art und Weise dies geschieht." (Zitat aus dem Beitrag von Günter Buchholz). Mit diesem Zusatz wird auch gleich Art. 3, Absatz 1 und Absatz 3 sowie Art. 2, Absatz 1 ausgehebelt. Danach ist nun eine "positive Diskriminierung" möglich. Mit diesem mittlerweile politisch korrekten Terminus wird euphemistisch übertüncht, dass jede "positive Diskriminierung" eine negative nach sich zieht: wenn man jemand bevorzugt, muss man automatisch jemand anderes benachteiligen. Zu dem verqueren Rechtsverständnis unserer Staatsvertreter gesellt sich ein grobes Missverständnis bei den Befugnissen der Staatsmacht. Aus der passiven Gleichberechtigung ist die aktive und übergriffige Gleichstellung geworden. Gleichheit kann ein Staat aber nur vor dem Gesetz garantieren, nicht im gesellschaftlichen Ergebnis, denn dann greift er massiv in die Autonomie seiner Bürger ein.

Und damit wären wir beim nächsten Aspekt der Quotendebatte, der im Buch in mehreren Beiträgen behandelt wird: die Messlatte, an der Gleichstellungspolitiker den Grad der Gleichstellung ablesen wollen. Hier geistert die magische Zahl 50% durch die Köpfe. Aus der bloßen statistischen Unterrepräsentanz von Frauen in bestimmten Bereichen, wird geschlossen, dass Frauen in diesen Bereichen diskriminiert würden. Diese Annahme, die seit Jahrzehnten behauptet wird und für die noch nie (!) jemand einen schlüssigen Beweis vorgelegt hat, ist ein Dogma, das nicht ergebnisoffen diskutiert werden darf. Sie ist genauso unsinnig wie die Annahme, die statistische Unterrepräsentanz von Brillenträgern (oder irgendeiner anderen willkürlich herausgegriffenen Gruppe) in irgendeinem willkürlich gewählten Bereich bezogen auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung würde auf ihre Diskriminierung in diesem Bereich hinweisen. Sie lässt völlig außer Acht, dass es statistische Häufungen geben kann, die auf Neigungen und Präferenzen von Menschen beruhen und nicht das Geringste mit deren Diskriminierung zu tun haben. Dass dies nicht wahrgenommen wird, liegt wiederum an einem weiteren blinden Fleck der feministischen Ideologie: Der falschen Annahme, dass es zwischen Männer und Frauen außer dem rein biologischen keinen sonstigen Unterschied gäbe.

Neben diesen Aspekten der Debatte werden im dritten Teil auch die totalitäre Praxis der Gleichstellungspolitik geschildert (hier besonders im Hochschulbereich), sowie die mittlerweile manifesten Benachteiligungen von Jungen in den Schulsystemen und Männern in der Gesellschaft. Alexander Ulfig plädiert in seinem Beitrag konstruktiv für bessere Standards bei der Bewertung von Qualifikation. Auch das sind gute Argumente dafür, dass Quoten völlig überflüssig sind. Es sei noch erwähnt, dass alle Gleichstellungsmaßnahmen, die ja im Grunde gegen Sexismus wirken sollen, diesen durch die Hintertür wieder einführen. Denn was anderes als Sexismus ist es, wenn ein Mensch einen Job wegen seines Geschlechts bekommt (oder nicht bekommt) und nicht wegen seiner Qualifikation?

Ich kann diesem Buch nur eine weite Verbreitung wünschen und dass seine Argumente von möglichst vielen beherzigt werden.

Das hedonistische Manifest
Das hedonistische Manifest
von Bernulf Kanitscheider
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Highlight!, 2. Juli 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses brillant geschriebene und gut fundierte, neueste Buch des emeritierten Gießener Philosophieprofessors Bernulf Kanitscheider zählt zu meinen Bücher-Highlights. Es beschäftigt sich auf fast 300 Seiten mit der vor über 2500 Jahren von dem griechischen Philosophen Aristippos von Kyrene ins Leben gerufenen Ethik der Freude (Hedonismus). Kanitscheider weist nach, dass diese Anschauung u.a. auch durch die Erkenntnisse der modernen Evolutionsbiologie aktueller denn je ist. Schon der Kern dieser Philosophie, das Streben des Menschen nach Lust und Freude, bedarf keiner weiteren Rechtfertigung, wo hingegen das Vermeiden derselben auf eine Begründung angewiesen ist. Diese geradezu simple Erkenntnis drückte vor über 2000 Jahren schon Eudoxos von Knidos aus: »Niemand frage, zu welchem Zweck man sich freuen wolle, und darin spreche sich die Tatsache aus, dass die Freude und die Lust an sich begehrenswert ist.« Lust und Freude sind daher Selbstzweck und bedürfen keiner weiteren Begründung.
Kanitscheider beginnt mit den verschiedenen Ausprägungen der hedonistischen Philosophie in der griechischen Antike. So steht der eher Freude- und Lust-zentrierten Anschauung Aristipps, die Seelenruhe (Ataraxie) Epikurs entgegen, für den das Ausleben von Lust und Freude eher Mittel sind, um diese Seelenruhe zu erreichen. Den folgenden Abschnitt des Buches widmet der Autor der Stellung des Hedonismus in der abendländischen Philosophie. Dabei wird klar, dass die hedonistische Philosophie in Bezug auf die übrigen philosophischen Strömungen immer ein Kellerkind war. Schon das Streben der Menschen nach Freude und besonders nach Lust hatte fast zu allen Zeiten den Anruch von Unmoral, Sünde und Egoismus. Den erhabenen Tugenden der Philosophen und Theologen standen immer die als niedrig eingestuften Begierden und kleinen Freuden der Menschen gegenüber. An der Verbreitung der Lustfeindlichkeit waren die großen Religionen maßgeblich beteiligt und sind es bis heute noch. Erst das Zeitalter der Aufklärung brachte durch den aufkommenden Naturalismus einen Wandel, wenn auch keine völlige Rehabilitierung einer hedonistischen Philosophie. Die gibt es bis heute nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Konsequenzen des Hedonismus sich auch heute noch mit den Anliegen der meisten Religionen, Ideologien und Weltanschauungen beißen. Eine hedonistische Lebenspraxis führt nämlich nicht nur dazu, dass Menschen sich mehr an ihrem eigenen Lebensglück orientieren, sondern auch zu mehr Individualismus, Freiheit, Selbstbestimmung, Toleranz, Verantwortung für Andere und Hinwendung zum Hier und Jetzt. Das läuft den meisten Projekten zuwider, die den Menschen Verzicht zugunsten erhabener Tugenden, Glück im Jenseits oder in ferner Zukunft abverlangen. Ein Hedonist ist für solche Projekte nicht zu haben und das macht ihn sperrig für Ideologien aller Art. Alle Philosophien und Religionen, die vom Menschen mehr oder weniger erhabene Tugenden einfordern, müssen sich aber auf metaphysische Letztbegründungen stützen, die jedoch empirisch in der Luft hängen. Selbst bei den tugendhaftesten Menschen fordert die Natur ihr Recht - meist umso stärker je mehr sie unterdrückt wurde. Eine Ethik kann daher von den Menschen auch nur das fordern, was diese erfüllen können, sonst ist sie von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Kanitscheider diskutiert ausführlich die vielen Ausprägungen von Freude und Lust. Er schreibt über die Themen, die unser Leben so lebenswert machen: Kunst, Musik, Essen, Trinken und Unternehmungen mit Freunden, Bildung, Selbstverwirklichung in Arbeit und Freizeit, schöne Dinge, etc. und nicht zuletzt Sexualität. Damit befasst er sich im Buch ausführlicher, besonders auch im Hinblick auf sogenannte sexuelle Deviationen. Die modernen moralphilosophischen Überlegungen verwenden hier als Abgrenzungskriterium von moralischen und unmoralischen Handlungen ausschließlich die Reziprozität, d.h. die konsensuelle gegenseitige Erfüllung und Befriedigung von Wünschen und der Austausch von Emotionen. Danach macht es keinen Sinn mehr von sexueller Abartigkeit zu sprechen, wenn alle Beteiligten freiwillig und ohne Zwang an sexuellen Handlungen teilnehmen.
Dieses gut begründete und mit zahllosen Belegen untermauerte Buch ist ein sachliches, unaufgeregtes, aber engagiertes Plädoyer für den Hedonismus. Das Lesen hat mir große Freude gemacht und viele Erkenntnisse vermittelt. Am Schluss möchte ich den letzten Abschnitt des Buches im Original zitieren, dem ich nichts mehr hinzuzufügen habe:
»Neue Einsichten in die empirische Natur des Menschen, ebenso wie der Wandel in den gesellschaftlichen Randbedingungen, müssen sich in den Forderungen einer rationalen Ethik niederschlagen. Inhaltlich wird dabei eine Minimierung der gesellschaftlichen Zwangskräfte und eine Maximierung des eigenen Handlungsspielraums verteidigt, weil nur diese die individuelle Lebensqualität und die Zufriedenheit bei der Realisierung eines gelungenen Lebens gestatten. Kein Glaubensgehorsam, keine kritikfreien gedanklichen Räume, nicht die Unterwerfung unter Ideologien, nicht die Fremdbestimmung durch historische Wertesystem, sondern die autarke, selbstverantwortete, eigenbestimmte Lebensführung charakterisieren den kyrenaischen Weg der Freiheit. Aristippos' dritter Weg, der weder der Herrschaft noch der Unterjochung geschuldet ist, wird allerdings nicht als Errungenschaft, sondern als Aufgabe anzusehen sein. Denn die gesellschaftlichen Kräfte und die mächtigen Ideologien tun ihr Möglichstes, um den Einzelnen an seinem autonomen Lebensstil zu hindern. Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss!«

XDrum DD-150 E-Drum/Percussion Pad
XDrum DD-150 E-Drum/Percussion Pad
Wird angeboten von Musikhaus Kirstein GmbH
Preis: EUR 109,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen!, 17. Juni 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die XDrum DD-150 E-Percussion, erworben über Amazon bei Musikhaus Kirstein, ist die perfekte Lösung, sich an Schlagzeug und Percussion zu versuchen, ohne gleich tief in die Geldbörse greifen zu müssen und sich zusätzlich um einen schalldichten Raum zum Üben zu kümmern. Für den sehr günstigen Preis von 99 Euro bekommt man viel. Die 7 Pads und zwei Pedale sind mit je 215 verschiedenen Drum-, Percussion- und sonstigen Sounds belegbar. Man kann sich neben den 25 voreingestellten Sets, 5 eigene Sets belegen und speichern. Alle Pads besitzen zudem dynamisches Anschlagverhalten und lassen sich auch direkt mit den Händen spielen. Eine Liste von 100 Songs, die musikalische Loops in verschiedenen Stilrichtungen zur Verfügung stellt, bietet die Möglichkeit, selbst die Rhythmusbegleitung zu übernehmen. Zu diesem Zweck lässt sich die vorgegebene Drumbegleitung per Knopfdruck abschalten. Das Drumboard verfügt ebenfalls über eine Record-Funktion, die jedoch Aufzeichnungen nur für die Dauer der Betriebszeit speichert. Den Sound kann über die eingebauten Lautsprecher, über Kopfhörer oder über einen externen Verstärker hören. Über die Midi-Schnittstelle lassen sich Sounds weiterverarbeiten. Auch die schnelle Lieferung und Abwicklung des Geschäfts durch das Musikhaus Kirstein haben einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen.

Schlagseite - MannFrau kontrovers
Schlagseite - MannFrau kontrovers
von Eckhard Kuhla
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ein ideologiefreies Miteinander von Männern und Frauen, 9. Februar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Das von Eckhard Kuhla herausgegebene Buch »Schlagseite - MannFrau kontrovers« zählt zu den notwendigen Büchern, die sich kritisch mit dem Thema Feminismus und seinen Folgen auseinandersetzen - und das erfrischend sachlich und gut mit Fakten belegt. Die 14 Beiträge von unterschiedlichen Autoren beleuchten feministische Argumente und verschiedene Aspekte der Auswirkungen des Feminismus. Eins wird nach dem Lesen der verschiedenen Beiträge klar: die 40-jährige Geschichte der Umsetzung der feministischen Ideologie hat gesellschaftliche Schäden hinterlassen, unter denen zuerst Männer zu leiden hatten, die aber mittlerweile auch immer mehr Frauen betreffen. Sie hat Gräben zwischen den Geschlechtern erst aufgerissen, anstatt sie einzuebnen, hat die Beziehungen zwischen Männern und Frauen nachhaltig vergiftet und Sexismus auf breiter Front eingeführt. Die Hauptleidtragenden aber sind die aus den vergifteten Verhältnissen hervorgegangenen Kinder, die die Probleme als erwachsene Männer und Frauen in die nächsten Generationen tragen werden.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert - die Analysen im ersten Teil sind den Perspektiven im zweiten Teil gegenübergestellt. Im ersten Teil gehen die Autoren (wie z.B. der bekannte Geschlechterforscher Gerhard Amendt) auf Argumente, besonders aber auch auf Folgen der feministischen Ideologie ein. Dazu zählen das Männerbashing auf allen Ebenen, die Benachteiligung von Männern im Scheidungs-, Unterhalts- und Sorgerecht sowie bei verfassungsrechtlich nicht vertretbaren Frauenquoten, die Benachteiligungen von Jungen im feministisch kontaminierten Schulsystem, die Zerstörung der Familie und damit die Zunahme von psychischen Störungen und Erkrankungen der Kinder, aber auch der Väter und Mütter, mit unabsehbaren Konsequenzen für die Zukunft der Gesellschaft, und die feministische Mainstream-Meinungsdiktatur in den Medien, für die ergebnisoffene, interdisziplinäre und vor allem sachliche Diskussion der feministischen Thesen ein Tabu ist.
Im Perspektiventeil zeigt z.B. Alexander Ulfig, wie Frauenquoten durch Verbesserung von Bewertungsverfahren für Qualifizierung überwunden werden können. Das sind sicher hervorragende Ansätze. Meines Erachtens sollte aber ein für alle Mal vor dem Verfassungsgericht geklärt werden, das Quoten generell gegen Grundgesetz Artikel 3 verstoßen und damit der Staat zwar die gleichen Rechte für alle zur Verfügung stellen muss, aber sich unter keinen Umständen um eine Gleichheit im Ergebnis kümmern darf. Staatlich verordnete Frauenquoten versuchen aber genau das herzustellen - dazu noch auf der falschen, seit Jahrzehnten offiziell unhinterfragten Annahme basierend, dass Frauen und Männer die gleichen Berufsinteressen hätten. Das erkennt teilweise auch Peter Döge, der in seinem Beitrag eine eher positive Einstellung zu Gender-Mainstreaming (GM) hat - nicht zuletzt deswegen, weil er hier bereits als Berater in staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen tätig war. Ich kann allerdings seinen Argumenten teilweise nicht zustimmen. So schreibt er z.B. auf Seite 268:
»Was soll sich nicht alles hinter diesem Wortungetüm [gemeint ist Gender-Mainstreaming] verbergen: ein Umerziehungsprogramm von Frauen und Männern, eine totalitäre Ideologie, die feministische Kriegserklärung an die Männer u.v.a.m.«
Für Peter Döge stoßen diese Einschätzungen, insbesondere, wenn sie von Männerseite kommen, auf mehr als Befremden. Selbst, wenn man alles andere außen vor lässt, so kann man doch ein Verfahren, das von der EU verordnet an allen öffentlichen (der Begriff ist in der Bevölkerung nicht geläufig und viele haben noch nie etwas von ihm gehört!) demokratischen Meinungsbildungs- und Mehrheitsbeschaffungsprozessen vorbei Top-Bottom ohne Möglichkeit einer Relativierung, Kritik oder gar Ablehnung eingeführt wurde, nicht anders als totalitär bezeichnen. Wieso müssen hier überhaupt Rollenbilder, Geschlechterfragen und gesellschaftliche Prozesse von oben beeinflusst werden und können nicht einer gesellschaftlichen Dynamik überlassen bleiben? GM ist klar eine Zuständigkeitsüberschreitung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen auf allen Ebenen und darin besteht der totalitäre Ansatz. Grundlage ist die Gleichheitsideologie der Geschlechter und die These, dass die Kategorie »Geschlecht« auf allen möglichen Ebenen berücksichtigt werden müsse. Die Geschlechterfrage spielt aber in vielen Zusammenhängen kaum eine Rolle, wenn man von den gängigen feministischen Klischees abrückt, die sich sowieso nicht empirisch nachweisen lassen. Die Gewichtung des Geschlechts als wesentliche Kategorie führt jedoch überhaupt erst zu Sexismus.
Ich kann auch Peter Döges Standpunkt nicht folgen, nach dem Kategorien und Begriffe, die soziale Tatbestände beschreiben (so für ihn auch der Begriff »Gender«), niemals eindeutig bestimmt seien, immer im Fluss wären und von unterschiedlichen Gruppen entlang ihrer Interessen definiert würden. Begriffe (auch Kategorien), die nicht scharf definiert werden können - und zwar unabhängig davon in welchem Bereich und von wem sie verwendet werden -, sind weder erkenntnistheoretisch noch praktisch von Nutzen, denn mit ihnen kann niemals wissenschaftlicher Konsens erzielt werden und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Ich halte daher den Begriff »Gender« für überflüssig, gerade weil er nicht allgemein und unmissverständlich definierbar ist. Peter Döge schlägt zwar durchweg feminismuskritische Töne an, bleibt jedoch oft in dem vom elitären feministischen Mainstream verordneten Geschlechterrollen-Paradigma verhaftet.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Herausgeber und die Autoren es nicht bei bloßen Worten belassen, sondern den gemeinnützigen Verein »agens e.V.« gegründet haben, bei dem Männer UND Frauen für ein Miteinander politisch aktiv werden.
Viel zu lange hat sich die feministische Ideologie überall breit gemacht. Höchste Zeit also, dass sie dorthin verbannt wird, wo alle politischen »Ismen« hingehören: auf die geistige Müllhalde der Geschichte. Dazu kann dieses Buch beitragen. Ich wünsche ihm eine weite Verbreitung.

MenschInnen: Gender Mainstreaming - Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen
MenschInnen: Gender Mainstreaming - Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen
von Barbara Rosenkranz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kompakt auf den Punkt gebracht, 24. Januar 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Man könnte sich fragen: Ist es überhaupt möglich, auf 153 Seiten eine fundierte und wesentliche Kritik am Gender-Mainstreaming (GM) und der ihm zugrunde liegenden Gendertheorie zu üben? Meine Erfahrung mit dem Buch von Barbara Rosenkranz lässt mich diese Frage mit einem klaren »Ja« beantworten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Grundlagen von GM auf Ideologien aufsetzen. Und da Ideologien meist auf fatalen Denkfehlern und Wahrnehmungsdefiziten beruhen, kann man ihre Schwachstellen auch leicht finden und ihre inneren Widersprüche aufdecken. In diesem Sinne leistet das Buch hervorragende Aufklärungsarbeit.
Die Autorin schildert als Österreicherin zwar vornehmlich österreichische Gegebenheiten, nimmt aber auch immer auf die bundesdeutsche oder die europäische Realität Bezug, die sich eigentlich deswegen nicht groß unterscheidet, weil GM eine europäische Richtlinie ist, die für alle EU-Länder bindend ist. Wer über »Geschlecht« redet, kommt an »Fortpflanzung« nicht vorbei, denn das ist die eigentliche biologische Funktion der Geschlechter. Dementsprechend geht die Autorin am Anfang des Buches kurz auf die demoskopische Situation ein. Bekannt ist, dass die Kinderquote pro Frau in fast allen Industriestaaten kleiner als zwei ist. Die reproduktive Rate von 2,3 wird hier schon lange nicht mehr erreicht. Damit ist klar, dass solche Populationen aussterben werden, wenn die Rate nicht wieder über die 2,3 geht. Die Autorin belegt auch, dass dies in erster Linie ein Problem der Eliten ist, denn je höher der Bildungsgrad ist, desto geringer fällt die Kinderzahl aus. Unter Journalistinnen, wo die Genderthesen am stärksten rezipiert werden und die auch den größten Einfluss auf die öffentliche Meinung haben, ist mit ca. 67% die Kinderlosigkeit am größten. Des Weiteren belegt die Autorin mit vielen Zahlen, dass den erklärten Zielen der Frauenpolitik und des GM die Interessen der Bevölkerung (besonders der weiblichen) klar entgegen stehen. Es handelt sich hier um ein Programm "von oben", das "nach unten" durchgesetzt werden soll, ohne dass es öffentlich diskutiert wurde, geschweige denn demokratisch legitimiert wäre. Die Umsetzung geschieht nach dem Kaderprinzip, das auch schon in der ehemaligen Sowjetunion eingesetzt wurde, um von oben festgelegte Prinzipien effizient nach unten durchzusetzen.
Im weiteren Verlauf des Buches beschäftigt sich Barbara Rosenkranz etwas genauer mit dem GM. Dabei legt sie offen, dass dieser Begriff gar nicht so klar definiert ist und dass scheinbar auch kein allzu großes Interesse besteht, dass er in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Jedenfalls ist er bei der Bevölkerung kaum bekannt. Offiziell wird er mit Gleichstellung assoziiert und es wird betont, dass GM auf beide Geschlechter ziele. Schaut man jedoch hinter die Kulissen, dann tauchen dort das Gender-Kompetenzzentrum und die "Gender Studies" auf. Das Gender-Kompetenzzentrum berät vor allem Politiker und Entscheidungsträger in Genderfragen und es unterhält Kontakte zur Genderforschung. Die "Gender Studies" selbst gründen auf dem Genderparadigma, das »Geschlecht« - sogar biologisches - als soziales Konstrukt "dekonstruiert". Ausgeheckt haben das in erster Linie Soziologen, Philosophen und Literaturwissenschaftler (Judith Butler, eine der maßgeblichen Theoretikerinnen des postmodernen Feminismus und der Gendertheorie ist Philosophin und Literaturwissenschaftlerin). Dass das soziale Geschlecht durchaus kein Konstrukt sein könnte und mit dem biologischen korrespondiert, ist in den "Gender Studies" Denktabu und darf keinesfalls in einem offenen interdisziplinären Dialog mit Biologen und Psychologen diskutiert werden. Um das rund zu machen, muss man natürlich den Kontrahenten in epistemisch-relativistischer Manier die Kompetenz absprechen, indem man ihnen unterstellt, sie seien von dichotomen Denkkategorien korrumpiert, die von den Genderisten längst dekonstruiert seien. Namhafte Leute, wie z.B. der Mainzer Soziologe und Kriminologe Prof. Dr. Dr. Bock, die GM und Gendertheorie öffentlich kritisieren, werden mundtot gemacht. Da GM alle öffentlichen Richtlinien durchdringt, stehen als Druckmittel hier die Kürzung von Fördergeldern, die Vergabepraxis öffentlicher Aufträge, dienstliche Beurteilungen und öffentliche "Brandmarkung" zur Verfügung. Wenn also ein Prinzip und seine zugrunde liegende Theorie auf zweifelhaften Voraussetzungen fußt, den interdisziplinären Dialog nicht sucht, sich stattdessen gegen jede Kritik von außen immunisiert und versucht, seine Kritiker zum Schweigen zu bringen, dann kann es sich hier nur um eine totalitäre Ideologie handeln.
In "Die Wurzeln des Gender Mainstreamings" zeigt die Autorin die historischen Quellen des GM auf. Hier weist sie an vielen Zitaten von Marx, Engels, Bebel u.a. nach, dass die Ideen des GM und der Gendertheorie bereits bei den "fossilen" Linken angelegt waren. Neue Aspekte (insbesondere die These vom Geschlecht als sozialem Konstrukt) haben Simone de Beauvoir u.a. hinzugefügt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass den Protagonisten allesamt nicht auffällt, dass sie das, was sie kritisieren, durch die Hintertür wieder einführen. Sie prangern nämlich den alten "Rollenzwang" für Männer/Frauen an und wollen im selben Atemzug Männern und Frauen neue Rollen aufdrängen, die nun mit allen Mitteln politisch durchgesetzt werden sollen. Es ist das Kennzeichen jedes Totalitarismus, dass er Menschen zu neuem Verhalten umerziehen will.
Die folgenden beiden Kapitel des Buches beschäftigen sich damit, wie und mit welchen Strategien sich GM in Politik und Gesellschaft breit gemacht hat und wie es praktisch umgesetzt wird. Dabei vergisst Barbara Rosenkranz nicht, auch darauf hinzuweisen, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Steuergelder für die absurdesten Projekte verbraten werden (z.B. für die Her- und Aufstellung von gegenderten Verkehrsschildern wie das auf dem Buchcover ironisch übertriebene Original).
Das letzte Kapitel sollte dem Titel nach Handlungsperspektiven aufzeigen. Es ist leider etwas misslungen. Einer nochmaligen Zusammenfassung des bereits Geschriebenen, steht dann nur noch Frankreich mit seiner Familienpolitik als positives Beispiel gegenüber. Das kann ich irgendwie nicht richtig glauben. Ansonsten kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich kritisch mit GM und der Gendertheorie auseinandersetzen möchte. Er wird schwerlich ein zweites Buch finden, das auf so engem Raum so viel gut belegte Hintergrundinformation bringt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 3, 2013 6:39 PM CET


Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft
Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft
von Hans-Dieter Radecke
  Gebundene Ausgabe

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was zu bezweifeln ist, 26. September 2010
Die Autoren Radecke und Teufel, beide Physiker, versuchen sich in diesem Buch an einer handfesten Wissenschaftskritik. Wissenschaftskritik (auch an den Methoden) ist sicher wichtig. Sie sollte allerdings nicht in postmodernen Relativismus abgleiten. Sätze wie der des von den Autoren immer wieder zitierten Wissenschaftsphilosophen Paul Feyerabend "Anything goes" halte ich für in der Konsequenz absurd, denn offensichtlich geht nicht alles in den Wissenschaften, sonst könnte man sie gleich abschaffen. Auch die von den Autoren ständig wiederholte Aussage "Es gibt keine absolute Wahrheit" zählt zu den nicht zu Ende gedachten und eigentlich überflüssigen Sätzen. Man könnte nämlich fragen: "Ist diese Aussage (absolut) wahr?" Ist sie es nicht, so kann man sie gleich vergessen. Ist sie es, dann ist sie falsch (weil sie sich selbst widerspricht), also kann man sie auch gleich wieder vergessen. Im günstigsten Fall kann man ihren Wahrheitsgehalt nicht feststellen. Was soll man aber mit Aussagen anfangen, deren Wahrheitsgehalt man nicht feststellen kann? Sie sind einfach nur sinnlos. Wir kommen nämlich im Alltag und in der Wissenschaft ganz gut mit dem Begriff "Wahrheit" zurecht. Wir verwenden ihn auf dem Boden unserer vorläufigen Erkenntnis und erzielen meistens einen breiten Konsens darüber, was wir für wahr halten und was nicht. Bei den Fragen, die hier und heute nicht entscheidbar sind, spekulieren wir und/oder vertagen uns auf die Zukunft, streiten mit Argumenten für den einen oder anderen Standpunkt und haben die berechtigte Hoffnung, dass sich irgendwann eins der Argumente (manchmal aber auch eine Kombination von zwei oder mehr) als das Richtige herausstellt - wenn wahrscheinlich auch nicht für immer und ewig. Das ist die beste Strategie, die wir bisher haben. Es ist müßig, sie in Frage zu stellen.

Ähnliches gilt für den von den Autoren gebeutelten Begriff "Objektivität". Auch hier sind Aussagen wie "Es gibt keine (absolute) Objektivität" sinnlos. Es gibt keine bessere Strategie, als das Objektivitätsideal weiterhin anzustreben. Das scheinen die Autoren im Grunde auch so zu sehen, denn der von ihnen verwendete Begriff "Intersubjektivierbarkeit" besagt eigentlich nichts anderes als eben "Objektivität". Ich hatte das Gefühl, dass Radecke und Teufel hier nur ein großes Schattenboxen veranstalten. Dass die Welt von uns unabhängig existiert, ist zwar ein Glaube, aber einer, der unserer gemeinsamen Wahrnehmung entspringt. Andernfalls hätten wir wohl kaum als Art überleben können. Insofern unterscheidet er sich fundamental von einem an Transzendenz orientierten Glauben. Dieser ist nämlich nicht intersubjektivierbar. Jeder vernünftige Mensch würde es wohl auch als absurd bezeichnen, dass der Mond nur dann existieren soll, wenn jemand hinschaut. Genauso absurd ist die Behauptung der Autoren, dass die Vergangenheit sich ändern würde, wenn wir neue Fakten über sie herausbrächten. Es ändert sich bestenfalls unsere Ansicht über die Vergangenheit, weil wir eben sinnvollerweise von einer von uns unabhängigen Welt ausgehen. So treiben Radecke und Teufel ein munteres Verwirrspiel mit Begriffen und Annahmen, um alles zu relativieren. Aber es kann nicht alles relativ sein, denn dann gäbe es nichts mehr, was in Bezug auf irgendetwas relativ sein könnte. Es bleibt uns also keine andere Wahl, als etwas als absolut zu setzen und das ist der Teil unserer Erfahrungen, der objektivierbar (oder mit den Autoren intersubjektivierbar) ist. Genau auf diesem Fundament baut Wissenschaft auf. Das ist zwar auch kein sicheres Fundament, aber das beste, das wir haben können, denn alle anderen sind noch unsicherer. Die Wissenschaft ist daher besser als der Ruf, den nicht nur die Autoren ihr anzuhängen versuchen. Wissenschaftskritik scheint zudem bei Radecke und Teufel mit Feyerabend aufzuhören. Dass Feyerabend aber selbst wieder Ziel von berechtigter Kritik geworden ist, wird im Buch leider nicht thematisiert.

Auch in einigen anderen Punkten hat das Buch seine Mängel, von denen ich hier zwei nennen möchte:

Die paranormalen Phänomene, für deren angeblich erwiesene Existenz Radecke und Teufel im ersten Kapitel so sehr streiten, sind nicht zuletzt deswegen umstritten, weil sie - wenn überhaupt - auf bloßen statistischen Korrelationen beruhen. Statistische Korrelationen allein sind aber kein Beleg für irgendetwas, wenn man keine Theorie für die betrachteten Phänomene hat und die gibt es in diesem Fall noch nicht. Wie will man aber dann z.B. von Psychokinese sprechen, wenn man überhaupt nicht genau angeben kann, was dies eigentlich ist, wie sie vonstatten geht, wie sie genau wirkt und wie sie gegen andere Phänomene exakt abgrenzbar ist? Um ein Analogon zu bringen: Man konnte elektromagnetische Strahlung erst meßbar machen, als man ein ungefähres Modell davon hatte, was sie ist, wie sie funktioniert und was sie bewirkt, weil man dann erst die Apparate bauen konnte, mit denen man sie gemessen hat. Ich zweifle die gesammelten Daten sicher nicht an, aber keiner kann momentan sagen, was sie genau bedeuten, und ob sie nicht vielleicht doch auf bisher noch nicht entdeckten systematischen Fehlern beruhen. Da erscheint mir die Parteinahme der Autoren etwas voreilig.

Die Theorie von Halton Arp als gleichwertig neben die Urknalltheorie zu stellen, ist etwas vermessen, zumal die zahlreichen Schwachpunkte seiner Theorie überhaupt nicht thematisiert werden. Arp ist Gegner der Urknalltheorie und behauptet, dass die Rotverschiebung ferner Galaxien und Quasare nicht auf die Expansion des Weltalls zurückzuführen wäre, sondern dass sie ein Maß für das Alter der Objekte wäre. Das bedeutet, dass die Rotverschiebung nicht umso größer ist, je weiter die Objekte von uns entfernt sind, sondern je jünger sie sind. Für ihn werden Quasare von aktiven Muttergalaxien ausgestoßen und entwickeln sich dann zu normalen Galaxien. Danach wäre das Weltall viel kleiner als von der Urknalltheorie behauptet. Die Autoren sehen schon fast einen neuen Galilei in Arp, auch in Bezug auf die Ignoranz, die ihm das Wissenschafts-Establishment entgegenbringt. Allerdings hilft es nichts, seitenlang darüber zu jammern. Besser wäre gewesen, sie hätten ehrlicherweise auch die Schwachpunkte seiner Theorie betrachtet, anstatt die Urknalltheorie schon als widerlegt zu sehen. Arps Theorie scheint mir doch etwas viele Annahmen zu haben und wirft mehr Probleme auf als sie löst. So setzt sie voraus, dass Materie in den Kernen der aktiven Galaxien "nach der Art der weißen Löcher" erzeugt wird. Ganz davon abgesehen, dass es keine Vorstellung davon gibt, was weiße Löcher überhaupt sein sollen und wie sie funktionieren, auch die Erzeugung der Teilchen und dass deren Masse ständig ansteigen soll, sind zweifelhafte Annahmen. Dass sich die mit der Zeit ansteigende Masse aus einer Lösung der Einsteinschen Feldgleichungen ergeben würde, heißt nichts. Mathematische Gleichungen können alle möglichen Lösungen haben, die nichts mit der physikalischen Wirklichkeit zu tun haben müssen (z.B. die Stringtheorie). Die Autoren sagen nichts darüber, welche Erklärung Arp für die Hintergrundstrahlung hat. Dass Arps Theorie durch die permanente Materiegenerierung mal eben heftigst den Energiesatz verletzt, scheint Radecke und Teufel überhaupt nicht zu stören. Ebenfalls verschwiegen wird, dass die Entfernungsmessung nicht nur über die Rotverschiebung erfolgt, sondern auch über kosmische Standardkerzen (Supernova-Typ Ia), die immer die gleiche Helligkeit haben und daher genaue Entfernungsmessungen erlauben. Beide Verfahren zeigen in die gleiche Richtung. Danach scheint das Weltall eben doch größer zu sein, als Arp behauptet. Weiterhin wird nicht thematisiert, warum ein derartiges Weltall, das nach bisherigem Maßstab klein ist und stetig an Masse zunimmt, eigentlich aufgrund der Schwerkraft nicht schon längst wieder kollabiert ist.

Neben den genannten Kritikpunkten erscheinen mir die ca. 50-seitige Behandlung paranormaler Phänomene am Anfang sowie die Diskussion über Freiheit am Ende des Buches als für das Thema zweitrangig. Das Buch hat aber auch ein paar gute Seiten. Es lässt sich recht gut lesen und ist in einem flüssigen Stil geschrieben. Am Ende jedes Abschnitts gibt es oft Einwände eines fiktiven Kontrahenten, die dann in Dialogform behandelt werden - eine gute Idee. Obwohl die Kritik am Wissenschaftsbetrieb teilweise berechtigt ist, schütten die Autoren meiner Meinung nach das Kind mit dem Bade aus. Ihre Abgrenzung zur Religion erfolgt zwar, aber nicht deutlich genug, so dass Missverständnisse vorprogrammiert sind. Wissenschaft kann jedoch niemals mit Religion auf einer Ebene stehen, weil religiöse Erfahrung nicht intersubjektivierbar ist und daher reine Privatsache.

Vom Urknall zum Durchknall: Die absurde Jagd nach der Weltformel
Vom Urknall zum Durchknall: Die absurde Jagd nach der Weltformel
von Alexander Unzicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

13 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überfälliger Rundumschlag, 20. September 2010
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch ist ein längst überfälliger und gelungener Rundumschlag gegen die moderne theoretische Physik, insbesondere gegen die, welche sich mit der "absurden Jagd nach der Weltformel" (so auch der Untertitel des Buches) befasst. Der Autor Alexander Unzicker ist zwar nicht aktiv in der Forschung tätig, sondern arbeitet hauptberuflich als Lehrer, hat aber in Theoretischer Physik promoviert und kennt daher den Wissenschaftsbetrieb. Nebenbei ist er noch als Reviewer für nahmhafte astrophysikalische Fachzeitschriften tätig, besucht regelmäßig Konferenzen mit den Schwerpunkten Kosmologie und Gravitationsphysik und hat viel beachtete Fachpublikationen verfasst. Das Buch profitiert von Unzickers unabhängiger Perspektive - er braucht kein Blatt vor den Mund zu nehmen, weil er nicht im konventionellen Forschungsbetrieb steckt.
Das Buch behandelt die großen Themen der Theoretischen Physik: Stringtheorie, Quantengravitation, kosmische Inflation, Standardmodell der Teilchenphysik, Dunkle Materie, Dunkle Energie und spricht von ihren Cheftheoretikern. Dabei macht Unzicker deutlich, dass sich heute weite Teile der Theoretischen Physik in einer Sackgasse befinden. Er zeigt gewisse methodische Parallelen zum geozentrischen Weltbild des Ptolemäus im ausgehenden Mittelalter auf. Man versuchte hier, die vom Modell abweichenden Planetenbahnen mit immer komplizierter werdenden Epizyklen zu erklären. Für diese Epizyklen gab es jedoch keine plausible Begründung, es handelte sich um Adhoc-Annahmen. Erst die Newton'sche Physik brachte hier Plausibilität. Ähnlich muten die mathematischen Versuche der Stringtheoretiker an, unsere Welt inklusive ihrer Bausteine mit Strings in x Dimensionen und einem ganzen Wald von freien Parametern zu erklären. Mathematik ist ein Hilfsmittel der Physik, sie kann diese aber nicht ersetzen, und mit einer entsprechend großen Menge an freien Parametern, die man willkürlich wählt, bekommt man jedes Modell an die Daten angepasst. Die Stringtheorie liefert jedenfalls mit ihrem gigantischen mathematischen Aufwand keine brauchbaren Resultate, die man experimentell überprüfen könnte und das seit wenigstens 20 Jahren. Ähnlich steht es um das Standardmodell der Teilchenphysik, obwohl hier wenigstens noch einige Voraussagen eingetroffen sind. Diese Theoriekomplexe binden Forschungsgelder und eine große Zahl physikalischer Talente an sich und behindern damit dringend benötigte neue Impulse. Alternativen können sich daher nur schwer durchsetzen. Das entspricht in weiten Teilen dem von Thomas Kuhn beschriebenen wissenschaftstheoretischen Szenario in "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen".
Das alles schildert der Autor mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Dass er dabei gelegentlich auch mal über das Ziel hinausschießt, sei ihm verziehen. So könnte es durchaus möglich sein, dass es für bestimmte Phänomene gar keine einfache bzw. überhaupt keine Erklärung gibt. Erklärung heißt ja immer: Rückführung auf etwas Bekanntes. Dies könnte aber durchaus in eine Falle führen, wenn wir auf etwas uns völlig Unvertrautes stoßen. Dazu meinte der Physiker Robert Oppenheimer einmal: "Gesunder Menschenverstand wird nur dann gefährlich, wenn er darauf besteht, dass das Vertraute im Unvertrauten wieder auftauchen muss." Schließlich führt auch die Reduktion auf etwas Elementareres am Ende immer in einen infiniten Regress, aus dem es kein Entrinnen gibt - eine Horror-Vorstellung. Die Frage ist daher, ob wir nicht doch irgendwann den ursachlosen Zufall für einzelne Teilchen akzeptieren müssen, wie er in der Quantenmechanik Einzug gehalten hat. Es wäre jedenfalls die einzige Möglichkeit, die Welt aus sich selbst heraus zu erklären. Auf jeden Fall gebührt dem Autor Dank für sein mutiges Buch, denn es gibt leider zu wenig Menschen, die dem Mainstream widersprechen. Das wäre nicht nur in der Physik dringend nötig.

50 Schlüsselideen Philosophie
50 Schlüsselideen Philosophie
von Ben Dupré
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurz, aber nicht unbedingt bündig, 18. August 2010
Wer sich von den "50 Schlüsselideen: Philosophie" eine Klarlegung der wichtigsten philosophischen Ideen der Menschheit erwartet, sollte nicht allzu sehr auf dieses Buch bauen. Zunächst einmal ist das Konzept, jeweils 50 Schlüsselideen der wichtigsten Wissenschaften in knapper Form vorzustellen, eigentlich eine gute Idee. Leider wurde das Konzept zumindest in diesem Band der Reihe für meine Begriffe nicht so gut umgesetzt.
Für jede Idee exakt vier quadratische Seiten zu reservieren, ist an sich schon recht sportlich, wenn diese Seiten eng bedruckt wären. Sind sie aber nicht. Es gehen im Mittel zusammengerechnet noch ein bis zwei Seiten davon ab, die für Überschriften nebst einer Einleitung ins Thema und breite Aussparungen für Zitate in großer Schrift von namhaften Leuten verwendet werden, sowie für eine Zeitleiste am unteren Seitenrand, deren Nutzen eher fragwürdig ist, ein "Worum es geht" in ein paar knappen Worten als Motto, das leider manchmal knapp daneben liegt, und Texte in Boxen (teilweise umrandet, teilweise als Notizzettel dargestellt), die in den Haupttext eingebettet sind und in kurzer Form Zusatzinformationen, weitere Aspekte und Kuriositäten enthalten, oft aber auch einen zweifelhaften Bezug zum Haupttext haben. Letzteres fördert nicht gerade den Lesefluss, macht aber den Haupttext noch kürzer, als das jeweilige Thema eigentlich verträgt. Soviel zur Form. Das Buch hat jedoch auch inhaltliche Mängel.
Behandelt werden neun Themenkomplexe in jeweils einzelnen Beiträgen. Dabei nimmt der Komplex "Ethik" mit 13 Beiträgen den größten Raum ein. Komplexe wie "Tierrechte" und "Ästhetik" dagegen sind mit nur je zwei Beiträgen vertreten.
Exemplarisch gehe ich hier etwas genauer auf den Beitrag "Ockhams Rasiermesser" aus dem Themenkomplex "Wissenschaft" ein, bei dem alle kritisierten Punkte zusammen auftauchen. "Ockhams Rasiermesser" ist eine Metapher, für das bekannte Sparsamkeitsprinzip in der Wissenschaft, das auf den Philosophen Wilhelm von Ockham zurückgeht, der es erstmalig formuliert hat. Es besagt, dass man für die Erklärung von Phänomenen nur diejenigen Hypothesen betrachten sollte, die mit den wenigsten Voraussetzungen auskommen. Alle anderen werden "wegrasiert".
Vom eigentlichen Text des Beitrags gehen hier ca. 1,5 Seiten ab: Drei umrandete Boxen, ein "Notizzettel", die Zeitleiste, Überschriften nebst Einleitung und das Motto. Der Artikel betont eher den Aspekt "Einfachheit" als den der Sparsamkeit und kommt somit auch zu falschen Resultaten über die Bedeutung von "Ockhams Rasiermesser". Zwar erkennt der Autor noch, dass es sich um eine gute Faustregel handelt, die die Eingangsannahmen bei Hypothesen betrachtet (Prinzip der Sparsamkeit), rekurriert dann jedoch nur noch auf die Einfachheit, die natürlich auch das Ergebnis der Anwendung von "Ockhams Rasiermesser" sein kann, aber eben nicht sein muss. So ist z.B. die Kinetik in der Speziellen Relativitätstheorie nicht einfacher als die Newton'sche, verzichtet aber auf das absolute Raum-, Zeit- sowie auf das Ätherkonzept der letzteren und kommt daher mit weniger Annahmen aus. Das Entscheidende bei "Ockhams Rasiermesser" ist also nicht die Einfachheit, sondern die Sparsamkeit der Annahmen. Damit kann das Rasiermesser aber auch nicht stumpf sein, wie der Autor meint. Denn wenn nach seiner Anwendung von mehreren immer noch zwei Erklärungen übrig bleiben, hat es seine Aufgabe erfüllt. Für diesen Fall kann nur Empirie helfen, um zwischen den zwei gleichwertigen Erklärungen eine Entscheidung herbeizuführen. Dupré bemerkt weiter:
"Ockhams Rasiermesser wird oft eingesetzt gegen eine Reihe dualistischer Ansätze mit dem Grund, dass es einfacher ist, nicht eine weitere Ebene der Realität, eine weitere Erklärungsebene usw. einzuführen. Unnötige Komplexität - die voneinander verschiedene mentale und physikalische Bereiche postuliert und dann darum kämpfen muss, diese irgendwie zu verbinden - bildet den Angriffspunkt mancher Kritik am Kartesischen Dualismus von Geist und Körper. Das Rasiermesser mag eine Ebene der Realität wegschneiden, aber woher sollen wir wissen, welche der Ebenen wir entfernen sollen."
Gerade noch erklärt der Autor plausibel, warum überflüssige Ebenen dem Messer zum Opfer fallen (nämlich um unnötige Komplexität zu vermeiden), nur um dann in Ratlosigkeit zu verfallen, welche der Ebenen denn nun entfernt werden sollen - doch wohl die, auf deren Existenz man am ehesten verzichten kann! Im Falle des Geist-Körper-Dualismus ist das natürlich der Geist.
Den Text des "Notizzettels", der die Herkunft von "Ockhams Rasiermesser" erklärt, hätte man auch mühelos im Haupttext unterbringen und damit den Platz einsparen können. Die drei umrandeten Boxen haben wenig bis gar nichts mit dem Thema zu tun:
"Pferde, nicht Zebras" enthält eine aphoristische Umschreibung von "Ockhams Rasiermesser", die jungen amerikanischen Medizinstudenten und Ärzten immer vorgehalten wird: "Wenn Sie Hufgeklapper hören, dann erwarten Sie nicht, ein Zebra zu sehen." Auch hier liegt der Autor mit seinem Kommentar wieder neben der eigentlichen Intention von "Ockhams Rasiermesser": "Die einfachere Erklärung ist nicht unbedingt immer die richtige."
"Das KISS-Prinzip" sieht das Wirken des Rasiermessers sogar im Software-Bereich, indem es Programmierer dazu auffordert, Programme möglichst einfach zu halten (Keep It Simple, Stupid). Was das jedoch mit dem eigentlich erkenntnistheoretisch angewendeten Rasiermesser zu tun haben soll, blieb mir schleierhaft.
In "Buridans Esel" behauptet der Autor, dass "Ockhams Rasiermesser" die rationale Entscheidung zwischen zwei konkurrierenden Theorien eigentlich erleichtern sollte. Im Gleichnis von Buridans Esel, der sich nicht zwischen zwei gleichgroßen Heuhaufen entscheiden kann und deshalb verhungert, illustrierte Ockhams Schüler Buridan die Unmöglichkeit einer logischen Entscheidung zwischen zwei gleichwertigen Lösungen. Auch das geht am Thema vorbei, denn zwei gleichwertige Theorien haben entweder beide dem Messer standgehalten (dann kann nur Empirie zwischen ihnen entscheiden) oder sie fallen dem Messer beide zum Opfer, weil möglicherweise eine dritte Theorie noch sparsamer in den Voraussetzungen ist.
Am Schluss des Beitrags steht unter "Worum es geht": "Immer schön einfach!" Knapp daneben ist allerdings auch vorbei. Besser wäre nämlich gewesen: Immer schön sparsam!
Fazit: Das Buch ist nur bedingt lesenswert. Dennoch gibt es auch einige gute Beiträge (z.B. "Die Verteidigung der Willensfreiheit"). Von den Textboxen hätte man besser eine Reihe zugunsten eines ausführlicheren Haupttextes streichen sollen. Die Zeitleiste halte ich für überflüssig. Weniger kann eben oft mehr sein. Das könnte man nicht nur als Quintessenz von "Ockhams Rasiermesser" bezeichnen (und es hätte daher sehr viel besser als Motto gepasst), sondern auch als Empfehlung für eine eventuelle Überarbeitung des Buches.

Einsteins Schleier. Die neue Welt der Quantenphysik
Einsteins Schleier. Die neue Welt der Quantenphysik
von Anton Zeilinger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kopenhagener Verschleierung, 19. Juli 2010
Zeilinger, Professor für Experimentalphysik an der Universität Wien und bedeutender zeitgenössischer Quantenphysiker, gibt in diesem Buch eine gut verständliche und aktuelle Übersicht über die Quantentheorie. Dies beinhaltet einen kurzen historischen Abriß und eine Darstellung der wesentlichen Gedankenexperimente sowie der unterschiedlichen Ansichten bzw. Interpretationen der Quantentheorie. Ergänzt wird das ganze um aktuelle Forschungsgebiete und spezielle zukünftige Anwendungen wie Quantenkryptografie, Quantencomputer und Quantenteleportation.
Breiten Raum nehmen die verschiedenen Interpretationen und philosophischen Implikationen der Quantentheorie ein. Dabei lässt Zeilinger keinen Zweifel daran, dass er Anhänger der Kopenhagener Interpretation ist. Diese phänomenalistisch-positivistische Interpretation (erstmalig von Niels Bohr begründet) räumt dem Beobachter eine wesentliche Rolle ein und spricht Quantenphänomenen keine unabhängige Existenz zu. Diese Interpretation gilt jedoch heute als widerlegt und wurde durch die Dekohärenz-Interpretation ersetzt, wonach sich Quantenphänomene makroskopisch deswegen verlieren, weil Teilchen durch ständige Wechselwirkung mit anderen Teilchen keine isolierten Systeme mehr sind und sie dadurch quasi ständig "Messprozessen" unterworfen sind. Quantenphänomene lassen sich daher auch nur an präparierten Systemen beobachten, die in gewisser Weise von ihrer Umgebung isoliert sind.
Zeilingers Ablehnung der Dekohärenz-Interpretation ist unbegründet und widersprüchlich. So beschreibt er ein Interferenzexperiment mit Fulleren-Molekülen (S. 103 f.) und erklärt selbst plausibel, warum trotz Wärmestrahlung der "heißen" Fulleren-Moleküle keine Dekohärenz beobachtet werden kann: weil nämlich die Wellenlänge der Wärmestrahlung größer als die Abmessung des Beugungsgitters ist und damit die Weginformation durch das Gitter nicht offenbart wird. Auf S. 158 schreibt er aber dann:
"Auch hier stellen unsere Experimente zur Interferenz der Fußballmoleküle einen sehr wichtigen Schritt dar. In diesem Experiment war es tatsächlich so, dass die Moleküle, eben weil sie auf einer Temperatur von 650° C waren, Wärmestrahlung aussandten. Sie waren eben nicht von der Umgebung isoliert. Jedoch wurden Interferenz und damit Kohärenz tatsächlich beobachtet."
Merkwürdig nur, dass sich Zeilinger nicht mehr an seine eigene Argumentation auf S. 103 f. und seine ausführlichen Erklärungen zum Thema Weginformation bei Quantenexperimenten erinnert, wonach es vollkommen erklärbar ist, warum in diesem Fall immer noch Interferenz beobachtet wird.
Weiter heißt es:
"Auch hier ist wohl zu erwarten, dass es lediglich eine Frage des experimentellen Fortschritts ist, wann Kohärenz und damit quantenmechanische Superpositionen bereits für so große Objekte nachgewiesen werden, dass man nicht mehr davon sprechen kann, dass Quantensuperposition nur auf die Mikrowelt beschränkt ist."
Mag sein, dass man Quantenphänomene bei immer größeren Objekten beobachten kann, solange man diese hinreichend von ihrer Umgebung separieren kann. Aber mit Sicherheit wird man sie nie bei makroskopischen Objekten wie einem Blumentopf beobachten, weil hier schon die Myriaden von Teilchen des Objektes mit der Umgebung derart verschränkt sind, dass eben kein kohärenter und isolierter Zustand erreicht und gehalten werden kann.
Zeilingers Stil ist stellenweise etwas oberflächlich, manchmal sogar missverständlich. Da wo er sich auf philosophisches Gebiet begibt, vermisse ich klare Begriffsdefinitionen. Gerade seine Aussagen über "Information" und "Wirklichkeit" am Schluss des Buches, die sich an Wheeler anlehnen, sind schlichtweg Unsinn. Hier haben Bunge / Mahner in "Über die Natur der Dinge" klar die Fehler aufgedeckt, die bei einer missbräuchlichen Verwendung des Begriffs "Information" entstehen. Man könnte Zeilinger wünschen, dass er sich zukünftig besser mehr mit Wissenschaftstheorie und materialistischer Ontologie auseinandersetzen würde.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 21, 2011 1:37 PM CET


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