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Dasting-Hussner
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Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
Wissen statt Moral: Fünf Thesen zur Wissensgesellschaft
von Bernd-Olaf Küppers
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Plädoyer für eine ideologiefreie Wissensgesellschaft, 25. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der auf den ersten Blick provokante Titel des Buches, stellt sich beim Lesen als scharfsinnige Erkenntnis heraus. Der Autor meint keineswegs, dass Moral überflüssig wäre, "denn das moralische Bewusstsein gehört zum biologischen Erbe des Menschen und wird stets eine substantielle Rolle im menschlichen Leben und Zusammenleben spielen. Aber die Moral muss dem menschlichen Wissen nachgeordnet sein. Sie darf nicht das Wissen dominieren, sondern sie muss ihrerseits der Kontrolle durch das Wissen unterliegen." Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Bevor man weiß, was gut / böse ist, muss man wissen, was wahr / falsch ist.

Bernd-Olaf Küppers, emeritierter Naturphilosoph und Physiker, entwickelt in diesem Buch fünf Thesen zur Wissensgesellschaft.

Unter der ersten These »Unwissenheit, die sich vermehrt, wird unsichtbar« arbeitet der Autor zunächst den Unterschied zwischen Glauben und Wissen heraus und weist sodann auf die Gefahren des Pseudowissens hin. Dabei lässt sich bei allen Spielarten des Pseudowissens (z.B. Esoterik, Anthroposophie, Ganzheitsideologien, etc.) stets ein Anti-Intellektualismus nachweisen. Pseudowissen wird im Laufe der Zeit unsichtbar, weil es im Gewand des Wissens daherkommt und man es nur bei genauen Kenntnissen entlarven kann. Am schwersten können sich die Geisteswissenschaften von den Pseudowissenschaften abgrenzen. Stellenweise gibt es hier auch anmaßende Ansprüche und eine gewisse Borniertheit.

Die zweite These »Unsere Zukunft liegt in unserer Urteilsfähigkeit« beschäftigt sich zunächst mit den verschiedenen Wahrheitsbegriffen. Es wird schnell klar, dass es absurde Konsequenzen hätte, wenn man Wahrheit komplett leugnen oder sie absolut setzen würde, wie das von Religionen immer wieder getan wird. Die Erkenntnis, dass Wahrheit etwas Relatives ist, führt zum erkenntnistheoretischen Relativismus. Der Relativismus wiederum ermöglicht erst unsere Urteilsfähigkeit, die von der Suche nach der Wahrheit getrieben wird. Das wichtigste Instrument unserer Urteilsfähigkeit ist jedoch der systematische Zweifel. Urteilsfähigkeit ist wichtig, um in der mittlerweile gigantischen Informationsflut bedeutende Informationen finden und bewerten zu können. Notwendige Voraussetzung für Urteilsfähigkeit ist Bildung, d.h. die individuelle Entfaltung der Persönlichkeit, ihrer Begabungen und Kritikfähigkeit. Bildung wird jedoch heute durch die Politik mit Ausbildung verwechselt. Man meint, man könne die Bildungsmisere politisch lösen, indem man sie mit Geld bewirft. Die Medien erweisen sich hier als treue Erfüllungsgehilfen der Politik, denn auch sie haben kein Interesse an kritischen Menschen, die sich eben nicht manipulieren und leicht führen lassen. Der Autor ist der Auffassung, dass Urteilsfähigkeit auf breiter Ebene möglich wäre, wenn die Menschen die Grundlagen von Wissenschaft – nämlich die Methoden und Ziele – besser verstehen könnten, um Pseudowissenschaft und Ideologie von Wissenschaft unterscheiden zu können.

»Das Fundament der Wissensgesellschaft ist der Relativismus« ist die dritte These des Buchs. Hier zeigt der Autor zunächst auf, dass die Wissenschaften in politisch korrekten Zeiten von allen Seiten mit moralischen Statements bombardiert werden: "Zum Handlanger der Politik sind hier vor allem die Massenmedien geworden, die uns seit geraumer Zeit mit moralischen Appellen, Forderungen und Belehrungen nachgerade überschütten. Neben der Angst war die Moral schon immer ein probates Mittel, um Menschen für Machtinteressen gefügig zu machen und sie den bestehenden Machtstrukturen unterzuordnen." Moral ist das wichtigste Instrument, um eine Gesellschaft auf gemeinsame Ziele zu verpflichten. Moral mit Absolutheitsanspruch ist aber stets mit Dogmatismus verbunden. Dies lässt sich nur verhindern, wenn Moral durch Wissen kontrolliert wird. "Werte gewinnen überhaupt erst einen konkreten Gehalt, wenn man sie in der Lebenspraxis zu anderen Werten in Relation setzt. Dies ist kein Mangel, sondern eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Werte ihre regulative Funktion ausüben können." Küppers zeigt, dass die Herrschaft der Moral über das Wissen bis in die griechische Antike zurückgeht und sich durch die gesamte Geschichte der Philosophie zieht. Neuauflagen gab es mit Hegel (Weltgeist) und in der Neuzeit Habermas und Ex-Papst Benedikt. Letzterer sprach von der Einheit von Glauben und Vernunft und stellte dem den »instrumentellen« Verstand in Technik und Naturwissenschaften gegenüber – ein weiterer Versuch, dogmatische Moral über das Wissen zu stellen. Der Autor ist der Auffassung, dass wir den Weg in die Wissensgesellschaft nur finden werden, wenn wir den moralischen Dogmatismus bekämpfen.

In der vierten These »Der Mensch ist das Maß aller Dinge« negiert Bernd-Olaf Küppers den scheinbaren Gegensatz von Natur und Kultur, der eine weitreichende Folge des christlich-abendländischen Denkens ist. Diese Vorstellung hat in eine "Ethik der Verantwortung" (Hans Jonas) geführt, die für einen Erhalt der Natur aus moralischer Verantwortung kämpft. Dem zugrunde liegt die Annahme einer Natur-immanenten Norm, der zufolge alles Lebendige das Ziel der Daseinserhaltung verfolgt. Dies entspricht jedoch einem falschen Verständnis von Natur, denn es gibt in der Natur weder Ziele noch Zwecke. Zudem sind Ökosysteme keine stabilen Gleichgewichtssysteme, sondern metastabile Systeme mit stets immanent chaotischen Tendenzen. Niemand kann daher Ökosysteme so bewahren, wie sie sind. Wir sind also gut beraten, wenn wir den Mensch als das Maß aller Dinge nehmen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir auf unsere natürlichen Grundlagen keine Rücksicht nehmen müssten.

Die fünfte These »Nur Wissen kann Wissen beherrschen« vertritt die Auffassung, dass unsere Zukunftsfähigkeit davon abhängt, ob wir den Einstieg in die Wissensgesellschaft schaffen. Nach Bernd-Olaf Küppers ist dies nur möglich, wenn wir alle ideologischen, metaphysischen und religiösen Einflüsse in den Wissenschaften zurückdrängen und nur Wissen als Kontrollfunktion von Wissen zulassen. Unser Wissen muss sich frei entfalten können, indem es im Prinzip jede denkbare Entwicklungsrichtung einschlagen darf.

Dies ist ein wichtiges Buch, dem man nur eine weite Verbreitung wünschen kann. Seine Erkenntnisse sollten neben einer Einführung in die Wissenschaftstheorie in jedem Grundstudium vermittelt werden, damit zukünftige Wissenschaftler sich besser gegen Übergriffe von Pseudowissenschaften und Ideologien wehren können.


Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
Genug gegendert!: Eine Kritik der feministischen Sprache
von Tomas Kubelik
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,50

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komplett, kompetent und kompakt - Kompliment!, 26. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Thomas Kubelik, promovierter Germanist und Gymnasiallehrer für Deutsch und Mathematik, hat in "Genug gegendert!" das Thema "Feministische Sprache" wirklich komplett, kompetent und kompakt von allen Seiten betrachtet. Mehr kann man zu diesem Thema nicht sagen. Es wurde Zeit, dass ein solches Buch geschrieben wurde. Daher: großes Kompliment an den Autor.

In seiner Einführung räumt Tomas Kubelik kurz mit weit verbreiteten und ständig runter gebeteten feministischen Glaubenssätzen auf, von denen die angebliche sprachliche Unterdrückung von Frauen nur einer ist. Sodann setzt seine Kritik bei der Sprache der political correctness an, von der das feministische Neusprech eine Teilmenge darstellt. Er zeigt klar die totalitären Tendenzen dieser von oben verordneten Sprachnorm auf, die sich auf leisen Sohlen in der Gesellschaft breit macht. Im Folgenden beschäftigt sich der Autor dann genauer mit der feministischen Linguistik, ihren Zielen, Methoden und Wurzeln. Dabei wird an Originalzitaten ihrer Protagonisten klar, dass es sich bei der feministischen Linguistik letztlich um ein sexistisches Projekt handelt, das unter dem Deckmäntelchen der Gleichberechtigung Misandrie offenbart. Im anschließenden Kapitel wird der Grundirrtum der feministischen Linguistik offen gelegt: die Gleichsetzung des grammatikalischen Geschlechts mit dem biologischen. Anhand der Kontexte wird nachgewiesen, dass auch bei historischen Texten das generische Maskulinum geschlechtsübergreifend verstanden worden sein muss. Es folgt eine ausführliche Darstellung aller Formen des Sprachgenderns und seiner absurden Konsequenzen. Eine davon ist die Tatsache, dass etwa beim Binnen-I das Geschriebene vom Gesprochenen abweicht - eins der zahllosen ungelösten Probleme dieser aufgezwungenen Sprachnorm. Im nächsten Kapitel zeigt der Autor nun auf, welche Fehler, Inkonsequenzen und Inkonsistenzen aus der Anwendung des feministischen Neusprechs folgen. Spätestens hier wird klar, dass dieses Projekt sprachlogisch überhaupt nicht durchführbar ist. Die logischen Inkonsistenzen sind nicht auflösbar. Die Ausdrucksweise wird unnötig verkompliziert, ohne dass es einen Verständnisgewinn gäbe, die Lesbarkeit von Texten würde eklatant erschwert und das Geschlecht würde dauernd in Zusammenhängen in den Fokus gerückt, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Damit befördern die Verfechter des feministischen Neusprechs gerade den Sexismus, den sie eigentlich bekämpfen wollten. Im nächsten Kapitel widmet sich Tomas Kubelik der Psycholinguistik, die angeblich die wissenschaftlichen Begründungen für die Einführung der Sprachnorm geliefert hätte. Hier soll herausgefunden worden sein, dass das generische Maskulinum Frauen in der Sprache "unsichtbarer" als Männer macht. Der Autor zeigt jedoch klar an vielen Beispielen, dass die entsprechenden Studien nicht einmal minimale Wissenschaftsstandards erfüllen. Es wird dort mit schwammigen Begriffen operiert, Forscher sind von feministischem Wunschdenken okkupiert, arbeiten nicht unvoreingenommen und ergebnisoffen, wenden falsche oder unzulängliche Methoden an und sind unfähig, die Tragweite von Statistiken richtig einzuschätzen und zu interpretieren. Es werden Daten nicht-repräsentativ erhoben, teils mit zu geringer Stichprobe und mit den vermuteten Abweichungen, die einerseits meist marginal sind und bei denen andrerseits nicht einmal ausgeschlossen werden kann, dass sie auf Zufall beruhen. Die schlimmsten Fehler werden jedoch dort begangen, wo man die Kontextabhängigkeit der Sprache einfach ignoriert. So können Effekte beim generischen Maskulinum überhaupt erst entstehen, wenn man die Aufmerksamkeit in einer Befragung auf das Geschlecht lenkt, ansonsten aber gar nicht vorhanden sein. Dies wird in keiner der Studien berücksichtigt. Hier offenbart sich am meisten die ideologische Blindheit der feministischen Forschung. Im letzten Kapitel geht es dann um die Folgen der verordneten Gender-Sprachnorm: Verkomplizierung der Sprache, Überbetonung des Geschlechts, Zurücktreten von Inhalten zu Gunsten der Form und Verlust von Klarheit.

Das alles schreibt Tomas Kubelik in einer klaren, unmissverständlichen Sprache und in einem hervorragenden Stil. Das Lesen hat mir großes Vergnügen gemacht und ich kann das Buch all denen empfehlen, die sich diesem feministischen Neusprech nach Orwell-Manier nicht beugen wollen. Ich habe jedenfalls diesen Gender-Unsinn konsequent aus meinem Leben verbannt.


Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
Frauenquote: Wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert
von Hadmut Danisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,90

33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesenswert, 19. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch von Hadmut Danisch ist mehr als eine fundierte Kritik an der Frauenquote. Es geht in dem ca. 500 Seiten starken Buch auch darum, "wie die Gender-Ideologie Politik, Wissenschaft, Recht und Verfassung unterwandert". Der Autor weist nach, dass es sich bei Gender-Mainstreaming (GM) um ein totalitäres Programm handelt, das per EU-Beschluss vorbei an allen demokratischen Legitimierungen und ohne breite öffentliche Diskussion top-down eingeführt wurde.

Aufhänger für das Buch war Hadmut Danischs Rechtsstreit wegen seiner Promotion im Fach Informatik, den er bis ans Bundesverfassungsgericht getragen hatte. In diesem Zusammenhang stieß er auf die Verfassungsrichterin Susanne Baer, deren offensichtliche Inkompetenz ihm auffiel. Dadurch wiederum beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema Feminismus und dessen Auswirkungen.

Der Autor hat akribisch Fakten zusammengetragen, die ich in dieser Fülle noch nicht gelesen habe. Er beschäftigt sich ausführlich mit dem Genderbegriff, seinen postmodernen Schöpfern Foucault, Butler, de Beauvoir und seinen Auswirkungen auf politische Debatten bzw. auf politisches Handeln. Er zeigt auf, wie die bekannten haltlosen Thesen des Feminismus verwurstet mit dem verqueren Genderbegriff zu einer alles durchdringenden Ideologie geworden sind, die sich wie eine totalitäre Soße bis in die letzten Lücken der Gesellschaft ergießen soll. Politisch korrekt wird das heute schönfärberisch Gender-Mainstreaming genannt. Er geht auf die Unsinnigkeit der Gendertheorie ein, indem er deren Argumenten moderne wissenschaftlichen Erkenntnisse gegenüberstellt. Er stellt dar, wie sich die pseudowissenschaftlichen "Gender-Studies" an den Hochschulen breit machen und die Wissenschaften zersetzen. Dabei wird klar, dass hierdurch und über Frauen-Quoten bzw. spezielle Frauen-Förderung letztlich Frauen in hochdotierte fachliche Positionen gehievt werden, die kaum Kompetenzen in den jeweiligen Fachrichtungen besitzen. Explizit zeigt der Autor dies für die Fächer Informatik und Jura, etwa an der Vita und den Texten von Susanne Baer, die mittlerweile ins Bundesverfassungsgericht berufen worden ist. Hier wurde tatsächlich jemand in das höchste richterliche Amt berufen, der nicht einen einzigen Tag als Richter gearbeitet und auch sonst fachlich nur marginale Beiträge geliefert hat, sich aber den größten Teil seiner Laufbahn lediglich mit Feminismus und Gender-Studies beschäftigt hat und dem nicht einmal der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und der Staatskompetenz-überschreitenden Gleichstellung klar ist.

Das Erschütternde, das mir erst beim Lesen des Buches klar geworden ist, ist der Fakt, dass nach politischem Plan die Gender-Studies in allen Fachrichtungen implementiert werden sollen. Die Gender-Studies sind aber klar in der Soziologie verortet und stellen letztlich ein sexistisches Programm dar. Dieses Vorhaben ist damit nichts anderes als ein Arbeitsplatzgenerierungs- und Versorgungsmechanismus für in den Fachrichtungen inkompetente Frauen. Auf Dauer erweisen sich Feministinnen damit selbst einen Bärendienst. Schlimmer wiegt jedoch, dass auf diese Weise Wissenschaft von innen zerstört wird, indem dort ein epistemischer Relativismus eingeführt wird, der zu einer Zersetzung der Wissenschaftsideale Wahrheit, Objektivität, Ergebnisoffenheit und Kritisierbarkeit führt.

Hadmut Danisch gebührt Dank, dass er das thematisiert hat. Das Buch ist durchweg interessant geschrieben und schildert eine Fülle von Details. Zwei kleine Kritikpunkte habe ich dennoch, die aber nicht in meine Bewertung einfließen. Zum einen wäre bei der Fülle an Information ein Register nicht schlecht gewesen. Dann könnte man das Buch auch gut zum Nachschlagen benutzen. Zum anderen ist die Diskreditierung des Wissenschaftsphilosophen Popper nicht berechtigt. Der Autor unterstellt ihm quasi, dass dessen Erkenntnis der Nicht-Verifizierbarkeit von Hypothesen dazu geführt hätte, dass jeder behaupten könne, was er wolle. Poppers Theorem ist gerade das Gegenteil davon und besagt eigentlich, dass wissenschaftliche Hypothesen zwar nicht verifiziert werden können, aber immer falsifizierbar sein müssen. Die Nicht-Verifizierbarkeit ist eine erkenntnistheoretische Konsequenz aus der Tatsache, dass man nicht alle Fakten ermitteln kann, die eine Hypothese stützen. An deren Stelle kann aber die Falsifizierung treten, indem man Fakten benennen muss, die eine Hypothese zu Fall bringen können. Insofern sind nur die Hypothesen wissenschaftlich ernst zu nehmen, die in sich logisch konsistent, mit plausiblen Annahmen versehen und mit bereits bekanntem Hintergrundwissen kompatibel sind und vor allem die Möglichkeit der Falsifikation bieten. Gerade die Gendertheorie erfüllt diese Kriterien allesamt nicht und ist damit eben keine wissenschaftliche Theorie.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2013 4:23 AM CET


Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie (German Edition)
von Alan F. Chalmers
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene und kompakte Einführung, 11. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist eine gut verständliche Einführung in die Wissenschaftstheorie und liegt bereits in der 6. Auflage vor. Chalmers schafft es tatsächlich, die Fragestellungen und Probleme der Wissenschaftstheorie interessant und mit vielen Beispielen darzustellen.
Am Anfang steht die Frage, was das Besondere an Wissenschaft und ihren Methoden ist, genießt sie doch hohes Ansehen in allen modernen Gesellschaften. Sukzessive stellt der Autor die Hauptansichten dar, die Philosophen dazu entwickelt haben, und ihre jeweiligen Schwächen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass sich die Frage eigentlich nicht definitiv und zweifelsfrei beantworten lässt, obschon es einige Methoden gibt, die stillschweigend von allen Wissenschaftlern akzeptiert und angewandt werden.
An erster Stelle steht die Idee, dass Wissenschaft von Tatsachen geleitet werden soll. Tatsachen gewinnt man aus systematischen Beobachtungen. Aus diesen sollen dann Generalisierungen abgeleitet werden. Diese Methode bezeichnet man als Induktivismus. Doch Beobachtungen sind bereits ihrerseits theorieabhängig und daher subjektiv. Außerdem kommt man so kaum zu neuen nicht unmittelbar naheliegenden Theorien, weil man immer nur das beobachtet, was naheliegend ist. Theorien gehen also weit über das Beobachtbare hinaus.
Einen Ausweg bietet hier die Methode des Falsifikationismus, die erstmals von Popper beschrieben wurde. Hier steht eigentlich eine Hypothese am Anfang. Sie muss Beobachtungen widerspruchsfrei erklären können und – noch wichtiger – zu überprüfbaren neuen Aussagen führen, wie spektakulär und abenteuerlich sie zunächst auch sei. Sprechen die überprüfbaren Aussagen gegen die Hypothese, so wird sie modifiziert oder gar verworfen – sie wurde dann falsifiziert. Danach schreitet Wissenschaft durch einen ständigen zyklischen Prozess voran: die eintreffenden Voraussagen einer Theorie/Hypothese bilden ihrerseits wieder die Grundlage zu neuen Hypothesen, die wiederum zu neuen überprüfbaren Aussagen führen etc.. Doch auch der Falsifikationismus steht vor einem Problem: Wann gilt eine Hypothese als falsifiziert? Bereits wenn eine der überprüfbaren Aussagen falsifiziert wurde? Wendet man nämlich den Falsifikationismus auf historische Beispiele an, so versagt er in der Regel. Die kopernikanische Revolution z.B. hätte sich nie durchsetzen können, weil sie durch die damalige aristotelische Physik in vielen Punkten falsifiziert wurde. Wie konnte sich die kopernikanische Wende schließlich doch gegen die gesamte damalige Physik durchsetzen? Ein Hauptproblem des Popperschen Falsifikationismus liegt also darin, dass es keine klaren Richtlinien dafür gibt, welcher Teil einer Theorie von einer auftretenden Falsifikation betroffen ist.
Nach Thomas Kuhn vollzieht sich daher Fortschritt in der Wissenschaft durch Paradigmenwechsel. Durch Betreiben von "Normalwissenschaft" tauchen allmählich immer mehr Probleme bei einem gerade gültigen Paradigma auf. Dies führt zu einem Umdenken bei immer mehr Wissenschaftlern, was schließlich zu einem Wechsel des Paradigmas führt. Danach setzt wieder eine Phase von "Normalwissenschaft" ein, während der Forschung im Sinne der Leitidee betrieben wird, bis sich wieder nach Häufung von Problemen und Widersprüchen ein neuer Wechsel abzeichnet. Kuhn vertritt jedoch die Ansicht, dass die Frage, ob ein Paradigma besser ist als eines, das es infrage stellt, nicht definitiv und neutral beantwortet werden kann, sondern von Werten Einzelner, Gruppen oder Kulturen abhängt. Aus Kuhns Sicht ist es Aufgabe für Forscher aus den Reihen der Soziologen und Psychologen, die Faktoren aufzudecken, warum Wissenschaftler einen Paradigmenwechsel vollziehen.
Imre Lakotos löst das erwähnte Hauptproblem des Falsifikationismus, indem er die Forschungsprogramme in der Wissenschaft in "harte Kerne" und "Schutzgürtel" aufteilt. Es gibt offensichtlich Gesetze und Prinzipien, die so fundamental sind, das sie einem konstituierenden Merkmal einer Wissenschaft gleichkommen. Dies bezeichnet Lakatos als "harten Kern". Die "harten Kerne" sind schwer durch Falsifikationen angreifbar. Falsifiziert werden können jedoch die Zusatzannahmen und -Hypothesen eines "harten Kerns", die er als "Schutzgürtel" bezeichnete. Aber auch hier tauchen Schwierigkeiten auf. Zum einen stellt sich die Frage, ob es "harte Kerne" überhaupt gibt und wie sie sich identifizieren lassen. Das gilt im Besonderen für die "weichen" Wissenschaften, nicht zuletzt deswegen, weil Lakatos' Methode in erster Linie auf die Physik ausgerichtet ist. Zum anderen ist die Methode bei aktueller Wissenschaft kaum anwendbar. Seine Kriterien sind so weich zur Charakterisierung von Wissenschaft, dass kaum etwas davon abgeleitet werden konnte.
Paul Feyerabend stellt dem seine anarchistische Wissenschaftstheorie gegenüber. Die besagt als scheinbare Quintessenz der bisherigen Erfahrungen nichts anderes als: Es gibt keine wissenschaftliche Methode. Wissenschaftler folgen ihren subjektiven Bedürfnissen, anything goes. Wissenschaft weise keinerlei Merkmale auf, die sie notwendigerweise anderen Erkenntnisformen überlegen mache. Das wichtigste Beispiel Feyerabends bezieht sich auf die Fortschritte Galileis in der Physik und Astronomie.
Chalmers selbst gibt Feyerabend insofern recht, dass es keine universelle Methode gibt. Das schließt aber nicht aus, dass Wissenschaft sich in fortlaufenden Methodenwechseln vollziehen kann. Beispiele dafür sind die Wechsel von Beobachtungsmethoden, Standards und Theorien. Dieses ist der Ansatz des Autors. Doch auch hier gäbe es so etwas, was man als einen Common Sense bezeichnen könnte, was man aber auch wieder zumindest temporär als universell bezeichnen könnte.
Ein weiterer Ansatz, dem Thema gerecht zu werden, ist der Wahrscheinlichkeitsansatz von Bayes. Im allgemeinen haben Wissenschaftler und Laien so viel Vertrauen in wissenschaftliche Theorien, dass sie sich um so fester auf Voraussagen verlassen und entsprechend planen für je wahrscheinlicher sie Theorien halten. Man kann daher Theorien Wahrscheinlichkeiten ungleich Null zuweisen. In diese Berechnungen fließen auch Belege und subjektive Wahrscheinlichkeiten ein und es lässt sich damit sogar Konvergenz von unterschiedlichen subjektiven Priorwahrscheinlichkeiten berechnen. Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch, dass es schwierig ist, diese subjektiven Wahrscheinlichkeiten zu bekommen, besonders wenn es sich um komplexe Theorien handelt.
Die neuen Experimentalisten, deren Leitidee am klarsten durch die Wissenschaftsphilosophin Mayo formuliert wurde, räumen dem Experiment wieder einen größeren Stellenwert in der Wissenschaft ein. Sie bezweifeln die Theorieabhängigkeit gut durchdachter Schlüsselexperimente. Der neue Experimentalismus hat aufgezeigt, wie experimentelle Ergebnisse untermauert werden können und experimentelle Effekte durch eine Vielzahl von Strategien, wie praktischer Intervention, Gegenproben, Fehlerkontrolle und -elimination, auf eine Art und Weise erzielt werden können, die unabhängig von komplexen Theorien sein können und dies auch typischerweise sind. Damit haben die neuen Experimentalisten die Wissenschaftstheorie wieder auf den Boden der Tatsachen zu-rückgeholt.
Meines Erachtens sind die relativistischen Positionen von Kuhn und Feyerabend ein verhängnisvoller Irrweg. Kuhn sieht die Bewertung der Paradigmenwechsel als eine Aufgabe der Soziologen und Psychologen. Da deren Bewertung aber eben auch nicht neutral sein kann, könnte man letztlich keine Aussagen darüber machen, warum es besser scheint, das eine Paradigma durch ein anderes abzulösen. Es ist jedoch müßig, diese Frage von einer Meta-Ebene (hier Soziologie/Psychologie) aus zu betrachten. Das Ganze läuft nämlich dann darauf hinaus, Argumente zu sehr an Personen zu binden. Argumente in der Wissenschaft sollten sich aber immer an der Sache orientieren und niemals an Personen oder Gruppen. Feyerabends anarchistischer Ansatz ist aber noch katastrophaler. Danach hat wissenschaftliche Erkenntnis keinerlei Vorzüge gegenüber anderen Erkenntnisformen, d.h. Wissenschaft, Religion, Mystizismus, Esoterik, etc. stehen auf gleicher Ebene. Jemand, der das in einer wissenschaftlichen Abhandlung – und ich nehme an, dass Feyerabend seine Betrachtung als eine solche verstanden wissen will – ernsthaft vertritt, hat im selben Augenblick seine Ausführungen ad absurdum geführt, ganz abgesehen davon, dass die Erfolgsgeschichte der Wissenschaft Feyerabends Vorstellungen zumindest praktisch widerlegt. Es wurde hier wohl der weit verbreitete Fehler begangen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, nach der Devise: wenn es keinen Weg gibt, die Überlegenheit der Wissenschaften ultimativ zu zeigen, dann gibt es eben keine Überlegenheit der Wissenschaften. Das ist jedoch völliger Unsinn. Wenn es auch keine beste Methode gibt, so gibt es aber zu jeder Zeit bessere Methoden und es gibt durchaus auch für alle nachvollziehbare Kriterien, woran man praktisch festmachen kann, ob eine Methode besser ist. Das wird von Leuten wie Kuhn und Feyerabend übersehen.
Chalmers Einführung in die Wissenschaftstheorie ist wirklich gelungen, besonders auch, weil sie die Probleme offen anspricht und zeigt, dass es niemals auf irgendeinem Gebiet sichere Erkenntnis gibt. Auch hieraus kann man nicht schließen, dass es dann überhaupt keine Erkenntnis gibt.
Zum Schluss noch eine pointierte Meinung des Physikers und Nobelpreisträgers Richard P. Feynman, die zwar nicht im Buch vorkommt, aber – nicht so ganz falsch – ein ganz anderes Licht auf das Thema wirft: Wissenschaftstheorie ist für die Wissenschaft so wichtig wie Ornithologie für die Vögel.


Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
Qualifikation statt Quote: Beiträge zur Gleichstellungspolitik
von Harald Schulze
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klare Absage an die Frauenquote, 24. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das vorliegende Buch, erschienen bei "Books on Demand", einem Verlag, der Bücher auf Anforderung druckt und damit unabhängig von Verkaufszahlen und Mainstream-Zensur ist, beschäftigt sich in 18 Aufsätzen auf breiter Basis mit dem Thema "Gleichstellungspolitik". Alle Autoren entstammen dem akademischen Umfeld, sind teils Lehrstuhlinhaber und teils Angestellte des Mittelbaus, oder arbeiten freiberuflich teils als Journalisten bzw. Schriftsteller. In der Hauptsache geht es im Buch um die umstrittene Frauenquote. Da man das Thema nicht isoliert von der übrigen Feminismus-zentrierten Politik trennen kann, wird nebenher auch massive Kritik an sonstigen geschlechterpolitischen Maßnahmen geübt. Die Beiträge verzichten weitgehend auf Polemik und liefern gute Argumente für eine sachliche Diskussion. Dass diese Diskussion dringend eine öffentliche Plattform braucht, sieht man schon daran, wie die Mainstream-Medien mit Feminismuskritik umgehen: sie wird ignoriert, zensiert oder diffamiert. Wir haben es hier tatsächlich mit einer neuen Art von Totalitarismus zu tun, der sich nicht polternd, hemdsärmelig und offenkundig breit macht, sondern auf Samtpfoten daherkommt. Während es vorne eine breite öffentliche Front gegen den braunen Totalitarismus gibt, schleicht sich bereits von hinten eine neue weichgespülte Form an, die sich unter dem Deckmäntelchen der "Gleichstellung" in allen gesellschaftlichen Institutionen ausgebreitet hat. Das eigentlich Totalitäre daran ist, dass es sich um strukturelle Maßnahmen handelt, die vom Staat kompetenzüberschreitend aufgezwungen sind und massiv in die Autonomie von Einzelnen sowie von Gruppen eingreifen, die nicht vom Souverän diskutiert bzw. legitimiert sind und nicht zuletzt an bestimmten Grundrechten Rechtsbeugung begehen. Nebenbei beruhen diese Maßnahmen noch auf völlig falschen Annahmen, die gegen jede ergebnisoffene Debatte und Kritik immunisiert werden. Genau das sind die typischen Zutaten eines jeden Totalitarismus.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden die Begriffe Gleichberechtigung und Gleichstellung diskutiert. Der zweite Teil behandelt die Facetten der Quotenpolitik. Der dritte Teil schildert die Quoten- und Gleichstellungspraxis besonders an den Hochschulen. In den Beiträgen werden alle wesentlichen Einwände gegen eine Frauenquote (im Grunde aber auch gegen jede Quote) aufgeführt. Rechtlich ließe sich die Frauenquote angeblich mit dem Grundgesetz rechtfertigen. Gemeint ist hier der Zusatz zum Artikel 3, Absatz 2, der von der rotgrünen Bundesregierung in den 90er Jahren dort hineingebracht wurde: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin." Dieser Zusatz hat dort eigentlich nichts zu suchen, denn "hier wird normativ (!) ausgedrückt, dass empirisch (!) generelle Nachteile bestehen, ohne dass gesagt würde, welche das denn seien. Es ist jedoch logisch falsch, normativ etwas über empirische Gegebenheiten auszusagen. So etwas ist prinzipiell unmöglich und es ist schlicht unsinnig. Außerdem ist m.E. auch nicht zulässig, Ermächtigungen an völlig unklare Sachverhalte zu knüpfen, also eine carte-blanche-Ermächtigung zu erteilen, denn weder ist bekannt, was ein "Nachteil" ist - oder zumindest als ein solcher angesehen wird - noch, wer diese Nachteile feststellt und auf welche Art und Weise dies geschieht." (Zitat aus dem Beitrag von Günter Buchholz). Mit diesem Zusatz wird auch gleich Art. 3, Absatz 1 und Absatz 3 sowie Art. 2, Absatz 1 ausgehebelt. Danach ist nun eine "positive Diskriminierung" möglich. Mit diesem mittlerweile politisch korrekten Terminus wird euphemistisch übertüncht, dass jede "positive Diskriminierung" eine negative nach sich zieht: wenn man jemand bevorzugt, muss man automatisch jemand anderes benachteiligen. Zu dem verqueren Rechtsverständnis unserer Staatsvertreter gesellt sich ein grobes Missverständnis bei den Befugnissen der Staatsmacht. Aus der passiven Gleichberechtigung ist die aktive und übergriffige Gleichstellung geworden. Gleichheit kann ein Staat aber nur vor dem Gesetz garantieren, nicht im gesellschaftlichen Ergebnis, denn dann greift er massiv in die Autonomie seiner Bürger ein.

Und damit wären wir beim nächsten Aspekt der Quotendebatte, der im Buch in mehreren Beiträgen behandelt wird: die Messlatte, an der Gleichstellungspolitiker den Grad der Gleichstellung ablesen wollen. Hier geistert die magische Zahl 50% durch die Köpfe. Aus der bloßen statistischen Unterrepräsentanz von Frauen in bestimmten Bereichen, wird geschlossen, dass Frauen in diesen Bereichen diskriminiert würden. Diese Annahme, die seit Jahrzehnten behauptet wird und für die noch nie (!) jemand einen schlüssigen Beweis vorgelegt hat, ist ein Dogma, das nicht ergebnisoffen diskutiert werden darf. Sie ist genauso unsinnig wie die Annahme, die statistische Unterrepräsentanz von Brillenträgern (oder irgendeiner anderen willkürlich herausgegriffenen Gruppe) in irgendeinem willkürlich gewählten Bereich bezogen auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung würde auf ihre Diskriminierung in diesem Bereich hinweisen. Sie lässt völlig außer Acht, dass es statistische Häufungen geben kann, die auf Neigungen und Präferenzen von Menschen beruhen und nicht das Geringste mit deren Diskriminierung zu tun haben. Dass dies nicht wahrgenommen wird, liegt wiederum an einem weiteren blinden Fleck der feministischen Ideologie: Der falschen Annahme, dass es zwischen Männer und Frauen außer dem rein biologischen keinen sonstigen Unterschied gäbe.

Neben diesen Aspekten der Debatte werden im dritten Teil auch die totalitäre Praxis der Gleichstellungspolitik geschildert (hier besonders im Hochschulbereich), sowie die mittlerweile manifesten Benachteiligungen von Jungen in den Schulsystemen und Männern in der Gesellschaft. Alexander Ulfig plädiert in seinem Beitrag konstruktiv für bessere Standards bei der Bewertung von Qualifikation. Auch das sind gute Argumente dafür, dass Quoten völlig überflüssig sind. Es sei noch erwähnt, dass alle Gleichstellungsmaßnahmen, die ja im Grunde gegen Sexismus wirken sollen, diesen durch die Hintertür wieder einführen. Denn was anderes als Sexismus ist es, wenn ein Mensch einen Job wegen seines Geschlechts bekommt (oder nicht bekommt) und nicht wegen seiner Qualifikation?

Ich kann diesem Buch nur eine weite Verbreitung wünschen und dass seine Argumente von möglichst vielen beherzigt werden.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 2, 2013 10:39 PM CET


Das hedonistische Manifest
Das hedonistische Manifest
von Bernulf Kanitscheider
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,00

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Highlight!, 2. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses brillant geschriebene und gut fundierte, neueste Buch des emeritierten Gießener Philosophieprofessors Bernulf Kanitscheider zählt zu meinen Bücher-Highlights. Es beschäftigt sich auf fast 300 Seiten mit der vor über 2500 Jahren von dem griechischen Philosophen Aristippos von Kyrene ins Leben gerufenen Ethik der Freude (Hedonismus). Kanitscheider weist nach, dass diese Anschauung u.a. auch durch die Erkenntnisse der modernen Evolutionsbiologie aktueller denn je ist. Schon der Kern dieser Philosophie, das Streben des Menschen nach Lust und Freude, bedarf keiner weiteren Rechtfertigung, wo hingegen das Vermeiden derselben auf eine Begründung angewiesen ist. Diese geradezu simple Erkenntnis drückte vor über 2000 Jahren schon Eudoxos von Knidos aus: »Niemand frage, zu welchem Zweck man sich freuen wolle, und darin spreche sich die Tatsache aus, dass die Freude und die Lust an sich begehrenswert ist.« Lust und Freude sind daher Selbstzweck und bedürfen keiner weiteren Begründung.
Kanitscheider beginnt mit den verschiedenen Ausprägungen der hedonistischen Philosophie in der griechischen Antike. So steht der eher Freude- und Lust-zentrierten Anschauung Aristipps, die Seelenruhe (Ataraxie) Epikurs entgegen, für den das Ausleben von Lust und Freude eher Mittel sind, um diese Seelenruhe zu erreichen. Den folgenden Abschnitt des Buches widmet der Autor der Stellung des Hedonismus in der abendländischen Philosophie. Dabei wird klar, dass die hedonistische Philosophie in Bezug auf die übrigen philosophischen Strömungen immer ein Kellerkind war. Schon das Streben der Menschen nach Freude und besonders nach Lust hatte fast zu allen Zeiten den Anruch von Unmoral, Sünde und Egoismus. Den erhabenen Tugenden der Philosophen und Theologen standen immer die als niedrig eingestuften Begierden und kleinen Freuden der Menschen gegenüber. An der Verbreitung der Lustfeindlichkeit waren die großen Religionen maßgeblich beteiligt und sind es bis heute noch. Erst das Zeitalter der Aufklärung brachte durch den aufkommenden Naturalismus einen Wandel, wenn auch keine völlige Rehabilitierung einer hedonistischen Philosophie. Die gibt es bis heute nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Konsequenzen des Hedonismus sich auch heute noch mit den Anliegen der meisten Religionen, Ideologien und Weltanschauungen beißen. Eine hedonistische Lebenspraxis führt nämlich nicht nur dazu, dass Menschen sich mehr an ihrem eigenen Lebensglück orientieren, sondern auch zu mehr Individualismus, Freiheit, Selbstbestimmung, Toleranz, Verantwortung für Andere und Hinwendung zum Hier und Jetzt. Das läuft den meisten Projekten zuwider, die den Menschen Verzicht zugunsten erhabener Tugenden, Glück im Jenseits oder in ferner Zukunft abverlangen. Ein Hedonist ist für solche Projekte nicht zu haben und das macht ihn sperrig für Ideologien aller Art. Alle Philosophien und Religionen, die vom Menschen mehr oder weniger erhabene Tugenden einfordern, müssen sich aber auf metaphysische Letztbegründungen stützen, die jedoch empirisch in der Luft hängen. Selbst bei den tugendhaftesten Menschen fordert die Natur ihr Recht - meist umso stärker je mehr sie unterdrückt wurde. Eine Ethik kann daher von den Menschen auch nur das fordern, was diese erfüllen können, sonst ist sie von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Kanitscheider diskutiert ausführlich die vielen Ausprägungen von Freude und Lust. Er schreibt über die Themen, die unser Leben so lebenswert machen: Kunst, Musik, Essen, Trinken und Unternehmungen mit Freunden, Bildung, Selbstverwirklichung in Arbeit und Freizeit, schöne Dinge, etc. und nicht zuletzt Sexualität. Damit befasst er sich im Buch ausführlicher, besonders auch im Hinblick auf sogenannte sexuelle Deviationen. Die modernen moralphilosophischen Überlegungen verwenden hier als Abgrenzungskriterium von moralischen und unmoralischen Handlungen ausschließlich die Reziprozität, d.h. die konsensuelle gegenseitige Erfüllung und Befriedigung von Wünschen und der Austausch von Emotionen. Danach macht es keinen Sinn mehr von sexueller Abartigkeit zu sprechen, wenn alle Beteiligten freiwillig und ohne Zwang an sexuellen Handlungen teilnehmen.
Dieses gut begründete und mit zahllosen Belegen untermauerte Buch ist ein sachliches, unaufgeregtes, aber engagiertes Plädoyer für den Hedonismus. Das Lesen hat mir große Freude gemacht und viele Erkenntnisse vermittelt. Am Schluss möchte ich den letzten Abschnitt des Buches im Original zitieren, dem ich nichts mehr hinzuzufügen habe:
»Neue Einsichten in die empirische Natur des Menschen, ebenso wie der Wandel in den gesellschaftlichen Randbedingungen, müssen sich in den Forderungen einer rationalen Ethik niederschlagen. Inhaltlich wird dabei eine Minimierung der gesellschaftlichen Zwangskräfte und eine Maximierung des eigenen Handlungsspielraums verteidigt, weil nur diese die individuelle Lebensqualität und die Zufriedenheit bei der Realisierung eines gelungenen Lebens gestatten. Kein Glaubensgehorsam, keine kritikfreien gedanklichen Räume, nicht die Unterwerfung unter Ideologien, nicht die Fremdbestimmung durch historische Wertesystem, sondern die autarke, selbstverantwortete, eigenbestimmte Lebensführung charakterisieren den kyrenaischen Weg der Freiheit. Aristippos' dritter Weg, der weder der Herrschaft noch der Unterjochung geschuldet ist, wird allerdings nicht als Errungenschaft, sondern als Aufgabe anzusehen sein. Denn die gesellschaftlichen Kräfte und die mächtigen Ideologien tun ihr Möglichstes, um den Einzelnen an seinem autonomen Lebensstil zu hindern. Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss!«


XDrum DD-150 E-Drum schwarz (USB-MIDI Anschluss, 215 Percussions, 7 anschlagdynamische Pads, 2 Pedale, Drumsticks)
XDrum DD-150 E-Drum schwarz (USB-MIDI Anschluss, 215 Percussions, 7 anschlagdynamische Pads, 2 Pedale, Drumsticks)
Preis: EUR 115,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kann ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen!, 17. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die XDrum DD-150 E-Percussion, erworben über Amazon bei Musikhaus Kirstein, ist die perfekte Lösung, sich an Schlagzeug und Percussion zu versuchen, ohne gleich tief in die Geldbörse greifen zu müssen und sich zusätzlich um einen schalldichten Raum zum Üben zu kümmern. Für den sehr günstigen Preis von 99 Euro bekommt man viel. Die 7 Pads und zwei Pedale sind mit je 215 verschiedenen Drum-, Percussion- und sonstigen Sounds belegbar. Man kann sich neben den 25 voreingestellten Sets, 5 eigene Sets belegen und speichern. Alle Pads besitzen zudem dynamisches Anschlagverhalten und lassen sich auch direkt mit den Händen spielen. Eine Liste von 100 Songs, die musikalische Loops in verschiedenen Stilrichtungen zur Verfügung stellt, bietet die Möglichkeit, selbst die Rhythmusbegleitung zu übernehmen. Zu diesem Zweck lässt sich die vorgegebene Drumbegleitung per Knopfdruck abschalten. Das Drumboard verfügt ebenfalls über eine Record-Funktion, die jedoch Aufzeichnungen nur für die Dauer der Betriebszeit speichert. Den Sound kann über die eingebauten Lautsprecher, über Kopfhörer oder über einen externen Verstärker hören. Über die Midi-Schnittstelle lassen sich Sounds weiterverarbeiten. Auch die schnelle Lieferung und Abwicklung des Geschäfts durch das Musikhaus Kirstein haben einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen.


Schlagseite - MannFrau kontrovers
Schlagseite - MannFrau kontrovers
von Eckhard Kuhla
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,95

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ein ideologiefreies Miteinander von Männern und Frauen, 9. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das von Eckhard Kuhla herausgegebene Buch »Schlagseite - MannFrau kontrovers« zählt zu den notwendigen Büchern, die sich kritisch mit dem Thema Feminismus und seinen Folgen auseinandersetzen - und das erfrischend sachlich und gut mit Fakten belegt. Die 14 Beiträge von unterschiedlichen Autoren beleuchten feministische Argumente und verschiedene Aspekte der Auswirkungen des Feminismus. Eins wird nach dem Lesen der verschiedenen Beiträge klar: die 40-jährige Geschichte der Umsetzung der feministischen Ideologie hat gesellschaftliche Schäden hinterlassen, unter denen zuerst Männer zu leiden hatten, die aber mittlerweile auch immer mehr Frauen betreffen. Sie hat Gräben zwischen den Geschlechtern erst aufgerissen, anstatt sie einzuebnen, hat die Beziehungen zwischen Männern und Frauen nachhaltig vergiftet und Sexismus auf breiter Front eingeführt. Die Hauptleidtragenden aber sind die aus den vergifteten Verhältnissen hervorgegangenen Kinder, die die Probleme als erwachsene Männer und Frauen in die nächsten Generationen tragen werden.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert - die Analysen im ersten Teil sind den Perspektiven im zweiten Teil gegenübergestellt. Im ersten Teil gehen die Autoren (wie z.B. der bekannte Geschlechterforscher Gerhard Amendt) auf Argumente, besonders aber auch auf Folgen der feministischen Ideologie ein. Dazu zählen das Männerbashing auf allen Ebenen, die Benachteiligung von Männern im Scheidungs-, Unterhalts- und Sorgerecht sowie bei verfassungsrechtlich nicht vertretbaren Frauenquoten, die Benachteiligungen von Jungen im feministisch kontaminierten Schulsystem, die Zerstörung der Familie und damit die Zunahme von psychischen Störungen und Erkrankungen der Kinder, aber auch der Väter und Mütter, mit unabsehbaren Konsequenzen für die Zukunft der Gesellschaft, und die feministische Mainstream-Meinungsdiktatur in den Medien, für die ergebnisoffene, interdisziplinäre und vor allem sachliche Diskussion der feministischen Thesen ein Tabu ist.
Im Perspektiventeil zeigt z.B. Alexander Ulfig, wie Frauenquoten durch Verbesserung von Bewertungsverfahren für Qualifizierung überwunden werden können. Das sind sicher hervorragende Ansätze. Meines Erachtens sollte aber ein für alle Mal vor dem Verfassungsgericht geklärt werden, das Quoten generell gegen Grundgesetz Artikel 3 verstoßen und damit der Staat zwar die gleichen Rechte für alle zur Verfügung stellen muss, aber sich unter keinen Umständen um eine Gleichheit im Ergebnis kümmern darf. Staatlich verordnete Frauenquoten versuchen aber genau das herzustellen - dazu noch auf der falschen, seit Jahrzehnten offiziell unhinterfragten Annahme basierend, dass Frauen und Männer die gleichen Berufsinteressen hätten. Das erkennt teilweise auch Peter Döge, der in seinem Beitrag eine eher positive Einstellung zu Gender-Mainstreaming (GM) hat - nicht zuletzt deswegen, weil er hier bereits als Berater in staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen tätig war. Ich kann allerdings seinen Argumenten teilweise nicht zustimmen. So schreibt er z.B. auf Seite 268:
»Was soll sich nicht alles hinter diesem Wortungetüm [gemeint ist Gender-Mainstreaming] verbergen: ein Umerziehungsprogramm von Frauen und Männern, eine totalitäre Ideologie, die feministische Kriegserklärung an die Männer u.v.a.m.«
Für Peter Döge stoßen diese Einschätzungen, insbesondere, wenn sie von Männerseite kommen, auf mehr als Befremden. Selbst, wenn man alles andere außen vor lässt, so kann man doch ein Verfahren, das von der EU verordnet an allen öffentlichen (der Begriff ist in der Bevölkerung nicht geläufig und viele haben noch nie etwas von ihm gehört!) demokratischen Meinungsbildungs- und Mehrheitsbeschaffungsprozessen vorbei Top-Bottom ohne Möglichkeit einer Relativierung, Kritik oder gar Ablehnung eingeführt wurde, nicht anders als totalitär bezeichnen. Wieso müssen hier überhaupt Rollenbilder, Geschlechterfragen und gesellschaftliche Prozesse von oben beeinflusst werden und können nicht einer gesellschaftlichen Dynamik überlassen bleiben? GM ist klar eine Zuständigkeitsüberschreitung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen auf allen Ebenen und darin besteht der totalitäre Ansatz. Grundlage ist die Gleichheitsideologie der Geschlechter und die These, dass die Kategorie »Geschlecht« auf allen möglichen Ebenen berücksichtigt werden müsse. Die Geschlechterfrage spielt aber in vielen Zusammenhängen kaum eine Rolle, wenn man von den gängigen feministischen Klischees abrückt, die sich sowieso nicht empirisch nachweisen lassen. Die Gewichtung des Geschlechts als wesentliche Kategorie führt jedoch überhaupt erst zu Sexismus.
Ich kann auch Peter Döges Standpunkt nicht folgen, nach dem Kategorien und Begriffe, die soziale Tatbestände beschreiben (so für ihn auch der Begriff »Gender«), niemals eindeutig bestimmt seien, immer im Fluss wären und von unterschiedlichen Gruppen entlang ihrer Interessen definiert würden. Begriffe (auch Kategorien), die nicht scharf definiert werden können - und zwar unabhängig davon in welchem Bereich und von wem sie verwendet werden -, sind weder erkenntnistheoretisch noch praktisch von Nutzen, denn mit ihnen kann niemals wissenschaftlicher Konsens erzielt werden und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Ich halte daher den Begriff »Gender« für überflüssig, gerade weil er nicht allgemein und unmissverständlich definierbar ist. Peter Döge schlägt zwar durchweg feminismuskritische Töne an, bleibt jedoch oft in dem vom elitären feministischen Mainstream verordneten Geschlechterrollen-Paradigma verhaftet.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Herausgeber und die Autoren es nicht bei bloßen Worten belassen, sondern den gemeinnützigen Verein »agens e.V.« gegründet haben, bei dem Männer UND Frauen für ein Miteinander politisch aktiv werden.
Viel zu lange hat sich die feministische Ideologie überall breit gemacht. Höchste Zeit also, dass sie dorthin verbannt wird, wo alle politischen »Ismen« hingehören: auf die geistige Müllhalde der Geschichte. Dazu kann dieses Buch beitragen. Ich wünsche ihm eine weite Verbreitung.


MENSCHINNEN: Gender Mainstreaming - Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen
MENSCHINNEN: Gender Mainstreaming - Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen
von Barbara Rosenkranz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kompakt auf den Punkt gebracht, 24. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Man könnte sich fragen: Ist es überhaupt möglich, auf 153 Seiten eine fundierte und wesentliche Kritik am Gender-Mainstreaming (GM) und der ihm zugrunde liegenden Gendertheorie zu üben? Meine Erfahrung mit dem Buch von Barbara Rosenkranz lässt mich diese Frage mit einem klaren »Ja« beantworten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Grundlagen von GM auf Ideologien aufsetzen. Und da Ideologien meist auf fatalen Denkfehlern und Wahrnehmungsdefiziten beruhen, kann man ihre Schwachstellen auch leicht finden und ihre inneren Widersprüche aufdecken. In diesem Sinne leistet das Buch hervorragende Aufklärungsarbeit.
Die Autorin schildert als Österreicherin zwar vornehmlich österreichische Gegebenheiten, nimmt aber auch immer auf die bundesdeutsche oder die europäische Realität Bezug, die sich eigentlich deswegen nicht groß unterscheidet, weil GM eine europäische Richtlinie ist, die für alle EU-Länder bindend ist. Wer über »Geschlecht« redet, kommt an »Fortpflanzung« nicht vorbei, denn das ist die eigentliche biologische Funktion der Geschlechter. Dementsprechend geht die Autorin am Anfang des Buches kurz auf die demoskopische Situation ein. Bekannt ist, dass die Kinderquote pro Frau in fast allen Industriestaaten kleiner als zwei ist. Die reproduktive Rate von 2,3 wird hier schon lange nicht mehr erreicht. Damit ist klar, dass solche Populationen aussterben werden, wenn die Rate nicht wieder über die 2,3 geht. Die Autorin belegt auch, dass dies in erster Linie ein Problem der Eliten ist, denn je höher der Bildungsgrad ist, desto geringer fällt die Kinderzahl aus. Unter Journalistinnen, wo die Genderthesen am stärksten rezipiert werden und die auch den größten Einfluss auf die öffentliche Meinung haben, ist mit ca. 67% die Kinderlosigkeit am größten. Des Weiteren belegt die Autorin mit vielen Zahlen, dass den erklärten Zielen der Frauenpolitik und des GM die Interessen der Bevölkerung (besonders der weiblichen) klar entgegen stehen. Es handelt sich hier um ein Programm "von oben", das "nach unten" durchgesetzt werden soll, ohne dass es öffentlich diskutiert wurde, geschweige denn demokratisch legitimiert wäre. Die Umsetzung geschieht nach dem Kaderprinzip, das auch schon in der ehemaligen Sowjetunion eingesetzt wurde, um von oben festgelegte Prinzipien effizient nach unten durchzusetzen.
Im weiteren Verlauf des Buches beschäftigt sich Barbara Rosenkranz etwas genauer mit dem GM. Dabei legt sie offen, dass dieser Begriff gar nicht so klar definiert ist und dass scheinbar auch kein allzu großes Interesse besteht, dass er in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Jedenfalls ist er bei der Bevölkerung kaum bekannt. Offiziell wird er mit Gleichstellung assoziiert und es wird betont, dass GM auf beide Geschlechter ziele. Schaut man jedoch hinter die Kulissen, dann tauchen dort das Gender-Kompetenzzentrum und die "Gender Studies" auf. Das Gender-Kompetenzzentrum berät vor allem Politiker und Entscheidungsträger in Genderfragen und es unterhält Kontakte zur Genderforschung. Die "Gender Studies" selbst gründen auf dem Genderparadigma, das »Geschlecht« - sogar biologisches - als soziales Konstrukt "dekonstruiert". Ausgeheckt haben das in erster Linie Soziologen, Philosophen und Literaturwissenschaftler (Judith Butler, eine der maßgeblichen Theoretikerinnen des postmodernen Feminismus und der Gendertheorie ist Philosophin und Literaturwissenschaftlerin). Dass das soziale Geschlecht durchaus kein Konstrukt sein könnte und mit dem biologischen korrespondiert, ist in den "Gender Studies" Denktabu und darf keinesfalls in einem offenen interdisziplinären Dialog mit Biologen und Psychologen diskutiert werden. Um das rund zu machen, muss man natürlich den Kontrahenten in epistemisch-relativistischer Manier die Kompetenz absprechen, indem man ihnen unterstellt, sie seien von dichotomen Denkkategorien korrumpiert, die von den Genderisten längst dekonstruiert seien. Namhafte Leute, wie z.B. der Mainzer Soziologe und Kriminologe Prof. Dr. Dr. Bock, die GM und Gendertheorie öffentlich kritisieren, werden mundtot gemacht. Da GM alle öffentlichen Richtlinien durchdringt, stehen als Druckmittel hier die Kürzung von Fördergeldern, die Vergabepraxis öffentlicher Aufträge, dienstliche Beurteilungen und öffentliche "Brandmarkung" zur Verfügung. Wenn also ein Prinzip und seine zugrunde liegende Theorie auf zweifelhaften Voraussetzungen fußt, den interdisziplinären Dialog nicht sucht, sich stattdessen gegen jede Kritik von außen immunisiert und versucht, seine Kritiker zum Schweigen zu bringen, dann kann es sich hier nur um eine totalitäre Ideologie handeln.
In "Die Wurzeln des Gender Mainstreamings" zeigt die Autorin die historischen Quellen des GM auf. Hier weist sie an vielen Zitaten von Marx, Engels, Bebel u.a. nach, dass die Ideen des GM und der Gendertheorie bereits bei den "fossilen" Linken angelegt waren. Neue Aspekte (insbesondere die These vom Geschlecht als sozialem Konstrukt) haben Simone de Beauvoir u.a. hinzugefügt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass den Protagonisten allesamt nicht auffällt, dass sie das, was sie kritisieren, durch die Hintertür wieder einführen. Sie prangern nämlich den alten "Rollenzwang" für Männer/Frauen an und wollen im selben Atemzug Männern und Frauen neue Rollen aufdrängen, die nun mit allen Mitteln politisch durchgesetzt werden sollen. Es ist das Kennzeichen jedes Totalitarismus, dass er Menschen zu neuem Verhalten umerziehen will.
Die folgenden beiden Kapitel des Buches beschäftigen sich damit, wie und mit welchen Strategien sich GM in Politik und Gesellschaft breit gemacht hat und wie es praktisch umgesetzt wird. Dabei vergisst Barbara Rosenkranz nicht, auch darauf hinzuweisen, mit welcher Selbstverständlichkeit hier Steuergelder für die absurdesten Projekte verbraten werden (z.B. für die Her- und Aufstellung von gegenderten Verkehrsschildern wie das auf dem Buchcover ironisch übertriebene Original).
Das letzte Kapitel sollte dem Titel nach Handlungsperspektiven aufzeigen. Es ist leider etwas misslungen. Einer nochmaligen Zusammenfassung des bereits Geschriebenen, steht dann nur noch Frankreich mit seiner Familienpolitik als positives Beispiel gegenüber. Das kann ich irgendwie nicht richtig glauben. Ansonsten kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich kritisch mit GM und der Gendertheorie auseinandersetzen möchte. Er wird schwerlich ein zweites Buch finden, das auf so engem Raum so viel gut belegte Hintergrundinformation bringt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2014 10:54 AM MEST


Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft
Was zu bezweifeln war: Die Lüge von der objektiven Wissenschaft
von Hans-Dieter Radecke
  Gebundene Ausgabe

10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was zu bezweifeln ist, 26. September 2010
Die Autoren Radecke und Teufel, beide Physiker, versuchen sich in diesem Buch an einer handfesten Wissenschaftskritik. Wissenschaftskritik (auch an den Methoden) ist sicher wichtig. Sie sollte allerdings nicht in postmodernen Relativismus abgleiten. Sätze wie der des von den Autoren immer wieder zitierten Wissenschaftsphilosophen Paul Feyerabend "Anything goes" halte ich für in der Konsequenz absurd, denn offensichtlich geht nicht alles in den Wissenschaften, sonst könnte man sie gleich abschaffen. Auch die von den Autoren ständig wiederholte Aussage "Es gibt keine absolute Wahrheit" zählt zu den nicht zu Ende gedachten und eigentlich überflüssigen Sätzen. Man könnte nämlich fragen: "Ist diese Aussage (absolut) wahr?" Ist sie es nicht, so kann man sie gleich vergessen. Ist sie es, dann ist sie falsch (weil sie sich selbst widerspricht), also kann man sie auch gleich wieder vergessen. Im günstigsten Fall kann man ihren Wahrheitsgehalt nicht feststellen. Was soll man aber mit Aussagen anfangen, deren Wahrheitsgehalt man nicht feststellen kann? Sie sind einfach nur sinnlos. Wir kommen nämlich im Alltag und in der Wissenschaft ganz gut mit dem Begriff "Wahrheit" zurecht. Wir verwenden ihn auf dem Boden unserer vorläufigen Erkenntnis und erzielen meistens einen breiten Konsens darüber, was wir für wahr halten und was nicht. Bei den Fragen, die hier und heute nicht entscheidbar sind, spekulieren wir und/oder vertagen uns auf die Zukunft, streiten mit Argumenten für den einen oder anderen Standpunkt und haben die berechtigte Hoffnung, dass sich irgendwann eins der Argumente (manchmal aber auch eine Kombination von zwei oder mehr) als das Richtige herausstellt - wenn wahrscheinlich auch nicht für immer und ewig. Das ist die beste Strategie, die wir bisher haben. Es ist müßig, sie in Frage zu stellen.

Ähnliches gilt für den von den Autoren gebeutelten Begriff "Objektivität". Auch hier sind Aussagen wie "Es gibt keine (absolute) Objektivität" sinnlos. Es gibt keine bessere Strategie, als das Objektivitätsideal weiterhin anzustreben. Das scheinen die Autoren im Grunde auch so zu sehen, denn der von ihnen verwendete Begriff "Intersubjektivierbarkeit" besagt eigentlich nichts anderes als eben "Objektivität". Ich hatte das Gefühl, dass Radecke und Teufel hier nur ein großes Schattenboxen veranstalten. Dass die Welt von uns unabhängig existiert, ist zwar ein Glaube, aber einer, der unserer gemeinsamen Wahrnehmung entspringt. Andernfalls hätten wir wohl kaum als Art überleben können. Insofern unterscheidet er sich fundamental von einem an Transzendenz orientierten Glauben. Dieser ist nämlich nicht intersubjektivierbar. Jeder vernünftige Mensch würde es wohl auch als absurd bezeichnen, dass der Mond nur dann existieren soll, wenn jemand hinschaut. Genauso absurd ist die Behauptung der Autoren, dass die Vergangenheit sich ändern würde, wenn wir neue Fakten über sie herausbrächten. Es ändert sich bestenfalls unsere Ansicht über die Vergangenheit, weil wir eben sinnvollerweise von einer von uns unabhängigen Welt ausgehen. So treiben Radecke und Teufel ein munteres Verwirrspiel mit Begriffen und Annahmen, um alles zu relativieren. Aber es kann nicht alles relativ sein, denn dann gäbe es nichts mehr, was in Bezug auf irgendetwas relativ sein könnte. Es bleibt uns also keine andere Wahl, als etwas als absolut zu setzen und das ist der Teil unserer Erfahrungen, der objektivierbar (oder mit den Autoren intersubjektivierbar) ist. Genau auf diesem Fundament baut Wissenschaft auf. Das ist zwar auch kein sicheres Fundament, aber das beste, das wir haben können, denn alle anderen sind noch unsicherer. Die Wissenschaft ist daher besser als der Ruf, den nicht nur die Autoren ihr anzuhängen versuchen. Wissenschaftskritik scheint zudem bei Radecke und Teufel mit Feyerabend aufzuhören. Dass Feyerabend aber selbst wieder Ziel von berechtigter Kritik geworden ist, wird im Buch leider nicht thematisiert.

Auch in einigen anderen Punkten hat das Buch seine Mängel, von denen ich hier zwei nennen möchte:

Die paranormalen Phänomene, für deren angeblich erwiesene Existenz Radecke und Teufel im ersten Kapitel so sehr streiten, sind nicht zuletzt deswegen umstritten, weil sie - wenn überhaupt - auf bloßen statistischen Korrelationen beruhen. Statistische Korrelationen allein sind aber kein Beleg für irgendetwas, wenn man keine Theorie für die betrachteten Phänomene hat und die gibt es in diesem Fall noch nicht. Wie will man aber dann z.B. von Psychokinese sprechen, wenn man überhaupt nicht genau angeben kann, was dies eigentlich ist, wie sie vonstatten geht, wie sie genau wirkt und wie sie gegen andere Phänomene exakt abgrenzbar ist? Um ein Analogon zu bringen: Man konnte elektromagnetische Strahlung erst meßbar machen, als man ein ungefähres Modell davon hatte, was sie ist, wie sie funktioniert und was sie bewirkt, weil man dann erst die Apparate bauen konnte, mit denen man sie gemessen hat. Ich zweifle die gesammelten Daten sicher nicht an, aber keiner kann momentan sagen, was sie genau bedeuten, und ob sie nicht vielleicht doch auf bisher noch nicht entdeckten systematischen Fehlern beruhen. Da erscheint mir die Parteinahme der Autoren etwas voreilig.

Die Theorie von Halton Arp als gleichwertig neben die Urknalltheorie zu stellen, ist etwas vermessen, zumal die zahlreichen Schwachpunkte seiner Theorie überhaupt nicht thematisiert werden. Arp ist Gegner der Urknalltheorie und behauptet, dass die Rotverschiebung ferner Galaxien und Quasare nicht auf die Expansion des Weltalls zurückzuführen wäre, sondern dass sie ein Maß für das Alter der Objekte wäre. Das bedeutet, dass die Rotverschiebung nicht umso größer ist, je weiter die Objekte von uns entfernt sind, sondern je jünger sie sind. Für ihn werden Quasare von aktiven Muttergalaxien ausgestoßen und entwickeln sich dann zu normalen Galaxien. Danach wäre das Weltall viel kleiner als von der Urknalltheorie behauptet. Die Autoren sehen schon fast einen neuen Galilei in Arp, auch in Bezug auf die Ignoranz, die ihm das Wissenschafts-Establishment entgegenbringt. Allerdings hilft es nichts, seitenlang darüber zu jammern. Besser wäre gewesen, sie hätten ehrlicherweise auch die Schwachpunkte seiner Theorie betrachtet, anstatt die Urknalltheorie schon als widerlegt zu sehen. Arps Theorie scheint mir doch etwas viele Annahmen zu haben und wirft mehr Probleme auf als sie löst. So setzt sie voraus, dass Materie in den Kernen der aktiven Galaxien "nach der Art der weißen Löcher" erzeugt wird. Ganz davon abgesehen, dass es keine Vorstellung davon gibt, was weiße Löcher überhaupt sein sollen und wie sie funktionieren, auch die Erzeugung der Teilchen und dass deren Masse ständig ansteigen soll, sind zweifelhafte Annahmen. Dass sich die mit der Zeit ansteigende Masse aus einer Lösung der Einsteinschen Feldgleichungen ergeben würde, heißt nichts. Mathematische Gleichungen können alle möglichen Lösungen haben, die nichts mit der physikalischen Wirklichkeit zu tun haben müssen (z.B. die Stringtheorie). Die Autoren sagen nichts darüber, welche Erklärung Arp für die Hintergrundstrahlung hat. Dass Arps Theorie durch die permanente Materiegenerierung mal eben heftigst den Energiesatz verletzt, scheint Radecke und Teufel überhaupt nicht zu stören. Ebenfalls verschwiegen wird, dass die Entfernungsmessung nicht nur über die Rotverschiebung erfolgt, sondern auch über kosmische Standardkerzen (Supernova-Typ Ia), die immer die gleiche Helligkeit haben und daher genaue Entfernungsmessungen erlauben. Beide Verfahren zeigen in die gleiche Richtung. Danach scheint das Weltall eben doch größer zu sein, als Arp behauptet. Weiterhin wird nicht thematisiert, warum ein derartiges Weltall, das nach bisherigem Maßstab klein ist und stetig an Masse zunimmt, eigentlich aufgrund der Schwerkraft nicht schon längst wieder kollabiert ist.

Neben den genannten Kritikpunkten erscheinen mir die ca. 50-seitige Behandlung paranormaler Phänomene am Anfang sowie die Diskussion über Freiheit am Ende des Buches als für das Thema zweitrangig. Das Buch hat aber auch ein paar gute Seiten. Es lässt sich recht gut lesen und ist in einem flüssigen Stil geschrieben. Am Ende jedes Abschnitts gibt es oft Einwände eines fiktiven Kontrahenten, die dann in Dialogform behandelt werden - eine gute Idee. Obwohl die Kritik am Wissenschaftsbetrieb teilweise berechtigt ist, schütten die Autoren meiner Meinung nach das Kind mit dem Bade aus. Ihre Abgrenzung zur Religion erfolgt zwar, aber nicht deutlich genug, so dass Missverständnisse vorprogrammiert sind. Wissenschaft kann jedoch niemals mit Religion auf einer Ebene stehen, weil religiöse Erfahrung nicht intersubjektivierbar ist und daher reine Privatsache.


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