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Bine Endruteit (Media-Mania)
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Ekhö - Spiegelwelt: Band 1. New York
Ekhö - Spiegelwelt: Band 1. New York
von Christophe Arleston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein rundum gelungener Comicspaß: Großartige Bilder, Spannung und Humor, 23. Februar 2014
"New York" ist der erste Band der Reihe "Ehkhö – Spiegelwelt". Als Erstes stechen einem die wundervollen Zeichnungen von Alessandro Barbucci ins Auge, der dem jungen Leser durch "Monster Allergy" bekannt sein dürfte, dem anspruchsvollen Comicfan durch die "Sky Doll"-Serie. Ecken und Kanten sucht man in seinen Zeichnungen vergeblich, alles wirkt weich und rund. Seine Charaktere stellt er immer mit einem Hauch von Niedlichkeit dar, selbst wenn es sich um ein übles Monster oder einen riesigen Drachen handelt. Ein wahrer Augenschmaus, gerade auch für männliche Leser, dürften die weiblichen Figuren sein. Ohne sie obszön wirken zu lassen, gelingt es ihm, sie ausgesprochen sexy darzustellen. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt bereits das Titelbild.

Autor des Comics ist Christophe Arleston, bekannt durch die Serien "Troll von Troy" und "Die Schiffbrüchigen von Ythaq". Er beweist auch bei "Ekhö – Spiegelwelt", dass er eine Geschichte mit vielen Ebenen zu erzählen weiß. Im Vordergrund steht hier natürlich der Eintritt in die Welt Ekhö, in die die Protagonisten Ludmilla und Juri gleich zu Anfang der Geschichte katapultiert werden. Den besonderen Reiz bekommt sie dadurch, dass es tatsächlich eine Spiegelwelt ist, wie es der Titel verspricht, das heißt, wir sehen immer noch New York vor uns, mit einigen ganz prägnanten Dingen, die einen großen Wiedererkennungswert haben. Zum Beispiel die Freiheitsstatue oder die U-Bahn. Doch alles ist auf fantastische Weise verändert. Arleston erfreut den Leser mit einer Menge großer und kleiner Ideen, die dieses zauberhafte und doch bizarre, neue Land darstellen. Konkret nutzt er dafür seine beiden Protagonisten Ludmilla und Juri, die sich auf eine entzückende Weise nicht immer ganz grün sind. Das ist zusätzlich genau der Punkt, an den er anknüpft, um eine Vielzahl an humoristischen Szenen in dem Band unterzubringen, die einen immer wieder schmunzeln lassen.
Und dann startet auch schon die eigentliche Geschichte um die "Eichhörnchen"-Wesen, die in Ekhö Preshauns heißen und die ein ganz besonderes Geheimnis hüten. Garniert wird die Handlung mit einer klassischen, kleinen Detektiv-Geschichte, die quasi noch "im Vorbeigehen" gelöst wird. Diese vielen, unterschiedlichen Ebenen, auf denen der Comic spielt, machen ihn so spannend und lassen den Leser schnell in die komplexe und doch leicht verständliche Welt eintauchen.

Als Bonus befinden sich am Ende des Bandes zahlreiche Skizzen, Entwürfe und Illustrationen, dank derer man einen kleinen Einblick in die Entstehung von "Ekhö – Spiegelwelt" bekommen kann.

Kurz und gut: Der erste "Ekhö – Spiegelwelten"-Band "New York" ist ein rundum gelungener Comicspaß. Hier stimmt einfach alles, die Geschichte hat Humor und ist spannend, die Zeichnungen laden zum Schwelgen ein. Was will man mehr? Den zweiten Band natürlich!


Der raffinierte Mr. Scratch: Roman
Der raffinierte Mr. Scratch: Roman
von Michael Poore
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gutes Mittelmaß, nicht mehr und nicht weniger, 15. Februar 2014
Es fällt etwas schwer, den Roman "Der raffinierte Mr. Scratch" in eine Schublade zu stecken. Am besten lasst er sich noch der Satire zuordnen. Zynisch und schwarzhumorig kommt die Geschichte daher, hat dabei aber an einigen Stellen eine erstaunliche Ernsthaftigkeit vorzuweisen für eine Erzählung, die derart flapsig daherkommt. Im einen Augenblick lässt sie den Leser noch laut auflachen, nur zwei Zeilen weiter muss er hart schlucken, weil er merkt, wie sehr man ihm den Spiegel vorgehalten hat.

Der Autor Michael Poore nimmt sich so ziemlich jedes Laster der Menschen vor und dabei reist er teilweise viele Jahrhunderte zurück in die Vergangenheit. Besonders real fühlt es sich aber in den Momenten an, die in einer höchst aktuellen, wenn auch leicht überspitzten, Gegenwart spielen. Von reiner Gewaltbereitschaft über schlichte Dummheit bis hin zur alles übersteigenden Sensationslust benennt er so ziemlich alles Üble, das unsere Gesellschaft aufweist.

Allerdings bleibt die übliche Frage: Was will der Autor uns mit diesem Roman eigentlich sagen?
Dass der Teufel auch nur ein Mensch ist? Dass wir alle Kotzbrocken übelster Sorte sind? Dass es für uns eh keine Hoffnung mehr gibt und sich lediglich der Teufel für unser Schicksal interessiert? Es bleibt im Verborgenen. Vielleicht will er ja auch gar nichts sagen, sondern uns einfach nur ein paar Stunden gut unterhalten? Das ist ihm durchaus gelungen, wenn sich der Roman auch ein wenig in die Länge zieht. Poores Schreibstil ist flüssig und einfach gehalten. Das Buch liest sich quasi „mal eben so weg". Nicht mehr, aber bestimmt auch nicht weniger. Es ist kein Highlight, aber auch kein Müll, gutes Mittelmaß eben. Genauso wie die Menschen, von denen Poore schreibt. Und wie sein Teufel. Denn der ist keineswegs der typische Bösewicht, sondern von ebensolchen Zweifeln geplagt wie ein jeder von uns. Er ist irgendein Typ, der besondere Fähigkeiten hat und unsterblich ist, das macht ihn aber weder zu seinem Bösewicht noch zu einem Übermenschen, sondern nur zu einem Wesen, das andere Dinge tut und die Welt anders sieht als wir. Mit etwas Abstand und ohne Respekt. Was das aus ihm macht, liest man in "Der raffinierte Mr. Scratch", der sich übrigens höchstens selbst für raffiniert hält.

Ach ja: Das Ding mit der geraubten Seele ist für die Geschichte komplett irrelevant. Vermutlich hat der Autor es einfach eingefügt, weil es nun mal so ein Ding ist, das der Teufel tut. Allerdings hat er eine hervorragende Möglichkeit gefunden, die biblische Schöpfungsgeschichte mit der Evolutionstheorie in Einklang zu bringen. Hut ab dafür!


Elfen: Band 1. Der Kristall der Blauelfen
Elfen: Band 1. Der Kristall der Blauelfen
von Jean-Luc Istin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,80

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heroic Fantasy in Comicform mit atemberaubenden Bilder, 15. Februar 2014
"Der Kristall der Blauelfen" ist der erste Band der fünfbändigen Elfen-Reihe von Autor Jean-Luc Istin. Gezeichnet wurde er von Kyko Duarte. Der erste Teil ist, wie auch jeder der folgenden, in sich abgeschlossen. Die Vorschau verrät bereits, dass es in den kommenden Teilen um Wald-, Weiß-, Halb-, und Dunkelelfen gehen wird, sie alle leben an einem anderen Ort, aber in der gleichen Welt. Und genauso soll es auch bei den Comicbänden sein. Jeder ist ein Teil für sich, aber zusammen ergeben sie ein großes Ganzes. Die Karte im Einband gibt einen guten Überblick darüber, wo welcher Teil spielt.
Das Konzept überzeugt ebenso wie die Geschichte selbst und die Zeichnungen.

Erzählt wird eine typische Fantasygeschichte voller Intrigen, mystischer Wesen, Elfen, Orks, Magie, Prophezeiungen, Schlachten und Freundschaft. Es gibt zwei Handlungsstränge, die sich zum Ende hin logisch vereinen und die noch offenen Fragen so auflösen. Zu Anfang ist das Geschehen jedoch gebührend rätselhaft und das Finale durchaus überraschend. Jean-Luc Istin hat ein ganz klassisches Fantasysetting entworfen, das enormen Spaß macht. Das Einzige, was es nicht gibt, ist eine Liebesgeschichte, aber selbst die wird am Ende noch angedeutet. Wer weiß, was die Folgebände zu bieten haben? Einziger Kritikpunkt ist die mangelnde Tiefe der einzelnen Charaktere. Hier wäre deutlich mehr Konfliktpotenzial oder bestimmte kleine Eigenheiten angebracht gewesen, um jede Figur aus sich heraus einzigartig zu machen. Einige wenige haben diese Tiefe in Ansätzen, zum Beispiel der Yrlaner Gal, leider fehlt sie den Protagonisten.

Ein wahrer Augenschmaus sind die Bilder. Jeder Charakter hat ein eigenes Aussehen, das auch bei unterschiedlichen Perspektiven und mit vielseitiger Mimik klar von dem jeder anderen Figur unterscheidbar ist. Der Stil ist sehr realistisch gehalten. Natürlich haben die Blauelfen blaue Haut und spitze Ohren, ansonsten sehen sie aber absolut menschlich aus. Gerade bei den Landschaften und Tieren zeigt sich das besondere Talent von Kyko Duarte, seiner Welt eine optische Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Riesige Gebäude, phänomenale Panoramen, bedrohliche Meeresungeheuer und atemberaubendes Licht- und Schattenspiel zeigen sein Können. Es ist eine wahre Freude, in dieser Bilderpracht zu schwelgen.

Fazit:
"Der Kristall der Blauelfen" lohnt sich für alle Fans von klassischer Fantasy und Comic-Liebhaber mit fable für Landschaftszeichnungen. Die Elfen-Reihe verspricht episch zu werden, Band 1 ist es!
Einen besonderen Pluspunkt hat es verdient, dass Teil 1 in sich abgeschlossen ist und ohne die Folgebände gelesen werden, kann.


Alunys' Expedition durch Troy
Alunys' Expedition durch Troy
von Christophe Arleston
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nicht der ganz große Wurf im Troy-Universum, aber doch mit einigen schönen Momenten, 28. September 2013
"Alunys Expedition durch Troy" ist ein Einzelband aus der viele Serien umfassenden Troy-Comic-Reihe von Scotch Arleston. Er ist der Reihe "Legenden von Troy" zugeordnet, in der verschiedene Vorgeschichten erzählt und von unterschiedlichen Zeichnern umgesetzt werden. Für diesen Band zeigt sich Èric Cartier zeichnerisch verantwortlich.
Ein wenig Hintergrundwissen um die Welt von Troy ist sicher hilfreich, um einige Szenen verstehen zu können, aber nicht nötig, um sich in die Geschichte an und für sich einzufinden. Es macht mehr Spaß von den ehrwürdigen Weisen von Eckmül zu lesen, wenn man sie bereits aus "Troll von Troy" kennt, zum Verständnis ist es aber nicht nötig.

Die Bilder von Èric Cartier sind größtenteils sehr gut gelungen. Er hat einen eher "weichen" Zeichenstil und versteht es vor allen Dingen die Fauna gut in Szene zu setzten. Allen voran natürlich Shäbah. Alle Katzenfreunde werden an ihr große Freude haben. Es gibt eine Szene, in der sie sich (mit Brille auf der Nase!) auf den Weg in die Bibliothek macht, um nach Informationen zu suchen. Hier wird auf zwei Seiten kein einziges Wort gesprochen und trotzdem ist es ein unglaublich entzückender Moment in diesem Band.
Leider gibt es aber auch Bilder, in denen die Zeichnungen grob und unfertig wirken. Gesichter sind "verschoben" oder nur oberflächlich angelegt und ähneln der Figur, die sie darstellen sollen, nur zu einem kleinen Teil. Dadurch büßt der Comic einiges an Qualität ein.

Die Geschichte selbst ist ebenfalls nicht überragend. Es ist eine nette, kleine Erzählung aus dem Troy-Universum, nicht mehr, aber bestimmt auch nicht weniger. Gerade Fans und Sammler werden sie sicher nicht missen wollen. Kurioserweise ist es das Extra in dem Band, das am meisten Freude macht. Vorneweg kann man einen kurzen Brief des Studenten Lakhäf an seine Mutter sehen, im Anhang befindet sich sein persönlicher Praktikumsbericht der abenteuerlichen Expedition durch Troy. Und die ist wirklich urkomisch. Lakhäf (dessen Name vermutlich nicht ganz zufällig eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Wort "Lackaffe" hat), erzählt dort auf unglaublich eingebildete, naive, dümmliche und amüsante Weise, was ihm zugestoßen ist und welche bahnbrechenden Erkenntnisse er gewonnen hat. Zum Beispiel, dass das Meer tatsächlich zum größten Teil aus Wasser besteht. Zusammen mit den kleinen Skizzen von völlig unbedeutenden Dingen ein ganz großer Spaß.

"Alunys Expedition durch Troy" ist bestimmt nicht der ganz große Wurf unter den Troy-Geschichten. Aber der Comic hat seine Momente, die ihn doch lesenswert machen.


Sukkubus: Band 3. Eanna
Sukkubus: Band 3. Eanna
von Thomas Mosdi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchschnittliche Handlung, großartige Bilder, 8. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Sukkubus: Band 3. Eanna (Gebundene Ausgabe)
"Eanna" ist der dritte Band der "Sukkubus"-Reihe von Autor Thomas Mosdi. Die Zeichnungen stammen diesmal von Gianluce Acciarino. Jeder Teil ist eine eigenständige und in sich abgeschlossene Geschichte, die nur durch das Auftauchen der "Töchter Liliths" verbunden sind. Die Rolle dieses Ordens, der für die Rechte von Frauen kämpft und ausschließlich weibliche Mitglieder hat, ist diesmal jedoch eher klein.

Die Frau Eanna, die hier im Mittelpunkt steht, ist eine starke Persönlichkeit. Ein wenig unglaubwürdig ist es bei genauer Betrachtung schon, dass eine Frau so perfekt sein soll. Schön, gütig, eine starke Kämpferin. Überhaupt sehen alle Menschen, die in diesem Comic auftauchen, athletisch und perfekt aus. Aber das sollte man wohl einfach als stilistisches Mittel begreifen, auf das zurückgegriffen wurde, um diese Geschichte zu erzählen. Und das ist die alte Geschichte von Liebe, Verrat und gerechter Strafe. Keine Frage, der Comic liest sich gut, er bietet gute Unterhaltung, solange der Leser in die Handlung vertieft ist. Nur zu sehr über das eben konsumierte Nachdenken darf er nicht, nachdem er den Comic beiseite gelegt hat, dann fällt nämlich auf wie stereotyp die Handlung ist und und wie wenig neue Ideen verarbeitet sind.

Was man dafür geboten bekommt, sind Zeichnungen, die den Augen schmeicheln. Sie bilden den eigentlichen Mittelpunkt dieses Comics. Lange Beine, schmale Hüften, glatte Haut, ebenmäßige Züge und lange, wallende Haare. Wer dieses Idealbild einer Frau zu schätzen weiß, wird an jeder einzelnen Seite seine Freude haben.

Verglichen mit dem letzten Sukkubus-Band ist "Eanna" eine deutliche Steigerung, wirklich zu überzeugen weiß die Serie trotzdem nicht. Ihr fehlt das Besondere, die Einzigartigkeit.


Dial H - Bei Anruf Held, Bd. 1: Neue Verbindung
Dial H - Bei Anruf Held, Bd. 1: Neue Verbindung
von China Miéville
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine völlig ernst gemeinte Parodie, 24. Juni 2013
Jedes Mal, wenn der Protagonist Nelson "HELD" anruft, verwandelt er sich in einen ebensolchen. Oder doch nicht? Die Gestalten sind zu skurril, zu einzigartig, zu sehr Freaks, um wirklich als Helden durchzugehen. Aber genial sind sie erdacht, entsprechen sie doch den Gestalten von Schutzgöttern, wie sie der heutigen Zeit ausgesprochen angemessen sind. Der rauchende Schlot verkörpert die Schornsteine, die überall in Großstädten am Horizont zu sehen sind, der Heulsuser beschwört all die traurigen Erinnerungen in uns herauf und wird mit jeder vergossenen Träne stärker, Control-Alt-Delete ist ein verwirrtes Computerwesen, das selbst nicht so genau weiß, was es will. Und es gibt noch viele mehr. Der Tontäuberich, die Kampf-Schnecke oder das wandelnde Virus sind nur einige von ihnen. Schon alleine die Ideen, die dahinter stecken, sind wahnwitzig großartig. Gepaart mit den aussagekräftigen Zeichnungen von Meteus Santolouco und Riccardo Burchielli ergibt sich eine Explosion der Freakigkeit, wie sie einzigartig sein dürfte.

Die Idee des Helden, der genau dann entsteht, wenn eine bestimmte Telefonwählscheibe benutzt wird, gab es bereits bei DC - im Zuge des Neustarts wurde sie neu aufgelegt. Beibehalten wurde lediglich das Verwandlungsmoment und das Artefakt, mit dem dieses ausgelöst wird. Ansonsten ist eine komplett neue Geschichte entstanden. Und was für eine! Als Autor zeigt sich China Miéville verantwortlich, der sich selbst als Schreiber des selbsterklärenden, aber doch sehr weit gefächerten Genres "New Wired" bezeichnet. Damit ist auch schon eine noch nicht sehr volle, dafür aber knallbunte Schublade gefunden, in die sich "Dial H" einsortieren lässt. Bekannt geworden ist Miéville mit seinen Romanen rund um die "Perdido Street Station", das Jugendbuch "UN LON DUN" oder der ungewöhnlichen Science Fiction-Geschichte "Die Stadt und die Stadt". Wer seine Werke kennt, wird Anlehnungen an wohlbekannte Welten entdecken können. Vielleicht gehört sogar einer der größten Gegner aus "Dial H" tatsächlich zur gleichen Rasse, wie einige Wesen, denen der Leser in seinen früheren Werken bereits begegnet ist. Somit ist der Comic natürlich besonders für China Miéville-Fans und -Freunde ein Leckerbissen.

Wer eine klassische Superheldengeschichte erwartet, dürfte eine große Überraschung erleben. Dieser Comic bietet Action und Humor und gleichzeitig eine tiefgründige Geschichte, die hier gerade erst ihren Anfang nimmt. Trotzdem hat er nichts gemein mit Superman und Co. Man könnte ihn vielleicht als völlig ernst gemeinte Parodie verstehen. Der erste Sammelband "Neue Verbindung" ist in sich abgeschlossen, trotzdem gibt es noch jede Menge offene Fragen, die neugierig auf mehr machen.


Ich bin Lukan: Reise in die Zeugenwelt
Ich bin Lukan: Reise in die Zeugenwelt
von Jan Vanstina
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige SF-Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt, 2. Juni 2013
Was Lukan komplett ungewöhnlich und fremd erscheint ist für den Leser sehr vertraut, denn es ist seine Welt, von der er liest. Allerdings wird die Geschichte aus der Sicht des Protagonisten erzählt, was sie auf eine gewisse Art ungewöhnlich erscheinen lässt, denn es wird ein anderer Blick auf für uns selbstverständliche Dinge geworfen, der zum Nachdenken anregt. Lukans emotionslose Art erscheint zugleich leicht erschreckend und tollpatschig-liebenswert. Auch wenn seine Wesensart sehr distanziert wirkt, kann er trotzdem (oder gerade deswegen) schnell lieb gewonnen werden. Gerne würde man ihn an die Hand nehmen und ihm erklären, was vor sich geht.
Und unterbewusst schleicht sich eine kleine Angst ein, dass sich die Welt wirklich in die Emotionslosigkeit entwickelt.

"Ich bin Lukan" ist zwar ein rund 400 Seiten starker Roman, er liest sich aber sehr schnell und flüssig. Der Erzählstil ist gut gelungen. Wie der Junge die für sich fremde Welt begreift, erinnert ein wenig an die Spielberg-Verfilmung "I.A.", in der ein Roboterkind plötzlich mit Emotionen zurechtkommen muss, die seine Art zuvor nicht hatte. Nur das der Leser hier eben kein außenstehender Betrachter ist, sondern direkt in Lukans Denkweise Einblick erhält. Besonders faszinieren ist beschrieben, wie er sich nach und nach weiterentwickelt, zu verstehen beginnt und seinen Platz in der Welt zu finden versucht.
Wirklich überraschend sind die einzelnen Zusammenhänge nicht und auch die Eröffnungen, die gemacht werden, hat ein erfahrener Leser schon vorausgeahnt, aber es geht hier auch gar nicht darum eine atemlose Spannung zu erzeugen, sondern ganz im Gegenteil eine kleine, herzliche Geschichte zu erzählen, die berührt.

Der Kuebler Verlag hat den Roman auf dem Cover keinem spezifischen Genre zugeordnet, aber da es um Klone geht, ist er sicherlich in der Science-Fiction gut aufgehoben. Empfehlen würde ich ihn für jugendliche Leser, sie können sich sicherlich am besten mit Lukan identifizieren, aber auch Erwachsene können Spaß an der Geschichte haben.
Ein großes Manko ist leider das völlig uninspirierte Cover. Schade, mit einer optisch ansprechenderen Gestaltung, hätte das Buch sicher noch ein paar mehr Leser gefunden.

Insgesamt bietet "Ich bin Lukan" eine kurzweilige SF-Unterhaltung, die zum Nachdenken anregt.


Univerne: Band 1. Paname
Univerne: Band 1. Paname
von Jean-David Morvan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,80

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Steampunk- und Jules Verne-Fans, 24. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Univerne: Band 1. Paname (Gebundene Ausgabe)
"Univerne – Paname" ist der erste Band einer auf drei Teile ausgelegten Comicserie. Wie der Titel schon verrät, spielt er in Paris. Und was für einem! Zwar schreiben wir das Jahr 1900 und irgendwie sieht es auch danach aus, was beispielsweise die Mode angeht, aber doch ist alles ganz anders. Futuristisch anmutende Luftschiffe, die wie Wale aussehen, durchpflügen die Luft, Steampunk-Technik allerorten. Schon das Cover gibt einen atemberaubenden Vorgeschmack auf das, was einen im Inneren erwartet. Besonders aufgeklappt, wenn Vor- und Rückseite als komplettes Panorama betrachtet werden, zeigt sich die Zeichenkunst von Alexandre Nesmo. Neben den Panoramen, von denen es im Comic nicht nur eins gibt, zeigt er sein besonderes Talent bei der Panel-Aufteilung. Außerdem lohnt es sich, die einzelnen Bilder nicht nur während des Lesens, sondern unabhängig davon zu entdecken. Es warten viele großartige Details auf den Betrachter.

Die Geschichte selbst kommt zwar einerseits etwas langsam ins Rollen, andererseits ist es dem Autor Jean-David Morvan aber auch hoch anzurechnen, dass er sich Zeit für die Charakterentwicklung seiner Figuren und die Vorgeschichte nimmt. So zeigen die ersten sieben Seiten ausschließlich das Schicksal von Pierre-Jules Hetzel und geben dem Leser einen Überblick über die Welt, in der der Comic spielt. Im Laufe des Geschehens wird viel angedeutet, Gegner tauchen ebenso auf wie Freunde, und obwohl der Leser deutlich mehr zu sehen bekommt als Juliette, bleibt er über die Hintergründe im Unklaren. Das baut eine Menge Spannung auf.

Steampunk-Fans werden aufbegehren und sagen, dass Jules Verne eben keinen Steampunk geschrieben hat. Die dichterische und zeichnerische Freiheit hat seine Ideen in "Univerne" trotzdem genau dazu werden lassen. Und "Paname" ist erst der Anfang, mit Sicherheit geht Juliettes Reise noch viel weiter.

Für sich gesehen ist der erste "Univerne"-Band eine Geschichte, die noch viele Fragen offen lässt. Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, wird es aber auf eine der besten Steampunk-Reihen des Jahres hinauslaufen.


Malcolm Max: Band 1. Body Snatchers
Malcolm Max: Band 1. Body Snatchers
von Peter Mennigen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,80

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung und Humor, ein mystisches Rätsel und großartige Zeichnungen, 23. April 2013
Man nehme das viktorianische Zeitalter, Detektive und eine ordentliche Portion Mystik und Wissenschaft. Dazu werden ein großartiger Titelheld und sein weiblicher Sidekick mit einer äußerst spitzen Zunge gegeben. Das Ganze von Autor und "Malcom Max"-Erfinder Peter Mennigen und Zeichner Ingo Römling umgesetzt, ergibt eine umwerfend gute Comicunterhaltung.

Es macht einfach Spaß "Malcom Max" zu lesen. So düster und spannend die Geschichte selbst auch sein mag, ist es Peter Mennigen gelungen, sie auch mit jeder Menge Humor auszustatten. Das fängt damit an, dass sich Charisma, auf dem Friedhof versteckt hinter einem Grabstein, unbedingt von Malcom küssen lassen will. Und das nicht, weil sie sich in ihn verliebt hat, sondern weil sie als Halbvampirin das Küssen nicht kennt und wissen will, was dran ist an diesem "Mund zu Mund-Ding". Mennigen gelingt es, selbst die ernsthaftesten Wortwechsel mit einer Winzigkeit von köstlichstem Humor zu spicken. Dabei verwendet er für diese Geschichte eine Sprache, die der der typischen "Gothic Novel" entlehnt wurde. Beides in Kombination macht den besonderen Reiz aus.

Ingo Römling hat die Verbrecherjagd von Malcom und Charisma in detailliert ausgearbeiteten Bildern in Szene gesetzt. Sein Stil ist teilweise etwas kantig, die Zeichnungen sind äußerst genau und die Farben in düsteren Braun-, Grau- und Grüntönen gehalten, die perfekt zur Stimmung und Zeit passen, in der die Handlung spielt.

Der Leser hat das Geschehen etwas schneller durchschaut als die Protagonisten, zu einem Ende gebracht wird es aber noch nicht. Wenn es gefühlt gerade ganz kurz vor dem Finale ist, endet das erste Kapitel, nicht jedoch dieser Band, denn es schließt sich ein umfangreicher Bonusteil an. Die Macher werden vorgestellt, es wird die Entstehungsgeschichte der Figur "Malcom Max" erzählt und zahlreiche Skizzen und Studien erfreuen das Fanherz.

Insgesamt ein rundum gelungener Band, beste Comicunterhaltung auf der ganzen Linie. Zum hundertprozentigen Glück fehlt nur noch eins: die Fortsetzung.


Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009
Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009
von Alan Moore
  Broschiert
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Comickunst auf hohem Niveau, 3. April 2013
Mit "2009" geht eine Comic-Trilogie in die finale Runde, die sich fast über ein komplettes Jahrhundert zog. In "1910" nahm die Geschichte ihren Anfang und wurde mit "1969" fortgeführt. Zwar ist jeder Teil (auf Moore-Art irgendwie) in sich abgeschlossen, das große Ganze erschließt sich aber nur in der Kombination.

Im Gegensatz zu den ersten Liga-Comics stürzt der Leser hier in eine psychedelisch-bunte Horror-Welt, die an einen Drogentrip erinnert. Ganz so solide, wie es mal angefangen hat, geht es hier nicht weiter. Schon das Cover verrät, worauf man sich einlässt. Leichte Kost ist der Comic aber nicht und das heißt nicht nur, dass es Horrorelemente und Gewalt gibt. Nicht viele Comics haben einen so hohen intellektuellen Anspruch wie die von Alan Moore. Nicht umsonst sind Werke wie "Watchmen" oder "V wie Vendetta" zu Kultwerken in der Comicszene geworden und ebenso wie "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" verfilmt worden.

"2009" ist eine Abrechnung mit unserer Zeit. Schnell wird klar, dass Moore kein gutes Haar an ihr lässt und seinen Comic getreu nach dem Motto "Früher war alles besser" verfasst hat. Aber auf was für eine abgefahrene Art und Weise! Eine von "Harry Potter" persönlich inspirierte Figur wird hier zum Antichristen, auch wenn der Name niemals direkt fällt, ist es doch mehr als überdeutlich, von wem hier die Rede ist. Aber das ist nicht die einzige Anspielung aus anderen Werken von Kunst und Kultur. Der Leser trifft auf Brechts Dreigroschen-Oper oder auf Alister Crowley und James Bond, ganz zu schweigen von den Hauptfiguren, die ebenfalls anderen Werken entspringen, zum Beispiel Mina Harker aus Bram Stokers "Dracula".

Nur wer bereit ist, sich auf die tiefen Verstrickungen von Moores Welt einzulassen, wird an diesem Comic seine Freude haben. Wobei "Freude" vielleicht das falsche Wort für eine dermaßen deprimierende Geschichte ist, die die eigene Gesellschaft dermaßen kritisch betrachtet. Trotzdem, "2009" ist ein wirklich guter Comic, der den Leser dazu zwingt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.


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