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Starkweather "Starkweather"

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Drumming / Six Pianos / Music for Mallet Instruments, Voices and Organ
Drumming / Six Pianos / Music for Mallet Instruments, Voices and Organ
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen The essence of drumming, 14. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was macht diese Musik mit uns?

'Drumming':

Die Sätze beginnen jeweils monotonal, sehr einfach, auf das Letztnotwendige reduziert.

Aus der Reduktion entwickelt sich harmonisch und in totaler konstruktiver Reinheit ein komplexes und variantenreiches, mit- und ineinander verflochtenes Klangbild, das sich organisch wie ein im Entstehen begriffenes neuronales Netz verhält.

Es bleibt klar und einfach in den einzelnen Strukturen, doch im Zusammenspiel erreicht es eine Komplikationspotenz, die kaum vorstellbar scheint.

Eine sozusagen 'afrikanische Atmosphäre', die sich aus der Entstehungsgeschichte der Komposition herleitet, ist immer greifbar, erinnert an unser Ton- und Klangerbe, bewahrt die Reinheit vor Sterilität, sichert Zugang und freies Bewegen innerhalb der kompositorischen Struktur.

'Drumming' zeigt wie aus Einem Vielfaches wird, das wiederum Eines ist.

'Six Pianos' / 'Music for Mallet Instruments...'

Naturgemäß anders als 'Drumming', und doch nach ähnlicher kompositorischer Philosophie gebaut: einfache Struktur mit geradezu exponential steigenden Verzweigungen, neue Wege, die zu immer neuen Wegen führen, ein horizontenweites Klangfeld das in seiner Freiheit jede Freiheit gewährt.

Das macht diese Musik mit uns: Sie zeigt Freiheit, sie ist frei, sie überträgt ihre Freiheit auf uns.


Little Drop of Poison (Limited Deluxe Edition)
Little Drop of Poison (Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Rollentausch, 6. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es ist immer seltsam (im Sinn des englischen 'strange'), wenn Frauen einen dezidiert männlichen Sound übernehmen, transformieren, sich selbst einverleiben.

Ein sehr interessantes (und grandioses) Beispiel dafür ist Alexandra Kamp, die dem männlichen Erzähler in Henry Millers 'Sexus' Ihre Stimme leiht - ausgerechnet einer der umstrittensten Romane Millers, und ausgerechnet eine so weibliche und centerfoldige Stimme, die dem Roman in der Hörbuchversion einen ganz eigenen, umwerfenden, exzessiv erotischen, wilden und erst recht freiheitlichen Sinn gibt.

Und jetzt also ein ganz neues Beispiel für solche Umpolung: Die Norwegerin Rebekka Bakken singt Tom Waits - das ist doch unerhört, frech bis zur Unwirklichkeit, muss das denn wirklich sein (?), zumal sich ja in letzter Zeit schon andere Frauen zu solchen Sangestaten berufen gefühlt hatten...

Nun, was Bakken, begleitet und getragen von der HR Big Band hier zum Besten gibt, ist enorm.
Sicher kann man darüber streiten, ob BROKEN BICYCLES einen gelungen Auftaktsong hergeben, aber danach wird es auf herausragende Weise manisch, ergreifend, erheiternd, erweckend, kurz: richtig groß!

Bakken singt ein nicht astreines, sondern eher norwegisch-verwaschenes 'half-drunken babe'-Englisch, nuschelt sich somit (wie Tom Waits und doch ganz anders) durch manchen Vers, kann auch gurgeln und schreien, bitten und weinen, ist manchmal kalt und weit und fern wie das Universum, und dann wieder innig bis zur emotionalen Extase, clownesk im Jahrmarktsrhythmus und kontrolliert jazzig, und legt sich immer wieder unter die Brücke, in die Gosse.
Spricht Tom von einer 'sie' macht Bakken daraus meistens einen 'ihn', aber eben nicht immer - ein anderer Rezensent hat schon kritisiert, es sei ja wohl komisch, wenn eine weibliche Sängerin von einer 15-Dollar-Hure singt, die 'sie' sich kauft... Ja, komisch ist das vielleicht, und sehr sehr sexy.

Die HR Big Band ist (natürlich) in Top-Form, die Arrangements könnten auch von Tom Waits selbst stammen. Das Ergebnis ist definitiv nicht klinisch, sondern lebendig und heiß, vibrierend vor lauter Tod & Leben & Leid & Lust & Suff & Sex.
Ein erstklassiges Album nicht nur für Tom Waits Fans.


Hot Space
Hot Space
Preis: EUR 11,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 9. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Hot Space (Audio CD)
In den frühen 80ern hatten viele Bands und Musiker, deren kreative Karrieren im vorangegangen Jahrzehnt ungeahnte Spitzen zeigten, ein echtes Problem: Die Musik konnte nicht einfach so bleiben wie sie war, verbesserte Instrumente und neue Tontechnik wiesen auf neue Wege hin, aber bei genauerer Betrachtung waren diese eben nicht breit und bequem, sondern steinig und steil.
Dennoch, Kunst darf sich nicht selbst genügen, und auch in der Rockmusik machten sich die etablierten und (vor allem) überlebenden Helden auf die Socken.

Queen gingen mit HOT SPACE auf volles Risiko und boten den Fans ihrer zahlreichen Welthits, von 'Bohemian Rhapsody' über 'Bicycle Race' bis zu 'Killer Queen' und dem knochentrockenen 'Another one bites the dust' (das schon deutliche Neutöne brachte) ein Set sehr moderner, klarer, geradliniger Songs an, die kaum mit ihren Vorgängern verglichen werden konnten.

Die Reaktionen bei Publikum und Kritik waren damals nicht überwiegend positiv, obwohl mit 'Body Language' ein solider Hit auch für die heavy rotation präsentiert wurde, und sowohl 'Staying Power' als auch 'Back Chat' gleichfalls erfolgreich als Single veröffentlicht wurden.

Dennoch: echte Lieblinge waren das nicht, einzig das Duett 'Under Pressure' mit David Bowie schien in seiner unterkühlten und doch überaus kraftvollen Perfektion nahtlos an den schon vorauszusetzenden Queen-Erfolg anschliessen zu können.

Ich selbst war 1982 eingfleischter Queen-Fan, kannte alle bis dato publizierten Alben in- und auswendig und konnte das Erscheinen von HOT SPACE kaum abwarten.
Nach dem ersten und zweiten und dritten Anhören war ich nicht wirklich enttäuscht, aber eben doch etwas ernüchtert - klar, Freddie Mercury klang ganz wie Freddie Mercury, also unendlich variantenreich und begnadet, aber Brian Mays sehr spezieller Sound war hier nicht meht so zentral wie erwartet, und überhaupt wirkte HOT SPACE verdächtig wie der passende Soundtrack für eine Chrom-Disko.

Die 'klassische' Queen-Phase war vorbei und sollte auch nicht wiederkommen - aber das wussten wir damals noch nicht.

Beim Wiederhören im Jahr 2014 passiert aber Erstaunliches - die Songs wirken heute keineswegs so typisch 80er, wie damals gedacht, gewinnen stattdessen eine Art Folgerichtigkeit im Queen-Katalog zwischen 70er Bombast, Ballhaus und Rockabilly-Attitüde, und dem 'reifen' Sound der letzten Phase.

'Staying Power' ist schnell und fast überraschend hart, ein klar definierter Song und ein Statement als erstes Stück des Albums.

'Dancer' zieht die Schraube noch etwas fester an - ohne weiteres tanzbar ist der Titel nicht, aber sehr elektrisierend.

'Body Language' - zumindest in der Frühphase der meistgespielte Song, ein bisschen Lack-und-Leder-Atmo, schwül und schwul zu gleichen Teilen, aber auch ironisch und schnippisch; fast eine Fortsetzung von 'Another one bites the dust', aber irgendwie unseriöser.

'Action this day' ist sozusagen der zweite Teil von 'Body Language', härter und überdrehter.

Mit 'Put out the fire' geht es endgültig auf den Dancefloor, und erst mit dem ruhigen 'Life is real' klingen Queen in etwa so, wie man das erwartet. 'Calling all Girls' setzt das mit elegischem touch fort, bleibt aber sparsam instrumentiert und wirkt auch heute noch nonkonformistisch.

'Las Palabras de Amor' bringt den vielleicht typischsten Queen-Sound auf diesem Album, Brian May kommt hier voll zum Zug - der Song war sogar ein kleiner Hit, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

'Cool Cat' ist der wahrscheinlich am stärksten unterschätzte Queen-Song überhaupt, gesanglich ganz grosses Freddie-Mercury-Super-Cinemascope-Kino, mit einer geradezu auf Katzenpfoten spitzig tippelnden Melodie: eine absolute Perle und definitiv ein ganz großer Wurf im Queen-Universum.

Und dann natürlich das schon vorab veröffentliche Duett Mercury - Bowie 'Under Pressure': cool bis an die Schmerzgrenze, ganz leise und richtig laut, total kontrolliert und doch unbändig kraftvoll: ein Meisterwerk.

Und das ist HOT SPACE auf seine Art auch - eben doch eine echte Queen-Platte, auch wenn das viele weder damals hören noch heute wissen wollen!


The Best of a Decade
The Best of a Decade
Preis: EUR 11,84

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeitverschiebung, 11. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: The Best of a Decade (Audio CD)
Eines gleich vorweg - THE BEST OF A DECADE ist ein knackiger UFO-Sampler, der sich ziemlich erfolgreich darum bemüht, das Beste aus insgesamt vier in den sogenannten 'Nuller-Jahren' veröffentlichten Alben vorzustellen.

Bei den Ausgangswerken handelt es sich um die gerade bei langjährigen UFO-Fans nicht unumstrittenen Alben 'YOU ARE HERE' (2004) und 'MONKEY PUZZLE' (2006), um die Live-Platte 'SHOWTIME' (2005), und um die rasante Hardrock-Einspielung 'THE VISITOR' (2009), einen sehr würdigen Vorgänger (wenn man das so sagen kann) der letzten Publikation 'SEVEN DEADLY' (2012), die etwa 18 Monate nach dem hier vorgestellten Sampler auf den Markt kam.

Weshalb kein Song aus dem 2002er-Album 'SHARKS' ausgewählt wurde, begreife ich nicht - gerade 'SHARKS' wurde von den Fans sehr gut aufgenommen und hätte, wenn man schon von 'THE BEST OF A DECADE' spricht, unbedingt für diesen Sampler berücksichtigt werden müssen - mindestens mit den Nummern 'Someone's gonna have to pay' und 'Quicksilver Rider', die fast schon zu den Standards der neueren UFO-Setlist gehören.

Vielleicht standen wieder einmal irgendwelche rechtlichen Querelen einer Aufnahme dieser Songs in THE BEST OF A DECADE im Wege, vielleicht wurde aber auch schlicht geschlampt, oder man wollte nicht ganz so weit in die Vergangenheit zurück - jedenfalls hat die im Titel des Samplers genannte 'Decade' somit gerade mal 6 Jahre...

Aber, ich sagte es eingangs schon - dennoch ist ein interessanter Sampler entstanden, der sich naturgemäß für Hardcore-Fans nicht eignet, da diese alle Songs schon auf den jeweiligen Einzelpublikationen haben.

Alle anderen aber, die nicht 'alles' von UFO haben müssen, werden hier mit den Highlights aus drei Studioalben und einigen älteren Songs, die im Rahmen von 'SHOWTIME' live neu eingespielt wurden und auf diese Weise, bspw. mit dem unverzichtbaren und immer noch & immer wieder frischen 'Doctor, Doctor', auch auf eine Zeitreise in andere 'Dekaden' führen, sehr gut bedient.

Auch als Auto-Platte ist THE BEST OF THE DECADE sehr zu empfehlen, zumindest jenen Zeitgenossen (zu denen ich auch gehöre), die im Auto nicht alles von mp3 hören wollen (oder können).

UFO sind, mit wechselnder Besetzung, seit 1970 im internationalen Rock-Zirkus ziemlich weit vorne mit dabei, haben in dieser Zeit vom Space- und Prog-Rock über Hard'n'heavy bis zum Southern- und Biker-Rock einige Wandlungen erlebt, und spielen heute (gerade live, wie derzeit wieder in Deutschland zu erleben) routiniert aber mit sehr viel Hingabe alte und neue Stücke, die eindrucksvoll die Professionalität und Charakterstärke dieser Band und ihrer Songs unter Beweis stellen.

THE BEST OF A DECADE ist kein notwendiger Sampler, aber dennoch 'nice to have' - und das UFO hält nach wie vor Kurs...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 9, 2014 9:24 PM MEST


Shenzhen
Shenzhen
von Guy Delisle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lost in China, 14. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Shenzhen (Gebundene Ausgabe)
Es sind wirklich besondere graphische Romane (in seinem speziellen Fall wohl fiktionalisierte Tagebücher), die der Franco-Kanadier Guy Delisle anbietet. Ob in Korea, Birma oder wie hier in einer der seltsam unwirklich scheinenden, irgendwie gesichtslosen Megalopolen Chinas - stets werfen wir gemeinsam mit Delisle einen Blick auf Kulturen und Gesellschaften, die guten Sinnes als 'outlandish' bezeichnet werden können.
Reisten wir nach Klingon kämen wir uns kaum fremder vor als in Shenzhen, und das ist eine in mehrfacher Hinsicht erschreckende Erkenntnis.
Der sehr reduzierte, an der 'ligne claire' geschulte, sie aber in ihrer Reduktion weiter transzendierende Stil Delisles tut ein Übriges zu dieser sehr realen Atmosphäre der Entfremdung, der Distanz, der Kälte, die in all seinen 'Reisetagebüchern' greifbar ist.
Dies sind Orte fern jeder Gemütlichkeit, fern jedes weltenbummlerischen Klischees - Delisle kommt nicht als Reisender, der nach seinem Sinn auf Entdeckungstour geht, sondern er arbeitet als eine Art 'Supervisor', also als 'Vorarbeiter' in den ausgedehnten (weil Devisen bringenden) Comic-Industrien der stets autoritär (um es milde auszudrücken) regierten Länder.
Delisle macht also nichts Aufregendes - er steht morgens auf, geht zur Arbeit, abends wieder nach Haus, und schlägt ansonsten und natürlich vor allem an den freien Tagen die Zeit tot.
Dabei beobachtet und registriert er alles mögliche, vor allem die feinen allzu feinen Unterschiede im Menschlichen allzu Menschlichen - das ist manchmal rührend, oft witzig, aber auch verstörend.
Dabei hat Delisle und sein gezeichnetes, also fiktionalisiertes Ich, durchaus nicht für alles Verständnis - es handelt sich nicht um einen ultra-positiven Gutmenschen, eher um einen Stoiker, abgeklärt im Umgang mit seinen (wie gesagt) sehr fremdartigen Mitmenschen. Deren für uns eurozentrierte Kaukasier oft sehr eigenartiges, mitunter sogar bedrohlich wirkendes Verhalten ist nur selten Gegenstand tiefsinnigen Sinnierens - vielmehr wird alles registriert und so 'verortet'.
Schlussfolgerungen überlässt Delisle lieber seinen Lesern, obgleich manche Passagen gerade des hier vorgestellten Werkes SHENZHEN sehr wohl einen kopfschüttelnden gezeichneten Delisle zeigen, der sich mit der asiatischen Höflichkeit und Lebensart wenig einverstanden zeigt.
Jedenfalls - SHENZHEN ermöglicht uns einen Blick hinter die Kulissen des chinesischen Riesenreichs, das somit zwar einerseits an exotischer Attraktion verliert, an Fremdartigkeit aber eher noch zulegt.


Das Tor des Verderbens (suhrkamp taschenbuch)
Das Tor des Verderbens (suhrkamp taschenbuch)
von H. P. Lovecraft
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Lektüre für stürmische Herbstabende, 8. Mai 2014
Schon einiges wurde über diesen 1945 erstmals im weltberühmten Spezialverlag ARKHAM HOUSE veröffentlichten Roman geschrieben - und das Fazit muss wohl lauten, dass die ernsthafte Lovecraft-Exegese mit diesem Buch nicht warm werden will.

Der Roman, bestehend aus drei längeren Erzählungen, gilt als erzählerisch schwach, der Mythos als verwässert, der 'cosmic horror' mehr Hilfskonstrukt als Blaupause. Dies mag alles sein, ergibt sich aber im wesentlichen aus der extrem hoch angelegten Messlatte: Lovecraft selbst ist der Maßstab, da kann ein zwar solider und fleißiger, aber eben doch eher mittelmäßiger Regionalautor wie Derleth nur verlieren.
Natürlich, Lovecrafts Name befindet sich ebenfalls auf dem Titel, sogar an erster Stelle... Nun ja, die Lovecraft-Forschung hat inzwischen mehr oder minder eindeutig nachgewiesen, dass lediglich ein kurzes, im Buch knapp eine Seite einnehmendes Fragment aus einem Brief Lovecrafts stammt - der Rest ist reiner Derleth, Lovecrafts Namensnennung war also schon immer ein reines Marketingtool.

Lovecraft hin oder her - DAS TOR DES VERDERBENS (engl. THE LURKER AT THE THRESHOLD) ist einer der besten Spukhaus-Romane überhaupt; spannend und unheimlich, gespickt mit Zitaten aus imaginären Büchern, Tagebuchauszügen und Briefen, abwechslungsreich und auf anheimelnde Art altmodisch, erzähltechnisch nur auf den ersten Blick einfach, auf jeden Fall beste Horror-Unterhaltung.
Natürlich kann man vom Ochsen nur Rindfleisch verlangen, ein Lovecraft ist das hier nicht und wird es auch niemals werden - aber das Ergebnis ist auf jeden Fall respektabel und steht für hohen Lesegenuss.

Für mich selbst war dieses Buch übrigens vor mehr als 30 Jahren, damals noch unter dem Titel DAS GRAUEN VOR DER TÜR (Bastei-Lübbe) die erste Berührung mit dem Cthulhu-Mythos überhaupt. Ich habe es seither sicher zehnmal gelesen und warte, wenn schon nicht auf eine angemessene Verfilmung, dann doch mindestens auf eine Hörspiel-Version (ein Tipp für Titanias Gruselkabinett-Serie) und auf eine Adaption als Graphic Novel.


Fabula Obscura 02-Haus Moreau
Fabula Obscura 02-Haus Moreau
Preis: EUR 8,99

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Durchschnitt, 28. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fabula Obscura 02-Haus Moreau (Audio CD)
Mit Spannung habe ich die zweite Veröffentlichung dieser neuen Hörspiel-Serie erwartet, war doch der Auftakt mit 'Das McCready-Erbe' überaus gelungen.

Leider ist die zweite Folge hinsichtlich Originalität und echtem 'kosmischen' Horror eher enttäuschend: Eine aus sechs Personen (plus Hund) bestehende Reisegruppe besichtigt ein Spukhaus auf einer Insel, wird von schlechten Wetterverhältnissen zu einer Übernachtung gezwungen und prompt von einem Dämon 'aus anderer Dimension' dezimiert - das hat man so und ähnlich schon hundertmal in mehr oder weniger gelungenen Filmproduktionen gesehen, und auch viele Hörspiele greifen solche eher anspruchslosen Konzepte auf.

Natürlich präsentieren die Macher von 'Fabula Obscura' ihren schlichten Plot auf Hochglanz poliert, die Produktion ist makellos, die Sprechspieler allesamt Profis, die Musik passend zum setting in den späten 70ern.
Aber, auch hier stutze ich: Wieso eigentlich spielt der Großteil der Handlung an einem exakt genannten Tag Ende November 1979? Entweder habe ich eine Anspielung in diesem Zusammenhang nicht mitbekommen, oder es handelt sich eben einfach um ein beliebiges Datum vor Einführung der allgegenwärtigen mobilen Kommunikation.

Wie dem auch sei, die 'von Lovecraft inspirierten Szenen' sind, im Gegensatz zum ersten Teil der Serie, hier wirklich nur noch schmückendes, offenbar die Vermarktung unterstützendes Beiwerk, das entsprechend beliebig und eigentlich überflüssig ist. Da nützt auch das Auftauchen einer französischen Ausgabe der 'Unaussprechlichen Kulten' nichts.
Zudem soll einer der Protagonisten ein an der Miskatonic Universität ausgebildeter junger Parapsychologe sein, dessen stupende Unwissenheit, die teilweise schon an Debilität heranreicht, wohl nur damit zu erklären ist, dass er seine Studienzeit offenbar vor allem mit Parties und anderen sozialen Aktivitäten verbracht hat.

'Fabula Obscura 02 Haus Moreau' ist kein wirklich schlechtes Hörspiel, ergeht sich aber leider in einer klischeehaften Handlung und allzu vielen allzu bekannten Mustern. Zu hoffen bleibt, dass die eventuell geplante nächste Folge ein besseres script bekommt - dann hat 'Fabula Obscura' eine Chance, sich neben der Gruselkabinett-Serie auf dem Markt anspruchsvoller phantastischer Hörspiele zu etablieren.


Schwarzer Tansania Pfeffer
Schwarzer Tansania Pfeffer
Wird angeboten von Der Pfefferladen
Preis: EUR 6,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The King of Peppers, 11. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Schwarzer Tansania Pfeffer (Misc.)
Im kleinen und idyllisch gelegenen Städtchen Hachenburg im Westerwald befindet sich 'Der Pfefferladen', und seit meiner ersten Bestellung aus dem Sortiment dieses Pfeffer-, Salz- und Gewürzfachgeschäfts ist Hachenburg auf meiner persönlichen Liste der Sehnsuchtsorte weit nach oben gerückt.

Der hier vorgestellte SCHWARZE TANSANIA PFEFFER ist einfach eine Sensation - frisch und nussig schon im Geruch, auf der Zunge dann zuerst mild mit zunehmender Kribbel-Schärfe, die aber immer sehr fruchtig mit ganz hellen, fast pfirsichartigen Obertönen bleibt und deshalb nie unangenehm wird.

Ein optimaler Pfeffer für in der Pfanne bei mäßiger (!) Hitze gebratene Rumpsteaks (möglichst nicht deutscher, sondern britischer (Hereford) oder US-Provenienz (Nebraska, Idaho, Texas)), oder auch für deutsche und internationale Filet- und Dry Age-Steaks - und zwar in allen Fällen natürlich als Topping nach dem Braten.

Auch sehr gut zu gebutterter Pasta, angereichert mit kleinen Kartoffelstücken, oder auch zu Schoko- und Erbeerdesserts.


Littlest Lovecraft: Call of the Cthulhu
Littlest Lovecraft: Call of the Cthulhu
von Tro Rex
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstklassige Adaption (für Kinder?), 9. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Klar - ein Muss für jeden halbwegs ernsthaften Lovecraft-Sammler.
Ob diese CALL OF CTHULHU-Adaption sich für (möglichst englischsprachige) Kinder eignet kann ich mangels eigener Kinder nicht wirklich beurteilen; die Bilder sind graphisch interessant und zeigen keine offenkundig grausamen oder abstoßenden Details, insofern spricht also nichts gegen eine jugendfreie Einschätzung. Der Text ist in guten Knittelversen mit reinen (manchmal auch unreinen) Endreimen im klaren Schema verfasst, dies kennt man heute in der Tat eher aus Kinderbüchern...

Glücklicher- und überraschenderweise hält die Story sich eng an Lovecrafts Vorlage, und dieser für erwachsene Lovecraft-Fans erfreuliche Umstand könnte bei aller vermeintlich kindgerechten Anmutung dann doch gegen eine Verwendung als Geschichte zur guten Nacht sprechen.

Auch in dieser Version entfaltet THE CALL OF CTHULHU ein beträchtliches Quantum kosmischen Horrors, der weder von den (wie gesagt) sehr interessanten Graphiken noch von den Versen eingedämmt werden kann - fast bin ich versucht zu schreiben 'im Gegenteil', denn die bei flüchtiger Betrachtung harmlose Adaption zeigt im Lauf der Geschichte ein ganz eigenes 'Bizarro'.

Auch ein gutes Dreivierteljahrhundert nach Lovecrafts Tod diskutieren Leser und Literaturkritiker immer noch, ob seine Werke mehr als nur vordergründige Effekthascherei bieten, und wenn ja, woran sich dies ablesen ließe und wie es denn seine Wirkung entfalte. Vielleicht gibt diese Adaption 'für Kinder' einen guten Hinweis darauf, dass Lovecraft sein erklärtes schriftstellerisches Ziel, Angst als die älteste und stärkste Emotion des Menschen zu zeigen, selbst dann erreicht, wenn nur seine Ideen aufgegriffen werden.

Die filmischen Adaptionen wirken ja eigenartigerweise immer eher albern oder konzentrieren sich auf Splatter-Effekte, die bei Lovecraft selbst gar nicht vorkommen. Umsetzungen in andere Medien, vor allem Graphic Novel und Hörspiel, gelingen da weit besser - und auch dieses nur vermeintlich harmlose 'Kinderbuch' macht da keine Ausnahme.


Fabula Obscura 01-Das McCready Erbe
Fabula Obscura 01-Das McCready Erbe
Preis: EUR 13,87

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stimmungsvoll und spannend, 7. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das erste Hörspiel dieser neuen Serie, die uns hoffentlich noch viele Folgen in dieser Qualität bescheren wird, ist sehr gut. Die Story greift einige Elemente von Lovecrafts 'Call of Cthulhu' auf, ohne ein Sequel zu sein - das ist auch gar nicht nötig, denn die Idee hat selbst genug Kraft für ein spannendes Abenteuer, das mit seiner Atmosphäre, der absolut stimmigen und aufwendig produzierten Musik und durchweg ausgezeichneten Sprechspielern überzeugt.

Die in letzter Zeit schon übertrieben beliebten Zombies spielen zwar auch hier eine wichtige Rolle, sind aber eher im sozusagen 'historisch korrekten' Sinn eines Henry S. Whitehead eingesetzt, nicht als Massenspektakel eines Max Brooks, das zumindest in der Verfilmung zwar einen starken visuellen Reiz entwickelt, diesen aber alsbald auch im wörtlichen Sinn überflutet.

Einzig der Schluss des Hörspiels DAS McCREADY ERBE überzeugt mich nicht völlig (deshalb auch der Punktabzug) - es ist zwar eine ganz hübsche Idee, das sogenannte 'Livre de la Vie' (= vulgo Necronomicon, was ja laut Lovecraft-Forschung eher als 'Buch der toten Namen' zu übersetzen sei) am Ende wieder auftauchen zu lassen, mich hätte aber eine Schlussblende auf den wackeren Major und die zumindest stimmlich sehr hübsche Ärztin, die ja angeblich in festen Händen ist, mehr interessiert...

Anyway, Fabula Obscura ist ein aufgehender Stern am Grusel-Hörspiel-Firmament, und ich erwarte mit Spannung die zweite Folge.


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