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Rezensionen verfasst von
R. Goldbach "youarejustarobot"
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Benji
Benji
Preis: EUR 18,98

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heartbreaker, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Benji (Audio CD)
Ich habe seit einigen Tagen ein etwas merkwürdiges Morgenritual. Menschen legen ja morgens meist Musik auf, die ihnen hilft, in die Gänge und gut drauf zu kommen. Ich hingegen schiebe "Benji" in den Player, und meist dauert es nicht länger als bis zum ersten Refrain von "Carissa", bis ich feuchte Augen habe. Und wenn es nicht das Requiem an Mark Kozeleks Cousine zweiten Grades ist, dann treibt mir meist der nächste Song "I Can't Live Without My Mother's Love" zuverlässig das Pipi aus der Tränendrüse.
Erklären kann ich es nicht wirklich. Es muss wohl einfach die reine Schönheit dieser Songs sein, die mich immer wieder zu dieser vermeintlich masochistischen Musikwahl treibt.
Mark Kozelek war immer ein Musiker, der zu berühren verstand, das war schon in den 90ern mit den Red House Painters so. Auf "Benji", benannt nach einem Film aus Kozeleks Kindheit, geht der 47-Jährige jedoch weiter als je zuvor in sein Inneres. Hier werden keine fiktiven Charaktere bemüht, keine Geschichten erzählt, keine Allegorien und Parabeln konstruiert, nein, "Benji" ist so etwas wie eine vertonte Autobiographie. Die Songs handeln von Kozeleks Vergangenheit, von seinen Gedanken, seinem Jetztzustand und ganz viel von seiner Familie. Vattern widmet er ein unverblümtes "I Love My Dad", während er auf dem erwähnten "I Can't Live ..." schon einmal den unvermeidlich bevorstehen Tod seiner 75-jährigen Mutter reflektiert. Wer hier keinen Kloß im Hals hat, ist ein Klonkrieger. Gleich zwei Songs, "Carissa" und "Truck Driver", sind Nachrufe auf Verwandte, die auf die gleiche Weise ums Leben gekommen sind: Explodierende Spraydosen. Doch, wirklich. Scheint ein Familienschicksal zu sein. Überhaupt sind Tod und Krankheit allgegenwärtig auf "Benji". "Jim Wise" erzählt von einem Freund seines Vaters, der seiner geliebten Frau am Krankenbett auf ihren Willen Sterbehilfe leistete und nun vorraussichtlich den Rest Tage wegen Mordes hinter Gittern verbringen wird. Und dann wären da noch die Songs über das Schulmassaker von Newtown und den Serienkiller Richard Ramirez ... Kozelek redet um keinen heißen Brei herum, trägt sein Herz auf der Zunge und legt sein Innerstes bloß. Selbst dass ihn der Rücken und die Prostata piesacken und ihn die Angst plagt, beim Koitus einen Herzinfarkt zu erleiden, erfährt der Hörer, und hier schrammt der Gute schon arg an der Grenze zu "Das sind Dinge, von denen ich gar nichts wissen will".
Dabei scheinen Kozeleks Texte eher einem "stream of consciousness" entsprungen zu sein, denn sie lesen sich, als würde er sie dir gerade am Lagerfeuer erzählen. Es gibt keine Pointen, keine Erkenntnisse, keine abgeschlossenen Betrachtungen. Eher wirken die Songs wie Versuche, das Erlebte zu verarbeiten und allem einen Sinn zu geben. Es sind keine gelungenen Versuche, eher work in progress. Wenn er auf "Dogs" seine sexuelle Vita ausbreitet, schließt er mit dem hilflosen Fazit "It's a complicated place, this planet we're on". Zwischen aller Schwermut und Nachdenklichkeit lugt dann aber doch immer wieder subtil ein sinistrer Humor und feine Selbstironie durch die Zeilen, wie etwa in "Ben's My Friend", wo er von einem Postal Service-Konzert erzählt.
So nackt und unmittelbar wie die Texte ist auch deren musikalische Umsetzung ausgefallen. "Benji" ist wohl das reduzierteste aller Sun Kil Moon-Alben. Um seine düsteren Bilder zu zeichnen, reichen Kozelek meist schon seine raue Stimme und sein virtuoses Spiel auf der Nylonsaitengitarre. Dabei können sich die musikalischen Gäste durchaus sehen lassen. Unter anderem stehen ihm Will Oldham (aka Bonnie 'Prince' Billy) und Sonic Youth-Drummer Steve Shelley zur Seite, um den Songs die benötigten Akzente zu verleihen, dabei aber keinen Ton zu viel spielen.
Zugegeben: Es mag morgens bessere Alben geben, um in Stimmung für den Tag zu kommen (so ca. alle). Mit "Benji" ist Kozelek jedoch ein außergewöhnlich authentisches Album gelungen, das den Hörer fesselt und tief berührt. Nicht umsonst bezeichnete "Pitchfork" ihn unlängst als einen der besten Musiker der Gegenwart. Wünschen wir uns also, dass er dann mal langsam macht beim Schnackseln, dem lieben Herzen zuliebe, und er uns stattdessen noch ein paar weitere solch fantastischer Platten beschert. Und er um Himmels Willen einen großen Bogen um Spraydosen macht.
P.S. (I): Der Special Edition liegt eine Bonus-CD bei, auf der diverse Live-Performances der Songs von "Benji" zu hören sind. Der Mehrwert hält sich in Grenzen, außer vielleicht, dass sie obige These bestätigt. Der spielt live und solo nämlich wirklich so gut.
P.S. (II): Der Titel der Rezension ist inspiriert vom Song "I watched the film The Song Remains The Same", in dem Kozelek den Einfluss, den Led Zeppelin auf ihn hatten, hervorhebt. Hören kann man das nicht. Aber glauben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2014 4:52 PM MEST


Apple Lightning auf 30-Pin Adapter (0,2m)
Apple Lightning auf 30-Pin Adapter (0,2m)
Wird angeboten von Telcoland GmbH
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Funktioniert. Wenn auch für einen hohen Preis., 29. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe zwei billige Adapter-Imitate auf ebay gekauft, die ich beide wieder zurückgeben musste. Apple verbaut nämlich anscheinend im Lightning-Stecker einen Chip, den man nicht so einfach kopiert bekommt. Also führt kein Weg am Original vorbei, und das ist für ein kurzes Kabel verdammt teuer. Telcoland macht einem hier das beste Angebot, das man bekommen kann. Zähneknirschend zahlt man das halt. Aber wenigstens kann ich jetzt mein iPhone mit dem Dock nutzen und die GTar in Betrieb nehmen.
Von daher ist alles andere hinausgeschmissenes Geld.
Ein mattes "Daumen hoch" durch die Gitterstäbe des goldenen Apple-Käfigs von meiner Warte aus.


Between Dog and Wolf
Between Dog and Wolf
Preis: EUR 8,97

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rückkehr zur Relevanz, 29. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Between Dog and Wolf (Audio CD)
1989. Es gibt die DDR noch, im Fernsehen hat man die Wahl zwischen drei Kanälen, ans Internet ist noch nicht zu denken, und auf beiden Seiten der Mauer werden bescheuerte Brillen und Frisuren getragen. 24 Jahre ist das her. Das nur zur Verdeutlichung, wie lange es her ist, dass New Model Army auf ihrem künstlerischen Zenit waren, den das Album "Thunder and Consolation" markierte. Natürlich blieb die Band auch mit den nachfolgenden Alben toll. Aber sie baute schleichend ab. Und während es in meiner Adoleszenz bis ca. 1998 (mit dem letzten wirklich tollen Album "Strange Brotherhood") keine wichtigere Band in meinem Leben gab, erlahmte auch mein Interesse nach der "... and nobody else"-Tour allmählich.
New Model Army machten halt so weiter, trotz Umbesetzungen und Todesfällen. Zum letzten Album "Today is a good day" schrieb die VISIONS, dass es Zeit wäre, aufzuhören, bevor man noch vor Blutarmut von der Bühne kippe. Hätte ich mich noch für die Band interessiert, hätte ich wohl zugestimmt.

Und nun das: "Between Dog and Wolf" erscheint mit ungewöhnlich viel Vorschusslorbeeren und Medieninteresse, selbst beim Jugendsender FluxFM ist Justin Sullivan zu Gast und kann schon mal stolz wie Bolle berichten, dass die Band bei diesem Album ihre Herangehensweise geändert hätte. Von einer Abkehr vom Fünf-Leute-in-einem-Raum-spielen-ihren-Stiefel-Prinzip, von vielfach geschichteten Drums, reduzierten Gitarren und von einem fantastischen Mix, den Joe Barresi besorgt hat (Produzent und Engineer von u.a. Tool, Kyuss, Soundgarden, Queens Of The Stone Age und hastenichtgesehen). Und wer Justin Sullivan kennt, weiß, dass das eine ziemlich ehrliche Haut ist und der Aufschneiderei grundsätzlich unverdächtig.

"Between Dog and Wolf" löst alle Versprechen ein. Schon allein der Sound ist der beste, den die Band je hatte (nicht, dass der jemals schlecht gewesen wäre). Aber vor allem hat die Band ihre stärksten Songs seit der Jahrtausendwende aufgenommen.

Der Opener "Horsemen" baut sich bedrohlich über Tribal-Getrommel und Chorstimmen auf und braucht auch nicht viel mehr Zutaten, um viereinhalb Minuten zu fesseln. Und wir erinnern uns: Auch ihr Meisterwerk von 1989 begann mit einer apokalyptischen Vision. Nach dem zugänglicheren und konventionelleren "March in September", bei dem die NMA-Trademark-Doublebass ein paar Akzente setzt, folgt mit "Seven Times" ein weiteres Highlight, das von rasantem Tribal-Getrommel getragen wird, auf das auch Sepultura stolz gewesen wären. Im fast siebenminütigen "Qasr-El-Nil Bridge" kommen die Ethno-Einflüsse, die hier immer wieder hörbar sind, besonders stark zum Tragen – man erinnere sich, dass Sullivan ein passionierter Reisender ist. Manchmal schalten NMA auch einen Gang zurück, wie etwa in den ruhigeren Stücken wie "Knievel" oder "Summer Moors", aber auch in diesen Stücken büßen sie nichts an Spannung ein.

Hits fürs Lagerfeuer vom Schlage "Green and Grey", "Vagabonds" oder "51st State" hat dieses Album weiterhin nicht zu bieten. Doch dafür klingt die Band durchgehend so dringlich, fordernd und engagiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Stücke wollen erarbeitet werden, sie fordern mehrmaliges intensives Zuhören und belohnen das auch.
Kurz vor der Bedeutungslosigkeit vollziehen New Model Army eine erstaunliche Rückkehr hin zu einer Band, die noch etwas zu sagen hat. Textlich war das ja immer der Fall. Schön, dass sie das mal wieder in packende Musik gießen können.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2013 2:16 AM CET


OKT Müllsackständer bis 100 Liter
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Preis: EUR 15,95

4.0 von 5 Sternen Zweckgemäß, 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Müllsackständer erfüllt wie gewünscht seinen Zweck. Etwas ärgerlich ist, dass die Industrie noch keine normierung gefunden hat, aus dem Rand rutschen die 60L-Müllsäcke manchmal heraus, nun habe ich aber eine Marke gefunden, die gut in diesen Ständer passt. Der selbst ist ausreichend stabil und praktisch.


Dopes to Infinity
Dopes to Infinity
Preis: EUR 10,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker., 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dopes to Infinity (Audio CD)
Die letzte gute Monster Magnet, das dafür aber so richtig. Aus dem heiteren Himmel haben auf einmal "Look to your orb for the warning", "All your friends and kingdom come" oder "Negasonic Teenage Warhead" zu ohrwurmen angefangen, so dass ich mir dieses Album doch noch mal auf CD zulegen musste. Was danach kam, war leider meist verzichtbar, aber dieses Übergangsalbum markiert die Transition vom verdrogten Psychedelic- zum massentauglicheren Breitwandrock mit großartigen Songs.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 24, 2013 5:21 PM MEST


Oster 82452 Premium Schere, mit abgerundeter Spitze
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Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Gute Schere, 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mein Perserkater dankt mir, dass das Fellschneiden nun mit deutlich weniger Ziepen und insgesamt auch viel schneller über die Bühne geht. Scharfe Schneide, abgerundete Spitze – für solch haarige Unternehmungen ideal. Gute Sache.


8x kristallklare Displayschutzfolie für Apple iPhone 5 + 5S inkl. Reinigungstuch und Rakel
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Preis: EUR 4,99

5.0 von 5 Sternen Genau das, was ich brauchte, 30. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als iPhone-Neuling habe ich erstmal die Verpackungsfolie auf dem Display gelassen – die Kratzer darauf gaben mir auch Recht. Aber mit einer speziell dafür gefertigten Folie ist das natürlich noch viel besser. Der Touchscreen reagiert noch genauer (mit der Werksfolie hatten die weißen Vögel bei Angry Birds oftmals Ladehemmung ;)), die Folie legt sich unsicht- und unfühlbar über die Front des iPhones und auch das blasenfreie Anbringen war kein Problem, selbst wenn mein Raum wohl nicht ganz staub- und fusselfrei ist. Auch über Preis-/Leistungsverhältnis kann man nicht meckern. Bin also absolut zufrieden damit.


Profi Painter Streich-Set
Profi Painter Streich-Set
Wird angeboten von Vidcom
Preis: EUR 9,49

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ideal zum Streichen - von der Einkaufsliste, 4. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Profi Painter Streich-Set (Haushaltswaren)
Das Produkt verspricht: schnelles, sauberes, gleichmäßiges Streichenmit hoher Farbersparnis und ohne Tropfen. Gehalten hat es eigentlich nur den letzten Punkt.

Zu den Geräten:
Im Set sind vier unterschiedlich große Schwammkissen mit den entsprechenden Stielen, ein Farbbehälter und die einzulegende Rolle, die die Schwämme tränkt und abstreicht.
Die Farbkissen bestehen aus einer stabilen Plastikfolie, die in die Träger eingelegt und festgeklemmt wird, einer Schicht Schwammkissen als Farbspeicher und einer Borstenbehaarung, die einem schon beim Auspacken entgegenrieselt.
Schnell bewahrheitet sich mal wieder: wer billig kauft (im Baumarkt 8,29 für das ganze Set), kriegt billig. Alles ist aus relativ dünnem Kunststoff und macht einfach nur einen lumpigen Eindruck. Ein Manko bei den Teilen ist - wie man nach ein paar qm feststellt-, dass nicht auf bequeme Ergonomie geachtet wurde. Der Griff hat unten offene Plastikanten, und nach ein paar qm Wand merkt man die auch an der Hand. Gerade wenn man ein bisschen aufdrücken muss (hatte vier Raufaserwände zu streichen).
Erste Erfahrung: den Eckenstreicher kann man bei meinen ungleichmäßigen Altbauwänden schon mal nicht nutzen. Die Zweite: streicht man die Wände mit fertig angemischter Farbe (in meinem Fall eine hochwertige), ist die für das System zu fest, so dass der Streicheinsatz häufig aus dem Träger rutscht. Erst mit ausreichender Verdünnung der Farbe mit Wasser geht das Streichen (das steht zugegebenermaßen in der Anweisung, ich musste in der Praxis aber erst mal das Verhältnis finden). Doch auch mit dem großen Kissen geht die Arbeit nicht wirklich schnell von der Hand. Und: durch die benötigte Verdünnung ist das Ergebnis nicht wirklich gleichmäßig geworden, so dass ich doch z.T. mehrmals nachstreichen musste.
Die Borsten auf dem Kissen waren nach einer Wand zu 80% ab, so dass ich dann praktisch mit dem Schwamm weitergestrichen habe und mich nur gefragt habe, warum man sich überhaupt die Mühe gemacht hat, dieses Gefussel aus die Kissen aufzubringen.
Letztendlich bin ich mit dem Profi-Painter ans Ziel gekommen, die Farbe ist dran. Vielleicht, sogar höchstwahrscheinlich, wäre ich aber mit einer Lammfellrolle und mit ein paar Spritzern auf der Abdeckfolie mehr doch besser dran gewesen.


Green Naugahyde
Green Naugahyde
Preis: EUR 20,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Primus suck ... again!, 23. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Green Naugahyde (Audio CD)
Ooohh, wie ist das schön: Primus sind wieder da, und sie knüpfen sogar wieder an ihre guten Tage an. Vor "Antipop" also. Mit "Jayster" Lane haben sie einen alten / neuen Drummer, der Claypools wahnwitzigen Slapbass und LaLondes Gitarreneskapaden mit einem unerhörten Groove zu unterfüttern weiß. Spielerisch bildet das Trio eine dichte Einheit, und dass die Freude am Spielen wieder da ist, hört man "Green Naugahyde" in jeder Sekunde an. Durch den Jam-Charakter der Stücke mit gelegentlichen Abschweifungen hat man manchmal gar den Eindruck, den Songs gerade beim Entstehen zuhören zu können (zB in "Eyes of a squirrel" oder dem genialen "Jilly's on smack").
Schwachpunkt ist die etwas seltsame Produktion: beim ersten Durchgang in der Stereoanlage erschienen die Vocals kaum vorhanden. Außerdem ist es schade, dass Claypool seinen Bass bei ausnahmslos jedem Stück durch eine lange Effektkette schickt und ihm so den Biss raubt. Die Sonne ging bei mir erst auf, als ich das Album LAUT mit Kopfhörern durchhörte. Da war endlich alles am Platz, der Gesang zwar immer noch nicht im Vordergrund, aber einigermaßen verständlich, und die ganzen schönen Details erschlossen sich dann auch. Dann ist "Green Naugahyde" wirklich uneingeschränkt eine Freude.

Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass Stücke wie "Extinction Burst", "Moron TV" und "HOINFODAMAN" live noch eine Ecke besser kommen. Immerhin: 22 Jahre nach Bandgründung sind Primus immer noch / wieder in bestechend guter Form. Insofern hätte das Comeback kaum besser ausfallen können.


Keep You Close
Keep You Close
Preis: EUR 17,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide belgische Wertarbeit, 23. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Keep You Close (Audio CD)
Glückwunsch, Herr Barman: mit "Keep You Close" ist der Hattrick geschafft. Schon das dritte Album in Folge mit derselben Besetzung; etwas, was der belgischen Musikinstitution früher nie vergönnt zu sein schien. dEUS in der Besetzung Barman - Misseghers - Janzoons - Pawlowski - Gevaert haben sich als Band gefunden. Alle Stücke des Albums sind zusammen entstanden, entsprechend homogen ist das Album.
Das Barman'sche Gespür für große Melodien zeigt sich gleich zu Beginn des Albums beim wundervollen Titeltrack, der mit einem wahrhaft majestätischen Orchester-Arrangement aufwartet.
"The Final Blast" ist dezent angejazzt - überhaupt spielt der Bass auf diesem Album endlich wieder eine tragende Rolle, so auch hier.
Der an "Pocket Revolution" erinnernde Rocker "Dark sets in" gewinnt durch die Zweitstimme von Greg Dulli (Afghan Whigs, Twilight Singers, Gutter Twins). Wenn zwei der größten Geister des Indie-Rock zusammenarbeiten, kann das nicht schief laufen.
So auch bei "Twice", dem anderen Höhepunkt des Albums: langsam, schleichend baut sich der tiefschwarze Song zur bombastischen Hymne auf und Dulli kreischt sich die Seele blutig, so wie nur er das kann. Der Song hätte seinen Gutter Twins auch gut zu Gesicht gestanden.
"Ghosts" bringt den Pop zurück in das Album, baut sich am Schluss ein bisschen in guter "Instant Street"-Manier auf.
"Constant Now" - fragwürdige Wahl für die erste Single. Außer der markanten Basslinie bleibt hier wenig hängen. Alan Gevaert spielt nicht nur die, er darf auch den Refrain singen.
Das sanft gesprochene "End Of Romance" hat eine tollen Text, wird von mir aber oft weitergeskippt.
Auch "Second Nature" ist so ein Song, der auf "Pocket Revolution", dem bis dato schwächsten Werk der Band, gepasst hätte.
Das sehr gelungene "Easy" (nein, nicht das von den Commodores), das sich nochmal schön aufschwingt, bildet einen versöhnlichen Abschluss.

Insgesamt wieder ein gutes Album, klar, was auch sonst. Als dEUS-Fan der ersten Stunde wird man aber doch nicht ganz so glücklich wie früher. Aus dem verqueren Haufen von Genies, die Stil- und Genregrenzen eingerissen hatten ist eine verlässlich arbeitende Rockband geworden. Eine gute, zugegeben. Und doch ist mit jedem Mitglied der Urbesetzung, das gegangen ist, ein nicht wiederzubringendes Stück Persönlichkeit verloren gegangen. Der alte augenzwinkernde Verve, die Anarchie, die Unberechenbarkeit und die Seele - all das transportiert dEUS Mk. IV eben nicht mehr in dieser Form wie damals. Hach, und das ist so lange her ...


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