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1.0 von 5 Sternen
Das Ende der Reise, 12. November 2004
Rammstein sind am Ende ihrer Reise angelangt und die Band sollte sich auflösen, bevor sie den ehemals guten Namen in Zukunft noch weiter mit Kommerzschmutz besudelt.
Aus der ehemals hochklassigen Electro/Crossover/Metal - Gruppe, die solch souveräne Tracks "Asche Zu Asche", "Du Riechst So Gut", "Tier" oder "Du Hast" scheinbar mühelos aus dem Ärmel schüttelte droht ein zahnloser Tiger zu werden.
Betrachtet man sich die Entwicklung der Gruppe, scheint dies aber ein logischer nächster Schritt zu sein. Schon das Vorgängerwerk "Mutter" war ruhiger und nicht mehr so konsequent, was das metallische Reinheitsgebot anbelangt. Ließ sich dies noch verkraften durch den wohl besten Rammstein - Song aller Zeiten ("Spieluhr"), so gelingt dies nun nicht mehr. Mir zumindest nicht!
Zu soft, zu glatt poliert, zu vorhersehbar, ohne jegliche Aggressivität und ohne großartige Spannungsbögen plätscherte das Album an mir vorbei. War es bei "Mutter" noch so, daß nach mehrmaligem Hören aus einem schwachen Album ein mittelprächtiges wurde, so verhält sich dies bei "Reise, Reise" umgekehrt.
Auch nach x-maligem anhören ist keine Besserung des bettlägrigen Patienten zu erkennen.
Der Titeltrack ist ein schwerfälliger Song, der so klingt, als hätte er es damals nicht auf "Mutter" geschafft, "Mein Teil" ist der Alibi-Song der CD, der der die wahren, alten Fans der Gruppe wohl vom abspringen abhalten soll. Was "Dalai Lama" sein soll, weiß wohl nur die Band selber. Über "Keine Lust" möchte ich keinen Kommentar abgeben, sonst würde es beleidigend. "Los" ist beim ersten mal ganz witzig, aber langweilt schon beim zweiten mal. Rammstein auf akkustisch braucht kein Mensch. "Amerika" ist platt und besitzt soviel Power wie eine Avril Lavigne - Single. Was "Moskau" betrifft, so kann man Rammstein gratulieren: zum absoluten songschreiberischen Tiefpunkt der gesamten Karriere. Der Track ist gar noch mieser als "Seemann" und das will etwas heißen. Na ja, schön poppig, wird sicher den 13 - Jährigen Mädels gefallen. "Morgenstern" überzeugt wenigstens textlich und ist mein persönlicher "Favorit" auf diesem anscheinend willkürlich und ohne jegliches Konzept zusammengestelltem Pop-Album. "Stein um Stein" ist mal wieder sehr träge und zäh. Erneut "Mutter" - Ausschuß-Material? "Ohne Dich" leitet dann das balladeske Ende des Albums ein. Sehr, sehr schlecht mal wieder: der Gesang von Till bei Balladen. "Ohne Dich" kommt ganz nah an "Seemann" heran, verfehlt das Ziel, ultrapeinlich zu sein um Haaresbreite und der die CD abschliessende Songe "Amour" .... hm ... es fehlt eigentlich nur ein Duett mit Nino De Angelo.
Kurzum, Rammstein werden jetzt richtig groß! Sie haben es geschafft, sich nahezu jeglicher Härte zu berauben und das Songwriting massentauglich zu gestalten, dass ich mir überlege, ob ich diese CD meiner Tante zu Weihnachten schenken soll.
Eine gute Band weniger, eine Hitparaden-Band mehr! Sie sollen ruhig richtig Kohle scheffeln, ich gönne es ihnen.
Für mich sind sie Geschichte!