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Rezensionen verfasst von
Frank Lindemann "Ohren" (Bornheim, Rheinland)
(REAL NAME)   

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Knocked Out Loaded
Knocked Out Loaded
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bob Dylans' Knocked Out Loaded: Ein Album weit besser, als sein schlechter Ruf!, 12. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Knocked Out Loaded (Audio CD)
Wenn ich hier jetzt schreibe, dass ich Knocked Out Loaded von Bob Dylan
richtig gut finde, dann vertrete ich da sicherlich eine Außenseiterposition.
Aber der Reihe nach.
Als das Album im Juli 1986 erschien, reagierte ich unmittelbar mit großer Enttäuschung darauf.
1986 war das Jahr, in welchem Dylan mit Tom Petty & The Heartbreakers durch Australien, Japan und die USA tourte. Bereits im März bekam ich Mitschnitte der Konzerte aus Tokio und Nagoya zu hören und mochte diese sehr frisch und druckvoll klingenden Liveaufnahmen sehr. Im Vergleich zur vorherigen Tournee (Europa 1984) hatten die Songs einen wahren Energieschub bekommen und auch die Setlisten enthielten neben diverser Coverversionen viele der damals neueren Songs aus den Jahren 1979 bis 1985!
Dylan klang regelrecht enthusiastisch und wirkte körperlich fit. Man kann das ganz gut auf dem offiziellen Konzertvideo „Hard To Handle“ sehen, welches Mitschnitte aus den Konzerten in Sydney enthält.
In Australien war Dylan auch im Studio und nahm mit Petty und seiner Band ein Lied für einen Filmsoundtrack auf, nämlich Band Of The Hand. Dieser Song erschien noch vor Knocked Out Loaded als Maxisingle, und ich fand ihn irgendwie OK, aber nicht besonders aufregend oder gelungen.
Und überhaupt: von einem neuen Album wusste ich Mitte 1986 außer Gerüchten gar nichts, es war halt die Zeit lange vor dem Internet!
Als dann mein Freund Stefan eines Nachmittags anrief und sagte, er hätte während seines Zivildienstlehrgangs das neue Dylan Album gekauft und mir gleich ein Exemplar mitbesorgt, da fuhr ich natürlich sofort zu ihm hin und wir legten die Scheibe mit dem merkwürdigen Cover erwartungsvoll auf den Plattenteller.
Die ersten Töne erklangen und unsere Gesichter drückten alles andere als Begeisterung aus.
So ging es weiter und am Ende von Seite 2 waren wir uns erstmal einig, dass diese neue Dylan Scheibe eine große Enttäuschung sei. Zu sehr hatten wir wohl auf neue und lyrische Lieder wie, sagen wir mal, Jokerman, I And I oder Senor gehofft. Und nichts auf Knocked Out Loaded ging in eine solche Richtung. Bereits das Vorgängeralbum Empire Burlesque ,mit seinem modernen Designersound ,
war so eine Sache für sich gewesen, aber das hier?
Frustration pur!
Aber dann mit den Jahren hat sich meine Meinung über Knocked Out Loaded vollständig geändert. Klar, wenn so eine Album erscheint, dann ist man besorgt. Fällt Dylan denn nichts mehr ein? Schreibt er keine großartigen Lieder mehr? Oder schlimmer noch: kann er das vielleicht garnicht mehr? Und so weiter.
28 Jahr später wissen wir, dass er es sehr wohl noch konnte, und es immer noch kann. Und es fällt heute natürlich leichter so ein Album für das zu lieben was es ist und nicht mehr dafür zu verdammen, was es eben nicht ist.
Die Platte beginnt mit You Wanna Ramble, einem Stück von Little Junior Parker.
Dylan singt es ganz hervorragend mit viel Energie und der schräge Gitarrensound sticht hervor.
Neben T-Bone Burnette spielt Dylan hier selber elektrische Gitarre, und er macht das sehr gut.
Es ist ein Auftakt, der signalisiert, dass hier Musik gespielt wird, die keinen doppelten Boden hat oder irgendwo versteckte Inhalt transportiert.
They Killed Him von Kris Kristofferson folgt. Eine akustische Ballade über die Helden, die gestorben sind, weil sie unbeugsam waren. Jesus Christus , Martin Luther King und Ghandi stehen da auf einer Linie.
Dylan singt das Lied mit großer Hingabe und der etwas irritierende Kinderchor gegen Ende des Liedes stört mich heute nicht mehr so sehr, wie damals.
Mit Driftin‘ Too Far From Shore folgt ein weiterer Rocksong, den Dylan bereits für Empire Burlesque in 1984 aufgenommen hatte. Ron Wood wirkt hier mit, und es ist schade, dass ein an sich vielversprechender Song durch den Einsatz von Synthesizern in seiner Wirkung geschmälter wird.
Erst 1988 würde Dylan es mit kleiner Band auf der Bühne zu Beginn der NET vollständig rehabilitieren.
Ron Wood sagte einmal in einem späteren Interview, sie hätten bei den Sessions für Knocked Out Loaded großartiges Material eingespielt, welches aber bis heute unveröffentlicht geblieben ist.
Driftin‘ Too Far From Shore sei so ein großartiger Rocksong gewesen, jedoch hätte Dylan im Studio nicht die Kontrolle darüber gehabt, wie die Tracks abgemischt wurden.
Was denn bei diesem Song mit dem Schlagzeugsound passiert sein, soll Wood Dylan gefragt haben.
Aber der hätte wie gleichgültig lediglich mit den Schultern gezuckt. Unfassbar!
Zum Ende der 1. Plattenseite hin folgen zwei sehr unterschiedlich Tracks. Mit Precious Memories
ein 'sehr gospelartiges Lied mit feinen Steel Drums und tollem Chorgesang. Überhaupt harmonieren die schwarzen Sängerinnen hervorragend mit Dylans‘ damaliger Stimme, mit der er noch in einer höheren Tonlage singen konnte.
Maybe Someday ist dann wieder rockiger und es klingt, als würde Dylan einer Frau oder einem Freund mal so richtig die Leviten lesen, natürlich nicht ohne dabei ziemlich ironisch zu wirken.
Die Stimmung ist des Liedes ist recht fröhlich und augenzwinkernd. Ein Lied für eine Party und für eine Beerdigung weniger geeignet:
Maybe someday you’ll have nowhere to turn
You’ll look back and wonder ’bout the bridges you have burned
You’ll look back sometime when the lights grow dim
And you’ll see you look much better with me than you do with him.
Seite 2 beginnt mit dem Opus Magnum dieses Albums, nämlich mit Brownsville Girl.
Über 10 Minuten nimmt sich Dylan hier Zeit zu erzählen, von der aufgehenden Sonne über den Rockies, während er und seine Begleitung mit dem Auto über den Highway Richtung Westen fahren.
Er erzählt von seinen Erinnerungen an eine Frau, die er geliebt hat und an einen Film mit Gregory Peck, der darin hinterrücks erschossen wurde. Auf diesen Film kommt der Erzähler dann auch immer wieder zurück:
Well, I keep seeing this stuff and it just comes a-rolling in
And you know it blows right through me like a ball and chain
You know I can’t believe we’ve lived so long and are still so far apart
The memory of you keeps callin’ after me like a rollin’ train
Eine sehr komplexe Story, meisterhaft erzählt und eine Gemeinschaftsarbeit von Dylan und dem
Autor und Schauspieler Sam Shepard. Sehr schön ist auch hier wieder der starke Gospeleinfluss und wunderbare Chorgesang der schwarzen Sängerinnen.
2012, auf Tempest, würde Dylan dann ein Stück veröffentlichen, welches ein wenig an die Strophen in Brownsville Girl erinnert, nämlich Long And Wasted Years.
Übrigens befindet sich auf der Deluxe Ausgabe des Sampler Dylan von 2008 eine neu abgemischte Version von Brownsville Girl, die meiner Meinung nach erheblich besser klingt!
Es folgen zwei weitere Lieder auf Knocked Out Loaded.
Got My Mind Made Up ist wiederum ein Up-Tempo Song, den Dylan mit Tom Petty zusammen verfasst hat. Man kann hier gut hören, wie hervorragend Dylan und die Heartbreakers harmoniert haben und es ist jammerschade, dass in dieser Konstellation kein vollständiges Album eingespielt wurde. Ganz hervorragend ist dann auch das Gitarrenspiel von Mike Campbell bei dieser Nummer.
Under Your Spell beendet das Album, eine Gemeinschaftsarbeit mit Carole Bayer Sager.
Vielleicht kein Meisterwerk, aber ein schönes und reflektives Lied, welches ich immer wieder gerne höre.
I was knocked out and loaded in the naked night
When my last dream exploded, I noticed your light
Baby, oh what a story I could tell.
Dave Stewart wirkt hier an der Gitarre mit und es gab im November 1985 Aufnahmesessions mit Stewart in London, angeblich mit der Absicht ein Album einzuspielen. Under Your Spell wurde damals aufgenommen, aber erst auf Knocked Out Loaded (als einziger Track der Sessions mit Dave Stewart) veröffentlicht.
Vielleicht war Bob Dylan in den 80er Jahren ja wirklich ausgebrannt, und er hat das ja in späteren Interviews selber so ausgedrückt, von wegen er hätten den Bezug zu seiner Kunst verloren gehabt.
Folgende Zeilen aus Under Your Spell sprechen dann auch dafür:
I was knocked out and loaded in the naked night
When my last dream exploded, I noticed your light
Baby, oh what a story I could tell.
Dennoch finde ich aus jenen Jahren, 1983 bis, sagen wir mal 1988, eine Fülle an Material, welches einfach großartig ist. Gleiches gilt für die Tourneen jener Jahre, ganz besonders die mit Tom Petty & The Heartbreakers, die 1987 in Europa ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte.
Stattdessen erinnern sich die Leute heute aber immer nur an Live Aid oder die Konzerte mit den Grateful Dead in 1987, alles nur Momentaufnahmen, die wenig darüber aussagen, was Dylan ansonsten während dieses Zeitraum gemacht hat, wobei sein Geschick seine Alben zu vollenden nicht mit seinen heutigen Fähigkeiten als Produzent seiner Arbeit zu vergleichen sind!
Knocked Out Loaded mag nicht auf einer Stufe stehen mit Dylans‘ großartigsten Arbeiten, aber die Platte, die seit 2013 als Bestandteil der Complete Album Collection endlich als remasterte und klanglich aufgewertete CD Ausgabe vorliegt, ist definitiv um Längen besser, als ihr miserabler Ruf.
Deshalb empfehle ich jedem, der an Bob Dylans‘ Kunst interessiert ist, hier nochmal mit offenen Ohren und ohne das weit verbreitete Vorurteil, Dylan sei in den 80er Jahren völlig am Ende gewesen, zuzuhören!


Acoustic Live
Acoustic Live
Preis: EUR 15,98

5.0 von 5 Sternen Großartiger Musiker, leider total unterbewertet!, 17. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Acoustic Live (Audio CD)
Ich habe mir diese CD Ende der 90er Jahre gekauft, kurz nachdem sie erschienen war.
In den letzten Wochen habe ich sie nach längerer Zeit mal wieder gehört, erst einmal, dann immer wieder und die Musik darauf so richtig schätzen gelernt.
Nils Lofgren habe ich 1979 im Alter von 14 Jahren erstmals gehört. Er trat in so einer längst vergessenen ZDF Fernsehsendung auf und spielte dort live den Song „No Mercy“.
Außerdem wurde darauf hingewiesen, worum es in dem Lied geht, nämlich um einen jungen Boxer, der im Kampf um den Titel, den alternden und schwächelnden Champion schlagen muss und dabei Skrupel empfindet, es aber schließlich doch tut („watch me destroy his life, no mercy“).
Dieses Lied gefiel mir sofort, und ich kaufte mir das damals gerade erschienene Album „Nils“ und im Jahr darauf „Night After Night“, eines der besten Livealben aller Zeiten!
In den 80er Jahren mochte ich Lofgren weiterhin, besonders das Album Night Fades Away und die Liveplatte Code Of The Road. Dann verlor ich ihn mehr oder weniger aus den Augen bzw. sah ihn zwischen 1984 und 2003 einige Male auf einer Stadionbühne als Gitarrist von Bruce Springsteen, wobei er in dessen Konzerten nur eine Randfigur darstellte und sich weit unter Wert und seinen Möglichkeiten präsentierte.
1997 war ich mal in London und stand abends vor einem Club, wo Nils auftrat, entschied mich aber leider spontan dagegen, ihn an diesem Abend live zu sehen.
Doch in diesen Tagen ist er für mich wieder voll da und ich lege immer wieder Acoustic Live in meinen CD Player und kann da gar nicht genug von kriegen.
Lofgren spielt zum Teil alleine, später dann mit seinem Bruder Tom an den Keys und einem weiteren Gitarristen.
Ich möchte mal zwei Höhepunkte hervorheben: Keith Don’t Go mit seinem unfassbaren Mittelteil. Nils spielt hier wunderschöne Melodien auf der akustischen Gitarre und ich finde ihn auch rhythmisch perfekt. Am schönsten aber ist Some Must Dream geraten. Nach ca. zweieinhalb Minuten kommt ein unfassbar schöner Instrumentalteil, der weitere 3 Minuten dauert, die niemals aufhören sollten. Lofgren spielt hier ein so tolles Gitarrensolo auf der akustischen Gitarre, welches ich zu den intensivsten und schönsten aller Zeiten zählen würde. Man ist irgendwie sprachlos und gerät dabei völlig in seinen Bann. Magie wäre der richtige Ausdruck! Ein Solo für die Ewigkeit!
Schon alleine deswegen würde ich dieser Platte weit mehr als 5 Sterne geben, aber es sind noch mehr tolle Songs darauf zu hören, natürlich auch das von mir so geliebte No Mercy am Ende, welches akustisch ebenfalls zu überzeugen weiß.
Schade, dass die Musikindustrie Nils Lofgren vergessen zu haben scheint, denn sonst würden Night After Night, Nils und Night Fades Away endlich wieder auf CD erscheinen, klanglich aufpoliert und mit Bonus Tracks.
Aber diese dämliche und kranke Industrie ist ja seit langer Zeit ohnehin hoffnungslos verloren! Schade!


Empire Burlesque
Empire Burlesque
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine verschenkte Gelegenheit für einen großen Wurf!, 8. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Empire Burlesque (Audio CD)
Empire Burlesque erschien im Juni 1985 und man darf aus heutiger Sicht wohl sagen,
dass ab der Veröffentlichung dieser Platte eine für Dylan künstlerisch wie kommerziell schwierige Phase begann, die einige Jahre andauern sollte.
Aber was war mit Bob Dylan geschehen?
Anfang der 80er Jahre hatte sich ein großer Teil seines Publikums von ihm abgewandt, was man als Folge seiner sogenannten „Born again“ Periode, die 1981 endete, werten kann.
Auch dominierten Synthie Pop und New Wave Musik inzwischen die Charts und Musiker wie Bob Dylan, Neil Young oder Lou Reed hatten ein wenig den Anschluss an ein jüngeres Publikum verloren, da sie als nicht mehr zeitgemäß galten und gerade hier in Deutschland in den Feullitons und Musikzeitschriften mit Spott und Häme übergossen wurden.
Dylans’ letztes Album, Infidels, bekam zwar auch positive Kritiken, doch ein großer kommerzieller Erfolg wurde es nicht, obwohl die Songs darauf größtenteils exzellent waren.
1984 war Bob Dylan mit Santana (und in Deutschland auch mit Joan Baez) nach 3 jähriger Abwesenheit von der Bühne wieder durch Europa getourt und hatte auch 5 Konzerte in deutschen Stadien gegeben. Ich sah ihn damals erstmals live und war von seinem Kölner Konzert total hingerissen.
Es sollte sich später herausstellen, dass Dylan mit der Tour und seiner etwas hölzern agierenden Begleitgruppe um Mick Taylor und Ian McLagan nicht zufrieden war, wobei Konzerte in Stadien ja auch wenig an Intimität zulassen.
Und ausverkauft waren die Konzerte zumindest in Deutschland bei weitem nicht.
So war ich nach einem Jahr Sendepause ziemlich gespannt, als ich Empire Burlesque das erste Mal auf meinen Plattenteller (das machte man damals noch so) legte und die ersten Töne von Tight Connection to My Heart erklangen. Aber was war das denn? Syntheziser und diverse Keys, dazu Backgroundgesang wie bei einem typischen Discosong. War Bob Dylan jetzt musikalisch im damaligen Hier und Jetzt der Radiohörer angekommen? Wollte er in den Discotheken gespielt werden? Auch auf dem Cover sieht er merkwürdig gestylt aus in seinem Designeranzug.
Irritierend und es geht auf der Platte durchaus so weiter!
Der ehemalige DJ und Produzent Arthur Baker hatte in Dylans’ Auftrag die bereits fertige Platte remixed und einen more or less contemporary Sound kreiert. Am deutlichsten wird dies in dem dramatischen When The Night Comes Falling From The Sky, wo Baker statt Gitarren mehrere Spuren an diversen Keyboards übereinanderlegte und daraus einen tanzbaren, dynamischen Popsong für die Tanzfläche machte. Auch bei anderen Liedern passierte ähnliches, z.B. beim simplen, aber sehr schönen Liebeslied Emotionally Yours oder bei Never Gonna Be The Same Again. Es gibt auch rockige Stücke auf dem Album, z.B. Trust Yourself, mit der für Dylan durchaus typischen Botschaft if you want somebody you can trust, trust yourself.
Empire Burlesque endet nur mit Dylan an der akustischen Gitarre und dem sehr schönen Song Dark Eyes, welcher melodisch auf einem Irischen Folksong basiert. Er hätte damit das Album abrunden wollen, hat er später gesagt. Man könnte auch meinen, er hätte damit das, was vorher zu hören war, vergessen machen wollen. Aber soweit will ich nicht gehen.
Ich konnte mich damals nach einigen Wochen durchaus mit Empire Burlesque anfreunden und fand einige Stücke darauf toll, z.B. Emotionally Yours, Tight Connection To My Heart und When The Night Comes Falling. Auch I’ll Remember You ist ein schönes und anrührendes Lied, welches Dylan früher oft in seinen Konzerten gespielt hat.
Empire B. ist aber heute auch ein Album, welches ich nicht mehr so oft höre, besonders weil der Sound darauf eben nicht zeitlos ist, sondern sich sehr stark an den Soundmoden der 80er Jahre orientiert, und ich diesen Designerklang nicht mag.
Es gibt diverse Bootlegs mit einer Version des Albums ohne den Arthur Baker Remix. Auf diesen klingt alles mehr stripped down, und es macht mehr Freude, die Lieder so zu hören.
Auch würde sich ein kompletter Remix als Wiederveröffentlichung empfehlen, so wie man es 1998 mit Street Legal gemacht hat. Da wäre noch einiges an klanglichen Verbesserungen rauszuholen, in dem Sinne, dass man den Songs ihre Ecken und Kanten zurück gibt, die Baker damals mit Zuckerguss überzogen hat.
Dann könnte Empire Burlesque in seiner Substanz eine großartige Dylan Platte werden.
Übrigens war dem Album 1985 erneut kein kommerzieller Erfolg beschieden, trotz Starproduzent und all den Topstudiomusikern, die darauf spielen.
Kurz nach der Veröffentlichung folgte am 13.07.1985 Dylans’ denkwürdiger Auftritt beim Live Aid Konzert in Philadelphia. Klar, dass all die Fans von Tina Turner, Phil Collins und wem auch immer die Performance mit zwei Rolling Stones neben dem Sänger nicht verstehen konnten, obwohl er damit die einzig richtige Antwort auf all den verlogenen Charity Scheiß gab.
In den 4 Jahren danach, also bis zur Veröffentlichung des famosen Oh, Mercy Albums 1989, sollte Dylan dann noch zwei weitere Platten machen, auf denen er sich nicht mehr darum scherte, was gerade so angesagt war, denn es war ihm wohl zu diesem Zeitpunkt ziemlich egal geworden.
Für Empire Burlesque jedoch hatte er wirklich hochkarätige Songs geschrieben, und er hatte nach meinem Empfinden eine Gelegenheit vertan, etwas großartig Zeitloses daraus zu machen, in dem er auf den falschen Sound setzte und ihm die Orientierung fehlte.
Kaum auszudenken, was er mit seinem heutigen Können als Produzent (Jack Frost!) daraus machen würde.


Infidels
Infidels
Preis: EUR 6,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Lichtblick in den musikalisch so trüben 80er Jahren, 8. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Infidels (Audio CD)
Infidels erschien im November 1983.
Ich war damals 18 Jahre alt und seit dem Sommer begeistert von Bob Dylans’
Musik. Und es waren keinesfalls seine Großtaten aus den 60er Jahren, die mir
so gut gefielen, sondern die Alben aus den 70er Jahren, vor allem Slow Train Coming, Shot Of Love, Saved , At Budokan, Desire und natürlich Blood On The Tracks.
Besonders Slow Train Coming mag ich bis heute sehr, wegen der tollen Musik darauf und dem völlig losgelösten und inspirierten Gesang.
Mark Knopfler spielte Gitarre darauf und so freute es mich, als es plötzlich ein neues Dylan Album gab, wieder mit Mark Knopfler an der Gitarre und als Co-Produzent.
Außerdem wirken auf Infidels Mick Taylor (Gitarre), Alan Clark (Keyboards), Sly Dunbar (Drums) und Robbie Shakespeare (Bass) mit.
Wie schon auf dem Vorgänger Album, Shot Of Love, rückte Dylan auf Infidels weiter davon ab, allzu christliche Themen bzw. irgendwelchen missionarischen Eifer in den Mittelpunkt seiner Texte zu stellen. Auf der Platte finden sich zwar zahlreiche biblische Anspielungen und Zitate, doch der Sänger bekennt sich hier stärker zu seinen jüdischen Wurzeln und lässt sich auf der Innenhülle der Platte nachdenklich hockend auf dem Ölberg in Jerusalem ablichten. Vorbei war es mit Lyrics, in denen es nur schwarz oder weiß, Erlösung oder ewige Verdammnis gab, wobei sich Dylan weder auf Infidels, noch später vom christlichen Glauben distanziert hat. Gegangen war jedoch der Prediger, was im Jahr darauf auch auf der Bühne während der Europa Tour 1984 sehr deutlich wurde.
Die Texte auf Infidels sind wieder wesentlich vielschichtiger, als auf den Alben davor und beziehen sich auf persönliche und politische Themen.
Das beginnt mit dem ersten Lied Jokerman, wo sich der Hörer fragt, wen Dylan eigentlich mit der Figur des Jokerman meint. Vielleicht einen charismatischen Menschen, der Einfluss hat, der geliebt und vergöttert wird und doch weit entfernt von jedweder Vollkommenheit ist.
Dylan besingt in diesem großartigen Lied, welches eine schöne Melodie und einen pulsierenden Rhythmus hat, eine Welt voller Gefahren und Nöte.
Diese Erde ist voller Schatten, der Himmel schlüpfrig grau, aber da ist eine Frau, die einen Prinzen zur Welt bringt und ihn scharlachrot kleidet. Dieser wird die falschen Priester in seine Tasche stecken, er wird die Klinge zum Glühen bringen und all die mutterlosen Kinder von der Straße holen und sie einer Hure zu Füßen legen. Dylans’ Sympathie für Außenseiter und
von der Gesellschaft an den Rand gedrängte Menschen kommen hier wieder zum Vorschein (wie seinerzeit 1964 in dem Lied Chimes Of Freedom).
Und dann ist da dieser geheimnisvolle Jokerman, der weiß, was Er will, der aber einfach keine Antworten hat und zur Melodie der Nachtigall tanzt, während ein Vogel weit oben neben dem Licht des Mondes fliegt…mysteriös!
In einem der schönsten zeitgenössischen Friedenslieder, die je geschrieben wurden, beschreibt Dylan sehr berührend, was auf der von Menschen bewohnten Erde falsch läuft.
License To Kill heißt dieses Lied, welches mich vor 30 Jahren in meiner politischen Haltung mit geprägt hat und heute noch ein Song ist, der für mich wie ein Leitstern am Firmament steht.
Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn Dylan darüber singt, wie der noch
unverdorbene Mensch von klein auf manipuliert und auf sein Leben vorbereitet wird. Schließlich wird er dann auf einen Weg gebracht, auf dem er nur krank werden kann. Und dann begraben sie ihn unter einem Sternenbanner und verkaufen seinen Körper wie einen Gebrauchtwagen. Kann man die Verlogenheit, mit der tote US Soldaten medienwirksam bestattet werden, besser ausdrücken? All diese Manipulationen führen nur dazu, dass der Mensch schließlich blind wird, Angst bekommt und nur noch auf Zerstörung aus ist, denn er glaubt nur noch seinen Augen, wobei ihm diese nur Lügen erzählen.
Am Ende des Liedes schließlich sitzt dieser Mensch vor einem klaren und ruhigen Wasser und sieht darin sein Spiegelbild, welches ihn ganz und gar erfüllt. Diese narzisstische Mensch hat es niemals gelernt, fair zu sein, denn er will alles beherrschen und das auf seine Weise. Aber da sitzt diese Frau, gleich bei mir um die Ecke. Und sie sitzt da, während es Nacht wird und sie fragt: Wer nimmt dem Menschen endlich die Erlaubnis zu töten weg?
Eindrücklicher kann man das Bild des Herrenmenschen, der meint über alles herrschen zu dürfen, sowie die tiefe Sehnsucht nach einer gerechteren und friedlicheren Welt, nicht in einen poetischen Songtext fassen.
In einem weiteren großartigen Lied, I And I, welches vom Titel her an die Rastafari spezifische Sprachkultur angelehnt ist, und soviel wie ich oder auch wir bedeutet.
Musikalisch ist es eher düster, ein Lied in a-Moll, mit Anleihen beim Reggae.
Auf den Tourneen mit Tom Petty & The Heartbreakers in 1986/87 spielte er das Lied gar mit starkem Gospelgesang, unterstützt durch seine damaligen Backgroundsängerinnen, die großartigen Queens Of Rhythm, und ganz besonders die unglaublich schöne Fassung aus dem Brüsseler Konzert vom 08.10.1987 sei hier allen Neueinsteigern unbedingt empfohlen.
Dylan spricht in I And I über sich selbst und es ist im Prinzip eine Reflexion seines bisherigen Weges.
Er ist in der Mitte seines Lebens angekommen, und er ist immer noch auf einer Straße, die kein Ziel hat. Er schiebt sich irgendwie vorwärts dort draußen in der Dunkelheit, und er kann weder stolpern, noch inne halten. Und es spricht jemand anders mit seinem Mund, während er selber nur noch auf sein Herz hört. Er hat Schuhe für Jedermann gemacht und läuft selber immer noch barfuss.
Diese Zeilen berühren mich auch heute noch sehr, denn Dylan hat mir mit seinen Liedern und Konzerten immer sehr viel an Kraft und Inspiration gegeben, und das alles ist irgendwie selbstverständlich geworden. Aber wie viel Anstrengung und Schmerz muss es ihn selber gekostet haben, immer wieder sein Innerstes nach außen zu kehren, um dann doch nur aus den falschen Gründen geliebt zu werden?
Ich habe Dylan nie als einen selbstverliebten Menschen oder Superstar wahrgenommen, vielmehr stets als einen Zweifler und als einen Künstler, der seine Privatsphäre mit allen Mitteln schützt. Auch auf der Bühne bleibt er immer auf Distanz vor zuviel Heldenverehrung oder er kokettiert damit auf ironische Weise, z.B. mit Blicken und Gesten.
In I And I gibt er sehr viel von sich preis, er ist da irgendwie an einem Scheideweg angekommen und lässt Vergangenes weit hinter sich.
Im letzten, sehr melodischen Song des Albums, Don’t Fall Apart On Me Tonight, beschwört er noch einmal die Kraft der Liebe und der Zärtlichkeit.
Er weiß, dass er als Partner niemals besonders gut sein wird (I ain’t too good at conversation girl, though you might not know exactly how I feel) und, dass er Besseres in seinem Leben hätte erreichen können. Vielleicht hätte er ein paar Leben retten können oder sonst etwas Gutes auf dieser Welt tun können.
Alles irgendwie besser, als jede Brücke einzureißen, die er gerade überquert hat.
Als Künstler hat er das ja mit aller Radikalität immer getan, wie er als Mensch ist, bleibt hingegen sein Geheimnis und soll es auch bleiben, denn es geht uns, seine Zuhörer, nichts an.
Am Ende des Songs beschwört er dann sich und die Frau, die er liebt, alle Dekadenz und falschen Charme hinter sich zu lassen und keine deplazierten Gefühle mehr vorzutäuschen.
Gestern ist nur noch eine Erinnerung, während man niemals weiß, was morgen kommt.
Es sind weitere starke Lieder auf Infidels, wie Sweetheart Like You (mit den unwiderstehlichen Zeilen am Ende, dass nämlich der, der ein bisschen klaut, eingesperrt wird, während der, der alles stiehlt, zum König gemacht wird, was leider nur zu wahr ist, wenn man an all die skrupellosen und diebischen Bänker, Spekulanten und Profiteure der Euro Krise denkt) ) oder Man Of Peace (you know that sometimes Satan comes as a man of peace) auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, da meine Rezension sonst den Rahmen sprengen würde.
Mit den zwei weiteren, vordergründig politisch motivierten Songs, Neighbourhood Bully und Union Sundown ist Dylan nach meinem Empfinden kein so großer Wurf gelungen. Neighbourhood Bully (= der Störenfried aus der Nachbarschaft) scheint Partei für die aggressive Politik Israels zu ergreifen, was ich nicht nachvollziehen kann. Bei aller Sympathie für das jüdische Volk rechtfertigt es doch das erlittene Unrecht nicht, derart aggressiv mit den Palästinensern umzugehen. Union Sundown hingegen finde ich von der Idee her gut, denn es prangert die Folgen der Globalisierung an, die vor 30 Jahren noch gar nicht so brutal waren, wie sie es in der heutigen Zeit längst sind. Aber an dem Song haftet so etwas wie ein mir unsympathischer Patriotismus und auch die Sprache darin würde ich mal als wenig kunstvoll bezeichnen. Musikalisch finde ich beide Songs hingegen sehr gut, da sie wesentlich rauer klingen, als die übrigen Tracks und besonders in Union Sundown diese Slidegitarre besticht, die Mick Taylor hier wie zu besten Stones Zeiten spielt. Überhaupt klingen beide Lieder so ein wenig nach den Rolling Stones zu Beginn der 70er Jahre, als Mick Taylor in musikalischer Hinsicht viele virtuose Akzente bei ihnen setzte.
Es bleibt außerdem noch zu erwähnen, dass Bob Dylan für Infidels einige weitere hervorragende Lieder eingespielt hatte, die er schließlich nicht auf dem Album haben wollte.
Blind Willie McTell werden die meisten Leser hier wohl kennen, immerhin wurde die akustische Fassung mit Dylan am Piano und Mark Knopfler an der Gitarre 1991 auf der Bootleg Series Vol. 1 bis 3 mit einigen weiteren Outtakes aus den Infidels Sessions von 1983 veröffentlicht.
Leider bleibt die mir bekannte Band Version dieses Liedes noch immer in den Archiven versteckt, wobei es natürlich seinen Weg auf unzählige Bootlegs geschafft hat und nach meiner Meinung zu Dylans’ besten Aufnahmen überhaupt gehört.
Hätte er statt Union Sundown und Neighbourhood Bully eben dieses großartige Blind Willie McTell, sowie die formidablen Outtakes Foot Of Pride, Tell Me und Someone’s Got A Hold On My Heart auf Infidels getan, dann stünde dieses Album meiner Meinung nach heute auf einer Stufe mit Dylans’ Meisterwerken Time Out Of Mind, Oh Mercy, Highway 61 Revisited, Blonde On Blonde und Blood On The Tracks.
Aber er tat es nicht, produzierte die Platte am Ende im Alleingang und sagte später zu einem aufgeregten Larry Sloman, er solle sich wegen des Weglassens von Blind Willie McTell nicht so aufregen, es sei doch nur eine neue Platte, und es würden noch viele andere folgen…womit er ja irgendwie auch Recht hatte.


Oh Mercy
Oh Mercy
Preis: EUR 6,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein persönliches Lieblingsalbum und Meisterwerk von Bob Dylan, 14. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Oh Mercy (Audio CD)
Oh Mercy erschien im September 1989 und signalisierte, was Bob Dylan angeht, so was wie eine Rückkehr zu alter Form. So jedenfalls war es damals in den Kritiken zu dieser Platte zu lesen.
Tatsache ist, dass Bob Dylan auf den zwei vorhergehenden Alben kaum eigenes Material veröffentlicht hatte. Vielmehr gab er auf „Down In The Groove“ von 1988 einen Überblick über verschiedene musikalische Einflüsse während seiner Jugend, die von Folk über Rhythm’n Blues bis hin zu obskuren Popsongs reichten.
1986 hatte er mit Knocked Out Loaded ein eher uneinheitliches Album herausgebracht, welches Material aus verschiedenen Sessions enthielt. Mit Brownsville Girl ist allerdings ein wirklich hochkarätiger Song hierauf zu finden.
Wie man in seiner 2004 erschienenen Autobiographie Chronicles nachlesen kann, glaubte Dylan, Mitte der 8oer Jahren seine Inspiration verloren zu haben und damit auch die Beziehung zu seinen älteren Songs. Anscheinend steckte er so tief in einer künstlerischen Krise, dass er sogar ans Aufhören dachte, weil er nicht mehr wusste, wie er seine Lieder singen musste.
Über seine Tourneen mit Tom Petty & The Heartbreakers in 1986 und 1987 schreibt er, dass Petty damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere und er selber auf dem Tiefpunkt seines Schaffens angelangt war.
Irgendwie merkwürdig, denn die Konzerte aus jener Zeit erzählen eine ganz andere Geschichte. Und auch Tom Petty will nichts von einer künstlerischen Krise Dylans’ in jener Zeit bemerkt haben.
Erst 1988, dem Beginn der sogenannten Never Ending Tour, begann ein vollkommen neuer Abschnitt in der Karriere Bob Dylans’, nämlich seine Bestimmung als Performing Artist, der Musik in erster Linie live spielt und Jahr für Jahr die Kontinente bereist, um vor Publikum aufzutreten. Dieser Prozess hält bis heute an und verändert sich fortlaufend.
Als ich im Juni 1988 die ersten Mitschnitte der damaligen USA Tour hörte, war ich mehr als überrascht über den reduzierten Sound (nur 2 Gitarren, Bass und Drums) und die Vehemenz, mit der Dylan seine Lieder sang und interpretierte. Während er bei den elektrischen Nummern wie Gates of Eden oder Masters Of War geradezu Gift und Galle spuckte und diese sehr rockig und mit ganz viel Drive interpretierte, sang er bei den akustischen Lieder eher zart und sehr betont. An neuem Material präsentierte er ausschließlich Fremdkompositionen, darunter auch einige wunderschöne Traditionals wie The Banks Of Ponchartrain, Barbara Allen oder On The Trail Of The Buffalo. Hier war mal wieder ein völlig neuer Dylan zu hören, mit einer neuen Stimme, neuer Band und dazu mit vielen Liedern in der Setliste, die man entweder noch nie oder seit den 60er Jahren nicht mehr von ihm gehört hatte.
Im März 1989 sickerte dann durch, dass Dylan in New Orleans gemeinsam mit Daniel Lanois als Produzent ein neues Album aufnehmen würde.
Lanois hatte natürlich einen Namen, und ich brachte ihn damals vor allem
mit dem Album Yellow Moon von den Neville Brothers in Verbindung, welches ich oft hörte und auch heute noch sehr mag.
Tatsächlich hatte Dylan Lanois im September 1988 bei einem Konzert in New Orleans getroffen und ihm sein neues Material vorgespielt.
In Chronicles schreibt Dylan, Bono von U2 hätte ihm eines Abends während eines Besuchs bei ihm zu Hause Daniel Lanois als Produzenten für seine neu geschriebenen Lieder empfohlen.
Dylan sagt, er sei auch dabei gewesen, als Aron Neville With God On Our Side im Studio sang und sei von dessen Interpretation sehr beeindruckt gewesen.
Tatsache ist, dass er dieses sehr selten live gesungene Lied unmittelbar danach für eine kurze Zeit in sein Konzertprogramm aufnahm und sogar eine neue Strophe über den Vietnam Krieg, die möglicherweise von den Nevilles stammt, einfügte.
Jedenfalls nahm Dylan Oh Mercy dann im März/ April 1989 in New Orleans auf.
Die Aufnahmen gestalteten sich in der Folge als recht problematisch, vielleicht auch, weil Lanois Erwartungen hatte, die Dylan nicht erfüllen konnte. Hiermit meine ich die Art des Songmaterials, wobei Dylan sich durchaus darüber im Klaren war, dass er für das neue Album weder ein neues My Back Pages noch ein Lied im Stile eines Visions Of Johanna geschrieben hatte.
Dafür hatte er Lieder wie Political World mit seinen 20 oder mehr Versen, eigentlich ohne Melodie, dafür aber wie ein Rap und mit diesem treibenden Rhythmus, den Dylan und die Musiker im Studio erst
mühsam finden mussten. Auch waren Songs, wie Series Of Dreams und Dignity äußerst vielversprechend, jedoch wollte Dylan sie dann gegen den Willen von Lanois nicht auf dem Album drauf haben.
Zwei Lieder, Man In The Long Black Coat und Shooting Star, habe er erst in New Orleans für Oh Mercy geschrieben, besonders ersteres ist ganz offensichtlich durch die Landschaft und die Atmosphäre dort inspiriert.
Melancholie macht sich auf der ganzen Platte breit, Wörter wie gesprochen, mit tiefer Stimme, sparsam instrumentiert und viele Gedanken, die einem nur Mitten in der Nacht in den Kopf kommen, bestimmen den Klang dieser Platte. Selbstzweifel und Reflexionen über das Leben, in dem mit den Jahren vieles zerbricht: broken words, never meant to be spoken, everything is broken!
Aber es sind die Verletzbarkeit in Most Of The Time oder What Good Am I? und die vielen Fragen, die Dylan sich, einem anderen Menschen oder auch seinen Zuhörern im tieftraurigen What Was It You Wanted? stellt, die dieses Album so perfekt und tröstlich machen.
Ich kenne keine andere Platte, die mir in meinem Leben schon soviel Trost
und gleichzeitig Zuversicht gegeben hat, wie diese. Dylan bringt hier ein so hohes Maß an vielschichtigen Gefühlen und Gedanken zum Ausdruck, bei denen ich denke, ja das fühle ich auch, habe es mir aber nie bewusst gemacht und da ist jemand, dessen Stimme ich so gerne höre, der das für mich nun an die Oberfläche bringt.
Und so ist dieses Album, welches damals in New Orleans mit so viel Mühe und Energie eingespielt wurde, eine einzige Flut und ein Strom an Gedanken und Fragen, und da singt jemand, der sich und seine Kunst immer wieder in Frage stellt und der hier einen einsamen, künstlerischen Höhepunkt ohne falsches Pathos und Superstargehabe erreicht.
Und auf keinem anderen Album von Bob Dylan ist seine Stimme berührender, als auf diesem. Diese Stimme gibt dem Zuhörer, selbst wenn dieser der einsamste Mensch auf der ganzen Welt ist, das Gefühl und die Gewissheit, nicht alleine zu sein.
There’s a whole lot of people in trouble tonight, a whole lot of people suffering tonight from the disease of conceit hört man den Sänger in Disease Of Conceit flüstern und am Ende dieses Songs höre ich ein Zittern in seiner Stimme, als er darüber singt , dass sie dich begraben werden vom Kopf bis zu den Füßen, weil du dir Illusionen von falscher Größe gemacht hast und immer noch an der Krankheit der Eitelkeit leidest, die soweit gehen kann, dass du deine eigene Sterblichkeit verdrängst (give you the idea that you’re too good to die).
Dylan singt hier über zentrale Themen, die zum Menschsein gehören, nämlich das Verdrängen der eigenen Sterblichkeit und die Selbstüberschätzung und den Narzissmus vieler Menschen, der zu nichts Gutem führt.
Oh Mercy endet schließlich mit Shooting Star, in dem Dylan sagt, es sei vielleicht zu spät, die Dinge zu sagen, die er einem anderen Menschen oder sich selber hätte sagen müssen, und so beobachtet er, wie die Sternschnuppe langsam vor seinen Augen verschwindet.
Und wieder ist es mitten in der Nacht, als seine Mundharmonika zu den Klängen eines Dobros verhallt und die Stille auf den Morgen wartet, denn: tomorrow will be another day!
Ich persönlich habe dieses großartige Album öfter gehört, als jedes andere
und so ist Oh Mercy seit mehr als 23 Jahren mein persönliches Lieblingsalbum von Bob Dylan oder von wem auch immer und wird es immer bleiben.

Frank Lindemann


Together Through Life
Together Through Life
Preis: EUR 6,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen It's all good..., 31. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Together Through Life (Audio CD)
Als langjähriger Hörer von Dylans Musik freute ich mich im Jahr 2009, als überraschend (zumindest für mich) eine neue Platte für April angekündigt wurde.
Bob Dylan war zu dieser Zeit in Europa auf Tour und Together Through Life erschien wenige Tage nach einem Konzert in Brüssel, wo ich ihn -in großartiger Verfassung- live erlebt hatte.
Wie bei Dylan üblich, gab es dort noch keine Lieder von dem noch unveröffentlichtem Album zu hören, aber der Klang der zumeist druckvollen und teilweise auch zurückgenommenen Musik im riesigen Forest National bot durchaus einen Vorgeschmack auf die kommende CD.
Dylans' Stimme war bereits zu diesem Zeitpunkt brüchiger geworden und ähnelte bei manchen Songs eher Howlin' Wolf, als der Stimme des Sängers, sagen wir mal, auf dessen späten Meisterwerken wie Oh Mercy oder Time Out Of Mind.
Mich hat das nicht gestört, weil sich Dylans' Stimme in all den Jahren davor stets verändert hatte. Trotzdem bleibt im Kern dieser sehr verletzliche und die Seele berührende Klang.
Ein paar Tage nach dem Brüsseler Konzert habe ich dann Together Through Life zum ersten Mal gehört.
Das Cover, ein wenig merkwürdig, mit diesem sich umarmenden Paar auf der Vorderseite, altmodisch sowieso. Das Booklet? Eigentlich nicht vorhanden und mit wenig Informationen ausgestattet.
Die Musiker sind da natürlich genannt und als Ergänzung zu Tony Garnier, George Recile und Donnie Herron aus Dylans langjähriger Tourband dürfen wir uns über Mike Campbell und David Hidalgo freuen, beide absolute Könner und besonders Mike Campbell hatte ja in 1986/87 bereits ausgiebig mit Dylan getourt.
Dylan selber spielt auf der Platte Gitarre und Keyboards.
Um es vorweg zu nehmen: zunächst war ich von Together Through Life ziemlich enttäuscht.
So ist das, wenn man etwas anderes erwartet und dann nichts drauf ist wie Ain't Talkin' oder Nettie Moore, epische Lieder, die mich auf der vorhergehenden Platte Modern Times so begeistert hatten.
Allerdings: das Album ist bei mir mit jedem Hören gewachsen.
Heute, mit dem Abstand von drei Jahren, finde ich es sogar großartig und mag es für seinen Sound, die immense Spielfreude aller Beteiligten und weil es einen Bob Dylan präsentiert, der mit sich im Reinen ist und der viel Spaß beim Musizieren hat.
Er ist sogar dermaßen gut gelaunt, dass man ihn bei zwei Stücken mittendrin lachen hört.
Das Album ist tief im Blues verwurzelt. Mit Blues meine ich den Chicago Sound der 50er Jahre, als Musiker wie Howlin' Wolf oder Muddy Waters die ländliche Bluesmusik für das Plattenlabel Chess Records elektrifizierten. Zu dieser Zeit war Dylan selbst noch ein Teenager, hörte spätabends diese Musik im Radio und war fasziniert hiervon (nachzulesen in der hervorragenden Biographie von Anthony Scaduto).
Über 40 Jahre später entdeckt er diesen Sound neu und siehe da: es klingt recht authentisch, und der Klang des Albums erreicht eine ungeheure Tiefe.
Ergänzt um das Akkordeon von David Hidalgo, wodurch der Blues ein TexMex Flair bekommt, wodurch jede Ecke, jeder Winkel und jede Kante ausgelotet wird.
Das erste Lied Beyond Here Lies Nothin' erinnert musikalisch stark an Black Magic Woman von Peter Green, der die Melodie vermutlich ebenfalls irgendwoher entliehen hat. Der Song ist eine sehr gute Einstimmung: I'm movin' after midnight, down boulevards of broken cars.
Don't know what to do without it, without this love that we call ours, Beyond here lies nothin', nothin' but the moon and stars.
Dieses Lied hat Dylan in den letzten Jahren auch häufig live gespielt, z,B. im letzten Jahr im Hamburger Stadtpark in einer fulminanten Version mit schneidenden Gitarrenriffs von Dylan und seinem Gitarristen Charlie Sexton.
Es folgt mit Life Is Hard ein Liebeslied und Dylan singt hier noch einmal in den etwas höheren Tonlagen und das funktioniert erstaunlich gut.
In My Wife's Hometown ist wieder der schwarze Blues angesagt und als Komponist wird Willie Dixon genannt. Das Stück macht einfach Spaß auf der CD, während es live nicht so gut funktioniert hat, weil es eben eine Momentaufnahme zu sein scheint, die spontan im Studio entstanden sein könnte.
If You Ever Go To Houston mag ich nicht so gerne, während Fortgetful Heart ein weiterer Höhepunkt des Albums ist. Ein melancholisches Lied in Moll und ebenfalls eine der stärksten Nummern aus Bob Dylans' aktuellem Liverepertoire.
Weitere starke Songs folgen, von denen ich It's All Good am Ende der CD besonders gerne höre, da es voller Schwung ist und mich jedesmal in gute Laune versetzt, trotz der düsteren Lyrics.
Und Bob hat ja Recht, wenn er lamentiert, dass sie uns immer und überall einreden wollen, dass alles gut ist, während die Welt da draußen verrückt spielt und uns die Politiker nichts als Lügen auftischen.
Und im Song davor sagt Dylan voller Ironie, dass Träume für ihn nie so wichtig waren: Well now what's the use in dreamin', You got better things to do, Dreams never did work for me anyway, Even when they did come true...
Das lassen wir jetzt besser mal unkommentiert.
Bob Dylans' nächstes Album soll übrigens im Herbst 2012 erscheinen und David Hidalgo ist wieder mit am Start gewesen...


Shot of Love
Shot of Love
Preis: EUR 9,99

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Total unterbewertet!!, 21. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Shot of Love (Audio CD)
Shot Of Love" ist ein Bob Dylan Album, welches im Sommer 1981 erschien.
Kurz zuvor hatte Dylan zum zweiten Mal in seiner Karriere Konzerte in Deutschland gegeben und vorab bereits einige der neuen Lieder aus dem noch unveröffentlichten Album auf der Bühne vorgestellt.
Als die Platte dann in die Läden kam, wurde sie von den meisten deutschen Kritikern erstmal daraufhin gehört, ob Dylan mit ihr weiterhin christliche Botschaften vermitteln wollte.
Dylan war zwei Jahre zuvor öffentlich zum Christentum konvertiert und hatte diese
Hinwendung zu Jesus Christus radikal ins Zentrum seiner Kunst gerückt, wodurch sich viele seiner Hörer stark irritiert zeigten.
Als er dann auch noch in seinen Konzerten ausschließlich diese neuen Lieder vortrug, dem Publikum gegenüber in lange Monologe über das bevorstehende Ende der Welt verfiel und im August 1980 Saved" veröffentlichte, da war Bob Dylan für die meisten Musikkritiker und viele seiner Fans" fürs Erste erledigt.
In Deutschland waren die Kritiken bezogen auf seine Konzerte und Platten bereits seit 1978 besonders gehässig und verletzend.
Unvergessen ist in diesem Zusammenhang die völlig unterbelichtete Kritik von Ingeborg Schober im Nachrichtenmagazin
Der Spiegel" über ein Konzert in Tokyo Anfang 1978 (vom Protest zum Schubidu"...
allein die armselige Sprache dieser sogenannten Journalistin).
Bereits zu dieser Zeit hatte sich Dylans' Musik verändert. Besonders markant war neben einem üppig instrumentierten Bandsound der Einsatz von 3 oder 4 Gospelsängerinnen, mit denen Dylan auf seiner 1978er Welttournee so wundervoll harmonierte.
Die Hinwendung zum Christentum und zur (schwarzen!) Gospelmusik ein Jahr später war demnach ein zu erwartender und konsequenter Schritt.
Ich möchte hier aber nicht falsch verstanden werden. Die Texte auf Slow Train Coming" und Saved" kann ich persönlich nicht allesamt nachvollziehen oder gut finden.
Auch dürfte ich mich als sogenannter Ungläubiger" weder von diesen Platten, noch von den zahlreichen Konzertmitschnitten jener Zeit angesprochen fühlen.
Was damals und zum Teil auch heute noch übersehen wurde, ist hingegen die unglaubliche Intensität der Musik und ganz besonders von Bob Dylans' Stimme. Diese erreichte damals
auch in den höheren Lagen ein sehr großes Volumen, und er sang mit einer Besessenheit und Ausdrucksfähigkeit, die ich persönlich als große Kunst bezeichnen würde (hier sei Richard Kleins tolles Buch über Dylan empfohlen, der diese Festsstellung ebenfalls trifft).
Und dann gab es natürlich auch Lieder wie z.B. When He Returns" wo selbst ein Ungläubiger" wie ich ins Grübeln kommt, denn Dylan singt sich die Seele aus dem Leib und man muss ihm einfach zuhören und irgendwie auch Glauben schenken.
Aber zurück ins Jahr 1981 und zu Shot Of Love".
Diese Platte beeindruckt auch 30 Jahre später noch vor allem durch ihren Sound.
Dieser ist total roh und ungehobelt, alles klingt absolut live und unbearbeitet.
Den Titelsong hat Dylan Jahre später als eine seiner besten Aufnahmen bezeichnet und als das, was er mit seiner Musik ausdrücken möchte.
Auch in der heutigen Zeit (in diesen Modern Times") sagt mir dieser Song persönlich, dass ich diesen ganzen Mist, der da in den Medien und von all diesen dümmlichen Marktschreiern angepriesen wird, in meinem Leben nicht brauche.
Die Musik ist sehr intensiv, Dylans' Stimme zusammen mit den großartigen Gospelsängerinnen unmittelbar und hypnotisch.
Es folgen weitere Höhepunkte wie das sehr schöne Heart Of Mine", Property Of Jesus"
(eine Art zweites Positively Fourth Street", diesmal gerichtet an alle Ignoranten oder ist etwas Mick Jagger gemeint?) oder die melancholische Ballade über Lenny Bruce".
Wenn Dylan da: He was an Outlaw, that's for sure, more of an outlaw, then you ever were" singt, werde ich das Gefühl nicht los, dass er mit diesen Zeilen zu sich selbst spricht.
Nachträglich wurde der CD Version von Shot Of Love" ein weiterer Track zugefügt, nämlich The Groom's Still Waiting At The Altar", damals nur auf der B-Seite einer Single erhältlich und ein Song, der Gospel meisterhaft mit dreckigem R'n B verbindet.
Auf Seite 2 von Shot Of Love" steht zu Anfang Dead Man, Dead Man", welches einen intensiven Reggae Rhythmus hat und sehr hypnotisch wirkt: Who can't stand it, I can't stand it, pretendig that you're so smart"
(Unvergessen ist mir die kochende Version dieses Liedes am Ende des großartigen Dortmunder Konzertes von 1987 zusammen mit den Queens Of Rhythm & Tom Petty And The Heartbreakers als Begleitgruppe).
Mit In The Summertime" folgt ein eher einfaches, melodisches und in Erinnerungen schwelgendes Lieblingslied, zum Glück kommt es ohne Kitsch und Zuckerguss aus.
Dylans' Spiel auf der Harp ist zudem absolut meisterhaft und irgendwie zwingend bei
dieser Aufnahme.
Trouble" folgt und dieses eher belanglose Lied vergessen wir mal, aber am Ende der Platte folgt ja noch Every Grain Of Sand"!
Ein wunderbar ruhig und entspannt dahin fließendes Lied, eine Meditation über die Schöpfung und ein Dylan, der sich hier ganz und gar im Gleichgewicht mit sich und seiner Kunst befindet. Auch hier hören wir wieder eine Harmonica, die soulful und über alle Maßen inspiriert und überirdisch klingt.
Auf der Rückschau Biograph", die 1985 veröffentlicht wurde, folgt Every Grain Of Sand" übrigens unmittelbar nach Mr. Tambourine Man" und diese beiden sehr spirituellen und visionären Lieder gehen da fließend ineinander über.
Vielleicht war Every Grain Of Sand" damals sogar schon als eine langsame Abkehr vom fundamentalistischem Christentum zu verstehen und eine Hinwendung zu einer sich weit darüber befindlichen Spiritualität, die Dylan dann später in den Liedern des sogenannten
alten Amerika fand und diese oftmals traditionellen Songs aus dem Blues und der Folkmusik auch als seinen Kompass im Leben bezeichnet hat. Er würde diese Lieder lange nach Shot Of Love" später noch häufig zitieren und etwas Neues aus ihnen schaffen. Natürlich konnte man das damals noch nicht ahnen und im weiteren Verlauf der 80er Jahre wurde Dylan dann vollends als Relikt aus den Sixties abgetan und jede Platte, die er herausbrachte, wurde
niedergemacht, obwohl er in diesem musikalisch irgendwie total geschmacklosen Jahrzehnt eine Vielzahl erstklassiger Lieder geschrieben und aufgenommen hat
(Blind Willie McTell", I And I, Brownsville Girl" und das gesamte Oh Mercy" Album belegen dies sehr eindrücklich).
Bleibt zum Schluss noch anzumerken, dass Bob Dylan zwischen 1980 und 1981 über Shot6 Of Love" hinaus noch einige weitere, hochklassige Lieder geschrieben und aufgenommen hat.
Zwei der besten, nämlich Carribbean Winds" und Angeline" wurden 1985 bzw. 1991 noch veröffentlicht, andere wie das bluesgetränkte Let's Keep It Between Us" sowie das wie ein Spiritual klingende City Of Gold" hat er damals, im November 1980, auf seiner Retrospective Tour" häufig in seinen Konzerten gesungen, leider jedoch niemals offiziell veröffentlicht.
Denkt man sich diese Lieder dazu, dann hätte Shot Of Love" leicht die Qualität von Dylans' allerbesten Arbeiten erreichen können, aber das hätte damals vermutlich ohnehin niemand bemerkt.
Diesen Fehler, also die besten Songs nicht mit auf eine Platte zu nehmen, sollte Bob Dylan dann zwei Jahre später mit Infidels" noch in weitaus extremerer Weise wiederholen, aber das wäre eine andere Geschichte.
Shot Of Love" ist und bleibt aber eine seiner am meisten unterbewerteten Arbeiten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 8, 2013 6:00 PM CET


Broken Record
Broken Record
Preis: EUR 11,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare neue CD von Lloyd Cole, 20. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Broken Record (Audio CD)
Broken Record ist eine sehr melancholische Platte geworden, auch wenn einige der Lieder
durchaus ein schnelleres Tempo haben.
Und diese Melancholie ist sehr speziell, und ich würde von einer jubelnden Melancholie sprechen, die in den Liedern immer wieder auftaucht.
Da ist ein Mann, Lloyd Cole, den ich schon mit seiner ersten Platte, (1984, ich war 19 Jahre alt), Rattlesnakes, toll fand.
Damals sah es so aus, als hätte Lloyd Cole eine große Karriere vor sich mit seiner Band den Commotions.
Die Musik war zwar durchaus kommerziell, aber sie biederte sich nicht dem damaligen Zeitgeist an.
Irgendwie war sie auch störrisch und zynisch (Are You Ready To Be Heartbroken?) genug, um mir zu gefallen, und der Einfluss anderer Helden wie Lou, Leonard oder Bob war nicht
zu überhören.
Egal, Lloyd Cole machte ab 1990 ohne die Commotions weiter, leider weniger erfolgreich.
Denn seine Musik machte er weiterhin auf einem hohem Niveau und er spielte tolle Konzerte mit Musikern wie Robert Quine an der Gitarre, der leider viel zu früh verstorben ist.
Platten wie Love Story, Music In A Foreign Language oder Antidpressant belegen außerdem eine anhaltende musikalische Entwicklung und man kann sie immer wieder anhören.
Selbst als Folksänger machte Lloyd Cole zuletzt eine recht passable Figur, und ich schätze besonders seine Version von Cohens' grandiosem Famous Blue Raincoat.
Nun aber ein neues Album in einem sehr organischen, zumeist semi-akustischen Sound und endlich wieder mit einem richtigen Schlagzeuger eingespielt, also ohne Computerdrums.
Ich habe die CD inzwischen an die 6 Mal angehört und bin immer wieder neu begeistert.
Diese Art, sich so lakonisch und in knappen Worten auszudrücken, die schönen Melodien
und die Leichtigkeit dieser Musik berühren mich sehr.
Der Einfluss der Folkmusik ist stärker zu spüren, als auf allen Cole Platten davor, bei Man Overboard kommt schließlich ein Akkordeon zum Einsatz und man kann sich schon denken, von wem da in dem Lied die Rede ist.
If I Were A Song rührt zu Tränen und das beschwingte Double Happiness am Ende des Albums lässt mich noch mal so richtig in mich hinein lächeln, über diesen Zyniker im besten Sinne.
Alan Bangs hat vor langer Zeit mal im Radio über einen französischen Sänger gesagt, dass die Welt Zyniker wie ihn brauchen würde, denn Zuckerwatte gäbe es schon genug und zuviel davon würde die Menschen nur krank machen.
Das gilt auch für Lloyd Cole, denn Typen wie er halten uns mit ihrer Musik einen Spiegel vor unsere Augen, und ich hoffe, dass in Zukunft noch recht viel von ihm zu hören sein wird.
Das Kölner Konzert am 07.11. ist natürlich Pflicht!


Tell Tale Signs: the Bootleg Series Vol.8
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Preis: EUR 97,05

27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach dem Hören stellt es sich halt nochmal anders dar, Reszension No. 2, 17. September 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wahnsinnig gute Musik!!

Ich hatte ja vorab schon eine Reszension geschrieben und 4 Sterne gegeben.
Ein Punkt Abzug wegen des extrem hohen Preises für die Box, über den sich ja inzwischen Dylan Fans in aller Welt aufgeregt haben.
Nachdem ich alle drei CDs inzwischen mindestens 5 mal anghört habe, muss ich jedoch unbedingt die höchste Punktzahl geben und habe meine erste Reszension eben zurückgenommen.
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass die Box absolut hochwertig aufgemacht ist und sich sehr vom sonstigen Mainstream Schrott abhebt.
Tolles Booklet, gelungenes Buch mit den Single Covern, welches den Bogen von damals bis heute spannt.
Ja, und dann ist da noch die Musik!!
Ich kann garnicht ausdrücken, wie sehr mich viele Titel von "Tell Tale Signs" bewegen und mir unter die Haut gehen.
Da sind z.B. zwei absolut grandiose Versionen von "Most Of The Time", die sehr unterschiedlich sind und letztendlich den Weg zur veröffentlichten Version auf "Oh Mercy" weisen.
Es ist sehr spannend zu hören, wie Dylan im Studio arbeitet, was auch von anderen Musikern wie Daniel Lanois, Jim Dickinson oder David Kemper erzählt wird (nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des englischen Uncut Magazins).
Und dann sind da noch die sogenannten Outtakes von "Time Out Of Mind" in sehr unterschiedlichen Fassungen.
Die Versionen von "Mississippi # 1 und # 3" gehören meiner Meinung nach zum Besten, was jemals von Bob Dylan veröffentlicht wurde.
"Can't Wait" ist um Längen besser, als die Fassung auf Time Out Of Mind, ja Dylan erreicht hier sogar wieder die gesangliche Qualität, die seine so called Gospel Phase (von 1979 bis 1981) so stark gemacht hat.
Hat mal jemand den Rough Mix von "Shot Of Love" gehört? Nein?! Nun ja, in diese Richtung gehen hier "Can't Wait # 1" und das famose "Marchin' In The City # 1". Hingegen ist die 2. Version von "Can't Wait" pure "late night music", hypnotisch und sehr, sehr langsam! Unglaublich!!
Man gewinnt den Eindruck, das gesamte "Time Out Of Mind" Album hätte noch um Längen besser werden können, aber diese Problematik ist Dylan Fans ja bestens bekannt.
Es sind noch viele weitere Höhepunkte versammelt, z.B. das anrührende "Mary And The Soldier" (Dylan solo zur akustischen Gitarre), eine großartige Liveversion von "Things Have Changed" (aus dem Jahr 2000) und ein ebenso famoser Livemitschnitt von " High Water (For Charlie Patton") aus dem Jahr 2003, also noch mit dem Gitarristen Freddy Koella, dessen punkige Gitarre man sehr gut auf dem linken Kanal hören kann. Organische Musik, schräge Spielfreude und die Lust am Improvisieren verbinden sich hier zu einer meisterlichen Version des Liedes von "Love & Theft".
Bei der Auffführung eines Liedes, nämlich "Girl From The Greenbriar Shore" war ich sogar live dabei, 1992 im Kursaal in Dünkirchen, gerade an dem Tag, als französische LKW Fahrer die Grenzübergänge nach Frankreich dicht gemacht hatten, aber das wäre eine andere Geschichte.
Man könnte noch mühelos mehr und mehr aufzählen, aber das können ja Andere machen.
Sehr gut finde ich auch, dass mit "Cross The Green Mountain" und "Huck's Tune" zwei der schönsten Dylan Lieder aus den letzten 6 Jahren hier versammelt sind, damit sie endlich von einem größeren Publikum gewürdigt werden können.

Und was den Preis angeht, den finde ich zwar weiterhin zu hoch, aber der Gegenwert ist beachtlich.
Nur mal zur Erinnerung: ein Stehplatzticket bei Bruce Springsteen - im Stadion - kostete im Somemr genauso viel wie die gesamte Box, die Rolling Stones waren, glaube ich mich zu erinnern, bei 150 Euro für ein Ticket angelangt, und Abschiedstour Abkasssierer wie Tina Turner oder Police, wo die Massen, hinströmen, um in Erinnerungen zu schwelgen, kosten doch schon weit über 100 Euro.
Selbst integre Musiker wie Neil Young oder Eric Clapton sind schon bei einem solchen Preis für ein Ticket angelangt.

Vielleicht ist das gesamte System krank oder preislich explodiert, aber man sollte jetzt nicht explizit mit dem Finger auf Dylan zeigen, so nach dem Motto, der will abkassieren.
Das hat man hierzulande bei Bob Dylan immer gerne so gehalten und es hat Tradition, aber es ist doch sehr verlogen.
1978 hiess es zum Beispiel, Dylan würde nur des Geldes wegen erstmalig in Deutschland auftreten, er habe Rüstungsaktien in seinem Besitz, wäre nicht nett zum Publikum u.s.w.
Lauter dumme Stereotypen, so nach dem Motto: ein "Protestsänger" (noch so ein erbärmliches und überholtes Klischee) wie Bob Dylan darf sowas nicht!
Alle Anderen natürlich schon! Kein Problem!

Und nochmal zur Erinnerung in Bezug auf Tell Tale Signs: der Gegenwert ist hier sehr beträchtlich und von großer Schönheit, und ich habe 100 Euro in meinem Leben schon weitaus schlechter angelegt.


Home to You
Home to You
Preis: EUR 17,38

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentischer Sound..., 21. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Home to You (Audio CD)
Was für eine wunderbare Musik von den Peasall Sisters, die mir erstmals im Konzertfilm "Down From The Mountain" aufgefallen sind, wo sie-damals noch als Kinder- locker neben Größen wie Emmylou Harris oder Ralph Stanley auftraten.
So war auch das Debütalbum schon stark mit einigen Traditionals aus dem Bereich der Bluegrass und Countrymusik oder auch Adaptionen von Songs der Carter Family.
Die Peasall Sisters sind auf diesem Album weiter gereift, sie komponieren inzwischen auch eigene Songs wie das wunderschöne "Home To You" oder singen Klassiker wie "Fair And Tender Ladies". Der Harmoniegesang der 3 Schwestern klingt absolut himmlisch und vollendet, auch die Instrumentierung, die drei spielen Gitarre, Fiddle und Mandoline, ist eher traditionell und unverfälscht.
Die Themen drehen sich um den Glauben an Gott, um Liebe und Freundschaft und den Zusammenhalt der Familie. Für die Produktion ist übrigens John Carter Cash verantwortlich, wobei auch dessen Frau Laura Cash zu hören ist.
Auch live sind die Mädchen absolut spitze, wobei sie wohl auf dem deutschen Plattenmarkt keine großen Aussichten auf Erfolg haben dürften, da diese Musik bei uns wohl als eher uncool gelten dürfte. Leider, denn man verpasst hier 'ne Menge Musikalität, Spritualität und Charme.
Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste Platte...


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