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S. Eilts
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Live at the Olympia in Dublin
Live at the Olympia in Dublin
Preis: EUR 21,99

4.0 von 5 Sternen Was für eine Live-Band! Ohne die großen Hits - aber grade deshalb stimmig, 11. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Live at the Olympia in Dublin (Audio CD)
Eins vorvweg: Ich bin im mittleren der drei R.E.M.-Jahrzehnte als Hörer zur Band gestoßen - zuerst über "Automatic for the people", das für mich immer noch das beste R.E.M.-Werk und eins der schönsten Alben überhaupt in meiner Plattensammlung ist. Die frühen Alben habe ich mir erst in den Jahren danach gegönnt. Wer R.E.M. wegen "Losing my religion", "The One I love" und "Everybody hurts" mag, wird hier erstmal enttäuscht: Die Hits der 90er Jahre werden von der Band bei diesem Konzertmitschnitt relativ konsequent ignoriert.

Der Live-Mitschnitt auf diesem Album ist keine klassische R.E.M.-Show, sondern in fast gemütlicher Club-Atmosphäre entstanden. Sänger Michael Stipe spricht in einer seiner Ansagen augenzwinkernd von einer "öffentlichen Probe": Als die Aufnahmen entstanden, liefen grade die Arbeiten an "Accelerate" - einer schnellen, für die späte Phase der Band rauhen und rockigen Platte. Diese damals noch unveröffentlichten Songs spielen R.E.M. hier live (zum Teil in frühen Versionen, mit anderem Songtitel). Und sie toben nach Herzenslust in ihrer eigenen Geschichte herum und liefern einen Haufen alter Songs.

Ganz alte und (damals) ganz neue Songs - das hört sich nach einem kruden Mix an, passt aber hervorragend. Beim Hören fügen sich die "Accelerate"-Titel wunderbar in die Stücke von "Murmur" etc ein - und das zeigt mir, wie sehr "Accelerate" in der Gesamt-Schau der Bandhistorie vielleicht unterschätzt wird. Da sind zwar keine Hits oder Pop-Songs drauf, aber die Band hat mit diesem (ihrem vorletzten) Album offensichtlich ein Stück weit zu ihren Anfängen zurück gefunden. Das ist mir eigentlich erst beim Hören dieses Live-Mitschnitts so richtig klar geworden. Die alten und die neuen Songs bilden quasi eine Klammer um die gesamte Karriere - die Pop-Songs aus den 90ern würden dazu wohl gar nicht passen, dementsprechend vermisse ich sie beim Hören gar nicht allzu sehr.

Stattdessen höre ich eine wahnsinnig gute Indie-/Alternative-/College-/Rockband in großartiger Spiellaune und den Beweis, das R.E.M. immer auch eine fantastische Live-Band waren. Ein stimmiges Konzert. Wer eine Live-Version in "Best of"- oder "Greatest Hits"-Form sucht, ist mit dem etwas früher erschienenen "R.E.M. live" sicher besser bedient. Aber wer neugierig ist, R.E.M. an ihren Wurzeln zu entdecken: Kaufen!


Automatic for the People
Automatic for the People
Preis: EUR 5,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Höhepunkt in 30 Jahren Bandgeschichte, 19. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Automatic for the People (Audio CD)
Vorweg: Ich bin voreingenommen. Und das aus zwei Gründen. Zum einen bin ich immer noch leicht wehmütig nach dem Abschied von R.E.M.. Und zum Anderen verfolgt mich dieses Album schon mein halbes Leben. Sie war eine der ersten CD's die ich hatte, und ich höre sie bis heute regelmäßig von Anfang bis Ende, gerade an kalten Herbstabenden. Kritik daran dulde ich also nicht :) Für mich ist die Platte, noch vor "New Adventures in HiFi", das stärkste Werk von R.E.M. und definitiv eines der fünf besten Alben der Neunziger.

Jeder einzelne Song ist für sich genommen stark, die besondere Größe entwickelt das Album aber durch seinen Rhythmus, durch die Abfolge der Songs - quasi als Gesamtkunstwerk. In Fan-Kreisen wird immer mal wieder diskutiert, ob es das etwas sperrige "Ignoreland" wirklich gebraucht hätte. Ich denke: Ja. Der Song ist ein Widerhaken im letzten Drittel, ohne den es dann doch etwas zu eintönig geworden wäre.
So aber gelingt dieser wunderbare, großartige Rhythmus aus düsteren, melancholischen und zwischendurch dann mal vereinzelt ausgelassenen Momenten. Das geht mit dem fast bedrohlichen und intensiven "Drive" los. Dann kommt das zarte (und textlich ergreifende) "Try not to breathe". "The sidewinder sleeps tonight" ist dann fröhlich-ausgelassen-poppig und lässt als Kontrast damit die Hymmne "Everybody hurts" umso mehr rausstechen. In diesem Wechsel geht es dann weiter bis zum Über-Hit "Man on the moon".

Und dann kommt zum Schluss das beste: Ich weiß nicht, wie viele Bands davon träumen, als Closer für ein Album den perfekten, ruhigen, melancholischen Rausschmeißer zu komponieren, der einen stimmungsvoll "in die Nacht" entlässt. R.E.M. haben hier auf jeden Fall diesen Song geschaffen: "Nightswimmung". Wunderbare Harmonien, eine ganz schlichte Klavieruntermalung und dazu der Text über vergangene Zeiten: Nachts nach zwei Flaschen Wein mit Freunden im See baden gehen. Und nachdem Stipe, Mills, Buck und Berry schonmal einen perfekten Song hingelegt haben, kommt einfach ein noch besserer direkt danach: "Find the river". Den beschreib ich jetzt gar nicht näher, sondern weise nur auf den unfassbar schönen Harmoniegesang von Mills und Berry hin, die perfekt auf Stipe abgestimmt sind und den Song damit erst so wunderschön machen. Ich weiß noch dass ich nach dem ersten Hören einfach still sitzen geblieben bin, um die Atmosphäre nicht kaputt zu machen. Echt groß!

Das gilt auch für das ganze Album. Wer das nicht hat, darf seine Plattensammlung nicht "Plattensammlung" nennen. Es hat nämlich den Ruf von R.E.M. geprägt wie kein anderes.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 21, 2013 7:28 PM CET


Opium fürs Volk
Opium fürs Volk
Preis: EUR 5,99

27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das beste hosen-album - echt jetzt!, 16. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Opium fürs Volk (Audio CD)
über jedes album der toten hosen wird hier ja heiß diskutiert - bei jeder platte findet sich jemand, der sagt: "Das ist DIE Hosen-scheibe", und dadrunter steht:"rummst nicht richtig, nicht mehr punk, platt, ausgelutscht...". und über einige dieser alben kann man weiß gott diskutieren (Unsterblich, Zurück zum Glück, Damenwahl). Aber bitteschön: Nicht über diese hier!

"Opium" ist die erste "Eigenproduktion" ohne große Plattenfirma im Hintergrund. und das merkt man zum beispiel an solch sperrigen, unbequemen stücken wie "Ewigkeit", "Fliege" oder "XTC", die man so auf früheren Werken nicht fand, die sich aber nach mehrmaligem hören zu starken songs entwickeln. Der Spannungsbogen zwischen knallenden Brettern, die nach vorne und ins ohr gehen ("Mensch", "Paradies) und ruhigerenn stücken wie "Lügen" oder "Froschkönig" ist perfekt. Gerade diese Liebeslieder gleiten nicht in kitschige Klischees ab, sondern gehen gerade wegen ihrer unterschwelligen textlichen und musikalischen Aggressivität unter die Haut. Textlich gibt es viel Hintergründiges, Nacdenkliches und kritisches - es geht um den menschen und seine Abgründe und die Institutionen die ihn beeinflussen (Kirche!).

Die Single-Auskopplungen wie "Ewigkeit", "Paradies" oder "Bonnie & Clyde" dürfte jeder kennen - und die zehn kleinen Jägermeister hat sicher fast jeder mal betrunken mitgegröhlt. RIchtig stark und interessant sind auf "Opium" aber andere SongsŽwie "Seelentherapie", "Mensch", "Lügen" und vor allem "Böser Wolf": Ein Kinder-Glockenspiel leitet in die Beschreibung eines kleinen Mädchens, von dem man erst nach und nach merkt dass es missbraucht worden ist. Beklemmend, verstörend, stark. Und das Gitarrensolo ist dazu nur das i-Tüpfelchen.

Wer also die toten Hosen auf dem Höhepunkt ihres Schaffens hören will, sollte diese CD haben. Besser waren sie meiner meinung nach vorher nie, und kamen danach nur mit "Auswärtsspiel" nochmal in ähnliche Form. Höhepunkte gibt es viele, Ausreißer nach unten fast gar nicht - "er denkt, sie denkt" und "und so weiter" sind zwar etwas schwächer als der rest des albums, aber immer noch gut genug.


9
9
Preis: EUR 11,78

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen gehört und für gut befunden - für sehr gut sogar, 27. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: 9 (Audio CD)
"O" hieß der Erstling von Damien Rice - und der war ein Kracher. Okay, "Kracher" nicht im eigentlichen Sinne, denn laut wurde es bei Rice eher selten. Aber für ein Debüt brachte "O" eine solche Tiefe, so unglaublich nah gehende, zarte Melodien und brüchigen Gesang (nur spärlich mit instrumenten hinterlegt), dass es einen umgehauen hat. Schnell war aus dem Iren mehr als ein Geheimtipp geworden.

Nun der Nachfolger. Und schon beim ersten Reinhören fällt auf: "9" kommt an seinen Vorgänger zumindest verdammt nah ran. Vor allem die erste Hälfte des Albums ist Weltklasse, das piano-untermalte "9 crimes" mit Lisa Hannigan als zweiter Stimme ist ein Opener der einen schon beim ersten Mal packt - Rice' Stücke erschließen sich sonst meist erst nach mehrmaligen Hören so richtig. Auch die folgenden Songs beginnen ruhig und oft auf ähnliche weise , mal mit klavier-, mal mit akustischer Gitarre und dem so nahe gehenden gesang, der immer wirkt, als ob er gleich wegbrechen würde.

aber rice schafft es immer wieder, seinen songs überraschende wendungen zu geben - mal setzt ganz spät und nicht mehr erwartet doch noch das schlageug ein, mal kommt sogar die e-gitarre mitsamt verzerrer zum einsatz (in "Rootless Tree" schreit einem gar ein wütendes "F*** you!" entgegen - und: das wirkt dann sogar glaubhaft). Vor allem "Elephant" ist ein absoluter Hammer - vielleicht der beste song des ganzen albums mit einem Spannungsbogen wie bei einer Oper.

Und neben der tiefen traurigkeit, die seine Stücke sonst untermalt, kommt im neuen album stellenweise eine kaum erwartete Leichtigkeit zum Vorschein ("Coconut skins" klingt fast ein wenig nach Jack Johnson). Deutlich abwechslungsreicher klingt das Album dadurch als "O" - auch wenn die künstlerischen Stärken von Damien Rice immer seine ruhigen, verzweifelten Momente bleiben werden.

Insgesamt ein unglaublich starkes Album - wem das nicht unter die haut geht, ist techno-fan und damit dieser cd sowieso nicht würdig. reifer als die erste platte, aber mit kleinen schwächen in der zweiten hälfte ("Me, my yoke and I") - deshalb "nur" vier Sterne.


X & Y
X & Y
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Preis: EUR 6,03

53 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht mehr so zerbrechlich, aber immer noch stark, 6. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: X & Y (Audio CD)
Nun ist er also endlich da - der neue Silberling von Coldplay; das dritte Album der Band, die nach ihren Vorgängerplatten „Parachutes" und „A rush of blood to the head" zu nichts anderem als den Heilsbringern des traurig-fröhlichen, depressiv-euphorischen Gefühlsschwankungs-Pop hochstilisiert worden war - wahrlich eine schwere Bürde.
Und man hört schon die Stimmen, die sich gelangweilt abwenden: Coldplay würden ja doch nur den selben Song immer wieder neu variieren, keine Entwicklung erkennbar, und überhaupt: Viel zu „mainstream", das alles. Ja-ja! Stimmt aber alles irgendwie nicht.
Nur weil einem einige Sachen bekannt vorkommen, ist noch lange kein langweiliger Einheitsbrei entstanden: Die Band hat einfach ihren ganz persönlichen Sound gefunden und geprägt, stagniert dabei aber keineswegs. Und so kommt „x&y" (so heißt die Scheibe nämlich) anders daher als die Vorgänger. Deutlich breitwandiger ist der Sound geraten, die Kollegen Berryman, Buckland und Champion emanzipieren sich immer mehr von ihrem bislang alles überstrahlenden Frontmann Chris Martin (ein Trend, der sich übrigens auf „A rush..." schon abzeichnete). Fast scheint es, als würden sie erst jetzt begreifen, dass auch sie mit ihren Instrumenten wirklich umgehen können. Und wer diese Entwicklung nicht hört, muss - mit Verlaub - taub sein. Weil die Songs dadurch um einiges kräftiger nach vorne gehen, fehlen sucht man auf „x&y" vergebens nach zerbrechlich-schönen Perlen wie „Trouble", „Green eyes" oder „The scientist". Die neuen Stücke klingen deutlich mutiger, fröhlicher, positiver und, ja, wohl auch etwas pop-lastiger. Aber keine Angst: Auch wenn sie nicht mehr so im Zentrum steht, ist Chris Martins Stimme weiterhin Grund genug für einen „Blindkauf" (und live übrigens immer ein Gänsehauterlebnis).
Und weiterhin schütteln Coldplay auf einem Album mehr schöne, verträumte Melodien aus dem Ärmel als andere „Weltstars" in einer ganzen Karriere. Neben mehreren eher schnelleren Nummern („Speed of sound", „Square One", „x&y") begeistern vor allem die Balladen: „What if", „A message" und der Bonus-Track sind zum Träumen schön. Herausragend: Mit „Fix you" ist vielleicht eines der rührendsten Liebeslieder überhaupt entstanden - Gänsehaut garantiert! Ausreißer nach unten gibt es im Grunde nicht.
Alles in allem entwickeln sich Coldplay auf einem soliden Weg weiter. Trotz der extrem hohen Vorerwartungen haben die vier Briten mit Sicherheit eine der stärksten Platten des Jahres eingespielt. Unbedingt kaufen!!!


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