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Rezensionen verfasst von
Paul Darkness - sounds2move.de

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Siren Charms
Siren Charms
Preis: EUR 15,99

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4.0 von 5 Sternen Liebe auf den zweiten Blick, 10. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Siren Charms (Audio CD)
Beim ersten Reinhören ist das neue In Flames Album eines nicht: aufregend. Vieles fliegt vorbei, wirkt emotionslos, man möchte gar gleichförmig sagen. Doch dann kommt den Schweden jemand zu Hilfe, nämlich Gevatter Zeit, und wer den hinter sich hat und "Siren Charms" mehr als eine Chance gibt, wird von Mal zu Mal mehr mitgerissen.

Es dauert also ein bisschen, bis man mit der neuen Ware der Göteborger warm wird, was ja grundsätzlich nichts Schlechtes sein muss. Dass man mit einer gewissen Skepsis an die Sache herangeht, daran ist die Band selbst allerdings nicht ganz unschuldig. Als Vorgeschmack wurde mit "Through Oblivion" nämlich u.a. eine Single serviert, die sich über weite Strecke durch zähes Mittelmaß quält, anstatt mal ordentlich auf die K**** zu hauen. Dass Anders Fridén dazu mit seinem teils etwas verschlafen wirkenden Gesang auch noch mehr betört als elektrisiert, macht sich ebenfalls bemerkbar. Auch für diesen Song gilt zwar, dass er mit der Zeit für mehr Begeisterung sorgen kann, hochgezogene Augenbrauen wird man dafür beim Ersthörer aber einige ernten. Schwamm drüber, denn die Ausrufezeichen auf "Siren Charms" setzen andere Songs. Da wäre das hymnisch-emotionale "With Eyes wide open", vor allem aber der Brecher "Rusted Nails". Hier ist endlich mal wieder richtig viel Dynamik, Feuer und Härte drin, dazu gibt es wohl dosiert den von vielen schmerzlich vermissten deftigen Gesang - geht doch! Qualitativ kann da auch "When the World explodes" mithalten, ein abwechslungsreicher Volltreffer, der gleichzeitig auch die größte Überraschung des Album ist. Den wohlig warmen Refrain darf mit der klassisch geschulten Sängerin Emilia Feldt nämlich erstmals seit "Dead End" von "Come Clarity" eine Gastsängerin intonieren - und das mit durchschlagendem Erfolg. So tritt "Siren Charms" erst mit ein paar Schritten Anlauf so richtig A****, kann dann aber immer mehr verzücken und den Vorgänger "Sounds of a Playground fading" locker und lässig in den Schatten stellen. Mit der Hitdichte eines "Come Clarity" kann man zwar leider nicht mithalten, außerdem war man 2006 zumindest noch mit einem Bein im Melodic Death Metal gestanden, aber dafür ist das elfte In Flames Langeisen ein sehr gutes Modern Metal-Scheibchen mit der einen oder anderen geilen Hookline und einer standesgemäß weit überdurchschnittlichen Gesamtqualität. Da steigt die Vorfreude auf die anstehende Tour im Herbst.


The Re-Arrival
The Re-Arrival
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Kreuzzug durch die Karriere einer mutigen und herausragenden Band, 25. August 2014
Rezension bezieht sich auf: The Re-Arrival (Audio CD)
Für Deadlock ist "The Re-Arrival" gleich in doppelter Hinsicht eine Reise in die Vergangenheit. Zum einen veröffentlichen die Melodic Deather dieses Album nicht über ihr aktuelles Label Napalm, sondern über deren Vorgänger Lifeforce. Zum anderen finden sich auf dem Longplayer überwiegend Songs, die bereits bekannt sind von den bisherigen Veröffentlichungen der Band, diesmal jedoch in neu eingespielten Versionen zu hören sind.

Was also veranlasst eine Band dazu der eigenen Vergangenheit eine Frischzellenkur zu verpassen? Da wäre zum einen natürlich das betagtere, frühe Material, das aus heutiger Sicht - besonders angesichts der fetten und zugleich lebendigen Produktionen, für die man mittlerweile bekannt ist - für manchen Fan, vielleicht auch für die Band selbst, ein wenig angestaubt klingt. So könnte es sich beispielsweise bei "With a Smile on my Face" verhalten, das auf dem Debüt "The Arrival" zu finden war und da noch ziemlich roh und rumpelig klingt. Ein fettes Facelifting haben Deadlock auch "Awakened by Sirens" (von "Earth.Revolt" 2005) verpasst, das jetzt symphonischer und vielschichtiger klingt. Doch mitnichten hat man sich auf dieser Doppel-CD nur mit ollen Kamellen beschäftigt, im Gegenteil hat man sich sogar die jüngere Bandvergangenheit noch einmal vorgenommen und sogar Material von "Bizarro World" (2011) auf den Prüfstand gestellt. Wenig verwunderlich ist, dass sich die Unterschiede zu den Versionen von besagtem Album im relativ überschaubaren Rahmen bewegen, hier ging es vermutlich in erster Linie darum die Songs mit dem nicht mehr ganz so neuen Sänger John Gahlert am Mikrofon zu präsentieren. Bei "Htrae" vom gleichen Album habe ich das Gefühl, dass man vor allem den Mix noch einmal unter die Lupe genommen hat, sodass der Gesang von Sabine Scherer nun mehr Raum zum atmen hat und nicht mehr so von der Soundwand überfahren wird, wie bei der bisherigen Version. Aufgeräumter und noch mal kraftvoller kommen aber auch andere Songs rüber, etwa das famose "Dark Cell" vom Druchbruchsalbum "Wolves" (2007). "Code of Honor" vom gleichen Longplayer wird auf "The Re-Arrival" in einer mächtigen Version mit Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn) als Gast in die Auslage gelegt, wohingegen man bei der Pianoballade "To where the Skies are blue" das Gefühl hat die Neuerungen mit der Lupe suchen zu müssen. Mit hadern sollte man sich allerdings nicht zu lange aufhalten, schließlich veredeln die Melodic Deather diese Werkschau mit drei brandneuen Songs, auf denen auch schon der neue Drummer Werner Riedl zu hören ist. Wer das Video zum furiosen Brecher "An Ocean's Monument" gesehen hat, wird bestätigen, dass man sich um die Zukunft der Band auch nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied und Sympatikus Tobi Graf keine Sorgen machen muss. Stattdessen kann man sich getrost zurücklehnen und diese Rückschau mit kleinen Ausblicken auf die Zukunft einfach genießen. Was über Jahre nachweislich so gut war, kann ich Zukunft nicht schlecht werden.


Left in the Dark
Left in the Dark
Preis: EUR 8,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tiefer Einblick statt Resteverwertung, 25. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Left in the Dark (Audio CD)
Tarja Turunen bleibt produktiv: Nach der Live CD/DVD "Beauty and the Beat", die sich vor allem der "klassischen Tarja" verschrieben hatte, gibt es jetzt wieder Futter für das Rock-Publikum der Finnin. "Left in the Dark" ist eine Sammlung von Raritäten und Überbleibseln rund um das letzte Langeisen "Colours in the Dark". Besucher der Frühjahrstour kamen bereits damals in den Genuss dieses Materials, denn wer eine Karte für eines der Konzerte erwarb, bekam diese CD vorab und exklusiv als Gastgeschenk überreicht.

Nun wird "Left in the Dark" also für jedermann zugänglich gemacht und lässt gleichzeitig einen Blick auf die Entstehung des letzten Album zu. Das beginnt direkt mit dem ersten Track, der Demoversion von "Victim of Ritual", die zwar noch nicht über die Bandbreite und Wucht der finalen Version verfügt, aber schon andeutet, dass man es hier mit einem potentiellen Hit zu tun hat. Dem Demo von "Lucid Dreamer" hingegen fehlt nicht nur der dicke Bombast, sondern vor allem der klangcollagenartige Mittelteil, wodurch diese Frühversion auf immerhin zwei Minuten weniger Spielzeit kommt. Je nach Vorliebe könnte man gar so weit gehen, dass das Demo schneller auf den Punkt kommt und der später hinzugefügte Mittelteil gar verzichtbar ist. Interessant ist auch der "Zwischenentwurf" von "Never Enough", der das Stück von einer etwas anderen Seite zeigt. Wo auf dem Studioalbum noch fette Gitarrenwände aufgefahren werden und großes Drama mit hohem Metalfaktor und viel Distortion heraufbeschworen wird, legt die "Progression"-Version den Schwerpunkt deutlich mehr auf das Piano und präsentiert sich als schmeichelnde Halbballade mit Radio-Potential. "Mystique Voyage" ist in der hier präsentierten Frühform schon sehr nah am späteren Albumtrack, sogar Tarjas Backing-Chöre sind bereits zu hören. Was hingegen komplett fehlt, ist der eigentliche Text und damit auch die Gesangslinien, was den Song zu einem (trotzdem hörenswerten) Quasi-Instrumental macht und damit auf eine Stufe mit "Deliverance" stellt, das hier schon den fetten, cineastischen Sound, aber ebenfalls noch keinen Gesang mitbringt. Für die amtliche Gänsehaut zwischendurch wurden dann noch zwei Akustikversionen ("Until Silence" und "500 Letters") auf "Left in the Dark" geparkt, dazu eine komplett von Tarja gesungene Version von "Medusa", das auf "Colours in the Dark" als Duett mit Justin Furstenfeld (Blue October) zu finden ist. Wie schon bei "Lucid Dreamer" gilt auch hier: Welche Version besser ist, entscheidet einzig und allein der persönliche Geschmack. All diese alternativen Versionen und Einblicke in die Entwicklung der Stücke machen diese Song-Sammlung vor allem für Fans ziemlich interessant, die so die Gelegenheit bekommen das aktuelle Studioalbum Tarjas aus dem einen oder anderen frischen Blickwinkel zu betrachten. Ähnlich geartete Alben haben wir definitiv schon weitaus schlechter und liebloser gesehen. Es bleibt also bei der Bombast-Rock-Binsenweisheit: Wo Tarja Turunen drauf steht, ist auch Qualität drin.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 7, 2014 7:49 PM MEST


Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)
Sunset on the Golden Age (Limited Mediabook)
Preis: EUR 16,42

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Frischer Wind in den Segeln, alte Stärken an Deck (und sogar die eine oder andere nicht für möglich gehaltene Überraschung), 25. August 2014
Würden sie den Titel des Openers ihres vierten Album wörtlich nehmen, müssten Alestom über die Planke gehen. Jedoch ist das Gegenteil der Fall, denn nachdem die Band kurz davor stand, an der eigenen Schlagzahl (Tour-Album-Tour) zu Grunde zu gehen, hat man sich eine Auszeit gegönnt. Frontmann Chris Bowes hat sich bei den Symphonic Metallern Gloryhammer den Kopf frei gerockt, sodass man jetzt mit "Sunset on the Golden Age" wieder in die Vollen gehen kann. Angesichts der Stimmungsfähigkeiten der Schotten könnte die Zukunft in der Tat rosig aussehen, zumindest wenn die Qualität der neuen Songs stimmt.

Was das angeht haben Alestorm wie immer alle Trümpfe in der Hand. Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein, und so landet "Walk the Plank" mit Keyboardteppich, Mitgröhl-Refrain, gefälligem Gitarrensolo und rauem Charme direkt den ersten Volltreffer. Noch ohrwurmiger wird es beim Stimmungskracher "Drink", der auf dem Fuße folgt. Dass nur von Keyboard-Fanfare und galoppierenden Drums begleitete Strophen absolut funktionieren können, haben die Kollegen Sabaton schon oft genug unter Beweis gestellt. Also tun es Alestorm ihnen gleich, präsentieren statt Kriegsgeschichten einen herrlich selbstironischen Schenkelklopfer-Text über rumdurstige Piraten, dessen Chorus unbestritten für vollen Ausschlag auf der Party-Skala sorgt. Meinen Kritikpunkt am Vorgänger "Back through Time" muss ich diesmal dann wohl auch zumindest teilweise revidieren, denn mit der süffigen Coverversion "Hangover" (Taio Cruz' Dance-Hit mit leicht verändertem Text) ist den Schotten tatsächlich eine Überraschung gelungen, die so wohl kaum jemand erwartet hätte. Von einem anderen Problem konnte man sich hingegen nicht komplett befreien, was allerdings weniger an einem fehlenden Händchen für Hits liegt, sondern vielmehr ein generelles Phänomen aller Partybands in der Schnittmenge aus Power und Folk Metal ist. So haben Alestorm zwar im Grunde alle Stücke mit einer gefälligen Melodie ausgestattet ("Magnetic North"), bei dem ganzen Schunkelpotential leidet jedoch zwischendurch schon mal die Aufmerksamkeit. Da ist es gut, wenn einen "Quest Squid Warfare" mit derben Blastbeats und Grind-mäßigem Gegrunze zwischendurch wach rüttelt, oder aber der regelrecht hysterisch vorgetragene Highspeed-Mosher "Wooden Leg!" die Gehörgänge frei pustet. So ist man als Hörer wieder voll bei der Sache, wenn uns Alestorm zu guter Letzt den elfeinhalbminütigen (!) Titeltrack präsentieren, ein Power Metal-Mammut epischen Ausmaßes mit heroischer Schlagseite, das man kaum in nur einem einzigen Durchgang zu fassen bekommt. Die - wenn auch relativ kurze - Pause hat den fünf Party-Piraten jedenfalls merklich gut getan und belohnt Fans und Musiker mit dem vielleicht besten Werk des bisherigen Schaffens. Wer zum Mediabook von "Sunset on the Golden Age" greift, kann überdies eine weitere, komplett neue Seite seiner Lieblinge kennen lernen, nämlich auf der "Rumplugged" betitelten Bonus-CD, welche die Briten erstmals von ihrer rein akustischen Seite präsentiert. Von wegen "keine Überraschungen".


Back to the Front (Limited Edition)
Back to the Front (Limited Edition)
Preis: EUR 18,45

3.0 von 5 Sternen Solide zweite Reihe statt vorderste Front, 25. August 2014
Ein wenig unübersichtlich ist die Sache auf den ersten Blick schon, aber es gibt durchaus Gründe dafür, dass "Back to the Front" nicht unter dem Banner von Entombed erscheint, sondern ein "A.D." angehängt ist. Nachdem dieses Album im vergangenen Jahr erst angekündigt wurde, Gitarrist Alex Hellid die Band dann aber wenige Monate vor VÖ verließ, entschiedenen sich LG Petrov (Vocals), Olle Dahlstedt (Drums), Nico Elgstrand (Gitarre) und Victor Brandt (Bass) dazu allein weiterzumachen, verschoben die Platte allerdings erst einmal. Das Problem: Der Bandname Entombed gehört rein rechtlich zu gleichen Teilen vier Musikern, von denen zwei schon länger nicht mehr in der Band aktiv sind und die beiden verbliebenen "Besitzer" waren Sänger Petrov und - Überraschung - besagter Aussteiger Alex Hellid. Eine klassische Pattsituation also, die aus "Entombed LG" nun also Entombed A.D. macht.

So weit, so unbedeutend für die Musik. Die wiederum ist nun folglich schon ein Jahr alt, wenn man es genau nimmt, wobei solche Angaben natürlich relativ sind, wenn man die grundsätzlich old-schoolige Ausrichtung der Schweden betrachtet. Trotzdem wird man nicht gerade glücklich damit sein in dieser "Queensryche-Situation" zu stecken (die übrigens Labelmates von Entombed A.D. sind) und sich erst nach diversen Namensstreitigkeiten mit diesem Album zurückmelden zu können. Zumindest aber trifft der Albumtitel den Nagel jetzt noch ein bisschen mehr auf den Kopf. Zurück an die Front will man also, dorthin wo eine einflussreiche Band wie Entombed auch hin gehört. Was Frontmann LG Petrov betrifft, so gehört der Schwede nach wie vor zum Besten, was das Genre zu bieten hat und das zeigt er auch auf den elf neuen Songs. Der Mann ist nach wie vor gut in Form, spuckt Gift und Galle wie ein junger Gott und ist so maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass Entombed auch in der A.D.-Version weit vorne mit dabei sind im Death Metal. Freunde der alten skandinavischen Schule werden auch am Songwriting gefallen finden, das mal rau, spröde und puristisch ausfällt ("Bedlam Attack"), an anderer Stelle wiederum Härte auch mal durch Langsamkeit definiert ("Eternal Woe") und den schleppenden Koloss gibt. Hin und wieder wirken Entombed A.D. aber auch ein bisschen aus der Zeit gefallen, was den Fans einerseits recht ist, bei neutralen Beobachtern aber den Eindruck erwecken kann es würde der Band bisweilen an der nötigen Frische fehlen. Diesen Leuten kann man irgendwie auch nicht böse sein, denn so verheißungsvoll der Auftakt mit "Kill to live" (stimmungsvoll, relativ melodisch) auch ist: Die ultimative Death-Platte des Jahres werden 2014 wohl andere abliefern. "Back to the Front" grüßt trotz bisweilen sehr ordentlicher Gitarrenarbeit ("Second to none") und thrashigem Einschlag dann wohl eher aus der zweiten Reihe. Entombed A.D. sollten es verschmerzen können und werden in erster Linie froh sein, die Platte endlich in die Läden gebracht zu haben. Eine Band mit diesem Status muss aber ohnehin niemandem mehr etwas beweisen.


Savn
Savn
Preis: EUR 17,98

5.0 von 5 Sternen Rückkehr zu Hochzeiten des norwegischen Gothic Metal, 17. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Savn (Audio CD)
The Sins of Thy Beloved sind eine Gothic Metal Legende. Um die Jahrtausendwende veröffentlichten die Norweger mit „Lake of Sorrow“ und „Perpetual Desolation“ zwei absolute Meisterstücke des Genres. Danach herrschte Sendepause. Zwar geisterten immer wieder Gerüchte über neue Besetzungen und Aktivitäten durchs Internet, aber etwas Hörbares kam dabei nie heraus. Mit den Gerüchten dürfte nun Schluss sein. Die schlechte Nachricht zuerst: TSOTB sind wohl endgültig Geschichte. Die positive: Mit Stig Johansen und Anders Thue sind jetzt zwei ehemalige Streiter mit der neuen Band Savn am Start. Mit Carmen Elise Espenæs konnte man eine Sängerin gewinnen, die sich mit Midnattsol bereits ebenfalls einige Meriten verdient hat und die zudem bekanntermaßen die kleine Schwester von Liv Kristine ist. Letztere kann man wegen ihrer Verdienste mit Theatre of Tragedy mit allem Respekt getrost als Mutter des Gothic Metals bezeichnen. Folgerichtig darf sie auf dem selbst betitelten Savn-Debüt auch ein Duett mit ihrer Schwester singen.

Was soll man nun von „Savn“ erwarten? Dass man nach fast 15 Jahren Abstinenz den nach dem Ableben von TOT (in diesem Fall nicht nur Theatre of Tragedy, sondern auch Trail of Tears) und den musikalischen Irrfahrten von Tristania und Sirenia verwaisten Gothic Metal Thron sofort wieder besteigt als wäre nichts gewesen? Diese Erwartungshaltung wäre wohl etwas zu hoch gegriffen. Dennoch bietet „Savn“ für alle Anhänger des traditionellen norwegischen Gothic Metals eine schöne Zeitreise in die goldenen (oder besser schwarzen) 90er Jahre. Die Handschrift von TSOTB ist klar zu erkennen: düstermetallische Dramatik, Geige, Klavier, eine weibliche Ausnahmestimme, und die (allerdings etwas zu kurz kommenden) Growls dürfen ebenfalls nicht fehlen. Natürlich gibt es auch ein paar neue Einflüsse. So wird die Geige nicht nur klassisch, sondern auch folkig (etwa im Opener „Musical Silence“ eingesetzt. Und auch das norwegisch vorgetragene „Lengselens Hånd“ trägt deutlich eine Handschrift, die ich eher Sängerin Carmen, die überdies alle Texte des Albums verfasst hat, zuschreiben würde. Wenn es denn Ansätze zur Kritik gibt, dann vielleicht die Tatsache, dass das ganze Album insgesamt etwas zu fröhlich klingt. Insbesondere wenn man das textliche Konzept bedenkt, das sich vor allem mit dem Thema Entbehrung (norwegisch „savn“) beschäftigt. Zudem sind die Stücke für diese Musikrichtung überraschend kurz (meist zwischen vier und fünf Minuten). Man versucht dann doch mehr mit Eingängigkeit als mit Epik zu punkten, was aber nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Allerdings ist die Platte mit gut 40 Minuten (durch zwei alternative Versionen kommt man dann auf 50 Minuten) doch recht kurz, was in diesem Genre wirklich untypisch ist. Dennoch sollte jeder Fan der „guten alten Zeit“ „Savn“ einmal antesten. Insbesondere bei den Songs, in denen auch Growls zum Einsatz kommen („I am free“ - zusätzlich noch mit Liv Kristine, „Now or never“ - hier grüßen die frühen Theatre of Tragedy ganz heftig - oder die alternativen Versionen von „Hang on“ und „The Demons in me“), entwickelt sich dieses typisch norwegische Gothic Metal Feeling, das (hoffentlich nicht nur) ich solange vermisst habe.


War Eternal (Limited Edition)
War Eternal (Limited Edition)

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neue Besen, alte Stärken, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: War Eternal (Limited Edition) (Audio CD)
Es war wohl eine der ersten größeren Bomben, die in der Metalszene in diesem Kalenderjahr platzten: Angela Gossow gibt das Mikrofon bei Arch Enemy ab. Für Fans und Beobachter kam dieser Schritt plötzlich und unerwartet, intern könnte sich die Sache hingegen unter Umständen schon etwas früher abgezeichnet haben - zumindest lassen gewisse Äußerungen seitens Bandchef Michael Amott in jüngsten Interviews diesen Schluss zu. Wie dem auch sei: Der König ist tot, lang lebe der König.

Oder besser gesagt die Königin. Während Angela Gossow, das viel beachtete und geschätzte deutsche Aushängeschild der schwedischen Melodic Deather, nun also seinen kompletten Fokus auf das Management der Band legt (dieses Amt hatte sie auch zur aktiven Zeit schon inne), hat man bereits vor Monaten Alissa White-Gluz bei ihrer ehemaligen Band The Agonist loseisen können, die so vollkommen unbemerkt "War Eternal" einsingen konnte. Dass die Meldung erst nach Fertigstellung die Runde machte ist gut, weil man so in Ruhe arbeiten konnte, lässt die Erwartungshaltung aber nicht weniger werden. Zudem ist gerade der Gesang eine sensible Position im Bandgefüge, eine Fehlbesetzung hier können sich nur sehr wenige Bands leisten, und noch weniger bekommen die Chance, einen Fehler auch wieder ausräumen zu können, bevor sie aus dem allgemeinen Bewusstsein verschwunden sind. Alles ungelegte Eier für Arch Enemy, denn den Wechsel am Gesang sollte man weniger als Umbruch, sondern vielmehr als Aufbruch in eine dritte Epoche der eigenen Geschichte sehen. Quasi die "Mark III"-Besetzung, nach der spröden Frühphase mit Johan Liiva, respektive dem großen Durchbruch und den erfolgreichen Jahren mit Frau Gossow. Die Neue ist nun gleichzeitig das Küken im Stall, mit Ende 20 aber trotzdem schon mit viel Bühnenerfahrung ausgestattet, vor allem aber mit stimmlichen Fähigkeiten gesegnet, die "War Eternal" sehr gut zu Gesicht stehen und all zu aufgewühlte Fans beruhigt in die Zukunft ihrer Lieblinge blicken lässt. Die Floskel von der Frischzellenkur, die nach solch einschneidenden Veränderungen gern bemüht wird, hat auch im Falle von Arch Enemy durchaus ihre Berechtigung, denn die Melodic Deather klingen auf ihrer neunten Platte frischer und fokussierter als zuletzt, es scheint als wollten es alle auf dieser Scheibe besonders gut machen. Genau das schaffen sie in der Tat auch, zum Glück ohne dabei gekünstelt oder gezwungen zu wirken. Stattdessen setzt es geile Hooks ("You will know my Name"), erhabene Riffs ("Avalanche") und famose Melodien ("War Eternal") im Überfluss, dazu einige schöne Keyboard-Teppiche, während das Artwork mit dem "Bloodbath"-Zaunpfahl winkt und man traditionell komplett auf jeden Klargesang verzichtet. Gesanglich tönt "War Eternal" selbstverständlich dennoch anders als der imposante Angela-Backkatalog: weniger kehlig, nicht ganz so old-schoolig, dafür deutlich moderner. Zehn Jahre Altersunterschied müssen schließlich irgendwo ihre Spuren hinterlassen. Hören lassen können sich beide Frontfrauen ohne jeden Zweifel, ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt außerdem, dass beide auch in Sachen Fanverehrung reichlich gesegnet sind. Eine Favoritin zu wählen ist wie so oft im Leben vor allem eines: Geschmackssache. Über "War Eternal" hingegen kann es nur eine Meinung geben: geiles Teil!


Beauty & the Beat
Beauty & the Beat
Preis: EUR 8,97

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tarja goes Classic - Rockfans ziehen einen Stern ab, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Beauty & the Beat (Audio CD)
Schubladenverweigerin Tarja Turunen hat wieder zugeschlagen. Diesmal handelt es sich um ein Projekt, das die stimmlich so gesegnete Wahl-Argentinierin mit ihrem langjährigen Weggefährten Mike Terrana auf die Beine gestellt hat, nämlich "The Beauty and the Beat". Nach dem Ausflug zur Weihnachtsmusik (Harus) jetzt also ein weiterer Rückgriff auf die klassischen Wurzeln der Sängerin.

Das "klassisch" darf dabei so ernst wie selten genommen werden, denn offiziell dient dieses Projekt zwar dazu die Klassik und den Rock zusammenzuführen, "Beauty and the Beat" bedient aber vor allem die Klassik-Klientel, die direkt mal die komplette erste CD und damit 13 von 21 Tracks stellt. Für den gemeinen Rocker ist die erste Scheibe damit im Grunde auch schon komplett gestorben, denn wer bisher nichts für Bach, Dvorak ("New World Symphony") oder Mozart ("Eine kleine Nachtmusik") übrig hatte, wird durch dieses Teil vermutlich nicht zum glühenden Fan mutieren. Daran ändern weder überaus bekannte Stücke wie die "Wilhelm Tell Overtüre" (Rossini) etwas, noch die Tatsache, dass Terrana hier und da eine schöne (teils aber deplatziert wirkende) Drum-Salve untermischt. Natürlich klingt das Orchester großartig, ebenso Tarja, aber als Rocker muss man das nicht gehört haben oder mögen. Da macht die zweite CD schon deutlich mehr Laune, die muss zwar ebenso ohne unseren guten alten Freund die Gitarre auskommen, allein schon die Songauswahl sorgt aber für eine willkommene Nähe zu Tarjas regulären Soloalben. So wird die eher unbekannte Queen-Nummer "You take my Breath away" in einer recht minimalistischen Version dargeboten, Led Zeppelin wird mit einem clever arrangierten Medley gehuldigt und sogar Tarjas ehemalige Band Nightwish ist mit "Swanheart" vertreten. So richtig geht dem Fan das Herz aber vor allem dann auf, wenn neben dem Holopainen-Schmuckstück noch "The Reign" und die Hitsingle "I walk alone" mit der vollen Orchestrierung für Gänsehaut sorgen. Das Highlight auf "Beauty and the Beat" ist für mich trotzdem ein anderer Song, nämlich die unglaublich gute, dramatische Version von "Into the Sun", die auf fast sieben Minuten kommt.

Die Frage, ob diese Doppel-CD ihre Käufer finden wird oder nicht, ist mühselig zu diskutieren. Zugute kommt dem Duo sicherlich, dass Tarja seit jeher eine Crossover-Künstlerin ist, also eine, die in mehreren Genres zu Hause ist. Auch die weltweite Fanbase ist sicherlich kein Nachteil. Ob man dieses Teil nun aber wirklich braucht, steht auf einem anderen Blatt. Wer neugierig auf die klassische Tarja ist oder einfach mal seinen Horizont erweitern möchte, bekommt den Einstieg hier leicht gemacht und wird von der Finnin gewissermaßen an die Hand genommen. Wer nur die Orchesterversionen der Rocksongs haben möchte, fährt hingegen mit Einzeldownloads deutlich besser. Dieses 2013 aufgezeichnete Konzert erscheint parallel übrigens auch auf DVD und Blu-ray. Hier kann man den Vollprofis an Mikrofon, Sticks und natürlich im 50-köpfigen Orchester sogar noch auf die Finger schauen und das stimmungsvolle Ambiente genießen. Dass Mike Terrana einen Song des großen Frank Sinatra singen darf ("Fly me to the Moon"), ist zwar nett gemeint und gar nicht so übel umgesetzt, grenzt aber sowohl mit als auch ohne Bild an Majestätsbeleidigung.


Super Duper Alice Cooper
Super Duper Alice Cooper
DVD ~ Sam Dunn
Preis: EUR 17,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zäher Beginn,schönes Ende, nette Anekdoten, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Super Duper Alice Cooper (DVD)
Sam Dunn und Scot McFadyen sind seit ihrer viel beachteten und interessanten Metal-Doku "Metal - A Headbanger's Journey" (2006) ziemlich gut im Geschäft. Das Talent des Duos hat sich herum gesprochen, was unter anderem Ikonen wie Iron Maiden oder Rush dazu veranlasste, jeweils ein Bandportrait in die kompetenten Hände des Duos zu geben. Nun reiht sich auch Vincent Furnier alias Alice Cooper in diesen Reigen ein, dem mit "Super Duper Alice Cooper" nun in Bild und Ton gehuldigt wird.

Wobei man von einer reinen Huldigung gar nicht sprechen kann. Klar soll und wird auch die außergewöhnliche Karriere des Pastorensohns aufgezeigt, wir sind hier schließlich nicht bei "Roast", wo die Stars teils ziemlich derbe ihr Fett weg kriegen. Trotzdem werden etwa die starken Alkoholprobleme Coopers thematisiert, der spätestens mit dem Erfolg von "School's out" nicht mehr wusste wo ihm der Kopf steht, schließlich war er gerade zum Superstar aufgestiegen. "Ich habe mich damals in der Figur Alice Cooper verloren", berichtet der Sänger rückblickend als Stimme aus dem Off. "Warum Vince sein, wenn Alice so beliebt und erfolgreich ist?" Ja, Alice Cooper spricht (wie z.B. auch Lothar Matthäus es jahrelang gern getan hat) von sich bzw. seinem Bühnen-Alterego meist in der dritten Person. Schizophrenie? Mindestens. Noch dazu eine, die sich mit zunehmendem Erfolg weiter potenzierte. In diesem Zusammenhang fällt ein schöner Satz rund um den Überraschungserfolg der ersten Hitsingle "Eighteen", der die Sache wie den Nagel auf den Kopf trifft: "Giving Alice Cooper a hit-single is like letting the lunatics run the asylum", zu deutsch "Alice Cooper einen Hit zu geben ist als würde man die Irren das Kommando im Irrenhaus übernehmen lassen". Und das bringt es in der Tat auf den Punkt, was Vince Furnier selbst schmerzhaft erfahren muss, denn nach "School's out" verlor er sich erst im Teufel Alkohol, nur um wenig später auf Kokain umzusteigen, was neben seinem Gesundheitszustand auch seine Ehe in den Abgrund stieß. Mittlerweile sind Cooper und Sheryl Goddard übrigens wieder zusammen und wieder glücklich verheiratet. Genau an dem Punkt, als unser Protagonist seine Sucht überwunden, seine Karriere wieder zum Laufen und seine Beziehung zu Frau und Tochter wieder aufgebaut hatte, endet "Super Duper Alice Cooper". Auf einem Höhepunkt also, den stellvertretend ein ausverkauftes Konzert in der legendären Hollywood Bowl von Los Angeles symbolisiert. Ein Siegeszug sondergleichen, der nicht nur den im Publikum befindlichen Elton John in Verzückung versetzt ("die perfekte Show"), sondern auch die Abertausend Fans, für die es Cooper extra Damenschlüpfer aus über der Location fliegenden Helikoptern regnen lässt. Gewissermaßen übrigens ein Querverweis auf die "School's out" LP, die der Vater aller Schockrocker seinerzeit ebenfalls in Unterbuchsen stecken ließ, um die prüden Eltern seiner jugendlichen Fans zur Weißglut zu treiben. Doch das ist nur eine von vielen kleinen Anekdoten auf "Super Duper Alice Cooper", andere handeln davon wie man mit Frank Zappa und dessen Label zusammenkommt, wie Alice die 60er-Ikonen Jimmy Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison völlig zugedröhnt in einem Hotelzimmer kennen lernt oder die Band bei einem Konzert "aus Versehen" ein Huhn tötet, was für Entsetzen und eisige Stille im Publikum bestehend aus 70.000 Kindern der Flower Power sorgt. Wieder andere Geschichten zeigen den harten Weg nach oben, etwa das grandiose Scheitern der Alice Cooper Band bei ihrem ersten Versuch, nach ihrem Abschied aus Phoenix in Los Angeles Fuß zu fassen. Desillusioniert zieht es die Truppe nach Detroit, wo der Stern des Gespanns, vor allem aber der ihres Frontmannes, einen rasanten Aufstieg erlebt. Gerade diese frühen Kapitel dieser Dokumentation sind leider etwas zäh und langatmig geraten und können mit dem Rest dieses Films nicht mithalten, der erst etwa zur Hälfte richtig Fahrt aufnimmt und dann auch endlich richtig gut unterhält. Eine neue Bestmarke haben Dunn/McFadyen mit "Super Duper Alice Cooper" so letztlich also nicht gesetzt, aber trotzdem einmal mehr einen Streifen abgeliefert, den der geschichtsbewusste Rocker gesehen haben sollte.


Freiheit (Digipak)
Freiheit (Digipak)
Wird angeboten von ProMedia GmbH
Preis: EUR 14,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf bald, Dornenreich, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Digipak) (Audio CD)
Die Freiheit nehm' ich mir. Die österreichischen Querdenker Dornenreich könnten sich das Motto mit einer bekannten Kreditkartenfirma teilen. Konventionen? Schon immer ein Fremdwort für das Trio, das mal Black Metal spielt, mal auf Akustikpfaden wandelt und ein anderes Mal ohne jeden Gewissensbiss einfach dem puren Avantgardismus frönt. Dürfen die das?

Ja, dürfen sie. Genau genommen kann sich kaum eine andere Anti-Mainstream Band so viel erlauben und dabei trotzdem so erfolgreich sein. Das Publikum zeigte sich fürwahr seit jeher gönnerhaft, wenn es um die Visionen von Eviga geht. Die künstlerische Freiheit, die er sich stets nahm, räumten ihm die Zuhörer gerne und großzügig ein, immer in der Gewissheit, dass der hagere Frontmann schon wisse was er da tut. Dem ist nun auch bei "Freiheit" so, dem - wie man verlauten lässt - bis auf weiteres letzten Dornenreich-Album. Hier und da wird man live spielen, besondere Anlässe und Gelegenheiten nicht an sich vorüber ziehen lassen. Neue Musik soll es hingegen vorerst nicht mehr geben. Eviga will erst herausfinden wo er steht und wo er noch hin will, als Persönlichkeit und als Künstler. Irgendwelche Zweifel, schon gar nicht am eigenen Schaffen, sind auf "Freiheit" dennoch nicht auszumachen. Dornenreich sind mit sich im Reinen, und das hört man auch. Niemandem will man etwas beweisen, es niemandem außer sich selbst recht machen. Trotzdem ist "Freiheit" hin und wieder erstaunlich zugänglich, direkt der Opener "Im ersten aller Spiele" bleibt mit seiner immer mal wieder aufbegehrenden Akustikgitarre, der im Hintergrund leise für Akzente sorgenden Violine und dem manchmal kaum wahrnehmbaren, gehauchten Gesang überraschend schnell hängen. An anderer Stelle präsentiert man sich schroff und sperrig, die zuvor aufgebaute Harmonie, Wärme und zurückhaltende Erhabenheit der ersten Stücke etwa lässt man bei "Das Licht vertraut der Nacht" auf harte, aggressive Riff-Klippen auflaufen. Gerade wenn man es sich bequem gemacht hat im wohlig betörenden "Des Meeres Atmen", holen einen Dornenreich zurück in die Realität aus harschem Gesang und bedrohlichen Drums. "Aus Mut gewirkt" bricht dann endgültig mit allen Hörgewohnheiten und kombiniert die Wärme des (Neo-) Folk mit klirrendem Black Metal und sogar Flamenco-artigen (!) Gitarren. Zum Glück ist die Violine von Inve mit an Bord und hält das Gebilde zusammen und das Schiff auf Kurs. Gewissermaßen hat man das Auge der Orkans nun überstanden und schippert erleichtert dem Sonnenaufgang entgegen, der auch auf dem Cover von "Freiheit" zu sehen ist. "Traumestraum" und "Blume der Stille" jedenfalls geben dem Zuhörer die Wärme und Geborgenheit vom Anfang des Albums zurück, lassen ihn Träumen und in Gedanken schwelgen. Da ist es nur richtig, dass man beim finalen Kapitel dieses Albums auf Gesang und Text komplett verzichtet, stattdessen wirkt einfach die Musik, das aber nachhaltig. Dornenreich haben für ihr temporäres Abschiedsalbum noch einmal alle Stärken gebündelt und ihr Schaffen gewissermaßen zusammengefasst. Vielleicht hat man mit Dornenreich in ihrer bisherigen Form auf diese Weise auch ein Stück weit abgeschlossen - wer weiß das schon? Momentan vermutlich nicht einmal Eviga selbst, der sich nun seine Gedanken machen und irgendwann zurückkommen wird. Wie und womit steht in den Sternen, sicher ist nur, dass sich die Fans darauf schon jetzt freuen können.


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