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Floh
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Die Seiten der Welt: Blutbuch
Die Seiten der Welt: Blutbuch
von Kai Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Dieses Buch fließt durch deine Adern: Blutbuch! Ein geniales Finale., 25. Juni 2016
Der Jugendbuch- und Fantasyautor Kai Beyer hat sich in der Literatur und Buchwelt inzwischen einen gebührenden Namen erschrieben, und dass nicht nur, da er seine Bücher über Bücher schreibt, sondern diese auch mit einer unverwechselbaren Leidenschaft versieht. Kai Meyer schuf mit "Die Seiten der Welt" seinen Auftakt zu einer sehr außergewöhnlichen Trilogie um die Welt und Magie der Bücher und der wahren Liebe. Eine Liebe, die es so gar nicht geben darf und die gegen alle Regeln des herrschenden Kodex verstößt. Eine Liebe, die sich nicht unterbinden lässt... Nach den erfolgreichen Auftakt "Die Seiten der Welt" ebnete der Autor den weiteren Weg nach dem zweiten Band "Die Seiten der Welt - Nachtland" für den nahtlosen und spannungsaufgreifenden Abschluss der genialen Welt der Bücher „Die Seiten der Welt - Blutbuch“. Mit einem weinenden Auge ist diese aufwühlende und absolut fantasiegeladene Trilogie zum Abschluss gekommen und wird lange unvergessen bleiben.
Erschienen im FJB Fischer Verlag

Beschreibung / Inhalt:
"Das große Finale: Das dritte Buch des Spiegel-Bestsellers DIE SEITEN DER WELT von Erfolgsautor Kai Meyer um die junge Bibliomantin Furia.
Das Ende der Bücher

„Schreibe etwas in den Büchern der Schöpfung um, und du veränderst die Vergangenheit. Und mit ihr die Gegenwart und Zukunft. Furia, du hast die Macht, diese Welt zu einer besseren zu machen. Wer schlägt so eine Chance aus?“
„Ich“, sagte sie.

Das Sanktuarium ist untergegangen, aber schon wird die bibliomantische Welt von einer neuen, übermächtigen Gefahr bedroht. Die Ideen steigen aus dem goldenen Abgrund zwischen den Seiten der Welt auf und verschlingen ein Refugium nach dem anderen. Bald ahnt Furia, dass sie die einzige ist, die die Vernichtung der Welt aufhalten kann und dass sie dafür einen sehr hohen Preis zahlen muss. Doch ist sie dazu bereit?"

Handlung:
In den beiden Vorgänger Bänden ist schon einiges passiert und durch wechselnde Erzählstränge und Handlungsstränge haben wir bereits eine sagenhafte Welt erklommen und absolut unterschiedliche Charaktere auf ihren Wegen begleitet. Nahtlos wird der spannungsgeladene Cliffhanger aus Band 2 aufgegriffen und die sagenhafte Story fortgesetzt. Noch immer gilt es, dass besondere Buch zu finden und sich die Liebe einzugestehen und zueinander zu finden. Furia, die in der Welt der Bücher mit den Regalen und der Bibliomantik verschmilzt, die nach Buch duftet und alles an sich hat, was auch ein Buch auslösen kann. Geheimnisvoll, prägend und ehrbar. Furia wurde es nie leicht gemacht und nun ist sie ihrem Ziel so nahe, ehe das Dunkle und Böse nun wieder um sich greift und alles zu zerstören droht… In diesem Abschluss erleben wir ein Wiedersehen mit alten Bekannten, mit den Freunden, Familien und Figuren aus den anderen beiden Bänden. Neben all der Wiedersehensfreude gibt es einen derben Schicksalsschlag. Im Vordergrund des nunmehr letzten Teiles steht wieder die Liebe. Ein Zerreisspiel aus Trennung und Zusammensein. Gemeinsam und oft getrennt kämpfen sie gegen das Böse und versuchen parallel hinter das Geheimnis des Bibliomantik zu kommen und den Schlüssel zu finden, aus denen alle mächtigen Bücher der Welt geschrieben sind. Furia und ihre Gefährten kommen dem Geheimnis unglaublich nah. Aber auch die Gegenseite schläft nicht und versucht ihre eigenen Interessen durchzusetzen und ergreift drastische Mittel. Ein Zusammentreffen aller Parteien aus Sympathieträgern und Widersachern. Eine Welt, die alles beherbergt.
Furia ist verschwunden. Verloren in „Den Alles verschlingenden Ideen“. Isis und Duncan setzten alles daran um sie zu finden. Um dies zu schaffen folgen sie den Spuren ihres ehemaligen Lehrers Atticus, der das Oberhaupt der Agenten der Akademischen Akademie war. Er ist mit dem Sanktuarium untergegangen. Isis muss zusätzlich auch noch mit sich selbst kämpfen den das Absolonbuch raubt ihr immer mehr ihre Kräfte. Furia, die die Ideen überlebte sitzt nun in den Nachtrefugien, den Einöden der Seiten der Welt, fest. Dort wird sie gleich von drei Machtvollen Persönlichkeiten bedrängt. Siebenstern, der will das sie, da sie als einzige dazu in der Lage ist, die Bücher der Schöpfung umschreibt, damit es die Exlibri nie gibt. Phaedra, die Anführerin der Tintlinge, und ihr Berater wollen, das sie das Entstehen der Tintlinge verhindert. Doch Furia weiß was das Verändern der Vergangenheit für Folgen haben kann. Währenddessen versucht Cats Vater die Macht an sich zu reißen mithilfe Rachelle Himmel, der letzten Überlebenden der drei Häuser. Doch diese weiß genau, dass er sie nur benutzt und hat ihren ganz eigenen Plan.

Es geht um Liebe, Schmerz, Verbindung, Blutbuch, Familie, Erbe und Macht. Ein Spiel aus Feuer und Eis, aus Heiß und Kalt, aus Leben und Tod...

Schreibstil:
Der Autor Kai Meyer besitzt einen sagenhaft bildhaften, nahen und gefühlvollen Schreibstil. Noch nie habe ich in einem Buch, gar in einer ganzen Trilogie, eine solche Fülle an Wissen, Spezialwissen, Details und Lebendigkeit gelesen. Wirklich faszinierend. Er informiert den Leser gleich zu Beginn indirekt über die Vorgeschichten und Vergangenheiten der Protagonisten, greift wieder einmal gekonnt Dinge und Passagen aus den beiden vorherigen Bänden auf und frischt somit verblasstes Wissen um die Charaktere wieder neu auf. Schon bald steckt man wieder mittendrin, ist Feuer und Flamme und kann mit jeder Faser des Leserherzens die Geschichten und Abenteuer und Hindernisse dieser ganz speziellen Aufgabe, der Buchleidenschaft und der Liebe begleiten und intensiv miterleben. Der Fantasyautor Kai Meyer hat in seiner Trilogie eine komplexe Welt erschaffen, die auf mehreren Ebenen angesiedelt ist, auch hier spielt er mit gekonnten Perspektivenwechsel um einzelne Handlungsstränge zu erschaffen und auch mal einen Blick zurück zu wagen. Schon in den ersten Seiten schafft Kai Meyer eine Umgebung, die lebendiger und detailreicher scheint, als jeder Film, er knüpft an Band 2 an und bringt in diesem Abschluss eine wirklich prägende und bleibende Reise und Aufgabe im Reich der Bücher und des geschriebenen Wortes zum krönenden Abschluss. K. Meyer erzeugt Kopfkino der Extraklasse. Wir erleben hier die alte Holztäfelungen, hohe Regale, unterirdische Welten, düstere Mächte, gebundenes Leser, raschelnde Seiten, eiserne Werkstatt, heimelige Atmosphäre, das Familienleben der Gestalten, die Unterkunft des Bösen… Ein geschickter Schachzug des Autors Kai Meyer das Buch im Buch zum Leben zu erwecken und den Leser mit auf eine Reise zu nehmen. WOW.
Der übliche Fantasy -Mystery Roman ist es nicht, denn neben der großen Gefahr des Bösen spielen die Liebe zur Literatur, zur Bibliomantik und zu den Werken, sowie die Liebe zwischen Furia und Jim, die so zart wie eine Blume ist. Neben Furia und den anderen wichtigen Charakteren wie Duncan, Isis, Finian, Cat und Jim dominieren noch ganz andere Facetten, die sich in den Vordergrund schreiben. Eine Suche, die Macht der Magie, der Schmerz des Verlustes, das Wiedersehen, Familie und Zusammenleben, Sitten, Ehre und Riten… Das große Geheimnis der Bibliomantik. Autor Kai Meyer bedient sich einer ganz anderen Art der Fantasy, denn er würzt seine Story mit viel fantastischem Spezialwissen, der Sagen und Mythen, der Literatur und Kultur. Dieser Autor schreibt unheimlich nah, erweckt lebhafte Bilder, konzentriert sich aufs Detail, formt wunderbare Dialoge und spielt mit der Phantasie der Leser. Meyer trifft den Nerv der Zeit und den Geschmack junger, sowie erwachsener Leser!

Charaktere:
Die Auswahl der Charaktere, bzw. der Hauptprotagonisten sollte das Herzstück des Romans sein und ganz besonders gelungen ist es ihr hier in dem gebührenden Abschluss, wo wir viele liebgewonnene aber auch verrufene Charaktere und Persönlichkeiten wiedertreffen. Aber auch neue Akteure treten ans Licht. Wie gewohnt treffen wir viele Persönlichkeiten und gerade die fantastischen Wesen aus Widersachern und der dunklen Gefahr vereint zaubern eine berauschende Welt aus Haupt- und Nebenrollen, die ein Spiel mit dem Feuer und der Macht der Bücher garantieren. Neben all dem Übersinnlichen, hat mir der Part der wissenschaftlichen Fakten und der Liebe zum Buch sehr gefallen. Hier wurden genau die stimmigen Charaktere mit Spezialwissen bereichert, sodass ein rundes und authentisches Bild entsteht. Kai Meyer hat einen Pool aus Figuren erschaffen, die mit viel Sympathie bewegen, aber auch mit Antipathie aufwarten können. Einige Protagonisten nehmen im Laufe der Handlung einen ganz neuen Part ein und werden den Leser überraschen. Erstaunlich war für mich die Stelle, an der Kai Meyer selbst im Buch auftaucht. Genial! Furia hatte für mich bisher stehts eine Randrolle eingenommen, hier im großen Finale wächst sie regelrecht über sich hinaus und darf sich sogar mit einer Heldinnenrolle kleiden.

Meinung:
Der Autor Kai Meyer hat mit mir bereits mit seinem Auftakt eine Achterbahn ans Laufen gebracht. Hat mir Band 1 noch ausnahmslos gefallen, so wankte ich noch bei Buch 2 zwischen vorzeitigen Beenden des Buches und gebannten Weiterlesen bis hin zu nicht mehr aus der Hand legen, als mich Buch 3 dann nach wenigen Seiten wieder völlig mitgerissen und zur treuen Leserin hat werden lassen. So beweist nun Buch 3 den krönenden und glorreichen Abschluss der Trilogie. Ich bin wirklich traurig, dass diese schöne und abwechslungsreiche und andersartige Buchgeschichte nun beendet sein soll. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich dem Buch und der ganzen sagenhaften Reihe treu geblieben bin, denn nur so kann ich zufrieden und beseelt auf ein berauschendes Leseerlebnis zurück blicken und genießen. Die grandiose und unbeschreibliche Kulisse hat mich vollends begeistert, mit seiner Story, mit den sagenhaften bildhaften Schreibstil, mit den detaillierten Kulissen, den fein ausgearbeiteten Charakteren und die unterschiedlichen Erzählperspektiven und Hauptaugenmerke. Ein Buch, nein eine gesamte Trilogie, die man sicherlich immer wieder lesen mag.

Kritikpunkte:
Zu Furia habe ich erst sehr spät einen Draht gefunden. Ich mochte ihre person und Persönlichkeit lnge nicht. Ihre Alleingänge haben mich stets verärgert, aber sie dienen auch der Story, bzw. dem Verlauf der Story. Später habe ich auch Furia richtig verstehen können und sie beinahe als Heldin gefeiert. Tja, diese Liebesgeschichten… Mensch Kai Meyer, da hättest du gern etwas mehr Gas geben können: Junge Leser lieben Herzschmerz und Dramaturgie!!!!!! Bitte mehr Tiefe und Emotion in solchen Dingen!!!!! Traurig zurück gelassen hat mich der Bezug, bzw. Nichtbezug zum Untertitel „Blutbuch“. Anfangs werden Bruchstücke der Bedeutung des Blutbuchs gegeben, diese aber kaum zur Gänze ausgeführt. Schade irgendwie, es klingt so verlockend und mystisch!

Der Autor:
"Kai Meyer, geboren 1969, ist einer der wichtigsten deutschen Phantastik-Autoren. Er hat über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet."

Cover / Buch:
Das Cover ist wie immer wunderschön und passt ideal zur gesamten Trilogie. Edel, gewaltig, massiv und von ausgezeichneter Qualität. Das Buch liegt trotz der Stärke angenehm in der Hand und wirkt erstaunlich leicht.

Fazit:
Dieser Fantasy hat mich glücklich gemacht, eine Trilogie, die die Sinne beansprucht und den Leser mitreißt. Absolute Empfehlung aller drei Bände mit Höhen und Tiefen und Ecken und Kanten, die das lesen erst so wirklich bereichern.


Holmes und ich - Die Morde von Sherringford: Roman
Holmes und ich - Die Morde von Sherringford: Roman
von Brittany Cavallaro
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

4.0 von 5 Sternen Eine Adaption Arthur Conan Doyles Werk ins neue Zeitalter! Klasse Jugendkrimi!, 24. Juni 2016
Wie eine junge und frische Hommage an Sir Arthur Conan Doyle. Der Jugendkrimi und die Adption der legendären Klassiker um Watson und Holmes sind in „Holmes & Ich“ von der US Amerikanischen Autorin Brittany Cavallaro neu aufgelegt und zeigen spannende Ermittlungen und recherchen drei Generationen nach ihren berühmten Vorfahren. Da ich das Genre Jugendkrimi immer sehr spannend und faszinierend finde, sprach mich dieser Titel sofort an, nicht allein durch das geniale Cover im Schattenschnitt. Super. Dieser Krimi für Teens ab 14 Jahren und daher nicht blutig, sondern mörderisch spannend und intelligent, der Krimi setzt auf die erste große Liebe, Vertrauen, Verrat, Familiengeheimnisse, Atmosphäre und ganz wichtig: er lässt Parallelen zum Ursprung der Kriminalistik al la Holmes und Watson erkennen.
Erschienen im dtv Verlag ([...])

Zum Inhalt:
„Drei Dinge will Jamie Watson partout vermeiden, als er gegen seinen Willen auf ein Internat an der Ostküste der USA geschickt wird:
1. Dort auf die charismatische Charlotte Holmes zu treffen, Nachfahrin des legendären Sherlock, die allerorten für ihren komplizierten Charakter und ihr detektivisches Genie bekannt ist.
2. Sich in besagte Charlotte zu verlieben - natürlich unglücklich.
3. Gemeinsam mit Charlotte in einen Mordfall verwickelt zu werden.
Doch dann wird Jamie von seinem Zimmergenossen zu einer Party mitgeschleift, auf der er Charlotte begegnet und sofort von ihr fasziniert ist. Kurz darauf geschieht ein Mord. Hauptverdächtige: Jamie Watson und Charlotte Holmes! Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.“

Schreibstil:
„Holmes & Ich“ wirkt, als wäre diese Buchidee aus einer fixen Idee, einem Impuls, heraus entstanden und sich durch Feinschliff zu einer richtigen Innovation manifestiert. Die Autorin Brittany Cavallaro bringt frischen Wind in die Krimiwelt und der Welt der Jugendliteratur. Brittany Cavallaro besitzt einen gekonnt bildhaften und lebendigen Schreibstil, sie spielt in ihren Umschreibungen mit Poesie, Sinnbildern und malerischen Gedanken. Ihre jugendliche Art, die Dinge zu schildern, zu verdeutlichen, ein Flair und ein Gefühl für Charaktere, Handlungsorte, Umgebung und Situationen zu schaffen, hat mir von Beginn an sehr gefallen. Der Einstieg in diesem Jugendkrimi gelingt dank der leichten und flüssigen Schreibweise und Erzählkunst beinahe von selbst. Hinzu kommen die Parallelen zu den legendären Fällen der wahren Helden Watson und Holmes, die vor drei Generationen England und die Kriminalistik geprägt haben. Erzählt wird dieser Thriller aus zwei Erzählperspektiven. Wobei der Fokus klar auf James „Jamie“ Watson, dem Ur-Ur-Urenkel des berühmten Dr. Watson gerichtet ist und seine Sicht dominiert und den Verlauf beherrscht. Jamie bekommt ein Stipendium für das Sherringford-Internat, an dem auch Charlotte Holmes, eine direkte Nachfahrin des Meisterdetektivs, studiert. Somit bekommt durch ihre Sicht die Handlung einen weiblichen Part. Beide Charaktere erzählen auf eigene Weise sehr packend und differenziert, so entsteht ein Wechselspiel und Kurzweil. Aus allen Blickwinkeln dürfen wir die Ereignisse in diesem idyllischen, jedoch trügerischen Dorf, erleben. Brittany Cavallaro spart nicht mit Details, Accessoires und Umschreibungen, so schafft sie ein lebendiges Bild der Schauplätze und kommt ihrem Vorbild schon erstaunlich nah. Lediglich die Umsetzung kam mir anfangs sehr gewöhnungsbedürftig vor. All die jugendlichen Gedanken, die Poesie und die moderne Welt wollten für mich nicht so ganz zu den standardmäßigen Holmes und Watsons passen. Gleich die zu Beginn aufgebaute Atmosphäre, die nebulösen Ereignisse und die vielen Fragen wirken wohl dosiert und gut platziert. Auch wenn es ein Jugendkrimi ist, ist es kein Krimi auf Sparflamme denn der Fall hat es wirklich in sich. Ein Wagnis aus Liebe und Ermittlung beginnt… und all die Ereignisse und Verzweiflung fesseln den Leser direkt ans Geschehen und verschärfen sich durch die abwechselnden Erzählperspektiven aus Sicht von Jamie und Charlotte. Dieser Perspektivenwechsel macht das Buch sehr spannend und flott zu lesen. Die Seiten fliegen nur so dahin. Im Mittelteil hat mich die Autorin dann dank eines rasanten Spannungsaufbaus auf ein Lesehighlight hoffen lassen, jedoch ebbt dieser Anschein dann auch schnell wieder etwas ab. Etwas enttäuschen ging es dann für mich weiter, denn die Handlung und die eigenständigen, teils nicht nachvollziehbaren Ermittlungen gleichen eher einem soliden und gut durchdachten Kriminalroman und bieten somit eher wenig Nervenkitzel. Jedoch keinesfalls klischeehaft oder aufgesetzt, das nicht, absolut kein alter Hut, aber dennoch fehlte es an „gewissem Etwas“ im Spannungsaufbau. Autorin Brittany Cavallaro besitzt einen jugendlichen Stil, der die jungen Krimileser anspricht und sich auf ihre Ebene begibt. Aber nach dem fulminanten Ende bin ich dennoch sehr angetan und fast begeistert. Trotz kleinerer Schwächen in der Umsetzung hat mich der frische Schreibstil dieser Autorin hier zu Recht überzeugt!

Charaktere:
Die Auswahl der Charaktere ist sehr gut gelungen und diese sind wohl auch das wichtigste bei einem solchen Krimivorstoß. Auf knapp 370 Seiten bekommen wir Leser nicht nur eine einzigartige Charakterstudie, nein, wir können auch Nähe und Verbundenheit zu den Protagonisten verspüren, wenn man es denn zulässt und sogar die vielen interessanten Wesenszüge der Urahnen. Klasse. Mit Jamie und Charlotte wird sich so mancher Teen gut identifizieren können, ihre starken Gefühle und Emotionen wirken echt und eingehend. Jamie scheint ein ganz toller und hilfsbereiter junger Mann zu sein. Doch kann Charlotte sich ihm wirklich anschließen? Zudem erleben wir Persönlichkeiten aus Familie, Alltag, Schule, Internat, Büro, Legende und Umgebung von Jamie und Charlie. Die Jugendbuchautorin Brittany Cavallaro hat eine komplexe Mischung aus Haupt- und Nebenrollen erschaffen. Diese Rollen und Nebenrollen bringt sie in Einklang und lässt den Leser somit mitfühlen und ganz wichtig: Sie lässt den Leser an den erschütternden Vorgängen Teil haben und knifflige Ermittlungen und Detektivarbeit erleben!

Meinung:
Die Autorin Brittany Cavallaro hat hier eine wirklich grandiose Idee gehabt, die mir sehr gefällt und mich beeindruckt hat. Ein wahres Revival. Brittany Cavallaro hat mich mit ihrer gewählten Thematik und mit der Idee zur Story und mit ihrer gelungenen Adaption tatsächlich begeistert, sie hat mich leider jedoch nicht in allen wichtigen Facetten überzeugen können. Für mich gab es zu wenig fesselnde Momente, Nervenkitzel und Gänsehaut. Trotz des Genres Jugendkrimi steht hier der Fokus eher auf Herzblut und Lovestory mit bitterbösem Beigeschmack. Grandios und sagenhaft gut gelungen und gefallen haben mir die Schauplätze und die Atmosphäre, der junge und flotte Schreibstil hat mich sofort überzeugt und die Psychogramme haben mir ein sehr nahes und bewegendes Leseerlebnis beschert. Vor allem, da sie in gewisser Weise an die großen Vorbilder erinnern. Die Handlung und der Verlauf haben mich durch lobenswerter Umsetzung begeistert, mich immer wieder mitgerissen, meine Neugier entfacht, mich am Lesen gehalten und mich dann mit einem fulminanten letzten Drittel im Buch sehr belohnt. Ich wanke zwischen Fesselung und etwas Enttäuschung, wegen des fehlenden Spannungsaufbaus und der Nebenhandlung, die doch ganz viel Platz einnimmt. Die 4 Sterne fallen mir sehr schwer, da das Buch sehr lohnenswert ist, zwar recht schnell ausgelesen ist und einfach der letzte Pfiff fehlt. , aber dennoch enorme Emotionen auslöst. Eine Reise in den jugendlichen Alltag zwischen alter Legende und neuen Zeitalter.
Kritikpunkt:
Auch für einen Jugendroman / Jugendkrimi hätte es gerne etwas intensiveren Nervenkitzel und Spannungsspitzen geben dürfen. Gerade im Bereich Jugendkrimi haben die Autoren die Möglichkeiten mit ungesagtem Wort allergrößten Nervenkitzel zwischen den Zeilen zu erzeugen, leider war dieser Genrepunkt hier nicht ganz ausgefüllt. Ich habe viel Idyll, Details und Charakterstudien erfahren, aber leider für meinen Geschmack zu wenig detektivische Ermittlungen und sehr viel Beziehungskram drum herum. Daher ziehe ich hier einen Stern in der Wertung ab.

Die Autorin:
"Brittany Cavallaro studierte zunächst am Middlebury-College in Vermont und dann an der University of Wisconsin/Madison Creative Writing und bereitet dort derzeit ihre Promotion vor. Sie ist Chefredakteurin mehrerer Universitäts-Zeitschriften, konnte dank diverser Stipendien ihr Schreibtalent ausbauen und veröffentlichte im Januar 2015 einen ersten Band mit Gedichten. Seit ihrer Kindheit ist Brittany Cavallaro ein riesengroßer "Sherlock"-Fan - so kam ihr die Idee zu "Holmes und ich", ihrem ersten Jugendbuchprojekt."

Fazit:
Dieser Jugendkrimi hat einen ganz besonderen Flair, allein durch die wunderbare Umschreibung der Schauplätze und der Nähe zu den Charakteren und den großen Vorbildern Holmes und Watson. Eine Hommage an Sir Arthur Conan Doyle. Mir fehlte jedoch ein gewisser „Kick“ in Sachen Detektivarbeit und Ermittlung. Dennoch ein empfehlenswerte Roman für junge Leser, und die, die sich gern nochmal jung und verliebt fühlen möchten.


Asa und Gasa 2: Abenteuer im Land der Zwerge
Asa und Gasa 2: Abenteuer im Land der Zwerge
von Raphael Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Es war nicht nur ein Traum! Das Abenteuer Inklusion und Zwergenland geht weiter!, 24. Juni 2016
Die Bücher mit und um die quirligen Zwerge Asa und Gasa haben mich schon eine ganze Weile sehr neugierig gemacht. Vor einiger Zeit habe ich den ersten Band der knuffligen Zwergen-Trilogie kennengelernt und meiner Tochter vorgelesen. Mit „Asa und Gasa 2 Abenteuer im Land der Zwerge“ knüpft der zweite Band nahtlos an der ersten Geschichte an und Tim kann sich sicher sein, dass er das wirklich alles nicht einfach nur geträumt hat. Der junge Autor Raphael Müller weiß und kennt aus eigener Erfahrung, wie Inklusion funktionieren kann, oder eben auch nicht funktioniert. Raphael Müller ist Autist und hat mehrere körperliche Behinderungen. In Asa und Gasa 2 wird das Thema Inklusion, Toleranz, Freundschaft und Hilfe noch sehr viel intensiver integriert und thematisiert als noch in Band 1, und ich finde, dass Raphael seine Botschaften hier wunderbar mit einer traumhaften und fantasievollen Geschichte lebendig und greifbar werden lässt.
Erschienen im fontis Verlag

Inhalt / Die Geschichte:
„Tim lernt beim Versteckspielen die Zwergenzwillinge Asa und Gasa kennen. Er schließt Freundschaft mit den Keksfabrikanten. Gemeinsam erleben sie spannende Abenteuer in ungewöhnlichen Ländern. Der Handel mit den Zauberkeksen läuft gut. Im Land der Zahlen stoßen sie allerdings an ihre Grenzen, weil sie nicht wissen, wie sie die Sprüche in den Keksen in Mathematik übersetzen sollen. Da lernen sie den Autisten Daniel und dessen Schulbegleitung Tina kennen und staunen über eine völlig andere Art der Wahrnehmung.“

Handlung / Thema:
Der zweite Band setzt nahtlos die erste Abenteuergeschichte fort. Es gibt eine kurze Zusammenfassung in Form eines Rückblicks mit wichtigen Informationen zu dem, was bisher geschah. Dann wird es auch schon sehr abenteuerlich und spannend. Wir dürfen in Band 2 mit Asa und Gasa und natürlich mit Tim und Daniel ins Land der Drachen reisen. Und das passierte so:

Aus einer munteren Laune heraus beschließt Tim, zusammen mit Gasa, dem Zauberkeksfabrikanten, einen Abenteuerurlaub zu machen. Auch Gasa freut sich sofort auf dieses Abenteuer. Doch wie soll das große Menschenkind Tim ins Reich der Zwerge kommen? Hier hilft der patentierte Zaubersand wieder weiter und Tim kann verkleinert in Asa und Gasas Welt schlüpfen um dort das Abenteuer seines Lebens zu erleben. Doch so eine Reise muss gut geplant und organisiert werden. Schließlich würde Tim vermisst, wenn er einfach so fort bliebe und seine Eltern und seine Großeltern kämen um vor Sorge. Also weiht Tim seinen neuen Schulfreund Daniel ein, der ihm zur geplanten Reisezeit ein Alibi geben kann.

Im Zwergenland angekommen, schließen sich Tim und Gasa einer Reisegruppe an. Mitreisende sind besondere Figuren, wie zum Beispiel der der Elfenmann Herr Xara, oder seine Tochter Lybia, Buchstabenmann Ypsilon (Herrlicher Name!) und Gnom Baxa sowie Reisleiter Pit, der Drachenbändiger.

Während eines Ausfluges wird Lybia von dem Drachen Draco entführt. Alle Reiseteilnehmer aktivieren ihre individuellen Fähigkeiten um Lybia zu suchen und retten. Während der turbulenten Suchaktion stößt ganz überraschend eine weitere Reisegruppe hinzu. Tim und Gasa staunen nicht schlecht, als sie auf Daniel mit seinem Rollstuhl, seiner Tina und natürlich Asa treffen. Die Überraschung ist groß und die Hilfe wird so unglaublich wertschöpfend.

Schon bald verblüfft der nichtsprechende Autist Daniel seine Gefährten – er bewahrt völlig die Ruhe und trägt auf seine Weise zur Auflösung und Entspannung der Situation bei. Neue ungewöhnliche Freundschaften werden geschlossen und vertieft. In Buch voll bepackt mit sagenhaften Abenteuern und sensationell wichtigen Botschaften für ein soziales Miteinander!

Meinung:
Hier erleben verschiedenste Charakteren einer Gemeinschaft, dass es nur gemeinsam gelingen wird ihre neue aufregende Aufgabe zu lösen. Die erfolgreichen und inzwischen bereits 3 Bände umfassenden Geschichten mit und um die beiden Zwergenzwillinge Asa und Gasa bieten einen wichtigen Beitrag zum Thema Inklusion. Eine fantastische Geschichte, die Jungen und Mädchen und Jung und Alt gleichermaßen anspricht. Für mich dürften diese tollen Bücher gern zum Schulunterricht gehören. Denn wer kann Inklusion besser beschreiben, als jemand, der tagein tagaus damit umzugehen hat? Dieses talentierte Märchen ist für Jung und Alt, für gesund und behindert gleichermaßen wichtig und erklärend. Spielerisch, fantasievoll und so echt. Die drei Bücher und facettenreichen Abenteuer beinhalten weit mehr als pure Fantasie, da sie Einblick gewähren in die autistische Wahrnehmung und Mut machen für ungewöhnliche Freundschaften und das wirklich jeder Mensch seinen Beitrag zum Leben und zur Gemeinschaft leisten kann. Jede noch so kleine Geste und Hilfestellung kann zu einem großen Wunder werden. Es sind Parabeln auf das gelungene Miteinander und die Inklusion unterschiedlichster Charaktere in der Gesellschaft. Adaptiert in ein modernes Märchen, in eine Fantasiegeschichte, in der ganz normale Menschen und Kinder hineinschlüpfen und an der Seite von Zwergen, Gnomen, Elfen und Drachen eine intelligente Suchaktion starten.

Raphael Müller zeigt in einer unglaublich gefühlvollen und ehrlichen Weise, dass das Leben trotz einer schwerwiegenden Behinderung einen Sinn und einen Ansporn bietet. Raphael liebt es zu Schreiben und Geschichten zu erfinden. Damit berührt er jedes Leserherz und öffnet Augen und lässt das Herz ganz weit werden… Ihm gelingt es eine Botschaft zu übermitteln. Ein sehr wichtiger Beitrag in ein inkludiertes und soziales Zusammenleben, was funktionieren kann.

So bunt und vielseitig wie das echte Leben, nur eben auch ganz anders inspiriert. Eine Reise ins Abenteuerland zu ganz wunderbar fantastischen Wesen und Wesenszügen der Figuren und Freunde. Wir bereisen die große weite Welt, wir treffen auf Fabelwesen und Drachen, wir reisen mit Elfen und Gnomen, wir plaudern mit Gasa und feiern eine große Wiedersehensfreude, als wir auf Tina, Daniel und Asa treffen. Neben Tim und Daniel haben wir im ersten Band ja auch schon erfreuliche Bekanntschaft mit Asa und Gasa gemacht. Tim ist ein gesunder Schüler, zu ihm in die Klasse kommt ein neuer Junge, Daniel. Daniel ist Autist, doch Tim und Daniel freunden sich wortlos an. Tim fühlte sich zuvor oft genervt von Daniel, doch jetzt kann er ihn mit seinen besonderen Fähigkeiten und Stärken, die auch seiner Behinderung geschuldet sind, helfen. Es entsteht ein starkes abenteuerliches Band mit vielen Hürden und steinigen Wegen, aber auch helfenden Händen und Mut.
Meine Tochter (bald 3 Jahre alt) hat die wunderbare Vorlesezeit mit mir sehr genossen, die Illustrationen im Buch wurden gern beschaut, und die kleinen Vignetten verzieren das gesamte Buch anbetreffenden Stellen. Die Geschichten mit und um Asa und Gasa sind wirklich toll, vor allem der Bezug zum realen Leben und alltäglichen Themen, die in einer fantasievollen und verwunschenen Geschichte verwebt werden. Immer wieder entdeckt man auch als erwachsener Leser, dass man seinem Alltag auch gern mal entfliehen sollte. Dieses märchenhafte Buch bietet die entspannende und herzöffnende Möglichkeit dazu. Zudem lernt man einiges auf anderer Augenhöhe erzählt. Sehr wertvoll und sehr nah. Der autistische und rollstuhlfahrende Junge Daniel im Buch könnte die Darstellung Raphael Müllers sein. Hier möchte er sich in diese Welt träumen und platzieren um von sich zu erzählen. Er möchte berichten, wachrütteln, aufklären und mit Vorurteilen und Nichtwissen, sowie Stigmatisierung und Schubladendenken aufräumen. Raphael will sich zeigen, er will, dass SEINE Sicht erkannt und akzeptiert wird, er will gehört werden. Durch Daniel gelingt ihm das auf wunderbarer und ehrlicher Weise ohne mahnenden Fingerzeig, sondern einfach nur ehrlich und mitteilend in einer Kindergeschichte für Groß und Klein verwoben. Ein offenes Schriftbild, gespickt mit tollen und inhaltsbezogenen Illustrationen fördert den Lesespaß am Buch. Kurze und abschließende Kapitel, die jedoch aufeinander aufbauen. So kann man jederzeit eine Lesepause einlegen und gekonnt wieder mit einem neuen Kapitel von angenehmer Länge anknüpfen. Sehr durchdacht und stimmig.

Der Autor über sich:
„Ich wurde vor 15 Jahren in Aichach geboren. Seitdem lebe ich in dieser Kleinstadt zwischen Augsburg und München und gehe jetzt dort aufs Gymnasium, in die 12. Klasse. Eine Ergotherapeutin begleitet mich, da ich aufgrund meines vorgeburtlichen Schlaganfalls im Rollstuhl sitze und Unterstützung benötige. Ich spreche nicht – ich schreibe gestützt auf einem iPad. Ich möchte rasend gerne studieren, mich interessieren ganz viele Themen. Noch bin ich ledig, und wenn ich in ca. 50 Jahren über meine Enkel berichten darf, dann bin ich megaglücklich und es steht fest, dass Gott auch heute noch Wunder tut. Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit mit Chillosophieren, Lesen und Schreiben.“

Fazit:
Eine sehr wunderbare und intensive Fortsetzung, die mir beinahe sogar noch besser gefallen hat als Asa und Gasa 1. Hier zeigt sich ein lobendes Bild gelungener und wertvoller Inklusion. Ein Buch, was Brücken baut und Hände reicht! Ganz fantastisch. Ich bin schon gespannt, was Asa und Gasa und im dritten Teil miterleben und erfahren lassen. 5 begeisternde Sterne. Hoffentlich bereichert dieser besondere utor den Buchmarkt noch mit vielen tollen Geschichten und Titeln für Jung und Alt!


Junikas Lieblingsrezepte - Voller Genuss für die ganze Familie - salz- und zuckerarm kochen
Junikas Lieblingsrezepte - Voller Genuss für die ganze Familie - salz- und zuckerarm kochen
von Eva Kamper-Grachegg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Familienkochbuch hat einige Schwächen, aber ganz viele herausragende Stärken! 3,5 Sterne von meiner Familie!, 24. Juni 2016
Mit der Schwangerschaft, Geburt und die Teilnahme an der Familienkost durch unser erstes Kind, unserer Tochter, die bald drei Jahre alt wird, habe ich zum ersten Mal meine Koch- und Essgewohnheiten in Frage gestellt, bzw. diese mit anderen wachsamen Augen wahrgenommen. Wenn ein Kind in die Familie kommt, ändert sich im Leben und denken der Eltern einfach vieles. Da nun auch mein zweites Kind aktiv an der Familienkost teilnimmt und auch schon zuvor eher in der Beikost zu „breifrei“ tendiert hat und ich ihm die Mahlzeiten in weiche fingergerechte Häppchen angeboten habe, ist sein Einstieg in die ganze Familienkost beinahe ein Kinderspiel. Nun dürfen neue Ideen und Inspirationen her. Dafür habe ich mich zu diesem schönen Familienkochbuch „Junikas Lieblingsrezepte – Voller Genuss für die ganze Familie – salz- und zuckerarm kochen“ der beiden beherzten Mütter Eva Kampe-Grachegg und Manuela Christl entschieden. Ein handliches und inspirierendes Kochbuch und ein Ratgeber zu vielen Fragen, was nicht nur die Kleinsten am Familientisch begeistern wird, sondern auch für Mama und Papa tolle Geschmackserlebnisse und Organisation bietet.
Erschienen im Ueberreuter Sachbuch Verlag

Inhalt / Beschreibung:
"Bewusst gesund, von Anfang an! Fragen nach gesunder Ernährung und bewusstem Umgang mit Lebensmitteln beschäftigen immer mehr Menschen unserer Gesellschaft. Oft wird durch die Geburt eines Kindes ein Umdenken in Familien angeregt. So war es auch bei den Autorinnen, die sich bereits in ihrem Vorgängerbuch 'Junika beginnt zu essen' gesundem Genuss für die ganze Familie gewidmet haben. Es war das erste österreichische Kochbuch zu breifreier Beikost. Babys essen von Anfang an mit dem Rest der Familie mit. Was aber, wenn die ersten Monate der Beikost vorbei sind? Die Erfahrungen der beiden Autorinnen zeigen, dass sich diese Frage sehr viele Familien stellen. Wie man salz- und zuckerarm kochen und dabei als Familie trotzdem voll genießen kann, zeigt nun das zweite Kochbuch. Zahlreiche Rezepte mit Anregungen für eigene Rezeptvarianten werden ergänzt durch praktische Tipps aus dem Alltag."

Meinung:
Mit einem sehr nahen, freundlichen und herzlichen Vorwort melden sich die beiden Vollblut-Mütter und Buchautorinnen Eva Kampe-Grachegg und Manuela Christl zu Wort. Doch als allererstes fällt die Danksagung zu Beginn des Buches auf. Sehr schön. Eine informative und bestärkende Stellungnahme gibt es zu Anfang von Dr. Martin David, der Arzt für Kindermedizin ist. Diese Wortmeldung hätte ich persönlich nicht unbedingt gebracht, obwohl dass, was der Kindermediziner hier schreibt natürlich sehr wahr und alarmieren, sowie bestärkend ist. Mich hat jedoch das sehr intensive und herzliche Vorwort der beiden Initiatorinnen, ich nenne sie jetzt einfach nur noch Eva und Manuela, sehr angesprochen. Die beiden Mütter sprechen und schreiben mir aus dem Herzen und ich erkenne viele gleiche Gedanken und Ambitionen. Die beiden Mädels der Autorinnen Annika und Juni sind etwa im gleichen Alter wie meine große Tochter und im Jahr 2013 geboren. Mein Sohn ist jüngst 1 Jahr alt und freut sich ebenfalls auf das gemeinsame Essen am Familientisch. Ja, dieses Vorwort der beiden Autorinnen ist toll, sie sind ehrlich, ermutigend und offen. Alles kann, nichts muss. Zwanglos, voller Freude und Elan. Schön, so bin auch ich! Von Frühstücksideen, bis hin zu ganzen Mahlzeiten, Snacks für unterwegs, Feiern und Geburtstage, Naschereien bis hin zu Getränken und Abendmahlzeiten. Dazu jede Menge Tipps, Anleitungen, Wissenswertes, Erfahrungsberichte und Erkenntnisse aus der Forschung und dem erlebten Familienalltag mit Kind und Kegel und Beruf und Kindergarten. In diesem Familienkochbuch wird darauf geachtet, dass die Speisen selbst zubereitet werden, ohne Tütenprodukte und Päckchen, mit wenigen frischen Zutaten, einfach, unkompliziert und auch für helfende Kinderhände geeignet. Salz- und Zuckerarm soll es sein. Logo! Es wird viel mit Gewürzen und „Geschmacksverstärkern“ aus der Natur und dem Kräutergarten gespielt. Es darf Probiert und Versucht werden. Wie gesagt: Alles kann, nichts muss. Einfach offen sein und Freude am Kochen und Essen mit den Kindern teilen. Trotz aller Wahlfreiheit wird darauf geachtet, dass die Mahlzeiten ausgewogen und vollwertig sind. Die beiden Mütter und Köchinnen melden sich immer mal wieder zu Wort und teilen Einblicke in ihre Arbeit, in ihr Denken und dem Wunsch, nachhaltige und mit der Natur im Einklang stehenden Küche und Kost an die Leser, Eltern, Kinder und Köche zu bringen. Sie bietet Tipps und Varianten, kleine Extras und den letzten feinschliff. Es gibt nichts Wertvolleres als saisonal und regional den Jahreszeiten gerecht zu kochen und zu schlemmen. Auch darauf liegt ein Augenmerk in dem Buch. Hinten im Buch wird die Frage nch Schokolade und Naschereien für ein Kind aufgegriffen und thematisiert, zudem finden wir im Glossar das Rezeptregister und gaaaanz wichtig: einen Küchendolmetscher. Diesen Dolmetscher brauchte ich auch, denn mir war wirklich nicht bekannt, was Überkühlen ist, oder was ich unter Karfiol auf dem Wochenmarkt zu kaufen hätte, auch Melanzani kenne ich nur als Aubergine... Da dieses Familienkochbuch Österreichisch geprägt ist, nutzen die Autorinnen natürlich die Sprache ihrer Heimat und Region. Interessant, aber auch als kleines Manko zu sehen, denn wenn ich ein Rezept aufschlage, um es nach zu kochen, möchte ich nicht erst noch einen Übersetzer zu Rate ziehen. Zudem habe ich bemerkt, dass nicht alle mir persönlich fremden Begriffe erklärt wurden und das Glossar nur einen Ausriss bietet. Das hat mich etwas gestört, da ich zunächst nicht wusste: Oje, wo kann man denn Karfiol kaufen? Für Österreicher sollte es aber keine Probleme geben, die Zutaten schneller zu identifizieren.
Außerdem habe ich festgestellt, dass die Rezepte zwar einfach gelingen mögen und auch die Kinder sehr viel mitwirken können, aber die vielen doch eher neuartigen und bisher nicht in meinem Küchengebrauch verwendeten Zutaten das Nachkochen zu einer kleinen Herausforderung werden lassen. Sehr vieles ist dann doch für unsere Familie fremd und sehr neu. Da stellt schon der Einkauf eine Schwierigkeit und Hürde dar. Einige Dinge waren gar nicht so leicht zu bekommen im Supermarkt oder örtlichen Handel. Dinkelflocken, Kokosblütenzucker, Birkenkristallzucker, Kichererbsenmehl, Dinkelkuchenmehl, Birnenmehl, Panko-Paniermehl, Hafermark…. Es werden viele sonderbare Zuckerarten verwendet und seltsame Mehlsorten. Da verstehe ich nicht, warum es genau diese exotischen Sorten sein müssen? Geschmacksfrage? Konsistenzfrage? Gesundheitsaspekt? Das wird leider nicht erklärt, auch weiß ich bis jetzt nicht, was Birkenkristallzucker sein soll. Ich habe braunen Haushaltszucker genommen und die Menge etwas reduziert. Hafermark habe ich einfach gänzlich weggelassen… War kein Problem…
Diese vielen uns sehr fremden Zutaten haben uns doch sehr abgeschreckt und sind ein großes Manko für mich im Buch. Diese Exotik nimmt dem sonst so tollen Buch die Leichtigkeit und baut eine Hemmschwelle auf. So zumindest bei mir. Da habe ich keine große Lust auf die Schnelle zu sehen, wo ich diese Zutaten kaufen kann oder mir Alternativen zu suchen. Gern hätten da die Autorinnen mehr Freiheit oder Hilfestellung bieten sollen. Bei der viel verwendeten Mandelmilch erwähnen sie auch die Gabe von normaler Vollmilch oder anderer Milch an. Schade eigentlich.

Ich hätte mir auch gern einen Bezug zur Warenkunde, den einzelnen Garmethoden, den Küchenutensilien, eventuell Nährwerttabellen, tieferen Tipps und vor allem anschaulichere Erklärungen zur Zubereitung gewünscht. Gerade für vielleicht kochunerfahrene junge Familien wäre das ein lohnendes BonBon. Die Texte sind sehr kurz und die Stepp für Stepp-Anleitung etwas dürftig dargestellt. Die Bilder und das Design sind wiederum unschlagbar ansprechend. Zu einigen Gerichten gibt es auch nette Vorschläge zu möglichen und schmackhaften Variationen oder Toppings. Die häufigsten Zutaten und Lebensmittel sind bekannt und problemlos im Supermarkt oder frisch auf dem Wochenmarkt zu bekommen. Bis auf die zuvor genannten Ausnahmen, die für mich einen bitteren Beigeschmack an der Leichtigkeit und Familienfreundlichkeit für den Alltag des Buches haben. Trotzdem empfinde ich dieses junge und moderne Kochbuch der beiden Vollblutmütter mit ihren beiden Kindern und den Freunden als ein rundum gelungenes Kochbuch, welches übersichtlich ist, gut strukturiert und gegliedert und mit appetitlichen Bildern und Fotos, die das Kochen und Backen erleichtert und die Vorfreude auf das fertige Gericht schüren.

Seit meinen beiden Kinder koche auch ich überwiegend salzarm, fertigproduktefrei und setze Fonds und Brühe selber an um diese zu verarbeiten. Ich achte auf frische Produkte und dem Erhalt möglichst vieler Nährstoffe und einer munteren Abwechslung auf dem Tisch. Dazu gehören in unserer Familie auch Fleisch und Fisch, da wir keine bestimmte Ernährungsweise leben und auch keine Unverträglichkeiten und Allergien haben. So soll es auch gern bleiben. So unterstützt es dieses Buch!

eigene Erfahrung:
Wie gesagt, für mich bedeuteten die größten Hürden die vielen fremden Lebensmittel, die ich oben schon mal kurz angeschnitten habe. Hier in meiner Gegend sind sie einfach nicht so leicht zu bekommen und ehrlich gesagt sehe ich keinen Sinn in Birkenkristallzucker, den auch nicht Haushaltszucker oder Ahornsirup oder Dicksaft erfüllen könnte. Genauso wie Kokosblütenzucker. Ich weiß gar nicht, was das ist. Sowie Hafermark. Noch nie gesehen… Vom Gucken und Anschauen wird man nicht schlau, und kann sich keine eigene Meinung bilden. Also habe ich die vergangene Woche ausgiebig und sehr interessiert genutzt, um einige der Rezeptideen auszuprobieren. Das Buch habe ich mit meiner fast Dreijährigen angeschaut und wir haben uns für das Kräuter-Zupfbrot von seite 28 entschieden. Das haben wir ohne Kokosblütenzucker zubereitet und braunen Haushaltszucker verwendet. Dieses duftende und fluffige Brot ist wirklich toll. Die ganze Familie kann sich Stücke an den Sollbruchstellen abreißen und nach Belieben verzehren. Mein Sohn war ganz begeistert, dass auch er sich Beteiligen konnte. Zudem gab es die „Melanzanipfanne mit Couscous und Joghurtdipp“. Den restlichen Dipp (wir haben die doppelte Menge bereitet) haben wir dann auch zum Brot gereicht, welches es zum Abend gab. Auch die Idee des Apfelschalentee von Seite 23 fand ich sehr inspirierend, es sieht auf den Bildern auch so einladend aus. Leider schmeckte dieses Getränk meinen Kindern nicht. Ich habe es mit etwas Honig getrunken, muss es aber nicht nochmals haben.
Hier habe ich strikt nach Anleitung gekocht (bis auf einige Zutaten, bei denen ich zu Alternativen greifen musste) und war sehr überrascht, wie leicht die Rezepte gelingen und wie viel Spaß diese machen. Dieses Kräuter-Zupfbrot ein wahrer Traum…..Mmmmmh, dieser Duft in der Küche…… Das Zubereiten, Verarbeiten, Kochen und Servieren war ein leichtes. Wirklich gelungen und glückliche Gesichter am Tisch.

Illustrationen / Angaben:
Leider gibt es nicht zu jedem Gericht oder zu jedem Schritt eine bildhafte Anleitung. Hier sind wirklich nur die wichtigsten Schritte illustriert. Aber das hätte womöglich auch den Rahmen gesprengt bei so vielen Rezeptideen. Die Aufnahmen sind von guter und anschaulicher Qualität, kräftige Farben und klare Bilder. Die Farbgestaltung ist harmonisch und zieht sich wie ein dunkelroter Faden durch das gesamte Buch. Viel Dekoration, tolle Momentaufnahmen, Familienalltag und glückliche Kinder, die mit ihrem Essen experimentieren und die Familienkost mit allen Sinnen erleben. O wie bei uns! Toll! Großes Lob an dieses Essgefühl in der Familie! Die fotografierten Speisen machen Appetit und Lust aufs Kochen. Eine schöne Auswahl, die noch Raum für eigene Phantasie und Vorstellungen lässt.
Die Mengenangaben sind klar und treffend. Hier gibt es auch eine kurze Erklärung und auch einige mögliche Varianten oder Tipps. Die Gerichte sind in der Regel für 4 erwachsene Personen bemessen. Obwohl ich die Mengen doch etwas knapp bemessen empfinde. Das Essen war so lecker, dass es kaum gereicht hat mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern. Aber auch da ist jede Familie individuell, ich werde einfach etwas mehr kochen und die Mengen anpassen. Leider sind in der Zutatenliste und bei der Zubereitung einige Angaben und Zutaten auf Österreichisch genannt, unkundige müssen dann hinten den Dolmetscher befragen, das hat mich etwas gestört, bzw. ist mir eher fremd. Großer Pluspunkt sind die grandiosen Fotoaufnahmen der Gerichte und die wunderschönen Portraits der Familie. Da läuft einem schon das Wasser im Munde zusammen, bzw. man bekommt Lust auf eine muntere Familienzeit in der Küche und am Tisch.

Die beiden Mütter und Autorinnen:
Manuela Christl: „Manuela stammt aus der Steiermark, wo sie durch ihren Vater, der Fleischhauer war, schon früh mit den Themen Ernährung bzw. Nahrungsmittel und deren Herkunft in Berührung gekommen ist. Obwohl sie in ihrem erlernten Beruf als Köchin nie tätig war, hat sie die Leidenschaft zum Kochen nie verloren. So kocht sie heute vor allem gerne für Familie und Freunde.
Als Mutter von drei Töchtern (Johanna, Hannah & Juni) ist Ernährung ein wichtiges Thema. Genuss und gesunde Nahrungsmittel zu einem Erlebnis für die ganze Familie zu verbinden, steht dabei stets im Vordergrund.
Manuela studierte Personalmanagement, arbeitet in der Personalentwicklung einer Fluggesellschaft, ist verheiratet und lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Wien.“

Eva Kamper-Grachegg: „Die gebürtige Steirerin sammelte ihre ersten Back- und Kocherfahrungen bereits in ihrer Kindheit in den Küchen ihrer Mutter und Großmütter. Dort lernte sie auch, dass Kochen weit mehr ist als die Zubereitung von Essen. Genuss und der bewusste Umgang mit Lebensmitteln prägen seitdem ihre Erfahrungswelt und stehen für sie auch heute noch im Mittelpunkt. Die Liebe zum Essen und das Interesse an Fotografie und den schönen Seiten des Lebens brachten Eva 2010 dazu, einen Food-Blog zu starten. Auf [...] teilt sie regelmäßig ihre Rezepte und Erfahrungen mit Koch- und Essbegeisterten.
Eva studierte Marketing & Sales, arbeitet aktuell im Markenmanagement einer österreichischen Universität, ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und Töchterchen Annika in Wien.“

TIPP: Wer noch nicht so weit mit der Familienkost in seiner Familie ist und erst die Beikost ansteuert. Dem dürfte das erste Buch der Autorinnen „Junika beginnt zu essen – Breifreie Beikost für ihr Kind – Ein Erfahrungsbericht mit vielen Rezepten für die ganze Familie“ interessieren!

Fazit:
Ich bin doch etwas hin- und hergerissen. Zwischen vollkommender Begeisterung und etwas Ärgernis. Da ich dieses Buch trotz meiner Kritik nicht wieder aus meinem Familien-Koch-Alltag missen möchte und es tolle und gesunde Ideen bietet, vergebe ich 3,5 Sterne, weil es einfach sympathisch und schön ist und größtenteils meine Einstellung und meine Philosophie teilt!


Gmeiner 581567 - Crime Master, Kriminalspiel
Gmeiner 581567 - Crime Master, Kriminalspiel
Wird angeboten von nagiry
Preis: EUR 8,77

4.0 von 5 Sternen Wer "Black Stories" liebt, findet mit "Crime Master" endlich neuen Pfiff auf dem Spielegebiet! Klasse!, 23. Juni 2016
„Crime Master – 25 rätselhafte Kriminalfälle für Profi-Ermittler; Tatort: Großstadt“. So lautet ein spannendes Kartenspiel aus dem Hause Gmeiner Verlag. Auf den Verlagsseiten des Buchverlags bin ich auch auf dieses Spiel gestoßen. Ich stöbere dort immer wieder begeistert nach neuen Krimis und Thriller, die ich gerne und unbedenklich aus dem Hause Gmeiner lese. Ein Spiel, ist mir da bisher noch nicht unter gekommen. Ich wurde als eingefleischte Spannungsliteraturleserin, die auch mehr als gerne in den eigenen Regionen oder anderen Regionen knifflige Fälle mit sympathischen oder eigenwilligen Ermittlern löst, mehr als neugierig. „Crime Master“ von Sonja Klein erinnerte mich sofort ein wenig an „Black Stories“ mit denen wir schon tolle Spieleabende verbracht haben. Erschienen im Gmeiner Verlag

Beschreibung / Darum geht's:
„Banküberfall in Berlin-Tegel, Gemäldediebstahl in der Stuttgarter Staatsgalerie, ein Toter im Hamburger Binnenhafen, Mord auf dem Münchner Oktoberfest, Entführung eines Frankfurter Bankers, Drogenhandel in einem Basler Techno-Club, Bombenanschlag auf ein Wiener Kaffeehaus ... Diese 25 Kriminalfälle aus 25 Großstädten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben es in sich. Rätselhafte Verbrechen, die nur von den cleversten Ermittlern restlos aufgeklärt werden können. Denn viele Hinweise gibt es nicht: Einige Daten des Opfers, spärliche Informationen zum Tatort und ein paar oftmals recht merkwürdige Spuren, die am Ort des Verbrechens sichergestellt worden sind. Dazu eine Skizze vom Tatort und mit ein wenig Glück noch die eine oder andere Zeugenaussage. Wer war der Täter? Was war sein Motiv? Welche Hilfsmittel benutzte er? Und vor allem: Was hat sich eigentlich genau abgespielt? Fragen über Fragen, auf die es exakt 12 richtige Antworten gibt. Klären Sie die mysteriösen Fälle! Durch Fragen, Raten und Kombinieren nähern Sie sich Schritt für Schritt der Lösung – allein im Wettstreit mit den anderen Ermittlern oder gemeinsam im Team.“

Vorbereitung und Spielziel:
Dieses Spiel eignet sich für 2 Spieler und mehr und bietet mehrere Varianten, je nach Spieleranzahl und gewünschter Spieldauer und Intensität. Für das Spiel wird entweder eine Fallkarte ausgesucht, oder diese versteckt aus den 25 Fällen gezogen. Zudem wird ein Spielleiter ernannt, der den Verlauf der Ermittlungen beobachtet und auf die gestellten Fragen der Mitspieler antworten darf. Er ist die Allwissende Person und macht sich vor Spielbeginn mit der Lösung des Falls schon bekannt. Dadurch, dass nur er die Karte "Aufklärung des Falles" erhält und gelesen hat, kann er die Fragen korrekt beantworten und die Ermittlung steuern und richtungsweisend sein.
Ein Spieler darf das Spiel dann eröffnen und liest die Angaben der „Fall-Karte“, die zuvor gezogen oder ausgewählt wurde vor. Alle Informationen und Skizzen werden allen Spielern gereicht und bekannt gemacht. Jeder Spieler erhält einen Bogen von der Ermittlerakte. Durch gezieltes Fragen, soll der Fall gelöst werden und es werden Ermittlungspunkte für gewisse Ermittlungsstände vergeben. Diese werden notiert und der Mitspieler mit der höchsten Punktzahl und der schnellsten Lösung des Falls gewinnt die Runde. Die Fragen werden an den Spieleleiter gerichtet, der auf die Fragen nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten soll. Dementsprechend müssen die Ermittler ihre Fragen bedacht formulieren um die meisten Informationen zu erbeuten. Die Ermittlerakten helfen dem Spieler beim rekonstruieren des Falls und zum Sammeln von Indizien und Beweisen.

In jedem der 25 Fälle gibt es stets 12 Einzelheiten zum jeweiligen Fall zu finden, die sich auf den Täter, dem Motiv, der Mordwaffe, und dem Tatverlauf beziehen. Diese zu erarbeitenden Punkte sind am unteren Rand jeder Fall-Karte angegeben sowie auf der Karte für den Spielleiter mit der "Aufklärung des Falles" im Fließtext ersichtlich und farbig markiert. Je länger die Fragerunde zwischen Spieler und Leiter mit Ja beantwortet werden kann, umso mehr Punkte sammelt dieser und kommt dem Fall schneller näher.
Bei einer negativen Antwort ist dann der nächste Spieler an der Reihe. Das Spiel, bzw. eine Spielrunde oder Etappe findet idealerweise sein Ende, sobald alle Spieler zusammen auf die 12 Einzelheiten des Falls gekommen sind, also alle 12 Punkte verteilt wurden, und der Fall richtig gelöst wurde. Ein vorzeitiges Ende muss erachtet werden, wenn keine Falldienlichen Fragen mehr einfallen und die Ermittlung ins Stocken gerät, dann werden die nur bis dahin vergebenen Punkte gezählt.
Der Spielleiter liest anschließend nochmals die Aufklärung des Falls seiner Karte vor und deutet auf die farblichen Passagen hin, die zu den Punkten führen und zu den 12 Einzelheiten eines jeden Falls.
Der Spieler, der der „Profi-Ermittler“ war und die meisten richtigen Antworten samt Punkte sammeln konnte, gewinnt die Runde und wird der nächste Spielleiter "Crime Master" für eine neue Partie.

Meinung:
Mein oben beschriebener Spielablauf ist die Regelvariante, und die, die ich persönlich bisher ausprobiert habe. Die Spieleanleitung gibt aber noch Vorschläge und Anreize für weitere Spielevarianten. Doch so, wie sich dieses Spiel hier erklärt hat, hat es mir sehr gut gefallen. Schon einige Wochen lag dieses handliche Spiel bei mir in der Schublade. Nun endlich hatten wir nach dem Europa-Meisterschafts-Fußballspiel eine nette und gesellige Runde daheim und wir haben den Fernsehabend anschließend zum Crime-Spieleabend umfunktioniert. Dieses Spiel ist zwar ein Spiel, bei dem man sich konzentriert, nachdenkt, strategisch mustert und sich seine Fragen auserkort, dennoch bringt es auch viel Gespräch, Spaß, Lacher, Pleiten, Pech und Pannen und eine sehr gesellige Zeit. Da und „Black Stories“ im Freundeskreis bekannt ist, hatten wir keinerlei Probleme uns mit „Crime Master“ zurechtzufinden. Aber auch völlige Krimi-Neulinge werden sich schnell einfinden. Der Spieleverlauf ist super klar und einfach beschrieben. Pluspunkt: Es müssen keine langen und komplizierten regeln studiert werden und das Spiel ist ruckzuck aufgebaut und spiel- und startklar! Der Karton ist sehr stabil und lässt sich super mitnehmen. Kompakt, handlich, leicht.
Die 25 Fälle haben es natürlich in sich, und wer gerne (Regional-)Krimis liest, wird hier voll und ganz auf seine Kosten kommen. Das ist das Markenzeichen des Verlags. Spannung aus den Gegenden Deutschlands und über die nahen Landesgrenzen hinaus. Super.
Tja, was soll ich weiter Schwärmen? Ran an die Karten und ran an den kniffligen Fall!

Mein persönlicher Kritikpunkt:
Die Karten wirken doch recht dünn und hätten für meinen Geschmack eine griffigere Haptik haben dürfen. Ich mag es da eher gern mit festeren Spielkarten. Zudem finde ich 25 Fälle sehr wenig, da das Spiel doch schnell ausgespielt sein kann, wenn man mehrere intensive Spielerunden oder Spieleabende mit Freuden erlebt hat. Ist der Fall erstmal bekannt, macht das wieder ermitteln im selbigen Fall keinen Sinn und Anreiz. Für Wenig- oder Gelegenheitsspieler wird dies jedoch kein Knackpunkt sein!

Zur Ideengeberin und Initiatorin:
„»Crime Master« ist nach »Kreuzverhör« (2006, 8. Auflage), »Kunststück« (2009, 2. Auflage) und »Auf der Flucht« (2012) bereits das vierte Krimi-Kartenspiel aus der Ideenschmiede von Sonja Klein.“

Fazit:
Ähnliche Spiele beherrschen den Spielemarkt bereits, und dennoch hat „Crime Master“ das gewisse Etwas und die eigene Note. Vor allem wenn man schon die Bücher aus dem Hause mag, wird man eine Nähe zum Verlag, zu den Krimis und zum Konzept finden. Mir gefällt gerade das ausgesprochen gut. "Crime Master" hebt sich durch die eigene Punktevergabe für die ermittelten Einzelheiten deutlich von anderen Fall-Karten-Spielen a la Black Stories ab und bietet so eine spannende und innovative Abwechslung mit mehreren Spielvarianten auf dem Ermittlermarkt und Gesellschaftspielesektor. 4 verdiente und mörderisch spannende Sterne!


Mein erster Puzzle-Würfel
Mein erster Puzzle-Würfel
von Britta Teckentrup
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,95

5.0 von 5 Sternen Ein Glücksgriff für meine Familie! Meine Kinder sind absolut glücklich mit ihrem ersten Puzzle-Würfel!, 23. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Mein erster Puzzle-Würfel (Taschenbuch)
Ab einem bestimmten Alter beginnen die Kleinen Farben zu erkennen, Dinge zu benennen, Tiere nachzuahmen und Dinge zu einander zu bringen. Mit „Mein erster Puzzle-Würfel“ sollten all die neuen Fähigkeiten und Kenntnisse spielerisch und munter kombiniert und genutzt werden. Dieser tolle Würfel-Puzzle-Tierespaß ist farbenfroh und für Kinder ab etwa 18 Monaten eine ltersgerechte und unterhaltsame Beschäftigung. Dank der kompakten und praktischen Aufbewahrung lässt sich dieses Spiel auch gern mitnehmen.
Erschienen im ars Edition Verlag

Zum Inhalt / Beschreibung:
"Allererster Puzzlespaß!
Ente, Eule, Maus, Frosch, Katze und Igel laden zum ersten Puzzeln, Stapeln und Staunen ein. Die vier stabilen Würfel begeistern mit farbenfrohen Tiermotiven der Bilderbuchkünstlerin Britta Teckentrup und fördern spielerisch die Konzentration und die Feinmotorik. Ideal für alle kleinen Baumeister.
Hochwertige Geschenkverpackung "

4 quadratische Würfel
6 tierische Motive
6 Hintergrundfarben
1 praktische Box mit Tragegriff
1 Vorlage der 6 fertigen Puzzles
Jede Menge Spiele- und Puzzlespaß und Stapelfreuden

Meinung:
Dieser Puzzlewürfel überrascht mit vier großen und greifbaren quadratischen Würfeln in einer galanten Transportbox mit Sichtfenster und Tragegriff. Jeder Seitenschenkel eines Würfels zeigt einen Ausschnitt eines bestimmten Tieres, welches zusammenzufügen gilt und gibt durch eine klare Hintergrundfarbe Hilfestellung. Jedes Puzzleteil ist sogar so durchdacht, dass immer die obere rechte Ecke die obere rechte Ecke bleibt, die untere linke bleibt die untere Linke usw. So haben auch die ersten Puzzleversuche schnell Erfolg und spornen zum weiteren Legen, Kombinieren, Ausrichten, Stellen und Setzen an. Die illustrierten Tiere sind jedem Kind bekannt und gehören zu den ersten Tieren, die im Wortschatz erkannt und benannt werden können. So kann man auch die Sprache spielerisch fördern. Kleine Details im jeweiligen Bild lassen zudem eine Geschichte erzählen. Meine Tochter hat sich gern auf die Verzierungen wie Schmetterling, Marienkäfer, Trauben und Co spezialisiert. Diese Würfel und das ganze Konzept gefallen uns ausgesprochen gut. Die Würfel sind angenehm leicht, aber auch nicht zu leicht, sie lassen sich prima setzen und auch einfach nur Stapeln oder Verbauen, die Würfelbox ist sehr stabil und das Schließen und Öffnen gelingt auch meiner bald drei Jahre alten Tochter sehr gut. Die Farben sind kräftig und erleichtern das Spiel. So kann durch die unterschiedlichen Hintergrundtöne schon eine Vorauswahl der Puzzleteile getroffen werden, die dann, und das ist schon etwas kniffliger, zu einem Bild gelegt werden müssen. Geduld, Konzentration, Motorik und Sprache. Hier wird auf vielen Säulen der Entwicklung und der Unterhaltung und Förderung gebaut. Sehr schön. Der Puzzlekoffer lässt sich zudem gut und leicht transportieren und darf auch gern mal mitgenommen werden. Da er auch einfach gut aussieht, macht er auch im Kinderzimmer oder im Spieleregal eine gute Figur. Das Material ist haltbar und obwohl die Teile aus Pappe bestehen, sind sie scheinbar unempfindlich gegenüber kleineren Kinder, die noch alles in den Mund stecken oder anknabbern. Denn auch mein 13 Monate alter Sohn hat schon Freude dabei Türme zu stapeln oder diesen Einstürzen zu lassen.

Die Ideengeberin und Illustratorin:
"Britta Teckentrup ist Illustratorin, Autorin und freie Künstlerin. Sie wurde 1969 in Hamburg geboren. In London studierte sie Kunst und Illustration am Saint Martins College und dem Royal College of Art. Heute lebt sie mit ihrem Mann, Sohn und Katze in Berlin. Sie hat über 50 Bilderbücher veröffentlicht, die in mehr als 20 Ländern erschienen und mehrfach ausgezeichnet worden sind."

Fazit:
Ein Spielespaß, den wir in unserer Kinderstube nicht mehr missen möchten. Sehr angesagt bei meiner fast 3 Jahre alten Tochter und meinem jüngst 13 Monate alten Sohn. Topp, wir haben nichts zu meckern. Wir sind glücklich mit unserem ersten Puzzle-Würfel! 5 klare Sterne! Wer keine eigenen Kinder im entsprechenden Alter hat, darf sich diesen Tipp auch als Geschenketipp für kleine Weltentdecker merken!


Ein Schwede zum Verlieben: (Nicht ganz) ein Liebesroman
Ein Schwede zum Verlieben: (Nicht ganz) ein Liebesroman
von Ingrid Zellner
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

3.0 von 5 Sternen Dieser Roman ist eine wahre Reise. (Ein) Schwede(n) zum verlieben. Nicht ganz ein Liebesroman! Wunderbar facettenreich!, 22. Juni 2016
„Ein Schwede zum Verlieben – (Nicht ganz) ein Liebesroman“, dieser lockerleichte (Sommer-)Roman, der zunächst tatsächlich wie ein Liebesroman anmutet, ist weit mehr als das. Dieser herzerfrischende und humorvolle Roman sollte daher nicht wahllos in eine Schublade geschoben werden. Denn diesen Roman möchte ich, ähnlich wie die Autorin Ingrid Zellner selbst, ganz bewusst nicht „Liebesroman“ nennen, denn diese Geschichte muss voreingenommen gelesen werden, denn dass, was zwischen diesen Buchdeckeln steckt, entblättert sich buchstäblich zu etwas ganz Außergewöhnlichen. Eine (nicht ganz) Liebesbeziehung, die aber trotzdem für Romantik, Gefühl und Verliebtsein sorgt, aber ohne jeglichen Schmalz oder hochtrabenden Kitsch auskommt. Eine Reise durch die Stadien der langsam wachsenden Liebe und eine Reise zu den Heimaten der Protagonisten. Vom skandinavischen Stockholm zum bayerischen Dachau und zurück…. Mitten ins Herz, oder mitten in den Verstand…. Voller Leidenschaft, Atmosphäre und Wortwitz zeigt und die sympathische Autorin das schwedische Leben und die süddeutsche Feierlaune. Sie uns ein Stockholm und auch ein Dachau, welches nicht nur Liebe bezeugt, sondern auch geschichtliche Hintergründe, Land, Leute und Kultur birgt. „Ein Schwede zum Verlieben“, ja, man kann und soll bei diesem Titel spekulieren, es wird sich lohnen sich verzaubern zu lassen und an den herzerwärmenden und authentischen Zeilen und Erzählungen teilzuhaben.
Erschienen bei Magic Buchverlag

Inhalt:
„Die Werbetexterin und Autorin Verena lernt während eines Sommerurlaubs in Stockholm den sympathischen Schweden Torbjörn kennen. Schnell schließen die beiden Freundschaft, und als Torbjörn Verena kurz darauf in deren Heimatstadt Dachau besucht, funkt es zwischen ihnen. Aber hat diese Liebe eine Chance? Denn beide sind überzeugte Singles und eigentlich nicht bereit für eine feste Beziehung. Sie beschließen deshalb, sich mit dieser Entscheidung Zeit zu lassen, bis sie sich im Advent in Stockholm wiedertreffen – ohne zu ahnen, was bis dahin geschieht …“

Schreibstil:
Ich kenne die Autorin Ingrid Zellner bereits aus einem ganz wunderbaren Kinderbuch, Malin und das weiße Rentier, welches ich mit meiner Familie in der Winterzeit genossen habe. Allein in ihrem aussagekräftigen und mit Botschaften und Sinn gespicktem Kinderbuch und ihren schwedischen Einflüssen hat sie mich sehr begeistern und überzeugen können. Ich schätze an dieser ambitionierten Autorin sehr, dass sie sich in ihre Figuren einzufühlen vermag. Auch hier in ihrem gefühlvolleren Erwachsenen-Genre, einen Roman zu schreiben, beherrscht sie diesen Schachzug ebenso gekonnt wie in ihren wunderschönen und bezaubernden Kinderbuch. „Ein Schwede zum Verlieben“ wird aus der Erzählperspektive einer dritten Person erzählt, dennoch sind wir als Leser hautnah dabei und stehen an Verenas, bzw. Torbjörns Seite. Ein ganz besonderer Reiz ist es für den Leser, sich in Zeilen der tollen und detailreichen Kulissen, Beschreibungen und Aura, der besonderen Ironie des Schicksals, der Wort- und Bildmalereien und der unschuldigen und immer heißer werdenden Träume der Protagonisten zu verlieren, bis sich zu erkennen zeigt, dass auch ein passionierter Single mal schwach wird und sein Lebensmotto hinterfragen sollte… Eine Zerreißprobe, nicht nur für diese Liebesbeziehung hier im Buch, die wie eine Geisel erscheint, da beide, sowohl Verena, als auch Torbjörn an ihrer selbstauferlegten Devise des Glücklichen Single festhalten wollen und sich somit selbst im Wege stehen. Der Leser erkennt dies natürlich sofort und möchte ständig eingreifen und die beiden Herzchen wachrütteln. Der Autorin Ingrid Zellner ist ein Roman der sommerlich frischen, lockerleichten, herzerwärmenden und angenehmen, verträumten, sinnlichen, aber auch unternehmungslustigen und abenteuerlichen, sowie emotionalen Töne gelungen, der nicht nur aufgrund der authentischen Geschichte und der bewegenden Begebenheiten intensiv erscheint. Besonders der geschickte Aufbau des Romans, bei dem zwischen Stockholm in Schweden und Dachau im bayerischen Süddeutschland und wieder Schweden und Dachau gewechselt wird und wir auch mehr zur tieferen Persönlichkeit von Verena und Torbjörn erfahren. Dieser Schachzug der Autorin I. Zellner erzeugt absolute Nähe und Verbundenheit zu dieser Freundschaft, die so viel mehr ist. Ingrid Zellner versteht es Stimmungen, Umgebung, Landschaft, Flair und Charme in passende Worte einzufangen. Hier spürt man als Leser in jeder Zeile, welch große Leidenschaft die Autorin selbst für Land und Leute und dem schwedischen Leben hegt. Ganz toll.

Meinung / Eindrücke:
Das Buch ist definitiv kein reißerischer oder extrem aufwühlender oder lebhafter Roman, es ist (k)ein Liebesroman, der nicht nur zwei pochende Herzen beschreibt, sondern auch die Heimat der beiden: Schweden und Deutschland. Dieses Buch fängt den Leser schnell ein, auch wenn dieser eher nicht zu den typischen Liebesromanen greifen würde. Diese tolle Romangeschichte ist relativ unkompliziert, locker, nicht allzu anspruchsvoll, verwirrend oder irritierend. Dieser Roman ist einfach ganz einfach und ein tolles Buch für Zwischendurch und zum Sich-weg-träumen. Da die Autorin sehr detailliert ihr, bzw. das Umfeld von Verena und Torbjörn, beschreibt, erhält der Leser Landeseindrücke auf einem Silbertablett serviert. Fantastisch. Dennoch muss ich anmerken, dass mir einige Details dann doch zu viel erschienen und das Buch wie ein Reiseführer oder Reisetagebuch wirkte. Besonders aufgefallen ist mir dies an Stellen, wo sogar der Eintrittspries für eine Besichtigungstour genannt wird, oder die genaue Farbe und Beschaffenheit der Fassaden und Fenster, die Empfindungen beim Erklimmen einer Treppe etc. Das ist zwar gut, aber in dieser hier gewählten Hülle und Fülle lenkt es doch sehr von den Figuren Verena und Torbjörn ab, um die es doch eigentlich hier gehen sollte. Da würde ich noch etwas mehr Balance und Feinschliff zwischen Aura und Flair, sowie Bezug zu den Protagonisten und deren Tiefe verlangen.
Dieser Roman beginnt zunächst tatsächlich wie ein Liebesroman, schnell könnte man ihn in eine Schublade stecken, was man jedoch keinesfalls einfach tun sollte, denn man würde diesen Zeilen Unrecht geben. Wir lesen zwar ein Buch voller Liebesgezwitscher, voller Prickeln, Anziehungskraft, Charme und Zärtlichkeit, das ist jedoch nur der Beginn einer labwechslungsreichen Reise zu den wahren Gefühlen und zu einem August im Sommer. Ingrid Zellner zeigt uns ein Buch, was sich nur langsam entfaltet, obwohl es für diese Metamorphose gerade mal knapp 179 Seiten Raum bietet. Einiges wirkte mir daher im Verlauf zu schnell und verkürzt dargestellt. Anderes durch sehr viele Details und Touristenattraktionen vom Kern ablenkend. Verena kommt rasch in Stockholm an und findet sich erstaunlich schnell zurecht und ist über ihre eigene Lockerheit sehr überrascht und lädt sogar kurzerhand einen Schweden zu sich ein. Hier bleibt dem Leser eher wenig Zeit sich mit Verena und Torbjörn anzufreunden, ehe er sie kurzerhand schon in Deutschland besucht. Das finde ich etwas schade, da hätte ich dem Roman an dieser und auch an anderen Stellen gern mehr Seiten gegönnt.
Wirklich bemerkenswert finde ich, welchen Verlauf und Hintergrund diese Geschichte schlussendlich nimmt. Dann weiß auch der letzte Leser, warum er diesen Roman nicht einfach Liebesroman nennen sollte!!!
Dieses Buch gut, richtig gut. Denn es ist eines der wenigen Bücher, die mich mit ihrem Titel oder Untertitel richtigneugierig gemacht haben. Ich habe schon mal ein Buch gelesen, dass hieß (K)ein Vampirroman, und doch war es einer. Irgendwie. Wie steht es mit (Nicht ganz) ein Liebesroman? Da darf der neugierige Leser wirklich gespannt sein und sich von Ende überraschen lassen… Hätte ich dieses Buch nicht im Rahmen einer Leserunde mit der Autorin gelesen, so gebe ich zu, hätte ich es mir aufgrund des Klapptextes womöglich nicht bestellt. Hier lockt mich zwar das Schwedische Angebot, aber eine schwierige Lovestory zählt nicht zu den Romanen, die ich favorisiere. Ich bin aber heilfroh, das Buch gelesen und entdeckt zu haben. So nah habe ich Schweden, die Menschen dort, die Speisen, Lokale und Kultur noch nicht erlebt. Es wirkt so, als wäre ich tatsächlich selbst dort gewesen. Das trifft dann auch auf Dachau zu, wobei ich mich da nicht so sehr hingezogen fühle. Dieser Roman schenkt dem Leser eine Reise. Dieses Buch hat mich auf ganzer Linie überrascht, ich habe mich selbst neu erfahren und hinterfrage nun meine eigenen Lesegewohnheiten. Vielleicht doch zur Abwechslung mal ein beziehungs- oder Liebesroman? Oder ein Buch über eine tolle Freundschaft? Gerne!!!! Auch wenn mich das Buch, bzw. die etwas lasche Skizzierung der Charaktere und die Geschichte nicht gänzlich für sich gewinnen konnten, so kann ich jedoch behaupten, dass so mancher Romanleser sich in dieses Leseerlebnis verlieren und in einen Schweden verlieben wird!!!!
Man merkt sofort, dass die Autorin weiß wovon sie erzählt, da sie wie gewohnt ausgiebige Recherche betrieben hat und diese atemberaubende und facettenreiche Geschichte, sowie die Charaktere aus dem wahren Leben inspiriert sind. Daher kann Ingrid Zellner ehrliche und reale Gefühle in ihren Worten wiederspiegeln. Meiner Meinung nach stellt dieser Roman ein berührendes und zugleich humorvolles und hoffnungsstarkes Portrait einer selbsterlegten Devise, eines Lebensmottos, dar, das mich dank der hohen Erzählkunst in ganzer Linie beeindrucken, wenn auch nicht überzeugen, konnte. Klare Leseempfehlung für all diejenigen, die sich auf einen lockeren und leichten und vor allem humorvollen und sympathischen Roman samt hoher Verbundenheit und dem echten Herzblut der Autorin einlassen wollen und erleben wollen, wie es ist einen Schweden zu knacken
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Kritikpunkte:
Ich habe persönliche Punkte, weswegen mich dieser Roman trotz meines Gefallens daran nicht gänzlich für sich gewinnen konnte. Ich hatte große Freude an den vielen liebevollen Details, die mich aber leider im weiteren Verlauf des Romans mehr und mehr gestört haben. Den Preis einer Eintrittskarte muss ich nicht unbedingt im Roman erfahren, so wirkt es vielmehr wie ein Touristenführer oder reisebereicht und die Beziehung zwischen Verena und Torbjörn rückt dadurch etwas in den Schatten. Leider. Ich konnte mich auch längere Zeit mit der Devise „Glücklicher und überzeugter Single“ überhaupt nicht identifizieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich der totale Familienmensch bin und das Leben in einer harmonischen Partnerschaft einfach nicht missen möchte… Ja, und Torbjörn liebt sein gutes Bier und ist der typische trinkfeste Schwede (bei den Alkoholpreisen dort!!!!). Da kann man sich so manches Mal dran stoßen, da ich Verena und auch Torbjörn nüchtern einfach lieber mag. Da weiß ich dann, dass die Gefühle echt sind und nicht nur mit dem Alkohol davon geflossen sind. Soso, das Ende…. Lovestory oder nicht? Happy End oder nicht? Das werde ich natürlich nicht verraten. Nur so viel: einige werden es mögen, andere werden mit den Zähnen knirschen… Ja, dieses Buch entblättert und entpuppt sich buchstäblich und lässt den Leser spekulieren. Das kann man mögen, aber man muss sich auch erst über die Stolpersteine des Schubladendenkens hinauswagen. Und als weitere dezente Kritik von mir anzumerken ist, dass das Buch zu wenige Seiten für so viel Schauplatzwechsel und Kulisse hat, die sich stetig aufbaut. Das erste Drittel kommt zu schnell abgehandelt vor, wobei man doch Torbjörn in Schweden gerade erst entdeckt und kennengelernt hat. Ich wäre da noch so gern in Stockholm geblieben mit Verena und dem Schweden. Im Mittelteil geht es nach Dachau, dort lenken die Feste und Touren sehr von der Beziehung ab, der Schlussteil ist wunderbar angefügt und sorgt für Überraschungen und der Rundung zum Buchtitel!

Die Charaktere:
Verena mochte ich von Beginn an sehr gern. Sie wird kurz vorgestellt, ihre Beruf erklärt und ihr Lebensmotto angedeutet. Verena ist eine Person, die endlich mal nicht naiv oder in Selbstmittleid zerfließend ist. Das schätze ich an ihr besonders. Außerdem hat sie eine große Klappe, die mir sehr gefällt und sich später mit Torbjörn super ergänzt. Ach ja, Torbjörn! Ein Schwede durch und durch. Er denkt wirklich mit und hat sogar an sein „Last-Minute“-Paket gedacht! Ein Mann der auf Nummer sicher geht. Wie das Cover andeutet, wollen sich beide die Hand reichen. Doch beide sind doch überzeugte und passionierte Singles. Doch steckt vielleicht viel mehr dahinter? Kontrollverlust? Angst verletzt zu werden? Vertrauen? Das selbstbestimmte Leben zu opfern?....
Somit hat die Autorin zwei sowohl starke (auch wenn es lange nicht danach aussieht) als auch vielschichtige Hauptfiguren als Protagonisten gewählt, deren Sommer zu einem Roman wird. Auch die anderen Charaktere, denen Verena und Torbjörn auf ihren Besuchen und Reisen begegnen sind unterhaltsam und authentisch skizziert. Vor allem der Spaß unter Verenas Freunden, aber auch Torbjörns Kumpel passen wunderbar in den Alltag und an die Kulissen und in die Passagen.

Die Autorin:
„Ingrid Zellner, geboren 1962 in Dachau. Studium der Theaterwissenschaft, der Neueren deutschen Literatur und der Geschichte in München. 1988 Magisterexamen. Dramaturgin 1990 bis 1994 am Stadttheater Hildesheim und 1996 bis 2008 an der Bayerischen Staatsoper München. Veröffentlichung von Romanen, einem Kinderbuch, Kurzgeschichten, Theaterstücken, CD-Booklet-Texten und Artikeln. Freiberufliche Tätigkeit u.a. als Übersetzerin (Schwedisch) sowie als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin.“

Das Cover:
Hier ist er wieder: DER Liebesroman. Der aber keiner ist. Hier sieht man vermutlich Verenas und Torbjörns Hände, die sich reichen und halten wollen aber dies (noch?) nicht tun. Dezent im Hintergrund sehen wir die Skyline, den Himmel und das Meer. Das Cover lädt zu Assoziationen ein, mich persönlich lädt es jedoch nicht zum Buchkauf ein.

Fazit:
Ein sehr lockerleichtes und angenehm frisches Sommerbuch. Die Autorin hat Wiedererkennungswert und setzt sich auch mit „Ein Schwede zum Verlieben“ ein Markenzeichen der Verbundenheit zum Land. Ich bin für dieses Buch nicht gänzlich die richtige Adressantin und habe mich an einigen Punkten gestoßen. Gebe aber für die talentierte, überraschende, ambitionierte und nahe Umsetzung mit seinen vielen Vorzügen und Besonderheiten gerne verdiente 3,5 Sterne!


Die Reise der Amy Snow
Die Reise der Amy Snow
von Tracy Rees
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Wie ein traumhaftes Märchen: Siebzehn Jahre, begonnen im Schnee und beendet in Flammen. Ich liebe diesen Roman!, 20. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Reise der Amy Snow (Broschiert)
Die Romanautorin Tracy Rees hatte es mit ihrem Debütroman gar nicht so leicht, bis sie den Schritt auf der Erfolgsleiter, der nun ungebrochen scheint, nach oben gehen konnte. Durch einen dotierten Schreibwettbewerb konnte die junge englische Autorin ihr Können unter Beweis stellen und schnell eine große Fangemeinde an Lesern ihr Eigen nennen. Mit „Die Reise der Amy Snow“ hat die Autorin Tracy Rees einen ganz bezaubernden historischen Roman erschaffen, der von der Regel und Norm üblicher historischer Romane abweicht und mit ihrer Zeit um 1830 bis 1849 im viktorianischen England ein modernes Märchen schreibt, was das Leserherz erwärmt und den Leser regelrecht aus dem Alltag entführt und ihn mit an Amys Reise und Aurelias Rätsel teilhaben lässt. Eine Reise mit unbestimmtem Ende, eine Reise, die einen Lebensweg zweier starker und besonderer Frauen beschreibt. Eine Reise, die aus einem guten Grund unternommen werden muss. Eine Tragödie, ein Abschied, aber auch ein hoffnungsvoller Neubeginn und ein Anfang. Auch mich haben die vielen begeisterten Leserstimmen und Lobenshymnen zu Tracy Rees Werk „Die Reise der Amy Snow“ sehr neugierig gemacht. Ich habe so viele begeisternde Rezensionen und Leserstimmen vernommen, sodass ich diese Autorin nun endlich einmal selbst kennenlernen wollte. WOW. Meisterhaft, erstaunlich, anmutig, gehoben, klassisch, märchenhaft und bezaubernd.
Erschienen im Ullstein Verlag / List

Zum Inhalt:
"Als Baby wurde Amy Snow ausgesetzt. Mittellos und von allen gehasst wird sie auf dem noblen Hatville Court aufgezogen. Die schöne Tochter des Hauses, Aurelia Vennaway, ist Amys einzige Freundin und der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Als Aurelia jung stirbt, bricht Amys Welt zusammen. Aber Aurelia macht ihr ein letztes Geschenk: ein Bündel Briefe, das Amy auf Schatzsuche schickt. Einen Code, den nur Amy entschlüsseln kann. Am Ende erwartet Amy ein Geheimnis, das ihr Leben verändern wird. Amy Snow begibt sich auf eine Reise quer durch England."

Handlung:
Dieser historische Ausnahmeroman erstreckt sich über knapp 19 Jahre im Leben des Findelkinds Amy Snow und ihrer Finderin, Freundin und Schwester Aurelia Vennaway. Die gut behütete und aus edlem Hause stammende Aurelia findet mit ihren knapp 8 jungen Jahren auf dem verschneiten Anwesen ihrer Familie Vennaway ein unterkühltes, blaues und splitternacktes Baby. Wenige Stunden alt und verlassen und einsam im Schnee abgelegt. Ohne Mutter oder jeglichen Hinweis, der auf die Herkunft des Säuglings schließen könnte. Die fröhliche und aufgeweckte Aurelia schließt dieses Findelkind sofort in ihr gutes Herz und nimmt es mit nach Hause. Dort stößt das Baby, Amy Snow wird es von Aurelia genannt, auf Abneigung. Aurelias Eltern wollen dieses arme und mittellose Kind nicht auf ihrem Anwesen Hatville aufnehmen. Doch die Gesellschaft setzt von den Vennaways, die sehr viel Vermögen und Ansehen haben, voraus, dass diese sich zum Wohle der Gesellschaft und der Armen zeigen. Um den guten Ruf zu wahren, darf dieses Baby, was sich Aurelia als Schwester so sehr gewünscht hat, bleiben. Jahre vergehen. Jahre in denen Amy Snow auf Abneigung, Hass und Schmäh trifft. Sie ist im Hause Vennaway gänzlich unerwünscht und diesen Missmut lassen alle sie spüren, besonders Lord und Lady Vennaway. Außer die gutherzige Aurelia kümmert sich rührend um ihre Schwester und eine einige Freundschaft zwischen den Mädchen entsteht. Bis eines Tages die heiratsreife, 8 Jahre ältere Aurelia erkrankt und ihr nur noch wenige Wochen, maximal wenige Jahre zu Leben bleiben. Eine Zeit, der die jungen Frauen vor einer Herausforderung stellt und Aurelia Vorkehrungen treffen muss, die nach ihrem frühen Tod verlangen, dass Amy Snow auf eine lange Reise geschickt wird, weg von Hatville, zu einem Rätsel, dass ihr zum ersten Mal die wahre Gestalt Aurelias offenbart und für Amy einen neuen Lebensweg bietet…
Amy erhält nach und nach Briefe von der verstorbenen Aurelia, die sie noch zu Lebzeiten geschrieben und ihren Plan des Rätsels geschmiedet hat, der Amy von London nach Twickenham, Bath und York führt. Eine Reise, die für Amy sehr viel bedeutet und in der sie schwierige Rätsel lösen muss und zum ersten Mal im Leben auf Gastfreundschaft, Familie, Willkommen und Liebe trifft…

„Sie behielten mich unter der Bedingung, dass ich der Familie nicht unter die Augen trat, aber Aurelia wollte sich nicht von mir fern halten. Sie war verwöhnt und einsam. Außerdem sehr phantasievoll – das Rätsel eines unbekannten Schneebabys faszinierte sie wohl.“ (Seite 319)

Schreibstil:
Die talentierte und ambitionierte junge Autorin Tracy Rees besitzt einen sagenhaft bildhaften, nahen, realen und gefühlvollen Schreibstil. Noch nie habe ich in einem Buch eine solche Fülle an Atmosphäre, Liebe, Zartgefühl, Bildern, malerischen Kulissen, rauschenden Kleidern, Farben, Gerüche, Vegetationen, Landschaften, Gemäuer, Details, Buchgefühl und Lebendigkeit gelesen. Wirklich faszinierend. Zugegeben, haben mich jedoch die ersten knapp 40 Seiten sehr skeptisch gestimmt. Fand ich den Stil und die Sprache anfangs noch sehr kitschig, blumig, unrealistisch und kindisch, so wendete sich dies faszinierend und überraschend schnell. Nicht meine Einstellung zu Kitsch und Tand hat sich geändert, sondern die Noblesse und Anmut, wie die Autorin ihre Handlung umzusetzen und zu beschreiben beginnt. Ich muss sagen, dass mich dieser Schachzug sehr überrascht hat und auch sehr glücklich gestimmt hat. Denn so konnte ich regelrecht in den Zeilen versinken, mich in den Bildern und Umschreibungen verlieren und Amys Leben hautnah aus ihrer Ich-Erzählperspektive mit den Rückblenden ihrer Kindheit bis zu ihrem Fund und der wachsenden Freundschaft zu Miss Aurelia Vennaway auf Hatville begleiten. Tracy Rees nimmt den Leser gleich zu Beginn mit in eine andere Welt ins Jahr 1848 und zuvor in die Zeit von Amys plötzlichem Auftauchen im Leben der angesehenen und einflussreichen Vennaways. T. Rees schreibt sehr detailliert und ausgesprochen ausführlich. Minutiös schildert sie hier wirklich den leisesten Windhauch, der später zu einem großen Sturm entfachen kann. Beinahe jeder Gedanke, jeder Handschlag, jede Ritterlichkeit wird ausgeführt und dem Leser vorgeführt. Knapp 19 Jahre aus dem Leben von Amy Snow von Amy selbst erzählt mit ihrer Freundschaft zu ihrer geliebten Aurelia. Als Leserin weile ich an ihrer Seite, ich lebe, erlebe, kämpfe, leide, liebe und reife mit ihr. Die Autorin lässt ihre Charaktere wunderbar wachsen und entwickeln. WOW. Sehr detailliert und unglaublich genau. Ihre Stärke der Akribie und der ausführlichen Schilderungen könnte auch sogleich eine Schwäche darstellen, denn das Buch fordert den Leser sehr. Es liest sich nicht wie ein üblicher historischer Roman, dieses Buch ist ein Ausnahmeroman und gleicht eher einem Märchen, welches Adaptionen von Aschenputtel, Schneewittchen und Cinderella sowie Frau Holle bietet. … Dieses Buch, samt schriftstellerisches Geschick bietet so ziemlich alles und noch so viel mehr!!! Man muss sich als Leser jedoch bewusst sein, dass man sich fallen lassen können muss und einen Hang zu Märchen- und Mädchenhaften willkommen heißen muss. Mir hat es erstaunlich gut gefallen und ich bin regelrecht in eine andere Zeit mit anderen Kulissen und Gesellschaftsformen, Anstand und Etikette entflohen. Die möglich empfundene Langatmigkeit einiger Ausführungen, verwandelt sich jedoch aufgrund der Fülle an schöner Worte, das Abtauchen in eine andere Welt und der sagenhaften Atmosphäre, in eine Langatmigkeit, die man mit jedem Wort und mit jeder einzelnen Zeile dennoch sehr genießt… Ein wirklich seltenes und großes Talent einer Autorin Tracy Rees. Wir erleben diesen historischen Roman aus der Ich-Erzählperspektive von Amy Snow berichtet. So erleben wir als Leser alle Seiten sehr intensiv und sind stets im Bilde ob der unglaublichen Wendungen, Ereignisse und Konstellationen.

„Das Haus steht für sich allein, es wirkt gelassen und selbstbeherrscht. Es ist rechtwinklig und weiß, mit einer dunkelblauen Tür in der Mitte. Ein Gewirr blattloser Ranken klettert daran hoch. Ich schlüpfe durch das Tor und nähere mich dem Haus, das mit jedem Schritt, den ich darauf zugehe, schöner aussieht. Es ist von weitläufigen Rasenflächen und Zedern umgeben.“ (Seite 156)

Wir begegnen hoch angesehenen Charakteren von Hofe, sturen Köpfen, patriotischen Helden, Gentlemen, feinen Damen, Personal, Mägden, Angestellten, Familien, Knaben, Gouvernanten, Tanten… Jeder mit seiner gepflegten Umgangsform und Artikulation. Nobel, edel und gehoben, bis einfach, bürgerlich und herzlich. Tracy Rees schreibt erstaunlich gehoben und anspruchsvoll. Sie nutzt eine sehr förmliche Sprache und erzeugt somit ein klares Bild der damaligen Gesellschaft. Tracy Rees benutzt Worte, die ich schon lange vergessen glaubte. Sehr harmonisch und lobenswert. Einige kleine Beispiele sind hier Konvention, Kurtisane, promenieren, Concierce, Gentlemen, … Schon in den ersten Seiten schafft Tracy Rees eine Umgebung, die lebendiger und detailreicher erscheint, als jeder Film. Sie erzeugt Kopfkino der Extraklasse. Wir erleben hier die edlen Herrenhäuser, Etikette, Adel, Stand und Status, sowie die einfachen Güter, das einfache Leben, Kaufleute, Familien, die weiten Ländereien Englands von Bath über London nach Yorkshire. Flora, Fauna, die Gastlichkeit, die Gemütlichkeit aus Familie und Herzlichkeit, sowie die Kühle und Distanz aus Hass und Neid.

Kann man diesen historischen Roman als üblichen historischen Roman bezeichnen? Ich denke eher nicht, denn dieses Buch ist schon etwas sehr besonderes und außergewöhnliches. Die Autorin stützt sich nicht auf historische Fakten, sie lässt einfach eine bezaubernde Geschichte, ein Märchen, in einer alten Zeit des viktorianischen England spielen und greift die Etikette, den Anstand und die Gesellschaft dieser Ära auf ohne weiter auf historischen Belangen zu bauen.... Die Autorin schreibt unheimlich nah, erweckt lebhafte Bilder, konzentriert sich aufs Detail, formt wunderbare Dialoge und spielt mit der Phantasie der Leser.

„Die Bäume verharrten in rätselhaftem Schweigen, kahl und schwarz, wie die Wahrheit von Aurelias Tod.“ (Seite 26)

Charaktere:
Die Auswahl der Charaktere, bzw. der Hauptprotagonisten sollte das Herzstück des Romans sein. Und dieser Wunsch, dieses Ziel, ist der Autorin in der Umsetzung sehr gut und besonders gelungen. Amy Snow, das Findelkind. Arm, mittellos, ohne Familie und Herkunft. Unerwünscht und abgelegt. Unerwünscht und in einer hoch angesehenen Familie geduldet. Amy Snow die auf eine Reise geschickt wird und erst mit ihren nun inzwischen 17 Jahren wirklich zu Leben beginnt und sich frei nennen kann. Amy wird von Auralia, Miss Vennaway, die einzige Tochter von Lord und Lady Vennaway, gefunden und mit auf Hatville genommen. Aurelia ist 8 Jahre älter als Amy und wie eine Schwester für Amy. Eine Freundin, die einzige Bezugsperson auf dem großen Anwesen. Aurelia verstirbt früh und hinterlässt Amy ein Erbe. Ein Erbe aus Briefen und einem Rätsel. Amy muss gehen und begibt sich zum ersten Mal im Leben außerhalb der Mauern von Hatville. Ihr Weg führt sie nach London, Twickenham, Bath und York. Dort lernt Amy sehr unterschiedliche Menschen und Männer kennen. Wichtig werden hier vor allem Mr Crumm mit seinem Enkel Henry aus London, die Familie Wisters, die einen sehr schönen Lebensabschnitt für Amy im Buch einnehmen, die exzentrische Mrs Riverthorpe (ich liebe diese alte schrullige Frau, herrlich!), Quentin Garland und viele andere prägende Personen.

„Ich gestatte mir ein kurzes Zwischenspiel heftigen Selbstmittleids, das von draußen eine Krähe mit ihrem traurigen Krächzen kommentiert.“ (Seite 203)

Es ist selten, dass in einem Roman die Kulissen und Schauplätze, die Handlung, der Stil und sogar die Charaktere und Protagonisten gleichermaßen beeindrucken und polarisieren. Erfolgsautorin Tracy Rees schafft dieses Meisterwerk und hat einen Pool aus Figuren erschaffen, die mit viel Sympathie bewegen, aber auch mit Antipathie und Abscheu sowie Hass aufwarten können. Einige Protagonisten nehmen im Laufe der Handlung einen ganz neuen Part ein und werden den Leser überraschen.

Ich trockne meine Kleider vor einem Feuer, dessen Hitze mich erschaudern lässt, und bekomme etwas Heißes zu trinken. Dazu habe ich die Aussicht auf Gesellschaft heute Abend und ja, auch so viel Privatsphäre, um ein wenig zu weinen, während die Anspannung und das Unbehagen der letzten Tage von mir abfallen.“ (Seite 132)

Meinung:
Die Autorin hat bei mir mit ihrem Werk eine Achterbahn ans Laufen gebracht. Dieses Buch war und ist aktuell in aller Munde. Der Titel hat mich sofort verzaubert und das Cover lud mich regelrecht ein. Die vielen positiv gestimmten Rezensionen und Kurzmeinungen zum Roman haben mich dann doch zum Buch greifen lassen. Ja, es liegt auch anschmiegsam und wunderbar in der Hand. Dieses Buch verspricht Wohlfühlzeit und Leseauszeit vom Alltag. Der Prolog reicht zurück in die Zeit, als das blaue Findelkind auf dem Anwesen Hatville gefunden wurde. Die zweite Geburt der identitätslosen Amy Snow. Zugegeben haben mich die ersten knapp 30 oder 40 Seiten eher negativ auf diesen historischen Roman gestimmt. Dieses Buch kam mir gar nicht historisch vor, eher blumig und kitschig. Ich habe mich wirklich gefragt, ob das ein Scherz sein soll und ob das Buch so weitergeht. Doch man sollte sich wirklich von möglicher anfänglicher Skepsis nicht irritieren lassen. Mich hat der erste Anschein hier getrügt. Dieses Buch hat mein ganzes Herz gewonnen, es hat mich unglaublich überraschend verzaubert und in eine ganz andere Welt entführt und mich mit auf eine Reise sagenhafter Städte, Gesellschaften und Menschen genommen. Ich habe mich regelrecht ins Buch verliebt. Unglaublich. Da ist der Autorin noch ein richtiges Kunststück gelungen. Bei diesem Märchen kann ich gern auf den üblichen historischen Roman verzichten und genoss einfach ein wunderbares Wohlfühlleseerlebnis mit Amy Snow und ihrer unglaublichen Reise. Auf mehr als 480 Seiten erleben wir sensationelle Kulissen, Landschaften, Gesellschaftsformen und eine grandiose Hoffnung, Wende und die ehrliche Liebe. Über kleinere auftauchende Längen im Plot kann und konnte ich gerne hinwegsehen, denn wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst war, so wollte ich eigentlich auf kein einziges geschriebenes Wort aus dem Roman verzichten. Diese Schwäche ist auch gleich eine besondere Stärke, die ich so nur ganz selten beim Lesen empfunden habe. Ich bin froh, dass ich dem Buch treu geblieben bin, und mich von der anfänglichen Skepsis und Enttäuschung nicht habe abschrecken lassen. Dieses Buch erfüllt seinen Leser mit Stolz und einer schönen Sprache. Gerade das Stilmittel, dass die Autorin Tracy Rees eine gehobene, standesmäßige, edle und geziemte Sprache anschlägt, mit der wunderbaren Mrs Riverthorpe aber auch für Spitzen, Provokation und Ironie sorgt, wirkt einfach wunderbar. Die grandiose und unbeschreibliche Landschaft hat mich vollends begeistert, die Ausführungen zu den Kleidern und Anzügen, der Duft der Natur, die schöne Poesie, die Gutmütigkeit und das sehende Auge Amys haben mich wirklich fasziniert und mich diesen Roman spüren lassen. Tracy Rees begeistert mit ihrer Story, mit den sagenhaften bildhaften Schreibstil, mit den detaillierten Kulissen, Epochen, Jahren des Hasses und eingesperrt seins und den vielen längst vergessenen Ausdrücken, Verhaltensweisen, Knigge und der edlen Sprache. Ihr Buch hat mich glücklich gemacht! Die Autorin sticht heraus, hat definitiv einzigartigen Wiedererkennungswert und mich als Leserin gewonnen. Ihr Nachwort, der Anhang, sowie eine Ausführung zum damaligen Leben und zur Person Amy Snow runden diesen Roman voller Herzblut ab.

„Ihre Kleidung verrät, dass sie in Trauer ist, und mir wird in meinem roten Kleid heiß und ich schäme mich, als wäre es aus Blut.“ (Seite 269)

Schwächen:
* zunächst ein sehr kitschiger und blumiger erster Eindruck. Ich fragte mich ernsthaft ob das ein Witz sein soll, dieses Buch historischer Roman zu nennen. Mein erster Eindruck war eher enttäuschend. Aber dieser erste Eindruck währte nur ganz kurz und bot eine Metamorphose zu einer Romansensation, einem Ausnahmeroman.
* sehr viele (unnötige?) Ausschweifungen und Umschreibungen, die man reflektiert jedoch nicht missen möchte…
* die Liebe zu Aurelia wird mir oft zu stark und aufdiktiert beschrieben. Wie kann man eine Freundin so sehr lieben und so arg fixiert sein. Aber auch das hat seine berechtigten Hintergründe, auch wenn die liebevollen Worte und Nachrichten untereinander oft sehr intensiv und unnatürlich erscheinen.

Stärken:
* unverwechselbare und traumhaft lebendige Kulissen und Schauplätze! Sagenhaft, ich bin begeistert!
* interessante Artikulation und sehr gewählte Sprache. Ein Wortschatz, wie ich ihn lange nicht genossen habe. Fantastisch, gehoben, edel, etikettiert, gesellschaftlich und von guter Erziehung und Anstand
* Die wenigen Längen sind sogleich auch die Stärken, da jedes Wort voller Bedacht und Herzblut gewählt wurde
* charakterisierte Dialoge, wunderbarer Charme, grandiose Charaktere (ich liebe die exzentrische alte und schrullige Mrs Riverthorpe), aber auch die Zeit bei Familie Wisters ist ein Traum
* angebrachte Zitate, Festlichkeiten, Bälle, Reisemittel, Reiserouten, Örtlichkeiten und Amys sehendes Auge
* ein Buch, was den Leser aus dem Alltag entführt und in ein Märchen katapultiert.
* so schön wie die Märchen aus der Kindheit. Aschenputtel, Dorn röschen, Schneeweißchen und Rosenrot, Schneewittchen, Frau Holle, Kaiserin Sissi und Cinderella…

Lieblingsstellen / Lieblingszitate:
"Die harte Schale meiner Unzufriedenheit mit Bath bricht auf und die Enttäuschung wegen der Schatzsuche lässt nach. Endlich finde ich Zeit, mich auszuruhen und Freude am Leben zu finden, und wenn ich mit Henry zusammen bin, sind alle meine Sorgen außer Kraft gesetzt. Es ist wie ein Feuer an einem kalten Tag, dessen Wärme ich suche, und er gibt mir das Gefühl, geschätzt und gewollt zu sein.“ (Seite 325)

„Er sah mich so unglaublich hoffnungsvoll an. Diesen Ausdruck in seinem Gesicht werde ich nie vergessen. Er brachte etwas in mir zum Schmelzen, von dem ich gar nicht wusste, dass es gefroren war.“ (Seite 328)

„Ich nehme Abschied, nicht nur von der Schatzsuche, nicht nur von Aurelia, sondern von diesem ganzen Teil meines Lebens: siebzehn Jahre, begonnen im Schnee und beendet in Flammen.“ (Seite 459)

Die Autorin:
"Tracy Rees studierte in Cambridge und hat acht Jahre in einem Sachbuchverlag gearbeitet. Ihr Roman "Die Reise der Amy Snow" wurde aus über tausend Einsendungen in einem Schreibwettbewerb als Gewinner ausgewählt. Sie lebt in South Wales, England."

Cover / Buch:
Das Cover ist wunderschön und passt absolut zum Inhalt. Gehoben, edel, atmosphärisch und absolut inspirierend. Dieses Cover lädt zu Assoziationen ein. Eindrücke und Gefühle, die man beim Lesen dieses (historischen) Romans gänzlich und hautnah erlebt und erfährt. Das Schriftbild ist sehr angenehm, die Kapitel haben eine angepasste Länge und eine nummerierte Kapitelüberschrift. Das Buch ist hochwertig verarbeitet und sieht auch nach dem Lesen beinahe noch aus wie neu. Besonderes Bonusmaterial in Form eines Epologs und eines Interviews mit der Autorin über ihre besondere Figur der Amy Snow und dem Leben im viktorianischen England um 1830 bis 1849.

Fazit:
Dieser Roman hat mich trotz anfänglicher Skepsis auf den ersten Seiten und einiger weniger Längen absolut glücklich gemacht und bekommt eine verdiente 5 Sterne Leseempfehlung mit Genussgarantie für dieses bezaubernde Leseerlebnis und diesem Ausflug aus dem Alltag in eine andere Zeit.


Muchachas: Kopfüber ins Leben - Roman Bd. 2
Muchachas: Kopfüber ins Leben - Roman Bd. 2
von Katherine Pancol
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Die Wege der Muchachas beginnen sich zu kreuzen. "Kopfüber ins Leben" ist ein typischer Mittelband., 19. Juni 2016
Nachdem in Band 1 der Muchachas-Trilogie von Katherine Pancol „Muchachas – Tanz in den Tag“ gerade mal die Oberfläche der sechs Frauengeschichten angekratzt wurde, und zunächst eher Leonies und Stellas Schicksal vertieft wurde, geht es nun mit Band 2 „Muchachas – Kopfüber ins Leben“ in die Verlängerung. Wie Band 1 schon schnell erkennen lässt, richtet die sympathische Autorin ihren Fokus in jedem der drei Teile auf eine andere Protagonistin, bzw. ihrem Leben und was all damit zusammenhängt und sogar mit den Leben der anderen Frauen und einigen Männern, die eine Rolle spielen, verswoben und verbunden ist. So erfahren wir hier unglaublich anrührendes, überraschendes, trauriges, spannendes, hoffnungsvolles, glückseliges, herzliches und humorvolles aus dem Leben von der zarten und hauchfeinen Violinistin Calypso, und dem Musiker Gary der sich immer häufiger mit seiner Hortense streitet und von Josephine, die bewegendes über ihre Familie erfährt. Es geht um Liebe, um Leben, um Familie und Wahrheit. Band 2 knüpft genauso facettenreich und geballt an Band 1 an und bietet eine stolpersteinfreie Fortsetzung dieser wunderbaren Trilogie für Herz und Seele.
Erschienen im carl's books Verlag

Inhalt / Die Beschreibung:
"Die Abenteuer der Muchachas gehen weiter: Die junge, ambitionierte Hortense lebt mit ihrem Freund in New York – bei der Modekette Gap hat sie gekündigt, denn sie möchte ein eigenes Modelabel gründen. Mit ihrem Freund Gary streitet sie sich nun häufig – so dass er sich mehr und mehr um die Musikerin Calypso kümmert, die aus Miami stammt und mit der er gemeinsam musiziert.
Katherine Pancol erzählt den Lesern auch, wie es Hortenses Schwester Zoë geht und deren Mutter Joséphine, die seit einiger Zeit von einem unbekannten Mann verfolgt wird. Zudem beunruhigt es Joséphine zu wissen, dass sich ihre beste Freundin Shirley in ihren Mann verliebt hat. Und dann meldet sich plötzlich ein Unbekannter bei Joséphine. Er will sich mit ihr treffen, um ihr Brisantes über Lucien Plissonnier zu erzählen – ihren Vater."

Handlung / Thema:
In Band 1 wurden die einzelnen Schicksale und Leben der unterschiedlichen Frauen bereits kurz angeschnitten und ein erstes vages Kennenlernen erfolgte. „Muchachas – Kopfüber ins Leben“ richtet seinen Hauptaugenmerk hier in Band 2 vorwiegend auf Calypso, die sich langsam dem Musiker Gary nähert und für Calypso ungeahnte Gefühle und Zuneigungen wecken. Eine Aufmerksamkeit, die ihr so noch nie zu Teil wurde. Aber auch von der Bestsellerautorin Josephine, die mit ihrem Roman bei Leonie und Stella etwas ganz entscheidendes hervorbrachte, wird eine Wende und neue Erkenntnis in ihrem Leben erfahren und verarbeiten müssen. Das Buch, bzw. diese atemberaubend turbulenten und schicksalhaften Geschichten dieser sechs besonderen Frauen, den Muchachas, bewegen sich auf galante und ungeahnte Weise aufeinander zu. Es lassen sich Verknüpfungen und Verbandelungen erkennen, die vermuten lassen, dass sich ihre Lebenswege bis in Band 3 „Muchachas – Nur ein Schritt zum Glück“ noch sehr bewegend und überraschend kreuzen werden…

Schreibstil:
In Band 1 habe ich den erfrischenden, bildhaften, detailverliebten Stil der französischen Autorin Katherine Pancol positiv für mich entdeckt. Ich bin doch überrascht, wie begeisternd mir die Autorin Fenster und Tor zur Frauenromanwelt geöffnet hat und mich für ein sonst mir eher weniger gelesenen Genre begeistern konnte. Die Trilogie der Muchachas ist so lebendig, prall, pulsierend, liebenswürdig, nachdenklich, traurig, hoffnungsvoll, mutig und schicksalhaft geschrieben, dass man sich einfach in den Zeilen und Lebensgeschichten der ganz besonderen Frauen verlieren muss. Nicht grundlos erzeugte und erzeugt Katherine Pancols Trilogie Presserummel und Aufmerksamkeit. Ihr Schreibstil ist auch wirklich wunderbar, Katherine Pancol versteht es mit erfrischenden Anekdoten, Ironie, märchenhafter Poesie und sogleich Ernsthaftigkeit und Wahrheitsgehalt des Lebens zu spielen. Sie malt mit Worten Bilder, sie holt die Kulissen vor die Augen der Leser, sie katapultiert ihre Leser in das Schicksal und Leben ihrer Protagonisten und lässt diese Romane dadurch so intensiv erscheinen. Wer die Anmerkung der Autorin zu ihrem Buch im Nachwort gelesen hat, wird ihre Geschichten nochmals mit ganz anderen Augen erleben. Katherine Pancol schreibt sehr nah und gewissenhaft, sie verliebt sich in Details und Ausformungen. Dadurch erweckt sie jedoch passagenweise auch den Eindruck zu viel auf einmal zu wollen und ihren Roman etwas zu überladen oder gar manchmal auch verwirrend oder unsortiert wirken zu lassen. Schließlich kennen wir Leser noch nicht ihr Ziel und müssen uns den Weg zu den Wendungen erst ebnen. Dadurch werden einige Sequenzen etwas undurchsichtig, nebulös oder fragwürdig. Der Sinn einiger Floskeln oder Handlungen ergibt sich erst seitenweise später im Verlauf der Handlung, oder vielleicht sogar erst im letzten Teil der Trilogie.

Charaktere:
Die Protagonisten, die noch in Band 1 das Regiment angeführt haben, Stella, Leonie und der gewalttätige Ehemann Ray, verblassen nun etwas und spielen nur noch eine Nebenrolle um die Rundungen zu schaffen. Nun setzt die Autorin an den Cliffhanger aus Band 1 an und bietet am Schluss Einblicke in Josephines Leben mit Phillipe und Tochter Zoe. Sowie dem Namen Luciene.
Wie bereits im Teil zuvor liegt auch hier der Schwerpunkt nicht gleichmäßig auf allen bereits angeschnittenen Personen und deren leben. Von der mir im ersten Teil sehr bewegenden und traurigen, sehr emotionalen und nahegehenden Geschichte um Stella, ihre Mutter Léonie und den gewalttätigen und nach außen hin heldenhaften (Schein-)Vater und Ehemann Ray erfährt man in diesem Teil zum Beispiel fast gar nichts. Obwohl gerade hier der erste Band mit vielen hoffnungsvollen Knüpfpunkten endete. So zum Beispiel Stellas neues Liebesglück und die Aussprache mit Leonie über Lucienne und Julis Vater Edmond Courtis. Hier müssen wir uns wohl noch etwas gedulden, um uns nun Calypso und Gary, sowie Hortense und Shirly und später Josephine und Zoe zu widmen.
Der Schwerpunkt dieses Bandes liegt, wie schon gesagt, auf Calypso Muñez. Calypso, die feingliedrige Violinistin, die zarte Gefühle für Gary hegt. Gary, dem Musiker, mit dem Hortense zunächst glücklich zu sein scheint. Doch auch in Hortenses Beziehung zu Gary scheint es gar nicht mehr harmonisch zu laufen und die Modedesignerin widmet sich lieber ihren Kollektionen und ihrer Karriere als ihrer Liebe zu Gary. Später erhaschen wir noch einen Blick auf Josephine, der Autorin, die ein wichtiges Bindeglied darstellt.
Calypsos Schicksal ist ebenfalls, ähnlich wie das von Stella und Leonie, sehr bewegend, wenn auch in ganz anderer Hinsicht. Die Rückblenden in ihre schwierige und dramatische Kindheit gehen dem Leser sehr nah. Katherine Pancol lässt es sich auch hier nicht nehmen, diese Begebenheiten lebensnah und fesselnd zu erzählen. Man ist beim Lesen geneigt, diese vor innerer Schönheit strahlende und sehr schüchterne, zweifelnde Person in den Arm zu nehmen und ihr zartes Mausgesicht zu halten. Die Beschreibung ihrer Hingabe zur Musik und zum Violinenspiel birgt große Nähe und Intensität, was mir sehr gefallen hat. Auch die Bedeutung ihrer Geige erzählt eine lange Geschichte, die berührt.
Zu Hortense konnte ich leider schon im ersten Band keinen Draht finden, das ändert sich hier leider nicht. So war ich in band 1 noch froh, dass ihre Geschichte nur zu Anfang ein Kennenlernen bot, und ich mich nicht weiter mit ihr und ihrer Beziehung zu Gary befassen musste, so bleibt mir hier in Band 2 leider keine andere Wahl als Hortense bei ihren Modegeschichten zu begleiten und zu sehen, wie achtlos sie ihre Beziehung zum Musiker Gary wegwirft und sich ihrer Karriere zuwendet. Leider mag ich Hortense auch hier nicht. Ich finde keinen Zugang zu ihr und musste mich ihr verschließen. Schade. Ihr Weg, ihr Sturz ins Leben, konnte mich in keiner Weise mitreißen. Natürlich ist ihre Figur bewusst als einerseits zielstrebiger und willensstarker, andererseits unsympathischer und egozentrischer Charakter dargestellt, aber nach meinem Geschmack fehlt es dieser Figur einfach an Tiefe. Ihren Gedanken und Wünschen konnte ich nicht folgen und für mich wirken sie nicht ehrlich und innig genug um sie zu verstehen. Hortense nimmt, anders wie in Teil 1 der Trilogie, einen relativ großen und greifenden Platz in dieser Fortsetzung ein, womit das Buch für mich viel Intensität und Verbundenheit verloren hat. Mein persönliches großes Manko. Aber da kann ich nun getrost auf Band 3 hoffen, denn ich denke, Hortenses Geschichte scheint relativ abgehandelt zu sein.

Wir begegnen hier sehr toll formulierten Protagonisten, die unterschiedlicher und dennoch gleicher nicht sein könnten. Es sind die geprägten Charaktere, aus Familie, Freunde, Liebsten und Nebenbuhler oder gar Neider. Jeder mit seiner eigenen und persönlichen Art, die Dinge und Momente zu meistern. Bemerkenswert finde ich, wie es Katherine Pancol schafft, schon jetzt leicht erkennen zu lassen, dass sich all ihre Wege auf bestimmter und prägender Weise kreuzen werden und alles seinen Sinn hat und hatte.

Meinung:
Obwohl der zweite Band der Trilogie nahtlos an Band eins anknüpft, so kann man alle drei Teile doch auch einzeln lesen, da jedes Buch ein anderes Schicksal beschreibt und Nuancen aus Band 1 gekonnt aufgreift und an wichtiger Stelle platziert. Für den vollkommenden Lesegenuss und Lesezauber sollte man sich doch die Zeit und Muße nehmen, die Trilogie von Beginn an zu lesen und zu erleben. Band 1 hat mich sehr positiv überrascht. Auf die Fortsetzung, und damit dem typischen Mittelband, "Muchachas – Kopfüber ins Leben“ hatte ich mich sehr gefreut. Es war wieder einmal traumhaft schön, in die Welt der bewegenden Leben der Muchachas einzutauchen und dem Alltag zu entfliehen. Doch bei aller Verzauberung und Wohlgefühl der Bücher, muss ich ehrlich sein und auch zugestehen, dass mir hier nicht alle Kapitel, bzw. Passagen gefallen haben. So hatte ich persönlich Probleme mit Hortense und ihrer Karriere und ihrem Wegwerfen der Beziehung zu Gary. Hortense mag ich einfach nicht, sie wäre eine Frau, mit der ich im echten Leben auch nicht gut klar käme. Daher waren bestimmte Textteile hier nicht nach meinem Vergnügen. Das respektiere ich, aber es schmälert auch meine Begeisterung. Aber ich weiß ja, dass da noch einiges mehr kommen wird und ich weiß ja auch, dass einiges anderes, sehr schönes, bereits auch in Band 2 für mich geboten wurde. Calypso und Gary zum Beispiel. Oder der Ausblick auf Josephine, der Autorin. Auch hier in band 2 passt der Untertitel wieder sehr gut „Kopfüber ins Leben“, ja so beschreibt es die Schritte der Figuren recht genau. Nach und nach lässt sich erkennen, wie wichtig jede einzelne Rolle im Buch sein wird.

Persönlicher Kritikpunkt:
Das Buch, diese Fortsetzung und die gesamte Trilogie ist wunderschön und ein Glücksgriff für Herz und Seele. Mein Lesegenuss wurde eigentlich hier nur durch Hortense getrübt. Bereits im ersten Band mochte ich sie nicht gern. Hier nimmt sie nun mehr Raum ein, und somit musste ich mich mit ihr arrangieren. Sei's drum. Ich vermute, dass mich Band 3 dann wieder versöhnlicher stimmen wird.

Die Autorin:
„Katherine Pancol wurde 1954 in Casablanca geboren und lebt seit ihrem fünften Lebensjahr in Frankreich. Nach ihrem Literaturstudium arbeitete sie als Lehrerin, Journalistin und Autorin. Ihr beispielloser Aufstieg zum „Phänomen Pancol“ begann 2006 mit dem Erscheinen des ersten Bandes der Joséphine-Trilogie "Die gelben Augen der Krokodile", der auch erfolgreich verfilmt worden ist. Auch ihre neue Trilogie "Muchachas" stürmte die Bestsellerlisten in Frankreich. Katherine Pancol lebt in Paris.“

Cover:
Die Cover dieser zusammengehörigen Trilogie sind wirklich tolle Eyecatcher. Durch die Cover wurde ich erst auf diese Trilogie und diese Bücher aufmerksam. Sie passen zum Leben der Charaktere. Das Buch ist sehr bunt, edel und hochwertig verarbeitet. Band 2 erscheint in tiefem Blau. Die drei Bücher der Trilogie zeigen die gleiche Machart, sie sehen im Bücherregal aneinandergestellt einfach toll aus. Das Cover lässt sich erfühlen und wirkt auf mich richtig schön.

Fazit:
Der typische Mittelband, der als Bindeglied zwischen Band 1 und 3 fungiert. Leider kein gänzliches Filetstück. Der Stil und die Umsetzung sind gleichermaßen lobenswert, hier kann ich die Autorin Katherine Pancol nur loben, mich störte meine persönliche Distanz und Verschlossenheit zu Hortenses Lebensweg. 3 Sterne diesmal, dieser Sternabzug fällt mir wirklich schwer, da ich jetzt schon erahnen, kann, dass mich Teil 3 vermutlich wieder richtig beflügeln wird!


Der Wahnsinn, den man Liebe nennt: Roman
Der Wahnsinn, den man Liebe nennt: Roman
von Clara Römer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kann denn Liebe Wahnsinn sein? Kann aus Wahnsinn Liebe werden? Ein starker Sommerroman für Herz und Seele!, 18. Juni 2016
Dass ich gar nicht so die Romanleserin bin, trifft wohl gar nicht mehr pauschal wirklich auf mich und meinem Lesegeschmack zu. Gerade jetzt im Frühjahr und Sommer mag ich es gern auch mal leicht, frech, spritzig, locker und liebevoll. So empfinde ich auch Clara Römers Schmöker als wahrhaftigen Sommerschmöker. In „Der Wahnsinn den man Liebe nennt“ geht es jedoch nicht um die typische Liebesgeschichte, denn das wäre dann auch gar nicht meine Leserichtung geworden. Wie es der Klapptext bereits vermuten lässt, geht es um Schicksal, Beziehungen, Familie und den Weg zu seinem eigenen Glück und Leben. „Den Wahnsinn, den man Liebe nennt“ ist ein Buch mit eigenen Ecken und Kanten. Wohl gerade deshalb kann dieser Diamant der Romanwelt und Frauenromane so schön schillern und leuchten. Wie die Charaktere und Protagonisten im Buch, die geschliffen werden und sehr viel Glanz zu bieten haben und brillieren… Ein Buch, das auf eine ganz besondere Weise glücklich stimmt und sehr gern zum Feierabend oder an einem Nachmittag im Garten oder im Liegestuhl genossen werden will. Eine perfekt abgestimmte und wohl dosierte Mischung aus Hoffnung, Angst, Leid, Stärke, Mut und Schicksal. Vereint zu einem bezaubernden Roman, der die Leser mit einer besonderen Frau und Hauptprotagonistin auf die Reise ihrer unterschiedlichen Leben mitnimmt, … aber auch seine Stolpersteine besitzt.
Erschienen im Diana Verlag

Inhalt / Die Beschreibung:
"Die Geschichte einer Frau, die den schlimmsten Betrug erfährt, und ihr Weg zurück ins Leben
Ein Spediteur ruft bei Susa Bergmann an und will einen Kühlschrank abliefern. Der Name ihres Mannes steht auf dem Auftrag – allerdings mit einer falschen Adresse. Als sie nachfragt, hat Wolf eine einfache Erklärung, doch bald tauchen weitere Ungereimtheiten auf. Susa fährt zu der Adresse, eine junge Frau öffnet die Tür. In der Küche: der Kühlschrank. Auf der Kommode: Kinderfotos von Josie, dem Mädchen aus der Nachbarschaft, das ihrem Mann so ähnelt und den Namen seiner Großmutter trägt. Alle Puzzleteile passen zusammen, und Susas Welt zerbricht …"

Handlung / Thema:
Das Buch nimmt eine ganz überraschende Richtung ein und entwickelt sich ganz anders, als der Anfang erwarten lässt. Zunächst lernen wir Susa Bergmann in ihrer Ehe mit Wolf kennen. Wolf und Susa leben ein schillerndes Vorzeigeleben. Sie haben erst jüngst eine schicke Dachgeschosswohnung im edlen Viertel von Münschen bezogen, haben einen guten Job und müssen sich über Geld kaum Gedanken machen. Ein dummer Zufall bringt erste Zweifel in die Ehe. Und schon bald muss Susa erkennen, dass ihr Ehemann Wolf schon seit Jahren ein Doppelleben führt und sogar Vater einer bezaubernden Tochter ist. Susa zögert nicht lang und macht kurzen Prozess. Sie packt ihre Sachen und geht. Sang- und klanglos. Und hier beginnt der Roman. Susas findet langsam zu sich selbst, zu ihren Wünschen, zu ihren Vorlieben und Sehnsüchten. Ihre Werte zählen und eine Entscheidung muss getroffen werden: Lohnt es sich überhaupt um Wolf zu kämpfen?
Das Hauptaugenmerk des Romans zeigt uns das bewegte und schicksalhafte Leben von Susas, die langsam und sicher zu sich selbst findet und einen längst überfälligen Weg beschreitet.

Schreibstil:
Die Autorin Clara Römer nutzt verschiedene Stilmittel, um ihren Roman Nachdruck zu verleihen. So bedient sie sich der Elemente aus Flashbacks, die nach und nach ein ganz neues Bild formen und für Susa neue, und schmerzhafte Erkenntnisse liefern. Die Autorin möchte mit vielen Details und liebevollen Beschreibungen der Umgebung und der jeweiligen Lage ein intensives Bild formen. Leider überlädt sie hier an einigen Passagen die Szenerie etwas und der Lesefluss gerät ins Stocken oder wirkt gar gestelzt oder hölzern. Dadurch gewinnt Susa zwar Sympathien bei mir, aber die Tiefe und Innigkeit zu ihrem Schicksal bleibt mir etwas fern. Schade, da hätte dem geschehen um Susas Person mehr Feingefühl gut getan. Loben möchte ich, dass Clara Römers Stil stets sehr hoffnungsvoll angehaucht ist. Man hat als Leser immer das beruhigende Gefühl: Alles wird gut! Das ist ein schönes Gefühl und Empfinden beim Lesen. Clara Römer schafft es aber auch wütende Emotionen zu erzeugen, so hätte ich Wolf so manches Mal gern genommen und zu Recht gewiesen. Er schien es nur gut zu meinen, streut damit jedoch unheimlich viel Salz in Susas Wunden. Clara Römer versteht es gekonnt mit Dramaturgie und sogleich Witz zu spielen. Sie malt mit Worten Bilder, sie holt die Kulissen vor die Augen der Leser, sie verliebt sich in Details und Ausformungen. So bedient sie die Wünsche der Leser klassischer Frauenunterhaltungsromane. Sie hat das Rad nicht neu erfunden, aber fein geformt. Nachdem ich zu diesem Buch die Lobeshymnen und auch die frische und flotte Leseprobe genossen habe, das greifbare Cover gesehen und gefühlt habe, wollte ich diesen sommerlichen Beziehungsroman einfach unbedingt kennenlernen. Ich bereue es nicht. Die Autorin schreibt sehr routiniert, dürfte für meinen Geschmack aber gern mehr Tiefe aufweisen. Spannendes, emotionale, bewegende, schockierende, unglaubliche, herzerwärmende, hoffnungsvolle, beängstigende, mutige und tragische Passagen und Ereignisse. Die Autorin Clara Römer findet wunderbare Worte, beschwört Emotionen herauf, behandelt eine sehr reales und auch bestimmt nicht abwegiges Thema. Die Worte der Autorin berühren trotz allem Leid jedoch auch das Herz, muntern auf, sorgen für Schmunzler und Glück. Clara Römer klärt über die familiären Probleme, über das Betrogenwerden, über Hoffnung und einer Zukunft auf. Sie verweist auf die Schwierigkeit einer solchen plötzlichen Wendung im Leben, glänzt mit hoffnungsvollen Worten und Passagen, spielt mit dem Schicksal, der Hoffnung und Mut. Der Leser befindet sich durch das schriftstellerische Geschick und dem Herzblut der Autorin in einem Sog der Gefühle und wird mitten in die Welt der großen Romangefühle katapultiert. Leider, gerade durch die emotionale Dramaturgie und Zusammenwirken der Zufälle, wirkt dieser Roman stellenweise überladen oder gar aufgesetzt, um in anderen Passagen wieder ganz weich und sanft zu erscheinen. Die Autorin hat eine wundervolle Gratwanderung aus bitterer Realität und hoffnungsvollen Gedanken erschaffen, die die Leser ganz nahe an das Buch bindet und sie mitnimmt.

Charaktere:
Die Charaktere sind hier von ganz besonderer und gegensätzlicher Natur, genau wie die packenden Hürden und Schicksale, die sie erleben und durchlaufen. Das Kernstück eines jeden Romans. Wenn man sich mit den Charakteren anfreunden kann, sie intensiv erleben und begleiten kann, dann ist ein Roman gelungen und sorgt für wunderbare Leseerlebnisse. Dass gelingt mit bei Susa leider nicht immer ganz, wie ich es mir erhofft hätte. Bei Wolf sieht es ganz anders aus. Da herrscht von Beginn eine gesunde Distanz, die ich auch nicht aufgeben wollte. Susa hätte ich gern etwas mehr an mich ran gelassen, gerade da ich ihre Entschlossenheit und ihren Weitblick sehr begrüße. Dafür haben einige Nebenrollen mein leserherz erwärmt. Da ist einmal Fräulein Rosalie, die eine wirklich gute Seele für Susa ist und wie Seelenbalsam auf Susa und den Leser wirkt. Ihre Person an Susas Seite möchte man nicht missen. Auch die kleine Josie hat mir sehr gefallen. Ein kluges und sehr liebevolles junges Mädchen. Man muss sie einfach lieb haben. Da kann auch Susa nicht anders. Das Zusammenwirken aus Freunde, Familie und Umfeld finde ich hier sehr gut gelungen. Ein Netz, was Susa in der schweren Zeit auffängt. Wir begegnen hier sehr toll formulierten Protagonisten, die unterschiedlicher und dennoch gleicher nicht sein könnten. Es sind die geprägten Charaktere, aus Familie, Freunde, Liebsten und Nebenbuhler oder gar Neider. Jeder mit seiner eigenen und persönlichen Art, die Dinge und Momente zu meistern.
Autorin Clara Römer bringt besondere Charaktere aus Haupt- und Nebenrollen ins Geschehen und spielt mit ganz scharfen Charakterzügen, die diesen Roman prägen werden. Für Humor und Ruheoasen im Buch sorgen neben all den Turbulenzen auch ruhigere Momente aus Liebe, Zusammenhalt und Mitgefühl, welches durch Familie und Freunde gemischt wird.
Und natürlich Susaa – Dreh- und Angelpunkt dieser anrührenden und dennoch hoffnungsvollen Geschichte. Betrogen, verraten, enttäuscht, belogen. Doch Susa meistert ihr Leben und begegnet der wirklichen Liebe. Mit Julian bekommt Susas Weg einen ganz behaglichen Glanz. Gerne hätte es auch hier intensiver werden dürfen!

Meinung:
"Der Wahnsinn, den man Liebe nennt“. Dieser Titel deutet ja bereits darauf hin, dass es um besondere Beziehungskonstellationen und der Frage nach Wahnsinn und Liebe geht. Mit dieser Story um die betrogene Susa, die ihr Leben nun selbst in die Hand nimmt, hat mich der Roman, und die Autorin, für sich gewonnen. Sehr wunderbar. Absolut stark und unschlagbar facettenreich. Ein Leseglück mit Ecken und Kanten, aber einer glücklichen Zeit mit einem tollen Buch für das Herz und den Sommer. In dieser Geschichte dreht sich die Thematik um eine plötzliche Wendung im Leben, eine lähmende und betrogene Ehe mit einem Mann, der ein Doppelleben führt und seine Frau über Jahre betrogen hat und sogar eine Tochter verheimlicht. Tiefer kann eine Frau nicht enttäuscht und verraten werden. Eine Familiengeschichte, ein Schicksal, ein Neuanfang, ein neuer Wahnsinn namens Liebe. Doch dies ist nicht einzig das, was dieses Buch zu diesem ansprechenden Lesehighlight macht. Es sind die schönen Worte, die liebevollen Momente, die große Hoffnung nie aufgeben zu wollen. Ein Wechsel aus Vergangenheit, Lebenssinn, Freude und Rückblick, dann der Umgang mit dem Wissen, dass immer ein Lichtlein daher kommt. Dieses Buch ist nicht nur einfach ein wunderbarer Roman, nein, dieses Buch ist eine Metapher, ein Ritt zwischen den Emotionen und ein Lesevergnügen für jeden Romanliebhaber, Betroffenen oder neugierigen Leser. Es hat mir leider nicht immer gefallen, wie arg die Autorin vom Beginn der Geschichte abweicht, einen anderen Faden aufnimmt und diesen in den Kern des Geschehens stellt. Das wirkte manchmal im Lesefluss leider etwas hölzern oder unbeholfen. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Das ist verwirrend und unsortiert. Der Plot hat wirklich hohes Potenzial, um daraus eine richtig gute, emotionale, rührende Lebensgeschichte aller einzelnen Charaktere zu machen, doch leider bleiben einige, besonders leider Susa, für mich etwas reserviert und fern. Gerade bei Susa hätte ich mir mehr Tiefe und Verbundenheit gewünscht. Bei Wolf war mir die Distanz gerade recht. Trotzdem, ein Buch für Herz und Seele. Die Beziehung, die sich ergeben, lassen den Leser staunend zurück. Gerne hätte ich mehr über Julian erfahren.

Persönliche Kritikpunkte:
Das Buch ist wunderschön und ein Glücksgriff für Herz und Seele, dennoch habe ich einige Punkte, die mir persönlich als Schwächen aufgetaucht sind. Diese möchte ich hier kurz nennen, um meinen Sternabzug zu begründen.
• Der Aufbau des Handlungsablaufs ist nicht gut zu erfassen, die Chronologie, der rote Faden, die Zeitebenen aus Rückblenden; Gedanken und Erinnerungen, lassen sich nur schwer einordnen und sortieren
• Susa blieb mir trotz aller Dramaturgie und Schaffensfreude und Hoffnung stets ein bisschen reserviert und distanziert, hier fehlte es mir an Tiefe.
• Der Schreibstil wirkte auf mich nicht immer rund und galant. An wenigen Passagen scheinen sich die Ereignisse zu häufen und beinahe unrealistisch zu wirken und der Roman wirkt an solchen Stellen gestelzt oder hölzern.
• Die Beziehung zu Julian hätte ich mir sehr sehr gern ausführlicher gewünscht, besonders um Susas Glück richtig zu spüren.
• Manche Erzählungen und Aneinanderreihungen wirken sehr schwebend und aus dem Zusammenhang gerissen. Ja, es fiel mir oft schwer den Faden zu behalten und den Überblick zu wahren, obwohl der Roman sehr einfach und solide aufgebaut ist.

Die Autorin:
„Clara Römer hat Germanistik studiert und als Redakteurin gearbeitet, bevor sie mit dem Schreiben begann. Sie mag Familiengeschichten mit und ohne Happy End, geht gern ins Museum, weiß, wie wichtig Freundinnen im Leben sein können, und hat ein ausgesprochenes Faible für große und kleine Katzen. Sie lebt mit ihrem Mann in München.“

Pressestimme:
„Sehr emotionale Story über einen unfassbaren Betrug. Für Fans von: Lisa Jewell.“ [(Quelle: Verlagshomepage; MAXI (Frauenmagazin) (04.05.2016)]“

Cover:
Das Cover ist sehr schön. Vor allem wenn man das Buch wirklich im Buchladen in den Händen hält, will es einfach mit. Es besitzt eine besondere Oberfläche und die Haptik lädt geradezu dazu ein es zu befühlen und diesem Roman ein Zuhause zu geben. Das Buchdesign ist sehr typisch und klischeehaft für einen Liebes-, Frauen, Unterhaltungs-, Sommerrroman. Einfach stimmig. Leider sieht der Buchrücken nach dem Lesen etwas gewölbt aus, hier erkennt man Leserillen. Aber macht nichts, es ist wie mit den Falten beim Menschen, sie erzählen eine bewegte Geschichte…

Fazit:
Dieser Liebesroman entpuppt sich sehr überraschend gar nicht so arg als Liebesroman, sondern eher als starker Frauenroman oder als harmonische und hoffnungsvolle Sommerleichtigkeitslektüre mit starkem Kern und Aussage. Frisch, frei, und manchmal eben auch sehr traurig. Ich habe mit diesem Roman eine kurzweilige Lesezeit verbracht, die mein Herz erwärmt hat und mir Susas Leben klar gezeigt hat. Eine Frau, die ihrem Leben eine Wendung gibt. Denn: Jeder ist seines Glückes Schmied. 4 Sterne für die wunderbare Umsetzung.


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