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shaboo

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Back on the Streets (Expanded Edition)
Back on the Streets (Expanded Edition)
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas durchwachsen ..., 6. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
... präsentiert sich das im Frühjahr 1978 aufgenommene Album "Back On The Streets" von Gary Moore, der sich hier noch spür- und hörbar auf der Suche nach seiner musikalischen Identität befindet: Während die eine Hälfte des Albums Colosseum II-inspirierten Jazzrock bietet, gibt's auf der anderen Hälfte eher traditionellen (Hard-)Rock a la Thin Lizzy zu hören. Das mag man abwechslungsreich finden, lässt das Album allerdings auch seltsam zerrissen klingen und hat zudem den Nachteil, dass man schon beide Musikrichtungen gleichermaßen mögen muss, um das Album über seine gesamte Länge hinweg genießen zu können. Mir ist das - als jemandem, dem Thin Lizzy und Gary Moores Virgin-Alben der 80er deutlich näher sind als Colosseum II - einigermaßen schwer gefallen.

Hauptgrund hierfür sind die drei reinen Instrumentals "Flight Of The Snow Moose", "Hurricane" und "What Would You Rather Bee Or Wasp", die mit 17 von 37 Minuten beinähe die Hälfte der Spielzeit des regulären Albums einnehmen. Technisch ist das natürlich höchst beeindruckend, was Gary Moore hier an der Gitarre abliefert, aber während er sein Gitarrenspiel auf späteren Alben - bei aller Prägnanz - beinahe immer in songdienlicher Weise einbringt, ist es hier derart dominant und ist das hier in einem solchen Maße reines Gitarrengefrickel, dass ich diese Stücke eigentlich nur langweilig, anstrengend und nervend fand. Der Titelsong und "Fanatical Fascists" sind brauchbare, aber auch nicht wirklich starke Rocksongs, während die Highlights ganz klar eine bluesige Fassung des Lizzy-Klassikers "Don't Believe A Word" und die Traumballade "Parisienne Walkways" sind, welche Gary Moore in England gar einen wohlverdienten Single-Hit bescherte und dazu beitrug, ihn einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Insgesamt für mich nur ein Drei-Sterne-Album, wobei ausgesprochene Gitarrenfreaks und dem Jazzrock etwas mehr zugetane Musikfreunde beruhigt noch einen Stern draufschlagen können. Wer ein Freund von Gary Moores Alben zwischen "Corridors Of Power" (1982) und "After The War" (1989) ist, dem sei an dieser Stelle definitiv eher zu dem bereits Anfang 1981 aufgenommenen, in Europa allerdings erst 1984 veröffentlichten "Dirty Fingers" geraten, das als Quasi-Vorgänger von "Corridors Of Power" Rock am laufenden Band - und mit "Rest In Peace" zudem eine Killerballade - bietet und völlig ohne Jazzrock auskommt.

Kurz zur Qualität dieser Wiederveröffentlichung aus dem Jahre 2012: Remastered hat Andy Pearce, der bereits bei der Saxon-Box "The Carrere Years" hervorragende Arbeit geleistet hat und auch hier überzeugt. Loudness War und übermäßige Dynamikkompression hatten erfreulicherweise keine Chance (das Album hat einen DR-Wert von 11); lediglich die Gitarren klingen mir gelegentlich einen Hauch zu schrill, aber insgesamt klingt das Album klar besser als frühere CD-Veröffentlichungen. Die Bonustracks sind unspektakulär und waren auch schon anderenorts zu bekommen: "Track Nine" (noch ein nerviges Instrumental) und "Spanish Guitar" in gleich dreifacher Ausfertigung - eine hübsche, aber nicht weltbewegende Ballade. Da hätte es definitiv noch haufenweise Rareres und Besseres gegeben, allem voran die beiden bis heute unveröffentlichten Session-Outtakes "Track Ten" (eine rein instrumentale Ballade) und "Road To Pain" (eine langsame Pop-Ballade). Die Bonus-Sektion fällt also, wie bei vielen Wiederveröffentlichungen, wieder einmal reichlich enttäuschend aus, d.h. auch hier herrscht insgesamt nicht mehr als Drei-Sterne-Niveau.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 27, 2014 10:47 PM MEST


Mount Washington
Mount Washington
Preis: EUR 9,97

1.0 von 5 Sternen Akustischer Sondermüll, der an Körperverletzung grenzt!, 26. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Mount Washington (Audio CD)
Ich bin ja wirklich kein audiophiler Fetischist oder jemand, der sich durch schlechten Klang übermäßig von guter Musik abhalten ließe, aber das hier, das geht nun wirklich gar nicht! Diese Musik klingt in der Tat so schlecht und ist derart dynamikkomprimiert und übersteuert, dass es - und nein, das ist jetzt nicht sprichwörtlich gemeint - in den Ohren weh tut! Welcher Produzent, Tontechniker oder Label-Verantwortliche bei Glitterhouse hat das denn bitte durch die Endkontrolle gewunken? Aufmerksam geworden bin ich auf das Album durch den Glitterhouse-Label-Sampler "Into The Black 2012", auf dem der - vermutlich durchaus hörenswerte, aufgrund der katastrophalen Produktion aber kaum zu identifizierende - Song "Lisboa" zu finden ist. Entsetzt über den furchtbaren Klang, schwante mir bereits Übles, als ich mich daran begab den DR-(Dynamic Range-)Wert des Stücks zu ermitteln. Das Ergebnis: 3! In Worten: DREI! Und genau so klingt das auch ...


X5
X5

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Als echtes Schatzkästchen ..., 6. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: X5 (Audio CD)
... erweist sich diese kleine Box der Simple Minds aus dem Jahre 2012 - und das aus gleich mehreren Gründen!

* Zunächst einmal natürlich aus rein musikalischer Sicht: Mit dem kompletten Frühwerk von "Life In A Day" (1979) bis "New Gold Dream (81-82-83-84)" (1982) auf sechs CDs, benötigt man zusätzlich zu dieser Box lediglich noch das 84er-Album "Sparkle In The Rain", um die Jahre, in denen die Simple Minds tatsächlich spannend, innovativ und vielseitig waren, komplett sein Eigen nennen zu können.

* Hinzu kommt die hervorragende Klangqualität der hier verwendeten Remasters. Sie stammen aus dem Jahre 2002, wurden bereits für die Wiederveröffentlichung der Simple Minds-Alben im Jahre 2003 verwendet und klingen in jeder Hinsicht dramatisch besser als die bis dahin erhältlichen CDs aus den Achtzigern. Besonders bemerkenswert hierbei ist, dass diese Remasters - obwohl auf dem Höhepunkt des so genannten "Loudness War" entstanden - ausnahmsweise nicht zu Tode komprimiert wurden und nach wie vor über ein ausreichendes Maß an Dynamik verfügen: alle sechs CDs weisen einen Dynamic Range-(DR-)Wert von 10 oder besser auf!

* Das i-Tüpfelchen dieser Veröffentlichung bilden die auf die einzelnen CDs verteilten (insgesamt 19) Bonustracks mit einer Laufzeit von über 100 Minuten, welche auf den im Handel erhältlichen Einzel-CD-Veröffentlichungen nicht zu finden sind! Und die bieten selbst demjenigen noch einiges, der bereits alle Studioalben und sämtliche "Themes"-Veröffentlichungen im Schrank stehen hat. So waren beispielsweise die folgenden acht Songs bislang selbst auf den "Themes"-CDs nicht zu finden:

"Special View"
"Garden Of Hate"
"Kaleidoscope"
"Film Theme Dub"
"Premonition" (Live Version)
"New Warm Skin"
"Celebrate" (Extended Version)
"In Every Heaven"

Zudem weist die Erstauflage der "Themes"-Boxen aus dem Jahre 1990 zwei ärgerliche Pressfehler auf: "This Earth That You Walk Upon" hätte dort eigentlich in der Instrumentalfassung, "Someone Somewhere In Summertime" in der Extended Version vertreten sein sollen, aber ein Anflug von Schlamperei führte dazu, dass letztlich von beiden Songs nur die reguläre Album-Version auf den CDs landete. (Zwar gab es im Jahre 2008 eine Neuauflage der Themes-Boxen, auf der dieser Fehler korrigiert wurde, aber diese Neuauflage war lediglich als 25-CD-Box-Set erhältlich, so dass ein Einzelnachkauf der fehlerhaften Theme-Ausgaben nicht möglich war.) Schön, dass mit der "X5"-Box nun auch diese beiden Alternativfassungen ihren (bezahlbaren) Weg ans Licht der Öffentlichkeit gefunden haben!

Sämtliche Bonustracks wurden übrigens nicht 2002, sondern - speziell für diese Box - 2012 remastert. Erfreulicherweise halten diese jüngeren Remasters das Niveau der älteren und klingen ebenfalls hervorragend. Sie mögen vielleicht einen Hauch mehr dynamikkomprimiert sein, allerdings nicht in übertriebener Weise: Unter den 19 Songs findet sich einmal der DR-Wert 7 und einmal der DR-Wert 8, während die restlichen 17 Songs einen DR-Wert von 9 oder besser haben. Insbesondere verleiht dies auch den hier vertretenen neun Songs einen klanglichen Mehrwert, die bereits auf den Themes-Veröffentlichungen zu finden waren, denn dort wurde (sowohl 1990 als auch 2008) leider gar nichts remastert, was einen ausgesprochen mäßigen Klang zur Folge hat.

So viel Positives es zu den Bonustracks auch zu berichten gibt, trübt dennoch ein Makel das Gesamtbild: Drei Raritäten der "Themes"-Veröffentlichungen haben leider nicht ihren Weg auf die "X5"-Box gefunden. Da wären zunächst die Instrumentalfassung von "Glittering Prize" sowie "King Is White And In The Crowd" als BBC Radio Session von der David Jensen Show, welche eigentlich beide noch auf die "New Gold Dream"-CD gehört hätten. Allerdings sind beide Alternativfassungen nicht essentiell und zudem ist diese CD mit einer Laufzeit von 78:30 bereits bis an den Rand gefüllt, so dass hier beim besten Willen kein Platz für weiteres Material mehr war. Ärgerlich und unverständlich ist hingegen das Fehlen der Instrumentalversion von "Seeing Out The Angel"! Zum einen weist die "Sons And Fascination"-CD eine Laufzeit von gerade einmal 64 Minuten auf, so dass hierfür noch mehr als reichlich Platz vorhanden gewesen wäre. Zum anderen hätte es nur noch dieses einen Songs bedurft, um das Material der 5-CD-Box "Themes Volume 1" vollständig auf "X5" versammelt zu haben. Stattdessen müssen absolute Komplettisten nun - wegen nur eines einzigen Songs - nach wie vor nach dieser ersten Ausgabe der "Themes" fahnden.

Insgesamt wäre es definitiv geschickter gewesen, das Doppel-Album "Sons And Fascination/Sister Feelings Call" auf eine CD zu pressen und sämtliche 22 Bonustracks komplett auf zwei zusätzlichen CDs beizulegen (welche man zudem wunderbar als knapp 120-minütige Doppel-CD auch separat hätte in den Handel bringen können). Hierfür wären dann zwar sieben statt sechs CDs nötig gewesen, aber dafür hätte man die ersten sieben der insgesamt 25 erschienen Themes-CDs komplett überflüssig gemacht. Gerade angesíchts der Tatsache, dass die Themes-Veröffentlichungen - in dieser Form - bis heute zum Überflüssigsten und Überteuertsten im Bereich der Box-Sets überhaupt zählen, wäre das mehr als angemessen gewesen.

* Die Aufmachung der Box empfinde ich als praktisch und attraktiv und mir persönlich reichen die einfachen Papphüllen mit dem Original-Artwork - auch aus ästhetischer Sicht - vollkommen aus. Klar, wenigstens ein kleines Zusatzbooklet im CD-Format hätte es schon sein dürfen, sei es nun für Fotos, Aufnahmedaten, Songtexte, Alben-Reviews aus der Presse, kleine Anekdötchen aus der Simple Minds-Historie oder was sich sonst noch so im Rahmen einer solchen Veröffentlichung anbietet. Insgesamt sind es diese Schwächen in der Präsentation, in Kombination mit Verfehlungen hinsichtlich der Vollständigkeit des Materials, die die Box knapp am fünften Stern vorbei schrammen lassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 10, 2014 2:00 AM MEST


I Want to Know What Love Is-the Ballads
I Want to Know What Love Is-the Ballads
Preis: EUR 14,99

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Herzlichen Glückwunsch!, 4. Februar 2014
Da haben wir gerade mal Februar und schon einen verdammt heißen Anwärter auf den Titel "überflüssigste Veröffentlichung des Jahres"!

Wer den auf der Verpackung prangenden Sticker "The first EVER ballads compilation" sieht, könnte glatt auf die Idee kommen, hier auf einer prallvollen CD die schönsten Balladen der Band um Sänger Lou Gramm aus den Siebzigern und Achtzigern zu finden. Ist dieses reichlich überzuckerte Konzept prinzipiell schon etwas fragwürdig, ist dessen Ausführung schlicht eine Frechheit, denn tatsächlich gibt es hier von alledem - NICHTS!

Prallvoll? Nein - maue 14 Songs mit nicht einmal 60 Minuten Spieldauer findet man auf der ersten CD.

Lou Gramm? Leider nein, leider gar nicht - seit 2005 steht bei Foreigner ein gewisser Kelly Hansen am Mikrofon und genau der singt auch die hier versammelten Songs, und zwar ausnahmslos. Mindestens für die im Original von Gramm eingesungenen Songs gilt definitiv: Wer sich Foreigner ohne Lou Gramm gibt, der kann auch gleich zur Karaoke-Nacht in den nächsten Pub gehen ...

Die schönsten Balladen? Waren leider auch ausverkauft - beinahe die Hälfte (sechs der 14 Songs) stammen aus der allerjüngsten Vergangenheit: "In Pieces", "When It Comes To Love", "I Can't Give Up" und "I'll Be Home Tonight" sind von "Can't Slow Down" entlaufen, dem bisher einzigen Studioalbum mit Hansen aus dem Jahre 2009; "The Flame Still Burns" und "Save Me" entspringen der Doppel-CD-Compilation "Feels Like The First Time" aus dem Jahre 2011. Erwartungsgemäß fällt dieses Material gegenüber dem Besten aus den Siebzigern und Achtzigern deutlich ab.

Diese Periode - die ersten sechs Studioalben zwischen 1977 und 1987 - wird also mit gerade einmal acht Songs abgedeckt, bei deren Auswahl man zudem wirklich nicht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll. In welchem schrägen Universum haben sich denn bitte Songs wie "Double Vision" oder "Long Long Way From Home" die Bezeichnung "Ballade" verdient? Und auch für die Uptempo-Nummer "Say You Will" oder "Feels Like The First Time" gilt das nur mit extrem viel Fantasie. Alternativen, d.h. hörenswerte und balladeske (oder halb-balladeske) Nummern hätte es selbstverständlich in ausreichender Zahl gegeben, etwa "Blue Morning, Blue Day", "Girl On The Moon", "That Was Yesterday", "A Love In Vain", "I Don't Want To Live Without You", "Out Of The Blue" oder (vom 91er Album "Unusual Heat") von mir aus auch "I'll Fight For You" und "Safe In My Heart". Aber wer weiß, vielleicht singt der werte Herr Hansen diese Nummern ja auch einfach nicht gerne, denn auf der Bonus-Live-CD findet sich ebenfalls nicht ein einziger dieser Songs.

Zusammenfassend bietet CD 1 also viel Verzichtbares, viel Nicht-Balladeskes und viel ungenutzte Spielzeit im 100% Hansen-Sound. Braucht das irgendjemand?

Ach ja, die Bonus-CD: Enthält eine komplette, im Juli 2013 irgendwo in Deutschland für SWR1 aufgezeichnete, Akustik-Show. Natürlich haufenweise Überschneidungen mit den Songs auf CD 1 (8 von 12 Songs), dazu noch mehr Nicht-Balladen wie "Juke Box Hero" und "Hot Blooded" und (logischerweise) ebenfalls mit 100% Hansen am Mikro. Braucht das vielleicht irgendjemand? Nein? Auch nicht? Tja, wie schade ...

Aber gut, auf den Markt gebracht hat man diese sinnfreie Zusammenstellung ja auch nicht, um der Welt etwas Gutes zu tun, sondern weil demnächst Valentinstag ist und es sicher genügend Verzweifelte und Kreativitätsbefreite geben wird, die Dank Cover und Titel trotzdem den einen oder anderen Euro in die Kasse spülen werden - herzliches Beileid ...
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 11, 2014 12:00 PM MEST


Still Loving You
Still Loving You
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 24,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Völlig unnötige Remixe, die den Scorpions-Balladen ihren letzten Rock-Zahn ziehen, 3. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Still Loving You (Audio CD)
"Das Beste, was die Scorpions jemals an Balladen geschrieben haben" - wie es ein anderer Rezensent formuliert hat - ist hier leider nur auf dem Papier vorhanden. Schon von Vorneherein war diese Balladenzusammenstellung für die Scorpions lediglich eine lästige Pflichtaufgabe gewesen: Nach dem 88er-Album "Savage Amusement" hatte man sich von Plattenfirma EMI und Produzent Dieter Dirks getrennt und das 90er-Erfolgsalbum "Crazy World" von Keith Olson produzieren lassen und bei Polygram herausgebracht. Allerdings war man der EMI und Dierks nach wie vor eine Compilation schuldig, und um diese vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen, erschien dann 1992 die Balladensammlung "Still Loving You". Im Prinzip hätte das Ganze auch eine durchaus unterhaltsame Angelegenheit - und eine passende Ergänzung zur eher balladenarmen 89er-Best Of "Rockers 'N' Ballads" - werden können, denn so zunehmend furchtbar die Balladen der Scorpions im Laufe der 90er und in der Folgezeit auch wurden, so hörenswert waren sie in den 70ern und 80ern.

Aus mir völlig unbegreiflichen Gründen, entschied man sich jedoch leider dazu, mit Ausnahme zweier Songs ("Wind Of Change" und "Living For Tomorrow") das gesamte Material von einem gewissen Erwin Musper in den niederländischen Wisseloord-Studios in Hilversum überarbeiten und remixen zu lassen - und das ist leider völlig in die Hose gegangen. Vielleicht noch unter dem Eindruck des Riesenerfolgs von "Wind Of Change" stehend, war die Maxime dieses Vorgangs anscheinend, die Scorpions-Balladen möglichst weich zu spülen und alles in den Hintergrund zu rücken, was noch in irgendeiner Weise an Rock oder gar Hardrock erinnert. Die Folge waren weniger rockige Gitarren-, dafür aber mehr klebrige Keyboard-Klänge, was bereits beim Opener "Believe In Love" ebenso krass wie negativ auffällt. Das Resultat dieser Remix-Tortur fällt - ja nach Song - mal mehr, mal weniger schrecklich aus; in positiver Weise profitiert hiervon jedoch nicht ein einziger der Songs, und wenn hier mehrere Rezensenten von den "besten Balladen der Scorpions" schwärmen, kann daraus nur geschlossen werden, dass deren Originalversionen offenbar nie gehört wurden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Finger Weg von diesen Weichspülversionen - statt dessen zu den Originalen greifen!

Leider haben die Scorpions (bzw. deren Plattenlabels) ein Händchen dafür, irgendwelche völlig unbekannten und bestenfalls semi-talentierten Nobodys mit ihren Songs herumpfuschen zu lassen: So beauftragte man beispielsweise mit dem Remastering des EMI-Backkatalogs im Jahre 2001 ausgerechnet einen gewissen Herrn Jens Müller-Koslowski(!). Das Resultat war in absolut jeder Hinsicht katastrophal und reiht sich nahtlos ein in die lange Liste völlig misratener Hardrock/Metal-Remasters, in der sich auch so prominente Namen wie Gary Moore, Judas Priest und Iron Maiden finden. Kein Wunder, dass besagte Scorpions-Remasters mittlerweile nicht mehr produziert werden, was allerdings auch zu der paradoxen Situation geführt hat, dass - zumindest derzeit - die 80er-Jahre EMI-Alben DER deutschen Hardrock-Band schlechthin, ausgerechnet im eigenen Land nur als US-Import(!) zu bekommen sind.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 19, 2014 3:06 PM MEST


In Your Room (3cd+Dvd) (DVD im NTSC-Format)
In Your Room (3cd+Dvd) (DVD im NTSC-Format)

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas lieblos und (zumindest derzeit) völlig überteuert, 23. August 2013
Preis/Leistungsmäßig geht dieses - zudem recht armselig aufgemachte - Teil mit seinen derzeit über 60 Euro leider gar nicht, egal ob man es mit anderen Box-Sets (Byrds, Leonard Cohen, ELO, Nilsson, ...) oder beispielsweise mit den Depeche Mode-Remasters von 2006 vergleicht, für die man in der CD+DVD-Fassung die meiste Zeit kaum mehr als einen Zehner abdrücken muss.

Das Audio-Material der drei CDs ist mit 34 Tracks zudem nicht gerade großzügig ausgefallen, was insbesondere deshalb ärgerlich ist, weil es durchaus noch Material gegeben hätte, um die verbliebene Laufzeit ein wenig zu füllen, etwa das für eine BBC-Show aufgenommene "Get Set" oder diverse Post-Split-Remixes von "Only You", "Don't Go", "Nobody's Diary" und "Situation". Es nicht zu schaffen, eine wirklich komplette Werkschau einer Band vorzulegen, die gerade mal zwei(!) Studioalben veröffentlicht hat, ist nun wirklich nicht gerade eine Großtat.

Hinzu kommt, dass dieses Material nahezu komplett - und im gleichen exzellenten Klang der 2008er-Remasters - auch auf der 32 Songs umfassenden Doppel-CD "The Collection" zu finden ist, welche in der Regel für um die zehn Euro zu bekommen ist. Ob der gewaltige Mehrpreis von (derzeit) über 50 Euro den Mehrwert von im wesentlichen gerade mal einer DVD wert ist, muss letztlich jeder für sich entscheiden, aber es ist schon ärgerlich, dass auch nach über drei Jahrzehnten immer noch keine inhaltlich wie klanglich definitive Edition des doch recht überschaubaren Yazoo-Outputs vorliegt. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass die 5.1-Mixe der DVD recht aggressiv dynamikkomprimiert wurden, was zumindest mein Fall nicht so recht ist. Weiterhin stellt sich die Frage, wieso der spendierfreudige Sammler hier von Mute keine Hybrid-SACDs geboten bekommt, wie das noch bei den Depeche Mode-Reissues der Fall war. Sollte das daran liegen, dass man sich bei Mute komplett von der SACD verabschiedet hat (und die Tatsache, dass die Depeche Mode-SACDs leider nicht neu aufgelegt wurden und daher teilweise mittlerweile zu Rekordpreisen bei Ebay gehandelt werden, spricht ja leider dafür), wäre das aus Sicht des anspruchsvollen Musikhörers extrem unerfreulich.

Insgesamt muss man einen Stern abziehen für die wenig attraktive Aufmachung und die Tatsache, dass das Repertoire und die Qualität der - teils recht gewöhnungsbedürftigen - 5.1-Mixe zwar gut, aber nicht perfekt ist, womit sich immer noch gute vier Sterne ergeben. Das gilt allerdings nur zu einem vernünftigen Preis von 30, allerhöchstens 40 Euro. Für 60 oder mehr Euro sind beim besten Willen nicht mehr als drei Sterne drin ...


Free All Angels
Free All Angels
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 11,99

1.0 von 5 Sternen Katastrophaler Loudness War, 15. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Free All Angels (Audio CD)
Totaler Klangmüll und Loudness War der absolut übelsten Sorte! Brickwalled ohne Ende, haben sämtliche Songs einen DR-Wert von 5 oder 6 und klingen schon bei völlig normaler Lautstärke völlig verzerrt und gnadenlos übersteuert. So was kommt dabei raus, wenn nicht der Tontechniker das Sagen im Studio hat, sondern der selbsternannte Marketingexperte erfolgreich fordert: "Mastert mir das so laut wie möglich, egal wie scheiße es klingt!"


Natural Order 1982-1991
Natural Order 1982-1991
Preis: EUR 16,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einfallslos und überflüssig, 21. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Natural Order 1982-1991 (Audio CD)
Selten hat man eine derart sinnfreie - und mit zehn Songs und nicht einmal einer Stunde Laufzeit zudem recht knappe - Zusammenstellung von Talk Talk-Material erlebt: Sieben Songs von den regulären fünf Studioalben, zwei B-Seiten (ebenfalls zu hören auf der spottbilligen Raritäten-Doppel-CD "Asides Besides") sowie eine alternative Fassung von "After The Flood" (von der derzeit vergriffenen Outtake-Sammlung "Missing Pieces"). Wo ein anderer Rezensent hier "ein paar Leckerbissen für Talk Talk-Fans" gesehen haben will, bleibt mir komplett schleierhaft: Hier findet sich absolut nichts Unveröffentlichtes und mit der auf lächerliche vier Minuten zusammengeschrumpften "After The Flood"-Alternativfassung gerade mal eine (verzichtbare) Pseudo-Rarität.

Für den Kenner gibt's hier also wenig zu holen und als Einstieg für den Neuling eignet sich diese Compilation aufgrund ihrer ausschließlichen Beschränkung auf eher unbekannte Nicht-Singles ebenfalls kaum (so gut die zum Teil auch sein mögen). Dies gilt umso mehr als die seit bereits 15 Jahren erhältliche Compilation "The Very Best Of" nicht nur die größten Hits der Band enthält, sondern zudem auch sechs der hier auf "Natural Order" vertretenen zehn Songs ("Eden" in einer alternativen Fassung), so dass sie für Einsteiger definitiv die bessere Wahl darstellt.

Und um auch das ein für alle Mal klar zu stellen: "Neu gemastert" ist hier absolut nichts! Im März 1997 wurde das Talk Talk-Material von Phill Brown and Denis Blackham unter Verwendung der originalen 1/2"-Analog-Masters digital remastered und diese Remasters fanden seitdem bei ausnahmslos allen Veröffentlichungen Verwendung - auch bei den 2013er-Fassungen der beiden Compilations "Natural History" und "Natural Order". Dass EMI hier von "2013 Remasters" spricht, ist Etikettenschwindel der übelsten Sorte und hart an der Grenze zum Betrug! Das einzig Neue an den 2013er-Veröffentlichungen ist das Artwork und (im Falle von "Natural Order") die Zusammenstellung.

Talk Talk gehören zu den wenigen Bands der 80er, die halbwegs Bedeutendes hinterlassen haben. Dem wird man jedoch ganz sicher nicht dadurch gerecht, dass man immer wieder unmotivierte Compilations wie diese auf den Markt wirft - oder die x-te Neuauflage der mittlerweile 23 Jahre alten "Natural History" ...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 1, 2014 9:05 PM MEST


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