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Rezensionen verfasst von
Felix Richter
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Montana: Roman
Montana: Roman
von Smith Henderson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das viel zu geben hat, wenn man sich darauf einlässt., 30. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Montana: Roman (Gebundene Ausgabe)
Smith Henderson hat einen erstaunlichen Werdegang hinter sich. Von Beruf Werbetexter (an dem berühmten Chrysler-Commercial "Halftime in America" mit Clint Eastwood, das 2012 bei der Golden Bowl gezeigt wurde, hat er mitgetextet), konnte er nur studieren, weil seine gut versicherte Mutter starb, als er 19 war. Nach dem Studium (alte Sprachen!) hielt er sich mit einer Reihe von Jobs über Wasser, unter anderem als Sozialarbeiter in einem Heim für Jugendliche.

Und damit sind wir dann beim Buch, denn Sozialarbeiter ist auch sein Held: Pete, getrennt lebend von instabiler Frau und 13-jähriger Tochter, kümmert sich im vernachlässigten Hinterland von Montana um Familien, die im Sumpf von Drogen, Alkohol und Gewalt unterzugehen drohen und ihre Kinder mit sich zu reißen. Eines Tages läuft ihm ein kleiner, verwahrloster Junge über den Weg, und so kommt Pete in Kontakt mit dessen Vater, einem religiösen und politischen Paranoiker, der sich mitsamt seiner vielköpfigen Familie in die Wildnis zurückgezogen hat.

Als dann noch seine Frau völlig aufgelöst anruft, weil die Tochter seit Tagen verschwunden ist, wird Pete schmerzhaft bewusst, dass er in seinem Leben wohl doch die falschen Prioritäten gesetzt hat. Er macht sich auf eine verzweifelte Suche, die aber erscheint genauso aussichtslos wie die sisyphusartigen Bemühungen um seine Schützlinge.

Man möchte kaum glauben, dass dies ein Erstling ist, so souverän entwickelt Henderson Charaktere und Story. Seine Sprache ist so brutal wie dem Thema angemessen, man merkt, dass er weiß, wovon er redet; Four-letter-word-Allergiker seien gewarnt. Sein Montana ist das triste Panoptikum eines von der Politik vergessenen, hässlichen, zukunftslosen Amerikas (der Roman spielt Anfang der 80er), in dem die ferne Staatsmacht gelegentlich mit aller gebotenen Arroganz und Inkompetenz auftritt, damit ja niemand vergisst, wo der Hammer hängt. Und Pete ist eine Art moderner Hiob, der sich seinem Schicksal mit rührender Beharrlichkeit und reichlich Alkohol entgegenstemmt und dabei erstaunliche Reserven offenbart. All das macht, gerade was unsere Haltung gegenüber den Problemfällen einer Gesellschaft angeht, "Montana" zu einem Buch, das viel zu geben hat, man muss sich nur darauf einlassen.


Fourth of July Creek
Fourth of July Creek
von Smith Henderson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,60

5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das viel zu geben hat, wenn man sich darauf einlässt., 30. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fourth of July Creek (Taschenbuch)
Smith Henderson hat einen erstaunlichen Werdegang hinter sich. Von Beruf Werbetexter (an dem berühmten Chrysler-Commercial "Halftime in America" mit Clint Eastwood, das 2012 bei der Golden Bowl gezeigt wurde, hat er mitgeschrieben), konnte er nur studieren, weil seine gut versicherte Mutter starb, als er 19 war. Nach dem Studium (alte Sprachen!) hielt er sich mit einer Reihe von Jobs über Wasser, unter anderem als Sozialarbeiter in einem Heim für Jugendliche.

Und damit sind wir dann beim Buch, denn Sozialarbeiter ist auch sein Held: Pete, getrennt lebend von instabiler Frau und 13-jähriger Tochter, kümmert sich im vernachlässigten Hinterland von Montana um Familien, die im Sumpf von Drogen, Alkohol und Gewalt unterzugehen und ihre Kinder mit sich zu reißen drohen. Eines Tages läuft ihm ein kleiner, verwahrloster Junge über den Weg, und so kommt Pete in Kontakt mit dessen Vater, einem religiösen und politischen Paranoiker, der sich mitsamt seiner vielköpfigen Familie in die Wildnis zurückgezogen hat.

Als dann noch seine Frau völlig aufgelöst anruft, weil die Tochter seit Tagen verschwunden ist, wird Pete schmerzhaft bewusst, dass er in seinem Leben wohl doch die falschen Prioritäten gesetzt hat. Er macht sich auf eine verzweifelte Suche, die aber erscheint genauso aussichtslos wie die sisyphusartigen Bemühungen um seine Schützlinge.

Man möchte kaum glauben, dass dies ein Erstling ist, so souverän entwickelt Henderson Charaktere und Story. Seine Sprache ist so brutal wie dem Thema angemessen, man merkt, dass er weiß, wovon er redet; Four-letter-word-Allergiker seien gewarnt, und es gibt auch nicht artgerechten Umgang mit Tieren. Sein Montana ist das triste Panoptikum eines von der Politik vergessenen, hässlichen, zukunftslosen Amerikas (der Roman spielt Anfang der 80er), in dem die ferne Staatsmacht gelegentlich mit aller gebotenen Arroganz und Inkompetenz auftritt, damit ja niemand vergisst, wo der Hammer hängt. Und Pete ist eine Art moderner Hiob, der sich seinem Schicksal mit rührender Beharrlichkeit und reichlich Alkohol entgegenstemmt und dabei erstaunliche Reserven offenbart. All das macht, gerade was unsere Haltung gegenüber den Problemfällen einer Gesellschaft angeht, "Fourth of July Creek" zu einem Buch, das viel zu geben hat, man muss sich nur darauf einlassen.


Dunkle Materie und Dinosaurier: Die erstaunlichen Zusammenhänge des Universums
Dunkle Materie und Dinosaurier: Die erstaunlichen Zusammenhänge des Universums
von Lisa Randall
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war..., 23. Juni 2016
...jedenfalls dann nicht, wenn man, wie ich, den diesbezüglichen wissenschaftlichen Fortschritt der letzten 50 Jahre nur noch sporadisch zur Kenntnis genommen hat. In meiner Jugend war das Sonnensystem noch eine ziemlich aufgeräumte Angelegenheit, mit neun Planeten, ein paar Monden und einem Haufen Asteroiden. Aber von der Oortschen Wolke, aus der alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Kometen stammen, hatte ich zum Beispiel nichts geahnt.

Und von Dunkler Materie natürlich auch nichts, diesem so ebenso elusiven wie ambivalenten Stoff, der einerseits die Welt im Innersten zusammenhält, andererseits dazu beizutragen scheint, dass das Leben auf der Erde in regelmäßigen, wenn auch langen Abständen brutal zurechtgestutzt wird, und bei dem es auch unter Wissenschaftlern immer noch ein paar Zweifler gibt, ob er überhaupt existiert. Lisa Randall, weltweit anerkannte elementarteilchenphysikalische Frontfrau und 2007 einer der 100 einflussreichsten Timesmenschen, ist fest davon überzeugt, dass sich ohne die Schwerkraft einer gigantischen Scheibe Dunkler Materie (nicht zu verwechseln mit Schwarzen Löchern!) Aufbau und Dynamik der Milchstraße nicht erklären ließe, und das periodisch wiederkehrende Aufschlagen zerstörerischer Kometen auf der Erde auch nicht (das aber manchmal auch sein Gutes hatte, jedenfalls aus anthropozentrischer Sicht, denn solange Dinosaurier die Nahrungskette anführten, war an die Entwicklung größerer Säugetiere nicht zu denken).

Es begeistert mich immer wieder, wie es englischsprachigen Wissenschaftlern gelingt, ihre Leser behutsam an komplexeste Sachverhalte heranzuführen und Unerklärbares so zu erklären, sodass sie schließlich auch von etwas so Rätselhaftem wie der unsichtbaren und unberührbaren Dunklen Materie eine gewisse Vorstellung entwickeln. Lisa Randall zeichnet dabei ein höchst anschauliches Bild, wie Wissenschaftler denken und arbeiten und wie dramatisch sich unser Verständnis für den Aufbau des Universums in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat, durch enge Zusammenarbeit zwischen Astrophysikern, Teilchenphysikern und Geologen. Ein spannendes, lehrreiches und mitreißend geschriebenes Buch, auch und gerade für Leser von außerhalb der drei genannten Fakultäten.


Eine Geschichte der Neugierde
Eine Geschichte der Neugierde
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Was ist der Mensch?, 23. Juni 2016
So wie Vergil und Beatrice ihren Dante durch Himmel und Hölle geleitet haben, so geleitet Alberto Manguel seine überraschten Leser durch die Göttliche Komödie - überrascht deshalb, weil weder Titel noch Klappentext eine derartige Dantelastigkeit auch nur andeuten. Und so bin, ohne es zu ahnen oder zu wollen, endlich in eines der größten Werke der Weltliteratur eingeführt worden, und das auf wahrlich ungewöhnliche Weise.

Siebzehnmal erzählt Manguel, wie Dante auf seiner Reise haltmacht, um mit den Schatten des Jenseits zu sprechen, mit vielen Sündern und wenigen Erlösten, mit Figuren aus Mythologie und Geschichte, aber auch mit persönlichen Bekannten. Beginnend mit "Was ist Neugierde?", endend mit "Was ist Wahrheit?" sind all diese Kapitel mit den Fragen überschrieben, die unser Menschsein ausmachen und an denen sich über die Jahrtausende hinweg die großen Philosophen und Kirchenväter mehr oder weniger erfolgreich abgearbeitet haben. Für Manguel sind diese Fragen aber kaum mehr als Aufhänger, denn wes das Herz (bzw. die Bibliothek) voll ist, des läuft der Mund über. Das ist einerseits ein wenig geschwätzig - siehe seinen Ausflug in die Knotenschrift der Quechua anlässlich der Frage, wie wir Gedanken sichtbar machen -, andererseits aber ausgesprochen unterhaltsam und horizonterweiternd.

Es ist wohl so, dass dieses üppige, füllhornartige Buch Alberto Manguels Vermächtnis ist - das sieht man schon daran, dass er immer wieder mit beneidenswerter Gelassenheit auf sein Alter und sein unaufhaltsam näherrückendes Ende abhebt. So ist dieses Buch weniger "Eine Geschichte der Neugierde" als das Manifest eines von Grund auf neugierigen Menschen, dessen große, lebenslange Liebe den Büchern galt, zuletzt der Commedia. Und ich bin dem nachlässigen Klappentexter von Herzen dankbar, dass er das Buch so ungenau beschrieben hat, denn auf so viel Dante hätte ich mich wissentlich wohl nicht eingelassen. Manchmal muss man zu seinem Glück eben gezwungen werden.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -


Lettipark: Erzählungen
Lettipark: Erzählungen
von Judith Hermann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hermanns Erzählungen, 13. Juni 2016
Rezension bezieht sich auf: Lettipark: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
17 Erzählungen à ca. 10 Seiten, die auch auf den zweiten oder dritten Blick kaum unter einen thematischen Hut zu bringen sind - Aufmerksamkeitsspannendefizienten können unbesorgt zugreifen. Das mag sich nach leichtverdaulicher Lektüre anhören, und ist es auch insofern, als Judith Hermann dem Leser appetitliche, weil oft kurios, um nicht zu sagen absurd konfigurierte Häppchen vorsetzt, die allerdings beim Draufbeißen einen eigenartigen Bei- bzw. Nachgeschmack haben.

Es ist ein heterogenes, ziemlich schräges Personal, das die Geschichten bevölkert, und tauschen möchte man mit ihm in den seltensten Fällen. Meist sind es Momentaufnahmen ohne Vorgeschichte; manchmal stört das, und dann fühlen sich die Episoden etwas unrund an - "Fetisch" ist so ein Beispiel, wo eine junge (?) Frau alleine in einer Zirkuswagenburg darauf wartet, dass ein gewisser Carl wieder auftaucht, in dessen Schlepptau sie dort gerade angekommen ist und vor dem sie sich ein wenig zu fürchten scheint. Auch die jeweiligen Schlüsse verabschieden den Leser gerne mit einem vagen Gefühl; es ist halt wie im richtigen Leben, da weiß ja man auch selten, wozu dieses oder jenes am Ende gut war, ist oder sein wird.

Bei all dieser Ungewissheit erstaunt es dann doch, wie stark diese minimalistisch erzeugten Bilder sind, die sich im Kopf des Lesers festsetzen, und wie gut man sich trotz aller Fremdheit in all diese Fremden hineinversetzen kann. Ich habe mich, um beim eingangs gewählten Bild zu bleiben, gefühlt wie nach einem Besuch in einem der Restaurants, wo man zwar Delikates und Überraschendes auf dem Teller vorgefunden hat, aber am Ende doch nicht richtig satt geworden ist.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 26, 2016 9:55 AM MEST


Dark Matter and the Dinosaurs: The Astounding Interconnectedness of the Universe
Dark Matter and the Dinosaurs: The Astounding Interconnectedness of the Universe
von Lisa Randall
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,95

5.0 von 5 Sternen Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war..., 11. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...jedenfalls dann nicht, wenn man, wie ich, den diesbezüglichen wissenschaftlichen Fortschritt der letzten 50 Jahre nur noch sporadisch zur Kenntnis genommen hat. In meiner Jugend war das Sonnensystem noch eine ziemlich aufgeräumte Angelegenheit, mit neun Planeten, ein paar Monden und einem Haufen Asteroiden. Aber von der Oortschen Wolke, aus der alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Kometen stammen, hatte ich zum Beispiel nichts geahnt.

Und von Dunkler Materie natürlich auch nichts, diesem so ebenso elusiven wie ambivalenten Stoff, der einerseits die Welt im Innersten zusammenhält, andererseits dazu beizutragen scheint, dass das Leben auf der Erde in regelmäßigen, wenn auch langen Abständen brutal zurechtgestutzt wird, und bei dem es auch unter Wissenschaftlern immer noch ein paar Zweifler gibt, ob er überhaupt existiert. Lisa Randall, weltweit anerkannte elementarteilchenphysikalische Frontfrau und 2007 einer der 100 einflussreichsten Timesmenschen, ist fest davon überzeugt, dass sich ohne die Schwerkraft einer gigantischen Scheibe Dunkler Materie (nicht zu verwechseln mit Schwarzen Löchern!) Aufbau und Dynamik der Milchstraße nicht erklären ließe, und das periodisch wiederkehrende Aufschlagen zerstörerischer Kometen auf der Erde auch nicht (das aber manchmal auch sein Gutes hatte, jedenfalls aus anthropozentrischer Sicht, denn solange Dinosaurier die Nahrungskette anführten, war an die Entwicklung größerer Säugetiere nicht zu denken).

Es begeistert mich immer wieder, wie es englischsprachigen Wissenschaftlern gelingt, ihre Leser behutsam an komplexeste Sachverhalte heranzuführen und Unerklärbares so zu erklären, sodass sie schließlich auch von etwas so Rätselhaftem wie der unsichtbaren und unberührbaren Dunklen Materie eine gewisse Vorstellung entwickeln. Lisa Randall zeichnet dabei ein höchst anschauliches Bild, wie Wissenschaftler denken und arbeiten und wie dramatisch sich unser Verständnis für den Aufbau des Universums in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat, durch enge Zusammenarbeit zwischen Astrophysikern, Teilchenphysikern und Geologen. Ein spannendes, lehrreiches und mitreißend geschriebenes Buch, auch und gerade für Leser von außerhalb der drei genannten Fakultäten.


Kleine Feste: Geschichten und Beobachtungen
Kleine Feste: Geschichten und Beobachtungen
von Michele Serra
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 20,00

5.0 von 5 Sternen La vita è bella..., 31. Mai 2016
...und manchmal saukomisch, selbst in Momenten der Tragik, man muss nur richtig hinschauen. Michele Serra feiert das Leben mit spitzer, aber liebevoll geführter Feder, in ständigem, atemberaubenden Wechsel zwischen Tiefsinn und Slapstick. Er beobachtet die bodenständigen Menschen der Emilia Romagna aus der Halbdistanz des Intellektuellen, der es nach Jahren auf dem Lande endlich geschafft hat, einer der ihren zu werden. Na ja, fast. Den Dottore wird man halt nicht los.

Es ist endlich mal wieder ein Buch, das man besser in seinen eigenen vier Wänden liest. So kann man nämlich losprusten, wenn einem danach ist. Es muss eine Menge Spaß gemacht haben, die "Cerimonie" zu übersetzen, und herausgekommen sind Formulierungen zum Niederknien, vor allem an den Stellen, wo "erbarmungslos der Niedergang der menschlichen Spezies auf den Punkt gebracht wird". Ein bisschen gemein kann Serra nämlich auch, aber auf eine Art, dass der aufs Korn Genommene, wenn er es denn kapiert, nur maßvoll beleidigt sein kann.

Andere schreiben 600-seitige Biographien, um ihr Leben zu bilanzieren, Michele Serra ist das mit diesem schmalen Büchlein gelungen, und er hat noch ein farbenfrohes Bild seiner Heimat dazugeliefert. Mit ihm würde man gerne mal einen Espresso trinken, oder einen Trebbiano, am besten beides.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -


Vom Ende der Einsamkeit
Vom Ende der Einsamkeit
von Benedict Wells
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Tod und der Junge, 29. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Vom Ende der Einsamkeit (Gebundene Ausgabe)
"Ich kenne den Tod schon lange, jetzt kennt der Tod auch mich." Das Buch beginnt mit einem ersten Satz, der das Zeug zum Klassiker hat. Gerade ist Jules dem Tod von der Schippe gesprungen, das wird ihm nach und nach bewusst, als er nach einem Motorradunfall und mehrtägigem Koma allmählich zu sich kommt. Ein Einstieg mit einem Paukenschlag, und - ähnlich wie die "Verwandlung" - ein eindrucksvolles Gegenbeispiel zu der Empfehlung, dass gute Bücher nicht damit beginnen sollten, dass der Held gerade aufwacht.

Es folgt ein chronologischer Rückblick auf Jules' Leben, beginnend mit dem Unfalltod der Eltern, als er elf Jahre alt war. Er und seine beiden älteren Geschwister wachsen im Internat auf, wo sie sich schnell voneinander entfremden: Während bei den Geschwistern die Zäsur in ihrem Leben vorhandene Anlagen eher verstärkt - die lebenslustige Schwester wird später zur drogensüchtigen Nymphomanin, der nerdige Bruder zum genialischen Internetpionier -, wird aus dem mutigen Draufgänger Jules ein schüchterner Außenseiter, der den Glauben an sich selbst verliert und die Chancen, die sich ihm bieten, nicht sehen wird. Das Loch, das der Tod in sein Leben gerissen hat, ist zu tief, und es wird lange dauern, bis es Jules gelingt, sich selbst und das, was ihm geschieht, zu verstehen, und es wird noch länger dauern, dieses Verstehen auch zu nutzen, um die Rolle einzunehmen, die ihm das Leben offenbar zugewiesen hat.

Benedikt Wells fängt ohne Pathos und Gefühlsduselei das Drama eines schwierigen Lebens ein. Wenn ein Buch derartig unter die Haut geht, liegt es eigentlich nahe, dass eine Menge Autobiographisches drinsteckt; das ist hier aber offenbar nicht der Fall; umso bemerkenswerter ist es, wie tief und nachvollziehbar der Protagonist entwickelt wird. Die Nebenfiguren bleiben dem Leser zwar vergleichsweise rätselhaft, doch das ist durchaus stimmig, denn Jules ging es schließlich auch nicht anders. Ein großartiges Buch über Resignation und Entfremdung, Freundschaft, Liebe und die dazugehörigen Missverständnisse, und darüber, wie man sich selbst neu entdecken kann, wenn einem das Schicksal keine andere Wahl lässt.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 31, 2016 10:29 PM MEST


Rules for a Knight
Rules for a Knight
von Ethan Hawke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 13,20

5.0 von 5 Sternen Gebrauchsanweisung für ein aufrechtes Leben, 23. Mai 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Rules for a Knight (Gebundene Ausgabe)
Es brauchte nur edle Vorfahren, einen unaufgeräumten Keller und ein wenig Finderglück, und schon könnten einem die "Rules for a Knight" in den Schoß fallen. Wenn diese Voraussetzungen fehlen, muss man wenigstens eine Menge gelesen haben. Ethan Hawke, berühmter Schauspieler und nicht ganz so berühmter Autor, hat, unbeschadet seiner Editor's Note, eine Menge gelesen - die Liste von Acknowledgements ist lang und illuster und führt neben den üblichen Verdächtigen wie Nelson Mandela und Martin Luther King auch einige unübliche wie Laurence Fishburne oder River Phoenix, aus deren Ideen er ein Buch destilliert hat für Eltern und für Jugendliche (beiderlei Geschlechts, was vielleicht auch nicht unwichtig ist zu erwähnen).

Ein Ritter fürchtet, die Schlacht, in die er am nächsten Tag ziehen wird, nicht zu überleben. Der Gedanke an seine Kinder lässt ihn nicht schlafen, und so setzt er sich hin und schreibt sein Vermächtnis auf. All das, was in seinen Augen einen Ritter zum Ritter macht, zusammengefasst in zwei Kernsätzen, die auch auf dem Buchrücken stehen: "Never announce you are a knight, simply behave as one" und "You are better than no one, and no one is better than you", die Quintessenz dessen, was ihm sein geliebter Großvater durch Wort und Tat beigebracht hatte.

Das mag jetzt ein wenig bemüht und moralinsauer klingen, ist es aber nicht. Es ist auch nicht kitschig. Es ist genau das Buch, das ein liebevoller Vater schreibt in dem Bestreben, dass seine Kinder zu glücklichen, zufriedenen und respektierten Menschen heranwachsen, ganz gleich ob Ethan Hawke heute oder Sir Thomas Lemuel Hawke vor über 500 Jahren. Dass es für einen Ritter von Nachteil sein kann, in der Nacht vor einer Schlacht zu schreiben anstatt zu schlafen, ist leider eine andere Sache und mit Sicherheit ungesünder, als am nächsten Drehtag mit roten Augen aufzukreuzen.


A Thousand Splendid Suns
A Thousand Splendid Suns
von Khaled Hosseini
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,95

5.0 von 5 Sternen Erschütternd und großartig, 20. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: A Thousand Splendid Suns (Taschenbuch)
Nichts sprach dafür, dass sich Mariams und Lailas Wege jemals kreuzen würden. Die uneheliche Tochter eines Herater Kinobesitzers, die mit ihrer kranken, verbitterten Mutter in einer kleinen Hütte im Wald aufwächst, und das Mädchen aus kultiviertem Kabuler Elternhaus, dessen Vater stets darum besorgt ist, dass seine Tochter die Bildung erhält, die ihr wacher Geist verdient. Doch das Chaos, das nach dem Abzug der sowjetischen Besatzer in Afghanistan einsetzt, führt beide unter einem Dach zusammen; vor allem Lailas Welt wird völlig auf den Kopf gestellt.

Khaled Hosseini beschreibt die Schrecken von Bürgerkrieg und familiärer Willkür in einer Gesellschaft, die sich den Islam nach ihren Bedürfnissen zurechtgestutzt und Männer zu allmächtigen Herren über Leben und Tod ihrer Frauen gemacht hat. Wir erleben eine Ehehölle, deren Schilderung so unter die Haut geht, dass ich das Buch manchmal einfach zur Seite legen musste, mit zwei Heldinnen, die schmerzhaft lernen müssen, das Unvermeidliche zu akzeptieren. Zu Heldinnen werden sie tatsächlich beide, buchstäblich, jede auf ihre Weise, und wie es dem männlichen Autor gelingt, sich in beide hineinzufühlen, ist wahrhaft beeindruckend.

"A Thousand Splendid Suns" ist ein Buch, das noch eine Weile nachhallen wird. Es ist schonungslos, aber nicht hoffnungslos, auch wenn heute, 10 Jahre nach dem Erscheinen, die Lage in Afghanistan immer noch wenig Anlass zu Optimismus gibt. Zu tief sind die Gräben zwischen den Bevölkerungs- und religiösen Gruppierungen, und zu fest ist nach wie vor der Würgegriff des Fundamentalismus.


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