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"koeptnkaetngenick"

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Hundejahre: Roman
Hundejahre: Roman
von Günter Grass
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,90

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein brillantes Stück deutscher Nachkriegsliteratur, 27. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Hundejahre: Roman (Taschenbuch)
„Hundejahre“ (1963) von Günter Grass
Der Roman „Hundejahre“ (1963) ist der dritte und letzte Teil der Danziger Trilogie.
Grass erzählt die Geschichte zweier Freunde: Eduard Amsel und Walter Matern. Im Alter von acht Jahren schliessen die beiden Blutsfreundschaft. Walter hilft dem fetten Eduard beim Bau von Vogelscheuchen.
Später tritt Matern der SA bei und lässt Amsel, den Halbjuden, zusammenschlagen. Im Schnee eingerollt, ändert Amsel seine Gestalt, zieht nach Berlin und nennt sich fortan Haseloff. Auch Jenny, dem dicken Adoptivkind eines Studienrats, stösst dasselbe zu: Auch sie wird misshandelt und auch sie ändert ihre Gestalt. Später, im Krieg, wird Amsel/Haseloff Jenny nach Berlin holen.
Matern ergeht es hingegen ganz anders: Er wird wegen Führerbeleidigung an die Front geschickt. 1945 wird er aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Nun zieht er durch ganz Deutschland und rächt sich an seinen ehemaligen Vorgesetzten, indem er deren Frauen und Töchtern Geschlechtskrankheiten anhängt. Der entlaufene Hund Hitlers begleitet ihn. Matern nennt ihn Pluto.
Die drei treffen sich später in Berlin und versöhnen sich. Amsel zeigt Matern seine Vogelscheuchenhölle und Matern lässt darauf perplex seinen Hund Pluto dort zurück.
Der Roman „Hundejahre“ (1963) ist sehr spannend zu lesen. Anfangs bereiteten mir die Danziger Mundart und die verschiedenen Erzählperspektiven etwas Mühe. Doch ich merkte sehr schnell, was Grass damit bewirken wollte. Die Geschichte wird von mehreren Seiten beleuchtet, dadurch erhält sie eine unglaubliche Dichte. Die Figuren lassen ein recht genaues Bild der damaligen Zeit zu, da erst die Vorkriegszeit, dann die Zeit des Zweiten Weltkriegs und zuletzt die Nachkriegszeit als Kulisse dienen. Man kann die Figuren aufwachsen sehen, was mich zum Beispiel fast zum Weiterlesen zwang.
Der Roman ist in drei Bücher eingeteilt. Jedes Buch schildert die damalige Zeit in einer anderen Perspektive: Die „Frühschichten“ werden von Amsel erzählt und handeln von der Vorkriegszeit. Die „Liebesbriefe“ erzählt ein gewisser Harry Liebenau, Sohn des Schreiners von Nickelswalde und Cousin der Göre Tulla, und sie handeln vorwiegend vom Zweiten Weltkrieg. Die „Materniaden“ schliesslich werden von Walter Matern geschildert; er scheint mir der heimliche Protagonist zu sein.
Der Nationalsozialismus kommt immer wieder vor: In den „Frühschichten“ wird er nur gestreift und doch ist die Bedrohung, die davon ausgeht, zu bemerken. Die „Liebesbriefe“ zeigen ihn in seiner vollen Bedrohung. Die „Materniaden“ rechnen schliesslich damit abGrass war selbst Mitglied der Hitlerjugend und er spiegelt sich wahrscheinlich in der Figur des Walter Matern.
„Hundejahre“ ist ein brillantes Stück deutscher Nachkriegsliteratur. Die verschiedenen Erzählperspektiven können einen anfangs ein wenig verwirren. Doch je länger ich mich dem Buch hingab, desto grösser wurde das Verständnis für Grass' Sprache und desto grösser wurde der Lesespass. Ich habe sogar Gestalten aus anderen Romanen der „Danziger Trilogie“ angetroffen: Oscar Matzerath, den Trommler aus der berühmten „Blechtrommel“, und Tulla, die Göre aus „Katz und Maus“. Was den Leser allerdings vom Genuss dieses Werks abhalten könnte, ist sein Umfang: Im Taschenbuchformat umfasst es 745 Seiten.
Men Duri Dolf,
Bündner Kantonsschule, Chur
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 14, 2015 1:05 PM MEST


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