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Rezensionen verfasst von
Sabina

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Cabo de Gata
Cabo de Gata
von Eugen Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Andalusien treffend eingefangen, 20. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Cabo de Gata (Gebundene Ausgabe)
Auf der Suche nach einem Buch in einer Buchhandlung kam ich rein zufällig an einem mit nur zwei verschiedenen Titeln reich dekorierten Tisch vorbei, und mein Blick blieb sofort an dem einen Buchtitel hängen: "Cabo de Gata". Der Autor war mir unbekannt. Ich las die Beschreibung auf dem Rücken und den Klappentext; sofort stiegen Bilder vor meinen Augen auf. Letztlich kaufte ich dieses Buch, weil ich DORT eben in Cabo de Gata gewesen war.

Sieben Jahre in Spanien, vier davon in Andalusien. Die ersten Wochen der letzten vier Jahre im Parque Natural "Cabo de Gata". Das gleichnamige Dorf "Cabo de Gata" schleuderte mich ans Ende der Welt; ich meine mich zu erinnern, daß es der häßlichste Ort in diesem Naturschutzgebiet war; wie ich auch Almeria zu den unattraktivsten Städten zähle. Sofort ließen die Beschreibungen die Landschaft vor mir wieder lebendig werden. Die Berge, das Meer, die mediterranen Farben, die vermüllte Landschaft, die Häuser(ruinen), die Strände voll Plastik und Unrat, alles grandios erzählt.

Wer denkt schon daran, daß es in der wärmsten Region Europas im Winter nachts so kalt wird, daß man genau diesen Satz fühlt: "Ich habe nie so gefroren wie im Süden."

Im Buch werden Verhaltensweisen von Menschen beschrieben, oft nur andeutend, was auch mich letztlich ratlos zurückließ. Toll z. B. die Beschreibung der dickärschigen Kellnerin, die dem Autor jeden Mittag den Teller auf den Tisch knallt. Ihm - wie auch in hunderten Situationen mir - bleibt offensichtlich verborgen, wie Unfreundlichkeit oder Freundlichkeit scheinbar völlig willkürlich und unabhängig vom eigenen Verhalten, Sprachkenntnissen, Geldbeutel etc. zugeteilt wird. Dem Engländer gegenüber ist sie wesentlich zugewandter, warum eigentlich?

Die leise, unaufgeregte Erzählweise, Dinge gelassen beschreibend; Dinge die bei mir oft Unverständnis, Wut und Empörung erzeugten. Nachts die grauen Schatten an den Mülltonnen. Tagsüber waren sie unsichtbar, versteckten sich vor den Menschen - zu Recht. Die Kettenhunde - völlig unsinnig auch hier wie an tausend anderen Orten Spaniens - Olivenbäume oder leere Grundstücke bewachend bei über 40 Grad im Schatten - sadistische Willkür.

Der Protagonist verfällt in kürzester Zeit in Lethargie, die wie eine Dunstglocke über dem ganzen Land "da unten" liegt. Die immer wiederkehrenden Rituale - scheinbar völlig sinnlos - übernimmt er nach kurzer Zeit. Sein eigentliches Ziel - an diesem Ort seinen Roman zu schreiben - wird von der dort allgegenwärtig und von ihm übernommenen lähmenden Gleichgültigkeit vereitelt. Tragisch, das einzige Lebewesen (die Katze) zu enttäuschen, das es wert war, nicht enttäuscht zu werden, vielleicht es aber gerade zu tun, weil die Lebensumstände es dort irgendwie immer nahelegen.

Ein phantastisches Buch für jeden der in Andalusien gelebt hat - nicht als Urlauber; das reicht nicht. Nach 123 Tagen der Entschluß des Protagonisten einzusteigen in einen Bus - vermutlich Richtung Heimat. Während des Lesens entstand bei mir ganz kurz das Gefühl, wie es wäre, jetzt ins Auto zu steigen, dorthin zurückzufahren, in einer der wunderschönen, verborgenen Buchten des Parque Natural Cabo de Gata aufs Meer zu schauen. Am Ende schlägt man das Buch zu und weiß, daß der Entschluß, diesem Land vielleicht für immer den Rücken zu kehren, richtig war. Was geblieben ist? Mein andalusischer Straßenhund, der jetzt bei mir in Deutschland lebt.


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