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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
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Louder Than Hell
Louder Than Hell
Preis: EUR 5,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solider Manowar-Durchschnitt, kraftlos produziert, 20. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Louder Than Hell (Audio CD)
"Louder Than Hell" ist kein schlechtes Album. Im Vergleich zu anderen Bands schaffen es Manowar auch auf ihrer 1996er LP scheinbar mühelos, aus ihrem engen thematischen Umfeld ein Maximum herauszuholen. Das Album beginnt sogar ausnehmend stark: "Return Of The Warlord" ist ein optimale Hymne zum Einstieg. Der Songtitel spielt auf die Rückkehr von Drummer Scott Columbus (R.I.P. 2011) an, der die Band 1990 verlassen hatte. Musikalisch wird typischer Manowar-Stoff der schnelleren Sorte geboten, lyrisch greift man in den Klischeetopf "Lebensgefühl des Metallers/Bikers". So muss ein Album der "Kings Of Metal" eröffnet werden. Sehr gut gelungen sind auch die nachfolgenden Stücke "Brothers Of Metal (Part 1)" und "The Gods Made Heavy Metal", wobei hier - man ahnt es schon - die Texte besser sein könnten. Das liegt weniger an der grundsätzlichen Thematik, die man von Manowar natürlich genau so hören möchte, als vielmehr daran, dass beide Songs unmittelbar aufeinander folgen und sich lyrisch praktisch wie ein Ei dem anderen gleichen. So geballt hat man "Steel", "Fight" und "Metal" selten hochleben lassen... Davon abgesehen sind beide Stücke aber gut gelungen. Gleiches gilt auch für das epische, halb-balladeske "King" und den pfeilschnellen Rausschmeißer "The Power". Die obligatorische Ballade "Courage" kann sich auch hören lassen, ist jedoch keineswegs so dramatisch, wie man das von der Band auch schon gehört hat. Das Prädikat "zu kitschig" trifft es eher... Brauchbar, aber nicht essentiell. Ähnliches gilt für "Outlaw", das vor allem aufgrund der eher ungewöhnlichen Western-Thematik hervorsticht.

So viel zu den guten Stücken auf "Louder Than Hell". Die restlichen drei Nummern können bei mir hingegen überhaupt nicht punkten. Insbesondere die beiden Instrumentals "Today Is A Good Day To Die" und "My Spirit Lives On" (in dem Neuzugang Karl Logan an der Gitarre zeigt, was er kann) finde ich völlig nichtssagend und überflüssig. Wer mit solchen Stücken was anfangen kann, wird wohl zufrieden damit sein, ich hätte einen rein instrumentalen Titel ausreichend gefunden. Und schließlich gibt es in der Mitter der Platte noch den Track "Number 1", ein absolut durchschnittliches Stück Musik, das nicht zündet und nicht hängen bleibt. Zwar kein Totalausfall, aber für Manowar-Verhältnisse erschreckend belanglos.

Überwiegend empfinde ich "Louder Than Hell" als positiv, auch wenn hier Abwechslung nicht gerade groß geschrieben wird und man sich vor allem im Riff-Bereich stark wiederholt. Im Manowar-Backkatalog gibt es im Endeffekt bedeutend bessere Stücke, als auf diesem Album, wirklich schwach ist die Platte aber dennoch nicht. Leider krankt das Ganze meiner Ansicht nach an einer ziemlich schwachbrüstigen Produktion, ein Leiden, das man von Manowar seit den ersten Alben eigentlich nicht mehr kennt. Da kann auch der einmal mehr genial singende Eric Adams nichts retten. Oder ist hier etwa erstmals mangelnde Spielfreude der "Kings Of Metal" zu hören? Wie dem auch sei, die direkten Vorgänger "The Triumph Of Steel" und "Kings Of Metal" hatten wesentlich mehr Wumms, was "Louder Than Hell" auch sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. Schade, aber damit kann es - trotz vieler guter Songs - nur für die Durchschnittswertung reichen.


Warriors of the World (Gold Edition)
Warriors of the World (Gold Edition)
Preis: EUR 19,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht so schlecht, wie oft dargestellt, 3. August 2012
Das neunte Studioalbum der selbsternannten "Kings Of Metal" erschien 2002, ganze sechs Jahre nach dem überwiegend positiv aufgenommenen "Louder Than Hell". Genau in diesem Zeitraum begann sich erstmals Kritik an Manowar aufzubauen, die weder Texte noch Auftreten der Band betraf. Der Grund: Zwischendurch gab es Live-Alben und Compilations, die im Prinzip zwar gute Kost boten, allerdings auch den Geruch der Fan-Abzocke mit sich brachten. Außerdem wurden beim immer schon schwierigen Band-Boss Joey DeMaio immer stärkere Anzeichen von Größenwahn und Selbstüberschätzung sichtbar. Der Bassist sorgte damit selbst dafür, dass die Erwartungshaltung an "Warriors Of The World" ins Unermessliche stieg - und natürlich nicht so richtig erfüllt wurde.

Das nur zur Erklärung, warum diese Platte bereits mit einem merkbaren Malus ins Rennen ging. Das mag auch ein Mitgrund für die teils übertriebenen Verisse sein, mit denen "Warriors Of The World" bedacht wurde. Dabei stehen auf der CD durchaus einige Songs, die man heute schon fast als Klassiker bezeichnen kann. Bereits der Opener, "Call To Arms" bietet einen sehr starken Auftakt, typisches Manowar-Feeling und macht sofort Lust auf mehr. Genauso will man das von Manowar hören! Noch um eine Spur besser machen es die ganz hinten platzierten "Hand Of Doom" (saustarker Refrain, Eric Adams in Hochform), "House Of Death" (ähnlich wie "Hand Of Doom", ziemlich hymnisch und mit passenden "Die! Die!"-Schreien unterlegt) sowie der Höhepunkt des Albums. Der besteht aus dem eingängigen, schnellen und unglaublich aggressiven "Fight Until We Die" (inklusive Text mit "Swords", "Thunder", "Metal", "Blood" usw.). Insbesondere diese drei Stücke sind allesamt Kracher vor dem Herrn, an denen es absolut nichts auszusetzen gibt und die mit zum Besten gehören, was Manowar bisher fabriziert haben. Nicht ganz so gelungen, aber immer noch in Ordnung: Der quasi-Tteltrack "Warriors Of The World United". Ein Midtempo-Stampfer, ultra-eingängig und mal wieder mit Pathos an der Grenze des guten Geschmacks ("Tell my family how I died..."). Auf jeden Fall ist das Stück bestens zum Mitsingen geeignet - und auch das ist etwas, was man von Manowar erwartet. A pro pos Erwartungen: Natürlich darf auch eine dramatische Power-Ballade nicht fehlen. Auf "Warriors Of The World" haben es sogar gleich zwei davon geschafft, nämlich "The Fight For Freedom" und "Swords In The Wind". Zweitere ist ausgezeichnet gelungen, wenn auch nicht so gut, wie andere Manowar-Epen dieser Art. Erstere erinnert vom Klaviergeklimper her stark an "Courage" und ist von ziemlich viel 9/11-Pathos durchzogen. Ein kompletter Reinfall ist das Stück zwar nicht, aber im Endeffekt lediglich Durchschnittskost und mit den patriotischen Anwandlungen muss man halt klar kommen.

Damit haben wir von elf Songs auf "Warriors Of The World" sieben genannt, die entweder großartig sind, oder die Erwartungen zumindest erfüllen. Ausfall gibt es darunter nur einen mittleren, also keine schlechte Quote. Ganz im Gegensatz zum Rest der Platte, der praktisch den gesamten Mittelteil einnimmt und sich in der Rückschau wie ein erster Fingerzeig Richtung "Gods Of War" anhört. Zunächst mal ist bei "Nessun Dorma" nachzuhören, dass Eric Adams nicht nur einer der besten Metal-Shouter ist, sondern auch in der Oper keine schlechte Figur gemacht hätte. Das Stück ist eine Arie aus der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini und spätestens jetzt kann man sich fragen, was das auf einer Metalscheibe zu suchen hat? Noch dazu, weil es keine der gar nicht so seltenen "Metal + Klassik"-Fusionen ist, sondern einfach eine Opernarie mit einzelnen Gitarrenleads. Für Fans dieses Genres vielleicht interessant, der Metaller wird nach einmaligem Hören achselzuckend die Skip-Taste betätigen. Auf dieser Taste kann man den Finger anschließend gleich lassen - mit "Valhalla" folgt eine Art wagnereske Overtüre, die wohl kein Mensch außer Joey DeMaio braucht. Gleiches gilt übrigens für "The March". Damit fehlt nur noch der absolute Totalausfall auf "Warriors Of The World" und für den muss kein geringerer als der "King" selbst herhalten. Nein, nicht "Metal-King" DeMaio... "An American Trilogy" stammt ursprünglich von Elvis Presley und wird von Manowar mit leichtem Country-Einschlag vorgetragen. Ich kann damit einfach überhaupt nichts anfangen - das Ding eignet sich, wenn überhaupt, als Bonus für irgendeine Best Of oder Special Edition. Auf einem regulären Album hat sowas meiner Ansicht nach noch weniger verloren, als eine Puccini-Arie. Aber sei's drum, gibt ja die Skip-Taste...

Gut, damit ist alles geklärt. Auf "Warriors Of The World" stehen vier brettharte True Metal-Stücke, die allesamt ausgezeichnet sind. Es gibt zusätzlich eine gute Singleauskopplung und eine Ballade, die in Ordnung ist. Also sechs von elf Stücken, die im Haben verbucht werden können. "Fight For Freedom" gefällt nicht, noch weniger aber alle übrigen Tracks auf der CD. Aufgrund der oberen Güteklasse der übrigen Songs reicht das trotz aller Mängel für sehr knappe vier Sterne. Größtes Problem meiner Ansicht nach: Die Songreihenfolge ist denkbar ungünstig. Nach der fulminanten Eröffnung "Call To Arms" gibt es bis Nummer acht so gut wie nichts, was man von Manowar öfter als eimmal hören möchte. Einen so dichten Block an schwachen Songs sieht man eigentlich recht selten... Aber ich denke, vier Sterne gehen trotzdem in Ordnung, wer mit den Experimenten auf diesem Album gar nicht leben kann, muss wohl mindestens zwei abziehen.


Gods of War
Gods of War
Preis: EUR 11,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen True Metal? Ja, aber in homöopathischen Dosen..., 2. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Gods of War (Audio CD)
Wenn man mit einigem zeitlichen Abstand an "Gods Of War", das 2007er Album der True Metal-Institution Manowar denkt, fallen einem spontan drei Songs ein: "King Of Kings", "Sleipnir" und "Sons Of Odin". Aufgrund einer lustig-peinlichen Anekdote aus dem Rock Hard wird insbesondere im deutschsprachigen Raum der eine oder andere vielleicht auch noch den Bonustrack "Die For Metal" in Erinnerung haben - gewidmet einem gewissen Götz K. Der fand es seinerzeit nämlich nicht so glaubwürdig, dass ein gewisser Joey D. behauptete, "notfalls für den Metal sterben" zu wollen und wurde dafür immerhin im Booklet gewürdigt.

Auch wenn (oder gerade weil?) seit der Veröffentlichung von "Gods Of War" mittlerweile einige Zeit ins Land gezogen ist, ist das Album nach wie vor nur als "durchwachsen" zu bezeichnen. Dabei sieht es optisch zunächst sehr gut aus (und mit "optisch" meine ich nicht das Cover, das mehr als alle bisherigen zum Fremdschämen einlädt...): 16 Songs, eine Spielzeit von fast 74 Minuten, Manowar-Rekord! Ähnlich umfangreich ist von allen bis dato erschienenen regulären Alben der Amis lediglich "The Triumph Of Steel" (1992, ca. 69 Minuten) ausgefallen. Das ist auch schon eine gute Überleitung, denn gerade auf jenem Album befand sich mit dem berüchtigten 28-Minüter "Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts" eine Art Hörspiel, wie es "Gods Of War" auf Albumlänge bietet.

Das bedeutet im Klartext: Von 16 Stücken auf der Platte sind gerade mal acht als Songs im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Der Rest besteht aus Intros, Overtüren und Spoken-Word-Titeln. Nun sind solche Dinge zur Schaffung einer gewissen Atmosphäre ja durchaus geeignet, nur übertreiben es Manowar auf "Gods Of War" damit gnadenlos. Am Beginn der Platte bietet die erste Overtüre, passend betitelt mit "Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors" einen dramatischen, wagnaresken Auftakt - und ist gleichzeitig symptomatisch für das Problem der ganzen Klassik, die sich auf "Gods Of War" zwischen den anderen Liedern befindet: Zu lang, zu sperrig, zu sehr Konserve und einfach zu viel des Guten. Ich wage kaum, es zu schreiben, aber sowas bringen "kleine" Symphonic-Bands wie Rhapsody (Of Fire) besser und dramatischer zustande... Dass darauf mit "The Ascension" auch noch ein Intro folgt, strapaziert die Geduld dann schon beinahe über Gebühr. So dauert es dann insgesamt fast neun (!) Minuten, bis der erste "richtige" Song beginnt, der leider nur 4:17 Minuten dauert. Dafür ist "King Of Kings" einer der stärksten Manowar-Tracks überhaupt. Tatsächlich ist das Stück sogar so gut, dass es über den Anfangsärger locker hinwegtröstet und man auch mit dem darauf folgenden Zwischenspiel "Army Of The Dead, Part I" (langsam, bedächtig, mit Chorgesang, insgesamt gar nicht so übel) ganz gut leben kann. Danach befürchtet man in "Sleipnir" zunächst auch eine Art Intro, der gesprochene Text ist aber zum Glück "nur" knapp über eine Minute lang und leitet einen echten Hammer-Song ein. Vor allem der Refrain ist traumhaft, auch wenn er zum Schluss ein wenig zu oft wiederholt wird! Im kurzen "Loki God Of Fire" geht es dann im Midtempo ganz gut, wenn auch nicht essentiell zur Sache, bevor mit "Blood Brothers" eine typische Power-Ballade folgt, die jedoch qualitativ bei weitem nicht an andere Manowar-Großtaten dieser Kategorie heranreicht.

Die zweite Hälfte der Platte wird - standesgemäß - von einer Overtüre ("Overture To Odin") und einem äh... Intro... ("The Blood Of Odin", mit eher gelangweiltem Erzähler) eingeleitet. Wer sich das öfters anhören soll, weiß ich nicht, aber nach insgesamt rund acht Mintuen folgt mit "The Sons Of Odin" wieder ein richtiger Kracher der "Kings Of Metal" - ein schöner Stampfer mit gutem Refrain und überhaupt allem, was das Herz begehrt. Ganz im Gegensatz zu "Glory Majesty Unity", das - man ahnt es schon - eine Art Fortsetzung von "The Warriors Prayer" (auf "Kings Of Metal, 1988) darstellt. In meinen Ohren ist das überflüssig wie ein Kropf, war es auch 1988 schon, wenn man ehrlich ist. Gleich darauf hört man im Titeltrack "Gods Of War" wieder metallischere Klänge, episch angereichert durch orchestrale Begleitung. Gar nicht so schlecht, aber wohl kein zukünftiger Klassiker. Schließlich folgt noch die "Army Of The Dead, Part II" (Erinnert sich niemand mehr an "Part I" auf diesem Album? So ähnlich klingt nämlich auch dieses Stück...). Im vorletzten Song kommt dann noch Odin selbst zu Ehren, und zwar in einer guten Power-Ballade, die "Blood Brothers" locker übertrifft. Gefällt! Den Schlusspunkt des Konzepts setzt dann die "Hymn Of The Immortal Warriors", die weder ganz Klassik noch ganz Metal ist und somit zwischen den Stühlen sitzt. Halbgar, irgendwie, und auch ein bisschen symptomatisch für "Gods Of War" als Gesamtalbum. Das 16. und finale Stück gehört dann nicht mehr zum Konzept und ist - wie schon erwähnt - die Huldigung an den Rock Hard-Chef in Form von "Die For Metal", das wohl nur aufgrund der zugehörigen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten ist. Oder vielleicht auch aufgrund des geklauten "Kashmir"-Riffs (Led Zeppelin), aber das haben ja schon ganz andere Kapazunder verwendet.

Am Ende bleiben also auch nach neuerlichen Hörversuchen nur wenige Volltreffer auf der Habenseite von "Gods Of War". Vor allem "King Of Kings" und "Sleipnir" sind zwar auch im Manowar-Gesamtkontext ganz vorne einzuordnen, das reicht mir persönlich aber nicht. Joey DeMaio hat für dieses Album typische Manowar-Zutaten genommen, seiner Vorliebe für Wagner freien Lauf gelassen und den Pathos, der beidem zu Grunde liegt, auf die Spitze getrieben. Das mag sich auf den ersten Blick interessant anhören, führt aber bei mir nur dazu, dass ich alle Zwischenspiele überspringe, um die Dinge zu hören, die mir an Manowar immer gefallen haben. Denn Leidenschaft und Spielfreude ist aus den klassischen Einschüben nicht herauszuhören, wenn ich mir auch nicht herausnehme, ein großer Klassik-Spezialist zu sein. Bombast und Dramatik erkennt man schon, aber damit allein kann man eben keinen Blumentopf gewinnen, schon gar nicht, wenn alles nach Konserve, statt nach richtigem Orchester klingt. Es ist letztlich auch dieser Qualitätsunterschied, an dem das Album meiner Meinung nach scheitert. Die Metal-Songs sind großteils einfach saustark und super-eingängig, da können die klassischen Ambitionen eines Joey DeMaio einfach nicht mithalten. Wenn man keine Hörspiele mag und nur die "normalen" Songs herausnimmt, bleibt übrigens eine Spielzeit von rund 43 Minuten - was dann doch wieder im normalen Manowar-Schnitt liegt. Nicht näher beleuchten möchte ich den Umstand, dass fünf der 16 Stücke auf "Gods Of War" zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits von der EP "The Sons Of Odin" bekannt waren.

Was man "Gods Of War" allerdings zu Gute halten kann: Das Konzept wurde in sich recht stimmig und auch atmosphärisch brauchbar umgesetzt. Es ist von Track 1 bis 15 ein roter Faden zu erkennen, man kann zumindest die Vision, die dahinter steckt, erahnen. Mehr leider nicht. Damit reicht es bei mir für ganz knappe drei Sterne, drei sehr starken Stücken und der einmal mehr herausragenden Gesangsleistung von Eric Adams sei dank. Ohne ihn hätte es wesentlich düsterer ausgesehen...


The Lord of Steel (Hammer Edition)
The Lord of Steel (Hammer Edition)

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider keineswegs die erhoffte Offenbarung nach langer Wartezeit, 30. Juli 2012
Manowar sind eigentlich ein liebenswerter Anachronismus. Alle anderen Bands, die schon so lange dabei sind, sind in der einen oder anderen Form "erwachsen" geworden. Nur die "Kings of Metal" bringen es nach Jahrzehnten immer noch fertig, "Glory", "Blood" und "Steel" so richtig hochleben ("Hail!") zu lassen. Das ist - je nach Standpunkt - hochgradig peinlich oder eben genau das, wofür man diese Band liebt. Und daran ändert auch das 2012er Werk "The Lord Of Steel" nichts. Fünf Jahre hat Manowar-Boss DeMaio zwischen "The Lord Of Steel" und dem letzten (regulären) Studioalbum "Gods Of War" (2007) die Fans immer wieder vertröstet. In Interviews hat der Bassist unermüdlich von der Zeit, die Qualitätsarbeit eben braucht, gesprochen - und muss sich nun natürlich auch an seinen Aussagen messen lassen.

Textlich bekommt man - wie bereits am Albumtitel ersichtlich - den gewohnt tiefen Griff in die Klischeekiste, der entweder gefällt oder eben nicht. Mir persönlich sagt das typische Manowar-Textmuster anno 2012 nicht mehr wirklich zu. Man hat für meinen Geschmack häufig das Gefühl, bereits 100 mal gehörte Floskeln würden auseinandergenommen, zerhackt und wieder aufgewärmt, nur um dann erst recht wieder wie vor 20 Jahren zu klingen. Ja, früher hat es so funktioniert, aber nach so vielen Jahren fühle ich mich doch einigermaßen übersättigt. Mit Innovationen war an dieser Front sowieso nicht zu rechnen und das ist im Endeffekt auch gut so - ich hätte mir aber schon gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe mit den Lyrics gibt, die auf mich einfach uninspiriert wirken.

Ob man mit den Texten leben kann, hängt aber gerade im Falle von Manowar auch von der Musik ab, zumindest geht es mir so. Und speziell in diesem Bereich muss man bei "The Lord Of Steel" leider viel zu viele Abstriche machen. Bereits beim ersten Durchgang fällt das Album nicht durch herausragende Songs auf, sondern irritiert durch den verzerrten Bass-Sound, der sehr stark in den Vordergrund gemischt wurde. Klingt ein wenig nach dem, was diverse Stoner Rock-Bands benutzen - gefällt mir bei Manowar überhaupt nicht, noch dazu wird dadurch viel von der (guten) Gitarrenarbeit von Karl Logan in den Hintergrund gedrängt (gut nachzuhören unter anderem beim Solopart des Titelsongs). Ansonsten ist die Produktion in Ordnung, lediglich die Stimme hätte man etwas lauter drehen können, aber das sind nur Nuancen. A pro pos Stimme: Mit Eric Adams hat man nach wie vor einen der besten Sänger am Start - nur leider geht auch an ihm das Alter nicht völlig spurlos vorüber. Er singt super, keine Frage, aber die letzte Aggressivität und Leidenschaft fehlt auf "The Lord Of Steel". Schade, war es doch seit einiger Zeit hauptsächlich Adams' Stimme, die einige Kompositionen vor dem Totalabsturz rettete.

Richtig kritisch wird es für "The Lord Of Steel", wenn man sich dem Wichtigsten widmet: Den Songs. Und an dieser Front gibt es für Manowar-Verhältnisse leider wenig Gutes zu vermelden: Mit dem düster gehaltenen, hymnischen "Born In A Grave" und der tollen Power-Ballade "Righteous Glory", die wie eine verbesserte Version von "Swords In The Wind" klingt, haben sich im Mittelteil zwei wirklich starke Songs versteckt. Noch etwas besser ist "El Gringo", das tatsächlich auch auf älteren Alben eine gute Figur gemacht hätte. Immerhin akzeptabel sind das eingängige "Touch The Sky", das sich aber recht schnell abnutzt und der eröffnende Titelsong, bei dem der Fuzz-Bass allerdings ganz besonders nervt. Und der Rest? "Black List", Expandables" und "Annihilation" wirken unfertig, uninspiriert oder langweilig. Oder alles zusammen - solche Songs sind für Manowar-Verhältnisse einfach unterster Durchschnitt und hätten es früher wohl nie auf eine Platte der Band geschafft. Das typische Manowar-Feeling fehlt diesen Nummern komplett. Dieses Feeling wollte man vermutlich auch mit "Manowarriors" (wieso gibt es diesen Songtitel erst jetzt??) und "Hail, Kill And Die" (was sonst...) wecken. Das geht leider gründlich daneben - beide Songs, vor allem aber "Manowarriors" eigenen sich hauptsächlich zum Fremdschämen. Bei "Hail, Kill And Die" kommt noch dazu, dass man hier textmäßig in "Blood Of The Kings"-Gefilden wildert, also Song- und Albumtitel aus der Vergangenheit aneinander reiht. Nur leider nicht so gehaltvoll wie beim "Original", der Song ist einfach todlangweilig.

Fazit: Manowar sind tolle Musiker, nicht umsonst sind sie seit den frühen 1980er Jahren konstant vorne dabei. Aber in jüngerer Zeit gerät die True-Metal-Institution doch ein wenig ins Wanken. "The Lord Of Steel" ist der vorläufige Tiefpunkt dieser Entwicklung. Die Songs sind gut gespielt, keine Frage. Aber etwas, wofür Manowar bei allem Größenwahn eines Joey DeMaio immer standen, etwas, das diese Truppe auch zu ihren umstrittensten Zeiten auszeichnete, geht dem 2012er Album ab: Die hörbare, geradezu greifbare Leidenschaft für diese Art Musik. Epische Hymnen, ausgestattet mit Manowar-typischem Pathos, garniert mit einer so unglaublich passenden Stimme - all das fehlt auf "The Lord Of Steel". Zwar nicht völlig, aber doch deutlich merkbar. Und für die hohe Qualität, die Manowar bisher (fast) immer abgeliefert haben, ist das einfach zu wenig, selbst die wenigen "richtigen" Songs auf "Gods Of War" waren wesentlich inspirierter als das Gros des vorliegenden Materials. Von daher müssen diesmal zwei Sterne reichen. Schade.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2012 10:52 AM CET


Snow White & the Huntsman
Snow White & the Huntsman
DVD ~ Kristen Stewart
Preis: EUR 5,99

14 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!, 20. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Snow White & the Huntsman (DVD)
Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Nun kommt also das bekannte Märchen von "Schneewittchen" zu Blockbuster-Ehren und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen.

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom "Schneewittchen" kenn man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht - bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich - zumindest teilweise - auch die schauspielerischen Leistungen an. Der "Huntsman" (Chris "Thor" Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter - was aber nichts gegen Kristen Stewart als "Snow White" ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen - oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen - lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten - aus meiner Sicht recht großen - Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum "Snow White" ausgerechnet das "Vater unser" betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich... Und was zum ...ähem... Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder "Snow White" noch "Huntsman" zu übersetzen bzw. synchronisieren? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich - der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt - ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die "Stepmother" sondern die Stiefmutter, der König ist der "König" und nicht der "King". Nur die beiden Hauptpersonen wurden auf englisch belassen - der Sinn entzieht sich mir völlig.

Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden - die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus "Der Herr der Ringe - Die Gefährten". Oder der "Spiegel", der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: "Terminator 2" lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an "Die Königin der Verdammten" denken... Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft "besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht", aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Sterne sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für "Snow White & The Huntsman". Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2012 8:46 PM MEST


Enslaved (Limited Digipack inkl. 3 Bonus-Tracks)
Enslaved (Limited Digipack inkl. 3 Bonus-Tracks)
Preis: EUR 19,98

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mörderischer Groove und brettharte Riffs - unerwartet starke Platte, 24. Mai 2012
Egal, wie sehr ich es versucht habe: Mit Soulfly konnte ich nie warm werden. Die für meinen Geschmack zu moderne Ausrichtung der Band schreckte mich ebenso ab, wie der von Max Cavalera immer wieder propagierte "Weltmusik"-Ansatz. Ich fand dieses Tribal-Zeugs schon bei Sepultura übertrieben, bei Soulfly ging es mir noch mehr auf die Nerven. Als man sich später wieder verstärkt dem guten alten Thrash widmete, haperte es teilweise erheblich am Songwriting. Im Endeffekt konnten mich aus dem Lager der Brasilianer in den letzten rund 15 Jahren eigentlich nur die Alben der Cavalera Conspiracy wirklich überzeugen. Wenn man die kläglichen Versuche von Sepultura, an alte Taten anzuknüpfen an ein Ende des Spektrums stellte und die ausgezeichnete Arbeit der Cavalera Conspiracy ans andere, blieb für Soulfly der Platz zwischen diesen beiden.

Zumindest bis "Enslaved". Denn diesem losen Konzeptalbum zum Thema Sklaverei, schafft es Max Cavalera endlich mal wieder, auch mit seiner von beabsichtigter Besetzungsrotation geprägten Band zu punkten. Zumindest bei Anhängern ganz harter Klänge. Die Scheibe ähnelt musikalisch der Cavalera Conspiracy, ist dabei aber etwas einfacher gestrickt. Ein Vorteil - es geht nämlich wesentlich direkter zur Sache, was sich sehr gut anfühlt. Den besten Vergleich zu "Enslaved" findet man wohl bei den Sepultura-Meisterwerken "Arise" und "Chaos A.D.", vielleicht noch bei diversen Alben der deutschen Heroen von Sodom. Teilweise wird derart brutal gespielt, dass man schon gar nicht mehr von Thrash sondern eher von Death Metal sprechen muss. Ein brachiales Stück folgt auf das nächste, aber merkwürdigerweise nutzt sich "Enslaved" trotzdem nicht so schnell ab, wie man das von jüngeren Brutalo-Bands gelegentlich kennt.

Wie man stilfremde Einflüsse trotz aller Härte perfekt integrieren kann, zeigt das meiner Ansicht nach beste Stück auf der Platte: In "Plata O Plomo" treffen Flamenco-Klänge auf mörderischen Groove, der aggressive, Cavalera-typische Gesang wird zusätzlich kraftvoll durch das Death Metal-affine Organ von Bassist Tony Campos (ehemals Static-X, Ministry) unterstützt. Das Ergebnis: ein unglaublich starkes, sehr intensives Lied über den 1993 erschossenen kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar. Voll überzeugen können auch das wohl härteste Soulfly-Stück bisher ("World Scum"), das zum "Hail! Hail! Hail!"-Gröhlen einladende "Gladiator" sowie "American Steel" und "Treachery", die klingen, als wären sie eigentlich für die Cavalera Conspiracy geschrieben worden. Auch stark: In "Redemption Of Man By God" gibt sich DevilDriver-Schreihals Dez Fafara am Mikro die Ehre und "Revengeance" als Gemeinschaftsproduktion von Max, Igor, Richie und Zyon Cavalera. Allesamt exzellente Tracks, die ich von Soulfly in dieser Phase ihrer Karriere nicht so stark erwartet hätte.

Demgegenüber fallen die restlichen Stücke ein wenig ab, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. Aber "Intervention" und "Legions" rauschen im Endeffekt fast unbemerkt am Hörer vorbei. Auch einer der Bonustracks auf der Limited Edition, "Slave", teilt dieses Schicksal. Das obligatorische Instrumental "Soulfly VIII" wurde diesmal übrigens auch in die Bonussektion gepackt. Violinen und Metal? Wieso nicht, hier passts wirklich gut, auch wenn ich kurzfristig den Eindruck hatte, eine Apocalyptica-Scheibe zu hören (ja, ich weiß, die verwenden Celli...).

Fazit: Soulfly haben mit "Enslaved" ein sehr starkes Album vorgelegt, das ich in dieser Intensität nicht von der Band erwartet hätte. Ein zweiter Frühling für Max Cavalera? Die Zeit muss es zeigen - für dieses Album zücke ich jedenfalls die Höchstwertung, wenn ich auch zugebe, dass einige Hörer die Eigenständigkeit von Soulfly vermissen werden. Die müssen mindestens einen Punkt abziehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2013 1:38 PM CET


Midnight in the Labyrinth (Ltd.)
Midnight in the Labyrinth (Ltd.)
Preis: EUR 21,02

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Spannend geht anders, 22. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Midnight in the Labyrinth (Ltd.) (Audio CD)
Metal und Klassik sind nicht so weit voneinander entfernt, wie viele denken. Wie gut die Stile harmonieren, kann man an einigen Beispielen nachhören, darunter auch Cradle Of Filth auf ihrer "symphonischsten" Platte "Damnation And A Day". Für dieses Album paktierten die Briten mit dem Budapester Film Orchester; das Ergebnis war zwar etwas sperrig, aber alles andere als schlecht. Mit "Damnation And A Day" ist "Midnight In The Labyrinth" aber keineswegs zu vergleichen, auch nicht mit neueren Outputs vergleichbarer Bands (wie Dimmu Borgirs "Abrahadabra"). Vielmehr erfüllt sich Dani Filth mit diesem Album den langgehegten Wunsch nach einer Art düsterem Soundtrack. Umgesetzt wurde das Ganze mit altbekannten Stücken, die allesamt von den ersten vier Cradle-Longplayern stammen.

So weit, so gut. Die Ernüchterung folgt aber leider recht schnell. Das Album verzichtet völlig auf Metal-typische Instrumentierung, es gibt also vor allem keinerlei Gitarren zu hören. Lediglich Teile der Texte werden von Dani Filth gesprochen, gesungen und ab und an mal etwas aggressiver intoniert, außerdem gibt es ein Comeback von Sarah Jezebel Deva, von der man sich 2008 getrennt hatte. Das alles ist erstmal sehr gewöhnungsbedürftig für eine Platte, die unter "Cradle Of Filth" läuft, war aber bereits im Vorfeld bekannt. Was mir persönlich aber überhaupt nicht zusagt: Es wurde kein richtiges Orchester eingebunden, sondern auf die "Konserve" zurückgegriffen. Das hört man leider auch und so klingen die eigentlich so kraftvollen und wahnwitzigen Kompositionen seltsam dünn und blutleer. Bis auf wenige Ausnahmen wie "A Gothic Romance (Red Roses For The Devil's Whore)", "Funeral In Carpathia" und "Dusk And Her Embrace" kommt leider keine Gruselstimmung, sondern nur gepflegte Langeweile auf. Dabei hat man ständig das Gefühl, dass den Stücken jegliche morbide Atmosphäre, die sie eigentlich perfekt für eine orchestrale Umsetzung machen müsste, entzogen wurde. Woran das genau liegt? Gute Frage, eventuell an der schwachbrüstigen Produktion oder an den doch nicht so ganz gelungenen orchestralen Arrangements. Schade eigentlich, die Songs hätten sicher wesentlich mehr hergegeben.

Noch schlimmer, das heißt eigentlich völlig überflüssig, ist dann die zweite CD. Darauf befinden sich die gleichen Songs, gleich aufgenommen, nur fehlen die Vocals völlig. Wozu das Ganze gut sein soll, wenn schon Disc 1 langweilt? Keine Ahnung, ich hätte gut drauf verzichten können.

Ich möchte abschließend betonen, dass ich weder gegen Dani Filth, noch gegen seine Band etwas habe. Ich würde mich sogar als sehr großen Fan bezeichnen, auch wenn die Liebe heutzutage etwas abgekühlt ist. Aber diese Platte scheint mir eher etwas für Mr. Filth himself zu sein, eine richtige Zielgruppe vermag ich nicht auszumachen. Für Metaller zu wenig aggressiv, für "Klassiker" vermutlich zu seicht, sitzt "Midnight In The Labyrinth" im Endeffekt zwischen allen Stühlen. Wirklich schade. Auch wenn Dani Filth wohl andere Intentionen hatte - Dimmu Borgir und Nightwish (!) haben nicht allzu lang vor Erscheinen dieses Albums gezeigt, wie Soundtrack-Musik klingen kann. Zwei Sterne für die wenigen Stücke, die wirklich zünden müssen daher reichen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 26, 2014 5:42 PM CET


Shadowmaker Ltd.
Shadowmaker Ltd.
Preis: EUR 10,98

12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Völlig überflüssiges Comeback setzt den Piratenkahn auf Grund, 3. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Shadowmaker Ltd. (Audio CD)
Rock n' Rolf Kasparek und der Rücktritt vom Rücktritt - es stand zu befürchten, dass daraus ein Album wie "Shadowmaker" entsteht. Kurz und bündig bedeutet das: Bis auf zwei gute und zwei mittelprächtige Stücke kann ich nichts finden, was dieses Comeback rechtfertigen würde. Den Opener "Piece Of The Action" kann man sich trotz einiger Billy Idol-Anleihen sehr gut anhören. Der Song ist eingängig, hat einen guten Riff und ein schönes Solo. Noch besser ist "I Am Who I Am", der mit Abstand beste Track auf "Shadowmaker" gelungen. Hier fühlt man sich tatsächlich an den kreativen Zenit der Hamburger Piraten erinnert. Nur der Text wirkt aufgrund der jüngeren Vergangenheit unseres Kapitäns fast ein wenig höhnisch. Eine Güteklasse tiefer, aber immer noch recht brauchbar liegen der Titeltrack "Shadowmaker" und "Riding On The Tide". Nicht schlecht, aber halt nichts, was man zwingend gehört haben muss. Der Rest ist entweder platt (das absolut unsägliche "Me & The Boys", die vermeintliche neue Band-Hymne), uninspiriert ("Sailing Fire", "Into The Black") oder einfach langweilig ("Black Shadow", "Locomotive"). Achja, mit "Dracula" gibt es zum Abschluss sogar etwas experimentellere Töne zu hören - tut mal ganz gut, essenziell ist das Stück aber nicht.

Woran dieses katastrophale Abschneiden liegt? Gute Frage... Prinzipiell arbeitet Kasparek ja schon länger recht fleißig an der Demontage seines Denkmals, schwache Alben, fragwürdige Interview-Aussagen ("Angelo Sasso", anyone?) und eine lustlose Abschiedsshow in Wacken inklusive. Viele Sympathiewerte wurden also schon vor einiger Zeit verspielt, sodass "Shadowmaker" bereits mit einem gewissen Malus ins Rennen geht, auch wenn prinzipiell nur die Musik zählen sollte. Einem Urgestein wie Rock n' Rolf müsste aber gerade deshalb klar sein, dass ein Comeback dieser Art so ziemlich alles wegpusten muss, damit er nach dem rückgängig gemachten Rücktritt nicht das letzte bisschen Glaubwürdigkeit verliert. Und was macht er? Er zeichnet das Coverdesign selbst (oder wie sonst ist dieser Totalausfall zu erklären? Hoffentlich verklagen ihn die Star Wars-Macher nicht...). Er klebt ein paar Riffs und Solos, die sich in jedem Song zu wiederholen scheinen, zusammen. Nicht schlecht, aber viel zu monoton, wenn man keine Black Metal-Band hat. Er lässt praktisch jedem Song nach dem üblichen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo usw.-Schema ablaufen. Klar, hat ja immer so funktioniert, nur fehlt es diesmal halt an Substanz. Er schafft es nicht, ausgerechnet seinen wunden Punkt, die Drums, vernünftig klingen zu lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei den Aufnahmen zu "Shadowmaker" ein Mensch hinter der Schießbude saß. Und wenn, hatte er wohl nicht viel mitzureden. Und all das wird auch noch völlig glatt poliert, sodass auch die letzten Nuancen verloren gehen und die Songs zum Großteil völlig austauschbar werden.

Eigentlich schade, dass es so gekommen ist, Running Wild haben ihren Beitrag ja definitiv geleistet. Die Querelen und Aussagen der jüngeren Vergangenheit, Besetzungswechsel, Drumcomputer und finale Konzerte? Geschenkt - finde ich zwar suboptimal, aber auch nicht dermaßen dramatisch. Aber das Songwriting muss eben stimmen und da kann man sich noch so viele Hördurchgänge gönnen, es wird leider nicht besser. Angesichts des Backkataloges dieser Band bleibt damit nur die höchste Strafe bzw. niedrigste Wertung. Verkaufen wird sich die CD wohl trotzdem gut genug, steht ja auch ein guter Name drauf.

Sind Running Wild anno 2012 eigentlich eine Band oder gibt es nur den Oberpiraten? Interessiert mich wirklich, denn eine Live-Darbietung dürfte in ihrer Roheit die einzige Rettung für das Gros der vorliegenden Stücke sein.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 5, 2012 4:04 PM MEST


Unisonic
Unisonic
Preis: EUR 11,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Frage der Erwartungen..., 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Unisonic (Audio CD)
Seien wir uns ehrlich: Wer vom Gespann Kiske/Hansen nicht etwas erwartet hat, das wenigstens ungefähr in Richtung Helloween geht, hat entweder keinen emotionalen Bezug zur guten, alten Zeit oder einfach noch nie was von den beiden gehört. Oder beides. Wie auch immer, die beiden bekanntesten Männer dieser Band, zu der außerdem Gitarrist Mandy Meyer (Gotthard), Drummer Kosta Zafiriou und Bassist Dennis Ward (beide Pink Cream 69) gehören, taten nicht wirklich etwas, um diese Erwartunghaltung zu entkräften. Im Gegenteil, auf der Vorab-EP "Ignition" fand sich mit dem Kernstück "Unisonic" ein Song, der den Geist der Vergangenheit sofort aufleben ließ. Manchen Rezensenten geht das so gegen den Strich, dass sie sogar von "Etikettenschwindel" sprechen, was natürlich völliger Blödsinn ist. Dennoch ist es so, dass die Full-Length-CD "Unisonic" doch ein wenig anders klingt, als man es nach dem flotten, das Album eröffnenden Titeltrack erwartet...

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Metal im engeren Sinne haben Unisonic recht wenig am Hut. Das merkt man insbesondere an der Gitarrenarbeit, die vergleichsweise im Hintergrund steht - abgesehen von einigen fetzigen und sehr gelungenen Soloeinlagen. Auch das Tempo ist deutlicher im Hard Rock als im Heavy Metal angesiedelt. Stellenweise lassen die Stücke vom Aufbau her recht deutlich an (wen wundert's?) Pink Cream 69 oder Place Vendome denken. Sogar Reminiszenzen von Bon Jovi sind zu erkennen - also alles, nur kein Heavy Metal á lá Helloween und Gamma Ray (außer in homöpathischen Dosen). Und das obwohl, Kai Hansen bei sieben der elf regulären Tracks als (Co-)Komponist gelistet wird. Daran merkt man, dass der sympathische Hamburger sich offenbar tatsächlich mal an einem anderen Genre versuchen wollte. Nichts verlernt hat übrigens Michael Kiske. Der Mann singt nach wie vor - und ich übertreibe nur ein bisschen - gottgleich. Seine Stimme ist auf jedem einzelnen Track einfach unglaublich, umso wehmütiger denkt man an die seligen "Keeper"-Zeiten zurück, mit denen man eigentlich schon längst abgeschlossen hatte.

Das sind die Fakten, die man bedenken muss, bevor man sich eine Anschaffung von "Unisonic" überlegt und danach möglicherweise schwer enttäuscht ist. Was das Songwriting (primär von Hansen und Ward übernommen) angeht, bin ich etwas hin- und hergerissen. Die musikalische Qualität ist allen Beteiligten natürlich nicht abzusprechen - aber ein wenig unspektakulär kommt ihr Debütalbum schon daher, sogar dann, wenn man nicht mit völlig überzogenen Erwartungen ran geht. Dennoch, nach einigen Durchläufen kristallisieren sich einige starke Songs heraus: Der Opener und Titeltrack ist - wie beschrieben - die härteste und in meinen Ohren auch beste Nummer der Platte. Ein geradliniger Metal-Song ohne viel Schnickschnack, mit super Bridge. Setzt sich schnell im Gehörgang fest und bleibt dann auch dort. Ebenfalls recht metallisch angehaucht sind das an neuere Gamma Ray erinnernde "My Sanctuary" und der famose Stampfer "King For A Day", zwei klasse Stücke, die keine Wünsche offen lassen. Von den rockigeren Stücken überzeugt mich nur "Souls Alive" zu 100 Prozent - was für eine Hammer-Bridge/Refrain-Kombination!

Alle anderen Stücke brauchen ein paar Durchgänge mehr und wollen auch dann nicht so recht zünden. Sehr schwach ist insbesondere das schlicht und einfach stinklangweilige "I've Tried" von dem nichts hängen bleibt. Die obligatorische Ballade "No One Ever Sees Me" ist glücklicherweise das einzige von Kiske allein geschriebene Stück - ein begnadeter Songwriter war der Mann ja noch nie und dieser Song hört sich irgendwie wie ein Weihnachtslied an. Totalausfall! Der Rest ist durchschnittlich, wie beispielsweise die an GammaWeen-Ausschusstracks erinnernden "Never Too Late" und "We Rise" - weder schlecht noch außergewöhnlich gut. Lediglich bei "Star Rider", das ein bisschen an David Bowie denken lässt, horcht man ein wenig auf.

Einen Punkteabzug gibt es von mir in der Kür. Meiner Ansicht nach hätte es der Platte sehr gut getan, wenn man Kai Hansen ein paar Gesangsspuren mehr gegönnt hätte. Wie gesagt, Michael Kiske singt jedes Stück hervorragend, aber ein bisschen Kontrastprogramm durch die eigenwillige Stimme von Hansen wäre schon schön gewesen, wie man in "King For A Day" nachhören kann. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt. Wenn man das und das teils durchwachsene Songwriting sowie die um eine Spur zu glatte Produktion zusammen nimmt, reicht es für wohlwollende vier Sterne. Ich gebe auch gleich zu, dass ich diese vier als Fan von Kiske und Hansen vergebe. Bei jeder anderen Band wäre ich wohl strenger gewesen und hätte mindestens einen Punkt abziehen müssen... Ein bisschen Luft nach oben bleibt für die nächste Platte jedenfalls, mal sehen, ob es in Zukunft weiterhin "Long live Rock n' Roll!" oder doch eher "Heavy Metal is the law!" heißt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 16, 2012 3:28 PM MEST


Pearl Harbor (Movie-Edition, Einzel-DVD)
Pearl Harbor (Movie-Edition, Einzel-DVD)
DVD ~ Ben Affleck
Preis: EUR 7,97

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kitschige, einseitige und unkritische US-Propaganda, 24. Februar 2012
An den Bewertungen ist recht gut zu erkennen, was hier passiert ist: ein Film, der sich sowohl einer Katastrophe (hier: Krieg) als auch der Liebe widmen will muss einfach polarisieren. Das ist durchaus in Ordnung, aber: weder die eine, noch die andere Geschichte ist auch nur annähernd akzeptabel umgesetzt. Ähnliches galt schon für "Titanic", auch wenn sich hier noch so viele mit der rosaroten Brille gegen einen Vergleich aussprechen.

Im Detail betrachtet ist die Story um den japanischen Angriff auf Pearl Harbor sogar die unerträglichere - trotz sehr guter Special Effects. Unerträglich daran ist der sture Patriotismus, der alles andere überdeckt. Wir haben es hier mit einer völlig unkritischen, historisch noch dazu unrichtigen US-Propaganda zu tun, die ihresgleichen sucht. Dazu kommt, dass die Schauspieler in diesem Handlungsstrang dermaßen aufgesetzt und klischeehaft agieren, dass es fast schon komisch ist. Vor allem der von mir eigentlich sehr geschätzte Ben Affleck enttäuscht als todesmutiger Pilot auf ganzer Linie - es sei denn man steht auf glorifizierende Heldengeschichten. Als Ausrede ist immer wieder zu lesen, dass der Film nur unterhalten soll - hier passiert das jedoch nicht, zumindest nicht in dem Sinne, wie es wohl vom Regisseur grundsätzlich vorgesehen war. Mag sein, dass sich Teenies (und natürlich ein Großteil der erwachsenen Amerikaner) tatsächlich mit diesem Schwachsinn identifizieren können, in Europa wirkt es bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls höchst bedenklich, vor allem wenn man die Darstellungen der japanischen Gegner betrachtet. Der kriegerische Teil des Filmes ist also nicht nur misslungen, er ist für einen halbwegs reflektierenden Zuschauer eigentlich unzumutbar (natürlich ist das nicht der einzige Film, in dem es so ist, nur am Rande bemerkt).

Zur zweiten Storyline, einer vor Klischees und Klebrigkeit nur so triefenden Liebesgeschichte, braucht im Prinzip nicht viel gesagt zu werden, man kennt sie ja aus anderen Filmen oder Soaps zur Genüge. Hier sollte wohl vor allem die amerikanische Jugend auf die übliche prüde Art begeistert werden, was wohl auch gelungen ist. Das dürfte wohl auch die Hauptintention des Regisseurs gewesen sein, diesen Handlungsstrang überhaupt zu verwenden - das Anlocken von Teenies und die Möglichkeit, seinen Film doch auch irgendwie familiengerecht zu machen. Mehr dürfte nicht dahinterstecken, der fehlende Tiefgang in der Geschichte würde es auch nicht zulassen.

Somit sind auch die unterschiedlichen Bewertungen recht schnell erklärt - die jungen Mädels stehen natürlich auf Ben Affleck und Co., ebenso auf schmalzige Liebesschnulzen und können damit nicht anders: 5 Sterne, obwohl die Mehrzahl nicht einmal den Namen des Filmes richtig schreiben kann. Umgekehrt gibt es unter den Männern wohl einige, die einen Film nur wegen der Spezialeffekte positiv zu bewerten scheinen - die Liebesgeschichte dürfte die eher weniger interessieren. Zum Glück - und auch zu meiner Überraschung - gibt es allerdings doch recht viele Leute, die den Film als das entlarven, was er bei allem guten Willen wirklich ist: ein propagandistisches, klebrig-süßes Machwerk übelster Sorte, von einem sich selbst überschätzenden Regisseur auf unerträgliche Länge aufgebläht und frei von jedem Tiefgang.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2012 2:50 PM CET


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