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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)

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Bighead: Ein brutaler, obszöner Thriller
Bighead: Ein brutaler, obszöner Thriller
von Edward Lee
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unglaubliche Brutalität ohne wirkliche Substanz, 18. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Warnung, die der Verlag auf dem Buchrücken ausspricht, kann man durchaus ernst nehmen. "Bighead" ist eine auf rund 250 Seiten verdichtete Darstellung expliziter Gewalt- und Ekelszenen. Dabei geht es sowohl psychisch als auch physisch und sexuell derart zur Sache, dass Zartbesaitete tatsächlich die Finger von diesem Roman lassen sollten - was dankenswerter Weise gleich beim ersten Satz des Prologs klar wird.

"Brutal" und "obszön" (wie von Amazon angepriesen) ist das Buch also in jedem Fall. Eine weitere Zuschreibung ist "verstörend" - dieser Ausdruck trifft den Kern der Sache meiner Ansicht nach nicht so ganz. Edward Lee teilt in diesem Buch mit der ganz groben Kelle aus; das ist zwar erschreckend, aber für "verstörend" fehlt dann doch ein bisschen Subtilität und Substanz. Das ist gleichzeitig auch das generelle Problem, das ich mit "Bighead" habe. Die ganze Gewalt scheint nur auf den Zweck ausgerichtet zu sein, so viele Leute wie möglich um den Schlaf zu bringen. Das ist in diesem Genre zwar grundsätzlich nicht verkehrt, in vorliegendem Werk aber einfach nicht gut genug umgesetzt. Die Story im Hintergrund ist zwar einigermaßen spannend, aber zu oberflächlich und funktioniert daher aus heutiger Sicht maximal als Parodie auf diverse Horror-Filme aus dem "Hinterwäldler-Genre" ("aus heutiger Sicht" weil Edward Lee "Bighead" bereits 1999 geschrieben hat, also einige Zeit vor der Schwemme an solchen Filmen). Das Ende ist schließlich sehr überraschend, aber nicht unbedingt auf positive Art. Es scheint, als ob der Autor zum Schluss die unmenschliche Gewalt, die er in "Bighead" laufend fabriziert, relativieren wollte. Das gelingt im zwar einigermaßen, aber dadurch wirkt das Finale auch arg an den Haaren herbeigezogen. Plötzlich tauchen quasi-religiöse und Mystery-Elemente auf, die so überhaupt nicht zum zwar gewalttätigen, aber auch nüchternen Rest passen wollen.

Aber auch abseits dieser Schwierigkeiten hat das Buch ein großes Problem: Passagen, die im Original in amerikanischem (Südstaaten-?)Slang geschrieben sind. Der Übersetzer hat nämlich versucht, diese Teile auch im Deutschen als Umgangssprache erkennbar zu halten, was durchaus löblich ist. Nur leider scheitert die Übersetzung einmal mehr kläglich und liest sich entsprechend holprig und vor allem unglaublich anstrengend. Dafür kann der Autor natürlich nichts - lästig ist es aber dennoch. Wobei dieses Problem wohl nie zu lösen sein wird, aber das ist eine andere Geschichte.

In der Bewertung reicht es damit nur für zwei Sterne. Man ist einigermaßen von der recht dünnen Hintergrundgeschichte gefesselt und möchte schon wissen wie das Buch ausgeht. Mehr aber auch nicht. Ein zweites Mal wird kaum jemand "Bighead" zur Hand nehmen - es sei denn, um gelegentlich bei diversen brutalen Szenen ein wenig Dampf abzulassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2012 12:33 PM MEST


Der Club der toten Dichter: Roman
Der Club der toten Dichter: Roman
von N.H. Kleinbaum
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf ganzer Linie enttäuschend, 7. September 2012
Was häufig herauskommt, wenn Filme nach exzellenten Buchvorlagen gedreht werden, weiß man. "Der Club der toten Dichter" ist einer der wesentlich selteneren umgekehrten Fälle - den Film gab es zuerst, das Buch erschien danach. Das ändert aber nichts daran, dass das Original, also der hervorragende Film mit Robin Williams, die Nachveröffentlichung, also das Buch von N. H. Kleinbaum, bei weitem übertrifft.

Anzumerken ist zunächst, dass das Buch weit davon entfernt ist, wirklich schlecht zu sein. Es liest sich sogar sehr angenehm und ist - nicht nur durch die niedrige Seitenzahl - auch für ungeübte Leser keine Herausforderung. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, teilweise sogar zu einfach, was dem filmischen Vorbild so gar nicht entspricht. Worüber man noch hinwegsehen könnte, wenn es nicht ein paar grobe Defizite gäbe.

Kleinbaum scheint sich beim Schreiben des Buches darauf verlassen zu haben, dass die Leser den Film kennen - anders ist es nicht zu erklären, dass auf jegliche Beschreibung der Charaktere verzichtet wird. Das beginnt beim Aussehen der Personen, das höchstens kurz angerissen wird und endet bei völlig fehlenden Eigenschaften, die die Figuren unverwechselbar machen. Im Endeffekt fehlt damit jeglicher Tiefgang, die Personen wirken wie flache Abziehbilder der Filmvorlage. Die Autorin schafft es nicht einmal beim Lehrer, also dem charakterstärksten Element, so etwas wie tiefergehende Sympathie durch den Leser auszulösen. Dass auch nähere Beschreibungen der Schule und der Umgebung fehlen, ist dagegen schon fast verschmerzbar, kommt aber natürlich ebenfalls erschwerend hinzu.

Warum gibt es trotz dieser Kritikpunkte zwei Sterne von mir? Nun, die Geschichte selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Es kommt stellenweise auch im Buch durchaus Spannung auf und gelegentlich fühlt man sogar ein wenig mit den Figuren mit. Wichtig wäre es aber gerade bei diesem Stoff gewesen, dieses Gefühl dauerhaft beim Leser zu erzeugen. Die Personen tragen dramatische Gedichte vor - in solchen Situationen muss einfach auch die Lektüre Emotionen auslösen, genau wie es der Film schafft. Tut sie aber leider nur in ungenügendem Ausmaß, von daher gibt es leider keinen Grund für eine bessere Bewertung.


Chronik des Cthulhu-Mythos I
Chronik des Cthulhu-Mythos I
von H. P. Lovecraft
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Zusammenstellung, aber Vorsicht beim Lesen der Anmerkungen (Teil I), 6. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Chronik des Cthulhu-Mythos I (Broschiert)
Diese Rezension bezieht sich sowohl auf Band I als auch Band II dieses Werkes und steht folgerichtig bei beiden Teilen. Die zweibändige "Chronik des Cthulhu-Mythos" ist nämlich im Endeffekt nicht voneinander zu trennen und hätte genauso gut in einem Band veröffentlicht werden können. Mit zwei Büchern ist das Ganze aber zumindest etwas handlicher geworden.

Marco Frenschkowski, vom Verlag als "führender deutscher Lovecraft-Experte" bezeichnet, ist eigentlich Theologe und Religionswissenschaftler. Mit "Die Chronik des Cthulhu-Mythos" versucht er, Geschichten von H. P. Lovecraft, die sich mit Dingen wie den "Großen Alten", "Cthulhu" oder dem sagenumwobenen "Necromonicon" beschäftigen, erstmals zu ordnen und gesammelt zu veröffentlichen. Daraus ergibt sich, dass Lovecraft-Fans die meisten - wenn nicht alle - der enthaltenen Texte des Meisters bereits kennen werden; immerhin wurden ja schon reihenweise Sammelbände veröffentlicht und allzu umfangreich ist das Werk des Amerikaners leider ohnehin nicht. Wer sich also nur für die Geschichten selbst interessiert, erhält hier zumindest die Möglichkeit, den "Cthulhu-Mythos" kompakt "unter einem Dach" zu bekommen, ohne mühsam in anderen Bänden nach den Stories suchen zu müssen.

Interessanter, weil so bisher noch nicht vorhanden, sind die Anmerkungen und Kommentare, die Frenschkowski dem Buch selbst und jeder der darin enthaltenen Geschichten voran stellt. Im Vorwort des Buches wird zunächst die Entstehung des von Lovecraft eigentlich nicht so konzipierten "Cthulhu-Mythos" erklärt - eine durchaus interessante und empfehlenswerte Einführung, die auch einen recht guten Eindruck von Lovecraft als Autor liefert.

Die Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten sind im Vergleich dazu teilweise ein zweischneidiges Schwert. Zum einen enthalten sie einige große Spoiler - von daher sollten sie zunächst nur gelesen werden, wenn man die Geschichte, die folgt, ohnehin schon kennt. Lovecraft-Neulinge sollten sich die Vorwörter für später aufheben, um sich nicht die Spannung zu nehmen. Ansonsten zeigt Frenschkowski, dass er seine Hausaufgaben gut gemacht hat. Die Kommentare strotzen vor Querverweisen auf andere Geschichten und Autoren, Briefe von Lovecraft werden ebenso zitiert wie es Anmerkungen zur Publikationsgeschichte einzelner Texte gibt. Auch die näheren Lebensumstände des zu Lebzeiten verkannten Autors werden beleuchtet. Jeder, der ein Interesse an Lovecraft hat, das über die reine Literatur hinausgeht, wird hier bestens bedient. Nebenbei stellt der Experte die Texte des Meisters zum Teil in einen größeren philosophischen, historischen und sozialen Zusammenhang. Dabei klingt einiges zwar etwas weit hergeholt, Denkanstöße werden damit aber dennoch geschaffen.

Eine Warnung zu den Kommentaren möchte ich abschließend noch formulieren - in der Hoffnung, dafür nicht belächelt zu werden. Das gesamte Werk von Lovecraft umgibt aus meiner Sicht eine gewisse mystische Atmosphäre. Mehr noch als sein Vorbild E. A. Poe schafft es der Amerikaner, einen subtilen Grusel einzufangen, der nichts mit Blut und "Ekeleffekten" zu tun hat. Dazu trägt nicht unerheblich bei, dass die Geschichten teilweise wie reale Erfahrungsberichte aufgebaut sind und auch wissenschaftlich anmutende Verweise darin nicht fehlen. Um es kurz zu machen: Wer sich darauf einlässt, bekommt bei Lovecraft oft das ungute Gefühl, dass an seinen Geschichten mehr dran sein könnte, als die Vernunft uns glauben lässt. Was wäre wenn es wirklich ein Necromonicon gäbe? Dieses Gefühl einer unterschwelligen, aber doch irgendwie realen Bedrohung kann dem Leser durch die sehr nüchternen Kommentare und Anmerkungen des deutschen Experten durchaus genommen werden. Wenn man sich davon beeindrucken lässt, geht ein Teil des Zaubers unter Umständen unwiederbringlich verloren. Von diesem Standpunkt aus betrachtet hat Marco Frenschkowski vielleicht mehr erreicht, als er wollte - eine Entzauberung des Mythos dürfte eigentlich nicht in seiner Absicht gelegen haben.

Fünf Sterne gibt es trotzdem von mir. Die Anmerkungen sind gut - es kommt nur drauf an, was man als Leser draus macht. Und die Stories, die H. P. Lovecraft geschaffen hat, sind so oder so über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn es ein paar Ausreißer gibt, ist sein Werk doch überdurchschnittlich und begeistert zumindest mich immer wieder aufs Neue.

Veröffentlicht auf weltending.wordpress.com.


Gott bewahre
Gott bewahre
von John Niven
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gutes Buch, schwache Charaktere, 5. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Gott bewahre (Gebundene Ausgabe)
John Niven ist ein Autor, der nicht gerade zimperlich ist - bestens nachzulesen in Werken wie "Kill Your Friends". Kein Wunder also, dass er sich auch in "Gott Bewahre" (im Original: "The Second Coming") einer eher deftigen Sprache bedient. Insbesondere im Himmel lässt Niven seine Figuren fluchen, das allzu christlich eingestellten Lesern Hören und Sehen vergeht. Insbesondere der Allmächtige persönlich nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Auch die generellen Zustände im Paradies sind ganz anders beschrieben, als sich das der Sonntagschrist so vorstellt...

Daran ist schon der erste Ansatz, den der Autor mit "Gott Bewahre" verfolgt, zu erkennen. Das Buch ist zunächst eine auf humorvolle Art vorgebrachte Kritik an institutionalisierter Religion. Vornehmlich bekommt das Christentum sein Fett weg, aber auch andere Weltreligionen werden angesprochen, wenn auch nicht so prominent. Nun ist dieser Angriff speziell auf "westliche", fundamentalistische Christen durchaus begrüßenswert - offenbart aber gleichzeitig, dass der Autor selbst auch christlich geprägt ist. Das im Christentum gültige Religionsmodell mit Himmel und Hölle, Gott, Jesus, Engeln und Heiligen, wird übernommen, allerdings in einer angenehm modifizierten Variante, die das Paradies wesentlich freundlicher und lockerer erscheinen lässt, als es die reale Amtskirche vermag. Zumindest kritisch hinterfragen kann man dennoch, wieso ausgerechnet der christliche Gott für Niven der "richtige" zu sein scheint.

Der zweite Ansatz, der in "Gott Bewahre" verarbeitet wird, ist im Vergleich dazu sehr weltlich orientiert und hat - wie könnte es bei John Niven anders sein - viel mit Musik zu tun. Insbesondere das Übel der Castingshows und der damit einhergehenden, raffgierigen und seelenlosen Industrie kritisiert der Autor hart und vehement. Lesern, die diesen Freakshows ohnehin kritisch gegenüber stehen liefert Niven damit zumindest Bestätigung, auch wenn wirklich neue Gegenargumente ausbleiben. Aber zumindest könnte das Buch einem Teil des breiten Publikums, das weiterhin nicht genug von "DSDS" & Co bekommen kann, die Augen öffnen. Das bleibt aber vermutlich ein Wunschtraum... Übrigens gibt es in diesem Part des Buches ein Wiedersehen mit Steven Stelfox, den aufmerksame Leser aus Nivens "Kill Your Friends" in lebhafter Erinnerung haben dürften.

Die Bewertung von "Gott Bewahre" fällt gar nicht so leicht. Rein thematisch ist das Buch natürlich zu begrüßen. Zwei große Missstände der menschlichen Gesellschaft - ein sehr alter und ein topaktueller - werden hier auf leicht lesbare, durchaus unterhaltsame Art abgehandelt. Dass neue Argumente, die in einer Diskussion vorgebracht werden könnten, fehlen, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Wieso oben nur drei Sterne stehen hat einen anderen Grund: John Niven schafft es leider nicht, seinen Figuren wirkliche Tiefe zu verleihen. Im Gegenteil, alle Personen wirken sehr klischeehaft und verhalten sich großteils auch so. Hintergrundinformationen über die Charaktere erhält man nur sehr spärlich, alles bleibt somit sehr flach. In diesem Bereich wäre sicher um einiges mehr drin gewesen. Ein schlechtes Buch ist "Gott Bewahre" keineswegs - nur eines, das für meinen Geschmack nicht ganz zu Ende gedacht wurde.


Thunder In The Sky
Thunder In The Sky
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mittelprächtiges Appetithäppchen, 24. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Thunder In The Sky (Audio CD)
Die Manowar-EP "Thunder In The Sky" (2009) war als Appetithäppchen für den Nachfolger von "Gods Of War" (2007) und Teil einer größeren Geschichte über die nordische Mythologie gedacht. Dass es danach ein wenig anders kam, das Konzept der "Asgard-Saga" im Endeffekt ausgesetzt wurde und "The Lord Of Steel" (nicht Teil des Konzeptes) erst 2012 erschien, ist mittlerweile in den Nimbus unrühmlicher Manowar-Legenden aufgenommen worden.

Wie dem auch sei, es zählt die Musik. Und davon bietet "Thunder In The Sky" mit viel gutem Willen gerade noch das für eine EP übliche Maß; wobei nur fünf der sechs enthaltenen Stücke neu sind. Zusätzlich zum frischen Stoff gibt es eine Neueinspielung von "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)", die sogenannte "Metal Version" dieses Klassikers. Ob man das unbedingt gebraucht hätte, sei dahin gestellt - der Song ist an sich natürlich über jeden Zweifel erhaben und klingt auf dieser EP jedenfalls sehr kräftig und gut gemixt. Insbesondere die leise Hintergrunduntermalung finde ich in dieser Version qualitativ besser. "Metal" ist darin allerdings nach wie vor nicht viel enthalten, nur ganz zum Schluss werden Gitarre, Bass und Schlagzeug ausgepackt. Essentiell ist das alles nicht, aber immerhin auch keine Verschandelung dieses großartigen Stücks.

Außerdem enthält "Tunder In The Sky" eine Art Bonus-CD, auf der man die neue Ballade "Father" in 15 verschiedenen Versionen darbietet - jede davon in einer anderen Sprache, darunter auch deutsch. Was bei "Herz aus Stahl" noch als nette Geste durchging, wirkt hier ziemlich albern, einfach weil "Vater" nicht die gleiche musikalische Qualität aufweist, sondern eher in Richtung Schlager tendiert. Man soll und muss natürlich auch Fans aus anderssprachigen Ländern ihren eigenen Manowar-Song gönnen, es würde mich aber schon interessieren, was die jeweiligen Native-Speaker von "ihrer" Version halten. "Vater" jedenfalls weckt bei mir - auch aufgrund der soften musikalischen Ausrichtung - Erinnerungen an das schauderhafte "Wir zwei allein heut' Nacht" von David Hasselhoff. Besser, man bleibt beim englischen Original, dann geben die Texte zumindest nicht dermaßen viel Anlass zum Stirnrunzeln.

Von den übrigen vier Songs auf "Thunder In The Sky" sind immerhin drei in Ordnung, wenn auch nicht in der allerhöchsten Güteklasse, die man von Manowar kennt. Am stärksten ist in meinen Ohren "Die For Honor". Der Song ist im Midtempo-Bereich angesiedelt und erinnert ein wenig an "Call To Arms". Keine schlechte Referenz - und nach zwei oder drei Durchgängen hat sich das Stück dann auch im Hirn festgesetzt. Der Titeltrack ist hingegen eine schnellere Nummer mit den üblichen leisen Zwischentönen. Gar nicht so schlecht, wenn auch ein wenig die Spielfreude abzugehen scheint. Gleiches gilt für den hymnischen Abschluss "God Or Man", der dafür aber typisches Manowar-Feeling bietet, auch wenn man dabei irgendwie an schon tausend Mal gehörte Floskeln denkt. Schließlich gibt es noch das rockige "Let The Gods Decide", ein schlicht und ergreifend als "unauffällig" zu bezeichnender Track. Diese Stück ist eher Rock als Metal - wenn die einzigartige Stimme von Eric Adams (hier leicht verfremdet) und der Text aus dem Manowar-Baukasten nicht wären, würde man das Lied kaum den "Kings Of Metal" zuordnen. Zündet auch nach mehrmaligem Hören nicht so richtig und bestitzt einfach keine Substanz.

Fazit: Auch als eingefleischter Fan der "Kings Of Metal" kann man dieser EP kaum die Höchstwertung geben. Bezeichnend, dass der beste Track darauf ausgerechnet ein Stück ist, das bereits 1988 erstmals erschienen ist... Ansonsten bietet "Thunder In The Sky" großteils durchschnittliche Kost. für Manowar-Verhältnisse ist das viel zu wenig. Von daher gibt es nur zwei Sterne von mir. Fast wären es drei gewesen, aber da wäre dann doch ein bisschen zu sehr der Wunsch Vater des Gedanken gewesen. Ich will die Outputs von Manowar ja mögen - ich bin einfach nach wie vor zu großer Fan dieser Truppe... Doppelt schade.


The Triumph of Steel
The Triumph of Steel
Preis: EUR 8,97

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Manowar auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, 21. August 2012
Rezension bezieht sich auf: The Triumph of Steel (Audio CD)
Auf "Gods Of War", dem 2007er Werk der True Metal-Legende Manowar ging die Kombination aus Klassik, Hörspiel und Metal nicht so richtig auf. Da half auch die ganze Schönfärberei eines immer exzentrischeren Joey DeMaio nichts. Dabei hat der Bassist mit seiner Truppe bereits anno 1992 gezeigt, dass er es eigentlich besser beherrscht, eine Art Hörspiel zu schaffen. Gleich der Opener von "The Triumph Of Steel" lässt nämlich die Münder offen stehen: "Achilles, Agony And Ecstasy (In Eight Parts)", von DeMaio im Alleingang komponiert, ist eine über 28 Minuten (!) dauernde Achterbahnfahrt durch Teile von Homers "Ilias". Das Stück ist insgesamt wesentlich metallischer umgesetzt, als das pseudo-klassische Material auf "Gods Of War", und damit potentiell besser hörbar. Die Songstruktur ist sehr komplex - was zwangsläufig nicht jedem Metaller gefallen wird, auch wenn der berühmte "rote Faden" gut erkennbar ist. Zwischendurch gibt es (zur Auflockerung?) immer wieder Parts, die auch Anhänger des True Metal begeistern können. Generell ist ein solcher Opener natürlich gewöhnungsbedürftig - wer mit der außergewöhnlichen Länge und komplexen Struktur nicht klarkommt oder einfach gerade nicht in der richtigen Stimmung ist, kann aber damit gleich anfangs zur Skip-Taste greifen und die restliche Platte genießen. Gelegentlich kann man sich "Achilles..." ganz gut anhören - ich persönlich gebe aber zu, das Ding meist zu überspringen, einfach weil ich zu selten die Geduld habe, 28 Minuten am Stück zu hören.

Auf diesen Koloss folgt ausgezeichneter Manowar-Stoff mit allen Trademarks, die man von dieser Band erwartet und schätzt. Den Anfang macht "Metal Warriors (Brothers Of Metal Pt. I)", die ultimative Kampfansage an alle "Whimps and Posers", wer auch immer die sein mögen. Der Text ist ein einziges Klischee, Eric Adams brüllt sich die Seele aus dem Leib - was will man mehr. Darauf folgt eines der schnellsten Manowar-Stücke überhaupt. "Ride The Dragon" wird eingeleitet von leider etwas zu langem Drachengebrüll, danach folgt der "gedoppelte" Gesang, der auf diesem Album öfters eingesetzt wird. Gefällt mir ausgezeichnet, trotz oder gerade wegen der Einfachheit der Nummer. Düsterer geht es in den beiden darauf folgenden Stücken zu. "Spirit Horse Of The Cherokee" erzählt - wie der Titel schon vermuten lässt - eine Geschichte über die Indianer eben dieses Stammes. Musikalisch wird das eher als Midtempo-Stampfer sehr effektiv umgesetzt. Ähnlich ist es bei "Burning", das durch einen gewissen Mystery-Touch zu überzeugen weiß. Danach kommt mit "The Power Of Thy Sword" wieder eine typische, schnelle Manowar-Hymne mit allerlei "Blood", "Battle" und "Honor" im Text. Für mich eine der besten Nummern der "Kings Of Metal" überhaupt. Insbesondere der Refrain und der aggressiven Gesangseinsatz nach dem leisen Zwischenteil verursachen Gänsehaut. Nach diesem schnellen Stück wird es zum Schluss nochmals bedächtiger. Wobei "bedächtig" ein falsches Wort für "The Demon's Whip" ist - das Stück lebt von seiner düsteren Atmosphäer und den immer wieder aggressiv einsetzenden Instrumenten, am Ende klingt das Ganze mit einem wilden Doublebass-Ritt aus. Das einzige wirklich ruhige Stück haben Manowar ganz ans Ende der Platte gestellt: "Master Of The Wind" ist wohl die "leiseste" aller Balladen der Truppe - und allen neueren Versuchen dieser Art deutlich überlegen. Lediglich "Heart Of Steel" von der Vorgängerscheibe kann hier mithalten. "Master Of The Wind" ist ein wunderschöner Titel, der vor allem durch den herausragenden Gesang von Eric Adams noch mal aufgewertet wird. Klebriger Kitsch und übertriebener Pathos fehlen hier völlig, dafür ist Gänsehautstimmung garantiert.

Fazit: Für "The Triumph Of Steel" kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben - egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell auch in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.


Louder Than Hell
Louder Than Hell
Preis: EUR 6,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solider Manowar-Durchschnitt, kraftlos produziert, 20. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Louder Than Hell (Audio CD)
"Louder Than Hell" ist kein schlechtes Album. Im Vergleich zu anderen Bands schaffen es Manowar auch auf ihrer 1996er LP scheinbar mühelos, aus ihrem engen thematischen Umfeld ein Maximum herauszuholen. Das Album beginnt sogar ausnehmend stark: "Return Of The Warlord" ist ein optimale Hymne zum Einstieg. Der Songtitel spielt auf die Rückkehr von Drummer Scott Columbus (R.I.P. 2011) an, der die Band 1990 verlassen hatte. Musikalisch wird typischer Manowar-Stoff der schnelleren Sorte geboten, lyrisch greift man in den Klischeetopf "Lebensgefühl des Metallers/Bikers". So muss ein Album der "Kings Of Metal" eröffnet werden. Sehr gut gelungen sind auch die nachfolgenden Stücke "Brothers Of Metal (Part 1)" und "The Gods Made Heavy Metal", wobei hier - man ahnt es schon - die Texte besser sein könnten. Das liegt weniger an der grundsätzlichen Thematik, die man von Manowar natürlich genau so hören möchte, als vielmehr daran, dass beide Songs unmittelbar aufeinander folgen und sich lyrisch praktisch wie ein Ei dem anderen gleichen. So geballt hat man "Steel", "Fight" und "Metal" selten hochleben lassen... Davon abgesehen sind beide Stücke aber gut gelungen. Gleiches gilt auch für das epische, halb-balladeske "King" und den pfeilschnellen Rausschmeißer "The Power". Die obligatorische Ballade "Courage" kann sich auch hören lassen, ist jedoch keineswegs so dramatisch, wie man das von der Band auch schon gehört hat. Das Prädikat "zu kitschig" trifft es eher... Brauchbar, aber nicht essentiell. Ähnliches gilt für "Outlaw", das vor allem aufgrund der eher ungewöhnlichen Western-Thematik hervorsticht.

So viel zu den guten Stücken auf "Louder Than Hell". Die restlichen drei Nummern können bei mir hingegen überhaupt nicht punkten. Insbesondere die beiden Instrumentals "Today Is A Good Day To Die" und "My Spirit Lives On" (in dem Neuzugang Karl Logan an der Gitarre zeigt, was er kann) finde ich völlig nichtssagend und überflüssig. Wer mit solchen Stücken was anfangen kann, wird wohl zufrieden damit sein, ich hätte einen rein instrumentalen Titel ausreichend gefunden. Und schließlich gibt es in der Mitter der Platte noch den Track "Number 1", ein absolut durchschnittliches Stück Musik, das nicht zündet und nicht hängen bleibt. Zwar kein Totalausfall, aber für Manowar-Verhältnisse erschreckend belanglos.

Überwiegend empfinde ich "Louder Than Hell" als positiv, auch wenn hier Abwechslung nicht gerade groß geschrieben wird und man sich vor allem im Riff-Bereich stark wiederholt. Im Manowar-Backkatalog gibt es im Endeffekt bedeutend bessere Stücke, als auf diesem Album, wirklich schwach ist die Platte aber dennoch nicht. Leider krankt das Ganze meiner Ansicht nach an einer ziemlich schwachbrüstigen Produktion, ein Leiden, das man von Manowar seit den ersten Alben eigentlich nicht mehr kennt. Da kann auch der einmal mehr genial singende Eric Adams nichts retten. Oder ist hier etwa erstmals mangelnde Spielfreude der "Kings Of Metal" zu hören? Wie dem auch sei, die direkten Vorgänger "The Triumph Of Steel" und "Kings Of Metal" hatten wesentlich mehr Wumms, was "Louder Than Hell" auch sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. Schade, aber damit kann es - trotz vieler guter Songs - nur für die Durchschnittswertung reichen.


Warriors of the World (Gold Edition)
Warriors of the World (Gold Edition)

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht so schlecht, wie oft dargestellt, 3. August 2012
Das neunte Studioalbum der selbsternannten "Kings Of Metal" erschien 2002, ganze sechs Jahre nach dem überwiegend positiv aufgenommenen "Louder Than Hell". Genau in diesem Zeitraum begann sich erstmals Kritik an Manowar aufzubauen, die weder Texte noch Auftreten der Band betraf. Der Grund: Zwischendurch gab es Live-Alben und Compilations, die im Prinzip zwar gute Kost boten, allerdings auch den Geruch der Fan-Abzocke mit sich brachten. Außerdem wurden beim immer schon schwierigen Band-Boss Joey DeMaio immer stärkere Anzeichen von Größenwahn und Selbstüberschätzung sichtbar. Der Bassist sorgte damit selbst dafür, dass die Erwartungshaltung an "Warriors Of The World" ins Unermessliche stieg - und natürlich nicht so richtig erfüllt wurde.

Das nur zur Erklärung, warum diese Platte bereits mit einem merkbaren Malus ins Rennen ging. Das mag auch ein Mitgrund für die teils übertriebenen Verisse sein, mit denen "Warriors Of The World" bedacht wurde. Dabei stehen auf der CD durchaus einige Songs, die man heute schon fast als Klassiker bezeichnen kann. Bereits der Opener, "Call To Arms" bietet einen sehr starken Auftakt, typisches Manowar-Feeling und macht sofort Lust auf mehr. Genauso will man das von Manowar hören! Noch um eine Spur besser machen es die ganz hinten platzierten "Hand Of Doom" (saustarker Refrain, Eric Adams in Hochform), "House Of Death" (ähnlich wie "Hand Of Doom", ziemlich hymnisch und mit passenden "Die! Die!"-Schreien unterlegt) sowie der Höhepunkt des Albums. Der besteht aus dem eingängigen, schnellen und unglaublich aggressiven "Fight Until We Die" (inklusive Text mit "Swords", "Thunder", "Metal", "Blood" usw.). Insbesondere diese drei Stücke sind allesamt Kracher vor dem Herrn, an denen es absolut nichts auszusetzen gibt und die mit zum Besten gehören, was Manowar bisher fabriziert haben. Nicht ganz so gelungen, aber immer noch in Ordnung: Der quasi-Tteltrack "Warriors Of The World United". Ein Midtempo-Stampfer, ultra-eingängig und mal wieder mit Pathos an der Grenze des guten Geschmacks ("Tell my family how I died..."). Auf jeden Fall ist das Stück bestens zum Mitsingen geeignet - und auch das ist etwas, was man von Manowar erwartet. A pro pos Erwartungen: Natürlich darf auch eine dramatische Power-Ballade nicht fehlen. Auf "Warriors Of The World" haben es sogar gleich zwei davon geschafft, nämlich "The Fight For Freedom" und "Swords In The Wind". Zweitere ist ausgezeichnet gelungen, wenn auch nicht so gut, wie andere Manowar-Epen dieser Art. Erstere erinnert vom Klaviergeklimper her stark an "Courage" und ist von ziemlich viel 9/11-Pathos durchzogen. Ein kompletter Reinfall ist das Stück zwar nicht, aber im Endeffekt lediglich Durchschnittskost und mit den patriotischen Anwandlungen muss man halt klar kommen.

Damit haben wir von elf Songs auf "Warriors Of The World" sieben genannt, die entweder großartig sind, oder die Erwartungen zumindest erfüllen. Ausfall gibt es darunter nur einen mittleren, also keine schlechte Quote. Ganz im Gegensatz zum Rest der Platte, der praktisch den gesamten Mittelteil einnimmt und sich in der Rückschau wie ein erster Fingerzeig Richtung "Gods Of War" anhört. Zunächst mal ist bei "Nessun Dorma" nachzuhören, dass Eric Adams nicht nur einer der besten Metal-Shouter ist, sondern auch in der Oper keine schlechte Figur gemacht hätte. Das Stück ist eine Arie aus der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini und spätestens jetzt kann man sich fragen, was das auf einer Metalscheibe zu suchen hat? Noch dazu, weil es keine der gar nicht so seltenen "Metal + Klassik"-Fusionen ist, sondern einfach eine Opernarie mit einzelnen Gitarrenleads. Für Fans dieses Genres vielleicht interessant, der Metaller wird nach einmaligem Hören achselzuckend die Skip-Taste betätigen. Auf dieser Taste kann man den Finger anschließend gleich lassen - mit "Valhalla" folgt eine Art wagnereske Overtüre, die wohl kein Mensch außer Joey DeMaio braucht. Gleiches gilt übrigens für "The March". Damit fehlt nur noch der absolute Totalausfall auf "Warriors Of The World" und für den muss kein geringerer als der "King" selbst herhalten. Nein, nicht "Metal-King" DeMaio... "An American Trilogy" stammt ursprünglich von Elvis Presley und wird von Manowar mit leichtem Country-Einschlag vorgetragen. Ich kann damit einfach überhaupt nichts anfangen - das Ding eignet sich, wenn überhaupt, als Bonus für irgendeine Best Of oder Special Edition. Auf einem regulären Album hat sowas meiner Ansicht nach noch weniger verloren, als eine Puccini-Arie. Aber sei's drum, gibt ja die Skip-Taste...

Gut, damit ist alles geklärt. Auf "Warriors Of The World" stehen vier brettharte True Metal-Stücke, die allesamt ausgezeichnet sind. Es gibt zusätzlich eine gute Singleauskopplung und eine Ballade, die in Ordnung ist. Also sechs von elf Stücken, die im Haben verbucht werden können. "Fight For Freedom" gefällt nicht, noch weniger aber alle übrigen Tracks auf der CD. Aufgrund der oberen Güteklasse der übrigen Songs reicht das trotz aller Mängel für sehr knappe vier Sterne. Größtes Problem meiner Ansicht nach: Die Songreihenfolge ist denkbar ungünstig. Nach der fulminanten Eröffnung "Call To Arms" gibt es bis Nummer acht so gut wie nichts, was man von Manowar öfter als eimmal hören möchte. Einen so dichten Block an schwachen Songs sieht man eigentlich recht selten... Aber ich denke, vier Sterne gehen trotzdem in Ordnung, wer mit den Experimenten auf diesem Album gar nicht leben kann, muss wohl mindestens zwei abziehen.


Gods of War
Gods of War
Preis: EUR 16,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen True Metal? Ja, aber in homöopathischen Dosen..., 2. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Gods of War (Audio CD)
Wenn man mit einigem zeitlichen Abstand an "Gods Of War", das 2007er Album der True Metal-Institution Manowar denkt, fallen einem spontan drei Songs ein: "King Of Kings", "Sleipnir" und "Sons Of Odin". Aufgrund einer lustig-peinlichen Anekdote aus dem Rock Hard wird insbesondere im deutschsprachigen Raum der eine oder andere vielleicht auch noch den Bonustrack "Die For Metal" in Erinnerung haben - gewidmet einem gewissen Götz K. Der fand es seinerzeit nämlich nicht so glaubwürdig, dass ein gewisser Joey D. behauptete, "notfalls für den Metal sterben" zu wollen und wurde dafür immerhin im Booklet gewürdigt.

Auch wenn (oder gerade weil?) seit der Veröffentlichung von "Gods Of War" mittlerweile einige Zeit ins Land gezogen ist, ist das Album nach wie vor nur als "durchwachsen" zu bezeichnen. Dabei sieht es optisch zunächst sehr gut aus (und mit "optisch" meine ich nicht das Cover, das mehr als alle bisherigen zum Fremdschämen einlädt...): 16 Songs, eine Spielzeit von fast 74 Minuten, Manowar-Rekord! Ähnlich umfangreich ist von allen bis dato erschienenen regulären Alben der Amis lediglich "The Triumph Of Steel" (1992, ca. 69 Minuten) ausgefallen. Das ist auch schon eine gute Überleitung, denn gerade auf jenem Album befand sich mit dem berüchtigten 28-Minüter "Achilles, Agony And Ecstasy In Eight Parts" eine Art Hörspiel, wie es "Gods Of War" auf Albumlänge bietet.

Das bedeutet im Klartext: Von 16 Stücken auf der Platte sind gerade mal acht als Songs im eigentlichen Sinne zu bezeichnen. Der Rest besteht aus Intros, Overtüren und Spoken-Word-Titeln. Nun sind solche Dinge zur Schaffung einer gewissen Atmosphäre ja durchaus geeignet, nur übertreiben es Manowar auf "Gods Of War" damit gnadenlos. Am Beginn der Platte bietet die erste Overtüre, passend betitelt mit "Overture To The Hymn Of The Immortal Warriors" einen dramatischen, wagnaresken Auftakt - und ist gleichzeitig symptomatisch für das Problem der ganzen Klassik, die sich auf "Gods Of War" zwischen den anderen Liedern befindet: Zu lang, zu sperrig, zu sehr Konserve und einfach zu viel des Guten. Ich wage kaum, es zu schreiben, aber sowas bringen "kleine" Symphonic-Bands wie Rhapsody (Of Fire) besser und dramatischer zustande... Dass darauf mit "The Ascension" auch noch ein Intro folgt, strapaziert die Geduld dann schon beinahe über Gebühr. So dauert es dann insgesamt fast neun (!) Minuten, bis der erste "richtige" Song beginnt, der leider nur 4:17 Minuten dauert. Dafür ist "King Of Kings" einer der stärksten Manowar-Tracks überhaupt. Tatsächlich ist das Stück sogar so gut, dass es über den Anfangsärger locker hinwegtröstet und man auch mit dem darauf folgenden Zwischenspiel "Army Of The Dead, Part I" (langsam, bedächtig, mit Chorgesang, insgesamt gar nicht so übel) ganz gut leben kann. Danach befürchtet man in "Sleipnir" zunächst auch eine Art Intro, der gesprochene Text ist aber zum Glück "nur" knapp über eine Minute lang und leitet einen echten Hammer-Song ein. Vor allem der Refrain ist traumhaft, auch wenn er zum Schluss ein wenig zu oft wiederholt wird! Im kurzen "Loki God Of Fire" geht es dann im Midtempo ganz gut, wenn auch nicht essentiell zur Sache, bevor mit "Blood Brothers" eine typische Power-Ballade folgt, die jedoch qualitativ bei weitem nicht an andere Manowar-Großtaten dieser Kategorie heranreicht.

Die zweite Hälfte der Platte wird - standesgemäß - von einer Overtüre ("Overture To Odin") und einem äh... Intro... ("The Blood Of Odin", mit eher gelangweiltem Erzähler) eingeleitet. Wer sich das öfters anhören soll, weiß ich nicht, aber nach insgesamt rund acht Mintuen folgt mit "The Sons Of Odin" wieder ein richtiger Kracher der "Kings Of Metal" - ein schöner Stampfer mit gutem Refrain und überhaupt allem, was das Herz begehrt. Ganz im Gegensatz zu "Glory Majesty Unity", das - man ahnt es schon - eine Art Fortsetzung von "The Warriors Prayer" (auf "Kings Of Metal, 1988) darstellt. In meinen Ohren ist das überflüssig wie ein Kropf, war es auch 1988 schon, wenn man ehrlich ist. Gleich darauf hört man im Titeltrack "Gods Of War" wieder metallischere Klänge, episch angereichert durch orchestrale Begleitung. Gar nicht so schlecht, aber wohl kein zukünftiger Klassiker. Schließlich folgt noch die "Army Of The Dead, Part II" (Erinnert sich niemand mehr an "Part I" auf diesem Album? So ähnlich klingt nämlich auch dieses Stück...). Im vorletzten Song kommt dann noch Odin selbst zu Ehren, und zwar in einer guten Power-Ballade, die "Blood Brothers" locker übertrifft. Gefällt! Den Schlusspunkt des Konzepts setzt dann die "Hymn Of The Immortal Warriors", die weder ganz Klassik noch ganz Metal ist und somit zwischen den Stühlen sitzt. Halbgar, irgendwie, und auch ein bisschen symptomatisch für "Gods Of War" als Gesamtalbum. Das 16. und finale Stück gehört dann nicht mehr zum Konzept und ist - wie schon erwähnt - die Huldigung an den Rock Hard-Chef in Form von "Die For Metal", das wohl nur aufgrund der zugehörigen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten ist. Oder vielleicht auch aufgrund des geklauten "Kashmir"-Riffs (Led Zeppelin), aber das haben ja schon ganz andere Kapazunder verwendet.

Am Ende bleiben also auch nach neuerlichen Hörversuchen nur wenige Volltreffer auf der Habenseite von "Gods Of War". Vor allem "King Of Kings" und "Sleipnir" sind zwar auch im Manowar-Gesamtkontext ganz vorne einzuordnen, das reicht mir persönlich aber nicht. Joey DeMaio hat für dieses Album typische Manowar-Zutaten genommen, seiner Vorliebe für Wagner freien Lauf gelassen und den Pathos, der beidem zu Grunde liegt, auf die Spitze getrieben. Das mag sich auf den ersten Blick interessant anhören, führt aber bei mir nur dazu, dass ich alle Zwischenspiele überspringe, um die Dinge zu hören, die mir an Manowar immer gefallen haben. Denn Leidenschaft und Spielfreude ist aus den klassischen Einschüben nicht herauszuhören, wenn ich mir auch nicht herausnehme, ein großer Klassik-Spezialist zu sein. Bombast und Dramatik erkennt man schon, aber damit allein kann man eben keinen Blumentopf gewinnen, schon gar nicht, wenn alles nach Konserve, statt nach richtigem Orchester klingt. Es ist letztlich auch dieser Qualitätsunterschied, an dem das Album meiner Meinung nach scheitert. Die Metal-Songs sind großteils einfach saustark und super-eingängig, da können die klassischen Ambitionen eines Joey DeMaio einfach nicht mithalten. Wenn man keine Hörspiele mag und nur die "normalen" Songs herausnimmt, bleibt übrigens eine Spielzeit von rund 43 Minuten - was dann doch wieder im normalen Manowar-Schnitt liegt. Nicht näher beleuchten möchte ich den Umstand, dass fünf der 16 Stücke auf "Gods Of War" zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits von der EP "The Sons Of Odin" bekannt waren.

Was man "Gods Of War" allerdings zu Gute halten kann: Das Konzept wurde in sich recht stimmig und auch atmosphärisch brauchbar umgesetzt. Es ist von Track 1 bis 15 ein roter Faden zu erkennen, man kann zumindest die Vision, die dahinter steckt, erahnen. Mehr leider nicht. Damit reicht es bei mir für ganz knappe drei Sterne, drei sehr starken Stücken und der einmal mehr herausragenden Gesangsleistung von Eric Adams sei dank. Ohne ihn hätte es wesentlich düsterer ausgesehen...


The Lord of Steel (Hammer Edition)
The Lord of Steel (Hammer Edition)

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider keineswegs die erhoffte Offenbarung nach langer Wartezeit, 30. Juli 2012
Manowar sind eigentlich ein liebenswerter Anachronismus. Alle anderen Bands, die schon so lange dabei sind, sind in der einen oder anderen Form "erwachsen" geworden. Nur die "Kings of Metal" bringen es nach Jahrzehnten immer noch fertig, "Glory", "Blood" und "Steel" so richtig hochleben ("Hail!") zu lassen. Das ist - je nach Standpunkt - hochgradig peinlich oder eben genau das, wofür man diese Band liebt. Und daran ändert auch das 2012er Werk "The Lord Of Steel" nichts. Fünf Jahre hat Manowar-Boss DeMaio zwischen "The Lord Of Steel" und dem letzten (regulären) Studioalbum "Gods Of War" (2007) die Fans immer wieder vertröstet. In Interviews hat der Bassist unermüdlich von der Zeit, die Qualitätsarbeit eben braucht, gesprochen - und muss sich nun natürlich auch an seinen Aussagen messen lassen.

Textlich bekommt man - wie bereits am Albumtitel ersichtlich - den gewohnt tiefen Griff in die Klischeekiste, der entweder gefällt oder eben nicht. Mir persönlich sagt das typische Manowar-Textmuster anno 2012 nicht mehr wirklich zu. Man hat für meinen Geschmack häufig das Gefühl, bereits 100 mal gehörte Floskeln würden auseinandergenommen, zerhackt und wieder aufgewärmt, nur um dann erst recht wieder wie vor 20 Jahren zu klingen. Ja, früher hat es so funktioniert, aber nach so vielen Jahren fühle ich mich doch einigermaßen übersättigt. Mit Innovationen war an dieser Front sowieso nicht zu rechnen und das ist im Endeffekt auch gut so - ich hätte mir aber schon gewünscht, dass man sich etwas mehr Mühe mit den Lyrics gibt, die auf mich einfach uninspiriert wirken.

Ob man mit den Texten leben kann, hängt aber gerade im Falle von Manowar auch von der Musik ab, zumindest geht es mir so. Und speziell in diesem Bereich muss man bei "The Lord Of Steel" leider viel zu viele Abstriche machen. Bereits beim ersten Durchgang fällt das Album nicht durch herausragende Songs auf, sondern irritiert durch den verzerrten Bass-Sound, der sehr stark in den Vordergrund gemischt wurde. Klingt ein wenig nach dem, was diverse Stoner Rock-Bands benutzen - gefällt mir bei Manowar überhaupt nicht, noch dazu wird dadurch viel von der (guten) Gitarrenarbeit von Karl Logan in den Hintergrund gedrängt (gut nachzuhören unter anderem beim Solopart des Titelsongs). Ansonsten ist die Produktion in Ordnung, lediglich die Stimme hätte man etwas lauter drehen können, aber das sind nur Nuancen. A pro pos Stimme: Mit Eric Adams hat man nach wie vor einen der besten Sänger am Start - nur leider geht auch an ihm das Alter nicht völlig spurlos vorüber. Er singt super, keine Frage, aber die letzte Aggressivität und Leidenschaft fehlt auf "The Lord Of Steel". Schade, war es doch seit einiger Zeit hauptsächlich Adams' Stimme, die einige Kompositionen vor dem Totalabsturz rettete.

Richtig kritisch wird es für "The Lord Of Steel", wenn man sich dem Wichtigsten widmet: Den Songs. Und an dieser Front gibt es für Manowar-Verhältnisse leider wenig Gutes zu vermelden: Mit dem düster gehaltenen, hymnischen "Born In A Grave" und der tollen Power-Ballade "Righteous Glory", die wie eine verbesserte Version von "Swords In The Wind" klingt, haben sich im Mittelteil zwei wirklich starke Songs versteckt. Noch etwas besser ist "El Gringo", das tatsächlich auch auf älteren Alben eine gute Figur gemacht hätte. Immerhin akzeptabel sind das eingängige "Touch The Sky", das sich aber recht schnell abnutzt und der eröffnende Titelsong, bei dem der Fuzz-Bass allerdings ganz besonders nervt. Und der Rest? "Black List", Expandables" und "Annihilation" wirken unfertig, uninspiriert oder langweilig. Oder alles zusammen - solche Songs sind für Manowar-Verhältnisse einfach unterster Durchschnitt und hätten es früher wohl nie auf eine Platte der Band geschafft. Das typische Manowar-Feeling fehlt diesen Nummern komplett. Dieses Feeling wollte man vermutlich auch mit "Manowarriors" (wieso gibt es diesen Songtitel erst jetzt??) und "Hail, Kill And Die" (was sonst...) wecken. Das geht leider gründlich daneben - beide Songs, vor allem aber "Manowarriors" eigenen sich hauptsächlich zum Fremdschämen. Bei "Hail, Kill And Die" kommt noch dazu, dass man hier textmäßig in "Blood Of The Kings"-Gefilden wildert, also Song- und Albumtitel aus der Vergangenheit aneinander reiht. Nur leider nicht so gehaltvoll wie beim "Original", der Song ist einfach todlangweilig.

Fazit: Manowar sind tolle Musiker, nicht umsonst sind sie seit den frühen 1980er Jahren konstant vorne dabei. Aber in jüngerer Zeit gerät die True-Metal-Institution doch ein wenig ins Wanken. "The Lord Of Steel" ist der vorläufige Tiefpunkt dieser Entwicklung. Die Songs sind gut gespielt, keine Frage. Aber etwas, wofür Manowar bei allem Größenwahn eines Joey DeMaio immer standen, etwas, das diese Truppe auch zu ihren umstrittensten Zeiten auszeichnete, geht dem 2012er Album ab: Die hörbare, geradezu greifbare Leidenschaft für diese Art Musik. Epische Hymnen, ausgestattet mit Manowar-typischem Pathos, garniert mit einer so unglaublich passenden Stimme - all das fehlt auf "The Lord Of Steel". Zwar nicht völlig, aber doch deutlich merkbar. Und für die hohe Qualität, die Manowar bisher (fast) immer abgeliefert haben, ist das einfach zu wenig, selbst die wenigen "richtigen" Songs auf "Gods Of War" waren wesentlich inspirierter als das Gros des vorliegenden Materials. Von daher müssen diesmal zwei Sterne reichen. Schade.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2012 10:52 AM CET


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