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Beiträge von Stefan T.
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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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I Begin
I Begin
Preis: EUR 17,78

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht ganz erfüllt, 9. November 2012
Rezension bezieht sich auf: I Begin (Audio CD)
"I Begin" wurde lange erwartet, zumindest in Black Metal-Kreisen. Nach den sattsam bekannten Namensstreitigkeiten, einer nicht unumstrittenen Live-DVD sowie einer "kurzen" Auszeit von Fronthüne Gaahl schaffen es God Seed 2012 endlich, ihr Debüt in die Läden zu bringen. Und seien wir uns ehrlich: Die erste Frage jedes Hörers lautet, muss fast lauten: "Klingt das nach Gorgoroth oder doch ganz anders?" Die Antwort ist eigentlich ein Klischee, die Wahrheit liegt nämlich mal wieder in der Mitte. Man hört der Truppe ihre Verwandschaft zur Bergener Konkurrenz teilweise recht deutlich an - kein Wunder, waren doch Gaahl und Bassist King (ov Hell) in vergangenen Jahren die beiden treibenden Kräfte hinter Gorgoroth. Außerdem hat sich natürlich nichts am unvergleichlich böse tönenden Organ von Gaahl geändert. Auch in Bezug auf seine Lyrics gibt sich der krächzende Modeschöpfer gewohnt zugeknöpft.

Business as usual also? Mitnichten, man erkennt relativ schnell, dass God Seed im Vergleich zum früheren Betätigungsfeld der Hauptprotagonisten etwas offener zu Werke gehen. Bei der Eröffnungsnummer "Awake" ist beispielsweise anfangs noch alles im schwarzen Bereich. Eine rasante Nummer, böses Gekeife von Ghaal, flirrende Gitarren, kurz: Alles, was man von einer Band wie dieser erwartet. Gegen Ende horcht man allerdings auf: Es gibt plötzlich Industrial-artige Einschübe zu hören - durchaus überraschend. Wer das verkraftet hat, wird sich zunächst über das coole Riffing und den Galopp-Rhythmus von "This From The Past" freuen. Bis dann die Keyboards (!) im Stil einer Hammond-Orgel (!!) einsetzen und ein Finale folgt, dass so ähnlich auch von alten The Kovenant hätte stammen können. Das klingt erstmal innovativ, nach mehrfachem Hören merkt man aber, dass insbesondere die exzessiv eingesetzte Keyboard-Untermalung eher stört als nützt. Ähnlich geht es dem eigentlich sehr guten Stampfer "Lit". Gibt es zunächst noch "normalen" Black Metal zu hören, beginnen bei der Halbzeit merkwürdige Effekte, die schließlich in eine Art "Riders On The Storm" (The Doors) Gedächtnismelodie übergehen. Schade, gegen Ende wird das Gekeife von Gaahl immer bösartiger, das wäre auch ohne die Keyboard-Unterstützung dunkel genug gewesen.

Wesentlich besser wurde das Tasteninstrument bei "From The Running Of Blood" integriert - hier dient es der Unterstreichung und Verdichtung einer düsteren Atmosphäre und macht das Stück zum besten Track auf "I Begin". Beinahe genauso gelungen sind das finstere "The Wound", das auch auf einer Gorgoroth-Veröffentlichung eine gute Figur gemacht hätte und "Aldrande Tre", das unprätentiösen Black Metal der alten Schule bietet. Die Orgel, die bei diesem Stück ab und an eingesetzt wird, stört zwar ein wenig, bleibt aber immerhin erträglich. Neben dem für ihn typischen Gekreische nutzt der auf seine eigene Art und Weise sehr charismatische Gaahl auf "I Begin" übrigens auch eine Art rituellen Klargesang, den einige Hörer vielleicht von seinem Projekt Wardruna kennen dürften. Insbesondere bei den eher gemächlichen Nummern, dem hypnotischen "Alt Liv" und dem düsteren "Hinstu Dagar" kommt das sehr gut zur Geltung.

Gibt es noch was zu erwähnen? Achja, auf "I Begin" sind neben den beiden ehemaligen Gorgoroth-Recken noch Sir und Lost Kilman an den Gitarren, Kenneth Kapstad am Schlagzeug und Geir Bratland am Keyboard zu hören.

Fazit: "I Begin" ist prinzipiell ein gutes Black Metal-Album geworden, wenn auch das ganze Tamtam, das um diese Veröffentlichung gemacht wurde, auf noch stärkeres Material hoffen ließ. Was mich persönlich stark stört, sind die stellenweise viel zu präsenten Keyboards. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen deren Einsatz hätte, aber etwas dezenter hätte das Ganze wesentlich besser gewirkt. So ist "I Begin" am Ende nicht ganz Fisch und auch nicht Fleisch und bekommt von mir - auch im Hinblick auf die eigentliche musikalische Klasse der Beteiligten - "nur" drei Sterne.


Die Anstalt: Psychothriller
Die Anstalt: Psychothriller
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unglaubliche Langeweile auf 750 Seiten, 30. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Anstalt: Psychothriller (Kindle Edition)
Es kostet meist einiges an Überwindung, ein Buch, in das man einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Lebens- und Freizeit gesteckt hat, negativ zu bewerten. "Die Anstalt" von John Katzenbach macht es einem aber relativ leicht. Eventuell liegt das daran, dass die Zutaten, die der Autor in sein Werk einfließen lässt, hohe Erwartungen wecken, die bei weitem nicht erfüllt werden: Eine Mordserie, die in eine Nervenheilanstalt führt und die dort durchgeführten Ermittlungen, umgeben von Geisteskrankheit, verborgenen Geheimnissen und unkooperativen Ärzten. Klingt auf den ersten Blick sehr spannend - und die Bezeichnung des ganzen als "Psychothriller" sowie die euphorischen Empfehlungen auf dem Buchrücken tun ihr Übriges dazu, die Vorfreude zu steigern. Was nach erfolgter Lektüre bleibt, ist Enttäuschung. Und Gedanken, die mit Stichworten wie "Zeitverschwendung" zu tun haben.

Die Anlässe zur Kritik sind vielfältig. Zunächst ist der Stil, den Katzenbach in diesem Werk verwendet, alles andere als flüssig. Könnte natürlich an der Übersetzung liegen, aber eigentlich glaube ich eher, dass das Buch auch im Original genauso geschrieben ist. Auf knapp 750 Seiten kommt so gut wie kein Lesefluss auf. Die Dialoge sind langatmig, ebenso die Beschreibungen der Umgebung. Dabei gelingt dem Autor das besondere Kunststück ausufernd zu referieren und trotzdem so gut wie keine Details zu verraten. A pro pos Details: Auch die Charaktere bleiben völlig blass. Das betrifft alle Personen, die in "Die Anstalt" vorkommen, sogar den Haupt- und Erzählercharakter. Keine der Figuren bietet sich wirklich zur Identifikation an, egal, was ihnen widerfährt, man fühlt zu kaum einem Zeitpunkt mit. Die Versuche, beispielsweise dem Chefarzt so etwas wie "Leben" einzuhauchen, wirken bestenfalls jämmerlich. Gleiches gilt für die Nebenfiguren, großteils Patienten der Irrenanstalt. Über den Killer selbst erfährt man übrigens auch nichts. Einzig die beiden Pfleger, die Brüder Moses ("Big Black" und "Little Black") und die Insassin "Cleo" sind zumindest ansatzweise so etwas wie Sympathieträger. All das mag ein Stilmittel von John Katzenbach sein, Gefallen kann ich daran aber keinen finden.

Zu all dem kommt noch, dass sich die thematisch spannend klingende Geschichte relativ bald als stinklangweilig entpuppt. Während der Lektüre wartet man die ganze Zeit auf einen Twist, auf ein wenig Spannung - jedoch kommt nichts davon. Zunächst denkt der Leser noch an einen langsamen Aufbau, es stellt sich jedoch immer mehr heraus: Es gibt tatsächlich keine Überraschungen in "Die Anstalt". Auch die Enthüllung des Mörders bringt keinerlei Aha-Erlebnis - kein Wunder, man erfährt ja auch nichts über ihn, weder darüber, wie er seine Morde überhaupt in dieser Umgebung zustande bringt, noch über seine Motive, die maximal weit hergeholt wirken.

Meiner Ansicht nach ist das gleichzeitig auch der größte Minuspunkt des Ganzen: Die fehlende Glaubwürdigkeit - oder habe ich nur irgendetwas nicht verstanden? Dass sich eine Staatsanwältin von zwei Insassen der Nervenheilanstalt (einem Schizophrenen und einem Brandstifter) bei den komplexen Ermittlungen helfen lässt, sie quasi zu ihren Gehilfen rekrutiert, ist völlig an den Haaren herbei gezogen. Auch dass die Ärzte in der Anstalt nicht eingebunden werden, obwohl es für die Ermittlerin keinen Grund gibt, an ihnen zu zweifeln, scheint mir eine ziemlich abstruse Idee zu sein. Dazu passt dann auch die Auflösung der Geschichte, die nicht mehr als ein ominöses "Und das war's jetzt?"-Gefühl hervorruft.

Nimmt man all das zusammen, gibt es nur eine Möglichkeit: Ein Stern für ein Buch, das viel verspricht und - so hart muss man es leider sagen - nichts davon hält.


British Lion
British Lion
Preis: EUR 17,22

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Perfektion und kein Metal, dafür erdiger, unprätentiöser Rock, 9. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: British Lion (Audio CD)
Für diese Platte gilt ein altes Klischee: Es ist alles eine Frage der Erwartungen. Viele haben offenbar damit gerechnet, dass "British Lion" in Ausrichtung und Qualität irgendetwas mit Iron Maiden zu tun hat. Dem ist nicht so; lediglich ganz leicht wirft das Flaggschiff der NWoBHM gelegentlich seinen Schatten auf das erste Solo-Projekt, von Band-Boss Steve Harris. Musikalisch orientiert sich "'Arry" vornehmlich an Heroen seiner eigenen Jugend, also erdigem Rock á lá UFO oder Thin Lizzy und punkigem wie The Who. Dass "British Lion" überhaupt so stark mit dem sympathischen Bassisten und seinem Hauptbetätigungsfeld assoziiert wird, ist übrigens ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist das natürlich dem Bekanntheitsgrad und der Verbreitung der Debüt-Scheibe sehr zuträglich - weshalb wohl vor allem die Plattenfirma auf die Verwendung seines Namens bestand (ursprünglich war British Lion der Name der Band). Andererseits: Siehe oben... Die Erwartungen, die das weckt, können praktisch nur enttäuscht werden. Zumindest geht es augenscheinlich einem breiten Publikum so.

Die teilweise gnadenlosen Verrisse werden dem, was auf dieser Scheibe geboten wird, aber nicht gerecht. Im Gegenteil, Harris liefert mit seinen nicht mehr ganz jungen Mannen ein zwar keineswegs perfektes, aber doch angenehm zu hörendes Album ab. Bei den ersten Durchgängen merkt man davon allerdings tatsächlich nicht so viel, lediglich, dass das Ganze mehr dem Rock als dem Metal zuzuordnen ist, fällt sofort auf. Ein paar Stücke bleiben dann aber doch schnell hängen. "Lost Words" ist musikalisch und textlich eher melancholisch und schafft es, beim Hörer eine Art verträumter Sehnsucht zu wecken. Der Schluss ist fast schon Singer/Songwriter-artig aufgebaut - insgesamt ein schönes, unaufdringliches Stück Musik. "Us Against The World" lebt hingegen von seiner eingängigen Gesangsmelodie und ein paar beinahe schon verschüchtert wirkenden Iron Maiden-mäßigen Gitarrenläufen. Ebenfalls sehr gelungen ist "The Chosen Ones", bei dem überdeutlich die Zuneigung unseres Mannes für The Who zu hören ist. Um es direkt zu sagen: Dieser Song könnte locker als Titelmelodie für eine Serie aus dem "CSI"-Universum durchgehen; insbesondere "Won't Get Fooled Again" (CSI: Miami) dürfte hier Pate gestanden haben. Ansonsten bleibt noch der schöne, akustische Rausschmeißer "The Lesson" zu erwähnen, eine völlig kitschfreie, mit Streichern und Piano unterlegte Ballade.

Die übrigen Songs fallen demgegenüber ein wenig ab. Immer noch im grünen Bereich sind das recht eingängige "A World Without Heaven" und "These Are The Hands". Beim Rest will auch nach zig Durchläufen der Funke nicht recht überspringen. Insbesondere der Opener "This Is My God" kann mich persönlich überhaupt nicht überzeugen und ist dementsprechend schlecht platziert. Wirklichen Totalausfall gibt es zwar keinen auf "British Lion", mehr als unterer Durchschnitt wird bei "Karma Killer", dem nach Muse für Arme klingenden "Judas" und dem symptomatisch betitelten, irgendwo zwischen Bon Jovi und Aerosmith verortbaren "Eyes Of The Young" aber nicht geboten.

Größter Kritikpunkt für viele Hörer ist offenbar der Gesang, der - große Überraschung! - nicht nach Bruce Dickinson klingt. Tatsächlich fehlt Richard Taylor die Power seines Maiden-Pendants. Das Organ des Sängers klingt am ehesten ein wenig nach diversen Prog Rock-Bands, die größte Ähnlichkeit dürfte man bei Claudio Sanchez (Coheed And Cambria) finden, ohne dass Taylor dessen Variabilität erreicht. Insgesamt ist die Stimme sehr unaufdringlich und klingt angenehm - nicht mehr und nicht weniger; ein schlechter Sänger ist Richard Taylor jedenfalls nciht. In einer Metal-Band würde er wohl ohne Wenn und Aber untergehen, für "British Lion" passt seine Stimme aber sehr gut.

Eine kritische Anmerkung muss aber trotz aller Sympathie gestattet sein: Wieso wurde der Bass derart Maiden-mäßig in den Vordergrund gemischt? Steve Harris hat natürlich seinen eigenen, "lauten" Stil, aber dennoch wäre hier etwas mehr Zurückhaltung angebracht gewesen. So ist es natürlich schwer, als homogene, gleichberechtigte Band wahrgenommen zu werden, auch wenn Harris das in Interviews immer wieder betont.

Fazit: Wirklich Weltklasse ist kein Stück auf "British Lion". Dennoch ist die Scheibe eine durch und durch sympathische und ehrlich klingende Angelegenheit. Wer Metal will, wird hier nicht fündig, dafür muss man dann schon auf die nächste Platte von iron Maiden warten. Ganz knappe vier Sterne von mir - eigentlich wären wohl eher drei angebracht gewesen, aber aus Sympathie für unseren Mann kann ich mich nicht dazu durchringen. Wer mit solch subjektiven Zuschreibungen nichts anfangen kann, muss einen Punkt abziehen. Besser als vieles, was im Rock-Bereich veröffentlicht wird, bleibt "British Lion" dennoch.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 27, 2013 2:13 PM CET


Hölle: Thriller
Hölle: Thriller
von Will Elliott
  Taschenbuch

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, aber leider nicht ausgereift, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Hölle: Thriller (Taschenbuch)
Das auf Deutsch mit "Hölle" ausgesprochen schlecht betitelte Buch "The Pilo Family Circus" ist das Debüt des australischen Schriftstellers Will Elliott. Für dieses Frühwerk hat sich der Autor mit dem unheimlichen Zirkus / Jahrmarkt ein Thema ausgesucht, das schon öfters künstlerisch aufgearbeitet wurde. Auch dass bösartige Clowns eine wichtige Rolle spielen, ist kein ganz neuer Ansatz. Dennoch schafft es Elliott, Althergebrachtes und eigene Ideen zu einem unterhaltsamen Ganzen zu vermengen. Dass dabei auch der schwarze Humor nicht zu kurz kommt, ist ein weiterer Pluspunkt.

Letztlich gibt es an "Hölle" aber trotz aller Sympathie für Autor und Thema einige schwerwiegende Kritikpunkte. Zunächst fällt an allen Ecken und Enden auf, dass dieses Buch ein Frühwerk des Autors ist. Viele der guten Ideen wirken einfach nicht zu Ende gedacht, es gibt logische Schwächen und auch die Spannung bleibt teilweise auf der Strecke. Ich persönlich hatte beim Lesen den Eindruck, dass es sich hier um eine noch zu überarbeitende Frühversion der Geschichte handelt - man erahnt das Potenzial, aber es hapert einfach an der Umsetzung. Man merkt beispielsweise beim Lesen, dass der Autor den Kampf einer Person gegen die eigene dunkle Seite thematisieren wollte. Ein lobenswerter Ansatz - dem letztlich aber, wie der ganzen Geschichte, die letzte Konsequenz fehlt.

Größtes Problem sind meiner Ansicht nach die Charaktere. Elliott schafft es kaum, ihnen wirklich Leben einzuhauchen. Auch in diesem Bereich bleibt das merkwürdige Gefühl, dass die Figurengestaltung nicht zu Ende gedacht wurde. So kommt es einem beim Lesen ständig vor, dass man kurz davor ist, Sympathie für eine der Figuren zu empfinden, es aber nie ganz dafür reicht. Der letzte, entscheidende Schritt fehlt ganz einfach. Das liegt vermutlich auch daran, dass der Autor für keinen seiner Charaktere eine gute Hintergrundgeschichte vorlegt. Dadurch ist es praktisch unmöglich, ihre Handlungsweisen wirklich zu verstehen, was wiederum zu Problemen in der Logik führt. Verstärkt wird dieses Gefühl der Unzulänglichkeit noch durch die mangelhafte Beschreibung der körperlichen Merkmale und der Umgebung - das passiert zwar, aber nicht in einem Maß, das allen Personen ausreichend Wiedererkennungswert beschert. Letztlich ist es einem am Ende egal, was mit den Hauptpersonen passiert - viel schlimmer kann ein Urteil zu den Charakteren eigentlich kaum ausfallen.

Im Endeffekt bleibt beim Leser nach der Lektüre die große Frage, was das Ganze eigentlich soll. Es fehlen meiner Ansicht nach wesentliche Erklärungen, die Geschichte wirkt isoliert. Wenn man all diese Kritikpunkte zusammen zählt, kann man für "Hölle" eigentlich kaum mehr als zwei Sterne geben. Schade, hier wurden sehr gute Ideen geradezu fahrlässig schlecht verarbeitet. Vielleicht hätte sich der Autor und / oder der Verlag mit der Veröffentlichung zu Gunsten einer weiteren Überarbeitung etwas mehr Zeit lassen sollen.


Bighead: Ein brutaler, obszöner Thriller
Bighead: Ein brutaler, obszöner Thriller
von Edward Lee
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Unglaubliche Brutalität ohne wirkliche Substanz, 18. September 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die Warnung, die der Verlag auf dem Buchrücken ausspricht, kann man durchaus ernst nehmen. "Bighead" ist eine auf rund 250 Seiten verdichtete Darstellung expliziter Gewalt- und Ekelszenen. Dabei geht es sowohl psychisch als auch physisch und sexuell derart zur Sache, dass Zartbesaitete tatsächlich die Finger von diesem Roman lassen sollten - was dankenswerter Weise gleich beim ersten Satz des Prologs klar wird.

"Brutal" und "obszön" (wie von Amazon angepriesen) ist das Buch also in jedem Fall. Eine weitere Zuschreibung ist "verstörend" - dieser Ausdruck trifft den Kern der Sache meiner Ansicht nach nicht so ganz. Edward Lee teilt in diesem Buch mit der ganz groben Kelle aus; das ist zwar erschreckend, aber für "verstörend" fehlt dann doch ein bisschen Subtilität und Substanz. Das ist gleichzeitig auch das generelle Problem, das ich mit "Bighead" habe. Die ganze Gewalt scheint nur auf den Zweck ausgerichtet zu sein, so viele Leute wie möglich um den Schlaf zu bringen. Das ist in diesem Genre zwar grundsätzlich nicht verkehrt, in vorliegendem Werk aber einfach nicht gut genug umgesetzt. Die Story im Hintergrund ist zwar einigermaßen spannend, aber zu oberflächlich und funktioniert daher aus heutiger Sicht maximal als Parodie auf diverse Horror-Filme aus dem "Hinterwäldler-Genre" ("aus heutiger Sicht" weil Edward Lee "Bighead" bereits 1999 geschrieben hat, also einige Zeit vor der Schwemme an solchen Filmen). Das Ende ist schließlich sehr überraschend, aber nicht unbedingt auf positive Art. Es scheint, als ob der Autor zum Schluss die unmenschliche Gewalt, die er in "Bighead" laufend fabriziert, relativieren wollte. Das gelingt im zwar einigermaßen, aber dadurch wirkt das Finale auch arg an den Haaren herbeigezogen. Plötzlich tauchen quasi-religiöse und Mystery-Elemente auf, die so überhaupt nicht zum zwar gewalttätigen, aber auch nüchternen Rest passen wollen.

Aber auch abseits dieser Schwierigkeiten hat das Buch ein großes Problem: Passagen, die im Original in amerikanischem (Südstaaten-?)Slang geschrieben sind. Der Übersetzer hat nämlich versucht, diese Teile auch im Deutschen als Umgangssprache erkennbar zu halten, was durchaus löblich ist. Nur leider scheitert die Übersetzung einmal mehr kläglich und liest sich entsprechend holprig und vor allem unglaublich anstrengend. Dafür kann der Autor natürlich nichts - lästig ist es aber dennoch. Wobei dieses Problem wohl nie zu lösen sein wird, aber das ist eine andere Geschichte.

In der Bewertung reicht es damit nur für zwei Sterne. Man ist einigermaßen von der recht dünnen Hintergrundgeschichte gefesselt und möchte schon wissen wie das Buch ausgeht. Mehr aber auch nicht. Ein zweites Mal wird kaum jemand "Bighead" zur Hand nehmen - es sei denn, um gelegentlich bei diversen brutalen Szenen ein wenig Dampf abzulassen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2012 12:33 PM MEST


Der Club der toten Dichter: Roman
Der Club der toten Dichter: Roman
von N.H. Kleinbaum
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Auf ganzer Linie enttäuschend, 7. September 2012
Was häufig herauskommt, wenn Filme nach exzellenten Buchvorlagen gedreht werden, weiß man. "Der Club der toten Dichter" ist einer der wesentlich selteneren umgekehrten Fälle - den Film gab es zuerst, das Buch erschien danach. Das ändert aber nichts daran, dass das Original, also der hervorragende Film mit Robin Williams, die Nachveröffentlichung, also das Buch von N. H. Kleinbaum, bei weitem übertrifft.

Anzumerken ist zunächst, dass das Buch weit davon entfernt ist, wirklich schlecht zu sein. Es liest sich sogar sehr angenehm und ist - nicht nur durch die niedrige Seitenzahl - auch für ungeübte Leser keine Herausforderung. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten, teilweise sogar zu einfach, was dem filmischen Vorbild so gar nicht entspricht. Worüber man noch hinwegsehen könnte, wenn es nicht ein paar grobe Defizite gäbe.

Kleinbaum scheint sich beim Schreiben des Buches darauf verlassen zu haben, dass die Leser den Film kennen - anders ist es nicht zu erklären, dass auf jegliche Beschreibung der Charaktere verzichtet wird. Das beginnt beim Aussehen der Personen, das höchstens kurz angerissen wird und endet bei völlig fehlenden Eigenschaften, die die Figuren unverwechselbar machen. Im Endeffekt fehlt damit jeglicher Tiefgang, die Personen wirken wie flache Abziehbilder der Filmvorlage. Die Autorin schafft es nicht einmal beim Lehrer, also dem charakterstärksten Element, so etwas wie tiefergehende Sympathie durch den Leser auszulösen. Dass auch nähere Beschreibungen der Schule und der Umgebung fehlen, ist dagegen schon fast verschmerzbar, kommt aber natürlich ebenfalls erschwerend hinzu.

Warum gibt es trotz dieser Kritikpunkte zwei Sterne von mir? Nun, die Geschichte selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Es kommt stellenweise auch im Buch durchaus Spannung auf und gelegentlich fühlt man sogar ein wenig mit den Figuren mit. Wichtig wäre es aber gerade bei diesem Stoff gewesen, dieses Gefühl dauerhaft beim Leser zu erzeugen. Die Personen tragen dramatische Gedichte vor - in solchen Situationen muss einfach auch die Lektüre Emotionen auslösen, genau wie es der Film schafft. Tut sie aber leider nur in ungenügendem Ausmaß, von daher gibt es leider keinen Grund für eine bessere Bewertung.


Chronik des Cthulhu-Mythos I
Chronik des Cthulhu-Mythos I
von H. P. Lovecraft
  Broschiert
Preis: EUR 13,95

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Zusammenstellung, aber Vorsicht beim Lesen der Anmerkungen (Teil I), 6. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Chronik des Cthulhu-Mythos I (Broschiert)
Diese Rezension bezieht sich sowohl auf Band I als auch Band II dieses Werkes und steht folgerichtig bei beiden Teilen. Die zweibändige "Chronik des Cthulhu-Mythos" ist nämlich im Endeffekt nicht voneinander zu trennen und hätte genauso gut in einem Band veröffentlicht werden können. Mit zwei Büchern ist das Ganze aber zumindest etwas handlicher geworden.

Marco Frenschkowski, vom Verlag als "führender deutscher Lovecraft-Experte" bezeichnet, ist eigentlich Theologe und Religionswissenschaftler. Mit "Die Chronik des Cthulhu-Mythos" versucht er, Geschichten von H. P. Lovecraft, die sich mit Dingen wie den "Großen Alten", "Cthulhu" oder dem sagenumwobenen "Necromonicon" beschäftigen, erstmals zu ordnen und gesammelt zu veröffentlichen. Daraus ergibt sich, dass Lovecraft-Fans die meisten - wenn nicht alle - der enthaltenen Texte des Meisters bereits kennen werden; immerhin wurden ja schon reihenweise Sammelbände veröffentlicht und allzu umfangreich ist das Werk des Amerikaners leider ohnehin nicht. Wer sich also nur für die Geschichten selbst interessiert, erhält hier zumindest die Möglichkeit, den "Cthulhu-Mythos" kompakt "unter einem Dach" zu bekommen, ohne mühsam in anderen Bänden nach den Stories suchen zu müssen.

Interessanter, weil so bisher noch nicht vorhanden, sind die Anmerkungen und Kommentare, die Frenschkowski dem Buch selbst und jeder der darin enthaltenen Geschichten voran stellt. Im Vorwort des Buches wird zunächst die Entstehung des von Lovecraft eigentlich nicht so konzipierten "Cthulhu-Mythos" erklärt - eine durchaus interessante und empfehlenswerte Einführung, die auch einen recht guten Eindruck von Lovecraft als Autor liefert.

Die Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten sind im Vergleich dazu teilweise ein zweischneidiges Schwert. Zum einen enthalten sie einige große Spoiler - von daher sollten sie zunächst nur gelesen werden, wenn man die Geschichte, die folgt, ohnehin schon kennt. Lovecraft-Neulinge sollten sich die Vorwörter für später aufheben, um sich nicht die Spannung zu nehmen. Ansonsten zeigt Frenschkowski, dass er seine Hausaufgaben gut gemacht hat. Die Kommentare strotzen vor Querverweisen auf andere Geschichten und Autoren, Briefe von Lovecraft werden ebenso zitiert wie es Anmerkungen zur Publikationsgeschichte einzelner Texte gibt. Auch die näheren Lebensumstände des zu Lebzeiten verkannten Autors werden beleuchtet. Jeder, der ein Interesse an Lovecraft hat, das über die reine Literatur hinausgeht, wird hier bestens bedient. Nebenbei stellt der Experte die Texte des Meisters zum Teil in einen größeren philosophischen, historischen und sozialen Zusammenhang. Dabei klingt einiges zwar etwas weit hergeholt, Denkanstöße werden damit aber dennoch geschaffen.

Eine Warnung zu den Kommentaren möchte ich abschließend noch formulieren - in der Hoffnung, dafür nicht belächelt zu werden. Das gesamte Werk von Lovecraft umgibt aus meiner Sicht eine gewisse mystische Atmosphäre. Mehr noch als sein Vorbild E. A. Poe schafft es der Amerikaner, einen subtilen Grusel einzufangen, der nichts mit Blut und "Ekeleffekten" zu tun hat. Dazu trägt nicht unerheblich bei, dass die Geschichten teilweise wie reale Erfahrungsberichte aufgebaut sind und auch wissenschaftlich anmutende Verweise darin nicht fehlen. Um es kurz zu machen: Wer sich darauf einlässt, bekommt bei Lovecraft oft das ungute Gefühl, dass an seinen Geschichten mehr dran sein könnte, als die Vernunft uns glauben lässt. Was wäre wenn es wirklich ein Necromonicon gäbe? Dieses Gefühl einer unterschwelligen, aber doch irgendwie realen Bedrohung kann dem Leser durch die sehr nüchternen Kommentare und Anmerkungen des deutschen Experten durchaus genommen werden. Wenn man sich davon beeindrucken lässt, geht ein Teil des Zaubers unter Umständen unwiederbringlich verloren. Von diesem Standpunkt aus betrachtet hat Marco Frenschkowski vielleicht mehr erreicht, als er wollte - eine Entzauberung des Mythos dürfte eigentlich nicht in seiner Absicht gelegen haben.

Fünf Sterne gibt es trotzdem von mir. Die Anmerkungen sind gut - es kommt nur drauf an, was man als Leser draus macht. Und die Stories, die H. P. Lovecraft geschaffen hat, sind so oder so über jeden Zweifel erhaben. Auch wenn es ein paar Ausreißer gibt, ist sein Werk doch überdurchschnittlich und begeistert zumindest mich immer wieder aufs Neue.


Gott bewahre
Gott bewahre
von John Niven
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gutes Buch, schwache Charaktere, 5. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Gott bewahre (Gebundene Ausgabe)
John Niven ist ein Autor, der nicht gerade zimperlich ist - bestens nachzulesen in Werken wie "Kill Your Friends". Kein Wunder also, dass er sich auch in "Gott Bewahre" (im Original: "The Second Coming") einer eher deftigen Sprache bedient. Insbesondere im Himmel lässt Niven seine Figuren fluchen, das allzu christlich eingestellten Lesern Hören und Sehen vergeht. Insbesondere der Allmächtige persönlich nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Auch die generellen Zustände im Paradies sind ganz anders beschrieben, als sich das der Sonntagschrist so vorstellt...

Daran ist schon der erste Ansatz, den der Autor mit "Gott Bewahre" verfolgt, zu erkennen. Das Buch ist zunächst eine auf humorvolle Art vorgebrachte Kritik an institutionalisierter Religion. Vornehmlich bekommt das Christentum sein Fett weg, aber auch andere Weltreligionen werden angesprochen, wenn auch nicht so prominent. Nun ist dieser Angriff speziell auf "westliche", fundamentalistische Christen durchaus begrüßenswert - offenbart aber gleichzeitig, dass der Autor selbst auch christlich geprägt ist. Das im Christentum gültige Religionsmodell mit Himmel und Hölle, Gott, Jesus, Engeln und Heiligen, wird übernommen, allerdings in einer angenehm modifizierten Variante, die das Paradies wesentlich freundlicher und lockerer erscheinen lässt, als es die reale Amtskirche vermag. Zumindest kritisch hinterfragen kann man dennoch, wieso ausgerechnet der christliche Gott für Niven der "richtige" zu sein scheint.

Der zweite Ansatz, der in "Gott Bewahre" verarbeitet wird, ist im Vergleich dazu sehr weltlich orientiert und hat - wie könnte es bei John Niven anders sein - viel mit Musik zu tun. Insbesondere das Übel der Castingshows und der damit einhergehenden, raffgierigen und seelenlosen Industrie kritisiert der Autor hart und vehement. Lesern, die diesen Freakshows ohnehin kritisch gegenüber stehen liefert Niven damit zumindest Bestätigung, auch wenn wirklich neue Gegenargumente ausbleiben. Aber zumindest könnte das Buch einem Teil des breiten Publikums, das weiterhin nicht genug von "DSDS" & Co bekommen kann, die Augen öffnen. Das bleibt aber vermutlich ein Wunschtraum... Übrigens gibt es in diesem Part des Buches ein Wiedersehen mit Steven Stelfox, den aufmerksame Leser aus Nivens "Kill Your Friends" in lebhafter Erinnerung haben dürften.

Die Bewertung von "Gott Bewahre" fällt gar nicht so leicht. Rein thematisch ist das Buch natürlich zu begrüßen. Zwei große Missstände der menschlichen Gesellschaft - ein sehr alter und ein topaktueller - werden hier auf leicht lesbare, durchaus unterhaltsame Art abgehandelt. Dass neue Argumente, die in einer Diskussion vorgebracht werden könnten, fehlen, ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Wieso oben nur drei Sterne stehen hat einen anderen Grund: John Niven schafft es leider nicht, seinen Figuren wirkliche Tiefe zu verleihen. Im Gegenteil, alle Personen wirken sehr klischeehaft und verhalten sich großteils auch so. Hintergrundinformationen über die Charaktere erhält man nur sehr spärlich, alles bleibt somit sehr flach. In diesem Bereich wäre sicher um einiges mehr drin gewesen. Ein schlechtes Buch ist "Gott Bewahre" keineswegs - nur eines, das für meinen Geschmack nicht ganz zu Ende gedacht wurde.


Thunder In The Sky
Thunder In The Sky
Preis: EUR 14,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mittelprächtiges Appetithäppchen, 24. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Thunder In The Sky (Audio CD)
Die Manowar-EP "Thunder In The Sky" (2009) war als Appetithäppchen für den Nachfolger von "Gods Of War" (2007) und Teil einer größeren Geschichte über die nordische Mythologie gedacht. Dass es danach ein wenig anders kam, das Konzept der "Asgard-Saga" im Endeffekt ausgesetzt wurde und "The Lord Of Steel" (nicht Teil des Konzeptes) erst 2012 erschien, ist mittlerweile in den Nimbus unrühmlicher Manowar-Legenden aufgenommen worden.

Wie dem auch sei, es zählt die Musik. Und davon bietet "Thunder In The Sky" mit viel gutem Willen gerade noch das für eine EP übliche Maß; wobei nur fünf der sechs enthaltenen Stücke neu sind. Zusätzlich zum frischen Stoff gibt es eine Neueinspielung von "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)", die sogenannte "Metal Version" dieses Klassikers. Ob man das unbedingt gebraucht hätte, sei dahin gestellt - der Song ist an sich natürlich über jeden Zweifel erhaben und klingt auf dieser EP jedenfalls sehr kräftig und gut gemixt. Insbesondere die leise Hintergrunduntermalung finde ich in dieser Version qualitativ besser. "Metal" ist darin allerdings nach wie vor nicht viel enthalten, nur ganz zum Schluss werden Gitarre, Bass und Schlagzeug ausgepackt. Essentiell ist das alles nicht, aber immerhin auch keine Verschandelung dieses großartigen Stücks.

Außerdem enthält "Tunder In The Sky" eine Art Bonus-CD, auf der man die neue Ballade "Father" in 15 verschiedenen Versionen darbietet - jede davon in einer anderen Sprache, darunter auch deutsch. Was bei "Herz aus Stahl" noch als nette Geste durchging, wirkt hier ziemlich albern, einfach weil "Vater" nicht die gleiche musikalische Qualität aufweist, sondern eher in Richtung Schlager tendiert. Man soll und muss natürlich auch Fans aus anderssprachigen Ländern ihren eigenen Manowar-Song gönnen, es würde mich aber schon interessieren, was die jeweiligen Native-Speaker von "ihrer" Version halten. "Vater" jedenfalls weckt bei mir - auch aufgrund der soften musikalischen Ausrichtung - Erinnerungen an das schauderhafte "Wir zwei allein heut' Nacht" von David Hasselhoff. Besser, man bleibt beim englischen Original, dann geben die Texte zumindest nicht dermaßen viel Anlass zum Stirnrunzeln.

Von den übrigen vier Songs auf "Thunder In The Sky" sind immerhin drei in Ordnung, wenn auch nicht in der allerhöchsten Güteklasse, die man von Manowar kennt. Am stärksten ist in meinen Ohren "Die For Honor". Der Song ist im Midtempo-Bereich angesiedelt und erinnert ein wenig an "Call To Arms". Keine schlechte Referenz - und nach zwei oder drei Durchgängen hat sich das Stück dann auch im Hirn festgesetzt. Der Titeltrack ist hingegen eine schnellere Nummer mit den üblichen leisen Zwischentönen. Gar nicht so schlecht, wenn auch ein wenig die Spielfreude abzugehen scheint. Gleiches gilt für den hymnischen Abschluss "God Or Man", der dafür aber typisches Manowar-Feeling bietet, auch wenn man dabei irgendwie an schon tausend Mal gehörte Floskeln denkt. Schließlich gibt es noch das rockige "Let The Gods Decide", ein schlicht und ergreifend als "unauffällig" zu bezeichnender Track. Diese Stück ist eher Rock als Metal - wenn die einzigartige Stimme von Eric Adams (hier leicht verfremdet) und der Text aus dem Manowar-Baukasten nicht wären, würde man das Lied kaum den "Kings Of Metal" zuordnen. Zündet auch nach mehrmaligem Hören nicht so richtig und bestitzt einfach keine Substanz.

Fazit: Auch als eingefleischter Fan der "Kings Of Metal" kann man dieser EP kaum die Höchstwertung geben. Bezeichnend, dass der beste Track darauf ausgerechnet ein Stück ist, das bereits 1988 erstmals erschienen ist... Ansonsten bietet "Thunder In The Sky" großteils durchschnittliche Kost. für Manowar-Verhältnisse ist das viel zu wenig. Von daher gibt es nur zwei Sterne von mir. Fast wären es drei gewesen, aber da wäre dann doch ein bisschen zu sehr der Wunsch Vater des Gedanken gewesen. Ich will die Outputs von Manowar ja mögen - ich bin einfach nach wie vor zu großer Fan dieser Truppe... Doppelt schade.


The Triumph of Steel
The Triumph of Steel
Preis: EUR 7,97

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Manowar auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, 21. August 2012
Rezension bezieht sich auf: The Triumph of Steel (Audio CD)
Auf "Gods Of War", dem 2007er Werk der True Metal-Legende Manowar ging die Kombination aus Klassik, Hörspiel und Metal nicht so richtig auf. Da half auch die ganze Schönfärberei eines immer exzentrischeren Joey DeMaio nichts. Dabei hat der Bassist mit seiner Truppe bereits anno 1992 gezeigt, dass er es eigentlich besser beherrscht, eine Art Hörspiel zu schaffen. Gleich der Opener von "The Triumph Of Steel" lässt nämlich die Münder offen stehen: "Achilles, Agony And Ecstasy (In Eight Parts)", von DeMaio im Alleingang komponiert, ist eine über 28 Minuten (!) dauernde Achterbahnfahrt durch Teile von Homers "Ilias". Das Stück ist insgesamt wesentlich metallischer umgesetzt, als das pseudo-klassische Material auf "Gods Of War", und damit potentiell besser hörbar. Die Songstruktur ist sehr komplex - was zwangsläufig nicht jedem Metaller gefallen wird, auch wenn der berühmte "rote Faden" gut erkennbar ist. Zwischendurch gibt es (zur Auflockerung?) immer wieder Parts, die auch Anhänger des True Metal begeistern können. Generell ist ein solcher Opener natürlich gewöhnungsbedürftig - wer mit der außergewöhnlichen Länge und komplexen Struktur nicht klarkommt oder einfach gerade nicht in der richtigen Stimmung ist, kann aber damit gleich anfangs zur Skip-Taste greifen und die restliche Platte genießen. Gelegentlich kann man sich "Achilles..." ganz gut anhören - ich persönlich gebe aber zu, das Ding meist zu überspringen, einfach weil ich zu selten die Geduld habe, 28 Minuten am Stück zu hören.

Auf diesen Koloss folgt ausgezeichneter Manowar-Stoff mit allen Trademarks, die man von dieser Band erwartet und schätzt. Den Anfang macht "Metal Warriors (Brothers Of Metal Pt. I)", die ultimative Kampfansage an alle "Whimps and Posers", wer auch immer die sein mögen. Der Text ist ein einziges Klischee, Eric Adams brüllt sich die Seele aus dem Leib - was will man mehr. Darauf folgt eines der schnellsten Manowar-Stücke überhaupt. "Ride The Dragon" wird eingeleitet von leider etwas zu langem Drachengebrüll, danach folgt der "gedoppelte" Gesang, der auf diesem Album öfters eingesetzt wird. Gefällt mir ausgezeichnet, trotz oder gerade wegen der Einfachheit der Nummer. Düsterer geht es in den beiden darauf folgenden Stücken zu. "Spirit Horse Of The Cherokee" erzählt - wie der Titel schon vermuten lässt - eine Geschichte über die Indianer eben dieses Stammes. Musikalisch wird das eher als Midtempo-Stampfer sehr effektiv umgesetzt. Ähnlich ist es bei "Burning", das durch einen gewissen Mystery-Touch zu überzeugen weiß. Danach kommt mit "The Power Of Thy Sword" wieder eine typische, schnelle Manowar-Hymne mit allerlei "Blood", "Battle" und "Honor" im Text. Für mich eine der besten Nummern der "Kings Of Metal" überhaupt. Insbesondere der Refrain und der aggressiven Gesangseinsatz nach dem leisen Zwischenteil verursachen Gänsehaut. Nach diesem schnellen Stück wird es zum Schluss nochmals bedächtiger. Wobei "bedächtig" ein falsches Wort für "The Demon's Whip" ist - das Stück lebt von seiner düsteren Atmosphäer und den immer wieder aggressiv einsetzenden Instrumenten, am Ende klingt das Ganze mit einem wilden Doublebass-Ritt aus. Das einzige wirklich ruhige Stück haben Manowar ganz ans Ende der Platte gestellt: "Master Of The Wind" ist wohl die "leiseste" aller Balladen der Truppe - und allen neueren Versuchen dieser Art deutlich überlegen. Lediglich "Heart Of Steel" von der Vorgängerscheibe kann hier mithalten. "Master Of The Wind" ist ein wunderschöner Titel, der vor allem durch den herausragenden Gesang von Eric Adams noch mal aufgewertet wird. Klebriger Kitsch und übertriebener Pathos fehlen hier völlig, dafür ist Gänsehautstimmung garantiert.

Fazit: Für "The Triumph Of Steel" kann es aus meiner Sicht nur die Höchstpunktezahl geben - egal, was man vom sperrigen Opener hält. An keinem der anderen Stücke gibt es meiner Ansicht nach etwas auszusetzen. Ich denke, man kann bei diesem Album mit Fug und Recht von einer der besten Manowar-Platten überhaupt sprechen. Diese geballte Meisterschaft, speziell auch in den kürzeren, Band-typischen Nummern, sollte die Truppe später nur noch in einzelnen Songs erreichen.


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