Profil für Stefan T. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Stefan T.
Top-Rezensenten Rang: 965
Hilfreiche Bewertungen: 2903

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
The Lost Crown
The Lost Crown

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nettes Spiel für frustresistente Abenteurer, 21. Februar 2013
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: The Lost Crown (CD-ROM)
"The Lost Crown" erzeugt ein ganz eigenes Spielgefühl - und das gleich auf mehreren Ebenen. Zunächst zum Offensichtlichen: Die Grafik ist großartig. Die Hintergrundbilder bestehen großteils aus schwarz/weiß-Fotos mit einzelnen Farbtupfern. Sie sind allerdings nicht komplett statisch, sondern sparsam animiert (Wettereffekte, Vögel, Insekten u. ä.). Durch diese Bilder wird eine düstere Atmosphäre geschaffen, die alten Schauerromanen ähnelt und erfrischend vom üblichen Effekt-Overkill abweicht. Unterstrichen wird das von einem grandiosen Soundtrack. Die Musik wird gut und sehr passend eingesetzt, die Soundeffekte sind brillant und unheimlich.

Allerdings gibt es an der Präsentation auch etwas auszusetzen. So gut die Hintergrundgrafiken sind, so schwach sind die Animationen der eigenen Spielfigur. Mimik und Gestik sind nicht vorhanden und alle Bewegungen sind abgehackt. Jeder Schritt würde in einem anderen Spiel als "Clipping-Fehler" bezeichnet werden. Auch beim Sound geht es nicht problemlos zu: Die Synchronisation der Charaktere ist stellenweise sehr gut, andernorts zumindest verbesserungswürdig. Zwar wurden die Sprecher passend gewählt, allerdings werden viele Dialoge mit zu wenigen oder unpassenden Emotionen wiedergegeben. Hier weiß ich allerdings nicht, wie das Ganze auf Englisch klingt - vermutlich wesentlich besser...

Schlimmer als diese Äußerlichkeiten (ich würde deshalb keinen Punkt abziehen) sind allerdings Mängel in der Bedienung. Grundsätzlich bin ich ein "altmodischer" Spieler, der mit Adventures á lá "Maniac Mansion" aufgewachsen ist. Von daher brauche ich keinen Schnickschnack wie Hotspot-Anzeige - dennoch ist der Fortschritt nicht immer etwas Schlechtes. In "The Lost Crown" vermisst man beispielsweise schmerzlich die Option, Dialoge abzubrechen. Ein falscher Klick auf eine bereits gestellte Frage und man muss sich im schlimmsten Fall ein minutenlanges Gespräch ein zweites Mal anhören, ohne etwas dagegen tun zu können - ärgerlich. Hinzu kommt, dass es in vielen Situationen keineswegs klar ist, was man als nächstes machen soll. Problematisch, weil man Locations oft erst verlassen kann, wenn alle Aufgaben erledigt sind; wenn es denn nur Aufgaben wären - aber die Spielfigur muss jeden einzelnen, klickbaren Punkt auf dem Bildschirm bemerken und "benutzen" bzw. "ansehen". Und das oft mehrmals - andernfalls geht es einfach nicht weiter. Wenn man hier irgend etwas übersieht, muss man Räume oft mehrfach durchsuchen und per Maus "scannen". Frustrierend - auch weil man die Spielfigur im Endeffekt nur beim Verlassen des Bildschirmes überhaupt bewegen kann - freies Hin- und Hergehen ist nicht möglich. So passiert es bisweilen, dass der Geisterjäger einen wichtigen Gegenstand verdeckt. Die Komplettlösung wird damit - leider - zum ständigen Begleiter. Es gibt einfach zu viele Details, die man aufgrund der technischen Unzulänglichkeiten übersehen kann. Auch das Gehen selbst offenbart übrigens ein Problem: Die Bewegung ist meist quälend langsam, lediglich das Verlassen eines Bildschirms geht per Doppelklick etwas schneller. A pro pos langsam: Das öffnen des Menüs und von einzelnen Menüpunkten (viele gibt es ohnehin nicht) braucht verhältnismäßig viel Zeit. Da kann man schonmal die Geduld verlieren... Bei den Optionen gibt man sich generell altmodisch. Im Menü lassen sich die Untertitel ein- und ausschalten, mehr Funktionen gibt es nicht. Auflösung ändern? Lautstärke anpassen? Fehlanzeige, auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich nicht justieren. Benutzerfreundlich geht jedenfalls anders und man kann sich gut vorstellen, dass allein aufgrund dieser Schwierigkeiten viele potentiell interessierte Abenteurer das Spiel frustriert in die Ecke feuern.

Das Herzstück eines Adventures ist aber die Story. Wer es schafft, über die technischen Unzulänglichkeiten hinweg zu sehen, wird in "The Lost Crown" mit einer guten Geschichte und echtem Gänsehaut-Feeling belohnt. Es gibt wirkliche Schockmomente, diese werden aber dosiert eingesetzt. Erinnert an altmodische Schauerromane und ist weit von irgendwelchen Blut- und Ekeleffekten entfernt. Erzählerisch also alles im grünen Bereich? Leider nicht wirklich. Die Story ist zwar gut aber erschien mir stellenweise etwas wirr. Es ist definitiv von Vorteil, wenn man die quasi-Vorgänger "Dark Fall: The Journal" bzw. "Dark Fall 2: Lights Out" kennt. Wer das nicht tut, wird sich an vielen Stellen über die Reaktionen der Charaktere wundern und auch mit dem nicht gerade berauschenden Ende nicht allzu viel anfangen können.

Fazit: "The Lost Crown" ist einer dieser Fälle, in denen eine gute Idee an der Umsetzung scheitert. Nicht komplett, aber doch so sehr, dass es maximal für drei Sterne reicht. Die Geschichte ist gut, die Grafik ist gut, der Sound ist gut - aber an diesem Spiel merkt man sehr stark, dass die Bedienung und die Technik eben doch eine größere Rolle spielen, als man sich oft selber eingestehen möchte. Wer damit umgehen kann und auch kein Problem damit hat, Bildschirme akribisch abzusuchen, erhält ein gutes Spiel. Alle anderen werden entweder durchhalten, weil sie wirklich wissen wollen, wohin die Story führt - oder das Spiel nach wenigen Stunden entnervt aufgeben.


Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer, mit Schatulle
Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer, mit Schatulle

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einmal knapp 1.000 Euro investiert und man hat (fast) keine Probleme mehr, 11. Februar 2013
Es klingt nahezu unglaublich, ist aber die Wahrheit: Für die durchaus leistbare Investition von aktuell 997,50 Euro erhält man hier einen universalen Problemlöser. Mit Schatulle (!). Das erste Aha-Erlebnis gibt es bereits bei der Lieferung. Dank integriertem Flux-Kompensator erhält man das Wenger Giant bereits eine Woche vor (!) der Bestellung. Das ist eine neue Definition schweizerischer Pünktlichkeit und legt die Latte für andere Hersteller von Wundergeräten unglaublich hoch. Dadurch eventuell entstehende, temporale Paradoxien werden übrigens selbständig korrigiert. Wie das funktioniert? Nun, ein eingebauter Phasenkorrelator versetzt kurzerhand die gesamte Erde in eine andere Dimension, in der das Paradoxon nie stattgefunden hat. Die Technik macht's möglich. Leider funktionieren diese Dinge nur bei der Lieferung und werden dann automatisch deaktiviert. Weitere Manipulationen der Zeitlinie sind mit dem Wenger also nicht möglich, aber bei den vielen praktischen Tools auch nicht nötig.

Ist das Messer dann angekommen und hat sich selbständig seiner Verpackung entledigt, wird es Zeit die Betriebsanleitung zu studieren. In bestem Schwyzerdütsch werden sämtliche Funktionen auf 345.307 Seiten erklärt. Man mag kaum glauben, dass eine so dünne Anleitung ausreicht, aber es ist tatsächlich so. Sobald man sich mit den grundlegenden Funktionen vertraut gemacht hat, kann es auch schon losgehen. Aufgrund der unglaublichen Vielzahl an praktischen Tools, die selbstredend allesamt sehr wichtig sind, müssen nähere Beschreibungen im Rahmen einer Rezension leider ausbleiben. Es reicht zu sagen, dass es kein einziges überflüssiges Werkzeug in und an diesem Gerät gibt. Das führt soweit, dass man tatsächlich fast jede einzelne Situation des täglichen Lebens damit meistern kann und das Wenger Giant nicht mehr missen möchte.

Wieso gibt es für dieses Wunderwerk der Technik dann nicht die volle Punktzahl? Ganz einfach, es besteht stellenweise noch Nachbesserungsbedarf. Beispielsweise fehlt eine Übersetzung der an sich sehr guten Betriebsanleitung. Merkwürdigerweise ist ein Wörterbuch ins Wenger integriert (Tool #1988), die Anleitung lässt sich damit aber nicht aus dem Schwyzerdütsch übersetzen. Ein weiteres Problem betrifft Software-Updates. Trotz eingebauter WLAN-Verbindung hängt sich das Messer beim Update jedes Mal auf. Im wahrsten Sinne des Wortes - und ohne Wenger den Strick durchzuschneiden, ist fast unmöglich, wenn man einmal dieses tolle Gerät gewohnt ist.

Die genannten Punkte würden aber keine Abzug rechtfertigen. Folgendes aber schon: Tool #999, die vollautomatisierte Bierbrauerei, liefert nur Schweizer Biersorten. Noch dazu kann sie nicht zeitgleich mit dem aufblasbaren U-Boot (Tool #764), der Atomraketen-Abwehr (# 8393) und dem Kletterturm (# 855) verwendet werden - soll das ein Feature oder ein Bug sein? Hier muss nachgearbeitet werden, dann gibt's auch die vollen Punkte. Achja, außerdem ist die normale Klinge (Tool #1) völlig schartig, wenn man versucht, damit Stahlbeton zu schneiden. Und zwar schon nach ca. 1000 Schnitten. Untragbar - genauso wie die fehlende Nachhaltigkeit. Zur Energieversorgung wurde zwar ein Atomreaktor (Tool #1334) installiert, aber Wasser-, Wind- und Solarbetrieb sind nach wie vor nicht möglich. Und warum kann man - wie bereits in anderen Rezensionen bemängelt - Nagelfeile und Teilchenbeschleuniger nach wie vor nicht zeitgleich ausklappen? Das geht auf jeden Fall besser...


Thunder Rider (Limited Edition CD + DVD inkl. Bonustrack)
Thunder Rider (Limited Edition CD + DVD inkl. Bonustrack)
Preis: EUR 17,78

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Majestätischer Metal klingt anders, 25. Januar 2013
Majesty aus Deutschland habe ich mit dem quasi-Debüt "Sword And Sorcery" (2002) eigentlich in positiver Erinnerung. Das lag nicht nur an der Mitwirkung von Manowar-Legende Ross "The Boss" Friedman, sondern auch an der unbekümmerten Herangehensweise an die typischen True Metal-Themen. Danach verlor ich die Band völlig aus den Augen - weder die Umbenennnung in MetalForce noch die Rückbenennnung in Majesty bekam ich mit. Dementsprechend groß war meine Überraschung, als ich von der Veröffentlichung von "Thunder Rider" erfuhr; mir war tatsächlich nicht klar, dass die Band noch/wieder existiert.

2013 gibt es nun also die Reunion-/Comeback-Scheibe. Und die ist leider ganz und gar nicht so gut ausgefallen, wie ich nach Anhören des Titeltracks voller Vorfreude gehofft habe. Es ist natürlich schwierig, den auf kauzige Art sympathischen Kriegern eine schwache Bewertung zu geben, aber "Thunder Rider" kommt als Gesamtwerk nicht über den unteren Durchschnitt hinaus. Dabei geht es eigentlich gut los. Der eröffnende Titeltrack ist tatsächlich sehr gut, ein klassischer True Metal-Song, eingängig, melodiös und schön zum Mitsingen geeignet. Vom alten "Underground-Feeling" (was auch immer das ist...) ist zwar nicht mehr viel übrig, aber trotzdem: Ein gutes Stück, das auf jeder Metal-Party ohne Bedenken gespielt werden kann. Auch das darauf folgende, sehr schnelle "Warlords Of The Sea" geht in Ordnung. Zumindest musikalisch - lyrisch gibt es mit "Ship ahoi!"-Rufen (die schon auf Running Wilds "Under Jolly Roger" peinlich waren) erstmals auf diesem Album wirklich etwas zu lachen. "Anthem Of Glory" ist auch ok, rockiges Midtempo und Text erinnern hier wieder stark an die ewigen Vorbilder von Manowar. Deren (frühere) Klasse wird zwar bei weitem nicht erreicht, aber der Song ist immerhin brauchbar.

Nach diesem Eröffnungstrio geht es leider steil bergab. "Make Some Noise" passt als lupenreiner Rocksong imagemäßig nicht wirklich zu Majesty, ist aber auch ansonsten vollkommen belanglos. Könnte in der Form auch von Bon Jovi stammen - und sogar dort würde es nichtmal für die lahmen Platten der Neuzeit reichen. "Metalliator" bedient sich textmäßig insbesondere bei Judas Priest-Großtaten der 1980er, aber auch hier gilt: Eine gute Verbeugung vorm Original geht anders, speziell mit dem penetranten Refrain übertreibt es die Truppe von Tarek "MS" Maghary völlig. A pro pos penetranter Refrain: Exakt das gleiche gilt für "New Era". Ja, das ist sehr eingängig, aber nicht auf Metal- sondern eher auf Schlagerart. Für eine Band, zu deren Wahlsprüchen "Keep it true" gehört(e) ist das geradezu grotesk. Wenn das die neue Ära von Majesty sein soll, hat die Band wohl bald wirklich fertig. Ganz starke Nerven braucht man schließlich bei "Asteria". Ja, "Aria Of Bravery" war irgendwie kitschig, aber trotzdem ein durchdachter und erhabener Song. "Asteria" ist... keine Ahnung. Peinlich? Klischeehaft? Kitschig-übertrieben? Klebrig? Pathostriefend bis jenseits der Schmerzgrenze? Egal, "Totalausfall" trifft es am besten. Hmm... was gibt es sonst noch? "Raise The Beast", "Rebellion Of Steel", "Metal Union" - die Songtitel deuten bereits an, wohin die Reise geht. Teilweise ist das Songwriting bei diesen Stücken ausgesprochen dreist von Manowar "inspiriert". Nur leider nicht so gut, wie es Joey DeMaio früher mal hinbekommen hat - und noch dazu von einem, mit Verlaub, wesentlich schwächeren Sänger getragen, was man besonders bei den balladesken Teilen und dem Versuch, "Adams-Schreie" nachzuahmen merkt. Einzig der Bonustrack "Young And Free" geht im hinteren Teil des Albums als brauchbarer Uptempo-Rocker in Ordnung.

Noch ein Wort zu den Texten: Jep, es ist gelegentlich zum Fremdschämen. Aber so ist das halt im True Metal - wobei derartige "Kaliber" eigentlich nur Manowar und eben Majesty liefern. So ist es dann kein Wunder, wenn man als Metal-Fan belächelt wird. Spielt aber im Prinzip keine große Rolle, wer Majesty kauft, weiß ja, welche Texte er bekommt. Damit kein wirklicher Grund zur Kritik, sondern nur die nüchterne Feststellung, dass man sich wie Manowar in eine Ecke manövriert hat, aus der es kaum noch ein Entkommen gibt. Sollte der Band mal die Lust auf "Steel", "Fight" und "Sword" vergehen oder es keine neuen Kombinationen dieser Wörter mehr geben, wird es schwierig.

Fazit: Schade, aber "Thunder Rider" ist beim besten Willen nicht so gut geworden, wie man es sich als dieser Band eigentlich wohlwollend gegenüber stehender Zuhörer gewünscht hätte. Zu lasch, dazu sich ständig wiederholende Phrasen - das reicht heute einfach nicht mehr. Großzügige zwei Sterne für die paar brauchbaren Songs, den Rest kann man sich anhören, muss man aber definitiv nicht.


Game of Thrones - Die komplette zweite Staffel [5 DVDs]
Game of Thrones - Die komplette zweite Staffel [5 DVDs]
DVD ~ Lena Headey
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 40,11

47 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht so stark wie Staffel 1, 24. Januar 2013
Generell ist den Produktionsverantwortlichen David Benioff und D. B. Weiss mit der Serie "Game Of Thrones" ein großer Wurf gelungen. Staffel 1 war - aus meiner Sicht - eine nahezu perfekte Umsetzung der Buchvorlage. Auch für Staffel 2 (nicht "A Clash Of Kings" wie das zweite Buch, sondern wohl aus Merchandise-Gründen ebenfalls "Game Of Thrones") gilt: Sowohl Schauspieler als auch Drehbuch stimmen. Kulissen und Effekte sind für eine TV-Produktion mehr als in Ordnung. Das im Vergleich zu Hollywood-Blockbustern wesentlich niedrigere Budget ist zwar stellenweise stark merkbar, wird aber durch die gute persönliche Leistung aller Beteiligten nahezu ausgeglichen. Das Drehbuch ist "global", also über die ganze Staffel gesehen, großteils in Ordnung und so, wie man es nach Staffel 1 erwartet. Insbesondere für die Rollen von Tyrion und Tywin Lannister sowie für Lord Varys und Petyr Baelish wurden wieder einige echte Dialogklassiker geschrieben.

Leider gelingt es dennoch nicht ganz, an den grandiosen Vorgänger anzuschließen. Zunächst zeigt sich nun deutlicher, dass eine dermaßen komplexe Romanvorlage schwerlich in einer einzigen Staffel von 10 jeweils ca. einstündigen Folgen abgehandelt werden kann. Den Verantwortlichen gelingt meiner Ansicht nach der Spagat zwischen Charakterentwicklung und Vorantreiben der Story nur bedingt. Ersteres funktioniert hauptsächlich über lange Dialoge - denen zu lauschen ist allerdings kein so großes Vergnügen mehr, wie noch in Staffel 1. Vieles was besprochen wird, ging in der ersten Staffel noch locker von der Hand, wirkt nun aber verkrampft und langatmig. Das zieht sich über mehrere Folgen, in denen bis auf lange Gespräche nicht viel passiert - gab es wie gesagt auch schon im Vorgänger und entspricht durchaus dem Buch, wurde aber einfach nicht gut genug umgesetzt; wozu auch die alles andere als perfekte Synchronisation beiträgt.

Die Handlung selbst schreitet eher gemächlich voran. Auch das ist im Buch ähnlich, der Serie gelingt es aber nicht wirklich, den Zuseher bei der Stange zu halten. Hier wäre eine bessere Balance und vor allem auch mehr Zeit, als in zehn Folgen zur Verfügung steht, notwendig gewesen. Massenszenen, wie sie im Buch vorkommen, bleiben übrigens großteils aus - hier spürt man das geringe Budget, das offenbar einen Mangel an Statisten nach sich zieht, besonders deutlich. Problematisch für Fans von George R. R. Martin könnten wiederum einige Änderungen im Vergleich zum Roman sein. Diese fallen diesmal noch stärker aus. Eine Auflistung grober Abweichungen ist ohne Spoiler nicht möglich - es reicht zu sagen, dass es viele sind. Allerdings muss auch jedem klar sein, dass einige dramaturgische Anpassung für das Medium der Fernsehserie notwendig sind - die dahinter liegenden Absichten zeigen sich ohnehin erst im weiteren Verlauf der Serie. Sklavisch der Handlung des Buches zu folgen ist in der selbst auferlegten Kürze ohnehin nicht möglich.

Fazit: "Game Of Thrones", Staffel 2 kann die Erwartungen, die nach der ersten Staffel sehr hoch waren, nur bedingt erfüllen. Es gibt vor allem im Mitteldrittel der Staffel viele ärgerliche Längen und einiges an Langeweile zu ertragen - darüber können weder die erneut gute Besetzung noch die tolle Atmosphäre hinwegtäuschen. Immerhin ist das Finale sehr gut gelungen und entschädigt für vieles. Alles in allem müssen aber drei Sterne reichen - vor allem auch in Hinblick auf den grandiosen Serienauftakt.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 27, 2013 2:28 PM CET


Turn Off the World
Turn Off the World
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frisch, unverbraucht - klare Kaufempfehlung, 21. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Turn Off the World (Audio CD)
Was mit der potenziell kultverdächtigen Zeile "Eins - zwei - drei - vier / The Very End is here!" (!) beginnt und noch besser mit "Fünf - sechs - sieben - acht / Wir haben es kaputt gemacht!" (!!) weitergeht, ist eine der erfrischendsten Melodic Death Metal-Platten die es zum Zeitpunkt dieser Rezension zu kaufen gibt. Wenn der Gesang jemandem bekannt vorkommt: Ja, hier ist tatsächlich Björn Gooßes von den stilistisch ähnlich angesiedelten Night In Gales am Werk. The Very End bestehen seit 2004, "Turn Off The World" ist ihr drittes und bis dato stärkstes Album. Die Band schafft es hier tatsächlich, Melodie und brutales Death- und Thrash-Riffing perfekt unter einen Hut zu bringen. Unterlegt ist das Ganze - je nach Song und Stimmung mit Brüll- oder klarem Gesang. Entsprechend abwechslungsreich kommen die elf Songs aus den Boxen.

Mit "Splinters" geht es rasant los - eine gut gewählte Eröffnung, die allein durch die Eingangs erwähnten deutsch-englischen Textzeilen eine ganz eigene Note erhält. Das folgende "Iron Sky" ist dagegen eher hymnisch angelegt, danach gibt es in "Infidels" erstmals fast durchgängig Klargesang zu hören. Auf diese Art geht es weiter - die beste Nummer ist das abwechslungsreiche "The Black Fix". Hier wird wüstes Gebrüll geboten, es gibt Children of Bodom-artige Gitarrenharmonien, wechselnde Geschwindigkeit und mit Klargesang unterlegte, semi-akustische Einschübe. Und das alles auf nicht ganz vier Minuten komprimiert ohne hektisch und unüberlegt zu wirken. Einfach ein sehr guter Song. Danach folgt mit "Maelstrom Calling" eine der besten Balladen, die es in diesem Genre in letzter Zeit zu hören gab - auch hier zeigt die Band, wie abwechslungsreich und kompositorisch reif sie vorgehen kann; und wie viele Emotionen die eigenwillige Stimme von Gooßes eigentlich tragen kann. Auch das in der Albummitte auf Position 6 platzierte, teilweise doomige, irgendwie gequälte "Sixes And Nines" funktioniert meiner Ansicht nach gut, braucht aber diverse Durchläufe um zu zünden.

In der zweiten Albumhälfte ist "Turn Off The World" dann nicht mehr ganz so stark. "The Last Mile" ist noch gut, dann folgen mit "Dreadnought" und "Gravity" aber zwei Songs, die man auch nach mehreren Durchgängen nur als mittelprächtig bezeichnen kann. Wobei man zumindest die Gitarrenarbeit hervorheben muss - die Soloparts und doppelläufigen Harmonien sind in allen Stücken super. Aber am Songwriting hapert es bei den beiden genannten Songs etwas - was allerdings Kritik auf hohem Niveau ist.

Mit dem schnellen, harten "Orphans Of Emptiness" und dem fast schon lässig rockenden "To Feed And Hope" gibt es dann noch einen versöhnlichen Abschluss für eine Platte, die aufgrund ihrer Frische und Unbekümmertheit die Höchstwertung verdient hat. Jeder, der alte In Flames, Dark Tranquility, Soilwork und - natürlich - Night In Gales zu seinen Favoriten zählt, kann bedenkenlos zuhören. Auch Knüppel-Thrash der Marke Legion Of The Damned klingt stellenweise durch. Aufgrund der Instrumentalarbeit könnte "Turn Off The World" aber auch für klassische Metalfans etwas sein - zumindest, wenn sie mit stellenweise sehr brutalen Vocals leben können.


Sucker Punch
Sucker Punch
DVD ~ Emily Browning
Preis: EUR 4,97

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schöner Stil, gewaltige Bilder - aber schwache Story, 17. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Sucker Punch (DVD)
Ja, "Sucker Punch" weiß optisch und stilistisch zu überzeugen. Allein die Anfangssequenz zu den Klängen von "Sweet Dreams (Are Made Of This)" ist unglaublich intensiv umgesetzt. In dieser Tonart geht es auch danach weiter - Regisseur Zack Snyder hat hier tatsächlich etwas ganz Großes geschaffen. Er spielt geradezu meisterhaft mit den Farben, die je nach Handlungsebene unterschiedliche Nuancen und Intensität haben. Dieses Zusammenspiel ist in praktisch jeder Szene überzeugend. Auch die Effekte sind toll - wobei ich hier anmerken möchte, dass die CGI-Effekte allein durch ihre Masse eine gewisse Übersättigung erzeugen; das ist aber kein isoliertes Problem dieses Films sondern zieht sich seit einigen Jahren durch die Bank, weil die Regisseure einfach zu verschwenderisch mit der Technik umgehen. Ebenfalls eine gute und für diesen Film passende Idee ist es, einigen Schauspielern verschiedene Rollen auf unterschiedlichen Handlungsebenen zu geben. Dadurch wird der Zuseher regelrecht in die Welt von "Sucker Punch" hinein gezogen.

Das alles klingt sehr positiv? Ist es auch. Dennoch hat der Film ein großes Problem - weder Story noch Drehbuch können überzeugen. Die Hintergrundgeschichte an sich bietet wenig Neues (was aber nicht stört!), wurde aber immerhin in eine gute Idee verpackt. Nur leider mangelt es dem Film an erzählerischem Talent. Das Ganze ist einfach eine Aneinanderreihung einzelner Episoden oder Quests - teilweise erinnert das an ein Computer-Rollenspiel, was wohl auch beabsichtigt war. Nur leider ist die Verbindung zwischen den Episoden viel zu dünn, um wirkliche Spannung aufkommen zu lassen. Es fehlt völlig an Tiefe, der Regisseur verlässt sich einzig und allein auf seine atemberaubenden Bilder. Das führt letztlich so weit, dass der Film durcheinander, inkonsistent und verwirrend wirkt - was ob der einfach gestrickten Charaktere fast schon ein Paradoxon ist.

Fazit: Zwei Sterne für die Technik müssen hier reichen - ehrlich gesagt wurde das Ansehen durch die beschriebenen Mängel zur Qual, nachdem ich mich an den superben Bildern satt gesehen hatte.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 13, 2013 1:17 PM MEST


Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
DVD ~ Sir Ian McKellen
Preis: EUR 5,97

16 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdiente Vorschusslorbeeren, 16. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (DVD)
Viel wurde im Vorfeld über die Verfilmung von "Der Kleine Hobbit" (J. R. R. Tolkien) geschrieben und spekuliert. Ein Gutteil davon war natürlich Kalkül und dem Hype um den Film - und letztlich auch dem Erfolg - keineswegs abträglich. In einem solchen Fall schrillen beim skeptischen Zuschauer natürlich die Alarmglocken - zu oft erweist sich ein angebliches Meisterwerk als Rohrkrepierer, auch wenn die Zuschauerzahlen etwas anderes sagen. Im Falle von "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" können aber auch die kritischsten Zuseher und die größten Tolkien-Fans beruhigt zugreifen. Der Film ist, obwohl natürlich ein Hollywood-Blockbuster (heutzutage fast schon ein Schimpfwort), hervorragend gelungen und zum Zeitpunkt seines Erscheinens das Opus Magnum von Regisseur Peter Jackson.

Auf die zugrunde liegende Geschichte einzugehen ist in einer Rezension eigentlich nicht notwendig. Es reicht zu sagen, dass Jackson sich sehr genau an die Romanvorlage hält - deren Kürze kommt ihm hier zugute, im Gegensatz zu "Herr der Ringe" musste er beim "Hobbit" nichts weglassen und nur manche Szenen ändern. Allzu grobe Eingriffe in die Handlung des Buches gibt es aber nicht. Eine Befürchtung im Vorfeld war eher umgekehrter Natur - wie sollte es der Filmemacher schaffen, ein so kurzes Kinderbuch in einen epischen Mehrteiler für die Leinwand zu verwandeln? Die Antwort erscheint - zumindest mir als Tolkien-Fan - plausibel: Jackson hält sich nicht nur an die direkte Romanvorlage, sondern verknüpft das Ganze mit weiteren Informationen, die im "Kleinen Hobbit" nicht vorkommen, wohl aber in "Herr der Ringe" (und teils sogar im "Silmarillion") erklärt werden. Ein Beispiel ist "Der Weise Rat" mit Saruman und Galadriel, der im "Kleinen Hobbit" maximal in einem Nebensatz erwähnt wird, während man in "Herr der Ringe" erfährt, dass der Rat parallel zu Bilbos Reise nicht untätig war. Ähnlich ist es mit dem Auftritt von "Radagast", der allerdings in keiner Buchvorlage die Festung im Düsterwald erkundet. Derartige Verknüpfungen gibt es viele - dadurch entsteht ein ausgesprochen homogenes und in sich stimmiges Gesamtbild, das das von Tolkien geschriebene Buch (das auch aus Sicht seines Autors eher isoliert da steht) im Endeffekt sogar übertrifft. Positiver Nebeneffekt ist auch, dass man so ein Wiedersehen mit alten Bekannten feiern kann. So vergeht die lange Spielzeit natürlich wie im Fluge.

Die Schauspieler wurden gut gewählt, auch wenn einige Zwerge (Kili und Fili!) für mein Gefühl ein bisschen zu "menschlich" wirken. Insbesondere Martin Freeman in der Hauptrolle ist aber ein wahrer Glücksgriff für diesen Film. Die Figuren, die die Schauspieler verkörpern, haben - mit wenigen Ausnahmen - das Problem, im Buch so gut wie nicht beschrieben zu werden. Das betrifft eigentlich alle Zwerge (mit Ausnahme von Thorin und Balin). Nachdem das Buch an dieser Stelle einfach nicht deutlicher ist, denke ich dennoch, dass Jackson einen einigermaßen guten Job gemacht hat. Prinzipiell halte ich diese große Zahl an Gefährten für problematisch, aber dafür kann der Regisseur nichts, so ist die Vorlage nun einmal. Zumindest sind die Zwerge optisch ausgesprochen fantasievoll und mit Liebe fürs Detail gestaltet worden. Die Dialoge wurden großteils 1:1 aus dem Buch übernommen, sind also zum Teil sehr einfach gestrickt aber immerhin authentisch.

Drehbuch, Handlung und Besetzung sind also mehr als in Ordnung - wie sieht es mit der Technik aus? Zunächst ist der Soundtrack zu beachten, der erwartungsgemäß episch ausfällt. Allein für das Lied der Zwerge ("Misty Mountains Cold"), dessen Melodie auch das Hauptthema ist, hat sich Howard Shore höchstes Lob verdient. Quasi nebenbei wurden auch immer wieder Versatzstücke aus den "Herr der Ringe"-Filmen eingebaut, somit entsteht auch hier Homogenität und das Gefühl eines großen Ganzen. Dem steht die Optik in nichts nach. Zumindest, wenn man den Stil, den man mittlerweile aus "Herr der Ringe" kennt, grundsätzlich etwas abgewinnen kann. Die Effekte sind gut und professionell - mit einer Ausnahme: Das Tempo ist speziell bei den Kämpfen sehr hoch, was in Verbindung mit dem neuen Bildformat (48 Bilder pro Sekunde) ein gewöhnungsbedürftiges Seherlebnis zur Folge hat. Das fällt zwar irgendwann nicht mehr auf, es bleibt aber der Beigeschmack, dass es Jackson mit der Action ein wenig übertreibt, um die Technik richtig auszureizen.

Haare in der Suppe gibt es tatsächlich nicht sehr viele zu finden. Eventuell hätte man auf den von Kaninchen gezogenen Schlitten von Radagast verzichten können. Ansonsten fällt mir beim besten Willen kein gröberer Kritikpunkt ein. Als Tolkien-Fan muss man allerdings - wie bei Buchverfilmungen üblich - mit einigen, in diesem Fall eher kleinen, Änderungen zur Vorlage leben.

Fazit: Der Film ist - trotz der Kinderbuchthematik - ernst und düster genug, um nahtlos an "Herr der Ringe" anschließen zu können. Es gibt praktisch keine Längen, Technik, Drehbuch und Charaktere stimmen. Klare Höchstwertung für den ersten von drei "Hobbit"-Teilen.

Noch eine kurze Schlussbemerkung: Eigentlich ist es schade, dass Jackson zunächst "Herr der Ringe" verfilmt hat und nun einen so episch ausgedehnten "Hobbit" nachschiebt. Ich denke, mit der "Hobbit"-Erfahrung hätte der grundsätzlich wesentlich tiefergehende Stoff von "Herr der Ringe" noch besser auf der Leinwand zur Geltung kommen können, eventuell auch in mehr als drei Teilen. Aber diese Spekulation ist sowieso müßig - "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise" ist einfach ein exzellenter Film.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 17, 2013 10:37 AM CET


Der Herr der Ringe
Der Herr der Ringe
DVD ~ Donald W. Ernst
Preis: EUR 7,99

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kein Meisterwerk aber weit besser als sein Ruf, 15. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Herr der Ringe (DVD)
Ich denke, es ist kein Spoiler, wenn man alle potenziellen Interessenten gleich zu Beginn warnt: Dieser Film endet mittendrin, soll heißen, kurz nach der Schlacht bei Helms Klamm. Eine offizielle Fortsetzung gibt es nicht (zumindest nicht vom gleichen Regisseur und im gleichen Stil), es wurde kein Geld dafür locker gemacht. Diese Tatsache zieht die Wertung auch bei mir nach unten - es ist einfach frustrierend, wenn man um ein der Thematik würdiges Finale gebracht wird. Ansonsten gibt es an diesem ersten Versuch, Tolkiens episches Werk auf Zelluloid zu bannen, nicht so viel auszusetzen, wie man denken könnte. Auf die Geschichte selbst braucht im Rahmen der Rezension nicht eingegangen werden - es reicht zu sagen, dass Tolkiens Buch einfach ein Klassiker ist, den man gelesen haben sollte, eigentlich gelesen haben muss.

Das Drehbuch ist in Ordnung - Regisseur Ralph Bakshi hat den Großteil der Schlüsselszenen des Buches in sein Werk aufgenommen. Es kommt durchaus Spannung auf, auch wenn die Figuren sehr flach wirken und praktisch keine Vorstellung bekommen. Trotzdem fiebert man mit, was grundsätzlich ein gutes Zeichen ist. Ähnlich wie einige Jahrzehnte später in Peter Jacksons Realverfilmung wurden auch im Zeichentrickfilm diverse Stationen der Erzählung weggelassen oder stark verändert. So kommt beispielsweise auch in der Zeichentrickversion die Figur des "Tom Bombadil" nicht vor. Die Charakterzüge einzelner Personen entsprechen übrigens nicht immer nicht der ursprünglichen Beschreibung durch Tolkien, insbesondere bei Frodos Diener Sam fällt das auf. Optisch sehen einige Personen (u. a. Gimli, Aragorn, Elrond) bei weitem nicht so aus, wie man sich das vorstellt - was speziell nach Genuss der Jackson-Verfilmung als störend empfunden werden könnte.

Tricktechnisch erinnert das Ganze ein wenig an die alten Asterix-Filme, ist aber nicht ganz so gut umgesetzt. Die Animationen sind sparsam, aber grundsätzlich in Ordnung. Die Farbgebung passt zum Thema, wirkt insgesamt aber ein wenig blass. Es gibt einige "Standbilder" zu bewundern, die einen ganz eigenen Stil vermitteln - gar nicht schlecht, aber dass Elronds Haus in Bruchtal den Einschlag eines japanischen Tempels hat, ist definitiv Geschmacksache. Eine Besonderheit des Filmes, ein (wie ich finde) sehr gelungenes Alleinstellungsmerkmal ist die teilweise Verwendung von Realschauspielern anstelle von Zeichentrickfiguren. Nach der Abfilmung wurden diese Szenen im "Rotoskopie"-Verfahren nachgezeichnet. Das schafft eine ganz eigene Atmosphäre, die nach kurzer Eingewöhnungszeit nur als stilvoll und passend bezeichnet werden kann. Insbesondere bei den Orks, die insgesamt ein wenig an die Sandleute von "Star Wars" erinnern, wurde mit dieser Mischvariante gearbeitet.

So viel zur Optik. Was den Ton betrifft, wurde mit der Musikuntermalung meines Erachtens ein wenig zu sparsam umgegangen, auch wenn der Soundtrack an sich sehr gut ist. Die Synchronisation, wirkt bei weitem nicht so professionell wie man das aus den neueren Filmen kennt. Die Sprecher wurden zwar passend gewählt, aber es gibt einige Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten bei der Übersetzung. Das ist zwar nicht allzu störend, aber manchmal unfreiwillig komisch. Zumindest einmal wird im Deutschen "Elb" und "Elf" synonym verwendet - was von Tolkien nachweislich nicht so gewünscht bzw. beabsichtigt war. Ansonsten wurden die Sätze teils 1:1 aus dem Buch (ältere Übersetzung!) übernommen - das kann eigentlich nie ein Fehler sein und sorgt für einige Aha-Erlebnisse.

Fazit: Auch wenn sich die oben beschriebenen Punkte nach viel Kritik anhören, hätte der Film zumindest vier Sterne verdient. Einen muss man allerdings abziehen, weil man das Gesamtwerk ohne Schluss einfach nicht vollständig beurteilen kann. Übrigens sieht man an einigen Stellen recht deutlich, dass auch Peter Jackson vor seinem Mammutprojekt die Zeichentrickversion ganz genau angeschaut haben dürfte... Manche Szenen wirken bei Jackson wie 1:1 der vermeintlichen Vorlage nachempfunden!


Possession - Das Dunkle in dir (Uncut Edition)
Possession - Das Dunkle in dir (Uncut Edition)
DVD ~ Jeffrey Dean Morgan
Preis: EUR 9,99

5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Typischer Exorzismusfilm ohne große Überraschungen und Höhepunkte, 20. Dezember 2012
Mit "The Possession" kann Regisseur Ole Bornedal dem beinahe schon eigenständigen Genre des Exorzismusfilms nicht viel Neues hinzufügen. Lediglich, dass der böse Dämon, der wie üblich von einem unschuldigen Mädchen Besitz ergreift, aus der jüdischen Mythologie stammt, ist bisher noch nicht dagewesen. Aber einen essentiellen Unterschied zwischen der "Dybbuk-Box" und anderen Artefakten, die zur Besessenheit führen, kann der Zuseher nicht erkennen. Ebenso spielt es letztlich keine großartige Rolle, ob der Exorzismus durch einen Priester oder - wie in diesem Fall - einen Rabbi durchgeführt wird.

Ohne zuviel auf die Handlung eingehen zu wollen: Der Rest der Geschichte entspricht dem für einen derartigen Film üblichen Muster. Die Effekte sind prinzipiell in Ordnung, das Publikum wird an den passenden, teils leider arg vorhersehbaren Stellen erschreckt. Auch einige der bekannten Klischees (u. a. zerrüttete Familie, die sich im Angesicht der Gefahr langsam wieder annähert) sind selbstredend vorhanden. Ebenfalls in Ordnung, wenn auch nicht herausragend, ist die Leistung der Schauspieler. Niemand aus der Riege stich irgendwie besonders hervor, maximal Matthew Paul "Matisyahu" Miller kann als jüdischer Exorzist für Akzente sorgen.

Generell ist "The Possession" ein völlig humorloser Film. Das führt dazu, dass - wie so oft in einem solchen Fall - in verschiedenen Situationen trotzdem ausgiebig gelacht werden darf. Insbesondere beim übertriebenen und absurden Finalkampf kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Leider ist dieser Humor aus Sicht der Filmemacher wohl eher unfreiwillig und ein weiteres Manko des Streifens.

Für "The Possession" muss daher eine Gesamtwertung von zwei Sternen reichen. Der Film ist im Endeffekt weder Fisch noch Fleisch. Gute Ideen werden durch klischeehafte Szenen zunichte gemacht, statt echtem Humor oder wenigstens Sarkasmus gibt es nur unfreiwillige Komik. Ganz schlecht ist der Film natürlich nicht, aber für höhere Weihen reicht das bei weitem nicht.


Woods 5:Grey Skies & Electric Lights
Woods 5:Grey Skies & Electric Lights
Preis: EUR 17,98

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch unbhängig von der dahinter liegenden Tragik ein Meisterwerk, 10. Dezember 2012
"Woods 5: Grey Skies & Electric Light" ist ohne Frage ein tragisches Vermächtnis. Aber allzu sehr sollte man den Unfalltod von Gründungsmitglied, Multi-Instrumentalist und Sänger David Gold im Dezember 2011 nicht in den Vordergrund stellen. Schon gar nicht, wenn man sich die Textzeilen "But no monument for me / Please, I am not one of them / I didn't need it in life / I won't need it in death" (aus: "Kiss My Ashes (Goodbye)") vor Augen hält. Und letztlich ist auch die Musik - so traurig sie auch ist - viel zu gut, um nur auf diese Tragödie reduziert zu werden.

Woods Of Ypres zelebrieren auf ihrem letzten Album einen schweren, melancholischen Stil, bleiben dabei aber immer eingängig und erhaben. Wer gerne Vergleiche mit anderen Bands zieht, kann sich lyrisch und musikalisch einen Bastard aus Type 0 Negative, Paradise Lost, Tiamat und Nick Cave vorstellen - damit kommt man der Sache relativ nahe, was nicht heißen soll, dass die Kanadier keine eigene Identität besitzen. Hervorstechendstes Merkmal ist die grabestiefe Stimme von David Gold - ein ähnliches Organ kennt man eigentlich nur vom leider ebenfalls viel zu früh verstorbenen Type 0 Negative-Fronter Peter Steele, eventuell noch von Allen B. Konstanz (The Vision Bleak). Gelegentlich gibt es auch ein wenig vom Black Metal-Gekeife der älteren Scheiben zu hören, meist bleibt der Gesang jedoch clean und melodisch.

Einzelne Stücke hervorzuheben ist müßig - die Platte klingt wie aus einem Guss, es gibt keine wirklichen Ausreißer. Der Großteil der Songs geht sehr schnell ins Ohr. Insbesondere das verhältnismäßig schnelle, fast schon poppige "Career Suicide (Is Not Real Suicide)" bleibt dank markantem Refrain sofort hängen und entpuppt sich als Ohrwurm, den man nicht mehr so schnell los wird. Ähnlich ist es auch mit "Lightning & Snow" und "Adora Vivos", die mit hohem Tempo daherkommen und zwischen klarem und aggressivem Gesang wechseln. Aber auch alle anderen Stücke können überzeugen. Labile Gemüter sollten allerdings einen Bogen um "Woods 5" machen, speziell Songs wie "Travelling Alone", "Kiss My Ashes (Goodbye)", "Finality" und "Alternate Ending" atmen eine Traurigkeit, die fast schon greifbar ist. Das ist natürlich nicht für jeden etwas, erzeugt aber in Verbindung mit den anderen Liedern eine ganz eigene, extrem dichte Atmosphäre.

Fazit: "Woods 5: Grey Skies & Electric Light" ist tatsächlich ein Meisterwerk. Jeder einzelne Song auf der Platte fügt sich optimal in die Gesamtstimmung ein und zeichnet ein düsteres, stellenweise aufgrund der Umstände fast schon "ironisch" zu nennendes Bild. Perfekt komponiert, angemessen und kraftvoll produziert, abwechlsungreich und - genre-untypisch - ausgesprochen frisch, können alle Anhänger düsterer Stimmungen bedenkenlos zugreifen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20