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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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Die bewohnte Insel: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die bewohnte Insel: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robinson Crusoe im Kriegsgebiet, 27. Mai 2013
"Die bewohnte Insel" ist der erste Teil der "Maxim Kammerer-Trilogie" der russischen Schriftstellerbrüder Arkadi und Boris Strugatzki. Der Titel weist bereits darauf hin: Ähnlich wie Robinson Crusoe verschlägt es den Helden Maxim Kammerer auf eine ihm unbekannte Welt, auf der er sich erst zurecht finden muss. Doch anders als die Insel im Klassiker von Daniel Defoe ist der Planet, auf dem die Hauptperson landet, alles andere als unbewohnt.

Die Autoren stellen in "Die bewohnte Insel" die Anpassungsprobleme, die der Protagonist in einem für ihn völlig fremden System hat, sehr anschaulich dar. Die fremde Sprache zu lernen ist dabei noch das geringste Problem. Viel schwerer fällt es dem Helden, mit seinen irdischen (in diesem Fall: utopisch-sozialistischen) Wertvorstellungen, die Bewohner der "Insel" auf gesellschaftlicher und philosophischer Ebene zu verstehen. Um aber seinem Schicksal zu entkommen, muss er sich anpassen, was eine starke Veränderung seiner Persönlichkeit und seiner Moral zur Folge hat. Letztlich scheint "Die bewohnte Insel" damit ein Plädoyer dafür zu sein, dass selbst ein Einzelner mit genügend Willenskraft ein System verändern kann. Dass es dabei zwangsläufig zu Verlusten kommt, die das Umfeld, die eigene Persönlichkeit und auch die eigene Moral betreffen, ist die Folge. Ob sich ein solcher Eingriff in das System lohnt, lassen die Autoren ein wenig offen - der überraschende Schluss legt allerdings nahe, dass es ohne genaue und umfassende Kenntnis der Fakten leicht zu einer Katastrophe kommen kann, egal, wie gut die verfolgten Absichten gewesen sein mögen.

Andererseits zeigt "Die bewohnte Insel" auch sehr deutlich, wie sich ein repressives Regime durch Propaganda und Manipulation absichert. Die Art und Weise wie die Bewohner der "Insel" unterdrückt werden, wie man Andersdenkende verfolgt und ausrottet, hat etwas bedrückend Realistisches. Übrigens wird in diesem Roman auch die Bedrohung durch atomare Aufrüstungs- und Abschreckungspolitik sehr deutlich dargestellt, ebenso die Folgen eines modernen, hochtechnisierten Krieges.

Fazit: Zunächst hatte ich für "Die bewohnte Insel" schon die Vier-Sterne-Wertung reserviert - zu oft wurde die spannende Grundhandlung von philosophischen Exkursen unterbrochen, die man nur schwer versteht. Allerdings hat sich das nach einem zweiten Durchgang geändert und ich habe Details entdeckt, die ich vorher in der stark verdichteten Geschichte überlesen habe. Der Schluss ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, sodass ich im Endeffekt fünf Sterne springen lasse. Knapp, aber doch.


Gesammelte Werke 2: Drei Romane in einem Band: Picknick am Wegesrand; Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang; Das Experiment
Gesammelte Werke 2: Drei Romane in einem Band: Picknick am Wegesrand; Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang; Das Experiment
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Strugatzki-Anfänger und alte Hasen gleichermaßen interessant, 27. Mai 2013
Die erste Frage, die sich stellt, wenn man die dicken Bücher der Strugatzki-Gesamtausgabe sieht, ist natürlich: Braucht man das, wenn man bereits alles von den russischen Schriftsteller-Brüdern im Schrank hat? Ich persönlich würde den Kauf jedem empfehlen, der ein paar Euro übrig hat und gerne diese Klassiker der russischen Science Fiction liest - auch wenn man vielleicht schon das eine oder andere Strugatzki-Werk im Regal stehen hat. Die in den Gesamtausgaben enthaltenen Romane wurden nämlich nicht nur neu übersetzt, sondern auch um in früheren Veröffentlichungen gestrichene Passagen ergänzt. Das bedeutet, dass man hier erstmals in den vollständigen Genuss der Bücher kommt, was früher kaum möglich war. Hinzu kommen umfangreiche Anmerkungen zu allen enthaltenen Geschichten - verfasst von Boris Strugatzki persönlich. Der Autor geht dabei nicht nur auf die Entstehungsgeschichte jedes Romans ein, sondern versucht auch zu erklären, was der jeweilige Hintergrund war und warum die Brüder in der Sowjetunion durchaus um ihr Leben fürchten mussten. Diese Anmerkungen sind mitunter genauso spannend wie die eigentlichen Geschichten und für sich schon beinahe den Kaufpreis wert. Noch dazu fällt durch die Anmerkung die Interpretation des teilweise doch recht schwer zu entschlüsselnden Stoffes wesentlich leichter. Für mein Dafürhalten ist die Gesamtausgabe also eine runde Sache.

Und wer noch nichts von den Strugatzkis hat, ist mit der Gesamtausgabe ohnehin bestens bedient. Gerade in Band 2 sind die drei enthaltenen Geschichten sehr unterschiedlich, was ihn meiner Ansicht nach perfekt zum Kennen lernen des Werkes von Arkadi und Boris Strugatzki macht. Fazit: 5 Sterne und eine Kaufempfehlung.

Hier noch ein paar Worte zu den einzelnen Geschichten in diesem Band:

***** "Picknick am Wegesrand" ist einer der bekanntesten Romane der Brüder. Ein Mitgrund ist natürlich die Verfilmung unter dem Titel "Stalker" bzw. das (fast) gleichnamige Computerspiel "S.T.A.L.K.E.R.". Der Roman ist sehr gut geschrieben und meiner Ansicht nach die beste Geschichte in diesem zweiten Band. Im Fokus steht hier das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts einer vollkommen unbekannten Technologie, die unerklärbar ist und keinen bekannten Naturgesetzen folgt. Nebenbei gibt es - wie in allen Strugatzki-Werken - zahlreiche mehr oder weniger gut getarnte Anspielungen auf die Gegebenheiten in der Sowjetunion.

**** "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" versucht sich eher am Beschreiben geheimer Kräfte, die irgendwo im Hintergrund wirken. Hier geht es mehr darum, wie jeder seinen Teil zu einem Gesamten beiträgt, ohne das Endergebnis irgendwie absehen zu können. Dabei kommt es zu Strugatzki-typisch zu zahlreichen unerklärlichen Ereignissen, die einfach hingenommen werden müssen. Vom Stil her ein eher schwierig zu lesendes Werk, ausgesprochen spröde.

**** "Das Experiment" kann man fast als Entwicklungsroman bezeichnen. Der Held der Geschichte durchlebt in einer Stadt, die einzig einem Experiment mit unbekanntem Zweck dient, verschiedene Stationen und wird auf unterschiedlichste Weise indoktriniert. Dass er sich dabei als Sowjet unter anderem mit einem ehemaligen Unteroffizier der Wehrmacht anfreundet ist nur ein Grund, wieso der Roman erst viele Jahre nach seiner Fertigstellung veröffentlicht werden durfte. Prinzipiell kann "Das Experiment" durchaus als Allegorie auf das mittlerweile gescheiterte Experiment des Kommunismus gelten - kein Wunder also, dass die Strugatzkis an diesem Buch nur unter strengster Geheimhaltung arbeiten konnten. Allzu leicht lesbar ist der Roman nicht. Zwischendurch gibt es zwar immer wieder "schnelle" Passagen, die das Ganze auflockern, durchsetzt ist das Buch aber auch von vielen philosophischen Auseinandersetzungen und Metaphern, die schwer zu verstehen sind. Zumindest für Menschen, die nicht in der Sowjetunion gelebt haben.


Gemini Rue - Verschwörung auf Barracus - [PC]
Gemini Rue - Verschwörung auf Barracus - [PC]
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Augenschmaus, dafür ein Spiel mit Herz und Seele, 17. Mai 2013
= Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen 
Wenn "retro" in ist, müsste sich "Gemini Rue - Verschwörung auf Barracus" verkaufen wie warme Semmeln. Die Grafik erinnert an die seligen 1990er Jahre, aber nicht an das Ende, sondern an den Anfang. Sogar die - (für manche) noch seligeren - 1980er schimmern in Bezug auf die Optik deutlich durch. Die Animationen verdienen kaum ihren Namen, die Figuren als "pixelig" zu bezeichnen wäre ein Kompliment. Immerhin sind die Hintergründe sehr schön gezeichnet und fangen die Stimmung gut ein. Gleich mehrere Schritte zurück in die Vergangenheit macht auch die Bedienung, die sämtliche Komfort-Funktionen, die man seit gefühlten Jahrzehnten gewohnt ist, außen vor lässt. Ein Menü mit den rudimentären Funktionen "Ansehen", "Benutzen", "Treten" (!) und "Sprechen", dargestellt in simplen Piktogrammen, die schwer zu erkennen sind, reicht für dieses Spiel aus. Lediglich zwei technische Aspekte von "Gemini Rue" gemahnen nicht an die Computer-Steinzeit: Die ausgezeichnete musikalische Untermalung (ok, die gab es früher auch, allerdings nicht am PC) und die - speziell für eine Indie-Produktion - unfassbar professionelle Sprachausgabe. Diese zwei Punkte gehen problemlos als höchster Standard durch.

Und trotz all der genannten "Mängel" verdient "Gemini Rue" locker vier Sterne. Das Spiel schafft nämlich etwas, wovon viele Software-Riesen mit ihren Hochglanz-Produkten nur träumen können: eine interessante, packende Story zu erzählen und eine Welt zu kreieren, die den Spieler voll und ganz gefangen nimmt. Die düstere, bedrückende Atmosphäre ist ein weiterer Pluspunkt, der schwer beschrieben werden kann, der einfach erlebt werden muss. Um das zu schaffen, muss man dem Spiel natürlich trotz des auf den ersten Blick "hässlichen" Äußeren eine Chance geben.

Einen Stern Abzug gibt es, weil die Charaktere nicht so ausgefeilt sind, wie sie hätten sein können. Das ändert zwar nichts an der Sympathie, die man für die tragischen Figuren empfindet, ist aber doch ein wenig störend. Dass das Spiel sehr geradlinig ist, stört mich hingegen weniger. Wer allerdings Möglichkeiten sucht, den Spielverlauf durch eigene Entscheidungen zu beeinflussen, ist hier fehl am Platz - wenn man deshalb einen Stern abzieht, kann ich es gut verstehen. Genauso verhält es sich mit der Bedienung - das Menü an sich ist schon in Ordnung, wenn es auch merkwürdig ist, dass es nur in Verbindung mit einem klickbaren Punkt auf dem Bildschirm geöffnet werden kann. Die Steuerung in den Kampfsequenzen ist hingegen viel zu komplex und umständlich. Zum Glück gibt es sehr wenige Kämpfe, sodass man für dieses Problem nichts abziehen muss.

Fazit: Ein gelungenes Spiel, dass zeigt, welche Bedeutung Story und Atmosphäre wirklich haben - gerade weil die Grafik wie aus der Computer-Steinzeit wirkt, wird noch deutlicher, wie wenig Seele viele moderne Spiele haben. Für mich sind das glatte vier Sterne.


Das Experiment: Roman
Das Experiment: Roman
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht einfach zu lesen, lohnend für philosophisch Interessierte, 13. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Experiment: Roman (Taschenbuch)
"Das Experiment ist das Experiment" - nähere Erklärungen zum Geschehen gibt es in diesem sehr spät (1989) veröffentlichten Werk von Boris und Arkadi Strugatzki nicht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Leser - wie in so vielen Werken der russischen Schriftsteller-Brüder - die Handlung des Romans großteils selbst deuten muss. Das sollte jedem potentiell Interessierten klar sein, bevor er dieses Buch kauft.

Dabei bietet "Das Experiment" oberflächlich betrachtet durchaus Elemente, die auch reine Science Fiction-Fans befriedigen könnten. Immerhin ist der Gedanke an eine Stadt, die von vielen "freiwilligen Versuchskaninchen" aus unterschiedlichsten Epochen, Ländern und Kulturen bevölkert wird eine phantastische Idee. Wer allerdings erwartet, näheres über die Art und Weise zu erfahren, wie das Experiment funktioniert, welchem Zweck es dient oder auch nur, wo sich diese Stadt befindet, wird enttäuscht werden. Auch eine nähere Erläuterung, wieso es in der Stadt immer wieder zu merkwürdigen Ereignissen (z. B. eine plötzliche Invasion durch Paviane) kommt, bleibt aus. Der Leser tappt also völlig im Dunkeln, was ihn auf wunderbare Weise mit den Charakteren im Buch verbindet, die ebenfalls nur Mutmaßungen über das Experiment anstellen können. Dieser Verzicht auf einen allwissenden Erzähler ist es, der manche Leser verzweifeln lässt, während andere die Strugatzkis dafür lieben. Ich persönlich gehöre zu letzterer Kategorie, kann aber auch verstehen, wenn jemand "Das Experiment" entnervt in die Ecke wirft. Wer bis zum Schluss durchhält, wird übrigens nicht mit einem Happy End belohnt - hier ist wirklich der Weg das Ziel. Das Ende kommt abrupt und ist genauso rätselhaft, wie das ganze Buch erscheint.

Soviel zur heutigen Lesart von "Das Experiment". Wer mit philosophischen Metaphern und der Suche nach einem Sinn des Lebens umgehen kann, wird es mögen. "Das Experiment" hat aber auch eine andere, subtile Ebene, unter der man sich heute nicht mehr so viel vorstellen kann. Das Buch kann durchwegs als Kritik auf politische Ideologien, vornehmlich natürlich jener der Sowjetunion, gelesen werden; das ist auch der Grund dafür, warum der Roman erst 1989 erschienen ist, obwohl er bereits zwischen 1969 und 1975 geschrieben wurde. Es mag sein, dass es Leser gibt, die auch diesen Aspekt des Buches verstehen und nachvollziehen können - mir selbst fehlt der Zugang, diese Lesart vollständig decodieren zu können. Natürlich versteht man einige Anspielungen, aber prinzipiell muss man wohl die Sowjetunion selbst erlebt haben, um gänzlich zu begreifen, warum das Buch eine so große Gefahr für die Obrigkeit war. In groben Zügen ist es aber durchaus verständlich.

Wie dem auch sei, ich habe "Das Experiment" mit Erstaunen und Vergnügen gelesen, auch wenn mir der Zugang des "Sowjetmenschen" fehlt. Einige Seiten sind zwar ausgesprochen zäh (z. B. das Schachspiel mit dem "großen Strategen"), diese Passagen bleiben aber in der Minderheit. Man ertappt sich jedenfalls nach der Lektüre immer wieder dabei, über Sinn und Zweck des Ganzen nachzugrübeln. Ein größeres Kompliment kann man den Autoren vermutlich schwer machen. Ganz reicht es zwar nicht für die Höchstwertung, weil die Strugatzkis auch wesentlich kompakter zu Werke gehen können, aber gute 4 von 5 Sternen ist das Buch allemal wert.


Schlafes Bruder: Roman
Schlafes Bruder: Roman
von Robert Schneider
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wortgewaltige Geschichte über unentdecktes Wunderkind, 26. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Schlafes Bruder: Roman (Broschiert)
Zunächst muss man konstatieren: "Schlafes Bruder" hat tatsächlich - wie in einigen Rezensionen angemerkt - eine gewisse Ähnlichkeit zum 1985 erschienen Roman "Das Parfum" (Patrick Süskind). Hier wie dort gibt es ein in seiner Kindheit unerkanntes Genie, das aufgrund seiner besonderen Begabungen unter seiner archaischen Umgebung leiden muss. Auch unerfüllte Liebe und der Versuch, aus dem engen Milieu auszubrechen, spielen in beiden Romanen eine Rolle.

Dennoch kann "Schlafes Bruder" sehr gut für sich bestehen. "Das Parfum" ist brutaler, direkter, handlungsintensiver, während "Schlafes Bruder" düsterer und abstrakter daherkommt. Robert Schneider gelingt es, in einer altmodisch eingefärbten Sprache mit zahlreichen quasi-dialektischen Elementen, die Lebensumstände seines (Anti-)Helden ausgesprochen realitätsnah zu beschreiben. Das Umfeld von Tradition, Armut, Inzest und ungebildeten Bauern, in das der Autor seine Figuren setzt, wird bedrückend realistisch dargestellt. Die Betroffenheit steigert sich noch durch eine Art "Wir-Gefühl" zwischen Erzähler und Leser, das Schneider durch geschickte Hinweise schafft und das zusätzlich das Gefühl erzeugt, eine vollkommen reale Geschichte zu lesen. Geschrieben ist "Schlafes Bruder" sehr flüssig, das Buch ist (zumindest großteils) schnell und einfach zu lesen.

Warum es trotz aller positiven Aspekte nicht zur Höchstwertung reicht: Robert Schneider entwickelt an mehreren Stellen im Buch eine Tendenz zu ausufernden Beschreibungen. Geht es um Landschaft, Umgebung und Figuren ist das in Ordnung - aber die Superlative und merkwürdigen Ausdrücke, in denen er versucht, die Musik seiner Hauptfigur in Worte umzusetzen, ist schlicht unlesbar. Ganze Abschnitte werden zu langwierigen und - noch schlimmer - langweiligen Passagen über die Kunst einzelner Partituren und des Orgelspiels im Allgemeinen. Es ist schon klar, dass der Autor das besondere Talent seines Hauptcharakters herauszustellen versucht, was ihm auch gelingt. Er übertreibt es nur ein wenig, sodass einige Passagen zum Querlesen einladen. Schade, ohne diese Problematik hätte es die volle Punktzahl geben können. So müssen vier Sterne reichen.


Welcome Farewell (Ltd.Digipack Incl.Bonus Tracks
Welcome Farewell (Ltd.Digipack Incl.Bonus Tracks
Preis: EUR 22,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider nicht der große Wurf, 18. April 2013
Vreid konnten mit ihren bisherigen Outputs eigentlich sehr gut aus dem übermächtigen Schatten von Windir heraustreten. Zu verdanken ist das zum einen dem mittlerweile doch recht großen stilistischen Unterschied, zum anderen dem guten, ausgesprochen rock n' rolligen Songwriting. Nun, Black n' Roll wird auch auf "Welcome Farewell" geboten, nur leider nicht mehr so hochklassig, wie man es von den Norwegern bisher eigentlich gewohnt war.

Bereits der Opener "The Ramble" ist relativ unspektakulär geraten. Kein schlechter Song und man merkt auch sofort, dass man Vreid hört - aber wirklich gut geht eben auch anders. Vor allem beim Gesang bedient man sich ohrenscheinlich bei bereits von Immortal ausgetretenen Pfaden, leider aber ohne deren Hymnencharakter zu erreichen. Dennoch kann man das Stück noch im Haben verbuchen, ebenso die um ein gutes Stück besseren, weil abwechslungsreicheren "The Devils Hand" (sic!) und "The Reap". Auch der in der Mitte des Albums platzierte Titeltrack ist ein Treffer, hätte allerdings speziell gegen Ende hin ein wenig Kürzung vertragen.

Auch sonst gibt es leider kein wirklich herausragendes Material auf "Welcome Farewell" zu entdecken. "The Way Of The Serpent" ist vollkommen belanglos und auch an den Rausschmeißer "At The Brook" kann man sich selbst nach vielen Durchläufen eher vage erinnern. Ansonsten gibt es noch das überlange (8:36 Minuten) "Sights Of Old" und "Black Waves" (mit 4:18 Minuten genau halb so lang) zu hören. Trotz unterschiedlicher Länge kranken beide Songs an demselben Syndrom: zu gesichtlos, der Funke springt absolut nicht über. Insgesamt eine merkwürdige Sache - Vreid sind natürlich nach wie vor sehr gute Musiker und haben auch an ihrem ureigenen Stil nicht viel geändert; aber aus irgendeinem Grund will "Welcome Farewell" als Gesamtwerk kaum zünden. Das war übrigens auch auf der Tour zu diesem Album zu bemerken - viele neue Songs wurden gespielt, auf alte Gassenhauer wurde großteils verzichtet (vom unverwüstlichen "Pitch Black" mal abgesehen) und die Reihen haben sich auch in kleinen Clubs wie dem Wiener "Escape" schneller gelichtet, als der Band lieb war.

Nach fünf guten bis sehr guten Alben seit 2004 ist "Welcome Farewell" damit der erste Durchhänger, den Vreid zu verzeichnen haben. Dafür kann es im Endeffekt eigentlich trotz aller Sympathie für die norwegischen Rocker nur zwei Sterne geben - wenn da nicht das super gestaltete, atmosphärische Albumcover wäre. Ist ein heißer Tipp für eines der besten Motive 2013, daher lasse ich mich - ausnahmsweise - zu einem Bonusstern für gutes Artwork hinreißen. Die Musik allein hätte es eigentlich nicht verdient.


Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang
Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang
von Arkadi Strugatzki
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil, 16. April 2013
Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" (auch als "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer "normalen" zu einer "Superzivilisation" scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben höchst nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren - wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht... Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" teilweise sehr befremdlich, wenn man "normale" Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist - wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt - eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanislaw Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werke ist "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" meines Erachtens aber nicht - zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Sterne - ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.


Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang.
Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang.
von Arkadi Strugatzki
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Harter Tobak in gewöhnungsbedürftigem Stil, 16. April 2013
Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind ja für ihren ausgesprochen interessanten, mitunter aber auch recht trockenen Zugang zur Science Fiction bekannt. "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" (auch als "Eine Milliarde Jahre vor dem Weltuntergang" erschienen) ist ein Beispiel für die nicht gerade angenehm zu konsumierende Variante eines Strugatzki-Buches. In der dünnen Handlung wird der Frage nachgegangen, warum und unter welchen Umständen der Sprung von einer "normalen" zu einer "Superzivilisation" scheitern könnte.

Das liest sich in einer Rezension wie ein höchst spannendes Thema. Allerdings seien potentielle Leser gewarnt: Die Andeutungen, die die Autoren in die einzelnen Kapitel verpacken, bleiben höchst nebulös. Es gibt zwar Erklärungsansätze für die Ereignisse, die dem Protagonisten und seinen Kollegen widerfahren - wirklich verständlich und schlüssig ist allerdings kaum etwas. Zumindest nicht aus Science Fiction-Sicht... Aus den Anmerkungen geht hervor, dass das Buch als Allegorie auf die Zustände in der ehemaligen Sowjetunion zu lesen ist, ferner dass "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" das einzige Strugatzki-Werk ist, in dem alle Figuren einem realen Vorbild entsprechen. Das Buch ist also eine geschickt verpackte Kritik am Regime des Heimatlandes der Autoren und aus dieser Sicht dementsprechend wichtig.

Stilistisch wirkt "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" teilweise sehr befremdlich, wenn man "normale" Lesegewohnheiten als Maßstab nimmt. Die Präsentation der Thematik ist - wie man es aus der osteuropäischen Science Fiction kennt - eher trocken, lässt an einigen Stellen aber auch den bei den Strugatzkis durchaus vorhandenen Humor durchschimmern. Die elf (sehr kurzen) Episoden und ihre Unterkapitel beginnen mit Auslassungspunkten bzw. unvollständigen Sätzen. Warum das so ist, hat sich mir persönlich während der Lektüre nicht erschlossen. Gegen Ende des Buches gibt es auch noch einen Perspektivenwechsel von der dritten in die erste Person, ein stilistisches Mittel, das von den Autoren gelegentlich angewandt wird.

Wem dieses Buch letztendlich gefallen könnte, ist schwer zu sagen. Hauptsächlich werden sich wohl Leser von philosophischer Science Fiction, wie man sie beispielsweise auch von Frank Herbert, Philip K. Dick, Isaac Asimov oder auch Stanislaw Lem kennt, angesprochen fühlen. Ganz vergleichbar mit deren Werke ist "Milliarden Jahre vor dem Weltuntergang" meines Erachtens aber nicht - zu stark steht hier der gesellschaftskritische Aspekt im Vordergrund. Einen Blick riskieren können die Fans der genannten Autoren aber auf jeden Fall. Jeder, der eine Art Space Opera oder ähnliches erwartet, sollte einen großen Bogen um dieses Werk machen. Im Endeffekt reicht es bei mir für vier Sterne - ich habe trotz des wichtigen Themas definitiv schon Besseres von Arkadi und Boris Strugatzki gelesen.


Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis [Deluxe Edition] [2 DVDs]
Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis [Deluxe Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Adrian Pasdar
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,33

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trotz Nostalgiebonus eher bescheiden, 15. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
So ist das mit der Nostalgie... Vor vielen Jahren hat man einmal einen Film im Fernsehen gesehen - und aus irgendeinem Grund, der vielleicht gar nichts mit dem Film selbst zu tun hat, hat man das Gefühl, dass er ausgezeichnet war. Nach langer Zeit, in der man nicht an den Streifen gedacht, sogar den Namen vergessen hat, sieht man ihn zufällig im Geschäft oder im Netz und greift zu. Die Vorfreude ist groß und auch die ersten Minuten sind durchaus in Ordnung, nach dem Ansehen regiert allerdings die große Enttäuschung und man merkt: Nur eine nostalgisch verklärte Sicht hat den Film so toll erscheinen lassen, wie er in Wirklichkeit nie war.

Lange Einführung, kurzer Sinn: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" habe ich einmal gesehen und der Film wurde in meiner Erinnerung zum Klassiker. Warum das so war kann ich bis heute nicht verstehen. Objektiv betrachtet ist der Film von Kathryn Bigelow (u. a. "Strange Days" und "Zero Dark Thirty") zwar gar nicht schlecht, das Zeug zum Klassiker hat er definitiv nicht.

Beginnen wir aber mit dem Positiven: Der Film aus dem Jahre 1987 ist ein Vampirfilm, der stilistisch und auch von der Handlung her stark an den wesentlich bekannteren und erfolgreicheren "The Lost Boys" (ebenfalls 1987) erinnert. Wobei in "Near Dark" das Wort "Vampir" und seine Synonyme kein einziges Mal ausgesprochen wird. Ist auch nicht notwendig - die Bilder sprechen ja für sich. Die Optik entspricht dem in den 1980er Jahren offensichtlich sehr beliebten "moderner Western"-Setting, dementsprechend wird die Vampir-Gang als eine Art "Outlaws" portraitiert. Die Bilder sind sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und wurde wunderbar fotografiert. Zu beachten ist die teilweise recht explizite Gewaltdarstellung, insbesondere wenn Vampire dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Der Soundtrack stammt von den Elektro-Pionieren Tangerine Dream, ist und entspricht im Wesentlichen dem, was man von einem Film dieser Epoche erwartet. Spektakulär geht anders, aber immerhin gibt es wesentlich schlechtere Filmmusik.

Zu den Charakteren ist zu bemerken, dass der Film abgesehen von kleinen Andeutungen keinerlei Wert auf tiefe Einblicke legt. Man erfährt nichts relevantes über die Hintergrundgeschichte der Protagonisten - alle sind einfach so, wie sie sind. Die Vampirbande ist - mit einer Ausnahme - eine Gang von sadistischen, gefühllosen Outlaws, die von ihren Schauspielern zumindest gut verkörpert werden. Was das betrifft ist eigentlich alles im grünen Bereich, speziell Bill Paxton als Cowboy-Vampir "Severen" und Lance Henriksen als Ober-Blutsauger "Jesse Hooker" können überzeugen.

Woran es letztlich krankt ist die Story, die einerseits absolute Standardkost ist, andererseits unter einem relativ trägen Drehbuch leidet, wodurch sich letztlich wohl auch die Schauspieler nicht richtig in Szene setzen können. Im Prinzip ist es das Übliche: Ein Mensch verliebt sich in einen Vampir, wird selbst zum Vampir, weigert sich, sein neues "Leben" zu akzeptieren (also: zu töten), wird schließlich doch Teil der Vampirgesellschaft und wird dann noch vor die Wahl der Rückkehr in ein menschliches Leben gestellt. All das wurde stark komprimiert und passiert ohne jegliche Überraschungsmomente, bis hin zum erwartungsgemäß kitschigen Finale. Mehr ist es nicht - wer möchte, kann noch die Themen der körperlichen und psychischen Abhängigkeit in den Film interpretieren, aber auch dazu gibt es besseres Material.

Fazit: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" ist eine Mischung aus Horrorfilm, Western, Road-Movie und Liebesfilm, die von den Grundvoraussetzungen her bestens ausgestattet wurde und mit großteils ambitionierten Schauspielern aufwarten kann. Leider machen eine Story, die auf Nummer sicher geht und ein wenig durchdachtes Drehbuch dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Damit sind maximal drei Sterne möglich, von denen einer nur aus Nostalgiegründen vergeben wird. Von einem "frühen Meisterwerk" der Regisseurin kann aus meiner Sicht leider keine Rede sein.


Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis
Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis
DVD ~ Adrian Pasdar
Wird angeboten von Musiktruhe
Preis: EUR 10,70

3.0 von 5 Sternen Trotz Nostalgiebonus eher bescheiden, 15. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis (DVD)
So ist das mit der Nostalgie... Vor vielen Jahren hat man einmal einen Film im Fernsehen gesehen - und aus irgendeinem Grund, der vielleicht gar nichts mit dem Film selbst zu tun hat, hat man das Gefühl, dass er ausgezeichnet war. Nach langer Zeit, in der man nicht an den Streifen gedacht, sogar den Namen vergessen hat, sieht man ihn zufällig im Geschäft oder im Netz und greift zu. Die Vorfreude ist groß und auch die ersten Minuten sind durchaus in Ordnung, nach dem Ansehen regiert allerdings die große Enttäuschung und man merkt: Nur eine nostalgisch verklärte Sicht hat den Film so toll erscheinen lassen, wie er in Wirklichkeit nie war.

Lange Einführung, kurzer Sinn: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" habe ich einmal gesehen und der Film wurde in meiner Erinnerung zum Klassiker. Warum das so war kann ich bis heute nicht verstehen. Objektiv betrachtet ist der Film von Kathryn Bigelow (u. a. "Strange Days" und "Zero Dark Thirty") zwar gar nicht schlecht, das Zeug zum Klassiker hat er definitiv nicht.

Beginnen wir aber mit dem Positiven: Der Film aus dem Jahre 1987 ist ein Vampirfilm, der stilistisch und auch von der Handlung her stark an den wesentlich bekannteren und erfolgreicheren "The Lost Boys" (ebenfalls 1987) erinnert. Wobei in "Near Dark" das Wort "Vampir" und seine Synonyme kein einziges Mal ausgesprochen wird. Ist auch nicht notwendig - die Bilder sprechen ja für sich. Die Optik entspricht dem in den 1980er Jahren offensichtlich sehr beliebten "moderner Western"-Setting, dementsprechend wird die Vampir-Gang als eine Art "Outlaws" portraitiert. Die Bilder sind sehr gut gelungen, alles wirkt stimmig und wurde wunderbar fotografiert. Zu beachten ist die teilweise recht explizite Gewaltdarstellung, insbesondere wenn Vampire dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Der Soundtrack stammt von den Elektro-Pionieren Tangerine Dream, ist und entspricht im Wesentlichen dem, was man von einem Film dieser Epoche erwartet. Spektakulär geht anders, aber immerhin gibt es wesentlich schlechtere Filmmusik.

Zu den Charakteren ist zu bemerken, dass der Film abgesehen von kleinen Andeutungen keinerlei Wert auf tiefe Einblicke legt. Man erfährt nichts relevantes über die Hintergrundgeschichte der Protagonisten - alle sind einfach so, wie sie sind. Die Vampirbande ist - mit einer Ausnahme - eine Gang von sadistischen, gefühllosen Outlaws, die von ihren Schauspielern zumindest gut verkörpert werden. Was das betrifft ist eigentlich alles im grünen Bereich, speziell Bill Paxton als Cowboy-Vampir "Severen" und Lance Henriksen als Ober-Blutsauger "Jesse Hooker" können überzeugen.

Woran es letztlich krankt ist die Story, die einerseits absolute Standardkost ist, andererseits unter einem relativ trägen Drehbuch leidet, wodurch sich letztlich wohl auch die Schauspieler nicht richtig in Szene setzen können. Im Prinzip ist es das Übliche: Ein Mensch verliebt sich in einen Vampir, wird selbst zum Vampir, weigert sich, sein neues "Leben" zu akzeptieren (also: zu töten), wird schließlich doch Teil der Vampirgesellschaft und wird dann noch vor die Wahl der Rückkehr in ein menschliches Leben gestellt. All das wurde stark komprimiert und passiert ohne jegliche Überraschungsmomente, bis hin zum erwartungsgemäß kitschigen Finale. Mehr ist es nicht - wer möchte, kann noch die Themen der körperlichen und psychischen Abhängigkeit in den Film interpretieren, aber auch dazu gibt es besseres Material.

Fazit: "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" ist eine Mischung aus Horrorfilm, Western, Road-Movie und Liebesfilm, die von den Grundvoraussetzungen her bestens ausgestattet wurde und mit großteils ambitionierten Schauspielern aufwarten kann. Leider machen eine Story, die auf Nummer sicher geht und ein wenig durchdachtes Drehbuch dem Erfolg einen Strich durch die Rechnung. Damit sind maximal drei Sterne möglich, von denen einer nur aus Nostalgiegründen vergeben wird. Von einem "frühen Meisterwerk" der Regisseurin kann aus meiner Sicht leider keine Rede sein.


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