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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
(TOP 1000 REZENSENT)   

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A Vampyre Story
A Vampyre Story

3.0 von 5 Sternen Gute Ansätze, mittelmäßige Umsetzung, 24. September 2013
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: A Vampyre Story (Computerspiel)
Lange im Kasten verstaubt, jetzt endlich gespielt. Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: "A Vampyre Story" hat sehr gute Ansätze und einige tolle Momente, kann insgesamt aber nicht ganz überzeugen und vergeudet letztlich einen Teil seines wahren Potentials.

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Atmosphäre des Spieles stimmt - ohne Wenn und Aber. Der grafische Stil ist durchgehend gelungen und stellt das düster-komische Geschehen in Draxsylvanien perfekt dar. Auch die Musik, die sich mit jeder Location ändert, kann überzeugen und wurde sehr passend gewählt. Die Dialoge, die vor Anspielungen auf Musik, Filme und andere Spiele strotzen, sind meiner Ansicht nach - mit wenigen Ausnahmen - ausgesprochen witzig. Sogar die Synchronsprecher bzw. die Übersetzung sind ausnahmsweise einmal gut ausgewählt worden. Und last but not least haben es die Programmierer tatsächlich geschafft, die gute, alte Point & Click-Atmosphäre in die Gegenwart zu übertragen. Sogar Zugeständnisse an die Moderne, Beispielsweise der Hotkey für klickbare Objekte und die Möglichkeit, die Spielfigur beschleunigt durch die Kulissen zu bewegen, wurden gut eingebunden. Auch dass es neben der eigentlichen Spielfigur "Mona" noch einen Begleiter (die Fledermaus "Froderick") gibt, ist eine gute Idee - manche Aufgaben lassen sich nur mit Teamwork lösen.

Optisch, akustisch und atmosphärisch ist "A Vampyre Story" also sehr gut gelungen. Es gibt allerdings einige Probleme, die das Spielvergnügen erheblich mindern. Größtes Ärgernis: Die Rätsel sind teilweise derart unlogisch und an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fragt, wie man ohne Komplettlösung vorankommen soll. Vom Schwierigkeitsgrad her, hat wohl "Maniac Mansion" Pate gestanden... Zweiter Punkt ist die Bedienung. Die klassischen Verben ("Gehe zu..." usw.) gibt es natürlich nicht mehr. Das Interface besteht aus vier möglichen Aktionen ("Schauen" - "Sprechen" - "Nehmen" - "Fliegen"), zusätzlich gibt es ein Inventar, in dem Gegenstände automatisch abgelegt werden. Zumindest, wenn die Spielfigur gerade "Lust" dazu hat - wenn nicht, "merkt" sie sich, wo ein wichtiger Gegenstand liegt und holt ihn im Bedarfsfall. Klingt kompliziert? Naja, zumindest ein wenig. Insgesamt sind Interface und Bedienung jedenfalls wenig intuitiv und eher schwerfällig. Vor allem die "Merkfunktion" im Inventar ist ein Ärgernis und sorgt für lästige Unterbrechungen im Spielfluss: Jedes Mal, wenn ein "gemerkter" Gegenstand verwendet wird, "teleportiert" sich die Spielfigur dorthin, wo er liegt und wieder zurück. Das dauert seine Zeit und ist meiner Ansicht nach vollkommen überflüssig. Ein möglicher Sinn dieser Vorgehensweise könnte sein, dass die Programmierer die Spielzeit ein wenig strecken mussten - das ist nämlich ein weiterer Kritikpunkt. "A Vampyre Story" ist im Endeffekt sehr kurz, eigentlich zu kurz für ein Vollpreis-Spiel. Mittlerweile ist das Produkt ja sehr günstig zu haben, deshalb kann man den Punkt heute eigentlich vernachlässigen - zum Erscheinungszeitpunkt wäre das ein klarer Grund für eine Abwertung gegeben.

Als letzten Punkt möchte ich die Story ansprechen. Großen Tiefgang habe ich mir an dieser Stelle ohnehin nicht erwartet - aber was "A Vampyre Story" letztlich bietet ist nicht mehr, als ein Ansatz für eine gute Geschichte. Das Spiel besteht eigentlich nur aus einer einzigen Aufgabe - aus dem Schloss und letztlich aus dem Land zu entkommen. Das alles funktioniert sehr linear - alternative Lösungswege oder Möglichkeiten, Aufgaben in einer anderen Reihenfolge zu lösen, gibt es nicht. Diese Geradlinigkeit und die eindimensionale Hintergrundgeschichte lassen den Wiederspielwert gegen Null tendieren. Auch das ist schade - einige Verstrickungen in der Story hätten dem Spiel sicher gut getan.

Letztlich ist "A Vampyre Story" ein netter Zeitvertreib für frustresistente Abenteuer, die sich gerne an unlogischen Rätseln die Zähne ausbeißen. Nicht mehr und nicht weniger. Da retten auch die witzigen Einfälle, die nahezu am laufenden Band zu bemerken sind, nicht viel. Schade, es hätte mehr draus werden können/müssen. So reicht es nur für magere drei Sterne, beim Spielspaß muss aufgrund der schwerfälligen Bedienung sogar noch einer abgezogen werden.


Satyricon
Satyricon
Preis: EUR 19,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders, ganz anders als erwartet, 6. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Satyricon (Audio CD)
Bereits bei den ersten Klängen des Intros von Satyricons selbstbetitelter 2013er Platte, "Voice Of Shadows", spürt man förmlich, wie selbsternannte Szene-Polizisten beginnen, ihre Messer zu wetzen. Denn was hier nach den ersten Drumkicks zu hören ist, klingt alles andere als norwegisch bzw. "trve". Eine bedächtige, dennoch mächtige Gitarrenmelodie, die eher an den Orient denken lässt. Man glaubt kaum, dass man hier wirklich eine Platte von Satyricon aufgelegt hat. Ist aber so, wie spätestens beim ersten Gesangseinsatz von "Trog Og Kraft" zu hören ist. Hier strapaziert eindeutig Meister Satyr seine Stimmbänder, darüber kann auch die Melodie nicht hinweg täuschen, die das Intro geschickt wieder aufnimmt. Dadurch wird eine dichte, sehr düstere Atmosphäre geschaffen, die man so von Satyricon schon länger nicht mehr gehört hat. Noch dazu ist das Stück ausgesprochen abwechslungsreich, gegen Ende gibt es sogar ein kurzes akustisches Zwischenspiel zu hören. Insgesamt ein ausgesprochen starker Einstieg in dieses Album, der jeden Hörer, der kein neues "Nemesis Divina" erwartet, regelrecht gefangen nimmt. Ein Gefühl, das – zumindest bei mir – über die gesamte Spielzeit aufrecht bleibt. Wobei nicht verhehlt werden soll, dass man gelegentlich überrascht aufhorcht, doch dazu weiter unten.

Diese …ähem… "gute" Gefühl bleibt auch beim für die neuere Satyricon-Ausrichtung typischen "Our World, It Rumbles Tonight". Ein schneller Track im Stile von "Now, Diabolical" – speziell das MG-Riffing muss man gehört haben, aber auch die Leadgitarre weiß zu überzeugen. Dazu gibt es den üblichen Knurr-Keif-Gesang von Satyr, an dem ich persönlich nichts auszusetzen finde. In eine ähnliche Kerbe haut auch das eine Spur düsterere "Nocturnal Flare", das vor allem im Gitarrenbereich mit vielen Details aufwartet, die man beim ersten Hören schwer erfasst, die letztlich aber verantwortlich für die außergewöhnlich unheilvolle, drückende Atmosphäre sind. Einziger Wermutstropfen: Dieser Song hätte ruhig eine Minute kürzer sein können… So richtig Gas geben Satyricon bei "Walker Upon The Wind" – durchaus überraschend, mit so einem wütenden Ausbruch inklusive Doublebass-Gewitter und flirrenden Gitarren hätte man bei den Veteranen kaum noch gerechnet. Gefällt! Ihrer eigenen Vergangenheit besinnen sich Satyricon auf diesem Album speziell auch im dafür perfekt betitelten "Ageless Northern Spirit". Ein handelsüblicher Black Metal-Song, der sich anfühlt, als wäre er speziell für die kalte Heimat der Band geschrieben worden. Gar nicht übel, auch wenn man ähnliches von dieser Band schon besser gehört hat.

Die genannten Songs sind großteils gut und können – zumindest zum Teil – durchaus im Satyricon-Kontext eingeordnet werden. Anders sieht es mit dem Rest des Materials aus. "Nekrohaven" ist das kürzeste Stück auf "Satyricon". Ein eher brachialer Track, manche könnten sich am teilweise elektronisch verzerrten Gesang von Satyr stören. Sind vermutlich die gleichen, die sich auf der anderen Seite mehr Abwechslung wünschen… Interessanter als das Gekrächze ist aber ohnehin die Musik, die hier einen sehr starken Black n' Roll-Einschlag aufweist. Orientiert sich stark in Richtung Kvelertak, was auf einer Satyricon-Scheibe natürlich gewöhnungsbedürftig klingt. Ich persönlich sehe es als rumplige Hommage und finde den Song gut.

Im Gegensatz dazu ist "The Infinity Of Time And Space" mit 7:48 Minuten der längste Song auf "Satyricon" und eine noch größere Überraschung. Wenn hier plötzlich Sprechgesang auf dem Programm steht und das Ganze nach dem auch anno 2013 immer noch sehr beliebten "Okkult-Rock" klingt, ist man zunächst ausgesprochen verdutzt. Interessant ist allerdings, dass Satyricon mit diesem staubtrockenen Stück einige der Bands dieses Genres hinter sich lassen. "The Infinity Of Time And Space" ist tatsächlich ein Song, wie geschaffen für große Lautstärke und das Hören auf Vinyl. Majestätisch und gleichzeitig lässig rockend – man glaubt kaum, dass hier Satyr und Frost am Werk sind, wenn der Gesang und die eingestreuten Black Metal-Parts nicht wären, würde ich spontan an Acts wie Graveyard denken. "Natt" ist schließlich der passende, düster-unheimliche Ausklang von "Satyricon". Geisterhaftes Geflüster und eine hypnotische Melodie lassen ein intensives Album ausklingen und hinterlassen in diesem Fall ein Gefühl, wie bei einem Filmabspann. Und das passt ja eigentlich auch ganz gut zu der Achterbahnfahrt, die "Satyricon" als Album im Endeffekt ist.

Bleibt noch "Phoenix" zu erwähnen – der Song, an dem sich die Geister am meisten scheiden werden. Nein, das ist kein Black Metal – auch wenn das Stück durchaus so beginnt. Hmm… eine gewisse Ähnlichkeit zu "The Infinity Of Time And Space" ist hier auszumachen, wird durch den Gastgesang von Sivert Høyem (Madrugada) allerdings auf die Spitze getrieben. Das hat schon fast etwas von – keine Ahnung. Ghost? Muse? The Doors? Ich kann es nicht genau einordnen. Es ist jedenfalls ein Stück, wie es auf einer Satyricon-Scheibe noch nie vorgekommen ist. Und: Es ist ein verdammter Hit, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der einzige wirkliche Hit auf dieser insgesamt sehr düsteren und wenig eingängigen Scheibe. Was man damit anfangen soll, muss jeder für sich entscheiden. Mir persönlich gefällt es ausgezeichnet – wäre aber wohl am Ende der Scheibe besser aufgehoben gewesen. Aber solche Konventionen und Überlegungen, wie man es allen recht machen kann, waren ja noch nie etwas für Satyricon, die sich schon vor langer Zeit davon befreit haben, es der "trve"-Fraktion (deren Gesichter ich beim Hören von "Phoenix" übrigens für mein Leben gern sehen würde…) recht machen zu wollen.

Fazit: Mit dieser Scheibe haben Satyricon mit Sicherheit nicht die beste Platte ihrer bisherigen Karriere geschaffen. Aber eine derartige Steigerung gegenüber dem noch auf dem mittelprächtigen "The Age Of Nero" zelebrierten, mittlerweile ausgereizten Stil hätte ich nicht erwartet. "Satyricon" ist meiner Ansicht nach eines der düstersten und gleichzeitig abwechslungsreichsten und mutigsten Alben der Norweger. Unerwartet? Ja! Unerwartet gut? Ebenfalls: Ja! "Phoenix" hin, Black Metal her. Mir gefällt es sogar so gut, dass ich die Höchstwertung springen lasse.


Hail to the King (Deluxe Version)
Hail to the King (Deluxe Version)
Preis: EUR 21,99

21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kleiner als die Summe seiner Teile, 6. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Hail to the King (Deluxe Version) (Audio CD)
Avenged Sevenfold haben auch auf ihrem 2013er Album "Hail To The King" alles im Gepäck, um ein absolutes Top-Album abzuliefern: Einen der besten und wandlungsfähigsten Sänger, super Gitarristen, die sowohl im Lead- als auch im Riff-Bereich überzeugen können, eine tolle Rhythmussektion inklusive neuem Drummer und - nicht zuletzt - eine starke, transparente und ausgewogene Produktion. Auch die musikalischen Zutaten setzen sich wieder aus nahezu allen Teilen der bunten Metal- und Rockwelt zusammen, was eine stilistische Einordnung schwierig macht, aber auch ein ganz großes Alleinstellungsmerkmal ist. Noch dazu wirkt "Hail To The King" als Ganzes homogener und in sich geschlossener als Teile der Vorgänger-Alben, bei denen man oft nicht recht wusste, wohin die Band eigentlich will.

Gerade der letzte Punkt führt jedoch auch gleich zum großen "ABER", das nach so einer Einleitung fast schon zwangsläufig folgen muss... Also: Das Album wirkt zwar sehr homogen, dadurch leider ABER auch recht gleichförmig. Früher regierte im Hause A7X wesentlich mehr Abwechslung, auf "Hail To The King" herrscht großteils Midtempo vor. Richtige Ausbrüche gibt es (zu) selten. Im Prinzip wäre das kein großes Problem, wenn denn das Songwriting überzeugend wäre. Und genau hier liegt der Hund begraben: Die Stücke wirken unspektakulär, krallen sich selten im Gehörgang fest und scheinen teilweise regelrecht unmotiviert vorgetragen. So rauscht "Hail To The King" am Hörer vorbei, ohne den Eindruck zu hinterlassen, den man von Avenged Sevenfold bisher eigentlich gewohnt war. Das Gefühl, etwas Frisches, Neuartiges und Packendes zu hören, stellt sich auf Album Nummer sechs einfach nicht mehr ein. "Hail To The King" ist damit insbesondere seinen drei direkten Vorgängern deutlich unterlegen.

Das heißt natürlich nicht, dass A7X schlechte Musik veröffentlicht haben. Fakt ist aus meiner Sicht jedoch, dass Stücke wie das als Opener denkbar schlecht platzierte "Shepherd Of Fire" einfach nicht hängen bleiben. Auch nach x-Durchgängen weiß man im Nachhinein nicht so recht, wie dieser Song eigentlich klingt - es fehlt einfach ein zwingender Refrain, der der groovenden Midtempo-Chose etwas mehr Schwung verliehen hätte. Wie man sowas als Eröffnung eines Albums verwenden kann ist mir persönlich schleierhaft. Ähnliches gilt meiner Ansicht nach auch für die Guns n' Roses-Verbeugung "Doing Time". Gut gesungen und gespielt, aber vom Songwriting her den Highlights der Gunners weit unterlegen und für Avenged Sevenfold auch nicht zwingend genug. Neben diesen beiden Ausfällen kann mich das von anderen Rezensenten gelobte "Planets" nicht ganz überzeugen. Meiner Ansicht nach regiert bei diesem Song, der von Story und Effekten her an die alt-erwührdigen Bal-Sagoth erinnert, nicht die Dramaturgie, sondern bestenfalls Durchschnitt, was auch am eher eintönigen Gesang liegt.

Diesen schwachen bzw. durchschnittlichen Stücken stehen aber auch ein paar sehr gute Songs gegenüber. Der Titeltrack hat beispielsweise einen Refrain mit Ohrwurm-Charakter und bereits für die Live-Performance zurecht gelegte "Hail! Hail!"-Shouts. Genauso muss man ein gutes Lied anlegen, wenn man vorwiegend im Midtempo bleiben möchte. Man höre nur das Riffing während des Solos - wer da nicht mitnickt ist wohl nicht mehr zu retten. Sogar noch ein Stückchen besser: "This Means War". Ob das nur daran liegt, dass man sich hier ganz schön dreist vom Metallica-Gassenhauer "Sad But True" hat ...ähem... "inspirieren" lassen? Wie dem auch sei, der Song geht bestens rein und bleibt auch hängen - bis hin zum Kirk Hammett-Gedächtnissolo ein wirklich guter Track. A pro pos "Inspiration": Beim besten Song der Platte, "Coming Home", hört man von der ersten Sekunde an, dass hier Iron Maiden Pate standen. Und zwar nicht der gleichnamige Song vom schwachen "The Final Frontier"-Album, sondern eher die "Seventh Son Of A Seventh Son"-Phase der Eisernen Jungfrauen. Diesen mysteriösen Touch haben Avenged Sevenfold tatsächlich super hinbekommen - Daumen hoch! Mehr noch, man fragt sich sogar, wie Iron Maiden mit einer solchen Produktion wohl klingen könnten... Schließlich gilt es noch, "Heretic" positiv zu erwähnen - den neben Teilen von "Planets" schnellsten Song auf diesem Album, der am ehesten dem entsprechen dürfte, was sich ältere Fans von der Band erwarten. Ein gutes, abwechslungsreiches Stück, das alle Zutaten, die A7X ausmachen in sich vereint.

Und was gibt es sonst noch? Mit "Crimson Day" die übliche Power-Ballade, die ich in diesem Fall eher als durchschnittlich einordnen würde. Davor mit "Requiem" einen Song, bei dem man anfangs denkt, in einer Mischung aus Powerwolf, Metallica und Pantera gelandet zu sein - ein tonnenschwerer Groover, bei dem mir persönlich aber ein wirklicher Höhepunkt fehlt, wodurch das Stück künstlich in die Länge gezogen wirkt. Und schließlich gibt es mit "Acid Rain" ganz zum Schluss eine weitere Ballade, die recht stark ist und "Crimson Day" locker hinter sich lässt. Im Endeffekt ein guter Abschluss für das Album, auch wenn man einen gewissen Pop-Faktor nicht völlig ignorieren kann.

So weit so gut - bleibt die Frage, wie man das Gehörte einordnen soll. Mir persönlich fehlt auf "Hail To The King" trotz einiger sehr starker Songs einfach der letzte Kick. Über die ganze Platte hinweg bringen die Stücke aus meiner Sicht einfach nicht genug Schwung mit, um als Gesamtwerk überzeugen zu können. Ob das mit dem tragischen Tod von Drummer James Owen "The Rev" Sullivan Ende 2009 zusammenhängt, kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann nur beurteilen ob mir "Hail To The King" gefällt oder nicht - und hier muss ich sagen: Mehr als die Durchschnittswertung ist leider nicht drin - doppelt schade, wenn man die eingangs von mir erwähnten "Einzelteile" und die handvoll guter Songs bedenkt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 22, 2013 12:35 PM MEST


Der Prozeß
Der Prozeß
Preis: EUR 0,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tücken der Bürokratie, 20. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Prozeß (Kindle Edition)
Im Gegensatz zur leicht und schnell lesbaren, immer kurzweiligen "Verwandlung" ist "Der Prozess" (1925 von Kafkas Freund Max Brod posthum herausgegeben und überhaupt erst aus losen Notizen zusammengefügt) aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. In diesem Roman steht der Protagonist "Josef K." der anonymen Macht eines Gerichtes gegenüber - warum er verhaftet wurde, weiß er nicht. Kafka schildert die Hürden der Bürokratie, auf die sein Held trifft, sehr ausführlich und lässt dabei hin und wieder auch den ihm eigenen Humor aufblitzen. Im Endeffekt packt "Der Prozess" während der Lektüre aber mit seiner extrem verdichteten Atmosphäre.

Die Hilflosigkeit des Protagonisten, seine Unfähigkeit, die Mechanismen und Tücken der Bürokratie zu verstehen, überträgt sich bereits nach wenigen Seiten auf den Leser. Man fühlt sich sofort in die Welt von Josef K. hineinversetzt, ein ausgesprochen bedrückendes Gefühl. Noch dazu passieren im Laufe des Romans neben ganz real anmutenden bürokratischen Eigenheiten auch einige unerklärliche, fast mystische Dinge. Diese Bilder, die ausgesprochenen Symbolcharakter zu haben scheinen, wurden von Kafka so raffiniert eingebaut, dass sie das Gefüge des grundsätzlich sehr nüchternen und eher trockenen Buches keineswegs stören. Auch das trägt zur geheimnisvollen Gesamtatmosphäre des Buches bei. Das eine solche Geschichte kein Happy End haben kann, liegt fast auf der Hand.

Die Versuche der Interpretation dieses Werkes sind vielfältig - sie reichen von einer Art Autobiographie (K. = Kafka) bis hin zu einer prophetischen Vision des Nazi-Terrors. Meiner Ansicht nach haben alle Interpretationsversuche etwas für sich. Man sollte aber bei aller Liebe zu verschiedenen Deutungen nicht vergessen, dass es vornehmlich Kafkas Umgang mit der deutschen Sprache ist, der die Lektüre trotz (oder gerade wegen?) des trockenen Themas so spannend macht.


Der Process
Der Process
von Michael Müller
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Tücken der Bürokratie, 20. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Process (Taschenbuch)
Im Gegensatz zur leicht und schnell lesbaren, immer kurzweiligen "Verwandlung" ist "Der Proceß" (1925 von Kafkas Freund Max Brod posthum herausgegeben und überhaupt erst aus losen Notizen zusammengefügt) aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. In diesem Roman steht der Protagonist "Josef K." der anonymen Macht eines Gerichtes gegenüber - warum er verhaftet wurde, weiß er nicht. Kafka schildert die Hürden der Bürokratie, auf die sein Held trifft, sehr ausführlich und lässt dabei hin und wieder auch den ihm eigenen Humor aufblitzen. Im Endeffekt packt "Der Proceß" während der Lektüre aber mit seiner extrem verdichteten Atmosphäre.

Die Hilflosigkeit des Protagonisten, seine Unfähigkeit, die Mechanismen und Tücken der Bürokratie zu verstehen, überträgt sich bereits nach wenigen Seiten auf den Leser. Man fühlt sich sofort in die Welt von Josef K. hineinversetzt, ein ausgesprochen bedrückendes Gefühl. Noch dazu passieren im Laufe des Romans neben ganz real anmutenden bürokratischen Eigenheiten auch einige unerklärliche, fast mystische Dinge. Diese Bilder, die ausgesprochenen Symbolcharakter zu haben scheinen, wurden von Kafka so raffiniert eingebaut, dass sie das Gefüge des grundsätzlich sehr nüchternen und eher trockenen Buches keineswegs stören. Auch das trägt zur geheimnisvollen Gesamtatmosphäre des Buches bei. Das eine solche Geschichte kein Happy End haben kann, liegt fast auf der Hand.

Die Versuche der Interpretation dieses Werkes sind vielfältig - sie reichen von einer Art Autobiographie (K. = Kafka) bis hin zu einer prophetischen Vision des Nazi-Terrors. Meiner Ansicht nach haben alle Interpretationsversuche etwas für sich. Man sollte aber bei aller Liebe zu verschiedenen Deutungen nicht vergessen, dass es vornehmlich Kafkas Umgang mit der deutschen Sprache ist, der die Lektüre trotz (oder gerade wegen?) des trockenen Themas so spannend macht.


Preachers of the Night
Preachers of the Night
Preis: EUR 12,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zu sehr auf Nummer sicher, 20. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Preachers of the Night (Audio CD)
Zunächst: Ich bin trotz relativ fortgeschrittenem Metal-Alter beileibe keiner, der bei Bands wie Powerwolf sofort "Hype!" oder gar "Schlager!" schreit. Grundsätzlich finde ich die älteren Outputs der deutsch-rumänischen Truppe sogar gut bis sehr gut. Auch live machen die Wölfe meiner Ansicht nach hervorragend Stimmung, auch wenn es sicher nicht jedermanns Sache ist, wenn auf dem Metal-Festival zum Kirchgang gerufen wird...

Bei "Preachers Of The Night" war ich im Vorfeld skeptisch. Auch wenn zum (sehr guten) Vorgänger "Blood Of The Saints" der übliche 2-Jahres-Abstand eingehalten wurde, war die Erinnerung an diese Scheibe noch sehr frisch. Ein gewisses Gefühl der Übersättigung also, das sich beim Anhören des vorab veröffentlichten "Amen & Attack" noch verstärkte. An sich ist der Opener von "Preachers Of The Night" beileibe kein übles Stück, aber leider auch vollkommen mit bekannten Hits (speziell: "Sanctified With Dynamite" und "We Drink Your Blood") der Band austauschbar. Um es kurz zu machen: Der erste Durchlauf von "Preachers Of The Night" bestätigte meine Befürchtungen. Man spürt förmlich bei jedem Song, wie er nach bewährtem, mittlerweile aber leider auch ausgereiztem Powerwolf-Konzept am Reißbrett entstanden sein könnte. Auf den ersten drei Platten klang das alles noch frisch und neu, hatte Wiedererkennungswert und machte Lust auf mehr. Beim 2013er-Output fehlt mir dieses Gefühl fast vollständig. Egal ob der erwähnte Opener "Amen & Attack", "Coleus Sanctus" (ein thematischer quasi-Nachfolger des Gassenhauers "Resurrection By Erection") oder "Lust For Blood" (warum auch nicht, gab ja bisher schon "In Blood We Trust", "We Drink Your Blood" und "All We Need Is Blood"...) - praktisch jedem dieser Stücke fehlt meiner Meinung nach der eigene Charakter. Ebenso geht es dem eingängig-flotten, ein wenig zu sehr nach "Catholic In The Morning...Satanist At Night" klingenden "Sacred & Wild". Außerdem lassen Tracks wie das prinzipiell gute "Secrets Of The Sacristy", "Cardinal Sin", "In The Name Of God (Deus Vult)" sowie "Extatum Et Oratum" einen wirklich starken Refrain vermissen und rauschen dementsprechend am Hörer vorbei. Diese Lieder klingen in meinen Ohren eher wie Überbleibsel aus alten Recording-Sessions aus denen man noch schnell Songs zusammen gestückelt hat. Leidenschaft und Spielfreude sscheinen hier durch stures Wiederholen von Altbewährtem ersetzt worden zu sein. Der Tiefpunkt ist der stinklangweilige Rausschmeißer "Last Of The Living Dead", in meinen Ohren ein echter Totalausfall.

Wirklich zu gefallen wissen - weil sie aus der Masse herausstechen - eigentlich nur die Stücke "Kreuzfeuer" (sehr düster, mit deutsch-lateinischen Lyrics und echt cooler Gesanglinie) und die lässig hingeriffte, großartige Sergej Lukianenko-Verbeugung "Nochnoi Dozor". Übrigens hat sich das bei mir erst nach mehrmaligem Hören herauskristallisiert, ein Prozess, der bei den anderen Songs leider nichts genützt hat.

Generell kann man die Songs auf "Preachers Of The Night" als das übliche sakrale, englisch-lateinische Konglomerat bezeichnen, das hauptsächlich von Sangeswunder Attila Dorn und der mächtigen Kirchenorgel lebt. Wobei man auch hier konstatieren muss, dass der Rumäne sich zwar innerhalb des Powerwolf-Konzeptes sehr gut bewegt, man aber auch das Gefühl hat, jede Gesangslinie schon hundert Mal gehört zu haben. Speziell bei den Chören denkt man sich wiederholt: "Das kenn' ich doch..." Textlich bleibt man im Bereich von Sagen und Religion, wobei letztere mittlerweile sehr deutlich dominiert. Es gibt also wieder viel "Halleluja", "Amen", "Sanctus" usw. zu hören. Dass sich an dieser Thematik die Geister scheiden ist klar - für mich ist die Konzentration auf Religion und religionskritische Themen kein Grund für eine schlechte Bewertung. Im Gegenteil, das kann man schon als Alleinstellungsmerkmal sehen.

Fazit: Man kann den Wölfen nicht nachsagen, dass sie eine schlechte Band wären. Vor allem technisch hat es das Rudel wirklich drauf - schade, dass die gute Gitarrenarbeit, die man beispielsweise in "Secrets Of The Sacristy" zu hören bekommt, nicht von einem ebenso starken Refrain gekrönt wird. Auch im Sympathie-Bereich kann die Truppe durchaus punkten - das alles steht außer Frage. Meiner Ansicht nach funktioniert "Preachers Of The Night" einfach deshalb nicht, weil es zu routiniert, zu abgeklärt und letztlich zu gewollt klingt. Ich bin - nebenbei bemerkt - eigentlich auch ein Freund von "schönen" Produktionen, in vorliegendem Fall haben sich Powerwolf mit dem allzu glatten Mix aber keinen Gefallen getan. In meinen Ohren ist jedoch speziell in punkto Songwriting der Qualitätsunterschied zu den letzten drei Alben eklatant und es reicht damit nur für magere zwei Sterne.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2014 3:28 PM CET


Strugatzki Gesammelte Werke 1: Drei Romane in einem Band: Die bewohnte Insel; Ein Käfer im Ameisenhaufen; Die Wellen ersticken den Wind
Strugatzki Gesammelte Werke 1: Drei Romane in einem Band: Die bewohnte Insel; Ein Käfer im Ameisenhaufen; Die Wellen ersticken den Wind
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die "Maxim-Kammerer-Trilogie" in einem Buch, 8. August 2013
Die erste Frage, die sich stellt, wenn man die dicken Bücher der Strugatzki-Gesamtausgabe sieht, ist natürlich: Braucht man das, wenn man bereits alles von den russischen Schriftsteller-Brüdern im Schrank hat? Ich persönlich würde den Kauf jedem empfehlen, der ein paar Euro übrig hat und gerne diese Klassiker der russischen Science Fiction liest - auch wenn man vielleicht schon das eine oder andere Strugatzki-Werk im Regal stehen hat. Die in den Gesamtausgaben enthaltenen Romane wurden nämlich nicht nur neu übersetzt, sondern auch um in früheren Veröffentlichungen gestrichene Passagen ergänzt. Das bedeutet, dass man hier in den vollständigen Genuss der Bücher kommt, was früher kaum möglich war. Hinzu kommen umfangreiche Anmerkungen zu allen enthaltenen Geschichten - verfasst von Boris Strugatzki persönlich. Der Autor geht dabei nicht nur auf die Entstehungsgeschichte jedes Romans ein, sondern versucht auch zu erklären, was der jeweilige Hintergrund war und warum die Brüder in der Sowjetunion durchaus um ihr Leben fürchten mussten. Diese Anmerkungen sind mitunter genauso spannend wie die eigentlichen Geschichten und für sich schon beinahe den Kaufpreis wert. Noch dazu fällt durch die Anmerkung die Interpretation des teilweise doch recht schwer zu entschlüsselnden Stoffes wesentlich leichter. Für mein Dafürhalten ist die Gesamtausgabe also eine runde Sache.

Und wer noch nichts von den Strugatzkis hat, ist mit der Gesamtausgabe ohnehin bestens bedient. Band 1 enthält die drei lose zusammen hängenden Geschichten um Maxim "Mak Sim" Kammerer. Obwohl man durchaus von einer Trilogie sprechen kann, sind die drei Romane sehr unterschiedlich und zeigen verschiedene Facetten des Strugatzkischen Schaffens. Fazit: 5 Sterne und eine Kaufempfehlung.

Hier noch ein paar Worte zu den einzelnen Geschichten in diesem Band:

***** "Die bewohnte Insel" ist der Einstieg in die Trilogie um Maxim Kammerer. In diesem Roman wird der Frage nachgegangen, wie ein Außenstehender Änderungen in einer Gesellschaft herbeiführt, ohne zunächst eine Einmischung zu wollen. Die Geschichte wirkt auf mich sehr verdichtet, viele Details fallen beim ersten Lesen kaum auf. Dadurch "Die bewohnte Insel" zunächst schwer verständlich - weitere Lesedurchgänge beheben das und lassen langsam mehr und mehr Verständnis für die philosophischen Zusammenhänge aufkommen.

**** In "Ein Käfer im Ameisenhaufen" arbeitet der Protagonist als eine Art Detektiv - er versucht einen verschwundenen Progressor zu finden, der sich noch dazu höchst seltsam verhält. Maxim Kammerer spiel zwar immer noch eine wichtige Rolle, ist aber nicht mehr alleinige Hauptperson. Ein sprödes Buch, in dem sich viele Sätze dem sofortigen Verständnis entziehen - eigene Interpretationsleistung ist hier außerordentlich gefragt.

***** "Die Wellen ersticken den Wind" ist das Finale der Trilogie, die zwar nur lose zusammenhängt, deren Einzelbände man für sich genommen aber dennoch nur schwer versteht. In diesem Roman ist Maxim Kammerer nur noch in der Rahmenhandlung präsent. Er sammelt Dokumente in denen ein Protagonist Hinweisen nachgeht, die auf eine Anwesenheit von außerirdischen Progressoren auf der Erde hindeuten. Stilistisch unterscheidet sich das Werk von seinen Vorgängern deutlich - weniger herausfordernd ist es deshalb nicht. Ein sehr gelungener Abschluss der Trilogie ist es in jedem Fall.


Die Wellen ersticken den Wind - Phantastische Erzählung
Die Wellen ersticken den Wind - Phantastische Erzählung
von Arkadi Strugazki
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Die Kunst der Rekonstruktion, 6. August 2013
Es ist nicht einfach mit den Romanen von Arkadi und Boris Strugatzki. Mit ein Grund dafür sind die vielen "weißen Stellen", in ihren Erzählungen. Also Stellen, an denen wichtige Informationen zu fehlen scheinen, die nach einer Eigeninterpretation des Lesers verlangen. Genau das ist es, was viele Leser modernerer Science Fiction abschrecken wird; und genau das ist es auch, was die Bücher der russischen Schriftstellerbrüder so interessant und lesenswert macht. Denn auch abseits der von den Autoren ursprünglich vorgesehenen Interpretationsmöglichkeiten, die sich großteils auf das kommunistische Russland ihrer Zeit beziehen, gibt es immer aktuelle Lesarten für ihre Bücher. Dass das mitunter anstrengend sein kann und nicht nebenher funktioniert, soll nicht unerwähnt bleiben. Wer die leichte Unterhaltung sucht, sollte also auch von "Die Wellen ersticken den Wind" die Finger lassen.

Stilistisch unterscheidet sich dieser dritte und letzte Teil der Trilogie um Maxim "Mak Sim" Kammerer grundlegend von seinen Vorgängern. Die Geschichte setzt sich aus Teilen von Dokumenten und Interviews zusammen, hat also einen ähnlichen Charakter wie beispielsweise "Dracula" von Bram Stoker. Im Gegensatz dazu ist "Die Wellen ersticken den Wind" allerdings im typischen Strugatzki-Stil verfasst, also sehr trocken und ausgesprochen komplex. In diesem Buch hat sich die eigentliche Hauptfigur, also Maxim Kammerer, noch mehr von seiner Rolle entfernt, als in "Ein Käfer im Ameisenhaufen". Diesmal ist er überhaupt nur Interpret für von einem anderen vorgelegte Dokumente, in denen außergewöhnliche Ereignisse beschrieben werden, die auf Aktivitäten der Wanderer auf der Erde hinweisen. Was das letztlich bedeutet und ob sich tatsächlich außerirdische Progressoren auf der Erde befinden, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: In üblicher Strugatzki-Manier ist nichts wie es scheint und der Leser muss am Ende selbst entscheiden, wie er die Handlung verstehen will.

Wobei es nicht ganz so "schlimm" ist. In der aktuellsten Gesamtfassung gibt es auch zu dieser Geschichte die Erläuterungen von Boris Strugatzki, die einiges klarer werden lassen. Dennoch bleibt mehr als genug Spielraum für eigene Gedankenexperimente.

Fazit: "Die Wellen ersticken den Wind" ist ein gelungener Abschluss der "Kammerer-Trilogie". Gewohnt herausfordernd trotz ungewohntem Aufbau lädt das Buch dazu ein, sich mit dem Wesen der Menschheit zu beschäftigen. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man den Roman nur als gelungen bezeichnen. Die volle Punktzahl geht damit meiner Ansicht nach in Ordnung. Übrigens: Man sollte die Vorgängerromane gelesen haben, bevor man zu diesem Buch greift. Die Verbindung ist zwar eher locker, dennoch wird ansonsten vieles absolut unverständlich bleiben.


Die Wellen ersticken den Wind: Phantastische Erzählung
Die Wellen ersticken den Wind: Phantastische Erzählung
von Arkadi Strugatzki
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kunst der Rekonstruktion, 6. August 2013
Es ist nicht einfach mit den Romanen von Arkadi und Boris Strugatzki. Mit ein Grund dafür sind die vielen "weißen Stellen", in ihren Erzählungen. Also Stellen, an denen wichtige Informationen zu fehlen scheinen, die nach einer Eigeninterpretation des Lesers verlangen. Genau das ist es, was viele Leser modernerer Science Fiction abschrecken wird; und genau das ist es auch, was die Bücher der russischen Schriftstellerbrüder so interessant und lesenswert macht. Denn auch abseits der von den Autoren ursprünglich vorgesehenen Interpretationsmöglichkeiten, die sich großteils auf das kommunistische Russland ihrer Zeit beziehen, gibt es immer aktuelle Lesarten für ihre Bücher. Dass das mitunter anstrengend sein kann und nicht nebenher funktioniert, soll nicht unerwähnt bleiben. Wer die leichte Unterhaltung sucht, sollte also auch von "Die Wellen ersticken den Wind" die Finger lassen.

Stilistisch unterscheidet sich dieser dritte und letzte Teil der Trilogie um Maxim "Mak Sim" Kammerer grundlegend von seinen Vorgängern. Die Geschichte setzt sich aus Teilen von Dokumenten und Interviews zusammen, hat also einen ähnlichen Charakter wie beispielsweise "Dracula" von Bram Stoker. Im Gegensatz dazu ist "Die Wellen ersticken den Wind" allerdings im typischen Strugatzki-Stil verfasst, also sehr trocken und ausgesprochen komplex. In diesem Buch hat sich die eigentliche Hauptfigur, also Maxim Kammerer, noch mehr von seiner Rolle entfernt, als in "Ein Käfer im Ameisenhaufen". Diesmal ist er überhaupt nur Interpret für von einem anderen vorgelegte Dokumente, in denen außergewöhnliche Ereignisse beschrieben werden, die auf Aktivitäten der Wanderer auf der Erde hinweisen. Was das letztlich bedeutet und ob sich tatsächlich außerirdische Progressoren auf der Erde befinden, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: In üblicher Strugatzki-Manier ist nichts wie es scheint und der Leser muss am Ende selbst entscheiden, wie er die Handlung verstehen will.

Wobei es nicht ganz so "schlimm" ist. In der aktuellsten Gesamtfassung gibt es auch zu dieser Geschichte die Erläuterungen von Boris Strugatzki, die einiges klarer werden lassen. Dennoch bleibt mehr als genug Spielraum für eigene Gedankenexperimente.

Fazit: "Die Wellen ersticken den Wind" ist ein gelungener Abschluss der "Kammerer-Trilogie". Gewohnt herausfordernd trotz ungewohntem Aufbau lädt das Buch dazu ein, sich mit dem Wesen der Menschheit zu beschäftigen. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man den Roman nur als gelungen bezeichnen. Die volle Punktzahl geht damit meiner Ansicht nach in Ordnung. Übrigens: Man sollte die Vorgängerromane gelesen haben, bevor man zu diesem Buch greift. Die Verbindung ist zwar eher locker, dennoch wird ansonsten vieles absolut unverständlich bleiben.


Ein Käfer im Ameisenhaufen
Ein Käfer im Ameisenhaufen
von Arkadi Strugatzki
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Mak Sim als Detektiv, 5. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Ein Käfer im Ameisenhaufen (Broschiert)
"Ein Käfer im Ameisenhaufen" von den russischen Strugatzki-Brüdern ist der zweite Teil der Trilogie um Maxim "Mak Sim" Kammerer. Zentriert sich der Vorgängerroman, "Die bewohnte Insel", noch sehr stark auf den Hauptprotagonisten, ist in vorliegendem Werk eine grundsätzlich andere Herangehensweise zu beobachten. Es gibt eine Reihe von Nebenpersonen, deren Erfahrungen und Vergangenheit wesentlich ausführlicher beleuchtet werden - der Leser erhält dadurch mehr Input, als man es aus anderen Strugatzki-Erzählungen kennt.

Der Inhalt des Buches ist eine Art Detektivgeschichte; allgemein gesprochen ist der Held auf der Suche nach einer bestimmten Person. In diesem Fall ist die Herausforderung - sowohl für die Hauptfigur als auch für den Leser - aus ihm nur zögerlich zugänglich gemachten Informationen seine Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Das Gefühl, für einen riesigen Apparat zu arbeiten, der keine Notwendigkeit darin sieht, seine Anweisungen zu erläutern, ist allgegenwärtig. Dementsprechend schwer fällt die Lektüre zeitenweise - vor allem auch, weil bis zum Schluss nicht klar wird, was das Ganze eigentlich soll.

Damit ist es auch schon gesagt: In "Ein Käfer im Ameisenhaufen" verlangen Arkadi und Boris Strugatzki dem Leser einmal mehr sehr viel Eigenleistung ab. Auch wenn hier mehr erklärt wird, als in anderen Romanen der Brüder, entziehen sich viele Passagen nach wie vor dem einfachen Verständnis. Hier ist Mitdenken angesagt. Wer damit nichts anfangen kann, wird mit diesem Buch ebenso wenig Freude haben, wie mit dem Großteil der anderen Strugatzki-Veröffentlichungen.

Dass die Schriftsteller von ihrem Publikum so viel Mitarbeit verlangen, schlägt sich auch in diesem Werk im Stil nieder. Er entspricht genau dem, was man von den Klassikern der russischen Science Fiction erwartet, ist entsprechend distanziert und spröde. Auch damit muss man als Leser zurechtkommen - mir persönlich gefällt diese Abweichung zum westlichen Standard (der natürlich auch einiges für sich hat!) ausgesprochen gut.

Für die volle Punktezahl reicht es nicht ganz, ausgesprochen interessant ist der philosophische Ansatz über das Wesen der Menschheit aber allemal.


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