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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)

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Snow White & the Huntsman
Snow White & the Huntsman
DVD ~ Kristen Stewart
Preis: EUR 4,97

14 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ausstattung: Top! Drehbuch: Flop!, 20. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Snow White & the Huntsman (DVD)
Märchen bieten ja einiges an Stoff, der sich für epische Filmumsetzungen eignet. Und es war im Endeffekt nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das für sich entdeckt (bzw. wieder entdeckt). Nun kommt also das bekannte Märchen von "Schneewittchen" zu Blockbuster-Ehren und muss sich mit diversen Fantasy-Größen messen lassen.

Um es vorweg zu nehmen: Unbedingt gesehen haben muss man diesen Film nicht, auch wenn es durchaus einige positive Aspekte gibt. So macht der Streifen optisch Einiges her. Sowohl Ausstattung als auch Kostüme, Landschaften und Effekte sind gut bis sehr gut und passen hervorragend zur Märchen-Thematik. Ebenfalls gelungen ist der Soundtrack, auch wenn es sich dabei um die übliche, recht epische Fantasy-Kost handelt. In Bezug auf Optik und Akustik ist also alles im grünen Bereich.

Viel mehr uneingeschränkt Positives kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen. Das liegt vor allem am Drehbuch, das einigermaßen durchwachsen ist. Die Story vom "Schneewittchen" kenn man natürlich, insofern weiß man ja ungefähr, was einen erwartet. Leider wirkt der Film an vielen Stellen arg gestreckt und teilweise fast erschreckend substanzlos. Hier scheinen sich die Verantwortlichen ein bisschen zu sehr auf die optische Opulenz verlassen zu haben. Aber selbst wenn man davon absieht, kommt nur gelegentlich wirkliche Spannung auf und ab der Halbzeit werden die Längen teilweise zu echter Langeweile. Vor allem die Kämpfe hat man so oder so ähnlich in letzter Zeit schon tausendmal gesehen. Alles in allem läuft der Film nach den gewohnten Fantasy-Mustern ab, was ihn sehr vorhersehbar macht - bekanntes Märchen hin oder her.

Dem schwachen Drehbuch passen sich - zumindest teilweise - auch die schauspielerischen Leistungen an. Der "Huntsman" (Chris "Thor" Hemsworth) ist im Prinzip in Ordnung, auch wenn er es mit seiner Darstellung des ruppigen Trunkenboldes ein wenig übertreibt. Auch Charlize Theron als böse Stiefmutter spielt ganz gut. Neben diesen beiden gehen die übrigen Rollen ein wenig unter - was aber nichts gegen Kristen Stewart als "Snow White" ist. Die junge Dame schafft es absolut nicht, ihre Figur auch nur einigermaßen sympathisch rüberkommen zu lassen - oder hat das mit der Synchronisation zu tun? Wie auch immer, begeisterndes Spiel sieht für mich anders aus. Sehr gut sind übrigens die Zwerge gelungen - lustig und ruppig, das gefällt, auch wenn man sich fragt, warum es unbedingt acht statt sieben Zwerge sein mussten.

Zu den geschilderten - aus meiner Sicht recht großen - Problemen gesellen sich noch kleinere Ungereimtheiten. Beispielsweise fragt man sich schon, warum "Snow White" ausgerechnet das "Vater unser" betet. Christentum im Fantasy-Land? Völlig unverständlich... Und was zum ...ähem... Teufel haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht, weder "Snow White" noch "Huntsman" zu übersetzen bzw. synchronisieren? Nicht nur im Titel, sondern auch im Film? Das stört mich - der wahrlich nicht zu übertriebener Deutschtümelei neigt - ungemein. Charlize Theron spielt ja auch nicht die "Stepmother" sondern die Stiefmutter, der König ist der "König" und nicht der "King". Nur die beiden Hauptpersonen wurden auf englisch belassen - der Sinn entzieht sich mir völlig.

Was vielleicht noch einigen Filmfreaks auffallen wird: Es gibt eine stattliche Anzahl an Szenen, bei denen man sich nicht gerade unauffällig bei anderen Streifen bedient hat. Um nicht zu sagen: dreist geklaut. Beispielsweise flüchtet Snow White auf einem weißen Gaul vor diversen schwarz gekleideten Häschern auf schwarzen Pferden - die ganze Umsetzung inklusive Kameraarbeit erinnert frappierend an eine ähnliche Szene aus "Der Herr der Ringe - Die Gefährten". Oder der "Spiegel", der sich zunächst verflüssigt und danach menschenähnliche Form annimmt: "Terminator 2" lässt grüßen. Das Auftauchen der Schwiegermutter aus einem Milchbad (?) lässt spontan an "Die Königin der Verdammten" denken... Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, man merkt aber schon, worauf ich hinaus will. Prinzipiell gilt ja oft "besser gut geklaut, als schlecht selber gemacht", aber hier haben es die Filmemacher doch ein wenig übertrieben.

Mehr als zwei Sterne sind damit meiner Ansicht nach nicht drin für "Snow White & The Huntsman". Schade eigentlich, ich denke die ganze Thematik hätte mit einem besseren Drehbuch wesentlich mehr hergegeben. Gerade im Hinblick auf die mehr als ordentliche Optik des Films.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2012 8:46 PM MEST


Enslaved (Limited Digipack inkl. 3 Bonus-Tracks)
Enslaved (Limited Digipack inkl. 3 Bonus-Tracks)
Preis: EUR 17,49

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mörderischer Groove und brettharte Riffs - unerwartet starke Platte, 24. Mai 2012
Egal, wie sehr ich es versucht habe: Mit Soulfly konnte ich nie warm werden. Die für meinen Geschmack zu moderne Ausrichtung der Band schreckte mich ebenso ab, wie der von Max Cavalera immer wieder propagierte "Weltmusik"-Ansatz. Ich fand dieses Tribal-Zeugs schon bei Sepultura übertrieben, bei Soulfly ging es mir noch mehr auf die Nerven. Als man sich später wieder verstärkt dem guten alten Thrash widmete, haperte es teilweise erheblich am Songwriting. Im Endeffekt konnten mich aus dem Lager der Brasilianer in den letzten rund 15 Jahren eigentlich nur die Alben der Cavalera Conspiracy wirklich überzeugen. Wenn man die kläglichen Versuche von Sepultura, an alte Taten anzuknüpfen an ein Ende des Spektrums stellte und die ausgezeichnete Arbeit der Cavalera Conspiracy ans andere, blieb für Soulfly der Platz zwischen diesen beiden.

Zumindest bis "Enslaved". Denn diesem losen Konzeptalbum zum Thema Sklaverei, schafft es Max Cavalera endlich mal wieder, auch mit seiner von beabsichtigter Besetzungsrotation geprägten Band zu punkten. Zumindest bei Anhängern ganz harter Klänge. Die Scheibe ähnelt musikalisch der Cavalera Conspiracy, ist dabei aber etwas einfacher gestrickt. Ein Vorteil - es geht nämlich wesentlich direkter zur Sache, was sich sehr gut anfühlt. Den besten Vergleich zu "Enslaved" findet man wohl bei den Sepultura-Meisterwerken "Arise" und "Chaos A.D.", vielleicht noch bei diversen Alben der deutschen Heroen von Sodom. Teilweise wird derart brutal gespielt, dass man schon gar nicht mehr von Thrash sondern eher von Death Metal sprechen muss. Ein brachiales Stück folgt auf das nächste, aber merkwürdigerweise nutzt sich "Enslaved" trotzdem nicht so schnell ab, wie man das von jüngeren Brutalo-Bands gelegentlich kennt.

Wie man stilfremde Einflüsse trotz aller Härte perfekt integrieren kann, zeigt das meiner Ansicht nach beste Stück auf der Platte: In "Plata O Plomo" treffen Flamenco-Klänge auf mörderischen Groove, der aggressive, Cavalera-typische Gesang wird zusätzlich kraftvoll durch das Death Metal-affine Organ von Bassist Tony Campos (ehemals Static-X, Ministry) unterstützt. Das Ergebnis: ein unglaublich starkes, sehr intensives Lied über den 1993 erschossenen kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar. Voll überzeugen können auch das wohl härteste Soulfly-Stück bisher ("World Scum"), das zum "Hail! Hail! Hail!"-Gröhlen einladende "Gladiator" sowie "American Steel" und "Treachery", die klingen, als wären sie eigentlich für die Cavalera Conspiracy geschrieben worden. Auch stark: In "Redemption Of Man By God" gibt sich DevilDriver-Schreihals Dez Fafara am Mikro die Ehre und "Revengeance" als Gemeinschaftsproduktion von Max, Igor, Richie und Zyon Cavalera. Allesamt exzellente Tracks, die ich von Soulfly in dieser Phase ihrer Karriere nicht so stark erwartet hätte.

Demgegenüber fallen die restlichen Stücke ein wenig ab, auch wenn es keinen wirklichen Ausfall gibt. Aber "Intervention" und "Legions" rauschen im Endeffekt fast unbemerkt am Hörer vorbei. Auch einer der Bonustracks auf der Limited Edition, "Slave", teilt dieses Schicksal. Das obligatorische Instrumental "Soulfly VIII" wurde diesmal übrigens auch in die Bonussektion gepackt. Violinen und Metal? Wieso nicht, hier passts wirklich gut, auch wenn ich kurzfristig den Eindruck hatte, eine Apocalyptica-Scheibe zu hören (ja, ich weiß, die verwenden Celli...).

Fazit: Soulfly haben mit "Enslaved" ein sehr starkes Album vorgelegt, das ich in dieser Intensität nicht von der Band erwartet hätte. Ein zweiter Frühling für Max Cavalera? Die Zeit muss es zeigen - für dieses Album zücke ich jedenfalls die Höchstwertung, wenn ich auch zugebe, dass einige Hörer die Eigenständigkeit von Soulfly vermissen werden. Die müssen mindestens einen Punkt abziehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 3, 2013 1:38 PM CET


Midnight in the Labyrinth (Ltd.)
Midnight in the Labyrinth (Ltd.)
Wird angeboten von hardliner-music
Preis: EUR 19,19

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Spannend geht anders, 22. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Midnight in the Labyrinth (Ltd.) (Audio CD)
Metal und Klassik sind nicht so weit voneinander entfernt, wie viele denken. Wie gut die Stile harmonieren, kann man an einigen Beispielen nachhören, darunter auch Cradle Of Filth auf ihrer "symphonischsten" Platte "Damnation And A Day". Für dieses Album paktierten die Briten mit dem Budapester Film Orchester; das Ergebnis war zwar etwas sperrig, aber alles andere als schlecht. Mit "Damnation And A Day" ist "Midnight In The Labyrinth" aber keineswegs zu vergleichen, auch nicht mit neueren Outputs vergleichbarer Bands (wie Dimmu Borgirs "Abrahadabra"). Vielmehr erfüllt sich Dani Filth mit diesem Album den langgehegten Wunsch nach einer Art düsterem Soundtrack. Umgesetzt wurde das Ganze mit altbekannten Stücken, die allesamt von den ersten vier Cradle-Longplayern stammen.

So weit, so gut. Die Ernüchterung folgt aber leider recht schnell. Das Album verzichtet völlig auf Metal-typische Instrumentierung, es gibt also vor allem keinerlei Gitarren zu hören. Lediglich Teile der Texte werden von Dani Filth gesprochen, gesungen und ab und an mal etwas aggressiver intoniert, außerdem gibt es ein Comeback von Sarah Jezebel Deva, von der man sich 2008 getrennt hatte. Das alles ist erstmal sehr gewöhnungsbedürftig für eine Platte, die unter "Cradle Of Filth" läuft, war aber bereits im Vorfeld bekannt. Was mir persönlich aber überhaupt nicht zusagt: Es wurde kein richtiges Orchester eingebunden, sondern auf die "Konserve" zurückgegriffen. Das hört man leider auch und so klingen die eigentlich so kraftvollen und wahnwitzigen Kompositionen seltsam dünn und blutleer. Bis auf wenige Ausnahmen wie "A Gothic Romance (Red Roses For The Devil's Whore)", "Funeral In Carpathia" und "Dusk And Her Embrace" kommt leider keine Gruselstimmung, sondern nur gepflegte Langeweile auf. Dabei hat man ständig das Gefühl, dass den Stücken jegliche morbide Atmosphäre, die sie eigentlich perfekt für eine orchestrale Umsetzung machen müsste, entzogen wurde. Woran das genau liegt? Gute Frage, eventuell an der schwachbrüstigen Produktion oder an den doch nicht so ganz gelungenen orchestralen Arrangements. Schade eigentlich, die Songs hätten sicher wesentlich mehr hergegeben.

Noch schlimmer, das heißt eigentlich völlig überflüssig, ist dann die zweite CD. Darauf befinden sich die gleichen Songs, gleich aufgenommen, nur fehlen die Vocals völlig. Wozu das Ganze gut sein soll, wenn schon Disc 1 langweilt? Keine Ahnung, ich hätte gut drauf verzichten können.

Ich möchte abschließend betonen, dass ich weder gegen Dani Filth, noch gegen seine Band etwas habe. Ich würde mich sogar als sehr großen Fan bezeichnen, auch wenn die Liebe heutzutage etwas abgekühlt ist. Aber diese Platte scheint mir eher etwas für Mr. Filth himself zu sein, eine richtige Zielgruppe vermag ich nicht auszumachen. Für Metaller zu wenig aggressiv, für "Klassiker" vermutlich zu seicht, sitzt "Midnight In The Labyrinth" im Endeffekt zwischen allen Stühlen. Wirklich schade. Auch wenn Dani Filth wohl andere Intentionen hatte - Dimmu Borgir und Nightwish (!) haben nicht allzu lang vor Erscheinen dieses Albums gezeigt, wie Soundtrack-Musik klingen kann. Zwei Sterne für die wenigen Stücke, die wirklich zünden müssen daher reichen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2015 2:14 AM MEST


Shadowmaker Ltd.
Shadowmaker Ltd.
Preis: EUR 14,99

12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Völlig überflüssiges Comeback setzt den Piratenkahn auf Grund, 3. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Shadowmaker Ltd. (Audio CD)
Rock n' Rolf Kasparek und der Rücktritt vom Rücktritt - es stand zu befürchten, dass daraus ein Album wie "Shadowmaker" entsteht. Kurz und bündig bedeutet das: Bis auf zwei gute und zwei mittelprächtige Stücke kann ich nichts finden, was dieses Comeback rechtfertigen würde. Den Opener "Piece Of The Action" kann man sich trotz einiger Billy Idol-Anleihen sehr gut anhören. Der Song ist eingängig, hat einen guten Riff und ein schönes Solo. Noch besser ist "I Am Who I Am", der mit Abstand beste Track auf "Shadowmaker" gelungen. Hier fühlt man sich tatsächlich an den kreativen Zenit der Hamburger Piraten erinnert. Nur der Text wirkt aufgrund der jüngeren Vergangenheit unseres Kapitäns fast ein wenig höhnisch. Eine Güteklasse tiefer, aber immer noch recht brauchbar liegen der Titeltrack "Shadowmaker" und "Riding On The Tide". Nicht schlecht, aber halt nichts, was man zwingend gehört haben muss. Der Rest ist entweder platt (das absolut unsägliche "Me & The Boys", die vermeintliche neue Band-Hymne), uninspiriert ("Sailing Fire", "Into The Black") oder einfach langweilig ("Black Shadow", "Locomotive"). Achja, mit "Dracula" gibt es zum Abschluss sogar etwas experimentellere Töne zu hören - tut mal ganz gut, essenziell ist das Stück aber nicht.

Woran dieses katastrophale Abschneiden liegt? Gute Frage... Prinzipiell arbeitet Kasparek ja schon länger recht fleißig an der Demontage seines Denkmals, schwache Alben, fragwürdige Interview-Aussagen ("Angelo Sasso", anyone?) und eine lustlose Abschiedsshow in Wacken inklusive. Viele Sympathiewerte wurden also schon vor einiger Zeit verspielt, sodass "Shadowmaker" bereits mit einem gewissen Malus ins Rennen geht, auch wenn prinzipiell nur die Musik zählen sollte. Einem Urgestein wie Rock n' Rolf müsste aber gerade deshalb klar sein, dass ein Comeback dieser Art so ziemlich alles wegpusten muss, damit er nach dem rückgängig gemachten Rücktritt nicht das letzte bisschen Glaubwürdigkeit verliert. Und was macht er? Er zeichnet das Coverdesign selbst (oder wie sonst ist dieser Totalausfall zu erklären? Hoffentlich verklagen ihn die Star Wars-Macher nicht...). Er klebt ein paar Riffs und Solos, die sich in jedem Song zu wiederholen scheinen, zusammen. Nicht schlecht, aber viel zu monoton, wenn man keine Black Metal-Band hat. Er lässt praktisch jedem Song nach dem üblichen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo usw.-Schema ablaufen. Klar, hat ja immer so funktioniert, nur fehlt es diesmal halt an Substanz. Er schafft es nicht, ausgerechnet seinen wunden Punkt, die Drums, vernünftig klingen zu lassen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei den Aufnahmen zu "Shadowmaker" ein Mensch hinter der Schießbude saß. Und wenn, hatte er wohl nicht viel mitzureden. Und all das wird auch noch völlig glatt poliert, sodass auch die letzten Nuancen verloren gehen und die Songs zum Großteil völlig austauschbar werden.

Eigentlich schade, dass es so gekommen ist, Running Wild haben ihren Beitrag ja definitiv geleistet. Die Querelen und Aussagen der jüngeren Vergangenheit, Besetzungswechsel, Drumcomputer und finale Konzerte? Geschenkt - finde ich zwar suboptimal, aber auch nicht dermaßen dramatisch. Aber das Songwriting muss eben stimmen und da kann man sich noch so viele Hördurchgänge gönnen, es wird leider nicht besser. Angesichts des Backkataloges dieser Band bleibt damit nur die höchste Strafe bzw. niedrigste Wertung. Verkaufen wird sich die CD wohl trotzdem gut genug, steht ja auch ein guter Name drauf.

Sind Running Wild anno 2012 eigentlich eine Band oder gibt es nur den Oberpiraten? Interessiert mich wirklich, denn eine Live-Darbietung dürfte in ihrer Roheit die einzige Rettung für das Gros der vorliegenden Stücke sein.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 5, 2012 4:04 PM MEST


Unisonic
Unisonic
Preis: EUR 5,00

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Frage der Erwartungen..., 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Unisonic (Audio CD)
Seien wir uns ehrlich: Wer vom Gespann Kiske/Hansen nicht etwas erwartet hat, das wenigstens ungefähr in Richtung Helloween geht, hat entweder keinen emotionalen Bezug zur guten, alten Zeit oder einfach noch nie was von den beiden gehört. Oder beides. Wie auch immer, die beiden bekanntesten Männer dieser Band, zu der außerdem Gitarrist Mandy Meyer (Gotthard), Drummer Kosta Zafiriou und Bassist Dennis Ward (beide Pink Cream 69) gehören, taten nicht wirklich etwas, um diese Erwartunghaltung zu entkräften. Im Gegenteil, auf der Vorab-EP "Ignition" fand sich mit dem Kernstück "Unisonic" ein Song, der den Geist der Vergangenheit sofort aufleben ließ. Manchen Rezensenten geht das so gegen den Strich, dass sie sogar von "Etikettenschwindel" sprechen, was natürlich völliger Blödsinn ist. Dennoch ist es so, dass die Full-Length-CD "Unisonic" doch ein wenig anders klingt, als man es nach dem flotten, das Album eröffnenden Titeltrack erwartet...

Um es auf den Punkt zu bringen: Mit Metal im engeren Sinne haben Unisonic recht wenig am Hut. Das merkt man insbesondere an der Gitarrenarbeit, die vergleichsweise im Hintergrund steht - abgesehen von einigen fetzigen und sehr gelungenen Soloeinlagen. Auch das Tempo ist deutlicher im Hard Rock als im Heavy Metal angesiedelt. Stellenweise lassen die Stücke vom Aufbau her recht deutlich an (wen wundert's?) Pink Cream 69 oder Place Vendome denken. Sogar Reminiszenzen von Bon Jovi sind zu erkennen - also alles, nur kein Heavy Metal á lá Helloween und Gamma Ray (außer in homöpathischen Dosen). Und das obwohl, Kai Hansen bei sieben der elf regulären Tracks als (Co-)Komponist gelistet wird. Daran merkt man, dass der sympathische Hamburger sich offenbar tatsächlich mal an einem anderen Genre versuchen wollte. Nichts verlernt hat übrigens Michael Kiske. Der Mann singt nach wie vor - und ich übertreibe nur ein bisschen - gottgleich. Seine Stimme ist auf jedem einzelnen Track einfach unglaublich, umso wehmütiger denkt man an die seligen "Keeper"-Zeiten zurück, mit denen man eigentlich schon längst abgeschlossen hatte.

Das sind die Fakten, die man bedenken muss, bevor man sich eine Anschaffung von "Unisonic" überlegt und danach möglicherweise schwer enttäuscht ist. Was das Songwriting (primär von Hansen und Ward übernommen) angeht, bin ich etwas hin- und hergerissen. Die musikalische Qualität ist allen Beteiligten natürlich nicht abzusprechen - aber ein wenig unspektakulär kommt ihr Debütalbum schon daher, sogar dann, wenn man nicht mit völlig überzogenen Erwartungen ran geht. Dennoch, nach einigen Durchläufen kristallisieren sich einige starke Songs heraus: Der Opener und Titeltrack ist - wie beschrieben - die härteste und in meinen Ohren auch beste Nummer der Platte. Ein geradliniger Metal-Song ohne viel Schnickschnack, mit super Bridge. Setzt sich schnell im Gehörgang fest und bleibt dann auch dort. Ebenfalls recht metallisch angehaucht sind das an neuere Gamma Ray erinnernde "My Sanctuary" und der famose Stampfer "King For A Day", zwei klasse Stücke, die keine Wünsche offen lassen. Von den rockigeren Stücken überzeugt mich nur "Souls Alive" zu 100 Prozent - was für eine Hammer-Bridge/Refrain-Kombination!

Alle anderen Stücke brauchen ein paar Durchgänge mehr und wollen auch dann nicht so recht zünden. Sehr schwach ist insbesondere das schlicht und einfach stinklangweilige "I've Tried" von dem nichts hängen bleibt. Die obligatorische Ballade "No One Ever Sees Me" ist glücklicherweise das einzige von Kiske allein geschriebene Stück - ein begnadeter Songwriter war der Mann ja noch nie und dieser Song hört sich irgendwie wie ein Weihnachtslied an. Totalausfall! Der Rest ist durchschnittlich, wie beispielsweise die an GammaWeen-Ausschusstracks erinnernden "Never Too Late" und "We Rise" - weder schlecht noch außergewöhnlich gut. Lediglich bei "Star Rider", das ein bisschen an David Bowie denken lässt, horcht man ein wenig auf.

Einen Punkteabzug gibt es von mir in der Kür. Meiner Ansicht nach hätte es der Platte sehr gut getan, wenn man Kai Hansen ein paar Gesangsspuren mehr gegönnt hätte. Wie gesagt, Michael Kiske singt jedes Stück hervorragend, aber ein bisschen Kontrastprogramm durch die eigenwillige Stimme von Hansen wäre schon schön gewesen, wie man in "King For A Day" nachhören kann. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt. Wenn man das und das teils durchwachsene Songwriting sowie die um eine Spur zu glatte Produktion zusammen nimmt, reicht es für wohlwollende vier Sterne. Ich gebe auch gleich zu, dass ich diese vier als Fan von Kiske und Hansen vergebe. Bei jeder anderen Band wäre ich wohl strenger gewesen und hätte mindestens einen Punkt abziehen müssen... Ein bisschen Luft nach oben bleibt für die nächste Platte jedenfalls, mal sehen, ob es in Zukunft weiterhin "Long live Rock n' Roll!" oder doch eher "Heavy Metal is the law!" heißt.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 16, 2012 3:28 PM MEST


Pearl Harbor (Movie-Edition, Einzel-DVD)
Pearl Harbor (Movie-Edition, Einzel-DVD)
DVD ~ Ben Affleck
Preis: EUR 6,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kitschige, einseitige und unkritische US-Propaganda, 24. Februar 2012
An den Bewertungen ist recht gut zu erkennen, was hier passiert ist: ein Film, der sich sowohl einer Katastrophe (hier: Krieg) als auch der Liebe widmen will muss einfach polarisieren. Das ist durchaus in Ordnung, aber: weder die eine, noch die andere Geschichte ist auch nur annähernd akzeptabel umgesetzt. Ähnliches galt schon für "Titanic", auch wenn sich hier noch so viele mit der rosaroten Brille gegen einen Vergleich aussprechen.

Im Detail betrachtet ist die Story um den japanischen Angriff auf Pearl Harbor sogar die unerträglichere - trotz sehr guter Special Effects. Unerträglich daran ist der sture Patriotismus, der alles andere überdeckt. Wir haben es hier mit einer völlig unkritischen, historisch noch dazu unrichtigen US-Propaganda zu tun, die ihresgleichen sucht. Dazu kommt, dass die Schauspieler in diesem Handlungsstrang dermaßen aufgesetzt und klischeehaft agieren, dass es fast schon komisch ist. Vor allem der von mir eigentlich sehr geschätzte Ben Affleck enttäuscht als todesmutiger Pilot auf ganzer Linie - es sei denn man steht auf glorifizierende Heldengeschichten. Als Ausrede ist immer wieder zu lesen, dass der Film nur unterhalten soll - hier passiert das jedoch nicht, zumindest nicht in dem Sinne, wie es wohl vom Regisseur grundsätzlich vorgesehen war. Mag sein, dass sich Teenies (und natürlich ein Großteil der erwachsenen Amerikaner) tatsächlich mit diesem Schwachsinn identifizieren können, in Europa wirkt es bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls höchst bedenklich, vor allem wenn man die Darstellungen der japanischen Gegner betrachtet. Der kriegerische Teil des Filmes ist also nicht nur misslungen, er ist für einen halbwegs reflektierenden Zuschauer eigentlich unzumutbar (natürlich ist das nicht der einzige Film, in dem es so ist, nur am Rande bemerkt).

Zur zweiten Storyline, einer vor Klischees und Klebrigkeit nur so triefenden Liebesgeschichte, braucht im Prinzip nicht viel gesagt zu werden, man kennt sie ja aus anderen Filmen oder Soaps zur Genüge. Hier sollte wohl vor allem die amerikanische Jugend auf die übliche prüde Art begeistert werden, was wohl auch gelungen ist. Das dürfte wohl auch die Hauptintention des Regisseurs gewesen sein, diesen Handlungsstrang überhaupt zu verwenden - das Anlocken von Teenies und die Möglichkeit, seinen Film doch auch irgendwie familiengerecht zu machen. Mehr dürfte nicht dahinterstecken, der fehlende Tiefgang in der Geschichte würde es auch nicht zulassen.

Somit sind auch die unterschiedlichen Bewertungen recht schnell erklärt - die jungen Mädels stehen natürlich auf Ben Affleck und Co., ebenso auf schmalzige Liebesschnulzen und können damit nicht anders: 5 Sterne, obwohl die Mehrzahl nicht einmal den Namen des Filmes richtig schreiben kann. Umgekehrt gibt es unter den Männern wohl einige, die einen Film nur wegen der Spezialeffekte positiv zu bewerten scheinen - die Liebesgeschichte dürfte die eher weniger interessieren. Zum Glück - und auch zu meiner Überraschung - gibt es allerdings doch recht viele Leute, die den Film als das entlarven, was er bei allem guten Willen wirklich ist: ein propagandistisches, klebrig-süßes Machwerk übelster Sorte, von einem sich selbst überschätzenden Regisseur auf unerträgliche Länge aufgebläht und frei von jedem Tiefgang.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 5, 2012 2:50 PM CET


The Lay of Thrym (Limited Edition)
The Lay of Thrym (Limited Edition)
Wird angeboten von Empor
Preis: EUR 11,30

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Riesen und Tyrannen, 23. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: The Lay of Thrym (Limited Edition) (Audio CD)
Der Titel von Týrs 2011er Werk, "The Lay Of Thrym", spielt auf die nordische Mythologie an - in der "Thrymskvidha" stiehlt der Eisriese Thrymr den Hammer Mjölnir, wird am Ende aber nach einer List von dessen rechtmäßigem Eigentümer (Thor) erschlagen. Einen losen Bezug zu dieser Geschichte haben einige Stücke auf "The Lay Of Thrym", in vielen wurde auch ein Bezug zu modernen Tyrannen hergestellt. Musikalisch wird der Kurs, den Týr auf der exzellenten Vorgängerscheibe "By The Light Of The Northern Star" eingeschlagen haben, konsequent fortgesetzt. Die Geschwindigkeit der Songs ist - zumindest für die Verhältnisse der Färinger - hoch angesetzt, die Stücke sind generell eher kurz gehalten und sehr eingängig. Von der partiellen Progressivität alter Alben ist also nicht mehr allzu viel zu hören.

Das beginnt mit dem eröffnenden, schnellen "Flames Of The Free", das praktisch nahtlos an das Vorgängeralbum anschließt und auch Neueinsteigern zeigt, wo bei Týr der ...ähem... Hammer hängt. Bandleader Heri Joensen singt klar und kraftvoll, im Refrain gerne auch im Chor. Dazu gibt es präzise Rhythmusarbeit, gute Riffs und starke Soloarbeit von beiden Gitarren. So muss man eine Platte beginnen, auch wenn am Ende die ständige Choruswiederholung ein bisschen nervt. In die gleiche Kerbe hauen auch die darauf folgenden Stücke: "Shadow Of The Swastika" beginnt sehr kraftvoll und mit einem noch hymnischeren Refrain als der Opener ausgestattet, dazu kommt der gute Text. Bei diesem Song fällt auch auf, dass die Chorusmelodie zusätzlich von der Leadgitarre gespielt wird, was auf diesem Album sehr oft vorkommt. Das bereits vorab bekannte "Take Your Tyrant" ist ebenfalls ein deutliches politisches Statement und glänzt durch den einfach mitzusingenden Refrain. Auch beim Rausschmeißer "The Lay Of Thrym" geht noch mal so richtig die Post ab. Hier ist insbesondere der gallopierende Rhythmus hervorzuheben. Ein cooles Stück, das auch live hervorragend funktioniert und sofort in den Nacken geht. Zum Schluss des Liedes wird das Tempo dann herausgenommen und Lied und Album klingen ruhig aus. So soll es sein.

Dass es bei Týr nicht nur Vollgas gibt, zeigt hingegen "Evening Star", das nach dem eröffnenden Überfall das Tempo ein wenig heraus nimmt - eine tolle Ballade mit schönem, getragenem Gesang. Bei geschlossenen Augen meint man, zu diesem Stück die nordische Heimat der Band vor sich zu sehen. Lediglich das Double Bass-Geballer im Refrain stört die Idylle ein wenig - darauf hätte man vielleicht verzichten können. A pro pos Heimat: Auf "The Lay Of Thrym" gibt es auch zwei Stücke zu hören, bei denen der Text nicht englisch ist. "Konning Hans" beginnt beschaulich, wird dann zu einem Midtempo-Stampfer. Sehr schön ist dabei das doppelläufige Gitarrensolo gelungen und Heri Joensen gelingt es sogar, seine Stimme für dieses Lied etwas tiefer zu halten. "Ellindur Bóndi Á Jaðri" ist dagegen wesentlich rasanter, aber leider bei weitem nicht so zwingend wie andere Stück in der Muttersprache der Band.

Ein paar Stücke auf "The Lay Of Thrym" fallen allerdings ein wenig ab. Neben dem genannten "Ellindur Bóndi Á Jaðri" ist das vor allem "Nine Worlds Of Lore", das völlig unspektakulär aus den Boxen kommt und schnell in Vergessenheit geraten dürfte. Bei "Hall Of Freedom", das eigentlich sehr hymnisch ist, stört der mit Lead-Gitarren gedoppelte Refrain ungemein. Da wäre weniger wohl wesentlich mehr gewesen. Ähnlich ist es bei "Fields Of The Fallen" - bei diesem Song fällt ganz besonders auf, wie ähnlich viele Týr-Stücke aufgebaut sind. Dadurch stellt sich ein gewisser Abnutzungseffekt ein, den bei diesem Lied nicht einmal die gute Gitarrenarbeit rausreißen kann.

Zwei Bonustracks gibt es auch noch zu hören - und die drehen sich um den leider viel zu früh verstorbenen Ronnie James Dio. Von den beiden Stücken ist meiner Ansicht nach "I" vom sträflich unterbewerteten Black Sabbath-Album "Dehumanizer" besser gelungen. Hier bewegt man sich relativ nahe am Original, allerdings hat das Stück durch die bessere Produktion etwas mehr Power. Man merkt hier auch, dass Heri Joensen ein sehr guter Sänger ist. An Dio-Stücken sind ja schon ganz andere Kapazunder gescheitert - der Týr-Fronter zieht sich gut aus der Affäre, ohne dem Meister freilich auch nur nahe zu kommen. "Stargazer" von Rainbow gefällt mir hingegen weniger - das Stück wird durch die Týr-typischen Gitarrenharmonien beinahe erdrückt. Sehr gewöhnungsbedürftig, hier hätte man sich eventuell etwas zurücknehmen sollen. Aber als Tribute- und Bonustracks gehen beide Songs durchaus in Ordnung.

Insgesamt zündet "The Lay Of Thrym" trotz sehr eingängiger Stücke nicht ganz so schnell wie "By The Light Of The Northern Star". Die Hitdichte ist zwar relativ groß, allerdings sind die Songs bis auf wenige Ausnahmen nicht so "ergiebig" ausgefallen wie auf dem Vorgängeralbum. Man mag es kaum glauben, aber die eigentlich sehr charismatische und ausdrucksstarke Stimme von Heri Joensen kann hier schon mal nerven. Vor allem, weil er sie immer sehr ähnlich einsetzt. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau - von mir gibt's für "The Lay Of Thrym" die Höchstnote, wenn auch nur ganz knapp.


Imaginaerum
Imaginaerum
Preis: EUR 19,26

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie erwartet weniger Metal, mehr Soundtrack und noch Luft nach oben beim Songwriting, 17. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Imaginaerum (Audio CD)
Nightwish-Mastermind Tuomas Holopainen geht mit seiner Band auch 2011 den eingeschlagenen Weg konsequent weiter - allen Widrigkeiten und Anfeindungen zum Trotz. "Imaginaerum" ist eine Weiterentwicklung des erstmals auf "Century Child" (2002) angedeuteten und auf "Once" (2004) und "Dark Passion Play" (2007) deutlich verstärkten, orchester-orientierten Stils der zum Veröffentlichungszeitpunkt finnisch-schwedischen Truppe. Vom geradlinigen Power Metal der Anfangstage hat man sich mittlerweile fast gänzlich verabschiedet, es regiert großteils eine Art symphonische Filmmusik mit Versatzstücken aus verschiedenen Genres, hauptsächlich Klassik, Rock und Metal. Zufall ist das keiner - parallel zur CD wurde von Stobe Harju (Macher des Musikvideos zur Nightwish-Ballade "The Islander") ein Film mit gleichem Namen und ähnlichem Inhalt produziert.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich auf "Imaginaerum" relativ deutlich. Als erste Single wurde eines der wenigen Stücke ausgekoppelt, das nach den alten Nightwish klingt. Aber ausgerechnet dieser Song, "Storytime", ist einer der schwächsten auf der CD. Die Intention war wohl, den älteren Fans ein ähnliches Stück wie "Bye Bye Beautiful" von "Dark Passion Play" zu bieten. Musikalisch ist das zwar so halbwegs gelungen, jedoch zeigt sich hier ein Problem, das ich eigentlich ungern anspreche: Anette Olzon ist zwar eine sehr gute Sängerin, nur kommt sie nicht aus dem Metal-Bereich. Sie schafft es nicht, die für ein solches Stück notwendige Aggressivität aufzubauen und zu vermitteln. Man hört förmlich, wie die Schwedin versucht, gegen die harte Instrumentierung zu bestehen, es trotz aller Mühe einfach nicht schafft und hoffnungslos untergeht. Während der gesamten Nummer wartet man damit eigentlich auf einen erlösenden Gesangseinsatz von Bassist Marco Hietala - da dieser nicht kommt, ist "Storytime" ein zwar eingängiges, aber im Endeffekt ziemlich belangloses Lied. Von ähnlichen Problemen ist übrigens das auch musikalisch unspektakuläre "Last Ride Of The Day" geplagt.

Bis auf diese Enttäuschung machen Nightwish auf "Imaginaerum" allerdings mehr richtig, als man ihnen nach dem teils eher enttäuschenden "Dark Passion Play" zugetraut hätte. Das beginnt bereits beim wunderschönenen, von Hietala gesungenen Intro "Taikatalvi" - einer der wenigen komplett in Finnisch gehaltenen Nightwish-Tracks. Ebenfalls uneingeschränkt empfehlenswert: "I Want My Tears Back", ein geradliniger Rocker, der durch seine einprägsame Dudelsack-Melodie (gespielt von Troy Donockley) sofort beim ersten Hören zündet. Dieses Stück wäre wohl die bessere Single-Variante gewesen und hier gibt es auch das erhoffte Zusammenspiel zwischen Olzon und Hietala. Sehr schön auch die einzige "richtige" Ballade "Turn Loose The Mermaids", ein melancholisches Lied, zu dem die Stimme der schwedischen Sängerin perfekt passt. Interessant auch der musikalische Zwischenpart, der direkt aus der Feder Ennio Morricone stammen könnte. "Scaretale" ist schließlich - dem Namen entsprechend - ein sehr düsteres Stück, das ein wenig an Danny Elfman-Soundtracks erinnert und das von der Thematik beispielsweise zu einem Film wie "Der Mitternachtszirkus" passen würde. Noch dazu packt Anette Olzon für dieses Lied eine Art "Hexenstimme" aus und präsentiert damit ausnahmsweise eine neue Variante in ihrem Gesang.

Die genannten Stücke sind in meinen Ohren sehr gut gelungen und sollten auch älteren Fans der Band gefallen. Auf "Imaginaerum" gibt es aber auch Ungewöhnliches zu entdecken, an dem sich die Geister scheiden werden. "Ghost River" ist ein extrem düsterer Midtempo-Stampfer, dessen schaurige Atmosphäre durch einen Kinderchor und Hietelas Gesang, der beinahe Death-Metal-Regionen erreicht, sehr intensiv ausfällt. In eine ganz andere und völlig unerwartete Richtung geht hingegen "Slow, Love, Slow". Dieser Song fällt komplett aus dem Rahmen und würde sehr gut als Untermalung in eine klassische Varieté-Bar der 1930er oder 40er Jahre passen - oder als Titelsong zu einem James Bond-Film. Anette Olzon passt jedenfalls perfekt in den jazzigen Aufbau, auch wenn Metal-Fans bei diesem Sound erstmal schlucken werden. Ebenfalls sehr ungewöhnlich: Der finale Titeltrack. Hier verwebt ein Orchester unter der Leitung von Pip Williams das Thema aller anderen Stücke auf "Imaginaerum" zu einem "Abspann". Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, man sieht regelrecht, wie die Namen der Schauspieler, der Filmcrew usw. zu diesen Klängen über die Kinoleinwand flimmern.

Die restlichen Stücke auf der Platte sind mittelprächtig gelungen. "Rest Calm" ist ein schwerer Track, der bis auf seinen hervorragenden Refrain nicht weiter auffällt. "The Crow, The Owl, The Dove" ist ansatzweise eine Ballade, Komponist Marco Hietala teilt sich den Gesang mit Anette Olzon. Nicht spektakulär und nichts, was irgendwie hängen bleibt. Der 14-Minüter "Song Of Myself" bietet eine relativ zerfahrene, vierteilige Auseinandersetzung Holopainens mit seinem Lieblingsdichter Walt Whitman. Dieses Stück ist für seine Länge viel zu unspannend ausgefallen - mir persönlich gefallen lediglich die gesprochenen Passagen aus dem gleichnamigen Gedicht von Whitman. Hier wurden die Sprecher sehr gut ausgewählt und der Text ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. "Arabesque" ist hingegen ein völlig verzichtbares Instrumental, das nur für eine Szene im Film geschrieben wurde, was man auch deutlich merkt.

Alles in allem ist "Imaginaerum" eine gute Platte geworden, wenn auch kein Meisterwerk. Bei vielen Songs hat man das Gefühl, dass nicht das gesamte Talent der Band ausgeschöpft wurde. Auffällig ist, dass Anette Olzons Stimme gefühlsmäßig bei überdurchschnittlich vielen Tracks durch den wesentlich kraftvolleren Gesang Marco Hietalas verstärkt wird. Hier scheint ein wenig das Zutrauen zur nicht mehr ganz "Neuen" zu fehlen, was sich ja auf der Tour zur Platte eindrucksvoll bestätigen sollte... Dennoch, sieben Stücke sind außerordentlich gut gelungen, zumindest wenn man nicht nur Metal von Nightwish erwartet. Vier weitere Songs sind unauffällig, um nicht zu sagen langweilig und bleiben hinter den kompositorischen Möglichkeiten eines Tuomas Holopainen zurück. Und zwei Stücke scheitern schließlich daran, dass sie wohl eher auf Metal-Gesang zugeschnitten sind, den Anette Olzon nicht bieten kann. Knappe vier Sterne für "Imaginaerum", auf dem es viel zu entdecken gibt, das aber auch deutlich Luft nach oben hat.


2001: Odyssee im Weltraum
2001: Odyssee im Weltraum
DVD ~ Keir Dullea
Preis: EUR 4,97

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckendes Erlebnis, das viele Fragen offen lässt, 8. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 2001: Odyssee im Weltraum (DVD)
Wäre "2001 - Odyssee im Weltraum" eine CD, würde ich sagen: Eingängigkeit klingt definitiv anders. Man muss sich als Zuschauer schon sehr stark auf dieses monumentale Werk einlassen, um überhaupt etwas damit anfangen zu können. Und selbst wenn das gelingt, wird es immer noch viele geben, die den Film insgesamt einfach zu vage und gleichzeitig viel zu verkopft finden.

Tatsächlich macht Stanley Kubrick es dem Publikum extrem schwer, Zugang zu seiner in Zusammenarbeit mit dem Autor Arthur C. Clarke entstandenen Vision zu finden. Das beginnt bereits bei der Anfangssequenz - rund drei Minuten schwarzes Bild, unterlegt von klassischen Klängen. Bezeichnend, dass dieser Einstieg bei Fernsehausstrahlungen meist weggelassen wird... Aber auch das, was danach kommt ist - gelinde gesagt - nicht leicht einzuordnen. Der Film ist in vier Akte unterteilt, die sich aber am Ende nicht ohne weiteres zu einem Ganzen zusammenfügen lassen. Einige Zusammenhänge werden zwar klar, aber insgesamt bleiben sehr viele Fragen offen und der Interpretationsfähigkeit des Zusehers überlassen. Und da diese Fähigkeit bei jedem anders aussieht, ist es im Endeffekt kaum möglich, ein allgemein gültiges Urteil über den Inhalt zu fällen. Mir persönlich gefällt diese stark experimentelle Art sehr gut, was aber keine Garantie dafür ist, dass es anderen Menschen so geht, auch wenn sie einen ähnlichen Geschmack haben sollten. Von einem Meisterwerk möchte ich ob dieser Problematik eigentlich nicht sprechen, aber ein einzigartiges Stück Filmgeschichte hat Kubrick mit "2001" definitiv vollbracht.

Jenseits des nahezu unfassbaren Inhalts gibt es aber auch handfestere Kriterien zu bewerten. Zunächst wären das die Charaktere. Hier ist es so, dass der Bordcomputer "HAL", der nur im dritten Akt vorkommt, das einzige stark ausgeprägte Element ist. Alle menschlichen Figuren sind praktisch nicht entwickelt und scheinen eher schmückendes Beiwerk und Stichwortgeber zu sein. Dialoge gibt es ohnehin kaum. Sprache, Mimik und Gestik bleiben insgesamt sehr rudimentär, was es dem Zuschauer zusätzlich erschwert. Ton und Bild verdienen hingegen tatsächlich das Prädikat des "Meisterwerks". Soundtechnisch werden hauptsächlich klassische Stücke, unter anderem von Johann Strauß und Richard Strauss eingesetzt. So weit nicht ungewöhnlich, aber die Art, wie Kubrick die Musik mit den Bildern verbindet, ist außerordentlich stark und prägnant. Wenn zu "An der schönen blauen Donau" die Raumschiffe und Satelliten eine Art Walzer tanzen, hat das definitiv etwas Magisches. Die Bilder selbst sind - abgesehen von ihrem Symbolcharakter - von Spezialeffekten geprägt, die auch heute nicht viel besser hinzubekommen sind. Man vergisst völlig, dass dieser Film erstmals 1968, also noch vor der ersten Mondlandung (!), auf die Leinwand gebracht wurde. Der Schlussakt wird dank eigentümlicher Effekte zu einer Art psychedelischer Achterbahnfahrt, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.

Meiner Ansicht nach empfiehlt es sich auf jeden Fall, zusätzlich zum Film das gleichnamige Buch von Arthur C. Clarke zu lesen. In diesem Kurzroman, der sich nicht völlig mit dem Inhalt des Filmes deckt, wird die Hintergrundgeschichte etwas deutlicher herausgearbeitet. Damit ist ein leichteres Verständnis des Filmes möglich.

Fazit: Es reicht aus meiner Sicht relativ knapp zur Höchstwertung. Die eingebauten Längen sind hier zwar Stilmittel, aber stellenweise übertreibt es Kubrick damit ein bisschen. Auch kann der Film zwar für sich alleine stehen, wird aber erst mit der Ergänzung durch literarisches Material wirklich zu einem Ganzen. Dennoch: fünf Sterne, vor allem weil man sich den Film sehr oft ansehen kann und immer wieder neue Details entdeckt. Spannend, herausfordernd und im Endeffekt auch lohnend.


2001, Odyssee im Weltraum
2001, Odyssee im Weltraum
von Arthur C. Clarke
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine gute und notwendige Ergänzung zum Film, 6. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: 2001, Odyssee im Weltraum (Taschenbuch)
Ich gehöre zu einer Minderheit: ohne vorherige Kenntnis des gleichnamigen Filmes von Stanley Kubrick fiel mir dieses dünne Buch in die Hände. Für sich betrachtet ist es nichts Besonderes: die Charaktertiefe lässt zu wünschen übrig, es gibt Unterschiede im Erzähltempo, die das Lesevergnügen teilweise holprig machen und trotz relativ geringer Seitenzahl sind einige Längen enthalten. Dennoch bietet es eine interessante und spannende Geschichte, die sehr wohl zu überzeugen weiß. Das Ende ist übrigens komplett offen ' ob man damit zufrieden ist, hängt wohl in hohem Maße von den eigenen Präferenzen ab. Ich persönlich kann damit leben, hätte mir aber dennoch ein wenig mehr Andeutungen über eine mögliche Zukunft gewünscht.

Interessanter wird es, wenn man das Buch in Verbindung mit dem Film betrachtet. Eine Trennung ist übrigens naturgemäß schwer möglich ' Buch und Film ergänzten sich in der Entstehung nach Aussagen von Kubrick und Clarke ständig gegenseitig und weichen stellenweise dennoch von einander ab. Grundsätzlich ist es ja so, dass der Film zwar ein anerkanntes Meisterwerk ist, aber auch sehr komplex, stellenweise langatmig und tendenziell eher unverständlich. Dementsprechend sollte man das Buch als Ergänzung sehen. Clarke arbeitet hier viele Details, die im Film nicht oder nur unzureichend erklärt werden wesentlich deutlicher heraus.

Im Endeffekt würde ich der literarischen und der filmischen Version des Themas maximal die Durchschnittswertung geben, wenn ich sie völlig isoliert betrachten würde. Durch die gegenseitige Ergänzung ist es jedoch so, dass man beiden guten Gewissens die Höchstwertung geben kann. Beim Buch fällt das letztlich ein bisschen leichter, da es das Publikum nicht dermaßen erschlägt.


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