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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)

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Sveta und der Junge aus dem Wald
Sveta und der Junge aus dem Wald
von Axel Saalbach
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schnell und gut zu lesen, 7. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Den deutschen Autor Axel Saalbach kennen einige vielleicht durch seinen hervorragenden Debüt-Roman "Das Haus Komarow". Nun liegt mit "Sveta und der Junge aus dem Wald" sein Zweitwerk vor, das er gemeinsam mit Ramona Mädel verfasst hat. Inhaltlich bewegen sich die beiden auch mit diesem Werk in der von Saalbach geschaffenen (von mir mangels eines besseren Begriffes "Komarow-Universum" genannten) Welt. Sehr erfreulich – denn auch wenn man das Buch lesen und verstehen kann, wenn man "Das Haus Komarow" nicht kennt, ist es schön, dass Lesern des Debüts ein paar Anknüpfungspunkte geboten werden.

Grundsätzlich ist "Sveta und der Junge aus dem Wald" zeitlich vor "Das Haus Komarow" angesiedelt – ein Prequel im eigentlichen Sinne ist es aber nicht. Dennoch ist es schön, beispielsweise etwas mehr über die Figur "Medwed" zu erfahren, einen meiner Lieblingscharaktere aus dem Vorgänger. Das bringt mich auch gleich zu einem anderen Punkt: An "Das Haus Komarow" gab es für einen Debüt-Roman meines Erachtens nicht viel auszusetzen – ein Punkt waren aber die Charaktere, die mir persönlich nicht tief genug waren. An diesem Punkt konnte das Autorenduo meines Erachtens stark nachlegen. Die namensgebende Hauptfigur und auch die Nebencharaktere sind wesentlich ausgefeilter. Dass es dafür oft nicht viel braucht, zeigt eben das genannte Beispiel "Medwed", der in diesem Buch eigentlich kaum präsent ist, dessen Rolle in "Das Haus Komarow" durch die Ereignisse in "Sveta und der Junge aus dem Wald" aber deutlich aufgewertet wird. Auch wenn die beiden Bücher nicht übertrieben viele Berührungspunkte haben, sind es diese kleinen Verknüpfungen, die mir besonders gut gefallen. Unabhängig davon ist es diesmal gelungen, mit "Sveta" eine wesentlich griffigere und sympathischere Hauptperson zu schaffen, mit der die Identifikation leicht fällt. Und auch die Familie, deren Söldner und die "Hüter des mittleren Ilmtales" sind nun deutlich greifbarer. Mein liebster Nebencharakter ist diesmal übrigens "Jan", der Bruder von Sveta. Ich habe einfach eine Schwäche für "schwierige" Rollen, glaube ich. Abgesehen davon hat man bei dieser Figur tatsächlich das Gefühl von noch stärkerer Tiefgründigkeit und sieht eine interessante Entwicklung des Charakters. Man hat sogar den Eindruck, dass "Jan" durchaus Potential für eine eigene Geschichte hat.

Man sieht schon, dass ich persönlich viel Wert auf die Charaktere einer Geschichte lege. Aber auch zum Inhalt möchte ich etwas sagen: "Sveta und der Junge aus dem Wald" ist deutlich kürzer als "Das Haus Komarow". Diese Straffung sorgt dafür, dass die Geschichte temporeicher und straffer wirkt. Das Abenteuer, das dem Leser hier präsentiert wird, liest sich schnell und bis zum Schluss spannend – der einen oder anderen überraschenden Wendung sei Dank. Ich habe mich jedenfalls gut unterhalten gefühlt. Interessant auch, wie eine Geschichte, obwohl sie von zwei Autoren geschrieben wurde, wie aus einem Guss klingt.

Zum Abschluss noch einen Wunsch an den Autor: Aus meiner Sicht hat das "Komarow-Universum" sehr viel Potential. Mir würde es gefallen, wenn man in einem größeren Umfang etwas mehr über die Hintergründe dieser dystopischen Welt erfahren würde. Alle Möglichkeiten dafür scheint dieses Universum zu besitzen. Dieser Aspekt fehlt mir in "Das Haus Komarow" und in "Sveta und der Junge aus dem Wald" nämlich ein wenig.

Veröffentlicht auf weltending.wordpress.com.


Endless Forms Most Beautiful
Endless Forms Most Beautiful
Preis: EUR 9,99

23 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschendes Comeback mit neuer Sängerin, 15. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Endless Forms Most Beautiful (Audio CD)
Dem 2015er-Werk von Nightwish, "Endless Forms Most Beautiful", gingen eine knapp vierjährige jährige Albumpause sowie einige Runden im Personalkarussell voraus. In Bezug auf Letzteres weniger bedeutend - zumindest nach außen hin - erschien die Aufnahme von Troy Donockley als fixes Bandmitglied, war der Engländer ja schon auf "Dark Passion Play" (2007) und "Imaginaerum" (2011) als Gast zu hören und auch auf Tour ständiger Begleiter der Finnen. Dass Drummer Jukka Nevalainen aus gesundheitlichen Gründen für die Aufnahmen durch Kai Hahto (u. a. Wintersun, Swallow The Sun) ersetzt werden musste, ist für den Zuhörer auch nicht dramatisch, noch dazu, wo das Engagement von Hahto mit der Genesung von Nevalainen enden sollte, wie die Band stets betont hat. Der merkbarste und natürlich auch am meisten beachtete Wechsel fand hingegen am Mikro statt. Nach dem unguten Hin und Her im Zuge des Ausstiegs von Ur-Sängerin Tarja Turunen schien das Line-Up mit der bei Fans gleichermaßen gehassten und geliebten Schwedin Anette Olzon einigermaßen stabil zu sein, auch weil die Sängerin auf "Imaginaerum" endlich ins Bandgefüge zu passen schien. Leider waren die älteren, für Tarja Turunen geschriebenen Stücke live immer ein Problem für Olzon (wobei ich persönlich sie gar nicht so schlecht fand, wie sie oft gemacht wird). Das Ende vom Lied: Auch die Schwedin musste ihren Hut nehmen und Nightwish "in gutem Einvernehmen" verlassen. Mitten in einer Tour. Naja, wie gut in so einem Fall "das Einvernehmen" ist, kann man sich vorstellen. Ersetzt wurde Anette Olzon jedenfalls durch eine Holländerin: Die von ReVamp und After Forever bekannte Floor Jansen ist nun live und auf Platte als Frontfrau von Nightwish am Werk. Ein Tausch, der die skeptischen Teile der Fanschaft erstmal versöhnlich stimmte - Jansen ist als gelernte Metallerin ja für wesentlich mehr Power in der Stimme bekannt als ihre aus dem AOR-Bereich kommende Vorgängerin.

Diese lange Vorrede soll verdeutlichen, wie gespannt man war, wie Nightwish mit ihrer neuen Sängerin nun klingen. Um es vorweg zu nehmen: Floor Jansen passt bestens zur Band, wirkt auf "Endless Forms Most Beautiful" allerdings so, als hätte man sie nicht ganz von der Leine gelassen. Denn: Das Songwriting hat sich durch den Wechsel am Mikro nicht wirklich verändert und entspricht im Wesentlichen dem, was bereits auf "Imaginaerum" geboten wurde. Bereits durch diese Aussage muss klar sein, wer hier gar nicht weiterzulesen braucht. "Endless Forms Most Beautiful" ist kein Album, das in irgendeiner Weise an das erinnert, was Nightwish bis inklusive "Once" (2004) gemacht haben. Bezüglich der Qualität übertrifft es meines Erachtens auch seinen direkten Vorgänger "Imaginaerum" nicht, wohl aber knapp dessen Vorgänger, das "Übergangsalbum" und mithin die bisher schwächste Nightwish-Platte "Dark Passion Play".

Woran krankt es nun auf "Endless Forms Most Beautiful"? In meinen Ohren sind es gleich mehrere Dinge, die die Scheibe blass und farblos erscheinen lassen. Erstens hätte man Floor Jansen wie beschrieben mehr Raum zur Entfaltung lassen sollen. Das bedeutet im Klartext: Es fehlt beim Gesang an Kraft, an Aggressivität. Wer es ganz schonungslos haben will: Nach Genuss des Albums ist mir nicht klar, wozu überhaupt die Sängerin gewechselt wurde. Musikalische Gründe kann es - zumindest im Rahmen dieser Platte - eigentlich nicht gegeben haben. Das liegt aber auch - zweitens - am Songwriting. Es muss ja nicht jeder Song ein Brecher sein - aber auf diesem Album haben es Nightwish mit der Härte eindeutig untertrieben. Tatsächlich würde ich sagen, dass speziell das vorab bekannte "Élan", das in der Albummitte platzierte "My Walden" mit seiner "I Want My Tears Back"-Gedächtnis-Melodie und das harmlos plätschernde "Edema Ruh" ausgeprägten Pop-Charakter besitzen; und das in einer Weise, die man von Nightwish so noch nicht gehört hat - und als gestandener Metaller auch nicht unbedingt hören möchte. Für den Eurovision Song Contest wäre speziell "My Walden" allerdings schon eine Bereicherung. Immerhin. Eingängigkeit ist in Ordnung und war für diese Band seit jeher auch ganz normal - aber das hier geht mir dann doch zu weit, weil es sich einfach sehr seicht anhört. Und das könnte man auch schon unter "drittens" verbuchen: Die ganze Platte bietet zwar gefällige Musik - Ecken und Kanten, etwas, was sich nachhaltig im Hirn verhakt, fehlen aber großteils. Eine merkwürdige Mischung aus locker-flockig und gleichzeitig zerfahren ist "Endless Forms Most Beautiful" geworden. Speziell beim finalen 24-Minüter (!) "The Greatest Show On Earth" fällt das auf: So ein langer Titel muss einfach durchgängig spannend sein oder zumindest einzelne Teile enthalten, die etwaige Längen wieder "rausreißen". Bei diesem Stück ist das meines Erachtens nicht so. Komplex ist das Ganze, jedoch auf die schon erwähnte, zerfahrene Art. Wie aus einem Guss geht jedenfalls anders.

Ansonsten habe ich noch Probleme mit dem zu langen Instrumental "The Eyes Of Sharbat Gula" (wichtiges Thema, leider nicht sonderlich spannend umgesetzt, vielleicht wäre es mit Gesang besser geworden) und "Our Decades In The Sun" (inhaltlich zwar eine nette Idee, musikalisch leider vollkommen belanglos). Und auch der Titeltrack ist nichts, was durch oftmaliges Hören wächst und immer besser wird. Eher Nightwish-Standardkost im Midtempo-Bereich.

Nach so viel Gemecker möchte ich aber auch Positives über "Endless Forms Most Beautiful" berichten: Der Einstieg in das Album ist mit "Shudder Before The Beautiful" gut gelungen, auch wenn man sich speziell bei diesem Stück (das noch dazu stark an "Storytime" von "Imaginaerum" erinnert) fragt, wozu die Band überhaupt eine neue Sängerin gebraucht hat. Am besten auf diesem Album: "Weak Fantasy" und "Yours Is An Empty Hope", die einzigen Stücke auf dem Album, denen man den Zusatz "Heavy" geben kann sowie das trotz Pop-Appeal sehr gut gemachte "Alpenglow".

Viel mehr ist es nicht, was ich an "Endless Forms Most Beautiful" positiv hervorheben kann und will. Wirklich enttäuschend ist aus meiner Sicht, dass die Chance mit neuer Sängerin durchzustarten, nicht genutzt wurde. Floor Jansen kann ihre Stimme nicht so einsetzen, wie man es gehofft hätte - und das ist neben dem schwachen Songwriting das größte Problem, das ich mit diesem Album habe. Das erinnert ein wenig an das noch schwächere "Dark Passion Play", das ebenfalls so klingt, als wäre es eigentlich für eine andere Sängerin als Anette Olzon geschrieben worden. Übrigens müssen auch Fans des Gesanges von Marco Hietala starke Abstriche machen. Zuletzt hatte man ja den Eindruck, der Bassist hätte verstärkt die Position des Frontmannes eingenommen um die unsicher wirkende Anette Olzon ein wenig zu entlasten. Auf "Endless Forms Most Beautiful" scheint man hingegen den umgekehrten Weg zu gehen und die Neue am Mikro als alleinige Frontfrau positionieren zu wollen. Dementsprechend ist Hietala nicht mehr sehr prominent vertreten - auch sehr schade, wie ich finde. Meiner Meinung nach hätte man ruhig das eine oder andere Duett einbauen können, das hätte das Album sicher spannender gemacht.

Veröffentlicht auf weltending.wordpress.com.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 16, 2015 11:22 AM MEST


This Is No Fairytale
This Is No Fairytale
Preis: EUR 18,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein pechschwarzes Hörspiel, 31. März 2015
Rezension bezieht sich auf: This Is No Fairytale (Audio CD)
Carach Angren aus den Niederlanden haben sich im extremen Metal-Bereich eine ganz eigene Nische geschaffen. Musikalisch sind sie einigermaßen vergleichbar mit Cradle Of Filth und Dimmu Borgir, lyrisch gehen ihre Konzeptalben in Richtung Horror, Märchen, unheimliche Geschichten und dunkle Legenden – all das vertont in wahnwitzigen, überbordenden Kompositionen. Dazwischen wird der klanggewordene Wahnsinn immer wieder durch finster gesprochene (eher: gekrächzte) Passagen unterbrochen, intensiv dargeboten durch den charismatischen Frontmann Dennis "Seregor" Droomers. An dieser eher hilflosen Beschreibung sieht man schon, wie schwer die Musik von Carach Angren zu fassen ist. Es genügt zu sagen, dass die Songs immer düster und böse, meist ausladend inszeniert und vertont, oft vertrackt, dabei gleichzeitig aber stets gut hörbar sind. Strophe-Refrain-Strophe-Strukturen sucht man vergeblich, was aber nicht heißt, dass die Stücke sich jedem Verständnis durch Otto-Normal-Hörer entziehen. Einmaliges Hören reicht jedoch selten aus, damit sich die Songs irgendwo im Hirn festkrallen können.

Nun aber zur 2015er-Platte "This Is No Fairytale". Der Titel deutet es schon an – das geschminkte Trio bittet diesmal zur Märchenstunde in der es mitnichten froh und munter zugeht. Die Geschichte ist angelehnt an "Hänsel und Gretel", also ein ohnehin schon sehr düsteres Werk. Die Version von Carach Angren ist vollends geeignet, Alpträume auszulösen: Drogen und Gewalt, Missbrauch und Mord, Wahnsinn und Kannibalismus sind so ungefähr die Eckpunkte. Selbstredend gönnen die Holländer ihren Zuhörern in ihrer Variante des klassischen Stoffs auch kein Happy End.

Wer der Geschichte von "This Is No Fairytale" folgen möchte, muss – wie bei Konzeptalben üblich – die Songs in der richtigen Reihenfolge hören. Standesgemäß beginnt ein Märchen mit den Worten "Es war einmal…" (Englisch: "Once upon a time…"). Passiert auch hier, wobei das Intro "Once Upon A Time" nur die instrumentale Umsetzung dieses klassischen Märchen-Auftaktes ist. Die passenden Worte sind dann auch gleich die ersten des bereits vorab bekannten Stückes "There's No Place Like Home". Hier zeigt sich sofort: Carach Angren sind auf ihrem vierten Album ein ganzes Stück brutaler geworden. Das hat einerseits mit dem Songwriting zu tun, andererseits wurde an der Produktion gefeilt, wodurch sich die klangliche Transparenz erhöht hat. Damit kommen Details noch stärker zur Geltung – was gelegentlich den Nachteil hat, dass die Musik den Hörer regelrecht zu erschlagen droht. Glücklicherweise schafft die Band zumindest in der ersten Albumhälfte immer die Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen Bombast und Song-Dienlichkeit. Was ebenfalls schnell auffällt: Seregor ist bemüht, seine Stimme dem härteren Songwriting anzupassen und dringt zeitweise in Regionen vor, die in der Regel dem Death Metal vorbehalten sind. Mir gefällt es, die Texte werden dadurch noch verständlicher, was bei der ausgefeilten Lyrik von Carach Angren nur ein Pluspunkt sein kann.

Vom Songwriting her hat man vor allem in der ersten Albumhälfte (die ich persönlich als die etwas Stärkere einschätze) das Gefühl eines Hörspiels. Die Songs sind natürlich immer noch schwarzmetallisch angehaucht (man höre z. B. die flirrenden Gitarren in "Two Flies Flew Into A Black Sugar Cobweb"). Allerdings enthalten die Stücke auch immer wieder quasi-narrative Passagen, unterlegt mit passender Musik. Um zu verstehen, was ich meine, kann man sich beispielsweise den Mittelteil von "When Crows Tick On Windows" anhören. So richtig Gruselstimmung kommt übrigens bei "Dreaming Of A Nightmare In Eden" auf: Hier erzählt Seregor mit seiner unheimlichsten Krächz-Stimme, unterlegt von schauriger Instrumentierung den Teil des Märchens, in dem die Protagonisten an das Knusperhäuschen kommen. Speziell wie die Hexe ihren berühmten Satz zum Besten gibt ("Nibble, nibble, gnaw…"), hier natürlich in düster abgewandelter Form, lässt einem förmlich die Haare zu Berge stehen. Diesen Track würde ich tatsächlich als Kernstück der Platte ansehen, zumindest was den narrativen Teil betrifft. Fast hat man den Eindruck, als hätte die Band gern mehr oder weniger die gesamte Platte in diesem Stil aufgenommen – ein Gefühl, das man auch von anderen Werken der Holländer kennt.

Es soll bei aller Euphorie aber auch nicht verhehlt werden, dass die Stücke ab der Hälfte des Albums musikalisch ein wenig abfallen und mehr von der erzählten Geschichte als von der Musik leben. Speziell bei "Possessed By A Craft Of Witchery" gelingt es nicht so perfekt wie im ersten Teil des Albums, das Stück trotz Komplexität gut hörbar zu halten. Dadurch wirkt der Track zwar sehr theatralisch, letztlich aber zu zerfahren, um sich als Hörer festhalten zu können. Der Grund ist in meinen Ohren, dass hier versucht wurde, mit der Lead-Gitarre Story-unterstützend zu arbeiten, was mir im Endeffekt viel zu verfrickelt klingt. Letztlich ist dieses Lied dadurch meiner Ansicht nach das musikalisch schwächste (oder besser: am schwierigsten zu hörende) auf dem Album. Ähnliches gilt für "Killed And Served By The Devil", das einem Doublebass-Overkill gleicht und nur dann wirklich gut ist, wenn Carach Angren das Tempo etwas herausnehmen. Auch "The WItch Perished In Flames" kann mich musikalisch nicht sonderlich überzeugen. Nur das finale, wieder mit schwarzem Hörspielcharakter aufwartende "Tragedy Ever After" versöhnt auch von der Musik her wieder – vom unerwarteten Story-Twist am Ende ganz zu schweigen.

Fazit: "This Is No Fairytale" ist eher Hörspiel als reines Musik-Album, stellenweise gewinnt man sogar den Eindruck, der narrative Part und die Lyrics wären der Band leichter gefallen, als die Musik. Aus dieser Sicht ist auch mein Gesamteindruck zu verstehen. Rein musikalisch mögen für den einen oder anderen Metal-Fan die 4 Sterne überzogen erscheinen. Hätte ich nur die Musik bewertet, hätte ich tatsächlich maximal 3 gegeben. Aber ich habe versucht, das Werk als Ganzes zu bewerten. Und da zeigt sich für mein Dafürhalten, dass Carach Angren ihre Version von "Hänsel und Gretel" überzeugend und herausragend erzählen. Und sich dadurch Extra-Punkte verdienen, weil ich das Album allein wegen der Geschichte so gerne höre (und von der ersten Hälfte auch musikalisch begeistert bin).

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Unsung Heroes
Unsung Heroes
Preis: EUR 12,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geht in der zweiten Hälfte völlig k.o., 18. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unsung Heroes (Audio CD)
Die Finnen Ensiferum hatten meiner Ansicht nach bis zum Vorgänger von "Unsung Heroes" ("From Afar", 2009) drei Meisterwerke abgeliefert. Angesprochenes "From Afar" war auch noch sehr, sehr stark, brauchte aber – von einigen Ausnahmen abgesehen – den einen oder anderen Durchlauf mehr, um so richtig zu zünden. "Unsung Heroes" (2012) fällt gegenüber diesem beeindruckenden Backkatalog allerdings deutlich ab. Dafür gibt es meines Erachtens zwei Hauptgründe.

Grund Nummer 1 hat etwas mit der Produktion zu tun. Das Album ist vom Klang her zwar nicht wirklich schlecht, dennoch klingt es ein wenig lasch. Im Zusammenhang mit dem Songwriting, vor allem in der zweiten Hälfte der Platte, wirkt sich das tatsächlich deutlich hörbar aus. Noch dazu ist der Mix für mein Dafürhalten sub-optimal, speziell was die Stimme von Petri Lindroos betrifft, die meines Erachtens sehr kraftlos aus den Boxen kommt. Das wirkt fast so, als hätte der Frontmann etwas an seinem Gesangsstil geändert, was aber – so glaube ich zumindest – tatsächlich mehr am Mix als an ihm selbst liegt. Noch dazu wurden offenbar sehr viele Spuren verwendet und eine Menge an Details in die Songs eingebaut – allein aus diesem Grund wäre meiner Meinung nach eine "andere" Produktion besser gewesen.

Grund Nummer 2 ist wesentlich gravierender: Die Hälfte der zehn Songs entfachen bei weitem nicht die Wirkung, die man sich von einer Band wie Ensiferum erwartet und erhofft. Dabei geht "Unsung Heroes" sehr gut und durchaus typisch los. "Symbols" ist ein schönes Intro und wesentlich besser als vieles, was man in diesem Bereich sonst oft zu hören bekommt. Gleich darauf folgt mit "In My Sword I Trust" das Highlight und der mit Abstand stärkste Song der Platte. Die typische Kombination aus gegrowlter Strophe, clean gesungener Bridge und im Chor gebrülltem Refrain – das ist ein veritabler, eingängiger Hit, der so auch auf jeder anderen Platte der Band locker hätte stehen können. Auch der auf dieses Feuerwerk folgende Titelsong hat seine Momente – zumindest wird das dem Hörer nach mehreren Durchläufen klar, beim ersten Versuch zündet "Unsung Heroes" noch nicht. Dann lernt man die exzellente Gitarrenmelodie und den guten Gesang jedoch zu schätzen, auch wenn das Stück keinen klassischen Ohrwurm-Charakter hat. Abgerundet wird der tolle Auftakt des Albums dann noch durch "Burning Leaves", das eher im Midtempo-Bereich angesiedelt ist und mit Hymnenhaftigkeit punkten kann. Auch hier: Die Kombination Strophe/Bridge/Refrain ist wunderbar abgestimmt und einmal mehr von herausragender Gitarrenarbeit unterlegt. Wobei das Stück nicht ganz so stark wie die zwei Lieder davor ist – und man erstmals das Gefühl hat, dass es Ensiferum hier mit der Song-Länge etwas übertreiben und ein wenig schneller zum Punkt kommen könnten. Aber sei's drum, insgesamt können die ersten vier Stücke auf "Unsung Heroes" definitiv überzeugen.

Danach geht es leider bergab. "Celestial Bond" ist zwar in Ordnung, erinnert von der Machart her ein wenig an "Tears" (auf "Iron", 2004), ohne jedoch dessen Qualität zu erreichen. Ob man es mag, liegt wohl an der Grundsatzfrage, ob man bei Ensiferum eine Sängerin hören möchte oder nicht. Mich stört der Frauengesang überhaupt nicht, aber das Songwriting sollte halt auch passen, und das ist im Falle von "Celestial Bond" eher mittelprächtig. Oder, anders gesagt: Würde bei Nightwish super passen, funktioniert bei Ensiferum aber auf diese Weise nicht sonderlich gut. "Retribution Shall Be Mine" ist als Kontrastprogramm bretthart und schnell – was aber aufgrund der Produktion nicht so zur Geltung kommt, wie es wohl beabsichtigt war. Abgesehen davon klingt der Song als wäre ein stimmiger Refrain schlicht vergessen worden. Rasant ist zwar grundsätzlich gut, aber "nur rasant" können andere auch, im Falle von "Retribution Shall Be Mine" fehlt ein Alleinstellungsmerkmal, weil es den typischen Heldenrefrain nicht gibt. Nach diesem schnellen "Zwischenspiel" folgt mit "Star Queen" der zweite Teil von "Celestial Bond". Auch dieses Stück hat balladeske Züge, diesmal mit Männergesang, was es anstatt in Richtung Nightwish eher in Richtung Sonata Arctica tendieren lässt. Hätte meiner Ansicht nach nicht unbedingt sein müssen. Danach gibt's mit "Pohjola" nochmal etwas auf die Ohren – und zwar auf Finnisch. Den Refrain kann man trotzdem mitgröhlen – ansonsten ist das Stück mit seinem schwülstigen Opern-Chor aber nicht so toll. Noch dazu ist es (inklusive Spoken-Word-Teil, der ein wenig an Rhapsody Of Fire erinnert) länger als notwendig. Wäre nach drei oder vier Minuten Schluss gewesen, wäre das kein Problem – aber mehr als sechs Minuten? Dafür ist der Song nicht spannend genug. Vorletztes Stück auf dem regulären Album ist mit "Last Breath" ist eine weitere Ballade – über die man aber am besten den Mantel des Schweigens hüllt, wenn man bedenkt, wie gut Ensiferum in diesem Bereich sein können. Bei "Last Breath" lassen von der Gesangslinie her Primordial ein wenig grüßen; mehr Positives fällt mir dazu nicht ein.

Das wäre aber alles zu verschmerzen, wenn da nicht der Abschlusstrack wäre. 17 Minuten dauert "Passion Proof Power" und ist damit bis dato der längste Song, den Ensiferum geschrieben haben. Es gibt sicher Leute, die dieses Werk für das Nonplusultra halten, es abwechslungsreich, durchdacht und episch finden. Verstehen kann ich das nicht – für mich wirkt "Passion Proof Power" zusammenhanglos, überkompliziert und – traurig aber wahr – kaum vernünftig hörbar. Der Song beinhaltet diverse Versatzstücke, die man auf diesem Album speziell aus der zweiten Hälfte bereits kennt: Ein wenig Sonata Arctica hier (Teile der Keyboards, merkwürdiger Lead-Gitarren-Sound), ein bisschen Nightwish da (Teile des Gesangs), garniert mit einer Prise Rhapsody Of Fire (Theatralik/Dramatik). Leider greifen diese Parts nicht so ineinander, dass man sagen könnte, dass am Ende das ureigene Ensiferum-Gefühl herauskommt. Einerseits fehlt es dafür an Eingängigkeit, andererseits hat man zwar viele unterschiedliche Zutaten vermengt, die aber einfach nicht zusammenfinden wollen.

Zu erwähnen ist auch noch der kurze Gastauftritt, den Die Apokalyptischen Reiter in "Passion Proof Power" haben – auch, weil man dadurch (und durch das recht lange Intro des Songs) die Spielzeit des Songs ein wenig relativieren kann. Grundsätzlich ist es aber ein netter Gag, den Thüringern eine kleine (deutsche!) Sprechrolle zu geben. Dass sie es dabei tatsächlich schaffen, die Band Ensiferium zu nennen, ist schon fast ein Klassiker. Wäre interessant zu wissen, ob das so geplant war.

Auf der Limited Edition von "Unsung Heroes" findet sich mit "Bamboleo" übrigens eine Cover-Version der Gipsy Kings. Naja, Cover haben bei Ensiferum Tradition, warum also nicht. Die Aufregung war bei Erscheinen des Albums dennoch groß – zu Unrecht, wie ich finde. Die Auswahl des Cover-Songs zeugt meiner Ansicht nach durchaus von Humor. Gut eingespielt wurde das Stück auch. Kein Grund sich zu beschweren also, ist ja nicht so, dass das mehr als ein kleiner Bonus für die Fans ist.

Fazit: "Unsung Heroes" wäre gar nicht so schlecht. Wäre da nicht die zweite Albumhälfte, die völlig verkorkst ist. Fast klingt das Album so, als hätte man irgendwo noch eine Handvoll klassischer Ensiferum-Stücke gefunden, die man gerne auf ein Album packen würde. Gute Idee, aber das restliche Material auf der Platte passt leider nicht in diese Kategorie. Oder war es umgekehrt? Man hatte gute Song-Ideen für ein paar starke Nummern, musste aber, um auf Album-Länge zu kommen, noch ein paar ausrangierte Songs bzw. Songteile dazu nehmen? So oder so: "Unsung Heroes" ist zwar dank der starken ersten Halbzeit kein Totalausfall – das schwächste Ensiferum-Album bisher ist es aber dennoch.

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One Man Army
One Man Army
Preis: EUR 21,98

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit ungewohnter Härte zurück zu alter Stärke, 2. März 2015
Rezension bezieht sich auf: One Man Army (Audio CD)
Ensiferum hatten für mich in der Pagan- und Folk-Szene schon immer besonderen Stellenwert: Nicht so bierernst und humorlos wie Týr oder Moonsorrow (die ich im Übrigen beide sehr schätze), aber auch nicht so party-tauglich wie Korpiklaani und Alestorm. Irgendwo in der Mitte, ähnlich ihren Landsmännern von Finntroll, mit denen sie musikalisch aber auch nicht allzu viel gemein haben. Fröhliche und dramatische Melodien treffen bei Ensiferum auf durchwegs gut präsentierte Folklore, inklusive martialischem Äußerem - und das alles auf ein musikalisches Gerüst gespannt, das sich vorwiegend aus traditionellem Heavy Metal und Melodic Death Metal bedient. Dennoch: Anno 2015, im Erscheinungsjahr von "One Man Army", scheint die Erfolgswelle der Pagan- und Heidenfeste weitgehend abgeebbt zu sein und die Szene kann sich langsam "gesundschrumpfen". Ensiferum, die bereits seit 1995 bestehen, gehören zu den Urgesteinen (auch wenn ihr selbst-betiteltes Debüt von 2001 datiert), die vermutlich sowohl Aufstieg als auch Fall ihrer Szene überstehen werden.

Zumindest glaube ich nach Genuss von "One Man Army" fest daran, dass es so sein wird. Nach dem Vorgänger "Unsung Heroes" (2012) sah das noch anders aus. Ja, "In My Sword I Trust" konnte man gelten lassen und in "Passion Proof Power" gab es ein nettes Wiederhören mit den Apokalyptischen Reitern. Aber sonst? Nichts, was in Erinnerung bleiben musste – alles zu lasch und im Endeffekt einfach schwach im Songwriting. Und wie so oft, wenn ein Album nicht gut ist, beginnt man, die Band langsam, aber sicher auf dem absteigenden Ast zu sehen. Umso schöner, dass Ensiferum mit "One Man Army" entgegen arbeiten können – dass es jedoch ein derart harter Rundum- und Befreiungsschlag wird, war meines Erachtens nicht zu erwarten. Denn 2015 ist bei den "Schwertträgern" (so die Übersetzung von Ensiferum) einiges neu: Zunächst wurde das Label gewechselt, Metal Blade ist nun die Heimat der Band, was bei einem Blick auf das Potpourri der Plattenfirma sehr passend scheint. Gewechselt wurde auch der Künstler, der das Album-Cover gestaltet hat. Bisher war hier immer ein Werk von Kristian "Necrolord" Wåhlin zu bewundern (unverwechselbar!), nun gibt es etwas von Gyula Havancsák zu sehen, der trotz neuem Stil gekonnt eine optische Verbindung zu den alten Covern geschafft hat. Die dritte Neuerung ist meines Erachtens die augen- bzw. ohrenfälligste: Am Mischpult hat diesmal mit Anssi Kippo (u. a. Children Of Bodom) ein neuer Mann Platz genommen und Ensiferum einen Sound verpasst, der so organisch und bretthart ist, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Genau so muss das klingen!

Doch nun endlich zu den Songs. Mit dem Intro "March Of War" geht es noch sehr traditionell los – langsames Akustik-Geklimper, das man so oder so ähnlich schon oft gehört hat, auch von Ensiferum selbst. Naja, sogar schon besser, wenn man z. B. "Ferrum Aeternum" (auf "Iron", 2004) als Maßstab nimmt. Danach bricht aber die Hölle los: Gleich das zweite Stück, "Axe Of Judgement" haut so direkt rein, wie kaum ein anderes Ensiferum-Stück der vergangenen Jahre. Vom eröffnenden Schrei von Sänger Petri Lindroos über den Double-Drum-Galopp bis zur perfekten Gitarrenarbeit: Hier passt alles. Was aber vor allem beeindruckt – und das ist nicht nur bei diesem Song so – ist das rhythmische Fundament. Unglaublich, wie die Band in diesem Bereich über sich hinaus wächst. Diverse "Oh-Oh-Oh"-Chöre untermauern auch noch einmal das Helden-Gefühl, eine Disziplin, in der Manowar früher alleiniger Meister waren.

Dabei wird es nach dieser grandiosen Eröffnung sogar noch besser: Beeindruckt "Axe Of Judgement" vor allem mit schierer Härte, folgt mit "Heathen Horde" gleich eine richtige Hymne. Typisch Ensiferum – aggressiver Gesang in der Strophe, danach super-eingängiger Refrain mit Klargesang und Chor (den es dazwischen auch gibt), das alles getragen von einer dieser typisch-folkigen Gitarren-Melodien: Ohrwurm-Alarm! Ähnliches gilt auch für den Titel-Track mit seinem ungewöhnlich thrashigen Riffs und dem in episch-erhabener Manier gesungenen Worten, die dem Track und dem Album ihre Namen geben. Das Gitarren-Solo bei Halbzeit ist übrigens extra-geschmeidig und gehört trotz seiner Kürze mit zum Besten, was das Duo Lindroos/Toivonen in diesem Bereich bisher hinbekommen haben. Zu diesem Track wurde übrigens auch ein Video produziert.

Nach dieser Eröffnung mit drei harten Songs gibt es eine kurze Verschnaufpause namens "Burden Of The Fallen". Ein akustisches Intermezzo mit (englischem) Klargesang im Ensiferum-typischen, sympathisch-naivem Akzent. An sich ist das aber nur ein kurzes (1:49 Minuten) Zwischenstück, eine Art Intro für ein weiteres Härte-Monster, das die Melodie von "Burden Of The Fallen" im Chor wieder aufnimmt: "Warrior Without A War", mein Lieblingsstück auf "One Man Army". Die Strophe ist nicht ganz so schnell, eher groovend und in diesem geilen Midtempo-Galopp, bevor im Refrain-Teil so richtig auf Vollgas gedreht wird und sich Petri Lindroos den Gesang mit Bassist Sami Hinkka teilt. Einfach gut, ebenso der Chor, der das Ganze unterlegt und das sanftere Intermezzo gegen Ende des Stücks.

An dieser Stelle, also Halbzeit der Platte, folgt dann erstmal ein Bruch. "Cry For The Earth Bounds" ist eher ein Stück, das in den Soundtrack von "Conan" oder "Der Herr der Ringe" passen würde. Großteils getragenes Tempo, Chor, dazwischen Schrei-Gesang; in der Mitte unterbrochen durch ein wenig weiblichen Gesang, dann wieder wie in der ersten Hälfte. Das ist alles zwar sehr schön episch (in einem Rhapsody Of Fire'schen Sinne), so ganz kann ich mich aber nicht damit anfreunden. Vor allem auch, weil das Stück einfach zu lang ist.

Interessant wird es dann bei "Two Of Spades", einem wiederum pfeilschnellen Stück. Musikalisch klingt das ein wenig nach den härteren Sachen von Turisas (wozu auch die Untermalung mit der Fidel – oder ist es ein Banjo? - beiträgt). Im Zwischenteil gibt es dann Poppiges mit allerhand "Huh-Hah!" zu hören, Disco unterlegt mit Western-Anleihen. Das liest sich jetzt schauderhaft, passt aber erstaunlich gut rein und ist durchaus party-tauglich. Auch der Text gibt Anlass zum Stirnrunzeln – geht es doch nicht um Kämpfe und Helden sondern um das Kartenglück. Ich persönlich mag den Song, verstehe aber, wenn sich daran die Geister scheiden.

"My Ancestor's Blood" und "Descendants, Defiance, Domination" sind dann – ihren Titeln entsprechend – wieder im klassischen Ensiferum-Kosmos angesiedelt. Ersteres beginnt wie ein verlorener Song von Children Of Bodom und wird dann zu einer lupenreinen Hymne, ungefähr vergleichbar mit "Tale Of Revenge" von "Iron". Zweiteres ist diesmal der Song mit Überlänge, 11:20 Minuten sind es geworden. Und ja, sie haben es geschafft: Erstmals seit "Victory Song" (auf "Victory Songs", 2007) gefällt mir wieder ein langes Stück der finnischen Helden. Abwechlsungsreich, mit ergreifender Melodie, schön gesungen – was will man mehr. Wenn noch ein guter Refrain dabei wäre, würde es perfekt passen.

Dennoch ist das entgegen der Erwartungen nicht der Schluss der CD, danach gibt es noch "Neito Pohjolan" zu hören. Das fällt mit seiner Wild-West-Melodie und dem Frauengesang noch mehr aus dem Rahmen, als "Two Of Spades". Wie dort, erwähne ich auch hier Turisas, denn deren ehemalige Akkordeon-Spielerin Netta Skog gibt sich hier an eben diesem Instrument und auch am Mikro die Ehre. Ein netter Abschluss für das Album, auch wenn ich hier lieber eines der härteren Stücke gesehen hätte. Aber auch so passt das ganz gut.

Eine Bonus-CD gibt es zu "One Man Army" übrigens auch. Die darauf enthaltenen Stücke sind – wie so oft – ein netter Gag, mehr aber auch nicht. Zumindest geht es mir so. "Rawhide" ist der Titelsong einer Western-Serie, gecovert u. a. von den Blues Brothers (für den gleichnamigen Film) und hier eben von Ensiferum, die ihre Cover-Tradition damit fortsetzen. Naja. Großartig geht anders. Besser ist das zweite Cover, "Warmetal", im Original von der obskuren finnischen Truppe Barathrum, gelungen. Das hat schon fast Black Metal-Züge und steht Ensiferum recht gut zu Gesicht. Auf Position drei der Bonus CD steht mit "Candour And Lies" die englischsprachige Version von "Neito Pohjolan", diesmal mit männlichem (Klar-)Gesang. Eher überflüssig, würde ich sagen, mir gefällt die reguläre Version besser. Das letzte Stück auf dieser CD nennt sich schlicht "Bonus Song", klingt nach Children Of Bodom im Proberaum und ist ganz spaßig - könnte vom Prinzip her auch von Alestorm sein, wenn man einen Humor-Vergleich anstellen möchte.

Fazit: "One Man Army" lässt den Hörer nach dem ersten Durchgang mit offenem Mund zurück. So hart, mit solchen Thrash- und Death-Anleihen hat man Ensiferum selten (eigentlich noch nie) gehört. Das fällt insbesondere im Vergleich zum eher laschen Vorgänger, der auch das erste schwächere Album der Finnen war, auf. Mit "One Man Army" macht die kriegerische Truppe aus Suomi jedenfalls so gut wie alles richtig und kann wieder an alte Glanzzeiten anschließen (ohne sie freilich zu übertreffen). Ein bisschen Luft nach oben ist also noch, die Wiedergutmachung hat aber bestens geklappt.

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Beyond The Red Mirror
Beyond The Red Mirror
Preis: EUR 13,97

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Braucht viel von beidem: Zeit und Geduld, 24. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Beyond The Red Mirror (Audio CD)
So richtig gefreut habe ich mich auf das 2015er-Werk von Blind Guardian, “Beyond The Red Mirror”, nicht. Dafür waren die Alben davor einfach zu ernüchternd gewesen. Vor allem “At The Edge Of Time” war meines Erachtens eine herbe Enttäuschung und hatte zur Folge, dass ich bei Blind Guardian nicht mehr blind zugreifen wollte. Zum Glück ist “Beyond The Red Mirror” ein ganz anderes Kaliber, doch dazu gleich.

Zunächst ein kleiner Exkurs zu meiner persönlichen Blind Guardian-Historie: Bis inklusive “Nightfall In Middle-Earth” (1998) finde ich an keinem Album der Krefelder etwas auszusetzen. Ja, richtig gelesen: “inklusive”. “Nightfall In Middle-Earth” war im Prinzip mein Einstieg in das Schaffen von Blind Guardian – und es hat mich sofort gepackt. Im Anschluss kamen alle älteren Platten dran, von denen mich jede voll und ganz überzeugen konnte. Nach 1998 sah die Sache aber anders aus. An “A Night At The Opera” (2002) konnte ich mich nach einer kurzen Schrecksekunde (die bereits beim Betrachten des Covers begann) noch gewöhnen. “A Twist In The Myth” (2006) war hingegen eine wesentlich härtere Nuss, Hauptgrund dafür war der Tonspuren-Overkill, der einen geradezu erschlug. Letztlich waren es dann aber doch ein paar Einzelsongs, die mir im Gedächtnis geblieben sind (“Turn The Page”, “Fly”, “Another Stranger Me”, “Skalds And Shadows”) und die Platte doch noch positiv in meiner Erinnerung verankert haben. Bei “At The Edge Of Time” (2010) ging dann nichts mehr. Ok, “Sacred Worlds” kennt man (vor allem wegen dem Computerspiel “Sacred”), “Tanelorn (Into The Void)” ist aufgrund von “The Quest For Tanelorn” (auf: “Somewhere Far Beyond”, 1992) und eventuell auch Michael Moorcock-Lesern ein Begriff und “A Voice In The Dark” ist ein veritabler Hit, zumindest im Kontext des Albums. Aber insgesamt kann man nicht sagen, dass das 2010er Album ein Gutes gewesen wäre.

Soviel zur Geschichte, kommen wir zur Gegenwart und zum Grund meines Abschweifens: Nach den ersten drei oder vier Hördurchgängen dachte ich, “Beyond The Red Mirror” würde sich in die Riege der letzten Alben einreihen. Da tat sich nämlich nicht viel. Aber: Irgendwann ist es tatsächlich gelungen und die Songs begannen sich zu erschließen. Zugegeben, bei allen hat das nicht geklappt, aber insgesamt muss man sagen: Geduld lohnt sich hier wirklich. Fraglich, ob alle Hörer so viel Muse mitbringen, versuchen sollte man es aber auf jeden Fall.

Und nun kommen wir zu den Details und beginnen mit den positiven Seiten von “Beyond The Red Mirror”. Zunächst wäre da die Auskopplung “Twilight Of The Gods”, die sich vorab schwach anhörte, im Album-Kontext aber als verhältnismäßig eingängig und leicht hörbar hervorsticht. Besser als ich im Vorhinein gedacht hatte – da darf man mit seinem Urteil nicht zu schnell bei der Hand sein. Noch viel besser macht es der stärkste und gleichzeitig härteste Song des Albums, nämlich “The Holy Grail”. Hier können sich die Krefelder tatsächlich auszeichnen und schaffen es, ihre eigene Vergangenheit mit der Zeit von ungefähr “A Night At The Opera” gekonnt zu verbinden, ohne das Ganze zu überfrachten. Und die Textzeile “There on the battlefield / She sings praise, hallelujah” ist praktisch unmöglich wieder loszuwerden. Fast ebenso gut zu hören sind “Prophecies” (mit dem einen oder anderen Teil, der sich live gut zum Mitsingen eignen könnte), “Ashes Of Eternity” (relativ hart und – zum Glück – sehr metallisch für die neueren Blind Guardian-Verhältnisse), “The Throne” (merkwürdiger, chaotisch-hymnischer Reiz ohne so richtig zum Höhepunkt zu kommen, dafür aber mit dem besten Gitarrensolo des Albums ausgestattet) und “Sacred Mind” (noch ein fast reinrassiger Metal-Song, auf der dunkleren Seite angesiedelt und mit sehr aggressivem Gesang, wo die Zeit zeigen muss, ob Hansi Kürsch das live noch hinkriegt).

Eher nichtssagend, aber auch nicht negativ auffallend in meinen Ohren: “Distant Memories” und “Miracle Machine”, die Standard-Ballade (In diesem Fall quasi nur Hansi Kürsch und ein Piano, ein wenig Chor und Orchester sind auch noch dabei. Immerhin schön gesungen.).

Und nun kommen wir zum negativen Teil, der – man ahnt es schon – leider auch zu zweifelhaften Ehren kommen muss. “At The Edge Of Time” (sic!) ist völlig zum Vergessen. Langweilig und bleibt nicht hängen – keine Ahnung, wer einen derartig aufgebauten Song überhaupt hören will. Ebenso ergeht es dem sperrigen und nichtssagenden Opener “The Ninth Wave”, der viele schon im Vorhinein abschrecken dürfte. Hätte man wenigstens den dramatisch-orchestralen Beginn als Intro ausgegliedert, wäre es vielleicht noch erträglich gewesen. So leider nicht, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich viele Leute dieses Lied am Stück geben wollen. “Ausgeglichen” wird der Fehlstart meiner Meinung nach durch das Ende: “The Grand Parade” ist ein Song, an dem sich die Geister scheiden werden. Mein Geist zeigt mit dem Daumen nach unten. Wenn man hier eine Art “…And Then There Was Silence” kreiren wollte, ist das gründlich in die Hose gegangen. So einen Song hätte ich eher von Avantasia erwartet – aber doch nicht von Blind Guardian. Und das ist kein Kompliment, weder für die eine Band, noch für die andere. Bei Avantasia hätte das Stück durch verschiedene Sänger eventuell funktionieren können, hier ist es eher so… naja… kitschiges Tra-la-la. Oder so. Kein Beinbruch zwar, aber dieser “Say good-bye my friend…”-Refrain geht bei mir halt gar nicht.

Fazit: Insgesamt finde ich “Beyond The Red Mirror” wesentlich besser, als ich zunächst nach der Single, dann nach den ersten Durchläufen befürchtet hatte. Das erinnert mich vom Gefühl her ein wenig an “A Twist In The Myth”, wo ich eine ähnliche “Lernkurve” gebraucht habe. Ankreiden lassen müssen sich Blind Guardian meiner Ansicht nach zwei Dinge: Erstens ist der Sound in meinen Ohren sub-optimal. Ein wenig dumpf und nicht perfekt abgemischt, teilweise fragt man sich, wo da überhaupt Gitarren zu hören sind. Zweitens frage ich mich schon, ob es sinnvoll ist, jeden noch so kleinen Schnipsel wahlweise mit Chören oder Orchesterparts (oder beidem) zuzukleistern. Das lässt den Songs kaum Luft zu atmen und macht es dem Otto-Normal-Metaller extrem schwer, sich die Platte zu erschließen – super Beispiel dafür: “Sacred Mind”. Gut, sowas kann spannend sein – aber die Krefelder übertreiben es meiner Ansicht nach gnadenlos. Ich fürchte, das wird sich auch bei den Konzerten sehr deutlich zeigen – zum Mitsingen lädt hier nämlich so gut wie nichts ein, auch weil es keine zwingenden Refrains gibt. Und der ganz große Hit leider einmal mehr fehlt.

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Northmen - A Viking Saga
Northmen - A Viking Saga
DVD ~ Tom Hopper
Preis: EUR 7,49

30 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eindimensionale Story, flache Charaktere - keine Kaufempfehlung, 6. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Northmen - A Viking Saga (DVD)
Die Vermutung liegt nahe, dass sich vor allem zwei Personenkreise für den Film "Northmen – A Viking Saga" interessieren werden. Zunächst wären das diejenigen, die generell Interesse an der Wikinger-Thematik haben, die vielleicht Filme wie "Der 13te Krieger", "Erik der Wikinger" oder die Serie "Vikings" mögen. Auch wenn diese Werke durchaus ihre Erfolge hatten, ist das Zielpublikum insgesamt vermutlich überschaubar. Das gilt auch für die zweite Gruppe, die bei diesem Film zugreifen wird: Metal-Fans, speziell alle, die etwas mit den schwedischen Death Metallern von Amon Amarth anfangen können. Spielt doch deren Frontmann Johan Hegg im Film mit, der deshalb auf großen Festivals wie dem Wacken:Open:Air 2014 ordentlich promoted wurde. Aber auch diese Fanbase dürfte überschaubar sein und sich teilweise ohnehin mit der ersten Gruppe überschneiden.

Nachdem die Zielgruppen-Thematik abgesteckt ist, stellt sich die Frage, ob der Film auch für andere interessant sein könnte. Die Antwort: Eher nein. Und noch schlimmer: Wenn man es genau nimmt, werden wohl nicht mal Vertreter der genannten Gruppen vollauf zufrieden sein – dafür leistet sich der Streifen einfach zu viele Schwächen.

Beginnen wir mit dem Metal-Part. Wer musikalische Untermalung von den Wikingern des Death Metal, Amon Amarth, erwartet, könnte falscher nicht liegen. Grundsätzlich dominiert die typisch-epische Filmmusik, wie man sie aus Breitwand-Streifen wie "Der Herr der Ringe" kennt – nur halt bei weitem nicht so gut gemacht. Einzig im Abspann gibt es ein wenig schwedischen Todesstahl zu hören, wobei das, was dort eingespielt wird, auch eher weichgespült klingt und nicht vermuten lässt, welch ein Inferno eine Band wie Amon Amarth live entfachen kann. Die Musik ist aus Metal-Sicht also ein Flop – aber wie sieht es mit den Schauspielkünsten von Johan Hegg aus? Nun, der Schwede macht sich nicht schlecht, hat aber erwartungsgemäß keine große Sprechrolle. In der deutschen Synchronisation kommt es nicht so gut rüber, aber ich vermute, dass er zumindest in der Originalfassung ein wenig sein beeindruckendes Organ zum Kampfschrei nutzen kann. Immerhin. Abgesehen davon lohnt es sich aber kaum, den Film wegen des sympathischen Sängers zu kaufen – viel ist von ihm ohnehin nicht zu sehen. Wesentlich mehr als eine Minute Air-Time dürfte ihm – ohne es gestoppt zu haben – nicht vergönnt sein. Also: Weder musikalisch, noch Hegg-technisch ist "Northmen" eine Offenbarung für den gemeinen Metalhead.

Und was hat die "Viking Saga" denen zu bieten, die noch nie etwas von Amon Amarth gehört haben und ihn ohne die Erwartung anschauen, eine meisterhafte Leistung ihres Idols zu sehen? Auch aus dieser Sicht muss man konstatieren: Was Regisseur Claudio Fäh hier "zaubert" ist bestenfalls Durchschnitt. Und auch das nur mit viel gutem Willen. Doch beginnen wir mit dem Positiven: Der Film geht gut los, das Drachenboot im Sturm ist optisch ausgezeichnet gemacht, die Gewalt der Wellen ist direkt greifbar und man fühlt sich tatsächlich mittendrin statt nur dabei. Überhaupt kann die Optik von "Northmen" durchaus überzeugen – landschaftlich sowieso, auch wenn der Schauplatz der Handlung, Schottland, überwiegend in Südafrika (!) gefilmt wurde. Fällt allerdings nicht auf, man fühlt sich tatsächlich in die Highlands versetzt. Ebenfalls gut gemacht: Die Ausstattung der Nordmänner. Zumindest für mich als Geschichts-Unkundigen sehen Waffen und Ausrüstung sehr authentisch aus. Den wenigen Innenaufnahmen merkt man das vermutlich recht knappe Budget hingegen an, weswegen sich der Schweizer Regisseur wohl umso mehr auf die beeindruckenden Landschaften verlässt. Was gibt es noch zu sehen? Natürlich Kämpfe und Gemetzel, wie es der (klischeehafte) Wikinger-Alltag halt so will. Auch daran gibt es nichts auszusetzen – jedes Aufeinandertreffen der gegnerischen Parteien, bewaffnet mit Schwert, Axt, Bogen und Armbrust wurde perfekt choreografiert, nichts stammt aus dem Computer. Auch mit blutigen Effekten spart der Filmemacher nicht, wobei er damit nie über das Ziel hinaus schießt, maximal beim Soundeffekt, der das Eindringen von Schwertern in Körper darstellt und sehr in den akustischen Mittelpunkt gerückt wurde.

Eigentlich eine schöne Liste an positiven Eigenschaften, die "Northmen – A Viking Saga" auszeichnen. Woran scheitert der Film also? Man kann es sich denken: Story und Charaktere sind – mit Verlaub – "durchwachsen". Erstere ist denkbar simpel: ein Haufen Wikinger erleidet Schiffbruch im Sturm, strandet im feindlich gesinnten Schottland und versucht, sich zur nächsten hiesigen Wikinger-Siedlung durchzuschlagen. Damit das gelingt und man dort auch mit offenen Armen empfangen wird, nimmt man noch schnell eine Geisel, die sich zufällig als Tochter des Königs entpuppt, die gerade auf dem Weg zu ihrer Zwangsverheiratung ist. Der gekrönte Papa ist natürlich "not amused" und schickt seine bösen Söldner aus Rumänien (!) hinter den Nordmännern und ihrer Gefangenen her. Mehr ist es im Prinzip nicht – und selbst dieses bisschen ist von unfreiwilligen Lachern und abstrusen Zufällen durchzogen. Beispiele könnte man diverse aufführen – allein, dass es die bösen Söldner zu Pferd nicht schaffen, die zu Fuß flüchtenden Wikinger einzuholen (obwohl sich diese praktisch durchgehend in Sichtweite befinden), spricht Bände. Und werden die Verfolger ihrer Pferde beraubt, macht es auch nichts – sie finden im Handumdrehen neue, zufällig auch noch in der richtigen Anzahl. Oder: Es gilt, eine breite, tiefe Schlucht zu überqueren, über die es natürlich nur eine wacklige Brücke gibt. Nach hartem Kampf ist die Brücke zerstört, die Kampfhähne befinden sich jeweils auf der anderen Seite der Schlucht – Pech, dass der Pfad ins Tal erst nach dem verlustreichen Gefecht entdeckt wird. Man könnte noch mehr solcher Widrigkeiten aufzählen – es reicht aber zu sagen, dass Drehbuch und Regie hier keine Glanzleistung vollbracht haben. Übrigens: Auch das Ende ist vollkommen vorhersehbar, allerdings auch relativ offen, was ein Sequel erhoffen/befürchten lässt.

Ist die Story schon simpel, wird das von den Charakteren noch unterboten. Zunächst braucht es für einen solchen Film ein starkes Antagonist/Protagonist-Gespann. Beides ist in "Northmen" leider nicht gegeben.

Beginnen wir mit dem Bösewicht und seinem Gefolge. Die zwei rumänischen Brüder, die die Söldner anführen, sind austauschbar. Nicht miteinander (dafür sorgt ein makanter Schnurrbart beim "netteren" der beiden), sondern überhaupt. Das vor allem, weil man nichts über sie erfährt – ein finsterer Blick und der Hinweis auf die Herkunft aus Rumänien reichen aber nicht aus, um Charakter zu erzeugen. Der Rest der königlichen Truppe besteht aus gesichtslosem (im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie ihre Vollvisier-Helme nie abnehmen) Kanonenfutter, das nur den Zweck hat, von den Wikingern dezimiert zu werden.

All das wäre vielleicht sogar verschmerzbar, wenn wenigstens die Helden der Geschichte gut gezeichnet wären. Dem ist aber nicht so. Hauptdarsteller Tom Hopper sieht für einen rauen Nordmann ein wenig zu gut aus (seine Kameraden entsprechen optisch schon eher den Vorstellungen). Mehr als das fesche Aussehen, das stark an die "Thor"-Filme mit Chris Hemsworth erinnert, bleibt von Hopper nicht in Erinnerung. Ein charakterstarker Wikinger-Anführer ist er jedenfalls nicht, eher ein Jungchen, das einen Fehler nach dem anderen macht und – vollkommen unbegreiflich – trotzdem nicht die Loyalität der ihm treu ergebenen Veteranen verliert. Von denen sticht auch nur Leo Gregory als "Jorund" hervor, was vermutlich weniger an ihm selbst, als an seiner etwas farbigeren Rolle als Zweifler an den Fähigkeiten des Anführers liegt. Übrigens kann auch Ryan Kwanten als kampfbegabter christlicher Mönch keinerlei Akzente setzen, wenn man von seinem außergewöhnlichen Kampfstil absieht, der zumindest ein Hingucker ist. Bleibt noch die weibliche Hauptrolle (mithin auch die einzige Frau im ganzen Film, wenn mich nicht alles täuscht). Charlie Murphy spielt die Tochter des Königs – gar nicht so übel, auch wenn sie hauptsächlich schmückendes Beiwerk ist. Ihr fällt auch der mythische Part, der in einem solchen Film nicht fehlen darf, zu. Darauf hätte man aber auch gut verzichten können, ihre hellseherischen Anwandlungen sind ausgesprochen aufgesetzt. Immerhin spielt sie besser, als ihr männliches Gegenüber.

Fazit: "Northmen – A Viking Saga" ist kein langweiliger Film. Er bietet genug Wikinger-Kampf-Action, um einigermaßen zu unterhalten. Das ist mir persönlich aber zu wenig. Auch ohne große Erwartungen an eine tiefgründige Story und meisterhaft ausgearbeitete Charaktere bleibt ein schaler Nachgeschmack. So schlicht hätte es nämlich auch nicht sein müssen – vor allem, was eben die Charaktere betrifft. Wenn man zu den flachen und austauschbaren Figuren noch die unfreiwillige Komik und das gewollte aber nicht gekonnte Drehbuch nimmt, reicht es nicht für eine Empfehlung. Zwei Sterne für die aufgezählten guten Ansätze, der Rest ist – leider – für die Tonne.

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Kings of Metal MMXIV (Silver Edition)
Kings of Metal MMXIV (Silver Edition)
Preis: EUR 17,99

61 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vollkommen überflüssig. Außer für den Gelbeutel von Joey DeMaio, 21. März 2014
"Kings Of Metal" (1988) war ein Manowar-Werk zwischen Genie und Wahnsinn. Der Fremdschäm-Höhepunkt "Pleasure Slave" stand hier Seite an Seite mit unfassbar guten Songs wie "Hail And Kill" oder "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)". Egal wie man dazu steht, es war jedenfalls ein Album, dem die Zeit nichts anhaben konnte. Zumindest bis zu dem Augenblick, in dem sich Manowar-Boss Joey DeMaio in seiner unendlichen Weisheit entschlossen hat, dass das Album neu eingespielt werden sollte. Ein Versuch, der schon ein paar Jahre zuvor mit "Battle Hymns MMXI" einen schalen Beigeschmack hinterlassen hatte, wobei man dort zumindest eine qualitativ tatsächlich hörbare Verbesserung des Soungewandes hinbekam. Bei "Kings Of Metal MMXIV" hingegen stimmt aus meiner Sicht so gut wie gar nichts und ich muss damit erstmals in meiner "Karriere" als Manowar-Fan die niedrigst mögliche Wertung vergeben.

Doch kommen wir vorerst zum Positiven. Zunächst ist die bis dato größte Peinlichkeit im Manowar-Backkatalog, nämlich das bereits erwähnte "Pleasure Slave", offenbar der Zensur zum Opfer gefallen. Vielleicht, um Frauen in Zeiten, die sich seit Veröffentlichung des Originals gründlich geändert haben, als zahlungskräftige Zielgruppe nicht vor den Kopf zu stoßen? Oder war es der Band tatsächlich zu peinlich, diesen Song nochmals zu bringen? Zumindest bei DeMaio kann ich mir das kaum vorstelllen… Der zweite Pluspunkt ist, dass die Songs in ihren Grundstrukturen ja immer noch gut sind. Ja, ist tatsächlich so – ich halte "Kings Of Metal" allem Pathos zum Trotz nach wie vor für eines der besten Manowar-Werke mit einer extrem hohen Klassiker-Dichte.

Ein erster, neutraler Blick auf das Äußere des Albums zeigt, dass neben dem schon erwähnten Fehlen von "Pleasure Slave", die Songreihenfolge grundlegend geändert wurde. Der neue Opener ist "Hail And Kill MMXIV", "On Wheels Of Fire MMXIV" schließt das Album nun ab (vor zwei Bonustracks). Dazu kann man stehen wie man will – ich persönlich verstehe die Änderung nicht und denke, dass die Songs schon aus gutem Grund die ursprüngliche Reihenfolge gehabt haben. Kann aber auch sein, dass das nur Gewohnheitssache ist oder die alte Reihenfolge "falsch" war. Als nächstes fällt auf, dass u. a. bei "On Wheels Of Fire MMXIV" oder "Thy Crown And Thy Ring MMXIV" (ja, das "MMXIV" steht hinter jedem Titel und ja, ich werde das jetzt bis zum bitteren Ende durchziehen und jedes Mal dazu schreiben), die Namen der Songs leicht verändert wurden. Auch hier: Eher Unverständnis von meiner Seite, das "MMXIV" reicht als Unterscheidungsmerkmal wohl aus und so viel epischer klingen die neuen Titel auch wieder nicht. Achja, der Manowar-Schriftzug wurde von "blutrot" in – natürlich – "stählern" geändert, das ursprünglich sehr bescheidene Booklet wurde deutlich aufgewertet und dem Cover wurde eine Vielzahl von neuen Flaggen spendiert. Ob diese Faktoren für den Kauf ausreichen, muss jeder selbst entscheiden – ich neige jedoch zu einem klaren Nein.

Nachdem das abgehakt ist, komme ich nun zur langen Liste der Kritikpunkte. Wer die nicht ausführlich lesen möchte, kann gleich zum Fazit springen…

Los geht es mit dem Sound. Ich habe – wie es wohl viele tun werden – "Kings Of Metal" und "Kings Of Metal MMXIV" quasi simultan laufen lassen, um den direkten Vergleich zu haben. Und die Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die Neueinspielung hat keinen besseren, sondern lediglich einen völlig anderen Sound als das Original. Nichtsdestotrotz ist mein subjektiver Eindruck, dass das Original sogar besser abgemischt wurde, obwohl bei "MMXIV" die Bässe natürlich auf Anschlag gedreht wurden. Um es deutlich zu sagen: Ich kann bei "Kings Of Metal" (1988) soundtechnisch nichts hören, das eine Neueinspielung rechtfertigen würde, daran ändert auch die modernere Aufnahmetechnik für die "MMXIV"-Version nichts. Besonders auffällig sind die Unterschiede übrigens beim Gesang, der in der Neueinspielung viel weiter im Hintergrund steht. Nicht ganz so extrem, aber doch deutlich merkbar, ist es auch mit den Gitarren, bei denen man etwas mehr Distortion einsetzt. Der neue Drumsound ist hingegen zwar laut, aber auch unglaublich klinisch. Man könnte fast denken, dass hier ein gewisser Herr "Sasso" sein Unwesen getrieben hat. Ein Schelm, wer ausgerechnet bei den Verfechtern der "Trueness" auf so böse Ideen kommt…

Damit ist eigentlich schon gesagt, warum dieses Album kein Mensch braucht. Aber leider kommt es noch schlimmer. In der Neufassung haben nämlich auch die Klassiker selbst mehr oder weniger große Probleme, den Hörer zu überzeugen. "Pleasure Slave MMXIV" gibt es wie gesagt zum Glück nicht, daher gleich zu den "neuen" Totalausfällen (die übrigens auch in der Orginalversion nicht essenziell waren). "The Warriors Prayer" wurde neu eingespielt… äh… eingesprochen, meine ich natürlich. Das Original ist öde, auch ein bisschen peinlich, aber zumindest nicht so sehr zum Fremdschämen wie "A Warriors Prayer MMXIV". Der Erzähler (gesprochen von Shakespeare-Darsteller Brian Blessed) übertreibt seine Darbietung gnadenlos – wenn mir mein Großvater jemals auf diese Weise eine derartige Geschichte erzählt hätte, wäre ich nicht aus dem Lachen herausgekommen. Ist eben kein Shakespeare-Drama, das hier vorgelesen wird, sondern nur eine kleine, pathetische Geschichte. Das "Kind" hingegen erinnert mich an das Youtube-Video von "David", der gerade beim Zahnarzt war und bei dem die Narkose noch nachwirkt. Wer es nicht kennt: Einfach "David" und "Dentist" bei Youtube eingeben und dann vergleichen. Köstlich.

Ebenso katastrophal: "Sting Of The Bumblebee", Verzeihung, "The Sting Of The Bumblebee MMXIV". Joey DeMaio glaubte schon 1988, uns beweisen zu müssen, welch ein Gott er am Bass ist. Das möchte er auch heute noch – schließlich hat man sich ja weiterentwickelt. Meinen Respekt – allerdings nur für den, der sich dieses unerträgliche Gegniedel öfter als einmal geben kann. Als "Höhepunkt" ist die ganze Zeit (!) das "Ping" eines Metronoms (!!) zu hören. Wenn das Absicht war, erschließt sich mir der Sinn dieser Aktion überhaupt nicht, aber auch, wenn das "passiert" ist, setzt es dem Bild, das ich mittlerweile von DeMaio habe, die Krone auf.

Neben diesen beiden Krachern müssen die restlichen Songs ja fast im hellen Glanz erstrahlen. Tun sie zwar nicht, aber immerhin ist das Meiste zumindest erträglich. Leider fragt man sich trotzdem bei jedem Song mehrmals, wozu das Ganze eigentlich notwendig ist. Zu kritisieren gibt es nämlich überall etwas. Am besten hört sich noch "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Orchestral Version)" an, das sich von selbst erklärt. Ist aus meiner Sicht mit Abstand das gelungenste Stück auf diesem Album, aber ich bin ganz ehrlich und sage, dass ich hier praktisch keinen nennenswerten Unterschied zu "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)" heraus höre, wenn man vom vordergründiger platzierten Orchester absieht.

Düsterer sieht es bei den anderen Stücken aus. Bei "Hail And Kill MMXIV" (nanu, wurde hier kein "kreativerer" Titel gefunden?) übertönen die Drums die kraftlosen Gitarren im Intro besonders penetrant und auch das Bassgezupfe im Akustik-Teil macht einen deplatzierten Eindruck. "Kings Of Metal MMXIV" wäre sogar in Ordnung, wenn nur die Gitarren etwas dreckiger wären. So wie …ähem… beim Original. Der Text war natürlich damals schon ein bisschen gewagt, heute wundert es mich, dass sich Eric Adams überhaupt noch traut, sowas zu singen. Bei "The Heart Of Steel MMXIV (Accoustic Intro)" hat man sich hingegen – wie der Name schon sagt – entschlossen, das ursprüngliche Piano-Intro durch eine akustische Gitarre zu ersetzen. Geht in Ordnung, die gregorianischen Chöre rücken das Ganze dann aber doch weit jenseits der Kitsch-Grenze. Da höre ich dann sogar noch lieber "Herz Aus Stahl". "The Blood Of The Kings MMXIV" hat man ein paar neue Textzeilen (mit zusätzlichen Ländern) spendiert. Immerhin eine nette Geste. Leider hören sich die Drums hier durch den galoppierenden Rhythmus besonders "maschinell" an. "On Wheels Of Fire MMXIV" hat – natürlich – neue, "weichere" Motorradgeräusche zu bieten und wurde wohl auch ein bisschen beschleunigt. Dadurch zeigt sich deutlich, dass "Wheels Of Fire" eigentlich sehr gut ausbalanciert war – speziell der Refrain verliert in der "MMXIV"-Version jegliche Durchschlagskraft. Vom unglaublich nervigen Gerolle der – dreimal darf man raten – Drums möchte ich gar nicht erst sprechen.

Nicht einmal Eric Adams, der sämtliche Manowar-Outputs der Neuzeit vor ähnlichen Verrissen bewahrt hat, schafft es diesmal, das Steuer herumzureißen. Bei seiner Leistung stellt sich für mich nur die Frage, ob er nicht mehr kann (ist ja auch nicht mehr der Jüngste), oder ob er nicht wollte. Ganz subjektiv gesagt klingt "Kings Of Metal MMXIV" für mich eher nach Letzterem. Der Gesang ist stellenweise einfach uninspiriert und gelangweilt und passt sich damit den Instrumenten an. Nachzuhören beispielsweise bei "Thy Kingdom Come MMXIV", das im Großen und Ganzen der Original-Version entspricht, ohne sie jedoch zu erreichen. Hier ist speziell der Schluss des Songs grauenhaft – bei Adams' "Wah-ah-ah-ah…"-Schreien, die mir im Original so gut gefallen, denkt man bei der "MMXIV"-Variante nicht mehr an einen Krieger, sondern an einen Eunuchen, der kurz zuvor seine Männlichkeit verloren hat. Wer es nicht glaubt: Ab ca. 3:10 Minuten geht es los. Traurig.

Achso, Bonus-Tracks gibt es auch noch, nämlich andere Versionen von zwei regulären Stücken. "The Heart Of Steel MMXIV (Guitar Instrumental)" ist eine reine Instrumentalversion, wobei hier die Gitarre angenehm im Vordergrund steht, was den Track vom restlichen Material auf "Kings Of Metal MMXIV" abhebt und zeigt, dass es Karl Logan drauf hat, wenn man ihn lässt. Zweiter Bonus-Song ist "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Metal Version)". Das hatten wir doch schon mal? Richtig, auf "Thunder In The Sky" (2009) wurde bereits "The Crown And The Ring (Metal Version)" veröffentlicht. Dementsprechend gering sind die Unterschiede ("Metal" gibt’s erst nach ca. drei Minuten). Vollkommen sinnentleert.

Fazit: Als DeMaio die Idee ausgebrütet hat, Material aus alten, weitaus besseren Zeiten neu einzuspielen, kann er doch nicht ernsthaft geglaubt haben, dass man ihm das als "fanfreundlich" durchgehen lässt. Niemand, absolut niemand braucht dieses Album – abgesehen von Joey DeMaio und seiner Brieftasche. Jeder, der bei Verstand ist, wird zum Original greifen. Auch neue Fans, die "Kings Of Metal" noch nicht kennen, sollten – abgesehen von den musikalischen Vorzügen der 1988er-Version – diese Veröffentlichungspolitik eines größenwahnsinnigen, geldgierigen Egomanen nicht unterstützen. Und wer das Original schon im Schrank stehen hat, braucht hier sowieso nicht zuzugreifen; es wird einfach nichts geboten, das einen Kauf rechtfertigen könnte. "Kings Of Metal MMXIV" ist Rohstoffverschwendung par excellence und hat damit die niedrigste Wertung und eine klare Kaufwarnung verdient. Und das sage ich als alter Manowar-Fan.

PS: Noch gar nicht erwähnt habe ich bisher, dass "Kings Of Metal MMXIV" als Doppelalbum veröffentlicht wird. Ja, richtig gehört – zwei CDs, zweifacher Spaß. Disc 2 enthält aber leider die gleichen Stücke wie Disc 1. Nur halt ohne Gesang. Wer's braucht? Gute Frage… Jedenfalls werden dafür die eh schon sperrigen "MMXIV"-Songtitel noch durch ein schneidiges "Instrumental" ergänzt. An dieser Stelle hat Joey DeMaio übrigens einen echten Brüller ausgelassen. Er hätte ein Stück "Thy Crown And Thy Ring (Lament Of The Kings) MMXIV (Orchestral Version) – Instrumental" nennen können. Das ware mal echt "true" oder zumindest "epic" gewesen. Leider bleibt es beim griffigen und viel zu einfachen "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Orchestral Version) – Instrumental". Kein Problem für den Manowar-Profi also.

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Kommentar Kommentare (21) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 23, 2016 11:13 AM CET


Hymns in the Key of 666
Hymns in the Key of 666
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 15,49

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Metal in neuem Gewand mit Licht und Schatten, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Hymns in the Key of 666 (Audio CD)
Auf "Hymns In The Key Of 666" (ein sehr gewöhnungsbedürftiger Titel mit noch gewöhnungsbedürftigerem Album-Cover) spielen die Schweden Harriet Ohlsson (Gesang), Johann Bringhed (Keyboard, Gesang) und Kalle Karlson (Gitarre, Gesang, Banjo) elf Klassiker des Heavy Metal bzw. Hard Rock nach. So weit nichts Außergewöhnliches, aber die Art der Darbietung ist dann doch ausgesprochen speziell. Hört sich der geneigte Metalhead die CD an, sind erstmal Fragezeichen angesagt. Beim ersten Durchlauf gilt die volle Konzentration dem Versuch, die geliebten Songs überhaupt zu identifizieren – zumindest war es bei mir so. Pauschal kann man sagen, dass das Erkennen praktisch nur über die Text funktioniert. Und selbst da kann es durchaus zu Problemen kommen, weil man die Lyrik in vielen Fällen im Original wesentlich schlechter versteht. Erst wenn man diese Schwierigkeiten überwunden hat, kann man sich in Ruhe eine Meinung zu diesem Album bilden.

Zunächst gilt es, die Frage zu klären, ob den Stücken, die im Original großteils ordentlich "Wumms" haben, durch die minimalistische Instrumentierung etwas fehlt. Das muss man eigentlich verneinen – es ist eher so, dass die Songs dermaßen entkernt und verfremdet klingen, dass man gar nicht mehr von Cover-Versionen im klassischen Sinn sprechen kann. Entsprechend hat man es eigentlich mit völlig anderen Stücken zu tun, die musikalisch maximal über rudimentäre Melodieansätze erkennbar sind. Nicht einmal die Gesangslinien kann man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – als originalgetreu betrachten. Lediglich die Texte wurden nicht verändert und bieten so mehr oder weniger den einzigen Anhaltspunkt für den Fan der gecoverten Bands. Es ist also eine große Prise Toleranz gefordert, wenn man dieses Album wirklich schätzen will. Musikalisch wird es von den Hellsongs selbst als "Lounge Metal" bezeichnet. Ich persönlich würde den Begriff "Metal" aus dieser Bezeichnung ersatzlos streichen. Diese Musik hat mit Metal nicht einmal entfernt etwas zu tun, weder mit der Art, die Instrumente einzusetzen, noch mit der Dynamik. Stattdessen gibt es Pop-, Folk- und Chill-out-artige Stücke zu hören. Wer damit klar kommt, bekommt definitiv einen interessanten Ansatz geboten - auch wenn meines Erachtens nicht jeder Song ein Treffer ist.

Beginnen wir mit den Problemkindern. Da wäre zunächst "Blackened" (Metallica), bei dem die chillige Klavierbegleitung ganz und gar nicht mit dem ernsten Thema des Liedes zusammengeht. Auch der Gesang passt in meinen Ohren kaum zum Text. Genau mit dem umgekehrten Problem kämpft "We’re Not Gonna Take It" (Twisted Sister). Aus einem Partykracher wird ein extrem nachdenkliches Stück – auch hier gehen Text und Musik weiter auseinander, als mir persönlich lieb ist. Ein weiterer Fall von „passt nicht“ ist schließlich "Thunderstruck" (AC/DC), das in der Hellsongs-Version einfach mehr Dynamik gebraucht hätte. So bleibt jedenfalls nicht viel hängen. Zusätzlich zu diesen drei schwachen Stücken gibt es noch zwei mittelprächtige Songs. Zum einen wäre das "Symphony Of Destruction" (Megadeth), in der Hellsongs-Version zu einem fröhlich swingenden Stück verwurstet, das zwar am ehesten der Originalversion entspricht, mir aber vollkommen belanglos erscheint. Gleiches gilt für "Princess Of The Night" (Saxon), das ganz gut gemacht, im Endeffekt aber langweilig ist.

Richtig gut machen die Schweden ihre Sache dafür bei zwei Stücken von Iron Maiden. Vor allem das bereits auf der Vorgänger-EP enthaltene "Run To The Hills" ist ein echtes Juwel. Hier passt alles, vor allem der grandiose Gesang weiß zu überzeugen und macht einem die absurde Tragik des Themas erst so richtig bewusst. Ähnliches gilt für die super-minimalistische Version von "The Trooper", deren Text in dieser Darbietung fast zu Tränen rührt. Außerdem sehr stark: "Seasons In The Abyss" (Slayer), bei dem in dieser Version erst merkt, dass der Text sich durchaus auch für eine andersartige Darbietung eignet – und, wie viele Silben Tom Araya eigentlich "verschluckt". Bei "Paranoid" (Black Sabbath) kann man sogar so weit gehen, zu sagen, dass die hier dargebotene, nachdenkliche Version fast (!) besser zum Text passt, als das schnelle Original. Ähnliches gilt auch für "Rock The Night" (Europe), dem die Hellsongs-Darbietung eine Tiefe verleiht, die man dieser einfachen Nummer gar nicht zugetraut hätte.

Fazit: Die Hellsongs bieten auf "Hymns In The Key Of 666" neben gelungenem Stoff auch einiges an Mittelmaß. Gemeinsam ist allen Stücken, dass sie von gestandenen Metalheads mehr als nur ein bisschen Toleranz erfordern. Wer die aufbringen kann, wird mit dem einen oder anderen Stück sicher seinen Spaß haben und vielleicht sogar einige neue Facetten an den alten Klassikern entdecken. Weil das Hörerlebnis insgesamt nicht ganz rund ist, gebe ich drei Sterne – ein bisschen Luft nach oben haben die Schweden also noch.


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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Atmosphäre o.k., Drehbuch k.o., 28. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Lords of Salem [Blu-ray] (Blu-ray)
Rob Zombie hat sich mittlerweile zu einem ganz guten Filmemacher entwickelt. Damit steigen natürlich auch die Ansprüche, die man an den Rocker stellt. Zugute halten muss man Zombie in jedem Fall, dass er – eigentlich ein Amateur – in seinen Filmen eine vollkommen eigene Atmosphäre mit hohem Wiedererkennungsgrad schafft. Vornehmlich entsteht diese Atmosphäre aus einer regelrecht betörend wirkenden Kombination aus Bildern und Bildcollagen mit exzellent gewähltem Soundtrack.

Diese Attribute treffen weitgehend auch auf Zombies 2012er Werk "The Lords Of Salem" zu. In diesem Film trifft ein ausgesprochen düsteres Ambiente auf gutklassige Filmmusik, die teilweise von Rob Zombies Haus- und Hofgitarristen John 5 komponiert wurde. Am Effekt, den die Bilder haben, können auch die an einer Hand abzählbaren Locations, an denen gefilmt wurde, nichts ändern. Die Ausstattung bzw. die Requisiten sind hingegen etwas steril – das hat man von Zombie definitiv schon besser gesehen. Trotzdem – optisch und akustisch macht dem Rockmusiker so leicht keiner was vor, da passt wirklich alles zusammen.

Leider gilt das für den Rest des Films nicht so ganz. "The Lords Of Salem" leidet vor allem an einem schwachen Drehbuch mit stellenweise konfuser Handlung. Der Film kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er eine Art "Blair Witch Project", ein "normaler" Horrorfilm, eine Hommage an (schlechte, heute als "Kult" geltende) Filme aus den 1970ern oder vielleicht doch so etwas wie ein Psychothriller sein will. Und wie immer in einem solchen Fall ist er ein bisschen was von allem, ohne irgendwo richtig gut zu sein. Die Handlung ist zum Teil ausgesprochen abstrus und – noch schlimmer – so dünn, dass man sich fragt, wie der Film auf abendfüllende Länge gestreckt werden konnte. Das wird beim Ansehen allerdings schnell klar – das Erzähltempo ist, gelinde gesagt, "ein wenig" bedächtig. Lange Phasen, die geradezu statisch wirken, wechseln sich mit Dialogen ab, die so nichtssagend sind, dass man tatsächlich versucht ist, den Vorlauf zu aktivieren. Natürlich trifft das nicht auf alle Dialoge zu, aber stellenweise ist es schon unglaublich, wie wenig Aussage drin steckt.

Nächstes Sorgenkind ist die Schauspielerriege. Selbstverständlich darf man von einem Rob Zombie-Streifen kein Star-Ensemble aus Hollywood erwarten. Das ist grundsätzlich auch kein Problem und macht seine Filme auch zu dem, was sie sind. Aber in diesem Fall wirkt nicht nur das Drehbuch ermüdend, sondern die Darsteller scheinen das ein bisschen zu sehr verinnerlicht zu haben. Begeistern kann eigentlich nur Bruce Davison, der seine Rolle als Historiker sehr gut spielt und sich damit umso mehr vom restlichen Cast abhebt. Auch Meg Foster als alte Hexe macht ihre Sache ganz gut, auch wenn aus meiner Sicht mehr aus dieser Rolle herauszuholen gewesen wäre. Die übrigen Darsteller bieten zwar an sich keine schlechte Leistung, leiden aber besonders am durchwachsenen Drehbuch.

Bleibt die Hauptdarstellerin: Sheri Moon Zombie liefert meines Erachtens eine ambivalente Leistung ab. Sie profitiert grundsätzlich von ihrer natürlichen Ausstrahlung, die ihr nicht abzusprechen ist. Leider ist die Rolle, die sie in "The Lords Of Salem" spielt, beinahe wie eine Charakterrolle angelegt – und dafür reicht das schauspielerische Talent dann doch (noch) nicht so ganz. Frau Zombie bewegt sich auf eine Art und Weise durchs Bild, die wohl bedächtig-tiefsinnig wirken soll – leider kommt sie dem Zuschauer stattdessen müde und farblos vor. In einigen Szenen kann sie zwar durchaus zeigen, was sie kann, aber insgesamt hat man die Dame definitiv schon in besserer Verfassung gesehen. Nebenbei bemerkt: Auch wenn Sheri Moon Zombie wirklich attraktiv ist, stellt sich die Frage, wie lange man ihr die Rolle als junges Mädchen noch abkauft. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Was dem Film außerdem fehlt, ist, dass er tatsächlich Furcht beim Zuschauer auslöst. Die Grundstimmung mag zwar bedrohlich sein, richtig beängstigend ist sie jedoch nicht. Das war aber etwas, was – zumindest ich – mir nach den Vorschauszenen, die unter anderem auch auf der "Twins of Evil"-Tour zu sehen waren, versprochen habe. Splatter fehlt praktisch völlig, ist aber auch nicht notwendig. Trotzdem wäre etwas mehr subtiler Horror meines Erachtens angebracht gewesen.

Fazit: Leider reicht es damit nur für zwei Sterne. Eine Bewertung, die mir als Zombie-Fan schwerfällt – aber genauso schwer ist es mir gefallen, "The Lords Of Salem" von Anfang bis Ende durchzustehen. Wenn das Kunst sein soll, wünsche ich mir, dass Rob Zombie sich künftig wieder mehr an seinem ziemlich geradlinigen Meisterwerk "The Devil's Rejects" orientiert. Klar, prinzipiell nicht zu vergleichen – aber dieser Film war in allen Belangen überdurchschnittlich, was man von "The Lords Of Salem" beim besten Willen nicht behaupten kann.


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