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Rezensionen verfasst von
Stefan T. (Wien)
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Kings of Metal MMXIV (Silver Edition)
Kings of Metal MMXIV (Silver Edition)
Preis: EUR 17,99

44 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vollkommen überflüssig. Außer für den Gelbeutel von Joey DeMaio, 21. März 2014
"Kings Of Metal" (1988) war ein Manowar-Werk zwischen Genie und Wahnsinn. Der Fremdschäm-Höhepunkt "Pleasure Slave" stand hier Seite an Seite mit unfassbar guten Songs wie "Hail And Kill" oder "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)". Egal wie man dazu steht, es war jedenfalls ein Album, dem die Zeit nichts anhaben konnte. Zumindest bis zu dem Augenblick, in dem sich Manowar-Boss Joey DeMaio in seiner unendlichen Weisheit entschlossen hat, dass das Album neu eingespielt werden sollte. Ein Versuch, der schon ein paar Jahre zuvor mit "Battle Hymns MMXI" einen schalen Beigeschmack hinterlassen hatte, wobei man dort zumindest eine qualitativ tatsächlich hörbare Verbesserung des Soungewandes hinbekam. Bei "Kings Of Metal MMXIV" hingegen stimmt aus meiner Sicht so gut wie gar nichts und ich muss damit erstmals in meiner "Karriere" als Manowar-Fan die niedrigst mögliche Wertung vergeben.

Doch kommen wir vorerst zum Positiven. Zunächst ist die bis dato größte Peinlichkeit im Manowar-Backkatalog, nämlich das bereits erwähnte "Pleasure Slave", offenbar der Zensur zum Opfer gefallen. Vielleicht, um Frauen in Zeiten, die sich seit Veröffentlichung des Originals gründlich geändert haben, als zahlungskräftige Zielgruppe nicht vor den Kopf zu stoßen? Oder war es der Band tatsächlich zu peinlich, diesen Song nochmals zu bringen? Zumindest bei DeMaio kann ich mir das kaum vorstelllen… Der zweite Pluspunkt ist, dass die Songs in ihren Grundstrukturen ja immer noch gut sind. Ja, ist tatsächlich so – ich halte "Kings Of Metal" allem Pathos zum Trotz nach wie vor für eines der besten Manowar-Werke mit einer extrem hohen Klassiker-Dichte.

Ein erster, neutraler Blick auf das Äußere des Albums zeigt, dass neben dem schon erwähnten Fehlen von "Pleasure Slave", die Songreihenfolge grundlegend geändert wurde. Der neue Opener ist "Hail And Kill MMXIV", "On Wheels Of Fire MMXIV" schließt das Album nun ab (vor zwei Bonustracks). Dazu kann man stehen wie man will – ich persönlich verstehe die Änderung nicht und denke, dass die Songs schon aus gutem Grund die ursprüngliche Reihenfolge gehabt haben. Kann aber auch sein, dass das nur Gewohnheitssache ist oder die alte Reihenfolge "falsch" war. Als nächstes fällt auf, dass u. a. bei "On Wheels Of Fire MMXIV" oder "Thy Crown And Thy Ring MMXIV" (ja, das "MMXIV" steht hinter jedem Titel und ja, ich werde das jetzt bis zum bitteren Ende durchziehen und jedes Mal dazu schreiben), die Namen der Songs leicht verändert wurden. Auch hier: Eher Unverständnis von meiner Seite, das "MMXIV" reicht als Unterscheidungsmerkmal wohl aus und so viel epischer klingen die neuen Titel auch wieder nicht. Achja, der Manowar-Schriftzug wurde von "blutrot" in – natürlich – "stählern" geändert, das ursprünglich sehr bescheidene Booklet wurde deutlich aufgewertet und dem Cover wurde eine Vielzahl von neuen Flaggen spendiert. Ob diese Faktoren für den Kauf ausreichen, muss jeder selbst entscheiden – ich neige jedoch zu einem klaren Nein.

Nachdem das abgehakt ist, komme ich nun zur langen Liste der Kritikpunkte. Wer die nicht ausführlich lesen möchte, kann gleich zum Fazit springen…

Los geht es mit dem Sound. Ich habe – wie es wohl viele tun werden – "Kings Of Metal" und "Kings Of Metal MMXIV" quasi simultan laufen lassen, um den direkten Vergleich zu haben. Und die Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die Neueinspielung hat keinen besseren, sondern lediglich einen völlig anderen Sound als das Original. Nichtsdestotrotz ist mein subjektiver Eindruck, dass das Original sogar besser abgemischt wurde, obwohl bei "MMXIV" die Bässe natürlich auf Anschlag gedreht wurden. Um es deutlich zu sagen: Ich kann bei "Kings Of Metal" (1988) soundtechnisch nichts hören, das eine Neueinspielung rechtfertigen würde, daran ändert auch die modernere Aufnahmetechnik für die "MMXIV"-Version nichts. Besonders auffällig sind die Unterschiede übrigens beim Gesang, der in der Neueinspielung viel weiter im Hintergrund steht. Nicht ganz so extrem, aber doch deutlich merkbar, ist es auch mit den Gitarren, bei denen man etwas mehr Distortion einsetzt. Der neue Drumsound ist hingegen zwar laut, aber auch unglaublich klinisch. Man könnte fast denken, dass hier ein gewisser Herr "Sasso" sein Unwesen getrieben hat. Ein Schelm, wer ausgerechnet bei den Verfechtern der "Trueness" auf so böse Ideen kommt…

Damit ist eigentlich schon gesagt, warum dieses Album kein Mensch braucht. Aber leider kommt es noch schlimmer. In der Neufassung haben nämlich auch die Klassiker selbst mehr oder weniger große Probleme, den Hörer zu überzeugen. "Pleasure Slave MMXIV" gibt es wie gesagt zum Glück nicht, daher gleich zu den "neuen" Totalausfällen (die übrigens auch in der Orginalversion nicht essenziell waren). "The Warriors Prayer" wurde neu eingespielt… äh… eingesprochen, meine ich natürlich. Das Original ist öde, auch ein bisschen peinlich, aber zumindest nicht so sehr zum Fremdschämen wie "A Warriors Prayer MMXIV". Der Erzähler (gesprochen von Shakespeare-Darsteller Brian Blessed) übertreibt seine Darbietung gnadenlos – wenn mir mein Großvater jemals auf diese Weise eine derartige Geschichte erzählt hätte, wäre ich nicht aus dem Lachen herausgekommen. Ist eben kein Shakespeare-Drama, das hier vorgelesen wird, sondern nur eine kleine, pathetische Geschichte. Das "Kind" hingegen erinnert mich an das Youtube-Video von "David", der gerade beim Zahnarzt war und bei dem die Narkose noch nachwirkt. Wer es nicht kennt: Einfach "David" und "Dentist" bei Youtube eingeben und dann vergleichen. Köstlich.

Ebenso katastrophal: "Sting Of The Bumblebee", Verzeihung, "The Sting Of The Bumblebee MMXIV". Joey DeMaio glaubte schon 1988, uns beweisen zu müssen, welch ein Gott er am Bass ist. Das möchte er auch heute noch – schließlich hat man sich ja weiterentwickelt. Meinen Respekt – allerdings nur für den, der sich dieses unerträgliche Gegniedel öfter als einmal geben kann. Als "Höhepunkt" ist die ganze Zeit (!) das "Ping" eines Metronoms (!!) zu hören. Wenn das Absicht war, erschließt sich mir der Sinn dieser Aktion überhaupt nicht, aber auch, wenn das "passiert" ist, setzt es dem Bild, das ich mittlerweile von DeMaio habe, die Krone auf.

Neben diesen beiden Krachern müssen die restlichen Songs ja fast im hellen Glanz erstrahlen. Tun sie zwar nicht, aber immerhin ist das Meiste zumindest erträglich. Leider fragt man sich trotzdem bei jedem Song mehrmals, wozu das Ganze eigentlich notwendig ist. Zu kritisieren gibt es nämlich überall etwas. Am besten hört sich noch "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Orchestral Version)" an, das sich von selbst erklärt. Ist aus meiner Sicht mit Abstand das gelungenste Stück auf diesem Album, aber ich bin ganz ehrlich und sage, dass ich hier praktisch keinen nennenswerten Unterschied zu "The Crown And The Ring (Lament Of The Kings)" heraus höre, wenn man vom vordergründiger platzierten Orchester absieht.

Düsterer sieht es bei den anderen Stücken aus. Bei "Hail And Kill MMXIV" (nanu, wurde hier kein "kreativerer" Titel gefunden?) übertönen die Drums die kraftlosen Gitarren im Intro besonders penetrant und auch das Bassgezupfe im Akustik-Teil macht einen deplatzierten Eindruck. "Kings Of Metal MMXIV" wäre sogar in Ordnung, wenn nur die Gitarren etwas dreckiger wären. So wie …ähem… beim Original. Der Text war natürlich damals schon ein bisschen gewagt, heute wundert es mich, dass sich Eric Adams überhaupt noch traut, sowas zu singen. Bei "The Heart Of Steel MMXIV (Accoustic Intro)" hat man sich hingegen – wie der Name schon sagt – entschlossen, das ursprüngliche Piano-Intro durch eine akustische Gitarre zu ersetzen. Geht in Ordnung, die gregorianischen Chöre rücken das Ganze dann aber doch weit jenseits der Kitsch-Grenze. Da höre ich dann sogar noch lieber "Herz Aus Stahl". "The Blood Of The Kings MMXIV" hat man ein paar neue Textzeilen (mit zusätzlichen Ländern) spendiert. Immerhin eine nette Geste. Leider hören sich die Drums hier durch den galoppierenden Rhythmus besonders "maschinell" an. "On Wheels Of Fire MMXIV" hat – natürlich – neue, "weichere" Motorradgeräusche zu bieten und wurde wohl auch ein bisschen beschleunigt. Dadurch zeigt sich deutlich, dass "Wheels Of Fire" eigentlich sehr gut ausbalanciert war – speziell der Refrain verliert in der "MMXIV"-Version jegliche Durchschlagskraft. Vom unglaublich nervigen Gerolle der – dreimal darf man raten – Drums möchte ich gar nicht erst sprechen.

Nicht einmal Eric Adams, der sämtliche Manowar-Outputs der Neuzeit vor ähnlichen Verrissen bewahrt hat, schafft es diesmal, das Steuer herumzureißen. Bei seiner Leistung stellt sich für mich nur die Frage, ob er nicht mehr kann (ist ja auch nicht mehr der Jüngste), oder ob er nicht wollte. Ganz subjektiv gesagt klingt "Kings Of Metal MMXIV" für mich eher nach Letzterem. Der Gesang ist stellenweise einfach uninspiriert und gelangweilt und passt sich damit den Instrumenten an. Nachzuhören beispielsweise bei "Thy Kingdom Come MMXIV", das im Großen und Ganzen der Original-Version entspricht, ohne sie jedoch zu erreichen. Hier ist speziell der Schluss des Songs grauenhaft – bei Adams' "Wah-ah-ah-ah…"-Schreien, die mir im Original so gut gefallen, denkt man bei der "MMXIV"-Variante nicht mehr an einen Krieger, sondern an einen Eunuchen, der kurz zuvor seine Männlichkeit verloren hat. Wer es nicht glaubt: Ab ca. 3:10 Minuten geht es los. Traurig.

Achso, Bonus-Tracks gibt es auch noch, nämlich andere Versionen von zwei regulären Stücken. "The Heart Of Steel MMXIV (Guitar Instrumental)" ist eine reine Instrumentalversion, wobei hier die Gitarre angenehm im Vordergrund steht, was den Track vom restlichen Material auf "Kings Of Metal MMXIV" abhebt und zeigt, dass es Karl Logan drauf hat, wenn man ihn lässt. Zweiter Bonus-Song ist "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Metal Version)". Das hatten wir doch schon mal? Richtig, auf "Thunder In The Sky" (2009) wurde bereits "The Crown And The Ring (Metal Version)" veröffentlicht. Dementsprechend gering sind die Unterschiede ("Metal" gibt’s erst nach ca. drei Minuten). Vollkommen sinnentleert.

Fazit: Als DeMaio die Idee ausgebrütet hat, Material aus alten, weitaus besseren Zeiten neu einzuspielen, kann er doch nicht ernsthaft geglaubt haben, dass man ihm das als "fanfreundlich" durchgehen lässt. Niemand, absolut niemand braucht dieses Album – abgesehen von Joey DeMaio und seiner Brieftasche. Jeder, der bei Verstand ist, wird zum Original greifen. Auch neue Fans, die "Kings Of Metal" noch nicht kennen, sollten – abgesehen von den musikalischen Vorzügen der 1988er-Version – diese Veröffentlichungspolitik eines größenwahnsinnigen, geldgierigen Egomanen nicht unterstützen. Und wer das Original schon im Schrank stehen hat, braucht hier sowieso nicht zuzugreifen; es wird einfach nichts geboten, das einen Kauf rechtfertigen könnte. "Kings Of Metal MMXIV" ist Rohstoffverschwendung par excellence und hat damit die niedrigste Wertung und eine klare Kaufwarnung verdient. Und das sage ich als alter Manowar-Fan.

PS: Noch gar nicht erwähnt habe ich bisher, dass "Kings Of Metal MMXIV" als Doppelalbum veröffentlicht wird. Ja, richtig gehört – zwei CDs, zweifacher Spaß. Disc 2 enthält aber leider die gleichen Stücke wie Disc 1. Nur halt ohne Gesang. Wer's braucht? Gute Frage… Jedenfalls werden dafür die eh schon sperrigen "MMXIV"-Songtitel noch durch ein schneidiges "Instrumental" ergänzt. An dieser Stelle hat Joey DeMaio übrigens einen echten Brüller ausgelassen. Er hätte ein Stück "Thy Crown And Thy Ring (Lament Of The Kings) MMXIV (Orchestral Version) – Instrumental" nennen können. Das ware mal echt "true" oder zumindest "epic" gewesen. Leider bleibt es beim griffigen und viel zu einfachen "Thy Crown And Thy Ring MMXIV (Orchestral Version) – Instrumental". Kein Problem für den Manowar-Profi also.
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 5, 2014 11:34 AM MEST


Hymns in the Key of 666
Hymns in the Key of 666
Wird angeboten von silver-disc
Preis: EUR 24,60

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Metal in neuem Gewand mit Licht und Schatten, 25. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Hymns in the Key of 666 (Audio CD)
Auf "Hymns In The Key Of 666" (ein sehr gewöhnungsbedürftiger Titel mit noch gewöhnungsbedürftigerem Album-Cover) spielen die Schweden Harriet Ohlsson (Gesang), Johann Bringhed (Keyboard, Gesang) und Kalle Karlson (Gitarre, Gesang, Banjo) elf Klassiker des Heavy Metal bzw. Hard Rock nach. So weit nichts Außergewöhnliches, aber die Art der Darbietung ist dann doch ausgesprochen speziell. Hört sich der geneigte Metalhead die CD an, sind erstmal Fragezeichen angesagt. Beim ersten Durchlauf gilt die volle Konzentration dem Versuch, die geliebten Songs überhaupt zu identifizieren – zumindest war es bei mir so. Pauschal kann man sagen, dass das Erkennen praktisch nur über die Text funktioniert. Und selbst da kann es durchaus zu Problemen kommen, weil man die Lyrik in vielen Fällen im Original wesentlich schlechter versteht. Erst wenn man diese Schwierigkeiten überwunden hat, kann man sich in Ruhe eine Meinung zu diesem Album bilden.

Zunächst gilt es, die Frage zu klären, ob den Stücken, die im Original großteils ordentlich "Wumms" haben, durch die minimalistische Instrumentierung etwas fehlt. Das muss man eigentlich verneinen – es ist eher so, dass die Songs dermaßen entkernt und verfremdet klingen, dass man gar nicht mehr von Cover-Versionen im klassischen Sinn sprechen kann. Entsprechend hat man es eigentlich mit völlig anderen Stücken zu tun, die musikalisch maximal über rudimentäre Melodieansätze erkennbar sind. Nicht einmal die Gesangslinien kann man – von wenigen Ausnahmen abgesehen – als originalgetreu betrachten. Lediglich die Texte wurden nicht verändert und bieten so mehr oder weniger den einzigen Anhaltspunkt für den Fan der gecoverten Bands. Es ist also eine große Prise Toleranz gefordert, wenn man dieses Album wirklich schätzen will. Musikalisch wird es von den Hellsongs selbst als "Lounge Metal" bezeichnet. Ich persönlich würde den Begriff "Metal" aus dieser Bezeichnung ersatzlos streichen. Diese Musik hat mit Metal nicht einmal entfernt etwas zu tun, weder mit der Art, die Instrumente einzusetzen, noch mit der Dynamik. Stattdessen gibt es Pop-, Folk- und Chill-out-artige Stücke zu hören. Wer damit klar kommt, bekommt definitiv einen interessanten Ansatz geboten - auch wenn meines Erachtens nicht jeder Song ein Treffer ist.

Beginnen wir mit den Problemkindern. Da wäre zunächst "Blackened" (Metallica), bei dem die chillige Klavierbegleitung ganz und gar nicht mit dem ernsten Thema des Liedes zusammengeht. Auch der Gesang passt in meinen Ohren kaum zum Text. Genau mit dem umgekehrten Problem kämpft "We’re Not Gonna Take It" (Twisted Sister). Aus einem Partykracher wird ein extrem nachdenkliches Stück – auch hier gehen Text und Musik weiter auseinander, als mir persönlich lieb ist. Ein weiterer Fall von „passt nicht“ ist schließlich "Thunderstruck" (AC/DC), das in der Hellsongs-Version einfach mehr Dynamik gebraucht hätte. So bleibt jedenfalls nicht viel hängen. Zusätzlich zu diesen drei schwachen Stücken gibt es noch zwei mittelprächtige Songs. Zum einen wäre das "Symphony Of Destruction" (Megadeth), in der Hellsongs-Version zu einem fröhlich swingenden Stück verwurstet, das zwar am ehesten der Originalversion entspricht, mir aber vollkommen belanglos erscheint. Gleiches gilt für "Princess Of The Night" (Saxon), das ganz gut gemacht, im Endeffekt aber langweilig ist.

Richtig gut machen die Schweden ihre Sache dafür bei zwei Stücken von Iron Maiden. Vor allem das bereits auf der Vorgänger-EP enthaltene "Run To The Hills" ist ein echtes Juwel. Hier passt alles, vor allem der grandiose Gesang weiß zu überzeugen und macht einem die absurde Tragik des Themas erst so richtig bewusst. Ähnliches gilt für die super-minimalistische Version von "The Trooper", deren Text in dieser Darbietung fast zu Tränen rührt. Außerdem sehr stark: "Seasons In The Abyss" (Slayer), bei dem in dieser Version erst merkt, dass der Text sich durchaus auch für eine andersartige Darbietung eignet – und, wie viele Silben Tom Araya eigentlich "verschluckt". Bei "Paranoid" (Black Sabbath) kann man sogar so weit gehen, zu sagen, dass die hier dargebotene, nachdenkliche Version fast (!) besser zum Text passt, als das schnelle Original. Ähnliches gilt auch für "Rock The Night" (Europe), dem die Hellsongs-Darbietung eine Tiefe verleiht, die man dieser einfachen Nummer gar nicht zugetraut hätte.

Fazit: Die Hellsongs bieten auf "Hymns In The Key Of 666" neben gelungenem Stoff auch einiges an Mittelmaß. Gemeinsam ist allen Stücken, dass sie von gestandenen Metalheads mehr als nur ein bisschen Toleranz erfordern. Wer die aufbringen kann, wird mit dem einen oder anderen Stück sicher seinen Spaß haben und vielleicht sogar einige neue Facetten an den alten Klassikern entdecken. Weil das Hörerlebnis insgesamt nicht ganz rund ist, gebe ich drei Sterne – ein bisschen Luft nach oben haben die Schweden also noch.


The Lords of Salem [Blu-ray]
The Lords of Salem [Blu-ray]
DVD ~ Udo Kier
Preis: EUR 9,99

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Atmosphäre o.k., Drehbuch k.o., 28. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Lords of Salem [Blu-ray] (Blu-ray)
Rob Zombie hat sich mittlerweile zu einem ganz guten Filmemacher entwickelt. Damit steigen natürlich auch die Ansprüche, die man an den Rocker stellt. Zugute halten muss man Zombie in jedem Fall, dass er – eigentlich ein Amateur – in seinen Filmen eine vollkommen eigene Atmosphäre mit hohem Wiedererkennungsgrad schafft. Vornehmlich entsteht diese Atmosphäre aus einer regelrecht betörend wirkenden Kombination aus Bildern und Bildcollagen mit exzellent gewähltem Soundtrack.

Diese Attribute treffen weitgehend auch auf Zombies 2012er Werk "The Lords Of Salem" zu. In diesem Film trifft ein ausgesprochen düsteres Ambiente auf gutklassige Filmmusik, die teilweise von Rob Zombies Haus- und Hofgitarristen John 5 komponiert wurde. Am Effekt, den die Bilder haben, können auch die an einer Hand abzählbaren Locations, an denen gefilmt wurde, nichts ändern. Die Ausstattung bzw. die Requisiten sind hingegen etwas steril – das hat man von Zombie definitiv schon besser gesehen. Trotzdem – optisch und akustisch macht dem Rockmusiker so leicht keiner was vor, da passt wirklich alles zusammen.

Leider gilt das für den Rest des Films nicht so ganz. "The Lords Of Salem" leidet vor allem an einem schwachen Drehbuch mit stellenweise konfuser Handlung. Der Film kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er eine Art "Blair Witch Project", ein "normaler" Horrorfilm, eine Hommage an (schlechte, heute als "Kult" geltende) Filme aus den 1970ern oder vielleicht doch so etwas wie ein Psychothriller sein will. Und wie immer in einem solchen Fall ist er ein bisschen was von allem, ohne irgendwo richtig gut zu sein. Die Handlung ist zum Teil ausgesprochen abstrus und – noch schlimmer – so dünn, dass man sich fragt, wie der Film auf abendfüllende Länge gestreckt werden konnte. Das wird beim Ansehen allerdings schnell klar – das Erzähltempo ist, gelinde gesagt, "ein wenig" bedächtig. Lange Phasen, die geradezu statisch wirken, wechseln sich mit Dialogen ab, die so nichtssagend sind, dass man tatsächlich versucht ist, den Vorlauf zu aktivieren. Natürlich trifft das nicht auf alle Dialoge zu, aber stellenweise ist es schon unglaublich, wie wenig Aussage drin steckt.

Nächstes Sorgenkind ist die Schauspielerriege. Selbstverständlich darf man von einem Rob Zombie-Streifen kein Star-Ensemble aus Hollywood erwarten. Das ist grundsätzlich auch kein Problem und macht seine Filme auch zu dem, was sie sind. Aber in diesem Fall wirkt nicht nur das Drehbuch ermüdend, sondern die Darsteller scheinen das ein bisschen zu sehr verinnerlicht zu haben. Begeistern kann eigentlich nur Bruce Davison, der seine Rolle als Historiker sehr gut spielt und sich damit umso mehr vom restlichen Cast abhebt. Auch Meg Foster als alte Hexe macht ihre Sache ganz gut, auch wenn aus meiner Sicht mehr aus dieser Rolle herauszuholen gewesen wäre. Die übrigen Darsteller bieten zwar an sich keine schlechte Leistung, leiden aber besonders am durchwachsenen Drehbuch.

Bleibt die Hauptdarstellerin: Sheri Moon Zombie liefert meines Erachtens eine ambivalente Leistung ab. Sie profitiert grundsätzlich von ihrer natürlichen Ausstrahlung, die ihr nicht abzusprechen ist. Leider ist die Rolle, die sie in "The Lords Of Salem" spielt, beinahe wie eine Charakterrolle angelegt – und dafür reicht das schauspielerische Talent dann doch (noch) nicht so ganz. Frau Zombie bewegt sich auf eine Art und Weise durchs Bild, die wohl bedächtig-tiefsinnig wirken soll – leider kommt sie dem Zuschauer stattdessen müde und farblos vor. In einigen Szenen kann sie zwar durchaus zeigen, was sie kann, aber insgesamt hat man die Dame definitiv schon in besserer Verfassung gesehen. Nebenbei bemerkt: Auch wenn Sheri Moon Zombie wirklich attraktiv ist, stellt sich die Frage, wie lange man ihr die Rolle als junges Mädchen noch abkauft. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Was dem Film außerdem fehlt, ist, dass er tatsächlich Furcht beim Zuschauer auslöst. Die Grundstimmung mag zwar bedrohlich sein, richtig beängstigend ist sie jedoch nicht. Das war aber etwas, was – zumindest ich – mir nach den Vorschauszenen, die unter anderem auch auf der "Twins of Evil"-Tour zu sehen waren, versprochen habe. Splatter fehlt praktisch völlig, ist aber auch nicht notwendig. Trotzdem wäre etwas mehr subtiler Horror meines Erachtens angebracht gewesen.

Fazit: Leider reicht es damit nur für zwei Sterne. Eine Bewertung, die mir als Zombie-Fan schwerfällt – aber genauso schwer ist es mir gefallen, "The Lords Of Salem" von Anfang bis Ende durchzustehen. Wenn das Kunst sein soll, wünsche ich mir, dass Rob Zombie sich künftig wieder mehr an seinem ziemlich geradlinigen Meisterwerk "The Devil's Rejects" orientiert. Klar, prinzipiell nicht zu vergleichen – aber dieser Film war in allen Belangen überdurchschnittlich, was man von "The Lords Of Salem" beim besten Willen nicht behaupten kann.


Machinarium (inkl. Samorost 2) - [PC/Mac]
Machinarium (inkl. Samorost 2) - [PC/Mac]
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel zu kurzes Kleinod, 19. Dezember 2013
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Kleinod? Ein merkwürdiger, im Bereich von Indie-Spielen viel zu häufig strapazierter Begriff. Dennoch habe ich keinen besseren für "Machinarium" gefunden. Dieses Spiel erinnert tatsächlich an eine Zeit, in der man bei Computerspielen noch so etwas wie Herz und Seele fühlen konnte. Nicht, dass das bei allen heutigen Spielen anders ist, aber vieles ist doch sehr steril und sehr "casual" geworden, wie man auf gut neudeutsch sagt.

Nicht so "Machinarium", das durch mehrere Aspekte besticht. Zunächst fallen Grafik und Sound auf. Erstere ist superb – die handgezeichneten, zeichentrickartigen Hintergründe sind großteils statisch, warten aber mit unglaublich vielen, liebevollen Details auf. Die verwendeten Farben und Formen rücken das Ganze stark in Richtung einer eher düsteren Dystopie. Damit ist das Spiel trotz des "knuffig" wirkenden Hauptdarstellers wohl eher etwas für eine ältere Zielgruppe. Dazu passt auch die meist sehr ruhige musikalische Untermalung, die nur als gelungen bezeichnet werden kann. Auf Sprachausgabe wird verzichtet, die Story wird anhand von Sprechblasen und Zeichnungen erklärt. Zur Spielsituation passende Soundeffekte verdichten die fast schon beklemmende Atmosphäre weiter.

Was das Genre betrifft, ist "Machinarium" am ehesten als klassisches Point & Click-Adventure zu bezeichnen, eingeschoben sind außerdem viele Denk- und Geschicklichkeitsspiele. Die Rätsel sind nicht immer ganz logisch, aber durch Probieren kann man die richtige Lösung meist recht schnell finden. Sollte es trotz aller Versuche nicht klappen, wurde in jeden Screen eine "zweistufige" Spielhilfe integriert: Während der erste Tipp "gratis" zur Verfügung steht, muss man für eine detailliertere Lösung ein kleines Geschicklichkeitsspiel absolvieren. Meiner Meinung nach ist das eine nette Idee. Die Story wird traditionell durch Lösen der verschiedenen Aufgaben vorangetrieben und in den genannten Sprechblasen erzählt. Die Geschichte, die sich dabei nach und nach entspinnt, ist eher zweckmäßig als tiefgängig – zum Schluss wird es sogar ein wenig wirr. Trotzdem ist die Idee, der heruntergekommenen Roboterstadt an sich schon sehr gut.

Als nächstes kommen wir zur Spielmechanik. Das System ist sehr einfach und kommt mit einer einzigen Maustaste aus. Wer einen Rechtsklick probiert, stellt fest, dass es sich bei "Machinarium" um ein Flash-Spiel handelt – in dem Fall erscheint nämlich das entsprechende Kontextmenü, was einigermaßen störend ist. Gesteuert wird der Roboter ausschließlich über die linke Maustaste, Verben oder ein Aktionsmenü gibt es nicht. Bei klickbaren Objekten führt die Spielfigur automatisch die richtige Aktion durch, maximal ein paar Kreisbewegungen oder ein bisschen Auf und Ab mit der Maus sind notwendig. Dass das Spiel trotz der simplen Steuerung eine Herausforderung sein kann, liegt eher daran, dass im Gegensatz zu modernen Titeln eine Hilfe wie z. B. die Hotspot-Anzeige, fehlt. Mich persönlich stört das nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass einige Spieler darin einen Mangel sehen. Gespeichert werden kann übrigens völlig frei – wirklich notwendig ist es aber zwischendurch kaum, es gibt nämlich keine Sackgassen und der Roboter kann im Endeffekt auch nicht sterben.

Soweit ist aus meiner Sicht also alles im grünen Bereich. Es gibt allerdings zwei Punkte, die die Höchstwertung verhindern. Einerseits ist die Länge des Spieles weit unter dem Durchschnitt. Nach wenigen Stunden hat man das Finale gesehen und bleibt einigermaßen konsterniert zurück – ich für meinen Teil hätte den Roboter jedenfalls gerne noch weiter durch diese faszinierende Welt gesteuert. Bei einer längeren Spielzeit wäre es vielleicht auch möglich gewesen, die Story ein wenig tiefgründiger zu gestalten bzw. weiterzuentwickeln – schade um diese Gelegenheit! Andererseits (und noch schlimmer) hat "Machinarium" praktisch keinen Wiederspielwert. Wer einmal durch ist, kennt die Lösung aller Rätsel – alternative Wege gibt es nicht, nicht einmal eine Erledigung der Aufgaben in anderer Reihenfolge ist möglich, wenn man von ganz kleinen Ausnahmen absieht. Damit kann man das Spiel vielleicht alle paar Jahre mal hervorkramen, in kürzeren Abständen wird sich wohl niemand mehr als einmal damit beschäftigen.

Diese zwei Kritikpunkte sind für mich ausreichend, einen Stern bei der Gesamtwertung abzuziehen. Hätte der Entwickler daran ein wenig gefeilt, wären die fünf Sterne ohne weiteres möglich gewesen. Aber auch so bleibt "Machinarium" ein exzellentes Spiel für alle Freunde der alten Adventure-Schule.


Winnetou: Band 2
Winnetou: Band 2
Preis: EUR 0,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz so gut wie Band I, 18. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Winnetou: Band 2 (Kindle Edition)
Der zweite Band um den wohl bekanntesten Roman-Indianer aller Zeiten und seinen Blutsbruder Old Shatterhand ist für mein Dafürhalten nicht ganz so gelungen wie der bravouröse Vorgänger. Wurde im ersten Teil noch das Leben im Wilden Westen (bzw. das Leben, wie es sich Karl May sich vorstellte) beschrieben und vor allem die Entstehung einer berühmten Freundschaft thematisiert, ist "Winnetou II" in weiten Teilen eine Reise-Erzählung. Das muss man mögen - mir persönlich waren die ausufernden Beschreibungen von langen Ritten und Landschaften im Endeffekt nicht fesselnd genug, was sicherlich Geschmacksache ist. Dazwischen gibt es ohnehin immer wieder spannende Ereignisse und mit "Old Death" im ersten Teil des Werkes einen echten Sympathieträger, den man für Karl May-Verhältnisse schon fast als Anti-Helden bezeichnen kann.

Abgesehen davon wirkt "Winnetou II" sowohl im Vergleich zum ersten Teil als auch in sich selbst einigermaßen inkonsistent. Man merkt dem Buch deutlich an, dass die Episoden teilweise zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt wurden und von Karl May ursprünglich anders, nämlich nicht zusammenhängend, angelegt waren. Das fällt in zwei Bereichen ganz besonders auf:

Zum einen wirkt die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten Winnetou und Old Shatterhand, die im ersten Band so schön herausgearbeitet wird und die in wunderbaren Dialogen Niederschlag findet, kaum noch tiefgründig und authentisch. Die Blutsbrüder gehen miteinander in sehr neutralem Ton um - ein grundlegender Unterschied. Generell scheint Winnetou in diesem Roman sowieso eher zu einer Randfigur degradiert zu sein. Aber auch die "Zusammenarbeit" zwischen Old Death und Old Shatterhand ist zum Teil nicht authentisch - dass ein schlauer Westmann wie Old Death nicht bemerken soll, dass sein Mitstreiter nur so tut, als ob er ein "Greenhorn" wäre, ist für meinen Geschmack sehr weit hergeholt.

Der zweite Kritikpunkt ist erzählerisch-ethischer Natur. In "Winnetou I" liest man aus jedem Absatz das Bemühen des Autors, Wiedergutmachung am Unrecht, das den Indianern wiederfahren ist, zu leisten. Das liest sich an mancher Stelle fast wie ein anti-rassistisches Manifest. Davon ist in "Winnetou II" nicht viel zu bemerken. Vor allem die Geschichte um "Old Firehand" ist von Grausamkeiten auf beiden Seiten geprägt. Protagonisten wie der eigentlich so lustige Sam Hawkens sprechen von "roten Halunken", die sie nach der Reihe vom Pferd holen und sogar der milde Winnetou tötet und skalpiert, ohne mit der Wimper zu zucken. Nur der noble Old Shatterhand hält sich zurück - zumindest ein wenig, auch er ist im Endeffekt wesentlich brutaler als noch im ersten Band. Das alles mag vielleicht realistischer sein - es will aber so gar nicht zum Bild von gegenseitiger Achtung und Verständnis passen, das Karl May seinen Lesern in "Winnetou I" gezeichnet hat.

Letztlich ist "Winnetou II" aber trotz der genannten Kritikpunkte ein gutes Buch. Es macht einfach Freude, die altertümliche Sprache von Karl May zu lesen. Die Handlung der einzelnen Episoden ist - trotz einiger Längen - im Großen und Ganzen sehr spannend erzählt, wobei vor allem die Erzählung um den "Pedlar" positiv hervorsticht. Wenn sich Karl May insgesamt etwas mehr auf seine Helden und etwas weniger auf deren Reisen fokussiert hätte, wären auch für "Winnetou II" fünf Sterne möglich gewesen. So müssen vier reichen.


Witching Hour
Witching Hour
Preis: EUR 12,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Willkommen zur "Hexenstunde", 17. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Witching Hour (Audio CD)
Zu einer recht rasanten Hexenstunde lädt das Düster-Duo Ulf Theodor Schwadorf und Allen B. Konstanz, a.k.a. The Vision Bleak im Herbst 2013. Moment, "rasant"? The Vision Bleak? Ja, tatsächlich, "Witching Hour" ist insgesamt ein verhältnismäßig flottes Werk geworden. Das merkt man gleich, wenn das ausgezeichnet auf die Platte einstimmende Intro verklungen ist. So vehement wie bei "A Witch Is Born" sind The Vision Bleak bisher nicht oft in ein Album eingestiegen. Das heißt aber nicht, dass die beiden Protagonisten ihre Trademarks vernachlässigen - vor allem am Klang der Gitarren und diversen Sound-Spielereien ist zu bemerken, wem man hier lauscht. Der Gesang wurde hingegen für dieses Stück leicht geändert - zwar tönt Allen B. Konstanz immer noch in seiner unvergleichlich düster-charismatischen Art, gibt seiner Stimme in diesem (und auch in anderen) Song etwas mehr Raum.

Im darauf folgenden "The Blocksberg Rite" singt er hingegen wieder "normal". Generell erinnert dieses Stück ein wenig an den Gassenhauer "Carpathia", wobei dessen Hitpotential nicht ganz erreicht wird. Aber auch hier kann festgehalten werden: Das Riffing ist so vehement und hart, dass es nur so eine Art hat. Fast schade, dass dadurch die feine Hintergrundmelodie stellenweise ein bisschen überdeckt wird. Mit "Cannibal Witch" folgt darauf ein im Midtempo angesiedeltes Lied, beginnend mit unheilvollem Sprechgesang. Das Riffing kann in diesem Stück nur als "hypnotisch" bezeichnet werden und zieht den Hörer förmlich in die unheimliche, alptraumhafte Welt der aus der slawischen Mythologie stammenden Baba Jaga. Ein "Hit" im eigentlichen Sinn ist dieser Song nicht, aber er kann dafür durch eine unvergleichlich düstere Atmosphäre punkten. Im Prinzip hat das schon fast doomige Black Metal-Dimensionen, auch wenn weder Musik noch Vocals derart extrem angelegt sind. Außer ganz zum Schluss, wo es nochmal "Vollgas" heißt und als zusätzliches Schmankerl eine Maultrommel (!) zum Einsatz kommt.

Ebenfalls sehr gut: "The Wood Hag", bereits vorher bekannt und für einen Vorab-Track sicher die beste Wahl. Das eingängigste Stück auf "Witching Hour" beginnt mit einem catchy Intro á lá "Wolfmoon" - damit kann man schon mal nichts verkehrt machen. A pro pos "Wolfmoon": Seit diesem Klassiker gab es von The Vision Bleak ja kein offizielles Video mehr zu sehen - das ändert sich mit "The Wood Hag", zu dem ein (ausgezeichnetes) Stop-Motion-Video mit "Hänsel & Gretel"-Anleihen produziert wurde. "The Wood Hag" ist genau eines jener ganz speziellen Stücke, mit denen man alle Zweifler von The Vision Bleak überzeugen kann. Sehr eingängig, dennoch düster und perfekt zum Erzeugen klassischer Horror-Stimmung geeignet. Hier zeigt sich, wie böse ein Märchen wirklich sein kann. Außerdem auf der Haben-Seite von "Witching Hour" zu verbuchen sind "Hexenmeister" (vermutlich eines der schnellsten Stücke, die das kongeniale Duo bisher fabriziert hat), "Pesta Aproaches" (bei dem schleppende und schnelle Parts sehr gut kombiniert wurden, man beachte auch den doomig-leiernden Gesang) und das nur auf der Limited Edition und bei mir auch im Download der Normalversion (!) enthaltene "The Call Of The Banshee" (das herrlich stoische Dahingeriffe und das schöne akustische Zwischenspiel trösten über den nicht so zwingenden Refrain hinweg).

Bleibt noch der Rausschmeißer. "The Valkyrie" klingt schon vom Titel her wie ein mehr oder weniger zwanghaft ins Hexen-Konzept gepresster Song. Musikalisch ist der Track meiner Meinung nach einfach langweilig, da gibt es nicht viel zu beschönigen. Auch nach zig Durchläufen bleibt bei mir (abgesehen vom schnellen Drumming) so gut wie nichts hängen - als Totalausfall würde ich das Stück nicht bezeichnen, aber ein guter Abschluss für eine Platte sieht anders aus.

Fazit: Vier Sterne. Alles in allem ist "Witching Hour" einmal mehr ein gelungenes Album von The Vision Bleak, auch wenn das Duo es noch besser kann. Wie beschrieben bieten die Songs selbst aber kaum Grund zur Kritik. Die Art des Songwritings setzt allerdings längere Beschäftigung mit dem Werk voraus - einerseits gibt es recht viele Details zu entdecken, andererseits ist der ganz große Hit nicht vorhanden, wenn man "The Wood Hag" mal ausklammert. Allerdings ist die reguläre Version mit nur acht Stücken, von denen keines Überlänge hat, leider ziemlich kurz ausgefallen. Von einer "Witchin HOUR" kann eigentlich nicht die Rede sein, eher von einer "Witching dreiviertel Hour". Was mich persönlich außerdem ein bisschen stört: The Vision Bleak haben mit Allen B. Konstanz einen unglaublich charismatischen, einzigartigen und perfekt zu ihren Horrorgeschichten passenden Sänger. Den hätte man produktionstechnisch ruhig etwas mehr in den Vordergrund stellen können, er geht meiner Meinung nach neben den heftigen Gitarren zwar nicht unter, könnte aber ein wenig lauter sein.


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Preis: EUR 1.248,95

20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vorsicht - nicht für Black Metal-Fans geeignet!, 30. September 2013
"Orgonakkumulator" von Jentschura - wer würde bei dieser Bezeichnung nicht an den neuesten Release einer unheiligen Black Metal-Band denken. So ging es auch mir, als mir dieses Produkt von Amazon vorgeschlagen wurde. Der für eine vermeintliche Underground-Produktion doch recht stolze Preis konnte mich von einem Kauf nicht abschrecken, versprach das Foto doch eine Platte in einer opulent gestalteten Box. Zwar hätten mir die einigermaßen hellen Farben zu denken geben können (Black Metal sollte immer in Ebenholz verpackt sein), aber die Hoffnung, hier eine unentdeckte Perle der dunklen Musik gefunden zu haben, lies mich alle Zweifel außer Acht lassen.

Man kann sich vorstellen, wie groß meine Enttäuschung war, als ich merkte, dass ich es nicht mit energetischer Musik, sondern mit einem Gerät zur Energetisierung von Lebensmitteln zu tun hatte. Aber was soll's - man muss das Beste daraus machen, wenn man schon zu faul ist, die Amazon-Beschreibung sinnerfassend zu lesen. Wobei diese Beschreibung auch als Review in einem Underground-Fanzine durchgehen könnte. Egal, jedenfalls ernährt man sich als Black Metal-Fan ja meist - eh klar - von Blut. Jungfrauenblut oder ranziges Schweineblut, um genau zu sein. Warum also nicht den Lebenssaft mit Hilfe des Orgonakkumulators energetisieren? Nun, der langen Rede kurzer Sinn - das Ding funktioniert, wie ich bei einem Test an einem Kumpel feststellen musste (immerhin war ich nicht so verrückt, einen Selbstversuch zu wagen). Leider funktioniert es sogar viel zu gut. Von der ursprünglichen Begeisterung für die extreme Tonkunst ist nichts mehr geblieben. Nach mehreren Anwendungen bemerkte ich bei ihm zunächst eine Abwendung von Darkthrone und Mayhem in Richtung Dimmu Borgir und Cradle of Filth (Zitat: "Wer kann sich diesen unproduzierten Müll anhören? Da gibt es doch viel Eingängigeres..."). Nach weiteren Versuchen mit energetisierter Nahrung wurde mein ehemaliger Freund immer fröhlicher, landete zunächst bei Unheilig (O-Ton: "Der Graf ist aber eigentlich schon ein ziemlich böser Mann..."), danach bei den Pop-Musik-Charts ("Was so viele Leute hören muss einfach gut sein") und schließlich bei Helene Fischer (ohne Worte...). Versteht sich von selbst, dass wir spätestens ab diesem Zeitpunkt keine Freunde mehr waren.

Leider konnte mir dieses Wunder-Gerät nicht weiterhelfen, ich selbst wollte mich nämlich keiner Behandlung mit energetsiertem Blut unterziehen. Ein Versuch, die Black Metal-CDs in meinem Schrank so zu energetisieren, dass die darauf enthaltene Musik im Radio gespielt und damit für alle tauglich wird, scheiterte und führte nur dazu, dass ich mir mittlerweile meine eigenen Platten nicht mehr anhören kann.

Fazit: Dank dieses Apparates habe ich meinen Kumpel und meine Musik verloren. Vor diesen außergewöhnlichen Nebenwirkungen wurde nirgendwo gewarnt - daher nur 1 Stern. Diese Rezension ist nun meine letzte Hoffnung. Was habe ich falsch gemacht? Kann mir irgendjemand helfen?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 2, 2014 5:38 PM MEST


Valkyrja
Valkyrja
Preis: EUR 17,84

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Typisch Týr? Fast!, 29. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Valkyrja (Audio CD)
Der Ausbruch aus dem Wikinger-Schema ist offenbar ad acta gelegt, wie man allein schon am Cover des 2013er Týr-Longplayers "Valkyrja" erkennen kann. Thematisch ist die Platte ein für die Truppe von den Färöer Inseln typisches Konzeptalbum geworden – entweder man mag diese teilweise doch recht klischeehaften Geschichten oder eben nicht. Ich persönlich finde die Story um den Krieger, der in die Schlacht zieht, um sich seinen Platz unter den Göttern zu sichern zwar nicht weltbewegend, aber definitiv glaubwürdiger umgesetzt als jedes aktuellere Manowar-Epos. Auch den Großteil der Party-Pagan-Fraktion spielen die Insulaner in punkto Authentizität locker an die Wand.

Wichtiger als solche Äußerlichkeiten ist aber so oder so die Musik. Und hier gibt es im Vergleich zu den letzten Alben nur kleinere Änderungen zu beobachten. Einen Unterschied macht natürlich der Neue an der Schießbude aus. Stamm-Drummer Kári Streymoy musste verletzungsbedingt endgültig die Segel streichen, somit bekommt man auf "Valkyrja" neben der bewährten Besetzung Heri Joensen (g/v), Gunnar H. Thomsen (b) und Terji Skibenæs (g) den Session-Schlagzeuger George Kollias (u.a. Nile) zu hören. Also einen der schnellsten Drummer überhaupt - ausgerechnet bei Týr? Tja, es funktioniert, denn Kollias bremst sich großteils ein, was aber immer noch für recht schnelle Songs (im Verhältnis zu älterem Týr-Material) sorgt. In Bezug auf die Song kann festgehalten werden: Nicht jeder Song auf dieser Platte zündet sofort. Das war bei Týr in jüngerer Zeit anders, ist aber keineswegs ein Negativpunkt. Bei mir hat die Platte mindestens fünf oder sechs Durchläufe gebraucht, bevor sie sich mir wirklich erschlossen hat. Das ist wohl den innerhalb der Songs wieder vermehrt eingesetzten Spielereien zu verdanken, die "Valkyrja" ein kleines Stück progressiver machen als die beiden unmittelbaren Vorgänger. Von der Komplexität eines "Land" ist das 2013er Album aber immer noch meilenweit entfernt.

Jetzt aber in medias res: Wenn "Valkyrja" ohne Intro oder ähnlichen Schnickschnack mit dem starken Opener "Blood Of Heroes" beginnt, hat man bis zum Gesangseinsatz das Gefühl, bei Amon Amarth gelandet zu sein. So harsches Riffing hat man von Týr bisher selten gehört. Wobei man bei diesem Song auch konstatieren könnte, dass sich die Insulaner beim Eröffnungsriff etwas zu sehr von "Twilight Of The Thunder God" haben "inspirieren" lassen. Aber sei's drum, dieser klassische Metal-Ansatz steht Týr hervorragend und macht gleich zu Beginn deutlich, dass man sich nicht auf den Lorbeeren der superben Vorgänger ("The Lay Of Thrym" bzw. "By The Light Of The Northern Star") ausruhen möchte. Mit seinem einfachen Refrain ("Set us free – Destiny", naja…) ist "Blood Of Heroes" übrigens der eingängigste Titel auf "Valkyrja", gefolgt von dem ebenfalls vorab bekannten "Another Fallen Brother", dessen Refrain man als Blaupause für einen typischen Týr-Song nehmen könnte. Ebenfalls üblich sind bei den Männern von den "Schafsinseln" in der offenbar wahrhaft zungenbrecherischen Landessprache vorgetragene Hymnen. Diesmal am Start: "Grindavísan" und "Fánar Burtur Brandaljó". Wer bisher nichts mit Songs anfangen konnte, deren Texte er nicht versteht, wird seine Meinung natürlich auch hier nicht ändern. Alle anderen hören in "Grindavísan" am Anfang, am Schluss und im Refrain schönen mehrstimmigen, fast schon sakral anmutenden Gesang und in der Strophe einen ungewohnt aggressiven Heri Joensen. Das ist definitiv hörenswert, auch weil man gerade bei diesem Song regelrecht spürt, wie sich Drummer George Kollias zurückhalten muss. "Fánar Burtur Brandaljó" kann mich hingegen nicht wirklich überzeugen und bleibt trotz lässigem Stakkato-Riffing nicht hängen. Wer verständliche Texte braucht, um glücklich zu sein, muss diese zwei Tracks überspringen.

Ansonsten gibt es auf "Valkyrija" noch drei gutklassige Songs zu hören: "Mare Of My Night" ist ein flotter Track, der trotz seines eher düsteren Themas für gute Laune sorgt. Wobei man den Text eigentlich auch eher augenzwinkernd verstehen kann. Ähnlich angelegt ist auch das unmittelbar darauf folgende "Hel Hath No Fury", dessen Refrain man sogar noch schwerer los wird. Und schließlich kann auch noch der (fast) ganz hinten platzierte Titeltrack überzeugen. Dieses Stück wurde eher episch angelegt, auch wenn die Spielzeit von 7:31 Minuten nicht so lang ist, wie man das von Týr schon gehört hat. Aber allein das "Vaaaalkyrjaaa-aaaa-aaah" im Refrain ist so pathetisch, dass man es nur lieben kann. Insgesamt ein getragenes, sehr ausgewogen arrangiertes Stück.

Interessant sind auch die zwei "Lady"-Tracks. "Lady Of The Slain" ist wohl einer der schnellsten Týr-Tracks überhaupt. Riffing und Drumming erinnern hier stark an (ganz alte) Metallica und passen nicht ganz zum in normaler Geschwindigkeit vorgetragenen Gesang – trotzdem ein cooler Track, wenn auch vollkommen ungewohnt für Týr. Beim anderen "Lady"-Stück kommt die Dame nicht im Titel vor, sondern singt mit Heri Joensen im Duett. Für die Ballade "The Lay Of Our Love" wurde mit Liv Kristine (Leave's Eyes) erstmals eine Gastsängerin engagiert – das ist zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig, fügt sich letztlich aber überraschend gut ins Gesamtkonzept ein. Joensen und Kristine singen hier tatsächlich miteinander und nicht gegeneinander, was dieses Stück vielen, ähnlichen Songs überlegen macht. Passt!

Ausfälle gibt es auf "Valkyrija" in meinen Ohren nicht wirklich. Allerdings haben sich mit "Nation", das hervorragend beginnt, dann aber zusehends verflacht und dem kurzen "Into The Sky" dennoch zwei Füller eingeschlichen – ganz in Ordnung, braucht aber eigentlich kein Mensch.

Achja, zwei Cover-Versionen sind auch diesmal wieder mit an Bord. "Where Eagles Dare" (Iron Maiden) wirkt in dieser Version fast wie ein extra für Týr geschriebener Song. Bei der Gitarrenarbeit merkt man sehr deutlich, dass die Eisernen Jungfrauen generell ein nicht zu unterschätzender Einfluss für die Nordmänner waren und sind. Rundum gelungen, würde ich sagen. Bei "Cemetery Gates" (Pantera) habe ich hingegen ein Problem mit der Stimme von Heri Joensen. Dessen glasklares, immer ein wenig zum "Johlen" neigendes Organ eignet sich für Songs von Týr und – wie beschrieben – offensichtlich auch Iron Maiden. Aber bei einem Pantera-Stück kann der blonde Frauenschwarm einen Phil Anselmo nicht ersetzen. Musikalisch geht das Stück in Ordnung, essentiell ist es jedoch keineswegs.

Fazit: Týr können mit "Valkyrija" ihr hohes Niveau annähernd halten, schaffen es aber dennoch nicht ganz, an die Qualität ihrer beiden vorhergehenden Scheiben anzuknüpfen. Vornehmlich liegt das am Fehlen eines wirklichen Hits, der das 2013er Album nochmal aufgewertet hätte. So reicht es diesmal "nur" für vier Sterne.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2014 3:19 PM CET


Winnetou: Band 1
Winnetou: Band 1
Preis: EUR 0,00

5.0 von 5 Sternen Der Anfang einer berühmten Männer-Freundschaft, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Winnetou: Band 1 (Kindle Edition)
Ich bin mir sicher, dass ich alle Filme um den Häuptling der Apachen mehrfach gesehen habe. Trotzdem hat es sich für mich nie ergeben, auch die Bücher zu lesen - und es wäre wohl auch nicht mehr passiert, wenn es nicht alle Karl May-Ausgaben mittlerweile gratis als eBook geben würde. Und so kommt es, dass ich einige der wohl wichtigsten deutschsprachigen Jugendromane erst jetzt - als Erwachsener - lese.

Die Geschichte um Winnetou, den "Häuptling aller Apachen" und seinen deutschen Blutsbruder "Old Shatterhand", der ohne Probleme als idealisiertes Wunschbild von Karl May selbst identifiziert werden kann, hat bereits Millionen Menschen in ihren Bann gezogen - und so ist es auch mir ergangen. "Winnetou I" ist vor allem eines: ein sehr schnell und flüssig zu lesendes, ausgesprochen spannendes Stück Trivialliteratur. Karl May schüttelt sich hier eine der berühmtesten Geschichten über Freundschaft und den Kampf von Gut gegen Böse allem Anschein nach locker aus dem Ärmel. Die Handlung ist durchgehend spannend - erwähnt werden muss aber auch, dass einige Ortsbeschreibungen verwirrend und einigermaßen langatmig sind. Dieser kleine Schönheitsfehler kann meines Erachtens jedoch vernachlässigt werden. Was natürlich auch kaum überlesen werden kann: Karl May ist eindeutig ein Kind seiner Zeit und bleibt als solches nicht frei von Werturteilen, die man aus heutiger Sicht durchaus als "rassistisch" bezeichnen kann. Für mein Gefühl versucht der Autor aber dennoch, solche Ressentiments abzubauen, indem er seine Helden mehrfach die Gleichheit aller Menschen betonen lässt und sich sehr stark gegen das sich abzeichnende und teilweise bereits vollzogene Unrecht an den amerikanischen Ureinwohnern stellt. Einzig seinen Hang, das Christentum haushoch über alle anderen Religionen zu stellen, empfinde ich wirklich als störend. Dass die Gebräuche und Sitten, die May in diesem Werk beschreibt, teilweise weit von der damaligen Wirklichkeit entfernt sind, ist ebenfalls kein Geheimnis. Wer historische Genauigkeit erwartet, sollte um Karl May jedenfalls einen großen Bogen machen.

Was die Charaktere betrifft, unterscheiden sich Klassiker wie "Winnetou I" grundlegend von neuerer Literatur. Ein Held wie Old Shatterhand hätte in kaum einem modernen Roman Platz - er weist keinerlei Schwächen auf, weder physisch noch psychisch. Er ist damit jedem anderen Charakter, sogar dem Häuptling der Apachen, der ebenfalls so gut wie keine Schwächen kennt, überlegen. Noch naiver wirkt die Darstellung, wenn man sie mit den Nebenfiguren vergleicht. Old Shatterhand ist zwar ein "Greenhorn", meistert aber alle Herausforderungen besser, als jeder erfahrene Westmann. Damit muss man als moderner Leser erst einmal klarkommen... Generell ist in diesem Werk eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse gegeben - die "guten" Figuren sind, wenn man von den kleinen Schrullen eines Sam Hawkens absieht, vollkommen makellos. Ihre Gegner sind hingegen kaum charakterisiert, außer ihrer Boshaftigkeit kann man eigentlich keine näheren Beschreibungen erkennen. Damit kann eine Identifikation durch den Leser nur mit den Helden gelingen. Das alles sollte jedenfalls beachtet werden, wenn man zum ersten Mal "Winnetou", aber auch andere Werke von Karl May liest. Ich persönlich fand diese Kategorisierung der Personen nicht als störend - im Gegenteil, eine solche Beschreibung kann sogar als wohltuende Abwechslung zu den heutigen Anti-Helden gesehen werden.

Abschließend noch ein Wort zum Stil: Die eBook-Version wirkt auf mich in Bezug auf die Sprache sehr authentisch. Offenbar handelt es sich dabei nicht um eine modernisierte Fassung. Das ist vermutlich nicht jedermanns Sache, ich persönlich lese diese leicht altertümlich wirkenden Phrasen ausgesprochen gerne. Einen so schönen Stil liest man heute eher selten, wenn ich mich nicht irre.

Fazit: "Winnetou I" ist ein großartiges Buch. Ein "Pageturner" im wahrsten Sinne des Wortes - und das rund 100 Jahre, bevor dieser Begriff überhaupt geprägt wurde. Wenn man über die wenigen Längen in den Ortsbeschreibungen und die zweifellos vorhandenen Ungenauigkeiten in der Schilderung der Indianer-Kultur hinwegsehen kann, bleibt nur die Höchstwertung. Bereut oder gar als Zeitverschwendung angesehen habe ich die Lektüre zu keiner Sekunde.


A Vampyre Story [Download]
A Vampyre Story [Download]
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Ansätze, mittelmäßige Umsetzung, 24. September 2013
Lange im Kasten verstaubt, jetzt endlich gespielt. Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: "A Vampyre Story" hat sehr gute Ansätze und einige tolle Momente, kann insgesamt aber nicht ganz überzeugen und vergeudet letztlich einen Teil seines wahren Potentials.

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Atmosphäre des Spieles stimmt - ohne Wenn und Aber. Der grafische Stil ist durchgehend gelungen und stellt das düster-komische Geschehen in Draxsylvanien perfekt dar. Auch die Musik, die sich mit jeder Location ändert, kann überzeugen und wurde sehr passend gewählt. Die Dialoge, die vor Anspielungen auf Musik, Filme und andere Spiele strotzen, sind meiner Ansicht nach - mit wenigen Ausnahmen - ausgesprochen witzig. Sogar die Synchronsprecher bzw. die Übersetzung sind ausnahmsweise einmal gut ausgewählt worden. Und last but not least haben es die Programmierer tatsächlich geschafft, die gute, alte Point & Click-Atmosphäre in die Gegenwart zu übertragen. Sogar Zugeständnisse an die Moderne, Beispielsweise der Hotkey für klickbare Objekte und die Möglichkeit, die Spielfigur beschleunigt durch die Kulissen zu bewegen, wurden gut eingebunden. Auch dass es neben der eigentlichen Spielfigur "Mona" noch einen Begleiter (die Fledermaus "Froderick") gibt, ist eine gute Idee - manche Aufgaben lassen sich nur mit Teamwork lösen.

Optisch, akustisch und atmosphärisch ist "A Vampyre Story" also sehr gut gelungen. Es gibt allerdings einige Probleme, die das Spielvergnügen erheblich mindern. Größtes Ärgernis: Die Rätsel sind teilweise derart unlogisch und an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fragt, wie man ohne Komplettlösung vorankommen soll. Vom Schwierigkeitsgrad her, hat wohl "Maniac Mansion" Pate gestanden... Zweiter Punkt ist die Bedienung. Die klassischen Verben ("Gehe zu..." usw.) gibt es natürlich nicht mehr. Das Interface besteht aus vier möglichen Aktionen ("Schauen" - "Sprechen" - "Nehmen" - "Fliegen"), zusätzlich gibt es ein Inventar, in dem Gegenstände automatisch abgelegt werden. Zumindest, wenn die Spielfigur gerade "Lust" dazu hat - wenn nicht, "merkt" sie sich, wo ein wichtiger Gegenstand liegt und holt ihn im Bedarfsfall. Klingt kompliziert? Naja, zumindest ein wenig. Insgesamt sind Interface und Bedienung jedenfalls wenig intuitiv und eher schwerfällig. Vor allem die "Merkfunktion" im Inventar ist ein Ärgernis und sorgt für lästige Unterbrechungen im Spielfluss: Jedes Mal, wenn ein "gemerkter" Gegenstand verwendet wird, "teleportiert" sich die Spielfigur dorthin, wo er liegt und wieder zurück. Das dauert seine Zeit und ist meiner Ansicht nach vollkommen überflüssig. Ein möglicher Sinn dieser Vorgehensweise könnte sein, dass die Programmierer die Spielzeit ein wenig strecken mussten - das ist nämlich ein weiterer Kritikpunkt. "A Vampyre Story" ist im Endeffekt sehr kurz, eigentlich zu kurz für ein Vollpreis-Spiel. Mittlerweile ist das Produkt ja sehr günstig zu haben, deshalb kann man den Punkt heute eigentlich vernachlässigen - zum Erscheinungszeitpunkt wäre das ein klarer Grund für eine Abwertung gegeben.

Als letzten Punkt möchte ich die Story ansprechen. Großen Tiefgang habe ich mir an dieser Stelle ohnehin nicht erwartet - aber was "A Vampyre Story" letztlich bietet ist nicht mehr, als ein Ansatz für eine gute Geschichte. Das Spiel besteht eigentlich nur aus einer einzigen Aufgabe - aus dem Schloss und letztlich aus dem Land zu entkommen. Das alles funktioniert sehr linear - alternative Lösungswege oder Möglichkeiten, Aufgaben in einer anderen Reihenfolge zu lösen, gibt es nicht. Diese Geradlinigkeit und die eindimensionale Hintergrundgeschichte lassen den Wiederspielwert gegen Null tendieren. Auch das ist schade - einige Verstrickungen in der Story hätten dem Spiel sicher gut getan.

Letztlich ist "A Vampyre Story" ein netter Zeitvertreib für frustresistente Abenteuer, die sich gerne an unlogischen Rätseln die Zähne ausbeißen. Nicht mehr und nicht weniger. Da retten auch die witzigen Einfälle, die nahezu am laufenden Band zu bemerken sind, nicht viel. Schade, es hätte mehr draus werden können/müssen. So reicht es nur für magere drei Sterne.


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