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Rezensionen verfasst von
Michael Wilson

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Platinum Collection
Platinum Collection
Preis: EUR 16,99

60 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Werkschau der Progressive-Rock-Pioniere, 12. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Platinum Collection (Audio CD)
Irgendwie war es mal an der Zeit, dass Genesis endlich eine umfassende Werkschau aus ihrer prägenden, 30-jährigen Schaffensperiode vorlegen. Die beiden "Archive"-Sampler brachten dem Fan schon Schmankerl aus den Peter-Gabriel- und Phil-Collins-Epochen, und der Sampler "Turn It On Again" fasste die Hit-Singles der Collins-Ära zusammen. "The Platinum Collection" präsentiert nun auf drei CDs in rückwärtiger Reihenfolge von 1997 bis 1970 sowohl die kommerziellen als auch die progressiven Highlights der Band.

Der Albumname erinnert zwar an den unsäglichen "Charme" diverser Tankstellen- und TV-Shop-Sixties-Sampler, aber das Cover zeigt schon, wo es lang geht - Retrospektive ist angesagt, wie man an der symbolträchtigen Parade vom "Nursery Cryme"-Kindermädchen bis zum "We Can't Dance"-Strichmännchen erkennen kann. Raritäten findet man hier bis auf die 1982er Hitsingle "Paperlate" (damals in den deutschen Charts und auf dem Livealbum "Three Sides Live" enthalten) nicht, aber dafür hat der langjährige Genesis-Studiotechniker Nick Davies den Großteil der Aufnahmen von 1970 bis 1983 neu abgemischt - mit teils hervorragenden Resultaten.

CD 1 präsentiert die kommerzielle Hitphase der Gruppe von 1982 bis 1997 und fängt komischerweise mit den vier bzw. fünf Singles der Megaseller "We Can't Dance" (1991) und "Invisible Touch" (1986) an - parallel zum "Turn It On Again"-Sampler finden sich hier Chartsstürmer wie "Invisible Touch", "Land Of Confusion", "Jesus He Knows Me" und "No Son Of Mine". Von "Genesis" (1983) ist neben der kompletten ersten Seite noch "Illegal Alien" drauf, das ebenso wie das folgende "Paperlate" geremixt ist und deutlich mehr Funk und Groove besitzt. Aus diesen drei Alben hätte man anstatt der Hitsingles ruhig mal einen der längeren Tracks wie "Domino", "Fading Lights" oder "Driving The Last Spike" oder den Instrumentalkracher "The Brazilian" auswählen können. Schade. Erst am Schluss wurde alibihaft der Titelsong vom letzten Album "Calling All Stations" mit Phil Collins Nachfolger Ray Wilson am Mikro drangehängt. Als Opener war er Mr. Banks und Rutherford wohl nicht gut genug. Schade, hier vermisst man jedenfalls die schönen "Congo"- und "Shipwrecked"-Singles. Nichts Spektakuläres also, sondern eine fast haargenaue Kopie von "Turn It On Again".

CD 2 umreißt die wirren Jahre von 1975 bis 1981 - die Phase von der allmählichen Abkehr vom Progressive Rock nach Peter Gabriels Ausstieg 1975 und Phil Collins Etablierung am Mikro sowie zur Orientierung hin zu Softrock, Soloballaden und den ersten MOR-Rock- und Radiopop-Hits. Vom 1981er Album "Abacap" stammen der Titelsong und "Keep It Dark", bei denen die Band mit New-Wave-, Funk- und Synthiepop-Elementen experimentiert. Dann folgen vier Hits vom 1980er Album "Duke" (u.a. Phil Collins Debüt als Solokomponist in der Band, "Misunderstanding") und drei Single-Auskopplungen vom kommerziellen Durchbruch "And Then There Were Three" (1978), dem ersten Trioalbum. Von den beiden progressiveren Werken "Wind And Wuthering" (1977) und "A Trick Of The Tail" (1976), noch mit Steve Hackett an der Gitarre, kommen jeweils drei Songs, darunter auch die genialen Instrumentalstürme "In That Quiet Earth" und "Los Endos" sowie das achtminütige, fantasievolle "Ripples". Dass man auf den Klassiker "Dance On A Volcano" verzichtet hat ist fast unverzeihlich, und statt einiger öder Solonummern wie Mike Rutherfords "Your Own Special Way" oder Tony Banks "Undertow" und "Many Too Many" hätte man lieber ein paar längere Tracks wie "Squonk", "One For The Vine" oder "Duke's Travels/Duke's End" dazu nehmen sollen! Die fast alle remixten Tracks sind dafür klangtechnisch alle eine kleine Offenbarung, und man hört erstmals viele Subtöne, zusätzliche Grooves und Gitarrenlicks und vor allem Phil Collins fabelhafte Trommelkünste richtig heraus. Vor allem David Hentschels dünne Produktion von "ATTWT" und "Duke" profitiert merklich davon.

CD3 schließlich konzentriert sich auf die progressiven Jahre mit Peter Gabriel von 1970 bis 1974. Nach drei Songs vom Klassiker "The Lamb Lies Down On Broadway" (1974), darunter auch die merkwürdige Singleauskopplung "Counting Out Time", folgen drei Tracks vom "Selling England By The Pound" (1973), und ab hier entfaltet Nick Davies Mixkunst seine volle Wirkung. Tony Banks Flügelintro zu "Firth Of Fifth" klingt lauter und fast so plastisch wie in einem Konzertsaal, und die instrumentalen Duelle aus Keyboards und Gitarren klangen niemals so vielschichtig und neu wie hier, ebenso wie auf den folgenden "Cinema Show" und "I Know What I Like", Genesis erster (versehentlicher) Chartssingle. Man meint sogar, das eine oder andere Instrument zusätzlich rauszuhören, und vor allem die
drei 12-seitigen Gitarren von Banks, Hackett und Rutherford sind differenzierbarer. Das 23-minütige "Supper's Ready" vom 1972er Klassiker "Foxtrot" steht für sich, wurde aber unerklärlicherweise nicht neu abgemischt - ein sträfliches Versäumnis! Warum bloß? Dagegen kommen die abschließenden beiden Tracks "The Musical Box" (vom 1971er Album "Nursery Cryme") und "The Knife" (vom 1970er Werk "Trespass", noch mit Gitarrist Anthony Philipps und Collins Vorgänger John Mayhew an den Drums) wieder richtig gut rüber und wirken fast wie neu aufgenommen, vor allem der Rocker "The Knife". Das jugendliche Debütalbum "From Genesis To Revelation" (1969) mit seinem unausgegorenen Psych-Folk-Pop wurde mal wieder vollends ignoriert. Und auch wenn man auch hier einige Klassiker wie "The Fountain Of Salmacis", "Watchers Of The Skies" oder "In The Cage" vermisst, so ist das durch die lange Laufzeit der Songs mit alleine fünf Titeln zwischen neun und 23 Minuten durchaus entschuldbar.

Fazit: Auch wenn man einige Genesis-Klassiker durchaus vermisst, so geht die "Platinum Collection" einen sicheren Mittelweg zwischen Brillianz und Banalem, Kunst und Kommerz, der zumindest fast alle wichtigen Songs aus knapp 30 Jahren zusammenfasst. Vielleicht hätte man ein 4-CD-Set daraus machen sollen, dann
hätte man durchaus eine vollständigere Best-Of-Compilation produzieren können. Aber man muss nicht meckern, denn diese CD-Box ist auf jeden Fall die perfekte Retrospektive und ein guter Einstieg für Genesis-Neuhörer oder die jüngere Generation. Und der Star dieses Werks heißt diesmal nicht Phil Collins oder
Peter Gabriel, sondern eindeutig Nick Davies, der den alten Aufnahmen einen wirklich neuen Glanz verleiht und zu einigen neuen Entdeckungsreisen einlädt. Gute Arbeit, Mr. Davies, machen Sie ruhig weiter so mit den alten Genesiswerken. Die Fans warten nur darauf!



Lautloses Duell: Roman
Lautloses Duell: Roman
von Jeffery Deaver
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Duell der Psychohacker, 1. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Lautloses Duell: Roman (Taschenbuch)
Internet- und Hackerromane haben seit den Neunziger Jahren Hochkonjunktur - Internet Kill, E.R.O.S., Die Brandmauer, Das Netz etc. widmen sich Duellen zwischen guten und bösen Hackern, elektronischen Verschwörungen und dem Eindringen in die letzte Instanz der Privatsphäre. Jeffrey Deaver, seit einigen Jahren steter Garant für amerikanische Action-, Polizei- und Psychothriller der ersten Güteklasse mit verschiedenen Ermittlern, legt mit "Lautloses Duell" einen der besten Romane dieser Gattung vor. Ein durchgedrehter Superhacker dringt in das Privatleben schwer zugänglicher und geschützter Menschen ein, spioniert sie vollkommen aus, eignet sich ihre Lebensweise an und tötet sie schließlich, wenn er ihren wunden Punkt gefunden hat. Ein Spezialteam aus verschiedenen Spezialermittlern, Computerfachleuten und einem inhaftierten jungen Hacker Wayne Gilette heftet sich nun auf die wenigen digitalen Spuren des Psychopathen, um diesen ausfindig zu machen, bevor er ein neues Opfer findet. Natürlich fordert dies diverse Auseinandersetzungen und Irrwege, bis das Team schließlich merkt, dass der Täter längst die Jagd auf sie eröffnet hat.
Auch wenn Jeffrey Deaver auf zahlreiche bekannte Muster des Thrillergenre zurückgreift, funktioniert "Lautloses Duell" perfekt - die Spannung steigt, viele interessante Charaktere bereichern die Handlung, die Motive des Täters werden langsam deutlicher, und zahlreiche unerwartete Wendungen gerade am Schluss lassen den Lesefluss eher beschleunigen als erlahmen. Auch die üblichen Nebenhandlungen wie das Privatleben der Protagonisten und ein angedeuteter Flirt zwischen Gilette und einer Computerspezialistin bereichern die Haupthandlung eher, als dass sie ablenken. Und dass, obwohl ein Großteil der Handlung in einem Computerraum spielt bzw. natürlich in den unendlichen Datenströmen des Internets. Jeffrey Deaver versteht es auch diesmal wieder, den Leser über mehrere hundert Seiten konsequent bei der Stange zu halten. Und wer sich nicht mit dem Internet und der Hackerszene auskennt, dem liefert der Autor am Ende des Buches noch ein relativ umfangreiches Grundglossar der wichtigsten Grundbegriffe. Was will man mehr? Wer noch ein Urlaubsbuch sucht - zugreifen!

Der Rächer: Roman
Der Rächer: Roman
von Frederick Forsyth
  Gebundene Ausgabe

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Forsythe zurück in Höchstform!, 19. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Rächer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Lange hat der englische Bestseller- Spionage-Autor uns glauben lassen, in einem Schaffenstief zu stecken. Das eher unglückliche "Phantom von Manhattan" und eine jahrelange Abwesenheit ließen uns in den Glauben, das der Verfasser solcher Meisterwerke wie "Der Schakal", "Die Akte Odessa" und "Der Veteran" keine Inspiration mehr hat. Zu Unrecht!

Sein neues Werk "Der Rächer" zeigt Forsythe zurück in Höchstform und auf der Höhe der Zeit, denn auch nach dem Fall der Eisernen Mauer gehen dem Spionagegenre nicht die Ideen aus. Der Rächer ist der Anwalt Cal Dexter, einstmal hochdekorierter Vietnamveteran und Spezialist für unterirdische Tunnelkämpfe. Nachdem seine Tochter einem Sadistenring in die Hände gefallen und ermordet worden ist, schmuggelt sich Dexter mit List und Tücke in Panama ein, um die dorthin geflüchteten Verbrecher in Lynchjustiz hinzurichten. Hinterher überkommen ihn jedoch die Skrupel, dass er die Täter der Justiz hätte ausliefern müssen. Fortan arbeitet er undercovr als der Rächer, um der Politik und Justiz entgangene Bösewichter größeren Formats auf unkonventionelle Weise dingfest zu machen. So auch einen serbischen Kriegsverbrecher, der 1995 einen amerikanischen Jugendlichen im Ex-Jugoslawien getötet hat und inzwischen im südamerikanischen Bananenstaat St. Martin, der früheren Spanisch-Guayana, untergetaucht ist. Jetzt ist es an Dexter, im Auftrag des Vaters des Opfers den in einer schier unüberwindbaren Festung hausenden Mörder in einem totalitären Militärstaat aufzuspüren und zurückzuführen.

"Der Rächer" bedarf einiger Worte, um die Vorgeschichte zu erzählen, und die nimmt sich Forsythe diesmal ausgiebgig. Über die erste Hälfte des Buches informiert er uns grundliegend über en Vietnamkrieg, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, die Vorgeschichten aller Beteiligten, den Zweiten Weltkrieg, St.
Martin, FBI-Verschwörungen und tragische Schicksale und vermengt dabei höchst spannend und informativ Realität und Fiktion. Wer allerdings kein Interesse an Politik und Geschichte hat, könnte sich bei Forsythe ausschweifenden Ausführungen eventuell langweilen. Nach dem lehrreichen Abitur-Crash-Kurs des stets umfangreich recherchierenden Autoren dreht er allerdings seine Handlung voll auf - Dexter nimmt die Spur des Verbrechers auf und geht daran, ihn in einer Mission-Impossible- oder James-Bond-ähnlichen Aktion dingfest zu machen, seine Verfolger auf den unterschiedlichsten Seiten dicht im Nacken. Das beschreibt Forsythe rasant, ultraspannend und mit vielen unerwarteten Wendungen, die den Leser das Buch kaum aus der Hand legen lassen.

Der Plot selber ist zwar in seiner Grundstruktur nicht ganz neu, und neben Forsythe eigenen Werken wie "Der Schakal", "Die Akte Odessa" und vor allem dem ähnlichen "Veteranen" haben auch andere Politthriller-Autoren wie Tom Clancy (Gnadenlos), Robert Ludlum (Der Prometheus-Faktor) und Colin Forbes mit seinen Tweed-Romanen diesen Stoff in den letzten Jahren sehr ähnlich verarbeitet. Das macht aber nichts, denn "Der Rächer" setzt einige neue Akzente, ist hochspannend, schön zu lesen und das perfekte Urlaubsbuch, auch wenn man es schon in wenigen Tagen ausgelesen hat. Und auch das der Verlag im Winterschlaf eine kleine Pointe schon im Klappentext der Hardcover-Ausgabe vorweg nimmt, ist noch zu verschmerzen!



On Her Majesty's Secret Service (Remastered)
On Her Majesty's Secret Service (Remastered)
Preis: EUR 8,99

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brilliantes musikalisches Meisterwerk!, 26. Februar 2004
"On Her Majesty's Secret Service" (Im Geheimdienst Ihrer Majestät) von 1969 ist John Barrys fünfter James-Bond-Soundtrack zum sechsten Teil der 007-Reihe und unbestritten einer der musikalischen Meilensteine alle James-Bond-Filme. Nach den submarinen, psychedelischen Exkursionen von "Thunderball" (1965) und dem exotischen Crossover aus japanischer Folklore und sphärischen Space-Age-Moods in "You Only Live Twice" (1967) stehen hier alpine Musikmotive und tieftraurige, romantische Melodien bei der tragischen Agenten-Liebesgeschichte in den Schweizer Alpen im Vordergrund.

Das Intermezzo von Einmal-Bond George Lazenby untermal Barry mit dem furiosen "This Never Happened To The Other Feller", das dem smarten australischen Model wie ein Maßanzug auf den Leib geschneidert ist - eine fünfminütige Extravaganza aus furiosem Big-Beat-Drive, Tragödie, Sinnlichkeit, Action, Sehnsucht und katzengleich dahinschleichenden Trompetenmelodien. Einfach wundervoll! Mit genausoviel fetten Grooves kommt das instrumentale Titelthema "On Her Majesty's Secret Service" daher, das auch für die grandiosen Verfolgungsjagden durch die Bergabhänge ("Ski Chase") und die zahlreichen beeindruckenden Actionszenen des Films eingesetzt wird. Fette Bläsersätze, Funk-Beats, Moog-Synthesizer-Loops und eine unwiderstehliche Melodie, die nicht zuletzt die Propellerheads 1997 zusammen mit dem offiziellen John-Barry-Nachfolger David Arnold würdevoll neu eingespielt haben.

Der todtraurige Filmsong, der hier nicht als Titelmelodie herhält, ist Louis Armstrong ergreifendes "We Have All The Time In The World", der das bittere und ungewöhnliche Ende des Films nicht besser hätte untermalen können. Und auch die weiteren Stücke des Soundtracks, vor allem das grandiose "Journey To
Blodfeld's Hideaway", dass die überwältigende Panoramasicht von einem Berggipfel aus förmlich spüren lässt, und die selbst bei scheinbaren Easy-Listening-Momenten wie "Try" und "Over an Out" fühlbare Bedrohung sind Höhepunkte dieser Filmmusik, die keinen einzigen Tiefpunkt aufweist. Selbst das kitschige Weihnachtslied "Do You Know How Christmas Trees Are Grown", gesungen von Nina, fügt sich perfekt in ds Gesamtbild ein (in der deutschen Filmfassung wird die eingedeutschte Version übrigens von Katja Epstein geträllert!). Bemerkenswert ist hier auch der Einsatz des damals eingeführten Moog-Synthesizers von John Barry. Während viele Artgenossen in der Rockmusik noch unsäglichen Lärm auf dem neuen Instrument fabrizierten, integriert Barry die synthetischen Klangwelten perfekt in die Melange aus Großorchester und Beat-Band, die der Musik noch einen zusätzlichen Drive verleiht.

Die Neuauflage des Soundtracks von 2003 wartet nicht nur als digital remasterte Version mit einem schönen Booklet mit tollen Szenenfotos und Kommentaren auf, sondern auch mit 10 Bonustracks aus dem Film, die es aus Platzgründen nicht mehr auf die originale Langspielplatte geschafft haben. Und diese Titel sind teils wahre Juwelen, so wie das verführerische "Who Will Pay My Yesterdays" oder "Bond Meets The Girls", die jedem Loungecore-Retro-Sampler veredeln würden. Alles in allem eine mehr als gelungene Neuauflage des besten alles James-Bond-Soundtracks, der die werktreuste Verfilmung eines 007-Romans perfekt zur Geltung bringt.

Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 16, 2012 12:02 AM MEST


Die heimliche Macht.
Die heimliche Macht.
von Olov Svedelid
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roland Hassel gegen die Russenmafia, 20. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Die heimliche Macht. (Taschenbuch)
Und wieder hat einer der weit über zwanzig Romane über den schwedischen Kriminalisten Roland Hassel der Autoren Olov Svedelid seinen Weg in die deutsche Übersetzung gefunden - "Die heimliche Macht" von 1993. Die Krimireihe, die in Schweden seit 1972 erscheint und dort äußerst populär ist und auch zu erfolgreichen Film- und TV-Adaptionen führte, erscheint hierzulande erst seit einigen Jahren mit dem Schwedenkrimi-Boom in leider chronologisch völlig verwirrender Reihenfolge. Zum Glück bauen die Romane nicht so weit aufeinander auf wie die Werke von Svedelids Landsmännern Henning Mankell, Hakan Nesser oder Sjöwall/Wahlöö, so dass man trotz der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Figuren schnell den Einstieg findet.

"Die heimliche Macht" behandelt die Ausbreitung der russischen Mafia und ihrer brutalen Gewalttaten in Schweden zu Beginn der 90er-Jahre nach dem Fall der Eisernen Mauer. Natürlich gerät Polizist Hassel bei seinen Ermittlungen wieder unweigerlich in die Schusslinie der Bösewichter, und nach einem Trip nach Moskau
setzen sie alles daran, ihn aus dem Weg zu räumen, was zu einer atemberaubenden Treibjagd führt. Im Gegensatz zu den häufig reinen (Psycho-)Mordplots der Romane von Mankell und Nesser setzt Svedelid seinen Ermittler mehr in den Bereichen Politik- und Wirtschaftskriminalität ein. Auch Roland Hassel hat seine Eheprobleme, trauert wie Wallander, Beck und Co. gerne mal dem "guten, alten Schweden" nach und hat einen Blues, doch durch seinen niemals weichenden rabenschwarzen Humor und die Erzählperspektive in der Ichform werden ernste und trockene Momente häufig mit einer Prise Humor und Individualität aufgelockert.

Der Spannung tut das allerdings keinen Abbruch, im Gegenteil, Svedelid schafft komplexe und unduchschaubare Handlungsstränge mit vielen Ereignissen und Wendungen, die den Leser immer auf Hochspannung halten. Nur zum Ende hin geht es in der "Heimlichen Macht" etwas sehr turbulent zu, und der Schluss endet zu abrupt - da scheint Svedlid wohl unter Zeitdruck gestanden zu haben. Wollen wir hoffen, dass der Verlag auch die restlichen Hassel-Romane bald ins Deutsche übersetzt, und dabei vielleicht auch etwas die chronologische Reihenfolge beachtet. Aber das scheint bei einigen Verlagen leider so selbstverständlich zu sein wie eine Faschingsparade in der Antarktis. Schade drum!



Der Vogelmann: Ein Jack-Caffery-Roman
Der Vogelmann: Ein Jack-Caffery-Roman
von Mo Hayder
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandioses englisches Krimidebüt!, 16. Februar 2004
Mo Hayders erster Roman über ihren Londoner Polizeiinspector Jack Caffery zählt zu den besten Krimidebüts im neuen Jahrtausend. Ein Serienkiller treibt sein Unwesen im frühlingshaften Moloch London und pflanzt seinen übel zugerichteten Prostituiertenopfern Vogelbabies in die toten Herzen. Starker Tobak für den sentimentalen Londoner Ermittler, der zeitweise an Ian Rankins mürrischen Krimihelden John Rebus erinnert.

Die Jagd nach dem Psychokiller in der englischen Großstadt gestaltet sich in vielerlei Dingen als sehr spannend - nicht nur der unvorhersehbare Plot mit einigen raffinierten Spannungsaufbauten und unerwarteten Wendungen hält den Leser bei Atem, sondern auch die düstere Vergangenheit des Cafferys. In den 70er-Jahren verschwand sein kleiner Bruder eines Tages beim Spielen in der Nachbarschaft, und der vermeintliche Nachbar, dem nie etwas nachgewiesen werden konnte, befindet sich seitdem im grausamen Psychokrieg mit dem Polizisten. Dazu verliebt er sich, wie es harten Ermittlern häufig so geht, in eine drogenabhängige Beteiligte an den Mordermittlungen, was seine Lage nicht gerade einfacher macht, und ein snobistischer Kollege macht ihm zudem mit Intrigen das Leben schwer.

Alles in allem ein sehr gelungenes Krimidebüt, das die Erwartungen sogar noch übertrifft und neben vielen spannenden Fallstudien der Beteiligten auch ein sehr schönes Stimmungsbild der rauen Südviertel Londons beinhaltet. Und wer einmal eine Zeitlang in der Gegend zwischen Lewisham, Brixton und Camberwell gewohnt hat, wird mit Verzücken einige schöne Details aus dieser faszinerenden Ecke Londons entdecken. Und der Appetit auf weitere Romane der Autorin sei hier als selbstverständlich gegeben.



Drumtronic
Drumtronic
Preis: EUR 11,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein polyphones Feuerwerk an Grooves!, 6. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Drumtronic (Audio CD)
Hamburger Musik- und Varieté-Liebhabern sind Elbtonal Percussion, zuvor auch als Elbtonal Schlagwerk bekannt, längst ein Begriff. Die vier klassisch ausgebildeten Schlagzeuger und Perkussionisten zelebrieren seit Jahren mit einem Gros an Rhythmusinstrumenten eine groovende, melodische, polyphone und vor allem live höchst unterhaltsame Melange aus klassischer bzw. "neuer" Musik, Jazz, World Beats, Minimalism, Pop, Experimentellem, Pop und elektronischen Beats.

Nach zwei CDs mit zumeist mehr klassisch orientierten, längeren Instrumental-Tracks haben sie mit ihrem dritten Release Drumtronic einen Quantensprung nach vorne gemacht. Die überwiegenden Eigenkompositionen pendeln unheimlich lässig zwischen Perkussionsarbeit und fetten Elektronikbeats hin und her, und die vier Hanseaten beweisen sich auch im Umgang mit Techno-, Rap- und Drum'n'Bass-Rhythmen als sehr phantasievoll. Die Beats und Samples grooven unaufhaltsam berauschend voran, und die vier Rhythmiker brillieren durch ausgefeilte Arrangements, Fusionen von Silmittel und solitischem Können, das niemals langweilig wird oder dem Selbstzweck dient. Einer der Höhepunkte ist sicherlich der Killer-Groove-Track "Jazzit", nicht nur von der Namensgebung her eine der coolsten Reminszenzen an Herbie Hancocks Rap-Klassiker "Rockit" von 1983.

Überhaupt setzen die Musiker der "ernsten" Musik viel Witz und Spielfreude entgegen, und so erscheinen selbst das avantgardistische Minimalstück ... und die wundervolle Bearbeitung von Debussys "Claire de Lune" als kompatibel für jeden weltoffenen Chill-Out-Sampler. Fazit: Wer sich unter klassischer Perkussionsmusik wirklich noch noch biedere, langweilige Frackträger mit Zimbeln und Triangeln vorstellt, dem sei "Drumtronic" wärmstens als Gegenargument empfohlen. Zweifellos einer der besten musikalischen Grenzgänge des Jahrs 2003 und ein Sieg der Kreativität und des Könnens im Zeitalter von Bohlen, Superhirnis und Co.!



You Only Live Twice (Remastered)
You Only Live Twice (Remastered)
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandiose Sixties-Space-Spy-Opera!, 31. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: You Only Live Twice (Remastered) (Audio CD)
"You Only Live Twice" (1967) ist der fünfte James-Bond-Film und der Ausstieg Sean Connerys aus der Erfolgsserie um den populären Geheimagenten, auch wenn er später noch zweimal zurückkehren sollte. Der Soundtrack zu dem in Japan und im Weltal spielenden Sixties-Agenten-Abenteuer komponierte wiederum John Barry und entwickelte seinen "Spy Sound" abei deutlich weiter. Dabei reift er die psychedelischen, nautischen Klanglandschaften aus seinem Vorgängerwerk "Thunderball" (1965) auf, allerdings in deutlich verfeinerter Form. Statt Unterwasser-Action spielt ein Teil der Handlung im All, und mit teils ambientartigen, sphärischen Klängen untermalt Barry gekonnt die Stimmungen dazu - sein "Capsule in Space" ist längst ein viel gesampelter Klassiker geworden.

Die pompösen Bläsersätze aus "Thunderball" und "Goldfinger" und die Rock-Beats seines "James Bond Themes" hat er dafür noch mehr zurückgefahren. Dafür lässt barry sich Zeit, seine spannenden, psychdelischen Melodiebögen und "Rare Grooves" in voller Pracht zu entfalten. In einigen Stücken greift er dazu traditionelle japanische Volksmusik auf und verarbeitet sie gekonnt für romantische Themen ("The Death of Aki") - 1967 ein absolutes Novum in der populären Musik! Auch der Titelsong greift die japanischen Motive aus - das unwiderstehliche "You Only Live Twice", gesungen von Nancy Sinatra, die kurz zuvor mit "This Boots Are Made For Walking" ihren internationalen Durchbruch feiern konnte.

Das 2003er CD-Reissue kommt wie die anderen Soundtracks dieser Reihe mit einem schönen, erweiterten Booklet und deutlich verbessertem Sound daher. Zudem gibt es wieder eine halbe Stunde Bonustracks aus dem Film, die zuvor nicht auf Vinyl oder CD erschienen sind und schöne Variationen des Grundmaterials und einige neue Motive bieten. Alles in allem eine mehr als würdige Neuauflage eines DER Soundtrack-Klassikers der 60er-Jahre!



Thunderball (Remastered)
Thunderball (Remastered)
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen James Bond goes underwater!, 26. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Thunderball (Remastered) (Audio CD)
John Barrys Score für das vierte James-Bond-Abenteuer "Thunderball" (1965) setzt die Grundformel seines vorjährigen "Goldfinger"-Soundtracks fort. Glamouröse, kantige, bombastische und stilvolle Spy Music in allen Formen und Farben der 60er-Jahre. Den gleichnamigen Titelsong schmettert diesmal Tom Jones in bewährter Shirley-Bassey-Manier, nachdem bereits besagte Bassey und Dionne Worwick das nicht verwendete "Mr. Kiss Kiss Bang Bang" intoniert hatten. "Thunderball" ist ein wahres Meisterwerk an subterraner Motivmusik - neben exotisch-karribischem Flair mit perkussivem Touch schwelgt Barry Musik in schwebenden, psychedelischen, surrealistischen Rauschzuständen, teils fast ambientartig, die die langen Unterwassersequenzen des Films perfekt illustrieren. Der Beat-Charakter der vorherigen Soundtrack ist dagegen stark zurückgetreten, und auch Vick Flicks "Bond-Gitarre" erklingt nur noch spärlich.

Die 2003er Edition enthält neben einer digital remasterten Fassung und einem umfangreichen Booklet auch eine halbe Stunde unveröffentlichtes Bonusmaterial, das zum Teil bereits als 20-minütige "Unterwater Suite" auf der Doppel-CD-Version des 1992er Jubiläums-Samplers "The Best of James Bond" erschienen ist. Die neuen Tracks bieten einige neue Offenbarungen und spinnen die Motive und Atmosphären der vorhandenen Stücke gekonnt weiter, auch wenn das instrumentale "Thunderball"-Thema etwas zu häufig geschmettert wird. Leider fehlen hier die beiden "Mr. Kiss Kiss Bang Bang"-Versionen von Worwick und Bassey, die ebenfalls auf dem 1992er-Sampler vorhanden waren. Ein kleiner Wermutstropfen auf dieser sonst vorbildlichen Neuauflage eines großartigen, klassischen Bond-Soundtracks - und dem neben Barry eigenem "The Deep" und Eric Serras "Im Rausch der Tiefe" wohl besten Unterwasserfilm- Soundtrack des 20. Jahrhunderts.



Goldfinger (Remastered)
Goldfinger (Remastered)
Preis: EUR 6,97

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Klassiker unter den Bond-Soundtracks!, 11. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Goldfinger (Remastered) (Audio CD)
Über "Goldfinger" (1964) braucht man eigentlich kaum Wort verlieren - zu stilprägend und populär ist dieser wohl bekannteste Agentenfilm der sechziger Jahre und heute immer noch der Meilenstein der James-Bond-Filmreihe. Zu seinem Stil und Ruhm hat John Barrys Soundtrack mit am meisten beigetragen. Den Titelsong "Goldfinger", gesungen von Shirley Bassey, kennt heute noch jedes Kind, und das wuchtige Arrangement, die stilvolle Instrumentierung und der kitschige, voller Inbrunst geschmetterte Text sind bis heute die Blaupause, an der jeder Bond-Titelsong gemessen wird.

Die instrumentale Begleitmusik lässt die Power des Titelsongs in keiner Sekunde vermissen. Barrys zweiter Bond-Soundtrack nach "Liebesgrüße aus Moskau" setzt an seinem Vorgänger an, verschärft aber die Dramatik, Wucht und Eleganz der vorigen musikalischen Untermalung. Während "Dr. No" jamaikanisches Calypso-Flair verbreitet und die "Liebesgrüße aus Moskau" orientalisch-folkloristische beinflusst waren, verzichtete Barry hier auf solche musikalische Spritztouren. Dagegen erschuf er für das 007-Abenteuer, das größtenteils in den USA spielt, einen Prototyp moderner Actionfilm-Musik, wie sie damals höchstens noch Lalo Schifrin (Mission Impossible, Bullitt) mit mehr Funk-Grooves mitentwickelt hat.

Gleich das zweite Stück, "Into Miami", swingt derart elegant dynamisch, dass man sich auch ohne den Film leicht einen Cocktail-Rausch mit chicen Stewardessen in der PanAm-Lounge vorstellen kann. Das druckvolle Goldfinger-Thema wird als Leitmotiv in den meisten Stücken vorangepeitscht, und die eindeutigen Höhepunkte sind die überdrehte instrumentale Big-Beat-Version von "Goldfinger" und das atemberaubende, sechsminütige "Dawn Raid On Fort Knox", dass den großen Coup von Gert Goldfinger Fröbe hochdramatisch untermalt. Die harten Beatrhythmen und Rockgitarren der John Barry Seven und die schweißtreibenden Bläsersätze stehen immer im Vorergrund, und das Orchester schafft es mühelos, mit der modernen Rhythmik mitzuhalten. Das in den beiden ersten Bondfilmen omnipräsente James-Bond-Thema tritt hier allerdings stark in den Hintergrund und taucht nur noch am Rande auf.

Fazit: Ein unverzichtbarer Soundtrack, der jetzt ebenfalls digital remastered in noch wuchtigerer Klangqualität vorliegt. Dazu gibt es ein ausführliches Begleit-Booklet und vier Bonustracks aus einem britischen LP-Release, die musikalisch zwar nicht viel Neues bieten, aber eine willkommene Ergänzung darstellen. Unbedingt empfehlenswert!



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