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Rezensionen verfasst von
Markus Solty (Horror & Co.)

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Lebendig: Roman
Lebendig: Roman
Preis: EUR 7,99

3.0 von 5 Sternen Lebendige Figuren sind Fehlanzeige, 18. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Lebendig: Roman (Kindle Edition)
LEBENDIG ist das erste Buch, das ich von Jack Ketchum gelesen habe. Nun habe ich schon von einigen Leuten, deren Urteil ich traue, gehört, dass es wohl eines seiner schwächeren Werke ist und man nicht von diesem auf seine anderen schließen soll. Also tue ich das nicht und werde dem Autor irgendwann noch eine Chance geben. Denn eines stimmt: der Roman ist eher schwach. Also ist es ja gut möglich, dass die andere Einschätzung auch stimmt und andere Sachen von Ketchum um Längen besser sind.

LEBENDIG erzählt die Geschichte von Sara, die mit ihrem verheirateten Geliebten auf dem Weg zu einer Abtreibungsklinik entführt wird. Ihre Entführer, ein Pärchen, das offensichtlich zu einer Gruppe radikaler Abtreibungsgegner gehört, machen Sara weiß, dass eine mächtige Geheimorganisation hinter ihnen steht. Aber ob dem so ist, weiß die in ein Kellerverließ eingesperrte Frau nicht. Vielleicht ist sie auch nur die Gefangene eines Sadisten, der Spaß daran hat, sie zu foltern und seiner Freundin, die sich ein Baby wünscht.

Eine durchaus interessante Ausgangssituation hat dieser kurze Roman schon. Doch leider macht Ketchum daraus zu wenig. Er beschreibt mal hier und da ein paar Folterungen, er beschreibt, wie Sara versucht, sich mit ihren Peinigern zu arrangieren, er beschreibt ihre Fluchtgedanken. Aber er beschreibt nur. Und er beschreibt kühl und distanziert. Dadurch bleibt auch eine große Distanz zu den Figuren. Und durch diese Distanz kann man auch keine wirkliche Empathie für das Opfer aufbauen und das ist in Romanen dieser Art nunmal das A und O.

Das Entführerpärchen bleibt auch blass. Sie misshandeln ihr Opfer und es wird auch kurz versucht eine Erklärung für ihr Tun zu entwerfen, aber das ist mehr oder weniger eine 08/15-Erklärung. So wirkt dieser kurze Roman schlicht wie der Versuch auf möglichst wenigen Seiten möglichst viele Folterszenen unterzubringen. Das an sich wäre nicht verwerflich, aber dass diese Folterszenen nur um ihrer selbst willen beschrieben werden und die Handlung nicht voranbringen sowie durch die Distanz zu den Figuren nicht „mitgelitten“ werden kann, macht die Geschichte schlicht und ergreifend zu einer reinen Folter-show für Voyeure, die Spaß an so etwas haben. Der Roman hat keine Seele und ist kein bisschen spannend.

Und da er so kurz ist, hat der Verlag noch zwei Kurzgeschichten mit dazu gepackt. „Tapferes Mädchen“ (ein Mädchen wählt den Polizeinotruf und die Folgen davon)und „Rückkehr“ (ein Verstorbener kommt als Geist zurück) reißen es aber auch nicht mehr raus. Die Enttäuschung, die der Roman hervorruft, wird von diesen eher überraschungsarmen und durchschnittlichen Kurzgeschichten nicht gemindert. Bleibt zu hoffen, dass es wirklich eines der schwächeren Werke von Ketchum ist. So gibt es gerade eben mit Hängen und Würgen noch drei Sternchen. Für zwei Sterne war es handwerklich zu gut.

Die Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


Das Sakrament
Das Sakrament
von Clive Barker
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Langeweile auf literarisch hohem Niveau, 16. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Sakrament (Taschenbuch)
Wenn man mich bitten würde, eine Liste meiner Lieblingsautoren zu machen, wäre Clive Barker mit Sicherheit dabei. Meine erste Begegnung mit Barkers Werk waren die BÜCHER DES BLUTES. Kurzgeschichten wie ich sie so vorher noch nie gelesen hatte. Eine prägende Begegnung, die teilweise bis heute nachhallt und neben den Romanen Stephen Kings mein weiteres Leseleben geprägt haben.. Aber auch seine Romane habe ich verschlungen. GYRE (ich habe mich immer gefragt, was dieser Titel bedeuten mag) oder GEWEBTE WELT (der weitaus passendere Titel) wie er in der Neuausgabe der Edition Phantasia heißt, zählt zu den wenigen Romanen, die ich mehrmals gelesen habe und ist einer meiner absoluten Lieblingsromane. Auch COLDHEART CANYON hat mich beeindruckt. Es gab aber eine Zeit Ende 1990er Jahre, da hab ich eher andere Sachen als davor oder jetzt gelesen. Und so ist DAS SAKRAMENT damals an mir vorbei gegangen. Als es mir dann neulich bei einem Flohmarkt in die Hände fiel, dachte ich mir, dass es an der Zeit ist, diese Barker-Lücke zu schließen.

DAS SAKRAMENT scheint ein sehr persönlicher Roman zu sein. Er ist 1996 im Original erschienen, in dem Jahr, in dem Barker seine Homosexualität öffentlich machte. Ich weiß nicht, wie viel Clive Barker im Protagonisten des Romans, Will Rabjohns steckt, aber auch Will Rabjohns ist schwul, er ist Anfang 40, wie Barker zum Zeitpunkt, als er den Roman schrieb und er ist ein Engländer, den es in die USA zog (wie Barker). Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Parallelen rein zufällig sind. Dieser Rabjohns ist Tierfotograf, seine Spezialität sind Aufnahmen von Tieren kurz vor deren Ableben. Er ist mit seinen Mitarbeitern an der Hudson Bay in Kanada, macht Aufnahmen von Eisbären und versucht mit einem Mann zu reden, der wie er mit einem Paar, Jacob Steep und Rosa McGee, Kontakt hatte. Aber Will wird in Kanada von einem Eisbär so stark verletzt, dass er ins Koma fällt. Während er ohne Bewusstsein im Krankenhausbett liegt, träumt er von seiner Kindheit in Yorkshire, wie es war, als er Steep und McGee begegnete. Die Begegnung mit diesem offensichtlich nicht-menschlichen Paar prägte sein weiteres Leben bis in die Gegenwart hinein. Als er aus dem Koma erwacht, geht er zunächst zurück nach San Francisco, wo er wohnt. Aber dort bleibt er nur kurze Zeit, denn es zieht in zurück in seine Heimat, wo er sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen muss.

Wie schon erwähnt, ich glaube, dass es ein persönliches Buch ist. Und ich finde es in den Momenten, wo es am realistischsten ist, am stärksten. Die Szenen, die in der Homosexuellenszene San Francisco spielen, wo langsam viele Männer wegsterben – im Buch fällt nie der Name AIDS, es ist immer nur von der Pest die Rede - sind die, die am meisten nachhallen, eben weil es eine sehr emotionale Bestandsaufnahme ist. Es ist aber auch ein Buch über die Kindheit – besonders darüber wie Geschehnisse in der Kindheit das weitere Leben eines Menschen prägen. Will Rabjohns wäre nicht der Tierfotograf geworden, der er ist, wenn er nicht Jacob Steep getroffen hätte, der ihm die Faszination vor der Vergänglichkeit einpflanzte. „Lebend und sterbend nähren wir die Flamme.“

Und nun ist da dieses persönliche Thema, gepaart mit großen Fragen nach Sinn und Unsinn der Schöpfung und auch anderen metaphysischen Themen. Das alles trifft auf Barkers Sprache, die wie bei nur wenigen andere Autoren phantastischer Literatur in stilistische Sphären eindringt, die sonst eher selten in der „Unterhaltungsliteratur“ zu finden sind (will sagen: wenn er nicht diesen unsäglichen Horror- und Fantasy-Quatsch schreiben würde, wäre er wahrscheinlich schon in den frühen 90er Jahren ein Liebling der „seriösen“ Literaturkritik gewesen). Da muss doch eigentlich etwas ganz Großes entstanden sein. Und teilweise stimmt das auch. Es gibt einzelne Passagen in diesem Buch, die sind so gut, wie man es nicht oft findet. Gerade die Traumszenen und die oben schon erwähnten Szenen in San Francisco. Aber dann gibt es Passagen die ziehen sich zu zäh dahin, wie ein langgezogenes Kaugummi. Und diese Passagen überwiegen leider. Barker verliert sich anscheinend selbst in der Schönheit seiner Sprache und lässt dabei das Fortkommen der Handlung außer Acht.

Natürlich schreitet die Handlung trotzdem voran. Aber die Richtung, die sie nimmt, als Will Rabjohns wieder zurück in Großbritannien ist, ist keine, die mir gefällt. Die philosophischen Fragen, die gestellt werden und insbesondere die Antworten, die darauf gegeben werden, wirken etwas aufgesetzt. Ab der Hälfte des Romans, fing ich an mich zu langweilen. Und das mag ich nicht. Ich mag es gerne anspruchsvoll, aber langweilen kann ich mich auch mit genügend anderen Sachen als mit Büchern.

Vielleicht wäre ich zu einem anderen Schluss gekommen, wenn ich das Buch zu einem anderen Zeitpunkt gelesen hätte. Wer weiß das schon? Fakt ist, ich habe es jetzt gelesen und mich gelangweilt. Trotz der oben erwähnten sehr guten Passagen, ist der Roman bei mir also eher durchgefallen. Zwar auf hohem Niveau – Barker ist und bleibt für mich der große Literat unter den Schriftstellern der von mir bevorzugten Genres (auch wenn ich persönlich diese Einschätzung Genreliteratur = Trivialliteratur für grundlegend falsch halte, und ich die Hoffnung hege, dass diese Einsicht langsam auch in den Feuilltons ankommt) – aber trotzdem durchgefallen.

Die Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


Future: Roman
Future: Roman
Preis: EUR 13,99

5.0 von 5 Sternen Ein Plädoyer für die Menschlichkeit, 15. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Future: Roman (Kindle Edition)
Dass der Roman FUTU.RE eine komplexe Geschichte erzählt, kann man sich schon denken, wenn man ihn nur von außen betrachtet. Und in diesem Wälzer von über 900 Seiten wird dann auch eine globale Zukunftsvision dargelegt. Die Welt hat sich verändert. Es ist den Menschen gelungen den Alterungsprozess und den Tod zu stoppen. Das kleinstaatliche Europa gibt es nicht mehr. Europa ist nunmehr eine einzige Metropole.

Wenn Menschen nicht mehr sterben, gibt es irgendwann zu viele. Es ist nunmal kein unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten möglich. Um dem entgegen zu wirken, wurde von Regierungsseite aus, die Fortpflanzung reglementiert. Wenn man sich entschließt, Kinder in die Welt zu setzen, entschließt man sich gleichzeitig nach einer gewissen Zeit zu sterben. Natürlich gibt es auch Leute, die sich diesen Gesetzen widersetzen wollen. Aber dafür gibt es einen funktionierenden Polizeiapparat mit diversen Einsatzkräften. Jan Nachtigall, der Protagonist des Romans ist Mitglied einer solchen Einsatztruppe, die Jagd auf illegale Eltern macht.

Er bekommt von einem ranghohen Politiker persönlich den Auftrag einen Terroristen und dessen schwangere Freundin zu eliminieren. Doch bei diesem Auftrag läuft etwas schief – der Terrorist kann entkommen und die Frau zunächst auch. Doch Jan spürt sie wieder auf, bringt es aber nicht fertig sie zu töten und ist nun seinerseits auf der Flucht. In Rückblenden wird Jan Nachtigalls Kindheit und Jugend geschildert. Er ist selber ein illegales Kind und wächst in einem Heim auf, in denen die elternlosen Kinder zu unsterblichen Spezialkräften ausgebildet werden.

Das ist die eine Ebene des Romans. Die persönliche Geschichte Jan Nachtigalls, der zunächst ein treuer Verfechter des Systems ist, dann aber mehr und mehr Zweifel bekommt. Seine Geschichte und seine privaten Konflikte sind aber exemplarisch für die Geschichte und die großen gesellschaftlichen Konflikte in dieser zukünftigen Welt. Glukhovsky hat auf diesen 900 Seiten eine Welt erschaffen, in die man gerne eintaucht. Aber nicht weil sie so schön ist, sondern weil so so schrecklich ist. Und sie ist so schrecklich, weil sie, obwohl natürlich utopisch, realistisch sein könnte. Man erkennt die heutigen Machtspiele wieder.

Ich könnte jetzt noch die Vielschichtigkeit des Romans loben, oder die wohldosierten Gewalteinschübe, die im Umfeld manch philosophischer Betrachtungen erschreckender sind als in in reinen Action-Epen. Ich könnte kritisieren, dass manche Figuren zu blass bleiben, dass man zu wenig oder zu plötzlich etwas über sie erfährt. Aber ich will mich kurz fassen.

Dieser Roman ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Er vermittelt die Botschaft, dass nicht alles was von den Regierungen dieser Welt bestimmt wird, einfach so hingenommen werden muss. Er ist ein Plädoyer für Selbstbestimmung und persönliche Freiheit. Und dass so ein Roman von einem russischen Autor kommt, sagt einiges aus. Man merkt wahrscheinlich erst richtig, wie wichtig diese Werte sind, wenn sie fehlen.

Dmitry Glukhovsky ist mit diesem Werk ein Science-Fiction-Roman gelungen, der sowohl als reine Unterhaltung funktioniert, aber auch lange nachhallt und interessante Denkansätze liefert.

Die Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


7 Wege, ein Zombie zu werden: Endzeit-Thriller
7 Wege, ein Zombie zu werden: Endzeit-Thriller
Preis: EUR 3,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Big Lebowski" trifft "The Night of the Living Dead" trifft "Die Zeitmaschine", 14. August 2014
Deltus.de heißt das neue Imprint des Festa Verlags. Unter diesem Label erscheinen die Titel, die nicht zum Festa-Kerngeschäft – Horror – passen, aber den Verlegern dennoch eine Veröffentlichung auf dem deutschen Markt wert sind. Zunächst gibt es zwei Reihen: Zum einen Science Fiction/Fantasy, zum anderen Endzeit. Nun mag man sich darüber streiten, ob Endzeitromane, gerade wenn Zombies eine gewichtige Rolle spielen, nicht doch dem Genre Horror zugeordnet werden können. Aber das ist müßig und spielt keine Rolle. Ich halte es jedenfalls für eine kluge Entscheidung die Marke Festa weiterhin nur für Horror stehen zu lassen und für andere Spielarten der Phatastischen Literatur ein anderes Label zu nutzen. So weiß man, was man hat.

Die ersten beiden Titel von Deltus.de sind Endzeitromane. Einer davon ist 7 WEGE, EIN ZOMBIE ZU WERDEN. Der Originaltitel The Seven Habits of Highly Infective People ist eine Anspielung auf einen in den USA sehr erfolgreichen Sachbuchlongseller The Seven Habits of Highly Effective People , ein Managementratgeber, der sich weltweit mehr als 15 Millionen Mal verkauft hat. Da der deutsche Titel von Stephen Coveys Buch DIE 7 WEGE ZUR EFFEKTIVITÄT ist, war es nahe liegend den deutschen Titel von William Todd Roses Buch an diesen anzulehnen.

Aber der Roman hat wenig gemein mit dem Sachbuch. Und wenn man ehrlich ist, zeigt das Buch auch nicht 7 WEGE, EIN ZOMBIE ZU WERDEN, sondern der Protagonist Bosley Coughlin erläutert während des Buches die sieben Zeichen, die ein Mensch zeigt, bevor man sicher sein kann, dass er zu einem Zombie mutiert.

Die Handlung des Romans ist zweigeteilt und spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen. In beiden Zeitebenen spielt Bosley Coughlin eine Rolle. Ihm sind nämlich Zeitreisen möglich. Man muss dazu sagen, dass Coughlin ein kleines Drogenproblem hat. Und das merkt man besonders in den Phasen, in denen er als Ich-Erzähler auftritt und im Gespräch (mit zwei Ermittlern?) vergangene Ereignisse widergibt. Er erläutert seinen Gesprächspartnern, wie er versucht hat, die drohende Zombieapokalypse zu verhindern. Und die Sprache die dazu benutzt wird, ist eine typische Kiffersprache, wie man sie aus zahlreichen Filmen kennt. Rose schafft es, diese Sprache authentisch aufs Papier zu bringen. Und das ist die große Stärke des Romans. Wie die Anspielung beim Titel schon erkennen lässt, nimmt der Autor sein Thema – die Zombieapokalypse – nicht immer bierernst und einige Aussagen von Coughlin haben mich mehr als einmal zum Lachen gebracht.

Die andere Zeitebene spielt in der Zukunft und ist in der normalen Erzählperspektive, der dritten Person, geschrieben. Aber auch hier ist Coughlin mehr oder weniger der Erzähler, aber es wird nicht in der ihm typischen Weise erzählt, sondern ganz normal. Die Zombies – hier werden sie Fauler genannt - haben die Menschen stark dezimiert. Es gibt nur wenige Überlebende. Dazu zählt Ocean, ein junges Mädchen, dass Vater und Mutter verliert und sich einer Gruppe von vier Personen anschließt, die in der Kanalisation einigermaßen sicher vor den Faulern versteckt lebt. Aber ist sie dort wirklich sicher. Coughlin glaubt nicht und versucht mit Hilfe die ihm möglichen Zeitreisen, durch Taten in der Vergangenheit Oceans Schicksal zu verändern.

Wer von diesem Roman eine Zombie-Splatter-Orgie erwartet, wird enttäuscht werden. Es spritzen zwar auch ein paar Gedärme und ein bisschen Hirn durch die Gegend, aber das ist eher nebensächlich. Die Hauptattraktion ist Bosley Coughlin und seine Sprache. Wie er mit seiner drogenvernebelten Logik darlegt, dass er keine andere Möglichkeit gehabt hat, als so zu handeln, wie er es getan hat, macht den Reiz des Romans aus. Die gradlinig erzählte Geschichte Oceans ist zwar durchaus spannend, aber nichts Besonderes. Sie alleine hätte allenfalls einen durchschnittlichen Zombieroman, wie man ihn mittlerweile häufig lesen kann, hervorgebracht. Aber Coughlins Perspektive hebt den Roman aus dem Zombieeinheitsbrei heraus und macht daraus einen lesenswerten und unterhaltsamen Endzeitroman, der nicht immer ernst genommen werden will, aber trotzdem auch nicht mit den üblichen Zutaten eines Zombieromans geizt. Und über allem bleibt immer die Frage: Hat es sich tatsächlich so zugetragen wie Bosley Coughlin es erzählt oder hat er sich schlich und ergreifend den Verstand weggeballert.

Ein gelungener zweiter Band der Endzeit-Reihe von Deltus.de. Wenn das Niveau gehalten wird, könnte dieses Imprint eine Bereicherung der (übersetzten) Phantastischen Literatur in Deutschland werden.

Die Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


Der letzte Tag: Roman
Der letzte Tag: Roman
Preis: EUR 11,99

4.0 von 5 Sternen Trotz gewisser Längen noch gut, 13. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Tag: Roman (Kindle Edition)
DER LETZTE TAG ist bereits Adam Nevills dritter Roman, dessen Übersetzung bei Heyne erschienen ist. IM TIEFEN WALD war eine klassische Horrorkonstellation, ein paar Freunde wandern durch den Wald und werden von etwas Bösem gejagt (aber anschließend gibt es noch eine überraschende neue Konstellation) und APARTMENT 16 (eigentlich der Vorgänger von IM TIEFEN WALD, die Übersetzung erschien aber später) war eine Haunted-House-Geschichte. APARTMENT 16 und das hier besprochene DER LETZTE TAG haben es in den letzen beiden Jahren geschafft für den Vincent Preis in der Kategorie Bestes internationales Literaturwerk nominiert zu werden.

In einigen Kritiken zu seinen ersten beiden Büchern wurde dem britischen Autor eine gewisse Langatmigkeit und seine zu detailreichen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten vorgeworfen. Die sind mir auch aufgefallen, fielen aber bei den spannenden Plots bei mir nicht so sehr ins Gewicht. DER LETZTE TAG ist auch spannend und langatmig zugleich. Doch hier macht sich trotz aller Spannung irgendwann eine gewisse Langeweile breit.

Der Independent-Dokumentarfilmer Kyle Freeman bekommt den Auftrag einen Film über den Tempel der Letzten Tage zu drehen. Die Sekte gelangte in den 1970er Jahren traurige Berühmtheit als deren Mitglieder sich gegenseitig umbrachten. Kyles Auftraggeber Max Solomon war in den Anfangstagen selbst ein Mitglied des Tempels und verlangt von ihm, den Weg der Sekte von London über Frankreich bis in die Wüste Arizonas filmisch zu dokumentieren und verschafft ihm Drehtermine mit einigen Überlebenden. Doch je mehr Kyle zusammen mit seinem Freund und Kameramann Dan über die Sekte erfahren, desto mehr geraten sie in einen Strudel unheimlicher Ereignisse. Es scheint so, dass das Charisma der verstorbenen Tempelgründerin, Schwester Catherine, immer noch wirkt, und die beiden Filmemacher ins Verderben stürzt.

Aus dieser Idee, hätte man einiges herausholen können und im Prinzip tut Nevill das auch. Aber irgendwann ab der Hälfte des Buches verliert die Geschichte an Spannung. Die Handlung wird immer verworrener und man hat das Gefühl, dass der Autor selbst gar nicht mehr weiß, wie er alle losen Enden zusammenknüpfen soll. Zum Ende findet er den Faden zwar wieder, aber da ist man schon von den vorhergehenden Ereignissen und dessen Beschreibungen ermüdet. Trotzdem ist dieser Horrorroman verdient für den Vincent Preis nominiert gewesen, denn er hebt sich ab von dem actionlastigen Zombiebüchern und Gewaltthrillern, die sonst in den Verlagen erscheinen. Gerade das ruhige, ja langsame Erzählen kommt im Moment ein wenig zu kurz. Dass es Nevill bei DER LETZTE TAG etwas übertrieben hat – geschenkt. Vielleicht bin ich einfach mit zu hohen Erwartungen an das Buch heran gegangen, weil die Vorgänger zu den interessanteren Geschichten, der letzten Jahre gehört haben. Da fällt DER LETZTE TAG etwas ab, obwohl er immer noch gut ist. Adam Nevill ist für mich eine der Neuentdeckungen des bisherigen Jahrzehnts im internationalen Horror. Hoffentlich finden auch seine weiteren Werke (u.a. auch sein Erstling von 2006) noch ihren Weg über den Kanal.

Was ich auch noch erwähnenswert finde, ist, dass Nevill in diesem Buch Bezug auf seine früheren Werke nimmt. So sind die bislang größten Erfolge des Filmemachers Kyle Freeman, Dokumentarfilme über das Geschehen vorangegangener Romane Nevills. Ein Grund mehr zu hoffen, dass auch Nevills neuester Roman HOUSE OF SMALL SHADOWS ins Deutsche übertragen wird. Denn mich interessiert, ob er weiter mit solchen Querverweisen arbeitet. Ich mag so etwas nämlich.

Diese Rezension findet man auf dem Blog Horror & Co.


Muschelknacker - Extrem
Muschelknacker - Extrem
Preis: EUR 4,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für die einen der Untergang des Abendlands, für mich ein großer Spaß, 9. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Muschelknacker - Extrem (Kindle Edition)
Ich habe hier schon zwei Titel von Edward Lee besprochen. Aber das waren, wenn man den allgemeinen Behauptungen zdazu Glauben schenkt, zwei der eher „harmloseren“ Romane des Autors, der besonders für seine härtere Gangart berühmt - oder sollte ich lieber berüchtigt sagen – ist. Und da mir beide Romane, INNSWICH HORROR und HAUS DER BÖSEN LUST, sehr gut gefallen haben, war es also endlich mal an der Zeit eines der heftigeren Werke Lees zur Brust zu nehmen. MUSCHELKNACKER ist sogar eine doppelte Premiere für mich. Es ist auch der erste Band der Reihe Festa Extrem, den ich gelesen habe. Jene Reihe von angeblich extremen Romanen, die für den Buchhandel zu hart sind und nur über den Verlag erhältlich sind. Jedenfalls in gedruckter Fassung, die E-Books kriegt man auch über die gängigen Verkaufskanäle.

Der Roman MUSCHELKNACKER erschien 2002 unter dem Titel FAMILY TRADITION in den USA (der Originaltitel passt eigentlich besser zum Buch, aber ich finde MUSCHELKNACKER ist durch seine Mehrdeutigkeit ein geschickt gewählter deutscher Titel) und ist eine Gemeinschaftsarbeit Lees mit John Pelan, der eher als Verleger, denn als Autor von sich Reden gemacht hat. Wie groß Pelans Einfluss auf das Buch war, kann man natürlich nicht genau sagen. Aber ich gehe davon aus, dass der Hauptteil des Romans auf Lees Mist gewachsen ist. Aber genug der langen Vorrede: Worum geht es in dem Roman?

Gleich der ersten Satz gibt die Richtung vor: „ „Junge, wichst du schon wieder mit den Würmern?““ Hier wird nicht lange gefackelt: es wird eklig und es geht um Sex - wenn man das denn so nennen möchte, was da so alles praktiziert wird.. Die beiden Brüder Esau und Enoch leben zusammen auf einer kleinen Insel im Sutherland Lake und betreiben dort einen Angelbedarf-Shop. Vordergründig jedenfalls. Eigentlich sind sie perverse Hinterwäldler, die sich an gestrandeten Touristen vergehen und mit ihnen allerhand unappetitliche Sachen veranstalten, die auch sehr detailreich beschrieben werden. Dann ist da noch Ashton Morrone, ein berühmter Sterne-Koch, an dessen Thron gerade ein anderer Koch sägt. Um seinen Widersacher in die Schranken zu weisen, sucht er nach einer besonderen Delikatesse, die er seiner Kundschaft kredenzen kann. Und er findet diese in einem Bericht über den Sutherland Lake, wo es eine seltene Speisefischart geben soll. Er macht sich mit seinem Bruder, beide entsprechen dem Klischee reicher älterer Ekelpakete, auf den Weg zu dem See. Sie haben natürlich ihre beiden jungen, äußerst attraktiven Partnerinnen (u.a ein Ex-Pornostar, ist klar)dabei. Am See angekommen machen sie bald Bekanntschaft mit den beiden Brüdern, von denen einer zufäliigerweise ein Fan des Starkochs ist. Und von da an geht alles den Gang, den man aus vielen Backwood-Slasher-Filmen kennt.

Nun liest sich die kurze Inhaltsangabe zugegebenermaßen nicht sonderlich originell. Aber das täuscht. Das Autoren-Duo baut nicht nur einige extrem eklige und alle gängigen Geschmacksgrenzen sprengende Details in die Handlung ein, die an Perfidität kaum zu überbieten sind. Nein, sie schaffen es auch mit anderen Details zu überraschen. Ich kann jetzt leider nicht näher darauf eingehen, denn ich will zukünftigen Lesern den Spaß nicht verderben. Denn das ist diese Geschichte letztendlich – ein großer Spaß. Man merkt, dass Lee und Pelan mit großem Enthusiasmus versucht haben, den vorangegangenen Widerlichkeiten immer noch eines draufzusetzen. Und das gelingt ihnen. Man braucht entweder einen guten Magen oder eine nicht besonders ausgeprägte Vorstellungskraft, um das Buch einigermaßen schadfrei zu überstehen. Aber der recht kurze Roman ist bei weitem keine Verherrlichung von irgendwelchen Perversitäten. Das Ganze ist so unglaubwürdig und ironisch übertrieben, dass man die Geschichte überhaupt nicht ernst nehmen kann. Es ist in dem besten Sinne gute Unterhaltung, wie es auch ähnlich geartete Splatterfilme sind.

Ich kann MUSCHELKNACKER beileibe nicht jedem ans Herz legen. Es wird genug Leute geben, die wegen solcher Bücher den Untergang des Abendlands am Horizont heraufziehen sehen. Aber wem das egal ist, der bekommt nicht nur eine Aneinanderreihung von Gewalt und Perversionen geboten. Lee versteht es jenseits davon, auch eine gute Geschichte zu erzählen und entlockt einem eigentlich ausgelutschten Genre wie dem Backwood-Slasher durch seine Einfälle noch so etwas wie Originalität. Mir hat der Roman Spaß gemacht, man darf das alles bloß nicht ernst nehmen.

Mein dritter Roman von Edward Lee war also komplett anders als die anderen beiden. Aber er war auch gut. Also muss es am Autor liegen, der mich auf verschiedenen Spielwiesen des Horrors, bisher jedenfalls, imer wieder überzeugt hat. Mal sehen, wann der nächste Lee an die Reihe kommt. Lange wird es bestimmt nicht dauern.

Die Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


phantastisch! Ausgabe 54 (2/2014)
phantastisch! Ausgabe 54 (2/2014)
Preis: EUR 3,99

4.0 von 5 Sternen Eine bessere Zeitschrift zum Thema Phantastik gibt es nicht!, 6. August 2014
Die Ausgabe 54 des vielseitigsten und besten regelmäßig erscheinenden Magazins für Phantastik, PHANTASTISCH!, ist eine Ausgabe ohne große Höhepunkte. Aber gerade durch das Fehlen dieser Höhepunkte zeigt sich die Qualität der Zeitschrift: der interessierte Leser erhält einen Überblick über das aktuelle Phantastik-Geschehen, gepaart mit einigen interessanten Hintergrundinformationen und ein paar Blicken über den Tellerrand der Literatur hinaus.

Die Rezensionen sind gewohnt fundiert, auch wenn sie nicht immer mit der Meinung des hier waltenden Rezensenten übereinstimmen, und auch Horst Illmers Nachrichtenüberblick ist wie immer informativ. Bei den Interviews sind nicht nur die Antworten interessant, sondern man merkt, dass sich die Fragesteller mit der Materie auskennen. Besonders interessant für mich war Dirk van den Booms Gespräch mit dem Autor Jack Campbell, gerade weil das Thema der beiden – Military-SF – nicht unbedingt sofort einen Reiz auf mich ausübt. Aber gerade dieser Blick auf alle Aspekte der Phantastik macht den das Magazins aus.

Da passt dann auch der für mich informativste Artikel dieser Ausgabe hinein: Achim Schnurrers Bericht über den Zombie-Grafitti-Künstler WON. Ich muss zugeben, dass ich davon noch nichts gehört habe, aber nach dem Genuss des Artikels juckt es schon in meinen Fingern, den Bildband des Künstlers mal näher zu betrachten.

Von den anderen Artikeln im Gedächtnis geblieben sind mir der Überblick über die phantastischen Frühjahrsneuerscheinungen von Bernd Jooß, die bei mir mit Kindheitserinnerungen verbundene Geschichte der Fernsehserie „Mondbasis Alpha 1“, die Olaf Brill zum Besten gibt und Sonja Stöhrs Frage an verschiedene Wissenschaftler, wie es um die Phantastik als aktuelles Forschungsgebiet steht.

Einzig negativ fiel mir Andrea Bottlingers Artikel über den Rohde Verlag auf. Das ist eine reine Werbestrecke, die im redaktionellen Bereich eines so guten Magazins wie PHANTASTISCH! eigentlich nichts zu suchen hat und gerade deswegen, weil man es nicht gewohnt ist, umso mehr auffällt. Die Kurzgeschichte „Springtide“ des australischen Autors Max Barry (übersetzt von Christian Endres) ist eine SF-Story, die auf die Gefahren aufmerksam macht, was passieren kann, wenn Kinder die neuen Technologien besser beherrschen als die Erwachsenen. Auch hier haben die Macher des Magazins wieder ein gutes Gespür bewiesen. Die Kurzgeschichten aus PHANTASTISCH! haben eigentlich immer ein hohes Niveau.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass auch die Ausgabe 54 der Zeitschrift ein Beweis dafür ist, dass man als Freund phantastischer Literatur nichts falsch macht, wenn man sich ein PHANTASTISCH!-Abo zulegt. Auch eine augenscheinlich höhepunktarme Ausgabe ist immer noch so interessant, dass man sich jeden Artikel gut und gerne zu Gemüte führen kann. Ich hoffe, dass es noch viele Ausgaben dieses Magazins geben wird.


Black Neon: Roman
Black Neon: Roman
von Tony O'Neill
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Kommt nicht ganz an den Vorgänger heran, ist aber immer noch gut, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Black Neon: Roman (Taschenbuch)
BLACK NEON ist der Titel des Films, den der Regisseur Jacques Seltzer zwar lange angekündigt, aber nie realisiert hat. Mit seinem Debütfilms „Dead Flowers“ hat er sich einen gewissen Kultstatus erarbeitet, liefert aber außer ein paar Bildbänden mit Fotografien abgewrackter Leute auf künstlerischem Gebiet nichts mehr nach. Irgendwann gibt er dem Drängen seines Agenten Gibby nach: Er stimmt zu, für die Gesellschaft des Hollywood-Moguls Kenny Azura doch noch BLACK NEON zu drehen. Aber er will das dreckige Hollywood filmen und darum sucht er zu Recherchezwecken nach jemandem, der ihm das Leben jenseits des schönen Scheins zeigt, die Junkies, die Huren und die anderen kaputten Gestalten, die es dort gibt. Und da kommt Randal Earnest ins Spiel, einer der Protagonisten aus O’Neills Vorgängerwerk SICK CITY. Er versucht zwar gerade clean zu werden, kennt sich aber in der Drogenszene L.A.s noch bestens aus und ist durch familiäre Banden mit dem Filmbusiness verwoben. Er soll sich um Seltzer kümmern.

Parallel dazu wird die Geschichte von Lupita und Genesis erzählt. Sie lernen sich kennen, als Lupita einen Dealer von Genesis erschießt. Bei den darauffolgenden Road-Movie-artigen Episoden ihrer Fahrt von Reno nach L.A werden die beiden ein Liebespaar, rauben Apothekenaus, hinterlassen noch mehr Leichen und vollführen obskure Santéria-Rituale. Gegen Ende des Romans laufen die beiden Erzählstränge natürlich ineinander. Dazu kommen noch die Erlebnisse des anderen Protagonisten aus Sick City, Jeffrey, dessen Wege sich auch mit denen Seltzers kreuzen.

BLACK NEON ist ein dreckiger, drogengeschwängerter und tief unmoralischer Roman. Was die Figuren hier an Crystal Meth, Crack, Heroin, Kokain und Alkohol weghauen hat mit Sicherheit einen in die Millionen gehenden Schwarzmarktwert. Es gibt auch ein paar heftige Sexszenen. Da liegt natürlich der Vergleich mit Bukowski und Palahniuk, der auf dem Cover prangt, nahe. Dieser ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen, aber trotzdem funktioniert dieser Roman. O’Neill weiß anscheinend wovon er schreibt. Er, der in den 90ern als Musiker leidlich erfolgreich war, bis sein Drogenkonsum ihm die Karriere kaputt machte, beschreibt die Drogenszenerie L.A.s, soweit ich es beurteilen kann, einigermaßen realistisch. Das ist ein großes Plus des Romans.

Aber die Story des Regisseurs, der vom Beobachter der Szene zum Akteur wird, ist etwas zu weit hergeholt. Seltzer wird zu sehr als arroganter, europäischer Künstler-Arsch, der sich einen Dreck um andere kümmert, diese viel mehr ins Verderben stürzt, dargestellt. Das macht die Glaubwürdigkeit der anderen Figuren kaputt. Genauso habe ich mich beim Lesen oft gefragt, was die Parallelhandlung des lesbischen Banditenduos, genau zum Fortgang der Handlung beizutragen hat. Es wirkt vielmehr wie Füllstoff, um die Erzählung auf Romanlänge zu bringen. Der Kniff mit dem alles am Ende zusammengeführt wird, ist auch nicht besonders originell. Das ist schade, denn für sich genommen, hat die Geschichte von Lupita und Genesis nämlich durchaus ihren Reiz. Hier ist ein eigenständiger Roman verschenkt worden.

Trotz der eben geschilderten negativen Eindrücke, bleibt BLACK NEON immer noch ein guter Roman. Das liegt daran, dass Tony O’Neill es schafft, allen seinen Charakteren – bis auf Seltzer – eine gewisse Glaubwürdigkeit zu verleihen. Da nimmt man dann schon mal in Kauf, dass die Handlungen nicht so gut konstruiert sind. Erwähnenswert ist auch die Art und Weise, wie er die Figuren durch ihren Musikgeschmack charakterisiert. Da kommt natürlich der alte Musiker durch. Der oberflächliche und überhebliche Hollywoodmogul hält Sting für den größten Musiker aller Zeiten und da seine Aufnahme mit dem Deutschen Sinfonieorchester. Erinnerungen an AMERICAN PSYCHO sind bei solchen Sequenzen bei mir wach geworden. Genauso wie ich bei der zweigeteilten Handlung – eine am, die andere der Weg zum Ort des Geschehens – irgendwie an Laymon erinnert wurde, der seine Geschichten oft so erzählt hat. Aber auch diese Vergleiche sind wohl zu hoch gegriffen, obwohl – und da wiederhole ich mich – BLACK NEON gewiss kein schlechtes Buch ist. Nur: Es hätte nur ein noch viel besseres sein können.

Diese Rezension befindet sich auch auf dem Blog Horror & Co.


Berlin Requiem: Roman
Berlin Requiem: Roman
von Peter Huth
  Broschiert
Preis: EUR 12,99

4.0 von 5 Sternen Satirischer Politthriller mit Zombies, 31. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Berlin Requiem: Roman (Broschiert)
Ein spanischer Zombieroman bei einem großen deutschen Verlag hat mich schon überrascht, aber damit, dass im gleichen Zeitraum auch ein deutscher Zombieroman bei Heyne erschienen ist, hätte ich im Leben nicht gerechnet. Es gibt zwar mittlerweile einige Kleinverlage, die sich auch an deutschsprachige Genreliteratur wagen, hier möchte ich vor allem den Luzifer Verlag erwähnen, aber bei den Publikumsverlagen war das Programm in den letzten Jahren, was das angeht, überschaubar.

Autor Peter Huth ist ein renommierter Journalist - er ist Chefredakteur der B.Z. - und das merkt man dem Roman an. Auch der Protagonist, Robert Truhs, ist Journalist und er bekommt brisante Informationen zugespielt, die die aktuelle Lage der der deutschen Hauptstadt betreffen. Dort ist nämlich ein mysteriöser Virus aufgetreten, der die Infizierten zu, ja man kann es so deutlich sagen, Zombies mutieren lässt. Um den Rest der Stadt zu schützen wird um die zunächst betroffenen Stadtteile Neukölln und Kreuzberg eine streng bewachte Mauer gebaut. (Eine Mauer mitten in Berlin? Wer denkt sich so einen Quatsch aus?) Die offiziellen Stellen lassen verlauten, dass nur Menschen mit Migrationshintergrund von dem Virus befallen werden. Diese Informationen und die allgemeine Angst vor dem Virus lassen in der Bevölkerung den Ruf nach einem starken Mann im Berliner Senat laut werden. Und der ist mit Olaf Sentheim schnell gefunden. Der geschasste Ex-Senator, der nach einem demagogisch-populistischen Bucherfolg, in dem er gegen Migranten polemisierte, seinen Hut nehmen musste, wird als Innensenator zurückgerufen, um der Seuche Herr zu werden. Nun bekommt Truhs ein Video zugespielt, wo zu sehen ist, dass die Lage anders ist, als es der Öffentlichkeit weisgemacht wird.

Wie sich aus der kurzen Zusammenfassung vielleicht erahnen lässt, hat dieser Olaf Sentheim offensichtlich ein reales Vorbild: Thilo Sarrazin. Und so ist es bei den meisten der politischen Akteure dieses Romans. Wenn vom Bürgermeister die Rede ist, hat man klar den amtierenden Regierenden Bürgermeister Berlins vor Augen und auch die Kanzlerin und ein Herr zu Guttenberg sind klar erkennbar. Und daraus ergibt sich eine Stärke des Buchs: Peter Huth weiß offenbar einiges über die politischen Abläufe in Berlin und daher wirkt sein unrealistisches Szenario in erschreckendem Maße realistisch. Die Hilflosigkeit der Regierenden in Zeiten einer großen Katastrophe schildert er minutiös. Die Abwehrreaktionen scheinen so, wie sie wirklich sein könnten. Und auch die Bevölkerung verhält sich so, wie man sich vorstellen kann, dass sie sich im Angesicht des drohenden Untergangs verhält. Es glaubt einem Demagogen, der wunderbare Sündenböcke aus dem Hut zaubert. Und wenn der Mob erst einmal tobt, ist er nicht mehr aufzuhalten. Die gerufenen Geister sind nicht mehr zu bändigen, auch wenn es hinterher von allen Seiten heißt: „So war das jetzt aber eigentlich gar nicht gemeint.“

Es war nicht zwingend notwendig, dass Huth hier Zombies als Aufhänger für die große Krise benutzt. Er hätte auch andere (realistischere?) Wege gehen können. Er benutzt Zombies – und das ist mutig. Zwar sagt Kai Meyer in seinem Nachwort ganz richtig, dass „Zombiegeschichten schon früh das politische Geschehen gespiegelt haben“, aber trotzdem haftet diesen in den Augen der Feuilletonisten immer der Geruch des Trivialen an. Wenn es eine plötzliche Ebola-Epidemie in Berlin gegeben hätte, wäre wohl die eine oder andere Besprechung in einer überregionalen Tageszeitung mehr drin gewesen, gerade weil der Roman von einem Kollegen stammt. Aber Huth spielt in seinem Roman mit Zombies und Politik. Und wenn er sich darauf konzentriert hätte, hätte er einen richtig guten satirischen Zombieroman vorlegen können.

Doch leider hat der Roman in meinen Augen eine große Schwäche. Und das sind die Gegenspieler der Politiker: die Journalisten. Sie werden hier zwar nicht als Helden dargestellt, aber trotzdem wirkt selbst der Unmoralischste unter ihnen immer noch moralisch integrer als sämtliche handelnden Politiker. Und auch die privaten Beziehungen der Journalisten untereinander stören den eigentlichen Handlungsverlauf eher, als dass sie ihm nutzen. Hätte Robert Truhs einfach nur recherchiert und nicht noch nebenbei versucht sein verkorkstes Privatleben wieder auf die Reihe zu kriegen, wäre der Roman in meinen Augen noch um einiges besser gewesen.

Nicht, dass man mich jetzt falsch versteht. BERLIN REQUIEM ist immer noch ein gutes Buch und ich wünsche, dass es ganz viele Leser findet. (Schon alleine deswegen, weil man in den Verlagsstuben, vielleicht dadurch auch deutschen Horrorautoren mit einem anderen Background vermehrt eine Chance geben könnte) Ich hatte beim Lesen einige Aha-Effekte und musste auch das eine oder andere Schmunzeln, ob der teilweise überspitzten Darstellung der politischen Akteure. Huth kennt auch die Spielregeln von Zombieromanen, bricht diesen Regeln vielleicht ein bisschen zu wenig - doch das ist eher nebensächlich. Denn am meisten verliert BERLIN REQUIEM aufgrund des privaten Schnickschnacks der journalistischen Akteure. Durch eine Konzentration auf das Wesentliche hätte aus diesem guten Roman ein hervorragender satirischer Politthriller mit Zombies werden können.

Diese Rezension findet man auch auf meinem Blog Horror & Co.


Apokalypse Z: Roman
Apokalypse Z: Roman
von Manel Loureiro
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

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4.0 von 5 Sternen Guter Zombieroman aus Spanien, 29. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Apokalypse Z: Roman (Taschenbuch)
Endzeit und Zombies haben in diesem Jahr bei uns Konjunktur, wie auch einige der in diesem Blog besprochenen Bücher zeigen. Das Problem, das ich als Leser mit dem Überfluss eines gewissen Themas habe, ist, dass ich irgendwann davon ermüdet bin. Und dann bewerte ich ein Buch, das ich in einem anderen „Umfeld“ gelesen hätte, plötzlich ganz anders. Endzeitromane mit Zombies (ob es „echte“ klassische Zombies oder irgendwie anders geartete sind, ist dabei völlig egal) haben immer einen relativ ähnlichen Aufbau. Wenn man, wie ich, schon ein paar davon in einem Jahr gelesen hat, wird man schnell gelangweilt. Da muss ein Roman schon ein hervorstechendes Merkmal haben, um mich vor dem Lesen schon einmal zu interessieren. APOKALYPSE Z hat gleich drei Merkmale, die ihn für mich auf den ersten Blick interessant machten: 1) es ist ein spanischer Roman; Übersetzungen aus einem anderen Sprachraum als dem anglo-amerikanischen sind gerade im Horror-Genre eher dünn gesät, da freue ich mich über eine Übersetzung aus dem Spanischen (genauso würde ich mich auch über die Übersetzung eines rumänischen oder norwegischen Genreromans freuen; da gibt es bestimmt etwas: mehr Mut bei den Verlagen wäre wünschenswert). 2) der Roman erschien ursprünglich als Fortsetzungsgeschichte auf einem Blog, bevor er bei einem ordentlichen spanischen Verlag erschien. Und 3) der Roman ist ursprünglich im Jahr 2007 erschienen, also vor dem Zombie-Hype.

Aber die Geschichte bietet eigentlich nicht viel Neues: ein Virus breitet sich von Russland aus über Europa aus. Zunächst verfolgt es der Protagonist und Ich-Erzähler, ein Anwalt aus dem Nordosten Spaniens, die Ausbreitung des Virus am Fernseher und schreibt seine Erlebnisse in Form eines Blogs und später, als das Internet nicht mehr funktioniert, in einem Tagebuch auf. Als die Bevölkerung dazu aufgerufen wird, sich in sogenannten sicheren Zonen zu sammeln, folgt er dem erst einmal nicht. Aber nach einer gewissen Zeit bleibt es auch in seinem Haus nicht mehr sicher und es treibt ihn zusammen mit seinem Kater hinaus in eine Welt, in der es kaum noch „normale“ Menschen gibt. Doch wie in jedem guten Zombieroman sind nicht nur die Zombies die Bösen, sondern es gibt auch unter den Überlebenden nicht nur Philantropen. Trotzdem findet er auch Überlebende, mit denen er sich zusammenschließen und mit denen er versuchen kann, irgendwo bessere (zombiefreie) Plätze zu suchen.

Wie man an der kurzen Zusammenfassung des ersten Drittel des Romans erkennen kann, wird der Zombieroman mit APOKALYPSE Z nicht neu erfunden. Aber das ist auch gar nicht möglich und in diesem Fall auch gar nicht nötig. Manel Loureiro liefert einen soliden Zombieroman ab und der Leser wird gut unterhalten. Und das reicht vollkommen aus. Interessant ist natürlich die gewählte Form des Romans: ein Blog bzw. ein Tagebuch. Das ist auch die Form die J. L. Bourne in seinen Romanen TAGEBÜCHER DER APOKALYPSE wählt. Nun mag man sich fragen, ob Bourne vorher, die zuerst erschienenen Romane Loureiros gekannt hat oder nicht. Aber auch das interessiert nur am Rande. Fakt ist, APOKALYPSE Z ist ein gut zu lesender Roman. Im spanischen Original gab es zwei Fortsetzungen. Die erste Fortsetzung ist auch schon auf Deutsch angekündigt und wird bei Heyne erscheinen. Da werde ich wohl wieder zugreifen. Mich interessiert schon, wie die Geschichte weitergeht, denn es sind noch einge interessante Fragen offen. Und ob die die guten Unterhaltungswerte des ersten Bandes gehalten werden können, frage ich mich auch. In vielen Fällen (siehe meine Besprechung zu THE WALKING DEAD 3 in diesem Blog) gelingt gerade das nicht. Aber hier hege ich die Hoffnung, dass gerade der Handlungsort Spanien, der für einen Zombieroman fast schon exotisch ist, noch Überraschungen parat hat.

Fazit: Wer Zombiegeschichten mag, wird mit APOKALYPSE Z bestens versorgt.

Die Rezensionen findet sich auch auf meinem Blog Horror & Co.


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