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Rezensionen verfasst von
Luca

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Automagic: Aus dem Hinterzimmer des Advaita
Automagic: Aus dem Hinterzimmer des Advaita
Preis: EUR 10,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Magie auf dem Holodeck, 6. September 2014
Zwei Männer: Der eine, Edgar Hofer, ein easy-going-Typ, der Welt liebevoll zugewandt, ein lachender Weiser – der andere, Patrick Aigner, ein Realitätsblock, der sich an den spirituellen Missverständnissen der Welt reibt und den Geschmeidigen vehement befragt.

Zwei Erwachte sprechen miteinander über spirituelle Sucher und Lehrer, über Arroganz und Unglücklichsein trotz Erwachen, über Unwahrheiten, Wissen und eigenes Verständnis, über die Randbedingungen von Glück und Leid im Relativen, über Exzess, Energie, Liebe, Ego und Zufriedenheit, über das Nichts und die Rückkehr zu den Menschen, über sich und ihre Geschichte.

Ihr Pogo-Tanz kommt ab S. 89 zum Höhepunkt, als das Nichts, das tote Reich, der schwarze Block, beginnt, sich als magische Erfahrung der Welt zu begreifen:

Ein fulminanter Ritt, eine liebevolle Umarmung, unbedingt kaufen und lesen!


Indien
Indien
von Pier Paolo Pasolini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Sog Indiens als Lesegenuss, 30. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Indien (Gebundene Ausgabe)
Wie erlebt ein italienischer Poet Indien? Einer, der bis zu seiner Ankunft fast nichts von diesem Land weiß und nur wenig Englisch spricht? Pier Paolo Pasolini saugt staunend die Sinneseindrücke in sich ein, wunderbare wie abstoßende, und schenkt sie uns mit Wörtern. Jedes glitzert wie eine kleine Glasperle, fügt sich schwingend an die nächste, so dass der Leser gebannt wie ein Kind durch sie hindurch auf das Indien der 1960er Jahre blickt, leichtfüßig durch die Straßen, Klänge und Gerüche der nächtlichen Städte federt, an poetisch öden Landschaften und armseligen Lehmhäusern vorüberzieht. Und immer wieder stehenbleibt, um Menschen zu begegnen, in Lumpen Gehüllten, auch manch einem fein gewandeten Elitären wie Jawaharlal Nehru, dem ersten Ministerpräsidenten Indiens. Einige der Reiseimpressionen rufen in dem 38-jährigen Pasolini seinen Freigeist hervor, nie jedoch zerdenkt er sie beim Schreiben, so dass sie für den Leser dieses seltsame Glück Indien unmittelbar freizusetzen vermögen. Die knapp 70 Seiten Pasolini-Text sind ein kostbarer Schatz – Andreas Altmann öffnet die Schatulle und holt die Edelsteine Kapitel für Kapitel heraus.

Wie nun antwortet 50 Jahre später ein faktensicherer Reporter auf Pasolinis dichterische Beschreibung? Ein von Berufs wegen an Zumutungen und Wundern weltweit Erfahrener, der bekannt ist für seinen entlarvenden Blick und seine direkte, auf den Punkt gebrachte Sprache? Zugleich einer, der sowohl Indien als auch Pasolinis Schaffen und Menschsein verehrt (siehe S. 8), ihn als einen „Schlenderer, Flaneur, Bewunderer“ (S.120), als ein „schönheitsdurstiges Tier“ (S. 123) rühmt? Für mich überraschend – Altmann nimmt den 26 Jahre jüngeren Dichter Pasolini beinah väterlich an die Hand, kommentiert dessen Erfahrungen manchmal bestätigend, manchmal rügend, reichert sie mit Hintergrundwissen an und bringt bisweilen seine eigenen Erlebnisse ins Spiel, fast, als müsse er beweisen, ja, auch ich, der Ältere und zugleich dein Nachfahre, habe ein Leben. Ein spannender, zutiefst menschlicher Dialog.

Die zwei schriftstellerischen Zeitzeugnisse, die ganz unterschiedlich, und doch einig sind, in ihrer Neugier, ihrem Zugehen auf die Menschen und in ihrer Bewunderung für Indien mit seinem nicht enträtselbaren Sog, machen dieses Buch zu einem Lesegenuss.

Das einzig für mich Enttäuschende sind die Fotos der preisgekrönten Isabela Pacini. Keine der 25, teils doppelseitigen Farbabbildungen vermittelt meiner Meinung nach das fassungslose Staunen der zwei Schriftsteller. So ist etwa das Foto einer prallen, gepflegten Kuh auf einer städtischen Straße, man hat es hundertmal so oder so ähnlich in Indien-Bildbänden oder Reiseführern gesehen, zudem unpassend mit Pasolinis Eindruck unterlegt: „Arme Kühe, deren Fell zu Schlamm geworden ist, von obszöner Magerkeit, manche nicht größer als Hunde“ (S. 17).

Mein Fazit: Die 24,90 EUR sind in jedem Fall eine lohnende Investition, ein Türöffner zu Indien!


Advaita Café: Weil es anderswo so anders ist...
Advaita Café: Weil es anderswo so anders ist...
von Patrick Aigner
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Unterhaltung, schriftstellerische Höchstleistung, perfektes Inslebenbringen des Nichtdarstellbaren, 27. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Büchlein ist ein Juwel – gleichgültig, ob Sie ein spirituell Suchender sind oder ob Sie noch nie etwas von Advaita gehört haben. Denn bei diesen 80 Seiten handelt es sich um ein Paradestück schriftstellerischen Könnens, das einen kurzweiligen Lesegenuss beschert – ich habe es innerhalb einer Woche viermal gelesen, ohne dass Langeweile aufgekommen wäre.

Patrick Aigners Wörter beschreiben nicht, sondern verkörpern ES, ihr geheimes Zentrum, und schenken dem Leser damit ein Ereignis, das sich im Lesen selbst ereignet. Öffnen ihm einen Raum, der nicht jenseits des Lesemoments liegt, sondern in ihm. Und genau damit wirft der Autor die gestaltlose Gestalt des Advaita, die Nicht-Zweiheit, ins Erleben des Lesers. Patrick Aigner serviert uns dieses Kunststück im Advaita-Café, man fasst es nicht, dass das überhaupt geht, auf höchst unterhaltsame Weise, authentisch, witzig, bodenständig, existentiell.

Wie macht der Autor das?

Manchmal setzt er statt des erwarteten Wortes eines, das den Leser für einen Augenblick in der Luft hängen lässt. Z.B. schreibt Patrick Aigner im zweiten Satz, dass die Frau am Nebentisch ein Buch auf den Beinen hatte: Hä? Kann man ein Buch auf den Beinen haben? Frau ist auf den Beinen, aber ein Buch kann doch nicht auf den Beinen sein. Aber halt, da steht ja nicht, dass das Buch auf den Beinen sei, sondern sie, die Frau am Nebentisch, hatte es auf den Beinen. Warum schreibt Aigner nicht, sie hatte es auf dem Schoß liegen? Oder auf den Oberschenkeln? Dann wäre es doch klar. Eben drum tut er es nicht. Advaita ereignet sich nicht in gewohnten Denkbahnen, sondern haut einen aus dem linearen Bezug heraus.

Auch die bisweilen anarchistische Kommasetzung des Autors trägt dazu bei, den Leser aus seinem selbstverständlichen Lesefluss zu reißen, ihn ein Komma lang zu irritieren, und das nicht aufgesetzt technisch, sondern so, dass das unerwartete Komma den Leser in Aigners Welt hineinatmet. Ruckartig.

Und dann gibt es Passagen, die dieses nichtkonsumerable Advaita zum Inhalt machen: Aigners schriftstellerische Annäherung an das „tote Reich“, das der Verstand per se nicht zu fassen bekommen kann, wie manisch beherzt auch immer die Hirnwindungen des Protagonisten es versuchen, ist grandios.

Der Humor (in Höchstform z.B. auf S. 11 zu finden, bei der Auflistung der verschiedenen Möglichkeiten, wie man mit dem Auto nach Coburg gelangen kann) scheint dem existentiellen Ringen des Protagonisten innezuwohnen, so wie die Sahne der Schwarzwälder Kirschtorte.

Sorry, dass meine Rezension so lang geworden ist, aber nach etwa 400 Advaita-Büchern, die ich (von Berufs wegen) gelesen habe, ist dieses Büchlein das erste, das mich wegfegt. Ich gestehe: Ich trage es überall mit mir herum, dank des glatten, schönen Einbands fügt es sich in jede Tasche ein.

Mein Fazit: Beste Unterhaltung, perfektes Inslebenbringen eines Themas, das an sich als nicht darstellbar gilt. Ein Dank an den Autor, der so lange in Coburg ausgeharrt hat, und wohl gerade deshalb in der Lage ist, das Unmögliche möglich zu machen – Advaita in Literaturform. Unbedingt kaufen!


Verdammtes Land: Eine Reise durch Palästina
Verdammtes Land: Eine Reise durch Palästina
von Andreas Altmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Speed Dating mit dem Humanismus – 156 Begegnungen mit Palästina, 20. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese packende Reportage wird Sie bereichern, egal, wieviel oder wie wenig Sie über den Brandherd Israel-Palästina bereits wissen. Selbst, wenn Sie sich noch nicht einmal für dieses Thema interessieren, ist das Buch ein Gewinn: Denn Andreas Altmann macht den Leser mutig für das Hier und Jetzt der Realität, dank der humanistischen Antwort, die er tagtäglich findet. Und die lässt sich überall anwenden.

In jeder der 156 Episoden begegnet man einem Autor, der sich angesichts des Nahostkonflikts nicht hinter Positionen verschanzt, sondern sein Herz von der – entweder am eigenen Leib oder durch Erzählungen erlebten – Alltagshölle aus Angst, Misstrauen, Schikane, Gewalt und Aussichtslosigkeit abschürfen lässt. Gerade deshalb ist er darauf angewiesen, auch die Wunder aufzuspüren: Wärme, Nähe, Solidarität, Schönheit, Intelligenz und Humor. Hölle wie Wunder schenkt er dem Leser mit fulminanter Sprache.

Ich war so begeistert von dem Buch, dass ich eine Lesung von Andreas Altmann besucht habe – ein grandioser Abend, berührend, anstachelnd, nicht zuletzt ein sprachästhetischer Genuss, kann ich jedem nur empfehlen!


Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend: 6 CDs
Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend: 6 CDs
von Andreas Altmann
  Audio CD
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Sixpack als Hörgenuss, 24. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Stimme des Autors zog mich unvermittelt ins Textgeschehen, die Spannung war sofort da, und sie ließ nicht nach. Eigentlich wollte ich nur kurz mal reinhören – was dank der Unterteilung in kurze Tracks auch problemlos möglich gewesen wäre –, aber nachdem die erste CD nach 72 Minuten durchgelaufen war, legte ich die zweite ein…

Ich meinte, dieses Buch zu kennen (ich hatte es drei Mal gelesen), und entdeckte es akustisch aufbereitet doch noch einmal ganz neu: Viel später als beim Selberlesen registrierte ich Altmanns schönes Reittier, seine brisante Sprache, die die Handlung, und sei sie noch so grausam, ohne zu scheuen, voranbringt. Es ist eine Wohltat, dass der Autor nach dem scharfen Ritt durch seine schmerzhafte Jugend auf der sechsten CD dann auch noch vier, teils hochamüsante Episoden aus seinem späteren Leben zum Besten gibt. Sie zeigen, mit welcher Intensität er sein ganz persönliches Potential des Menschseins verwirklicht. Bewundernswert!

Den Buchtext hat Andreas Altmann für dieses Hörformat perfekt verdichtet, noch dazu ist das Sixpack sexy anzusehen, rundherum ein Genuss, ich kann einen Kauf nur empfehlen!


Dies beschissen schöne Leben: Geschichten eines Davongekommenen
Dies beschissen schöne Leben: Geschichten eines Davongekommenen
von Andreas Altmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz nah ran: Altmanns Platz in der Welt, 12. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es ist wie eine Bombe, die noch immer tickt.

Es sind krasse Geschichten. Keine, die einen so leicht an eigene Erfahrungen andocken lassen. Trotzdem kommen sie unmittelbar bei mir an. Weil sie mich mit dem Pulsschlag des Lebens verbinden. Über die Ader Altmann, seine Umtriebigkeit, seine Lebenswut, gekoppelt mit seiner Fähigkeit, die Wörter so hintereinander zu setzen, dass sie mich atem- und distanzlos hineinsaugen in seine Wirklichkeit, in sein „geradezu neurotisches Verlangen nach Intensität. Ein Junkie spritzt sich solche Gefühle und Reporter tauchen dort auf, wo die Wirklichkeit wehtut, wo sie auf brachiale Weise etwas preisgibt“ (S. 230).

Nein, es ist keine kuschelige Samstagsabendlektüre. In seinem Buch „Das Scheißleben meines Vaters, …“ musste der Leser mit der Zumutung der häuslichen Gewalt in Altmanns Jugend fertig werden, in „Dies beschissen schöne Leben“ ist es die Spannbreite der Intensität, die herausfordert, mit Drogen, Betrug, Diebstahl, diversen Spielarten von Sex, Impotenz, Gefahr, Krieg, Tod, Liebe und wundersamen Gestalten. Der Reporter Altmann zoomt ganz nah heran, beschönigt nichts, liefert sich uns Lesern mitsamt seiner Unfähigkeiten und Süchte aus. Damit macht er für mich auf seltsame Art die Welt ein bisschen heiler. Weil er sich und andere sehen lässt, weil er herausplatzt, nicht schweigt.

18 der 23 Geschichten wurden 2005 schon unter dem Titel „getrieben“ veröffentlicht, in dieser überarbeiteten Neuauflage sind fünf neue hinzugekommen, „Sieben Nächte im Central Park“, „Warum Reporter?“, „Die Vergewaltigung“, „Monsieur Danger“ und „Ken Oosterbroeck oder Der Mann, von dem ich wünschte, er wäre mein Freund“. 251 Seiten, Momente des schnellen Herzschlags, ein großartiges Buch, doch tatsächlich nichts für zartbeseelte Schöngeister.


Gebrauchsanweisung für die Welt
Gebrauchsanweisung für die Welt
Preis: EUR 11,99

11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen atemberaubend, 3. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was und wie Andreas Altmann die Welt mit uns teilt, Himmel, das ist der Gipfel, ein schäumender Augenblick, der sich Zeile über Zeile ergießt, und nicht aufhört, ein Höhepunkt zu sein. Keine Mühe ist da zu spüren, seine kurzen Sätze verkörpern den perfekten Flow. Mittlerweile ist mein Exemplar gespickt mit Einmerkzetteln für die Momente, in denen ich eine schnelle Dosis blitzendender Verzückung brauche, und ja, die gebe ich mir mehrmals täglich.

In Buchstaben gehüllt fährt die Welt mitten ins Zimmer, schaut dir in die Augen und sagt, komm doch, ich bin da, auf was wartest du noch, lebe und erfahre mich! Und das ist das Bizarre: Während es in der Welt doch meist die unebenen Wege sind, die einen achtsam sein lassen, sind es beim Lesen der Gebrauchsanweisung die passgenauen Wörter, die einen im Hier und Jetzt halten. Andreas Altmann schenkt uns beides, das Unebene und das atemberaubend Perfekte, das die Lebenszeit des Lesers antreibt und umarmt – dank der gut gefüllten Herzkammern des Autors, die er für uns aufmacht. Es war nicht „eine Textzeile, die gerade wie ein Regenbogen durch die Eingangshalle schwebte“ (S. 97), sondern es sind 211 Seiten, randvoll an einzigartigen Geschichten und Einsichten. Ich sage aufrichtig Danke für dieses Buch.


Triffst du Buddha, töte ihn!: Ein Selbstversuch
Triffst du Buddha, töte ihn!: Ein Selbstversuch
Preis: EUR 7,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Buch sei Dank, 3. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Den Lesern, die Indien noch nicht bereist haben, sei versichert, dass Sie Altmann's Augenblicken trauen dürfen. Wie nah Wörter dem Leben sein können, begreifen Sie, wenn Sie Indien einmal am eigenen Leib erfahren haben, und nun staunend Andreas Altmann's erste 80 Seiten lesen. Dem Autor gelingt, was Land und Leute ob ihrer uneinfangbaren Vielfältigkeit dem eindimensional Veranlagten verweigern, eine "dichte Beschreibung" Indiens. Altmanns subjektive Begegnung mit Menschen (ihn selbst eingeschlossen), ihren Geschichten und Orten zeigt, wie sich Welt beschreiben lässt, ohne sie in objektive Bedeutungsschubladen einzusargen oder aber der Indifferenz zu übergeben. Indien mutiert unter seiner Tastatur überraschend zum willigen Resonanzkörper von Wörtern. Mit seiner treffsicheren Sprache (niemals meint man sich daran gewöhnen zu können, dass einer in jedem Satz die richtigen Wörter findet) reißt Altmann den Leser von der ersten bis zu letzten Zeile in Indien und in die Welt des Buddhismus hinein, kombiniert ohne Lehrmeister-Attitüde persönliches Erleben mit fünf Meter Buddhismus-Fachliteratur; kein Wort zuviel, kein Wort zu wenig.

Im ersten Kapitel folgt Altmann den äußeren Spuren des Gautama Buddha - die Reise geht von New Delhi über Varanasi zu Orten, an denen der legendäre Religionsstifter des Buddhismus gewirkt haben soll, nach Sarnath, der Stätte seiner ersten Predigt, zum Geburtsort Lumbini, zum Sterbeplatz Kushinagara und nach Bodhgaya, dem Ort seiner Buddhawerdung - in den folgenden elf Kapiteln wagt sich Altmann auf die innere Spurensuche. In einem Vipassana-Meditationszentrum, das in Goenkas Lehrtradition der buddhistischen Achtsamkeitspraxis steht, gelingt Altmann das andere Unmögliche - eine schonungslose Beschreibung der zehntägigen Mühen des Körpers und Geistes, Stunden über Stunden still zu sitzen und die Aufmerksamkeit auf den Atem zu lenken; offenherzig lässt Altmann die Leser Tag für Tag an den Fluchtaktionen eines europäischen Geistes teilhaben, an seinem Hirnkino der Lüste, Genervtheiten, Witze, Niederlagen, Freuden und Schmerzen, ein Heimkino der Erinnerungen und gegenwärtigen Verarbeitungen, das unweigerlich seinen Film zu spielen beginnt, werden die Außenreize minmiert. Obwohl Altmann dem virtuellen Lehrer Goenka zugetan ist, verweigert er trotzig die buddhistische Sehnsuchtsschüssel der Erleuchtung ("Das Himmelreich Nirwana, wohin alle Egolosen pilgern möchten, bleibt mir so suspekt wie die Kinderpopo-Märchen der Monotheisten mit ihren Höllenschlünden und Paradiesgärten" (S.253). Er will sich mit der Achtsamkeitspraxis nicht aus der Welt beamen, sondern für ein neugieriges Leben in der Welt rüsten, jeden Moment bewusst erfahren, die Fähigkeit zur Intensität steigern, Freundlichkeit, Wärme und Herzensgüte kultivieren, Lebensfreude ausdehnen, Glück schenken.

"Dichte Beschreibungen" ist ein Begriff, den Clifford Geertz für einen ethnographischen Ansatz geprägt hat, der bei Offenlegung des subjektiven Autorenstandpunkts die Informanten vor Ort zur Sprache kommen lässt, um ein belastbares Bild von deren Welt zu zeichnen. Altmann tritt in seinem Buch als Autor und als Informant in Erscheinung, gewährt einen berührenden Einblick in sein Erleben und in seinen Umgang mit Erleben, erzeugt eine menschenwürdige Nähe, die den Leser unweigerlich zum direkten Leben anspornt, ihn inspiriert, die innere und äußere Welt aufzuspüren und annähern zu lassen. Wie Wörter doch zum Leben verführen können.


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