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Beiträge von Mag Wolfgang N...
Top-Rezensenten Rang: 283
Hilfreiche Bewertungen: 5649
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Rezensionen verfasst von Mag Wolfgang Neubacher "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf)
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5.0 von 5 Sternen
"Adolf wird rücksichtslos seinen Weg gehen, ....., 24. März 2013
...als wäre er allein auf der Welt." Diesen Satz soll Hitlers Mutter knapp vor ihrem Tod zu August Kubizek, dem Jugendfreund ihres Sohnes gesagt haben. Eine prophetische Aussage!?!? Hitler beginnt als "Dandy, Egomane, Muttersöhnchen". All das, was er seinem Volk (und vielen anderen unterworfenen Völkern) zumutet, ist bzw. tut er nicht. Er ist arbeitsscheu (selbst als Reichskanzler); er kann - bereits in frühen Jahren - keinen Widerspruch ertragen; wenn er Geld lukrieren kann, nimmt er es auch von Juden (in seiner Wiener Zeit vor dem 1. Weltkrieg, als er zeitweise vom Malen von Aquarellen lebt). Hauptthema des Buches ist aber die wirtschaftliche Lage des "Führers": In der Inflationszeit der Weimarer Republik bestreitet er seinen luxuriösen Lebenswandel vor allem von Spenden (über die er alleine verfügen kann). Spenden kommen sogar aus dem Ausland - sogar von einem Shell-Manager! Daheim unterstützen ihn vor allem "mütterliche" Frauen, die "einen Narren an ihm gefressen haben": Elsa Bruckmann (Verlegersgattin); Helene Bechstein (aus der Klavierdynastie) und Winifred Wagner (Richard Wagners Schwiegertochter). Hitler wird schnell reich, ja sehr reich, da auch die Tantiemen für "Mein Kampf" (15% des Verkaufspreises von jedem Exemplar) reichlich sprudeln. Außerdem erhält er von der Reichspost -zig Millionen Reichsmark für sein Konterfei auf den Briefmarken. Daneben gelingt es Hitler, von der Steuerpflicht befreit zu werden. Über das Millionenvermögen kann er - wie schon gesagt - frei verfügen; diesen Vermögen wird noch mehr, als ihn die deutsche Industrie großzügig zu unterstützen beginnt. Das Geld fließt in die verschiedensten Projekte; besonders viel Geld wird für den Ankauf von Kunstgegenständen für das geplante Führermuseum in Linz ausgegeben (der Krieg verhindert eine Realisierung). Ein spezielles Kapitel ist weiters der Millionen teure Ausbau des Obersalzberges. Von diesen Machenschaften (und von denen seiner Kumpane) sollte das deutsche Volk möglichst nichts erfahren - belogen und betrogen bis zum bitteren Ende! Auch wenn das Buch nicht neu ist (mir stand ein Exemplar aus dem Jahre 1998 zur Verfügung) und manche Fakten aus Hitlers Leben und Wirken heute nach den vielen Forschungsergebnissen der letzten 2 Jahrzehnte vielleicht anders gesehen werden: "Hitlers Geld" ist eine spannende, demaskierende Lektüre. Schade, dass das Buch nicht viel früher erschienen ist - vielleicht hätte es so manchem "Ewiggestrigen" die Augen geöffnet!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Der schlafende Riese Konsument", 21. März 2013
Nach "Der große Bio-Schmäh - Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen" wird wohl auch dieses Buch von Clemens G. Arvay für entsprechende Diskussionen sorgen. Dabei klingen viele seiner Feststellungen bzw. Thesen sehr schlüssig: Wenn (auch) Biobrot in einer Großbäckerei gebacken wird, in der die Mitarbeiter wegen der Größe der Fabrik Fahrräder benützen müssen, hat das mit dem Brot, das unsere Großeltern aßen, kaum mehr etwas zu tun. Ähnlich verhält es sich mit den Biohühnern: Die aus dem Supermarkt sind Hybriden, sie wurden bloß etwas länger gefüttert, der Tod aber ereilt sie auf gleiche Art und Weise wie die konventionellen (aufgeschwemmten) "Gummiadler". Der Appetit könnte einem vergehen, wobei oft nicht einmal der Umstieg auf vegetarische Kost eine Lösung ist: Frische Erdbeeren im Jänner, frischer Karfiol im Februar, frischer Spargel im März (dieser kommt dzt. in Österreich aus Peru)??? Also was essen? Für Arvay geht die industrialisierte, erdölbasierte Landwirtschaft dem Ende entgegen - wenn auch dieses Ende noch eine Zeitlang auf sich warten lassen wird! Der Autor schlägt eine "solidarische Landwirtschaft" vor, bei der wieder eine Beziehung zwischen den Produzenten und den Konsumenten besteht - "der schlafende Riese Konsument". Dafür bringt der Autor im Buch viele Beispiele. Daneben sollten wir von unserer fleischorientierten Ernährung wegkommen. Dies täte dem Klima, aber auch unserer Gesundheit gut. Außerdem sollten wir uns auch von der schönsten (Bio-)Werbung nicht einlullen lassen, sondern unser Konsumverhalten kritisch hinterfragen. Das Argument, dass eine "rückschrittliche" Produktion die 7 Milliarden Menschen auf unserer Erde nicht ernähren könnte, widerlegt der Autor eindrucksvoll: Bis zu 50% (!) der heutigen Lebensmittelproduktion kommen erst gar nicht beim Konsumenten an, sondern werden vernichtet (Karotten sind nicht gerade gewachsen; Kartoffeln und Äpfel zu groß oder zu klein; Gurken zu krumm usw). "Erarbeitet" hat der Autor das Buch auf einer 11wöchigen Reise durch Österreich, Deutschland und Großbritannien, wobei er neben vielen positiven Beispielen für die biologische Landwirtschaft auch genug negative gefunden hat. Trotzdem: Mahlzeit (möglichst mit regionalen, jahreszeittypischen Produkten)!! PS: 1 Kilogramm Erdbeeren, in der Saison in Deutschland angebaut, braucht 0,2 Liter Erdöl für Anbau und Transport; 1 Kilogramm Erdbeeren im März gekauft 5 Liter Erdöl!
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4.0 von 5 Sternen
Theo von 0 bis 14, 15. März 2013
Die jährlichen Geschichten rund um Theo, dem Neffen des Autors, sind zuerst in der Wiener Tageszeitung "Der Standard" erschienen. Daraus (samt Ergänzungen) hat der Autor (oder der Verlag?) ein Buch mit 256 Seiten gemacht - so weit, so gut. Die Geschichten erzählen von einem aufgeweckten, offensichtlich sehr begabten, dabei aber letztlich normalen Kind. Leser bzw. Leserinnen, die selbst Kinder haben, werden vieles im Buch finden, das sie auch bei ihren eigenen Kindern (oder Enkelkindern) bemerkt haben. Dazu kommt noch der warmherzige Humor des Autors. "Theo" nun mit "Gut gegen Nordwind" zu vergleichen (wie es manche Leser taten) ist etwa so, als würde man Majoran mit Blumenkohl (in Österreich: Karfiol) vergleichen. Beide zählen zu den Gemüsearten (und beide sind sehr gesund). Das ist aber auch schon alles. Lassen wir die Kirche im Dorf: "Theo" ist ein amüsantes Buch über einen Jungen, den der Autor von der Geburt bis zum 14. Lebensjahr schreibend begleitet hat (unter zunehmend kräftiger Mithilfe des Jungen). Keine "hohe" Literatur, aber zutiefst menschlich (und amüsant zu lesen).
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Der größte Friedhof der Welt", 15. März 2013
Kann man den Schrecken, den allgegenwärtigen Terror eines Konzentrationslagers heute in Form eines Romans widergeben? Monika Held hat es versucht; der Versuch ist gelungen. "Held" dieses Romans ist Heiner Rosseck, geboren 1920 in Wien. Als Kommunist gerät er in die Todesmaschinerie der Nazis; von seinem Transport nach Auschwitz - 1860 Menschen - überleben 4. Heiner ist einer von ihnen. 1963 soll er in Frankfurt beim 1. Auschwitzprozess die beiden NS-Täter Josef Klehr und Oswald Kaduk identifizieren (und gegen sie aussagen). Hier lernt Heiner Lena, seinen späteren "Lebensmenschen" kennen; sie hilft ihm, dem "Schutzhäftling Heiner Rosseck, KL Auschwitz, Block 21, Gefangenennummer 63.387", bei der Aufarbeitung seiner Vergangenheit (was natürlich nur teilweise möglich ist). "Ein Opfer ist immer traumatisiert" schreibt Margarete Mitscherlich in ihrem - kurz vor ihrem Tod verfassten - Nachwort; dieses Trauma zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Das Buch von Monika Held zu lesen ist harte Arbeit. Das liegt nicht an der Autorin, sondern an den - der Wirklichkeit entnommenen - Fakten. "Der größte Friedhof der Welt" spielt hier die Hauptrolle. Daneben passt der Erscheinungstermin des Buches gut zu einem bestimmten Jahrestag: Österreich erinnert sich aktuell an den Anschluss an Hitler-Deutschland vor 75 Jahren. Und dass viele Österreicher dann auch zu Täter wurden, ist einer breiteren Öffentlichkeit erst seit rund 3 Jahrzehnten bewusst... Heftigste Leseempfehlung; dem Verlag sei allerdings mehr Sorgfalt bei der Orthografie ans Herz helegt!
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Der Trafikant
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von Robert Seethaler Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 19,90 |
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Sigmund Freud und der Trafikantenlehrling, 4. März 2013
Wenn im "Spiegel" aus der Fülle der Bücher-Neuerscheinungen des Herbstes 2011 dieses Buch herausgegriffen und sehr lobend erwähnt wird, dann muss etwas dran sein (denkt sich der geübte Leser). Tatsächlich entpuppt sich dieser Roman (angenehme 250 Seiten!) als ein wunderbares Werk. Hauptperson ist Franz, der als 17-Jähriger sein Heimatdorf im oberösterreichischen Salzkammergut verlassen muss (der reiche Liebhaber seiner Mutter war ertrunken). Franz geht nach Wien und wird von einem Trafikanten (ein früherer Liebhaber seiner Mutter) angestellt. Wien ist im Umbruch, ja in einem regelrechten Taumel - die Nazis sind sich ihres Sieges gewiss. Stammgast in der Trafik ist niemand Geringerer als Sigmund Freud. Zwischen Franz und dem bereits schwerkranken Seelendoktor entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft... Robert Seethaler hat ein unheimlich schönes und warmherziges Buch mit einem tollen Show-down (Hose!) geschrieben, das auch sprachlich keine Wünsche offen lässt. Dieser Show-down entschädigt den Leser sogar für den alles andere als lustigen Schluss. Heftigste Leseempfehlung; leider nur 5 Sterne möglich!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Commissarion Luciani als Vater (?), 4. März 2013
Plötzlich ist unser Commissar Vater; jemand (die Mutter des Kindes?) hatte den kleinen Alessandro in einem Weidenkörbchen vor dem Garten der Villa Patrizia, in der der Commissar mit seiner Mutter wohnt, abgelegt. Luciani kümmert sich tatsächlich um das Kind (Ergebnis eines One-Night-Stands??), auch wenn er Urlaub nehmen muss. Dabei gäbe es doch so viel zu tun - vor allem dann, als sich der Tod eines Grafen und seiner Haushälterin als ziemlich eigenartig erweisen... Claudio Paglieri ist wieder in seinem Element: Eine Fülle von Figuren tritt auf (und verschwindet wieder); aktuelle Probleme wie Migration, Arbeitslosigkeit oder Rauschgifthandel spielen eine wichtige Rolle; weiters eine ehemalige Schulkollegin, die ihm ganz schön gefährlich wird. Und die Hauptrolle spielt - natürlich neben Alessandro - ein angebliches Selbstporträt von Leonardo da Vinci, das tödliche Spuren hinterlässt... Manchmal wünscht man sich, dass sich Paglieri etwas kürzer fasst (441 Seiten!); nichtsdestotrotz ist ihm wieder ein spannender Krimi mit interessanten Hauptfiguren gelungen
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Landgericht
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von Ursula Krechel Gebundene Ausgabe |
| Preis: EUR 29,90 |
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5.0 von 5 Sternen
Emigration und Rückkehr, 24. Februar 2013
Das größte Verdienst von Ursula Krechel ist es wohl, mit diesem Roman ein Thema aufgegriffen zu haben, das in der deutschsprachigen Literatur bis jetzt nicht sehr viel Raum eingenommen hat: Emigration und Rückkehr. Konkret handelt der Roman von Richard Kornitzer, dessen Karriere in Berlin durch den Naziterror zerstört wird (auch die Karriere seiner Frau geht dabei drauf). Claire, die Frau, bleibt in Berlin zurück, während ihr Mann nach Kuba emigrieren kann; die beiden Kinder (nach Nazi-Diktion "Halbjuden") konnten sie vorher noch rechtzeitig nach England schicken. Damit ist die kleine Familie erst einmal in alle Winde zerstreut. 1947 kehrt Kornitzer - nachdem ihn seine Frau ausfindig gemacht hat - in ein geschlagenes und zerstörtes Deutschland zurück, wo sich privater und beruflicher Anfang sehr schwierig gestalten. Dazu sind die beiden Kinder immer noch in England... Ursula Krechel vermischt gekonnt Fiktives mit Dokumentarischem am Beispiel einer Familie, die durch die politischen Umstände zerstört wird. Und die Nazis sind 1945 nicht ausgestorben, muss Richard Kornitzer leidvoll erkennen... Kurzer Exkurs: Und wie man so schön die Kurve kratzte, zeigt der uralte deutsche Film "Rosen für den Staatsanwalt" von Wolfgang Staudte. Trotz mancher kleiner Einschränkugen (100 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet!): heftigste Leseempfehlung!
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Europa als Schicksal, 17. Februar 2013
Mit "Zuhause ist überall" legt die große alte Dame des österreichischen Journalismus ihre (lang erwarteten) Erinnerungen vor. Bereits ihr Familienname ist schon ein (europäisches) "Programm": Die Coudenhoves stammen ursprünglich aus Brabant und gehen während der Napoleonischen Kriege als Habsburgtreue nach Wien. Der zweite Name Kalergi wird von einer Urgroßmutter übernommen, die eine Deutschrussin mit familiären Wurzeln in Kreta ist. Weiters gibt es noch polnische, französische, schwedische und deutsche Vorfahren. Daneben hat die Autorin eine japanische Großmutter (väterlicherseits). Die mütterliche Seite der Herkunft bildet das bekannte Geschlecht der Palffys. Barbara Coudenhove-Calergi (geboren 1932) verlebt eine glückliche Kindheit in Prag. Besonders haben es ihr die Sommerferien auf dem Palffy-Schloss Breznitz angetan; hier trifft sie auf eine große Verwandtschaft, die eisern zusammenhält. Dann der große Schnitt: Am 8. Mai 1945 wird die Familie (bestehend aus den Eltern und 4 Kindern) aus Prag vertrieben und gelangt nach Österreich. Hier gelingt die Integration sehr schnell. Den größten Teil des Buches machen die diversen beruflichen Stationen der Autorin aus: Redakteurin bei einigen Tageszeitungen; Arbeit beim ORF; Auslandskorrespondentin in Osteuropa. Sie ist praktisch immer vor Ort, wenn die kommunistischen Regime zusammenbrechen. Am Ende schließt sich der biografische Kreis... Die Autorin blickt ohne Bitterkeit (sie hätte wahrlich Grund dazu) auf ein erfülltes Leben zurück. Sie kam sehr schnell in Wien "an" - was sogar dazu führt, dass sie den Plan aufgibt, sich im Alter in Prag, ihrer Geburtsstadt, eine Wohnung zu nehmen. Ein spannendes, tolles Buch einer bewundernswerten Frau mit einem mehr als interessanten Lebenslauf. Heftigste Leseempfehlung!
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5.0 von 5 Sternen
Salzburg im Zeitraffer, 8. Februar 2013
Der Innsbrucker Haymon-Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der 9 österreichischen Bundesländer "vom 1. Weltkrieg bis zur Gegenwart" von renommierten Historikern aufarbeiten zu lassen. Einige dieser Bücher sind schon erschienen, einige werden folgen. Mit der Aufarbeitung der Salzburger Geschichte hat der Verlag die bekannte Salzburger Historikerin Susanne Rolinek betraut. Sie liefert auf rund 200 Seiten ein sehr anschauliches Porträt dieses relativ kleinen Bundeslandes. Das Buch beginnt mit dem 1. Weltkrieg und seinen fatalen Folgen und führt dann über die 1. Republik und den Austrofaschismus zum Nationalsozialismus. Für diesen war Salzburg wahrlich ein guter Boden - wurde etwa doch die einzige Bücherverbrennung in Österreich (das damals nicht mehr existierte) auf dem Salzburger Residenzplatz durchgeführt. Inszeniert wurde sie von dem ehemaligen Lehrer(!) und Obernazi Karl Springenschmid (dieser kratzte nach 1945 - wie viele andere - locker die Kurve!) 1945 wurde Salzburg von amerikanischen Truppen besetzt (was viele nicht schätzten). Der Wiederaufbau beschleunigte das Vergessenwollen; nichtsdestotrotz beginnt in den 80er Jahren die Aufarbeitung der NS-Zeit. Das Buch endet 2011 - noch vor dem aktuellen Salzburger Finanzskandal. Ein sehr, sehr interessantes Buch (von der Salzburger Presse bis jetzt "nicht einmal ignoriert"), das trotz der vielen Fakten leicht lesbar ist!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Petit details..., 26. Januar 2013
Von der Aufmachung her erinnert "Unter Galliern" an Jan Weilers "Maria, ihm schmeckt's nicht"; dies ist aber im Wesentlichen die einzige Gemeinsamkeit. Sascha Lehnartz ist ein genauer, ja sehr genauer Beobachter der Stadt an der Seine (als Journalist kann man das auch erwarten). Seine Beobachtungen führen dann aber zu grundsätzlichen Betrachtungen zB über die Qualität von Handwerkern, etwa wenn ein in der Neujahrsnacht herbeigerufener Schlüssel-Notdienst einerseits unverschämt teuer ist (und weggeschickt wird), andererseits die Begleiterin des "Türöffners" keine Frau (in diesem Fall die Frau des Autors) weinen sehen kann (und der "Türöffner" dann seine Arbeit doch - mehr schlecht als recht - verrichtet). Natürlich kriegen auch die (immer weniger werdenden) Concierges "ihr Fett ab"; natürlich war das Baguette auch schon einmal besser; natürlich sind die französischen Kellner unhöflich usw., usw. Insgesamt ein amüsantes Buch (mit einigem Tiefgang), dessen Humor manchmal nur etwas zu krampfhaft daherkommt. Aber trotz allem: Sascha Lehnartz liebt Paris - trotz aller Ungereimtheiten...
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