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Rezensionen verfasst von
"sam_sonight"

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Playing The Angel
Playing The Angel
Preis: EUR 12,98

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Black celebration, 11. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Playing The Angel (Audio CD)
We build them up, then knock them down: Normalerweise ist das der englische Weg der Hype-Presse des rasch dahinwelkenden Augenblicks. Für Depeche Mode gilt dies nicht. Nach 25 Jahren dürfte auch der letzte Kritiker auf der Insel jenseits des Ärmelkanals sein Giftdöschen beiseite gestellt und das Anspitzen pfeilartiger Stifte aufgegeben haben. Die Fab Three aus Basildon sind noch immer da, oder besser gesagt - sie sind wieder da: Das fulminante Alterswerk "Playing The Angel" macht den uninspiriert-lasziven Ausrutscher "Exciter" völlig vergessen, reiht sich ein in die erste Sturmformation neben "Music For The Masses" und "Violator". Leute, holt die Taschentücher raus - es darf geschluchzt, gerotzt und sogar getanzt (!) werden bis der Sani kommt!
Es stockt einem in der Tat der Atem bei der Mischung aus vermeintlichem Retro-Sound und der offensichtlich wiederentdeckten Freude an der Melodie, in Moll versteht sich. Feuerwerk der Depressionen, Songs of Düsternis, Leiden auf hohem Niveau - Depeche Mode zelebrieren ihre schwarze Messe mit erprobten Erfolgsgaranten, ohne sich allerdings als Wiedergänger ihrer selbst im pophistorischen Steinbruch zu verstolpern. Analoge Synthies wetteifern mit der verzerrten Gitarre in libidinöser Tändelei um die Pole Position vorm Trommelfellaufprall, Harmonien stürzen unverhofft wie gefallene Engel in ein Flussbett knarzender Dissonanzen und Dave Gahans Stimme bringt dunkle Klangwände zum Leuchten. Magisch, faszinierend, beklemmend all das! Man möchte dem Bad dieser dichten Atmosphäre nicht mehr entsteigen. Gänsehaut galore! Jeder Song birgt ein kleines Universum. Unter elektronisch blubberndem und pluckerndem Nebel steckt eine subtile Raffinesse, die mit ausgebreiteten Flügeln in die Tiefe schwebt. Bei den aufkreischenden Sirenen im Opener "A Pain That I'm Used To" steht nicht nur der Nachbar geradewegs in der Senkrechten, die ungestüme Blues-Gospel-Nummer "Jon The Revelator" erinnert an den Tribal-Tanz "Personal Jesus", die stampfende Bassdrum und das betörende Gitarrenriff in "Suffer Well" bringen den Puls auf Betriebstemperatur, bei "Nothing's Impossible" stirbt man tausend Tode vor Schmerz und Glück zugleich, jaaaaa, mehr, mehr, mehr! Auf die nächsten 25 Jahre!


11:11
11:11
Preis: EUR 13,33

13 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Frau im Spiegel, 1. August 2005
Rezension bezieht sich auf: 11:11 (Audio CD)
Wüsste der beschränkte Horizont des Cowboys aus Texas den Blick über diesen hinaus nicht zu verstellen, würde sich Schorschi-Boy entweder in einer Gebärde gastrischer Unpässlichkeit an den Bauch fassen oder lousy Omaha kurzerhand pulverisieren: Ausgerechnet in Bush-Juniors Vaterland des neokatholischen Reinheitsgebots treibt nämlich das malefizlumpige Geschwür vom Inzest sein Unwesen. Mitten in Nebraska existiert ein achsenböser Hort der Un- wie Inzucht, wie er den ollen Ptolemäern gefallen hätte, denen jede Körperöffnung ihrer heiligen Verwandten ein vertrauter Ort der Zuflucht war. "Saddle Creek" nennt sich Omahas musikalische Talentbefruchtungsschmiede, wo jeder mit jedem und wieder alle mit allen mal hier und mal dort miteinander wohltemperierte Klänge fernab proteinarmer Gendefekte fabrizieren. Und irgendwie schlitterte ein zierliches Geschöpf namens Maria Taylor in diese Geschichte hinein. Als zweite Hälfte der 2003 zusammen mit Orenda Fink zum Saddle-Creek-Label hinzugestossenen Band Azure Ray und inzwischen auch einem Viertel der Combo Now It's Overhead fand Maria Taylor nicht nur den Weg in die Kiste vom rotweindurchbluteten Songwriter-Genius und Bright-Eyes-Boss Conor Oberst, sondern auch ihre musikalische Erfüllung und gehört mittlerweile zur Kreativabteilung des "Familienunternehmens". Auf ihrem Solo-Debüt "11:11" schmachtet sich die grazile Elfe mit charmanter Stimme und atemberaubender Lässigkeit in einer Late-Night-Atmosphäre durch 10 folkig angehauchte Songs voll düsterer Melancholie, bei denen - natürlich - auch andere SC-Grössen wie Computer-Frickler Andy LeMaster (Now It's Overhead) oder Cellistin Gretta Cohn (The Cursive) Hand anlegten. Selbstredend leiht zudem Herr Oberst sein zerbrechliches Stimmchen, als klemme er noch zwischen den Taylorschen Schenkeln fest, dem berührendsten Moment der Platte, dem Refrain in "Song Beneath The Song". Selbstreflektierende Texte, aufblitzende Elektronik-Schnipsel und die Vocals tragenden organischen Instrumente runden das Ganze ab. Möge weiterhin bei Saddle Creek viel Wälsungenblut blühen, damit der Hörer solcherart Wohlgefühlen fröne.


They Think They Are the Robocop Kraus
They Think They Are the Robocop Kraus
Preis: EUR 14,98

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tanztee mit Würstchen, 31. Juli 2005
Hat Nürnberg eigentlich mehr zu bieten ausser geschrumpften Bratwurstrudimenten und kitschigen Lebkuchenherzen? Nö, im Prinzip nicht, sagt Radio Christkindlmarkt, aber: Es gibt da eine hyperaktive Clique Wave-Tanz-Punk-vernarrter Freaks aus der rustikalen Dürer- und Meistersingerstadt, die sich mit ihrem vierten Album "They Think They Are The Robocop Kraus" anschickt, die internationale Alternative-Szene im Sog all der britischen New-Wave-Retro-Bands des schnell vergehenden Augenblicks delikat aufzumischen. Aber man täte den fünf Jungs von The Robocop Kraus im vorzugsweise getragenen Second-Hand-Anzug Unrecht, sie als den obligatorischen Franz-Ferdinand-Klon des Monats abzukanzeln. Wer seinen Bandnamen aus einer Verkupplung von blechbüchsenpolizistigem Lieblingsfilm und dem Lieblingsschwiegersohn aller Trümmerfrauen, Peter Kraus, generiert, der muss keinen Beweis für Originalität mehr abliefern. Die Kräuse legen mundgerechte Köder in alle Richtungen der Indie-Welt aus. Ein Doppelwhopper (hoppla!) aus Punkrock und Pop. Dazwischen eine triefende Fettschicht Hardcore mit knackigem Soul-Salat. Alles im Geschwindigkeitsrausch serviert, Bremspedal Fehlanzeige. Sofort bahnen sich dem von Neugier erfüllten Hörer die Vergleiche auf der Strecke von den Horchlöffeln zu den Synapsen ihren Weg: die Schwermut von The Cure kopuliert unverdrossen im melodischen Stakkatotakt mit der Getriebenheit der Talking Heads und der Tanzwut von XTC. Diese Musik glüht vor Leidenschaft, ist ein elektrisierender Punch ins Lustzentrum. Texte mit einer Eloquenz, die Schmidt und Andrack an der Haustür um Autogramme betteln lassen würde. Schon der Opener "After Laughter Comes Tears" bringt das Blut schlagartig auf Siedetemperatur. Und spätestens beim dritten Song der Platte, "You Don't Have To Shout", dessen Refrain so lange in einer Schleife rotiert, bis er sich in die ausgelieferten Gehirnwindungen hochschraubt und zu einem willkommenen Ohrwurm mutiert, möchte man sich schnell zwei Kumpels packen und Arm in Arm auf der Stelle joggend lauthals mitsingen. Grölen und Grillen, wie wär' das toll. Einmal Nürnberger Rostbratwürste, bitte!


The Back Room
The Back Room
Preis: EUR 7,99

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hinterzimmerlautstärke, 29. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: The Back Room (Audio CD)
Stafford muss ein traurig stimmender Ort sein. Englische Midlands, Industrieruinen, Vorstadtlangeweile, nasskalte Heide, Nebelgefilde, uralte Bäume als mürbe Zier. Umso betrüblicher, wenn man es an der dortigen Universität unter lauter snobistischen Nerds kaum noch aushält, das Herz in Weh' liegt und die Schwermut des Daseins einem die Gedankenfäden abzuschnüren droht. Entweder knüpft man sich alsdann in einem der gespenstischen britischen Wälder an den erstbesten Ast, der dem eigenen Gewicht standhält, oder man gründet mit den einzig verbliebenen elegisch Gleichgesinnten eine Band. So traten vier Kommilitonen statt den Spaziergang ins Gehölz den Ausflug ins Studio an, gaben sich zum Frohlocken der Redakteurszunft den Namen Editors und ihrem Debütalbum den Titel "The back room". Es sollte einleuchten, dass unter den geschilderten Voraussetzungen der Aufnahmeort der Platte nicht zur Kirmes rheinischen Frohsinns geriet. Vielmehr taumeln die Editors auf einem Teppich dunkel-harmonischer Melodien entlang der seelischen Klippenvorsprünge, meistern das Überqueren des breiten Grabens zwischen Verzweiflung und Zuversicht. In beide Richtungen, hin und her, immer und immer wieder. Mal klingen die Gitarren wie rasselnde Säbel, mal in epischer Ruhe tieftraurig wie singende Wale. Prägend sind vor allem das dominante Gezupfe des Bassisten und die sonore Baritonstimme von Tom Smith, die mit der wogenden Welle ihrer Akkorde das zuerst schüchtern schlagende Herz der Platte in heftige Raserei versetzt, dass es bald schon wie tausend Gewitter wummert. Jede Kontraktion presst das Blut mit solcher Wucht durch die spiralförmige Spur des Silberlings, dass man fürchtet, der CD-Player hebt augenblicklich ab zu seinem Mars-Jungfernflug. Vorher gilt es jedoch, die Intensität von Übersongs wie "Munich", "Blood" oder "Camera" zu geniessen. In Hinterzimmerlautstärke.


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