Profil für Grit W. > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Grit W.
Top-Rezensenten Rang: 112.914
Hilfreiche Bewertungen: 131

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Grit W.

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5
pixel
Schatten über der Insel: Ein Fall für Lasse Larsson. Usedom-Krimi
Schatten über der Insel: Ein Fall für Lasse Larsson. Usedom-Krimi
von George Tenner
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Serienmörder auf Usedom, 17. August 2013
In „Schatten über der Insel“ ziehen wahrlich düstere Wolken über die Sonneninsel Usedom, denn nicht nur ein Feuerteufel hält Polizei und Anwohner gleichermaßen in Atem. Nach dem Verschwinden eines jungen Mädchens aus einem abgebrannten Haus, sowie dem Fund von Leichenteilen und eines Skelettes steht für Lasse Larsson und sein Team fest, dass ein Serienmörder auf der Insel verweilt. Ein äußerst cleverer und sehr gefährlicher, wie sich herausstellen soll. Ob es aber Zusammenhänge zwischen den Bränden und den Morden gibt, gilt zu ermitteln.

Der Einstieg ins Geschehen erfolgt unmittelbar mit dem Prolog. Bereits hier bekommt man spannendes Lesefutter geboten, das einen umgehend ans Buch fesselt und neugierig macht. Durch die Brände und die grausigen Funde, die stets neue Fragen aufwerfen, zieht sich die Spannung durch das ganze Buch. Gemeinsam mit Larsson und seinem Team grübelt man über die Hintergründe der Verbrechen und teilt mit ihm so manch schlaflose Nacht.

Überaus interessant beschrieben ist die akribische Ermittlungsarbeit der Polizei, welche ohne Action und Effekthascherei verläuft, deswegen aber sehr realistisch erscheint und eben deshalb einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt hat. Derartigen Zierrat hat der Roman auch gar nicht nötig, besticht er doch durch die geschilderten Geschehnisse und deren sich daraus unmittelbar ergebenen Fakten, die nachhaltig auf den Leser wirken. Hinzu kommen die begeisternden Dialoge und Verhöre, die es nicht an Intellekt fehlen lassen. So wird man inhaltlich und sprachlich bestens unterhalten und zugleich auf Probleme aufmerksam gemacht, die nicht nur auf Usedom gegenwärtig sind.

Hier liegt auch eine besondere Stärke des Autors, der nicht nur einfach eine spannende und mitreißende Kriminalgeschichte schreibt, sondern nebenbei stets aktuelle Ereignisse mit einfließen lässt und dabei politische Probleme aufgreift und diese dann gesellschaftskritisch betrachtet. So spielt diesmal auch der Krieg in Afghanistan eine Rolle…

Des Rätsels Lösung setzt sich Stück für Stück wie bei einem Puzzle zusammen. Da man lesender Weise stets dem ermittelnden Hauptkommissar Larsson zur Seite steht, bei dem sämtliche Informationen zusammenlaufen, kann man zu jeder Zeit aktiv bei der Suche nach dem Täter bzw. den Tätern teilnehmen. Dadurch hat man einen besonderen Bezug zum Buch, der durch die Sympathie zum Protagonisten, in dessen Privatleben man ebenfalls einen Einblick erhält, verstärkt wird.

Nicht zuletzt begeistert die detailgetreue Beschreibung der Insel Usedom mit ihren beschaulichen Orten. Da macht sich trotz der beschriebenen Verbrechen Lust auf Urlaub breit, selbst dann, wenn man dem Charme dieser Insel bisher noch nicht erlegen ist.

„Schatten über der Insel“ ist der nun schon fünfte Fall von Lasse Larsson auf Usedom. Hat man die anderen Romane gelesen, dann hat man natürlich eine besondere Verbindung zu ihm und seinen Kollegen, deren Stärken und Eigenheiten man bereits kennt. Diese Vorkenntnisse sind vorteilhaft, jedoch für ein besseres Verständnis dieses Buches absolut nicht notwendig, welches ich mit 5 Sternen empfehlen möchte…


Einsamkeit und Sex und Mitleid
Einsamkeit und Sex und Mitleid
von Helmut Krausser
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen So ein Mist, 30. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Einsamkeit und Sex und Mitleid (Broschiert)
Ich lese wirklich viele Bücher, dem Genre nach querbeet. Da kommt einem natürlich so manches Buch unter, das man lieber hätte weder kaufen noch lesen sollen. "Einsamkeit und Sex und Mitleid" ist jedoch der absolute Gipfel. Das angeblich "witzigste deutsche Buch des Jahres" hat mich nicht ein einziges Mal zum Lachen gebracht. Die haarsträubenden Geschichten sind wirr aneinandergereiht und völlig sinnfrei. Dazu die abstoßende vulgäre Wortwahl - das ist einfach nur arg schlimm. Dieses Buch ist noch nicht einmal das Papier wert, auf welchem es gedruckt wurde. Es zu kaufen ist Geldverschwendung, es zu lesen Zeitverschwendung.


Das Haus am Hohen Ufer.: Eine nachdenklich - leicht satirische Zeitreise zwischen der Ostseehalbinsel Fischland und der Insel Usedom. Autobiografische Erzählung
Das Haus am Hohen Ufer.: Eine nachdenklich - leicht satirische Zeitreise zwischen der Ostseehalbinsel Fischland und der Insel Usedom. Autobiografische Erzählung
von George Tenner
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen George Tenner erzählt aus seinem Leben, 16. März 2010
Das Buch Das Haus am Hohen Ufer" trägt den Untertitel Eine nachdenklich - leicht satirische Zeitreise zwischen der Osteseehalbinsel Fischland und der Insel Usedom". Besonderes Augenmerk legt der Autor auf den Ort Ahrenshoop mit seiner Künstlerkolonie. In seinem Buch beschreibt er die Jahre 1943 bis 2009, also Erlebnisse von seinem 4. bis zu seinem 70. Lebensjahr. Daher ist das Buch so facettenreich, wie das Leben selbst.

Man lernt George Tenner als kleinen liebenswerten Lausejungen kennen, dem so manches Mal der Schalk im Nacken saß. Hierzu gibt er Episoden preis, die einen herzhaft lachen lassen, mag man sich doch nur einmal vorstellen, wie es ausgesehen haben muß, wie er als kleiner Junge im Schaufenster seiner Mutter saß, um seinem Trotz Ausdruck zu verleihen. Doch man lernt Tenner auch als wißbegierig und an seiner Umwelt interessiert kennen. Schier unstillbar scheint seine Neugier, mit der er das für ihn neue Inselland entdeckt.

Sehr interessant fand ich die Schilderung seiner Jugendzeit, hatte er doch bereits in jungen Jahren Kontakt zu Persönlichkeiten aus verschiedensten Bereichen. Nachvollziehbar, daß ihn diese Erlebnisse und vor allem die Gespräche, denen er beiwohnen und die er führen durfte, stark prägten und natürlich auch zum Nachdenken anregten.

Auf Grund dieser Prägung ist es auch verständlich, daß Tenner einen Fluchtversuch unternahm. Seine Inhaftierung und seine ganz persönliche Erfahrung mit den Methoden der StaSi ließen ihn gänzlich der DDR den Rücken kehren. In seinem Buch berichtet er jedoch auch über Schicksale anderer Personen, die die Macht der StaSi zu spüren bekamen. Das sind unter anderem Stellen im Buch, die einem unter die Haut gehen, die einen wütend machen, aber auch hilflos dastehen lassen. Unfaßbar, was unter dem Deckmantel der Demokratie alles geschehen ist.

Tenner bezieht in seinem Buch politisch klar Stellung. Er prangert an, deckt Mißstände auf und belegt diese mit Fakten. Das bezieht sich nicht nur auf die DDR, denn auch das andere Deutschland hat seine Schattenseiten, die es all zu gern vertuscht.

Natürlich berichtet Tenner auch von seinem Vater. Dem Kunstmaler Schmidt-Kirstein widmet er sogar ein ganzes Kapitel, obwohl sich die Kontakte zwischen ihnen sehr in Grenzen hielten. Besonders beeindruckt hat mich jedoch jede einzelne Zeile, in der es um seine Mutter geht. Man liest hier förmlich die bedingungslose Liebe zu ihr heraus. Süß, daß er sie als kleiner Junge heiraten wollte.

In Das Haus am Hohen Ufer" beschreibt Tenner sein Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Es gibt sehr amüsante Textstellen, dann auch wieder sehr ernsthafte. Insgesamt ist das Buch sehr interessant und spannend, aber auch sehr unterhaltsam. Der flüssige Schreibstil und das schier unerschöpfliche Vokabular des Autors lassen einen das Buch in einem Atemzug durchlesen. Wunderbar ist in diesem Zusammenhang auch das zahlreiche Fotomaterial, welches das Buch insgesamt etwas auflockert und noch interessanter gestaltet, als es eh schon ist.

In seinem Buch - ich habe es bereits erwähnt - trifft man auf unheimlich viele Persönlichkeiten. Einige werden nur kurz erwähnt, anderen werden ausführlichere Passagen gewidmet. Auch Briefe und Pressemitteilungen baut Tenner in sein Buch mit ein. Leser seiner Generation treffen hier sicherlich auf noch mehr ihnen bekannte Prominente, als ich mit meinen knapp 40 Lenzen.

All diesen Erlebnissen dient die malerische Ostseelandschaft bei Ahrenshoop als Kulisse. Tenner berichtet somit auch von den hier heimischen Landsleuten, erzählt wie man hier lebte, arbeite und zusammenhielt oder sich verriet. Land und Leute beschreibt er dabei so lebendig, daß man die Ostsee, den Strand und die Ahrenhooper vor seinem inneren Auge sehen kann. Man bekommt regelrecht Lust, in des Autors Fußstapfen zu treten und sich den Ort einmal selbst anzuschauen.

Wer Tenner bereits durch seine Krimis kennt, lernt ihn nun etwas besser und von einer ganz anderen Seite kennen und kann nachvollziehen, weshalb er seine Kriminalromane so spannend und brisant gestaltet. Doch auch wer ihn noch nicht kennt, dem sei dieses Buch empfohlen, denn es spiegelt ein Stück deutsche Geschichte wieder, die man nicht vergessen darf.

Das Buch ist aus meiner Sicht uneingeschränkt empfehlenswert...


Tod im Apothekenhaus
Tod im Apothekenhaus
von Wolf Serno
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Theodorus Rapp, 21. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Tod im Apothekenhaus (Taschenbuch)
Theodorus Rapp, ein Apotheker, der im 18. Jahrhundert in Hamburg lebt, wird eines Nachts überfallen, wehrt sich aber tapfer. Als er am nächsten Tag aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht, ist er der festen Annahme, ein Doppelmörder zu sein, denn seine Kleidung ist blutüberströmt. Als er dann zu seiner Apotheke geht, stellt er mit Entsetzen fest, daß sie geöffnet hat. Hinter dem Tresen steht - er glaubt es kaum - er selber...

Das Leben des Apothekers steht Kopf. Er kann sich nicht erklären, wer der fremde Mann in seiner Apotheke ist und er weiß auch nicht, weshalb er sich als der Besitzer der Apotheke ausgibt. Doch den Fremden einfach konfrontieren, geht nicht, ebenso kann Rapp nicht zur Stadtwache gehen, denn er glaubt ja, ein Mörder zu sein. Und so beginnt ein turbulentes Ränkespiel, welches knifflig, brisant, lebensgefährlich und situationsbedingt auch teilweise komisch ist.

Interessant fand ich dieses Buch, weil es das Leben in Hamburg im 18. Jahrhundert recht gut darstellt. Der Apotheker Rapp gehört zur oberen Schicht der Stadtbevölkerung, denn er genießt dank seines Amtes Ansehen. So lernt man ihn als Gast bei einem musikalischen Abend bei einer ebenso angesehenen Familie kennen. Er trägt standesgemäße Kleidung, sein Haupt ist mit einer Perücke bedeckt. Es ist die Zeit, in der man sich mit Puder das Gesicht bedeckte und in der man als vornehm galt, sprach man französisch.

Doch jäh findet sich der Apotheker Rapp im Armenviertel Hamburgs wieder, denn dort sucht er bei seinem ehemaligen Gehilfen Unterschlupf. Dieser Gehilfe ist spurlos verschwunden, doch Rapp findet bei seiner Tochter Zuflucht. Ihre Freunde sind auch recht bald seine Freunde. Wahre Freunde, denn sie werden im Laufe des Romans Rapp bedingungslos helfen, sogar unter Einsatz ihres Lebens. Hierzu gibt es mehrere kleine Episoden, die mich tief beeindruckt haben, denn die Herzlichkeit, die Verbundenheit und der Zusammenhalt der neuen Freunde Rapp's haben mich sehr berührt. So arm sie auch sind - sie teilen mit ihm Brot und Bett. Sie sind nicht nur bereit, ihr Leben für Rapp einzusetzen, manche verlieren es leider auch.

Rapp und seine neuen Freunde entdecken schnell, daß der Doppelgänger mit anderen Schurken unter einer Decke steckt, die auch mit dem Überfall auf Rapp zu tun haben. Interessiert sind sie nicht an Rapp's Apotheke, sondern an seinem Thesaurus, seiner umfangreichen und sehr wertvollen Sammlung an Gesteinen, Muscheln und allerlei Getier. Sind entsprechende Passagenteilweise recht wissenschaftlich, so sind sie für den Leser jedoch jeder Zeit verständlich. Man merkt, mit welcher Leidenschaft Rapp an dieser Sammlung hängt und versteht nur zu gut, daß er die gestohlenen Stücke zurückhaben will. Hierzu gibt es spannende Teilgeschichten, die mit viel Pfiffigkeit einhergehen. Einerseits dürfen Rapp und seine Freunde dem Doppelgänger und seinen Schurken nicht in die Quere kommen, andererseits ist auch Vorsicht geboten, da die Stadtwache stets präsent ist. Das sind auch die Geschichten, die das Buch zu einem besonderen Krimi machen, da hier mit viel Köpfchen gearbeitet wird. Teilweise aberwitzige Aktionen werden zu einer heiklen Angelegenheit.

Es geht jedoch nicht um Diebstahl allein. Leider ist das Interesse an dem Thesaurus so groß, daß der fremde Apotheker und seine Schurken selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Hinterlistig und heimtückisch werden mehrere Menschen Opfer von Messerstechereien. Das macht einen beim Lesen sehr traurig, hat man gewisse Romanfiguren doch sehr lieb gewonnen.

Zum Ende des Romans soll sich alles aufklären. Rapp, der sich zwischenzeitlich als Gehilfe in seiner eigenen Apotheke eingemogelt hat, bekommt seine Apotheke und seine Identität wieder zurück. Durch sein Abenteuer hat er nicht nur viele neue Freunde gewonnen, sondern auch seine große Liebe gefunden. Auch wird die wahre Identität seines Doppelgängers gelüftet, die einen wirklich schockiert.

Freude könnte im Leser jubeln, doch der Epilog macht sie teilweise wieder zunichte, denn Rapp's Leben wird zwar weitergehen, doch das Schicksal schlägt immer wieder zu. In Gedanken versunken schlägt man das ausgelesene Buch zu.

* * * * *

Von der Story her fand ich das Buch total klasse. Es ist für mich ein ganz neues Krimi-Erlebnis gewesen und zugleich eine sehr lehrreiche Reise in die Vergangenheit. Man erfährt nicht nur viel über den Thesaurus, sondern auch über die Arbeit in einer Apotheke des 18. Jahrhunderts. Das hat Serno wirklich überaus interessant beschrieben. Auch die Schilderung des normalen Lebens hat mich sehr beeindruckt.

Interessant ist für mich auch die Vorstellung gewesen, daß der Doppelgänger dem Apotheker so ähnlich gewesen sein soll, daß niemand den Schwindel bemerkte, auch wenn ihm medizinische Kenntnisse ganz offensichtlich fehlten. Machten Puder, Kleidung und Perücke denn wirklich so viel aus? Es scheint so. Erstaunlich.

Etwas schwierig waren für mich teilweise die Unterhaltungen im Roman. Es gab anfangs einige französische Wortfetzen, die ich mir zusammenreimen konnte. Die immer wieder auftretenden Kosaken, die einige russische Sätze sprachen, waren für mich auch kein Hindernis. Das Plattdeutsche allerdings, mußte ich mir ganz langsam durchlesen, damit ich den Sinn der gesprochenen Worte erkannte, denn ich bin dieses Dialektes nur sehr bedingt mächtig.

Dieser Kriminalroman ist gediegen und ausschweifend. Es geht nicht um den Raub und die Morde allein, sie sind lediglich die Höhepunkte. Sehr viel Zwischenmenschliches wird in den Kapiteln zum Hauptthema. Das wirkt stellenweise langatmig und in die Länge gezogen, aber irgendwie paßt es auch wieder in diese Zeit. Der Schreibstil erinnerte mich immer wieder an Patrick Süßkind's "Das Parfum", denn dieses Buch fand ich auch thematisch sehr ansprechend, aber unheimlich langweilig geschrieben. Von Langeweile mag ich zwar im Zusammenhang mit "Tod im Apothekenhaus" nicht sprechen, aber flott und rasant ist dieses Buch eben auch nicht. Es unterhält einen durchweg und das immerhin so gut, daß ich das Buch in zwei Tagen durchgelesen habe, weil mich das Schicksal des Apothekers gefesselt hatte.

"Tod im Apothekerhaus" kann ich durchaus zum Lesen empfehlen. Wer Edgar Wallace und Agatha Christie mag, wer sich zudem für das Leben im 18. Jahrhundert interessiert, der hat mir diesem Buch die richtige Wahl getroffen, um sich gut unterhalten zu lassen und zudem noch eine Menge Wissenswertes zu erfahren. 4 Sterne sollen allerdings genügen...


Kopf ab: Kriminalroman
Kopf ab: Kriminalroman
von David Rosenfelt
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen First Degree, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Kopf ab: Kriminalroman (Taschenbuch)
Strafverteidiger Andy Carpenter lebt seit seiner millionenschweren Erbschaft eigentlich mehr so dahin. Er ist glücklich mit seiner Freundin Laurie, einer engagierten Detektivin, mit der er eine Montag-Mittwoch-Freitag-Beziehung führt. Alles ist schön, bis eines Tages die kopflose und verbrannte Leiche von Alex Dorsey gefunden wird. Dieser war Lieutenant im Paterson Police Department und stand unter Korruptionsverdacht, seit Laurie - damals selbst noch Polizistin - ihn bei Vorgesetzten gemeldet hat.

Dieser Mord ist der Auftakt zu einem unheimlich clever ausgedachten Verwirrspiel, denn Carpenter bekommt Besuch von einem Mann, der sich als Mörder Dorseys outet. Als ein paar Tage später ein anderer Mann des Mordes angeklagt wird, übernimmt Carpenter seine Verteidigung, da er ja weiß, daß dieser Mann nicht der Mörder sein kann. Er verteidigt ihn, obwohl auch er mit Laurie in Verbindung steht, hat er doch wegen Drogen das Leben ihrer Freundin auf dem Gewissen. Führen ermittelte Beweise zu einem Freispruch, so wird jedoch umgehend Laurie wegen Mordes angeklagt. Carpenter, der von dem geständigen Mann einen Hinweis auf versteckte Beweismittel erhielt, schickte Laurie zu diesem Versteck, wo sie von Polizisten festgenommen wurde, da diese einen anonymen Anruf erhielten.

Rosenfelt hat sich für "Kopf ab" eine unheimlich verzwickte Geschichte ausgedacht, die jeden Krimi-Fan rundum einfach nur begeistert. Es ist schon sehr erstaunlich, wie geschickt man Beweise fälschen und verdrehen kann, um eine völlig falsche Fährte zu legen. Ist man einerseits von dieser Genialität begeistert, so erschüttert sie einen auf der anderen Seite auch, denn es geht ja um Laurie, die die uneingeschränkte Sympathie des Lesers genießt und die nun unschuldig vor Gericht steht. Carpenter, ein weiterer Sympathieträger im Buch, übernimmt selbstverständlich Lauries Verteidigung, sieht sich jedoch vor einem unlösbaren Problem. Wie nur kann er die vorliegenden Beweise für seinen und Lauries Vorteil nutzen? Wie kommt er an weitere entlastende Beweise?

Besteht die erste Hälfte des Buches aus der verzwickten Geschichte, die zur Verhaftung Lauries führt, die den Leser gleichzeitig mit allen wichtigen Romanfiguren bekannt macht, so schildert die zweite Hälfte des Buches den Verlauf des Prozesses, an dessen Ende über Lauries Schuld oder Unschuld entschieden wird. Hier gibt es durchaus interessante Parallelen zu "Eine Frage der Ehre", denn es gilt einerseits nicht nur sehr geschickt mit Bedacht ausgewählte Zeugen zu befragen, sondern es geht auch darum, verdeckte Geschichten aufzudecken. Speziell geht es um Geschichten aus dem Leben des Mordopfers Dorsey, die einen zurück in die Zeit des Vietnamkrieges führen. Dabei wiederum geht es um Verstrickungen mit dem FBI, was natürlich äußerst brisant ist.
Carpenter ist ein sehr guter Anwalt. Witzig, sarkastisch und trotzdem liebenswert, aber vor allem ist er sehr intelligent. Auch wenn er gerade jetzt immer wieder von Zweifeln heimgesucht wird, da es ja nicht nur um Lauries, sondern auch um sein zukünftiges Leben geht, so läßt er sich doch zu keiner Zeit entmutigen. Die loyalen Mitarbeiter seiner Kanzlei haben daran auch einen ganz großen Anteil. Gemeinsam streben sie einem positiven Prozessausgang entgegen.

"Kopf ab" sind 318 Seiten vollgepackt mit Spannung und Nervenkitzel. Hat man das Buch erst einmal angefangen, kommt man nicht mehr davon los. Unglaublich und fesselnd zugleich ist die angezettelte Verschwörung gegen Laurie. Ihr Schicksal kann einem nicht egal sein. Und so läßt man sich durch den ungemein flüssigen Schreibstil durch das Buch tragen, welches in Ich-Form aus der Sicht Carpenters geschrieben ist, was dem Gesamteindruck des Buches sehr zuträglich ist, fesselt es dadurch nur noch mehr.

Ist die Story auch packend, brisant, für die Romanhelden zukünftig von wichtiger Bedeutung und wegen weiterer Morde gefährlich, so ist das Buch dennoch sehr unterhaltsam, da es immer wieder lustige Passagen gibt, die dem Sarkasmus und dem witzigen Esprit Carpenters zu verdanken sind. Ein ständiges Auf und Ab wegen stets neu auftauchender Beweise gestaltet diesen Gerichtskrimi durchweg rasant. Es macht richtig Spaß, ihn zu lesen und bekommt regelrecht Lust auf mehr.


LIMIT: Reich - Gewissenlos - Tot. Thriller
LIMIT: Reich - Gewissenlos - Tot. Thriller
von Mark T. Sullivan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Triple Cross, 20. Januar 2010
Eigentlich wollten die sieben reichsten Männer der Welt zusammen mit ihren Frauen und Kindern im exklusiven Jefferson-Club eine grandiose Silvesterparty feiern. Doch die "Dritte Front" überfällt den Club und nimmt alle Anwesenden als Geiseln. Nach einer kleinen Spende in Höhe von gerade einmal 1 Million, werden die Familienmitglieder der Multimilliardäre freigelassen.
Den Milliardären jedoch wird der Prozeß gemacht. Im Internet für jeden Menschen mitzuverfolgen sind die einzelnen gespielten Gerichtsszenen, in denen die Superreichen an den Pranger gestellt werden. Sie werden des Mordes, sogar des Völkermordes, des Betruges in großem Stil, der skrupellosen Bereicherung und der Zerstörung der Umwelt angeklagt. Ihre Anschuldigungen belegen sie mit Bild- und Textmaterial. Anschließend kann jeder im Internet abstimmen, ob der jeweilige Angeklagte schuldig oder unschuldig ist. Als Strafe steht der Tod...

Mark T. Sullivan hat sich für seinen neuen Thriller eine äußerst brisante Story ausgedacht, die gerade deshalb so brisant ist, weil sie hervorragend in die jetzige Zeit paßt, die Zeit der weltweiten Finanzkrise. Er legt mit diesem Buch den Finger in eine offene Wunde. Das macht "Limit" so unheimlich fesselnd.

Zu Beginn des Geschehens lernt man die reichen Hauptfiguren kennen, in deren Gespräche es um Geld geht. Speziell um Börsenkurse. Selbst kurz vor der Silvesterparty scheint es nichts Interessanteres zu geben, als noch mal schnell ein paar Millionen auf sinkende Kurse zu setzen. Die Damen dieser Herren kümmern sich hingegen um ihre Garderobe und ihren Schmuck - soll ja auch sehr wichtig sein. Der Leser merkt hier schnell, wo die Prioritäten dieser Romanfiguren liegen. Sympathisch sind sie einem daher nicht.

Sympathieträger hingegen ist Michael Hennessy, der stellvertretende Sicherheitschef des Anwesens. Mit seinen Problemchen weckt er ein wenig Bedauern, aber man lernt ihn auch als Familienvater kennen, denn seine 14-jährigen Drillinge dürfen den letzten Tag des Jahres ebenfalls im Jefferson-Club verbringen.

Durch den Überfall wird die erkaufte Idylle erschüttert. Militärisch organisiert hat die "Dritte Front" ihre Aktion, die knallhart mit eiskalten Morden beginnt. Eigentlich schockierend, doch diese erste Gefühlsregung legt sich beim Weiterlesen bald, denn man erfährt, was diese Globalisierungsgegner zu diesen Taten bewegt. Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar, sehr gut sogar. Und so sieht man eigentlich schon mit freudiger Erwartung den angekündigten Prozessen entgegen.

Die einzelnen Prozesse der Multimilliardäre sind sehr spannend und gleichzeitig auch unheimlich schockierend beschrieben, wird doch aufgeführt, daß diese noblen Herren ohne Rücksicht auf Menschenleben und Umwelt ihren Reichtum auf Kosten anderer mehrten. Was so widerlich an der Sache ist, daß diese Herren noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben scheinen. Das macht sehr wütend. So schlimm so ein Geiseldrama kombiniert mit Morden auch ist, so richtig leid taten mir die Opfer nicht. Beim Lesen empfand ich sogar stellenweise etwas Genugtuung.

Während diese Prozesse laufen, gibt es für Hennessy und das FBI aber noch ein anderes Problem, als nur das Geiseldrama zu beenden, denn die Drillinge haben den Club nicht verlassen, wollten sie doch unbedingt ihren Vater finden. Diese drei Teenager sollen letztendlich die Helden des Buches sein, denn sie schlagen sich wacker gegenüber den Terroristen. Die Szenarien, die sie dabei veranstalten, sind zwar gefährlich, aber durchaus von einer gewissen Situationskomik geprägt. Man kann nur staunen, was den Drillingen alles so einfällt, um zu überleben.

Abgerundet wird das Geschehen natürlich auch mit ein wenig Romantik, denn Hennessy wird eine neue Liebe finden. Es handelt sich hierbei um eine sehr engagierte FBI-Agentin, die sich mit Wirtschaftskriminalität beschäftigt und zufälliger Weise gerade damit beschäftigt ist, gewisse sehr gut betuchte Herren unter die Lupe zu nehmen. Sie erkennt auch die Zusammenhänge zwischen dem Überfall und den sinkenden Börsenkursen und kommt somit den Drahtziehern auf die Spur.
"Limit" gestaltet sich sehr facettenreich, was den Thriller, zusammen mit den ständigen Szenenwechseln, unheimlich rasant und mitreißend gestaltet. Der flüssige Schreibstil Sullivans begeisterte mich auch wieder einmal. Und zwar so sehr, daß ich das Buch in anderthalb Tagen durchgelesen habe.

Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen. Es ist zeitlich und thematisch sehr aktuell. Seine Erscheinung ist sehr gut terminiert.

Inhaltlich berührt einen das Buch sehr stark. Die offengelegten skrupellosen Machenschaften der geldgierigen Herren sind einem zu wider. Man mag sie gar nicht als Opfer sehen, denn sie haben massig Schuld auf sich geladen. Doch noch schockierender soll das Ende des Buches sein, wenn man erfährt, wer hinter diesem Anschlag steckt. Da verliert man wirklich jeglichen Glauben an die Menschlichkeit und auch den Glauben an die Gerechtigkeit. Wütend und schon fast resigniert legt man das Buch beiseite, wenn dessen Ausgang auch für die Romanhelden positiv ausgeht. Es bleibt ein bitterer Beigeschmack, zieht man Parallelen zur Realität.

Ich bin der Meinung, jeder sollte das Buch lesen. Es ist schon fast revolutionär und könnte als indirekter Aufruf verstanden werden, sich endlich mal gegen die derzeitigen kapitalistischen Machenschaften zur Wehr zur setzen. Lesen sollten es aber auch die Herren, die zur oberen Gesellschaftsschicht gehören. Für sie sollte das Buch eine Warnung sein und auch ein Wink, einmal über eigene Geschäftspraktiken nachzudenken.

Beim Lesen des Buches mußte ich immer wieder an den Contergan-Skandal denken. Ein wunderbares Beispiel für gewissenloses Handeln. Ohne Rücksicht auf Menschenleben dachte die Firma, die heute immer noch fleißig produziert und Gewinne scheffelt, nur an ihren finanziellen Nutzen. Wie würde sich ein gewisser Herr fühlen, wenn er auf der Internetanklagebank sitzen würde und jeder Mensch dürfte über seine Schuld oder Unschuld entscheiden?

Nun ja, Beispiele für menschlichen Abschaum, der sich in Armani-Anzügen versteckt, gibt es zuhauf...

Und so gebe ich in Gedanken verloren diesem knallharten Thriller 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.


Klarer Fall
Klarer Fall
von David Rosenfelt
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Open and shut, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Klarer Fall (Taschenbuch)
Andy Carpenter, ein Strafverteidiger, der sich Fall zu Fall hangelt, übernimmt einen eigentlich aussichtslosen Berufungsfall, weil sein Vater ihn darum gebeten hat. Es geht um William Miller, der wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Damals war Andy's Vater auf der Seite der Anklage; umso eigenartiger erscheint Andy nun der Wunsch seines Vaters, sich auf die Seite der Verteidigung zu stellen.

Kurz darauf stirb Andy's Vater und er findet in seinem Nachlaß ein gut 30 Jahre altes Foto, welches seinen Vater und mehrere Männer zeigt, die heute sehr einflußreich sind. Mit auf dem Foto ist der Vater eines Mannes, der mit der Frau leiert war, die William Miller umgebracht haben soll. - Andy hat über 2 Millionen Dollar von seinem Vater geerbt. Das ist sehr merkwürdig, denn von diesem Geld wußte er bisher nichts. Recherchen ergeben, daß dieses Geld zwei Tage später auf dem geheimen Konto des Vaters eingezahlt wurde, nachdem das gefundene Foto entstand.

Carpenter hat somit nicht nur beruflich eine harte Nuß zu knacken; nebenbei versucht er auch herauszufinden, von wem der Vater das Geld bekommen und was das Foto mit all dem zu tun hat...

* * * * *

Die Story dieses äußerst spannenden und sehr unterhaltsamen Gerichtsthrillers ist sehr verzwickt und der Fall scheint kaum lösbar. Doch man spürt regelrecht, daß das Foto, das viele Geld und der aktuelle Berufungsfall miteinander verknüpft sind. Aber wie? Weder Andy Carpenter, noch der Leser können sich einen Reim auf die spärlichen Fakten machen, die Rosenfelt anbietet. Allein das Gefühl sagt einem von Anfang an, daß dieses Buch sehr aufregend werden wird.

Andy Carpenter war mir von Anfang an recht sympathisch, denn er trägt sein Herz auf der Zunge. Er sagt nicht nur, was er denkt, er verpackt seine Worte auch sehr originell. Eine leicht ironische Ader trage ich selbst in mir, von daher hatte ich beim Lesen auch recht viel zu lachen. Obwohl der hier geschilderte Fall alles andere als lachhaft ist, denn immerhin hat Miller ja eventuell umsonst 7 Jahre lang im Gefängnis gesessen und einer Hinrichtung entgegengesehen. Das läßt einen über den Fall hinaus auch einmal wieder gründlich über die Todesstrafe nachdenken.

Nachdenklich stimmte mich auch wieder einmal, wie weit man mit Geld kommen kann, wie sehr man die Wahrheit verdrehen und andere Menschen ins Unglück stürzen kann. Diesbezüglich gibt es in diesem Buch mehrere Begebenheiten, die einen tief erschüttern. Spannend an diesem Buch fand ich besonders die zweite Hälfte, in der es ausschließlich um das Gerichtsverfahren geht. Gerichtsprozesse, in denen man natürlich auch die Wahrheit ergründet, in denen man aber vor allem die Geschworenen überzeugen muß, finde ich unheimlich interessant. Diese Wortspielerei der Anwälte, die Auslegung der Fakten und die Beurteilung der Beweise - das finde ich grandios. Rosenfelt hat den Verlauf des Prozesses absolut toll beschrieben. Man ist von dem Buch gefesselt und kann es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Man ist von der Figur Carpenter einfach nur begeistert und kann sich an manchen Stellen die verdutzten und innerlich vor Wut verzerrten Gesichter des Gegenanwaltes sehr gut vorstellen. Diese Szenen sind es auch, die mich wünschen lassen, dieses Buch würde verfilmt.

Die Story des Buches bietet neben all der Juristerei aber auch noch genügend Platz für Carpenter's Privatleben. Zwischen Nochehefrau und seiner Geliebten hin- und hergerissen, verfolgt man natürlich auch diese Entwicklungen interessiert mit und kommt zu dem Schluß, daß sich Andy letztendlich für die richtige Frau entscheidet.

Schade eigentlich, daß das Buch nur 335 Seiten hat. Locker, leicht, flott und flüssig geschrieben kann man derart spannend verzwickte Lektüre durchaus länger ertragen. Doch es gibt ja noch weitere Bücher, in denen Andy Carpenter die Hauptrolle spielt. Auf jeden Fall ist "Klarer Fall" ein durchweg empfehlenswertes Buch, an dem es nichts auszusetzen gibt.


Eisjagd
Eisjagd
von Hannah Nyala
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Cry last heart, 20. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Eisjagd (Taschenbuch)
Dezember - Grand Teton Nationalpark. Ranger Tally Nowata und ihre Kollegin Laney erhalten einen Notruf und eilen sofort in die verschneiten Berge, um Leben zu retten, ohne zu ahnen, daß sie selbst bald in Lebensgefahr schweben werden, denn der Notruf war nur der Anfang eines grausamen Plans...

Das könnte durchaus ein guter Anfang für einen Thriller sein, wenn sich nicht die ganze Bergsteigerei rauf und runter über die ersten 80 Seiten ziehen würde. Wirklich interessant scheint dies in meinen Augen nur für Interessenten der Kletterei und Bergsteigerei zu sein. Mir als Laie war es so ziemlich egal, weshalb so manches Eisen in den Felsen gehauen und so manches Seil daran festgebunden wurde. Mir hätte man durchaus mit viel weniger Worten sagen können, daß Bergsteigen bei Sturm und Schneefall gefährlich ist.

Doch nach 80 Seiten mutigem Lesekampf geht die Geschichte wenigstens ein kleines Stückchen weiter, denn Tally trifft auf ihre Kollegen. Laney jedoch ist verschwunden. Tally wird im Krankenhaus verarztet und erfährt, daß ihre beiden Töchter entführt wurden. Mir völlig unverständlich, woher sie die Kraft dafür nimmt, aber sie packt ihre Sachen und macht sich auf die Suche. Allerdings nicht auf die Suche nach ihren Töchtern, sondern auf die Suche nach Laney. Wieder ein Fakt, den ich nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen kann, da ich dieses Verhalten nicht im geringsten nachvollziehen kann.

Auf Seite 150 kommt endlich etwas Spannung auf. In der Hoffnung, die quälende Phase hinter mir gelassen zu haben, saugte ich nun interessante Neuigkeiten in mich auf, denn der Mann, der während der Rettungsaktion von Tally und Laney urplötzlich an ihnen vorbei in den Tod stürzte, ist identifiziert und durchaus kein Unbekannter. Doch irgendjemand muß Laney vom Felsen geschnitten haben. Wer? Und warum? Gleiches gilt auch für die Entführer von Tally's Töchter. -Nach diesem 40-seitigen Spannungshoch flacht die ganze Story leider wieder ab. Tally steigt erneut die Berge hoch und runter, sucht nun ihre Töchter, da Laney derweil gefunden wurde, und kann sie irgendwann und irgendwie auch retten. So wirklich berührt einen die Geschichte aber nicht, denn man hat gar keine richtige Möglichkeit, ins Geschehen einzutauchen. So distanziert, wie sich Tally gegenüber ihren Mitmenschen verhält, so distanziert tritt sie auch dem Leser gegenüber. Obwohl der Thriller aus ihrer Sicht in Ich-Form geschrieben ist, springt der Funke nicht über, da man zu keiner Zeit die Möglichkeit hat, ihr zu folgen, mit ihr mitzudenken oder gar mitzufühlen. Sie ist ein eigenartiger Einzelgänger mit anscheinend übernatürlichen Kräften. Sie wirkt daher unnahbar. Identifizieren kann man sich mit ihr nicht.

Der Schreibstil ist eigentlich flüssig und sehr angenehm, was aber nervt, ist der Inhalt der Worte. Während Tally hin- und herklettert, so ganz allein, verliert sie sich in Gedanken. Sie schweift nach Australien, wo ihr Mann ermordet wurde. Immer wieder denkt sie daran, wie sie dem Mörder ihres Mannes das Genick bricht. Immer wieder derselbe Brei, der sich zwischen Gedanken mischt, die mit dem hier und heute zusammenhängen, die man aber gar nicht mehr recht sortieren kann. Gleiches trifft auch auf so manche Personen zu, die nicht wirklich etwas mit dem Geschehen zu tun haben. Das sind dann letztendlich zu viele Belanglosigkeiten, die einen nicht im geringsten interessieren, da sie nur unnütz Verwirrung stiften.

Zum Ende hin gibt es ein kleines Finale, welches aber auch nicht recht überzeugt. Die Aufklärung dieses ganzen Spektakels nebst Berichterstattung, was anschließend aus den Hauptakteuren des Buches geworden ist, zieht sich wieder derart in die Länge, daß man das Buch nun doch völlig entnervt in die Ecke wirft. Als ob Hannah kein Ende finden will mit ihrem Psychogelaber. Echt furchtbar.

Ich habe mich wirklich ganz tapfer geschlagen und bin sehr stolz auf mich, denn dieses Buch zu lesen grenzt schon an Strafarbeit. Insgesamt 5 Tage habe ich für diese 363-seitige Schwarte gebraucht. Das will bei mir was heißen, denn die paar Seiten lese ich sonst an einem Tag, wenn ich anderweitig keine Verpflichtungen habe, aber auf jeden Fall an zwei Tagen.
Ich gebe diesem Buch keine Empfehlung und daher auch nur einen Gnadenstern.


Religionen der Welt für Besserwisser: So können Sie mitreden
Religionen der Welt für Besserwisser: So können Sie mitreden
von Holger Stiegler
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Damit man mitreden kann..., 20. Januar 2010
Das Buch ist ca. 13 cm x 18 cm groß und umfaßt gerade einmal 160 Seiten. Es ist also sehr kompakt, denn immerhin werden alle fünf Weltreligionen vorgestellt:

Hinduismus
Buddhismus
Judentum
Christentum
Islam

Aufgebaut ist das Buch wie ein kleines Lexikon. Kurze, prägnante Textpassagen sind jeweils mit einer kleinen Überschrift versehen, die unter einem bestimmten Thema stehen, welches die Kapitelüberschrift vorgibt. Besondere Erklärungen sind in einem orange unterlegten Textfeld nachzulesen. Es gibt aber auch kleine Merkkästchen, die ein tiefgreifenderes Thema anschneiden oder etwas ganz Bestimmtes erklären, was schon über die Allgemeinbildung hinausgeht. Diese Textstellen sind mit "Für Besserwisser" betitelt. Mit diesem Wissen kann man also bei Gesprächen ein wenig angeben und vermitteln, daß man doch recht gut bescheid weiß.

Alle Religionen werden auf die gleiche Art vorgestellt. Es geht um ihre Entstehung, ihre Verbreitung und ihre wichtigsten Grundsätze, also Regeln, nach denen die Gläubigen leben. Erklärt werden ebenfalls die wichtigsten Götter, sowie die wichtigsten Schriften. Man erfährt also Wissenswertes zur Thora, zur Bibel und zum Koran, wobei hier sehr interessant ist, wie diese drei Schriften aufeinander aufbauen. Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Judentum, dem Christentum und dem Islam werden dadurch sehr deutlich, die jeweiligen Unterschiede aber ebenso.
Interessant sind aber auch die jeweiligen Rituale und Festtage, deren Bedeutung in diesem Büchlein nachzulesen ist. Das betrifft alle fünf Religionen. Erstaunlich hierbei fand ich, daß es in unserem Sprachgebrauch unheimlich viele Redewendungen gibt, die auf eine der Religionen zurückzuführen ist.

Das Buch vermittelt das wichtigste Grundwissen zu jeder der fünf Weltreligionen, so daß man sich sehr gut ein Bild von ihnen machen kann. Man kann auch sehr leicht Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennen und sich somit anschließend recht gut seine eigene Meinung bilden. Vom Autor her ist das Buch völlig wertungsfrei, was ich sehr wichtig finde.

Der Aufbau des Buches und seine Gestaltung ist sehr gut gemacht, denn wegen der kurzen Textpassagen kann man das Buch sowohl in einem Rutsch durchlesen, als auch etappenweise, ohne daß es zu Verständnisschwierigkeiten kommt. Der Schreibstil ist flüssig und locker. Man kann das Buch flott lesen und saugt die Fakten in sich auf, da einem das Wissen leicht verständlich vermittelt wird. Somit ist das Buch für jeden geeignet, der sich Basiswissen zu den Religionen aneignen oder sein Allgemeinwissen diesbezüglich auffrischen will: für Schüler, Studenten und auch Erwachsene, die keine oder nur geringe Vorkenntnisse haben.

Interessant und lehrreich ist dieses kleine Buch über die Religionen der Welt, welches auch hin und wieder ein paar Fotos enthält. Ein tolles Nachschlagewerk, das einem helfen kann, sich in der Welt ein wenig besser zurechtzufinden und gewisse Dinge besser zu verstehen.
Ich empfehle deshalb dieses Buch sehr gern mit 5 Sternen.


Die Kammer der toten Kinder (Ein Lucie-Hennebelle-Thriller, Band 1)
Die Kammer der toten Kinder (Ein Lucie-Hennebelle-Thriller, Band 1)
von Franck Thilliez
  Taschenbuch

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn der Stein erst einmal rollt..., 20. Januar 2010
Weihnachten in Nordfrankreich. Die Polizei von Dunkerque, eine kleine Stadt in der Nähe von Lille, wird mit mehreren Straftaten gleichzeitig konfrontiert. Zum einen gibt es eine Sachbeschädigung in einem Betrieb, des Weiteren fand ein Autounfall mit Fahrerflucht statt, ein entführtes Mädchen wird ermordet aufgefunden, während ihr Vater spurlos verschwunden ist.- Nur der Leser weiß, daß die beiden, seit Monaten durch Arbeitslosigkeit zermürbten, Freunde Vigo und Sylvain ihren ehemaligen Betrieb besprayt und auf ihrer Heimfahrt den Vater des entführten Mädchens versehentlich überfahren haben. Aus dem Unfall wird ein Verbrechen, als die beiden Männer den Leichnam im Sumpf versenken, weil sie den Koffer voller Lösegeld, den der Mann bei sich trug, behalten wollen.

Die Polizei hingegen steht vorerst vor einem großen Rätsel. Ob die Verbrechen allesamt in Verbindung stehen oder nicht, sollen die Ermittlungen der folgenden Tage ergeben. Den Polizisten dabei über die Schulter zu blicken, ist sehr interessant, denn als Leser hat man in einigen Dingen zwar einen gewissen Vorsprung, aber dennoch bleiben genügend unbeantwortete Fragen. Man kann also selbst überlegen, wer wohl der oder die Täter sein können. Wer ganz genau aufpaßt, kann diesbezüglich einige am Rande erwähnte Hinweise kombinieren und wird zum Ende des Buches hin einen Aha-Effekt erleben.

Verschiedene, parallel ablaufende Handlungsstränge machen das Buch zu einem unheimlich spannenden Lesevergnügen. Zum einen gibt es Vigo und Sylvaine, die beiden ungleichen Freunde. Während der eine mutiger, berechnender, abgebrühter und alleinstehend ist, ist der andere ein eher besonnener, ruhiger, gedanklich nicht so reger Familienvater. Beide haben zwar ihre Arbeit verloren, doch zwischen ihnen gibt es mehr Unterschiede, als Gemeinsamkeiten. Einerseits interessant, andererseits erschütternd ist es, mitzuerleben, wie sich die Beziehung zwischen den beiden nach dieser Nacht weiterentwickelt, denn Geldgier soll den einen der beiden zu einem eiskalten Mörder machen.

Hinzu kommt, daß die beiden bei ihren nächtlichen Machenschaften beobachtet wurden. Der Entführer will natürlich sein gefordertes Lösegeld um jeden Preis. Daß er skrupellos ist, weiß der Leser, da ihm durch die polizeilichen Ermittlungen bekannt ist, in welchem makaberen Zustand das ermordete Mädchen aufgefunden wurde. Man darf nun gespannt sein, was den beiden Freunden Vigo und Sylvain bevorsteht. Böse Ahnungen sollen übertroffen werden, so daß einem der Atem stockt.

Ein weiterer Handlungsstrang beschreibt die Arbeit der Polizei. Insbesondere heftet man sich dabei an die Hacken der jungen Polizistin Lucie Henebelle, die einem von Anfang an sympathisch ist. Es ist der erste Einsatz nach der Geburt ihrer Zwillinge. Die ehrgeizige Polizistin freut sich über diese Herausforderung und trägt mit ihrem angelesenen Wissen erheblich zu den Ermittlungserfolgen bei.

Dieser Thriller ist etwas für hartgesottene Leser, denn inhaltlich erinnert er stark an "Das Schweigen der Lämmer". Das ermordete Mädchen wird auf besondere Art hergerichtet, was auf die Tat eines Taxidermisten, eines Tierpräparators, schließen läßt. So werden bis ins kleinste Detail Arbeitsschritte erklärt, wie ein Tier präpariert wird. Das geht sogar bis hin zum Sezieren von Menschen. Derart in den menschlichen Körper einzudringen ist schon ungewöhnlich und zuweilen eklig bis abstoßend. Wenn man dann auch noch zu lesen bekommt, was der psychopathische Mörder mit den menschlichen Einzelteilen anstellt, dann stößt man schon an die Grenzen des Verträglichen.

Zum Ende des Buches hin werden die polizeilichen Ermittlungen selbstverständlich erfolgreich sein. Doch der Weg dorthin führt über weitere Leichen. Durch und durch ist dieses Buch also recht heftig und schwer zu verdauen. Handlungen von psychisch gestörten Menschen kann man schwerlich nachvollziehen und schon gar nicht begreifen.

Das Buch läßt einen aber auch sehr nachdenklich zurück, wenn man sich die Entwicklung der beiden Freunde anschaut. Aus Verzweiflung und Wut begehen diese eine geringfügige Straftat, geraten zufällig in einen Unfall, den sie selbst zu einem Verbrechen machen und schon haben sie völlig verloren. Einerseits ist es sehr tragisch, wenn man bedenkt, wie man so plötzlich unverschuldet in eine prekäre Lage geraten kann, was den Autounfall betrifft, anderseits ist es auch schlimm, zu welchen verzweifelten Taten einen Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Aussichtslosigkeit führen kann. Da fragt man sich wirklich: Wohin soll das noch führen?

Das Buch spricht somit viele Bereiche des Lebens an, über die man nach Auslesen des Buches nachdenken kann. Daher ordne ich es schon als lesenwert ein. Aber, wie bereits erwähnt, muß man für diese Lektüre abgehärtet sein. Dann wird man äußerst spannend und kurzweilig unterhalten. Wegen des flüssigen Schreibstils lesen sich die gut 300 Seiten flott dahin. Die Story fesselt einen eh von der ersten Seite an. Und so gibt es selbstverständlich eine Leseempfehlung...


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5