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Rezensionen verfasst von
Gerhard Braun "Dalailama"

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Der höfliche Harald
Der höfliche Harald
von Sibylle Lewitscharoff
  Taschenbuch

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kein Ruhmesblatt, 8. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Der höfliche Harald (Taschenbuch)
Dass Sibylle Lewitscharoff eine hervorragende Schriftstellerin ist, das hat sie mit den Romanen "Apostoloff, Blumenberg, Consummatus und Montgomery" bewiesen. Sie sollte aber zur Kenntnis nehmen, dass sie keine Märchen ("Der höfliche Harald") und schon gar keine Krimis ("Killmousky") schreiben kann. Sie kann sich nicht mit Lewis Carroll, Raymond Chandler oder Edgar Allan Poe vergleichen; das sollte sie einsehen und in Zukunft die Finger von diesen Genres lassen.


Montgomery: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Montgomery: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Sibylle Lewitscharoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Das Leben eines Italo-Schwaben, 7. März 2015
Ich kenne alle Romane von Sibylle Lewitscharoff und halte "Montgomery" für ihren besten. In brillanter Sprache beschreibt die Autorin das bewegte Leben des Filmproduzenten Montgomery Cassini-Stahl, indem sie immer wieder in Rückblenden auf seine Kindheit und Jugend Bezug nimmt. Der Tod seines behinderten Bruders Robert und die Prägung, die er in seiner Heimatstadt Stuttgart erhielt, lassen ihn sein ganzes Leben nicht mehr los. Da ich selbst vier Jahre in Stuttgart gewohnt habe und die Stadt und ihre Umgebung und ihre Geschichte sehr gut kenne, war für mich das "Lokalkolorit" ein Déjà-vu-Erlebnis. Ich würde aber jedem, der sich diesen Roman kauft, die vorherige Lektüre von Lion Feuchtwangers historischem Roman "Jud Süß" empfehlen, um die Hintergrundgeschichte über die Verfilmung des Lebens von Joseph Süß Oppenheimer richtig einordnen und verstehen zu können.


Menschen im Hotel: Roman
Menschen im Hotel: Roman
von Vicki Baum
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Reminiszenz an das Berlin der Zwanzigerjahre, 28. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Menschen im Hotel: Roman (Taschenbuch)
Der Roman "Menschen im Hotel" von Vicki Baum lässt die Zwanzigerjahre in Berlin wieder aufleben und erinnert an Romane wie "Kleiner Mann - was nun?" von Hans Fallada oder "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin. Auch expressionistische Elemente finden sich darin. Die Beschreibung des Boxkampfes im Berliner Sportpalast bespielsweise ist eine sprachliche Delikatesse. Dieser Roman wurde von der Kritik zum Teil als Trivialliteratur eingestuft. Wenn man ihn heute mit einem zeitlichen Abstand von 86 Jahren liest, dann ist er zu einem Stück deutscher Zeitgeschichte geworden und alles andere als trivial. Bei der Lektüre schwingt aber auch ein bisschen Wehmut mit bei dem Gedanken daran, dass die Autorin wegen ihrer jüdischen Identität Deutschland verlassen musste, obwohl sie von sich gesagt hat: "Ich bin nicht religiös, also betrachte ich mich nicht als Jüdin." und dass ihre Bücher am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Operplatz verbrannt wurden.


Consummatus: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Consummatus: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Sibylle Lewitscharoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Intellektuelles Lesevergnügen, 25. Februar 2015
Der Roman "Consummatus", auf Deutsch "vollkommen, vollendet" von Sibylle Lewitscharoff gehört mit zum Besten an Literatur, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Sie breitet hier ein Kaleidoskop aus, das mit "Ulysses" von James Joyce vergleichbar ist. In einem fingierten Dialog zwischen dem Gymnasiallehrer Ralph Zimmermann, den er am Samstag, dem 4. April 2004, von 10:23 Uhr bis 14:16 Uhr, im Café Rösler in Stuttgart mit seiner verstorbenen Geliebten Joey (Johanna Skrodzki), deren Tod er verschuldet hat, seinen ebenfalls verstorbenen Eltern und einigen toten Prominenten führt, da er selbst vier Jahre zuvor "auf Jenseitsfahrt" war, d. h. er ist dem Tode in letzter Sekunde nach einer Ösophagusvarizenblutung entronnen, geht es um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Er sagt von sich: "Seither habe ich Zuflucht genommen zur Sturztrunkenheit." Die Autorin nimmt u. A. Bezug auf Andy Warhol, Jim Morrison, Edi Sedgwick, John Cale, Dylan Thomas, Rudi Schuricke, Friedrich Gundolf, Reinhold Schneider, Tommy Lee Jones, Richard Burton, Lee Remick, Gottfried Benn, Rainer Maria Rilke, Eckhard Henscheid, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Bertolt Brecht, Franz Kafka, Dietmar Schönherr, Esther Ofarim, Uri Geller, Clemens von Brentano, Gentile Bellini, Miroslav Holub, Stefan George, Lothar Späth, Konrad Thurano, Rudolf Hess, Hermann Göring, Gregor von Rezzori, Bernhard Gui, Anselm Kiefer, Bob Dylan, Satyjit Ray, Gottfried Keller, Heinrich von Kleist, König Wilhelm II. von Württemberg, Marika Rökk, Horst Wilhelm, Henri Michaux, Helmut Newton, Marlene Dietrich, Leni Riefenstahl, Carl Fredrik Hill, Else Lasker-Schüler, Marieluise Fleißer, Liz Taylor, Laurence Olivier, Kirk Douglas, Bernhard Grzimek, Raoul Heinrich Francé, Martin Luther, Gabriel Beaurieux, Willy Reichert, Carl von Linné, T.S. Eliot, Joseph von Arimathia, Ernst Kantorowicz, Les Paul, Martin Heidegger, Immanual Kant, August Strindberg, Sigmund Freud, Jean Paul, Hugo von Hofmannsthal, Peter Handke und Flann O'Brien. Der 1949 geborene Ralph Zimmermann rollt nun in der Retrospektive die Nachkriegszeit in Stuttgart und Umgebung bis heute (2004) auf, wobei er wirtschaftliche und politische Entwicklungen aufzeigt und gleichzeitig die Musik-, Film- und Lifestyle-Szene beleuchtet. Aber "die Geschichte vom Mann, der seine Toten immer um sich hat, endet fröhlich." Ob er aber angesichts dieser Diagnose noch lange zu leben hat, ist fraglich.


Killmousky: Roman
Killmousky: Roman
von Sibylle Lewitscharoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hanebüchene Story, 21. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Killmousky: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich mich im Klappentext davon überzeugen konnte, dass Frau Lewitscharoff eine "Sprachvirtuosin" sei, war ich wirklich gespannt darauf, was mich in dem vorliegenden Krimi erwarten würde. Leider wurden meine hochgesteckten Erwartungen bitter enttäuscht, denn der ganze Roman ist in alter Rechtschreibung geschrieben. Ich frage mich, wo Frau Lewitscharoff eigentlich lebt. Wahrscheinlich im vorletzten Jahrhundert, denn seit 1996 schreibt man "daß, wußte, bißchen, schoß" mit Doppel-s. Außerdem störten mich die vielen Satzellipsen und Halbsätze. Ferner verwendet die "Sprachvirtuosin" jede Menge abgedroschener Redewendungen, wie z. B. "...ich hatte die Faxen dicke, hatte ... die Nase gestrichen voll; ... einen Ehemann, der sie ... nach Strich und Faden betrogen hatte." Was auch nervt, ist, dass sie einmal von "Whisky" und dann wieder von "Whiskey" spricht. Manche sprachlichen Wendungen sind grammatikalisch schlicht falsch, wie z. B.: "Ellwanger argumentierte dagegen nicht an." Er spricht an anderer Stelle davon, dass er mit einer Frau eine "rasante Nacht" verbracht hat, was das auch immer heißen soll. An einer anderen Stelle spricht sie von "einem verstrupften Schlafkopf". Die Diminutivform von Palme "Pälmchen" war mir auch neu. Auf Seite 166 war das Gelände "schneebefallen" und die Schneeflocken trudeln "schräglings" hinter der Scheibe vorbei. Arrowsmith lächelte "verquält". Der blonde Schönling hockt weniger "selbstgewiß" auf seinem Stuhl. Auf Seite 210 spricht sie von einer "geschlemmten" Mauer. Außerdem schreibt sie "Ohropax" und meint "Oropax". Was mich aber noch mehr gestört hat, ist das Plagiat am Anfang des Romans. Sie schreibt, dass Richard Ellwanger bei einem Verhör einem Entführer Folter angedroht habe. Das bezieht sich eindeutig auf den Frankfurter Polizeipräsideten Wolfgang Daschner, der im Jahre 2004 wegen Nötigung im Amt zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Er hatte dem Entführer von Jakob von Metzler Magnus Gäfgen Folter angedroht, wenn er den Aufenthaltsort des Entführungsopfers nicht nennen würde. Unter dem Eindruck dieser Drohung machte Gäfgen die erwünschten Angaben. Das Opfer wurde aber tot aufgefunden. Gäfgen zeichnete sich durch arrogantes Verhalten aus. Lewitscharoff macht daraus: "Seine Arroganz war unerträglich." Daschner droht Gäfgen "Schmerzen an, wie er sie noch nie erlebt habe". Bei Lewitscharoff liest sich das wie folgt: "... er werde Granitza jetzt in den Keller schleifen und ihn dort so zurichten, daß er vor Schmerzen nur noch brüllen könne." Daschner sagte zu Gäfgen, ein Spezialist, der ihm unerträgliche Schmerzen zufügen werde, ohne dabei Spuren zu hinterlassen, sei schon per Hubschrauber im Anmarsch. Lewitscharoff macht daraus: "Und er, Ellwanger, wisse genau, wie er zuschlagen müsse, damit auf der Haut keine sichtbaren Spuren zurückbleiben."
Selbst der Titel der Kriminalgeschichte "Killmousky" ist fehlerhaft. Wenn man ihn, wie Frau Lewitscharoff in einem Interview mit Denis Scheck gesagt hat, "Killmauski" ausspricht, dann fehlt darin ein "e". Richtigerweise müsste er dann "Killmouseky" lauten. Was mich weiterhin an dem Roman gestört hat, ist die völlig unlogische plötzliche sprachliche Gewandtheit Ellwangers. Auf Seite 29 steht: "Das bißchen Englisch würde er schon lernen." und "...daß er so schlecht (Englisch) sprach." Der suspendierte Kommissar beherrscht die englische Sprache demnach nur lückenhaft. Er ist nicht einmal in der Lage, die Frage des Kellners "soup or salad?" zu verstehen. Er meint, er habe "supersalad" gesagt. Erstaunlicherweise ist er aber dann in der Lage, sich im elaborierten Code auszudrücken, wenn er sagt: "Very altruistic for a sixteen year old girl". Auf Seite 46 äußert er sich ähnlich eloquent: "Yes, I am very content." Alles in allem ist der ganze Plot sehr abstrus. Dazu passt auch der Name eines ehemaligen Lehrers, der Ellwanger auf dem Gymnasium zum Abitur verholfen hat - Wolpertinger. Ein Wolpertinger ist ein Fabelwesen, das als hasenartiges Tier mit Hörnern überliefert ist.


Adler und Engel: Roman
Adler und Engel: Roman
von Juli Zeh
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachliches Feuerwerk, 20. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Adler und Engel: Roman (Taschenbuch)
Der Roman von Juli Zeh ist so spannend, dass man ihn kaum aus der Hand legen kann. Ich habe ihn in zwei Tagen gelesen. Allerdings ist die Handlung durch die vielen Rückblenden so kompliziert, dass man Mühe hat, den "roten Faden" nicht zu verlieren. Was mir besonders erwähnenswert erscheint, ist die Sprache. Die Autorin brennt in "Adler und Engel" gewissermaßen ein rheorisches Feuerwerk ab. Durch die vielen originellen und außergewöhnlichen Metaphern und Similes, wenn sie z. B. Stimmungslagen, Physiognomien, Naturerscheinungen oder örtliche Gegebenheit beschreibt, wird der Roman zu einem sprachlichen Kunstwerk. Einen inhaltlichen Irrtum muss ich der Autorin allerdings ankreiden: Sie lässt auf Seite 329 den Plastik-Künstler mit Bezug zu dem James-Bond-Film "Goldfinger" sagen, "...dass es der Mensch net länger als a poar Minutn aushält, wann sei Haut komplett eigschwaßt is. Und wenn er a Nosn hätt wie a Gebläse, es nutzt nix, er dastickt." Das ist ein Ammenmärchen. Tatsache ist, dass der Mensch nicht erstickt, sondern an Überhitzung stirbt, da die Poren der Haut dazu dienen, den Körper abzukühlen. Durch die Schweißdrüsen wird Wasser abgegeben, das verdunstet, und dadurch wird dem Körper Wärme entzogen.


Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Apostoloff: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Sibylle Lewitscharoff
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Spätzle und Ikonen, 29. Januar 2015
In ihrem im Jahre 2010 erschienenen Roman "Apostoloff" beschreibt Sibylle Lewitscharoff die Überführung der Asche von Auslandsbulgaren in Kisten in einem Trauerkonvoi von Stuttgart-Degerloch nach Sofia. Die sterblichen Überreste der Toten wurden exhumiert und kryotechnisch behandelt und in millimetergroße Teile zerlegt. Es findet eine Trauerfeier in der Kathedrale Sweta Nedelja in Sofia statt. Die Beisetzung erfolgt auf dem Sofiater Zentralfriedhof. Die Autorin beschreibt die Reise dieses Trauerzugs akribisch genau, wobei sie die Schauplätze (Veliko Tarnovo, Arbanassi, Schumen, Varna, Nessebar, Burgas, Plovdiv und Sofia) in Bezug auf Geschichte, Kultur, Kunst, Geografie, Klima, Küche, Hotellerie und Lokalkolorit so anschaulich beschreibt, dass man sie ohne große Mühe mit Hilfe von Karten, Nachschlagewerken oder dem Computer begleiten kann. Diese Fahrt durch Bulgarien wird unterbrochen durch Rückblenden, in denen Sibylle Lewitscharoff mit ihrem bulgarischen Vater, einem Gynäkologen, der sich im Alter von 43 Jahre erhängte, abrechnet. Sie hat ihn gehasst so wie sie dieses Land Bulgarien hasst. Der stark autobiografisch gefärbte Roman ist voller origineller Metaphern und Anspielungen, worin die Autorin ihre ganze Kindheit in Stuttgart-Degerloch in der Retrospektive aufrollt. Allein schon aufgrund der witzig-satirischen Sprache ist der Roman absolut lesenswert. Er hebt sich wohltuend von dem langweiligen Einheitsbrei ab, den viele Neuerscheinungen ausbreiten. Einen Nachteil muss man bei der Lektüre allerdings in Kauf nehmen: Man muss sich zwingen, langsam zu lesen, sonst entgehen einem viele versteckte "hints" im Text. Der Roman ist so gut, das man ihn auch ohne Weiteres zweimal lesen könnte. Nach all dem Lob muss ich aber auch auf einige sprachliche bzw. grammatikalische Fehlleistungen der Autorin hinweisen. So schreibt sie auf Seite 38: Ihre Schwester bittet Rumen, "um ein schärferes Messer zu fragen", anstatt "zu bitten". Auf Seite 112 steht folgender Satz: "- war's am Ende die Mutter, die Wolfi jeden erfreulichen Umgang mit Frauen 'versalzt' hatte?", anstatt "versalzen". Auf Seite 113 steht: "Eine sachlich 'gesonnene'" (Natur), statt "gesinnte". Auf Seite 118 geht es um einen "Sorgobesen"; sie meinte natürlich den "Sorghobesen". Und schließlich bedauert sie auf Seite 129 "Männer in 'sterchen' Kunstlederjacken", statt "störrischen" Kunstlederjacken.


Der bemalte Vogel
Der bemalte Vogel
von Jerzy Kosinski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unversöhnlicher Schluss, 22. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der bemalte Vogel (Gebundene Ausgabe)
Der 1965 erschienene Roman erinnert sehr stark an "Die Blechtrommel" von Günter Grass, die im Jahre 1959 veröffentlicht wurde. Oskar Mazerath beschließt im Alter von drei Jahren, nicht mehr zu wachsen. Er fühlt sich aber trotzdem den Erwachsenen überlegen. Der Junge in Kosinskis Roman wird stumm. Kosinski schreibt im Nachwort zu seinem Roman: "Vielleicht ist dieses Schweigen ebenfalls als Sinnbild der Abtrennung von dieser Gemeinschaft ... auszulegen." Was mich allerdings an den Ausführungen Kosinskis etwas befremdet, ist seine Unversöhnlichkeit. Er schreibt: "Ihr dürft nicht vergessen ... auf euch wartet die heilige Aufgabe, ihren Tod zu rächen. So ist dem Hass kein Tod beschieden: virulent und vital wie das Leben selbst begleitet er das Leben und gehört zum Leben wie der Schweif des Kometen."


Der Butler
Der Butler
von Henry Green
  Broschiert

1.0 von 5 Sternen Groschenroman-Niveau, 11. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Butler (Broschiert)
Der Inhalt ist schnell erzählt: Der Engländer Charley Raunce, Anfang vierzig, wird zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach dem Tod seines Vorgängers Butler auf einem Landsitz in Irland. Es ereignen sich einige äußerst triviale Dinge (ein Smaragdring verschwindet; die Schwiegertochter der Herrin, Mrs. Jack, betrügt ihren Ehemann, der an der Front ist; ein Pfau wird erdrosselt u. Ä.). Inzwischen kommen sich der Butler Raunce und das Stubenmädchen Edith näher, wollen heiraten und beschließen, Irland, dieses "Land der Pfaffen", dieses "Feindesland" der "Römisch-Katholischen", zu verlassen und nach England überzusiedeln, um im Krieg gegen die "Jerries", die "dreckigen Deutschen", selbstlos ihrer patriotischen Pflicht, mutmaßlich als Soldat bzw. Arbeiterin in einer Munitionsfabrik, zu genügen, nachdem der Küchenjunge Albert schon früher den Landsitz in Richtung England verlassen hat, um als "Bordschütze" bei der "Air-Force" sein Land zu verteidigen. Die Tatsache, dass Irland während des Zweiten Weltkriegs neutral blieb und nicht auf Seiten der Alliierten kämpfte, instrumentalisiert der Autor dazu, um Vorurteile gegen die Iren zu schüren, die als ungepflegte und verlauste "Zoo-Schimpansen" (O'Conor) bezeichnet werden, deren Sprache ein unverständliches Kauderwelsch sei, das man überhaupt nicht (Mrs. Tennant) oder nur schwer (Raunce) verstehe. Die Handlung aus der Perspektive der Dienerschaft hätte originell und interessant sein können; diese Chance wurde aber leider vertan, da der Autor über ein triviales Groschenromanniveau nicht hinauskommt.


Zeiten des Aufruhrs: Roman
Zeiten des Aufruhrs: Roman
von Richard Yates
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine abstruse Geschichte, 16. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Zeiten des Aufruhrs: Roman (Taschenbuch)
Das Ehepaar Wheeler ist mit seinem Leben in der Vorstadt unzufrieden und will - auf Initiative von April Wheeler - nach Paris auswandern und sein Haus verkaufen. Dieser Schritt ist völlig unausgegoren. April will bei der NATO arbeiten. Was aber soll Frank tun, der nicht einmal über die elementarsten französischen Sprachkenntnisse verfügt? Warum hat April die Schwangerschaft nicht verhindert; sie hat doch Erfahrung mit einem Diaphragma? Was mir an dem Roman nicht gefallen hat, ist die Scheinlogik, mit der die Handlung abläuft. Über die Tätigkeit von Frank erfährt man so gut wie nichts. Er sagt nur, dass sein Job öde sei und er so gut wie nichts tue. Es ist völlig unglaubwürdig, dass in den USA jemand für das Herumsitzen und Nichtstun ein gutes Gehalt bezieht. Auch seine Beförderung, die ihn dafür belohnen soll, dass er Material jahrelang hat liegen lassen, ist kaum nachvollziehbar. Da lobe ich mir doch die Dramen "Der Tod des Handlungsreisenden" von Arthur Miller oder "Der Eismann kommt" von Eugene O'Neill. Darin wird die Verlogenheit des "American Dream" und der sog. "pipe dreams" viel glaubwürdiger und logisch zwingender dargestellt.


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