Profil für El Barto > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von El Barto
Top-Rezensenten Rang: 3.822
Hilfreiche Bewertungen: 168

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
El Barto

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20
pixel
Der Alchimist
Der Alchimist
von Paulo Coelho
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

2.0 von 5 Sternen Ist nicht meins - bin kein kleiner Esotheriker, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Alchimist (Broschiert)
Santiago ist ein einfacher andalusischer Hirte der Knall auf Fall seine Schafe verkauft um seinem Traum zu folgen. Der Traum handelt von einem Schatz (was sonst) und Santiago ist es beschieden diesen zu finden. Dazu muss er nach Ägypten, zu den Pyramiden um genau zu sein. Also macht er sich auf den Weg. Auf selbigen findet er zwar nicht sofort seinen Schatz aber immerhin den Weg zu sich selbst, und zwar mit Hilfe von esotherischen Allgemeinplätzen die zumindest auf mich völlig zusammenhanglos wirken und auch von einem Abreißkalender stammen können.

Der Alchimist hat mich nicht gefangen nehmen können: sprachlich lächerlich einfach wirft Coelho mit philosophischen Weisheiten nur so um sich, die Story erinnert frappant an Hesses Siddartha, die Figur Santiago ist von erschreckender Einfachheit. Und doch hat Der Alchimist eine riesige Fangemeinde. Warum? Weil es immer wieder Leser gibt die auf der Suche nach solchen einfachen Aha-Erlebnissen sind, egal ob sie logisch nachvollziehbar sind oder, wie hier, eben nicht.

Ich bleibe davon unberührt, genau so wie von Räucherkerzen und Ouija-Brettern. Meins ist sowas nicht.


Irgendwann holt es dich ein: Psychothriller
Irgendwann holt es dich ein: Psychothriller
von Jane Hill
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Das war zeitweise ziemlich anstrengend, 24. Juli 2014
was und Jane Hill da zumutet.

Hattie Fox flüstert ihrer alten Ex-Freundin noch schnell "Wir haben Furchtbares getan" zu und wirft sich dann spektakulär vor eine einfahrende U-Bahn. Blut spritzt überall hin, Kate ist verständlicherweise geschockt.

Guter Anfang, soweit so gut. Aber das war's dann auch schon. Im Folgenden hört man Kate weitestgehend entweder beim Denken zu oder ergeht sich in langweiligen Vermutungen. In gaaaaanz kleinen Häppchen wird die eigentliche Handlung weiter getrieben: Kate erhält ein paar eigenartige Sendungen die ihr seelisches Gleichgewicht beeinträchtgen, eine weitere Leiche kommt hinzu. Unerträglich für mich persönlich: ihr Ehemann Neil. Ein furchtbarer Gutmensch und erfolgreicher Reporter der unverrückbar zu seiner Frau hält es aber nicht für notwendig hält in Zeiten ihrer tiefsten Krise mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Pausenloses Verständnis zeigend rumpelt Neil durch die Handlung ohne wesentlich zur Lösung beizutragen, er taucht einfach pausenlos auf ohne eine Wirkung zu erzielen. Ein verheizter Charakter den man viel tiefer in die Handlung hätte einbinden müssen.

Spannung kommt leider gar nicht auf, auch nicht am Ende. Nach endloser Oberflächenpsychologie über Mobbing, Ärgern und Piesacken wird das Rätsel mir nichts, dir nichts aufgelöst. Einfach weil Kate mal wieder was einfällt was sie erfolgreich verdrängt hat.

"Irgendwann holt es dich ein" ist ein allenfalls durchschnittlicher, oberflächlicher und über weite Strecken langweiliger Psychothriller. Ein Krimi ist es schon deshalb nicht weil Handlung und Ende vom Konstrukt her viel zu simpel sind. Anspruchslose, einfache Lektüre. Mehr nicht.


Tödliches Experiment. Thriller
Tödliches Experiment. Thriller
von David Osborn
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

4.0 von 5 Sternen Heads, 21. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Tödliches Experiment. Thriller (Taschenbuch)
Oder auf deutsch "Köpfe". So hieß die Erstveröffentlichung aus dem Jahre 1985.

Susan ist neu in der Klinik/Labor/Anstalt - was auch immer. Sie experimentiert auf dem Gebiet der Neurometrik - und zwar an Köpfen denen der Körper fehlt. Nur sind diese Köpfe noch am Leben, aufgespießt auf metallene Pfähle und künstlich am Leben gehalten. In diesem Horrorszenario unter dem Deckmantel moderner medizinischer Forschung zu arbeiten stellt sie vor immer größere Probleme, erst recht als sie in Bereiche vorstößt zu denen sie eigentlich keinen Zutritt hat.

Tödliches Experiment ist ein Routinier im Stile von "Koma" und ähnlichen Medizinthrillern. Die Charaktere sind klassisch gehalten, nur mit persönlichen Nuancen statt Tiefgang versehen. Die Story selbst ist ungeheuerlich, hoffentlich gibt es sowas nicht wirklich. Dafür aber auch interessant, spannend. Tödliches Experiment wird nie langweilig obwohl es stilistisch einfach ist und keinerlei Überraschungen zu erwarten sind. Ist insgesamt OK, aber kein Thriller der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlässt: knappe 4*.


Erlösung
Erlösung
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Routiniert - das Team um Carl Morck kommt einfach gut an, 17. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Erlösung (Taschenbuch)
Diesmal ist es eine alte Flaschenpost die Carl und seine schrulligen Assistenten Assad und Rose/Yrsa in ihren Bann zieht, ganz besonders die mit Blut geschriebene, kaum noch lesbare Nachricht im innern der alten blauen Flasche. Carl, Assad und Co. ermitteln in einem alten und doch aktuellen Fall um Entführung, Erpressung und Mord.

Man muss den Stil schon mögen um die Geschichten des skurrilen Ermittlerteams im Sonderdezernat Q toll zu finden. Für viele wirkt der Stil überzeichnet, manchmal schon grotesk und slapstickartig. Zugegebenermassen ist der Stilwechsel zwischen Thrillerelementen und den komödiantischen, humoristischen Einlagen manchmal etwas abrupt. Ich aber kann mich (bisher) durchaus damit anfreunden bietet diese ungewöhnliche Kombi doch etwas Abwechslung im Thrillerdickicht.

Die Story selbst ist gut durchdacht, schlüssig und spannend. Das Ende entspricht dem Stil aus den beiden ersten Teilen und mag etwas actionlastig sein, in Erlösung allerdings kommt Olsen weitestgehend ohne die Brutalität der beiden ersten Bücher aus. Die Töne sind etwas leiser, so ganz drauf verzichtet wird aber nicht.

Auch das Team selbst macht Fortschritte in seiner Entwicklung. Die Schleier um Assad lüften sich etwas ohne das man ganz hinter sein Geheimnis kommt (wenn es eins gibt), die Psychotherapie macht bei Carl erste Fortschritte, Kumpel Hardy Henningsen wird aus der Klinik entlassen und die zotige Rose hat - nun ja, auch ein kleines Problem. Man darf gespannt sein wie das weiter geht.

Insgesamt ein sehr unterhaltsames Buch, und unterhalten soll der Roman ja auch in erster Linie. Ein witziger, spannender Thriller. Wenn man den Stil mag - zugreifen.


Die italienischen Schuhe
Die italienischen Schuhe
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Henning Mankell mal auf "schmalzig", 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die italienischen Schuhe (Taschenbuch)
Fredrik Welin hat sich auf eine Schäreninsel zurückgezogen. Dort lebt er allein mit einer alten Katze und einem noch älteren Hund sowie mit diversen Lebenslügen ein einsames Leben. Sei Kontakt zur Aussenwelt beschränkt sich auf den Postboten. Bis Harriet, die alte verlassene Liebe, mit ihrem Rollator und einem unheilbaren Krebsgeschwür auf dem Eis steht und von Fredrik die Einlösung eines alten Versprechens fordert. Das alles wühlt ihn auf, er nimmt auch Kontakt zu Agnes auf, einer Frau der er den falschen Arm amputiert hat.

Die italienischen Schuhe hat so gar nichts mit anderen Mankell-Romanen zu tun. Mankell versucht sich am Altwerden, den damit verbundenen Problemen und nicht aufgearbeiteten Lebenslügen. Im Falle der Arztes Welin allerdings trägt er mir an den ein oder anderen Stellen viel zu dick auf um noch echt zu wirken. Die Personen wirken teilweise doch sehr konstruiert und unecht, ganz besonders seine Tochter Louise und der Schuhmacher. Ob unser alternder Held eine Wandlung durchmacht? Nicht ganz, am Ende heisst es schließlich: Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher.

Er scheint auf einem guten Weg zu sein sein armseliges Leben etwas aufzupeppen. Da ist es auch nicht weiter schlimm das seine Beziehung zu Agnes noch unklar ist und die Tatsache, dass ihm bisher noch gar nicht aufgefallen ist das seine Tochter 1969 geboren ist (S. 136), er seine Harriet aber 1966 zum letzten Mal gesehen hat (S. 32f). :-)

Mir persönlich ist der letztgenannte Mangel egal, ein typischer kleiner Fauxpas der jedem Autor mal unterläuft. Insgesamt finde ich "Die italienischen Schuhe" aber etwas überzeichnet, nicht wirklich eindringlich sondern eher skurril. Wie schon bei Wallander betrachtet Mankell das Altwerden aus einem für meine Auffassung zu negativen Blickwinkel: alles schlecht, alles krank und dem Tode nah. Und keine Zeit mehr..... Etwas mehr positives Denken bitte schön.


Der menschliche Makel
Der menschliche Makel
von Philip Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Bourgeoisie und Selbstdarstellung, 1. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der menschliche Makel (Taschenbuch)
Coleman Silk hat es geschafft. Er ist seiner armseligen (und schwarzhäutigen) Vergangenheit entkommen und ist Dekan für klassische Literatur an einem College geworden. Dieses College ist sein Lebenswerk. Er krempelt es um, schmeisst alte Müssiggänger raus und ersetzt diese durch junge, frische (und zum Teil Schwarze) Professoren. Und dann kostet ihn der harmlse Spruch "dunkle Gestalten" den Job. Man wirft ihm (ausgerechnet ihm) Rassismus vor. Coleman ist sauer und zieht sich komplett vom College zurück, enttäuscht von der Welt. In diesem Zustand emotionalen Aufruhrs ergeht er sich einige Zeit bis seine Frau stirbt. Das und der Streit mit seinen Kindern bringt ihn zur Räson - vorübergehend. Kurze Zeit später fängt er mit der knapp halb so alten Faunia eine rein sexuelle Beziehung an. Die strengt so sehr an das er mit 71 anfangen muss Viagra zu nehmen. Aber sie gibt ihm auch Halt.

Faunia Farley selbst hat einiges durchgemacht. Ihren Mann (einen traumatisierten Vietnamveteranen) hat sie verlassen nachdem bei einem Brand ihre beiden Kinder erstickt sind. Seitdem schlägt sie sich mit elenden Jobs durch. Sie ist Analphabetin, kann nicht lesen. Genau das Richtige für einen desillusionierten Literaturprofessor.

Das Ganze schlittert natürlich dem Abgrund entgegen, und so muss die Story von einem Dritten, von Nathan Zuckerman, einem leidlich erfolglosen Schreiberling, erzählt werden weil weder Faunia noch Coleman dazu in der Lage sind.

Philip Roth ist zweifellos ein Sprachgenie der weiss wie man mit Worten umzugehen hat. Wer sich vor Fremdwörtern, Exkursen in alte, klassische Literatur, komplizierten nie enden wollenden Schachtelsätzen fürchtet wird sich bei der Lektüre quälen müssen. Was anspruchsvoll ist wird manchmal anstrengend.
Die Figuren selbst sind ausserordentlich gut gezeichnet, sehr facettenreich und unergründlich. So ist es mir nicht gelungen meine Sympathie irgendjemanden vorbehaltlos zuzuordnen. Dazu bröckelt bei jeder Person im Laufe der Geschichte zu viel von der eigentlich heilen Fassade ab. Darunter kommt meistens ein ziemlich unschöner Zug zum Vorschein, eine schlechte Eigenschaft, persönliche Probleme, eine verdrängte Vergangenheit. Kurzum, ein Lügengebilde. Ganz besonders bei Coleman Silk.

Und trotzdem: Philip Roth verliert sich zwischendurch und ganz besonders gegen Ende in endlosen Schwafeleien die etwas an den Nerven zerren. "Komm' zum Punkt" möchte man manchmal schreien. Insgesamt ist "Der menschliche Makel" ein nicht wirklich einfaches, aber gutes Buch welches nicht nur allein zur Unterhaltung dient. Man kann sich damit auch den Spiegel vorhalten und sich (oder andere) an einigen Stellen wiedererkennen. Und Bill Clinton hatte nicht Coleman Silks Größe und Durchhaltevermögen, so viel steht am Ende des Buches auch fest :-).


Doctor Sleep: Roman
Doctor Sleep: Roman
von Stephen King
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Viel Steam um Danny, 17. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Doctor Sleep: Roman (Gebundene Ausgabe)
Danny Torrance ist erwachsen und, wen wunderts, Alkoholiker. In desolatem Zustand kommt er in Frazier unter und arbeitet dórt wechselseitig in einem Freizeitpark und einem Sterbehospiz. Bei letzterem nutzt er seine Gabe, das Shining, um Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Dort lernt er auch Abra kennen, die noch mehr Shining, Verzeihung: Steam, in sich trägt.

Der Steam ist das was der Wahre Knoten zum Leben braucht. Der Wahre Knoten ist eine Truppe umher reisender Shining-Vampire die vorzugsweise Kinder quälen und töten um das dann reine Steam/Shining in sich aufzunehmen. So kommen sie auch auf Abras Spur, sie wittern fette Beute. Danny ist jetzt gefordert Abra vor dem Verderben zu bewahren.

Als Fortsetzung zu Shining aus dem Jahr 1978 gedacht erreicht Dr Sleep nicht ganz die Intensität des Vorgängerromans. Dr. Sleep hat ein paar Längen und nimmt erst später richtig Fahrt auf, später als in Shining. Zuviel Zeit und Energie verwendet Mr. King auf seine etwas oberlehrerhaft wirkende Beschreibung der AA, seiner Treffen und deren Mantras. Muss man nicht pausenlos wiederholen.

Die Story selbst ist so wie man es von King kennt und gewohnt ist: läuft langsam an, die Charakter werden eingeführt und entwickelt um dann einen gewaltigen Sog zu entwickeln dem man sich kaum nocht entziehen kann. Klappt zwar nicht immer, aber bei Dr. Sleep funktioniert's. Etwa ab der Hälfte geht's rund, Alki-Mantras und Medaillenvergaben bei AA-Treffen weichen der Jagd nach dem Wahren Knoten.

Dr. Sleep ist ein Buch welches gewisse Vorkenntnisse aus Shining erfordert, es schadet nicht den alten Klassiker zur Hand zu nehmen wenn man weder Buch noch Film kennt, auch auf die Gefahr hin das man den Alten für besser als den Neuen hält. Ich persönlich finde Shining intensiver, nicht so moralisierend wie Dr. Sleep, auch das Ende ist besser. Darum bekommt Dr. Sleep auch "nur" 4 Sterne, eben weil er hinter Shining etwas zurücksteht. Nach wie vor ist der Alte King's Meisterwerk.


Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
Der Feind im Schatten: Kurt Wallanders 11. Fall
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da geht er hin, 2. Juni 2014
Kurt Wallander löst seinen letzten Fall bevor er im Dunkel des Alters verschwindet. Wer jetzt glaubt einen rüstigen Mittsiebziger mit Pauken und Trompeten aus dem aktiven Dienst scheiden zu sehen kennt den Kurt nicht. Still und heimlich verabschiedet er sich, obwohl mit Anfang 60 nich keineswegs so alt wie er dargestellt wird siecht Kurt Wallander dahin.

Auch der Fall wird den fast 600 Seiten nicht gerecht, die Agentenstory ist seeeehr dünn, dazu noch mit einigen logischen Fehlern behaftet die ich von Mankell so gar nicht kenne.

So einen trostlosen Abgang hat unser Kurt nicht verdient. "Der Feind im Scahtten" ist eine Rückschau auf einen Teil seiner alten Fälle, auch Baiba aus Lettland taucht wieder auf (natürlich vom Alter gezeichnet und totkrank). Stop, welches Alter denn? Mankell stempelt Kurt mit gerade mal 60 so komplett zum alten Eisen ab wie ich es in diesem Alter nicht erleben möchte. Wer muss denn mit 60 schon so fertig sein wie der arme Kurt es ist. Fast-Ex-Alkoholiker, schwer zuckerkrank, herzkrank usw. Dazu noch zunehmende Vergesslichkeit die wohl in senile Demenz oder noch Schlimmeres mündet bevor er 70 ist.

Armer Kerl, vorzeitig gealtert und keine guten Prognosen. Dazu ein verkorkster Fall für den er nicht mal zuständig ist. Dafür so einfach zu lösen das dies auch für einen Kurt Wallander mit Gedächtnisschwund kein Problem ist.

Mankell setzt hier viel zu viel auf Tragik als auf Story. Für meinen Geschmack macht er seinen Krimihelden älter er ist, ein Abschied auf seinen Altersruhesitz in Schonen mit ein paar Altersgebrechen hätte ausgereicht, aus ihm ein vorzeitig gealtertes Wrack zu machen hat er nicht verdient und ist für mich zu dick aufgetragen. Dazu eine relativ einfache, dünne und teilweise fehlerhafte Story - da habe ich besseres von Wallander gelesen. Schade.


Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry: Roman
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry: Roman
von Rachel Joyce
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen It's a long, long way....., 20. Mai 2014
Harold Fry beschließt, den Brief an seine todkranke Ex-Kollegin lieber selbst zu überbringen. Schließlich ist er ihr noch was schuldig. Allerdings sind rund 800 km zurückzulegen, dieser Tatsache wird sich Harold aber erst unterwegs so richtig bewusst.

Harold ist bei näherer Betrachtung ein Versager, und im Grunde seines guten Herzens weiß er das auch. Umso beeindruckender das Harold im Laufe seines Trips eine tiefgreifende Wandlung durchläuft und am Ende mit sich und seiner Frau wieder im Reinen ist. Queenie, die kranke Dame die Harold eigentlich besuchen will, tritt dabei in den Hintergrund, wird eher Mittel zum Zweck. OK, er löst sein Versprechen für sich ein Queenie nicht schon wieder zu enttäuschen, das ist aber ein Muster ohne Wert denn Queenie ..... tja, hier gibt es keinen Spoiler.

Manche betrachten den Roman als sehr berührend. Das ist er auch, aber nur am Ende und dann auch nur oberflächlich. Ich fand ihn eher witzig obwohl Harold ein eher bitteres Leben hatte. Harold hatte nicht das Glück ein erfolgreiches Leben zu führen obwohl er eigentlich eine Null ist (wie z.B. Forrest Gump oder Allan Karlsson). Er ist gescheitert, an allem: Frau, Kind, Job, Leben. Sein Weg zu Queenie ist eine Selbstreinigung, witzig geschildert und mit bösen und traurigen Elementen gespickt.

Sehr lesenswert, aber auch vorhersehbar und relativ einfach gehalten. Schnell zu lesen, nie langweilig, einfach gut.


Schändung: Der zweite Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
Schändung: Der zweite Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
von Jussi Adler-Olsen
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Krass, skurril, witzig, hart - anders, 14. Mai 2014
So könnte man den zweiten Fall von Carl Morck umschreiben. "Schändung" ist etwas anders als "Erbarmen", hier sind die Täter bekannt. Ein Stilwechsel schon im zweiten Buch - und das ist kein Nachteil.

Carl und sein Assistent Assad verbeißen sich in den Fall zweier brutal getöteter Geschwister. Für dieses Verbrechen sitzt zwar schon jemand ein, dass kann die beiden Sonderermittler aber nicht in ihrer Annahme beirren das mehr hinter diesem Fall steckt. Zu allem Übel kommt noch eine dritte, nicht ganz einfache Persönlichkeit zum Team in den Keller - Rose. Die drei ergänzen sich auf ihre Art und Weise perfekt.

"Schändung" ist noch einen Tick brutaler als "Erbarmen", teilweise wirkt das etwas übetrtrieben. Allerdings erfolgt dadurch eine genaue Trennung zwischen schwarz und weiß. Nur mit Kimmie weiß man nicht so recht wo man sie hinstecken soll. Eine sehr vielschichtige Figur die man in Romanen wie díesem wirklich nicht oft antrifft. Insgesamt wird die Charakterisierung von Carl und Assad weiter vertieft ohne das man den Eindruck hat das dies nicht noch weiter gehen kann. Man darf gespannt sein.

Sprachlich ist "Schändung" genauso einfach wie "Erbarmen", nur die Situationskomik kommt teilweise deutlicher zum Vorschein. Was der Spannung übrigens keinen Abbruch tut sondern angenehme Abwechslung bietet. Insgesamt ist "Schändung" eine erfolgreiche Fortsetzung um das eigenartige Ermittlerteam, ich halte es für einen Hauch besser als "Erbarmen", wenn auch nicht viel. Auf jeden Fall gelungen und absolut lesenswert.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-20