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Rezensionen verfasst von
El Barto

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Die Liste: Roman
Die Liste: Roman
von John Grisham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Alles angesprochen, nichts vertieft - irgendwie schlapp, 11. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Liste: Roman (Taschenbuch)
Willie Traynor kommt als gescheiterter Journalismusstudent nach Clanton zum lokalen Käseblatt. Einem glücklichen Umstand und seiner reichen Großmutter verdankt er es das die "Times" nach kurzer Zeit ihm gehört. Mit Hilfe billiger, reißerischer und immer parteiischer Berichterstattung auf Niveau der Bild saniert er das Blatt. Er hat natürlich auch Glück dabei, denn in der Zeit wo er das Blatt übernimmt wird eine junge Mutter von einem Abkömmling des hinterwäldlerischen, ortsansässigen Verbrecherclans namens Padgitt vergewaltigt und ermordet.

Und schon ist Grisham wieder da wo er hingehört - im Gerichtssaal. Aber - die Verhandlung ist in null Komma nix vorbei. Kein Tiefgang, keine Wendung, nichts. Stattdessen geht es mit der langweiligen Zeitung und einer Reportagenserie über Kirchen weiter. So dauert es bis Seite 400 bis endlich der auf dem Klappentext versprochene Plot in Bewegung kommt. Leider nicht lange, das Buch ist zu Ende bevor die 500 erreicht wird. Und das Ende - überraschend aber trotzdem irgendwie doof.

Grisham nudelt in "Die Liste" uralte Themen durch: Vietnamkrieg, Glaubensdiskurse, Rassentrennung, Korruption, käufliche Lokalpolitiker etc. Und geht bei keinem der Themen in die Tiefe, nichts davon ist irgendwie Hauptsache des Buches. Der eigentliche Mord, Grisham's Spezialität, das Gericht, tritt völlig hinter die langweilige Story um den nie gefährdeten Willie Traynor und seine öde Zeitung zurück.

Es bleibt bei einem lahmen, im dauernden Singsang dahinplätschernden Gerichtsroman ohne nennenswerten Spannungsbogen. Seine früheren Bücher sind deutlich besser, drei Sterne noch knapp.


Die dunkle Seite des Mondes. Roman
Die dunkle Seite des Mondes. Roman
von Martin Suter
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,90

4.0 von 5 Sternen Vom Business-Typ über die Midlife-Crisis zum Waldschrat, 4. September 2014
Urs Blank ist ein außergewöhnlich erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, seine Lebensgefährtin eine stilistisch einwandfreie Kunst- und Antiquitätenhändlerin. Mit einem Mal langweilt ihn sein Dasein, er bandelt mit einer Flohmarktverkäuferin an, mehr als 20 Jahre jünger als er. Seine langjährige Partnerin lässt er kurzerhand sitzen.

Seine neue Partnerin verführt ihn zu einem Pilzexperiment dessen Folgen leider völlig aus dem Ruder laufen. Fortan ist Urs nicht mehr er selbst, er verkriecht sich im Wald und wird zunehmend wunderlich. Bis zum Schluss spitzt sich die Situation zunehmend zu, das Ende selbst ist unprätentiös und ziemlich bitter.

Suter übertreibt hier heftig, sehr heftig. Um ein Ende zu setzen welches dem Buch ein abruptes unverdient mageres Ende bereitet. Schade, ich hatte etwas mehr erwartet. Die Story lebt vom überzeichneten Witz, Spannung kommt eigentlich kaum auf. Ein bisschen Krimi ist auch dabei. Insgesamt soll das wohl eine Persiflage auf das überzeichnete Businesstum sein, witzig und unterhaltsam aber ist es allemal.


Verachtung: Thriller
Verachtung: Thriller
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Klasse, Olsen lässt nicht nach. Er wird besser., 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Verachtung: Thriller (Taschenbuch)
Ganz im Gegenteil, er wird besser.

Ein Internierungslager (so muss man es wohl nennen) für gescheiterte und angeblich unwerte Mädchen und junge Frauen, dahin wird Nete in den späten 50er Jahren verfrachtet. Sie kann kaum lesen, hat eine unmögliche Kindheit und auch schon einen Abort hinter sich. Aber Nete ist weder dumm noch asozial - sie hat einfach nur unglaubliches Pech in ihrem Leben gehabt.

Dreissig Jahre später. Nachdem sich alles zum besseren gewendet hat beginnt für Nete das Pech von neuem. Aber diesmal will sie Rache an ihren Peinigern. Und die plant sie minutiös.

Noch mal 23 Jahre gehen ins Land. Carl, Assad und Rose wird der Fall einer vor 23 Jahren verschwundenen Bordellbesitzerin zugespielt. In diesem Zusammenhang decken sie weitere Vermisstenfälle auf die zeitlich eng zusammenhängen. Aber wo ist die Verbindung? Auf der Suche danach stolpern sie über widerrechtliche Abtreibungen, Sterilisationen, Vergewaltigungen etc. Und über Curt Wad, den mit Allmachtsphantasien ausgestatteten Frauenarzt und Chef der Partei "Klare Grenzen", die deutlich nationalsozialistische und rechtsradikale Züge hat.

Super Idee, schön skurril und bizarr wie man es vom Sonderdezernat gewohnt ist. Spannend und abwechslungsreich erzählt, durchsetzt mit den bereits bekannten Nebenkriegsschauplätzen wie Assads undurchsichtiger Vergangenheit, Roses Irrsinn und Carls persönlichen Problemen. Dies alles sinnvoll miteinender zu verweben ohne das große Schnitte entstehen ist eine Kunst und wird hervorragend gemeistert. Ein Rad greift ins andere, und das Ende - wow. Olsen überrascht den Leser mit .......

Hier kein Spoiler, selbst lesen. Es lohnt sich, Verachtung ist nie langweilig. Ein echter Pageturner, den vorangegangenen Fällen mindestens ebenbürtig. Ich halte Verachtung sogar für tendenziell besser, ein Thriller bei dem man nichts falsch machen kann.


Die Säulen der Erde. Roman
Die Säulen der Erde. Roman
von Ken Follett
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Großartige Unterhaltung, 15. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Säulen der Erde. Roman (Taschenbuch)
Tom Builder hat einen Traum - er will unbedingt eine Kathedrale bauen. In Kingsbridge erhält er die Chance dazu, der junge Prior Philip ist besessen davon die marode Priorei wieder auf Vordermann zu bringen. Das Ganze gerät zur Lebensaufgabe. Feindlich gesinnte Bischöfe und Grafen, Tom's wunderliche zweite Frau Ellen mit ihrem Sohn Jack sowie die Liebe machen Philip und Tom oftmals einen Strich durch die Rechnung.

Historisch gesehen ist nicht viel dran an den "Säulen der Erde", lediglich die Daten sowie einige Personen wie Henry, Stephan von Blois und Mathilde, Thomas Becket und Bischof Henry von Winchester sind historische Personen. Zeitlich steht die Story in der Zeit der Erbfolgekriege zwischen Stephan und Mathilde und am Ende der Herrschaft Henry (Heinrich) des II. Ein Kingsbridge gibt es zwar in England, Follet's Ort allerdings ist fiktiv ebenso wie die Grafschaft Shiring. Positiv ist zu vermerken das der historische Hintergrund nicht passend gemacht worden ist wie bei vielen anderen, eher zweitklassigen historischen Romanen. Die Handlung läuft also vor korrektem Hintergrund.

Die Säulen der Erde ist für einen Krimiautor wie Follet ein gelungener Sprung ins Milieu des historischen Romans. Immer spannend, ein stetiges Auf und Ab zwischen Erfolg und Niederlage ist der Roman kurzweilige Unterhaltung auf immerhin guten 1200 Seiten.


Der Alchimist
Der Alchimist
von Paulo Coelho
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

2.0 von 5 Sternen Ist nicht meins - bin kein kleiner Esotheriker, 28. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Alchimist (Broschiert)
Santiago ist ein einfacher andalusischer Hirte der Knall auf Fall seine Schafe verkauft um seinem Traum zu folgen. Der Traum handelt von einem Schatz (was sonst) und Santiago ist es beschieden diesen zu finden. Dazu muss er nach Ägypten, zu den Pyramiden um genau zu sein. Also macht er sich auf den Weg. Auf selbigen findet er zwar nicht sofort seinen Schatz aber immerhin den Weg zu sich selbst, und zwar mit Hilfe von esotherischen Allgemeinplätzen die zumindest auf mich völlig zusammenhanglos wirken und auch von einem Abreißkalender stammen können.

Der Alchimist hat mich nicht gefangen nehmen können: sprachlich lächerlich einfach wirft Coelho mit philosophischen Weisheiten nur so um sich, die Story erinnert frappant an Hesses Siddartha, die Figur Santiago ist von erschreckender Einfachheit. Und doch hat Der Alchimist eine riesige Fangemeinde. Warum? Weil es immer wieder Leser gibt die auf der Suche nach solchen einfachen Aha-Erlebnissen sind, egal ob sie logisch nachvollziehbar sind oder, wie hier, eben nicht.

Ich bleibe davon unberührt, genau so wie von Räucherkerzen und Ouija-Brettern. Meins ist sowas nicht.


Irgendwann holt es dich ein: Psychothriller
Irgendwann holt es dich ein: Psychothriller
von Jane Hill
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Das war zeitweise ziemlich anstrengend, 24. Juli 2014
was und Jane Hill da zumutet.

Hattie Fox flüstert ihrer alten Ex-Freundin noch schnell "Wir haben Furchtbares getan" zu und wirft sich dann spektakulär vor eine einfahrende U-Bahn. Blut spritzt überall hin, Kate ist verständlicherweise geschockt.

Guter Anfang, soweit so gut. Aber das war's dann auch schon. Im Folgenden hört man Kate weitestgehend entweder beim Denken zu oder ergeht sich in langweiligen Vermutungen. In gaaaaanz kleinen Häppchen wird die eigentliche Handlung weiter getrieben: Kate erhält ein paar eigenartige Sendungen die ihr seelisches Gleichgewicht beeinträchtgen, eine weitere Leiche kommt hinzu. Unerträglich für mich persönlich: ihr Ehemann Neil. Ein furchtbarer Gutmensch und erfolgreicher Reporter der unverrückbar zu seiner Frau hält es aber nicht für notwendig hält in Zeiten ihrer tiefsten Krise mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Pausenloses Verständnis zeigend rumpelt Neil durch die Handlung ohne wesentlich zur Lösung beizutragen, er taucht einfach pausenlos auf ohne eine Wirkung zu erzielen. Ein verheizter Charakter den man viel tiefer in die Handlung hätte einbinden müssen.

Spannung kommt leider gar nicht auf, auch nicht am Ende. Nach endloser Oberflächenpsychologie über Mobbing, Ärgern und Piesacken wird das Rätsel mir nichts, dir nichts aufgelöst. Einfach weil Kate mal wieder was einfällt was sie erfolgreich verdrängt hat.

"Irgendwann holt es dich ein" ist ein allenfalls durchschnittlicher, oberflächlicher und über weite Strecken langweiliger Psychothriller. Ein Krimi ist es schon deshalb nicht weil Handlung und Ende vom Konstrukt her viel zu simpel sind. Anspruchslose, einfache Lektüre. Mehr nicht.


Tödliches Experiment. Thriller
Tödliches Experiment. Thriller
von David Osborn
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,95

4.0 von 5 Sternen Heads, 21. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Tödliches Experiment. Thriller (Taschenbuch)
Oder auf deutsch "Köpfe". So hieß die Erstveröffentlichung aus dem Jahre 1985.

Susan ist neu in der Klinik/Labor/Anstalt - was auch immer. Sie experimentiert auf dem Gebiet der Neurometrik - und zwar an Köpfen denen der Körper fehlt. Nur sind diese Köpfe noch am Leben, aufgespießt auf metallene Pfähle und künstlich am Leben gehalten. In diesem Horrorszenario unter dem Deckmantel moderner medizinischer Forschung zu arbeiten stellt sie vor immer größere Probleme, erst recht als sie in Bereiche vorstößt zu denen sie eigentlich keinen Zutritt hat.

Tödliches Experiment ist ein Routinier im Stile von "Koma" und ähnlichen Medizinthrillern. Die Charaktere sind klassisch gehalten, nur mit persönlichen Nuancen statt Tiefgang versehen. Die Story selbst ist ungeheuerlich, hoffentlich gibt es sowas nicht wirklich. Dafür aber auch interessant, spannend. Tödliches Experiment wird nie langweilig obwohl es stilistisch einfach ist und keinerlei Überraschungen zu erwarten sind. Ist insgesamt OK, aber kein Thriller der bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlässt: knappe 4*.


Erlösung
Erlösung
von Jussi Adler-Olsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Routiniert - das Team um Carl Morck kommt einfach gut an, 17. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Erlösung (Taschenbuch)
Diesmal ist es eine alte Flaschenpost die Carl und seine schrulligen Assistenten Assad und Rose/Yrsa in ihren Bann zieht, ganz besonders die mit Blut geschriebene, kaum noch lesbare Nachricht im innern der alten blauen Flasche. Carl, Assad und Co. ermitteln in einem alten und doch aktuellen Fall um Entführung, Erpressung und Mord.

Man muss den Stil schon mögen um die Geschichten des skurrilen Ermittlerteams im Sonderdezernat Q toll zu finden. Für viele wirkt der Stil überzeichnet, manchmal schon grotesk und slapstickartig. Zugegebenermassen ist der Stilwechsel zwischen Thrillerelementen und den komödiantischen, humoristischen Einlagen manchmal etwas abrupt. Ich aber kann mich (bisher) durchaus damit anfreunden bietet diese ungewöhnliche Kombi doch etwas Abwechslung im Thrillerdickicht.

Die Story selbst ist gut durchdacht, schlüssig und spannend. Das Ende entspricht dem Stil aus den beiden ersten Teilen und mag etwas actionlastig sein, in Erlösung allerdings kommt Olsen weitestgehend ohne die Brutalität der beiden ersten Bücher aus. Die Töne sind etwas leiser, so ganz drauf verzichtet wird aber nicht.

Auch das Team selbst macht Fortschritte in seiner Entwicklung. Die Schleier um Assad lüften sich etwas ohne das man ganz hinter sein Geheimnis kommt (wenn es eins gibt), die Psychotherapie macht bei Carl erste Fortschritte, Kumpel Hardy Henningsen wird aus der Klinik entlassen und die zotige Rose hat - nun ja, auch ein kleines Problem. Man darf gespannt sein wie das weiter geht.

Insgesamt ein sehr unterhaltsames Buch, und unterhalten soll der Roman ja auch in erster Linie. Ein witziger, spannender Thriller. Wenn man den Stil mag - zugreifen.


Die italienischen Schuhe
Die italienischen Schuhe
von Henning Mankell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3.0 von 5 Sternen Henning Mankell mal auf "schmalzig", 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die italienischen Schuhe (Taschenbuch)
Fredrik Welin hat sich auf eine Schäreninsel zurückgezogen. Dort lebt er allein mit einer alten Katze und einem noch älteren Hund sowie mit diversen Lebenslügen ein einsames Leben. Sei Kontakt zur Aussenwelt beschränkt sich auf den Postboten. Bis Harriet, die alte verlassene Liebe, mit ihrem Rollator und einem unheilbaren Krebsgeschwür auf dem Eis steht und von Fredrik die Einlösung eines alten Versprechens fordert. Das alles wühlt ihn auf, er nimmt auch Kontakt zu Agnes auf, einer Frau der er den falschen Arm amputiert hat.

Die italienischen Schuhe hat so gar nichts mit anderen Mankell-Romanen zu tun. Mankell versucht sich am Altwerden, den damit verbundenen Problemen und nicht aufgearbeiteten Lebenslügen. Im Falle der Arztes Welin allerdings trägt er mir an den ein oder anderen Stellen viel zu dick auf um noch echt zu wirken. Die Personen wirken teilweise doch sehr konstruiert und unecht, ganz besonders seine Tochter Louise und der Schuhmacher. Ob unser alternder Held eine Wandlung durchmacht? Nicht ganz, am Ende heisst es schließlich: Bis hierher sind wir gekommen. Nicht weiter. Aber bis hierher.

Er scheint auf einem guten Weg zu sein sein armseliges Leben etwas aufzupeppen. Da ist es auch nicht weiter schlimm das seine Beziehung zu Agnes noch unklar ist und die Tatsache, dass ihm bisher noch gar nicht aufgefallen ist das seine Tochter 1969 geboren ist (S. 136), er seine Harriet aber 1966 zum letzten Mal gesehen hat (S. 32f). :-)

Mir persönlich ist der letztgenannte Mangel egal, ein typischer kleiner Fauxpas der jedem Autor mal unterläuft. Insgesamt finde ich "Die italienischen Schuhe" aber etwas überzeichnet, nicht wirklich eindringlich sondern eher skurril. Wie schon bei Wallander betrachtet Mankell das Altwerden aus einem für meine Auffassung zu negativen Blickwinkel: alles schlecht, alles krank und dem Tode nah. Und keine Zeit mehr..... Etwas mehr positives Denken bitte schön.


Der menschliche Makel
Der menschliche Makel
von Philip Roth
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Bourgeoisie und Selbstdarstellung, 1. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der menschliche Makel (Taschenbuch)
Coleman Silk hat es geschafft. Er ist seiner armseligen (und schwarzhäutigen) Vergangenheit entkommen und ist Dekan für klassische Literatur an einem College geworden. Dieses College ist sein Lebenswerk. Er krempelt es um, schmeisst alte Müssiggänger raus und ersetzt diese durch junge, frische (und zum Teil Schwarze) Professoren. Und dann kostet ihn der harmlse Spruch "dunkle Gestalten" den Job. Man wirft ihm (ausgerechnet ihm) Rassismus vor. Coleman ist sauer und zieht sich komplett vom College zurück, enttäuscht von der Welt. In diesem Zustand emotionalen Aufruhrs ergeht er sich einige Zeit bis seine Frau stirbt. Das und der Streit mit seinen Kindern bringt ihn zur Räson - vorübergehend. Kurze Zeit später fängt er mit der knapp halb so alten Faunia eine rein sexuelle Beziehung an. Die strengt so sehr an das er mit 71 anfangen muss Viagra zu nehmen. Aber sie gibt ihm auch Halt.

Faunia Farley selbst hat einiges durchgemacht. Ihren Mann (einen traumatisierten Vietnamveteranen) hat sie verlassen nachdem bei einem Brand ihre beiden Kinder erstickt sind. Seitdem schlägt sie sich mit elenden Jobs durch. Sie ist Analphabetin, kann nicht lesen. Genau das Richtige für einen desillusionierten Literaturprofessor.

Das Ganze schlittert natürlich dem Abgrund entgegen, und so muss die Story von einem Dritten, von Nathan Zuckerman, einem leidlich erfolglosen Schreiberling, erzählt werden weil weder Faunia noch Coleman dazu in der Lage sind.

Philip Roth ist zweifellos ein Sprachgenie der weiss wie man mit Worten umzugehen hat. Wer sich vor Fremdwörtern, Exkursen in alte, klassische Literatur, komplizierten nie enden wollenden Schachtelsätzen fürchtet wird sich bei der Lektüre quälen müssen. Was anspruchsvoll ist wird manchmal anstrengend.
Die Figuren selbst sind ausserordentlich gut gezeichnet, sehr facettenreich und unergründlich. So ist es mir nicht gelungen meine Sympathie irgendjemanden vorbehaltlos zuzuordnen. Dazu bröckelt bei jeder Person im Laufe der Geschichte zu viel von der eigentlich heilen Fassade ab. Darunter kommt meistens ein ziemlich unschöner Zug zum Vorschein, eine schlechte Eigenschaft, persönliche Probleme, eine verdrängte Vergangenheit. Kurzum, ein Lügengebilde. Ganz besonders bei Coleman Silk.

Und trotzdem: Philip Roth verliert sich zwischendurch und ganz besonders gegen Ende in endlosen Schwafeleien die etwas an den Nerven zerren. "Komm' zum Punkt" möchte man manchmal schreien. Insgesamt ist "Der menschliche Makel" ein nicht wirklich einfaches, aber gutes Buch welches nicht nur allein zur Unterhaltung dient. Man kann sich damit auch den Spiegel vorhalten und sich (oder andere) an einigen Stellen wiedererkennen. Und Bill Clinton hatte nicht Coleman Silks Größe und Durchhaltevermögen, so viel steht am Ende des Buches auch fest :-).


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