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Rezensionen verfasst von
Wortwerkstatt (Würzburg)

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Masters of Blues Guitar: Geschichte, Interpreten und Spieltechniken des American Folk Blues
Masters of Blues Guitar: Geschichte, Interpreten und Spieltechniken des American Folk Blues
von Richard Köchli
  Broschiert
Preis: EUR 24,95

5.0 von 5 Sternen Perfekt, 5. Oktober 2014
Ich halte dies für eines der besten Blues Lernbücher. Man wird didaktisch motivierend herangeführt, lernt alle sehr speziellen und teilweise sehr schwierigen Techniken der einzelnen Blueser kennen. Exzellent! Hat mich so begeistert, dass ich nun, auch wegen den offenen Stimmungen, stolzer Besitzer einer Resonator Gitarre geworden bin. Danke an Herrn Köchli, auch für den klugen Kommentar, der mit drei Sternen versehenen Bewertung hier, die völlig daneben ist und inhaltlich falsch! Blues as Blues can


Vom Ende einer Geschichte: Roman
Vom Ende einer Geschichte: Roman
von Julian Barnes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine Geschichte, die das Leben erzählt, 13. März 2012
Wir sind dass was wir wahrnehmen. Das ist stets subjektiv und selektiv.
Weil Erinnerungen eben subjektiv sind, müssen sie nicht immer unbedingt der historischen Wahrheit entsprechen.
Julian Barnes stellt sich dieser Erfahrung in seinem Roman auf seine, bestechend kluge und sprachlich konzentrierte Art und Weise und regt den Leser damit sehr zum Nachdenken an. Und dennoch bei allem Tiefgang und aller Nachdenklichkeit ist der Roman schwungvoll und leichthändig, amüsant und voller Mitgefühl für seine Protagonisten. Wer die Zeit leugnet, der sagt: Vierzig ist gar nichts, mit fünfzig steht man in der Blüte des Lebens, sechzig ist da neue vierzig und dergleichen mehr. So viel ich nun schon: Es gibt eine objektive Zeit, aber auch eine subjektive Zeit, und die trägt man innen am Handgelenk, direkt am Puls. Und diese persönliche Zeit ist die wahre Zeit, und ihr Maß ist das persönliche Verhältnis zur Erinnerung.".

Tony Webster erinnert sich oder sagen wir, er muss sich erinnern:
Er hat sein Leben als Beamter in einer städtischen Kurverwaltung verbracht.
In Kindheit und Jugend stilisierte er sich mit seinen drei Freunden zu subversiven Rebellen der 50er Und 60er Jahre. Jede bürgerliche Konvention verachtend, erlebten die Jugendlichen in ihrer Wildheit aber auch Naivität, die aufregende Welt der Literatur die ersten sexuellen Erfahrungen und philosophische Grundsatzdiskussionen. Doch mit dem Selbstmord des Schulfreundes Adrian bekam die behütete College-Welt erste Risse.
Im Brief einer Notarin wird Tony mitgeteilt, dass nun, vierzig Jahre später, ein Tagebuch des viel zu früh verstorbenen Schulfreundes Adrian aufgetaucht ist. Adrian und Tony hatten eine innige Beziehung zu einem Mädchen namens Veronica. Um sich Klarheit über seine Vergangenheit zu verschaffen, beginnt nun Tony, mittlerweile geschiedener Pensionär, in seinen lückenhaften und unvollkommenen Erinnerungen zu wühlen. Als er nun nach vierzig Jahren in Kontakt mit Veronica tritt, wird er regelrecht von seiner eigenen Lebensgeschichte überrollt.

Als Leser beginnt man sich mit den Fragmenten und Täuschungen seiner eigenen Lebensgeschichte zu befassen und bekommt ein Gespür dafür, dass ja jedes Bild, dessen wir uns erinnern und das daraus resultierende Selbstbild, sich permanent in ein veränderndes Objekt verwandeln kann und häufig nur eine Version von vielen der erlebten Wirklichkeit ist .

Julian Barnes stellt in "Vom Ende einer Geschichte" meisterlich Altvertrautes in Frage und schreibt ganz ohne Pathos und Plattitüden von der Unbekümmertheit und der Schwere des menschlichen Daseins. Klug, differenziert und leichthändig. Jetzt endlich, er war bereits einige Male heißer Anwärter, hat er mit diesem Roman den Booker Preis erhalten.


George Harrison: Living in the Material World - Die illustrierte Biografie
George Harrison: Living in the Material World - Die illustrierte Biografie
von Olivia Harrison
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Here Comes The Sun, 17. November 2011
Jeder Mensch muss selbst den Weg zur inneren Erleuchtung finden. Ich glaube, dass das der einzige Grund für unsere Existenz auf diesem Planeten ist." Diese Aussage des am 29. November 2001 verstorbenen George Harrison ist der eigentliche Antrieb seines aufregenden und abwechslungsreichen Lebens gewesen.

Kein geringerer als der Oscar - prämierte Regisseur Martin Scorsese, dem eine innige Freundschaft mit George Harrison verband und der bereits durch fundierte Musikerdokumentationen (Bob Dylan, Rolling Stones etc.) für Furore sorgte, hat nun dem Ex-Beatle ein filmisches Denkmal gesetzt. Dem Film, der bei uns im Dezember erscheinen wird, geht nun diese liebevoll gestaltete und reichlich illustrierte Biografie im Bildbandformat voran.
Erstmals hat Olivia Harrison, die das Erbe von George betreut, Fotografien, Briefe, Tagebücher und Notizen aus dem Nachlass zusammengestellt. Herausgekommen ist dabei ein sehr persönliches Porträt mit den wichtigsten Stationen seiner Lebensgeschichte und seines umfangreichen musikalischen Schaffens. Beginnend mit den Fotografien aus dem Liverpool der Nachkriegszeit, bis hin zu einigen privaten Fotoaufnahmen aus seinem Parkanwesen Friar Park", das er mit Olivia Harrison und deren Sohn Dhani bewohnte, verzeichnet dieser informative und aufschlussreiche Bildband alle wichtigen Momente, Menschen und Erfahrungen aus seinem Leben. Auch wenn hier einige private Fotos und Skizzen abgelichtet sind, ist dieses Buch nicht voyeuristisch oder indiskret. "Living in the Material World" erweist sich als gelungene Reminiszenz und Hommage an einen unvergessenen Menschen. Ergänzt werden die Fotografien durch aussagekräftige Zitate von Freunden, Familienmitglieder und Musikerkollegen. Text und Bild, die sich hier stets aufeinander beziehen und ergänzen, bewirken dadurch ein integratives Gesamtverständnis.

George Harrison war eben nicht nur Musiker - so geniale Songs wie "All Things Must Pass", "Here Comes The Sun", "While My Guitar Gently Weeps", "My Sweet Lord", "Something" oder "I Got My Mind Set On You", um nur einige zu nennen gingen auf sein Konto - sondern auch ein Suchender, eine spirituelle Ikone, aber auch engagierter Umweltaktivist, Kommentator und Kritiker seiner Zeit. Als loyaler und spontaner, freigiebiger und authentischer, humorvoller und verständnisvoller Mensch ist er seinen Zeitzeugen in Erinnerung geblieben, der nach Aussagen von Olivia Harisson aber beileibe kein Heiliger war.

Die Bildbiografie "Living in the Material World" legt davon Zeugnis ab und lässt nicht nur die Herzen von Beatles-Fans höher schlagen, sondern erschließt klischeefrei den persönlichen Kosmos dieses wunderbaren Menschen, der leider viel zu früh von uns gegangen ist.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 14, 2012 4:17 PM CET


Perfect Darkness
Perfect Darkness
Preis: EUR 7,99

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fink repeat itself, 29. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Perfect Darkness (Audio CD)
Es stimmt absolut was die anderen drei Rezensionen über Finks Musik sagen. Doch wenn man, so wie ich, alle drei anderen Scheiben von ihm kennt, muss man leider feststellen, dass Fink feststeckt. Zuwenig Entwicklungen drin, Songs funktionieren immer ähnlich, die Stimmungen werden auf Dauer etwas eintönig, die Arrangments sind gleich, alles irgendwie schon auf den anderen drei Scheiben gehört..aber wer ihn zum ersten mal hört wird genauso begeistert sein wie ich...


Number 9 Dream
Number 9 Dream
von David Mitchell
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen eine Achterbahnfahrt der ungewöhnlichen Lese-Art, 6. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Number 9 Dream (Gebundene Ausgabe)
Der neunzehnjährige Eiji Miyake kommt aus dem ländlichen Japan nach Tokio, um seinen Vater zu suchen, der die Familie früh verlassen hat.
Auch zu seiner Mutter, die seit Jahren Alkoholikerin ist, hatte er lange Zeit keinen Kontakt mehr. Mit seiner Zwillingsschwester wuchs Eiji bei der Großmutter auf. Bei der Suche nach Informationen zu seinem Vater, verstrickt sich der neunzehnjährige Eiji in unterschiedlichen Bewusstseinserlebnissen. In Tokio befindet er sich nun in einem Irrgarten voll rätselhafter Zeichen, wovon eines der Song von John Lennon Number 9 Dream" ist.
Der ohne erkennbare Grenze zwischen Realität und Fantasie abwechselnde Roman, schildert den aberwitzigen Trip des Jungen durch berauschende Traumgebilde, surrealen PC-Spiel-Identitäten und digitalen Cyberwelten.
Was den englischen Autor David Mitchell vor allem auszeichnet, sind seine komplexen Romanstrukturen, die originell miteinander verwoben sind.

Mit seiner überbordende Fantasie, dem schwindelerregenden Einfallsreichtum und seiner experimentierfreudigen Erzählweise weckt er beim Leser nur allzu gerne falsche Hoffnungen und legt Fährten, die im Nirwana enden. Die atemberaubenden Weltentwürfe und abstrusen Ereignisse zeigen wieder einmal die bemerkenswerten Qualitäten des Autors. Mit temporeicher Handlung und vielschichtiger Sprachimitationen schmiedet er stets eine Kausalkette von Ursache und Wirkung.
Das fordert dem Leser erhöhte Aufmerksamkeit ab und ist natürlich nicht immer einfach zu lesen, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man regelrecht mitgerissen und Augen reibend stellt man sich die Zeilen aus dem titelgebenden John Lennon Song: Was it in a dream, was it just a dream? I had know, yes I know - Seemed so very real, it seemed so real to me."

"Number 9 Dream ist eine kaleidoskopische Mischung aus Cyber-Thriller, Fantasy und Matrixroman. Nicht nur Haruki Murakami Leser empfohlen.


Skippy stirbt. Roman
Skippy stirbt. Roman
von Paul Murray
  Broschiert
Preis: EUR 26,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen geht unter die Haut, 30. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Skippy stirbt. Roman (Broschiert)
Schauplatz ist das katholische Internat Seabrook College in Dublin.
Der übergewichtige Ruprecht teilt sich ein Turmzimmer mit der Daniel, der wegen seiner vorstehenden Zähne Skippy genannt wird. Eigentlich interessiert sich niemand so richtig für die beiden doch während eines Doughnuts Wettessens mit Ruprecht stirbt Skippy gleich zu Anfang des Buches. Soviel sei verraten: das viel zu frühe Ableben des sympathischen Daniel hat ganz andere Gründe. Der Rest des Romans entlarvt nun Seite für Seite die Hintergründe, die zu diesem viel zu frühen Tod geführt haben. Und genau darin liegt die Qualität des Romans: nur vordergründig handelt es sich hier um einen Internatsgeschichte, die vom Erwachsenwerden, von Schülerstreichen und ersten Freundinnen erzählt. Denn irgendwann bleibt einem das Lachen im Halse stecken und das ganze Grauen wird aufgedeckt. Von Unterdrückung und Überwachung katholischer Priester und ihren rigiden Erziehungsmethoden durch Demütigungen und Kränkungen bis hin zu sexuellen Kindesmissbrauch.

Paul Murray rechnet ab und das mit guten Grund.
Dem Autor gelingt eine treffende und detaillierte Schilderung der verheerenden Zustände vieler Schulen und Internate im 21. Jahrhundert. Skippy stirbt" ist in drei Teile unterteilt: Hopeland", Heartland" und Ghostland" und beschreibt ungeschminkt die Geschichte des Alltags von Schülern eines Internats. Auch wenn der Roman in Dublin spielt und Irlands Weg im Umbruch zwischen Tradition und Moderne, zwischen Identitätsverlust und Neuorientierung zum Thema hat, könnte diese Coming of Age" Geschichte durchaus an jedem anderen Ort dieser Welt spielen. Die stimmigen Darstellungen und Zusammenhänge werden klug, warmherzig und drastisch vor Augen geführt.
Paul Murray setzt auf eine direkte und klare Sprache und verliert sich dabei nicht in Andeutungen und unnötigen Ausschmückungen.
Hier wird von schwierigen familiären Verhältnissen, von Drogen, Magersucht und sexuellen Übergriffen genauso direkt und unprätentiös erzählt wie von den Hoffnungen, von Loyalität, erster Liebe und freundschaftlichem Zusammenhalt. Skippy stirbt ist eine spannende Geschichte vom Erwachsenwerden, von Wahrheit und Lüge und der Scheinheiligkeit der Gottesmänner. Ein Roman von satirischer Schärfe und lebensechtem Tiefgang.


Chronic City: Roman
Chronic City: Roman
von Jonathan Lethem
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen irgendwie lauer Aufguß!, 4. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Chronic City: Roman (Gebundene Ausgabe)
Chronic City ist der mittlerweile achte Roman des in Deutschland noch immer recht unbekannten amerikanischen Autors Jonathan Lethem.
Im Mittelpunkt stehen Chase Insteadman, ein ehemaliger TV-Serien Kinderstar, der eine sehr ferne Fernbeziehung zu seiner im Weltall festsitzenden Astronautin und Freundin Janice Trumball hat. So erhält er immer wieder mal Liebesbriefe aus dem All. Auf der Erde aber hat er ein heimliches Verhältnis mit Oona Laszlo, die ihr Geld als Ghostwriterin verdient und Autobiografien für Randexistenzen schreibt. Chase spricht nebenbei Audiokommentare für DVD-Veröffentlichungen recht obskurer Filmwerke. Dort, in den baufälligen Hallen der Produktionsfirma lernt Chase Perkus Tooth kennen. Perkus Tooth ist ein früh gealterter Bohemien, der früher mit seiner Kunst in Manhatten für Aufsehen sorgte. Jetzt aber als aussortierter und reichlich kiffender Rockjournalist sein Leben fristet. Da verwundert es nicht, dass er ständig mit rasenden Kopfschmerzen zu kämpfen hat. Beide sind gern gesehen Gäste auf rauschhaften High Society Partys und mondänen Abendveranstaltungen Manhattans, bei der auch schon mal Lou Reed oder Laurie Anderson auftauchen können. Dann gibt es da noch einen alles fressenden Tiger, der durchaus eine Metapher für eine Tunnelbohrmaschine sein könnte und das Kaldron, eine merkwürdige Keramik, nach der sich Chase und Perkus im Internet umtun. Es ist ein Gefäß mit strahlender Anziehungskraft, welches in der Machtzentrale des Bürgermeisters steht. Auf sehr filmische und musikalische Art erzählt Jonathan Lethem von den nächtlichen Ausschweifungen der New Yorker Gesellschaft.
Die Darstellung der schillernden Charaktere lassen einen sofort an das New York des schwulen Dandys Quentin Crisps oder der Dekadenz eines Tom Wolfes denken, aber auch an Dorothy Parker oder Paul Auster Chronic City" ist ein pralles und überbordendes Buch über Schein und Realität, über Medien und Manipulation, über Täuschung und Sehnsucht und das ist alles wild durcheinander gewürfelt. Daher kann man dieses Buch auf sehr viele verschieden Arten lesen und interpretieren. Wahrscheinlich ist es aber auch eine Abrechnung mit den Finanzmärkten und dem entfesselnden Kapitalismus ebenso wie ein Roman über den Kunstbetrieb und deren Vermarktung und dem Klauen von Ideen und Identitäten.
Dennoch wirkt der Eskapismus dieser geschilderten Welt, diese skurriler Einfälle und die versponnene Exzentrik dieser Gesellschaften nicht wirklich neu und es beschleicht einen oft das Gefühl viele Schilderungen bereits gelesen oder als Film gesehen zu haben. Gab es da nicht Ende der 1990er Jahre einen Roman von Matt Ruff namens G.A.S.?


Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein: Eine Strandjugend
Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein: Eine Strandjugend
von Maximilian Buddenbohm
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es würde mir fehlen, dieses Buch nicht gelesen zu haben, 29. März 2011
Maximilian Buddenbohm ist in Travemünde aufgewachsen. Dort umspülten die Wellen der Ostsee das Krisengebiet seiner Pubertät. Die Eltern wurden sehr bald geschieden, Maximilian und seine Mutter nutzten die Ferienwohnung fortan als festen Wohnsitz. Über die Erinnerungen seiner Coming of Age-Epoche in den 1980er Jahren schreibt der Autor leichthändig, witzig und liebevoll. Es ist die Zeit der gelben Telefonzellen, der D-Mark, der vierstelligen Postleitzahlen und der drei großen Fernsehsender. Somit ist diese Jugend eigentlich vielen Jugenderlebnissen in der deutschen Provinz sehr ähnlich. Wenn da das Meer nicht wäre und man dauernd mit Touristen zu tun gehabt hätte. Somit hat der Autor natürlich keinen verklärten Blick auf das Meer, sondern erzählt in kurzweiligen Episoden über die Menschen und ihren Gepflogenheiten. Das ist oft zum Brüllen komisch, manchmal aber auch nachdenklich stimmend. Der Autor, der auf der Blogseite Herzdamengeschichten" Einträge veröffentlicht, hat diese Aufzeichnungen bearbeitet und erweitert. "Im Buch muss man langsamer erzählen".

Maximilian Buddenbohm hat einen außerordentlichen Blick für Situationen, Stimmungen und besonderen Begebenheiten.
Es fehlt mir nicht am Meer zu sein" ist eine witzige Ethno-Typologie der Einwohner und Touristen eines Städtchens am Meer, aber auch die Geschichte einer Familie und des Erwachsenwerdens. Erfrischend klar, einfach und direkt wird hier von der Jugend berichtet, die Lust am Erzählen ist mit jedem Satz spürbar.
Pointiert und detailliert schreibt der Autor über die spießbürgerliche Enge, die Schrullen der Menschen und die Erinnerungen seiner Strandjugend.
Warmherzig, lakonisch und unsentimental lesen wir von einer Welt, die es heute so nicht mehr gibt. Maximilian Buddenbohm ist ein veritabler Erzähler rund um das Thema Erwachsenwerden, Jugendsünden und Vergänglichkeit.


Homer & Langley: Roman
Homer & Langley: Roman
von E. L. Doctorow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial!, 21. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Homer & Langley: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie bereits in seinen Romanen Ragtime" und Der Marsch" ist auch der neue Roman des achtzigjährigen amerikanischen Schriftsteller E.L. Doctorow in einen historischen Kontext eingebettet.
Homer und Langley, Söhne der wohlhabenden New Yorker Patrizierfamilie Collyer, sind
nach ihrem Tod im Jahre 1947 tatsächlich in die Schlagzeilen geraten. Als man damals einem Hinweis nachging und das von den Collyer-Brüdern bewohnte Haus räumte, mussten sage und schreibe über hundert Tonnen Müll entsorgt werden. Dieser Roman verbindet meisterhaft historische Fakten um die Legendenbildung des seltsamen Bruderpaares mit der Geschichte der Vereinigten Staaten des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Die chronologisch erzählte Geschichte, die unaufgeregt und stringent aus der Perspektive Homers geschildert wird, lässt mit dem Beginn des ersten Weltkrieges, die Katastrophe über die Familie hereinbrechen.
Langley kehrt aus den Schützengräben nach Hause zurück, traumatisiert und von einem Senfgasangriff gezeichnet. Homer verliert wenig später durch eine Krankheit sein Augenlicht und die Eltern werden von der Spanische Grippe, der verheerendsten Pandemie des 20. Jahrhunderts, dahingerafft.

So leben Homer und Langley fortan zurückgezogen und von der Außenwelt abgenabelt im Haus ihrer Eltern. Von den anfänglichen Versuchen ein Tanzcafe zu betreiben kommen sie schnell wieder ab. Ein unfreiwilliger Kontakt mit der New Yorker Mafia beschleunigt ihre Entwicklung zu einer anarchischen und nihilistischen Lebenseinstellung der Verweigerung. Eines Tages jedoch nistet sich für kurze Zeit eine Hippie-Kommune ein und das Chaos nimmt neue Dimensionen an. Dabei erliegt Homer den Verführungskünsten einer jungen Frau, für die er auch so etwas wie Gefühle entwickelt und die ihn für kurze Zeit sein Alter vergessen lässt.
Die beiden Einsiedler können kaum noch ihre Alltagsaufgaben organisieren, die exzessive Sammelwut und das Horten von Gegenständen nehmen zusehends krankhafte Züge an. Homer und Langley verschanzen sich in den Gemäuern ihrer Wahrnehmung.
Unfähig zwischen Brauchbarem und Unbrauchbarem, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden, türmen sich Bücher, Musikinstrumente, Bügeleisen, Schreibmaschinen, Radios und Fernsehgeräte oft in mehrfacher Ausführung in den Gängen und Räumen des Hauses.
Die Ohnmacht gegenüber der gesamten Welt da draußen, mit der die beiden stets im Streit liegen, zeigt sich besonders in Bergen von unbezahlten Rechnungen, Mahnbescheiden und Gerichtsvorladungen. Darüber hinaus arbeitet Langley noch an der Idee einer Traumzeitung, von der nur eine einzige Ausgabe erscheinen soll. Dafür sichtet er täglich bis zu zehn Zeitungen und sieht sich mit der wahnwitzigen Idee konfrontiert, aus ganzen Jahrgängen von Tageszeitungen die entscheidenden Vorfälle herauszusuchen, die zeitlos sind. So stapeln sich zu den Zeitungstürmen noch zusätzlich angelegte vorläufige Ordner, nach verschiedensten Kategorien und schlagzeilenträchtigen Reportagen sortiert.

Dem Autor gelingt es meisterhaft diese beiden seltsamen Außenseiter und Antihelden als Archivare" einer untergegangenen Epoche darzustellen. Wie er diese Geschichte dem Vergessen entreißt, den Collier-Brüdern eine Stimme gibt und ihnen Würde verleiht, indem er Geschichte und Fiktion in Weltliteratur verwandelt, ist absolut lesenswert.
Ein traurig-schauriges Bravourstück von der Kehrseite des American Way of Life"


Fischnapping
Fischnapping
von Tim Binding
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas zu viel des Guten, 21. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Fischnapping (Gebundene Ausgabe)
Bereits mit dem vor zwei Jahren erschienenen Buch Cliffhanger" hat uns der britische Autor Tim Binding schon ziemlich an der Nase herumgeführt.
Jetzt treibt er es mit Fishnapping" auf die Spitze. Er hält uns zum Besten, gibt erneut ordentlich Butter bei die Fische und dass ist so abenteuerlich, aberwitzig und vergnüglich, dass man nicht mehr aufhören will zu rätseln, geschweige denn zu lesen. Nicht umsonst ist dem Autor bereits der Titel als König der Krimi-Komödie verliehen worden. In Fishnapping" wimmelt es wieder von skurrilen Figuren, die in hanebüchene Situationen geraten. Da endet so manche Szene im Slapstick, doch die Spannung geht dabei glücklicherweise nicht verloren.

Da Fishnapping" die Geschichte von Cliffhanger" weiter erzählt, ein paar Worte zur Handlung: In Cliffhanger" schubste Al Greenwood seine vermeintliche Frau im gelben Regenmantel von den Klippen. Als er allerdings nach der Tat nach Hause kam, saß sie auf dem Sofa vor dem Kamin. Somit konnte sie nicht das Opfer gewesen sein. Blöderweise hielt sich die Frau des auf diesen Fall angesetzten Kommissars Rump ebenfalls im gelben Friesennerz" ganz in der Nähe auf. Al ist sich nun sicher, dass er die Frau des Kommissars ermordet hat, hinter Gittern muss er allerdings wegen des Mordes an seiner unehelichen Tochter.

Fishnapping" beginnt nun mit dem Moment, als sich seine Frau eines Besseren besinnt und den Mord an der Tochter gesteht. Al wird entlassen und die Frage, wen er denn nun damals die Klippen hinunter schubste, stellt sich ihm aufs Neue. Die Frau des Kommissars, die tot geglaubte Michaela Rump jedenfalls ist quicklebendig. Ausgerechnet jetzt kehrt auch noch die zweite Tochter aus Australien zurück, um den Tod ihres Verlobten aufzuklären. Der Verlobte war damals bei einer Bergwanderung mit Al verunglückt.

Fishnapping" ist eine wunderbar an den Haaren herbeigezogene Krimikomödie, bei der Kenner des schwarzen, englischen Humors auf ihre Kosten kommen. Auch wenn einige Zusammenhänge etwas zu dick aufgetragen sind und manches Frauenbild klischeehaft erscheinen mag, überraschen die zahlreichen Verwicklungen und Wendungen und die Pointen zappeln nicht lange im Netz der Erzählkunst. Wohl aber der namensgebende Koi-Karpfen, der aus erpresserischen Absichten heraus entführt werden soll und auch bereits in Cliffhanger" eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat


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