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Basileus Bibliophilos

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Lao-tse Jenseits des Nennbaren
Lao-tse Jenseits des Nennbaren

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kleines Buch der großen Weisheit, 5. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Lao-tse Jenseits des Nennbaren (Broschiert)
In diesem schon anno 1979 erstmals erschienenen Büchlein wird zunächst das Wenige kund getan, das man über jenen Lao-Tse weiß, der vermutlich vor etwa 2300 Jahren in China weilte. Sein Eigenname ist ungekannt; 'Lao-Tse' war lediglich sein Beiname, den wir mit "der Alte" oder auch "altes Kind" übersetzen können. Das Kind ist nicht abwertend gemeint, sondern eher so zu deuten, wie in der Weissagung: "Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, dann könnt ihr nicht in das Himmelreich gelangen" (Mt 18,3). Die Herausgeberin Linde von Keyserlingk erinnert an das weise Kind namens 'Fabel' im Märchen des Novalis. Und sie lässt Lao-Tse zu Worte kommen, der über den Fluss des Lebens sagt: " ... uralt, doch immer zurückkehrend zur Quelle, kindartig."
Der nachdenklich-heiteren Einleitung folgt eine schöne Auswahl aus den überlieferten und behutsam übersetzten Worten und Sinnsprüche des chinesischen Weisen aus dem ihm als vermutlichem Schreiber zugedeuteten Buch "Tao Te King". Das 'Tao' ist ein Name für etwas Unnennbares. Wie sollen wir es uns denken?
"Das ewige Tao kann man nicht lehren. Den ewigen Namen kann man nicht nennen, denn jenseits des Nennbaren liegt der Ursprung des Seins." Welch ein Rätsel! Wozu überhaupt über dies Tao reden?
Hierzu sagt Lao-Tse: "Etwas Geheimnisvolles, im Sein und Nichtsein vereint, ohne Anfang entstanden, vor Himmel und Erde, allein, unwandelbar, immer gegenwärtig, immer bewegt. Vielleicht ist es die Mutter alles Seienden. Ich weiß nicht, weiß nicht den Namen; ich nenne es Tao." (S. 31). Es fällt auf, wie vorsichtig und nicht zu (be)greifen versuchend der Weise sich dem Unnennbaren anzunähern versucht. Ohne die Anmaßung eines Menschen, der denkt, er könne GOTT benennen, begreifen und festlegen, was dieser "Gott" wolle und nicht wolle, bleibt Lao-Tse bescheiden und versucht lediglich zu nennen, dass etwas Unnennbares HIER sei, unter all den tausenden nennbaren Dingen als deren "Mutter" (oder Quelle) und Einendes.
Das Tao, das du zu benennen weißt, ist nicht das Tao.
Die Liebe, die du zu begreifen weißt, ist nicht die Liebe.
In diesem schmalen Büchlein ist mehr zu lesen als in manchem dicken Wälzer. Leicht und sanft, mit Landschafts- und Pflanzenzeichnungen verziert, ist es ein großer meditativer Genuss, darin zu lesen, innezuhalten und zu denken, und weiter zu lesen. Wunderschön!


Die Reden des Buddha
Die Reden des Buddha
von Gautama Buddha
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Anfang war die Erwachung, 5. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Reden des Buddha (Taschenbuch)
Heinz Bechert (1932 - 2005), Professor für Indologie, gab anno 2000 diese wunderschöne Wortsammelung heraus, die von Hermann Oldenburg (1854 - 1920), Professor für Sanskrit, feingeistig behutsam in 's Deutsche hinübergesetzt worden ist. Dies war keine leichthin zu erfüllende Aufgabe, denn je geistiger und also leichter ein Text, desto schwerer ist er zu übersetzen, ohne den Geist hinauszugewichten.
Was nennt der Name 'Buddha'? Der 'Buddha' ist so wenig ein Eigenname wie der 'Christus', obwohl dies nicht wenige Leute denken. Der Name 'Buddha' ist ein substantiviertes Adjektiv des Sanskrit und ist mit "Erwachter" zu übersetzen (der Infinitiv des Verbs ist 'bodhi' = "erwachen"). Dieses Erwachten Eigenname war 'Siddharta Gautama', wie des Gesalbten (alias Christi) Eigenname 'Jeschua Ben Joseph' war. Woraus war oder ist zu erwachen? Nicht der gewöhnliche Schlaf ist gemeint und somit nicht das alltägliche Erwachen aus diesem, sondern der Traum, ein einzelner Körper in der vergänglichen Welt der Getrenntheiten zu sein.
Der erste Teil des vierteilig angelegten Buches erzählt des Daseins des Siddharta vor der Erwachung, dann des Erwachens und der ersten Predigten, in denen der achtteilige Pfad und die vier großen Einsichten genannt werden. Der achtteilige Pfad ist der WEG, der aus dem Traume hinaus "zu m Frieden, zu m Erkennen, zu r Erleuchtung, zu m Nirwana führt" (S. 95). Die acht Teile dieses Pfades werden wie folgt benannt: "rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Sterben, rechtes Gedenken, rechtes Sich-Versenken". Dieser Weg ist eng mit den vier großen Einsichten verbunden: Die Einsicht in das Leiden, in die Entstehung des Leidens, in die Aufhebung des Leidens und in den Weg der Aufhebung des Leidens.
Die Reden des Buddha sind keine förmlichen Reden, sondern, wie der Untertitel des Buches bekundet, Worte, Verse, Erläuterungen der Lehre und hintersinnige Erzählungen. In unermesslicher Tiefe wird mit dem durstigen Leser die Labsal geteilt, wie etwa aus seinem Nichtwissen der All-Einsheit das Sehen der Einzelgestalten entsteht, das verblendeter Weise als Erkennen gedeutet und benannt wird, obwohl es das Gegenteil dessen ist, weil es die erlösende All-Einsheit übersieht, die allein das wahrlich zu Erkennende ist (S. 83 ff). Der vermeintlich Erkennende verleiht den Einzelgestalten unterschiedliche Namen und besiegelt so deren Vereinzeltheit. Wer hätte je gedacht, dass die Namen unserer für die "Erkenntnis" (?) so geschätzten Sprache auch ein Mittel wider die Erkenntnis seien? In der Hölle der vermeintlichen Uneinsheit steht Alles in Flammen (S. 100): "Das Auge, ihr Mönche, steht in Flammen. (...) Das Empfinden, das infolge der Berührung des Auges (mit dem Sichtbaren) entsteht, (...) steht in Flammen. Wodurch ist es entflammt? Durch der Begierde Feuer, durch des Hasses Feuer, durch der Verblendung Feuer ist es entflammt, durch Geburt, Alter, Tod, Schmerz, Klagen, Leid, Kümmernis und Verzweifelung ist es entflammt."
Der Traum der getrennten Körper entzündet den züngelnden Begehr der brennenden Wünsche. Unendlich wiederholt sich das Leiden daran, so lange gedacht wird, die Erfüllung der Wünsche sei die Erlösung aus dem Feuer des Wünschens. Aber die große Einsicht in den Weg der Aufhebung des Leidens eröffnet, dass allein die Entsagung den Begehr und das brennende Wünschen löscht.
Entsagung? Vergebung! Hier reichen sich der Buddha und der Christus die Hand. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Mt 5,43; 3.Mose 19,18), denn er ist du selbst, mit dir eins und somit selbig. Natürlich nicht im Traume, ein einzelner Körper zu sein. Dort ist der Nächste ein anderer Körper, also uneins mit dem Träumenden. Wer aber Erlösung aus dem Leiden sucht, der möge einsehen, dass dieser Traum das Leiden ist. Das Glück wohnt außerhalb dieses Traumes. Derweil des Lesens durch das ganze Buch wird immer wieder deutlich, wie wenig die meisten Menschen dies Erwachen suchen, sondern statt dessen eisern, verbissen, ja: verzweifelt an ihren Träumen festhalten, um darinnen ein vergängliches Glück zu ergattern.
Ein großes, schönes Buch voller lebensechter Weisheit!


Das Weltbild des Kindes
Das Weltbild des Kindes
von Jean Piaget
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefe Einblicke in das Entstehen des Weltbild des Kindes, 4. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Weltbild des Kindes (Taschenbuch)
Der Schweizer Professor für Psychologie, Direktor des Internationalen Erziehungsbüros und Leiter des Jean-Jacques-Rousseau-Instituts Jean Piaget (1896 – 1980) gilt als der führende Vertreter der Entwickelungspsychologie, also jener besonderen Sparte der Psychologie, in welcher die geistige Entwickelung des Kindes untersucht wird. In diesem anno 1926 erschienenen Buch offenbart Piaget die Ergebnisse seiner Untersuchungen mit drei- bis neunjährigen Kindern bezüglich deren jeweilig heranreifender Weltdeutung und deren allmählicher Erweiterung, Ausweitung oder Berichtigung.
In elf Kapiteln berichtet Piaget über den kindlichen Realismus, den kindlichen Animismus und die Kausalität des Kindes mit teilweise erstaunlichen Einzelheiten wie etwa magische Praktiken des Kindes oder dessen Glaube an ein den Dingen innewohnendes Bewusstsein. Außerdem untersucht Piaget den Zusammenhang zwischen Träumen, Sprachgewinnung und einer artifizialistischen Deutung der Entstehung der Dinge, Tiere und Gestirne (wobei unter ‚artifizialistisch’ etwa „künstlich gemacht“ verstanden wird). Der Artfizialismus wird von Piaget als primäre Deutungsart des Entstehens des Gewordenen gedeutet, der allmählich (bei zunehmendem Alter des Kindes) von der Vorstellung der Natur als Erzeugerin abgelöst wird.
Wer die detaillierten Ausführungen über die Entstehung des Weltbildes oder anders gesagt: des Seinsdeutungsgefüges des Kindes aufmerksam liest, der kann kaum umhin, die Ähnlichkeiten zu der Entstehung primitiver Kulturen mit deren Symbolen und animistischen oder egozentrischen Deutungen und Religionsentwürfen zu sehen. Dies rückt Piaget in den geistigen Zusammenhang mit Ernst Cassirer („Philosophie der symbolischen Formen“; 1923 - 1929), Carl Gustav Jung („Archetypen“; 1934 - 1940; „Wandlungen und Symbole der Libido“; 1912 ) und Helmut Gipper („Das Sprachapriori“; 1987)).
Tiefsinnig und spannend!


Traum und Traumdeutung
Traum und Traumdeutung
von Lorenz Jung
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefe Einblicke in die Traumwelt des Menschen, 4. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Traum und Traumdeutung (Taschenbuch)
Auch Carl Gustav Jung (1875 - 1961) befasste sich, dem Beispiele seines ehemaligen Lehrers Sigmund Freud (1856 - 1939) und dessen Bahn brechender "Traumdeutung" (1899) folgend, mit dem Träumen, den unpersönlichen Traumsymbolen und dem geistigen Zusammenhang mit dem Wachdenken des Menschen, sei dies nun normal oder neurotisch. Das vorliegende Buch Traum und Traumdeutung enthält fünf Aufsätze:
1. "Symbole und Traumdeutung" (1961),
2. "Allgemeine Gesichtspunkte zur Psychologie des Traumes" (1916),
3. "Vom Wesen der Träume" (1945),
4. "Die praktische Verwendbarkeit der Traumanalyse" (1931),
5. "Traumsymbole des Individuationsprozesses" (1944)
In diesen Schriften legt Jung dar, wie er sich von Freud und dessen Psychoanalyse entfernte, um zu seiner eigenen "Analytischen Psychologie" zu finden. Beispielsweise wandte Freud zur Traum-Analyse die Methode der "freien Assoziation" an, um dunkele Traumbilder durch anliegende Gedanken des wachen Patienten mit dessen eigenen Worten zu beleuchten. Jung entdeckte, dass diese Methode allein nicht ausreiche, und gelangte zu der Methode der Erschließung des Kontexts der Traumbilder bzw. der mit jedem Traumbild verbundenen Assoziationen und dem tatsächlichen Geistszustand des Träumenden.
In der Analyse fallen immer und in jedem Falle Bilder auf, die der Träumende nicht allein entwirft, weil sie Elemente verschiedener Träumer unterschiedlicher Patienten darstellen. Diese Elemente stammen also aus einer archaischen Zeit des Menschen, sodass sie Elemente eines jeden heutigen Menschen sind, mittels derer Träume gebildet werden. Diese Elemente nennt Jung 'Archetypen'. Sie stellen die Grundmasse dar, aus denen die Träume geformt werden. Der Schlüssel zu 'm Verständnis des Geträumten ist die Kenntnis der Archetypen und deren begriffenen Inhalte.
Ausführlich, spannend und einleuchtend legt Jung dar, in welch hohem Maße der Traum des Menschen aufzeigt, in welchem geistigen Verhältnis der Mensch zu seiner unbewusst erdeuteten und bebilderten Welt steht. Unbedingt lesenswert!


Abhandlung über den Ursprung der Sprache: Welche den von der Königl. Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1770 gesetzten Preis erhalten hat (Sammlung Zenodot)
Abhandlung über den Ursprung der Sprache: Welche den von der Königl. Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1770 gesetzten Preis erhalten hat (Sammlung Zenodot)
von Johann G Herder
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswerte Vermutungen aus alter Zeit, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Johann Gottfried Herder (1744 - 1803), studierter Theologe und Philosoph, schrieb die vorliegende Abhandlung anno1770, um mit ihr an einer Preisfrage der königlichen Akademie in Berlin teilzunehmen; er gewann den Preis, obwohl er den Ursprung der Sprache nicht eigentlich nannte.
Dazu mögen wir uns den Wissenschaftsstand jener Zeit vor Augen führen: Beispielsweise dachte Herder noch, dass Hebräisch die Ursprache des Menschen gewesen sei, weil ja Adam der erste Mensch und Jude gewesen sei. So steht es ja in der Bibel!
Hauptaugenmerk der Abhandlung ist also weniger auf etymologische, sprachhistorische Erwägungen oder auf neurologische Untersuchungen des Wernicke’schen oder ‚Broca’schen Sprachzentrums im Großhirn (die in jener Zeit noch nicht entdeckt worden waren) auf ihr Alter und Entstehen gerichtet, sondern auf die Frage: „Ist der Ursprung der Sprache göttlich oder menschlich?“
Nach allerlei Bemerkungen über die tierische Herkunft der Laute, die gesellschaftliche Erfordernis der Sprache und ihrer Entwickelung kommt Herder zu dem Schluss: „Der menschliche (Ursprung der Sprache) zeigt Gott im größesten Lichte: sein Werk, eine menschliche Seele, durch sich selbst eine Sprache schaffend und fortschaffend, weil sie sein Werk, eine menschliche Seele ist. Sie bauet sich diesen Sinn der Vernunft als eine Schöpferin, als ein Bild seines Wesens. Der Ursprung der Sprache wird also nur auf eine würdige Art göttlich, sofern er menschlich ist.“ (S.82).
Dass uns heute dieser „menschliche Ursprung“ nichts weiter sagt, als dass die Sprache eben nicht vom Himmel gefallen ist, hingegen jeder einzelheitlichen Erklärung des Entstehens der Sprache entbehrt, zeigt uns, wie wenig solche Abhandlungen heute der Wissenschaft dienen.
Sie bleibt gleichwohl lesenswert als ein Zeugnis des „gesunden Menschenverstandes“ eines nicht ideologischen Philosophen gegen die teilweise lächerlichen ideologischen Thesen seiner damaligen Kollegen.


Wandlungen und Symbole der Libido: Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Denkens 1912
Wandlungen und Symbole der Libido: Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Denkens 1912
von Lorenz Jung
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sinnbilder des Begehrens als Bausteine des Seinsdeutungsgefüges, 28. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Anders als sein gewesener Lehrmeister Sigmund Freud (1856 - 1939), der allein die sexuelle Energie ‚Libido’ nannte, dachte Carl Gustav Jung (1875 - 1961) nach sorgfältiger Bedenkung zu diesem lateinischen Namen ‚Libido’ allgemein jede psychische Energie hinzu. Den Werdegang des Begriffswandels legt Jung in diesem anno 1912 erstmals erschienen Buche dar. Es bedeutete den Bruch Jungs mit Freud.
Was ist Libido? Man könnte diese ‚Libido’ auch auf gut Deutsch den ‚Begehr’ nennen, aber das klänge vielleicht zu wenig fachspezifisch. Dieser Begehr ist in jedem Menschen zu Objekten hin ausgerichtet. Dass dieser allgemeine Begehr schon in der Antike als etwas „Göttliches“ hochgedeutet wurde, das Vorschub zu teilweise erstaunlichen Identifikationen des Menschen mit seinen begehrten Objekten oder deren Symbolen gab, zeigt Jung im ersten Teile des Buches ausführlich. Als Symbole der Libido listet er dabei auf: Sonne, Feuer, Phallus, inneres Licht, Mutter, Geliebte.
Der zweite Teil enthält bemerkenswerte Ausführungen über die Libido, ihre Folgen und ihre Symbole. Das Feuermachen oder dessen praehistorische Erfindung deutet Jung als ein Sinnbild der Libido: wie sie bohrt, drängt und zielt, bis es so heiß geworden ist, dass es Feuer fängt. Mittels zahlreicher Textstellen altertümlicher Literatur belegt Jung diese These plausibel. Auch die unbewusste Entstehung des Heldenbildes oder Heros sei eine Folge der Libido, was wiederum an vielen alten Textstellen belegt wird. Anschließend listet Jung Symbole der Mutter als Libido-Objekt der Wiedergeburt auf: Der Mensch, so Jung, sehne sich nach der Mutter nicht nur wegen deren liebender Fürsorge für ihn als Kind, sondern such sich mythisch eine Rückkehr in dem Mutterleib alias Uterus, um seine Wiedergeburt und mit ihr Unsterblichkeit zu erlangen.
So spannend, eindrücklich, lesenswert und durchaus einleuchtend Jung seine Thesen auch darstellt, so muss dennoch genannt werden, dass er stets nur Ego-Deutungen des archaischen Menschen wiedergiebt, die den Begehr zu einem goldenen Kalb erheben. Zwar sind all diese feinsinnigen Ergründungen der symbolisch-mythisch-unbewussten Seinsdeutungsanfänge des Menschen unerlässlich, um auch die heutige Kultur und derzeitige Weltanschauung zu erfassen, aber in ihnen wird leider einseitig versucht, alles Jenseitige auf diesseitige Libido-Phantasien zu beschränken. So wird gesagt: „(…) dass die Götter Libido sind; sie sind unser Unsterbliches.“ (2. Teil; 4., S. 202) Und dies denkt Jung nicht nur über vorzeitige, primitive, polytheistische Religionen, sondern auch für alle Religiosität überhaupt. Hier wird keiner auch noch so entlegenen oder feinen Denkmöglichkeit einer Liebeserfahrung ohne Libido ein Türchen eingeräumt. Das geschah dem späteren, reiferen Jung nicht wieder.


Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen
Schriften zur Philosophie der symbolischen Formen
von Marion Lauschke
  Broschiert
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tief reichende Symbol- und Sprachanalyse, 23. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der deutsche Kulturphilosoph Ernst Cassirer (1874 - 1945), bis 1933 Professor an der Universität zu Breslau, befasst sich in seinem Hauptwerk, der „Philosophie der symbolischen Formen“, mit dem Zusammenhang zwischen Sinnbildern oder Symbolen und begrifflichen Denkhintergründen des Menschen; die hier vorliegenden „Schriften“ zu dieser Philosophie bilden eine Einführung sowie eine Ergänzung zu dem dreibändigen Werk.
Diese Schriften sind sechs wie folgt überschriebene Aufsätze:
1. „Die Begriffsform im mythischen Denken“,
2. „Der Begriff der symbolischen Form im Aufbau der Geisteswissenschaften“,
3. „Das Symbolproblem und seine Stellung im System der Philosophie“,
4. „Form und Technik“,
5. „Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum“,
6. „Die Sprache und der Aufbau der Gegenstandswelt“
Cassirer zeigt ausführlich, dass Symbole wie etwa das Totem die Begriffsformen des mythischen Denkens waren. Dass etwas Irrationales wie ein Totem und ähnliche Symbole rational klingende ‚Begriffe’ seien, mag zunächst erstaunlich anmuten, aber es wird gezeigt, das sie einer eigenen Logik folgten, welche keinen Anspruch auf Exaktheit im Sinne heutiger wissenschaftlicher Logik erhoben. Das Totem war das Symbol für Seinsgruppen, die zwar aus heutiger Sicht nach nicht nachvollziehbaren Kriterien zusammengefügt wurden, die aber auf uns ungewisser Ebene als gleich oder gleichwertig begriffen wurden und galten. Auch wenn uns dies vorkommen mag, wie wenn Kleinkinder etwa Bücher inhaltsachtlos nach Größe oder Farbe ordnen, so ist damit dennoch unverkennbar der Anfang einer begrifflichen Unterscheidung gemacht.
Symbolische Formen plausibel als Träger einer dunklen Seinsdeutung darzustellen und zu zeigen, dass diese den Grund für Religion und später auch rationale Interpretationssysteme bilden, macht die Spannung dieses Buches aus.


Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip? Untersuchungen zur Sapir- Whorf- Hypothese
Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip? Untersuchungen zur Sapir- Whorf- Hypothese
von Helmut Gipper
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Untersuchungen zur Sapir-Whorf-Hypothese, 21. Februar 2014
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Der Sprachwissenschafter Helmut Gipper (1919 - 2005), der Lehrstühle zunächst an der Universität in Bonn und dann in Münster besaß, veröffentlichte anno 1972 mit diesem sonderbaren Buch "Gibt es ein sprachliches Relativitätsprinzip?" seine Ergebnisse der Überprüfung der so genannten 'Sapir-Whorf-Hypothese'. Diese nach ihrem Erfinder, dem Etholinguisten Edward Sapir (1888 - 1939), und ihrem Weiterentwickler, Sapirs Schüler Benjamin Lee Whorf (1897 - 1941), benannte Hypothese besagt, dass Strukturen der Grammatik einer Sprache das Bewusstsein und die Weltansicht ihrer Sprecher prägen und deren Seinsdeutungen, mithin auch deren Denken, Werten und Handeln mit bestimmen.
Professor Gipper reiste anno 1967 und '69 zu den Hopi-Indianern im Nordosten Arizonas, um vor Ort Whorfs dort aufgestellte Behauptungen zu überprüfen, diese Indianer hätten eine bemerkenswert andersartige Raum-Zeit-Auffassung. Das Hopi-Verb sei, so Whorf, ohne Tempora im Sinne der indoeuropäischen Sprachen und benenne oder enthalte überhaupt keine Zeitbezüge. Dies konnte Gipper zwar nicht bestetigen, fand jedoch den Grundgedanken der Sapir-Whorf-Hypothese zustimmenswürdig, dass das Bewusstsein der Hopi-Indianer anders strukturiert sei als das der Europäer, und dass dies in der Struktur ihrer Grammatik zu ersehen war.
Dies bestärkte ihn in sein er eigenen These des Sprachapriori, nämlich dass ohne Sprache keine Bewusstseinsentwicklung bis zu wissenschaftlichem Niveau möglich sei.
Gipper geht auch noch ausführlich auf Thesen des polnischen marxistischen Sprachphilosophen Adam Schaff ein, um somit seine eigene Hypothese zu belegen.
Spannende Sprachwissenschaft am lebenden Sprech-Objekt!


Das Sprachapriori. Sprache als Voraussetzung menschlichen Denkens und Erkennens
Das Sprachapriori. Sprache als Voraussetzung menschlichen Denkens und Erkennens
von Helmut Gipper
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entstehen der Sprache als Grundlage für Entstehung der subjektiven Welt, 19. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Helmut Gipper (1919 - 2005), Schüler Leo Weisgerbers (1899 - 1985), des Begründers der Inhaltsbezogenen Grammatik, legt in diesem hauptsächlich in Fachkreisen gekannten Buch "Das Sprachapriori" (1987) dar, wie die Sprache nicht nur ein Wortschatz für die Mitteilung der Gedanken sei, sondern die Bedingung der Möglichkeit für diese Gedanken. Zudem stellt der Sprachwissenschafter, der als Professor an den Universitäten Bonn und Münster lehrte, heraus, dass die Sprache so wohl für die Entstehung des Iches als auch der erlebten Welt unabdingbar ist.
Er folgt im Grundgedanken seinem Lehrer Weisgerber, dass Worte nicht einfach zu übernehmende Tatsachen sind, sondern nur in ihrer äußeren Form gelernt werden und das Innere erst gedanklich erschlossen werden muss. Dies Innere, also das zu den Namen Hinzugedachte und -empfundene, bildet die erlebte Welt des Sprechers, und die Namen bilden lediglich die äußere Gestalt darfür. Diese Namen für Mitteilung eigener Gedanken zu verwenden, geschieht erst sekundär. Nicht sind die Wortinhalte in der Wirklichkeit als die Bedeutungen der Wörter vorgegeben, sondern in den Wortinhalten wird eine äußere Wirklichkeit erst erdeutet, wobei dies Erdeuten nicht bemerkt, sondern als "Erkennen" hochgedeutet und erlebt wird.
Dies untersucht Gipper vorzüglich an Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft" (1781) und den darin enthaltenen Aussagen über Denkzusammenhänge, Begriffe und Kategorien. Auch auf entwicklungspsychologische Beobachtung des allmählichen Spracherwerbs der Kinder einschließlich deren Raum- und Zeitverständnisses geht Gipper überzeugend ein. Am Ende kann der Leser zwischen den Zeilen lesen: das bewusste Ich ist das Ergebnis einer unbewussten Eigendeutung des Sprechers als ein "Innen" im eigenen Körper, und seine Sprache ist kein technisches Mittel, das von "außen" zu seinem Denken hinzukommt, sondern ist die denkende Deutungsweise seiner und dessen, das er als 'Welt' benennt, deutend, sie sei "außen".
Höchst spannend und Gewinn bringend!


Tractatus logico-philosophicus: Logisch-philosophische Abhandlung (edition suhrkamp)
Tractatus logico-philosophicus: Logisch-philosophische Abhandlung (edition suhrkamp)
von Ludwig Wittgenstein
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Logik auf der Suche nach Wahrheit und Seele, 17. Februar 2014
Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951), Sohn eines österreichischen Großindustriellen in Wien, schwankte lange, ob er Ingenieur, Pilot, Volksschullehrer oder Philosoph werden solle. Durch seinen "Tractatus logico-philosophicus" bewies er, dass er Letzterer geworden war.
Das Werk wurde 1918 fertig gestellt. 1921 erschien es in einem ersten, fehlerhaften Druck. 1922 veröffentlichte ein anderer, ein Londoner Verlag in sorgfältigem Druck den "Tractat", der dennoch zunächst kaum Beachtung fand. Damit erging es Wittgenstein nicht anders als etwa Immanuel Kant mit dessen "Kritik der reinen Vernunft" (1781), Friedrich Nietzsche mit dessen "Geburt der Tragödie" (1871) oder Sigmund Freud mit dessen "Traumdeutung" (1899). Heute gilt das Werk bei vielen als "Geniewurf" und steht in der Wichtigkeit etwa neben "Sein und Zeit" (1927) von Martin Heidegger.
Den Titel empfahl der Professor zu Cambridge George Edward Moore, vermutlich in Anlehnung an Baruch de Spinozas Werk "Tractatus theologico-politicus" (1670).
Was versuchte Wittgenstein mit diesem Werk zu sagen? Er misstraute der Grammatik, mithin der Sprache, weil er bemerkt hatte, dass viele Probleme der Philosophie allein in der Sprache stecken, sodass sie Scheinprobleme seien. Aber seine In-Frage-Stellung der Sprache reichte nicht genügend tief oder weit. So legte er Gedanken vor, die Welt zu benennen, ohne dass er klärte, dass die Welt zunächst nur ein Name ist.
Sein erster Satz des "Tractatus" ist: "Die Welt ist alles, was der Fall ist." Die Welt? Was ist das? Das All? Die Gesammtheit der Dinge? Die subjektive Erlebniswelt eines jeden Einzelnen? Die Schöpfung? Die Menschheit? Das sagt Wittgenstein nicht. Er nennt lediglich "Die Welt". Also ein Name, zu dem er etwas hinzudenkt, das dem umgangssprachlichen Worte gemäß ist?
Aber Wittgenstein sagt auch nicht, was ein Wort sei. Er verwendet es nur. Statt zu untersuchen, inwiefern ein Wort ein Name sei, zu dem etwas hinzugedacht und/oder empfunden wird, versucht er, bestimmte Worte festzulegen, ohne zu bemerken, dass er der Namen Nennleistung nur diktiert, ohne diese Diktion gründlich und systematisch zu plausibilisieren.
"1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.
1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.
1.11 Die Welt ist durch Tatsachen bestimmt und dadurch, dass es alle Tatsachen sind.
1.12 Denn, die die Gesamtheit der Tatsachen bestimmt, was der Fall ist und auch, was alles nicht der Fall ist.
1.13 Die Tatsachen im logischen Raum sind die Welt.
1.2 Die Welt zerfällt in Tatsachen.
1.21 Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles Übrige gleich bleiben.
2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
2.01 Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (Sachen, Dingen.)"
Hier dreht sich das Wortkarussell im Kreise. Verbindungen der Dinge nennt Wittgenstein 'Sachverhalte'. Das Bestehen (woraus oder wogegen?) der Sachverhalte nennt er 'Tatsachen'. Die Welt aber sei die "Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge", die in ihnen als bestehenden Sachverhalten verbunden sind? Wieso sei die Gesamtheit der Tatsachen nicht die "Gegebenheit sämtlicher Tatsachen", sondern die "Welt"? Ersetzt hier ein Name eine aus anderen Namen zusammengesetzte Verbindung? Oder benennen die einen Namen die Bausteine dessen, das der andere Name nennt? Fragen über Fragen, die Wittgenstein nicht stellt geschweige denn beantwortet. Am Ende ist zwar an der Sprache kräftig gerüttelt worden, aber nicht so, dass schmackhafte Früchte von ihr herab fielen.
Das Buch ist ein großer Sprach-Ego-Trip, der seellos an ewiger Wahrheit vorbeidriftet.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 9, 2014 4:00 PM MEST


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