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2.0 von 5 Sternen
Stückwerk - konstruiert und bemüht, 7. Oktober 2002
Wassermusik ist ein interessanter Titel und hat ein spannendes Thema, aber es wird nicht klar, wie Titel und Thema zusammen gehören - außer, wenn man die Assoziation von einem Fluss (dem Niger) über das Konstrukt "Wasser" zu Händels Wassermusik mit geht (aber auch das passt nicht genau, denn Händel ist ja schon 12 Jahre tot, als Mungo Park geboren wird). Und genau dieses bemühte Assoziieren fällt immer wieder auf.
Das ganze Buch wirkt wie ein Versuch: ein Versuch, die Geschichten der zwei so unterschiedlichen Protagonisten parallel zu entwickeln; ein Versuch, die Biographien aufgrund durchaus kreativer Konstrukte zusammen zuführen (Stichwort: Duellpistole - der Leser weiss, was gemeint ist); ein Versuch sogar bis ins Detail den einen Protagonisten als den genauen Gegenentwurf des anderen aufzubauen und darzustellen.
Gerade dieses Bemühen jedoch irritiert durch den ständigen Abgleich der zwei Hauptpersonen und wird verstärkt durch häufiges Wechseln der Erzählsituationen, wie man es von Fortsetzungsromanen bzw. -serien kennt: häufige "Cliffhanger", die den Leser bei der Stange halten sollen - was recht gut funktioniert, aber einen schalen Nachgeschmack (Effekthascherei) hinterlässt: eine gut geschriebene Geschichte hat soetwas nicht nötig.
Während der erste Teil fesselnd und spannend geschrieben ist und im wesentlichen Mungo Park entwickelt, dient der zweite Teil der Darstellung des Londons von Charles Dickens (und das ist dort besser nachzulesen) und der Weiterentwicklung von Ned Rise. Der dritte Teil versucht dann, diese beiden Biographien sowie alle weiteren "losen Enden" (der Dolmetscher, der Araber, ...) zusammen zuführen. Das ist manchmal spannend zu lesen, manchmal einfach nur mühselig, weil sich der Autor bei der Weiterentwicklung der Charaktere keine Mühe mehr gegeben hat, und es scheint, dass er nur noch schnell das Buch zu einem Ende bringen will.
In der Summe durchaus interessant zu lesen, wenn man sich von der bemühten Konstruktion, der obszönen und vulgären Beschreibungen (bei denen man sich ebenfalls immer fragt, inwieweit sie das Gelesene bereichern sollen oder nur des Effektes wegen eingestreut wurden) und der einseitigen Darstellung der Mauren/Araber frei machen kann.
Beschreibungen wie z.B. bei "Leo Africanus" oder "Die Entdeckung der Langsamkeit" haben vergleichbare Themen, aber erzählen diese atmosphärisch dichter und logischer, verzichten dabei auf billige Effekte und wirken nicht derart konstruiert.