Profil für faelicks > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von faelicks
Top-Rezensenten Rang: 216.218
Hilfreiche Bewertungen: 48

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
faelicks

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
To the End (Hochwertige Holzbox Inkl.Schneekugel
To the End (Hochwertige Holzbox Inkl.Schneekugel

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine mystische Sinfonie..., 30. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da ist es endlich - das dritte Scheibchen der leider noch nicht ganz in der Szene etablierten Power/Melodic-Metaller Orden Ogan. Nach der Verschiebung des Releasedatums von April auf Oktober hat sich einiges an Vorfreude aufgestaut, und das Warten hat sich schließlich vollends gelohnt. „To The End“ verspricht mit seinem eisigen Touch einen perfekten Start in den Winter.
Wer die beiden Vorgängeralben „Vale“ und „Easton Hope (Ltd.Digi)“ gehört hat und weiß, was die Jungs leisten können, darf bei „To The End“ all seine Erwartungen als erfüllt ansehen. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Sound meiner Meinung nach wieder etwas klarer, der Mix ausgeglichener und Seebs Stimme kraftvoller denn je. Die Qualität in Sachen Songwriting hat in keinem Punkt nachgelassen, denn dieses Mal sind wieder dutzende Ohrwürmer und himmlische Melodien draufgepackt worden – „The Things We Believe In“ und „Mystic Symphony“ beispielsweise gingen mir über Monate nicht aus dem Kopf, nachdem ich sie im letzten Jahr live genießen durfte, und glänzen nun umso mehr in gut vertonter Version. Alteingesessene Fans werden sich auch über die Wiederveröffentlichung des auf der frühen Demo „Testimonium A.D.“ erschienenen „Angels War“ freuen, das bisher wohl auf keinem Konzert im Programm fehlte. Der Mix aus eigentlich älteren Stücken und Neukompositionen scheint dem Album gut zu tun.
Hier eine genauere Beschreibung der einzelnen Songs:

01 „The Frozen Few“: Ein episches, sich stetig steigerndes Intro mit schöner Gitarrenmelodie lässt den Hörer ahnen, was auf ihn zukommt, und bildet den Auftakt zu…
02 „To The End“, einem kraftvollen, rasanten Opener, der sofort mit aller Wucht auf die Ohren schlägt. Ein wildes Riffgewitter mit gewohnt melodischem Gesang und einem hymnischen Refrain geht nach der Halbzeit in ein Dragonforce-artiges Duell der Gitarrensoli von Seeb & Tobi über. Erste Klasse!
03 „The Things We Believe In“ ist ein Musterbeispiel dafür, dass Orden Ogan wahre Meister ihres Fachs sind. Ein wahnsinnig schöner Ohrwurm, bei dem die im Mittelpunkt stehende Melodie ideal ausgeschöpft wird, ohne nervig zu werden. Einer der Höhepunkte der Platte.
04. „Land Of The Dead“: Hier kommen die Chöre zu vollem Einsatz. Kombiniert mit vorangaloppierenden Gitarren und etlichen Mitsing-Passagen schaffen sie ein weiteres, atmosphärisches Glanzstück a la Ogan.
05. „The Ice Kings“ ist eine wahre Gourmet-Ballade. Wie schon zuvor mit „The Step Away“, „…And If You Do Right“ oder „Requiem“ beweist die Band ihr Händchen für leise, stimmungsvolle Tönchen. Der wunderschöne Refrain bleibt augenblicklich im Ohr hängen und verleitet verführerisch zum mitsingen, -summen oder zumindest –pfeifen. Könnte live ein absoluter Knaller werden.
06. „Till The Stars Cry Out“ kommt prall mit hohem Tempo und doppeltem Refrain daher, und erinnert stark an frühe Blind Guardian-Stücke – nur eben fetter. Sehr kraftvoll und streckenweise sehr düster, dann wieder zart-melodisch. Der „Geheimtipp“ des Albums.
07. „This World Of Ice“ ist rifftechnisch eine der härtesten Nummern im gesamten Orden Ogan-Repertoire. Die Gitarren hören sich an, als wären sie eine Oktave nach unten gestimmt, und ballern mächtig aus den Boxen. Der Refrain ist eine einzige hymnische Explosion, die etwas Kontrast zum Rest des Songs schafft und diesen zu einem echten Oberhammer macht. Einer meiner Favoriten.
08. „Dying Paradise“: Die Riffs erinnern an klassischen Heavy Metal, der Refrain an Blind Guardians Evergreen „Valhalla“. Schwung- und kraftvoll, ein Vorzeigestück des Genres. Der Text gefällt mir hier besonders gut.
09. „Mystic Symphony“: Seit ich dieses Liedchen auf dem „Rock im Wingert“ live miterlebt hatte, wollte es einfach nicht aufhören, in meinem Kopf herumzulungern. Wochenlang gab ich mich summend der Qual und der Sehnsucht hin, bis ich mich schließlich mittels einer Liveaufnahme auf Youtube von meinen Entzugserscheinungen erlöste. Und nach dem Hören der Originalversion muss ich sagen: Dies ist einer der schnellsten und geilsten Songs der Bandgeschichte, der noch jahrzehntelang so einfach nicht zu toppen sein wird. Eine abwechslungsreiche, wilde Hymne der Superlative – Einfach nur göttlich.
10. „Angels War“ dürfte allen, die die Band bereits live gesehen haben, bekannt sein. Druckvolle „Auf’s Maul“-Strophen und ein himmlischer Refrain, Orden Ogan eben.
11. „Take This Light“: Hier zeigen sich Seeb & Co mehr denn je von ihrer gefühlvollen, zarten Seite. Eine aufmunternde, klavierlastige Ballade, sogar geeignet für einen romantischen Abend zu zweit.

Bonustracks der Limited Edition:
12. „Masks“ hätte sich – wenn es von einer Frau gesungen wäre - auch gut auf Nightwishs “Imaginaerum” gemacht. Eine tolle Uptempo-Nummer mit donnernden Percussions und opernartigen Streichereinsätzen.
13. „The Battle Of Waterloo“: Ein Cover des großen Vorbilds Running Wild. Ich kenne die Originalversion nicht, man hört aber selbst in dieser Interpretation den 80er-Charme heraus. Gefällt mir sehr gut und kann voll und ganz mit dem Rest der Platte mithalten.

Ich finde es faszinierend, wie Orden Ogan es immer wieder schafft, mit so innovativen Melodien und Strukturen aufzuwarten, während meinem Eindruck nach andere Künstler quer durch alle Genres sich mit gekünstelt wirkenden Tonfolgen herumschlagen. Das und ihr unvergleichlicher Mix aus Melodik, knallharten Riffs und orchestralen Elementen machen diese Band für mich zu einer der besten der Metalszene.
Zum Abschluss bleibt nur sagen: Bravo. Schön, dass es Orden Ogan gibt. Da sie der Welt nun zum dritten Mal ein mächtig aus der Masse hervorstechendes Meisterwerk geschenkt haben, hoffe ich, dass es ihnen endlich den längst verdienten Durchbruch zur Spitze des Power Metal-Olymps ermöglicht.

An alle potentiellen Käufer: Nehmt eine Kostprobe von „The Things We Believe In“ und „Land Of The Dead“, welche mitsamt Musikvideos im Internet zu finden sind. Es lohnt sich!

P.S.: Noch ein dickes, fettes Lob für die Holzbox-Version. Das Schatzkistchen selbst ist schön altmodisch und solide, die Schneekugel macht sich super im Regal, der Comic lässt einen einiges um Orden Ogans Musik besser verstehen und ne Autogrammkarte ist immer gut ;-) Hier war für 32€ weit mehr drin als in der 100€-Sargbox von Metallica anno 2008.
Die DVD der Limited Edition macht echt Spaß, trotz weniger professioneller Kameraführung und etwas zu leisem Gesang. Man merkt, dass sich die Jungs für Wacken besonders Mühe gegeben haben. Da die Bonussongs alles andere als Füllmaterial sind, kann ich diese Version voll empfehlen.


Requiem for the Indifferent
Requiem for the Indifferent
Preis: EUR 15,93

34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kaviar und Möhren, 12. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Requiem for the Indifferent (Audio CD)
Da ist es also, das neue Scheibchen der Symphonic-Giganten Epica. Mit großer Vorfreude habe ich es erwartet. Die Ankündigung, es würde den Weg von "Design Your Universe" konsequent weiterverfolgen, hatte mich äußerst optimistisch gestimmt. Was ich nun in Händen halte, ist jedoch etwas völlig anderes, das zwar stilistisch an den Vorgänger anknüpft, aber eine völlig andere Wirkungsweise aufweist.

Beim ersten Hördurchlauf blieb - bis auf die vorab veröffentlichten und etwas eingängigeren Songs "Storm the Sorrow" und "Monopoly on Truth" - beinahe nichts im Ohr hängen... Wie war nochmal der Refrain des Titeltracks?
Also: Ein paar Stücke herausgepickt und nochmals reingehört. So richtig überzeugen konnte mich (abgesehen von den oben erwähnten) keines, auch wenn das träumerische "Delirium" und der "Gastauftritt" Muammar al-Gaddafis in "Deter the Tyrant" beim zweiten Durchgang positiv auffielen. Sollte das neue Werk aus den Händen der Meister Jansen und Simons etwa ein Fehlschlag sein? Sollte es denn wirklich einfallslos, chaotisch und langweilig geworden sein und nicht mehr?

Diese Vorstellung passte nicht so recht in mein Weltbild, also habe mich weiter mit der Materie auseinandergesetzt. Die vermehrten progressiven Einschläge ("Internal Warfare") und die noch dichtere Vermischung der verschiedenen Facetten der Band machen es dem geneigten Hörer nicht gerade leicht. Des Weiteren setzt man hier stark auf (z.T. schwer greifbare) Atmosphäre und Abwechslung. Der Ohrwurmfaktor wurde - ob beabsichtigt oder versehentlich - extrem zurückgeschraubt; radioreife Hits wie "Never Enough" oder "Tides of Time" sucht man hier vergeblich. Viele Refrains sind etwas flach und geradlinig gehalten. Aber auch wenn man nicht viel eingängige Melodien findet, sind diese gefühlvoller gestaltet als je zuvor. Sängerin Simone Simons hat erneut an ihren Gesangskünsten gefeilt und singt in einem viel breiterem Spektrum, sowohl in tiefen ("Delirium") also auch in hohen Lagen ("Avalanche"). Mark Jansens Growls wurden etwas vermindert, was Simons mehr Raum zur Entfaltung bietet. Arabische Klänge tauchen dagegen wieder zahlreicher auf, was der klanglichen Vielfalt zugute kommt. Und auch die Chöre haben nie epischer und tiefgreifender gewirkt als auf dieser Scheibe - hervorzuheben sind hiebei unter anderem der Titeltrack und die Übergänge im etwas einfacher erfassbaren "Guilty Demeanor". Im Großen und Ganzen haben Epica einen neuen Mix aus den Stimmungen ihrer alten Alben (vor allem "Design Your Universe" und "Consign to Oblivion") kreiert, der sich eigentlich nicht einmal so schlecht macht.

Ich fange nun nach fünf Tagen an, das Album zu mögen, und habe das Gefühl, dass es so schnell nicht langweilig werden wird. Die schwer zugänglichen Songs sind meistens die, die man sich am laufenden Band anhören kann, ohne bald einen nervigen Parasit im Ohr stecken zu haben. Die zuvor verstörende Komplexität und Mischung wird langsam zum Genuss. "Requiem for the Indifferent" benötigt zwar viel Zuwendung, diese zahlt sich allerdings zur rechten Zeit auch gebührend aus. Somit haben Epica auf jeden Fall einen Schritt nach vorne gemacht - wobei "vorne" die Richtung der Professionalität und nicht unbedingt die jedes Hörers ist.

Und letztenendes ist ohnehin alles Geschmackssache. Wo wir gerade beim Schmecken sind: "Requiem for the Indifferent" ist wie Kaviar und Möhren. So wie auch Kaviar mag es nicht jeder, obwohl es etwas sehr edles und feines ist, und viele kommen nur auf den Geschmack, wenn sie sich auf die befremdliche Konsistenz einlassen. Und ebenso wie eine Möhre entfaltet es erst dann seine süße Note, wenn man geduldig ist und lange genug darauf herumkaut.
Genau so verhält es sich mit diesem Album. Es ist ein Album für Feinschmecker.

P.S.: Auf meiner limitierten Mailorder-Edition fehlte beim 13. Track "Serenade of Self-Destruction" die kompletten Gesangsspuren (bis auf den Chor). Ich weiß nicht, welche Ausgaben noch davon betroffen sind, und Nuclear Blast sind bereits dabei, sich eine Lösung für dieses Missgeschick auszudenken, aber das ist mit ein Grund, warum ich hier nur 4 Sterne gebe.
Kommentar Kommentare (18) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 26, 2013 12:39 PM CET


Helvetios
Helvetios
Wird angeboten von Nuclear Blast GmbH
Preis: EUR 18,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stark vom ersten bis zum letzten Ton, 17. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Helvetios (Audio CD)
Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen, da "Everything Remains" die Welt des Folk Metal erschütterte, und schon kommen Eluveitie wieder mit einem neuen Album daher; brachial, frisch und melodisch.

Dieses Mal sogar mit einem Konzeptalbum: "Helvetios" schildert aus der Sicht des Stammes der Helvetier die Geschehnisse des "bellum gallicum" - des gallischen Krieges um 50 vor Christus.
Und ich muss zugeben, dass mich noch kein Konzeptalbum so tief in seine Geschichte eintauchen ließ wie dieses hier. Schon beim ersten Hören fieberte ich förmlich mit den Helvetiern mit. Eluveitie beschränken sich nicht auf das Wiedergeben historischer Daten, sondern gedenken der persönlichen Schicksale der Gallier - musikalisch verpackt in viel Wildheit und Emotion. Um Frontmann Chrigel zu zitieren: "Wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, darf man eben nie vergessen, dass das immer einfach nur Menschen waren wie du und ich, die das erlebt haben; die Geschichte geschrieben haben..." Mit diesem Motto ist es den Schweizern gelungen, ihren Vorvätern ein rührendes und authentisches Denkmal zu setzen.

Aber nun zum Essenzielleren: der Musik selbst.
Den Sound hat die Band in Zusammenarbeit mit Tommi Vetterli wunderbar hinbekommen. Weder Gitarren noch Flöten kommen zu kurz; und auch bei den schnellsten und rauesten Songs bleibt ein schöner, klarer Klang erhalten. Sauber!
Was vielleicht manchen eingesessenen Fans - nach "A Rose For Epona" als erster Single - weniger gefallen mag, ist der vermehrte Einsatz von Hurdy-Gurdy-Spielerin Anna als Sängerin. In besagtem Stück übernimmt sie gesanglich die Hauptrolle, einen ähnlich großen Teil im melancholischen "Alesia". Jeder, der weiblichem Gesang weniger kritisch gegenübersteht, wird aber erkennen, dass es sich hier um ein unglaubliches Talent handelt und sich Annas Stimme perfekt in Eluveities Klangbild einfügt. Was sie auf diesem Album leistet, ist atemberaubend, denn Anna übertrifft beinahe jede Sängerin des Genres mit der Emotion und Aggression, die sie in ihren Gesang packen kann. Sie nicht einzubringen, wäre ein Frevel seitens der Band; und ich wage sogar zu behaupten, dass "Helvetios" ohne ihre Stimme gar nicht funktionieren würde. Die Schweizer haben hier alles richtig gemacht.
Die größte Leistung haben sie allerdings in Sachen Songwriting erbracht. Während ich beim Vorgänger noch einzeln Stücke herauspicken musste, die mich wirklich überzeugten, kam nun das Gefühl auf, ich würde in einem Meer solcher baden. Das einzige, woran es "Helvetios" mangelt, sind nämlich schwache Momente. Nach dem unglaublichen Opener-Duo reiht sich ein Hit an den anderen. Beinahe jeder Song bietet eine Tiefe, die es sich zu erforschen lohnt. Dieses Album hat mich sowohl als Ganzes als auch im Einzelnen wahrhaftig überwältigt. Daher verdient es jedes Stück, hier näher betrachtet zu werden:

1. PROLOGUE: "When I reminisce about all those years..."
Ein Erzähler eröffnet das Album mit einigen Worten zu den Helvetiern. Nichts besonderes, passt aber gut ins Schema und dient als angemessener Start in die Geschichte und die Atmosphäre des Scheibchens.
2. HELVETIOS: "We are one, we are Helvetios!"
Der Opener startet unglaublich kraftvoll mit epischen Chören und Gitarren, sowie einer himmlischen Melodie, begleitet von einem kleinen Gesangssolo Annas. Mit gewohnter Härte prescht er unnachgiebig voran, und beim wilden Refrain bleibt sicher niemand mehr ruhig sitzen. Ein bombastischer Auftakt!
3. LUXTOS: "Nertom woloutom que etsi snis"
Wie der Opener beschäftigt sich "Luxtos" mit dem Leben und dem Selbstbewusstsein der Helvetier - dieses Mal zum Großteil auf gallisch. Der betont rhythmisch ausgelegte Song verleitet zum Tanzen. Obwohl mancher sich an den Refrain erst einmal gewöhnen muss, entfaltet dieses Stück unweigerlich bald seine Magie. Einer meiner klaren Favoriten.
4. HOME: "The Memories will resound"
Die Helvetier sind gezwungen, aufgrund von Hungersnöten und der wachsenden Bedrohung durch das Imperium Romanum ihre Heimat hinter sich zu lassen. Die Zerissenheit und Verzweiflung ist durch die Musik deutlich spürbar. Ein sehr emotionaler und rasender Song, der einem den Exodus auf beeindruckende Weise nahe bringt. Also auf zu...
5. SANTONIAN SHORES: "Step by step we marched away into the night"
Eine stampfende Mid-Tempo-Nummer, die an den Marsch gen Westen erinnert. Im Santonenland erhofft man sich eine neue Zukunft. Obwohl mir dieses Stück vorerst nicht sehr ins Auge stach, besitzt es viel Potenzial und Tiefe.
6. SCORCHED EARTH: "Baregon nouion duaxsati"
Hier besinnt sich Eluveitie erneut auf seine Wurzeln: Ein viereinhalbminütiges Klagelied, vollkommen in gallisch gehalten, entpuppt sich als lohnendes Experiment. Es erinnert an "Nata", reicht aber meiner Meinung nach nicht ganz an seinen großen Bruder heran. Dennoch unterstreicht es die aufgebaute Atmosphäre, wie es sonst nicht möglich gewesen wäre.
7. MEET THE ENEMY: "We will not bow!"
An den Ufern des Saone kommt es zur ersten Auseinandersetzung zwischen Römern und Helvetiern. Das Ergebnis: Tausende Tote, gehetzte Helvetier und ein rasanter, wütender Song, der mit seiner Wildheit einen der stärksten Momente des Albums darstellt.
8. NEVERLAND: "Santones land we never got to see"
Römische Legionen verfolgen den Zug von Flüchtlingen, die Hoffnung auf einen Neuanfang stirbt langsam. Ähnlich wie "Home" ein sehr zerrüttetes Lied mit einem Refrain, bei dem alle Verzweiflung herausgeschrien wird.
9. A ROSE FOR EPONA: "Together we go unsung"
In einem tragischen Song werden die Klagen einer jungen Frau festgehalten, die ihre Göttin Epona resigniert beschuldigt, ihr Volk verlassen zu haben. Sehr gefühlvoll, mit Annas Stimme im Vordergrund, die einem vor allem im eingängigen Refrain einen Schauer über den Rücken jagt. Wundervoll!
Nebenbei: In der Akustikversion, die als Bonus enthalten ist, zeigt die Dame noch mehr, was sie drauf hat - ebenfalls hörenswert!
10. HAVOC: "Devastation spreads across all Gallia"
Der Blick wendet sich von den Helvetiern etwas ab und man betrachtet die Situation in ganz Gallien. "Havoc" klingt erfrischend anders, da in den Strophen auf jegliche Folkinstrumente verzichtet wurde. Schneller, härter, Eluveitie!
11. THE UPRISING: "Unite! This is Gallia uprising!"
Unter dem jungen Vercingetorix sammeln sich Krieger aus allen Winkeln des Landes, um sich Cäsar entgegenzustellen. Neue Hoffnung und Energie schwingt in der Musik mit, die weder an Wildheit, noch an Tempo einbüßt. Ein weiterer Favorit meinerseits.
12. HOPE:
Das akustische Instrumentalintermezzo trägt die Stimmung von "The Uprising" weiter und wirkt mit seinem gemächlicheren Rhythmus wie die Ruhe vor dem Sturm - und das nicht ohne Grund.
13. THE SIEGE: "Avaricum drowns in blood and demise"
Gerade mal zweieinhalb Minuten misst der mit Abstand brutalste und rasanteste Song des Albums. Anna kreischt fleißig mit, die Gitarren quietschen und brettern daher. Zwischen der wilden Raserei sorgt ein sehr folkiger, erneut zum Tanzen auffordernder Mittelteil für Abwechslung. Eine weitere Glanzleistung!
14. ALESIA: "Wake me when I'm gone..."
Eingesperrt in den eigenen Mauern und knapp an Vorräten sind die gallischen Krieger dazu gezwungen, ihre Frauen, Kinder und Alte aus der Stadt Alesia zu verbannen und in die Hände der Römer zu geben. Zwischen Stadtmauern und Belagerungswällen sterben sie langsam, gepeinigt von Hunger und Kälte.
Deren Schicksal ist Grundlage dieses tragischen Stückes, das balladesk beginnt, kraftvoll voranschreitet und mit einer Gänsehaut durch die abschließende Chorpassage letztlich auf ganzer Linie überzeugt. Ein Meisterstreich mit Ohrwurmcharakter, ein letzter Höhepunkt von "Helvetios", welches sich dem Ende zuneigt.
15. TULLIANUM: "Fly, raven, fly..."
Eine klitzekleine Überleitung, in der die Hinrichtung Vercingetorix' angedeutet wird. Das Schicksal Galliens ist besiegelt.
16. UXELLODUNON: "We will never perish"
Das letzte Aufbegehren gegen Rom scheitert, der Krieg ist vorbei. Ein letztes Mal wird mit voller Härte und Geschwindigkeit an die Helvetier erinnert, und trotz der düsteren Geschichte ein positiver Schlusspunkt gesetzt.
17. EPILOGUE: "This is how we will be remembered. This is who we were: Helvetios"
Nach einigen feierlichen Worten des Erzählers erklingt eine süße Flötenmelodie, mit gefühlvollen Streichern im Hintergrund, auf die der Chor ein letztes Mal einstimmt und das zerschlagene Volk ehrt. Ein runder, himmlischer Abschluss. Do aivi, do aivi...

Was die Schweizer hier geschaffen haben, zeugt erneut von deren Talent und Virtuosität. Ohne sich selbst zu kopieren, sind sie ihrem Stil und Klang treu geblieben und haben wieder vereinzelte, erfrischende Elemente beigefügt. Wild, melodisch; abwechslungsreicher und zugänglicher als je zuvor kann man "Helvetios" getrost als Meisterwerk bezeichnen.

P.S.: Ich empfehle jedem potenziellen Käufer, die zusätzlichen zwei Euro zu opfern und sich die Version mit Bonus-DVD zuzulegen. Zwei Musikvideos, Blicke hinter die Kulissen, ein schöner Livemitschnitt und vor allem der "closer look @ the lyrics" sind ihr Geld wert. Letzterer vermittelt in einem aufschlussreichen Interview das nötige Hintergrundwissen zum gallischen Krieg und hilft, das Album textlich richtig zu verstehen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 29, 2012 9:24 AM MEST


Quarterpast
Quarterpast
Preis: EUR 10,48

4.0 von 5 Sternen Schwere Kost - und trotzdem ein Festmahl, 30. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Quarterpast (Audio CD)
Zunächst mal für Unwissende: MaYaN ist die neue Band von Mark Jansen - Gitarrist, Sänger und Songwriter der Symphonic-Metaller Epica und auch ehemals Mitglied bei After Forever. Während Epica auch für zart beseidete Ohren genießbar ist (nicht zuletzt wegen der wundervollen Stimme der Sängerin Simone Simons), wandelt man mit dem MaYaN-Debut "Quarterpast" auf härteren Pfaden und mischt die gewohnten symphonischen Elemente vermehrt mit Death -, Progressive - und Black Metal. Wenngleich gutturaler Gesang hier vorherrscht, kann man dieses Album aufgrund der vielen mitwirkenden Gastsänger(innen) nicht vollends in die Death Metal-Schublade stecken. Ruhigere Passagen wechseln sich mit aggressiven Riffgewittern ab und erzeugen eine düstere und doch etwas bunte Atmosphäre.

Meine Erwartungen in das Album im Vorfeld waren groß - seit zwei Jahren bin ich großer Epica-Fan, himmle Herrn Jansen wegen seiner Musik und seiner Philosophie gewissermaßen an und habe allgemein eine Vorliebe für etwas komplexere Songstrukturen. Als dann "Drown the Demon" im Internet veröffentlicht wurde, war ich sehr optimistisch und freute mich tierisch auf den 20. Mai.
Doch als ich die Platte dann in Händen hielt, konnte ich sie nicht mal in einem Zug durchhören. Meine ersten Eindrücke: Chaotisches Geklimper, wahllos zusammengewürfelte Lieder ohne überzeugende Riffs, gespickt mit unpassenden und eher nervigen Chorpassagen. Selbst die Auftritte der Gastsänger (Simone Simons von Epica, Floor Jansen von After Forever, Henning Basse von Sons of Seasons und das italienische Opertalent Laura Macrì) konnten mich zunächst nicht im Geringsten überzeugen. Der Opener "Symphony of Aggression" war das einzige Stück, mit dem ich mich auf Anhieb ein bisschen anfreunden konnte. Aber, wie Jansen in einem Interview selbst sagte: "It's an album that you need to listen to quite some times before it gets you." So dauerte es eine Weile, ich hörte mir hin und wieder das ein oder andere Lied an, in der Hoffnung, endlich Gefallen daran finden zu können. Nach einiger Zeit schaffte ich mit "Bite the Bullet" den Durchbruch - und konnte mir den Kram endlich mit Genuss reinziehen. Es wurden Woche für Woche mehr Lieder, die ich mochte, und letztlich kann ich sagen: Jap, Quarterpast ist ein geiles Album!

Woran liegt es also, dass sogar eingefleischte Epica/After Forever-Fans Probleme mit diesem Scheibchen haben?
Man könnte vermuten, dass der hochgeschraubte Härtegrad und die vermehrten Grunts und Screams Schuld sind, doch Marks Gegrunze ist man von seinen vorherigen Bands längst gewohnt und Epica produzieren inzwischen Stücke, die mehr davon beinhalten als den klaren Mezzosporan der Sängerin. Das alleine wäre kein Hindernis für Anhänger der Symphonic-Sparte, doch die starken Progressive-Einflüsse machen wohl fast jedem Hörer zu schaffen. Undurchschaubare Taktwechsel, chromatische, unharmonisch wirkende Melodien, plötzliche Übergänge zwischen den Mustern - all das macht "Quarterpast" zu einem anspruchsvollen Werk. Man muss sich Zeit nehmen, geduldig sein und immer wieder hineinhören, erst dann entfaltet es seine ganz eigene, brachiale Energie und auch der langweiligste Riff drängt einen schließlich zum headbangen.
Ich enthalte ihm den fünften Stern nur deshalb vor, weil der Gesamteindruck von 'Quarterpast' letztlich nicht ganz der eines bahnbrechenden Jahrhundertwerks ist. Vielleicht fehlt mir da ein wenig das Eingängige, die Ohrwürmer, aber diese Erwartungen sind hier eigentlich, im Angesicht eines progressiven und opulenten Albums, fehl am Platz.

Zu den einzelnen Stücken...
1. SYMPHONY OF AGGRESSION: Mein derzeitiger Favorit. Im 7-minütigen Opener zeigt sich die Band von all ihren Seiten. Er startet mit voller Härte (und dem chaotischen Geklimper ;- und geht dann in den Nackenbrecher-Riff der Strophe über. Nach dem standardmäßigen ABAB-Muster beginnt der zunächst progressive, dann balladenartige Mittelteil mit Simons und Basse. Daraufhin durchbricht Jansen die Stille und läutet zum Höhepunkt der Symphonie ein - eine weitere Strophe, im Anschluss ein wundervoller Gastauftritt Floor Jansens, dann offenbart sich die wahre Aggressivität des Songs. Nach dem dritten Refrain und einem konfusen Keyboardsolo verklingt er langsam, um im 11/8-Takt nahtlos in...
2. MAINSTAY OF SOCIETY überzugehen. Rifftechnisch wohl das Beste, was das Album zu bieten hat, begleitet mit einer schönen, orientalischen Melodieuntermalung in den Strophen. Wieder ein musikalisch komplexer Mittelteil, den mein Nacken nicht mehr leiden kann. Die Stimmen von Mark und Simone harmonieren hier wunderbar miteinander und schaffen ein hartes, aber abwechslungsreiches Meisterwerk.
3. QUARTERPAST: Dies ist kein richtiger Titelsong, wie man vermuten könnte, sondern nur ein düsterer Auftakt. Die sanften Streicher und der Knabenchor schaffen eine unheimlich mystische Atmosphäre - Top Intro!
4. COURSE OF LIFE: Dieses dunkle Epos trägt die Stimmung von 'Quarterpast' weiter. Hier geht es etwas langsamer zur Sache, aber nicht ohne Druck. Der starke orchestrale Einfluss und die hellen Screams im Refrain schaffen erneut Abwechslung und Bombast.
5. THE SAVAGE MASSACRE: Das Tempo wird wieder hochgeschraubt. Ein nackenbrechender Hauptriff und aggressive Strophen wechseln mit einem stimmungsvollen Refrain und einem ruhigen Zwischenteil, in dem Laura Macrì ihr Bestes gibt. Es wird nicht langweilig'
6. ESSENZA DI TE: Eine kleine Verschnaufpause. Es wird ruhig, die Streicher verzieren auf wundervolle Weise Lauras 'Soloauftritt', auf dem sie endgültig beweist, was sie drauf hat. Opernreif!
7. BITE THE BULLET: Bääm! Nach einem rasanten Auftakt tritt Henning Basse wieder ins Rampenlicht und schafft einen Hammersong, der teilweise mehr nach Sons of Seasons klingt als nach MaYaN. Der starke Power Metal-Einfluss ist alles andere als schadhaft, Henning und auch Floor glänzen hier erneut. Höhepunkt ist der atemberaubende Refrain: Mark grunzt sich die Seele aus dem Leib, während Simone dies im Hintergrund mit einer himmlischen, wehmütigen Melodie untermalt und eine mitreißende Atmosphäre schafft. Ein Meisterstück!
8. DROWN THE DEMON: 'Your self-pity is just another excuse to shit the blade' 'Neben solch denkwürdigen Aussagen hat dieser Song unter anderem einen röhrenden Refrain, ein wundersam-psychedelisches Gitarrensolo und zahlreiche Gastauftritte zu bieten, womit er nach kurzer Eingewöhnung auf ganzer Linie überzeugt ' und das auch gerne noch viele, viele Male.
9. CELIBATE APHRODITE: In diesem, mit leichter Überlänge versehenen Stück, steht wieder die packende Stimme des Herrn Basse im Vordergrund, unterstützt von Laura Macrì. Ich muss gestehen, dass ich mich bisher noch nicht intensiv mit diesem Lied beschäftigt habe, aber als ich es kürzlich beim Joggen gehört habe, hat es mir durchaus Spaß gemacht. ;-)
10. WAR ON TERROR: Nach einem Orchesterauftakt, zu dem man ausgezeichnet Walzer tanzen könnte, legen MaYaN mit dem rasantesten Song dieses Albums los. Gitarrengewitter im 9- bzw. 10/8-Takt, bissige Melodieeinlagen, ein bombastisch-melancholischer Mittelteil ' ein rasender Treffer ins Schwarze. Auch das inzwischen veröffentlichte (und recht provokante) Musikvideo kann sich absolut sehen lassen.
11. TITHE: Der Walzer geht weiter: Als letztes kleines Intermezzo wird das Intro von 'War on Terror' auf dem Klavier gezaubert.
12. SINNER'S LAST RETREAT: Der Abschluss des wütenden Epos. Ohne den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, beenden MaYaN ihr Erstwerk mit einem himmlischen Knaller, in dem vor allem Simone Simons eine wundervolle Arbeit abliefert und Jansen sich mit Basse zum letzten Mal einen Wettbewerb im Stimmbänderzerreißen liefert. Ein gelungenes Ende!

Abschließend kann ich nur empfehlen: Öffnet euch. Erweitert euren Horizont. Hört euch das Scheibchen wieder und wieder an, denn es braucht viel Zuwendung, wie eine kleine Ziege (die hoffentlich nicht zur Gestaltung des Artworks enthauptet worden ist). Die Mühe lohnt! ;-)


Seite: 1