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Rezensionen verfasst von
Shaun
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Kolumbus
Kolumbus
von Maja Nielsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen Umstrittene tragische Figur…, 21. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kolumbus (Gebundene Ausgabe)
Maja Nielsen ist 1964 geboren und Mutter zweier Kinder. Sie studierte Schauspiel in Hamburg, hat sich aber inzwischen dem Schreiben interessanter Kinderbücher mit auch entsprechenden Hörbuchfassungen für Leute ab 8 gewidmet und dafür bereits viele Preise bekommen, u.a. Nominierungen zum Wissenschaftsbuch des Jahres sowie Kinder- und Jugendsachbuchpreis 2008 für die Sachbuchreihe Abenteuer & Wissen.

Aus dieser Reihe erschien 2013 dieser informative Bericht über das gleichermaßen abenteuerliche wie auch sehr traurig endende Leben des vermutlich 1451 in Genua geborenen Italieners Cristoforo Colombo, dem erst nach sehr vielen Jahren 1492 von der spanischen Königin die Verwirklichung seines Traum gestattet wird, als erster Seefahrer über den westlichen Weg Indien zu erreichen. Doch trotz insgesamt 4 Entdeckungsreisen gelingt es ihm nicht, das erhoffte Gold und den reichen Hof des Khans oder das von Marco Polo auf der Ostroute entdeckte Cipango (Japan) zu erreichen. Stattdessen bringt seine Mission im Weiteren nur die Unterdrückung und Ausrottung der Ureinwohner des von ihm unwissentlich entdeckten Mittelamerikas mit sich, die vergeblich schon damals vom Dominikanermönch und Bischof der Indios Las Casas der spanischen Krone gegenüber angeklagt wurde. Kolumbus stirbt unbeachtet und verarmt 1506 in Valladolid.
Kurz wird noch auf den direkten Nachfahren Cristobal Colon XX und dessen Bezüge zur Seefahrt wie auch Südamerikas eingegangen.

Neben wichtigen steckbriefartig erläuterten Begriffen zum Thema Kolumbus und Kolonisation findet der Leser am Ende wieder eine Chronik, interessante Tipps zu Museen, Web-Links und Büchern und ein Sachwortregister, wobei die Literatur einige wichtige Werke vermissen lässt, wie etwa „Las Casas vor Karl V.“ von Reinhold Schneider oder auch „Christoph Columbus“ von Jakob Wassermann. (21.06.14)


Der Klavierstimmer: Roman
Der Klavierstimmer: Roman
von Pascal Mercier
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

5.0 von 5 Sternen Die seltsame Familie Delacroix..., 17. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Klavierstimmer: Roman (Taschenbuch)
Der 1944 geborene Berner Philosoph Peter Bieri schreibt auch Romane unter seinem Alias Pascal Mercier. Berühmt wurde der auch erfolgreich verfilmte, 2004 erschienene Roman "Nachtzug nach Lissabon".

In dem 1998 erschienenen Roman "Der Klavierstimmer" wird anhand gegenseitig geschriebener Tagebücher zweier inzestuöser Liebe verfallener Zwillinge ein Familiendrama aufgerollt, das Patrice und Patricia irgendwann aus dem Elternhaus und voneinander weg trieb und welches offenbar schließlich den Vater, einen begnadeten Klavierstimmer und nicht anerkannten Komponisten, oder soll man es verraten: die um ihre Ballett-Leidenschaft gebrachte Mutter der beiden zum Mord eines berühmten Tenors während einer "Tosca"-Aufführung in der Berliner Oper geführt hat. Man versteht, wieso dieser gar nicht leibliche Vater der Zwillinge - dieser Frédéric Delacroix, alias Fritz Bärtschi - schließlich ausgerechnet zu Kleists Drama "Michael Kohlhaas" eine Oper schreibt, ja selbst in seiner Rachlust zu einem Kohlhaas wird.

Die Art und Weise, wie dieses Drama sich langsam vorm Auge des Lesers entwickelt, ist wirklich grandios, Merciers Sprache präzise und sehr einfühlsam. Einzig der Humor kommt leider ein wenig zu kurz dabei. Das ist übrigens ein Manko bei allen Romanen des Schweizer Philosophen: sie sind sehr Gedanken-überladen, was ihre Lektüre unnötig erschwert, weil der Leser sich dabei kaum auch mal entspannt zurücklegen und genießen kann.

Insgesamt dennoch ein absolut lesenswerter Roman, der die tiefgehenden Gedanken und Motivationen dieser seltsamen Familie Delacroix entwickelt und der in seinem traurigen Ende den Leser anrührt. (17.06.14)


Gregory Crewdson: 1985-2005
Gregory Crewdson: 1985-2005
von Stephan Berg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,80

5.0 von 5 Sternen Das Non-plus-ultra seiner Werkzusammenstellung..., 1. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gregory Crewdson ist ein 1962 in Brooklyn geborener Fotograf, dessen Bilder mit einem irren Aufwand ausgeleuchtet und vorbereitet werden. Sie erzählen dann in einer gespenstischen und zum Teil geheimnisvoll anmutenden Weise menschliche Abgründe, als handelte es sich um Szenen aus einem Hitchcock-Thriller. Crewdson lehrt sein Metier an der Yale School of Arts.

Ich stieß zufällig im Internet auf ein Bild von Gregory Crewdsen und war sofort völlig fasziniert davon. Dann suchte ich nach weiteren Bildern und wollte schließlich einen gut gemachten Bildband dieses Ausnahmekünstlers zum Blättern.
Dieser auf der Ausstellung von 2005 basierende Band des Kunstvereins Hannover ist sicherlich das Non-plus-ultra seiner Werkzusammenstellung, behandelt er doch alle bisherigen Werkzyklen: Early Work (1986-88), Natural Wonder (1992-97), Hover (1996-97), Twilight (1998-2002), Dreamhouse (2002) und Beneath the Roses (2003-2005). Es sind großformatige Aufnahmen, die gestochen scharf und mit sehr guter Farbbrillanz wunderbar anzusehen sind. Zwischen den Zyklen gibt es jeweils einführende Texte in deutsch oder auch englisch, die das Werk in einen größeren Kontext stellen.

Ein sehr bereichernder Bildband, der uneingeschränkt allen Kunstliebhabern zu empfehlen ist. (01.06.2014)


Michael Kohlhaas
Michael Kohlhaas
von Heinrich von Kleist
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,95

5.0 von 5 Sternen Fulminantes Werk über erfahrenes Unrecht und Selbstjustiz..., 31. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Michael Kohlhaas (Gebundene Ausgabe)
Heinrich von Kleist (1777-1811) war ein viel zu früh durch Selbstmord aus dem Leben geschiedener Dichter von Novellen wie auch von Dramen, dem leider die Anerkennung seiner Werke durch seine Zeitgenossen versagt blieb.

In der sehr spannend erzählten Novelle von 1810 dichtet Kleist die historische Figur des Hans Kohlhase aus dem 16. Jhdt. um. Hier wie dort geschieht einem Kaufmann/Pferdehändler Unrecht, indem ein Junker zwei seiner Pferde einkassiert und ihm diese nicht mehr im guten Zustand zurückgeben will. Als juristische Instanzen ihm nicht zu seinem Recht verhelfen, führt Kohlhaas eine blutige Fehde gegen den Junker, die schließlich in der obrigkeitlichen Bestrafung sowohl des Junkers wie auch der Hinrichtung des Brandschätzers Kohlhaas gipfelt, welche dieser jedoch billigend in Kauf nimmt für die endlich erhaltene Genugtuung.

Indirekt gab der patriotisch gesinnte Kleist damit relativ unverfänglich seiner Hoffnung Ausdruck, ein geeintes Deutschland möge sich Napoleon entgegenwerfen und den Besatzer besiegen. Ein fulminantes Werk über erfahrenes Unrecht und Selbstjustiz. (31.05.14)


Vom wilden Mann zum weisen Mann
Vom wilden Mann zum weisen Mann
von Richard Rohr
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

5.0 von 5 Sternen Ein schönes Buch für Männer…, 19. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vom wilden Mann zum weisen Mann (Broschiert)
Richard Rohr ist ein 1943 in Kansas geborenenr Franziskaner-Mönch, der sich in den 1970er Jahren für die charismatische Erneuerung der katholischen Kirche einsetzte und dessen Buch „Der wilde Mann: Geistliche Reden zur Männerbefreiung. Claudius, München 1986“ als ganz wichtiger Meilenstein einer sich formierenden Männerbewegung gilt. Er gründete später u.a. auch die Bewegung M.A.L.E. (Men as Learners and Elders) und gibt Männerseminare in aller Welt.

Dies hier vorliegende Buch stellt eine 2006 erschienene Neufassung seines Klassikers „Der wilde Mann“ dar, in der einige Kapitel neu sind, andere verändert oder weggelassen sind. Ich war 1986 schon von seinen Ausführungen begeistert, und ich finde das umgeschriebene Werk ebenfalls wieder absolut lesenswert. Aus einer sehr pragmatischen Sicht des inzwischen noch viel weiseren Autors – der Titel ist daher natürlich geändert – beschreibt Rohr in diversen Aufsätzen, was eine männliche Spiritualität ausmacht: nämlich vor allem auch das Zulassen der weiblichen Seite in sich, die Verbindung von Bewegung und Stille, von Aktion und Theorie, von Dienst an der Welt und frommen Gesprächen.

Dazu gehört vor allem auch eine gute Beziehung zum „Vater“ statt einer „Vaterwunde“ (so der Ausdruck Rohrs für diesen Mangel in einem der Aufsätze) – ob das nun der leibliche ist, oder ob man Mentoren für sich entdeckt, Vorbilder also entweder aus dem persönlichen Leben oder auch begeisternde Vater-Vorbilder wie Gandhi, Luther, Schweitzer, Bonhoeffer – das ist dabei egal. Denn daran gebricht es unserer kapitalistischen „vaterlosen“ Gesellschaft nur zu oft: vorbildhafte Väter, die nicht völlig verkopft nur dem beruflichen Erfolg nachjagen, sondern einfühlsam und enthusiastisch zugleich Erzieher ihrer Kinder sind, echte Männer also, denen ihr eigenes Seelenheil genauso wichtig ist! Jungen brauchen vor allem die Bestätigung durch ihre Väter, sonst entwickeln sie lauter falsche Kompensationen für ihr resultierendes Gefühl von Wertlosigkeit: Macho-Gehabe, Süchte, Hecheln nach Erfolg.

Rohr lässt bei der Beschreibung des spirituellen Weges häufig bissige Kommentare zur angepassten offiziellen Kirchenverwaltung des religösen Erbes Jesu fallen, die lieber Jesus anbetet, statt ihm wirklich zu folgen: „So können wir sie [also Meister wie Jesus] aus einer sicheren Distanz heraus bewundern wie eine heilige Ikone und dabei insgeheim ihre Botschaft und ihren tatsächlichen Weg ignorieren“.

Er beschreibt in weiteren Essays eindringlich 3 Sorten Mann in Jesu Gleichnis von der Heilung des Mannes mit der verdorrten Hand (Lukas, Kap. 6, Vers 6-11) und legt kurz das Grimm’sche Märchen vom „Eisenhans“ aus. Letzteres ist sicher viel ausführlicher nachzulesen bei dem amerikanischen Schriftsteller Robert Bly, dessen gleichnamiges Buch von 1990 einer der wichtigsten Beiträge zur Männerbefreiung wurde. Rohrs letzter Aufsatz behandelt den Groß-Vater als den weisen Mann, der seine Erfahrung ruhig und gelassen in sich ruhrend an seine Enkel weitergeben kann. Der ist ein Kontemplativer, „der aus der Mitte lebt, die er in sich selbst vorfindet, und immer wieder in diese Mitte zurückkehrt, wohl wissend, dass er selbst nicht diese Mitte ist. Er ist nur ein Teil, allerdings ein großzügiger und dankbarer Teil."

Ein schönes Buch für Männer, das es sich lohnt, immer wieder zu lesen und nachzuempfinden. (19.05.14)


Lea
Lea
von Pascal Mercier
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

5.0 von 5 Sternen Zerstörerische Entfremdung von Vater und Tochter..., 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Lea (Taschenbuch)
Der 1944 geborene Berner Philosoph Peter Bieri schreibt auch Romane unter seinem Alias Pascal Mercier. Berühmt wurde der auch erfolgreich verfilmte, 2004 erschienene Roman "Nachtzug nach Lissabon".

In der 2007 erschienenen Roman-haften Novelle "Lea" geht es um die zerstörerische Entfremdung von Vater und Tochter. Andreas Herzog, der Ich-Erzähler, ist ein geschiedener und durch Angstattacken und Selbstzweifel gescheiterter Starchirurg und selbst Vater einer im Internat aufgewachsenen Tochter, die aber noch zu ihm hält. Er trifft in Südfrankreich zufällig auf Martin van Vliet, einen Professor der Biokybernetik, der ihm in drei sehr dichten, gemeinsam verbrachten Tagen die sehr berührende, hoch dramatisch erzählte Tragödie seiner letzten 13 Jahre im Zusammenhang mit Lea, seiner Tochter erzählt. Diese konnte als 8-Jährige aus der schweren Lethargie nach dem Krebstod der Mutter nur durch das zufällige Geigenspiel einer wundersam gekleideten Frau im Bahnhof von Bern gerissen werden. Sie beschließt von einem Moment auf den anderen, Geigenvirtuosin zu werden. Ihr Vater kann ihr emotional in der ganzen Zeit keine wirkliche Stütze geben. So wurde dieser Weg in die Berühmtheit schließlich für sie ein Weg in die geistige Zerrüttung, an der letztlich jetzt auch der sich selbst die Schuld gebende Vater durch Selbstmord zugrunde gehen wird, ohne dass Andreas Herzog, der ihn von Südfrankreich nach Bern im Auto mitnimmt, ihm wirklich helfen kann.

Wie dies von Mercier psychologisch und existentiell entwickelt wird, ist absolut lesenswert und entfaltet einen unwiderstehlichen Sog beim Leser, der nebenbei auch einiges über den klassischen italienischen Geigenbau und das Violinspiel erfährt. Für mich ein meisterhafter Roman, wenn auch mit traurigem Ende. (12.05.14)


Der Hals der Giraffe: Bildungsroman (suhrkamp taschenbuch)
Der Hals der Giraffe: Bildungsroman (suhrkamp taschenbuch)
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Biologische Bildung und emotionale Unbildung..., 4. Mai 2014
Dies ist ein sehr interessanter 2011 erschienener Roman, der von einer alternden Biologie- und Sportlehrerin handelt, die eine letzte 9. Klasse in einer vorpommerschen Kleinstadt zum Abitur führen will, danach wird ihr Gymnasium wegen abhanden kommender Schülerzahlen geschlossen werden. Inge Lohmark ist dabei eine von altem "Schrot und Korn", sie kann nur Frontalunterricht und sieht nur in Disziplin und Abfordern von Leistung ihr Heil als Lehrerin. Bloß keine Schwächen zeigen, bloß nicht anbiedern wie die jüngere Kollegin Schwanneke. Dabei hat sie offenbar nichts gelernt aus dem Erleben ihrer eigenen Tochter Claudia, die an just dieser Schule und sogar in ihrem Unterricht gemobbt wurde und darunter gelitten hatte, daß ihre Mutter sich ihren Tränen im Unterricht verweigert hatte. Das hatte zur bleibenden Entfremdung der längst in die USA entschwundenen Tochter geführt. Jetzt passiert wieder ein Mobbing, ausgerechnet bei ihrer Lieblingsschülerin Erika, eine von nur noch 12 Schülern - und wieder schaut sie nur zu, statt einzugreifen. Ihr Chef zitiert sie deswegen zu sich und kündigt Konsequenzen an, welche genau, erfährt der Leser nicht mehr.

Die Sprache ist hart und zum Teil im Telegramm-Stil, die darwinistische Sichtweise der Lohmark wiedergebend. In drei Teilen, die jeweils einen Tag (im September, November und März) aus dem Unterricht der Klasse wiedergeben zu den behandelten Themen Naturhaushalte, Vererbungsvorgänge und Entwicklungslehre erfahren wir zwar viel über Inhalte der Evolutionstheorie, gern von der Lohmark auch angewandt auf die Interpretation des Verhaltens ihrer Zöglinge, insofern scheint der Untertitel "Bildungsroman" passend. Aber es kommt zu keiner erkennbaren Entwicklung der Protagonstin selbst - sie verbleibt in ihrer anti-humanistischen Sichtweise, läßt Gefühle und emotionale Kompetenz vermissen. Damit wird der Untertitel karikiert.

Ein sehr schönes Buch, aufklärerisch in jeder Hinsicht und Schülern wie Lehrern sehr zu empfehlen. (04.05.14)


Nullzeit: Roman
Nullzeit: Roman
von Juli Zeh
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abtauchen oder sich einbringen…, 23. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Nullzeit: Roman (Taschenbuch)
Juli Zeh ist Jahrgang 1974, promovierte Juristin und auch eine bereits mit zahlreichen Preisen gefeierte Schriftstellerin. Sie mischt sich ein in aktuelle politische Themen, votierte gegen den biometrischen Reisepaß wie auch gegen die NSA-Überwachung als relevante Einschnitte in Persönlichkeitsrechte. Und sie lernte begeistert Sporttauchen im Jahre 2010.

Was liegt also näher, dieses Hobby wie auch ihre Juristerei in den 2012 erschienenen Roman Nullzeit einzubringen und an dem Protagonisten Sven durchzunehmen? Denn der ist zwar ausgebildeter Jurist, praktiziert aber nicht aus Enttäuschung über den arroganten Staatsexamensprüfer. Er hat mit diesem Leben "im Krieg" abgeschlossen, Deutschland bewußt den Rücken gekehrt und sich ganz und gar seinem Tauchhobby im Gründen einer Tauchschule auf Lanzerote zugewandt. Alles Bewerten und Taxieren ist ihm suspekt, er taucht sprichwörtlich ab. Bis Jola, eine reiche und sehr schöne, wenn auch erfolglose Schauspielerin und ihr ebenso erfolgloser Mann Theo auftauchen und bei ihm in der Tauchkunst unterwiesen werden wollen. Da sie ihm für die zwei Wochen sehr viel Geld bieten, ist er ihnen und ihrem falschen Spiel einer Sado-Maso-Beziehung ausgeliefert. Und er muß sich schließlich eingestehen, dass es eben doch lohnt, sich einzubringen und für das Rechte einzustehen, in diesem Fall, Theo vorm Ertrinken zu retten, auch wenn der vielleicht als Konkurrent um die Gunst Jolas das nicht verdient hat.

Ich finde diesen Roman sehr gut, sowohl von der Thematik, wie auch der Sprache und dem aufgebauten Spannungsbogen. Zuletzt konnte ich gar nicht anders als weiterlesen, so spannend wurde es. Ich habe bisher noch nichts anderes von Juli Zeh gelesen, das wird sich sicher ändern nach diesem tollen Erlebnis. (23.04.14)


Mio, mein Mio
Mio, mein Mio
von Astrid Lindgren
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

5.0 von 5 Sternen Ein ganz wunderbares Buch…, 21. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Mio, mein Mio (Gebundene Ausgabe)
Astrid Lindgren wurde 1907 bei Vimmerby in Småland geboren und erlebte eine glückliche Kindheit als zweites von vier Kindern des Pfarrhofpächters Samuel August Ericsson und seiner Ehefrau Hanna Ericsson. Nahezu alle ihre berühmten und vielfach verfilmten Romane atmen dieses glückliche Leben von Kindern, die in einem insgesamt geschützten Erlebnisraum von Eltern, Geschwistern und Natur eigene Erfahrungen machen dürfen. Für ihr Werk erhielt sie zahllose Preise. Sie starb 2002 in Stockholm.

1954 erschien mit "Mio, mein Mio" ein eher phantastisches Buch. Der 9-jährige Waisenjunge Bo Vilhelm Olsson verschwindet darin von seinen eher ungeliebten und wenig einfühlsamen Pflegeeltern Tanta Edla und Onkel Sixten in ein zauberhaftes und paradiesisches Land der Ferne, wo sein sehnlichst vermisster Vater König ist, das aber zugleich bedroht ist vom bösen Ritter Kato mit dem steinernen Herzen im Lande Außerhalb, der durch seinen Hass Natur und Menschen vergiftet oder in Vögel verwandelt. Mit seinem im Land der Ferne kennengelernten Freund Jum Jum, der natürlich seinem Diesseits-Freund Benka ähnelt, macht er sich auf, den bösen Ritter zum letzten Kampf aufzufordern und damit alles - auch Kato selbst - zum Guten zurück zu verwandeln.

Die Sprache ist besonders poetisch und eindrücklich und betont dadurch das märchenhafte dieses Abenteuers sehr stark, was für Leser, die es mit den sehr diesseitigen "Kindern aus Bullerbü" oder den "Michel"-Geschichten vergleichen, zunächst sehr ungewohnt ist. 1956 erhielt das sehr schöne Werk den Deutschen Jugendliteraturpreis, 1987 wurde es unter anderem mit Timothy Bottom, Christian Bale und Christopher Lee verfilmt. (21.04.14)


Sand
Sand
von Wolfgang Herrndorf
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles zerrinnt…, 20. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sand (Taschenbuch)
Wolfgang Herrndorf, Jahrgang 1965, war gebürtiger Hamburger und lebte in Berlin, neben seiner Prosa mit dem Kultroman "Tschick" von 2010 widmete er sich zunächst der Malerei und illustrierte für die "Titanic". Er starb durch Freitod am 26.03.2013.

"Sand" ist ein sehr nihilistischer, im November 2011 erschienener Roman: denn alle Personen sind auf der Suche, keiner wird jedoch finden, was er sucht, sondern alles Mögliche Andere - außer vielleicht, und das ebenfalls sehr zufällig, Michelle, die Tarot-Süchtige aus der nordafrikanischen Kommune, die sich auf dem Rückflug nach Amerika in den fetten Sitznachbar verliebt. Das Buch ist brillant in diesem satirischen und streckenweise auch sehr humorvollen Versteckspiel, im Zusammentreffen völlig unwahrscheinlicher Begebenheiten. Aber es stürzt den Leser auch zuletzt in tiefe Enttäuschung, wenn er nach langem Mitleiden mit dem von Amnesie und ständigem üblem Mitspiel gezeichneten Protagonist Carl dessen sinnlosen Tod kurz vorm Schluss des Romans erleben muss, wo der doch vorher immer wieder noch irgendwie aus dem Schlamassel rausgekommen war. - Andererseits: warum muß denn alles im Happy End enden, zumal Herrndorf selbst während des Abfassens dieses Romans bereits an einem Glioblastom unheilbar erkrankt war?

Diese überraschend traurige Wendung des Romans führt zu den sehr unterschiedlichen Rezensionen, die zwischen großer Begeisterung und großer Enttäuschung schwanken. Ich meine dennoch, dass Herrndorf auch mit diesem letzten Prosa-Werk wieder ein großer Wurf gelungen ist. Sehr schade, dass dieser begnadete Autor so früh verstorben ist. (19.04.14)


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