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kfir "liesundlausch.de" (Langenbach, Oberbayern, Zonenrandgebiet zu Niederbayern)

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Landesbühne
Landesbühne
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Regt zum Nachdenken an, 30. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Landesbühne (Taschenbuch)
Beschaulich und ruhig geht es zu in der Haftanstalt Isenbüttel. Als eines Tages das fahrende Theater der Landesbühne sein Kommen ankündigt, herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Die Insassen beginnen sich für das Leben "da draußen" zu interessieren. Und dann bietet sich für Strafgefangenen die einmalige Gelegenheit, mit dem Bus der Theatertruppe zu entkommen. Die Fahrt geht über Land und endet mangels besserer Alternative in einem kleinen, verschlafenen Ort, der das vermeintliche Ensemble der Landesbühne als Gast ihrer bevorstehenden Kulturtage mit offenen Armen aufnimmt.
Nun müssen die Flüchtigen wahrhaft Theater spielen, die Wünsche und Erwartungen der kultursüchtigen Einwohner und Honoratioren befriedigen, um nicht aufzufallen und letztlich gar enttarnt zu werden. Lange verborgene Talente werden schnell zur großen Kunst erklärt und finden das Wohlgefallen des hungrigen Publikums. Doch mischt sich irgendwann die erste Skepsis unter die Bewohner. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Hochstapler auffliegen. Man beschließt, die Ortschaft in Richtung einer anderen Stadt zu verlassen, doch so einfach ist das nicht ...

Siegfried Lenz hat erneut eine Erzählung in dem Stil vorgelegt, den er am besten beherrscht. Eine Begebenheit in ruhigen, gewählten Worten und ohne Effekthascherei beschrieben. Keine große Geschichte mit gewichtigen Charakteren, eher wird ein Kapitel im Leben eines Mannes angerissen. Vieles bleibt ungesagt, der Leser kann seinen eigenen Eingebungen viel Spiel lassen. Das mag mancher einen Schwachpunkt des Buches nennen, die fehlende inhaltliche Tiefe. Gerne hätte man mehr erfahren, hat doch Lenz ansonsten immer viel zu erzählen. Stattdessen kann sich der Leser ganz auf die Sprache und die Gedanken und Gefühlswelt der Charaktere konzentrieren.

Wie nicht viele weiß Siegfried Lenz noch immer mit klar gesetzten Worten und einfach formulierten Sätzen zu überzeugen. Es ist eine Freude, dieses Buch zu lesen. Jeder Satz, jedes Wort hat seine Bedeutung, verleiht der Geschichte Gewicht. Keine Lückenfüller oder Platzhalter stören den Lesefluss. Und das immer mit einer Eleganz, einem augenzwinkernden Humor, den man sonst in dieser Unaufdringlichkeit lange suchen muss. Höhepunkte sucht man vergebens, vielmehr befindet man sich in einem nicht enden wollenden Strom schöner und geistreicher Formulierungen.

Was will uns dann aber eine kurze Geschichte sagen, über die sich viele streiten, ob sie sie nun als Roman oder Novelle einordnen wollen? Es geht um Freiheit, um Freundschaft, das Besinnen auf die einfachen, puren, wahren Werte im Leben und die Erwartungshaltung des Menschen. Was bedeutet für einen Menschen Freiheit und wie wird er sie nutzen, wenn er sie nach langem Eingesperrtsein wieder erlangt? Was ist wirklich wichtig im Leben? Wie wichtig ist die Freundschaft und wie findet man sie? Und am Ende versteht man zwei Dinge: Dass jeder, egal welche Rolle das Leben für einen bereit hält, doch nur ein Mensch mit denselben Grundbedürfnissen ist. Und dass es letztlich egal ist, ob nun Roman oder Novelle als Gattungsbegriff auf diesem Buch prangt. Hauptsache man hat sich gut unterhalten und die Geschichte hat einen zu eigenen und neuen Gedanken angeregt.

Siegfried Lenz baut mit dieser einfachen Geschichte und seinen klugen, schönen Worten ein luftig leichtes Nest, von dem aus der Leser seine Gedanken frei fliegen lassen kann.


Bergfriedhof
Bergfriedhof
von Marcus Imbsweiler
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein vielversprechender Einstand in die deutsche Krimi-Landschaft, 18. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Bergfriedhof (Broschiert)
Marcus Imbsweiler führt uns hier in die Welt des kauzigen Ermittlers Max Koller ein. Der Privatdetektiv ist nicht nur dem Alkohol nicht eben abgeneigt, er scheut auch vor keinen Handgreiflichkeiten zurück, ist bekennender Radfahrer und Gerechtigkeitsfanatiker, missachtet hingebungsvoll neben der Polizei auch so ziemlich jede andere Autorität und hat seine liebe Not mit dem Establishment. Zeigt er einerseits überaus feine Antennen, mit denen er jede Ungereimtheit wittert, so tolpatschig und hemmungslos direkt geht er oft zu Werke. So schlingert Max Koller scheinbar ziellos zwischen den Extremen hin und her, stets begleitet von seinem scheinbar unerschütterlichen Humor. Was für den Leser ein Quell steter Freude ist, ihm und seinem Wortwitz zu folgen, bringt ihn bei seinen Ermittlungen nicht nur Freude ein. Der vorlaute Privatflic, der immer das letzte Wort haben will, lässt kein Wortduell aus, auch wenn er dafür schon einmal Schläge einstecken darf. Doch Koller ist hart im Nehmen. Sei es bei Prügel oder beim Kater am Morgen nach einer durchzechten Nacht. Da mag es verwundern, dass Max Koller auch zum eigentlichen Ermitteln kommt. Doch Koller bleibt unbeirrt und Stück für Stück nähert er sich der Lösung. Kommt er wider Erwarten einmal nicht zu neuen Erkenntnissen, so kann er auf eine Vielzahl Freunde und Bekannte zurückgreifen, die den chronisch abgebrannten Ermittler mit Informationen, Essen und Spirituosen versorgen.

Mit viel Liebe zum Detail setzt Marcus Imbsweiler den Max Koller in Heidelberg in Szene, ohne den Leser mit zu viel Selbstverliebtheit je zu langweilen. Mit gleicher Hingabe skizziert der Autor seine Charaktere, kantige und lebendige Typen, die der Handlung immer neue Impulse verleihen und doch nie zu viel preisgeben, um die Spannung zu erhalten. Ist die flotte Schreibe ein Garant für gute Spannung, so sind es die vielen kleinen Details, die dem Buch seinen Charakter und seine Eigentümlichkeit des Lokalkolorits geben. Abgerundet wird der überaus amüsante Krimi durch seine Sprache. Der wunderbare Wortwitz des Privatdetektivs Max Koller in seinen Dialogen und Selbstreflexionen mit unzähligen Anspielungen und Seitenhieben rundet das Lesevergnügen auf jeder Seite ab.

Viel buntes Lokalkolorit, eine abwechslungsreiche und spannende Geschichte vor geschichtlichem Hintergrund, ein sehr vielversprechender Einstand in die deutsche Krimi-Landschaft.


Arme Leute
Arme Leute
von Dieter Paul Rudolph
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein spannender und etwas anderer Krimi, 11. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Arme Leute (Broschiert)
Ein Außenseiter wirbelt den Kleinstadtmief in einem saarländischen Provinzkaff durcheinander. Ein frisch verwitweter Mann schneidet einem Maler ein Ohr ab. Drei Jahre später ist er wieder auf freiem Fuß, doch die Geschichte ist nicht vergessen. In seinem Umfeld gab es schon zu viele Tote: Ein überfahrenes Mädchen mit Fahrerflucht, ein Einbruch mit Totschlag. Auch die verschwundenen Gebeine einer lang verstorbenen Adeligen sorgten für Aufsehen. Gras schien über die Vorfälle gewachsen zu sein, doch die erneute Anwesenheit des Ohrabschneiders alleine reicht schon aus, um Unruhe zu erzeugen. Über Jahrzehnte festgefahrene Klassenunterschiede manifestieren sich, eine verschworene Clique sieht sich und ihr Establishment in Gefahr und setzt sich zur Wehr.

Was sich an sich recht einfach liest, weiß der Autor geschickt zu verschleiern. Der Leser bekommt nach einander die Geschehnisse aus drei verschiedenen Blickwinkeln präsentiert. Ist es zunächst der durch Erbschaft zu Geld gekommene Ohrabschneider, der nach verbüßter Haftstrafe den Tod seiner Frau hinterfragt, so kommt ab Mitte der Geschichte das stadtbekannte Flittchen zu Wort, die viele der Ereignisse aus nächster Nähe mitbekommen hat und mit hineingezogen wurde. Das Schlusswort gehört dann dem mit "Idiot" titulierten Dorfdeppen, der, von niemandem ernst genommen, doch einen allumfassenden Blick auf alle Bürger und diverse Geschehnisse hat.

Diese drei Blickrichtungen auf die Geschichte liefern dem Leser nicht nur drei unterschiedliche Perspektiven mit jeweils eingeschränktem Kenntnisstand, sie entführen durch ihre differenzierte Sprache auch in den jeweiligen Micro-Kosmos des Erzählers. Hierbei macht es einem Dieter Paul Rudolph nicht eben einfach. Die als innere Monologe gestalteten Erzählungen der drei Akteure sind einerseits sprachlich dem jeweiligen Milieu und Bildungsstand angepasst, sie sind aber auch in der Sprache sehr verknappt. Diverse Gedanken- und Zeitsprünge, die nicht abgesetzt oder hervorgehoben werden, verwirren den Leser anfangs doch sehr. Hat man sich erst einmal in den Duktus und die Denke hinein gefunden, so kann man sich auf ein sehr schnelles und mitreißendes Buch freuen. Bis dahin ist es jedoch ein harter und zäher Weg, weil sich einem so manche Zusammenhänge erst später erschließen. Die Spannung der Geschichte hält sich somit anfangs recht in Grenzen. Erst mit zunehmenden Kenntnisstand vermag man eine Richtung in der Geschichte erkennen und die Lektüre gewinnt an Dynamik. Man sollte es deshalb gerade im ersten Drittel des Buches vermeiden, die Lektüre allzu oft zur Seite zu legen.

Insgesamt ein recht bunter und spannender Krimi, der die Szenerie einer biederen Kleinstadt gekonnt transportiert. Auf die sprachlichen Mittel muss man sich jedoch einlassen können und wollen.


Liebeskind: Kommissarin Greves zweiter Fall - Roman
Liebeskind: Kommissarin Greves zweiter Fall - Roman
von Christine Westendorf
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Krimi mit gebremster Spannung, 12. Januar 2010
Binnen kurzer Zeit ereignen sich in dem kleinen hamburger Vorort Maschen zwei recht ähnliche Morde: beide Männer wurden nach der Tat verstümmelt. Bis auf den Umstand, dass es sich bei dem Täter um eine Frau handeln muss gibt es keinerlei Hinweise. Erst als ein drittes Opfer auftaucht, scheint sich das Umkreis auf die ehemalige Schulklasse der drei einzuengen. Doch während Kommissarin Anna Greve weiterhin im Unklaren tappt und sich mit interenen Querelen herumärgern muss, verdichten sich erste Verdachtsmomente im direkten Umfeld des Mörders. Rache für längst vergangene Taten scheinen das Motiv zu sein...

Kommissarin Anna Greve ermittelt ihren zweiten Fall. Doch kommt sie über weite Strecken nicht wirklich zum Ermitteln. Private Sorgen und Probleme im Büro überschatten ihren Beruf und führen sie und den Leser zu immer neuen Nebenschauplätzen, die letztlich zwar das Bild einer menschlichen und lebendigen Kommissarin zeichnen, allerdings nicht wesentlich Einfluss auf die eigentliche Kriminalgeschichte haben. Vielmehr wird der Leser dadurch immer wieder in seinem Lesefluss ausgebremst. Viele Themen wie Untreue in der Ehe, Drogen und Gewalt auf dem Schulhof oder die Polizeipolitik der ehemaligen Schill-Partei in Hamburg verdienen sicherlich Beachtung und können so manchen Roman inhaltlich bereichern. Doch dieses zuviel lenkt den Leser leider oft vom eigentlichen Plot und den liebevoll gezeichneten Charakteren ab.

Der Dreh- und Angelpunkt von Christine Westendorfs Krimi ist jedoch eine unverarbeitete Kindheit mit traumatischen Erlebnissen und die daraus resultierende Rache. Eine Geschichte, welche viel Potential beinhaltet und sicherlich auch für genügend Spannung gesorgt hätte. Leider offenbart die Autorin bereits in den ersten Seiten die Identität des Mörders. Der Leser kann jetzt nur noch mit den anderen potentiellen Opfern mitfiebern und sich die für einen Krimi gewünschte Spannung aus der Mutmaßung der Motive und der früheren Ereignisse ziehen. Diese werden glücklicherweise nur häppchenweise in den vielen kleinen Einschüben und auf den letzten Seiten offenbar. Hat man den Umstand, den Mörder bereits früh zu kennen erst einmal verdaut, steigt die Spannung zwar langsam, aber doch bis zum Schluss an.

Schade, die auf den Kopf gestellte Handlung wäre bestimmt reizvoll gewesen, die bisweilen stockende Spannung ernüchtert jedoch das eine ums andere Mal.


Harenberg Premium-Kalender Eine Reise um die Welt 2010
Harenberg Premium-Kalender Eine Reise um die Welt 2010
von Ulrike Schöber
  Kalender

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein faszinierender Tageskalender, 29. Dezember 2009
Harenberg hat mit "Eine Reise um die Welt" auch für 2010 wieder einen sehr farbenfrohen Tischkalender geschaffen, der mit seinen unterschiedlichen Bildern jeden Tag aufs Neue Fernweh heraufbeschwört. Trotz des doch sehr kompakten Formates von knapp 16 x 12 cm sind die Bilder in ihrer Wiedergabe und Farbigkeit brillant. Die Motiv-Auswahl ist dabei so vielfältig wie die Welt selber - Naturaufnahmen wechseln sich dabei mit urbanen Szenen ebenso ab wie exotische Tiere mit Menschen aller Kulturkreise, Detailaufnahmen mit imposanten Panoramen. Obwohl die Motive sich von Tag stark unterscheiden, sie wirken dennoch nie beliebig, spiegeln sie doch die ganze Schönheit dieser Erde wieder. Sicherlich ähneln sich manche Motive gegenüber dem Vorjahr, Wiederholungen bleiben jedoch glücklicherweise aus.

Dieser kleinformatige Kalender bringt seine Bilder alleine schon durch seinen scharfen Kontrast aus den brillanten Farben der Bilder und dem Schwarz der seitlich angebrachten Kalenderbeschriftung zum leuchten. Die Spiralheftung macht ebenso sie der Pappaufsteller einen soliden Eindruck, der Druck ist ebenso wie das Papier sehr hochwertig und insgesamt hervorragend verarbeitet.

Ein toller, farbenfroher Tisch-Kalender, ein wunderschön täglicher Begleiter durch das Jahr.


Verstummt
Verstummt
von Karin Slaughter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein spannender Thriller, 27. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Verstummt (Taschenbuch)
Wer die Grant-County Thriller von Karin Slaughter liest und liebt, der wird hier ganz unwillkürlich nach Verbindungen und Querverweisen suchen, denn Heartsdale soll ja nicht so weit weg sein von Atlanta, dem Handlungsort dieses Buches. Doch ich bin nicht fündig geworden. Das mag man jetzt bedauern oder auch nicht, nötig hat es dieses Buch ganz gewiss nicht.

In einem der am heruntergekommensten Stadtteile von Atlanta wird der grausam zugerichtete Leichnam einer Frau gefunden. Weil die Tat stark nach einem Wiederholungstäter aussieht, bekommt der einfache Police Officer Michael Ormwood einen Kollegen von der Bundespolizei zur Seite gestellt. Dieses ungleiche Paar soll den Fall gemeinsam lösen.
Gleichzeitig erlebt man einen aus der Haft entlassenen, verurteilten Mörder, der sich nach langen Jahren und schrecklichen Erlebnissen im Knast in einer reichlich veränderten Welt zurechtfinden muss, die ihn nicht will und die nicht viel Gutes für ihn bereit hält. Trotz all dieser Widrigkeiten versucht er herauszufinden, wieso er damals verknackt wurde. Denn an den Zeitpunkt der Tat hat er keinerlei Erinnerungen mehr.

Wie auch schon in den Büchern um Sara Linton und Jeffrey Tolliver verwebt Karin Slaughter hier geschickt mehrere Handlungsstränge und Personen eng miteinander und lässt sie zusammen eine schreckliche Geschichte durchleben. Wie schon aus den anderen Büchern gewohnt, erspart uns die Autorin keine Grausamkeit oder sexuelle Gewalt. Diese Direktheit mag den einen oder anderen Leser stark verstören und geradezu anwidern, doch es macht auf plastische Deutlichkeit klar, dass das Leben eben schlecht und grausam sein kann. Ein Grossteil der Handlung spielt in den Slums und Ghettos von Atlanta. Dem entsprechend ist auch die Sprache, sehr direkt und derb, gespickt mit harten Ausdrücken. Leider geht in der deutschen Übersetzung vieles von dem Südstaaten- und Ghetto-Slang verloren. Das aufwühlende Thema um den scheinbar zu Unrecht Verurteilten wird so mit all seinen Facetten stimmig durchleuchtet, der Leser kann sich sehr gut selber sein Bild machen.

Genauso atmosphärisch dicht und spannend wie die Story sind auch die Charaktere wiedergegeben, seien es nun die Opfer, die Täter oder die Cops. Alle haben sie ganz real ihre guten und schlechten Seiten, die hier auch schön und ausführlich beschrieben werden. Man kann fast an jeder Figur liebens- und hassenswerte Züge finden. Doch gerade diese Ambivalenz verhilft dem Roman zu seiner Spannung. Bis zum Schluss kann man nur erahnen, wer denn jetzt der Gute und wer der Böse ist, man wird immer wieder auf falsche Fährten geführt.

Das Ende des Buches lässt eine Fortsetzung mit dem Ermittlergespann zu, was ich auch sehr begrüsse, denn ich hatte meine helle Freude an dieser Lektüre. Ein richtig spannender Page-Turner.


Siebzehn Silben Ewigkeit: Roman
Siebzehn Silben Ewigkeit: Roman
von Denis Thériault
  Taschenbuch

12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein überaus poetisches und doch mitreißendes Buch, 6. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Siebzehn Silben Ewigkeit: Roman (Taschenbuch)
Bilodo ist ein junger Briefträger aus Montreal, den man allenfalls als Eigenbrötler bezeichnen möchte. Seine distanzierten sozialen Kontakte begnügen sich auf einen Kollegen und seine schüchterne Mittagstisch-Kellnerin. Die einzigen Vergnügen in seinem kargen Leben sind Computerspiele, seine Leidenschaft zur Kalligraphie und das Mitlesen fremder Post. Bilodo hat ein Gespür entwickelt, interessante Briefe zu erkennen und öffnet diese abends heimlich unter Wasserdampf. So liest er schon seit Monaten die Korrespondenz von Grandpré aus Montreal und Ségolène aus Guadeloupe mit, die sich in ihren Briefen ausschließlich über Haikus austauschen. In diesen kurzen, dreizeiligen, nach japanischen Vorbild verfassten Gedichten taucht er in eine andere, fremde Welt ein, verliebt sich irgendwann sogar in Ségolène. Als eines Tages Grandpré vor Bilodos Augen stirbt, sieht Bilodo den Quell seiner verliebten Träumereien abrupt beendet. Aber dann bietet sich ihm die einmalige Gelegenheit, in die Rolle Grandprés zu schlüpfen und die Korrespondenz mit selbst verfassten Haikus an fremder statt fortzusetzen. Doch lange währt sei Glück nicht ...

Denis Thériault erschafft ein in mehrfacher Hinsicht überaus poetisches Buch. Als zentrales Objekt hat er die japanische Dichtkunst mit ihren dreizeiligen Haikus und fünfzeiligen Tankas gesetzt, mit denen Bilodo und Ségolène ihre Korrespondenz führen. Auch wenn man selber bislang keine Zugang zur Lyrik gefunden haben mag, so zieht einen Thériaults Liebeserklärung auf diese kurzen und aufs Wesentliche gebrachten Dreizeiler doch unfehlbar in ihren Bann. Besonders die aufeinander folgenden Haikus der beiden Hauptcharaktere lassen schnell erahnen, wie sich Bilodo in Ségolène verlieben konnte und wie tief seine Empfindungen zu ihr wurden. Personen entstehen, die der Leser hautnah und transparent nachfühlen kann. Dennoch halten sich die Passagen mit den Haikus gegenüber der eigentlichen Geschichte doch eher im Hintergrund, bilden nur immer wieder kleine poetische Höhepunkte in der Handlung. So bleibt der Lesefluss erhalten und man wird als Laie in Sachen Lyrik nicht überfordert.
So sehr ein Haiku auf den Punkt gebracht ist und einen Augenblick konzentriert wiedergibt, so sehr schmückt Denis Thériault die Geschichte mit all seinen Kleinigkeiten und großen Gefühlen aus. Diese Detailfreude zieht einen förmlich in die Geschichte hinein, die präzise und doch schön formulierte Erzählfreude zwingt einen dann aber doch immer wieder zum Langsamlesen und Verweilen, so schön und ausdrucksstark sind viel Formulierungen. Ein kleines Büchlein, das man in zwei Stunden durchlesen könnte, man sich dann aber später um so mehr freut, wenn man sich einen ruhigen Nachmittag lang Zeit gelassen hat. Ein großer Verdienst und besonderer Dank gebührt hier sicherlich auch der Übersetzerin Saskia Bontjes van Beek.
Wer sich jetzt auf eine rein gefühlsbetonte Liebesgeschichte freut, der darf sich auch auf ein paar spannende Momente gefasst machen, denn die Geschichte nimmt auch einige plötzliche und dramatische Wendungen. In zwei Szenen habe ich mich sogar ein wenig an Stephen King erinnert gefühlt, wie sich eine Person und ihr Handeln mit dem Geschehen entwickelt. Eine Geschichte also, die einerseits ein sehr entspanntes und gefühlsbetontes Lesevergnügen verspricht, andererseits aber auch einen gewissen Spannungsbogen bis zu den letzten Sätzen aufbaut. In vielerlei Hinsicht hat mich dieses Buch positiv überrascht und erfreut.

Ein überaus poetisches und mitreißendes Buch mit einer besonderen und anrührenden Geschichte.


Kleinstadtschlampe
Kleinstadtschlampe
von Mirjam Dreer
  Broschiert
Preis: EUR 4,95

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes Debüt, 24. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Kleinstadtschlampe (Broschiert)
Mia ist ein selbstbewusstes Mädel aus einem Provinzkaff im bayrischen Pfaffenwinkel und lebt für Partys, Alkohol, Drogen und schnellen Sex. Für gewöhnlich bekommt sie auch was sie will und hat meist ihren Spaß dabei. Gelegentliche Momente der Reue und Selbstreflexion vergehen schnell und sie lebt ihre Neigungen weiter aus.
Bis da dieser Kerl auftaucht, Noah. Klar will sie mit ihm ins Bett. Doch könnte sie sich mehr als eine Nacht mit ihm vorstellen, eine Beziehung mit ihm erscheint erstmalig interessant. Doch Noah widersteht auch über längere Zeit all ihren Annäherungsversuchen, hält sie auf Distanz und irgendwann spricht er dann sogar von Freundschaft. Dermaßen gekränkt sucht Mia das Weite und fällt in alte Gewohnheiten zurück. Ein plötzlicher Unglücksfall bringt Mia und Noah einander wieder näher, doch finden sie diesmal ihr Glück?

Mirjam Dreer beschreibt mit klaren und spritzigen Worten das schnelle Leben der Jugendlichen. Mit welchem Selbstverständnis und gleichzeitiger Hilflosigkeit sie Halt, Nähe, Wärme und Liebe suchen. Ganz offen und unverblümt wird mit der offen ausgelebten weiblichen Sexualität umgegangen, die Promiskuität nicht verherrlicht, aber auch nicht verteufelt. So provokativ das Buchcover auch sein will, so wenig hat mich der Inhalt schockiert. Kenne ich doch aus dem Freundeskreis einige Frauen, die sehr genaue Vorstellungen von ihrem Sexualleben haben und das auch für sich passend gestalten ' das gehört zum heutigen Leben dazu. Interessanter als eine wild ausgelebte Sexualität ist in diesem Buch jedoch das teilweise Unvermögen, sich seiner Gefühle klar zu werden und diese nach außen hin in eine Beziehung einzubringen. Zu groß der öffentliche Druck und der eigene Wunsch nach Mr. und Mrs. Right und noch größer die Versagensängste. So treten am Ende die sexuellen Eskapaden in den Hintergrund und man stellt sich die Frage, wo in den jeweiligen Abschnitten dieser Geschichte die Weichen richtig oder falsch gestellt wurden.

So offen, spötisch und ungefiltert Mirjam Dreer so manche Szene ganz treffend beschreibt, so hölzern und gestelzt wirken leider manche Dialoge, wenn sie versucht, zu viele Aussagen in knappe Jugendsprache zu verpacken. Dennoch bleibt sie an vielen Punkten authentisch und sorgt für ein flottes und humorvolles Lesen. Manchen mögen diverse sexuelle Beschreibungen zu explizit sein, sie verdeutlichen jedoch, dass Sex eben manchmal nichts mit Romantik zu tun haben muss um trotzdem schön zu sein. Sehr schön sind auch die diversen Songs gewidmeten Kapitel - einfach eine Playlist aus allen Titeln erstellen, es wirken manche Begebenheiten mit Musikuntermalung noch realistischer. Wenn ich auch Weilheim nicht kenne, so sind mir doch die hier genannten Clubs und das jeweilige Publikum in München bestens bekannt. Diese realen Orte geben der Geschichte einen zusätzlich authentischen Anstrich, machen die Charaktere noch lebendiger.

Ein offenes Buch über die heutige Jugend und ihrer Suche nach sich selbst und der richtigen Beziehung, eine aufrichtige Momentaufnahme des Hier und Jetzt. Ein gutes Debüt.


Katzen  30 x 30 cm 2010
Katzen 30 x 30 cm 2010

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis, 6. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Katzen 30 x 30 cm 2010 (Kalender)
Dieser ansprechende Katzenkalender bietet in seinen kompakten Ausmaßen einen guten Kompromiss aus ansprechend großen Motiven und für gelegentliche und kurze Notizen geeigneten Kalenderteil. Die Katzenmotive wirken zwar etwas beliebig, bieten jedoch eine nette Auswahl unterschiedlicher Katzen in verschiedenen Posen und Ausschnitten. Ein kleines Poster, wie gemacht für ein Kinderzimmer, rundet den Lieferumfang ab. Dieser Kalender bietet ein perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis wenn man einen fröhlichen täglichen Begleiter für die Küche sucht.


Brennen muss Salem: Roman
Brennen muss Salem: Roman
von Stephen King
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein absoluter Horror-Klassiker des Altmeisters, 30. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Brennen muss Salem: Roman (Taschenbuch)
Jerusalem's Lot, Maine: Nach vielen Jahren kehrt der junge Schriftsteller Ben Mears in seinen Heimatort zurück um sich seinen Ängsten zu stellen. Als Kind hat er mit angesehen, wie sich ein Bewohner im Marsten-Haus erhängte. Jetzt möchte er das Haus anmieten und ein Buch über die vergangenen Ereignisse schreiben. Doch das über Jahrzehnte leer gestandene Haus ist bereits seit kurzem an zwei finstere Gestalten verkauft. Eine sehr große und modrig riechende Kiste wird ins Haus getragen und schon bald ereignen sich mysteriöse Dinge. Ein Hund wird am Friedhofzaun aufgespießt aufgefunden, ein Kind verschwindet und die ersten Einwohner von Salem sterben an Blutarmut ...

Wie bei Stephen King gewohnt geht es in dem verschlafenen Jerusalem's Lot anfangs noch sehr geruhsam zu, eine verschlafene Kleinstadt in der Provinz eben. Doch mit dem Erscheinen diverser Charaktere nehmen die Dinge seinen Lauf und der Horror hält Einzug.
Obwohl dieses Buch erst nach Carrie erschien, ist dieses Buch, aus einer Kurzgeschichte entwickelt, schon vorher entstanden. Wer sich ein wenig mit dem Stephen-King-Cosmos auskennt, der findet auch hier schon Orte und Personen, die in späteren Werken wieder auftauchen.
Wendet sich der Autor in seinen späteren Thrillern mehr übernatürlichen Phänomen zu, so ist hier der blanke Horror allgegenwärtig. Stephen King bedient sich der Elemente der klassischen Vampir-Geschichten und verpflanzt sie auf die ihm eigene Weise in das beschauliche Maine der 1970er Jahre. Wie so oft ist es die friedliche Alltäglichkeit, die sich bald ins puren Grauen verwandelt und im Gegensatz zu manchen Spätwerken kommt Stephen King hier sehr schnell auf den Punkt. Und wieder sind es weniger die spannenden Handlungen, die den Thrill ausmachen, sondern die meisterlich gezeichneten Personen, die den Leser an ihren Ängsten teilhaben lassen.
Hat mich dieses sehr düstere Buch als Jugendlicher das Gruseln gelehrt, so hat es auch nach über zwanzig Jahren nichts von seiner Wirkung verloren.

Ein absoluter Horror-Klassiker des Altmeisters, der schon in sehr frühen Tagen seine Klasse erahnen ließ.


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