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Rezensionen verfasst von
Philip Winter "phillipwinter"

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Jakobs Weg
Jakobs Weg
von Dirk Brall
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... mehr als nur eine Nacherzählung!, 1. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Jakobs Weg (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte des Patriarchen Jakob aus dem ersten Buch Mose ist befremdlich und bewegend zugleich: Hier geht es nicht um Moral, nicht um das gute, fromme Leben, eher um Betrug, um menschliche Abgründe, um Ängste, Flüchte und Heimholungen. Kaum eine andere Figur im AT ist so zerrissen, vom Schicksal getrieben ' und doch ist es nicht nur die Geschichte Jakobs, die erzählt wird, sondern auch die eines Gottes, der sich genau zu diesem (durchtriebenen und gebrochenen) Mann stellt, der ihn auf seinen Irrungen begleitet, ein Gott, der ihm begegnet und ihn schließlich über die Schwellen seines Lebens führt.

Dirk Brall hat mit »Jakobs Weg« die biblische Geschichte des Patriarchen Jakob nacherzählt. Aber er erzählt sie nicht einfach nur nach. Er nimmt vielmehr die Bruchstellen der Figur, bricht sie auf für eine Erzählung aus verschiedenen Perspektiven, mit denen er sich der Figur behutsam nähert: Da wäre zum einen Rebekka, Jakobs Mutter, dann Joseph, sein Sohn, der aus Ägypten einen Brief an Benjamin schreibt, schließlich Esau, der Bruder und Betrogene. Sie alle kommen zu Wort. Mit ihnen begleitet man Jakob auf seinem Weg.
Auch wenn Dirk Brall sich nah am biblischen Text hält (so nah übrigens, dass man mit Brall viele Aspekte der Geschichte entdecken kann, die man offensichtlich immer überlesen hat), öffnen die verschiedenen Perspektiven auch Zugänge zu der Figur, die über die Vorlage hinausgehen und ihr überraschende Einsichten abringen. Dabei erzählt Dirk Brall ganz und gar unprätentiös, in erfrischend klarer Sprache, so dass man nichts von den viertausend Jahren zu spüren bekommt, die auf der Geschichte lasten. Auch erzählt Brall fern ab von allem frömmelnden Besserwissertum. Er ebnet seine Figur nicht ein, kleistert ihre Brüche nicht zu. Brall bleibt vielmehr an ihren Rissen und Brüchen hängen, reibt sich an ihrer spröden Oberfläche. Damit gelingt ihm aber auch ein Buch, in dem er von tiefen Begegnungen erzählen kann, schließlich von der Begegnung mit dem einen Gott, der die Abgründe der Menschen nicht scheut.

Ein absolut lesenswertes und schönes Buch.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 12, 2008 9:21 PM MEST


Paris, Texas [Special Edition] [2 DVDs]
Paris, Texas [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Harry Dean Stanton

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein unvergleichlicher Film, 23. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Paris, Texas [Special Edition] [2 DVDs] (DVD)
Wenders schrieb einmal, dass zwei Bilder, sobald man sie aneinander schneide, gleich eine Geschichte erzählen würden - und er schrieb dies aus Resignation, denn eigentlich wollte er ja das Filmbild vor den narrativen Überformungen, vor der Indienstnahme durch die Erzählung bewahren.
'Paris - Texas' entstand in den frühen 80er Jahren als Trotzreaktion auf seine frustrierenden Erfahrungen mit der amerikanischen Filmindustrie (von 79-83 drehte er in mehreren Versionen für Francis Ford Coppola 'Hammet' und war am Ende doch gescheitert); der Film war sozusagen zugleich Befreiungsakt und Bekenntnis (zum europäischen Autorenfilm), und doch war es bis zu diesem Zeitpunkt auch sein narrativster. Überschaut man sein Gesamtwerk, dann markieren 'Paris - Texas' und 'Himmel über Berlin' (vielleicht die bis heute gelungensten Filme von Wenders, wenn auch nicht erfolgreichsten) sozusagen Marksteine seiner Entwicklung: von der programmatischen Verweigerung hin zum klassischen Erzählkino, wobei er noch immer seinen eigenen Zugang zum filmischen erzählen fand, sich selbst also letztlich treu geblieben ist.
Natürlich ist auch bei 'Paris - Texas' der Film nicht beschrieben, wenn man den Plot erzählt: diesmal geht es um keine Suche mehr, sondern um ein Ankommen, das Ankommen eines halb verdursteten Mannes (Travis, gespielt von Harry Dean Stanton) aus der Wüste zurück in die Zivilisation, wobei die Zivilisation zunächst nicht mehr ist als ein kleines Krankenhaus am Rande der texanischen Wüste. Ohne jede Erinnerungen hilft eine Visitenkarte mit der Telefonnummer von Travis' Bruder, der ihn letztlich bei sich zu Hause aufnimmt - wie schon Jahre zuvor dessen 7 Jährigen Sohn. Nach und nach freunden sich nun Vater und Sohn wieder an und begeben sich schließlich auf die Suche nach der seit Jahren verschollenen Mutter des Kleinen, Travis' Frau (Nastassja Kinski), die sie dann auch in einem Peep-Show-änhlichen Etablissement in Dallas finden.
Dabei lässt sich Wenders viel Zeit, und lässt auch seinen Figuren die Zeit sich und ihre Beziehungen zu entwickeln - das ganze wiederum in Bildern, die man vielleicht mehr noch als die Geschichte von diesem Film in Erinnerung behält - wie z.B. die nahezu endlose Dialog von Travis und seiner Frau, gefilmt vor (und hinter) der verspiegelten Scheibe des Peep-Show-Arrangements, die nicht nur die beiden trennt, sondern auch ihre psychischen Dimensionen offenbart.


Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas
Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas
von Arnold Bühler
  Gebundene Ausgabe

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannendes Quellenmaterial - für den Laien aufbereitet, 8. April 2003
Das Buch ist ein Glücksfall - zumindest für diejenigen, die gerne mittelalterliche Quellen lesen, aber auf den ganzen philologischen Apparat, der solche Publikationen ansonsten ziert, auch verzichten können. Der 'Kreuzzug Friedrich Barbarossas' selbst ist in seiner Tragik (in mehrfacher Hinsicht) kaum zu überbieten; um so spannender also der 'Augenzeugenbericht', die Binnenperspektive, die mit dem Unglück und dem Scheitern umzugehen versucht ... Der Text ist lesbar und gut gegliedert. Der Leser wird einleitend von dem Herausgeber in Text und Kontext eingeführt, so dass spezielle Vorkenntnisse zum Verständnis nicht erforderlich sind.


Lebenskünstler
Lebenskünstler
DVD ~ Jean Arthur

13 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen überzogen_ ein eher schlechter Capra-Film, 7. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Lebenskünstler (DVD)
'You can't take it with you' - so der Original-Titel und eigentlich auch das Generalthema des Films: "Wir werden nichts mitnehmen können", also lasst uns doch nett zueinander sein ... Wenn man einen Capra Film anschaut, sollte man auf diese Form Sozial-Romantik eingestellt sein (und sich nicht beschweren, wenn man sie dann auch präsentiert bekommt). Doch fehlt in diesem Film all das, was den anderen Capra-Filmen ihren unverwechselbaren Charme verleiht: 'Lebenskünstler' ist eher ein Pamphlet als eine engagierte und gleichzeitig auch unterhaltsame Komödie (wie z.B. 'Mr. Deeds goes to Town'); es gibt entnervend lange Ansprachen des (nicht wirklich) liebenswürdigen Großvaters, viele gute Ratschläge und nur wenige wirklich komische Szenen. Also: wenn schon Frank Capra, dann doch lieber 'It happend one night', 'Mr. Deeds' oder 'Ist das Leben nicht schön'


Weihnachtsoratorium (Gesamtaufnahme)
Weihnachtsoratorium (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 18,90

63 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erstklassige Aufnahme, 14. November 2002
Ich bin zwar kein Spezialist in Fragen Musik, schon gar keiner im Hinblick auf die Bewertung verschiedener Aufnahmen, doch diese hat mich ganz und gar überzeugt. Dabei kenne ich - nicht zuletzt aufgrund meiner Suche nach einer geeigneten Version - auch andere Aufnahmen, die teilweise erscheckend in der Qualität variieren - was vor allem für die Solisten gilt. Doch hier klingt der Sopran klar, der Bass solide (wie gesagt: so beschreib ich das als Laie), das Orchester voll, und doch transparent. Und für diesen Preis ist das Weihnachtsoratorium ein absolutes Schnäppchen!


Das Buch Namen, Exodus, 4 CD-Audio
Das Buch Namen, Exodus, 4 CD-Audio
von Martin Buber
  Audio CD

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Bibel war immer schon ein Hörbuch ..., 14. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Das Buch Namen, Exodus, 4 CD-Audio (Audio CD)
Dass wir heute die Bibel vor allem als Buch kennen, dessen Erzählungen, Prophetien und Glaubenzeugnisse auf dünnen Blättern gedruckt zwischen zwei Buchdeckeln im Bücherregal vor sich hinstauben, ist der Mediengeschichte geschuldet, dem Buch selbst, der Bibel, aber ganz und gar unangemessen. Denn vor Gutenberg wurde die Bibel in den wenigsten Fällen gelesen, und wenn, dann schon gar nicht allein, im stillen Kämmerlein. Abgesehen von den letzten vierhundert Jahren hat man die Bibel gemeinhin vorgelesen, und mehr noch: gehört! Dass wir aber die Bibel heutzutage vornehmlich lesen, statt ihre Texte zu hören, ist keine nachsehbare Eigenheit der Neuzeit, sondern eine Veränderung mit kaum absehbaren Auswirkungen. Folgt man McLuhan, wenn er sagt, dass das Medium den Inhalt überforme (the medium is the message), dann gilt dies für die Bibel umso mehr: Denn für das neuzeitliche Dispositv 'Buch' war die Bibel - wenn man so will - nicht konzipiert. Tatsächlich hat Gutenberg die Bibel nicht nur zwischen zwei Buchdeckel gepresst, sondern letztlich auch den (aufklärerisch-rationalen) Maßstäben der neuzeitlichen Buchkultur ausgeliefert, so dass wir - wie die moderne Theologie zeigt - als rational imprägnierte Buchleser gar nicht mehr dazu in der Lage sind, ihren Inhalt zu verstehen.
Umso mehr ist die Möglichkeit zu begrüßen, mittels Hörbuch die Bibel mit ihren Erzählungen wieder unseren Ohren zuführen zu können, denn vielleicht ist das Ohr ja tatsächlich - wie die Romantik glaubte - das Organ, mit dem wir am eindringlichsten aufnehmen können.


Die Postmoderne im Kino: Ein internationaler Reader
Die Postmoderne im Kino: Ein internationaler Reader
von Jürgen Felix
  Taschenbuch

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Postmoderne ist Geschichte - aber nicht fürs Kino, 14. November 2002
Die Postmoderne ist eigentlich Geschichte, oder, wie Jürgen Felix in seinem Vorwort den schönen Ausspruch von Vilem Flusser zitiert: "Vielleicht reden die Leute von der Postmoderne, weil sie mitten in der Moderne stecken, die ihnen zum Hals heraushängt, und vielleicht ist das Reden vom Ende der Postmoderne nichts als die ernüchternde Entdeckung, dass wir mitten in der uns zum Hals heraushängenden Moderne stecken?" - doch scheint dieser Abgesang für das Kino nicht zu gelten. Denn seit den 80er Jahren - also der Dekade, die sich selbst als postmodern verstand und heute als Postmoderne verstanden wird - gibt es Veränderungen im Kino, die nach wie vor wirksam sind: gemeint ist eine Filmkultur, die sich eklektizistisch gebärdet, die sich der Logik des Zitats bedient, in der der Raum seine Präferierung gegenüber der linearen Dramaturgie erfährt, die letztlich die „zunehmende Mediatisierung unserer Selbst und Weltbilder reflektiert." Und dies gilt im gleichen Maße für das populäre wie für das ambitionierte Autorenkino. Es gibt also nach wie vor Diskussionsbedarf. Und als Diskussions-initiierende Materialsammlung versteht sich der Band von Jürgen Felix, der illustre Autoren, klassische Texte und Abseitiges versammelt - alles zusammen eine hervorragende Grundlage für das Studium des aktuellen Kinos.


Paris, Texas [UK Import]
Paris, Texas [UK Import]
DVD ~ Harry Dean Stanton
Wird angeboten von Cover Music
Preis: EUR 32,86

19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen vielleicht einer der besten Filme von Wenders, 21. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Paris, Texas [UK Import] (DVD)
Wenders schrieb einmal, dass zwei Bilder, sobald man sie aneinander schneide, gleich eine Geschichte erzählen würden - und er schrieb dies aus Resignation, denn eigentlich wollte er ja das Filmbild vor den narrativen Überformungen, vor der Indienstnahme durch die Erzählung bewahren.
'Paris - Texas' entstand in den frühen 80er Jahren als Trotzreaktion auf seine frustrierenden Erfahrungen mit der amerikanischen Filmindustrie (von 79-83 drehte er in mehreren Versionen für Francis Ford Coppola 'Hammet' und war am Ende doch gescheitert); der Film war sozusagen zugleich Befreiungsakt und Bekenntnis (zum europäischen Autorenfilm), und doch war es bis zu diesem Zeitpunkt auch sein narrativster. Überschaut man sein Gesamtwerk, dann markieren 'Paris - Texas' und 'Himmel über Berlin' (vielleicht die bis heute gelungensten Filme von Wenders, wenn auch nicht erfolgreichsten) sozusagen Marksteine seiner Entwicklung: von der programmatischen Verweigerung hin zum klassischen Erzählkino, wobei er noch immer seinen eigenen Zugang zum filmischen erzählen fand, sich selbst also letztlich treu geblieben ist.
Natürlich ist auch bei 'Paris - Texas' der Film nicht beschrieben, wenn man den Plot erzählt: diesmal geht es um keine Suche mehr, sondern um ein Ankommen, das Ankommen eines halb verdursteten Mannes (Travis, gespielt von Harry Dean Stanton) aus der Wüste zurück in die Zivilisation, wobei die Zivilisation zunächst nicht mehr ist als ein kleines Krankenhaus am Rande der texanischen Wüste. Ohne jede Erinnerungen hilft eine Visitenkarte mit der Telefonnummer von Travis' Bruder, der ihn letztlich bei sich zu Hause aufnimmt - wie schon Jahre zuvor dessen 7 Jährigen Sohn. Nach und nach freunden sich nun Vater und Sohn wieder an und begeben sich schließlich auf die Suche nach der seit Jahren verschollenen Mutter des Kleinen, Travis' Frau (Nastassja Kinski), die sie dann auch in einem Peep-Show-änhlichen Etablissement in Dallas finden.
Dabei lässt sich Wenders viel Zeit, und lässt auch seinen Figuren die Zeit sich und ihre Beziehungen zu entwickeln - das ganze wiederum in Bildern, die man vielleicht mehr noch als die Geschichte von diesem Film in Erinnerung behält - wie z.B. die nahezu endlose Dialog von Travis und seiner Frau, gefilmt vor (und hinter) der verspiegelten Scheibe des Peep-Show-Arrangements, die nicht nur die beiden trennt, sondern auch ihre psychischen Dimensionen offenbart.


Wings Of Desire [UK Import]
Wings Of Desire [UK Import]
DVD ~ Bruno Ganz
Wird angeboten von MERLINMOOSIKDE
Preis: EUR 32,00

81 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen zweifellos ein Meisterwerk ... und noch viel mehr, 18. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Wings Of Desire [UK Import] (DVD)
Ich glaube nicht, dass es einen zweiten Film gibt, der mich so beeindruckt hat wie dieser. Zumindest seinerzeit, 1987, als ich den 'Himmel über Berlin' zum ersten Mal auf der Leinwand sah - und seitdem immer wieder - offenbarte er mir die Möglichkeiten des Kinos in einer Dimension, wie ich sie zuvor kaum geahnt habe.
Die Geschichte ist kurz erzählt, doch damit der Film noch lange nicht beschrieben: im geteilten Berlin streifen die Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) durch die Stadt als beobachtende, doch 'körperlose' Wesen, deren Existenz sich allein Kindern offenbart. Doch das Beobachten weckt auch Neugierde: nach der Physis, der sinnlichen Erfahrung, der Liebe, die Menschen bisweilen füreinander empfinden, bis sich Damiel letztlich dazu entschließt, seine unsterbliche Existenz gegen eine endliche einzutauschen, um der Frau zu begegnen, die wie keine Andere den Wunsch nach 'Begegnung' in ihm zu wecken vermochte.
Zuvor jedoch nutzt Wenders die körperlose Existenz seiner Protagonisten ausgiebig, um die Kamera des Altmeisters Henri Alekan ganz zu entfesseln und den Zuschauer in einer beinahe 30 Minuten langen Anfangssequenz mit atemberaubenden Bewegungen durch die Stadt gleiten zu lassen - d.h.: durch die Stadt und ihre Bewohner, die man mit den Engeln auf der Straße, im Auto, in der U-Bahn für wenige Minuten oder Sekunden begleitet, um in ihre Gedanken, ihre Schicksale einzutauchen. So entfalten sich unzählige kleine Geschichten auf den Streifzügen, bevor sich die eine, die Geschichte der Menschwerdung, immer mehr verdichtet und zum Hauptanliegen der Erzählung wird. So unglaublich schön wie diese von Bruno Ganz gespielt wird, wenn er z.B. zum ersten mal Farben sieht, Kaffee schmeckt, die Kälte spürt, die Welt wie ein Kind neu für sich entdecken darf, so tritt sie dennoch in den Hintergrund vor all den Episoden, die ein ganzes Kaleidoskop an möglichen Geschichten entfalten, die alle genauso gut wie die primäre Geschichte hätten erzählt werden können.
Nicht ganz schuldlos an diesem faszinierend schillerndem Mosaik sind sicherlich die Texte Peter Handkes, der zwar kein Drehbuch schrieb, dafür aber poetische Fragmente, die zumeist aus dem Off als Gedanken, Assoziationen oder lyrische Kommentare eingesprochen werden.
Wie wenig aber man dem Film gerecht wird, wenn man ihn auf seine bloße 'Story' herunterbricht, diesen traurigen Nachweis hat Brad Silberling 1998 mit seinem Remake 'City of Angels' erbracht, einem Film, der an Belanglosigkeit wohl kaum zu übertreffen ist.


Nomaden der Lüfte (2 DVDs)
Nomaden der Lüfte (2 DVDs)
DVD ~ Jean de Tregomain
Wird angeboten von LS-Medienvertrieb
Preis: EUR 34,80

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein 'symphonischer' Film über die Tierwelt, 11. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Nomaden der Lüfte (2 DVDs) (DVD)
Wer einen klassischen Tierfilm erwartet, wird manches vermissen, denn 'Nomaden der Lüfte' erklärt nichts, erzählt nicht einmal eine Geschichte. Selbst der sporadisch eingesetzte Kommentar hält sich mit Informationen vornehm zurück. Dafür aber hat sich der Filmemacher etwas bewahrt, das heute Seltenheitswert besitzt: er kann noch über das Wunder der Tiere staunen und bewahrt dieses beinahe kindliche Staunen in Bildern auf, die einen selbst zurückversetzen in eine Zeit, da alles noch beseelt war und eben noch nicht erklärt, seziert und analysiert.
Es ist in der Tat ein rein visueller Film, dessen Bilder ihres gleichen suchen und wenn man sich erst einmal auf diesen Film eingelassen hat, wird es einen auch nicht mehr stören, dass man in der einen Einstellung die Vögel in der Antarktis, in der nächsten gleich auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontinent zu sehen bekommt (ohne dass dieser Sprung durch irgendetwas anderes motiviert wäre als durch den Rhythmus der Bilder).
Phänomenal sind die Aufnahmen, wenn die Kamera die Vögel beim Flug auf Augenhöhe und aus nächster Nähe begleitet - und das in den sanften Lichttönen des Sonnenauf- oder Untergangs. Wer selbst einmal Filme zu drehen versucht hat, wird wissen, welchen Aufwand diese Ästhetik dem Team abverlangte. Und man kann sich darauf verlassen, dass keines der Bilder zufällig entstand, ohne ausgeklügelte Komposition (es gibt selbst Kamera- und Kranfahrten; und das bei solch unbezwingbaren Darstellern wie den Zugvögeln). Bisweilen aber wird es einem tatsächlich zuviel der schönen Bilder, wenn selbst der im Ölschlamm versinkende (und verendende) Vogel noch in Hochglanz-Ästhetik abgebildet wird. In jedem Fall aber bleibt der Film ein ganz außergewöhnliches Erlebnis ...
Wer nun aber doch nach Informationen sucht, dem bietet die DVD-Ausgabe zu dem Film die entsprechenden Handreichungen: Auf Texttafeln findet man alles Wissenswertes zu den einzelnen Vogelarten, zu dem Film kann man den Kommentar der Filmemacher zuschalten und auf der Bonus-DVD gibt es noch ein ausführliches 'Making off'.


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