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Rezensionen verfasst von
Heinz Abler "habler" (Winterthur, Schweiz)
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Die Welt im Notizbuch
Die Welt im Notizbuch
von Ryszard Kapuściński
  Taschenbuch

46 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welthaltig, 17. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Die Welt im Notizbuch (Taschenbuch)
Als Ryszard Kapuscinski Polen verliess, um als Korrespondent von der Welt zu berichten, begann sie sich in viele Staaten aufzulösen. Zu Beginn der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts verabschiedeten sich die Kolonisierten von den Kolonisten. Es entstand die sogenannte Dritte Welt. Die Unabhängigkeit, zunächst gefeiert, erwies sich als schmerzhafter Prozess. Die jungen Staaten gerieten ins Magnetfeld des Kalten Krieges.
An dieser Bruchstelle setzen die Berichte Kapuscinskis ein. Die Frage ist müssig, ob es sich hier um Journalismus oder Literatur handelt. Es ist beides und das Tragische daran ist, dass uns diese Form des Journalismus abhanden kommt. Ein Journalismus, der dem Leser kulturelle Hintergründe und geschichtliche Zusammenhänge vermittelt, der den Menschen Anteil nehmend in seiner Lebenswelt zeigt, kurz, der den Blick erhellend auf die Welt richtet.
Es ist ein Journalismus, der eines benötigt, was in unserer medial übersäuerten Welt fehlt: Zeit, viel Zeit. Kapuscinski nimmt sie sich und setzt sich aus. Er will kennen lernen, wovon er berichtet. Er will mit den Menschen zusammen leben und vor allem auch leiden. Er will wissen, was Hunger, Krankheit, Siechtum, Kälte, Nässe und Hitze bedeuten. Der Tod lauert, es ist Krieg. Es sind schmutzige, schäbige, kleine und blutige Kriege. Er muss sie am eigenen Leibe ertragen. Er berichtet darüber. Indem er davon berichtet, leidet er mit. Es ist nicht unsere geordnete Welt, deren Frieden auch durch hässliche Tagesschaubilder nicht gestört wird, die er uns zeigt. Er weiss, dass wir in Ruhe konsumieren wollen. Auch diese Bilder, welche uns die mediale Unterhaltungsmaschine frei Haus liefert und die so rasch von der Werbung weg gedrängt werden.
Das vorliegende Buch, fragmentarisch zusammengestellt, enthält Erinnerungen, Notizen, Gedanken, Beobachtungen, Betrachtungen, Erkenntnisse, die der Autor in den Jahren 1989-96 aufgezeichnet hat. Sie zeigen, wie er arbeitet, wovon er sich leiten lässt, welche Sprachform er für angemessen hält. Sie zeigen aber auch wie die Veränderung der politischen Landschaft seit 1989 ins Bewusstsein einsickert, was die sprunghafte Entwicklung von Kommunikations-und Informationstechnologie in einer sogenannt globalisierten Welt bedeuten. Auch für den Reporter, auch für seine Arbeit und sein Leben. Aus seinem Berichtsfeld reflektiert er zurück in die uns bekannte und vertraute Welt. So nimmt er auch Kunst und Kultur in den Blick, schreibt über das Vergehende und Bleibende.
Es ist ein Buch mit philosophischer Tiefe, geschrieben von einem leidenschaftlich engagierten Menschen. Der Leser möge sich darin finden..
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 21, 2009 12:42 PM MEST


Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge.
Fälle. Prosa, Szenen, Dialoge.
von Daniil I. Charms
  Pappbilderbuch

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sanfter Charme der Subversion, 17. Mai 2003
Leningrad, Februar 1942. In einem stalinschen Kerker in der von der Nazi-Wehrmacht belagerten Stadt vehungert vergessen ein 37-jähriges Genie: Daniil Ivanowitsch Charms. Eine Charms-Geschichte ? Ein Fall ?
Fast wie dieser (aus "Fälle"):
"Ein Mensch mit dummem Gesicht ass ein Entrecôte, rülpste und starb. Die Kellner trugen ihn auf den Korridor hinaus, der zur Küche führte, legten ihn längs der Wand auf den Boden und deckten ihn mit einem schmutzigen Tischtuch zu".
Eine Geschichte, die zeigt, wie Charms der ihn umgebenden Wirklichkeit ein Leben abzuringen versuchte. Sein Leben, das er selbst als Gesamtkunstwerk inszenierte. Ein subversiver Akt inmitten der stalinschen Unkultur, die den "Neuen Menschen" schaffen wollte. Die Texte, Sketches, Stücke und Gedichte, die wir in diesem von Peter Urban hervorragend übersetzten Buch vorfinden, gewinnen angesichts der aktuellen Zustandes der Welt wieder an Wirkung. Die Lektüre dieses Buches kann unvorhersehbare Folgen und Nebenwirkungen im Kopf haben. Leserinnen und Leser mögen sich also vorsehen.


Footsteps of Our Fathers
Footsteps of Our Fathers
Wird angeboten von am-auction
Preis: EUR 8,00

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verwalter des Jazz, 17. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Footsteps of Our Fathers (Audio CD)
Nach Wynton wird nun auch Saxerbruder Branford zum Erbverwalter dessen, was der Marsalis-Clan für „klassischen" Jazz hält. Während jener etwa bei Ellington beginnt und bei Monk aufhört, nimmt sich dieser hier das Werk der etwas jüngeren Ornette Coleman (Giggin'), Sonny Rollins (Freedom Suite), John Coltrane (Love Supreme) und John Lewis (Concorde) vor. Der missionarische Eifer, mit dem die Kanonisierung seit Jahren betrieben wird, wirkt umso bemühender, als eine Suite wie etwa „Love Supreme" sich zur Archivierung schon deshalb schlecht eignet, als sie der spirtuellen Tiefe ihres Schöpfers entsprungen ist, und, selbt gut nachgespielt, nichts weiter als einen faden Abklatsch ergibt.
Auch Rollins' „Freedom Suite„ wird man kaum gerecht, indem man den Pianisten (Joey Calderazzo) mal eben vom Instrument scheucht um die pianolose Freiheit auszukosten, die bei Rollins eine notwendige Phase der musikalischen Entwicklung war.
Da werden mithin zwei Suiten zweier verschiedener Saxgiganten auf dieselbe Scheibe gepresst und mit je einer Komposition eines weiteren Saxofonisten und Pianisten, die unterschiedlicher kaum sein könnten, kombiniert. Ein Unding, das leider von keiner kritischen Instanz verhindert wurde. Der späte Wunderknabe, der das alles auf die Reihe kriegt, produziert ja nun im eigenen Hause.
Gewiss, die Musiker spulen das Programm routiniert und technisch gekonnt ab, die Rhytmusgruppe (Eric Revis b, Jeff „Tain" Watts dm) agiert mit gewohntem Verve; man mag wohl die Füsse in die Fusstapfen der Väter kriegen, ausfüllen kann man sie indes nicht. Dazu hätte es des Schöpfergeistes der Vorbilder bedurft; vielleicht wäre man sogar über die Fusstapfen hinaus gekommen.


Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945
Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945
von Jörg Friedrich
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zerstören ist einfacher, 18. Februar 2003
Könnte es sein, dass sich die Deutschen deshalb so vehement gegen den Krieg im Irak stemmen, weil gerade sie nachhaltig unter dem durch den allierten Bombenterror 1940-45 hervorgerufenen Trauma leiden ?
Natürlich ist dies lange her und es bedurfte der von W.G.Sebald aufgeworfenen Frage, weshalb sich dieses Trauma in der zeitgenössischen deutschen Literatur lange Zeit nicht niederschlug, bis man sich des Themas annahm.
Jörg Friedrich tut dies hier in eindrücklicher Weise.
Natürlich beeilt sich eine übereifrige Historikergilde, Friedrich Unterlassungen, mangelnde Hinweise auf den historischen Kontext , unangemessene Sprachwahl usw. vorzuwerfen.
Historikerkollegen erheben solche Vorwürfe naturgemäss immer bei Büchern, die sie nicht selber geschrieben haben. Der mündige Leser sollte sich indes nicht irritieren lassen, zumal Geschichtsschreibung den Fokus stets auf einen mit viel Unschärfe vernebelten Gegenstand richtet. Es spielt auch eine geringe Rolle, ob der Ikone W.Churchill und ihrem willigen Helfer Air Marshall A. Harris der Status von Kriegsverbrechern zu zu sprechen sei, jedenfalls haben sie das Ziel des von ihnen ausgerufenen „Moral Bombing" gründlich verfehlt. Friedrich zeigt, dass eine ums nackte Leben kämpfende Bevölkerung kaum die Kraft hat, eine blindwütige, massenmörderische Diktatur hinweg zu fegen. Im Gegenteil, Wut und Verzweiflung richten sich gegen die Verursacher des Elends. Dies sollten sich auch diese eifrigen Kriegsplaner in Washington merken.
Ein grosses Verdienst Friedrichs besteht auch in seiner detailreichen Schilderung des Verlustes der kulturellen und historischen Tiefe in vielen Städten, die in die Form von Städtebau, Architektur, Kirchen, Galerien, Museen, Bibliotheken usw. über viele Jahrhunderte und Generationen gegossen, sich ins kollektive Gedächtnis eines Gemeinwesens eingeprägt haben. Es kommt schon einer Pervertierung des menschlichen Geistes gleich, wie viel wissenschaftliche Energie in das höchst effiziente Wegbrennen dieser Geschichte investiert wurde. Die Industrialisierung der Vernichtung und Zerstörung, im 1. Weltkrieg begonnen, erreichte noch vor Ablauf der 1. Hälfte des 20. Jahrhundert einen ersten Höhepunkt, bevor die ersten Atombomben eine (vorläufige) Verzögerung auslösten. Der Verlust der eigenen Geschichte, den Friedrich hier zeigt, bedeutet gleichzeitig einen Verlust der tradierten Werte, auf denen eine Gesellschaft gründet und kann zu einem Rückfall in die Barbarei führen. An diesem Zerstörungswerk hat Hitler letztlich den wesentlichsten Anteil, und auch daran, dass gezeigt wurde, wie wenig weit die Bestie Mensch auf dem Weg von der Finsternis der Höhle ans Licht der Erkenntnis voran gekommen ist


What Goes Around (2002)
What Goes Around (2002)
Preis: EUR 16,69

22 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Quintett zur Big Band, 24. September 2002
Rezension bezieht sich auf: What Goes Around (2002) (Audio CD)
Nachdem Dave Holland nun schon über lange Jahre hinweg mit seinem Quintett (sax,tb,vib,b,dm) mit wechselndem Personal die Möglichkeiten dieses Formats überzeugend auslotete, nimmt er das aktuelle (Chris Potter ts,Robin Eubanks tb,Steve Nelson vib und Billy Kilson dm) als Kerntruppe und erweitert es um einige weitere Musiker,darunter Antonio Hart as, Gary Smulyan bs, Duane Eubanks und Alex Sipiagin tp,flh zur Big Band und überrascht auch hier durch die scheinbare Leichtigkeit und Präzision, die seine Musik schon immer auszeichnete. Hollands Arrangements der eigenen älteren und neueren Stücke bestechen durch ihre Ausgewogenheit zwischen geschriebenen und improvisierten Teilen ohne je an Kohärenz einzubüssen. Man möchte glauben, Holland hätte seit eh und je Big Bands arrangiert. Wie sonst verzichtet Holland auch hier auf ein Piano und überlässt den Part gewissermassen dem Vibrafonisten Steve Nelson, der Arrangements und Sound eine besondere Note verleiht. Die Stücke werden, stets von Hollands sattem Bass und Kilsons quirlig-fettem Beat unterfüttert , mit einem Drive und Swing vorgetragen, der einen schlicht in den Sessel hinein drückt und den Atem raubt. Stammpersonal und Gäste haben zudem ausgiebig Gelegeheit solistisch zu glänzen.
Man verbringt nicht weniger als 76 sehr vergnügliche, fesselnde Minuten, die keinen Moment auch nur einen Hauch von Langeweile aufkommen lassen.


Largo
Largo
Preis: EUR 11,33

13 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mehldau postmodern, 27. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Largo (Audio CD)
Wieder ist Mehldaus unruhiger, germanophiler Seele ein neues Opus entsprungen: Largo.
Die deutet nicht etwa auf Langsamkeit hin, sondern auf einen Club an der US-Westküste, in dem Mehldau zusammen mit dem Produzenten und Musiker Jon Brion ausgeheckt haben mag, was hier zu hören ist und zunächst etwas Ratlosigkeit auslöst. Der Einstieg mit "When it rains" mag ein verdüstertes Gemüt an einem Regentag ein bisschen aufhellen, denn begleitet von einem einem grösseren Ensemble und einem etwas aufdringlich patzigen Rock-Schlagzeug (Matt Chamberlain) nölt sich Mehldau durch den netten Song ohne beim Hörer allzu grosse Blessuren zu hinterlassen. Doch es wäre verfrüht, die Scheibe schon von der CD-Schublade zu nehmen. Denn nun begibt er sich zunächst ans Vibraphon und versucht es nach und nach mit allerhand Verfremdungen und elektronischen Verzerrungen am Piano, mal mit mal ohne Orchester, mal mit Jon Brion an Gitarre und Guitarsynthesizer, mal weidet er auf der Pop-, mal auf der Klassikwiese, begleitet mal von Larry Grenadier mal von Darek Oleszkiewicz am Bass, mal vom erwähnten Matt Chamberlain, mal vom Jim Keltner oder Jorge Rossy am Schlagwerk. Ein Stück führt gewissermassen organisch zum nächsten und schliesslich ist man bei Nr. 11, einer Sphinx aus "Wave" (Jobim) und "Nature's Son"(Lennon-McCartney) welches zu "I do", ebenfalls von Lennon-MaCartney überleitet. Ein gewisser dramaturgischer Wille schimmert durch, wenngleich letztlich des Meisters verfälschtes oder unverfälschtes Piano in bekannter Manier über allem waltet. Ist dies nun ein neuer Mehldau, oder der alte, etwas umdrapiert ?


Pharoah'S Children
Pharoah'S Children
Preis: EUR 23,33

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Filigranes Werk, 22. August 2002
Rezension bezieht sich auf: Pharoah'S Children (Audio CD)
Der Plattentitel "Pharoahs Children" scheint eher auf Pharaoah Sanders denn auf altägyptische Herrscher hinzudeuten, als dessen Kinder im Geiste sich J.D. Allen ts, Orrin Evans p, Eric Revis b und Gene Jackson dm offenbar sehen. Auf drei Titeln wirkt zudem der Trompeter Jeremy Pelt mit. Alle bis auf einen (Revis) sind von Allen geschrieben, der sich neben seinen beachtlichen Fähigkeiten als Saxer auch als bemerkenswerter Stückeschreiber offenbart. Gelegentlich erinnert Allen indes weit mehr an Wayne Shorter (auch als Komponist) als an Pharoah Sanders, denn wie jener scheint er ein Mann fürs Feine zu sein und lässt bei seinen filigran angelegten Stücken auch seine Kollegen zu Potte. Diese nutzen den gebotenen Freiraum für teilweise eigenwillige Beiträge. Insbesondere Pianist Evans - der Name verpflichtet - erweist sich als ein Talent, das es zu beachten gilt. Insgesamt ein schönes Hörerlebnis.


Directions in Music
Directions in Music
Wird angeboten von Fulfillment Express
Preis: EUR 25,97

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Jazz 75 Jahre nach der Geburt von Miles und Trane, 15. Juli 2002
Rezension bezieht sich auf: Directions in Music (Audio CD)
Directions in Music heisst das vorliegende Projekt, live aufgenommen in der Massey Hall, einem Tempel des modernen Jazz, wo einst Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach die Wegmarken setzten. Fast 50 Jahre später treten dort Herbie Hancock p, Michael Brecker ts, Roy Hargrove tp,flh, John Patitucci b und Brian Blade dm zur Feier der 75. Geburtstage der Überväter Davis und Coltrane auf. Grund genug mithin, das Schlimmste zu befürchten, denn eine solche Affiche ist reichlich hoch gehängt, zumal dann, wenn Personal der absoluten Spitzenklasse auf die Bühne bemüht wird. Ähnliches ist zu oft am zu hohen Anspruch gescheitert. Zu oft endete solches schon im Pfauenschlag der Giganten. Hier indes ist man am Ende bass erstaunt, eine aussergewöhnliche Scheibe gehört zu haben. Der Anchorman Hancock, als verbleibender Zeitgenosse der beiden Grösssen und in den 60ern Miles' Pianist hierzu prädestiniert, ist die Seele dieses Projektes und lässt seinen Mitspielern im Geiste der Vorbilder den Freiraum, der ihnen gebührt. Das Programm, eine Mischung von altem Davis- (Sorcerer, So What, My Ship),Coltrane- (Impressions, Naima, Transitions) -und neuem Material bilden die Vehikel für die Exkursionen der Solisten, wobei weder Brecker noch Hargrove sich dazu verleiten lassen, in Ton und Phrasierung ihren Vorbildern allzu sehr nach zu hängen. Tranes "Naima" wird von Brecker kühn in einem umwerfenden, unbegleiteten Solo gereicht, "My Ship" folgt dem Arrangement von Gil Evans aus "Miles Ahead" von 1957 und oft gespieltes, wie "Stella by Starlight" wird dreist in ein neues Stück eingebaut, "So What" erscheint nurmehr als Bass Intro und geht dann in ein völlig umarrangiertes und im Tempo stark zurück genommenes "Impressions" über. Und alles in einer atmosphärischen und emotionalen Dichte wie selten auf Konserven, so dass man als HörerIn beinahe ein bisschen erschlagen feststellt, dass Miles und Trane wohl doch noch in dieser Musik weiter leben, auch wenn sie ihre eigene Energie, die kaum für 75 Jahre gereicht hätte, in einem kürzeren Leben verbrauchten.


The Infinite
The Infinite
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 21,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Miles Revisited, 3. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: The Infinite (Audio CD)
Es gehe um das Unendliche, das Grenzenlose, "The Infinite", liest man vom Cover, die Scheibe gespannt einlegend. Eine Tür wird aufgestossen und man fällt durch ein Zeitloch, scheinbar zurück in die zweite Hälfte der 60er Jahre, in die grosse Zeit des zweiten Miles Davis Quintets mit Shorter, Hancock, Carter, Williams. Dies ist die Folie, die Dave Douglas in diesem Projekt auflegt. Offenbart wird uns dies indes erst im 2. Stück, nachdem wir im ersten, gewissermassen in a silent way an die Sache heran geführt werden. Dann allerdings legen die Herren Douglas tp, Chris Potter ts,bcl, Uri Caine e-p, James Genus b und Clarence Penn dm erst mal richtig los. Vom Geist des Miles werden wir durch dieses Programm hindurch getrieben, vorbei auch an verwitterten Wegmarken wie "Boplicity" aus den späten 40ern. Nein, hier wird keine neue Musik hervor gezaubert, wohl aber sorgsam mit einem Erbe umgegangen, das der Übervater hinterliess. Das damalige Konzept wird von der Gruppe ohne Anbiederung adaptiert und in ihrer Sprache virtuos weiter entwickelt, im Bewusstsein, dass Miles, weilte er noch unter den Lebenden, etwas anderes ungnädig quittiert hätte .The Infinite, meint mithin auch den unendlichen Dank den Douglas Miles Davis schuldet, und dem wir uns gewiss anschliessen können.


Speaking of Now
Speaking of Now
Preis: EUR 16,99

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Im Westen nichts Neues, 6. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Speaking of Now (Audio CD)
Gewiss lässt sich sagen, das Team Metheny/Mays/Rodby bleibe sich treu und generiere den Sound, den man sich von ihm gewohnt ist und der das Ohr so wohlig wärmt. Doch schon vor dem Mauerfall zu Berlin tönte das Metheny-Kollektiv so. Daran ändern auch die Zuzüge von Richard Bona voc, perc und Antonio Sanchez dm, deren Qualität vor allem in schneller Anpassung, unter Aufgabe jeglicher musikalischen Individualität besteht, nicht viel. Noch immer derselbe Synthesizersirup, als ob die Herren im Manual nicht weiter geblättert hätten, noch immer diese leicht aufgefönten Latinrhythmen, die so gut zum Schaumwein passen, noch immer diese abgelutschten harmonischen Patterns, über die der Chef -zugegeben- gekonnt hinweg fingert. Im Westen also nichts Neues, als ob etwa dergestalt zu beweisen wäre, dass es nach dem Towerfall zu New York doch noch sichere Werte in unserer ebenso unruhigen wie harmoniesüchtigen Welt gibt. Der Eindruck, dass Metheny glaubte, nach so viel Jahren mal schnell wieder ein Scheibchen seiner Gruppe einzuschieben, bevor sie im Ozean des Vergessens versinkt, will einen beschleichen. Ein weiteres der Art "Speaking of Nothing" wird den Untergang frei-lich beschleunigen.


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